Memoriale
thrüringisch- erfurtische Chronik
Konrad Stolle, Richard Thiele,
Historische Kommission der Provinz Sachsen
UN1VERSITY
OF VIRGINIA
CHARLOTl ESVIU E
LIBRARY
Digitized by Google
der
PROVINZ SACHSEN
und
angrenzender Gebiete.
Herausgegeben
von der
Historischen Conmiission der Provinz Sachsen.
NEUNUNDDREISSIGSTER BAND.
MEM OKIALE — thüringisch -erfurtische Chronik —
von Konrad Stolle.
bearbeitet von
Dr Richard Thiele,
Direktor des Kgl. Gymnasium» zu Erfurt.
HALLE,
Druck und Verlag von Otto Rondel.
1900.
Digitized by Google
MEMORIALE
thüringisch-erfurtische Chronik
von
Konrad Stolle.
Herausgegeben
von der
Historischen Commission der Provinz Sachsen.
Bearbeitet
von
! Dr. Richard Thiele,
Direktor des Kgl. Gymnasiums zu Erfurt.
Mit einem Titolbilde, Epitaph Konrad StolU>s.
HALLE.
Druck und Verlag von Otto Hendel.
1900.
Digitized by Google
DD
.S31GS
1: 35
Digitized by Google
Seiner Königlichen Hoheit
Dein Grossherzoge Carl Alexander
von
Sachsen-Weimar-Eisenach,
Landgrafen in Thüringen, Markgrafen zu Meissen,
u. s. w.
w i d in e t
diese Bearbeitung einer Chronik, welche von Thüringens..
Sage und Geschichte berichtet,
in ehrerbietigster Dankbarkeit
- .
Der Verfasser.
i
Digitized by Google
Google
Vorwort.
Im Jahre 1854 hatte der ehemalige Gymnasial-Diroktor, dann Archivar
1 und Bibliothekar in Rudolstadt Ludwig Friedrich Hesse in der
Bibliothek des Littorarischen Vereins in Stuttgart, No. XXXII, die
Chronik des Konrad Stolle, Vicarius am St. Severistift zu Erfurt,
unter der Bezeichnung „thüringisch -erfurti sehe Chronik" aus
der Jenaer Handschrift herausgegeben, genauer gesagt aus des Ver-
fassers Selbstschrift einen Auszug nach historischen Gesichtspunkten
veröffentlicht. Nimmt man diesen Standpunkt ein, so ist Hesses Aus-
wahl im ganzen zu billigen, denn er hat mit geschickter Hand und
mit richtigem Verständnis das ausgewählt, was das Werk Stolles zu
einer nicht unwichtigen Quelle für die Geschichte, besonders die
Kulturgeschichte der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts macht:
die Erzählung von Selbsterlebtem oder ihm Erzähltem. Für eine Erst-
herausgabe ist Hesses Leistung achtungswert , obschon er die aus-
gewählten Abschnitte durchaus nicht diplomatisch getreu wieder-
gegeben und sich mancher Mängel und Flüchtigkeiten schuldig gemacht
hat; so überspringt er, um nur ein Beispiel anzuführen, Bl. 224 T der
HS = S. 142 der Ausgabe = St. 325 (S. unserer Ausgabe) die
Zeile [bisschoff von] pisa unnd das gance gesiechte Pacz zu flo[renz|
und entdeckt so einen Bischof von Renz! Die Einleitung giebt nun
zwar über das gesamto Werk kürzere Auskunft und erhält auch ein-
zelne schätzenswerte Bemerkungen zur Erklärung, aber die Behandlung
des Stolleschen Werkes ist doch noch recht weit von einer erschöpfenden
Gesamtwürdigung desselben entfernt: Hesse fehlte namentlich das Ver-
ständnis für die Wichtigkeit Stolles als mitteldeutscher Sprach-
quelle, denn er hat nur wenige sprachliche Notizen auf S. XXVII
und XXVIII der Einleitung gegeben, trotzdem doch damals Heinrich
Rückert bereits seine Ausgabe des „Lebens des heiligen Ludwig", deutsch
von Friedrich Köditz von Saalfeld, 1851, veröffentlicht hatte. — Seit
der Zeit ist aber Stolle trotz der Mangelhaftigkeit der Hesseschen Aus-
gabe doch sowohl von den Historikern in seiner Bedeutung für die
Digitized by Google
VIII
Vorwort.
Geschichte des 1». Jahrhunderts als auch von den Germanisten, be-
sonders deu Lexikographen, für die mitteldeutsche Sprache allmählich
anerkannt worden; nimmt doch in letzterer Hinsicht auch unser
grosses Nationalwerk, das Grimmsche Wörterbuch, sowie auch Matthias
Lexer in seinem mittelhochdeutschen Lexikon auf ihn gebührend Rück-
sicht. Deshalb fasste Alfred Kirchhoff, der berühmte Geograph
und begeisterte Verehrer seiuer Vaterstadt Erfurt, den Plan, das
Ganze der Stolleschen Chronik herauszugeben. Er schrieb mit vielem
Fleisse, sorgsamster Akribie und grosser Sachkenntnis aus der Jenaer
Handschrift alle die Teile, welche von Hesse noch nicht ediert waren,
ab (mit ganz wenigen Ausnahmen, z.B. den Weimarer Vertrag vom Jahre
1483, St. ;J87, S. 50^»^ — 519 unserer Ausgabe) und kollationierte den ganzen
Hesseschen Druck genau nach der Handschrift. Kirchhoft gab jedoch
seinen Plan auf und schenkte dem „Verein für die Geschichte und
Altertumskunde von Erfurt" seine Abschrift sowie seine Kollation. An-
geregt durch den Stadtarchivar Professor Dr. C. Beyer hierselbst, welcher
am 17. Juli 19U0 der Wissenschaft leider durch einen frühzeitigen Tod
entrissen ist, habe ich den Plan KirchhofFs aufgenommen, und der Erfurter
Geschichtsverein überliess mir die Abschrift und Kollation Kirchhoffs. Auf
mein Anerbieten, den gesamten Stolle herauszugeben, hat dann die Histo-
rische Kommission der Provinz Sachsen, besonders auf Befürworten ihres
Vorsitzenden, des Herrn Geh. Regierungsrates Universitätsprofessors Dr.
Theodor Lindner in Halle a. S., dem ich hierfür zu besonderem Dank ver-
pflichtet bin, beschlossen, die Ausgabe als eine wünschenswerte Er-
gänzung der Geschichtsquellen der Provinz Sachsen auf ihre Kosten
herzustellen und die Bearbeitung mir zu übertragen. In den Jahren
1896 bis 1900 habe ich diesem mir gewordenen Auftrage gerecht zu
werden versucht, zunächst durch nochmalige Kollation der gesamten
Handschrift: ich verfehle nicht, der Verwaltung der Universitätsbibliothek
zu Jona, insonderheit dem Herrn Bibliotheksdirektor Dr. K. K. Müller,
meinen verbindlichsten Dank auch dafür auszusprechen, dass mir die
Handschrift Stolles im Winter 1896/97, sowie auch später i. J. 1900
während des Druckes gütigst überlassen wurde, um in jedem mir noch
zweifelhaften Falle nachsehen und nachprüfen zu können. Hierdurch
ist es mir möglich geworden, auf der früher von Kirchhoff geschaffenen
Grundlage einen diplomatisch-genauen Text herzustellen, freilich mit
allen Inkonsequenzen der oft willkürlich verfahrenden Handschrift, von
der nur die offenbaren Schreibfehler verbessert sind; allzu Sonderbares
ist mit ,,[sicj*k versehen, um zu bezeugen, dass die Schreibung wirklich
so sei, und nicht etwa ein Druckfehler oder ein Versehen meinerseits
Vorwort.
IX
vorliege. Wir bieten Stolle also genau so, wie er geschrieben
hat. Die Interpunktion freilich, da sie doch dem Verständnis vor
allem dienen soll, ist modern gestaltet, soweit es nötig war, sonst die
des Verfassers beibehalten.
Diesem Texte ist dann eine Erklärung des ganzen Werkes
hinzugefügt Dieselbe sucht zwei Gesichtspunkten gerecht zu werden.
Einmal berücksichtigt sie den historischen Gesichtspunkt Die Er-
klärung kritisiert daher das von Stolle Gebotene, stellt richtig, wo es
nötig ist (8. jedoch St. 1 A. 19, S. 40), beschneidet oder ergänzt die
Nachrichten. Sie geht, wo es nur irgend möglich ist, auf urkundliche
Quellen zurück, benutzt daher die Chronisten und Chroniken nur da,
wo jene fehlen, und wo auch sonst keine Auskunft zu erhalten war, wobei
. jedoch die späteren Erfurter Chroniken, deren es gedruckte und hand-
schriftliche in grosser Zahl giebt, grundsätzlich ausgeschlossen worden
sind, weil sie gänzlich unkritisch sind; den unhaltbaren Aufstellungen
und Erdichtungen unwissender und unkritischer späterer Chroniken-
schreiber ist sicherlich ein offenes: ,non liquet4 vorzuziehen. Daher
ergab sich als Pflicht, die Erzählungen stets, wo dieses möglich war,
kritisch und nach dem Standpunkte der modernen Forschungen zu be-
leuchten. Ob wir freilich alle und auch überall die neueste und beste
Litteratur herangezogen haben, bleibt uns selbst fraglich, denn bei dem
grossen Gebiete, das Stolle umfasst — neben der Thüringer Territorial-
und Erfurter Lokalgeschichte öfters Reichs- und Weltgeschichte — , mit
seinen zahlreichen Einzelheiten und der dadurch bedingten reichen
Litteratur ist das dem Einzelnen, auch beim besten Willen und bei
rastlosem Fleisse, kaum möglich, namentlich wenn er bei einem
schweren und verantwortungsvollen Amte diesem seinen Werke nur
die ihm karg zugemessenen Mussestunden widmen kann. Denn die
Hauptsache bleibt ja doch immer, und eine bei aller Gerechtigkeit wohl-
wollende Kritik wird dies sicher stets berücksichtigen, ob das Vor-
liegende richtig und ausreichend erklärt, nicht aber ob alles
lückenlos verzeichnet ist, was je über, den Gegenstand geschrieben
wurde. Und auch das von uns Geleistete, so wenig es auch sein mag,
würde nicht möglich gewesen sein, wenn ich nicht überall, und es ist
für mich eine angenehme Pflicht, dies dankbar anzuerkennen, die be-
reitwilligste und weitgehendste Unterstützung gefunden hätte. So bei
den Verwaltungen der Archive zu Basel, Erfurt, Magdeburg, Weimar
und Würzburg, bei den Bibliotheken in Erfurt (Magistrats-, Gymnasial-
und Königl. Bibliothek), Gotha, Halle, Leipzig, München und Weimar,
ebenso von vielen einzelnen Gelehrten, von denen ich aus Erfurt
Digitized by Google
X Vorwort.
Ausser dem schon erwähnten Professor Dr. C, Beyer noch die Herren
Professor Eduard Brandis und Professor Dr. Brünnert, meine Kollegen,
ferner die Herren Sanitätsrat Dr. Zschiesche und Pastor Oergel, die
Vorsitzenden des Erfurter Geschichts- und Alterturasvereins, nenne;
ferner die Herren Geh. Hofrat Dr. Burckhardt in Weimar, Professor Dr.
Holder-Egger in Berlin, Professor Dr. Konrad Miller in Stuttgart (,der
die mappa mundi kommentiert hat, s. S. 296 — 307), ferner in Erfurt
mehrere geistliche Herren, durch deren sachkundige Mitteilungen auf
dem Gebiete der katholischen Kirchen- und Kultuseinrichtungen ich
oft unterstützt bin, meinen Kollegen Herrn Dompfarrer Hunold und die
Herren Pfarrer Feldkamm, D. Schauerte und Stachelroth. Ihnen allen
sage ich auch an dieser Stelle meinen verbindlichsten Dank. Auch der
in Paderborn im Jahre 1898 verstorbene Kanonicus und Prälat Opper- •
mann, früher Severipfarrer in Erfurt, widmete meinem Beginnen reges
Interesse und unterstützte mich durch Rat und That.
Der andere Gesichtspunkt der Erklärung ist der sprachliche.
Hier war ich neben der nicht eben grossen Litteratur (s. St 1 A. 16;
anderes ist an den betreffenden Stellen citiert) ausser den mit den
Professoren Beyer und Brandis gepflogenen Unterredungen über mittel-
deutsche Sprache und Erfurter Dialekt auf mich selbst angewiesen, der
ich Thüiinger Kind bin. Ich hoffe aber durch meine Ausgabe der
wissenschaftlichen Erforschung der mitteldeutschen Sprache einen nicht
unwichtigen Dienst geleistet zu haben, nicht bloss mit den etwa 600
sprachlichen Anmerkungen und dem Wortregister, welche manches
Neue bringen und nicht weniges Dunkle erläutern — und gern hätte
ich, wenn mich nicht Rücksichten auf den mir zustehenden Raum ab-
gehalten hätten, anstatt des nur aufzählenden Wortregisters eine Laut-
und Flexionslelire der Stolleschen Sprache nebst einem Verzeichnis des
ihm eigentümlichen Wortschatzes eingesetzt — , als vielmehr mit dem
nach wissenschaftlichen Prinzipien hergestellten Text: er soll Bausteine
liefern für eine wissenschaftliche Grammatik des Mitteldeutschen, deren
wir (Pfeifers, Weinholds, Lexers u. a. grosse Verdienste in Ehren!)
dringend benötigen.
Was die äussere Einrichtung unserer Ausgabe betrifft, so haben
wir uns in der Einleitung (S. 1 — 30) der knappsten Kürze be-
fleissigt und nur das unbedingt Notwendige geboten: eine Erzählung
des Lebens Stolles, ferner eine Erörterung über Stolles Werk,
welchem wir den vom Autor ursprünglich beabsichtigten und die
Natur der Chronik allerdings recht bezeichnenden Namen „Memortale"
glaubten beilegen, eigentlich wiedergeben zu dürfen, im allgemeinen,
Digitized by Google
Vorwort.
XI
verbunden mit einer sachlich gestützten Vermutung über die
Entstehung des Werkes, auf welche sich dann eine genau ge-
gliederte Inhaltsangabe desselben aufbaut. Endlich ist die hand-
schriftliche Überlieferung der Chronik sowie die Schicksale der Jenaer
Handschrift und der aus derselben gewonnenen extraktiven Abschriften,
sowie die bisherige Benutzung jener erörtert worden. — Das dann
folgende, wenn auch unvollständige und vielfach ungenaue Register in
der Handschrift selbst (S. 31—36 uns. Ausg.) glaubten wir nicht über-
gehen zu dürfen. Von S. 37 an beginnen Text (mit adnotatio critica)
und Kommentar. Am Rande sind Stolles Quellen, soweit wir sie ge-
funden haben, verzeichnet; ebendort stehen auch die Blattzahlen der HS
(v bedeutet die Rückseite des jedesmaligen Blattes) und die Jahres-
zahlen der im Text stehenden Erzählung von da an, wo Stolle die
biblische Geschichte bezw. die auf altkirchlicher Tradition beruhende
Legende verlässt, also von St. 23 auf S. 60 an.
Auf die hinzugefügten Register:
I. das Orts- und Personenregister, und
II. das Sach- und Wortregister,
die sich aber nur auf den eigentlichen Text beziehen, ist gebührende
Sorgfalt verwendet. Das Sachregister konnte bei der genauen Inhalts-
angabe in der Einleitung (S. 13 — 22) sehr eingeschränkt werden; auch
sind die vielfach korrupten und unverständlichen Namen in der mappa
mundi (St. 224), sowie die Heiligentage, wenn sie, wie es ja sehr oft ge-
schieht, als Datumsbezeichnung vorkommen, nicht in die Register auf-
genommen, um dieselben nicht zwecklos allzu sehr anschwellen zu
lassen. Für unzähligemal Vorkommendes, z. B. Thüringen (Doringen),
ist nur eine Zahl gesetzt. Das Wortregister verzeichnet den in Laut,
Flexion und Wort Stolle eigentümlichen Sprachgebrauch, natürlich
ohne Rücksicht darauf, inwiefern sich sein Sprachgebrauch von der
mitteldeutschen und erst recht mittelhochdeutschen Gemeinsprache
im allgemeinen abhebt. Die Seite, auf welcher ein Wort erklärt ist,
wurde mit einem Kreuzchen versehen.
Die vorliegende Ausgabe ist u.W. der erste Versuch einer angestrebten
lückenlosen Komraentierung, sprachlich wie sachlich, einer thüringischen
Chronik, und da diese das meiste, wenigstens sicherlich das wichtigste,
stoftlich als Gemeingut besitzon, somit indirekt auch der anderen; ich
hoffe, wenn dieses nicht unberücksichtigt bleibt, dass man das Vor-
liegende mit wohlwollender Nachsicht aufnehmen wird.
Bei der Drucklegung hat mir mein Kollege, Herr Professor Dr.
Brünnert, indem er eine Revision der Bogen las, hilfreichen Beistand
Digitized by Google
XII
Vorwort.
geleistet; ihm dafür auch hier herzlich zu danken, ist mir eine an-
genehme Pflicht.
Zum Schlüsse erwähne ich dankbar, dass die Historische Kommission
der Provinz Sachsen auf meine Bitte sich damit einverstanden erklärt
hat, dass das Werk Sr. Königl. Hoheit dem Grossherzoge Carl Alexander
von Sachsen -Weimar gewidmet wurde, und ich so dem hohen Herrn,
dem ich in vieler Beziehung Dank schulde, dieses auch öffentlich
bezeugen konnte.
Erfurt, am 14. August 1900.
Richard Thiele.
Digitized by Google
Einleitung.
Abkürzungen: 1) Mitteilungen des Vereins für die Geschichte und Altertums-
kunde in Erfurt — MOE. — 2) Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte und
Altertumskunde ZThG. — 3) Jahrbücher der Akademie gemeinnütziger Wissensehuf teil
zu Erfurt. N. Eolge - .1 A E. — 4\ l'rkundenbuch der Stadt Erfurt vun C. Bevai Bd. I u. II
= UK1 u. UEII. — 5j Monunicnta Germaniae Historiea, Seriptores MGll, Ser. —
Ii Monuinenta Erphesfurtensi» sueculi XII. XIII. XIV ed. (>. Holder Eggcr. l8t*> - MEIE —
7) Kegestu diplomatica neenon epistolaria historiae Thuriniriae, «I. O. Dobenecker lSMfi".
t= Kl>ThI>. --8) J. H Menckeuii scriptoies rerum Germauiearum praeeipue Saxonicarum
I 1728, II 1728, III 17:») M8G (1,11. III) — 9) Geschichte der Stadt Erfurt von der
ältesten bis auf die neueste Zeit von C. Beyer, 1900 (benatzt, soweit erschienen) = BE.
Kapitel I.
Konrad Stolles Leben.
^i^^^uf der Kelshöhe über dem westlichen Teile der Stadt
jjrpjjyj^; Erfurt liegen einzig in ihrer Art und in ihrer eindrueks-
vollen Seitönheil die zwei ans» hnli« listen Kirchen Erfurts,
j£#iiE£P!fe einst die Kollegiatstifter Beatae Mariae Virginis und St.
Severi, jetzt der Dom und die Severikirehe. An letzterer war in der
2. Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts im Besitze einer der 46 Vi-
carien, welche das Stift ausser seinen 16 Präbenden für Stiftsherren
(Kanoniker) besass, Kon r a d Stolle. Siehe über ihn die ältere Litteratur :
L. F. Hesse, Aus Konrad Stolles Erfurter Chronik, Haupts Zeit-
schrift für deutsches Altertum, 8. Band, 1851, S. 302-344; Konrad
Stolles Thüringisch -Erfurtische Chronik [teilweise] aus der Urschrift
herausgegeben von L. F. Hesse, Bibliothek des litterarischen Vereins
in Stuttgart, XXXII, 1854; A. L. J. Michel sen, Über die ungedruckto
thüringische Chronik von Konrad Stolle, ZThG. I, 1854, S. 217-233
(S. 233 - 236 handelt über Johannes Rothe); K. F. Herrmann
Bibliotheca Erfurtina, 18G3, S. 81—82; 0. Lorenz, Deutschlands Ge-
schichtsquellen im Mittelalter, II3, 1887, S. 108 f. u. 139, und von ge-
legentlichen Erwähnungen abgesehen, dann an vielen Stellen genannt
von R. Reiche in seiner Ausgabe der Chronik Härtung Kammer-
meisters, 1896 (Geschichtsquellen der Provinz Sachsen, herausgegeben
vun der historischen Kommission der Provinz Sachsen, Bd. XXXV).
Konrad Stolle war in dem Dorfe Zimmern unter dem Ettersberge
geboren. Dieses Dörfchen, jetzt im Verwaltungsbezirk Weimar des
Grossherzogtums Sachsen, wird bereits im 9. und 10. Jahrhundert er-
wähnt, denn in ihm lagen früher Besitzungen des Klosters Fulda
K.8toll«aMemorUle. 1
Digitized by Google
2 Einleitung.
(s.RDThü,I, k96\ No. 227.294. 328 — No.36u. 70 beziehen sich wohl auf
Zimmern bei Langensalza). Im Jahre 1845 (s. ÜE II, 1897, No. 52) belehnte
der Landgraf Friedrich II. der Freidige von Thüringen zum Danke
für im Kriege gegen die Schwarzhurger Grafen und deren Verbündete
ihm geleistete Dienste die Stadt Erfurt mit diesem von ihm eroberten
Dorfe, der villa Czimmern in comitalu Bftch et Wy, welches die bis-
herigen Besitzer, die Grafen Friedrich und Hermann von Orlamünde,
dann im Jahre 1348 (s. UE1I, No. 28S, Urkunde vom 12. Juli 1348 —
in Bezug auf Einzelheiten s. noch ebenda No. 292. 293.501.599) an die
Stadt Erfurt auch ihrerseits abtraten. Den Übergang in Erfurtischen
Besitz bestätigt auch der damalige Obeilehnsherr, der Abt zu Her-
feld, durch Urkunde vom 28. Februar 1350 (s. UEIl No.335). Sowohl
die Martinskirche des alten Spitals als auch das Severistift in Erfurt
hatten Besitzungen in diesem Dorfe, dessen Kirchenpatron der Er-
furter Hat war (s. UEIl No. 384. 332. 522). Konrad Stolle war demnach
geborener Erfurter Unterthau. Dieses und was wir von seinem Leben
sonst wissen, müssen wir, mit geringen Ausnahmen, aus seinem
Werke selbst entnehmen. Leider steht sein Geburtstag nicht fest, da
er selbst zwei verschiedene Angaben macht. Stück 198 unserer Aus-
gabe Bl. 118 der Handschrift sagt er nämlich, als er von den Ereig-
nissen des Spätherbstes im Jahre 1440 (s. St. 198 A. 25 u. 36) spricht:
,,do disse geschiht |der sächsische Bruderkrieg] also erging, do was
icli Conrad Stolle, der ditte geschreben had, by mynen XVI jarn,
also das ich der ebenture wol gedachte, unde was doheime in dem
dorfe zu Czimmern under deme Eitersberge, do hatte ich vater unde
muter unde ging do by einem kerchenere in dy schule unde sach
ouch dy für der dorffer umme her in des jungen hern lande, das man
dy brante. Do floen alle lute in deme erfforteschen gerichte in dy
stad Erffort mit orem gute unde habe, unde das gesmide usz den
kerchen unde alle glocken, das fürten alle dorfer in dy stad Erfforte,
unde bleib ouch keyn man in den dorfforn; sy besorgeten sich, das
sy gefangen worden.'1 Danach würde Stolle (in den letzten Monaten)
im Jahre 1430 geboren sein. Dem steht nun eine andere Angabe
Stolles entgegen, St. 347 Bl. 203 der HS : „In dissem jure [1491J ben
ich, der ditcz geschreben had, gnant Conradus Stolle, eyn vicarius zu
sente Sever, funff unde funffczigk jur alt, do ditcz gescheen ist"
Danach wäre Stolle im Jahre 1436 geboren. Da er hier meistenteils
Vorgänge aus dem Anfange des Sommers 1491 erzählt, so würde er
bei genauerer Berechnung, wenn wir für seinen Geburtstag, wie oben
geschehen ist, das Ende des Jahres 1430 aunehmen, im Gl. Jahre
stehen, also 00 Jahre alt sein. Sonst schreibt Stolle in Ziffern, hat
sich also wohl hier auch in seinem Concepte LX notiert, das er falsch
Digitized by Google
Einleitung.
3
für LV las und dann, freilich sehr gedankenlos, in Worte auflöste.
So wäre der Fehler durch ein Verseilen wohl erklärlich; denn wenn
wir auch annehmen wollen, dass die Menschen der damaligen Zeit
nicht so korrekte Zahlennienschen waren, als wir jetzt sind, auch hin-
sichtlich der Angabe ihrer Geburt von den Nachrichten der Eltern,
Paten u. a. abhängig waren, so bleibt der Widerspruch in seiner
nackten Unvennitteltheit dennoch bei einem Manne von der relativen
Bildung Stolles und noch dazu hei einem Historiker, der sich doch
auch mit Chronologie befassen musste, sehr auffällig, sodass die An-
nahme eines auf Gedankenlosigkeit beruhenden einzelnen Ver-
sehens wohl vorzuziehen ist. Denn auch aus inneren Gründen müssen
wir das Jahr 1480 festhalten. Die Schilderung, welche Stolle nach
eigener Anschauung vom sächsischen Bruderkriege giebt, kann nicht
aus der Erinnerung eines damals zehnjährigen Knaben geschöpft sein,
sie setzt eine grössere Keife der Beobachtung und des Urteils, sowie einen
weiteren und über kindliche Anschauungen hinausgehenden Gesichts-
kreis voraus: die Folgen des sächsischen Bruderkrieges waren so
überaus traurig für die thüringischen Lande, dass sie sich selbst einem
sechzehnjährigen, wenn auch nur wenig gebildeton Bauersohn, und
das war Stolle damals, tost einprägten. Dazu kommt, dass er nach
eigener Anschauung, und auch nach Aufzeichnungen und Erzählungen
anderer jene Zeit ebenso eingehend wie ausführlieh schildert, auch
früher als die Überschwemmung vom Jahre 1491, bei deren Erwähnung
er jeno Bemerkung über sein Altor gelegentlich macht. Da ferner
sich mit der ersteren Angabe noch mehrere Vorgänge in seinem
Leben verknüpfen, so ist die Erinnerung daran gewiss eine nach-
haltigere und darum sicherere gewesen. Denn in jenem Jahre (1446)
sind jedenfalls auch Stolles Eltern mit nach Erfurt geflüchtet, und der
junge Konrad, welcher bisher nur bei dem Kirchner in Zimmern
unterrichtet wurde, wird jetzt in die Schule des Stiftes St. Severi
gethan, eine jener vier geistlichen Schulen in Erfurt (s. St. 335 A. 5),
der Regler-, Schotten-, Dom- und Severischule, welche zur Heran-
bildung junger Kleriker in Erfurt bestanden; das berichtet Stolle selbst
St. 199 HS Bl. 123* mit folgenden Worten: „uff die selbe czit [1447J,
do gingk ich, Conradus Stolle, der ditcz geschreben had, zu seilte
Severo zu Erffort in dy schule." Genauer auch in betreff des Jahres
1447 erzählt er als Augenzeuge Vorgänge um Ostern 1447, St. 200
Bl. 125 der HS: „do was ich zu Erffort unde sach das.11 Aber schon
zu Pfingsten 1447 besuchte er die Schule zu Salza (Langensalza),
s. St 202 Bl. 126" der HS: „uff die selben zit I Pfingstwoche 1447|, do
ging ich Conrad »Stolle zu Salcza in die schule." Was ihn von Erfurt
fort- und nach Langensalza hingetrieben hat, besonders da uns nichts
1*
Digitized by Google
4
Einleitung.
von einer besseren Schule in Langensalza damals bekannt ist, wissen
wir nicht, vielleicht wurde er dorthin, als seine Eltern in das
heimatliche Zimmern zurückkehrten, zu Verwandten gegeben, viel-
leicht weil der junge Stolle am Lernen Gefallen gefunden hatte und,
weil seine Begabung erkannt worden war, seine Studien fortsetzen
wollte.
Von dem weiteren Bildungsgange Stolles wissen wir weiter nichts,
da er, wie die Durchsicht der Erfurter Studentenmatrikel zeigt, nicht
in Erfurt studiert hat. Also muss er seine Ausbildung als Geistlicher
in klerikalen Anstalten (Kloster- oder Stiftsschulen) erhalten haben,
vielleicht in Erfurt selbst in der St. Severischule als Domicellar, d. h.
unter der Zahl derjenigen Jünglinge, welche unter Augen und der
besonderen Erziehung des Seholasticus für den geistlichen Stand mit
der Berechtigung des Eintritts in das Collegiatstift seihst vorbereitet
und ausgebildet wurden. Vielleicht ist sein Bildungsgang auch unter-
brochen worden, und er hat ihn später in Italien fortgesetzt und
vollendet, wie dies wohl in jenen Zeiten nicht selten geschah und
noch heute in katholisch -klerikalen Kreisen geschieht. Doch muss
sich Stolle noch längere Zeit in der Heimat, im besonderen in Erfurt
aufgehalten haben, denn gegen den 1. November 1451 sah er die
Gesandton dos Kurfürsten Friedrich und des Herzogs Wilhelm von
Sachsen (s. St. 212 u. 213), welche wegen der Herausgabe Luxemburgs
seitens des Herzogs Philipp des Guten von Burgund an die sächsischen
Brüder nach Aachen gezogen waren, dann aber wegen der geplanten,
freilich später nicht zustande gekommenen Heirat zwischen dem
Prinzen Karl (dem späteren Herzog Karl dem Kühnen) von Burgund
und Kurfürst Friedrichs Tochter in Aachen verhandelt hatten und nun
in Begleitung burgundischer Gesandten heimkehrten und durch Erfurt
kamen (St. 213, HS Bl. 142: „do uuomen dy rethe beyder hern gebru-
dere weder von Ache und brochten mit on drissig Franzosen ader
Walen, unde eynen apt genannt Attrabatensis"): zu ihnen gehörte
auch Doktor Johann von Allenblumen und sein Sohn Wilhelm, „dy
ich alle wol gekant habe" (St. 213 Bl. 142 des HS); über diese s. St. 212
A.3, 215 A.4, 3213 A.30 u. 349 A. 3.
Wann Stolle nach Italien gegangen ist, bleibt unentschieden, aber
im Jahr 145S ist er dort und hat sich mindestens 4 Jahre daselbst auf-
gehalten. Auf der Hinreise verweilte er in Oberitalien und schrieb in
Mantua die Legenden einer Mappa mundi (Weltkarte) ab (s. St. 224
HS Bl. 163: „Explicit mappa mundi in civitate Mantuana in Italia.
Anno Domini MCCCCLV1J10 ego Conrad us Stolle ibidem scripsi"). Noch
für das Jahr 1458 und für 1460 bezeugt er selbst seine Anwesenheit
in Horn, weil er jenen im Jahre 1451 in Erfurt gesehenen abbas
Digitized by Google
Einleitung.
Attrabatonsis dort als Cardinal wiedersieht; er erwähnt dieses zweimal.
St. 213 HS Bl. 142: Den selbigen apt sach ich dornoch zu Rome, da
wart her eyn cardinal in deine nunden jare hirnaoh, also i.J. 14G0;
u. St. 219, HS Bl. 155: et abbas predictus postoa factus lest] cardinalis,
propterea cardinalis Attrabatensis de Burgundia [dietus], quem sepe
vidi ego Conradus Stolle in urbo Romana anno 14lJJj IMCCCCLMTT]
tempore pape Pfiill|. Ebenfalls ist er i. J. 1462 in Rom. Als das
Haupt des heiligen Andreas am 12. April 1462 dorthin gebracht wurde,
sah dieses Stolle (St. 220, HS Bl. 155T : „etiam me Conrado Stolle presente
vidi et singula audivi"). Auch in Florenz muss er sich längere Zeit
aufgehalten haben, da er die Gebrüder Giovanni und Lorenzo Medici,
.dicke unde wol geseen1 hat, „do ich zu Florenz unde Rome wonende
was" [St.325,HSBI.222'l. Nicht vor dem Ende des Jahres 1462, aber
spätestens vor Ablauf des Jahres 1463 kehrte Stolle nach Deutschland
zurück, denn aus dem Jahre 1464 erhalten wir anderweitige Nachrichten
über ihn. Unbekannt bleibt, wann und wo er zum Priester geweiht
ist. Im Jahre 1464 besass er an der St. Severikircho die Vicarie St. Liborii
episcopi (s. Würdtwein, Thuringia et Eichsfeldta medii aevi ecclesi-
astica in archidiaconatus distineta, 1791), pag.40: Vicaria St. Liborii
episcopi, quam possidet Conradus Stolle; est de collatione decani et
capitul.). Auch erhielt er in diesem Jahre eine 2. Vicarie. im Weiss-
frauenkloster zu Erfurt (das heutige Ursulinerkloster, s. von Mülver-
stedt. Hierographia Erfordensis, MGE in, 1867, S. 161 f.), nämlich die
Vicarie B. Mariae Virginis (s. Registrum vicariarum in ecclesiis civi-
tatis Erfordensis a M. Wilh. Frid. Kromaver — handschriftlich im Stadt-
archiv zu Erfurt, Cod. II Bno. 2* fol. 45\ Und im Jahro 1467 endlich
bekam er noch eine 3. Vicarie in der Kirche St. Bartholomei (deren
Turm noch heute am Anger steht), nämlich nach dem Tode Theod.
Stubenrauchs die „vicaria s. Bartholomei, Phil, et Jacobi, Cecilie, Kuni-
gundis, Hedwigis in summo altari ad presentationem altermannorum"
(s. Kromayer. 1. c. fol. 50). Von nun an lebte Stollo — mit einer
einzigen Unterbrechung, auf welche wir gleich kommen werden —
ruhig als Vicar in Erfurt. Aber nicht ohne Zusammenhang und Ver-
kehr mit seinem Heimatdorfe Zimmern! Denn im Jahre 1467 er-
scheint er als Zeuge in einer Urkunde vom 14. Dezember 1467
(Original im Archiv der Michaeliskirche zu Erfurt), inhaltlich welcher
Klaus Groning und Marthe, Eheleute zu Zimmern unter dem
Ettersberge — vielleicht Verwandte Stolles — den Pfarrern und
den Vicarien der Kirche St. Georg in Erfurt Land verkaufen: er
unterschreibt hier als: er Kurt Stollo, Vicar an der St. Severikirche zu
Erfurt, und hängt an die Urkunde sein Siegel (von grünem Wachse
in brauner Wachsschale an einem Pergamentstreifon), das in Um-
Digitized by Google
Einleitung.
schrift Conradus Stolle und als Bild ein Kreuz über einem halben
Stern hat:
Dass er sich auch um seine Familie gekümmert hat, geht aus einer
Bemerkung zum Jahre 1485 hervor, wo er (St. 336, HS B1.252- aller-
dings später in die HS hineingeschrioben) erzählt: „Item anno 1485°
in vigilia St. Adelarii (25. August) fuit natus Andreas Stolle de mane
(s. St. 336 A.4) hora sexta feria torcia; es war wohl ein Bruderssohn
oder ein noch weitläufigerer Vetter Stolles. Ebenfalls als Zeuge er-
scheint der Vicar Stolle im J. 1468, als im erzbischöflichon Hause zu
Erfurt die Bestatigungsurkunde über die Permutation (Tausch zwischen
geistlichen Stellen unter ihren In habem mit Genehmigung des Bischofs)
in der Martinskirche im Brühl zu Erfurt und in der Kirche zu
Zimmern festgestellt wurde: hier wird Conradus Stolle honorabilis
et discretus vir (Würdtwcin, 1. 1. Documenta, pag. 298) genannt.
Jene oben bezeichnete Unterbrechung war eine zweite Reise nach
Italien i. J. 1477, die er vom 7. Januar bis ungefähr 13. Mai in jenem
Jahre unternahm, die ihn also 18 Wochen von Erfurt fernhielt. Er
schreibt darüber (St. 316, HS B1.210T): „Item in deme selben winter
1477 an deme nochtage der heyligen drv konige, do ging ich Con-
radus Stolle, der ditcz geschreben had, unde myn bruder, er Johann
Linderbech. beide vicarien sunt Severi kirchen zu Erffort, gingen
zusamene von Erffort in die heiligen stad zu Roma." Sie giengen zu
Fuss über den Thüringerwald, litten viel von hohem Schnee und Kälte,
bis nach Rom : in der heiligen Kreuzwoche (5. Woche, nach Ostern)
waren sie zurück, ohno dass sie krank geworden waren. Da die
2 Reisogenossen also Mitte Mai bereits in ihr liebes Erfurter Stift
zurückkehrten, so war es wohl frommer Eifer, die ewige Stadt in der
Fastenzeit aufzusuchen und don erhebenden Feierlichkeiten in der
Charwocfie und am Osterfeste beizuwohnen, der sie hintrieb, Stolle
wohl noch in Erinnerung an die früher dort verlebten Jahre und in
Sehnsucht, die Pracht der hohen Feste wiederzusehen, welche er
seinem Freunde zeigen wollte.
Digitized by Google
Einleitung.
7
Über das weitere Leben Stolles ist aus seinem Werke noch fol-
gendes zu entnehmen.
Er interessierte sich natürlich in erster Linie für die Kirche, an
welcher er wirkte, und so wohnto er i.J. 1473 (s. St. 322, HS Bl. 221)
dem 2. Gusse dor nach kurzem Gebraucho gesprungenen grossen Glocke
von St. Sever bei, die man Osanna nannte.
Später, kurz nach seiner 2. italienischen Reise, am 7. August 1477
(s. St 321, HS B1.220*) war Stolle beim Begräbnisse des berühmten
Glockengiessermeisters Claus von Mühlhausen zugegen, welcher für
den Born die Gloriosa gegossen hatte. Für diese Domkirche zeigte er
ebenfalls grosses Interesse und berichtot alles, was zu seinerzeit in und
an ihr geschah. So auch dio Entweihung im J. 1476 durch den Streit
zweier Chorschüler, von denen dereine von dem anderen lebensgefährlich
verwundet wurde (s. St. 320, HS Bl. 220) : Dieser „lag sere lange krangk,
den ich zu feie maln wol geseen habe, her Conradus Stolle, qui scripsit."
Dass er als Historiker grosses Interesse für die Zeitgeschichte
zeigte, beweist sein Werk: er erkundigte sich, wo er nur konnte!
So erzählt er, dass ihm Augenzeugen von der Bestrafung des für
seinen versuchten Verrat hingerichteten Söldnerhauptmanns in Neuss,
eines Ritters X., erzählten: „das haben mir eyn priester unde zwene
Studenten gesaget, die do kegenwertigk gewest worn" (s. St. 228, HS
Bl. 165T). Und dass er die grosso Mühe nicht scheute, zeitgenössische
Documente aus- und abzuschreiben, lehren uns die Beispiele in St 217
(Rokyzanas Tod) , 327 u. 328 (Streitschriften zwischen Mainz und Er-
furt), 383 u. 387 (Amorbacher und Weimarer Vertrag v. 3. Febr. 1483).
Dabei war seine Aufmerksamkeit auch eine sehr rege für das, was in
seiner nächsten Nähe geschah; so ist er der schätzenswerte Kultur-
historiker und getreue Localhistoriker von Erfurt geworden: hier
erzählt er von Ernte und Misswnchs, von Aus- und Einfuhr des
Getreides (s. St. 353, HS Bl. 207*) und von vielem anderen. Auch dio
Hauptereignisse des kirchlichen wie profanen Lebens finden in ihm
einen getreuen Berichterstatter. So macht er Mitteilung von den
grossen Processionen am 20. Juni 1483 und 24. März 1488, welche er
mitmacht und eingehend beschreibt (s. St. 384. HS Bl. 285 r— 289 und
St. 341, HS B1.25Ö— 256). Er erzählt weiter mit Staunen von der
grossen Sonnenfinsternis vom 16. März 1485 (s. St. 336, HS B1.252) und
hat den grossen Sturm in der Nacht vom 21. zum 22. Juli 1491 miter-
lebt (s. St. 346, HS Bl. 260). wobei wir erfahren, dass er ein eigenes
Haus besessen hat (wohl hinter dem Dome gelegen , s. St. 346 A. 4),
dessen Dach schwor beschädigt wurde. Endlich hat er — abgesehen
von den 16 Feuersbrünsten, die er schildert und von denen er die
6 letzten miterlebt hat, s. St 98 A. 2, ohne jedoch eines persönlichen
Digitized by Google
Eiuleituug.
Erlebnisses Erwähnung zu thun — die ausführliebsten Nachrichten
über die grosso Überschwemmung Anfang August 1401 (s. St. 347,
HS Bi. 260— 263), während er von der ebenfalls grossen Überschwem-
mung vom 8. Juli 1498 (s. St. 398. HS B1.271 f.) weniger genau berichtet.
Dass er, damals 68 Jahre alt, bereits kein Interesse mehr für
seine Heimatstadt gehabt und schon ein stumpfer Greis geworden
sei — danach wäre dieser Teil der Chronik von einem anderen ver-
fasst, — dafür haben wir nicht einen Schatten von Beweis; auch wider-
spricht der Schluss seines Werkes, die Erzählung von der Anwesenheit des
Cardinais Raymund i. J. 1;")02 in Erfurt, die ich unbedenklich für
echt Stollisch halte, dieser Annahme. Stolle muss sich vielmehr, ruhig
lebend, besonders im Umgange mit seinen Confratres, zu welchen
gewiss auch die Benediktinermönche im nahen Peterskloster gehörten,
wo damals ein Nicolaus [Hottenbach] von Siegen sein Chronicum ecclesi-
asticum schrieb, ein Rüdiger von Venlo das neue Necrologium seines
Klosters verfasste und ein Nicolaus von Egra mit der chronikalischen
Aufzeichnung der Ereignisse seiner Zeit beschäftigt, war, die geistige
Frische bis hin an seinen Tod gewahrt haben, da diese Schilderung
vom 30. Oktober 1502 stammt, während er nur 3l 4 Jahr später, am
30. Dezember 1505, als 75 jähriger Greis starb.
Der Tod rief den schlichten Biedermann in derselben einfachen
und untergeordneten geistlichen Stellung ab, die er seit Anfang seiner
priesterlichen Laufbahn bekleidet hatte: so endete ein Leben, das
äusserlich fast arm zu nennen ist, innerlich aber gewiss reich war!
Gleich seinen geistlichen Mitbrüdern fand er seine Ruhestätte in der
Kirche, an welcher er zeitlebens gewirkt hatte. Sein Leichenstein mit
seinem Bilde ist noch erhalten — wir haben es als Titelbild unserem
Werke vorgefügt — und hat die Umschrift: Anno domini 1505 penul-
tima Decembris obiit dominus Conradus Stolle hujus ecelesiao vicarius.
Cujus anima reu.uiescat in pace. — An welcher Stelle der St. Severi-
kirche der Körper Stolles ruht, lässt sich nicht mehr feststellen, da
bei der Wiederherstellung der Kirche i. J. 1816, nachdem sie während
der Freiheitskriege dem Militär als Lazarett gedient hatte, der Fuss-
bodenbelag des Gotteshauses, der vorzüglich aus Grabsteinen gebildet
war, gänzlich verändert sein soll; daher hat man bei der in den
Jahren 1877 und 1878 stattgefundenen Restauration der Kirche den
Grabstein aus dem südlichen Seitenschiffe, wo er sich seit 1816
befand, in dio naheliegende St. Blasiuskapelle gebracht und dort senk-
recht eingemauert. Hier ist er noch jetzt zu sehen, freilich haben Bild
und Umschrift durch allmähliches Abtreten sehr gelitten. Auch hat
man früher das Grab Stolles als solches nicht sonderlieh beachtet, da
man bereits ungefähr 80 Jahre nach seinem Tode in dasselbe einen
Digitized by
Einleitung.
andern beigesetzt hat, wie die zur Rechten und Linken der Schulter
des Grabstoinbildos ziemlich ruh cingomoisselfe Jahreszahl 1582 beweist.
Zum zweitenmal ist i. J. 1714 in die Gruft hineinbegraben worden,
da in diesem Jahre der untere Teil des Grabsteins ab- und eine
palmettenartige Verzierung mit (jetzt abgetretener) Inschrift und
Jahreszahl eingemeisselt ist. Doch die Gesichtszüge Stnllcs sind
glücklicherweise noch zu ei kennen: ein mildes, freundliches, etwas
volles Antlitz. Die Gestalt umgiebt das priesterliche Gewand, die
rechte Hand hält, den Kelch, über welchen sich die Linke mit zwei
segnend erhobenen Fingern ausstreckt.
Wichtiger aber noch als diese Beschreibung des Äusserlichen sei
hier eine kurze Charakteristik des trefflichen Mannes eingefügt, welche
wir aus seinem Werke herauslesen. Stolle war ein Mann aus dem
Volke, mit regem Wissenstriebe und Eifer, mit offenem Blicke für die
ihn umgebende Welt und mit Verständnis für seine Gegenwart be-
gabt, von welcher er zur Erkenntnis der Vergangenheit emporstieg.
Nicht gleichgültig gegen die Wechselbeziehung zwischen Ursache und
Wirkung, besass er, und dies ist für ein Kind seiner Zeit eine achtnngs-
würdige und beachtenswerte Eigenschaft, eine Ahnung von divi-
natorischer Kritik und pragmatischer Geschichtsschreibung: ihm kamen
bei der Zeitgeschichte ab und zu Zweifel an der Wahrheit des Mit-
geteilten (s. beim Neusser Krieg St. 226, selbst bei Witterungsver-
hältnissen und Überschwemmungen St. 347); hier beruft er sich auf
seine Gewährsmänner nicht ohne Kritik ihrer Glaubw ürdigkeit (s. Ver-
schwörung der Pazzi St. 325 und Nachrichten über die Verheerung
Ungarns durch Hcuschreekensehwärme St. 330). Im Streite zwischen
Mainz und Erfurt und in den Wirren zwischen Erfurt und den
sächsischen Fürsten machte er sich mühevolle Auszüge aus den gegen-
seitigen Streitschriften (St. 327 u. 328) und nahm Abschrift von den
entscheidenden Verträgen (St. 5*83 u.387), wie er sich auch nicht scheute,
die Citation des Papstes Sixtus IV. seitens des Erzbischofs Andreas
von Krain vor ein allgemeines Concil vom 25. März 1482 seinem
Werke einzuverleiben. Wozu das alles? Nur aus dem inneren
Drange, die Wahrheit möglichst klar zu stellen! Aber er war wio
alle mittelalterlichen Chronisten von sehr massiger Bildung fs. St. 12,
wo er die zwei Flüsse bei Mainz, Moguncia, als Moygin und Czia er-
klärt!), mit naivem Glauben im allgemeinen an die Wahrheit der
Überlieferung, namentlich in der alten Zeit, erfüllt, mochte sie auch
noch so verkehrt sein, voll kindlicher Freude am Wunderbaren und,
da „das Wunder des Glaubens liebstes Kind ist," ein gläubiger Mann
und frommer Priester im Sinne der mittelalterlichen Kirche, aber doch
nicht ohne Einblick in die grossen Schäden, an denen damals Staat
Digitized by Google
10
Einleitung.
wie Kirche krankte. Dabei kann er auch harmlos seherzen, wie die
Erzählung von dem Elsternneste auf dem Predigerturm zu Erfurt be-
weist, das die Prodigermönohe deshalb wiederholt zerstörten, weil sie
die Elstern hassten, welche, wie sie eine weiss- und schwarzfarbige
Kleidung, so ein schwarz und woisses Gefieder hätten.
Kapitel IT.
Stolles Werk.
§ 1. Die Bedeutung und Entstehung des Stollesehen Werkes.
Die Charakteristik des Autors führt zur Gesamtschätzung seines
Werkes im allgemeinen. Dasselbe ist keine Chronik im landläufigen
Sinne, vielmehr hat der wissensdurstige Mann sich Auszüge und Auf-
zeichnungen gemacht, wo und wie er sie fand, er schuf sich ein
Denkbuch, das er solbst (s. St. 226 HS Bl. 164 zweimal, St. 325 HS Bl. 222)
Memor iale
in seinem Grundstocke nannte, und das wir auch so nennen wollen,
mit dem Nebentitel „thüringisch-erfurtische Chronik."
Denn Stollo hat für sich Johann Rothes thüringische Chronik, mehr
oder minder genau, exeerpiert, SM — 195, mit, um hier nur das Wich-
tigste zu erwähnen, selbständiger Benutzung der historia Pistoriana
(Holder-Egger: Cronica Thuringorum auetoro Praedicatore Isenacensi)
und Eccardiana (Holder-Egger: Cronica Thuringorum amplificata a
fratre Minore Jsonaoensi); keine Anlehnung an Rothe zeigen nur 13
Stücke. Von St. 196 an, wo die Zeitgeschichte beginnt, ist dann im
bunten Wechsel alles vorzeichnet, was Stolle interessiert: Hussiten-
kämpfe, sächsischer Bruderkrieg, Neusser Fehde, Kämpfe zwischen
Erfurt und Mainz, zwischen Erfurt und den sächsischen Fürsten,
Streitigkeiten in der grossen Welt und kirchliche Wirren, besonders aber
Thüringer Landes- und Erfurter Lokalgeschichte: aus allen diesen recht-
fertigt sich wohl der Nebentitel : thüringisch-erfurtische Chronik, wie auch
Hesse das Werk Stolles in seiner extractiven Ausgabe bezeichnet hat.
Wir vermuten nun, dass das Werk Stolles folge ndermassen ent-
standen ist:
1) St. 1-195, mit wenigen Ausnahmen, nach Rothe, mit Be-
nutzung der historia Pistoriana und Eccardiana. Daran anschliessend
2) St. 196 u. 197 Hindeutung auf don sächsischen Bruderkrieg und Er-
zählung eines Ereignisses, das in Stolles Jugend gespielt hat.
3) St. 218 das lateinische Sammelsurium chronikalischer Notizen,
219—223 Einzelheiten, auch Erfurtensia. 4) Die mappa mundi St. 224.
5) Die Prophezeiungen St. 225. Alles dies entstand nicht vor 1477
Digitized by Google
Einleitung.
11
(mit Ausnahme der mappa, 1458 abgeschrieben), wahrscheinlich erst in
den achtziger Jahren des 15. Jahrhunderts, mit Benutzung: a. schrift-
licher Quellen: Rothe (daneben die hist. Pistor. u. Eccard.), Peters-
chronik (St. 65.75.98. 118. 119. 121. 131. 132. 135. 136), der Reinhards-
brunner Chronik (St. 75.81. 121), der Annales Erford. (St. 75), Annales
Erphesfurdenses fratrum praedicatorum (St. 118. 119), der Bonifatius-
legende (St. 71) und Dietrichs von Apolda (St. 92). b. mündlicher
Erzählungen von Klerikern, c. Aufzeichnungen, welche Geist-
liche gemacht hatten, und die Stolle als einem Kleriker zugänglich
waren. Diese seine Auszügo und Aufzeichnungen fortigte Stolle zu
seinem Vergnügen an, teilweise auch zu seiner Belehrung. Daneben
hatte er aber schon längst sich Aufzeichnungen aus der Zeit-
geschichte gemacht, besonders übor die Neusser Fehde, sein Mc-
moriale, in welchem er sich als denkender Beobachter des selbst
Miterlebten , sowohl was Reichs- wie thüringische Landesgeschichte
angeht, zeigt, und wo er als Gosohichtsquolle wichtig ist. Als Quellen
für dieses sein Memoriale benutzte er sicherlich gleichzeitige Auf-
zeichnungen, namentlich aber mündliche Erzählungen von Augen-
zeugen, von Priestern, geistlichen und woltlichen Studenten. Kauf-
leuten, Bürgern, Bauern, Wallfahrern, Reitern und anderen frommen
Leuten, wie er selbst sagt (s. St. 226, HS Bl. 164 u. St. 228, HS Bl. 165*).
Dieses Memoriale ist also der Grundstock seines Werkes;
äusserlicher Beweis: das Memoriale beginnt — ineipit a. d. 1474,
s. St. 226, HS Bl. 164 — mit einem neuen Blatte in der Handschrift.
Da nun Härtung Kammermeister, welcher den Rothe voraussetzt, in
seiner Chronik mit dem Jahre 1468 abschloss (er starb schon am
15. März 1467, das Letzte in der Chronik ist also Fortsetzung eines
anderen), Stolle aber doch wohl von dem Vorhandensein der Kammer-
meisterschen Aufzeichnungen Kunde hatte, ohne sie benutzen zu
wollen (s. unten in der Inhaltsangabe bei St. 216), so erschien es für
ihn, der einen anderen Standpunkt einnahm, lockend, nun seinerseits
eine Chronik zusammenzustellen, namentlich auch, wie Kammermeister,
den sächsischen Bruderkrieg darzustellen: diese Erzählung und die
von der Neusser Fehde bilden darum zwei so kompakte Massen in seiner
Chronik. Nachdem Stolle erst dieExcerpte ans Rothe und was damit
zusammenhängt, besonders aber den sächsischen Bruderkrieg seinem
Memoriale, mit Einschaltung einiger Zwischenglieder, vorgeschoben
hatte, schloss er an dasselbe dann noch als letzten Teil merkwürdige
Ereignisse aus der gleichzeitigen Reichsgeschichte, aus der Geschichte
Thüringens", Sachsens und Hessens sowio der umliegenden Länder
(Franken, Braunschweig, Hildesheim) an, auch hier zeitgenössischen
Aufzeichnungen (Briefen, Zuschriften, Liedern), sowie Berichten und
Digitized by Google
12
Einleitung.
mündlichen Mitteilungen folgend (s. St. 313. 314. 325. 329. 380. 347). Später
trat die allgemeine Geschichte immer mehr in den Hintergrund, und
die Aufzeichnungen laufen im grossen und ganzen als selbst mit er-
lebte thüringisch-erfurtische Landes- und Lokalgeschiehte aus.
So entstand Stolles Werk, nach unserer Vermutung, aus vier
grossen Massen:
1) Excerpt aus Rothe, St. 1—195, spätere Mittelglieder: 196—197.
2) St. 198— 216: sächsischer Bruderkrieg: Zwischenglieder 217—225.
3) das alte Memoriale, der Grundstock des Werkes, St. 226— 315.
4) die spätere zeitgeschichtliche Chronik, St 316—390.
Wenn wir diese Entstehung annehmen, so erklärt sich am un-
gezwungensten, was der grösste Fehler Stolles ist, seine Wieder-
holungen und das fortwährend zeitliche Hin- und Herspringen, nicht
minder seine sich widersprechenden Angaben über sein Geburtsjahr,
da er beide erst im späteren Alter machte, s. ob. S. 2 — 3.
Das Werk selbst ist im Erfurter Dialekt, der heimatlichen Mund-
art Stolles, geschrieben, welche Eduard Brandis (im Erfurter Oym-
nasialprogramm 1892: Zur Lautlehre der Erfurter Mundart, I, S. 3) so
charakterisiert: „Die Erfurter Mundart ist ein Zweig der durch ganz
Mitteldeutschland sich hinziehenden mitteldeutschen Volkssprache
und bildet somit, aus Oberdeutsch und Niederdeutsch gemischt, den
Übergang vom Oberdeutschen (Fränkischen) zum Niederdeutschen
(Plattdeutschen): diese Mundart ward in Erfurt bis zum Anfange dieses
[des 19.J Jahrhunderts allgemein gesprochen, auch von den Gebildeten."
Stollo war nun ein Sohn des Volkes, und auch als Geistlicher, der
fast täglich Beichte hören musste, blieb er mit der Volkssprache
im innigsten Zusammenhange. So ist seine Sprache wohl das un-
verfälschteste Erfurtisch; dazu ein ebenso wichtiger als interessanter
Vertreter des Mitteldeutschen, dessen Grammatik, wenn sieden
Stollo noch systematischer als bisher ausnutzt, und sie kann dieses
nunmehr auf Grund des vorliegenden authentischen, weil diplomatisch
genau und nach kritischen Grundsätzen hergestellten Textes, aus ihm
die mannigfachste Bereicherung und tiefgehendste Anregung finden
wird. Darum verdient die Chronik von Stolle eine Neuherausgabe,
welche vielmehr die erste Gesamtausgabo ist.
Hesse giebt nur etwa die Hälfte des Stolleschen Textes, und zwar
von rein historischem Standpunkt ausgewählt 'und mit wesentlichen
Mängeln behaftet, wie unser Vorwort zu zeigen sich bemühte,
während unsere Gesamtausgabo sich sowohl der geschichtlichen
wio der sprachlichen Erklärung zugewendet hat
Ist Stolles Werk nun von der sprachlichen Seite aus als ein
hoch beachtenswertes zu bezeichnen, so ist seine Bedeutung von
Digitized by Google ;
i
Einleitung.
13
historischem Standpunkte aus natürlich eine viel geringere,
doch gehört es zu den besseren Chroniken des 15. Jahrhunderts.
Für die ältere Zeit neben Rothe wertlos, der selbst nur relativen
Wert besitzt, und unselbständig, nimmt sein Wert im Verlaufe
der Erzählung zu, so dass es da, wo es zeitgenössische Zeit- und Reichs-
geschichte, namentlich thüringische Territorial- und Erfurter Lokal-
geschichte bringt, in dieser Reihenfolge in steigendor Linie als Quelle hoch-
bedeutsam wird, besonders da der Verfasser eine gute Beobachtungs-
gabe besitzt und wahrheitsliebend ist. Daraus orgicbt sich aber auch
seine Bedeutung für die K u lt Urgeschichte: hier liegt Stolles
Hauptverdienst, da er für die Erkenntnis von vielem, namentlich von
Sitten und Gebräuchen, unentbehrlich ist, anderes ohne ihn unver-
ständlich bliebe oder unbekannt wäre, namentlich was die wirtschaft-
lichen und socialen Verhältnisse des 15. Jahrhunderts betrifft, welche
er für eine damals so hochbedeutende Stelle, wie sie in jenem Jahr-
hundert die Stadt Erfurt einnahm, schildert.
§ 2. Inhalt der Chronik.
I. Hauptmasse.
Zuerst hat Stolle die Chronik Joh. Rothes benutzt, doch schreibt
er diesen in der Weise aus, dass er sich nur an ihn hält und ihn so
zusammenzieht (manchmal aus 10—15 Stücken Rothes entsteht eins
bei Stolle), dass er kaum den vierten Teil von dem bringt, was
Rothe hat. Namentlich die allgemein historischen Partien, auch die
Kaiser- und Papstgeschichten, sind fortgelassen oder doch sehr be-
schränkt. Während Rothe mit der Erschaffung der Welt beginnt,
fängt Stolle mit Noah an. Stück 1: Noah, die Sintflut; seine Söhne,
das babylonische Reich und dor Turmbau zu Babel ; das Schicksal des
babylonischen Reiches; Gründung von Trier, von Rom; Julius Caesar,
dessen Eroberung Deutschlands; Bau der deutschen Städte und Be-
siedelung Deutschlands (wirres Durcheinander). 2: Wie die Römer
ihren Kaiser Octavian als Gott anbeten wollten. 3: Christi Geburt.
4: Herodes. 5 u. 6: Christi Leben, Zeichen und Wunder. 7: Natür-
liche Wunder auf Erden. 8 — 10: Kaiser Octavian und Tiberius, ihre
Thaten. 11: Die Könige Herodes. 12—15: Die (fabelhafte) Geschichte
des Pilatus. 16—18: Desgl. des Verräters Judas. 19—20: Vespasian,
Titus, die Eroberung Jerusalems. 21: Kaisor Gajus und mehrere
Wundergeschichten, teilweise mit biblischen Anklängen (b. 50 n. Christ).
Von jetzt ab folgt der Hauptsache nach deutsche, im besonderen
thüringische Geschichte. 22: Kampf der Thüringer und Sachsen
(28 n. Christ.). 23: König Meiwig von Thüringen (430). 24: Bau von
Henneberg (458). 25: Geschichte der 11000 Jungfrauen (458). 26: Ein-
Digitized by Google
Einleitung.
Wanderung der Grafen von Sehwarzburg und Gleichen in Thüringen.
27: Bau der Feste Brandenberg an der Werra und anderer thüringischer
Schlüsser und Ortschaften. 28: Untergang des thüringischen König-
tunis durch die Kämpfe bei Burgscheidungen (516— 520). 28a: Stol-
berg (530). 29: König Tagobert und seine Kinder in Thüringen (55*2).
30: Wie das Kaisertum an die Deutschen kommt (000). 31: Kaiser
Karl. 32: Kampf mit den Ungarn (919, ausführlicher als Rothe).
33: Bekehrung Böhmens zum Christentum (920). 34: Einfall der
Ungarn in Thüringen (933). 35: Thüringen fällt dem Erzbischof von
Mainz zu. 30: Kaiser Friedrich I. (1152). 37: Die heiligen drei
Könige kommen nach Köln (1159). 38: Unglücksfall im weissen
Hause zu Erfurt (1 185). 39: Die Unstrut trocknet aus 1. 1195). 40: Salza
wird gebaut (1211). 41 — 62: Die erste Reihe von Erzählungen über
Landgraf Ludwig den Heiligen und die heilige Elisabeth, nebst Zeit-
geschichte (46: der turnierende Ritter von Settelstedt). 63: Kreuzzug
Kaiser Friedrichs II. (1227); Empörung seines Sohnes Heinrich;
weiteres vom Kaiser. 64: Von Juden und Ketzern (1228 u. 1229);
Bannung Kaiser Friedrichs II. (1230) ; kalter Winter (1232). 65: Streit
zwischen Erfurt und der Geistlichkeit daselbst wegen der Bestrafung
eines Klerikers durch das weltliche Gericht (1324, nach der Peters-
chronikj. 66: Streit zwischen den zwei gegnerischen Bischöfen Heinrich
(von Virneburg), Erzbischof von Mainz, und Balduin, Erzbischof von
Trier (1330). 68: Hungersnot in Deutschland und die Geschichte
Hattos von Mainz (974). 68: l'ngarnzüge nach Deutschland (981).
69: Kaiser Heinrich II. (1002). 70: Bekehrung Ungarns zum Christen-
tum (1015). 71: Bonifatius (aber chronologische Verwirrung, Boni-
fatius als sagenhafte Gestalt, teils nach der legenda Bonifacii verna-
cula, teils nach Rothe). 72: Von dem ersten Landgrafen Ludwig mit
dem Barte (1050). 73: Ludwig der Springer (1075. Iü84. 1088. 1089.
1090. 1 123). 74: Belehnung des Landgrafen Ludwig (III ) von Thüringen
durch den Kaiser Lothar; Anfang des Cistercienserordens. 75: Thron-
streitigkeiten der böhmischen Fürsten (1126 — nacli den Annales
Erphesfurd., auch der Peters- und Reinhardsbrunner Chronik). 76:
Landgraf Ludwig I. belehnt seine Kinder (fabelhaft — chronologische
Verwirrung; dieser Landgraf Ludwig stirbt 1149; Bau des Klosters
Georgenthal 1142). 77: Ein harter Winter (1150). 78: Ludwig, der
eiserne Landgraf (1151. 1153 — Rothe und bist. Eccard.). 79: Um-
mauerung Erfurts (1154); Kämpfe unter Kaiser Friedrich 1. und Er-
oberung Erfurts durch Landgraf Ludwig (n. Rothe u. bist. Eccard.).
80: Landgraf Ludwig der Eiserne (bis z. s. Tode). 81: Von der Seele
Ludwigs des Eisernen; Lindgraf Ludwig der Milde; Bau der St.
Georgenkirche zu Eisenach (1191); Auffindung der Hostie im Dorfe
Digitized by Google
Einleitung. 15
♦
Bechstedt bei Erfurt. 82: Ein Wunderzeichen durch die heilige
Hostie (1191). 83— 1U8: Die zweite Reihe der Erzählungen über Land-
graf Ludwig den Heiligen und die heilige Elisabeth (meistens nach Rothe,
aber auch nach der vita St. Elisabethae, der bist. Eccard., und Dietrichs von
Apolda Leben der heil. Elisabeth), darin eingeschaltet: 8(5: Stiftung des
Prediger- und Barfüsserordens (1212); Bau des Klosters Schipplitz(1213);
87: des Katharinenklosters zu Eisenach (1215). 95: Glockenguss zu Eise-
nach (1222). 97: Die Barfüsser kommen nach Erfurt (1224). 98: Feuer
in Erfurt (1222 — nach der Peterschronik). — Weiter 109: Landgraf
Heinrich Raspe erobert die Burg auf dem Ettersberge (1228). llU: Streit
zwischen dein Erzbisehof Siegfried III. von Mainz und dem jüngeren
Landgrafen von Thüringen Conrad nebst der Belagerung und Zer-
störung Fritzlars (1232). III: Busse des Landgrafen Conrad (1233).
112: Einnahme von Vieselbach und Bestrafung des Grafen Heinrich
von Gleichen durch den Landgrafen Heinrich Raspe (1234). 113: Tod des
Sohnes der h. Elisabeth Hermann (1241). 114: Landgraf Heinrich
Raspe, Gegenkönig Friedrichs II. (1247). llö: Heimfall Thüringens an
die Markgrafen von Meissen; der thüringische Erbfolgekrieg (1247
bis 1262: als Jahreszahl ist nur 1258 erwähnt, kurz und oberflächlich).
116: Kampf zwischen Herzog Albrecht von Braunschweig und Mark-
graf Heinrich von Meissen (1263). 117: Feuer zu Erfurt und anderswo
(1246). 118: Gründung der heiligen Brunnenkirche zu Erfurt (1248-
Annales Erphesf. fratr. praedic. und Peterschronik). 119: Weihe der
Erfurter Domkirche (1253 — ebenfalls n. d. Ann. Erph. fr. praed. u. der
Peterschronik). 12(): Grosses Unwetter in Thüringen (1261 ). 121: Zug
nach dem heiligen Lande (nach der Peters- und Reinhardsbrunner
Chronik — es sind die zwei letzten Kreuzzüge gemeint, 1266 u. 1269).
122: Übertragung der Gebeine des heiligen Stephan nach Rom (558 —
Quelle unbekannt). 123: Teilung von Thüringen (1265). 124: Ver-
mählung des Landgrafen Albrecht von Thüringen mit Margarethe, der
Tochter des Kaisers Friedrich IL; die zwei Söhne Albrechts. 125: Un-
treue desselben gegen seine Gemahlin (1269). 126: Zerstörung von
Brutena (I27ü — arges Missverständnis, für den blutigen Preussen-
aufstand gegen den deutschen Orden 1261 u. folgd. Jahre) ; Erzählung
von einem harten Winter; Eroberung von Accon (falsch: Erath — 1291
— wieder arge chronologische Verwirrung); Sedisvaeanz nach dem
Tode des Papstes Clemens IV. 127: Teuerung (1271). 128: Miss-
geburten in Erfurt und Reinhardsbrunn (1276 — auch im Erphord.
antiquitatum variloquus). 129: Interdikt in Erfurt (1278). 130: Mord
eines Christenkindes durch die Juden in Mainz (1284). 131: Donner,
Hagel und Regen (1284 — nach der Peterschronik). 132: Verlegung der
Peterskirmess in Erfurt (1286 — nach der Peterschrouik). 133 : Feuer in
Digitized by Google
16
Einleitung.
Erfurt (1290). 134: Brand des Klosters Roinhardsbrunn (1292). 135:
2 Feuor in Erfurt (1296 u. 1297 — nach der Peterschronik). 13(5: Ermor-
dung eines Christenknaben durch die Juden in Weissensee (1303 — auch
nach der Peterschronik). 137 : Landgraf Albrecht will seine Länder
seinen legitimen Kindern entziehen (1294); Verkauf Thüringens an den
deutschen König Adolf (1296). 138: Tod der unebonbürtigen Gemahlin
des Landgrafen Albrecht, Kunigunde v. Eisenberg, und ihres Solines Apetz
(1297); Albrecht bleibt seinen Söhnen feindselig gesinnt; Vermählung
mit Elisabeth von Arnshaugk, Raub von deren Tochter durch den
jungen Landgrafen Friedrich und Vermählung beider (1300): Zerstörung
von Hopfgarten; Christenmord in Weissensee (wiederholt"; Kampf
gegen die Burggrafen von Kirchberg (1301). 139: Landgraf Friedrich
der Freidige erobert die Wartburg (1306). 140: Kampf zwischen dem
deutschen König Albrecht und dem Landgrafen Friedrich (1307 und
1308). 141: Kampf zwischen Landgraf Friedrich und Erfurt (1309.
1311. 1312. 1316). 142: Gefangennahme des Landgrafen Friedrich, seine
Befreiung, Kampf mit Erfurt (1317); des alten Landgrafen Albrecht
Leben und Tod in Erfurt. 143: Die Wartburg wird vom Blitze ge-
troffen (1318); Thaton Friedrichs des Froidigen. 144: ,,Spiel von den
10 Jungfrauen*4 in Eisenach; Erkrankung des Landgrafen Friedrich
dabei (1322). 145: Tod Friedrichs des Freidigen; seine Familie.
140: Fehde der Herren von Treffurt mit dem Landgrafen (1327).
147: Abenteuer dos Grafen Heinrich VI. von Treffurt (1328). 148:
Bau des Wendelsteines (1332). 149: Krieg zwischen Erfurt und dem
Landgrafen Friedrich II. (1336). 150 u. 151: Thüringischer Grafeukrieg
(1342—1345). 152: Verkauf der Herrschaft Salza (1346); der falsche
Waldomar in Brandenburg. 153: Wahl des Grafen Günther von
Schwarzburg als Gegenkönig Karls IV. (1348). 154: Landgraf Fried-
rich 11. und seine Familie. 155: Der schwarze Tod in Thüringen;
Judenmord (1349). 156: Die Geisseibrüder; das goldene Jahr in Rom
(1350). 157: Krieg des Kaisers Karl IV. und des Landgrafen Fried-
rich III. gegen die Reussen von Plaue (1357). 158: Krieg des Land-
grafen Friedrich III. gegen den Abt zu Fulda (1361). 159: Krieg des
Landgrafen Friedrich III. von Thüringen gegen den Herzog Albrecht III.
von Braunschweig (1365); dazu verworrene Nachrichten über Kriegs-
züge der Landgrafen Balthasar und Wilhelm. 160: Erdbeben (1366).
161 : Die Erfurter kaufen die Wachsenburg und Schwarzwald (1366).
102: Kampf der Stadt Nordhausen gegen die Grafen von Hohnstein
(1308); Wilhelm, Sohn des Landgrafen Friedrich III. begleitet Kaiser
Karl IV. auf dessen 2. Römerzuge (1367 - 69). 163: Verkauf Sanger-
hausens an Horzog Otto von Braunschweig (1369). 164: Bürger-
unruhen in Nordhausen (1369). 165: Entehrung einer Erfurter Bürger-
Digitized by Google
Einleitung.
17
frau durch den Burggrafen von Kirchberg; Tötung desselben dafür
(1369). 166: Kämpfe in Thüringen (1371 — arge Verwechslungen).
IGT: Kampf zwischen Herzog Otto von Braunschweig und dem Thü-
ringer Landgrafen Balthasar, wegen der Hessischen Erbschaft (1372).
168: Krieg zwischen den 2 gegnerischen Erzbischöfen von Mainz,
Ludwig von Thüringen und Adolf von Nassau, in welchem auch
zwischen Erfurt und den Thüringer Landgrafen Friedrich III., Balthasar
und Wilhelm gekämpft wurde (1374); Tod Friedrichs des Freiholdigon
(1381). 169: Tod des Erzbischofs Ludwig von Mainz (1382). 170:
Eroberung von Brandenfels (1382). 171: Erlöschen des Grafenhauses
von Keffernburg (1386). 172: Weitere Erbfolgestreitigkeiten in Hessen
(1386). 173: Kampf in Thüringen und Franken wegon Tötung eines
thüringischen Bauern durch einen Erfurter Bürger (1389 — 1399).
174: Überschwemmung in Eisenach (1390). 175: Kauf einiger Städte
in Böhmen [und Sachsen] durch die Thüringer Landgrafen (1398k
176: Wölfe fressen Kinder und Mädchen in Thüringen (1399). 177:
Zug gegen König Wenzel von Böhmen seitens des Markgrafen Jobst
von Mähren, dem sich die wettinischen Markgrafen anschlössen (1401).
178: ein Komet (1402). 179: Tod des Landgrafen Balthasar (1406; —
richtig: 1404). 180: Regierung seines Sohnes Friedrichs des Ein-
fältigen (reg. 1404—1440). 181: Hussitenkämpfe (1426). 182: Thü-
ringens Teilung (1376). 183: Das (irafengeschlecht von Keffernburg
stirbt aus (1385, s. oben 171); Bauern und Juden (1390). 184: Das
goldene Jahr zu Meissen (1393). 185: Grosses Sterben in Eisenach
(13W); Fehde der Herren von Heldrungen gegen Erfurt. 186: Feuer
zu Erfurt (1396). 187: Lengefeld tsche Fehde (1396, in Wahrheit:
1394-1399). 188: Heldrunger Fehde (1410). 189: Geburt Friedrichs
des Sanftmütigen (1410). HM) u. 191: Feuer zu Erfurt (1413 u. 1416 —
lokale Tradition). 192: Brand der Erfurter Domkircho (1416 — nach
lokaler Tradition und Rothe). 193: Verbrennung eines Juden in Er-
furt (1418 — lokale Tradition). 194: Feuer in Erfurt (1422 — lokale
Tradition). 195: Des Räubers Nicolaus Tal man Gefangennahme und
Hinrichtung in Erfurt (1429).
Hier schliosst Rothe als Quelle für Stolle. Bisher war alles nach
Rothe, ausgenommen die Stücke: 32. 70. 78. 79. 83—108. 128. 136. 181.
192. 193, wo neben Rothe noch eine andere Quelle nachgewiesen ist.
. Nicht nach Rothe waren: St. 122 (Quelle unbekannt); 190 u. 191 gehen
auf lokale Tradition zurück; andere Quellen sind nachgewiesen für
St. 65. 75.97. 118. 119. 121. 131. 132. 135. Hinsichtlich der Quellen Rothes
verweisen wir auf die Quollenuntersuchung Lilienkrons in s. Ausgabe
Rothes S. XIII— XXV, welche auch Holder-Egger, Studien z. thüring.
Geschichtsquellen, N. A. XX S. 4 16 f. als richtig anerkannt hat. So ab-
•
Digitized by Google
18
Einleitung.
hängig Stolle auch von Rothe ist, so behandelt er doch manches
selbständig, kürzt meistenteils, doch setzt er auch zu und berichtigt
Irrtümer, namentlich in Zahlen.
Von nun an schreibt Stolle aus eigener Erinnerung und mit Be-
nutzung der ihm zu Gebote stehenden schriftlichen Aufzeichnungen,
die er in der verschiedensten Weise sich zu verschaffen wusste, wie
oben dargelegt ist und im Kommentar zu den betreffenden Stücken
im einzelnen nachgewiesen werden wird.
Mittelgl ieder.
St. 196: Krieg des Kurfürsten Friedrich und des Herzogs Wilhelm
von Sachsen gegen Magdeburg (1440). 197: Verunglückter Versuch
eines Prager Ratsherrn, Prag in die Hände der polnischen Partei zu
spielen (1440).
II. Hau ptmasse.
St. 198— 201 u. 204-215: Der sächsische Bruderkrieg (1445—1451)
und die Vitzthumschen Wirren (1451), darin 202 u. 203 die Soester
Fehde (1447). 216: Wallfahrt Herzogs Wilhelm von Sachsen nach
Palästina; Namen seiner Begleiter J461).
Konstatiert sei hier noch einmal, dass Stolle die Chronik Härtung
Kammormeisters nicht benutzt hat. Kammermeister steht auf bürger-
lichem Standpunkte, welcher noch dazu durch seine frühere amtliche
Stellung als (n:leitsmann der sächsischen Fürsten beeinflusst wird,
nicht minder durch seine hohe amtliche Stellung in Erfurt (im Rate,
ja oberster Ratsmeister); Stolle steht anf dem Standpunkte des Kleri-
kers. Aber merkwürdig ist zu beobachten, wie verschieden beide
kirchliche Zustände, Einrichtungen und Massnahmen beurteilen:
Kammermeister, der IjJÜo, ist viel demütiger der Kirche ergeben, z. B.
beim Jubeljahr 1450 und dem damit verbundenen Ablass, speziell dem
für Erfurt gewährten. Stolle, selbstverständlich sonst ein gläubiger
und frommer Priester, steht jedoch auf dem Standpunkte des Welt-
geistlichen, welcher seine lokale Stellung hochhält und gegenüber
Verordnungen von aussen, und kämen sie selbst vom heiligen Stuhle
in Rom, sich mehr ablehnend verhält, so z. B. beim Jubeljahr 1450,
das er nur kurz erwähnt.
Zwischenglieder.
St. 217: Über den Tod des utraquistischen Erzbischofs von Prag
Johann Rockvzana (1471). 218: Lateinische chronikalische Notizen,
ohne jeden historischen Wert; die Quellen sind nachgewiesen : Uiruppe
aus den Cronicae Erforderndes Engelhusanae, die 2. Gruppe aus dem
liber cronicorutn: die letzte Notiz orwähnt noch einmal die Soester
Fehde, erzählt also Selbsterlebtes. Dasselbe gilt sowohl von 219 (Int):
Digitized by Google
Einleitung.
19
Sächsischer Bruderkrieg und Vitzthumsohc Wirren, als auch von 220:
(lat.): Eroberung von Konstantinopel (1453) und Untergang des
griechischen Kaisertunis durch die Türken, und Erzählung der Über-
führung des Hauptes des heiligen Andreas nach Koni (1462), was
Stolle selbst sah.
Mit St. 221 lenkt Stolle wieder zur selbsterlebten thüringischen
Territorial- und Erfurter Lokalgoschichte zurück: Erscheinung eines
Kometen (1472); mehrere IYiostererniordungen in der Umgegend von
Erfurt; der grosse Brand von Erfurt (1472), über welchen er in St. 222 ein
lat. Oedicht anschliesst. 223: Priostermord in Obermehler (1472) ; Feuer in
Naumburg. Artern (1473) und Weissensee (1474). 224: Legenden der mappa
mundi Mantuana. 225: Prophezeiungen, die sich auf 1582 — 15,88 beziehen.
III. Hauptmasse.
Nun beginnt das alte Memorialc. St. 22G— 258: Die Neusser
Fehde (1474 — 1475), nach Berichten von Teilnehmern und Augenzeugen,
(St 259 flicht den Kampf zwischen König Matthias von Ungarn und
dem polnischen Könige Kasimir und seinem zum böhmischen Königo
erwählten Sohn Wladislaus, 1471 1479, ein, um auch die Kriegs-
unruhen zu schildern, die im Osten ebenso tobten wie im Westen)
und St. 260— 310 mit Schilderung aller Wirren am Kheine und mit einem
nochmaligen Blicke auf den Osten (St. 282). 311: Rückkehr des er-
furtischen Hilfscorps von Neuss. 312 —315: Die Letzten Lebensschick-
sale und der Tod des Herzogs Karl des Kulmen von Burgund, wobei
zwei Liistorische Volkslieder (313 u. 3I4| mitgeteilt werden.
IV. Hauptmasse.
Es folgt nun die spätere zeitgeschichtliche Chronik. Denn mit
St 31b* kehrt der Chronist wieder in die Heimat zurück: Schilderung
eines harten Winters und der Heise Stolles mit seinem Confrater
Linderbach nach Koni (1477). Es kommen dann mehrere kultur-
geschichtlich wichtige Schilderungen : St. 317: ein Schützenfest in Erfurt
(1477) mit einer Ulückstopf-Lotterie. 318: Die walirliaft krankhaften
Wallfahrten nach dem „heiligen Blut" zu Wilsnack (1475). 'MS): Die
Wirren zu Niclashausen (147ö), wo aus niedriger Habsucht der Orts-
pfarrer und einige benachbarte Pidelleute einen hirnverbrannten Pfeifer
aufgestachelt hatten, Wundorerscheinungen zu erzählen, woran er
kommunistisch -revolutionäre Lehren auf kirchlichem wie auf staat-
lichem Gebiete anknüpfte, ein Aufruhr, welcher nur mit Mühe und
nicht ohne viel Blutvergiessen gedämpft werden konnte.
Es folgt nun Erfurter Lokalgeschichte. St 320: Entweihung des
Erfurter Domes durch den blutigen Streit zweier Chorschüler, neue
2*
Digitized by Google
20
Einleitung.
Weihe desselben (1476). 321 u. 322: Qlockenguss zu Erfurt für den
Dom und die Severikirche (1477 u. 1473). Territorialgeschichtlich be-
handelt St. 323 den Kampf der sächsischen Brüder, Kurfürst Friedrich
und Herzog Wilhelm von Sachsen gegen Quedlinburg (1477) und 324:
Oberfall der Stadt Nordhausen durch reissige Leute des Harzer Kitters
von Reynstein (1477).
St. 325 erzählt die Verschwörung der Pazzi in Florenz gegen die
Mediei und die Ereignisse des blutigen 26. April 1478, nach zwei
verschiedenen Berichten, einem Nürnberger und einem Meissener.
St. 326 führt wieder in die Heimat. Schilderung der Wirren zwischen
Erzbischof Diether von Mainz und Erfurt (1476—1480), woran sich 327
die extractive Wiedergabe der zwei Anschläge reiht, durch welche
Erzbischof Diether in allen deutschen Landen verkünden Hess, dass
Erfurt keine freie, sondern des Erzbischofs Stadt sei, wogegen 328 die
zwei Erfurter Entgegnungen bringt, auch 329 ein im Erfurter Inter-
esse verfasstes Lied des Henze Gutjar über denselben Streit
St. 330 flicht Nachrichten über Verheerungen durch Heuschrecken-
schwärme in Ungarn ein (1474). 331 : Wirren wegen der Aufhebung
einer Leiche unweit Erfurt zwischen dem Herzog Wilhelm von
Sachsen und Erfurt (1471), dann zwischen Nordhausen und den
thüringischen Grafen (in Wahrheit 1464—60, Friede erst 1490), endlich
Krieg zwischen Erzbischof Diether von Mainz und dem Grafen Johann
von Wertheim, Brand von Mainz und Plünderung eines Erfurter
Bürgers durch Konrad von Witzleben (dieso Ereignisse fanden wirklich
14*0-1481 statt). Auf das grosse Welttheater führt wieder St. 332:
Siegreiche Verteidigung von Rhodus gegen die Türken (1480): ein-
geflochten ist 333 : Friede zwischen Erfurt und den sächsischen Fürsten,
Kurfürst Friedrich und Herzog Wilhelm (1483), aber St 334 bringt die
' Citation des Erzbischofs Andreas von Krain an Papst Sixtus IV. vor
ein allgemeines Concil, das zu Basel abgehalten werden soll (1482).
Dann folgt wieder Erfurter Lokalgeschichte. 335: Schilderung einer
grossen Procession (1482); ferner Einzelheiten aus der Erfurter Lokal-
geschichte: die Nonnen vom Cvriaxkloster werden in das neue Kloster
bei St. Andreas versetzt (1482), dort Einweihung eines Chors (1484),
Spitze auf dem Predigerturme (1484), kirchliche Bauten in der St. Severi-
kirche (1485). 336: Sonnenfinsternis, Feuer zu Erfurt und Misswachs,
besonders des Weins (14H5). 337: Grosse Überschwemmung in Erfurt
Krieg zwischen dem Bischof von Hildesheini und seinerStadt (1485): Miss-
wachs in Thüringen (1485). 338: Sonnenfinsternis, Misswachs, Sodomiterei
in Walschleben, Aufrichtung eines Kreuzes vor dem Chore in der Dom-
kirehe und der Turmspitzen der Martinskirche intra zu Erfurt (1486).
339: Mondfinsternis, Feuer zu Mühlhausen, Witterungsverhältnisse,
Digitized by Google
Einleitung.
Aufrichtung der Turmspitzen auf dnr Alleiheiligenkirchc in Erfurt
Missraten «los Weins (1487). 340: Ermordung eines Priesters zu
I/mgefeld (1488). 341: Goldenes Jahr, Proeession und Ablass zu
Erfurt; Feuer zu Erfurt infolge von Blitzschlag (1488). 342: Sonnen-
finsternis, Witterungsverhältnisse, Missraten des Weins (1488). 343:
Mondfinsternis, Witterungsverhältnisse, gute Ernte, aber dann viel
Kaupen (1489). 344: Mondfinsternis, W itterungsverhältnisse, Miss-
wachs, Teuerung, Krankheiten, harter Winter, Überschwemmung (1490).
3lf>: Sonnenfinsternis, Frost, Missraten des Weins, Witterungsver-
hältnisse; Verbrennen dos Leichnams eines Selbstmörders; Getreide-
preise, Ausfuhr von Getreide aus Erfurt; Brand in Groussen: starke
Gewitter; Begräbnis von Johann Bogk (1490). 340: Grosser Sturm in
Erfurt (1491). 347: Grosse Überschwemmung, Witterungs-, Teurungs-
und Steuerverhältnisse in Erfurt; Ausfuhr von Getreide. Bovölkerungs-
mengo, Weinmass in Erfurt (1490 u. 1491\ 348: Wirren zwischen
Erfurt und den sächsischen Fürsten; Weinernte in Erfurt (1491).
349: Versuchter Meuchelmord an einem Erfurter Bürger durch ein
(fabelhaftes) Halsband (1492). 350: Witterungsverhältnisso und Wein-
ernte in Erfurt (1492). 350a: Friede mit Sachsen (1492); Kleiderluxus.
351: Feuer in Erfurt: zwei neue Altarbilder in der Kaufmannskirche
zu Erfurt (1492). 352: Krieg um Braunschweig (1492). 353: Mond-
finsternis, Wittorungsverhältnisse, Erfrieren des Weins, Ausfuhr von
Getreide aus Erfurt, Pilgerzug des Kurfürsten Friedrich von Sachsen
nach Jerusalem; Tod Kaiser Friedrichs III. (1493). 354: Aufrichtung
der Turmspitzen auf dem Dome zu Erfurt: Einschränkung des Verkaufs
von Fleisch am Sonntag von 9—12 morgens (1493). 355: Witterungs-
verhältnisse, Sonnenfinsternis, Ernte und Lohn der Erntearbeiter ; gute
Weinernto; milder Winter (1493). 350: Untreue und Flucht der Frau
des Geleitsmannes Fridang von Wilden rode zu Erfurt (1492). 357: Sonnen-
finsternis (1494). 358: Mondfinsternis; Erfrieren des Weins (1494). 359:
Schwere Jahre: 1480.1493.1494. 360: Aufsetzen der Turmspitzen auf der
St. Severikircho (1494—95). 3(>1 : Witterungsverhältnisse (1495) ; Ernte-
verhältnisse, Erntearbeit und Lohn der Arbeiter (149(i); iWitterungs-
verhältnisse; Vermählung des Herzogs Johann von Sachsen; Witterungs-
und Emteverhältnisse, Arbeiter und Arbeitslohn (1497). 362: Fran-
zosenkrankheit (Lustseuche) auch in Thüringen und Erfurt (1497).
363: Das Elsternnost auf dem Predigerturmo zu Erfurt (1493 — harm-
los witzig). 304 u. 3G5: Guss verschiedener berühmtor Glocken zu
Erfurt (1497). 3t5ti: Feuer in Erfurt (1498). 3(J7: Grosse Über-
schwemmung in Erfurt; Vertreibung eines Busspredigers in Erfurt;
beim Ehebrüche wird ein Mann bei Markvippach vom Blitze er-
schlagen; Blitzschlag und Überschwemmung (noch einmal erwähnt)
Digitized by Google
22 Einleitung.
in Erfurt (1498); Kleidermoden von 1480 und 1440 (zurückspringend).
368: Steuerverhältnisso in Erfurt; Einweihung der Peterskirche in
Erfurt; milder Winter (14W). 309-382 bringt wieder (34) einzelne
lateinische chronikalische Notizen, hauptsächlich nach der historia
Pistoriana. 383: Abschrift a) des Amorbacher Vertrages vom 3. Fe-
bruar 1483, und b) einer Instruktion (vom 2. Februar 14*3) der sächsischen
Herzöge betreffend Ausführung des Weimaror Vertrags, welcher auch
das Datum des 3. Februar 1483 hat. Dann wieder Erfurter Lokal-
geschichte. 384: Grosse Procession 0483). 385: Feuer zu Erfurt
(1482); Wirren mit den sächsischen Fürsten, welche Raubritter gegen
Erfurt dingen (1482, was im folgenden Jahre zum Weimarer Vertrage
führte; die Verhältnisse von Nordhausen werden geordnet (s. St. 331).
380: Steuerverhältnisse in Erfurt (14*3. 1488. 14W). 387: Abschrift
dos Woimarer Vertrages vom 3. Februar 1483. 388: Turnier und
Schützenfest in Erfurt (14%). 381) : Bestrafung eines Vatermörders
im erfurtischen Dorfe Tiefthal (14«J7). 3<J0: Feierliche Einholung des
Kardinals Raymund in Erfurt (1502).
8 3. Die handttthriMIehe Überlieferung der Chronik.
1) lieschreibu ng der Handschrift (IIS).
Überliefert ist uns Stolles Chronik durch des Verfassers Auto-
graphon: IIS von uns genannt Die Schrift derselben ist eine deut-
liche, dicke, aber etwas steife Kursivo mit wenig Abkürzungen. Die
Handschrift gehört der Universitätsbibliothek zu Jena (Zeichen: S. q.3).
Sie ist eine Papierhandschrift, titellos, 21 1 2 cm hoch und 1(3 cm breit,
und enthält 339 Quartblättcr; die eigentliche Chronik umfasst 318
Blätter und scheint von Stolle allmählich in den späteren Jahren der
zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts niedergeschrieben zu sein, das
Sehlussblatt erst 1502, also 3 Jahre vor seinem Tode. Die Handschrift
ist nicht im Originalbande: auf jeder Seite stehen 32—34 Zeilen.
Vorgeheftet sind 2 Titelblätter, von denen die Vorderseite des
ersten und die Vorder- und Rückseite des 2. Blattes besehrieben sind.
S. I ist mit einem beschnittenen Quartblatt beklebt, das einen ver-
stümmelten und daher nur teilweise verständlichen, aber sicherlich nicht
zur Sache gehörenden lateinischen Text enthält, (11 Zeilen, darüber
Aug'), darunter steht in anderer Schrift mit kräftigen Zügen:
Panthaleon Starklof|f|,
Eadem perpetuo fabula i[n] mundo agitur mutatis tantum personis.
Blatt 2 steht : Der Ehrnveste unndt Achtbare Herr Georg Eekoldt
vornehmer Burgere unndt Kaufmann in Erffurdt, vorehrote mir diss Ohle
Buk, darfur ich gantz danckbar bin. Actum. Denn 10. Martii Anno
Christi 1638. Casp. Matthaei
mppia.
Digitized by Google
Einleitung.
23
Neben dem Namen links stehen die Worte: noch Gotha d. 20. Hart.
Auf Hl. 2 Rückseite stehen von derselben Hand
Conradiis Stolle
so dise Chronick gesehrieben
Ist bürtig gewesen von Zimmern unter dem Ettersberge, hatt da-
selbst A. C. 1446 gewohnet, und doinals IG Jahr alt gewesen. Vide
fol. 118».
Ist zu Erffurdt zu S. Severi in die schule -gangen, fol. 123 \ (Zu-
satz: item zu Saltza, fol. 12Gb).
Hatt gesehen, wio man sich zu Ei*ffurdt zur Wehre geschickt, und
die Stücke auf die graben geführet hatt, M. 125*. (Zusatz: u. fol. 288).
Ist zu Saltza in die schule gangen, fol. 12G'1.
Ist zu Rom gewesen, fol. 155 b.
Hatt A.C. 1458 zu Mantua die Mappam Mundi abgesehrieben, fol. 163*.
Hatt A. G. 1474 den Zug vor Neus und Burgundisehen Krieg be-
schrieben, fol. 104.
Ist Vicarius zu St. Severi in Erffurdt und zeucht nach Rom A.C.
1477 fol. 210".
ftent sich nochmals Vicarium S. Severi fol. 227 b.
Von späterer Haml sind noch Zahlen zugesetzt, welche Seiten in
der Handschrift bezeichnen, auf denen sich Stolle solbst erwähnt:
fol. 288, 220, 221, 252, 255, 263.
Es folgt dann das Register (7 Blätter). Es ist zum Toil in Un-
ordnung geraton, bietet nur die Kapitelinschriften und auch diese teil-
weise anders als im Texte selbst; es reicht bis Bl. 247, d.h. bis St. 334
(die Gitation des Papstes Sixtus IV. vor ein allgemeines Concil); die
übrigen Blätter seheinen verloren gegangen zu sein. Bis hierher ist
die HS nicht paginiert, von da an beginnt die Paginierung mit römischen
Zahlzeichen. Die Überschriften sind mit roter Tinte geschrieben, ab
und zu findet sich eine kunstvollere Initiale. Bemerkungen stehen
am Rande, von verschiedenen späteren Händen ; soweit sie nicht anderes
bieten als Inhaltsangaben, sind sie der Berücksichtigung nicht wert.
Etwas ausgestrichen ist auf Blatt 4 Rückseite (die 22 unteren Zeilen),
Blatt 100 Rückseite (die letzten IG Zeilen vor dor die Seite schliessenden
roten Überschrift) und Blatt 103 (die ganze Vorderseite).
Dio Handschrift selbst enthält folgende Blätter: 1—15 Rückseite,
die nur 9 Zeilen hat ; 16 Vorderseite ist leer; 16 Rückseite — 23, von
diesem Blatte ist die rechte untere Ecke abgeschnitten; 24—20. His
hierher ist die Paginierung von späterer Hand, bei Bl. 30 beginnt die
Paginierung durch die alte Hand, also von Stolle selbst. Dann Bl.
30—41 : auf dem letzteren Blatte fehlen auf der Vorderseite 3 Zeilen,
die Rückseite ist leer; dann sind 6 Blätter (42 -47) herausgeschnitten,
Digitized by Google
24 Einleitung.
die aber mitzählen, worauf die Chronik bis Rl. 148 Vorderseite weiter-
geht; von hier fehlen die roten Zeichen. Dann Bl. 148 Rückseite bis
Hl. 151 Rückseite, auf welcher das letzte Drittel fehlt; dann beginnen
die roten Ausmalungen wieder; ferner Bl. 152 - Bl. 155 Rückseite, wo
wieder dio letzte halbe Seite fehlt, ebenso Bl. 163 Rückseite, die nur
10 Zeilen hat; dann bis Bl. 172; Bl. 173 ist aus der HS herausgerissen;
dann Bl. 174 (dessen Rückseite etwas wasserfleckig und an dieser Stelle
nicht beschrieben ist) bis B1.215, von dem die Vorderseite nur zum
dritten Teile beschrieben ist; weiter bis BI.257, wo die rote Anmalung
der Buchstaben aufhört: dann bis B1.266, hinter welchem ein kleines
Blatt eingeheftet ist; weiter bis Bl. 271, auf dem die Vorderseite nicht
voll beschrieben ist; auch hört hier die alte Paginiernng auf. Es
folgen dann, indem die Erzählung ruhig weitergeht, 12 nicht be-
zeichnete Blätter, von denen das erste auf der Vorderseite, das 4. auf
der Rückseite und das 12. auf der Vorderseite nur zum Teil, letzteres
auf der Rückseite gar nicht beschrieben ist; wir bezeichnen diese
12 Blätter = 23 Seiten mit 271 a— y. Dann geht dio alte Paginierung
weiter, da anknüpfend, wo sie vorher abbrach, aber dio nicht pagi-
nierten Blätter hängen mit der HS zusammen und haben dasselbe
Papier und sind von derselben Hand geschrieben. Von hier bis
Bl. 292 sind auch wieder einzelne Buchstaben rot angemalt. B1.293
steht die Paginiernng versehentlich auf der Rückseite von Bl. 292;
von Bl. 293 ist die Rückseite nicht voll beschrieben, Bl. 295 ist doppelt
vorhanden; dann von B1.296 — Bl. 303, dessen Rückseite wie B1.304
Vorder- und Rückseite nicht beschrieben sind; zuletzt Bl. 305. Hier
schliesst Steiles Handschrift. Ks folgen dann auf Bl. 306 - 323 spätere
Zusätze, die wir unberücksichtigt lassen (s. Haupt, Zeitschrift f. dtsch.
Altert. VIII, S.336— Ml). Ks sind:
1. Bl. 306 308: Kurze Nachricht vom Siege der Türken in
Ungarn, 19 September 1526 (lat.). Dann 20. September 1526 ausführliche
Beschreibung der Einnahme Roms durch den Cardinal Colonna und
Plünderung des päpstlichen Palastes (deutsch).
2. Bl. 309- 315:
a) Ein Resonet in laudibus wider die falschen Evangelischen
(deutsch),
b) Hodie apparuit (deutsch),
c) Ein Omnis mundus cognoscit eosdem (maccaronisch),
d) Ein dies est leticie wieder die falschen Evangelischen (deutsch),
e) Ein ,0 armer Judas' von den neuen Christen ^deutsch),
mitgeteilt unter dem Titel: ..Spottlieder auf die Evangelischen,'' von
Alfred Kirchhoff (Bd. XIII der Neuen Mitteilungen des Thüringisch-
Sächsischen Oeschichts- u. Altertumsvereins S. 360— 371).
Digitized by Google
Einleitung.
25
3. Bl. 315: Weissagung aus einem alten Buche auf Karl V., <lie
angeblich eingetroffen ist (lat); auf der Rückseite ein darauf bezüg-
liches (lat.) Gedicht.
4. Bl. 316— 321: Ein deutsches Gedieht wider die Handwerker in
Mainz, welche den Rat stürzen wollten.
5. B1.322: Bericht < lat.) über die Kaiserkrönimg Karls V.: pre-
sentata Moguntiae XXVlIIJanuarii 1530. scripta a Bononia per Joann.
Wisbeck.
6. BI.323: Nachricht (lat.) über eine Überschwemmung in Rom.
Ans dem Zustande der HS, wie sie jetzt ist, und wie er wegen
des Herausschneidens von Blättern als ehemals beschaffen angenommen
werden muss, ist klar, dass Stolle, wie dies auch von anderen Chronisten
feststeht, in der Chronik, als er sie schrieb, häufig Blätter leer gelassen
hat, um sie später auszufüllen; meist that er es vollständig, aber es
blieb manchmal ein Stück von einer Seite, oder auch manchmal eine
Seite oder ein Blatt leer. So ist der merkwürdige Umstand, dass
halbe und ganze Seiten, auch Blätter unbeschrieben sind, am natür-
lichsten zu erklären, auch das Hinwegschneiden von Blättern, ohno
dass inhaltlich etwas fehlt. Die HS legte sich Stolle wohl in Lagen
von 12 Blättern an, wie die oben nicht paginierten 12 Blätter be-
weisen, die als lose Lago beschrieben sind, dann aber zu paginieren
vergessen wurden. Die Paginierung hat Stolle selbst gemacht, wie
die Gleichheit der Seitenzahlen und die in dem Text vorhandenen
Verweisungen zeigen, aber mehrfach nachträglich, und so erklären
sich Versehen und Übersehen. —
2. Handschrift e.
Im Erfurter Stadtarchive, in der K. Hermann- Bibliothek (Bibl.
Herrn. I, 13) findet sich die Handschrift einer Chronik, 51 beschriebene
Blätter. Da die Handschrift in einem Umschlage beschriebenen Perga-
ments kirchlichen Inhalts goheftot und mit No. 15 bezeichnet ist, so
gehörte sie wohl einer geistlichen Bibliothek (Peterskloster?) an. Jetzt
ist sie in Pappband gebunden. Anfang (der aber auf dem 2 Blatte
erscheint; es kommen mehrfach solche Verhaftungen innerhalb des
Pergamcntumschlags vor; die Handschrift bestand demnach vor ihrer
Heftnng aus losen Blättern): dero ist fruchtt war, do treben (sinnlos;
es soll heissen: das es fruchtbar war, da trieben), s. St. 22 a. E., IIS
Bl. 10). Schluss: undt der romische koning gab hirnoch sin tochter
margreta dysser fursten eym genant Wilhelm; bei Stolle (von dem
sich St. 181 Ende zuletzt auf Bl. 41» oder S. 1)7 ZI. 1 1 von oben be-
findet) nicht, wohl aber bei Ursinus, Chronieon Thuringicum , b
MSG1II pag. 1327. Dann steht unten auf der letzton Seite folgende
Digitized by Google
Einleitung.
Sohlussbomerkung: gesehreben nach Christus gehurt X 1 1 Tj c undt
im LXXVI iar undt darnach gesehryben XV c undt XVj jar uff
den nuhnden dag des monden may undt darnach geschribon XYC
undt im XXXXV jar auff den XV) dag des mertzen. Darunter:
anno domine (sie) ~1~5~4~6. Denn 18 may ist es ge-
schehene Das Ganze ist demnach die Abschrift einer Vorlage, die
zu 3 verschiedenen Zeiten, 1476, 1516 und 1545 geschrieben war, die
Abschrift selbst wurde i. J. 1546 gemacht. Die teilweise und zeit-
weilig wörtliche Übereinstimmung mit Stolle — von St. 22 bis
St. 181 — liisst es als höchst wahrscheinlich erscheinen, dass der seine
Abschrift aus mehreren Quellen zusammenstellende Verfasser haupt-
sächlich die HS Stolles benutzt hat, oft wörtlich richtig, an anderen
Stellen, denn es scheint öfters nach einem Diktat geschrieben zu sein,
mit argen Missverständnissen: auch sind nicht selten Worte oder
Zeilen übersprungen; dann ist auch eine andere Ordnung eingehalten;
mehrfach ist es nur ein Auszug, den der Abschreibor mitteilt, er fährt
aber fort, ohne den Zusammenhang zu beachten. Demnach hat die
Handschrift (e von uns genannt) nur wenig kritischen Wert und ist
von uns aus textkritischen Gründon nur dann herangezogen worden,
wo Stolles Lesart unverständlich oder offenbar falsch ist, die Hand-
schrift e aber den Text nach eigenem Ermessen richtig stellt; ihre
Lesarten haben daher nur den Rang einer, allerdings zeitgenössischen
Emendierung des Textes. — Ursinus hat in seinem Chron. Thuring.
die Handschrift e wörtlich benutzt, s. darüber K. Herrmann, bibl. Erfurt.
S. 68 f. Wir können daher, was Stolle betrifft, Herrmann nicht zu-
stimmen, da nicht Stolle die Handschrift e, sondern sie den Stolle
benutzt hat. Es erübrigt danach auch, die Handschrift einer thüring.
Chronik (K. Herrmann, bibl. Erfurt. No. 14 S. 6V>. G.B.A. No.355) auf
der Gothaer Bibliothek zu berücksichtigen.
3. Die Handschrift m,.
In der Kgl. bayerischen Hof- und Staatsbibliothek zu München
befindet sich eine Papierhandschrift von 36 Blättern, cod. Germ. 1242*
fol. (s. K. Herrmanu, bibl. Erfurt, pag. 83), mit der Überschrift: Aus
einer Doringischen chronickon , welche aus Stolle bis auf folgende
wenige Stellen abgeschrieben ist : von Anfang an Bl. 2 bis Bl. 3 v
ZI. 25, Bl. 5V ZI. 9 von unten bis Bl. 6 ZI. 20, BI.34 ZI. 12-16 u. Bl. 36
ZI. \) bis Ende der Handschrift; das sind einzelne Notizen aus den
Jahren 1437 40. 1446. 1451. 1452 und wieder 1447. Dabei aber sind
auf Bl. 11. 16. 17'. 18v und 31 T die Bemerkungen, welche Stolle über
sich machte, weggelassen. Die Abschrift ist dor Schrift nach aus dem
16. Jahrhundert und wegen der Bevorzugung lokaler Nachrichten aus
Digitized by Googl
Einleitung.
27
Jena in jenen Zusätzen wahrscheinlich von einem Jenaer ( Prodigor-
mönehe?), aber in Erfurt Angefertigt. Die Absieht des Auszuges
ist <lie Darstellung des sachsischen Bruderkrieges.
Kritischen Wert hat die Handschrift, von uns mt genannt, gar nicht,
denn sie ist in höchst willkürlicher Weise gemacht, mehrmals ohne
Hinhalten der Zeitfolge und der Ordnung bei Stolle, mit grösseren
oiler kleineren Veränderungen, häufigen Auslassungen von Wörtern
und Zeilen, einzelnen Wiederholungen (so Bl. 4V ZI. (>- 1 1 = ibidem
ZI. 2 von unten bis B1.5 Zl.3\ ja auch mit selbständigen eigen-
niärhtigen Zusätzen, die allerdings noch auf eine andere Vorlage hin-
deuten. Von Kapitelüberschriften ist nur eine, allerdings für die
ganze Handschrift bezeichnende, auf Bl. b' und 23 herübergenommen:
von der czweytracht der czwoyer brudere herczogen Frederichs unde
herezogen Wilhelms (Stolle, HS Bl. 131 \l. Entlehnt hat die Handschrift
aus Stolle folgendes:
m HH
I) BI.3* ZI. U v.u. bis BI.5' ZI. 10
v. u. = Bl- 1 10 - 1 12 (worden czweytreehtig
bis Proge in Bornen).
10 Bl. 6 ZI. 16 v. u. bis Bl. 23
ZI. 12. = Bl. 1 12— 131 » (eyne gutliche rich-
tunge).
III) B1.23 ZI. 15 bis B1.34 ZI. 11. = Bl. 132' bis Bl. 144' (eher danne
sy sy gaben).
IV) Bl. 34 ZI. lf> bis Bl. 34 ZI. 2
v.u. (bricht mitten im Satze ab).-=Bl. 144* — 14<V (hüben wolde, den
solde).
v) Bl. .34 zi. 1 v. u. bis Bl. 35
ZI. 10 v. u. — Bl. 131 - 1 32 * (springt zurück).
VI) Bl. 3.V ZI. 10 v. u. bis B1.3G
ZI. 8. =B1. 14öT— 14(>v (setzt No. IV fort).
Für uns waren nur 2 Lesarten von Nutzen, die wir aufnahmen,
wo das Autographon offenbar einen Schreibfehler hatte: St. 1% wolden
(HS: woldy) und St. 212 starp (HS: schreib).
4. Die Handschriften g und in,.
Endlich findet sich noch eine Handschrift in fol. 20b" Blätter, auf
starkem Papier, auf der herzoglichen Bibliothek in (rotha (Chart. A.
No |;">iM, welcho folgenden Inhalt hat: Bl. 1 — 170 ein Teil der Chronik
des Johann Rothe (St. 1— 7ö4>, öfters mit Auslassungen Mit Bl. l7l
beginnen die Auszüge aus Stolle: 1) Nicolaus Talmanu Stolle St. 1(.*>
Digitized by Google
Einleitung.
(nicht wörtlich = Rothe 774); 2) 1413 Feuer auf dem Anger = Stolle
VAX genau; nicht aber findet sicli 3) der Hau des Turmes der Kirche
Martini intra; 4) Feuer Februar 1416 = Stolle 101; 5) Feuer Novomher
1410 = Stolle 192; 6) Judenverbrennung 1418 = Stolle 193; 7) Feuer
1422 =r Stolle 194 (No.4-7 nicht wörtlich). Bl. 172- 174 sind un-
beschrieben, Bl. 175 u. 17f> enthält lateinische Notizen, v. Bl. 177 u. 178
ist die vordere Seite unbeschrieben, Bl. 178* Bat ist der aplas, do die
kriechen hie woren, Bl. 179 vord. Seite unbeschrieben, Bl. 179v deutsche
medicinische Bemerkungen. Dann wieder thüringische Chronik Bl. 180
über Herzog Sigmund u.s. w. Bl. 1S0V u. 1 sl vord. Seite; Krieg der
Herzögo Friedrich und Wilhelm mit Magdeburg — Stolle St. 196,
Bl. 181 vord. Seite und 181 v Überfall von Prag = Stolle St. 197. Dann
folgen wieder Nachrichten, die nicht aus Stolle sind Bl. 181 v — 182
vord. S. über Ungarn u. s. w. Dann aber folgt Bl. 182v— Bl. 197v
=-- Stolle St. 198 — 215 der sächsische Bruderkrieg. Diesen
aus Stolle zu exeorpieren, kann als Hauptsache dieser
Entlehnung gelten, wie wir dies schon bei der Handschrift m,
sahen. Bl. 197 -201; Pilgerzug des Herzogs Wilhelm nach dem
heiligen tamlo i. J. 1461, den Stollo nicht hat, woran sich Bl. 204v- Bl.
206 vord.S. das auch bei Stolle genau sich so findende Verzeichnis
der Teilnehmer an dieser Pilgerfahrt anschliesst. B1.206 vord. S. unten
und 206v bringen wieder deutsche medicinische Bemerkungen. Auch
dieser Auszug aus Stolle ist demnach aus thüringischem Lokal-
patriotismus gemacht, um namentlich den sächsischen Bruderkrieg
nach der Darstellung eines Zeitgenossen abzuschreiben. Die Hand-
schrift — von uns g genannt — stammt aus dem Anfange des 16. Jahr-
hunderts, in der damals gewöhnlichen Schrift, die aber nicht die
Hand Stolles ist. Wohl aber ist sie in Erfurt gemacht, denn sie war
zuerst Eigentum des Petersklosters daselbst, wie auf Bl. 1 bemerkt ist:
Liber monasterii Montissancti petri in erffordia; über die Bibliothek
des Petersklosters s. Böckner, Poterskloster zu FMurt, MOE, X, 1881,
S. 113 ff. Wir vermuten, dass sie in die (Jothaer Bibliothek unter den
Manuscripten gelangte, welche nach L. F. Hesse, Serapeum 1857, S. 131
der letze Abt des Petersklosters am 18. Febr. 1804 an Herzog Emst II.
von Gotha verkaufte. Kritischen Wert hat die Handschrift gar nicht;
abweichende Lesarten haben, wie bei m,, höchstens den Rang gleich-
zeitiger, hier aber noch späterer Konjecturen.
Aus ihr ist, nach K. Herrmann, bibl. Erfurt. S. 83, die Handschrift
Cod. germ. 1242 fol. in der Münchencr Bibliothek abgeschrieben; wir
haben diese Handschrift ma genannt, brauchten sie aber nicht ein-
zusehen.
Digitized by Google
Einleitung.
2a
Das H and sc Ii riftenbi hl ist also einfach so:
IIS — daraus extrartive Abschriften :
g 4. Sehleksale der IIS und Benutzung des Stollesclien Werke«.
Die Nachricht, dass die Handschrift g im Besitze des Erfurter
Petersklosters war, und die sonstigen Bemerkungen in der HS, welche
bereits erwähnt sind, lassen uns über die Schicksale der HS folgende
sehr wahrscheinliche Vermutungen aufstellen. Aus dem Besitze
Stolles, d. h. nach seinem Tode, gelangte sein Autographon in den
Mainzerhof; hier machte der Küchenmeister Engelmann seine Be-
merkungen (s. St. 389 A. 0 u. 7); es war also im geistlichen Besitze, wie
wold auch zweifellos die oben (S. 24— 25) mitgeteilten Zusätze auf
Bl. 3fX>— 323 beweisen. Damals sind auch die Abschriften: (Vorlage
zu e) und e, ferner g (daraus nit) sowie m, genommen worden, welche
nach verschiedenen Schicksalen in die Magistratsbibliothek zu Krfurt,
in die Gothaer und Münchener Bibliothek gelangten.
Ungewiss bleibt, wann HS aus dem Mainzerhof herauskam, vielleicht
erst bei der Besetzung Erfurts durch die Schweden am 21. September
1631, wobei es nicht ohne Plünderung, namentlich der Mainzischen
Staatsgebäude, abgieng s. Falekcnstein, Civitatis Krf. hist. crit. pag. 703 ff.),
oder nach der Besitzergreifung durch Gustav Adolf, welcher durch
den Gnadenbrief vom 9. Oktober lr>32 dem Kate alle mainzische
Güter und Besitzungen schenkte (s. C. Beyer, Gesch. der Stadt Erfurt
bis 1G64, 1893, S. 50). Denn i.J. 1638 erhält Caspar Matthaei bereits
die Handschrift von Georg Eckoldt^ beide Erfurter Bürger. Später
erwarb sie der Professor der Geschichte jn Jena Caspar Sagittarius
(lebte v. lt>43 bis U»94), aus dessen Nachlasse sie in den Besitz der
Universität Jena übergieng. — Von einer Benutzung der Handschrift
ist ausser jenen obengenannten Abschriften und einzelnen Bemerkungen,
am Rande (s. o. S. 23) nur die durch Adam Ursinus und Caspar
Sagittarius bekannt. Ursinus stammte aus dem zum erfurtischen
Gebiete gehörigen Flecken Mühlberg (s. K. Herrinann, Bibl. Erfurt
S. 11 u. 85 f.) und schrieb bald nach dem Jahre 1500 ein Ührouicon
Thuringiae vernaculum usque ad annum MCH'CCC, das sich bei MSG,11I,
pag. 1239— 1352 findet; s. auch, was wir oben S. 20 hinsichtlich des
Schlusses der Handschrift e mitteilten. — Ferner benutzte Caspar
Sagittarius in seiner „Historia der Grafschaft Gleichen," nach seinem
Tode herausgegeben von E.S.Cyprian', 1732, die Stollescho Chronik
■
Digitized by Google
HO
Einleitung.
an folgenden Stellen (s. Sagittarius S. 21)1), aber trotz der scheinbar
wörtlichen Citate doch mit gänzlich unigesetzter Sprache, sehr un-
genau und mehrfach fehlerhaft:
Sagittarius Stolle
1) S.4 St. 26 (HS Bl. 18)
2) S. 1(56 St205(HSB1.134)
3) S. \Wi St 205 (HS Bl. 132. 133*. 134». 135)
4) S. 168 St.2()9(HSB1.137u. 137»)
5) S.170 St.210(HSB1.138¥)
6) S. 172 St.215(HSBI.145*)
7) S.20l— 205 .... St .198 (HSBI. 116.117. 118-121)
8) S. 21)7 St.212.213(HSBU40\142)
9) 8.207-208 .... St219(HSB1.155)
10) S.225 St 385 (HSBI. 289*)
11) S. 226 St 385 (HS Bl. 2900
12) S. 273 St 199 (HSBI. 121*— 122)
13) S. 274 St 199(HSB1. 124-124*)
14) S. 275 St. 205 (HSBI. 135).
Hesse in seiner Ausgabe S. VI f. giebt auch die Stellen aus,
Sagittarius, aber recht fehlerhaft, an.
Wahrscheinlich hat die Jenaer HS noch ,Ioh. Oottfr. Gregorii
(bekannter unter dem Pseudonym Melissantes — geb. 17. Februar 16^5
starb als Pfarrer zu Dornheini bei Arnstadt 4. Aug. 1770 — s. All-
gemeine Deutsche Biograph. 9, S.630 f. von Anemüller) benutzt in seinem
„Neueröffneten Schauplatz denkwürdiger (Jeschiehte berühmter Städte
und Schlösser in Teutschland", 1715, S. 334. wo er über „Menvigsburg"
(= Möbisburg) spricht, s. HS Bl. 17r, ähnlieh Bl 21\ s. uns. Ausgabe
St. 23 u. 29.
Von da an lässt sich keine Benutzung der Stolleschen Handschrift
bis auf Hesse und Michelsen (S. ob.S. 1) nachweisen.
Digitized by Google
Register."
Bl.derllN
1
4
4
Wye dy roinere wolden oren kcyaer octiivinniim atdiethe vor einen
Hot . .
5
6
Von berodes der dy kindere li*z toten
ü
Von detne lelien Oristi ihc.Hii
i
1
8
8
Vtm drin*: kevser tvbeiio zu nunc
9
Vim ciisto iln her rzwenczL'k jar alt was .
;)
lu
10
11
11
12
i:?
1-1
Wy tytus nnnd vcHpesianus dy czwene keysei ejherusalein dy *tad vorslort haben
14
1 t
Was d-i »resiliach imch rristus »i-lmrt hisz zu lunllezi^k jarn . .
15
Wy dy doringe unnd dy aaclwen vele inol nieteinander getreten haben . .
17
18
18
18
Wy etliche ^rafeschatl't kniiieu sint in das laut /u durin^eii . .
1H
Iii
Von evnir kouiur am ryne vnnd eyiue koiii^e in doringen. wy dy
L't"*trelen
19
21
21
W'v koninjrk tay brecht nnde svne kindere treregert haben doiinger
1 : 1 s : LJ '
land . .
21
22
W'v das kevserrieli /11 erst au dutschr laut koiin ji i>t 1 . . .
22
Wy eyn herezoge zu doringen mit den ungern gestreten liat .
23
23
W'v <lv uultiiu (las ander inol iiuonien in da- laut zu dornigen .
23
* l>aa Reglater tat vielfach nach Wortlaut der Überacbriften und hiimlcutllcli der Zahlen ungenau;
letztere und die Überschriften decken alcli mit denen In der Chronik seil»! öfter* nicht genau .
b Sind nicht als Überschriften vorhanden. e l'etilt &1h Überschrift ; dafür fi-blt im Register die
Überschrift von Abschnitt 11: Wy Uennenbertf gebuwet wart. J Fehlt aJa Überschrift eine« Ab-
achnlttea.- * KbeulaJIa. ' Dann fehlt die Überschrift dca 31. Abschnittes der HS: Von keyser Karl.
32 Register.
Bl.4erHs
Von quedelnborgk, wa&aenborgk, gota* 24
Von keyser frederiehe deme ♦Taten 24
Wy dy heilgon dry konige kein koln komen »int 24
VVy etliche grafen zu erflbrt in eynem gemache vortorben 24
Wy dy unstrot gantcz vortrockent was 25
Wy dy stad salcza gebuwct wart 25
Hy hebet «ich an das leben der heiigen frnwen sente clsebeten.b
Von der gebort lantgrafen lodewigen, sente eUebelcn herre 63
Von der frygete lantgrafen lodewigen nnde seilte el.«ebeten . 64
Hy starb seilte elsebeten muter 65
Von iler predigcr nnnd barfuszen orden . j
Von »eilten katherinen closter zu isenaehe ! 65
Hy starp sente elsebeten swehcr .... I
Von lantgrafen lodewige vnnd sente elsebetcn, wy from dy wom .... 65
Hy wart Inntgrafe linlewigk ritter zu isenaehe 65
Wy landgrafe lodewigk unnd eyn bisschotf zu mencz zusamen gekregen haben 66
Wy «eilte elsebete unnd or herre von den luten belogen wom 66
Hy hatte Inntgrafe lodewigk hochezit mit »ante elsebeten ....... 67
Hy ezoch lantgrafe lodewigk mit sente elsebeten in ungern zu oiem vater \ ^
Von eyner glocken zu isenaehe (
Wy sente elfebete oren mantel vorlosz 25
Wy lantgrafe lodewigk einen tantcz sachc 26
Wy das nuwe slosz zu deme alden lierge zubrochen wart 1 ^
Wy landgrafen lodewigen d eyn lawe an Ii ff J
Von ern waltmanne von setelstete, rittet 28
Wy sente elsebete gehorsam was nieister Conrad von martpuigk, prister \ ^
Wy eyn betelwip s. elsebeten in den quad stisz /
Hy gebar sente elsebete oren ersten »on ( ft
Von deine barfuscu klostcr zu erffort I *
Von eynem grossen fure zu erflbrte . . I
Wy sente elsebole eyn grosz czeichen thed |
Hy gebar s. elsebete or dritte kint \ ^
Wy lantgrafe lodewigk0 czock mit herc in poln i ' ' ' '
Von eyner thure ezitd 69
Lantgnife lodewigk f herfarte in das laut zu franeken ( ^
Von lantgrafen lodewigeti * unnd eynen armen kremer j
Wy s. elsebete den sjtetal zu martpurg gebuwet hat 70
Wy lantgrafe lodewigk vorsuebt wart in deine eebruche ........ 71
Von einem ritter, der synor frowen erloubet hatte mit lantgrafen lodewigen h
dy ee zu hreeben 71
Wy keyser frederich unnd lantgrafe lodewig, seilte elsebcten berre, zu deine
heiigen grabe czogen umme des heiigen glouben willen 72
Von Inntgrafen heinrithe, wy der dy borgk eytersborgk gewonnen had . . 7*4
Wy sente elsebete wollte zu bobenbergk |
Wy landgrafe lodewigk kein bolienberg brocht wart al to<l vomnie \ . . 30
heilgen grabe I
• Keblt al* Alwchnitt, dafür bat die IIS d. 35. Ahntboltt mit der Lbentrbrifl: Wy dan lant an
ÜorlngeTi koim-n Ui an den Biaeboff iu Mentz. l> l>i« Abachnltle ÖU«r dl« bellitct» Ellaalietb und
ihren Oemabl d. beil. Ladwig alod in dor Chronik M-Il>*t jw-rriaeeu: Hl. t»:i 67, 2f> 19; 48 -73,
30 -38 der HS; daa U>gi«t<>r atcllt nie riebtig rmtamnutn. * In dor HS ttebt noch bei Abschnitt 43
su I»fiiac-bc, Während die l'jUrachtift von Abschnitt 43 ,vou einem taiilcau-" lehlt. d HS: lnd\
' IIS: ebenso. * HS: «Ijcuso. b HS:
Digitized by Google
Register. 83
Bl.derH»
Wy lantgrafe lodewigk bracht wart kein revnhardesliorn 31
Wy lantgrafe lodewigk* begraben wart » * ' ' ' i 82
Wy er rndoltF von vargcla Bt raffte1' lantgrafeu heinrirheu von s. elsebelen wegen I
Wy 8. elscbcte mit orem swoger vor sunet1 wart . 33
Wy sente elsebete von warlbergk keyn niartpurgk quam in dy hesscn . . 34
Wy sente elsebete den spetal buwete zu niartpurgk . . . [ 3-
Wy innigk unnd krefltigk was das gebethe sente elsebethcn (
Wy von deine gcbete seilte elsebeten eyn blinder scnigk wart \ ^
Wy got uffenbarte sente elsebeten, das sy sterben sohle . . I
Wy sente elsebete starp unnd ouch beheilget wart 37
Wy scnle elsebete erhaben wart . . 37
Von s. elsebeten unnd lantgrafeu lodewige . . \ ^
Von einer gemeine fnrt zu dem hei Igen grabe f
Von den joden unde ketczern 39
Wy dy von erflbrt mit orer pfaffheit gekregen haben \ ^
Wy czwene bisschofle zu mencz wom unnd zusamene gekregen haben j
Von cyme grosszen huiiger ........ I
Wy dy ungern das drittemol ezogen in doringen I
Wy sente keyser heinrieh vele gutes teth \ ^
Wy das laut zu ungern bekart wart I
Hy hebet sich an, wy sente bonifacius dy laut bekort had zu denie glouben 49
Von deme ersten lantgrafeu in doringen41 53
Item von deme eisten lantgrafeu in doringen 55
Wy lantgrafe lodewigk der Springer einen tod slugk umme niner frowen willen 55
Wy der keyser den lantgrafeu zu doringen belenet had 57
Wy dy liemesschen hern zusatnniene gekregen haben I ^
Wy eyn lantgrafe zu doringen sine kindeie behaut had I
Von einem harten winter | ^
Von deme iseme lantgrafeu zu doringen" I
Wy dy stad erffi.rt gemuret unnd wedder zu broehen wart \ rg
Von deme iserue lantgrafeu I °
Von des iserne lantgrafeu sele 62
Eyn grosz ezeiehen von deme heiigen waren liehename.
Wry eyn bisschotf zu mencz unnd eyn lantgrafe zu doringen gekregen haben 74
Hy r enpfingk lantgrafe Conrad bussze umme sine »unde \ ^
Hy wart dy borgk viselbech gewonnen (
Hy starb s. elsebeten son zu cruczeborg .... 1
Wy lantgrafe beinrich zu einem keyser gekorn wart I '
Hy hebet sich an, wy das laut zu doringen komen ist an dy margrafen zu missen 77
Wy der herzöge von brunswigk unnd der margrafe zu missen getreten haben 78
Von einem grosszen füre zu crllbrt [
Wy das heiige sacrament funden wart zu Ertibrt I
Von der wyunge unser lieben frowen kerclien t
Von eynem grosszen ungeweterde im lande . J 80
Ein czogk zu deme heiigen grabe I
Hy quam s. stetiaim gebeine keyn rome . . »
Hy wart das laut zu doringen geteilt ... J 80
Wy lantgrafe albrecht zu doringen gefrihet hat |
» HS: |od\ b Ia d«r IIS dopp.lt. * 118: vownot. * S|«ht nur in der HS am Raud«
»nf Bl 52 • OI*.i auf d,«r vortl. Seite »ul III. 4: Wy de« itemt» la«Hrr*f»0 wi« vor loro «•
LXII. f uu Kaade: von eine« »pUw we«. tu relnbardenborlnj.
K. SlolU* Memorial«. 3
Digitized by Google
34 Register.
Hl., »er Hg
Wy lautgrafe albrceht bestalte sin elieh wip zu toten umme einer andern
frowen willen 81
Wy dy heiden eine stad vorterbet hau 82
Eine grossze ture czid
Von eyroe kinde ane hende geborn . .
Von deme banne zu erffotte
Von den yuden
Von deme donner hail unnd regen . .
Von der kermessc Rente peters kerehen
Von eynem Iure zu erfforte
Item eyn für. Iteiu eyn für
Hy todten dy joden eyn kint zu
83
Jiy louieu uv juucii cvii kiiii, zu winsfiisee ...»
Wy lautgrafe albreiht das laut zu doringen sinen I P4
elichen kindern entwende wolde '
Hy Utarp kunne von ipenl>crg unnd or son . . . \
Wy lantgrafen albrechte roh wartpergk gewan unnd | 85
darnoch mechtigk wart '
Wy eyn lautgrafe zu doringen ge« treten bad nriteynein roinesHchen konige 87
Wy dy von erfrort gekregen l>aben mit einem lantgrafen zu doringen . . «8
Wy lautgrafe f rede rieh gefangen wart unnd wedder losz wart 90
Wy der blick* dy borgk wartperg entezunte I
Von eynem speie der fünf torechten junefiowen J
Von lautgrafe frederiebe de« freitligen tode I <j.?
Wy dy von drefarte gekregen haben mit deine lande zu doringen I
Wy eyner von drefarte bulen reid 93
Von deine wendeUteine zu gryrome . . . \
Wy dy von erffbife gekregen haben mit eynem lantgrnfen zu doringen > . 94
Wy dy von erffort unnd eyn lautgrafe mit den grafen gekregen haben '
Wy dy von erH'orl unnd eyn lautgrafe vele *tete und aloeaeie gewunnen haben [ ^
Wy dy hern von sideza or lant vorkouften (
Wy dy korfursten ezweitreehtig worden in der welungc
Wv lnntgrafeu frederichs des ernsten kindere gefriget haben [ Q7
Von einem sterben
Von den geisaeiern unnd erurzegem ....
Wy eyn keyser unnd eyn lantgrafe zu doiingen
czogen uff den grafen zu plawe ....
Wy eyn lautgrafe zu doringen czoch uff den apt
zu fulda •
Wy eyn lautgrafe zu doringen unnd eyn herezoge
zu brnn*wigk gekregen haben
Von eynem ert bebunge i
Wydy von erffort wassenborg unud den swarezen > 99
walt gekoufft hatten I
Wy dy von northusen mit den grafen gekregen haben
Wy sangerhusen vorkoufft wart.
Von den burgern zu northusen
Wy eyn edel man eynem burger zu erffort siu elieh wip beslitf . . .
Wy dy stete in doringen gekregen haben
Wy herezog otto von lyne mit den doringe^ehen hern gekregen bad
Wy dy von erffort gekregen haben mit den lantgrafen zu doringen umme
eynea bisschoftes von mencz willen 101
98
100
Digitized by Google
108
Register. 35
Bl. ier IIK
Hy slaip bissdiofT lodewig zu mencz \
Von brandenfcU
Hy starp dy grafeschafFt zu kefFernbergk crbelosz . . \ 104
Wy dy fu raten k regen mit deine lantgrafen zu liefen
Von cn wenig haschen bub sich eyn grossz krigk . . /
Von einem grossen waaaer zu isenache ....
Hy koufften dy lantgrafen zu doringen etliche i
stete unnd slosz im lande zu behemen . . . / 105
Von den wolffen
Wy dy heru von missen ezogen vor proge . . .
Von eynem Cotueta 105
Hy .ntarp lantgrafe baltasnr |
Von deine regement lantgrafen baltasars hoho .1
Wy alle dutczche fu raten unnd stete ezogen mit j
bere in das laut zu beemen I
Vou der fursten teylunge de« lande* 107
Wy dy grafeschafft zu keflemhergk erbclosz gestorben es/.
Von deine gülden jure zu missen
Von eynem Sterben
Von eynem grosszen fure zu ertfort
Von eynem gefangen mnune
Wy helderunge gewunnen wart
Von der gebort herezogen frederich» zu sachsen
Von eynem fure zu Erfurt* ,
Wy unser lieben frowen glooken unnd tonne zu
erffort al>e branten
Von einem joden, der gebraut wart
Item von eynem fure zu Erfrort
Wy Nickel talinan gefangen wart von den von erffort |
Wy herezoge f rederieh zu Sachsen unnd lantgrafe wilhelm zu doringen > .110
gebrudere kregeu mit den von meydeborgk I
Wy proge dy stad vorroten wart III
Wy «ich der aide herre zu missen' unnd der junge herre zu doringen ge-
brudere sich teylten usz den landen 112
Vou ern apel von tanrode ritter 122
Wy dy borger von tanrode orem eigen hern schaden toten ^ ,r
Von der obgenanteu czweier forsten tage I °
Wy dy bern vor aoeszcz ezogen 126
Hy czoeh der junge herre vor soest 130
Hy wa« der tagk czwisaehen deme nlden unnd dorne jungen hern gebrudere 131
Von der czweitraeht der czweier gebrudcie 132
Dy von erffort entsagelen den czwen grafen von glichen 134
Hy czoch der junge herre vor gera 135
Hy czoch der junge herre in das lant zu missen
Hy lag der junge herre vor ezitev.
Hy czoch der junge herre wedder vor gera unnd vor 136
borgow unnd vor blanckenhaiu b
Hy czoch der aide herre wedder in doringen ....
• fr fehlt <Uoa die Überschrift von Abschollt ll'l: Hern eyn für. h F»wit die Über
Khrlflea v<in Alwchnltt S07 : Hy cWfh der jttogc hene wedder vor gn» und AUcunlH Hy
3*
Digitized by Google
Register.
Bl. der HS
Hy czoch der junge herre vor remde \
Hy czoch der junge herre das drittemol vor gera I
Hy czoch der aide herre uund der junge herre wedder heym und worden
gute frunde 139
Von lutczeln borgk 140
Hy folget noch, wy der junge herreden viteztbumen, sinenrethen, gram wart 141
Hy czogen dy von erflbrt vor wassenborg 148
Hy czoch der junge herre iautgrnfc wilhehu zu doringon vor luchtenlierg
uund Cappelndorff 145
Hy czoch der junge herre zu deine heiigen grabe keyn jherusalem .... 147
a Von eynem groszen fure zu Krübrt 1"j6
Mappa mundi 159
Hir folget noch der grosze inechtige krig, der do was an deine rine
czwissehen dem «tifft zu koln unnd deme herczogen von burgundien . . 164
Der anefangk disse» krigesb 165
Von etlichen knalten, dy einen keyser unnd einen herczogen under »ich
gemacht hatten' 1«6
Von der vorlust des herczogen von burgundien 199
Eyn lyed von deme obgcschreben krige 201
Item der anefangk unnd da» ende der obgeschreben geschieht 204
Hy wart der herezoge von burgundien erslagen 210
Von einem groRzen snehee 210
Von eynem schuiczen hofe, unnd von den ingeleyten czeddeln zu erffort . 211
Wy das junge volk lieff zu deine heiigen blute 213
Von eyner gronzen torechten walfahrt im lande zu franekeua 216
Von unser lieben frowen kerchen zu erffort. wy dy entwehet wart . . . .219
Von der groazen glocken zu erffort 220
Von der groszen glocken zu sant Sever 221
Von quedelnborgk 221
Von northusen 222
Von der stnd florencz in welschen landen 222
Von eyner groszen czweitracht der stad ertfbrt unnd eynem bisschoflT zu
menez unnd der bern zu missen 228
Von den nngeslagen czedeln de» bisschofls zu mencz'" 232
Hy folgen noch der von erffort gerechtickeit ; unde lissen dy ouch ausiahen
in vele landen unnd steten 237
Eyn lyed von den von erffort unnd deme bisschoffe zu mentcz1 .... 242
Von* howschrecken in ungern 243
Von eynem toten manne vor erffort 244
Wy dy turcken dy stad rodisz gewinnen wolden 246
Vouh deine bobiste unnd eynem bi*schofc' 247
• Nicht im Register erwähnt »lud: 1. D« oMta Geniel et RokcDc&n! in Boheroia a. d.
muccc Im Bl. 148-141) d. HS. *. Die annal ist Ischen lat. Aafieichnungen Bl. 160 IM d. IIS.
3. Die deutlichen Bemerkungen tilier einen Kometen nnd * Prieatermorde Bl. 156 d. IIS. b Dm
Übrige Bl. 1 «16 — 1 66 d. IIS fehlt. 4 Ebenso Bl. 186 -U>9 d. IIS. «* In der HS Bl. 816 traut andere
ClKTBchrlfi. • Elionito Bl. 231. f Ebenso Bl. 237. * Das l.led von den vor Erffort nade
deiue blsschoff xu Meutcze Bl. Sit 243 der IIS fehlt. k Bl. /41*. dor IIS Erwähnung de» Friedens-
vertrages swlsrhen Erfurt und deu sächsischen KOrsten, dem Kurfilmten Friedrich von SaHi*on
und dem Herzoge Wilhelm vou Sachsen, I. J. 1483 nicht erwähnt. ' In der HS ohne Überschrift;
es IM der Brler de* Ersblschof* Andreas vou Kraln an Pa»*t Sixtus IV. Das übrige (Bl. JIM -
905 d. HS) ist nicht berllcaslebtlfft.
Digitized by Google
I. Wy Xoe dy arehen buwete.1
> Noe funff hundirt jar alt was, da hub her an zu buwen Rotheu»
dy archan nach deine geheisze gotis, unnd machte sy
met beslagen'' liolezern, unnd brachte dy mit clister zu-
samene, das in den landen uff deine wassere unnd pfutezen
swebet, das also vosto heldit. das man das mit keinem
woffon kau gewynne adir gesnite, nach mit keinem wasser
abe geweiche. Her machte ouch dy arehen dry hundirt klaffter lang
unnd funffezig klaffter breit unnd drissig klaffter hoch bisz an das
dach. Disse arohe was an deme gründe gefyert,3 unnd doch lenger
wann4 breit, unnd obende enge spitcz usz, usszewendig unnd inne-
wendig woj geklistert. Do worn inne treppen unnd underscheit5 unnd
sechs kammern, unden do der unflut'; in »juam, darubir was eine thor,
da dv cztvo kammern unnd dv drv zusamene stisszen. In der evnen
worn allirley gekrute, Barnen unnd wes sy die wile gelebe soldon; in
der andern kammern warn dy freiszlichen 7 thir; in der dritten warn
dy czamen thir; in der mittelsten wonten dy menschen; in der hohe
under deme dache wonten dy vogil. Es sprechen etliche meistert das
dy tir, dy von der sonnen unnd fuler erden unnd fuchtickeit wachsen,
also vele gewönne unnd flogen, koffern, flu unde der glich, in der
arehen nicht gewest sint, nach frusszche adir kroten. Ouch sprechen
sy, das der engel gotis dy thir alle in die arehen gotroben hatte, dy
1 Während Rothe ebenso wie die meinten Weltchroniken mit Erschaffung
der Welt beginnt, fängt Stolle mit Noah au, wie u. a die von ihm vielfach als
Quelle benutzte Historia Erfordernis anonymi Smptoris de lantgraviis Thuringiae,
ex bibliotheca Joaunis Pistorii Nidani, 1 Ö8J • gedruckt — genannt Historia
Pistoriana, im Drucke wiederholt mit Zusätzen, aber unkritisch von B. G.Struve,
i. s. Rerum Germanicarum Scriptores, tom. I, 1726, nach Holder - Egger, Studien
zu thüringischen Geschichtsquellen . N. Archiv f. ält. dtsch. Gesch. XX, S. 3*J8:
Cronica Tnuringorum auetore Praedieatore Isenacensi zu nennen.
* Da« Verb beslagen bedeutet hier ,,vom Zimmermann behauen," „behaueu."
1 Mhd vieren, ■» „viereckig mneheu , viereckig zusammenfugen, fest bauen ,'' und
diese Bedeutung scheint hier gemeint zu sein. 4 Mhd gewöhnlich danne, s.
Leben d. heiligen Ludwig, herausgegb. v. H. Rückcrt, S. 111. 5 = „Zwischen-
raum, treuuende Zwischenwand," hier collectiv zu fassen — ..trennende Zwischen-
räume." * „Sonst nicht nachweisbar für .,flut," doch tritt in der mhd Zeit „der
Begriff des .Übermässigen welchen das Suffix in den heutigen oberdeutscüen
Dialekten hat," schon auf (s. Weinhold, nihd (iram.3 § 294). ; = „gefahr-
bringend," „wild." 8 Stolle weist hier auf eine andere unbekannte Stelle hin,
die aufzusuchen sieh nicht lohnt, ebeuso unten: ouch sprechen dy meistere, hin-
gegen bezieht sich ouch sprechen sy auf Rothe (14* S. 22,8).
Digitized by Google
38
1. Stück.
v got dor inne | habe wolde. wann es noe niclit vor mocht hctto. Oucli
sprechen dy meistere, das dy thir in der archen nnnd dy vogelo keyn
fleisch dar inne esszen, sy hotten andirs sich selber gewustent.9 Dy
czid, das sy in dy archen gingen, was an dorne sobenezen tage des
aprilis, unnd da slosz sich das ertrich uff unnd dy borner gosszon
wasser: das selbe toten dv wölken dos livmmels, unnd es reinte allen
enden als wid als dy werlt vierezig tage unnd viorezig nacht ano
undir losz, und das wasser ging ubir alle berge, wy hoch dy sint,
fnnfezen eile hocher allo berge,10 uff das os dy lufft gereynigete von
den sunden der menschen. Unnd also hoch sal ouch das für geen
vor deme jungesten tage. Abir das paradisz traff dy sintflut nicht.
r. um m; (Jude do dy arche geswebet hatte soben monden unnd czwey unnd
drissig tage,11 da behilt sy uff einem hochen berge in deme lande
armenyen, der genant ist bariss.12 An deme czenden monden unnd
sinem ersten tage, da thet noe eyn fenster uff unnd sach dy spitzen
der berge blecken.11 Dar nach ubir vierezig tage, da sante er uss oüien
raben; der quam nicht wedder: ab der eyn ass funden hatte unnd sich
gespisset, adir ab er in deme wasser vor torben sy, das weiss man nicht.
Darnach sante er uss eine tuben; unnd da dy keine rüge u stad nicht
enfand, da quam sy widder. Dar noch ubir soben tage, i|a sante her
dy tuben andirt weit15 uss; dy quam des abendes widder undo brachto
* eyn bluninges 16 oley riss in orem | munde. Darnach abir ubir soben
tage, do sante her dy tuben das dritte mal uss, unnd da quam sy nicht
9 Md wüsten (mhd wüesten) — „verwüsten, vernichten, ausrotten." 10 Keine
richtige Construktion ; Rothe hat: 15 klaftern obir alle berge. " Stolle hat
seine Vorlage, die Ziffern hatte, gedankenlos verleben, indem er XXVII in
XXXII ändert«, ohne zu bedenken, dann 32 Tage doch wieder einen Monat und
1 oder 2 Tage ergeben. '*' Von dein „centralen über das Araxestal sich er-
hebenden Schneegipfel (5150 m), den die Europäer irrig mit dem Landesnamen
Ararat zu belegen pflegen, ist der einheimische, uralte, noch heute gebräuchliche
Name: Masis," der den Griechen nicht bekanntgeworden ist {*. H. Kie|>crt, Lehr-
buch der alten Geographie, S 74 f.). Nicolau* Dnmasccnus (wichtig für die
Quellenforschung!) nennt den Berg „Baris/* Von den Alten (Strabo, Ptolemäus)
wurde jenes Gebirge, das wir Ararat nennen, mit dem Namen Parvadres oder
Abus genannt, und von letzterem erwähnt Strabo (XI. 14, 14) das» es in der
Nähe des Weges liege, der am Tempel der Baris vorüber nach Ecbatana führe.
,;l stintr. = „sichtbar werden." 14 Md Nebenform d»*s mhd ruowec, sonst
nicht nachgewiesen , während neben dem stf. ruowe. ruo das md Suhstantivum
rnge öfters vorkommt (s. I^exer, Mhd Handwörterbuch s. v. ruowe). ,r> „zum
zweiten Male." mit euphonisch eingeschobenem unorganischen t, das sich auch
sonst im md findet, z. B. vor n. s H. Rück»*rt, Lel»en des heiligen Ludwig S. 142
(meinentwegen); auch das i der 2. Silbe ist dialektisch. Für bluendes, vom
md Verbum bluen; Erfurter Dialekt, noch jetzt: blühninges," wie auch „stehning':
für „stehend." Brandis, Zur Lautlehre der Erfurter Mundart. I. Vt»cale. Progr.
1892, S. 6 erwähnt drihneng = drehend. Diese wissenschaftliche Abhandlung, die
als Programm 1893 II. Consonanteu, fortgesetzt ist, haben wir bei unsereu muud-
artlichen Erklärungen als grundlegend benutzt; ebenso Weinhold. Uher deutsche
Dialektforschung. 1853, dessen Mittelhochdeutsche Grammatik, 2. A. 1883. für uns
massgebend war. S. auch die Göttingrr Dissertation (ISJMi) V.O.Marschall, Dar-
stellung des Vocalismus der thüring. u. hessischen Urkunden bis z. Jahre 1200.
Digitized by Google
1. Stück.
39
widder. Also noe was sechs hundirt unnd eines jars alt, an deme
ersten monden des ersten tages, do thed noe der archen dach uff unnd
sach, das das ertrich trucken was: abir her erbeitte des gebotes des
hern, das her nicht uss ginge, bissdason got hiss ussgeen. J)itte ist die
erste werlt. dy or ende nam mit der sintflut, in der alle nienschen
unnd thir ertruncken.
En denie sobinden» tage ubir eyn jar, also noe mit sinen sonen Kotbe it
in die archen gegangen was, do hiss sy got widder uss geen unnd gebene-
digete sy unnd hiss sy wachssen unnd meren unnd das ertriche erfüllen
unnd erloubete on fleisch zu essen, das nicht selbstorbig were, unnd
fissche. das byss uff dy czit ny kcyn mensche gessen hatte, unnd ge-
lobete on dy' weit nynimer mehir17 zu vorterben adir zu crtrencken, **** «»
unnd satczte on des zu Sicherheit den regenbogen in dye wölken, der
davor ny mehir1» gesehen was. Darnach in deme andern jare, do ging nothc in
noe eines tages uff deme felde unnd fant eynen winstogk unnd ass
der wimbar, b dy vor der czit ouch ny gesehen warn, unnd druckte
dar nach den win dar uss unnd trnng den most unnd wart truncken
unnd lag in sinem tabernakel unnd hatte sich umme geworffen, das
er forne bloss lag, wann es uff dy czit nymant nedir kleyrie ane hatte.
Da quam sin mittelste son cham unnd belachte sinen vater unnd
sagete das synen andern czwen | brudern, wy or vater lege; unnd dy v
quomen unnd dacktenc on zu unnd slugen einen mantel ubir ore
houbt unnd wolden oron vater an siner schemede nicht beschawon.
Unnd also noe nüchtern wart unnd vornam dy unczucht sines sons cham,
der on verlacht hatte, da vor fluchte er ome nicht dar umme, das got
gebenediget, da sy uss der archen quomen, sundern syme sone, der hiss
chanaan, deme vor fluchte jher]/ her sohle knecht siner brnder werde.
Noe, der lebete nach der sintflud vierdehalb hundert jar unnd ge- K««he »o
lebete den tag, das man von ome[unnd]e sinen sonen czalte vier unnd
czwenczig tusent unnd hundirt man ane wyber unnd kindere, der ane
czal was. Unnd da noe wart nünhundirt unnd eyn unnd funffczig
jar alt, da starb her. Dye dry sone, noes kindere,, Sem, cham unnd
jafeth , dy lebeten lange czit. Sem, der eldeste son, der hilt sieh an Roth© »3
das teyl der werlde, das da heyst asia, unnd gehit von deme' uffgange
der sonnen biss zu demc mittago; unnd sine wonunge wass zusalemin
der stad, dy her buwetc, da itczunt ist Jerusalem; vnnd von sinem
geslechto sint komen dy patriarchen, dy propheten , dy joden unnd
unser herre ihesus cristus unnd konigk david unnd koning salomon
mit orem gesiechte.
Der andere son cham, der czoch mit sinen kindern an das ander
ende der werlde, das da heisst affrica; das geet von deme mittag« biss
• IIS: «ohro. «• HR: wimar. « IIS: 4ark«n. 1 lo .1 HS: fohlt her. <1»f wcrpo <1w
umo(««Hmr <Ur»pf folgenden Ubenwben Int. In d 113 Icblt: uim.1. ' HS: den.
" mehir ißt dialektische Dehnung von mer; nynimer mehir für — „nimmer
fernerhin, fortan" ; — hingegen : ,Ä ny mehir = „nicht §onst, sonst Bchon, früher
schon."
Digitized by Google
40
1. Stück.
zu, undirgange der sonnen; der buwete babilonien,™ do wonte her.
Der dritte son jafetli der czoch mit sinen kindern in das dritte teyl
s der werlde, das gelegen ist kein | norden von deme uffgange der sonnen
kein der mitternacht, das geheis^en ist Europa. Unnd in denie teyl
sint wir gelegen; unnd her buwete an das meliir eine stad, dv hevset
nach ome jafetli; du wonete her, unnd von ome sint konien dv luthe,
dy hir dessyt des nieres sint.
Rothe 8i Czu babylonia erhub sieh das erste rieh. Also cham, noes son,
der gebar einen son, den hiss20 nemroth; der was czwolff eile lang,
eyn gross starg man, unnd der nam sich gewalt an ubir dy Inte unnd
betwang dy. Her machte ouch das erste heir unnd fürte das erste
baner unnd streit zum ersten; unnd her buwete den grossen torm an
dy stad mur zu babylonia; unnd wart gebuwet mit czigelsteinen, funff
tusent unnd vier unnd achezig eile hoch; syo wolden in den hymmel
buwen, ab dy sintflut wedder queine, das sy nicht ertruncken. Do
wandelte got ore spreche in czwo unnd sobenezig czungen. also vele
Avas der houbtlute, unde also manchen enden murten sy dar ane,
unnd or keyner konde den andern vorneme. Do musten sy des ge-
buwes uff höre unnd konden numme gearbeyte.
Roth* 2» Item ubir dryhundert unnd sechezig jar da wart disser nemroth
Rothes« nach der sintflut gewoldig ubir alle land. Disser nemroth hatte einen
son, den hiss bei, der richte zu babylonie funff unnd sechezig jar nach
Roth« »5 sines vaters tode. Disser koning beel gebar einen son, den hiss Ninus.
Disser nynus buwete dy grossen stad Nyniven unnd richte nach sines
vater tode zu babylonien unnd zu nyniven czwey unnd funffezig jar.
v Unnd nynus der koning gewan einen son, | den hiss Trebita. Da des
muter gestarb, da nam nynus eyn ander wip, dy hiss semerana. Do
starp dusser koning Nynus, unnd das koningrich gevil uff Trebatam ;
da wolde semerana, sine stiffmuter, das er sy zu der ee neme solde,
uff das sy konigynne des landes blibe mochte. Unnd do trebata des
nicht thun woldo, do treyp sy on uss deme lande zu niniven, das er
Rothe»- vor or fleen muste ubir meer, unnd quam an eyn wasser, das heist
dy mosser, unnd buwete do eine stad, dy nante er noch synem nanien
Tryre,* unnd brachte do mit ome ezwenezig tusent gewopente, mit den
betrang er duteze land unnd wart der erste koning in dutezen landen.
Trere ist ouch dy erste unnd oldeste stad, dy ye gebuwet wart hir
dissyt des meres, unnd ist also ald, das abraham soben jar alt was.
Sy wart gebuwet, b also got himmel unnd erden geschaffen hatte dor
noch ubir drytusent czweyhundirt unnd eylff jar. Dysser selbige
1 Am Rande itrlit : Tryre. b desgl. Trier gebaut nach emeh:i|>faug der weit 5* 11 jnr.
,n Geographische und geschichtliche, sowie sonstige sachliche Irrtümer, das
sei ein für allemal bemerkt, so weit sie damals allgemein waren, werden wir
nicht berichtigen, vielmehr nur solche, die Stolle eigentümlich gewesen zu nein
scheinen, namentlich wenn die Berichtigung für das richtig Verständnis der
Stelle notwendig erscheint. 10 Kehrt formelhaft oft wieder, zu erklären mit:
hisz man oder hisz er u.dgl.; daneben findet sich auch der Nominativ.
Digitized by Google
I.Stück. 41
trebata was eyn grosser man unnd ein resso; von sinen eldern unndR"tt»s7
von sinem gesiechte quomen dy ressen an deme ryne: hagen, cryme-
hilt unnd der kune siffart unnd dy andern ressen.
Also nu lange czit das koningrieh zu trere von deme konige tre-
batan in dutczen landen unnd in doringen gewert hatte, unnd vonuoth«2»
sinem gesiechte, unnd Troya von den krechen wart vor stört, dor inne
warn sechshundert tusent unnd sechs unnd sobinczig tusent ge-
woppente, unnd der quam en teyl in welscheland, unnd von den wart
roma gebuwet. wanne romulus unnd | migius21 warn von orem ge- 4 Rothe*»
siechte. So quam seno,2* antenors son, von troya kein doringen unnd Ruthe»-. s°
wart ouch eyn koning zu trere. Der machte do sinen son merkoraed
zu einem konige in doringen biss an dy see, unnd der brachte dy land
biss an behemen an syn rieh. Noch deme regirten seine kindere in
doringen bis uft keysern julium. Dor noch worden dy romere also
meehtig, das sy alle land betrungen. Da santen sy den ritter julium Ruthe «i
mit sechs unnd sechezig tusent rittern in dutczland, das er on dy
undertenig machte. Unnd der selbigen worden ome wol ezwenezig
tusent erslagen. Noch sso betrang her dye dutczen unnd satezte dy
konige abe unde machte uss on horezogen, unnd dy musten den romern
hulde unnd jerlichen czinss geben ; unnd buwete da grosse borge in
etlichen landen unnd satezto dar uff erbar manschafft unnd belente dy,
uff das sy bewarten. das man keynen andern koning machte, unnd dy
land sich nicht wedder von den romern imune kerten. Also buwete
her uff dy missenere unnd osterlandere eyne borg, dy nante her nach
sime namen juliborg, dy wir nennen ileborg;23 in Sachsen buwete
her by mondes schine lunebonr; in doringen buwete her eine borg
by deme hareze, dy nante her Confusione, das sich bedutit eine vor-
storunge, wann von der selbigen borg vor störte her das koningrieh
der doringe; dy selbigen borg heissen wir itezunt kuffehusen In
hessen buwete her boymenborg24 von holcze25 unde satezte uff den
bergk I czwey unnd sobinczig ritter. In westt'aln buwete her n 11 wen v
may,26 an deine rine julieh, ouch noch sinem namen genannt. Ditte Reo.* »*
71 Rothe hat richtig Rem um: Stolles Irrtum kam wohl daher, da«? ihm der
heilige Remigius vorsehwebte, welcher Chlodwig in Rheims taufte. ?* Homers
Tlias kennt 11 Söhne des Antenor, spätere Quellen nennen noch ß (s. Paulv,
Realenevelop. d. klass Altert. 2. A. v Whwowa, s v. Antenor), dorh nirgends findet
sich ein Seno. Der Name ist wohl ausMedon (Vergil, Aen. II, 4*3) verschrieben
I Medo-Seno). In Bezug auf Antenor und seiner Söhne Schicksale und Sfaaten-
wie Städtegründungen konnte sich das sjiatere Altertum nicht genugthun: es
seien u. a. nur die Neugründung Trojas, die Wanderung nach Kyrene, die
Gründung Paduas (Patavium) und Okclns in Irland genannt; Rothe fabelt noch
toller als Stolle. n Pas heutige Eilenburg. im nreus* Regierungsbezirk Merse-
burg. ?* In Rothes HS Dr. (codex H' der Kgl. Bibliothek zu Dresden) steht
für das in anderen HSS Rothes geschriebene Hornbergk Boimelburg, das Lifien-
kron richtig als das ehemalige l)ei Nordheim (preuss. Provinz Hannover) gelegene
Sehloss Bomenel>org erksnnt bat; Stolle bestätigt dies hier. *:' D. h. mit
..hölzernen Häusern." *" Es ist mehr als fraglich, oh damit Neumagen, Markt-
flecken an der Mosel, im heutigen Regierungsbezirk Trier, gemeint ist; dieses
Digitized by Google
42
2. Stück.
geschach, also Roma sobinhundirt jar gestanden hatte unnd wol funff-
czig jar vor Cristus gebort. Ditte ist nu dy andere herschaflt der
doringe, dy nu herezogen worden sint. In den gecziten lebete
allexander, der grosse koning, der in den landen, da dy sonn« uö
gehit, grosse wundcrwerg treib, also sin leben wol uss wiset.
Ku.so.si) Also' man schreib nach Cristus gebort XXV1U jar unnd der koning
allexander gostorben Avas, do was eyn volk in sinem here, dy hessen
petrioli, das bedutit sich kesselinge,-7 wann sy hart in den striten
warn. Das volk konde sich in den landen nergen behalde durch des
schaden willen, den sy den landen getan hatten in or gesellschafft
Hirunimo so rumeten sy dy land unnd satczten sich in schiff unnd
füren uft der see unnd ertruncken mehir dann halb, wann on das
wasser unbckant was. Unnd der bleib onteyl zu prussen unnd zu
russen. 80 quam or enteil in XU schiöen an dy stete, da itczunt lid
lubig unnd rostog an der see. Do selbest sossen vor dy doringe,
unnd treben da mit gewalt dy doringe von der see, wann sy zu strite
wol gelart worn, unnd nun ton dy doringe dy torlinge ummo dos
willen, das sy sich torlich stalten zu strite unnd sy des gar wenig ge-
ptlagen hatten. Dy doringe nanten disse ore finde saxen,-8 das sich be-
dutit steynen lute, wann es gar hart selig volk was.
5 2. Wy dy Romere wolden oren keyser Octavianum
an bethe vor eynen got
Rothe o« Sibilla was eyn wip zu Koma, dy den wissagenden geist hatte,
unnd vele zukünftiger1' ding eyne leclite warsogerynne was, unnd fürte
eyn heylig leben, Also nu der keyser octavianus alle laut botwungen
hatte unnd dy under des romeschen richs gewalt brocht hatte, unnd
sy alle den Romern czinssbafftig worden, unnd fredo was also withe
• Dm A dle«o* Worte» sollte als In'tial dieses SculuMabachnittea offenbar 'rot geschrieben
werden. V\c Stelle für dim»«lbe Ut jedoeh in der Hilucbr. leer geblieben nod der gante
folgende AWhniit durchstrichen, wnil er »Ich unter Bl. lt>v noch elnoml mit gani unbedeutenden
Abänderungen Itu W'ort'auto Audct. b US: zukünftige. c PaUehlich In der HS ahvo wieder-
holt, wie Kotho beweint.
bildete früher eine Herrschaft, die dem Hause Sayn-Wittgeustein-BerleburK ge-
hörte, unter kurtriersclier Hoheit. Bei Kt)the fehlt der Name. Somit bleibt un-
entschieden, ob man ändern (etwa NA wen Höh, Neuhau», bei Paderborn, wo die
Bischöfe früher oft residierten) oder annehmen soll, das« der Name von Stolle
versehentlich eingesetzt wurde, da er nicht wusste, daas das folgende Jülich zu
(dem damaligen Westfalen gehörte; freilich wäre die Einschiebt! ng gänzlich ver-
kehrt peweaen ; doch wäre in diesem Falle zu lesen: Iu Westfalen huwcle her
«n dem rine Jülich. 37 Petrioli leitet der Chronist von dem jrriech. jtetros = „F«ls,
Stein" ab und übersetzt es mit Kieling „Kieselstein"; Diefenbach weist in»
glossariuni latino-germ»nic. r>:i3'" die niederrhein. Form keaelinc nach, die unserer
md Form keaselinc nahekommt. Hntepreeheud der oben erwähnten Ableitung
des Namens der Petrioli aus dem Griechischen wird der Name der Sachsen
(Nixen) aus dein Latein, (caxum, „Fels, Stein") versucht, während bekanntlich
da« Volk seinen Namen von seinem mestjerartigeu Schwert sahs hatte.
Digitized by Google
. 3. Stück.
43
alle lant worn, do wolden on dy Römer an bethe vor eynen got unnd
sin bilde losen setczen in eynen tcmpel zu Romo unnd ome gotliche
ere erbethe. Do vor both on das der keyscr unnd wolde solche ere
ane rath nicht nemen unnd sprach, her wolde dar uff eyno antwart1
thuu über dry tage. In des so bisch her vor sich Sybillam dy wis-
sagerynuen2 unnd nain oren rad darubir unnd fragete sye, ab ouch
eyn mechtiger herre uff das ertriche komen sulde, danne her were.
l)o antwarte sy orae: jo, unnd sprach: Ess kompt eyn koning von
denie hymniele uff das ertriche, der den hymmel unnd dy erden in
syner gewalt hat, unnd der sal das ertriche vornuwen mit dorne
glouben unnd das volk von der gewalt der bösen geisto erlösen, unnd
wert ouch vor sin volk sterben unnd wort wedder von denie tode uff-
crsteen; dy werlt sal mit fure vorgeon, unnd dy toten sullen wedder
lebennig3 werde, unde wert danne anderweit mit grosser gewalt komo
unnd gerichte sitczen über dy bösen unnd | dy guten. Also nu der v
keyser octavianus stunt mit sibillam ufl sime pallas, do sach her den
hymmel an unnd sach, das sich der hymmel uff toth, unnd sach do
eyne schono jungfrowen in der sonnen steen, dy hatto eyn schönes
kint uff oren armen. Sy hatte ouch den monden under oren tussen
unnd czwolff stern zu oyme krancze uff orem houbte.4
3. Wye Cristus geborn wart.
Esgeschach noch den jarn, also Romo gebuwet wart, do man czalte Rothes?
[noch anhebunge geschaffen der werlt |a sobenhundert und rzwey-
unndfunffczig jar, unnd der keyser octavianus zu roma geregirt hafte
czwey unnd vierczig jar, unnd dy Romer hatton also grossen frede,
• Von Ktoll« «»» »nwr Confuahm hier cln|f«K h-.lK»n , a «i. S. 44 Zl.lt r. o. ; wich Mnd die
Worte nn «Ich unvemtHndllrti , Mo werden nur voratändllch , wi nn man Annimmt, da» «wischen
Rnbebungv ond goKhaflftn ein „»dir" anHfre!'allen l«t.
'Es ist wohl antwart ..Antwort" pomeint (Rothe: antwort), denn aniwart
betleutot .Gegenwart'; da diene» auch die Nebenform antwart hat. i»t der Grund
der Verwechslung zu erkennen. * I >i«> schwache Form ist sonst nicht nach-
weisbar. n Dialok lisch, durch Assimilation aus lebendig entstanden fso auch
u St.fi u iil; «, Brandis .1. a. O. II, Progr. 1893 S. 12 u. S. 6; Hertel, Thüringer
Sprac' 'Schatz, 1N95, S. 155. 4 Da« ist eine etwas abweichende Form der Sage,
wie sie die bekannte Legende der Gründung der Kirche St. Maria Araceli auf
dem Capitol in Rom erzählt Die Senatoren wollten Octavian als Gott anbeten.
Krschrocken bittet er eich Bedenkzeit aus; während derselben beruft er die
Sibylle von Tibur Auch diese bittet sich drei Tage Bedenkzeit au-, bevor sie
antwortet, dann weissagt sin dein Kaiser: .Zeichen des nahen Gericht«! Vom
Schweins bald triefet die Frdc. Und vom Himmel hernieder erscheint der Jahr-
hunderte König." Jedenfalls eine Anknüpfung und christliche l'mdeutung von
Vergil, Buool. IV 17: .,iam nova progenic» endo demitlUur albo." Als Octavian
das Wort der Sibylle vernahm, öffnete sich d^r Himmel, und er »ah die heilige
Jungfrau mit dem Christiiskinde auf dem Arme. Da errichtete er auf dein
Capitole einen Alfar mit der Inschrift: haec ara est primogeniti dei, an dessen
Stelle ist später die Kirche St Maria Araceli getreten (8. u. a Rom. von Gsell-
Fels, bei St. Maria Araceli).
Digitized by Google
44
4. Stück.
unncl dy luthe liberal uff deme ertriche; unnd sy erfare woldcn, wy
volc luthe uff ertriche wcren, unnd der keyser liss ussgeen eyn geboth,
das man dy luthe besehriben solde, unnd eyn iglich mensche solde
kome in dy stad unnd in das gerichte, do her in gehörte. Also musten
Joseph und Maria komen keyn Bethlahem. Do wart unser liebe herre
Jhesus Christus geboren zu Bethlahem vor der stad in der achten ka-
ienden des volleborns,' das ist Januarius, an deme suntage fru zu
mitternachts do dy nacht an deme lengestcn was. Do czalte man noch
Adams gecziten ader angende- der werlt tunff tusent hundert unnd
nunundnunnezig jar. In der nacht, do ersehenen dye engele den heiten
uff deme felde, eyn nuwer stern den drven konigen in Oriente, unde
c uff dy nacht do tloss zu Rome eyn born mit oley ! uss der tabernen
der soldener den ganczen tag mit starckeme flösse. Unnd uff dy
selbigen nacht, do vil dy eren sul nidder, dy Romulus gesatczt hatte in
den tempel der ewigkeit, dy nummer gefallen solde syn biss so lange,
das eyn reyne juncfrowe eyn kint gebere: do meynte her, das konde
nu noch zu ewigen gecziten nummer gesehee. Dy sul unnd der tempel
fvien unnd rissen uff unnd zu brochen. In der selbigen nacht storben
ouch alle sundere, dy mit den stommen sunden beflecket wom, uss-
geslossen octavianus der keyser zu roma alleyne; des schonte got umme
andere syne togunde. Do nu Cristus achte tage alt wart, do wart her
besneten. Do her czwolff tage alt was, do brochten ome dy dry konige
das oppher. Do her sechs wochen alt wart, da oppherte3 on Maria in
den tempel zu Jerusalem.
4. Von herodes, der dv kindere lins toten.
Noch Cristus gebort in deme andern jare, do czoch maria unnd
joseph mit deme kindo jhesu unnd Hoen vor' herodes in
egiptcnland. Noch cristus gebort dry jar, do liss der koning herodes
dy kindere toten. Noch cristus gebort vier jar, do totte herodes sin
eliches wib mariannen. Noch christus gebort fünft' jar do totte herodes
synen son aristobulum unnd alexandrum. Noch cristus gebort sechs
jar, do bestunt herodes eyn grosse kranckeit umme der suntlichen
bossheit willen, dy her begangen hatte, unnd leyt ynnewendig unnd
ussewendig sines liebes swerlich ungemach und grosse pyn. Her leyt
* HS: von.
' .,VoJhorn" bedientet meist den Januar, wie hier (seiton den Februar), ». K. Wein-
hold, Die deutschen Monatsnamen, S. 28 u. 55); nur aus dem Gebiete des Mittel-
deutschen (s auch da** Leben des heilig. Ludwig, herausggb. v H. Rüekert S. 118)
nachgewiesen und der Deutung nach unsicher (— Vollbrunn, .,weil gewisse
Quellen zu gewissen Zeiten Fülle bedeuten" — Weinhold) * Dativ von angeu,
stn., mit euphonischem d, s. Brandis, n.a O II S.7 u 8; auch t, s Rückort a. a O.
S. !»:): „eigentlich" 3 In der ursprünglichen Bedeutung des lat. Wortes orterre,
das entlehnt wurde, al*o darbringen."
Digitized by Google
r>. Stuck.
45
ouch hunger unnd konde numme | also vele gessen, das er den hunger v
hette kont gebose.1 Ussewendig was syn hut fol grindes unnd swcrn,
unnd wuchsen wornio in synem fulen fleische, das sy von synio liebe
Sprüngen, unnd ging von ome olso gross gestang, das nymant by ome
bliben konde. Her swal ouch do niete also gross, das her sich nicht
beregen konde. Unde do her enczub,'- das her nicht konde genessen,
do liss her uss allen steten, dorffen unnd slosseu der edelsten unnd
richsten juden kindere fohen unnd dy behalde unnd brochte synen
swoger alexandrum unnd syne swester salomee dar/.u , das sy ome
musten sweren, wanne her gestorbe, «las sy dy gefangen juden von
stunt toten wulden, uff das sy sich ltmme sines todes willen betrübe
wolden unnd synen tod allen enden in deine lande beweinten. Das
geschach.
5. Von «lerne leben Oisti ihesu.
Also man czalte noch Cristus gebort soben jar, do hiss der engel R**«
josephen, das her mariam unnd or kint wedder in das jodissche land
brechte. In deme selben jare wart Herodes son, genant archelaus,
eyn koning zu jherusalem. Item unser herre jhesus cristus wart
empfangen an den sobinden kaienden 1 des aprils an eyme fritage.
Adam wart ouch umme dy selben jarczit geschaffen.2 An deme fritage
do furto moyses dye juden ubir dus rothe meir, unnd umme dy selben
czit jars an deme fritage leyt cristus dy marter. Umme dy selben
jarczit an deme fritage, do oppherte abraham synen son. Uff dy selben
jarczite an deme fritage, als | Cristus czwolfT jar alt wart, do sass her i
in deme tempel unnd redete mit den juden von der schrifft. Do her
drissig jar alt wart, do ging her in dy wostenunge unnd faste do XL
tage, als her uss der touffe ging, do ou sanctus Johannes touffte in
deme jordane. Got der spisote ouch dy juden in der wostenunge XL
jar mit hymmel brote. Cristus der herre predigete uff ertriche XL
monden. Er was in syner muter Übe XL wochen. Er lag in deme grabe
XL stunde. Er was noch syner untersten dünge XL tage by synen jungem
uff ertriche. Also her eyn unnd drissig jar alt wart, do spisete her funflf
tusent menschen mit fünft broten unnd mit czwen fisschen. Also her
XXXIII jar alt wart, do wart sanctus Johannes gefangen unnd in deme
' Sonst nid gebüten (mhd gebüejen) = „büsseu, bessern, beseitigen, stillen."
1 Practeritura de« nid Verbums enzeben, mhd entsebeu, „mit drin (teschmacke
wahrnehmen,4' dann allgemein „inne werden, merken," s. auch Lilieneron, Rothe,
S.öOil; Rückert, L. d. h. Ludwig, S. 114.
1 Merkwürdige Verdeutschung der römischen Kalenderliezeichnung a. d. VII.
Caleud. ; Übrigens ist der 25. März n. «I. VIII. Cal. April. Der Fehler schon bei
Rothe. * Rothe: Adam wort ouch umbe dieselbe jarzeit gcshaflcn an dem freitage.
Moys«-s der fune u. n w. Stoll« ändert die Interpunktion: geschaffen. An deme
freitage do furte Moyae* ; so hat sich ein anderer Sinn ergeben.
Digitized by Google
6. Stöck.
jare er noch enthoubit. Do her XXXIII jar alt wart unnd VI monden,
do starb her an deine crucze. Uber funffezig tage dnrnoch, du sante
her synen heiigen geist den jungern.
Roth« 70 6. Von cristus czeichen unnd der meister künstln.
Cristus unser herre, der thet uff ertriehe unezoliche vele grosser
wunderwerg unnd czeichen, besundern dryerleye czeichen, dy ane
goth nymant gethun kau. Das eyne ist dy toten lebennig1 zu machen,
unnd das dy fort essen unnd trincken, geen unnd steen, unndinainch-
jar dar noch ieben. Das andere ist dy ussseezigen , dy nasen unnd
mund unnd ander or geledemuss:l vorlorn haben, zu reynigen von
oren suchen unnd den dy vorlorne geledemuss von stunt wedder zu
brengen. Das dritte ist der luthe gedancken zu wissen. Disse dry
czeichen dy kau nymant mit kunsten noch mit czouberie noch mit
v deme bossen j geiste zu wegen brenge, also mit sinen kunsten virgi-
lius* teth , der zu Neapolis tleischhutten machte, do kein fleisch ynne
vortarb, wy lange man das darynne behilt; unnd virgilius machte
ouch eynen torin in Campanien, do hing eyn grosse glocke ufte, unnd
wan man dy glucken lutte, so wägete '' der tonn glich mit der gloeken ;
her machte ouch eynen garten, do es nummer in geregente. Item
soerates0 machte ouch eynen tonn an deme mere, unnd dar uffe eyne
lucernen, do sich dy meer luthe noch richten; den selben torm leyte
her uff gleserne krebesse in des meeres sant. Item der apt got fo-
runtis, 7 der gross unnd isern was, der hing in syme tempel in der lufft
unnd hatte sechs hundert ptunt an deme gewichte. Zu opheso was
' S. oben St. 2 A. 3. ' Nur graphisch unterschieden von <ier umgelauteten
Form menich ■= manieb , dann synkopiert manch. a l'lur. Gliedmassen; dia-
lektisch; sonst in<l: geledemejc, mhd gelidema^e. 4 Vergil war der beliebteste
und am höchsten geachtete Dichter im Mittelalter : seine Cicdichte wurden viel ge-
lesen und von dem Aberglauben als Stichbuch benutzt. Im Munde des Volkes
wurde er ho zum Wundert bäter und Zauberer, auf dessen Namen (Spuren finden
sich schon in der Lebensbeschreibung von Donat, um 406 n. Chr.} die Völker
des abend ländisebeu Mittelalters wetteifernd ihre phan tau tischen Erfindungen und
Sagen häuften; näheres s. b. Teuflei, Gesch. d. röm Litt. J; 216 ii.Adiii., wo auch
die betreffende Litteratur verzeichnet ist. Je weiter im Mittelalter, desto phan-
tastischer gestaltet sich die Sage, so da.** Vergil eine Art Doktor Faust oder
Theophrastus Puracelsus wurde; al>er im Gegensätze zu diesen erscheint er immer
als ein wohlwollender Geist, der überall helfend und fördernd eingreift, besonders
in seinem geliebten Neapel, wo er auch begraben liegt, vor der Posilippgrotte auf
dem Wege von Neapel nach Pnzzuoli. ' Schwv. mit Küekumlaut , beeinflusst
wohl durch das abgeleitete wackeln, intr., wie auch das mhd wegen häufig intrans.
Bedeutung hat; *o mich jetzt im Thüringischen, s. Hertel, Sprachschatz, S. 255.
* ha von Sokrates als Zauberer im Mittelalter nichts bekannt ist, so liegt wohl
eine Verwechslung vor, wahrscheinlich mit Archimedes und seiner berühmten
Verteidigung von Syrakus im 2. punischen Kriege. : Einer jener fabelhaften
Götzen, von denen zahllose Erzählungen im Mittelalter umgieugen; ».übrigens
St. 7 A.l.
Digitized by Google
?. Stück.
47
der grosse tempel dvane8 gebuwet uff eyne eynige* sul. In smirmn9
was eyn palJas also gemacht, unnd was man dor inne rette, das hone
man in allen syncu kammern, wy meehlichen man dy wort rette.
7. Von den naturlichen wundern 1 uff ertrieh. Ron* n
Hve in disson landen helt man das vor wunder, das in andern
landen nymanden wunder hat In demo lande zu hibernien ist
eyn insel, genant thanata, do man nummer keyne slangen inne findet,
unnd wo man der erden uss deine selben lande in ander laut hone
brenget, do tötet man dy slangen mete, wan man dy selben erden uff
dy slangen werftt adir darüber louffen. Item eyn insel, genant sardin,
wanne do wolfte in komen, dy sterben von stunt. Item eyn insel,
genant thyle, do lossen dy bowmo ore bletter nummer falle, unnd
wert do umme wynaehten by | sechs1' wochen nummer tag. Item in 8
deine lande, geheisen eleyne Britanien, do ist eyn born, wann man
eynen steyn dar in weiflt, so erhebet sich von stunt eyn grosses storm-
wetter. Item zu samarien ist eyn born, der ist in deine lenczen lutter,
in deme sommer blutfar, in deine herbeste trübe unnd in demo
wintere grüne. Item in deme geberge lybani, do sint ezwo stete,
czwisscben den ist evn born, der in der wochen nicht meher danne
eynen tag flusset sterglieh, dy andern sechs b tage ist her trockene.
In deme selben lande ist evn groses wasser, das alle nacht also hart
gefrust,2 das dy luthe unnd dy tyr darüber wandern, unnd des tages
so ffuset es snel. Item in moren lande by garanant ist eyn born, der
ist des tages also kalt, das on nymant getrincke kau, unnd des nachtes
also heiss, das nymant doryu griffen thor. Item in ampiro ist eyu
• HS: B*nlfe. b HS: weh.
* Den vom Knossier Oher*iphon in Milet gebauten Artemistempel setzte
Herostratus in der Nacht, in welcher Alexander der Grosse geboren wurde, in
Brand; wieder aufgebaut in noch grösserer Pracht, galt er als eins der sieben
Wunderwerke der Welt. '' Wohl wieder eine Verwechslung, und /war mit
Syrakus, wo nebeu den Steinbrüchen (jetzt uel>en der latoinia del paradiso) sich
ejne Höhle befand , in welcher mau eiu Gefängnis sucht , das Dionysios der
Allere, Tyrann von Syrakus (406-367 v.Chr.), angelegt haben soll; in* ihr habe
der Tyrann von einer Stelle jedes auch noch so leise gesprochenes Wort verstehen
können, das sogenannte ,,Ohr des hiouysios."
1 Eine Erklärung dieser Wundererzählungen, ein Stückchen verkehrter Phan-
tasie des Mittelalters und nur pathologisch merkwürdig wegeu der damaligen
Leichtgläubigkeit und Urteilslosigkeit, haben wir nicht zu geben versucht,
da sie für unseren Zweck der Forschung nicht wert sind. Solche Abenteuer-
lichkeiten hat das Mittelalter, beeiuflusst u. a. von mancherlei Fabeleien und Er-
zählungen beim älteren Plinius, dem griechischen Geographen Ptolomaeus
<1I. Jahrh. v Chr.i, in der Alexandersage, in dem romantischen Ep<>» und den
Volksbüchern, desgleichen von Erzählungen der Reisenden, und zwar unter dem
Einflüsse des Morgenlandes mit feinen Märchen, namentlich seit den Kreu/zügeu,
vielfach gehabt. J Sonst stv., mhd vricsen.
Digitized by Google
48
8. St uck.
born, do man bornende wossches inne vor lesscht, unnd dy vor leschten
inne enpornet. Ess ist ouch eyn boin, do alles, das man dorin werft,
das wirt steynen. Ditte sint naturliche wunder uff ertriche.
K.,,be7» 8. Wy der keyser Octavianus starb.
Ess gesehach noch Cristus gebort XllI jar, das der keyser Octa-
vianus in demo meyen uss sante eynen ratismann, genant quintil-
linura,' mit czwenczig tusent mannen wol geezuget unnd sente dy in
dutsch lant an den ryn über dy walen unnd über dy dutschen, dy
wedderspenig werde wolden deme romisschen riebe. Unnd dy bieben
alle gar ussse unnd worden erslagen, also das quintillinus kume
v selbander wedder keyn roma quam. Do betrubete sich | der keyser
also sere umme dy gute" rittersehafft, das her weynte unnd sin eygeu
hör uss rouffte. Darnoch in deme andern jare do sante her do hen
tyberium synen mog mit groseme volke, das her dy rittersehafft reche
solde. Der quam mit on zu strile nnnd ving der waln an deme ryne
unnd der dutezscheu LVb tusent unnd brachte dy kein roma, unnd
erslug or eyne grosse menge1 volks, das her an den ryn brochte; der
was hundert tusent unnd XII tusent gewopenten. Item in deme
andern jare dar nach, also cristus XV jar alt was, do wart archelaus,
der koning zu jerusalem, in das enelende bracht Item in deme selben
jare, do reehonten der keyser unnd syn mog tyberius den czinss, der
von den houbten der romer gefallen was, do man dy weilt beschreib,
unnd fant romescher borger an der czal nunezig mal dry hundert
tusent unnd achezig tusent mensche zu rome. Item in deme selben
jare, do starb Octavianus der keyser, also her soben unde sobenezig
jar alt was unnd funllczig* jar keyser gewest was; unnd starb zu
Campanien in deme lande in der stad genant atella unnd wart be-
graben uff deme merczenfelde.2
• HS: guten. b HS: XVI; Änderung nach Rothe. r HS hat noch: „«>nce," dai aber weg-
fallen man, ab*r auch n<> t«t die Stelle linnlfa (unnd erelug gewopenton M Znaat« Stollea).
d HS: aeeba unnd «wshzig. irrtümltab für funffcilg (a. Roth« S. 6S. A. 1 - naeh Martlnua Folono«).
* — bosehe, mvu „Busch". Die weiche Aussprache den b ist hier bis zur
Umwandlung der labialen Media in die labiale Spirans gegangen, sonst nicht
nachzuweisen, w»»hl aber kommt umgekehrt für anlautendem w im md b vor
(bie wie», s. Weinhold, mhd Orantm 2, §. 101.
1 Es sei wenigsten« daran erinnert, da** wir e* hier mit einer verballhornten
Erzählung von der Niederlage des Qnintilius Varus im Teutoburger Walde,
9 ii. Chr., zu tbnn balen. '(Jemenit ist der Campus Martins in Horn, auf
dessen Monumentalplatze August bereit* im J. 28 v.Chr. »ein Mausoleum hauen
lies* (eingebend beschreibt e« der Geograph Strabo VIII, :,). heutzutage heisst
es Mausoleo Augusti an der via de' Pohtilici, unweit des Tiber.
Digitized by Google
Ö. und 10. Stück.
49
9. Von deme keyser tyberio zu Rome. m***«
In deme selbien jare dar nach, also octavianus gestorben was unnd
cristus sechczon jar alt was, do wart tyberius eyn keyser zu rome,
unnd der regelte do XXIII jar. Under des herschafft wart cristus
gemartirt Disser keyser was eyn grosser trencker.1 Her was sust
wise gnug zu ritterschafft unnd glugselig in den striten. Her was
ouch in der schrifft eyn wolgelorter man unnd konde | wol reden unnd »
hatte eynen behenden syn; her hatte aber eyne bosse untogunt an
ome: her teth, also ome eyn ding wol behagete, des her nicht enwolde.2
Do cristus XVII jar alt wart, do wart pylatus eyn formunde unnd
eyn richter zu jherusalem. Do cristus XVlll jar alt was, do starb
ovidius, der grosse meister. Do cristus XIX jar alt was, do quam
eyn gleser uss eynem walde zu deme keyser tyberio unnd sagete
ome, das her eyne kunst hette funden, das her glesere gemachen
konde, dy nicht zu brechen noch zu fyln. Unnd gab der glesere eyn
deme keysere unnd warff das wedder dy erden; do bleib es gancz,
aber es faldete sich unnd wart krump. Do nani der glesere eynen
hammer unnd richte das glass wedder uss eynander, das es wart ge-
stalt also vor. Do fragete on der keyser, ab dy kunst ymant mee
konde danne her. Do sprach der gleser: neyn. Do hiss der keyser
ome svn houbt abe howe, uff das dy kunst icht3 ymant mee lernte
unnd sprach: queme dy kunst uss, was tochten danne der konige unnd
der forsten gefesse. Disser keyser sante noch den konigen unnd be-
hilt dy zu rome und satezte forsten an ore stad; her machte ouch
synes bruder son4 zu eynem keysere unnd vorgab ome zu hant dar noch.
10. Von cristo, do her ezwenezig jar alt was. r«*«"
Noch cristus gebort XX jar, do worden feie konigriche in dutschen
unnd in welschen landen von tyberio deme keyser vor stört unnd zu
herezogethum gemacht; unnd welcher koning des nicht thun wolde,
den sante her hen in das enelende unnd moste do sterbe. | Noch y
cristus gebort XXII jar, do vor terbete der keyser tyberius das koning-
9. 1 Liliencron zu Rothe S. 62 A. 4 vermutet ein Mißverständnis aus den
Worten des Martinus Polonus, aus welchem diese Charakteristik des Tiberius
wörtlich übersetzt ist: hie fuit Octaviani privignus. Ob der Anklang von
vinum an privignus jenes Missverst&ndnis mit hervorgerufen hat, nur zu fragen,
klingt zuerst fast ungeheuerlich, ist aber bei mittelalterlichen Chronisten immer-
hin möglich. * Liliencron a a. O. A. 5 giebt die Worte des Martinus Polonus
an, die hier übersetzt sind: siiuulaus se ea vellc, quae nollet. * Hier adverbial
„irgend, etwa", im abhängigen Satze steht es auch mit negativer Bedeutung,
= nicht, s. Rothe, herausgjr. v. Liliencron, 8. 712 u. Weinhold, mlid. Gram.', §494.
4 Ks ist GermanicuH, Sohn des Drusus gemeint; bekanntlich ist es wissenschaft-
lich nicht zu beweisen, ob Tiberius an dem Tode des Germanicus schuld war
oder nicht, Tacitus ( Annal. II cp. 71- 72 u. III cp. 5 — 6) drückt sich ebeuso vor-
sichtig aus, wie hinsichtlich des Todes seines Schwiegervaters Agricola, s.
Agricol. cp. 43.
Digitized by Google
n. stück.
rieh zu swoben unnd machte uss deine konige marroboden eynen
herezogen von swoben. Item noch cristus gebort XXVI jar, do buwete
der herre philippus, eyn forste zu judea, eyne stat unnd nante dy
czesaream. Item noch cristus gebort XXV7I jar, do sateze der keyser
tyberius pylatum zu eynem richter in deine jodischen lande. Item
noch cristus gebort XXIX jar, do buwete herodes, eyn koning in deme
jodischen lande, eyne nuwe stat, dy hiss her noch des keysers namen
tyberiadis. Item noch cristus gebort XXX jar, do wart cristus ge-
toufft in deme jordan. An deme selben tage ubir eyn jar, do cristus
XXXI jar alt was, do hatte sente johannes,* mitb cristus muter swester
son hochezit in deme dorne chana, das in deme lande zu galilea 1yd.
Do machte cristus wasser zu rotemec wine unnd sammete sine jungern
unnd nam sanetum johannem von syner brut unnd forte on von
dannen. Uff den selben tag hatten ome dy dry konige vor eyn unnd
drissig jarn das oppher bracht. Also her XXXII jar alt wart, do thet
her unsprechlichen vel czeichen. Do her XXXIII jar alt wart, do starb
her vor unse Blinde an demme crueze under deme konige herode von
deine richter pylato von deme vorretere judas. In deme selben jare,
also Cristus zu hymmel für, do wart sente steffan gesteynet in deme
monden des auwestes.1
76 11. Von den konigen, dy herodes Iii seil.
Dry konige sint gewest, dy do herodes geheysen worn von deme,
io der hy vor gesohreben | steet, der dy kindere liss toten. Der ander
herodes, den hiss agrippa, von der stat an deme ryne, dy do geheisen
was agrippina, dy wir nu heisen koln; do was her eyn koning, der
liss sente jaeoffen den grossen tote zu jerusalem. Der dritte herodes,
der liss sente johansen den toufer enthonbton umme des willen, das
her on straffte, das her synes bruder wip enphurte unnd mit or zu
hilt. Unnd dar ummo, so bath or tochter, dy sy by syine brnder gehat
hatte, von geheises wegen der muter [bat sy]d umme sente johans
houbt des touffers. Dar noch horte her sagen von den czeichen, dy
cristus teth, unnd meynte, es were johannes, unnd bette on gerne ge-
seen ; do weich cristus vor ome in dy wostenunge. Der selbe herodes,
der was eyn koning in deme lande zu galilea, do nazareth inne litb,
dor umme hiss her jhesus nazarenus. Unnd der selbe herodes wart
umme dy sunde, dy her cristo unnd johanse teth, mit syner huss-
frawen herodiaden, [so wart her]*' keyn lutdim1 in das enelende ge-
• HS: Jodaoj. b Eitftost (AI*** Wort fehlt aoeh bei Rothe, ■. S. 63 A. 1). * HS: dM
Adjectivnm Ut »einen] flubiUailvum fllachllch nachgestellt. * l>er Chroaüjt tot »tu d«r Kon-
atruktlon gefallen. • Kbenfalla.
10. 1 Auwest ■=* August; b. Ködit«(Leb. d. h. Ludwig, hrg. v. H. Rückert) S. 32 :
ouwist, S. 8ti: owc-8t. Mittel torinen bei Wcinhold, D. dtsch. Monatenamen S. 31:
äugest, oug«t u. ä.
11. 1 D. i. Lugduuum, das heutige Lyon, im Altertum Hauptstadt eines Teiles
▼on Oallia trausaipina, der üallia Lugdunenais.
Digitized by Google
12. Stück.
51
sant, unnd do starben sy beyde in ermute unnd jemmerliches todes
noch cristus gebort XLII jar. In deme selben jare, do starp ouch dy
muter cristi.
12. Wy pylatus geborn wart r«u».7«
Eyn konig was an deme ryne gesessen , der hiss arthus ,* den das
gemeyne voLk noch nennet koning artus. Der buwete an deme ryne
eyne zubrochene 1 stat unnd hiss dy ruaguncia, dy wir nennen mencz,
unnd gab or den namen von czwen wassern, dy do in den ryn flissen :
der moygin poben dec stat , unnd dy czya 2 [ do by nedder der stat. T
Der selbe koning artus benachte an deme ryne, unnd das her nicht
konde ubir geschiflen, unnd herbergete do mit3 eyme muller, der hatte
gar eyne schone tochter, dy hiss pyla, dy besliff der koning dy nacht,
unnd sy empfing von ome eynen son. Do czoch der koning wedder
enweg.4 Unnd do dy pyla das kint genert hatte dry jar, do sante sy
das kint syme valer deme konige. Do satczte der koning des kindes
muter namen unnd synen namen zu sammene unde machte deme
kinde eynen namen , das es solde heise pylatus. Nu hatte
der selbe koning eynen son von syner elichen frowen, der was
ouch in pylatus alder. Do worffen dy czwene sone mit sludern noch
fogelchen unnd spelten also mitenander, also lange das pylatus vel
hera ischlichen schumpte,5 das her synen bruder mit eyme steyne zu
tode warff. Do mochte on der koning sin vater nicht lenger geliden
unnd sante on zu deme koysore zu roma zu dinste, also dy forsten b
eyne gewonheit hatten. Unnd do was her so lange, das her zu eyme
manne wart Do rangete6 her mit des koniges sone von franckrich
unnd warff on mit syme koppfe uff eynen stoyn, das her starp. Do
wolde on der keyser nicht losso toten unnd sante on in dy inseln zu
Poncien,7 dy alle ore ammecht8 luthe ennorten, dy der keyser do hene
sante, uft das ome ouch also geschege.
* HS: Achtn; Roth« hat Atboi. b IIS: fortra.
12. 1 = „zerbrochene", „vorher zerstörte", denn die Vorsilbe zer-, ze- ist md zur-,
zn-. 'Elia Beispiel geradezu hau sträubender mittelalterlicher Erdkunde! her
Chronist hörte, da»s Mainz an zwei Flüssen, natürlich Rhein und Main, liegt; da
er aber an eretereu nicht denkt, legt er es sich nach dein Namen Magun-cia so
zurecht, das» die Stadt am Main und an der Czia liegt! 8. übrigens C. F. R.
Reuter, Mogon, ein Stammgott der Vangionen, und Mogontiacnm, eine vangionische
Stadt i. d. Annalen de* Vereins für nassauische Altertumsk. u. GeschichtsforHch.
Bd. X, 1870, S. 365— 377. 3 Eigentümliche, sonst nicht nachweisbare Wort-
verbindung: herbergen mit, anstatt by. * Für henwec (md hen für mhd hin.
hine). * Schumpen, swv, ist md Nebenform für das mhd schimpfen = „scherzen,
spotten", in diesem Sinne noch in dem Titel des bekannten Buches von Job.
Pauli, „Schimpf und Krnst" (1522). " iutra. „ringen" mhd stv., md schwv.,
mit uoor panischem Rückumlaut. 1 Die ganze Erzählung ist eine thörichte Er-
findung, um den Namen Pontius (teils praenomen, teils nomen bei den Römern)
4*
Digitized by Google
62
13. und 14. Stück.
Roth« 77 13. Wy pylatus zu Jerusalem eyn richter wart
Do pylatus in dy inseln zu poncien quam, do hilt her es mit den
mechtigesten gar gutlichen unnd machte ome dy geraeynen undertenig.
ii Dar noch so ubirquam her mit | den reichen » das sy ome gehorsam
worden unnd on forchten; dar von erkreig her den namen, das her
noch heist pylatus von poncien. Nu worn dy joden zu jherusalem
herodese ungehorsam, um nie des willen, das her von heydenisscher
art was und im lande nicht geborn was. Unnd do herodes vor-
nam, das pylatus dy von poncien bethwungen hatte, dy sich vor an
nymandes keren wolden, do sante her noch ome, das her syn ammecht
man wolde werde zu jerusalem, unnd das teth pylatus. Unnd do
her dy joden ome ouch by stendig1 gemacht hatte, do sante pylatus
hiuder* herode keyn rome zu deme keysere, das her on wolde be-
stetige zu eyrae lichtere zu j[e]rusalem unnd in dorne jodischen lande,
das on herodes nicht konte abe gesetcze. Also drang pylatus sich mit
der gewalt in. Desb hasste herodes on, bi68 uff dy czit, das sye über
unserme hern jhesu cristo gefrunt worden. Dy ioden bedroweten
pylatum mit deme keysere umme des willen, das her cristum hatte
eynen koning genant Dar unime wolde pylatus nicht gerne ubir
cristum richte. Do ryt ome syn wip, das her nicht das orteyl gebe
ubir cristum umme des troymes willen, der or getrouraet hatte, unnd
dyc grossen czeichen, dy jhesus geton hatte, unnd straffte pylatum do
oren man. Dar umme so twug Pylatus syne hende unnd nette sich
gerne entschuldiget
rou,«78 14 Wy pylatus deme keysere schreib.
Also man schreib noch cristes gebort XXX VI jar, do wart der
keyser tyberius syech unnd mit deme uss satcz beflecket Do horte
v her sagen, | das zu jherusalem eyn prophete unnd eyn artczt were, der
alle suchen der menschen geheiien konde. Do sante der keyser zu
pylato sinen heymelichen unnd gewaldigen, genant volusianum, das
HS: gerlchten (to bei Rothe), Gegensatz «u gemeynen. ■> HS: de«. «HS: hatte. Oy
(Stolle hat confiu geludert).
zu erklären ; es bleibt dabei zweifelhaft, ob bior die römische Provinz Pontus am
Pontus Euxinua oder, dem Wortlaut mehr entupreehend, die Pontiae insulae an
der Küste Latiums gemeint sind, deren grösste Pontia später als Verbannungs-
ort diente (s. auch Sueton, Tiber, cp. 54). 8 Das oft wiederkehrende Wort ist die
md Form für da» mhd ainbahte, stn., unser „Amt"; es findet sich schon im
Gotischen: andbahts, «tm., „Diener", violleicht aus dein Lateinischen eutlehnt:
andabata, eine Art von Gladiatoren zu Pferde (». die Ki klärer zu Cicero pro
Gestio 59, 126); ammeht luthe, germeinmitteldeutach ammetlude, entspricht dem
mhd ambet-liude.
13. 1 mhd bistendec bedeutet „behilflich'', hier das md bystendig — „unter-
geben", „gehorsam". * Pruei>oaition, mit dem Dativ, bleutet hier „heimlich
vor"; ungewöhnlich.
Digitized by Google
15. Stück.
53
her ome den artczt senden solde. Pylatus quam in grosse forchte
unnd schreib deme keysere sinen entschuldigen briff, der lutet also.
Von poncien pylatus sime gnedigen hern tyberio heil unnd alles gut.
Ess ist n uwelichen gescheen, unnd ben feie raol kegen wertig gewest,
das dy joden in hasse sich unnd alle ore nochkomen mit orer freiss-
lickeit 1 beflecket han, wanne ore vetere on gewiss saget hatten, das on
got sinen son uff ditte ertriche senden wulde, der or koning solde
werde. Unnd der was komen, unnd sy haben sine czeichen unnd
wunderwerg geseen, dy her raanigfeldigcliche gethon hat, also das her
dy blinden seende machte, dy lamen geende, dye usssetczigen reyne,
dy toten lebende unnd fei der glichen. Unnd do das gemeyne volk an
on gloubete, do fingen on dy forsten der joden unnd brochten on vor
mich unnd clageten feischlichen ubir on, das her eyn czouberer were
unnd wedder or gesetcze gethon hette, unde brochten on mit falschen
geczugen unnd orteyln noch ornie gesetcze zu deine tode. Dar umme
bitte ich uwer gnade, ab mich ymant anders vor brechte,2 das ir des
nicht glouben woldet Ich muste des gerichtes recht unnd louft halden.
15. Wy pylatus sin ende nam. Ro
Der keyser tyberius nam rath zu synen getruwen gewaldigen, wy
her dar zu thun | solde, das pylatus jhesum hatte getot. Do ryten sy n
eome, das her eyne andere botschafft keyn jherusalem nestelte unnd
rfure eygentlichen, wy es umme alle ding in worheit gescheen were.
Do sante der keyser eynon andern syner heymelichen dyner keyn
jherusalem, genant albanum. Der forsete an allen enden umme disse
geschieht Do wart her gewist zu eyner fromen wettewen, genant
veronica, dy hette das antlitcze unnd dy gestalt cristi gedruckt in
eyn tuch, das jhesus selber hatte geton, do her zu syner m arter ge-
gangen was. Do quam der albanus zu der frowen veroniken unnd
sacb das in gedruckte antlitcze cristi unnd lernte do alle geschieht, dy
do ergangen was von jhesu unnd dar umme ouch her uss gesant
wart, unnd redete mit or also vel, unnd do sy ome das antlitcze nicht
verkouffen, nicht leen noch geben wolde, do ober rette her sy, das sy
wolde neme das antlitcze unnd wolde mit ome keyn romo czeen. Sy
wart balde ratis unnd czouch mit ome keyn rome zu deme krancken
keysere tyberio mit grossen froudon. Unde do der keyser das ant-
litcze sach, do druckte her das uff sin antlitcze mit grosser innekeit
unnd wart als balde gesunt von deme usssateze. Also ist das ant-
litcze noch zu rome. Do sante der keyser abir keyn jherusalem unde
liss pylatum hole unnd satezte on in eynen torm unnd gedochte, was
14. 'S. St. 1A.7. »Wie im inhd vürbringer „Verleumder" bedeutet, bo
hier das md vor 'md vor ■« mhd vür) bringen ,.verleum«1en".
Digitized by Google
16. Stück.
todes her ome an legen1 wolde. Also forchte sich pylatus vor eynom
sweren tode unnd stach sich selber zu tode. Do liss der keyser synen
T lichnam in den rodan werfle, | wanne dith geschach zu vyenne,2 do
her on hen gesaut hatte. Do toten dy bösen geiste also gross un-
gemach den luten mit pylatus lichnam, das on der keyser wedder liss
uss derae rodan nemen unnd liss on in eyn gebruchich sencken mit
eyme grossen steyne.
* 16. Wy judas1 geborn wart
Nu hy vor von herode unnd pylato, wy dy or an heben2 unnd
or ende genuinen hau, vor czalt ist, so gebort sich wul von juda ouch
zu sagen, der eyn vorreter cristi was. Es was zu jerusalem eyn
man, der hiss ruben von denie gesiechte ysachar. Der hatte eyn
wip, dyo hiss cyborea. Dy lag eynes nachtis by orem manne. Do
troymete or, dass sy eynen son gebere, der deme tufele glich were.
Do ersrag sy unnd* wachte uff unnd er suphczte. Do fragete sy ruben,
or man, was or were. Do sagete sy ome, was or getroymet hatte.
Do sprach her : man sal an troyme nicht gloube. Do antworte sy unnd
sprach: habe ich eynen son in disser nacht enpfangen, das wert eyn
warezeichen syn mynes troymes unnd eyner bösen gebort. Do dy
czit quam noch der rechen unge, unnd das kint eyn son wart, do
quomen dy eidern in grosse forchte unnd mochten ouch das kint nicht
getoten unnd weren sin doch gerne loss gewest, unnd worden des rats,
das sy das kint in eyn ledichen3 ley ten unnd satezten das uff das
wasser, unnd floiss uff eyne inseln von deme mere, dy heist scarioth.
Also wart ome der name judas von scarioth. Es wolde do dy
forstynne des selben landes an das wasser spaciren geen und sach,
is das das | meer eyn ledichen hatte uss geworffen, unnd teth das uff.
Do fant sv das kint dar vnne. Das nam sy zu or gar heymelichen
unnd vor both oren meyden, sy sulden des nicht offenbaren, biss das
sy das kint hotte gehat, unnd begunste oren buch gross zu machen
mit cleydorn unnd sprach, sy trüge eyn kint, unud legete sich in das
kint bette unnd sprach, es were or son.
15. 1 Aus der Bedeutung „an einen etwas legen" = ,,einem etwas erweisen"
entwickelt »ich hier die Wendung „an einen etwas legen" = „über einen etwa«
verhängen". 1 Vienna, Stadt der Allobroger im nsrbonnensischen Gallien, an der
Rhone, später römische Kolonie.
14J. 1 Die St. 16 — 18 erzählte Geschichte des Judas ist ein buntes Gemisch aus
den Sagen über Oedipus und der Geschichte d«-s Moses. 3 = mhd anhabe,
„Anfang". 3 mhd sonst ledelln = kleine Lade (thüringisch, s. Hertel,
Th. Sprachschatz 152) = Koffer, Truhe.
Digitized by Google
17. und 18. Stück.
55
17. Wy judas synen vater er slugk. R
Also nu judas eynes jars alt was, do enpting dy forstyn zu
scarioth eynen son von orem elichen manne. Unnd do der son etwas
gross wart, do teth ome judas vele obirlasten,1 also lange, das syn
muter judas sagete, das her eyn fundeling were, unnd solde bilcho
ßvrae brudere entwiche2 unnd undertenig syn. Des schemete sich
judas unnd vil in hass kegen syme brudere unnd slug on tod unnd
noch do keyn jerusalem unnd quam do yn pylatus hoff. Der gewan
on gar lyp, wanne eyn iglicher hat gerne dy sinen glichen lip.s Ess
geschach zu eyner czit, das pylatus von syme pallas ging unnd sach
in eynen boumgarten. Do stunden lostige schone epphile inne. Der
hette pylatus gerne gessen, unnd der bo umgarte was rubens, judas
vaters. Do steig judas in den garten unnd brach der epffele sines
vaters unnd wolde dy pylato syme hern brengen. Do quam ruben
unnd wolde on pfende, unnd quomen do beyde zu krige, das judas
in deme garten do sinen vater erstach, unnd quam dar von unbeseen.
Judas wüste nicht, das her sin vater was, unnd brochte pylato dy
eppfele | unnd des morgens fru wart ruben tod funden, unnd nymaut ▼
wüste, wer on ermort hette. Dar noch gap pylatus judase cyboream
zu der ee, unnd alles gut, das ruben gelossen hatte. Dar nach zu
eyner czit, do ersophczte* cyborea gar swerlich by judas in deme
bette. Do fragete judas, was or were. Do sprach sy: ach ich armes
unseliges wip vor allen wiben! myn kint warft ich mit eyme ledichen
uff das meer, myn man ist mir ermordet unnd ben nu dir in mynen
betrupnisse vor truwet; wy kan ich ummer fro werde?
18. Wy judas sin ende nam.
Cyborean klage ging judas zu herczon, unnd er fant, das sy sin
muter were, unnd das her ouch synen vater erslagon hatte, unnd vor
czalte ouch do cyborean sin leben. Do ryd sy ome, das her solde
ruwe unnd leyde habe umme syne sunde, unnd queme zu unserm
hern jhesu cristo unnd worde sin junger, der eyn grosser prophete
were, unnd bussete by ome syne sunde. Unser her cristus, der nam
on uff zu eynem aposteln unnd wart ome also heymelich,1 das her sin
schcffener wart unnd das gelt, das ome gegeben wart, in nam, unnd
dar von so stal her allewege den czenden. Dar noch also maria mag-
dalena dy thuren salben kouffto umme dryhundert grosse pfenge, der
17. 1 Hwv., entspricht dem mhd überlcaten = „überladen, bedrängen, verge-
waltigen". * Mit dem Dativ „nachgeben", auch mhd 8. Hartmann von der
Aue, Eiec, V. 3831. 3 Wie auch im mhd oft Umschreibung für „Person".
*= mhd geläjen, hier in der besonderen Bedeutung ,,hintcrlaüsen,\ 6Gcmein-
mitteldeuleeh : ersüfzen = „aufseufzen4*.
18. 1 = „vertraut" mit ihm.
Digitized by Google
56
19. Stück.
igliches czeen cleyne pfenge galt, dy man du ael
bemsche grosschen, unnd her dy salben vor kouffe wolde unnd das
gelt armen luthen gebe, uff das ome der czende dar von worde, do
woldes cristus nicht unnd sprach: ir hat alleczit arme luthe, adir
H myn hat ir nicht alleczit. Do goyss maria cristo | dy salben uff sin
houbt. Der schade muwete judassen gar sero; dar umme vor kouffte
her jhesum den juden umme drissig pfenge, dy ome zu czeenden dar
von worden wem. Unnd do her jhesum vor roten unnd vor koufft
hatte, do ruwete on dy bosheit unnd brochte dy drissig phennige den
pristern in den tempel wedder, unnd dy wolden or nicht. Do warff,
her sy vor or fussse unnd ging vondannen unnd hing sich selber an
eynen strigk unnd reiss uff, das ome sin gebutte2 vor sine fussse hing
wanne sine sele solde nicht zu deme munde uss fare, der jhesum ge-
knst hatte.
Roth* »3 19. Wy tytus unnd vespesianus Jerusalem
gewunnen.
Höret nu ouch von den joden, dy cristum zu deme tode brachten,
wy es den erging, do sy cristum gemartert hatten. Do gab on got
vierczigk jar tag, ab sy ruwe unnd leyde wolden habe umme ore
sundo. Der ruwe hatten sy nicht, sundern sye mereten sy da mete,
das sy sente jacobura oben von deme tempel ernedder worffen unnd
den andern aposteln jacobum den grossen ouch lissen toten unnd
tsente steffan steynten. Unnd dar umme so bewegete got dy herczen
yti unnd vespesiani, der romeschen konige, das sy mit orer kraffit
unnd macht czogen in das jodische laut unnd belogen dy joden in
jerusalem zu den ostern , unde do sy alle zu deme feste in den tempel
quomen. Ditte geschach noch cristus gebort LXXIII* jar. Yespesianus
hatte worme in syner nasen, dy konde ome keyn artczt vor tribe,
unnd do fragete her noch cristo, der alle suchen an den luthen vor
treib. Do sagete man ome, wy das dy joden on smelichen getötet
hetten. Do wart her also czornig uff dy joden, das her swur by syner
▼ nasen, her wolde den tod cristi an on reche. | Do filen von stunt dy
worme uss der nasen unnd wart gesunt. Unde do liss her sich dy
romere mit volke kein jerusalem sende von deme keysere neroni unnd
nam mit ome tytum synen son, unnd. logen da vor dry jar. Got
uffenbarte den fromen unnd den heyigen luthen, das sy uss jherusalem
floen unnd quomen in eyn castel, das ist pella genant Do bieben
sy dye wile mit frede unnd gemache vor den romern, den cristus tod
leyd was.
• BS: LXXVin (noch Roth« IJlXIII. auch geschichtlich richtiger).
•md gebutto = mhd gebütze „Eingeweide".
Digitized by Google
20. und 21. Stück.
57
20. Wy Jerusalem gewannen und vorstort wart.
Ess wart in der czit in jherusalem also grossser hunger, das sich
dy joden under enander tod slugen, uff das sy icht1 hungers storben.
Unnd von den, dy also erslagen unnd hungers gestorben warn, do
wart gross gestang in der stat, wanne sy konden or alle nicht begraben,
unnd wanne sy dy toten ubir dy muren geworffen, so worffon ore
fiende dv wedder in dv stat. Unnd was or des nachtes uss der stat
flouch. dy harten golt unnd gelt geslungen, do sy niete geczereten.*
Unnd dy begriffen dy romer unnd sneten on dy liebe uff undo suchten
das gelt Also worden or in eyner nacht czwey tusent uff gesneten;
dy in der stat worn ouch also gar vor smacht, wanne sy esse solden,
do storben sy dy wile. Es ist berralichen, das man ess sprechen sal:
es kochten czwo frowen ore eygene kindere unnd frosen sy. Sy
frossen ouch ore alden vor worften schu, dy tasschen von den setein
unnd liffen mit offen unnd gesperten munden, also dy tobenden hunde
pflegen. Vespesianus czoch keyn rome unnd wart keyser. unnd tytus,
der bleib vor jerusalem, | biss so lange das her dy stat gewan. Do i»
erslugen dy romer sechs hundert mal tusent jodeu. So storben or in
der stat hungers, unnd dy sich under enander umrae hungers willen
er mort hatten, also josephus, der joden forste,1 schribet, eylft mal
anderweit' tusent. So worden or hundert tusent vorkoufft unnd zu
strowet in dy lant, also sy noch sint, unnd der tempol wart geschint
unnd mit der stat zu brochen, das eyn steyn nicht bleib ligen uff
deme andern.
2t. Was do geschaeh noch eristus gebort biss r««« iS5
zu fmiffczig jarn.
Maria, dy muter gotes, dy starb zu jerusalem, also sy uff erden
gelebet hatto LXVI jar, unnd wart in dorne tale zu Josaphat begraben.
Das geschaeh noch eristus gebort XLIl jar. Czu der czit was eyn
keyser zu roma, gayus genant, eyn grosser unk uscher, der beslift
czwo swestern und sine eygene tochter. Ditte geschaeh noch eristus
• HS: bundertweit (anderweit nach Rothc>.
20. 1 8. St. 9 Anm. 3. » Unverständlich. Liliencron (z. Rothe S. 69) erklart so:
„um es unbemerkt dnrehzubringen und «ich hernach dafür Speise zu kaufen."
Das scheint richtig zu siein , da auch im mhd das CY>mpo«itum gezern wie das
Simplex zern bedeutet: „den Aufwand ftlr Essen und Trinken bentreiten," also
hier „Zehrung haben." 1 Flaviua Joscphus, der berühmte Geschichtsschreiber
au» jüdischem Stamme (daher forste — hervorragend, auch von geistiger Be-
deutung), hat als Augenzeuge der Belagerung Jerusalems die „Geschiente des
jüdischen Krieges" unter Titus i. .1. 70 n. Christi (ssp\ toG ' loväa'txoü ro).i'[i.oo) in
7 Büchern ausführlich erzählt; das Werk war zuerst in svr<»chaldäischer Sprache
geschrieben, wurde von ihm selbst aber in» Griechische übersetzt.
Digitized by Google
58
22. Stück.
gebort XLin* jar. Dar noch was eyn keyser zu roma, der hiss Clau-
dius, eyn grosser trencker. Item noch cristus gebort XLIIII jar, do
wurt gross hunger, also wid also dy werlt was. Item noch cristus
gebort XLV jar, do quam der apostel sente peter keyn rome unnd
wart do bobist unnd sass do XXV jar. Item noch cristus gebort
XLVI jar zu der czit wart der fogel feuix geseen in cgipten lande also
gross als eyn adelornbl mit eynie gekrönten houbte also eyn pfauve
mit feddern, eynem gülden ring umme sinen halss, unnd syne feddern |
t dy worn purpurfar, unnd sin czagel also tote unnd wisse rosen. Item
noch cristus gebort XLVIII jar, do buweten sente peters jungern eyne
kerchon in der stad lytecia,« dy nu paryss. heist. Item noch cristus
gebort XL1X jar do quam sente pawel keyn athenis unnd fant do den
alter, den dyonisius2 gebuwet hatte deme umbekanten gote unnd
i«» bekorte do dyonisium zu deme heilgon glouben.4 |
22.° Wy dy doringe unde Sachsen vel mol
miteinander gestreten haben.
Als man czaltef noch cristus geburt XXVIJI jar, unde der koning
alexander gestorben was, do was eyn volk in synem here, dy hessen
petrioli, das bedutet sich kesselinge, wanne« sy hart in den striten
warn. Das volk konde sich in den landen norgen behalde durch des
schaden willen, den sy den landen gethonh hatten uss' orer gesel-
schafft. Hir umme so rumeten sy dy lant unnd satczten sich in schiö
unnd füren uft der see unnd ertruncken raeer k danne1 halb, wanne m
on das wasser unbekant was. Unnd orn bleib vele° im lande zu*
prussen unnd zu russsen. So quam or oiich« enteyl in czwolfl
schiflen an dy stete, do itczuntr lubegk» 1yd unde rostogk an der see.
Do selbest sossen vor dy doringe, unnd treben do mit gewalt dy doringe
• 118: XL1I (Vorbeawsrnng nach Rothe). b HS: ade lh orn. « HS: lycla (Roth«: lutetia).
<• Die übrigen drei VUrrtel der Seit« wie die ganze folgende lind leer golaaeen. • 8. oben 8t. 1
a. E. Abweichende Leaarten : ' schreib. K wann« b getan. 1 In «r. * meblr. ' dann.
m wann. " der. ° enteyl. v xu (Im lande fehlt). <» fehlt oben. r Hd, • lublg
nnnd roetog.
21. 1 Dialektisch für adelarn „Adler" ; s. auch Bartsch, Mitteldeutsche Gedichte
(1860), 3, 337. J Weil nachher die Bekehrung des Dionysius Areopagiia er-
wähnt wird (8. Apostelgeschichte 17 , 34) , so nehmen die Chronisten (so auch
Rothe) willkürlich an, dass Dionysius den Altar selbst gebaut habe, wovon in
der Apostelgeschichte kein Wort steht. Da die altchristliche und mittelalterlich-
kirchliche Tradition diesem Dionysius mehrere von ihr »ehr hoch geschätzte
Schriften zuwies, welche eine wichtige Stütze für die Wertschätzung der kirch-
lichen Hierarchie bildeten . obschon sie erst im tt. christlichen Jahrhundert auf-
tauchen, so suchte man die Person des Dionysius dadurch zu heben, dasa er es
gewesen sein sollte, der den Altar erbaute, dessen Inschrift („dem unbekannten
Gotte") sicherlich ein Sehnen seitens des Erbauers aus der heidnischen Abgötterei
bewie».
Digitized by Google
22. Stück.
von der see, wanne* sy zu strite wol gelart worn, undo nanten dy
doringe dy torlingc, umino des willen, das sy sich torlichen b stalten
zu deine c strite unnd sy des gar wenigk gepflogen«1 hatten. Do nanten
dy doringe do ore finde1 saxen, das sich bedutet steynendef luthe,«
wash es gar hartselig wölk was. Hir nach quomen sy aber zu
Samen etc. (Hir feylt keins nicht.) Kothe IM*
Hir nach quomen sy abir zu sainen unde streten mit eynauder, 17
unnd dy doringe vorlorn da den andern strit. Da machten sy mit
den sachseu eynen frede, das dy Sachsen by der see bliben solden
unnd das land geruwelichen besitczen, unnd dy doringe solden ouch
mit frede besitczen das land hir dissit brunswig unnd meydeborg.
Unnd disser frede stunt also wol hundirt jar; do czogen dy sachson
das volk zu on, das on das land zu eygen wart, unnd brechen don
frede, also das der herczoge von doringen mit on zu strite quam
unde vor loss do den dritten strit, den dy Sachsen mit oren langen
messern gewonnen, do on dye glefeu 1 unnd swerte zu slagen worden,
unde da treben dy Sachsen dy doringe ubir den harcz unnd er
slugen der gebur* vele tod unnd behildon or enteyl in den dornen, Roti» 134
das sy den acker mit on bestalten, unnd dy hissen sy lassen; dy ouch
dar nach zu on quomen unnd hulften on ouch umme tagelon arbeyte,
dy hissen sy dy tagewarten,3 von don nach das sechscho* lant-
recht4 sagit.
Also dy doringe von den Sachsen ubir den harcz getreben
worden in das land, das nu itczunt doringen heisset, unnd sy er-
kanten, das es fruchtbar war, do treben sy dy wenden uss, dy es
besasssen, unnd funden wennig gebinvetor sloss dar inne. Unnd also
behilden gar vele dorffe ore wendischen namen, also lupenitez,5
raniss,6 opolch,7 kransswitcz,* triptis," cicz,10 iyptcz 11 unnd vele
* wann. b torltab. • foblt. <> wenig tfopflogeu. • Dy doringe- D&onten UUw ore finde*
' iteliMD. « late. h wimu 1 HS : aeclute.
"23.. 1 , Lanzen,' Lehnwort aus dem altfranz. glaive; es geht wohl schlii
lieh auf das lat. glndiu* zurück. 1 Stm. „Dorfgenosse, Dorfbewohner,
Bauer"; hier collectiv gebraucht. * Anscheinend dialektisch oder Neu-
bildung von Stolle, gemeinniederdeuts-h tageworchte (s. i. Sachsenspiegel, nach
einer md HS herausgegeben von Weiske, 186«$ u. a. 3, 44; s. folg. Anm.).
* Das ist der obengenannte Sachsenspiegel, du« im 13. Jahrhundert
(zwischen 1224 und 1235) au» den im nördlichen Deutschland giltigen Gesetzen
und Rech tage wohiih eilen von dem sächsischen Kitter Eike von Repgow zusammen-
Sestellte Rechtabuch. " .letzt Lupnitz, Dorf im Verwaltiuigsbezirk Eisenach
es Grossherzogtums Sachsen , am Einflute der Böber in die Nesse. " Kleine
Stadt im preußischen Kreise Ziegenrück iRgsbz. Erfurt). T Wold versehriel>en
für Opolt bezw. Opult, älterer Nnme von Oppurg fs. HDThD 1, 18%, S. lOi in einer
Urkunde des Erzbiscbofs Anno II. von Cöln v.J. 1074). Schloss und Dorf im Ver-
waltungsbezirk Neustadt a. d. Orla im Grossherzogtum Sachsen. * Jetzt Orons-
wiz, ein Ort, früher ein Kloster im Vogtlande, eine Meile von Gera (Fürstentum
Reut* jüngere Linie). 9 Städtchen im Grossl »erzogt um Sachsen , Verwaltungs-
bezirk Neustadt a. d. Orla. 10 Die preussische Stadt Zeitz (Rgsbz. Merseburg).
u Leipzig.
Digitized by Google
ÖO
28. Stück.
andere dorffe umme bichelingen, 12 unnd dy wende muste wiche in
v das osterland13 unnd missen.11 Also besassen dy doringe das | land
mit orem herezogen, unnd do santen dy romer zu den Sachsen unnd
geboten on frede.
S??d? 23. Wy dy doringe einen eygen koning machten.
m Also man schreib nach cristus geburt OCCC0 unnd drissig jar, da
nomen dy romere sere abe unnde dy von franckrich dy vor treben
unnd er singen der romer ammecht lute unnd machten einen eygen
koning unnd wolden den romern numme czinssen unnd brachten *
vele land under sich unnd den ganczen rynstrom unnd welsche land.
Do das dy doringe unnd andere lande umme sy gelegen vornomcn,
das dy land alle den romern nymme czinsse gaben, do machten sy
ouch einen eygen koning, des konigis mag von franckrich; den hiss
merwig,1 unnd der buwite da itczunt crflort 1yd eine borg, dy nante
her nach syme namen merwigisborg, dy wir itczunt nennen mewirss-
purg. Unnd disser koning buwete ouch zu erst dy stad northusen;
her buwete ouch einen sal, do itczunt sente peters kerche 1yd zu
Erflort. Unnd erftort was uff dy czit nach keine stad, sundern nidder
an der gera was eyn dorff, das hiss schilderode. b 2 Unnd in denie
• IIS : broeben. «> IIS: Schtdderod*.
11 Stammschloss der 1576 ausgestorbenen Grafen von Beichlingen, im
preußischen Kreise Eekartsberga (Rgsbz. Merseburg), b. J. Leitzmann , Diploma-
tisehe Geschichte der ehemaligen Grafen von Beichlingen, ZThG. VII 1 , 187 1,
8. 177—242. 13 Name der alten nordthüringisebeu Mark (Marchia orie.ntalis),
von Gero im 10. Jahrhundert von der Saale über die Mulde und Elbe aus-
gedehnt; ihr Kern war die spätere Mark Landsberg, doch umfasste sie auch die
(legend um Eilenburg und den westlichen Teil der Niederlausitx. M Die ehe-
malige deutsche Markgrafschaft an der Mittelelbe.
"Hl. 1 Die „Sage" (s. C. Beyer, Geschichte der Stadt Erfurt bis zur Unterwerfung
unterdie Mainzische Landeshoheit. 1893, S. 3; Derselbe BE S. 1 fT) von Merwig und der
Merwigshurgk (davon auch Möbisburg genanntem Volksmunde Merschberk), Dorf
im Landkreise Erfurt, ursprünglich eine vorgeschichtliche Wallburg, s. 1*. Zscbiesche,
Die vorgeschichtl. Burgen und Wälle im Thüringer Centraibecken (Vorgescbichtl.
Altertümer der Provinz Sachsen, I. Abiig.. X.Heft, 1889, S. 15—17), ist uralt
und findet sieh in der Historia Pistoriana, bei Lambert v. Hersfeld, im Liber
cronicorum (Erfordensis) , in der kirchl. Chronik des Nicolaus v. Sygen, etwas
anders im Erfnrdianus Antiquitatum Variloquus und bei Engelhus. Ein Teil der
genannten Quellen erzählt auch Nordhausens Gründung. Abweichend ist hier
auch die Gründung der Peterskirche erwähnt . während sonst von dem Petera-
klowter die Rede ist; nach Falckcnstein, Civitatis Erfurt, historia critica et diplo-
matica, 1730. S. 2 wurde ein ..Sehloss4' gebaut, doch kommen die««es und der
„Saal" im Texte wohl in palas (Nebenform palast) zusammen. ? Das fabel-
hafte Dorf Schilderode soll am Kusse des Erfurter Petersberges gelegen haben,
da, wo jetzt die St. Andreaskirche liegt; s. Nicolaus von Siegen, chronic, eccles.,
h. v. Wegele, 1855, S. 1 06 f. nebst Anm, u. Addit. ad Larab. Scliafhaburg. bei
Pistorius-Struve Script, pag. 1139 a. E. Uber Schilderode äussert sich auch Werne-
Imrg, Beiträge z. thüring. und insbes. zur erfurtischen Geschichte, MGE, Heft X,
1881, S. 164-167, u. 146 ff. u. A. Kirchl.off, Verfassungszustande im Mittel-
alter. N. Mitt. des Thür. Sachs. Vereins XII, S. 8i; Derselbe, Die ältesten Weis-
lüini-r d. Stadt Erfurt S. 196.
Digitized by Google
24. und 25. Stfick.
61
brule3 wonte eyn niuller, den hiss erff, unnd da was eyn fort ubir dy
gera; da vone nante man es erflsfort4
24. Wy hennenberg gebuwet wart Roth« im
Hennenberg dy graffeschafft, dy erhub sich also. Do dy wendein»
in rome logen unde rome unnd welssoheland vorterbeten , 1 das was
nach cristus geburt OCCCLVIIl jar, da czoch eyn romer von rome 458
umme des umfredis willen. Der wass eyner Ton der sül,* | geheisen i«
de calumpna, der grosten gesiechte ein, de in rome wonhaftig siut noch
hüte zu tage. Unnd quam also in den doringer walt unnd netne-
Hehen do itczunt de borg hennenberg" 1yd, mit sinen denern. Do
gefyl ome der berg zu buwene, unnd do er zu erst eyn bovinen huss
uff slug, do vand er eyn wilt hun mit sinen k uchen an der selbigen
stad; dar umme sso nante her das sloss hennenberg.
25. Wy dy eilff tusent junefrowen erslagen worn. K°»bo iM
Als man schreib nach cristus geburt CCCC" LVJII jar, da czoch 458
koning eezil,1 eyn koning in ungern, der geheysen was der hunen
* HS: weudeo.
• Früher eine Art Dorf vor Erfurt (jetzt die Erfurter Vorstadt ,, Brühl"),
mit einem eigenen Schultheissen , welcher dem Gerichte vorsass, welches für die
Hörigen der Stadt sowohl wie für des Brühls und der zum Mainzischen Vor-
werke (Mainzerhof) im Brühlc gehörigen (wendischen) Kücheudörfer abgehalten
wurde; s. C. Beyer a.a.O. S. 6, Werneburg a.a.O. S. 149 ff. , Kirchhof!' u. a. O.
S. 82 u. ö. 4 Der älteste uns bekannte Name ist Erphesfurt, d.h. Furt des
eines Ansiedlers, der vielleicht den Reisenden in irgend einer Weise be-
war und dafür eine kleine Abgabe erhob. Diese Erklärung des Namens
ist die einfachste und natürlichste; s. C.Beyer a. a. O. S. 3; derselbe BE S. 2.
Noch im 10. Jahrh. ist Erfurt , wenn auch Bonifatius i. J. 742 in seinem Briefe
(ep. 42) an den Papst Zacharias (s. Jaffe, bibl. rerum Germ., tum. III: Monu-
menta Moguntina pag. 112) von diesem: locus qui dicitur Erphesfurt sagt:
„fuit iam olim urbs paganorum rusticorum, als Dorf zu denken (s. C. Beyer
a. a. O. S. 4) , das sich erst allmählich zur Stadt entwickelte.
34. 1 Wieder arge Verwechslungen! Aus Rothe, der „Wendeln'* sebreibt, ist
klar, dasa die „Vandalen" gemeint sind, welche bekanntlich 455 unter Geiserich
Italien verheerten , Rom eroberten und es vierzehn Tage lang ausplünderten.
* Gemeint ist das grosse Baronalgeschlecht der Colonna, das neben den Orsini
u. a. in der Geschichte des mittelalterlichen Roms eine sehr wichtig«' Rolle spielt,
bald für, bald gegen das Papsttum kämpfend. Anders als der Chronist haben
spätere unkritische Geschichtsschreiber behauptet, das« die Stolberger Grafen von
Otto de Columna (6. Jahrhundert nach Christi Geburt) abstammen, wegen des
Wappens der Stoiberger: ein schwarzer Hirsch in Gold an einer Säule; s. u.a.
Zeitfuchs, Stoibergsehe Kirchen- und Stadthistorie , 1717, S. 8 f. ' Die Graf-
schaft UeuneberK lag im fräukischen Kreise des alten deutschen Kaiserreichs, in
den Gauen nördlich des Mains im Gebiete der oberen Werra und Saale mit
deren Zuflüssen. Das Herrscherhaus starb 1583 aus. Das Wap|>en der Graf-
schaft war eine schwarze Henne auf grünem Hügel in Gold.
25. 1 Der Hunnenkönig Attila starb allerdings schon 453; die Jahreszahl ist
also unrichtig, da der Zug, auf welchen der Chronist hinweist, i. J. 451 stattfand.
Digitized by Google
62
26. Stück.
koning, vor dy stad koln an den ryn unnd erslug da dy eylff tusent
juncfrowen. Item in der selbigen czit, do lebete ouch koning dytherich
von lamporten,2 den man nennet dittherich von berne; der was eyn
ketczer8 nnnd zu brach kerchen unnd klusse.
w 26. Wy etliche grafescliafft körnen sint in das
laut zu doriiigen.
Item langeczit vor cristus geburt quam dy herssschafft unnd
graffeschafft von swarczpurg,1 unnd dy quam von der see mit den
doringen, also dy von den Sachsen vortreben worden, unnd dy buweten
das sloss swarzborg. Item dy andern graffen, dy da füren lawen mit
vor körten helssen2 im Schilde, dy quomen alle uff dy czit mit den
doringen in ditte land, unnd ouch etliche fryhern,3 also dy grafen
von keffernbargk. Item dy graffen von glichen, dy buweten zu erst
dy borg glichen in sachssen4 by gottingen, unnd da sy da danne mit
den doringen von den Sachsen vortreben worden, do buweten sy das
v sloss glichen by mölborgk h | gelegen unnd beilüden oren alden namen
unnd hissen das sloss glichen.
»D.i. von der T Lombardei (mini Lamparte, awf.) 'Theoderich, der Ostgoten-
könig, «1er bekannte grünst* Held des deutschen Volksepos, der I Metrien von Bern
(Verona) des NiMungenlicdes, war wie alle Germanenkönige (mit Ausnahme der
seit Chlodwig orthodoxen Frankenkönige) ein Ariauer.
von Thüringen, welche ihre Burg als eine Schutzwehr gegen die Slaven (Sorben)
Fabelhafte und Ungereimte, wie unser Stolle zeigt, eingeschlichen hat, besonders
ihre Finwanderung aus dem Norden. »Dialektisch, „J^öwen mit umgewendeten
Bahlen.44 Ausser den Schwarzburger Grafen, welche im blauen Felde einen
goldenen Löwen in der Kopfhaltung der heraldischen Leoparden (also eu face),
einen sogenaimteu leopardischeu Löwen im Wappen führten, hatten (s. Sibtnacher,
Wappenbuch, kl. Ausgabe, 1605) auch die Grafen von Kevernburg (Wappen: ein
Löwe mit umgekehrtem Halse im blauen Felde) und die Grafen von Gleichen
(Wappen: ein silberner Ixtwe mit umgekehrtem Halse im blauen Felde) solche
I/'iwen; sonst steht der Löwe en profil z.B. im Wappen der thüringischen T^and-
grafcn. :| So die Herren von Hehlrungen und von Westernhagcn. s. Helmers
Wappenbuch. 1705, II, 30 u. 1, 145. 4 D. h. im alten Herzogtum Sachsen. Noch
heute liegen Burgtrümmer auf 2 Bergkegeln südöstlich von Göttingen, Alt- und
Neuengleichen genannt, 5 Jetzt Mühlbcrg, preussisches Dorf im Laudkreise
Erfurt, mit einer Ruine gleichen Namens, diejenige der 3 thüringischen Gleichen
(zwischen der Wanderslebener Gleiche und der Wachsenburg), welche Gustav
Frey tag im 2. Bande seiner „Ahnen", dem „Neste der Zaunkönige," so an-
schaulich schildert.
Digitized by Google
27. Stück.
27. Von brandenborg.
Item dy graffen von brandenbcrg,1 dy buweten das sloss branden-
berg. Item dy hern von wangheym2 nnnd von erffa :l, dy quamen
ouch in das land zu doringen uss Sachsen, als hir oben geschreben
steid, unnd buweten ore sloss. Unnd dy von erffa hissen von erst dy
grynhunde4 von Sachsen an der nesse5 in deme hayne under eben-
heym.6 Unnd dy andern eiber mannschafft, dy enpfingen ore nameu
von de,n dorffen, dar inne sy gesessen warn unnd dy sie in nomen;
unde dy dorff enpfingen zu erst ouch ore namen von den, dy da zu
erst den acker buweten, also von eynie, den hiss utand utanrode,7 von
heczele heczels rade,8 von gosprecbte gosprechsrode,9 von snelmanne
snelmanshusen,10 von guuther guntersleuben 11 etc.
27. 1 Brandenberg und Brandenburg, alte thüringische Grafen mit dem
Stammschlosse Brandenburg, jetzt Ruine bei I>auchr<"nleii an der Ausmündung
der Elte in die Worra, Grosshcrzogtuni Sachsen, gegenüber dem Dorfe Herles-
hausen, preussisehe Provinz Hessen-Nassau, s. Galette, Die Schlösser Brandenburg
a. d. Werra, ZThG, Band VIII, 1871, S 373-380, a.ebcuda auch II S. 356 ff. u. IV,
190 f.) ; a. auch O. Krügel, Geschichtliches und Sagenhafte* von der Brandenburg, 1895.
'Jetzt Freiherrn, auch Grafen von Wangenheini, alte und bekannte thüringische
Adelsfamilie. Wangenheim, ihr Stammsitz, liegt bei Gotha; sie sollen aus
Ungarn oder aus Sachsen nach Thüringen gekommen sein und fuhren einen
Windhund im Wappen (s. Kneschke, Deutsches Adelslexikon IX, 1870. S. 473),
urkundlich seit dem Anfange des 11. Jahrb., erste bezeugte Jahreszahl 1133.
! Ebenfalls eihe alte thüringische Adelsfamilie (Freiherren), welche von Ungarn
nach Thüringen gekommen sein soll (s. Gotha diplomatica, 1696, Stammregister);
sie führen im Wappen 2 Flügel. Ihr Stammsitz, das frühere Dorf Erffa, heisst jetzt
Friedrichswerth, 1 Meile von Gotha an der Nesse gelegen ; s. Kneschke, Deutsch.
Adelslexikou III, 1861, S. 139. 4 Die Erffas und die Wangenheims sollen (nach
Kneschke, Deutsches Adelslexikon IX, S. 473) den Beinamen Grynhuud (engl.
gTcyhound — Windhund,) geführt haben. Mit Rücksicht auf das obenerwähnte
Wangenheimsche Wappen ist diese Bezeichnung für diese Familie erklärlich, nicht
aber für die Erffas, wie es der Chrouist allein erwähnt. Die Familiengeschichte
der Wangenheim (Regcstcn und Urkunden zur Geschichte des Geschlechts
Wangenheim, von Friedrich Herrn. Albert v. Wangeuheiin. 1857) lehnt deshalb
mit Recht auf S. 12 diese Sage, wie auch die von der Herkunft nach Thüringen
mit den Huuneu oder Sachsen ab; „die Herren von Erffa sind der Nachbarschaft
wegen mit in dieselbe Fabel verwebt" (a. a. 0. S. 12). 6 Thüringisches Flüsschen,
das bei Alach, unweit Erfurt, entspringt, durch Gothaisclies und Eisenacher Ge-
biet fliesst und bei Eisen ach in die Hörsei mündet. 0 Dorf im Herzogtum
Sachsen- Koburg untl Gotha, nordwestlich von Gotha. 7 Jetzt Utenrod««, Dorf
bei Kreuzburg au der Werra (Grossherzogtum Sachsen). * Jetzt Hcsselrode,
Dorf bei Ohrdruf (Herzogtum Sachsen -Koburg und Gotha). 9 Jetzt Gospen-
rode, Dorf im Verwaltungsbezirk Eisenach im Gross Ii erzogt um Sachsen. 10 Jetzt
Schnellmannshausen', Dorf teils zum Verwaltungsl>ezirk Eisenach im Grossherzog-
tum Sachsen, teils zum preussischen Kreise Mühlhausen (Rgbz. Erfurt) gehörig.
n Jetzt Günthersleben, Dorf im Kreise Gotha, Herzogtum Sachsen -Koburg und
Gotha.
Digitized by Google
64
28. Stück.
im 28. Wy eyn koning vomme ryne unnd eyn koning
in dori ngen gestreten haben.1
i;> Als man schreib nach cristus geburt funff hundert unnd XV jar,
do starp der koningk von franckrich, genant clodovius* unnd liss vier
*2S. 1 Es ist nicht verwunderlich, dass Stolle« Darstellung des Unterganges des
thüringischen Königreiche« wie nicht nur bei allen Chronisten des Mittelalters,
sondern auch bis in die Neuzeit hinein, eine unkritische und sagenhaft entstellte
ist. Kr folgt, wie sein noch kritikloserer Gewährsinann Rothe, weniger den besseren
fränkischen Quellen ((iregor von Tours, historia Francorum, Gesta Francorum
epitomata, dem lat. Dichter Venantius Fortunatus de excidio Tkuringiae ad Ame-
lafridam und in »ndercu Gedichteu), als den noch mehr sagenhaftentstellten sächsischen
Quellen (b*. Widukind, res gestae Saxonieae, Annale« Quedlingburgenses, dem
Anonymus de Hueborum origine und Rudolfs von Fulda Translatio S. Alexandri),
vgl. Wattenbach, Deutschlands Gesohichtsquellen im Mittelalter a. d. betr. Stellen,
u. H. Richter, Annalen des frank. Reiches im Zeitalter der Merovinger, 1873,
S. ;{-r» u. 45—51, wo sich auch weitere Quellen- und Littcratu rangaben finden.
Eine Zusammenstellung aller Ansichten, von Martin us Pol onus bis zur Neuzeit
11890) giebt E. Lorenz, ZThG N. F. VII (1891) S. 335 fT. In der neusten
Zeit hat ausser Lippert a. a. 0. S. 5 ff. Könnecke, Das alt«? thüringische König-
reich und sein Untergang 5:}1 n. Chr., ,,nach den Quellen und unter be-
sonderer Berücksichtigung der neusten einschlägigen Litteratur ,u 1893, eine
Darstellung versucht, deren Resultat wir in knappester Kürze geben (s. auch
Regel, Thüringen, II, 1895, S. 495 f.). König Bisino von Thüringen stirbt am
Anfange des 6 Jahrh n.Chr.; sein Reich geht auf seine 3 Söhne über, Baderich,
Herminafrid oder Irminfrid und Berthar. Irminfrids Gattin war Amalaberga, die
Nichte des grossen Ostgothenkönigs Theoderich; mit ihm wird Theoderich oder
hietrich verwechselt, der uneheliche Solm Chlodwigs ((iregor a.a.O. 11,28: haben»
de coneubina filium nomine Theodoricum), welcher — er war der älteste —
neben seinen Brüdern Clodomer, Childebcrt I und Clothar I den grössten Teil
des fränkischen Reiches trotz seiner unebenbürtigen Herkunft erhielt; er hatte
als Hauptstadt Metz (s. Richter a. a O. S 46 A. 1). Amalaberga, ein stolzes und
ränkesüchtiges Weib (trotz des bei ihrer Vermählung von Theoderich dem Grossen
an Irminfrid gerichteten Briefes, den Cassiodor verfasst und in seinen Var. IV, 1
mitgeteilt hat, und in welchem sie höchlichst belobt wird — s. RDThD, I, 1896, 8. 2, —
stachelt ihren Gatten Irminfrid gegen seinen ältesten Bruder Balderich auf; mit
Hilfe des Frankenkönigs Tlieoderich besiegt jener den Bruder und vereinigt
dessen Landesteil mit dem seinigen; das Versprechen an den Fraukenkönig
Theoderich, ihm die Hälfte des gewonnenen Landes zu geben, hält er nicht.
Der Franke muss, zwar erbittert wegen des ihm widerfahrenen Unrechts, seine
Rache verschieben, bis Tlieoderich, der grosse Ostgotheukönig. gestorben iBt (526),
weil dei>ell>e mit seiner Macht hinter dem Gemahl seiner Nichte stand (s. Procop,
Gothen krieg, I, 12'!. Dann aber verband sich Theoderich mit seinem Bruder
Cloihar. der über Neu-trien herrschte; durch ein Hilfscorps seines eigenen
Sohnes Theudebert verstärkt, ist er, wohl i. J. 5^0, gegen Irminfrid gezogen.
Diesen unterstützt sein Bruder Berthar. In der für die Thüringer unglücklichen
Schlacht bei Ohrum an der Oker (Könnecke nimmt ihrer nur 2 an: diese und
die bei Runibergun an der Unstrut) fällt wahrscheinlich Berthar. seine Tochter
Radegunde aber (s. über sie sonst Herrn Grössler in 2 Aufsätzen: 1. Radegundis
von Thüringen, Mansfelder Blätter II, 69 72, 1S88 u. R. v Thüringen i. d.
Dichtungen ihrer Zeit ebend. VII S. 103- 119, 1894) gerät in die Gefangenschaft
der Franken. Ober ihreu Besitz veruneinigen sich die zwei fränkischen Könige;
Clothar erhält sie zwar zuletzt (und nimmt sie später zur Gattin; sie trennt sich
aber bald von ihm, lebt nur frommen Werken und wird beilig gesprochen), ist
al>cr gegen seinen Bruder Theoderich so verstimmt, dass er heimzieht. Deshalb
und weil er sicherlich grosse Verluste erlitten hat, ist Theoderich unschlüssig, ob
Digitized by Google
28. Stück.
65
sone.3 Der hiss einer hylderich, der wart eyn kouing zu franckrich.
Der ander hiss gunderam, der wart eyn koning in welsschen landen.
Der dritte hiss hildebrecht, deme beschyd her swoben, beyern, osterich
er den Thüringern, die sich an die Unstrut zurückgezogen haben, folgen soll;
auf den Rat seiner Mannen ruft er die Sachsen zu Hilfe, zieht vorwärts und er-
kämpft mit seinen Bundesgenossen den blutigen Sieg bei Runiberguu an der
Unstrut, d. h. auf den Rounebergen, westlich von dem heutigen Schlosse Vitzeu-
burg. Die geschlagenen Thüringer ziehen sich auf ihre Burg Scheidungen
(Scithingi) zurück, welche aber die Sachsen erstürmen, die dann die Thüringer nieder-
machen. Die Sachsen erhalten dann Nordthü ringeu bis zur Unstrut. Zwar ist
König Irminfrid mit Weib und Kind »lern Blut bade entronnen, wird aber später
heimtückisch ermordet (vielleicht in Zülpich von der Mauer gestossen). So weit
Könuecke. Die Gestalt Amalabergas hat die fränkische Sage vielfach ausgeschmückt
<z. B. die Sage von dem boshaft halbgedeckteu Tim he); die Gestalt Irings aber,
der \on Anfang an als der Ratgeber Amidabergas erschein» (daher die von ihm
herrührende ehreurfihrige Antwort, au den Frankenköuig Theoderich), ebenso die
Unterhandlungen der Thüringer mit den Franken nach der zweiten unglück-
lichen Schlacht, die Jagdgeschichte mit dem Falken und die damit znsammen-
hüugendc Einnahme von Burgschcidungen durch die Sachsen, endlich der Tod
Irminfrids im fränkischen I>ager und der damit verbundene Theuderichs gehört
der sächsischen Sage an, welche auch die langen und ausschmückenden Reden bringt.
Zuletzt bat Herrn. Grössler, „Der Sturz des thüringischen Königreiches
i. J. 531" (ZThG N. F. Bd. XI. 1898, S 1-55) die Untersuchung wieder aufge-
nommen, in der ausgesprochenen Absicht, E. Lorenz. „Die thüringische Kata-
strophe i J 531" (ebenda, Bd. VIII, 181)1, S. 335— 405) zu widerlegen, ohne Könuecke
zu nennen. Während Lorenz „in der Annahme, dass alle Akte des blutigen
Dramas sich in der Nähe der Unstrut. und ferner, dass sie sich kurze Zeit
hintereinander, vielleicht in wenigen Stunden abspielten," alle Schwierigkeiten
gelöst zu haben glaubte, nimmt Grössler, welcher noch mehrere Quellen (be-
sonders Aimoinus Floriaceusia» heranzieht, die fränkischen und sächsischen
Quellen ineinander arbeitet, indem er vou jeder Seite das Glaubwürdige annimmt
und möglichst viel von der Überlieferung festzuhalten sucht und daher eine
glatte Erzählung (a. a O. S. 45— 49) als Ergebnis gewinnt, fünf zeitlich und örtlich
verschiedene Kämpfe an: 1. bei Rounebergen im späteren Gau Marsberu, un-
weit Hannover, zwischen Thüringern und Franken, an der Westgrenze des
thüringischen Landes; 2. bei Ohrum an der Oker, zwischen Thüringern und
Franken; 3. nach mehrmonatlichem Warten, und nachdem die Franken die
Sachsen zu Hilfe gerufen haben, selbst aber den Thüringern nachgezogeu sind,
auf dem östlichen Ufer der Unstrut auf den sogenannten „schmalen Wiesen" an
der Furt bei dem Dorfe Carsdorf mit Hinüberdrängen der Thüringer auf das
westliche Unstrutufer bei dem Dorfe Wenuungen, beide oberhalb Burgscheidungen,
zwischen Thüringern und Franken, die sich dann auf dem Trebsdoifer Unter-
felde unter der Neideck, Burgscheid ungen gegenüber, lngerten; 4 wieder am öst-
lichen Unstrutufer auf dem Anger, unmittelbar nordnordöstlich von Burg-
schcidungen, zwischen Thüringern und Sachsen, die. als ein Hilfscorps heran-
fjeilt, sich am westlichen Unstrutufer Burgscheidungen hart gegenüber in der
lur des heutigen Dorfes Trebsdorf im sogenannten ,.Gewehrriehf gelagert und
tags zuvor die Vorburg Scheidungen» dureh Feuer vernichtet hatten; endlich
5. nachdem die Sachsen von den Unterhandlungen zwischen Thüringern und
Franken und dem gegen sie beabsichtigten Verrate gehört haben, die Erstürmung
Hurgscheidungeus in der Nacht vom 30. September zum l. Oktober 531 durch
die Sachsen von demselben l'unkte aus, wo der Kampf am Tage zuvor statt-
gefunden hatte.
1 Es ist der geseh. Chlodowech (Clodwig) gemeint, Childerich* Sohn, Gründer
des fränkischen Reiches, 481- Ml. :l Die Teilung des Gebietes unter die Söhne
Chlodowecbs geschah so, dass jeder ein Hauptland erhielt und ein Stück des ehe-
maligen Gebiets des Syagrius. Stolle» Namen sind nicht historiseh. Nach
K. Stotlea Memorial«. 0
Digitized by Google
1
66 28. Stück.
unde franckenland ; der buwete hiltporg* unde hiltprechtehusen,5 genant
noch sinem naraen. Der Vierde son, den hiss ditterich, deme beschyd
her Lodringen unnd die land an deme ryne; unnd hatte ouch eine
tochter,6 dy gab her konige ermenfryde zu doringen. Der selbige
Roth« i&9 koning ditterich thed sine botschafft zu symo swoger konige erme-
»i* fryde | in doringen umrae einen frede zu bestetigen unnd mit truwen
gelobeden behulfflich zu syne. Und koning ermefryd antwarte liir zu
gar wol und sprach: her wolde das also an sine manschafft brenge,
der roth wolde her dar zunemen unnd wolde ome des wedder sine ant-
wart thun. Ditto vor nam dy konigynne unnd sante nach eyme ritter,
genant iring, der da oyn heymelicher rath was oris hern, unnd den
bath sy, das er wolde orem hern rat he, das her yo kein vorbuntnisse
machte mit orem brudere konige ditteriche, wann her were or muter
Roth« j«ö son nicht, sundern her were eyn banghart; dar umme so were her
nicht wert, das or lierre unnd sy vorbuntnisse mit ome betten. Ditte
geschach widder den rath allir graffen unnd hern zu doringen, wann
das wyp» unnd der ritter, genant yring, dy sprochen den koning dar
zu, das her deme boten synes swogers sso gethane antwarte gap:
konigk ditterich were nicht gud gnug dar zu, das b her vorbuntnisse mit
ome machte, wann her unelich geborn were unnd ein knecht, unnd
das land an deme ryne bilcher syner swester unnd syn koniges erme-
Ro»b« i6i frydis were, dann syn. Disse botschafft quam also vor konig ditte-
richen, unnd der wart unmutig dar umme unnd sprach: so müssen
wir gedencken, dass wir unser swester gedynen und ouch unserme
swoger also or knecht Unnd sammete7 ein gross her unde czoch in
doringen; das erfur koning ermefryd unnd besammete7 sich, unnd
quomen zu stryte by deme wissensee,8 unnd der koning ermefryd vor-
loss den stryd; unnd do worden gar unmeslich vele lute von beyden
» HS: wann der ritter unnd das wyp. gonant (ao aoch •). *> HS: dar.
Richter a. a. O. S. 45 heissen sie folgendermassen : Chlodomer, Childebert I.,
Chlothar I. und Theuderich I. Chlodomer (der Gunderam Stolles) erhielt das
Land zwischen Garonne und Seine, Hauptstadt: Orleans; Childebert I. (der Hilde-
brecht Stolles) das Land von der Loire bis zur Seine, Hauptstadt: Paria;
Chlothar I. (wohl der Hylderich Stollea) das Land von der Seine bis zum Nieder-
rhein, Hauptatadt: Soitwons; endlich Theuderich I. (der Ditterich Stolles) in 2 ge-
trennten Reichshiilften alles übrige Land nach Osten, im Norden wie im Süden,
Hauptstadt: Metz — nach Spruuer-Mcnke, Handatlas der Geschichte des Mittel-
alters, Karte 29. * Heldburg, Stadt im Herzogtum Sachsen-Meiningen. 6 Hild-
burgliauBen, Stadt im Herzogtum Sach»en-Meiningen. 8 Gemahlin König
Irminfrida von Thüringen (s. ob. Anm. 1) war Amalaberga, die Nichte des grossen
Oetgothenköniga Theoderich, der hier bei den mittelalterlichen Chronisten mit
dem Frankenköuige Theoderich verwechselt wird; daraus entstand das ganze
folgende Sagengewirr. 1 Samen und besamen, swv., für samenen, = sammeln.
"Rothe: Rönebergk ('s. o. A. 1). Da Rothe Roenebergk schrieb, hat Stolle zuerst
wohl versehentlich Wisscnbergk oder Wissenburgk gelesen; das wäre Weisseu-
burg bei Zschiplitz an der Unstrut, unweit Freiburg (1042 erbaut), und da ihm
dies unbekannt war, machte er daraus das bekannte Weissensce, das hier ganz
unverständlich ist; über dass. s. W. Rein, Die Palatien d. alten tliür. Landgrafen,
Archiv f. Sachs. Geschichte I S. 414-417.
Digitized by Google
2a Stuck.
67
teylen | erslagen, unnd koning ermefryd floch in schidingen. Da hisch *
koning ditterich syne forsten unnd grafen zu samene unnd bad sye
umme rath, was her nu thun soldo. Do rothon etliche, her solde dy
toten begraben lasse unnd dy gowunten1' heylen unnd solde dann uff
synen swoger czyhen. Do sprach eyn andir syner rethe: in allen 1101,10 168
guten nutczlichen dingen ist das schönste dy stetikeit. Wann eyn
man glucke unnd gut getelle10 had, so sal her nicht abe lassen, wann
es wandelt sich ubir nacht; nu ist das land zu doringen itezundis11
in unser gewalt, czyhen wir nu von danne, so stercken wir unsir
vinde unde machen dy leddig, dy wir gereyte1* über wunden haben,
wanne koning ermefryd unnd dy doringischen hern, dy itezunt by
ome sint, dy drucken sich itezunt also eyn muss in einer Valien unnd
thorn vor forchten nicht den hymmel ane sehen. Dar zu sprach abir
eyn ander rath gebe: disser rat were wol etwas gut, wir sint abir also
swach mit unserme here von todes wegen unnd gewonter luthe worden,
das es torlich gnug ist uns hir also lange zu harren, biss das wir an
den ryn nach volke gesenden unnd uns gestercken. Hir zu antwarte
der aide wisse rath unnd sprach: nu sint doch dy Sachsen uns nahe
gelegen, dy mit den doringen ny eins worden; nach den sende man
unnd gebe on sold, das sy uns hulflo thun. Disser selbige rath befyl 13 Roth«
deine konige wol unnd alle syme rathe. Dy botschafft geschach den
Sachsen von konige ditteriche. Dy sachssen | worden des fro unnd so
quomen mit achte bannern,1-1 unnd koning ditterich bad sy, das sy
ome eyn solchs hulffen uss richten unnd sinen swoger helffen vor-
terben; gewonnen sy Schillingen, do der koning ermefryd inne lag.
das solde or ewiglichen bliben, unnd dar zu wolde her on fordir geben
unnd lyhen, was gensyd der unstrod were. Do logerten sich dy sachssen R°tb« ic4
vor schidingen unnd stormeten das hertlich, unnd wanne eyn banir
abe trad unnd mude was, so quam eyn andir gerugetes, unnd do ditte
dy duringe gesahen unnd erkanten, das sy eyn solches nicht mochten
dy lenge erherten, do worffen sy der* stad thor uff unnd hatten ore
spitezen15 unnd banyr wol geschicket unnd quomen mit orem geschuteze
stormelichen uss der stad ubir dy Sachsen unnd streton mit on unud
er singen der Sachsen uss ermossen vele tod, unnd koning ermefryd
mit synen doringen floch wedder in dy selben stad unnd erkante, das
• HS : <u»
9 Gewunt ist Partiq>. praet. des swv. wunden ■= „verwunden," hier für das
Adjectivum wund •= „verwundet'* gebraucht; unten ZI. 15 ders. Seite heisst
es gewont. 10 Vom guten Fallen der Würfel , daher „Glück, Gelingen,4'
». tedor Bech im Programme des Gymnasium» zu Zeitz, lHtfl, S. 7. 11 Md
Nebenform zum mhd iezuo ist ic/.uut oder itzunt, auch itzunden, eigentümlich
ist daß hier stehende itezundis. 11 D.i. „mit Fertigkeit", „leicht und schnell",
„grade", „bereits", e. Rüekert, Leben d. heilig Ludwig, S. 127 [i. Texte 42,
1S Dialektisch für „gefallen," so auch in der niederrheinischen Psalmenübersctzung
aus dem H.Jahrhundert, herausggb. von Janotta (18«r)S) 42. 14 Banner, unten
banir, heisst sonst die Fahne als führendes Zeiehen einer Schar, hier die Schar
selbst. 16 Spitze = „keilförmige Schlachtordnung".
5*
Digitized by Google
G8
28. Stück.
ditte dy lenge nicht gewere mochte. Des sante her in der nacht synen
rath ritter yringen zu syme swoger konige ditteriche in sin heir umme
gnade unnd frede unnd sprach, ab her sines hern koning ermefrydis
nicht schone wolde, so solde her doch bilche siner swester unnd or
armen kindere gnade thun unnd sich der erbarmen lasse. Do wart
Roth« i«6 koning ditterich von sinen rethen also vele underwist,16 das er synen
swoger unnd sine swester zu gnaden nam unnd das her das land zu
doringen nicht gebe solde in der Sachsen hende, der her binden noch
▼ nymnier mehir mochte ledig werde. | Disse botschaftt thet ritter yring
syme hern in dy stad zu schidingen, das der frede von konige ditte-
riche also gesehen were, unnd her bleib dy nacht* by konige ditte-
Rotb« 167 riche in deme here. Es geschach ouch in der selbigen nacht, das dy
Sachsen in eyme frede dy stad schidingen erstegen, unnd do wart gross
mort, also das koning ermefrid mit siner frawen unnd kindern zu
eyner pforten an der stad muren uss quam mit wenig volkes. Also
ditte koning ditterich vor nam, do forchte her aber infal von sinem
swoger konige ermefryde, dy wile er entlouffen was, unnd leyte17 mit
ritter yringe an,1 das her on ome brechte unnd on ouch ersluge, so
wolde her on zu eynem grossen hern mache. Disser ritter yring der
reyth noch sinem herrn konige ermefride unnd brachte den vor
koning ditterichen, unnd koning ermefryd vyel konige ditteriche zu
fnssse unnd entschuldigete sieh unnd sprach, was her widder on ge-
thon hette, das were gescheen von rathe syner swester unnd ritter
yringes. Do sprach der ritter yring, es were gelogen, unde czoch sin
swert uss unnd er stach sinen eigen hern. Do sprach koning ditterich
widder den ritter yringen: dy wile das du dinen eygen hern ermord18
hast, so bistu mir unnd allen luthen bilche ungeneme, dar umme so
erheb dich zu hant von mynen ougen.rj Dar noch so liss koning ditte-
rich sine swester unnd ore kindere alle totin umme das' sy des eyn
ur sache was gewest Unnd da ditte dy andern doringe,20 dy in deme
here nicht waren unnd solche ding vornomen. da quomen sy unnd
Rotöles huldeten konige ditteriche j Dy Sachsen besatezten schidingen unnd
21 vormanten konigen ditterichen synes gelobedes, unnd der gap on
schidingen unnd alles, das genesid der unstrot Jag, mit allen rechten.
Disse geschieht ist gescheen nach cristus geburt funfthundirt unnd XX
• US: nach (*. jedoch St. 889 A. SO).
18 Underwisen bedeutet sonst „mit Wechselreden zurechtweisen/4 hier „durch
Bitten bestimmen." 17 Das Verbum „anliegen'* ist in diesem Sinne „dringend
bitten" (Rothe: leyte — uss), sonst nicht nachweisbar, nur das mascul. Substantiv
an liger findet sieh im „Renner4* von Hup) v. Triinberg V. 16781 . IS Die schließende
Media ist md, im mhd ermort, ebenfalls aus ermordet kontrahiert. In den
sächsischen Quellen {». Widukind 1, 14, der aber selbst daran zweifelt) tötet Iring,
darüber erzürnt, auch den Fraukeukünig und legt den Leichnam seines Herrn
auf den des Feindes, „damit der wenigstens im Tode siegt, welcher im Leben
unterlegen war"; dann flieht er. sich mit seinem Schwert einen Weg bahnend.
,v D h. die südlich von der Unstrut wohueudeu.
Digitized by Google
28a. Stück.
69
jar.21 Da buweten dy Sachsen an das gewende der lande dy sachssen
borg22 noch on geheysen, unnd dy nam in eyn alder ritter under den
Sachsen, genant er23 hagk,24 unnd von sinem gesiechte sint komen dy ^^\h*
erbar manschaift vor derae harcze, dy nach dy haken heysen. Also
bleib der erbar manschafflt uss Sachsen gar vele hyr im lande zu
doringen.
28a, Stolbergk. **.]M
Als man czalte nach cristus geburt funffhundert unnd XXX jar, 580
do erhub sich zu erst dy herschafft stolberg, unnd dy ouch stolberg
zu aller erst buweten.1
11 Da die Jahreszahl 531 feststeht, liegt ein chronologischer Irrtum vor
" In dem langgestreckten Höhenzuge der Hainleite hat sich die 4Tnstn,t.
jene und die Schmücke trennend, da, wo die Winper in die Unstrut
mündet, einen Durchbruch gebahnt. Da ihr rechtes Ufer früher ungangbar
war, führte am linken Ufer seit den ältesten Zeiten durch diese Porta
Thuringia eine schmale Heerstrasse, auf welcher sich der gesamte Verkehr
von Nord nach Süd bewegte. Der Pass hatte demnach eine grosse Be-
deutung, und zu seiner Sicherung wurde schon in der Urzeit hier eine um-
fangreiche Wallburg angelegt, innerhalh deren im Mittelalter zwei Steinburgen
erbaut wurden, die ohere und untere Sachsenburg. An den alten Zweek erinnert
der Name des Berges als Wächterberg und der der Dorfbewohner als Pass-
männer, weil ihnen die Bewachung des Passes oblag. Die alten Chronisten, wie
auch Stolle, bringen die Erbauung der Burgen mit dem Zusammenbruch des
Thüriugerreiches i.J 581 zusammen und lassen sie als Grenzburgen gegen die
Franken erbaut werden, so die untere Burg von einem sächsischen Ritter Hagk,
die auch deshalb Hakenburg genannt sei. Das ist irrig, weil es in jenen Zeiten
Burgen aus Mauerwerk in diesen Gegenden noch nicht gab; wohl aber ist es
möglich, dass die Sachsen, als sie bei der Teilung des thüringischen Reiches das
Land nördlich der Unstrut erhielten, sich an diesem von jeher wichtigen Grenz-
platze festsetzten, den sie befestigten, und der von ihnen den Namen erhielt.
Gesi hichtlich beglaubigt erscheint als erster Besitzer der Burg das anhaltische
Grafeugeschlecht: Graf Siegfried von Anhalt erbaute die obeie Sachsenburg als
Ritterburg im 13. Jahrhundert. S. Paul Zschiesche, Vorgeschichte Altertümer
der Provinz Sachsen, I. Abt. Heft XI, 1892, S. 22— 30. "herre „Herr" erscheint
gekürzt, besonders in der Anrede, als her und er, letzteres besonders in biolies
Zeit, bis ins 17. Jahrhundert hinein, so viel als „hochedler Herr," „hoch- und
wohlgeboren.*' ' ** Die Hagen, Freiherren und Grafen, sind ein altes, zunächst
dem Eichsfelde und der Grafschaft Hohenstein am Harze angehörendes Ge-
schlecht, s. Kneschke, Deutsches Adelslexikon, IV, 1863, S. 140f.
28a. 1 S. oben St. 24. A. 2. - In der von G. A. von Mülverstedt 1883 heraus-
gegebenen „Geschichte des Hauses Stolberg v. .1. 1210 bis zum Jahre 1510,"
welche Botho Graf zu Stoll)erg- Wernigerode verfasste, wird dieser sagenhafte Ur-
sprung Stolbergs mit Recht gar nicht erwähnt, zumal der erlauchte Verfasser in
der „Zeitschrift des Harzycreins für Geschichte und Altertumskunde," Jahr-
gang V 1872, S. 490 (in Übereinstimmung mit L. v. Ledebur, welcher ebenda
S.236 geradezu die älteren Genealogien des Stoiberger Grafengesehlechts teils
als handgreiflich fabelhaft, teils als unerwiesen bezeiehnet) dargethan hatte, dass
der Name der ( trafen von Stolberg urkundlich nicht vor dem Aufange des 13. Jahr-
hunderts vorkommt; deshalb seien dieselben entweder eine Linienabzweigung
von einem anderen Grafengeschlecht, den Grafen v. Klettenberg, wie Ledebur wollte.
Digitized by Google
70
29. Stück.
uott* i8i 29. Wy koningk tagebrecht unnd sine kindere
regerten doringer laut1
Als man czalte nach cristus geburt funfthundirt unnd czwey unnd
*w2 funffczig jar, do starb konig ditterich, eyn koning an derae ryne, zu
doringcn, hessen, trancken, unde starb ane libes erben, unnd sin bruder
hiltpreeht, der eyn herre was zu swoben, beyern, osterich unnd francken,
der nam synes bruders rieh in. Noch deme regirte clotarius, sin son,
Rothe 185 unnd der was eyn herro über alle dutezsche land ane zu Sachsen.
Item synes brudor son, koning sygebrecht zu francrich, der starp ouch
ane ly bes erben ; also vyl das koningrich zu franckrich ouch uff clo-
tariuni,* unnd do der ouch gestarp, do lyss er einen son, der hiss
v koning tagabertus. | üff den gevylen franckrich unnd alle dutezhe
land3 ane Sachsen alleyne. Disser koning tagebrecht, der was eyn
cristen man,1 unnd der buwete zu erst sente peters monster zu
erfibrt uss deme slossse unnd konyglichen sale, den zu erst koning
merwyg gebuwet5 hatte, unnd machte do eyn closter unnd buwete
dar under eyn stetchen unnd nante das nach svme namen tagrebrecht-
stete, das wir itezunt heysen taberstete.* Unnde disser koning tage-
brecht zu brach dy borg genant merwigisborg, dy wir itezunt heysen
mewersborg, unnd buwete an dy selbigen stad eine kerchen in sante
dyonisius7 ere. Dor noch czoch disser koning tagebrecht ubir dy
Sachsen unnd betrang sy, unnd da warn ome alle dutezche land
Rothe t«6 underteynigk. Do disser koning tagebrecht gestarp, der liss einen son,
oder besser: wegen des Neben- und Ineinanderliegens der Besitzungen bildeten
die 3 Geschlechter der Grafen von Klettenberg, Hohenstein und Stolberg ur-
sprünglich einen Mannesstamm, teilten sich aber später in die 3 selbständigen
Linien. Für gewöhnlich nimmt man an, das* um 1210 ein Graf von Hohenstein
die Burg Stolberg, in Anlehnung an welche später das Städtchen entstand, ge-
baut und sich nach ihr geunnnt habe.
29. 1 Auf das blutige und vielfach sagenhaft entstellte Wirrsal der Geschichte
des Merovingerhauses und der Anfange der Karolinger, das zudem der Chronist
seinerseits nach seinen Quellen chronologisch wie hinsichtlich der Namen teils
ungenau, teils falsch dargestellt hat. hier näher einzugehen, scheint mit Rück-
sicht auf unsern Zweck nicht ratsam, vielleicht mit Ausnahme des für die Sage
und die geschichtlichen lTrau fange Thüringens bedeutsamen Dagobert; wir ver-
weisen atif die hckxnntcn Quellen uud Hilfsmittel, unter letzteren auf Richter,
Annalen des fränkischen Reiches im Zeitalter der Merovinger, und auf Reitberg,
Kirchengeschichte Deutschlands, 2 Bde., 1840-1848. "Verwechslung des
Gesamtreiches unter Chlotar I., 558-561, und Chlotar II., 013 022. 3 Gesamt-
reich unter Dagobert I.. 628—633. 4 Dagobert III. (Geaamtreich 71 1—715), den
hier der Chronist mit Dagobert I. verwechselt, wurde wegen der Stiftung vieler
Kirchen und Klöster in der damaligen Kirchengeschicht«' höchlichst gepriesen.
Du die Franken bekanntlich längst Christen waren, so bedeutete die Bezeichnung
.Christen man* hier dasselbe wie später bei Karls des Grossen Sohn Ludwig der
Beiname .der Fromme.* 5 Hierüber s. die falsche Dagobertnrkundo, bei
KDThD No. 5. S.4f. S. auch BK S. 1 ff. 0 Ehemaliges Dorf, nahe bei Erfurt,
wüst seit 1813; zuerst erwähnt in der oben genanuten Dagoberturkunde s. Do-
benecker a. a. O. S. 5 und ebenda No. 1404 S. 293.
Digitized by Google
29. Stück. 71
den hiss clodovius der ander, unnd der regnerete8 noch ome, unnd
der gap einem syme möge das land zu doringen unnd zu liessen unnd
machte uss ome einen herczogen, unnd dusso herczogen von doringen
leden hirnoch malis!' gar grosse uod kriges halben das land zu ver-
teydingen. Der koning clodovius der hatte einen son, den hiss hilde- Roth« i»a
rieh. Der was onendelich 10 unnd tochte zu nichte, *den satezte der Rothe is;»
bobist gregorius der ander abe unnd satezte graften pyppin, der gar
evn redelicher wyser man was, an syne stad zu eyme konige zu franck-
rich. Disser was sente gerdruden vater,11 unnd disser pyppinus gebar Ron* ijo
einen son, den hiss karl der starcke, der gebar fort einen son, den
hiss | ouch pyppinus der ander. Der wart eyn keyser; unnd disser«
pyppinus der keyser der gebar eynen son, der hiss karl der grosse, der Roth« 107
wart ouch keyser, unnd der buwete dy stad ache12 unnd das monstor. Rothe 203
Her buwete ouch zu erst homborg,13 das monche closter by salcza, Rothe tob
unde kouffungen1' unnd esschen wege 15 unnd das stifft hersfelde,16 das
sin vater pyppinus an gehaben hatte.
7 Da der beilige Dionysius der Hauptschutzheilige der Franken war
(b. die Abtei St. Deuys bei Paris), ao scheint die fränkische Besiedelung aller-
dings dadurch bewiesen zu sein. " Das aus dem Lateinischen (reguare) ent-
lehnte Wort ist mehrfach entstellt, am häufigsten heisst es regnieren, hier regneren,
swv. 9 Nach der Analogie von „eine sinales" (mhd) wird „hirnoch malis" = „her-
nachmals," d. i. „später," gebildet. 10 Md für da» mhd uneudelich = „endlos, un-
vollendet, untüchtig": das Gegenteil ist das mhd gevieret (s. Walthcr von der
Vogelweide 88, 86. ed. Wilmanns: einloetic unde wol gevieret). " Es ist die
heilige Gertrud, die angebliche Schwester Karls des Grossen, gemeint, nach
anderen die Tochter des fränkischen Majordomus Pipins von Landen (636— 659),
s. Samson, Die Heiligen als Kirchenpatrone, 1892, S. 200— 202. Ihr Tag ist der
17. März. "Aachen, lat. Aquisgranium. 1:1 Auf einem Hügel nördlich von
Langensalza (früher Salza) lag das, angeblich von Karl dem Grossen (zwischen
772 und «03) gegründete Benediktinerkloster Homborg (Homborgk, Hohenburg,
Hoenburg), zu welchem einst als Dorf die spätere Stadt Langensalza gehört
haben soll (s. Chronik von Langensalza in Thüringen von C. F. Gösehel, 1858,
I. Band S. 78 ff., welcher Kranich fehl als Geschichtsschreiber des Klosters Hom-
hurg nennt; vgl. Kranichfeld, Histor. Nachrichten von der ersten Stiftung, Ver-
besserung und gänzlichen Aufhebung des ehemaligen Klosters Homburg bei
Langensalza, 177:». Homburg wirtl zuerst urkundlich 1064 —1065 erwähnt,
9. RDThD No. 853 S. 178 f., ts. Försteniann, Urkunden d. Benedikt inerkl Homburg
aus d. J. 11S6 — 1226, in N. Mitt. aus dem Gebiete hist. ant. Forsch VII, 4, 27—63
u. VII, 2, 71 — 125. u Kloster Kauffungen (beim Flecken Oberkaufungen unweit
Cassel) wurde von der Kaiserin Kunigunde, Gemahlin Heinrichs II., als Nonnen-
kloster gegründet ; es wird urkundlich zuerst erwähnt i. J 1017, s. RDThD No. 653
(auch No. 654.658.659 u. ö.). 1& Gemeint ist da* Nonnenkloster Eschwege (Stadt
an der Werra, in der.preuss. Provinz Hessen-Nassau), erbaut von Sophie, der
Schwester Adelheids, „Äbtissin von Quedlinburg und Erwählte von Gandersheim,"
aus dem Geld fite der grossen Sachsenkaiser; es wird urkundlich zuerst erwähnt
i. J. 1039, s. RDThD No. 731. 16 Die i. J. 736 gestiftete reiehsunmittelbare Bene-
diktinerabtei, deren erster Abt der heilige Lullus war, im althessLschen Gebiete,
jetzt in der preuss. Provinz Hessen-Nassau; über das urkundliche Vorkommen
s. Dobenecker an vielen Stellen i. s. RDThD; s. auch K. Gautsch, Das Lebensver-
hältnis zwischen d. Stift Hersfcld u. d. Markgrafen von .Meissen, Archiv f. Sachs.
Gesch. V, 233-263.
Digitized by Google
72
). und 31. Stück.
Rotbewi 30. Wy (las keyserricli zu erst an (lutsche lant quam.
600 Als man schreib nach cristus geburt sechss hundirt jar,1 do czoch
disser keyser karl ubir dy sachssen unnd gewan herezberg2 unde be-
twang sy, das sy orae hulde nnisteu unde ouch cristen werde. Unnd
dar nach so brachte keyser karl das keyserricli an dy dutczchen, wann
es ny da vor mehir an den dutczschen gewest was.
31. Von keyser karl.
Rott« «* Dusser keyser karl hatte einen son, den hiss lodewig; 1 deine war
noch sines vaters tode zu teyle dy land czwissen denie ryno unde der
elbe; unnd der buwete jecheborg2 in doringen unnd hilt do sine wo-
nunge unnd buwete uff das sloss eine kerchen in unser lieben frowen
ere, dy noch dor uffe stehit.
30. 1 Die Unwissenheit des Chronisten ist gross: erkennt nicht einmal da«* Jahr
der Kaiserkrönung Karls dos Grossen, 800, für das er 600 setzt (VHP verlesen
in VP). "Auch an die Harzbuig, deren Trümmer am Nordfusse des Harzes
über der brnunschweigischen Stadt Harzburg auf dem Burgberge liegen, knüpfen
sich viele Sagen, wie die von der Erbauung der Harzburg durch Julius Caesar,
vom Götzen Krodo und der Zerstörung von dessen Tempel durch Karl den
Grossen, welcher auch unser Chronist folgt, während geschichtlich die Harzburg
erst von Kaiser Heinrich IV., zwischen 1065 und 1069 erbaut wurde und während
der Kämpfe zwischen Heinrich IV. und deu Sachsen eine wichtige Rolle (1073
bis 1076) spielt; s. K.Jacobs, Die Harzburg und ihre Geschichte, 1880.
31. 1 Offenbar verwechselt der Chronist Ludwig den Frommen (t 840) einmal
mit seinem Sohne Ludwig dem Deutschen (t 876), zum andern mit »einein Enkel
Ludwig III. (t884). der «ich viel und gern in den Harz- und Unstrutgegeuden
aufgehalten haben soll. 1 „Bei Soudershauseu wird der Bergzug der Hainleite
von einem breiten, von dem Bebrabache durchflosseuen Thale teilweise unter-
brochen. Hier springt aus der Bergkette weit nach Osten'' — ins Wipperthal
„der majestätische Frauen berg hervor, Bich wohl 400 Fuss über dem Thalkessel
erhebend. Seine zum grössten Teile kahle Plattform ... trägt die alte Jecha-
burg" <s. P. Zschiesche, Vorgeschichtliche Altertümer der Provinz Sachsen und
angrenzender Gebiete, I. Abt. Heft XI, 1892, S. « ff., und Derselbe, Heidnische
Kultusstätten in Thüringen, JAK, Heft XXII, S. 76 f.). Hier lag zurrst eine
vorgeschichtliche Wallburg; innerhalb derselben findet mnn noch die Reste der
Grundmauern einer Kapelle. Die Volkss^ge versetzt auf den Borg den heiligen
Hain der Göttin Jecha, welchen Bonifatius auf der Missions reise i. J. 722 ver-
nichtet haben soll. Wenn wir nun auch mit Mnnnhardt ( Die Götter der deutschen
und nordischen Völker, 1860, S. 85) die Gönin Jecha als eine müssige Erfindung
aus dem Ortsnamen dos am Fusse des Frauenberges liegenden Dorfes Jechaburg
und des später zu erwähnenden Stiftes auf dem IJergo annehmen müssen, so
legte doch Professor Irmisch (s Regierung*- und Nachrichtsblatt des Fürstentums
Sehwarzburg-Sondershausen, 1«7H, No. 185 — 152) bei einer i. .1. 1878 vorgenommenen
Pntemu'hung des Frauenberges eine heidnische Opferstätte bloss. Die von den
Chronisten erfabelte Burg, welche Ludwig III (s. ob. A. 1) hier i. J. 87i gebaut
haben soll, die Jechaburg, ist die oben erwähnte vorgeschichtliche Wallburg;
ebenso war auf dem Berge wohl eine heidnische Kultusstälte, wahrscheinlich der
Frouwa (daher der Name ,. Frauen berg"), an deren Stelle die Jungfrau Maria zu
treten pflegt <a. Si in rock, Deutsche Mvthologie, $ 115 S. 375), und dies beweist
auch die für das Jahr 1 189 urkundlich festgestellte Marienkapelle, b. RDThD,
Digitized by Google
32. Stück.
73
Dor noch buwete keyser karl der dritte eyne stad in franeken ge- Kobern
nant karlstad8 noch syneni namen; unnd disser keyser satczte alle
konige abe4 in dutczen landen unnd machte uss on herzcoge, das er
alleine eyn koning were; unnd do was eyn herczoge in doringen, den
hiss lodewig, unnd do der gestarp, do wait sin son lodewig noch ome
eyn herczoge, unnd noch des tode wart sin son burckart5 herczoge in
doringen unnd in hessen, unnd do | nomen dy herczogen ende, als hir T
noch geschreben stehit.
32. Wy eyn herczoge zu doringen mit den ungern
gestreten had.
Als man czalte nach cristus geburt nünhundert unnd nünczen
jar,1 do czogen dy ungern, dy noch heydon warn, in doringen land ^"'fuhri'
' b. Stoll«)
No. 1374 Später lag auf dem Berge ein vom Erzbischof Willigis von Mainz
Ii. J. 989) gegründetes Benediktinerkloster (s. Dol>enecker a. a. O. No. 606a), das
derselbe aber i. J. 1004 in ein weltliches Cborkerrnstift umwandelte, (s. Dobe-
necker a. a. O. No. 606b) ; es bestand bis in die Zeiten der Reformation hinein
(s. die Jechaburger Urkunden bei Würdtwein, Diplomatoria Moguu. tom. I, 1788,
und O. Dobenecker an vielen Stelleu seiner RDThD. a Kallstadt int Bczirks-
stadt im bayrischen Regierungsbezirke Unterfranken, rechts am Main, gegen-
über liegen die Ruinen der i. J. 1525 von den Hauern zerstörten Karlsburg.
*Karl (11 I), der Dicke, welcher i. J. 885 die karolingischc Monarchie durch Erb-
schaft und Wahl für kurze Zeit wieder vereinigte, gilt als W'iederhersteller des
Reiches. Dieses legten sich die Chronisten so zurecht, dass er die König« in
Deutschland [d. i in der kurolingischcn Weltnionarchiel absetzte und zu Herzögen
machte. Jene Wiederherstellung ist die, allerdings übertriebene, Bedeutung des
feigen und unbedeutenden Kamera, dessen Bild freilich der Hass der Parteien,
besonders der von ihn» hart behandelten Geistlichkeit, wahrscheinlich nicht wenig
entstellt hat; er wird öfters mit Karl dem Grossen verwechselt, und die Sagen
von diesem grossen Kaiser (s. u. a. E. Venediger, Die deutsche Kaisersage, JAE.
N.F.Heft XX S. 858 ff) werden zum Teil auf ihn übertragen, ehe sie später auf
Kiiiser Friedrich II. (an seine Stelle trat dann Kaiser Friedrich I. Barbnrossa) u.
auf Karl V. übergiengen. '' Gemeint ist Burchard, Tliüringerherzog 897—908,
welcher im Kampfe gegen die heranstürmenden Ungarn (bei Eisenach oder Saal-
feld) fiel. In der thüringisch - sorbischen Markgiafsehaft war er Nachfolger
Roppo« (892 abgesetzt) und Konrads, des späteren deutschen Königs (der wahr-
scheinlich i. J 897 entsagte), und unter ihm schien sich Thüringen als ein
selbständiges Herzogtum des Reiches ausbilden zu wollen. Nach Burchard* Tode
wurde „die Aufgabe des erledigten Amtes mit seiner Bedeutung" von dem
mächtigen Herzogshausc der sächsischen Ludolfinger, von dem bejährten Herzog
Otto (s. Knochenl.auer, Geschichte Thüringens I, S. 38. 41-41 43—50) über-
nommen, und damit hörte das selbständige thüringische Herzogtum auf, eine
Thatsache, von welcher sich eine Erinnerung bei Stolle erhalten hat, wenn er
auch ebenso unrichtig Grossvater und Vater Burchards mit dem aus späteren
Zeiten entlehnten Namen Ludwig bezeichnet ^Burchard stammte aus einem an
der Grenze Thüringens nach Franken hin angesessenen und mit ihm zuerst in
der Geschichte auftretenden Giafengeschlecht), wie er auch falsch das Herzogtum
Burcbards sich auf Hessen erstrecken Iässt.
32. 1 Falsch für 909, denn der Un^arnzug wiid 909 oder 908 angesetzt ; Knochen-
hauer, Geschielite Thüringens 1, S. 48 A. 1 nennt die (Quellen, welche 908, und
die, welche 909 angeben; er selbst entscheidet sich für HOS und stellt auch den
Todestag Burchnrds auf den 3. August fest.
Digitized by Google
74 38. Stück.
unnd vorherton das land, unnd do thet herczoge borphart zu doringen
botschafft zu deme herezogen zu Sachsen unnd zu dorne herczogen zu
osterrich, zu beyern, zu swoben unnd zu francken, unnd dy quomen
mit ganczer macht zu hulffe,2 unnd also dy ungern in hessen unnd
buchen 3 czehen wolden vor fulda, do czoch herczoge borghart mit den
doringen unnd dy obgenanten herczogen mit achte banirn vor sy na
by der stad, do itczunt isenache* 1yd, unde streten mit den ungern,
unnd do wart der ungern ane czal un meslich vele er slagen unnd
der cristen storben ouch vele tusent, unde disser herczoge borghart
von doringen unde der herczoge von osterich unnd dar zu vele graten
unnd hern unnd erber manschafft worden erslagen. Noch so verlorn
dy ungern den strvd unnd quomen nicht das virdeteyl wedder en
heym. Unnd also starp herczoge borghart ane erben unnd dy land
gevilen an das rieh, also keyser Conrad der erste5 des namen richtete.«
Unnd djsser czog unnd stryt geschach dar noch also sente bonifacius
doringen, hessen, buchen zu deme cristenglowben bekort hatte unnd
sy des czenden keyn den ungern ledig gesagit hatte.6
noth«m 33. Hy bekorte sich das land zu behemen.
23 Als man czalte nach cristus gebort nunhundert | unnd ezwenezig
920 jar,1 do wart keyser heinrich der erste zu keyser gekorn, unnd der
was der erste von den dutezchen, der zu keyser ye was gekorn.2
Item in deme andern jare er noch do bekarten sich die behemen zu
* IIS: richte, o richtte.
* Die Quellen (s Knochenhauer a. d. nngef. Stelle) teilen von dieser Hilfe-
leistung nicht« mit; der Irrtum des Chronisten ist wohl daraus entstanden, weil
die Ungarn von Österreich herkamen und nach der (Eisenaeher) Schlacht auch
Sachsen*. Franken, Schwalben und Hävern verwüstet haben sollen. a Gemeint ist
Huchonia, der westliche Teil des zwischen Thüringer Wald, Vogelsgebirge, Spessart
und oberem Main liegenden alten Gaues Grabfeld, mit den Hauptorten Fulda
und Hersfeld; vergl. Genssler, Geschichte des Grabfeldes, 1801- 1803, 2 Bde.
'Knochenhauer a. a. O S. 48, welcher A. 2 sagt: „Eisenach hat sehr wenig für
sieh, die Sage scheint auf der Erfindung des Eisenaeher Chronisten Rothe (S. 17f>
A. 5) zu beruhen," nimmt mit I>eibintz (A. i. o. II pag. 1(56) eher Saalfeld als
Schlachtort an. Ä Nicht König Konrad L, sondern Ludwig das Kind (899— 911 >
regierte damals. 6 Wie in Thüringen alle« in der Sage und Geschichte auf
den heiligen Bonifatius bezogen wird (Bekehrung, Kirchen bauten, ja Kämpfe
jrepen die Haiden u. dergl.), so auch hier die Befreiung von dem Zehnten an die
Fngnrn, s die u. *t. 71 A. 6 erwähnte Legenda Bonifacii b M*G I, pag. 834 ff.
Es ist natürlich die Befreiung von dem zeitweiligen (928—933) an die Ungarn
gezahlten Tribute durch König Heinrich I. gemeint.
IW. 1 Falsch für 911; wie der Fehler entstanden ist, ist nicht abzusehen,
vielleicht wegen der falschen Zahl 919 im vorhergehenden Abschnitte. x Auch
dass erst Otto I. am 2. Februar 962 die römische Kaiserkrone erlangte, ist dem
Chronisten unbekannt; noch verkehrter erzählt Rothe.
Digitized by Google
34. Stück.
75
deme heiligem cristlichem glouben, unnd herczoge spingcs3 von be-
heraen der liss sich mit czweyen sonen tauffen wenczeslaus unnd
bosslaus,* unnd disser wenczeslaus der beheilgete.5
84. Wy dy ungern das ander mal quomen in das
land zu doringen.
Als man czalte nach cristus geburt nünhundert unnd XXXIII jar,
do quomen dy ungern abir mit grossem volke in doringen undo thaten ^{•JJf-
un raosslichen grosssen schaden; unnd der koning von ungern forderte
jerlichen czinsse von deme lande zu doringen unde logerte sich vor
des riches sloss, genant jecheborg,1 unnd do besammete sich keyser
heinrich, wann das land zu doringen des riches was, unnd streyt mit
den ungern unnd slug or uff das mol hundirt tusent ungern tod, unnd
folgete den, dy do flohen, noch biss keyn berneborg2 unnd er slug or
dannoch noch gar vele tod unnd sante do deme konige von ungern
eynen schebechten hunt zu czinse, unnd deme hunde worn dy orn unnd
' Die Bekehrung der Böhmen zum Christentum gieng nur ganz allmählich
vor xich; wohl aber vollzog sich die Gründung' des Einheitsstaates rasch und
nachweisbar durch Herzog Spytihnew I. („Spinges" beim Chronisten), welcher
zuerst nur über die um Prag wohnenden Slaven. die den Stammesnamen Tschechen
führten, geherrscht hatte, welchom aber unter der schwachen Herrschaft Ludwigs
des Kindes die einzelnen Stammesfürsten der Böhmen die oberste Gewalt über-
trugen; er herrsehte bis 912; dann folgte sein Bruder Wratisfaw I. (912—920);
dessen — nicht Spytihnews Söhne, wie der Chronist irrtümlich sagt, waren
Weuzel und Bolestaw I ; 8. Schlesinger, Geschichte Böhmens, 1869, S. 28 ff. * Die
Gräucl im böhmischen Herzogshause, d. i. die Ermordung Herzog Wenzels des
Heiligen (reg. 928— 935), nach densen Ideen sich Böhmen in eine christliche
Monarchie mit wohl eingerichtetem Kirchenwesen, im innigsten Anschlüsse im das
mächtige Deutschland, dem man ia das Christentum verdankte, umgestalten sollte,
i. J. 935 durch seinen Bruder Bolesfaw I., der dann gut und glücklich bis 9<i2
regierte, scheinen dem Chronisten unbekannt geblieben zu sein. " Beheiligen
ist, wie das Simplex heiligen, sonst ein transitives Verbum, hier aber intransitiv
gebraucht in der Bedeutung „heilig werden, heilig gesprochen werden." Herzog
Wenzel, eine tief religiöse Natur, dem Christentum aus innerster Überzeugung
ergeben, aufgezeichnet durch Reinheit und Milde der Sitteu, wurde bald nach
seinem frühzeitigen und gewaltsamen Tode, da sich an seinem Grabe eine Menge
Wunder et eignet haben sollten, von dem Volke der „Heilige" genannt und zum
Schutzpatron des Landes erhoben.
34. S. ob St. 31 A. 2. Es sind die bekannten und doch im einzelnen so viel-
fach abweichend erzählten Ereignisse d. J. 933 vor und nach der Schlacht bei
Riede an der lTnstrut (über diese s. ausser Waitz, Giesebrecht und Ranke A.
Kirchhof!; Deutsrhe Forschungen 1867, Bd. VII S. 573 ff. u. Fabarius, N. Mitt. d.
thüring.-sächs. Vereins, Bd. XIX S. 241 ff , endlich A. Kirchhoff ebenda Bd. XX
S. 31 — 38) qeineint (s. u. a. Widukind, Res gest. Saxonic. I, 38); die Burg (urbs), in
welcher Wido der Thüring seine Schätze gehabt habe, und welche von den
Ungarn belagert und l>oinahe erobert sei, soll eben Jechaburg gewesen sein;
Waitz, Jahrbücher S. 158 — 159 ist dagegen, und Kabarius a. a. O. S. 283 nimmt
Wettin dafür an. * Die Form Bernoborg lässt die Ableitung: Beiinger*burg
wahrscheinlich erscheinen; die Befestigung der Altstadt ei folgte erst 992 durch
Otto III.
Digitized by Google
76 34. Stück.
der czayl abe gesneten unnd enpod ome do by: woldo her andern
czinss habe, das her wedder querae unnd holte on selber.3
Item disser selbige keyser heinrich der bujwetej in disser czit
disse stete: quedelingelborg],4 wenghusen 5 unnd goslar," unnd fro[we
alheidt] 7 dy keyser inne, dy stiffte das m[onster zu] deme heiligen
▼ cruczo zu nor[thusens unnd]a | machte do eyn juncfrowen closter unnd
lyd ouch do begraben9 unnd stiflte ouch dy eptye zu folinde.10
Item der selbie keyser heinrich hatte einen son, den hiss otto, den
machte her zu romisscheme konigo, unnd der hatte do inne das
herczogethuni zu brunsswig,11 unnd sin vater belente on dar zu mit
doringer unnd hessen land. Noch sines vater tode do czoch desser
konig otto kein rome unnd wart do zu keyser gekorn unnd ouch ge-
kronet. Disser keyser otto der erste, der buwete eyne schone kerchen
zu Meydeborg uss sinem hofe unnd stiffte ouch do das erezbisthum.1*
* Dm Eingeklammerte fehlt tn HS infolge der Ab.ehMldu.ig der unteren rechten Ecke de«
BUttei. Krg&nzang nach e u. Job. Rothe.
;' Verwechslung mit den Vorgängen vor der entscheidenden Schlacht.
4 Quedlinburg ist 924 von Heinrich 1. gegründet und gegen die Ungarn befestigt.
93 1 übergab er es seiner 2. Gemahlin Mathilde als \\ ittum, welche im Königs-
hofe Quitlinga im Htfrzgau 936 das Stift giündete, indem sie die Nonnen des
Klosters Wendhausen nach Quedliuburg versetzte, s. Jahrbücher der deutsch.
Geschichte: Kaiser Otto der Grosse von Köpke-Dümmler, 187Ö, 8. 42. fi Ist
ieues eben genannte Wendhausen, das zu den ältesten Klöstern des Sachsen-
landes gehört, „denn Gisela, die Tochter jene« ostfalischen Edelings Hessi, der
zu den Vorkämpfern gegen Kurl den Grossen zählt, hatte es im Harzgau an der
Bode begründet, in der Gegend des heutigen Thale, etwa eine Meile von Qued-
linburg,'* s. Köpke-Dümmler a. a. O. S 42 f. "(Boslar soll von König Heinrich I.
um 920 durch Zusammenlegung mehrerer Dörfer am erzreichen Rammeisberg
gegründet sein; die Stadt blühte unter Kaiser Otto 1. empor, als die Gold- und
Silberschätze des Rammeisborges entdeckt wurden. 7 Der Chronist verwechselt
hier Otto des Grossen 2. Gemahlin Adelncid mit dessen Mutter, der 2. Gemahlin
Heinrich« I. 'Nordhausen wird zuerst urkundlich 874 erwähnt. I. J. 962
stiftete Mathilde, Gemahlin König Heinrichs I.. daselbst ein Nonnenkloster St.
Cnicis, jetzt die katholische Kirche, der Dom, in Nordhausen [s. KDThD I, No. 428),
welches durch Kaiser Friedrich II i. J 1220 in ein weltliches Manusstift um-
gewandelt wurde (s. Förslemanu, l'rkundüehe Geschichte von Nordhauseu bis
1220, 1828-40, 2 Hefte). 9 Diese Mathilde, Tochter des sächsischen Grafen
Dietrich, der ein Nachkomme Widukiuds war, vermählte hieb 909 mit Herzog Heinrich
von Sachsen, dein späteren deutschen König; sie starb um 14. März 962 zu
Quedlinburg, ihrer Stiftung, und wurde dort auch an der Seite König Heinrichs
begraben (s. Vit« Mahthildis antiquior, Pcrtz MGH Scr. Bd. X), nicht in dem
von ihr zu NonIhausen gestifteten Kloster, das damals unter ihrer Freundin
Kichhurga als Äbtissin stand, obschon ihr dieses auch sehr am Herzen lag, sie
auch dort bis wenige Tage vor ihrem Tode, bis zum 22. December 961, verweilt
hatte (s. Köpke-Dümmler, a a. O. S 441). 10 Kolinde ist das heutige Pöhlde oder
Pölde (Dorf an der Oder), in der preussischen Provinz Hannover, Kr. Ostenxle a. H.,
im alten Fürstentum Grubenhagen; Pölde. alt u.a. Pholida genannt (daraus
macht der Chronist Folinde), war das ebenfalls von Mathilde i. .1 952 dem heil.
Servatius gestiftete Benediktiner-Mönchskloster (seit 1135 Prämoustratenser) ; es
wird unter deti sächsischen Kaisern, deren Lieblingsaufenthalt es war, oft er-
wähnt (s. KDThD No. 335. 33« .382 u ö.). " 1). h das Herzogtum Sachsen, da
erst beim Sturze Heinrichs des Ix) wen i. J. 1180 Braunschweig als selbständiges
Herzogtum erscheint. 12 Hierüber s. Jahrbücher d. deutschen Geschichte,
Digitized by Google
35. Stück.
77
35. Wy das laut zu doringen koinen ist an den *******
bissclioff zu mentcz.
Disser kevscr otto hatte czwene sone; der eine hiss ouch otto, der
wart ouch keyser noch orae; der ander son hiss wilhelm,1 den machte
her zu einem bisschoffe zu raencz, unnd der was der vierczende ercz-
bisschoff noch2 sancto Bonifacio, unnd sin rater der keyser gab deme
stiffte zu mencz das herczogethum zu doringen und zu hessen." ünde
do czoch der bisschoft wilhelm in doringen unnd hessen unnd nam dy
Kaiser Otto der Grosse, von Köpke -Dummler, 1876, S. 419 ff. u. S. 438 ff. —
Magdeburg hat schon unter Karl dem Groden bestanden, der es zu einem
Handelsplatz bestimmte, als Stützpunkt fiir die bei den Wenden und Avaren
handeltreibenden Kautieute, 8. Düinmler, Gesch. d. ostfr. Reich« 1, 252. I. J. 923/24
bei dem Einfalle der Ungarn (und Slaven) wurde es zerstört, aber von Edith«,
der ersten Gemahlin Ottos I., wieder aufgebaut. Im J. 936 wurde das Moritz-
kloster (s. d. folg. Anm.) gestiftet, das Erzbistum aber, eine Liebling*stiftung
Ottos des Grossen, i.J. 968 (nach dem Tode des Bischofs Bernhards von Hnlber-
stadt und des Erzhischofs Wilhelm von Mainz) eingerichtet und an Adalbert, den
Slavenapostel , als ersten Erzbischof verliehen; es sollte der Mittelpunkt der
Heidenmissiou in den slavischeu Ländern jenseits der Saale und Elbe sein; ihm
als Metropole der nordöstlichen Slavenwelt wurden als Suffraganbistümer Havel-
berg und Brandenburg, sowie die drei neueingeriehteten Bistümer Meissen. Merse-
burg und Zeitz unterstellt, später erst kam vorübergebend Posen hinzu. — Die Stadt
Magdeburg hatte Editha einst als Morgengabe erhalten. Otto I. gründete bald nach
seiner Thronbesteigung an der Stelle, wo gegenwärtig sich die Domkirche erhebt,
ein Benediktiner -Mönchskloster, welches er dem Apostel Petrus und den beiden
Märtyrern Mauritius und Innocentius weihte (s. Köpke-Dümmler a. a. O S. 63 ff);
die hier vom Chronisten erwähnte „schöne Kirche" ist demnach der jetzige Dom;
der „Hof" ist der königl. Meierhof, der am neuen Markt, auf der Stelle, wo die
jetzigen Regierungsgebäude gelegen sind, lug und vom Könige geschenkt war;
s Fr. M. Hoffmanns Geschichte der Stadt Magdeburg, neu bearbeitet von Hertel
und Hülsze, S. 11 ff.
35. 'Wilhelm war Ottos I. (geb. 912) unehelicher ältester Sohn von einer wen-
dischen Fürstin ; er lebte von 929 bis 962, s Köpke-Dümmler a. a. O S. 8. * D. h.
deu heiligen Bonifatius miteingeschlossen; s. Weidenbach, Calendarium, 1855, S. 225:
Zeitfolge der Erzbisehöfe von Mainz. Stolle arbeitet denkend, wenn er Rothe
nicht folgt, denn letzterer schreibt gedankenlos: „der 30. bischof vom seilte
Bonifacio." rechnet aber, wie schon Lihenkron sah, die 16 Vorgänger des Bonifatius,
die er selbst cap. 114 aufgezählt, mit; Stolle schreibt demnach richtig: der was der
vierczende erezbichoff. 3 Es ist mehr als zweifelhaft , oh die von einzelnen
Geschichtsforschern angenommene, von anderen zurückgewiesene Behauptung, dass
die Erzbischöfe von Mainz, die zweifellos als die Ijandesherren von Erfurt zu
betrachten sind (C. Beyer, Gesch. d. Stadt Erfurt. 1893, S. 4, sagt mit Recht:
„Thatsächlich gehörte Erfurt seit seinem ersten Hervortreten in der Gesehicbte
den Eizbischöfen von Mainz, die nicht nur geistliche Oberhirteu waren, sondern
sich auch im Besitze aller Hoheitsrechte befanden"), Herzogsrechte in Thüringen
je ausgeübt haben, namentlich schon Erzbischof Wilhelm, welcher von 954 — 962
auf dem Mainzer Stuhle sass, denn die Quellen schweigen, wie wir aus den
Jahrbüchern der deutschen Geschichte, Otto der Grosse, von Köpke-Dümmler,
1876, ersehen. Die Entstehung der Fabel, dass Erzbischof Wilhelm in Thüringen
und auch in Hessen, wie der Chronist hinzusetzt, die Herzogsrechte ausgeübt
habe, lässt sieh vielleicht daraus erklären, das.«* er i. J. 961. als Otto I. nach
Italien zog, die Leitung der Reichageschäfte in Mittel- und Ostdeutschland erhielt,
s. Köpke-Dümmler, a.a.O. S. 322-323. — Zur Sache s. noch BE S. 7 f.
Digitized by Google
78
36. Stück.
land in unnd dy manschaffl mit den slossen unnd satczte vele erbar
manschafft in erfforte, das uff dy czyd noch ungemuret was, unnd zu
taberstete4 unnd belente dy, uft das her das land deste bas behalde
mochte. Czu der czid liss der apt zu herssfelt das sloss wassenborg5
buwe umme der guther willen sines stifftes, dy dor [umra]e legen,
unnd dor noch gotha6 unnd das [stifftj herssfelt lehit sy alle beyde.
Also quam [das lanjd zu doringen von deine romisschen [riche an dj*as
si stifit zu mentcz. |
Ron.. 380 36. Von keyser fredericlie deme ersten.
1152 Nach cristus gebort XI hundert unnd LII jar do wart der erste
keyser frederich gekorn, unnd der regirte XXVII1 jar unnd wart zu
rome in sente Peters monster von deme bobiste adriano gekronet.*
Der quam zu tyburtino3 unnd hiss das wedder buwe, das vor zu
brochen was, unnd quam keyn Spoleto4 unnd vor storete das. Disser
keyser was vor eyn herczoge zu Swoben. In den gecziten do gewan
der koning von alapien5 den cristen dy stat edisse an unnd fing sy
unnd er slug sy unnd oren bisschoff mit allen synen pfaffen umme
des willen, das sy cristum nicht vor loucken6 wulden.
• Dm Eingeklammerte fehlt In HS Infolge der Abechneldttng der unteren rechten Ecke do«
BlattM. Ergänzung nach e o. Jon. Rothe.
4 Ö.o. St. 29 A. 6. & Über Uersfeld, 8. o. St. 29 A. 15. Der alte Name
für Wacbsenburg (». 0. Beyer, Die drei Gleichen, 1898) ist Wasscnborg. Gemeint '
ist die östlichste der 3 Gleichen, die Wachsenburg, beim Dorfe Haarhausen, irn
Herzogtum Sachsen - Koburg und Gotha, unweit Arnstadt. Im 10. Jahrhundert,
etwa y:i3 gegründet, blieb nie Eigentum des Stiltee Hersfeld, da« im frühen Mittel-
alter die Grafen von Schwarzburg und Kefernburg mit ihr belehnte. 0 Die
Schenkung Gothas an das Kloster Hersfeld ist historisch, s. RDThD, No. 36.
80. 1 Falsch für XXXVII jar (1152-1190). * Am 18. Juni 1155 von
Tapst Hadrian IV. (1154-1159). 3 Am 19. Juni 1155 besetzten die Deutschen
Tivoli, das alte Tibur bei Rom, angeblich von den Enkeln des argivischen Sehers
Ainphiaraus: Catilus, Coras und Tiburtus oder Tibttrnus gegründet, s. Horaz,
Oannin. II, 5: Tibur Argeo positum colono. „Gesandte übergaben diese Stadt
dem Kaiser; weshalb jedoch der Papst, weil sie zum Kirchenstaate gehörte, so
laute Klage erhob , dass jener vom Besitze abstand," s. F. v. Raumer, Gesch. der
Hohenstaufen II, S. 40; ebenso Giesebrecht, Geschichte d. deutsch. Kaiserzeit,
Bd. III, S. 65 f. 4 Die Eroberung fand auf der Rückkehr vom ersten Römer-
zuge Kaisers Friedrich I. Barbarossa am 28. Juli 1155 statt, s. Raumer a. a. Ü.
S. 41; Giesebrecht, ebenda, S. 67 f. & Vorher schon : im J. 1144 eroberte Emad-
eddiu Zenghi, Sultan von Aleppo, Edessa, das als Vormauer von Jerusalem be-
trachtet wurde; infolgedessen predigte Bernhanl von Clairvaux den Ü. Kreuzzug.
6 Loucken md Nebenform von verlougen — verlougenen, d.h. verleugnen.
Uigitized by Google
37. und 38. Stück.
79
37. Wy dy heiigen dry koiiige keyn koln quomen.
Noch cristus geburt M°C" unnd IJX jar do wart deme ercz- 1K>9
bisschoffe zu koln genant rynolt1 zu solde, der do mit deme keysere
vor meylan lag mit grossem volke, dy heiigen dry konige unnd
brochte* dy mit grossen ern keyn kolne. Ouch also nieylan vor stört
wart, do worden deme bisschoffe von halberstat3 zu sohle dy czwene
heiigen lichenam Gervasius unnd Protasius,1 dy brochte her ouch keyn
halberstat
38. Wy dy graten zu erfforte in eynem gemache boü..«r5
vortorben.
Rad unnd hulffe suchte keyser frederich an synen forsten ummo
mancherleye krige, dy sich erhüben in der cristenheit, unnd ungehor-
sam der forsten unnd, das snoder1 was, dy heiden toten allen enden
grossen schaden, unnd dar limine so vorbotte 2 dissser keyser alle dutcze
forsten keyn mencz.3 Do hilt her den hoff uff den pfingest tag, unnd
37. 1 Reinald von Dassel, 1159—1107, Kaiser Friedrichs I. Kanzler.
• Wattenbach, Deutschlands Geschichtequellen im Mittelalter, III, 8.366:
[Reinald von Dassel] „führte »o gut das Schwert wie den Krummstab, und
nachdem er siegreich Italien durchzogen hatte, brachte er triumphierend die
heiligen drei Konice nach Köln. Dies geschah nach der Zerstörung Mailands
i. J. 1162, s. Giesebreeht a. a. 0. 8. 304. In A. 1 giebt Watteubach dann die
Litteratur, welcher aus der neuesten Zeit hinzugefügt sei: Die Heiligen als
Kircheupatrouc und ihre Auswahl für die Erzdiöcese Köln u. s. w. von H. Samson,
1892, S. 253 ff. 3 Gero von Schermeke, Bischof von 1160—1177 (abgesetzt),
s. Potthast, Wegweiser durch die Geschichtswerke des europ. Mittelalters, 1868,
S. 32S. * Ihr Tag ist der 19. Juni. L. F. Niemann, Geschichte des vormal.
Bistunis ... Halberetadt, I, 1829, S 247 sagt: „1161 übersandte Papst Viktor (IV.)
dem (Bischof) Gero ein Pnllium, der sich in demselben Jnhrc nach Italien begab
und, als Kaiser Friedrich (I., Barbarossa) Mailand eroberte, die Leiber der Heiligen
Gervasius und Protasius von dort mit in sein Stift nahm." Rothe und Stolle
folgen des erstereu Quelle, der bist. Eccard. pag. 386. Im I >omscbatze findet sich
(nach einer frdl. briefl. Mitteilung des Herrn Pastor K. Zschiesche in Halber-
stadt) von den beiden Heiligen keine Spur. Da nach Samson a. a. O. S. 203
ihre Gräber sich in Mailand noch heute befinden, so ist, wie Herr Zschiesche
mit Recht vermutet , dieses so zu erklären , dass Papst Alexander und sein An-
hänger Ulrich von Halberstadt {Bischof zum zweitenmal seit 1177) alle Anord-
nungen und Massnahmen ihrer beiden Gegner, Victors und Geros, annulliert,
ihre Erwerbungen für nichtig und aufgehoben erklärt, so auch die Erwerbung
der beiden Reliquien, die nach dem Wortlaut nicht ganz ordnungsmäßig vor
sich gegangen zu sein scheint. Die von Potthast a. a. O. S. 148f. erwähnten Schriften
(aus d. J. 1708 u. 1719) sind mir nicht zugänglich gewesen.
#S. 1 Snöde ist md Nebenform für mhd snoede, hier in der passiven Bedeutung
„verächtlich, schlecht, schlimm.'4 * Md vorbieten, mhd verbieten, stv., hier in
der selteneren und altertümlichen Bedeutung „vorladen , entbieten ," zu einer
Festlichkeit, Gerichtstag u. ä. , s. u. St. 255 A. 2. 5 Der Reichstag zu Mainz,
Pfingsten 1184, ist wohl das glanzvollste Fest des ganzen Mittelalters, der Höhe-
punkt der Macht des deutscheu Kaisertum* im Mittelalter, hochgerühmt von den
Zeitgenossen und von den damaligen Dichtern besungen , e. u. a. Heinrich von
Veldeke, Aeneide, V. 8323 ff. (Ausgabe von Ettmüller, 1852, Sp. 347.)
Digitized by Google
80
38. Stück.
v do quomen | hene alle dutcze forsten, dy geistlichen unde ouch dy
wertlichen. Do wart des keysers son gekorn, genant heinrich, unnd
erweit zu eyme romesschen konigo unnd deme andern sone conrade
deme gab her das herczogetum zu Swoben. Unnd also nu do dy
herschafft zu mencz eyn ende nani, do sante der keyser sinen son
heinrich den romissehen konig mit eyme here in poln,4 unnd das her
dy poln unnd bomeschen hern5 under richten0 solde, unnd wo dy
forsten czweytrechtig weren. Unnd das geschach. Unnd also her
wedder heym czoch, do quam her kein erfforte7 unnd vorbotte zu
ome bisschoflen conraden von mencz unnd lantgrafen lodewigen von
doringen mit oren mannen, dy langewile under enauder gekregen
hatten unnd sich beschediget hatten, wanne der bisschoft' von mencz
hatte uff den lantgrafen eyn nuwe sloss by felssborg gebuwet, das
4 Im J. 1 177 hat der polnische Herzog Kazieinierz, ein Sohn Bolestaws III., seinem
älteren Bruder Mieczyslaw da« Grossfürsteutum iSeuiorat) in Polen geraubt,
ebenso »ein Erbfürstentum, Grosspolen; dieser aber kehrte 1181 zurück und
eroberte seine Erblande wieder, ja trachtete auch nach Wiedererlangung des
Seniorats. Er gewann Kaiser Friedrich I. nach dem Mainzer Reichstag 11&4 für
seine Pläne. Mehr um die alte Oberherrlichkeit des Reiches in Polen wieder-
herzustellen, als Mieczystaw wieder in das Seniorat einzusetzen, bcschloss der
Kaiser eine Heerfahrt der Deutschen nach Polen; die Führung des Heeres ver-
traute er seinem Sohne, dem römischen Könige Heinrich (dem späteren Kaiser
Heinrich VL) an. Schon war dieser über Erfurt bis nach Halle vorgerückt, als
sich Kazieinierz unterwarf und die kaiserliche Oberhoheit anerkannte, wofür der
Kaiser das Prinzipat jenes anerkannte; s. Roepell, Geschichte Polen« S. 341 fl*.,
bes. S. 377—378. •'• Bei dem Reichstage in Main/., Pfingsten (20. Mai) 1184.
erschien auch Herzog Friedrich von Böhmen — üher dessen frühere Schicksale
s. Alfons Huber, Geschichte Österreichs, I, 1 885 , S. 304 ff. — mit 2000 Rittern,
ein Gefolge, wie es so gross kein anderer der Fürsten mit sich geführt hatte.
Doch während er noch in Deutschland weilte, brach um die Mitte des Jahres
1184 ein Aufstand wiederum gegen ihn in Böhmen ans, den er aber bnld be-
wältigte; auch der Kaiser stand auf seiner Seite und bedrohte die böhmischen
Grossen, s. Huber a.a.O. S. 312 313. c Underriehten, swv tr., bedeutet hier
„einrichten, (mit Wechselreden j zurechtweisen". T Dieses und die ganze folgende
Erzählung ist historisch richtig, s. Knochenhauer, Geschichte Thüringens zur
• Zeit des ersten Landgrafenhauses, herausgegeben von K.Menzel, 1871, §. 1 98 ff. ;
urkundliche Belege bei RDThD, II, 1898. S. 130 u. 137; ferner BE S. 16f. In
der au zweiter Stelle genannten Urkunde (6, IX U8.r>: Die Handlung gehört ins Jahr
1183, die Beurkundung ins Jahr 1185, die dazwischen liegenden und den Aus-
steller interessierenden Ereignisse werden angegeben, so auch der Erfurter Vorfall)
werden 5 Grafen genannt, die umkamen, abweichend vom Stolleschen Texte anstatt
»les Grafen Friedrich von Kirchberg der Franke Friedrich von Avenberg. Die Annal.
Pegavienses (MGH , Ser. XVI, 265) erwähnen nur die Grafen Heinrich von
Schwarzburg. Burchard von Wartberg und Friedrich von Avenberg als anwesend,
ohne zu berichten, wer getötet ist, hingegen die Chronic. St. Pclri modern.
(MGH, Ser. XXX, 1, .174) und die Annal. Reinhaidbrunnens. (MGH. Ser. XXX,
1, 542) nennen als umgekommen die 5 Grafen Heinrich von Schwarzburg. Fried-
rich von Kirch berg, Gozniar (hei Stolle: Gottfried) von Ziegenhain in Hessen,
Burchard von Wartberg und Friedrich von Avenberg, letztere, die Ann. Reinh.,
mit dem Zusätze: cum quodarn Beringcro de Meldingen (Flecken Mellingen, bei
Weimar,, aus welchem Rothe und Stolle den Grafen Herting von Meyldingen
gemacht haben, obschon ihre unmittelbare Quelle, die bist. Lantgrav. Eccardiana,
die 5 (Trafen (für den Avenberger nennt sie einen Altenburgei) und dann noch
Hertingius de Meldingeu nennt.
Digitized by LjOOQIC
39. und 40. Stück.
hiss heyligenberg, uniid der lantgrafe buwete brunenfelss by hochen
Solmicz. ünnd also dy hern, dy keyn erflbrt komen worn, unnd tey-
dingeten do umrae cynen freden zu unser lieben frowen uff eynen
witen husse,8 unnd eyne partie zu der andern trat, dy do dy teydingess
luthe warn, do brach der bodera unnd der estrich undcr on in unnd
lilen in das schisshuss, das dar under was, unnd dar inne ertruncken
funff grafen : grate heinrich von swarczburg, grafe frederieh von kerch-
bergk, grafe gotfrid von ezegenhayn, grafe borghart von wartperg unnd
grafe herting von meyldingen, unnd dar zu vele rittere unnd knechte.
X)itte geschach noch cristus gebort tusent hundert unnd funff unnd 11*5
achczig jar an sente annen tage.9
39. Wy dy unstrot vor truckent was. | *othe
Als man czalte noch cristus geburt tusent hundert unnd funff 1195
unnd nunezig, do wart das wasser, geheisen dy unstrot, dy dorch
doringer lant'flust,1 also gar vor truckent8 zu gründe, das man in
vele tagen nergen3 keyn wasser dar inne fant, unnd das geschach
andern wassern nicht
40. Wy salcza gebuwet unnd gemacht wart Rollte 40'.)
Als man czalte noch cristus gebort tusent czwev hundert unnd 1211
XI jar, do wart eyn romescher keyser herezog otto von brunswig1
unnd von Sachsen uund hilt den frede gestrengeclichen in dutezen
landen, unnd darumme so czoch her vor das sloss dryborg,8 das nu
" Das Unglück geschah nach der gewöhnlichen Überlieferung in »1er Dom-
pronstei (domus prepositi ecclesie dei genetricis, MGH Scr. XXIll. 159; s. Dobe-
necker a. a. O. , welcher auch die (ihrige Litteratur angicht), natrh anderen im
Krummhause , dein Rcsidenzgchäude der Mainzer Erzbischöfe in Arfurt, an der
Nordseite des Maricnhügel», s. clie Beschreibung der geistJ. Wohnungen in Erfurt
von A. Kirchhoff, Die ältesten Weistümer der Stadt Erfurt, 1870, 8.143-145,
C. Beyer, Gesch. d. Stadt Erfurt, 1892, S. 6. 9 Am 26. Juli, wie auch die
Chronic. St. Petri mod. angicht: VII Kai. Aug.; nach Ann. Pegav. aber in festo
St. Jacobi, also am 25. Juli 1184, fl. Lcitzmanu , Der Fürstentag zu Erfurt
i. J. 1184, MGE, VII, 1876, S. 47 ff.
39. 1 Flust ist mundartlieh von dem gemeindeutschen vliejen. * Die par-
ticipiale Form vortruckent ist durch Synkope aus vortrockenet entstanden , par-
tieip von vortruckenen swv. 3 Nergen mundartlich = niergen , nirgends ;
öfters.
40. » Kaiser Otto IV. (1198—1215, st 1218) wird nach seinem Erblande ,von
Braunschweig4 genannt, Sohn Heinrichs des Löwen. a Die Chronisten überliefern
die geschichtlichen Vorgänge im ganzen richtig. Das Dorf Salza wird zuerst
urkundlich am Anfange des 9. Jahrhunderts erwähnt unter den thüringischen
Gütern des von dem ErzbiBchofe Lullus von Mainz erbauten und dem Kaiser
Karl dem Grossen übertragenen Klosters Hersfcld, s. RDThD, I, No. 70 (S. 21).
Die Vogtei über Kloster Hornburg (h. ob. St. 29 A. 12) belassen die Herren von
Treffurt, welche dann das Dorf Salza an sich brachten, dort die Burg Dryborg
K. StollM Memurtftle.
Digitized by Google
82
41. Stück.
in salcza lyt, unnd belag das umrae rouberige3 willen der hern von
salcza, dy den lantfrede nicht stete halden wolden, biss also lange,
das sy or frande, bete, gnossen4 unnd sich keyser otten an gnade goben.
Dar nach wart salcza umme muret unnd zu eyner stad gemacht.5
Dv hern von salcza, dv worn mit deme ersten vovte des closters zu
homborg,6 das hart by salcza 1yd, unnd dynten ome also lange unnd
wol, das sy von deme closter zu homborg belent worden mit deme
dorne salcza. Dar noch worden dy hern von salcza also riche unnd
mechtig, das sy dryborg, das sloss, dar in buweten unnd dar noch dy
uff hofe7 unnd andere ore gerichte* koufften unnd erkregen unnd
quomen also uff.
3* 41. Wy seilte elsebete oren uiantel vorloss.
Disse geschieht solde billich steen hir noch, do sente elsebeten
leben steet1; das ist nu des schribers scholt. Noch cristus geburt
(jetzt das Schloss in Langensalza, s. Beschreibende Darstellung der älteren Bau-
u. Kunstdenkmäler de« Kreise« Langensalza, von Sommer, 1879, S. 19. 53) er-
bauten, naeh dem Dorfe Salza ihren Familiennamen änderten und im Mittelalter
als das in Thüringen hochangeschene und mächtige Herrengcschlecht derer von
Salza erschienen ; ihnen entspross der berühmteste Hochmeister des deutschen
Ritterordens Hermann von Salza, der, von Kaiser Friedrich II. zum Rcichsfursten
erhoben, im Jahre 1230 die Eroberung Preusseus durch die Deutschen begann.
■ Rouberige ist mundartlich für rouberie, stf, „Räuberei." In dem blutigen
Wirrsal der Kämpfe zwischen Philipp von Schwaben und Otto IV. war Mord,
Ruub und Plünderung leider in Deutschland häufig; auch die Herren von Salza
hatten dem Geiste ihrer Zeit gemäss die adelige Sünde der Räuberei getrieben
und den Landfrieden nicht gehalten (s. Chronik der Stadt Langensalza, von
Göschel, 1818, S. 138). 4 Sie übergeben sich auf Gnade und Ungnade: ihre
Freunde = Verbündete, bete = Abgabe, d. h. Einnahme, gnossen — Mannen und
Anwesen (oft gn. von Sachen). In die oben genannten Kämpfe waren auch
die Herren von Salza verflochten. Als nun Landgraf Hermann I. von Thüringen,
der so oft die Partei wechselte, von Kaiser Otto IV. i. .T. 1211 ab- und Fried-
rich II. zugefallen war, dem Landgrafen aber auf Anstiften des Erzbischofs
Siegfried von Mainz die meisten thüringischen Herren sich angeschlossen hatten,
eilte Otto IV. aus Italien, wo er damals weilte, am Anfange dea Jahres 1212
nach Deutschland , um die Treulosen zu bestrafen. Nachdem er sich der Städte
Nordhausen und Mühlhausen bemächtigt hatte, belagerte er auch das Schloss
Dryborg. Dasselbe ergab sich, und Kaiser Otto zeigte sich den Herren von
Salza gegenüber so versöhnlich, dass er sie nicht bloss wieder zu Gnaden annahm,
sondern sogar ihrem Herrensitze, dem Dorfe Salza, Stadtrechte verlieh, s. Göschel,
a.a. O. S. 138 f. ,: S. ob. St. 29 Anm. 12. 1 In Ufhofen, einem 1'/» Kilometer
südwestlieh bei Langensalza gelegenen Dorfe, in dessen Flur das kleine Flüsschen
Salze entspringt, scheinen die Herren von Salza zuerst gesessen zu haben: Uff-
hofen = Oberhöfe , im Gegensatz zu den noch jetzt in Langensalza bestehenden
„Niederhöfen," s. Sommer a. a. O. S. 19. 80. 8 „Gericht" bedeutet nicht bloss das
(iciicht, die Gerichtsbehörde , sondern auch den Gerichtaspreugel , da» Gebiet
desselben.
41. 1 Ausser den Stücken 41—62, in welchen das Leben der heiligen Elisa-
beth und ihres Gatten, dea Landgrafen Ludwig des Vierten, genannt dea Heiligen
(1217 — 1227), behandelt wird, bringen in unserer Chronik noch St. 83 — 108 Er-
zählungen über beide; erstere chronologisch in letzere einzureihen, ist nicht gut
t
Digitized by LjOOQIC
41. Stück. 83
MCCXX1I jar, also lantgrafe lodewig von ungern konien was8 mitsente 12*22
elsebeten, do lued her zu | hole sine grafen. horn, rittere unnd knechte, *
frowen unnd juncfrowen, dy mit ome in ungern gewest worn unnd
mit sente elsebeten, unnd ouch etliche sine man, dy alle dy wile hy
heyme bieben worn, unnd machte den allen eyn schone froligkeit mit
essen unnd mit trincken uff deme slosso zu wartpergk. Unnd also sy
wulden zu tissche geen, do was dy liebe sente elsebeto nicht do zu
möglich, nur dass bei St. 94 am Ende angegeben ist, dass hier St. 41 »teilen
sollte. Die Erzählungen Aber die heilige Elisabeth sind bei Stolle ungefähr die-
selben wie in den anderen Chroniken, doch schmückt er manches selbständig aus,
wie auch die übrigen ic nach ihrem Standpunkte als Mönche oder Weltgeistliche
sie verschieden behandeln; die Hauptquelle für sie alle ist die Lebensbeschreibung
der heiligen Elisabeth von dem Predigcnnönehe Dietrich von Apolda (Theodoricus
Thuringus) aus dem Jahre 1289, die wir in der Ausgabe vonCanisius: Thesaurus
monumentorum ecclesiasticorum sive Henrici Canisii lectiones antiquae, ed. Jac.
Basnage, 1725, besonders: Theodorici Thuringi , ordinis praedicatorum libri
octo de S.Elizabeth, Andreae regis Huugarorum filia, Ludovici, landgravii Thu-
ringiae , priucipis Hessiae et Saxoniae, comitis Palatini uxore, obigen Werkes
vierter Teil, pag. 113— 152. benutzt haben. Ebenso die auf der Keinhardsbrunner
Tradition (Kaplan Berthold) beruhende I^ebcnsbeschreibung des heiligen Ludwig,
übersetzt von Friedrich Köditz von Salfeld,. ans dem Anfange des 14. Jahrhunderts,
hei ausgegeben von H. Rückert, 1851. Über das Legendenhafte in diesen Er-
zählungen ist die Litteratur sehr gross, den historischen Kern und damit eine
entsprechende Charakteristik der heiligen Elisabeth und ihres Gemahles Ludwigs
bat zuerst Wegele gegeben in Sybels Histor. Zeitschr.. IM. V (1861) S. 351— 35)7,
eine Untersuchung, die nach mehrereu eingehenden Arbeiten (als die wichtigsten
seien genannt Boerner, Zur Kritik der Quellen für die Geschichte der heiligen
Elisabeth, N. Archiv f. alt. deutsche Gesehichtskunde XIII, 1888, S. 435—515,
Hellmuth Mielckes Dissertation, Zu i Biographie der heiligeu Elisabeth, Rostock
1888 und desselben Autors Biographie der heiligen Elisabeth, 1891 in der 6. Serie
No. 125 N. F. der gemein verstand liehen Vorträge herausgegeben von Virchow und
Watteubach) von Karl Wenck wieder aufgenommen und in vielem richtig ge-
stellt ist, in der Histor. Zeitsehr. von Sybel-Lehmanu Bd. LX1X (N. F. XXXIII),
1892, 8.209 —244; hier ist auch die in Betracht kommende wissenschaftliche
Litteratur verzeichnet. Neuerdings schrieb gegen Börner, Mielckc und Wenck
Km. Michael i. d. Zeitschrift f. katholische Theologie XXII (1898) S. 565-683;
s. Denselben in seiner Gesch. des deutsch. Volkes v. 13. Jahrb. bis z. Ausgange des
Mittelalters, II, 1899, S. 205— 224. — Wenn Rothe Quelle für Stolle ist, haben
wir ihn als solche bezeichnet, sonst in einzelnen Fällen die übrigen, soweit sie
sich ermitteln Hessen; manches, besonders erläuternde und zusammenfassende
Bemerkungen , ist aber ausschmückende Zuthat des Verfassers. Bei der Natur
der Stolleschen Aufzeichnungen, soweit sie sich eben ganz an Rothe anlehnen,
verstellt es sich von selbst , dass wir keine fortlaufende historische Kritik üben.
Wer Elisabeth im Lichte ihrer Bestrebungen genau kennen lernen will, wird
immer noch nach dem „glänzenden, in leuchtender Farbe strahlenden Gemälde"
Montalamberte greifen: Vie de sainte Elisabeth de Hongrie, duchesse de Thuringe,
1S36 (neueste 18. A., ohne Jahr), dieser „Legende aus «lein Jahrhundert des
Glaubens" (Selbstbezeichnung Montalainbcrts, s. Wegele a. a. G. S. 356), übersetzt
und durch Anmerkungen und Zusätze bereichert und verbessert durch J. l*h.
Städler, neueste Auflage 1888, Eiusiedeln. Eine ebenfalls idealisierende Darstellung
giebt der frühere Leipziger (evangelische) Kirchenhistoriker Kahuis, Die heilige
Elisabeth, Vortrag, Gotha 186*. —
2 Wie bedeutsam diese Rtinc in ihre Heimat, in welcher sich die Verhält-
nisse in Familie und Haus so unglücklich gestaltet hatten, für Elisabeth gewesen
ist, zeigt Wenck a. a. G. S. 22311. ; s. auch »St. 85 A. 1.
6*
Digitized by Googl
84
41. Stück.
wege,3 wanne sy warte der armen luthe mit oren almosen. Nu lac
do gar oyn armer mensche vor deme müss husse4 uff der borg an
der treppen, dorfftig, nacket unnd jeramerlichen. Das verwunderte sicli
sere sente elsebete, wy der arme gebrechliche mensche also ferne uss
der stad isenache uff dy borg körnen were, unnd bad do das almosen
von sente elsebeten. Do sprach sy, sy nettes alles vorgeben, sy wolde
ome ouch was zu essen sende. Do liss ome der arme mensche nicht
gnugen, sundern her clagote ummor meir synen nackten gebrechen/'
biss das sy ubir on so jomerigß wart, das sy ome den syden mantel,
den sy limine hatte, zu warft, unnd ging ane mantel zu tissche. Unnd
also lantgrat'e lodewig or herro das sach, do sprach her: swester,7 wo
ist nu din mantel? Do ersragk sy under deme volke unnd antwarte
gar zu hant: herre, in myner kammern hab ich on gelossen. Do
sprach her zu eyner orer juncfrowen: gee hene unnd hole or oren
mantel! Do ging dy juncfrowe hene unnd fant den mantel hangen
uff deme ricke* in sente elsebeten kammern unnd brochten or. Ditte
*6 czeichen [ was deme glich, das sente raertine von gote geschach,
hirumme so darff' nymant czwifele hir an, der selbe sieche gebrech-
lige mensche sy cristus unser lieber herre selber gewest, der syne uss
er weiten frundynne elsebeten mit deme mantel vor sucht hat. Disser
mantol ist nu eyn messegewant in der Capellen sente elsebeten under
wartperg gelegen.
-
:l Entsprechend dem mhd „zc wege sin," „zur Stelle/' „anwesend sein." 4 Vom
mhd muoH — md müs ,8|>ci8e' ist abgeleitet mucsbüs mhd =* md müzhüs — „Speise-
haus," „Speisesaal" ; es stellt „für Jas der früheren höfischen Sprache angehörige
palas, ein Saal, der zu den grossen geselligen Zusammenkünften, die in einem
(>edcckten Räume stattfanden, diente,'* H. Kückert, Leben des heiligen Ludwig,
S. 108 5 gebrechen, stn., „Not, Mangel." " jameric mhd = md iomcrig = „von
jamer ergriffen, leidvoll, mitleidvoll." 7 Diese Anrede findet sich hier wie sonst
noch sehr häufig und in allen Quellen, obschon sie zwischen Eheleuten auch
nach damaliger Anschauung durchaus unpassend ist. Wir erklären sie so, das*
Elisabeth ursprünglich, wie schon Wächter, Thüring. u. Obersachs. Geschichte III,
8915 vermutete, als Gattin für den älteren Sohn des Landgrafen Hermann I., der
auch Hennann hicss (s. u. St. 88 A. 4) , welcher aber noch vor dem Tode seine«
Vaters (25. April 1217), wahrscheinlich am 31. December 1216 starb, bestimmt
war (s. Wenck a. a. O. S. 221 ) und mit Ludwig zuerst in schwesterlicher Liebe
aufwuchs, woraus sich freilich dann später auch eine innige Gattenliebe
beiderseitig entwickelte; im Andenken an jene frühere Zeit behielt Ludwig wolü
die ihm einst liebgeweseue Anrede bei, während Elisabeth die entsprechende
selten gebraucht, also die spätere asketische Anschauung Elisabeths von der Ehe,
die übrigens Ludwig nie geteilt hat, darin nicht zu suchen ist. 6 ric, stm,
ist ein wagerechtes Gestell , das in der mittelalterlichen Kemnate , die auch
Schlafzimmer war, stand, um die ausgezogenen Kleider daran aufzuhängen, ein im
Gebiete des Mitteldeutscheu noch heute verbreitetes Wort, s. Grimm D.W. VIII,
S. 907 f. , erhalten im thüring. „Kannrik" — d.h. Gestelle für Kannen, Gesims
für Gelasse, s. Grimm D. W. V, S. 167, Hertel, Thür. Spraelischatz 8. 129,
M. Schultze, Idiotikon d. nordthür. Mundart S. Iii. Nelwn der gewöliuiieheu Prü-
pontiou ,au' steht hier uf, die nach der obigen Erlclüruug ebenso passend ist.
Uigitized by
42. bis 44. Stück.
85
42. Wy lantgrafe lodewig eynen tancz sach zu Kuthft
isenache.1
Also man czalte noch eristus gebort MCCXXVI jar, do ozoch lant- 12*2«
grafe lodewig, sento elsobeten herre, fredo zu raachen in das osterlant.
Unnd do das etliche vornomen, dy den frede gobrochen hatten, dy
floeu von oren slossen unnd lisscn arme knochto dar uifo, dy des
nicht zu schicken2 hatten. Also nam her dy sloss in unnd brach
sy nid der.
In dorne selben jare, do enpfing sanctus franciscus funff wunden,
also unser herre jhesus eristus trug, von deine engele seraph, den her
sach, unnd gar schero3 dar noch starp.
In deine selben jare czoeh lantgrafe lodowigk mit dorne keyser in
apulien unnd was lenger danne oyn jar usso.
48. Von einem tanteze.
Es geschach ouch zu einen geeziten, das lantgrafe lodewig stunt Roth« uo
an eyme fenster zu isenacho in der stat, unnd es was eyn schöner
grossser tancz1 uff deme plane, den man nennet dy rolle, unnd sach
zu. Do trat eyner syner dyner by on unnd sprach zu ome: herre, seyt
ir das weydeliche wip, dy do tanezet? unnd wistc ome do gar eyn
stolczo wol gesmuckto frawen, | dy wil ich uch an uwern arm schicken, t
wanne ir des begeret, das ir or noch allem uwern willen gebruchet.
Do wart der togentsame forste snellichen czorning unnd sach den
dyner gar ernstlichen an unnd sprach : Swig unnd gedencke vort
n ummer so getoner rede vor mynen oren, also verne8 also du myno
gnade unnd hulde behalden wilt, wanne solche rode brengevor dy, dy
mit so getoner untogunt umme geen, ich wil don mynen keyne sache
zu untogunt gebe, dy ich bilcher stroffe solde. ab sy beclaget worde!
Nu mercket des forsten togunt hyr by, wy gar sere her vor smeet
hat den ee broch an den luthen.
44. Wy das nuwe sloss zu deine aldenberge zu
brachen wart.
Noch der czit, also lantgrafe lodewig, sente elsobeten herre, mitR«,hc441
keyser frederiche in apulien gewest was, do hatte der herre von salcza
42. 1 Die Überschrift ist unpassend, aus dem folgenden genommen. 2 whieken,
8\tv., hier in der Bedeutung „ordnen, gestalten, ins Rechte bringen"; x. Hörtel,
Thüring. Sprachschatz »S. 207. Auffällig ist nur die Konstruktion mit dorn Genitiv,
'schere nid — mhd schier, ahd auch »kern, „bald, bald danach.'
43. 1 S. lieben des heil. Ludwig, h. v. Rfickert, 8. 18J 1 verne, Nebenform zu
verre, = „fern", also verne also «= „insofern, wofern44.
Digitized by Google
86
45. Stuck.
dy wyle eyn borg fred 1 uff geslagen uff deme alden berge,2 in der von
reynhardesborn gebiete, unnd der apt do selbest unnd oueh das con-
vent gemeyncliehen hatten on dicke gebeten, das her got an see unnd
des nicht tede; dar an wolde sich der herre von salcza nicht an kere,
sundern her buwete das unnd besserte das mit stoynen hoch unnd
teste gemureth. Also nu lantgrafe lodewig wedder zu lande komen
was unde keyn reynhardesborn quam, do clagete ome der apt, wy her
unnd das closter mit des vou salcza gewalt bedränget worden, unnd
*7 der uff sye gebuwct hette unnd des nicht losen wolde. | Unnd disse
rede geschogen an eynem sonabende. Do liss der lantgrafe synen
voytcu unnd den von isenache schreiben, das sy morne vor tage by
ome zu reynhardisborn syn solden mit macht.» Des morgens fru, do
horte her messe unnd sagete deme apte, her soldo das crucze nicht
losseu trage noch dy hoe messe singe, her queme danne wedder, unnd
royt do uss deme clostero. Zu haut quomen dy synen zu ome, den
her geschreben hatte, unnd brochten mit on Jeittern, tarschin unnd
geczug,8 unnd gewunnen zu hant das bergfret unnd das nuwe sloss
des hern von salcza unnd ringen on dar uffe unnd fürten on zu fussse
an eyner kethen zu reynhardisborn. Do hiss der lantgrafe das crucze b
(trage), als gewonlich an deme sontage ist, ummo trage, unnd der herre
von salcza mit den synen worden also gebunden vor deme crucze
umme gefurt unnd musten dar nach den hern unnd das closter ewig-
lichen vor sweren.4 Dar noch brochen dy von isenache das nuwe
sloss zu gründe5 von des forsten geheyse nedder, unnd der apt liss
^y steyne unnd holez an synen gebuwe keren unnd wende.*
45. Wy lantgrafen lodewigen eyn lawe1 an lieff
zu wartperg.
Dorch fruntschafft unnd selczaraickeit2 hatte der herczoge von
osterich, lantgrafen lodewiges swoger,3 eynen lawen in eyme kästen ge-
» DJ© US Interpungirt erat nach fr«. Rollte nach wacht, auch Hein Sinne nach nötig, ionat
Wiederholung wegen de« vorgehenden monic vor läge. b IIS setzt falacolich noch ein trag«.
fa. 1 bere-vrit, stn, au« bergen und vride »Schutz4; bedeutet ursprünglich
eine hölzerne Verschanzung nuf einein Berge, dann Bollwerk, zuletzt Turin,
der bei den Hurgen an der dem Angriff am meisten ausgeätzten Stelle 8 t and.
'-' AI ten bergen jetzt, ein Sachsen - gothaisches Dorf zwischen Georgentbai und
Friedrichroda. Über die ganze Geschichte s. lieben d. heil. Ludwig, Ii. v. Rückert,
S. 49— 51. 3 Das mhd gt>ziuc = md gezüe, st tu. oder stn., bedeutet kriegerische
Ausrüstung, Maschinen zum Belagern, Geschütz. 4 mhd verswern, stv., hier mit
dem Dat. der Person und dem Ace. der Sache „eidlich einem gegenüber auf
etwas verzichten." 6 zu gründe bis auf den Grund. ,; Entnommen au»
dem formelhaften .ein guot nie3eu, wenden und keren,1 also keren md wenden an
etwas = „andere verwenden für etwas."
4ä. • S. Leben des h Ludwig, h. v. Kückert, S.18- 19. ? selczamickeit, bei
Diefenbach gloss. lat. germ. 484'' seltzamigkeit , md Nebenform zum mhd eelt-
Digitized by LjOOQIc
45. Stück.
87
sant, unnd den liss der togentsanier forste lantgrate lodewig, sente
elsebeten herrc, zu wartperg in eyne czweyfeildig gegitter süssen. Do
geschach es in deine selben jare, eir her ubir | melier czouch, als her v
evnes morgens fru uff stunt unnd wolde umrae syner nottorflt willen
in dy borg geen unnd nette ezwene potschu4 an geczogen unnd ubor
syme hemde*5 eynen gefutterten mantel an geczogen, do hatte der
knecht, der des lawen pflag, das torehen, das zu ome in das gegetter
ging, nicht wol beslossen, als her ome zu essen gegeben hatte adir on
gereyniget. Do begeinte der lawe deme lantgrafen unnd lift on an, als
allermelch* uff der borg noch sliff, unnd nymant by ome sliff, unnd
ouch nymant by ome was. Do rackte der herre syne fust uff kein
deme lawen unnd schreigk on snellichen an; zu hant liss der lawe von
syner freisslickeit unnd ieyte sich nedder uff dy erden vor des forsten
fussse unnd regete synen czagel kein ome, als er den herren flebotho7
wolde. Do hatte der wechter uff deme torme des horn gesehreye ge-
hört unnd trat an dy czynnen unnd wart des herren mit deme lawen
gewor. Der brochte do das hofegesinde uff unnd riff deme knechte,
der des lawen pflag zu Worten ; der quam unnd brochte on do yn syn
Wesen widder. Do straffte der herre den knecht gar hertieklicheu
umrae syne vorgessenheit, unnd es were ome alzu swer worden, hette
das hofegesinde nicht gemeyniclichen also sere vor on gebeten. Es
meynten vil luthe, her hatte senton elsoboten unnd syner togunt ge-
nossen keyn goto, das her on also czeichen haftig behut hatte.
4
* IISs «yn« h«ndo.
saem«*cheit, stf., Seltsamkeit, bedeutet hier „seltenes Verhalten, seltene Liebens-
würdigkeit." * Ludwig» Schwester Agnes war mit dem Herzog Heinrich von Öster-
reich vermählt. 4 Liliencron im Glossar zu Rothe S.723 erklärt es mit „grobem Schuh"
= Buudschuh. Da in Thüringen dialektisch heute noch „Botschcu" oder „Potsehen,"
Nebenform Bambuschen (Brandis II, S. 6) und Babuschen (Hertel, Th. Sprachsch.,
S. 61) Hausschuhe oder Pantoffeln bedeuten, so ist botechuh wohl v. frz«. botte,
deutsch bosz, stm., — »kurzer Stiefel' (s. Grimm, Dtsch. Wörterb. II S. 268) ab-
zuleiten und bedeutet Bauern- oder Bundschuh (von binden), s. Grimm D. \V. II,
8.278, A. Kirchhoff, Krfurt ä. 13. Jahrh., 1870, S. 36, spricht von „klobigen Boss-
schuhen von Rinds- und Bocksleder.'4 5 Stolle hat sich wohl verschrieben, wie
Rothe (syme hemde) l>eweist; vielleicht ist jedoch der Dativ hende beizubehalten
als Nebenform zu hemde, so Nibelungenlied 1066,3 heudeblosz ~ „im blossen
Hemde," wo Lachmann die Form hendeblosz beibehält, da sie sich in den IISS
findet mit Ausnahme von l> (Prüm -Münchner HS), welche hemdebloz liest,
s. Anm.z. d. Nibelungen (1836) S. 140. * allermelch ist mundartlich zusammen-
gezogen aus aller (gen. plur. von al vor Sujicrlativcn, Adjcctiven, Adverbien und
rronoin. zur Verstärkung) und mannegelich menglicfi, melch = „mäuniglich,
jeder," also allermelcli (and allero mann«'» io gallh) = jedermann." Rothe hat
hier entsprechend aller menlich, hat aber die Form allermelch auch einmal,
St 686 8. 593. 7 tiebethen existiert sonst nicht, von Stolle gebildet aus mit fle
ivlehe) bitten, z. B. Leben der heil. Elisabeth, herausggb. von Rieger, 7344.
Digitized by LiOOQlC
88
46. Stück.
R.tb.«9 46. Von ern waltmanne von setelstete ritter. |
»8 Waltmann von setelstete hiess eyn weydelicher ritter, der was ge-
sessen poben setelstete.1 Do hatte her eyne steynen kenimenaten,2 do
noch dy wol stat3 ist. Der was gar eyn grosser Stecher unnd hofirer.
Nu hatten dy hern eynen hoft zu isenache gehat, der wart dar noch
gelegt keyn merseburg. Do gab sich disser genante ritter zu isenache
vor den hern unnd gesten uss,1 das her zu deme hofe keyn morseburg
mit syme hern lantgrafen lodewige riten wulde unde mit ome füren
wulde eyne wol gesmuckte junefrowen uft eyme czelden pferde.5 Dy
sulde füren eynen wolbereytten6 sperwer unnd mit eyme guten
stouber7 noch sente walpurgen tag8 unnd wulde ritterschafft kegen
eyme iglichen erbarn manne do wortende syn, unnd alle tage zu deme
hofe, uff deme hofe, unnd wedder heym kein isenache drye schuste9
mit dren erbar mannen halden,10 unnd wer on nedder steche, der solde
dy junefrowen vor dienen, den sperwer, den stouber, den czeldener
unnd synen harnasch,11 als her rethe. .Aber dy junefrowe, dy solde
sich losen mit eyme gülden vingerlin von eyme gülden ; wen her ouch
nedder steche, der solde der junefrowen eyn fingerlin unnd ome eyn
fingerlin geben, der igliches eynen gülden wert were. Der selbe stolcze
unnd menliche ritter czog also mit syme hern lantgrafen lodewige zu
demo hofe, do mancher stolczer ritter under wegen uff on hilt, das on
nymant nedder stach, unnd brochte syne junefrowen wedder mit syme
hern unnd mit den erbarn frowen, dv do mete furn, kevn isenache:
unnd dy junefrowe brachte also vele gülden fingelin, das sy alle
hofe junefrowen wol begabete. Ditte geschach noch cristus gebort
1226 MCCXXVI jar.
i
46. 1 Sättelstädt ist heute ein SachBen-Gothaisches Dorf zwischen Gotha und
Eisenach. J Auf der Besitzung des Herrn Waltroann von Sättelstadt stand
wohl nur ein sogenannter Burgstall, eine kleine Burg, in welcher Palas (die
Halle des Burgherrn), Kerne nate (von caminus ».Feuerstätte", das eigentliche
Familien- und \Vohn gern ach) und Küche sich im Turm befanden, welcher von
einer Um fang» mau er — das sind die 5 notwendigen Bestandteile einer Burg
— umgeben war. J Walstatt = Schlachtfeld , Kampfplatz , hier auch vom
Turnierplatz. 4 U3geben = „aussagten, erkundigen." * Ein Zelter, Pferd mit
Passgang (zeit, stm., Passgang), ist ein Damen pferd, ein Pferd mit sanfter Gang-
art " D. h. gut abgerichtet. 7 stouber (selten, wie hier, ohne Umlaut
stouber). stm, ein aufstöbernder, also abgerichteter Jagdhund. 9 Also nach
dem 1. Mai. 0 schuste, stf., tjostc, ritterlicher Zweikampf mit dem Speer,
hier der einzelne Gang in diesem Kampfe. 10 Das Turnier, das der Herr von
Sättelstädt anbietet, ist dem Zwecke nach ein turnei uuibc guot: der Besiegte
muK-ste sich mit einer bestimmten Summe lösen; nach den Bedingungen ist
ex ein turnei ze schimpfe (d. h. zur Kurzweil) mit vride, d. h. man netzte von
vornherein eine bestimmte Lösesumme für den Besiegten fest; der Form nach
ein stich ze rechter tjoste, Einzelangrifl' mit der Lanze, richtig angeboten tden
turnei anbieten) und angekündigt (den turnei schrien), s. Götzinger, Reallexikon
der deutschen Altertümer, ». v. Turnier. Eigent ümlich ist nur die Dreiteilung de*
Stechens in Merseburg, auf dem Gute in Sättelstädt und in Eisenach. 11 harnas
oder harnasch, Ringpanzer, umfasste die ganze persönliche Rüstung des Ritters.
Digitized by LjOOQIc
47. Stück.
89
47. Wy seilte elsebete gehorsam was meister
conrade von martpurgk pristere. **t»ui
Es was in den gecziten undcr den andern bisschofen, epten unnd v
pristern, dy das crucze von des bobestes wegen also wyd was, also dy
heilige cristenheit was, predigeten, das man ubir nieer mit deine
keysere1 czehen solde unnd jerusalem gewynne, das der hobischer3
unnd wol gelarter pfaffe meister Conrad von martpurg,3 der mit syner
predigate unnd lare in dutschen landen luchte also der morgen stern
vor andern pfaffen. Urne folgeten beyde, platten unnd leyen, unnd her
was eyn sucher der ketczer unde beschermer des glouben. Don hatte
lantgrafo lodewig unnd sente elsebete besundern lip umme syner guten
lare willen, wanderunge unnd reynen lebens. On hatte oueii lantgrafe
lodewig also in grossen eren unnd werdigete on da mete, das hör alle
sine leen, dy her zu leen hatte, von syner wegen vor leich, unnd das
wart stete unnd gancz gehalden uund dar ubir dy breffe zu geben
under lantgrafen lodewiges unnd siner brudere heinriches unnd conrades4
ingesegel, wanne her hatte on gesaget, das sy grosse sunde dar an
teten, das sy eymo unwerdigen unnd unvorstendien pfaft'en eyne
kerehen adir eynen altar legen, danne ab sy in eyme strite funft'c/.ig
adir sechezig man mit oren eygen henden er slugen. Disseme selben
meister conrade teth mit wissen unnd willen lantgrafen lodewiges»
sente elsebeten in allen guten geistlichen czemelichen dingen gehorsam,
unnd was or bichtiger, or prediger, or Vorsteher in den geboten unnd
rechten | gotes. An den houbte •'' sy sore noch ores herren tode unnd x»
suchte alle oren rad unnd trost nest gote an ome. Er halff or buwen
den spettal zu martpurg unnd pflag on biss an or ende.
• IIS: teth lantfrrefe iMtowig, unverständlich, nach Rothe orgXnxt.
•
47. 1 Es handelt »ich um den Kreuzzug, den Kaiser Friedrich II. nach
längerem Zogern endlich, nachdem er sieh vom Papst dreimal die Frist hatte
verlängern und im Vertrage zu S. Uermano i. J. 1225 die feste Verpflichtung
übernommen hatte, im Jahre 1228 unternahm. * hobisch ist md für mhd
hövesch = höfisch, dh. fein gesittet und gebildet. 1 Auch da« Verhältnix zu
Konrad von Marburg sowie dessen Geschichte wird als bekannt von uns voraus-
rtzt, 8, übrigens lieben des heilig. Ludwig, h. v. Rückert, S. 46 — 47, Wegele
Z. V 8. 379 ff. u. Wenck elwiida LXIX S. 224 ff. Der Einfluss Konrad» be-
gann i. J. 1225, VVenck, a. a. 0. S. 228. 1 Heinrieh IV. Raspe, der spätere
deutsche König, und Konrad, später I [ixthmeinter des deutschen Ordens, waren
die Brüder des Landgrafen Ludwig IV. Mundartlich für ingesigcl, stn,
Siegel. * houbeten, swv, Präteritum houpte, md houbte, einen als sein Haupt
anerkennen, ihm als seinem Haupt anhängen."
Digitized by Google
!>0
48. Stück.
48. Wy eyn tattel wip seilte elsebeten in den
Roth« in (juad1 styss.
1228 Also man schreib noch cristus gobort MCCXXVIII jar, doging* dy
liobo sente clsebete, dy arme luthe dicke geherberget hatte unnd gc-
spiset, unnd bad zu isonacho herberge unnd leyd gebrechen an spisse
unnd an trancke. Unnd also sy nu wol dry ader vier herberge ge-
sucht hatte unnd in iglicher herberge nicht lange bleib, do erbarraete
sich oyn prister über sy unnd gab or dy herberge unnd wogete den
czorn lantgrafen heinrichs, der mit synen erben das lant besitczen wolde,
unnd do meto vor dente her, das on got dar mit plogete, das her adir
syn bruder Conrad liebes erben ny gewonnen. Der genante prister
hatte motclidungc3 mit or unnd thet or gutlichen mit deme, das her
vor mochte. Do vor satcze dy heiige frowe ore pfände, das sy sich
generte, unnd span unnd erbeite,4 was sy konde. Es geschach zu der
selben czit, das dy selbige frowe an deme marte zu isenache, als man
von der rollen zu der badestoben5 geen wel, über dy schret steyne,fi
dy an eyner langen czile zu deme male hon 7 gesatczt worn durch des
tiflen quatis willen, do sich dy messersmede gasse8 anhebet, wanne
t dannoch keyne steyn wege | do worn, geen soldc. Do begeinte orzu
mittelwege eyn aldes wip, eyn bettelern, der sy dy almosen dicke ge-
geben hatte, unnd stiss do dy lieben sente elsebeten, dy or nicht ge-
rinnen konde, in den tiffen quad, also das sy alle ore kleydero wassche
muste. Ditte lcyt sente elsebete geduldigiichen unnd danckte gote
lachende, das sy ummc synen willen allen luthen vor smehit worden were.
48. 1 quät (gen. qiuUis), auch quad, stn., „Koth." Städtische Strassen waren
im Mittelalter im Verhältnis zu den unsrigen sehr unsauber. ? Die Legende
hat die angebliche Vertreibung der heiligen Elisabeth von der Wartburg durch
Heinrich Raspe nach dem Tode ihre« Gatten Ludwig «ehr ausgeschmückt; die
Thatsachc als solche ist sehr unwahrscheinlich, s. Wcnck, a. a, O. S. 223 ft.
■' metelidunge md = mhd mitelidungc, stf., ist eine Weiterbildung von mitelide,
stf., „Mitleid". * Rothe schreibt selige. „Rolle" und „Badestubc" sind
Strassen in Eisenach, spater „Auf der Rolle ' und „Badergasse". Im Mittelalter
sind die Badestuben öffentliche Badeanstalten, auch «um Vergnügen und zur
Unterhaltung; sie lagen meist zusammen oder doch mehrere in einer Strasse,
welche selbst öfters Badestube heisst. ,s Da damals in den Strassen das
Wasser offen fioss, so lagen in gewissen Zwischenräumen Steine, auf welchen
man von einer Seite der Strasse auf die andere gelangen konnte. ' Rothe
liest: zu dem mol hoc, d.h. sie waren wegen des tiefen Rothes, denn aller Wahr-
scheinlichkeit nach ereignete «ich der Vorgang im November des Jahres 1227, damals
recht hoch gesetzt; Stolle lüwst sie damals izu deme male) erst hingesetzt werden.
K Der Vorfall spielte sich also am Anfange der Messerschmiedegasse, die noch
heute in Eisenach existiert, ab; die Situation ist klar nach dem kleinen Plane,
welchen W. Rein seinem Vortrage: Kurze Geschichte und mittelalterliche Phy-
siognomie der Stadt Eisenach, beigefügt hat i«.ZThG, V, 1862, S. 1—21.) Nach
Pauliini ( Annale« Isenacenses in s. Syntagma rem in et antiquitatum Germani-
carum, 169S) geschah es an der Johanniskapellc bei dem Löbersbache, wo auch
eine Säule zum Andenken daran gesetzt gewesen sein soll, s. topographisch-histor.
Beschreibung der Stadt Eisenach von J. W. Storch, 1837, S. 388.
Digitized by V^OOQle
49. Stück.
91
49. Wy sonte elsebete wonte zu bamberg.
Frowe sophia,1 eptissche zu kitczingen, vor nam den gebrechen Roti*
sente elsebeten, or momen, den sy in der stat isenache leyd, unnd sante
zu or eynen wagen kein isenache unnd liss sy holen, unnd also sy
do eyne czit mit or gewest was, do santo noch or der bisschoff von
hamberg,2 der or ouch zu gehörte von ores wertis3 seligen wegen, unnd
meynte, sy were bass mit ome, danne in domo clostere zu kitczingen,
her wolde sy wedder zu orem vater in ungern sende, unnd ab sy des
nicht thun woldo, so wolde her sy wedder eynem forsten adder hern
groben, wanne sy noch gar eyn junge frowe was, sy was zu der czit
XXI jar alt, unnd worde also by ome gefriget, eer danne zu kitczingen.
Unnd also nu sento elsebete kein babenberg quam, do hilt sy der
bisschoff gar erbarlich mit oren kindern, mit czwen juncfrawen, mit
czwen wibesnamen,4 mit czwen mevden unnd mit czwen dienern unnd
mit eyme pristere uff dem slosse bodensteyn, unnd liss do or selb
czwolffte gar erlichen warten. Item in das selbe kloster zu kitczingen
gab sente elsebete | or tochter eyne5 hen der eptisschen, unnd wart do so
in geseynet. Unnd also sente elsebethe eyne czit gewas zu boben-
berg unnd vornara, das der bisschoff dar uff dechte, wy her sy gerno
eyme fromen hern geben wolde, wanne das czit worde, do muther-
niete'5 sy sich sere umrae. Do tragete sy or heymeliche getruwe
dynerynne juncfrowe istrut, ab sy der bisschoff vor gebe, wy sy sich
danne stellen wolde? Do antwarte sente elsebete: Ich habe goto ge-
lobet unnd mynem hern, do der lebete, das ich vort nummer mannes
meer schuldig werde wel, unnd kan ich mich des nicht mit Worten ent
slaen, so wil ich mir selber dy nasen7 abo snyte.
„ 49. 'Der Chronist irrt; es war Mathilde, Elisabeth* Mutterschwester (Muhme),
„Äbtissin von Kitzingen, der ältesten und bedeutendsten Frauenabtei Frankens",
s. Wegele, a. a. O. S. 361, der auch über das Geaehlecht der Herzöge von Meran
und Grafen von Andechs, dem Elisabeths Mutter Gertrud entstammte. Hormayr,
Werke, Bd. III, 1822. citiert. 9 Es ist Eckbert, Bischof von Bamberg, Elisa-
beth« Mutterbruder, bekannt aus der Geschichte der Ermordung König Philipp«
von Schwaben. 3 wirt, oft = „Ehemann"; der Chronist irrt, denn Eckbert war,
wie oben gesagt ist, ein müttelichcr Verwandter Elisabeths. 4 „name" mit dem
Genitiv ist oft nur collective Umschreibung, also hier wibesname — Weiber,
dienende Frauen; hieraus erklärt sieh das noch mundartlich vorhandene (s. Mart.
Schultze. Idiotikon der nordthür. Mundart S. 46): wlbesen. Ebenso collectiv
Mannesnamen, s. St. 384 A. 15. f' Gertrud , Elisabeths jüngstes Kind, geb. am
27. Sept. 1227, später Äbtissin des Klosters Altenhuri; bei Wetzlar, vor ihrer Ge-
burt schon von Vater und Mutter dem geistlichen Staudt- geweiht, gleichsam als
Gelübde für eine glückliche Heimkehr Ludwigs vom Kreuzzuge, s. Wegele, a. a. O.
S. 383. H Rothe schreibt: do muhte sie sich sere umbe, aber St. 339 S. 261 das
sie sich do bogunde zu mut hermen d. h. ,,im Gemüte sich abhärmen", wo nach
Lexcr, mhd Wörter!», s. v. hermen nach Pfeiffers Germania V, 242 und VI, 63
muthermen zu lesen sei, ein Verbum, da** hier bei Stolle erscheint. J Die
Legende überträgt hier auf Elisabeth eine beabsichtigte Selbstverstümmlung,
welche die Nonnen zu Accou i. J. 1291 wirklich vollbracht haben, s. unten St. 218
(lat. Excerpte Stolles).
Digitized by LjOOQIc
92 50. und 51. Stuck.
50. Wy lantgrafe lodewig kein bobenberg bliebt
Roth« <:>6 wart al tod.
In des also dy grafen unnd hem, dy mit lantgrafen lodewige,
sente elsebeten lierre, ubir meer geczogen worn, der nn gestorben was,
so bereitton sy -sinen lichnam, das sy den mit on zu lande mochten
brenge noch syner begerunge, also her on befolen hatte. Ben lichnam
soten sy in der stad ottrand1 unnd begruben do sin fleisch in eynie
reynen wissen tuche unnd lissen on do begeen1 gar herlichen. Dar
noch fasten sy sin gebeyne, das wiss unnd reynlich was, in eynen
schrin unnd ubir czogen den mit eynem reynen tuche unnd heilten
dar uff' eyn silbern erucze mit edelme gesteyne gesatczt, als wol
ezemelich was eyme tromen cristen forsten unnd synen getruwen
v gloubingen | dynern unnd fürte on, do dy czit quam, mit on zu lande;
unnd in eyner iglichen stat, wo sy des nachtes herbergeten, do satczten
sy dy laden mit deme gebeine in eyne kerchen unnd begingen on des
abendes mit der vigilie horlichen unnd des morgens mit der sele messe,
er danne sy von dannen reten, so sy aller herlichst konden. In welchen
closter ader stifften her also ubir nacht bleib, do liesen sy dorch syner
sele willen eyn gut syden tuch zu gedechtnisse. Also toten sy under
wegen unnd liesen man ig schönes oppfer unde liesen in den kerchen
mauig gut syden tuch, biss das sy quoraen biss keyn babenberg. Do
das der bisschofl zu bamberg er für, da« dy hern wedder quomen vom
heyligen grabe, do vorbotte her dar zu dy lieben sente elsebeten, das
sy queme orme hern en kegen, des gebeyne man brechte, unnd be-
stalte do gar erliche hern unnd edele manne, dy or pflegen unnd by
or weren. Do wart dy liebe sente elsebete uss der mossen fro der zu
kunnfft ores hern. Do es an der czit was, do ging der bisschoff selber
mit allen synen thumhern unnd der pfaft'heit der stad bamberg ome
en kein, unnd dar zu man unnd frowen mit geluthe unnd mit gesango
unnd brochten on also gar erheben in dy kerchen des thums, do her
also in steteme gotis dinste ubir nacht bleib.
51. Wy man lantgrafen lndewigen braebte keyn
koum> 457 reynbardessborn.1
3i Noch deme also dy liebe sente elsebete | zu babenberg ores lieben
hern gebeyne mit grosseme betrupnisse unnd jammere gesach, do ging
sy an eyn ende in deme munster usswendig der kerchen unnd sante
60. 1 In Otranto in Ajmlien war Landgraf Ludwig IV. am 11. Septbr. 1227
gt'Htorben, *. lieben des heil. Ludwig, herg. v. Riickert, K 62—63. 8 begön heisst
oft „feierlich zu (trabe geleiten, eine Totenfeier halten", s»o noch in unserem
Leichen-begäiignis.
»1. 1 Ö. Leben d. heil. Ludwig, h.v.Kückert, S. 65-66.
t Digitized by LjOOglC
52. Btück.
noch deo grafen unnd hern, dy uss doringen mit orem hern ubir raeer
gewest worn, unnd enpfing dy gar gutlichen unnd bad sy, das sy
mit or nedder sitczen wuiden, wanne sy vor mochte nicht zu stehene,
unnd redte do gar gutlichen mit on unnd bad sy dorch got unnd
umme ores hern willen, das sy ore rethe sin wuiden unnd Vormunden,
unnd sy mit oren kinden, wo sy künden, vorteydingen, unnd klageto
on ouch, wy gar smelichen unnd ungetruwiclichen or swoger lantgrafe
heinrich unnd lantgrafe Conrad mit or umme gegangen betten, unnd
was sy kummers unnd grosses gebrochs8 zu isenache geleden bette
von oren wegen. Do quam der bisschoff ouch zu on undo redete mit
on umme das lipgedingo, das sente elsebeten von ores herren wegen
werde solde, unnd das sy dar an syn wolden, das or so getane
narunge unnd gemach von den lantgrafen, synen magen, bewiset wurde
also, so danne recht,* billich unnd mogelich were; anders woldehersy
nergen von ome lassen. Dy grafen unnd hern gelobeten deme bis-
schofte dits also uss zu richten. Dar noch so wart der togentsame
forste lantgrafe lodewig mit eyner schonen messe von deme bisschofle
gar herlichen begangen, do dy gancze stad zu quam. Do liss der bis-
schoß der geste den ganczen | tag gar wol pflegen unnd loste sy :t ♦
allerwegen uss den herbergen. Dar noch an deme andern tage fru, do
hilt man ome aber eyne fru messe, unnd ezogen von dannen, unnd
der bisschoff" liss do sente elsebeten füren mit orem hern kein Reyn-
hardisborn4 in doringen.
52. Wy man lantgrafen lodewigen begrub.
Gar schere quam dy botschafft in doringen zu lantgrafen Hein-
riche unnd synie bruder unde zu andern erbarn luthen. Dy sarameten
sich unnd quomen zu reinhardisbom zu der by graftt des togent-
samen lantgrafen lodewiges. Do hen quomen edele unnd unedele,
manne unnd frowen, pfafl'en unnd leyen gar oyno grosse menge. Do
was gar grosse clage unde betrupnisse under deme volke, do sy on in
das closter brochten, wenne dy armen geraeyne luthe hatten on gar
lip, wanne her hatte on vele gutis gothon. Do geschach gar gross ge-
beth, vele messe, gross unnd herlich begengnisse unnd gross oppfer
unnd vele almosen. Do nomen dy hern das gebeyno unnd brochten
das in eynera steynen sargk mit der laden unnd begruben on by syne
eidern. Do was kegenwertig frowe sophia, sin muter, unnd ouch sente
elsebete mit vele erbarn trowen. Do worn ouch kegenwertig lantgrafe
* HS: rech.
J Mhd gebruch, md gebrach, stm., „Abgang, Mangel." 9 loesen, lAsen, swv.,
bedeutet oft wie hier „bezahlen für jemand." 4 Kloster Reinhardsbrunn, von
dem Landgrafen Ludwig II. und Hemer Gemahlin Adelheid 1086 gegründet (s.
RDThD I No. 947 8.201), war die Begräbnisstätte der thüringischen Landgrafen;
der letzte, der hier bestattet wurde, war Landgraf Friedrich IV. i. J. 1440.
Digitized by LjOOQIc
04
53. Stück.
heinrich unnd lantgrafe Conrad, sine brudere, unnd dar zu das mey ste-
teil alle grafen ussrae lande zu doringen, hern unnd erbar lutbe umme
des togentsamen forsten willen unde umme der hern unnd frunde
willen, dy wedder quomen worn von deine heiigen grabe, dy on brocht
hatten. Also nu disser forste herlichen bestad1 wart unnd eyn ig-
s> lichcr, der* disses nicht | wol zu schickene hatte, wedder heym czouch,
do bieben in deme closter lantgrafe heinrich unnd lantgrafe conrad unnd
or muter lenger unnd bestalten, das dy koste, dy zu der bygrafft do
vorezert worn, vorgulden unnd beczalt worden. Unde dar mete bleib
ouch sente elsebete mit den hern, dy oren hern seligen ubir moher tod
bracht hatten. Unnd dy gingen do zu sammene unnd hatten nicht
vorgessen, was on der bisschoff von bobenberg befolen hatte zu werben
unnd zu reden mit den lantgrafen zu doringen unnd mit orer muther
von sente elsebeten wegen, der heiligen wettewynnen.2
53. Wy er rudolff von vargela straffte1 lantgrafen
heiiiriehen von sente elsebeten wegen.
Under den grafen unnd hern was do nymant also wol redende
also er rudolff von vargela der schencke.2 Den boten dy hern gemein-
clichen, dy des togentsamen forsten gebeyne brocht hatteu, das her or
aller wort kegen lantgrafen heinriche unnd syme brudere rede wolde,
unnd das thet her gerne; unnd quomen do zu dem lantgrafen hein-
riche unnd buringeten 8 on. Do hub er rudolff der schencke an: Herre,
myne frunde unnd uwer manne, dy hie kegenwertig steeu, haben
mich gebeten mit uch zu reden; wir haben gehört unnd wol vor
nomen in franckt'ii unnd ouch hye in doringen von uch so getan un-
mildieklieh,4 das unser gemuthe darumme gar sere er schrecken ist, unnd
unser antlicze sint dar von mit schemeden ummefangen, dar umme das
•
» HS: des.
52. 1 bcstadjst md synkopierten Prncteritum von bestaten, euphemistisch —
„beerdigen". — ÜImt den Vorgang s Leben des heil. Ludwig, h. v. Rücken, S. 6«.
• Wie du* inhd witewe zu witcweiinne weitergebildet ist, so hier dun md wettewe
dialektisch zu wettewynne.
53. ' S. Lehen den heil. Ludwig, h. v. RftVkert, S. 67— G9, St. 53 u 54 zusammen-
gefaßt. • Rudolf von Vargula (Gross -Vargula , Flecken an der L'nstrut, im
preussischen Kreiste Langensalza, Reghzk. Krfurt), der an» I^andgrufenhofe das
Hotamt des Sehenken bekleidete, war einer der treusten Anhänger des ver-
blichenen Landgrafen und wird öfters in seiner Geschichte (z. B. in d. Anual. Rein-
hartbrunn.) als ein tüchtiger Kriegsheld wie edler Charakter erwähnt. S. .Job.
Renatus, Rudolf von Vargula, der Schenk zu Saaleck, 1890. 3 beringen, sww, tr.,
bei md Sehrifstelleru — „umringen." * Das md Adj. unmildicklich und bald
darauf das md Subst. unmildekeit (Gegensatz mildeclich und mildekeit) bezeichnen
hier nicht den Mangel an der im Mittelalter an den Fürsten hochgeschätzten
Tugend der Freigebigkeit (mhd milte — freigebig), sondern sind mehr im ethischeu
Sinne zu fassen als „unbarni herzig" und „Unbamiherzigkeit."
Digitized by Google
53. Stuck.
so getane unhobisscheit5 unnd unthogentliche un mildekeit an uch funden
ist. Eya I ir junger forste, was hat ir gethon ? wer hat uch das ge- t
roten, das ir uwers bruders wip, dy edeln betrubeten wettewen, des
edeln koniges tochter, dy ir billiche soldet getrost habe unnd in grossen
eren gehat haben, das ir dy ane sache von uwerme slosso unnd uss
uwern steten gewist hat, also eyn ubeltetigis böses snodes wip, das or
schöner liplicher lümunt an allen enden wedder spricht, unnd hat dy
also gar unnd unhobislichen vor worffen unnd ouch also grossen
kommer lossen liden in uwern steten, unnd also eyne bettelern ge-
lossen, das uch schentlich, bosslich unde schenielich lutet, unnd gar
un erlich ist von uch eyn solches zu sagen. Dy weysen, uwers bruder
kindere, dy ir geezogen unnd in schöner vormundeschaff't soldet ge-
halden haben unnd übe unnd gutlichkeit bewiset habe, dy hat ir lester-
lichen unnd schemelichen von uch gewist; wo was nu uwer bruder-
liche truwe? Dit hat uch uwer bruder seliger, der togentsamer forste,
nicht gelart, der das synem geringesten erbarn manne in syneni lande
mit nichte gethon hette, das ir an der edeln konigen, uwers bruder
wip, unnd an oren kindern gethon hat. Wir mögen wol truwe unnd
gnade zu uch suche, dy wile das ir on solche untruwe bewist hat, das
uch nicht forstlich zu sted solche missetad. — Nu sweig der herre zu
dessen reden unde wüste nicht vor schemeden, was her hir zu ant-
warte solde, sundern her slug sin houbt nidder. Do hub der schencke
wedder an : Herre, was hat ir an der krancken, vorlossen, betrubeten
wettewen getorcht, dy» do enelende ane alle frunde unnd möge in
disseme | lande hy gewest ist, unnd was mochte uch dy togentsame 3»
frowe sente elsebete gethon habe, ab sy alle uwere sloss inne gehat
hette? Wy gar untoguntlichen luteth das uch, wan man das in andern
landen gedencket! phie der grossen schände, dy von fromden unnd
von den bekanten nu unse oren dicke hören müssen! Ir had gar
ubele dar an gethon, ir had ouch got sere erezornet ane czwifel, unnd
ir hat uch selber geuneret unnd dasganeze lant zu doriugen gelestert
unde den forstlichen" lümunt geswecht, unnd werlich ich forchte, das dy
rochunge6 gotis dar um nie über dith lant queme, es en sy danne, das
ir kein gotte busset unnd uch mit' der selbigen7 frowen gutlichen
sünet unnd or das ore wedder brenget, das or unnd uwers bruder
kindere zu korcz von uch gescheen ist.
Do nu disser er walter sulche rede vorczalt hatte, da vorwunderten
sich alle graffen, rittere unnd knechte, dy do kegenwertig warn, das er
walter der schencke also kunlichen mit deme forsten do redete. Do
begunde der junge forste, lantgrafe heinrich, zu weynende, das her
• Hü: fortlichon.
" mhd unhövescheit md unhobissdieit, ist der Maugel an guter und feiner
Sitte, wie solche an den Höfen der Fürsten und Edlen damals herrschend war.
0 rochunge ist md, gemeindeutsch ruehunge, Weiterbildung von raehe. 7 Rothe
liest „*ehgeu".
Digitized by LiOOQlC
9ß
54. Stflck.
by langer wilo nicht geantwarte konde, unnd sprach do: Was ich
gethon habe, das ist mir getruwelichen leyd, unnd dy mir das geroten
haben, den wil ich nummer holt werde, unnd dar umme, das ich else-
beten hulde unnd fruntschaffl wedder erkrijje, unnd was sv von mir
begeren wil,' das wil ich alles gerne thun, unnd ir solt des ganeze
macht habe von mir, also ferne mir lip unnd gut gereichen mag. Do
sprach der schencke: das ist erlichen unnd recht.
54. Wy sente elsebete mit orme swoger vor
Roth,4«i sunet wart. |
▼ Dy grafen begonden do zu trösten dy betrubeten wettewen, sente
olsebeten, unnd sageten or, wy sy mit orme swoger, lantgrafen hein-
richen, von oren wegen gereth hetten, unnd das her on ge antwart
hette, das her sich fruntlichen mit or vor sunen wolde, unnd wes sy
begerte adir was sy von ome habe wolde, das wolde her williglichen
unnd gerne thun, unnd des hetten sy gancze macht. Do sprach dy
heiige frowe: Siner borge unnd syner stete, synes landes unnd syner
luthe unnd alles des, do man von der luthe wegen sorge unnd be-
kummemisse mete haben muss, des begere ich nicht, sundern also
vele, als mir gebort von rechte, von metegiflt wegen unnd lypgedinge
mynes mannes seligen, das bethe unnd begero* ich, das her mir das
losse volge unnd das gebe unnd das thun, wor hen ich wil zu heyle
unnd zu salickeit myme leben frunde. Also nu ditte sente elsebete on
ge antwart hatte, do brochten sy zu or lantgrafen heinrichen, unnd
der bat sy do gar gutlichen dorch gotis willen, was her an or gethon
hette, das sy ome das vor gebe wolde, ess were ome leyt unnd wolde
sy des er getczen, wo mete her solde, das her gethun konde, unnd
nam sy gutlichen an1 synen arm. Do begonde dy selige frowe also
bitterlichen zu weynen, das der lantgrafe mit or weinte, unnd dy
hern, dy mit lantgrafen lodewige usse gewest worn, dy vor nuweten do
or betrupnisse unnd or clage, das sy also eynen togentsamen gnedigen
hern vor lorn hatten. Also nomen dy hern do orloub von lantgrafen
Heinriche, von syme bruder, von syner muter unnd von sente else-
34 beten unde | boten, das sy or gütlichen wern, unnd or iglicher reit
von dannen zu sinen frunden heym.
* HS : lit (Rothe: haben wil).
♦4. 1 Wir sagen: „in seine Anne", d. h. umarmte sie, hier nach der Analogie
von: au »ine brüst nenien.
Digitized by LjOOQIc
55. und 56. Stuck.
97
55. Wy seilte elsebete von wartperg keyn niartpiirgk r-^g*
quam in dy hessen.
Horliohen unnd suberlichen brachte do lantgrafo heinrich sine
geswigen sente elsebeten mit syner muther weddor keyn isenache nnnd
keyn wartperg unde Iii lt sy gutlichen unnd liplichen by ome mit orme
gesinde, also vele sy des haben wolde, unnd erboud1 or alle erbarkeit
glich siner muther. Dass selbe toten ouch sin muter unnd sin bruder,
dy willigeten sy, wo meto sy künden. Ditte geschach als man schreib
nach cristus gebort MCCXXV1IJ jar. Also bleib sente elsebete mit 122s
lantgrafen heinriche zu wartperg wol eyn jar, unnd her hette sy gerne
lenger by ome behalden , wore es or eben gewest, wanne sy suchte
alleczit eyn abe gescheiden leben unnd ezouch sich ganez von den
luthen, unnd ye mee man or ere erboit, ye sy sieh mee demutigete
unnd vor niehtigete. Do begerto sy von orme swoger lantgrafen hein-
riche, das her or vor see eine bequemeliche stad, do sy nicht vel
bekant were, unnd do sy ore narungo gehaben mochte unnd or eygen
gemach. Do wart her zu rathe unnd gap or vor or lipgedinge mart-
porg in hessen land mit alle syner zu gehorunge, dorffen, czinsen,
gerichten unnd renten. Do danckte sy orme swogere unnd or s weger
unnd sprach, das her sy wol vorsorget hette unnd or wol gnugete.
Dar noch geiobete her or dar zu funffhundert margk zu sonden, das
sy sich do methe zu | rathe gesetczte zu domo ersten. Also ezouch sy ▼
do von wartperg keyn martpurg. Das geschach noch cristus gebort
iICCXXIX jar. Unde do sy kein martpurg quam unde das in genam 1229
unnd ore ammecht luthe- noch meister eonrad rathe gesatczt hatte, do
erten sy dy luthe in der stat also sere, das sy des nicht geliden
mochte, unnd ezouch do uff eyn dorff.
50. Wy seilte elsebete den spetal buwete zu mart- ***
purgk unnd niaebte.
Eynen spotal liss dy selbige frowe sente elsebcto vor der stad zu
martpurg do anheben mit deine gelde, das sy uss doringen mit or
brecht hatte, unnd liss or eyn armes huss1 do by buwen. Do czoch
sy do mit yren junefrowen in, dy sy mit or hatte uff deine dorffe,
do sy in oyme wüsten huse gewont hatte, unnd ezouch an eyn ertne-
lich kloit von ungeverwetem tucho unnd grob, des dy gebur unnd
arme luthe gebruchen, unnd in das selbe tueh kleidete sy dy czwo
&r>. 1 Erboud ist singulare Bildung des Praeteritums von erbieten, da* sonst
erbot (so auch Itothe) heisst ; unten ZI. 11 steht gar erboit. 2 S. St. 12 A. 8.
«8. 1 Auch Rothe liest ein ,. armes huss," während sich unsere Bildung „Armen-
haus" nicht nachweisen lässt.
K. StoU« Memorlale. 7
Uigitized by
98
57. Stück.
juncfrowen, dy mit or worn, isontrut unnd gute,2 unnd den gnugete
wol. Czu hant als das gebuwede des spotals icht worden was, dü nam
sye krancke gebrechliche luthe dar in unnd ubete sich in grosser
domud unnd barin herczickeit. Sy hub dy krancken, sy trug sy, sy
wuschete3 sy, sy reynigete sy, unnd alles, dss man sechen krancken
luthen pflegen sal, der liss sy keines underwegen. Do sante or lant-
grafe heinrich by meister Conrad orme pflegere,* deme sy von deme
bobiste gregorio deme nunden befolen was, funffhundert marg der lant-
35 wehere,4 also her or gelobet hatte, do sy von | orae zu isenache schiet.
Das gelt wart an den spetal geleyt, unnd gar grosso almosen worden
dar von den armen b luthen geandeloget.5 Or vater, der koning von
ungern, hatte or ermeliches leben vornomen unnd sante zu or eynen
grafen, der hiss panyas, das her sy ome heyin breiigen sulde. Do der
or ermeliches leben gesach, do weynte her unnd flehete sy, das sy
mit ome zu orme vater czoge- Des wolde sy nicht thun unnd sprach,
or gnugete also wol.
hc4(U 57. Wy innig unnd kreftig was seilte elsebeten
gebeth.
Rechte innig was zu allen gecziten or gebeth unnd hatte gar
grosse krafft, wanne got mochte or nicht vor sagen, was sy on mit
tlisse bad, unnd dar ummc so sal man von den czeichon unnd kreften
ores gebetes wol etwas sagen. Es geschach in deme jare, als man
12*29 czalte noch cristus geburt tusent CCXXiX jar, das dy edele frowe ger-
drut von leymbach zu sente elsebeten quam kein martpurg umme
sunderliche gnade, dy sy zu or suchte. Unnd do ging mit or bertolt,
or kint, eyn junger by czwolff adir XI1U jarn. Der hatte gehalberte 1
kleidere unnd wertlichen gesneten2 an unnd hatte sich reynlichcn dar
in gesmucket. Unnd do dye hoilge frowe seilte elsebelc mit der muter
des jungelins lange czit geret hatte, do sprach sy zu deme sone: liebes
• Dt« HS setzt falsch von auch: „von dame sy." b IIS: arme.
* Die 2 hier genannten Mägde gehören zu den 4 Dienerinnen, deren Aussagen
die wichtigste Quelle für die GescJücutc der heiligen Elisabeth bilden, erhalten
als Lihellus de dictis quatuor ancillarum S. Elisabethae sive exameu iniraculorum
eins. b. MSG II, pag. 2007 — 2034; die 4 Wessen: Guda sive Jutta, Isentrud de
Hurseigau, Elisabetha, Irmengardis. 3 Rothe liest wusch, Stolle aber gehraucht
das I'räteritum von wischen oder wuschen, das wusehte oder gedehnt wuscheie
heisst. — „abwischen, reinigen.*' ' Lautwere, stf., ist „landesübliche Münze.''
■'' Mhd andelaugen — md andelogeu, — „überreichen."
ö7. 1 Md gehalbert = mbd gehalbiert, „von der Kleidung, die nach einer
im 12. Jahrhundert aus Frankreich herübergekommenen Mode zweifarbig getragen
wurde" (h. Lexer, mhd Wörterbuch , s. v. halbieren), s. St. 367 A. 25. a Wert-
lichen == wertvoll; sniden (t uoch) „nach der Elle sehneiden,'' d. h. verkaufen, daher
shid die Gcwandsehncider die Ttich- oder Schnitthäudler : also hier =» „als wert-
voll verkauft.'*
Uigitized by
58. Stück.
kint, du czuhist3 dich in diner jogunt alzu weitlich unde hast gereite
hofart in dinen kleidern unnd stellest dich unwislichen. Du sohlest
dynen scheppher erkennen unnd deme dynen, es ginge | dir alleezit ▼
wüI an übe unnd an sele. Do antwarto de jungeling: liebe frowe
muter, beteth got vor mich, das her mir dy gnade gebe! Do sprach
sente elsebete: . woldestu danne gerne, das ich got vor dich bethe?
Do sprach her: rechte gerne. Do sprach sy: So mustu dich ouch dar
zu bewise unde mete bethe; nu kom mit mir in dy kerchen. Unnd
do sy beyde betthen uff oren knyen, do hub der jungo an: höret uff,
frowe, ich han sin gnug. Sente elsebete liss nicht abe. Do schriote4
her luthe: frowe, höret uff, ich kan sin numme erlide. Sente elscbete
bette aber mee. Do riff her: frowe, nu höret uff, ich vor gee itczunt!
Unnd der sweiss ran von syme libe; dar noch gar korczlichen quam
her in der barfusen5 orden.
58. Wy von deine gebete sente elsebeten eyn iu,tho<65
blinder senig1 wart
Sunderlichen thet got eyn gross czeichen an der lieben frowen
sente elsebeten. Es geschach noch cristus gebort MCCXXX jar, das 1*230
eyn blinder, der do blint von syner muter geborn was, quam uss der
stat zu raartpurg in dy kerchen des nuwen spetals, den dy heiige
frowe sente elsebete do an gehaben hatto zu buwene, unnd sprach do
sin gebet. Unnd also sente elsebete in dy selben kerchen noch mittage
ging unnd ores gebetes ouch pflegen wolde, do fant sy den selben
blinden jungen alleyne in der kerchen. Do sprach sy zu ome, was
her dar inne tete alleyne? Do antwarte her: ich wolde gerne zu der
armen luthen trosterynnen gee, ab mir dy etwas dorch got geben
wolde; nu habe ich in disser kerchen myn gebet gesprochen unnd
urame gegangen, das ich gewise, | wy wyt unnd gross desse kerche ae
sy, der ich leyder nicht beseen kan. Do sprach sy : woldestu sy gerne
seen? Do sprach her: weres gotis wille gewest, so wolde ich gerne
seen, wanne ich von jogunt mynes gesiebtes beroubet gewest ben, das
ich noch ny sonnen schin ge sach. Do sprach sy : bethe got, das her
dich er luchte, ich wel dir helffe bethe. Do duchte den blinden, das es
sente elsebete were, dy mit omo rette, unnd sprach do: ach, gnedige
frowe, erbarmet uch ubir mich! unnd fil uff sin antlitcze nedder vor
sy, unnd sy knete nedder unnd er bat got, das deme selben blinden,
der nicht ougen epphele hatte in syme kopphe, schone ougen worden.
Also schiet her frolich von dannen.
3 Sich ziehen, gemeinmd zihen; czuhen hier in dorn seltenen Sinn ,i*ich
pflegen.' 4 Im nbd ist die schwache Form nur mundartlich, so noch jetzt in
Thüringen. 5 Barvneje, md burvuj, swm., = „Barftlswiniönch. "
i&. 1 Seuec, seuic, md aeuig, „aeheud."
7*
Digitized by VjOOQlc
100
59. und 60. Stuck.
Ro.he4.56 59. Wy got uffen harte seilte elseheten, das sy
sterben sohle.
Uff dy czit, also got der selgen frowen sento elsebeten ungemachs
eyn ende machen wolde, do geschach es in deine jare, do man schreib
1ÄM nach cristus gebort M"CCXXXI jar, das sy got sussiglichen zu ome
bisch unnd sprach zu or also, do sy lag an orem innigen gebete: kom
zu mir, du aller liebeste frunden myn, in dine wonunge, dy dir von
ewigkeit ist von mir bereit! Dar noch gar korczlichen, do wart der
selige man, meister conrad von martpurg, or pfleger, gar sere kräng,
unnd dy trosterynne aller sechen unnd armer lute, dy suchte ou in
syner krangkeit unnd rette von syme selgerete. 1 Do sprach her: myn
liebe frowe unnd tochter in got deme hern, wanne ich gesterbe, wy
wolt ihr danne uwer leben an slaeu unnd kegen gote schickeu? Do
antwarte sy ome nicht uff syne rede, sundern sy sprach: ich sterbe eir
v danne yr, unnd ir werdet | schere gesunt, unnd ich vorscheide gar
korczlichen ; unnd benante ome dy czit ores todes. Unnd an deme
virden tage, also ditte geschach, dar noch, do wart sy kräng, unnd also
sy wol czwolff tage gelag in der krangheit, do worte or eyne orer
meydc, dy horte in orer kel gar eynen unmassen süssen gesang, also
sy sich kegen der want gekort hatte, unnd do sy sich umme wante,
do sprach dy mayt: Ach, Übe frowe, wy gar wol hat ir gesungen! Do
sprach sy: hastu ouch etwas gehört? Do sprach dy mayt: yo. Do
sprach sy: ich sage dir das, das czwussen mir unnd der want eyn
schöner fogel gesessen hat unnd hat mir lange wile also susseclichen
gesungen, das ich myn sele unnd myn hercze er frouwet hat unnd
mir ge uffenbart, das ich nu an deme dritten tage sterben saL
00. Wy seilte elsehete starp unnd beheiliget wart
O welch eyn selige krangheit, dy eyne gancze zuvorsicht hat der
ewigen selickeit! Do sy wart gefraget umme or selgerete, do antwarte
sy : Alles, das ich besitcze unnd habe, das sal man armen luthen gebe,
unnd bat oreu ptleger, do her sy berichte1 mit deme heiigen sacrament,
das her alles, das sy hette, noch orme tode armeu luthen gebe. Also
sayte sy da, das sy wetage2 uergen lede, danne das sy kräng were;
unnd gab dar noch senfftlichen oren geist uff. Dar nach in deme
JW). 1 Selgeracte, stf., bedeutet das, was man zum Heile »einer Seele oder
der .Seele anderer (für Seelenmessen) einer geistlichen Anstalt vermacht (gute
,, Werke zum Heile der eigenen Seele oder der Seele anderer," Emil Michael,
('lexeh. des deutsch. Volke« v. 13. .Tahrh. bis z. Ausgange des Mittelalters, II, 1899,
S. 197), dann allgemein: letztwillige Schenkung, Testament; s. auch St 60.
«0. 1 Berihten ■-■ „versehen" (mit den Sterbesakramenten). - Wetac, stm.,
Schmerz, s. H. Kikkert, Leben d. heilig. Ludwig S. 150.
Digitized by Google
61. Stück.
101
andern jare, als man schreib noch cristus gebort tusent CCXXXII jar, 1232
do quam er siffart,:i der erczbisschoft" von mencz, unnd wete zu mart-
purg in der kerchen czwene altar, do sy inne begraben lag, unnd liss
do beschribe | alle dy wunder czeichen, dy got dorch dy lieben sente «
elsebeten geton hatte; unnd dy niusten man alle mit fromen luthen
bewise unnd dar zu zu den heiigen sworen, das sy also war unnd
gerecht weren, unnd sante dy keyn rome unserm geistlichen vater
deme bobiste wol vor segelt unnd mit brefen uffenbar schriber4 wol
vor kuntschaftt. Ditte geschach an sente lorenczen tage. 5 Dar nach
abir in deme andern jare noch cristus gebort MCCXXXV jar, do was 12&">
der bobist gregorius der nunde in der stat peruss unnd der patriarche
von Jerusalem unnd der patriarcha von antiochien» unnd andere vele
cardinal, erczbisschoffe unnd bisschoffo unnd pfatt'on unnd geistliche
luthe ane czal; vor den allon wart souto elsebeten leben gelesen unnd
beczuget an demo heilgon pfingest tage, unnd do wart sy gosatczt von
der heiigen cristenheit in dy czal der heiigen, unnd das man oren tag0
werdigen sal unnd sy an ruften, das sy got vor uns bethe.
61. Wy seilte elsebete er haben wart. «8
Noch cristus gebort MCCXXXV1 jar, do worden dy forsten in 1236
dutschen landen, beide, geistlichen unnd wertlichen, des eyns, das sy
den lichenam sente elsebeten erheben wolden unnd on uss grabe unnd
an eyne erliche stad brenge. Do quomen uff eynen tag in martpurg
der keyser mit synen forsten unnd mit vele edoln hern, lantgrafe
heinrich von doringen unnd hessen, unnd sin bruder lantgrafe Conrad,
sente elsebeten swegore, | unnd frowo Sophia, der beyde lantgrafen v
muter, unnd dy grafen gemeynclichen unnd dy edeln uss doringen,
der bisschoff von mencz, der bischof von bobenberg, 1 der bischoff" von
spire, der bischoff von wormes, der bischoff von palborn, der bischoff
von halberstat, der bischoff von hildensheym, der bischoff von nuwcn-
borg, der bisschoff von merseborg unnd der bischoff von bremen, unnd
vele andere horn unnd bischofe unnd epte unnd andere prelaten unnd
pfaflen unnd monche ane czal. Do grub man dy heiigen frowen uss
der erden. Do ging der keyser ge krönet mit eyner gülden krönen
mit synen kor forsten umme or grab, unnd dy bischoffe unnd epte in
* IIS: antlocon.
3 Erzbiaehof Sifrid III. von Eppenntein, 1230—1249. 4 Ein „nft'enbar (md)
schriber' ist ein uotarius publicus, ein öffentlicher Notar; hier wohl der gru.
plnr. ' Am 10. August. ,; Der 19. November ist der Tag der heiligen Elisa-
beth (Elizabeth vif Inn regis Hungariae filiui.
61. 1 Von den aufgezahlten Biachöfen i*t der Name von der gewöhnlichen
Form nur abweichend bei Bobenberg — Bamberg, Palborn ■= Paderborn , Nuwen-
borg Naumburg.
Digitized by Google
102
62. Stück.
oron infein unnd krönen gesmucket, unnd was sich dy heilere trowe
yo ntt ertliche gedemutigete unnd vor nichte, das wart or do mit
grossen eron erfüllet Man dortt'te ouch by orem grabe dy nasen nicht
zu halde, als man vor andern grebern thut, wanne nnsprechlichen was
do eyn guter geroch, also das do von alle luthe gestercket worden, dy
dar umme stunden. Do dy hern des enczuben,2 do griffen dy bischofle
selber zu unnd lossen das gebevne uss deme grabe zu sammene unnd
leyntcn das in eyne blyon laden mit grossen eren unnd broehten das
an dy stat, dy capolehim,3 do or seder eyn schönes unnd kostlichs
grab gemacht ist.
Koth.469 (>2. Von seilte elsebeteii unnd lan trafen lodewigeu.
Sento elsebete dy selige frowe lebete uff ertliche XXV jar; der
was sy vier jar by oren eidern in ungern unnd IX jar in eynemjunc-
frowelichen leben mit orer sweger unnd wart elich, do sy driczon jar
38 alt was, unnd lebete mit orme werte lantgrafen lodewige | soben jar in
elicheme State unnd gewan dry kindoro by ome, eyn knechtchen unnd
czwey meydichen, unnd was funff jar eyn wettewen. So was lantgrafe
lodewig XI jar1 alt, do ome sente elsebete vortruwet wart unnd von
ungern gesant, unnd was XX jar alt, do her eyn elich leben mit or an
hub, unnd was XXVII jar alt, do her starp. Nu merket or beyder
aldor, dy also in körten jarn vele togentlicher guter werg gethon han,
unnd noch orme tode got der herre vel wunderczeichen mit allen
beyden gewerket hat, also dy von reynhardesborn2 geczngnisse von
lantgrafon lodewigo geben, wy das got vel luthen dorc-h siner bethe
willen narunge unnd togunt unnd ouch gesuntheit gegeben habe, dy
■ 8. ob. St. 4 A. 2. * Eigentümliche Bildung; Stolle hat sich wohl ver-
schrieben für capolchen, Rothe Rest Capellen.
($2. 1 Da voitruwen (mhd vertriuwen) „verloben" hcisst, so ist die Zahl
Stolle» XI richtig, während Rothe thöricht XXI liest ' Der Chronist weist
hier auf das in die Reinhardsbruuner Annalen — über diese s. A. Werneburg,
Ober die Glaubwürdigkeit der Reinhardsbrunncr Geschichtsbücher, MGE VIII
S. 62— 68; Oers, über die Kinder der heiligen Elisabeth ebenda S. 57— 61 —
hineii (gearbeitete „Leben des heiligen Ludwig" (IV.) hin, das Berthold, der Reise-
kaplan dos Landgrafen und Mönch im Kloster Reinhardsbrunn, vcrfasst haben
.soll; teilweise beruhen die Reinhardsbrunner Annalen auf der vita a. Elisabeth
von Dietrich von A(>olda (Ende des XIII. Jahrhunderts); aus beiden ist in mehr
<Mler minder geschickter Auswahl (s. Wenck a. a. O. S. 212) die zwischen 1313 und
1323 von Friedrich Köditz von#,Salfeld, Rektor der Klostersehule zu Rcinhards-
brunn, angefertigte deutsche Ubersetzung des ..Lebens des heiligen Ludwig"
zusammengestellt, welche Heinrieh Rückert i. ,T. 1851 herausgegeben hat. Die
Wunderzeiehen am Grabe Ludwigs werden hier im 6. Buche erzählt, ,,daj sprichil
von den zeichin unde wuuderwerkin, di got geworcht hat umbe di erarnunge
nicht heilig, aber er galt schon bei seinen Lebzeiten und noch mehr nach seinem
sonders von Gott geliebter und begnadigter Mann, an de»sen Grab sich unzählige
Wundcize eheu ereigne! haben sollten.
Digitized by LjOOQIc
63. Stück.
103
vor des togentsamen forsten grabe den lieben gpt vonnant haben. So
sint ouch gar vele wunderczoiehens von der heiigen sente elsobeten zu
martpurg unnd ouch in andern stoten geseheen by orme loben unud
ouch noch orme tode, dy hy unvorczalt bieben sint dorch der körte
willen. Es ist dannoch lang von orem leben gnug geschreben, das
hat sere gemacht, das sy eyne lantgrefynne dos landes zu doringon
gewest ist, dar uff disse kronikc sere geschreben ist uund uss wisen
ouch vorder alsu sal etc.
63. Von eyner gemeyne fart zu denie lieilgen grabe. Rothen«.
Wedder sullen wir nu sagen von keyser frederiche deine andern,
wy es fort ummo sin leben quam in dem jare, als man schreib nach
cristus goburt MCCXXVJI jar, do wart eyne gemeyne merfart indasheilge 1227
lant keyn Jerusalem. Do ozoeh keyser frederich, | also ouch hir noch r
vor czalt ist, mit gar vele tusent cristen ubir meer, dy mit domo
crucze geczoichent worn. Unnd das geschach mit grossem betrognisse1
des selben keysers, der dy cristeu unnd manchen guten fromen ritter
zu grossem betrupnisse do brochte, wanne do usse bieben meher
danne sechczig tusent wol gewopente manne, dy do nummer meher
wedder heim quomeu. Do bleib ouch usse lantgrafo lodowig von
doringen, sonto elsebeten huss wei% also hir noch geschreben steet.
Noch so quomen dy cristen nicht in dy stad jherusalem, wanne der
keyser was eyn heymelicher ketczer unnd gar eyn untogentsamer man.
Sinen son,* den fing her umme des willen, das ome dy forsten
3 Als einzige gleichzeitige Quellen sind von Bedeutung: 1. der Brief Konrads
von Marburg an Pajwt Gregor IX., geschrieben 1282 («. A. Wy^s, Hess. Urkunden-
buch, Bd. I No. und 2. der aus dem Jahre 1236 stammende, oben 8t. 56 A.2
erwähnte Libellus de dictis IV ancillarum sive examen miraculonun.
<ö. 1 Bctrcgnis, stn., ist eine besondere Bildung Stolle«; Rothe hat trogen
ioom. troc, stn.). — Der Chronist, giebt hier die kirchliche Auffassung von dem
Kreuzzuge Kaiser Friedrichs II. wi<>der, den dieser sc» oft versprochen, dessen
Frist er sich aber von dein milden Papst Honorius III. hatte öfters verlängern
lassen. Als Honorius am 18. März 1227 gestorben war, schlug sein energischer
Nachfolger ( Jregor IX. sofort einen schärferen Ton an und sprach am 29. Sept.
1227, als Friedrich, der sich schon eingeschifft hatte, wegen Krankheit nach
Otranto zurückgekehrt war, den Bann über ihn aus, da er jene Krankheit für
eine vorgebliche hielt. Trotz des Bannes zog Kaiser Friedrich II. i. J. 1228 nach
<}cm heiligen Lande und gewann durch den Vertrag mit dem Sultan Kamel von
Ägypten Jerusalem und die heiligen Stätten der Umgegend , überhaupt das
heilige Land in der Ausdehnung des früheren Königreiches Jerusalem; am
17. März 1229 zog er in Jerusalem ein. Danach sind die Angaben des Chronisten
zu beurteilen. * Auch die Beurteilung des rebellischen Sohnes Kaiser Fried-
richs IL, des römischen Königs Heinrich, ist ungerecht. Heinrich plante schon
lange Untreue gegen seineu Vater, und i. J. 1234 cinjMirte ersieh offen. Durch den
nach fünfzehnjähriger Abwesenheit nach Deutschland heimkehrenden Kaiser ge-
fangen genommen, wird er auf dem Reichstage zu Mainz am 15. August 1235
förmlich als römischer König abgesetzt und bleibt gefangen; der Chronist erwähnt
im besonderen die Orte Heidelberg und Alberheym. als Hüter den Erzbischof
I
Digitized by LjOOQIc
104
64. Stuck.
gunstiger worn danne ome unnd hilt on in deine gefengnissc zu Heidel-
berg langeczit unnd forchte, das her on von deme riche drunge. Dar
noch so liss her on do danne fure uff das sloss alberhcym unnd wo]
bewaren. Dar noch so forchte her sich, das her orae enginge adir
ome gehulffen worde, unnd befalch on deme bissehoffe zu salezpurg
unnd deme bischoffe zu bobenberg, dy beilüden on eyne wile. Dar
noch befalch her on deme patriarchon zu aquyleyen, der furto on in
das koningrich zu apulien unnd satczto on uff eyne borg, dy heist
bilerne. In deme selben jare, do hilt keyser heinrich eynen grosen hoff
zu mencz; do worn gar vele forsten, geistliche unnd ouch wertliche,
uff unser lieben frowen tag worczo wee unnd leyte on do vor manchor-
3si lcy wunderliche gescheftde unnd ging do den | ganczen tag schone ge
smuekt in der keyserlichen gcwette unnd trug eyne kostliche gülden
krönen mit edelme gesteyne. dy zu deine richo cehort.
roij»47i 64. Von den joden unnd ketezern.
1228 Also man czalte nach cristus gebort MCCXXVJ11 jar, do worden zu
fulda XXXII joden getötet dar umme, das or czweno under on in der
heiigen cristnacht in eyno mullen gingen, dy vor der stat fulda lyt.
Also der muller mit syme wibe in dor crist nacht zu der kerchen
was, do quomen dy czwone joden in dy mullen unnd erworgeten deme
muller fünft kindere bermclichen unnd fingen das blud in gewechste1
secke unnd in ander gefesse unnd süssen do dy mullen mit furo an 2
unnd gingen mit deme blute enweg. Do melte sye das blut, das man
sy an greiff, unnd do bekanten sy alzu hant. Man erfant ouch dy
worheit an der kindere lichenam.
122« Noch cristus gebort MCCXXIX jar in deme meyen, do worden in
deme lande zu campanion by rorae by der stat peruss3 OCX VI ketezer
von Salzburg , den Bischof von Hamberg und den Patriarchen von Arjuileja,
diese vielleicht im Auftrage de« Herzogs von Hävern, dem gesehichtlieh die Ob-
hut über Heinrich anvertraut war. Zuletzt wurde Heinrieb in da« feste Schloss
S. Feiice (der Chronist : Hilerue; Rothe: Valerne) in Apul'u n gebracht, dann nach
Neoeastro in Calabrien, zuletzt nach Martorano, wo er i. .1. 1242 starb. 3 Stolle
seheiut den Namen des Kaisers (Friedrich) mit dem seines Sohne» (Heinrich),
sowie die glanzvolle Vermählung, welche Kaiser Friedrieh II. zu Worms am
25. Juli 1235 mit Isabella von England als seiuer 3. (.iemahlin feierte, mit dem
am 15. August 1235 zu Mainz eröllheten Reichstage, welcher auch sehr prunk-
voll war, zu vermengen.
<H. 1 Die latein. Quelle (bist. Ecc. nag. 411) hat saccis eera limitis, da» die
Chronisten mit selbständig gebildeten Worten zu übersetzen suchen: Rothe mit
gewichst, Stolle mit gewechst. - Eigentümliche, aber nicht seltene Wendung:
fenr (in die heuser) sto3en, etwas mit feur anstojen, d.h. „an etwas Feuer an-
legen." 3 Ei ist Perugia gemeint, das alte Perusia in Etrurien, grade im
13. Jahrhundert eine der bedeutendsten Städte l'mbrions, das Kleinod der
Päpste, in deren Dome u.a. der grosse Papst Innoecnz III. (f seine Ruhe-
>iutte fand.
65. Stück.
lor,
gobrant, dy bekantun, das sy von deme goslechte worn der ketczore,
dy theodosius der keyser by den gecziten, also sente angustinus lebete,
von attrica treib, d)f do von deme glouben worn genant manichey.4
Noch cristus gebort MCCXXX jar, do tet der bobist gregorius der virde 123©
keyser fredericben in den ban5 urame vele sache willen, dy do wedder
den heiigen cristen glouben worn. Noch cristus geburt MCCXXX1J | jar, 12:12 v
do wart gor eyn kalder winter, also das vele grosser schift riebe0
wasser bestunden7 unnd hart gefroren.
Omo. S.
l'etrl Er-
65. Wy dy von erffort mit oren pf äffen kregen. {tStit%.
XXx! I :
Bosse czweytrachtiger krig hub sieh zu erflort1 czwussehen den w .wo«*.)
borgem unnd den pfafl'en,2 als man czalte noch cristus gebort
MCCCXXII1I jar. Dy von erffort fingen evnen schuler, der was zu der 1324
episteln gowiet.3 Do boten dy thumhern, das man on deme provisori 1
antwerte wolde in des bischoffs von niencze hoff, als gewonlich unnd
* Stolle meint die häretische Sekte der Maniehäer. 5 Die Unwissenheit des
Chronisten, der doch als Priester wenigstens die Päpste kennen sollte, tritt hier
einmal recht grell hervor: Gregor Ia. (1227—1210; Gregor IV. regierte von
827 — 844; allerdings irrt auch Rothe) that Kaiser Friedrich 11., wie ohen
8t. 63 A. 1 ausgeführt ist , in den Bann , sprach ihn aber unter Vermittlung den
Grossmeisters cle« deutschen Ritterordens Hermanns von Salza, im Vertrage von
St. Germano am 23. Juli bezw. 28. August 1230 wieder los. 6 Haupt form
schifrech, Nebenform schifl'rich, = , .schiffbar.'' 7 Besten — „stehen bleiben,
zufrieren.''
65. 1 Die Erzählung geht zurück auf die ausfuhrlichere Lesung, welche Holder-
Egger Cron. S. Pctri Erf. mod. MGH, Scr. XXX, 1 pag. 450 u. 4-51 aus den 2 HSS
E (Dresdensis K316) und M (cod. bibl. mag. Erfordensis I, 65 — K. Herr mann I,
12 — welcher zum Teil auf die Gothaer HS A. 151) zurückgeht — s. K. Herr-
mann, Bibl. Erfurt. S. 118 u. S. 83; Holder- Egger N. Arch. für ältere Geschichts-
kunde XXI S. 443 ff.) giebt. 5 Den Vorfall erwähnt auch C.Beyer (s.u. St. 66
A. 1) MOE, 181)0, XIV S.4f., mit Recht für das Jahr 1324. Zwar setzt Holder-
Egger in der Ausgabe S. 450 u. 451 1322 u. 1324 mit Fragezeichen an, aber da
der Erzbischof Matthias, der dann als Friedeusvermittler erscheint, v. 1321, Der. —
l:'.28 regiert, so ist wold 1324 zu schreiben, und der Text von uns auch danach
geändert. ' Der angehende Kleriker befand sich in der Domschulo des Stiftes
Beatae Mariae Virginis und hatte schon die 2. Weihe, das Lektorat, erhalten.
Der Chronist sagt ,zu der episteln gewict/ da der „Lektor," wenn kein Sub-
diakou zur Stelle war, bei der Messe auch die Epistel vorlesen durfte. Als Lektor
unterstand er dem geistlichen Gerichte; der Rat der Stadt Erfurt begierig also
eine ungesetzliche Willkürliehkeit, indem er ihn vor sein Gericht zog und, da er
lies Diebstahls überführt wurde, hängen Hess. * Der Vorsitzende des geist-
lichen Gerichtes (s. BE S. 23), dem nach der gesetzlichen Forderung der Geistlich-
keit der Missethäter ausgeliefert werden sollte, war der Provisor vom erzbischöf-
lichen Mainzerhof (provisor allodii ecclesiae Moguntinae) , damals Hermann von
Guteushausen. Dieser hatte aber an der Rechtsverletzung keinen Anstoss genommen,
sondern hielt es sogar gegen die Geistlichkeit, mit der er zerfallen war, mit dem
Volke, das er selbst mit aufgereizt haben sollte, weshalb sich seine Mitgeistlichen
gegen ihn verbinden (s. ITH 11. .S. 11) ff. No. 2t) vom 2. Juni 1324, also inmitten
jener Wirren — s.u. Ann». 7). Übrigens scheint für ihn, da er in der Exconi-
municationsbulle des Kölner Erzbischofs Heinrich vom 13. September 1329 gegen
Digitized by LjOOQIc
106
66. Rtfirk.
recht ist, der solde on straffe, unnd des wolden sy nicht thun, sundern
den her beschedigt adir er ezornet hatte, der elagete, unnd dy rethe
gestunden :i ome, unnd das wertliche'1 geliebte liss on hengen zu hant.
Do sweig man,7 also wid also dy stat was, unnd sang nicht in keyner
kerehen. Do frageten dy bürgere dy pfaffheit, was sy do niete meynten.
Do sprochen sy, es wero on gesatczt, das sy das inusten thun by ge-
horsam. Do worden sy czorning über dy pfafiheit unnd Hessen deine
genieynen volko vorkundigen : wer icht sache wedder dy pfaffen adir
icht zu thuno hette, der mochte es wol thun ane or vordechtnisse/
wanne sy wolden nymandes dar an hindern noch vordencke. Also
(junm es, das etliche uotdorfttige vortorben unredeliche lutho sich uss
der gemeyne sammenten unnd liften in der thumhern unnd anderer
pfaffen hofe unnd nomen, was sy funden; etliche zu brochen on dy
husero, don sy gram worn, unnd toten on vele schaden unnd sma-
heit. Das werte von unsers hern hymnielfart tage biss zu sente bar-
tolumeus tage.'" Do sante die pfattheit an den nuwen bischoftzu mencz
40 matbiam.10 | Der quam keyn erftbrt, unnd deme ging man mit cruezen
unnd kerezen enkegen gar erheben, unnd der vor sunete do dy pfaff-
heit mit der stad unnd sang do sine erste messe zu unser lieben
frowen; do was gar grosso herschafft unnd kostlickeit.
Koth» 652 66. Wy ozwene biselioffe von mencz kregon.1
Do der orezbischof zu mencz or mathias gestorben was in deme
1330 jare, do man czalte noch cristus geburt MOCCXX.X,2 do korn dy thum-
Erftirter Geistliche, welche den Erzbischof Heinrich von Virneburg als ihren
Bischof nicht anerkennen, nur Kanonikus des Marienstiftes genannt wird, che
Angelegenheit die Folgen gehabt zu haben, das» er da* weltliche Amt des Pro-
visorata verlor, s. C.Beyer a. a. O. R. 56 in No. 78. Während sonst gestün
mit dem Dativ heisst .jim freundlichen Rinne jemandem vor Gericht beistehen,"
bedeutet es hier „über jemand Gericht abhalten." ß Wertlich ist eine nicht
seltene Nebenform von .werltlieh,' „weltlich.*1 hier im Gegensatze zum geistlichen
Gerichte. 7 Mannhaft verhängte die Erfurter Geistlichkeit, über den Rechts-
bruch de» Rates empört, und trotzdem sie von ihrem Dekan nicht bloss im
Rtichc gelassen war, sondern sogar sich gradezu gegen ihn wenden musste (vgl.
oben A.4 die Urkunde des Domarchivs vom 2. Juni 1324, welche uns auch nie
Namen der Domherren und von 16#Plebauen der Pfarrkirchen Erfurts mitteilt,
das Interdikt über die Rtadt. H Ubersetzung des lat. non obstautibus consu-
libus. ohne dass der Rat es jemandem verdächte, d.h. ihn l>estrafen würde.
" Himmelfahrt fiel i. J. 1324 auf den 23. Mai; die Unruhen dauerten also vom
23. Mai bis 24. August, mithin ein volles Vierteljahr. 10 Matthias von Bucheck,
am 21. Dezember 13*2 1 zum Erzbischof ernannt, war demnach noch nicht in Er-
furt gewesen. Er zeigte sich in diesem Streitfälle, wie auch sonst (s. C.Beyer
a.a.O. S. 4) mild und volksfreundlich; bei der allgemeinen Versöhnung scheint
auch Hermann von Gutcnshatiscn teilweise verziehen zu sein (s. oben A.4).
<>*>. 1 S. u. St. 370 die lat. Aufzeichnungen nach der bist. Pistoriana nag. 938
ipair. 1342 so,. Ausgabe von Struve). Diese Vorfälle sind eingehend behandelt von
U. Beyer, Die Rtadt Erfurt während des Streites um das Erzbistum Mainz
Digitized by Google
ß6. Stflck. 107
hern zu mencz bischoften baldewinen von trire, unnd by derae stunden
ouch dy von erftorte. Do weddor gab un der bobist zu eyme bischoffe
ern heinrichen von verneborg, den probest zu bunne. Also erhub sich
von den ezwen gar grosse czweitraeht in deine stillte zu mencz, wanne
evn teil gestunden 3 ey nie, unnd dy andern eyme andern, unnd dy
luthe worden also ezweytrechtig in den steten under den pfaffen unnd
under den leyen. Unnd dy von erftorte, dy es bilden mit deine capittel
unnd mit deine gekornen bischofle, dy hatten vele pfaft'en in der stat,
dy deme gestunden, der von deine bobiste gegeben unnd bestetiget
was, unnd dar umme so fingen dy borgere zu erfforte etliche unnd
totten ouch etliche. Do schreib der bischoft baldewin kein erftorte, das
sy dy gefangen umme dy sacho sulden ledig lasse, unnd des wulden
sy nicht thun, unnd dar umme so teth her sy in den bau unnd reiste '
margrafen frederichen unnd vaste erbar luthe in doringen wedder dy
von erflbrte. Unnd also nu etliche jar vor gingen, unnd dy von
erftorte noch in orme j harten synne bieben, do reyt der lantgrafe von v
doringen dorch bete willen des stifftes zu mencz unnd von geheises
wegen des keysers in das dorff zu mettelhusen 5 unnd wolde do gerichte
über sy sitezen, also ubir der platten viende, unnd wolde sy vor orteile.
Do quomen sy uss der stat mit ganezer macht unnd treben lantgrafen
frederichen von deme gerichte, unnd umme dos frevels willen, so
zwischen Heinrich von Virneburg [Propst in Nonn] und Erzbischof Balduin
von Trier, MGE XIV, 1890, S. 1-32. — Der Chronist erzählt die Thatsachen
an sieh richtig und auch ziemlich vollständig, aber ohne* alles tiefere Verständnis,
namentlich scheint ihm der (»rund der Dopjnlwahl verborgen geblieben zu Bein,
das« nämlich der päpstliche Stuhl gegen das kanonische Recht sich die Besetzung
des Mainzischen, also des wichtigsten deutschen Erzbistums vorbehalten wollte,
wie Johann XXII. ausdrücklich dekretierte, das Domkapitel aber sein Recht
der freien Wahl, unbeschadet des Bestätigungsrechtes des Papstes, aufrecht zu
erhalten entschlossen war. Der treffliche Erzbischof Balduin von Trier, welcher
schon einmal i.J. 1321 gewählt war, aber dem Papste Johann XXII. nachgegeben
hatto, als dieser sich für den Kandidaten der Minderheit des Kapitels, ftir
Matthias von Bueheck entschied, that es diesmal, i.J. 1328, nicht wieder um 1 trat
die Verwaltung des Erzbistums als Administrator an; denn damals wurde die
Bestimmung des kanonischen Rechtes, das» ein Bischof nicht mehr als ein Bis-
tum besitzen sollte, noch beobachtet. Deshalb entbrannte der Streit, der bis in
den November 1336 währte; dann legte Balduin, nachdem er sich mit Papst
Benedikt XII. verständigt hatte, und dieser die angefochtene Verordnung
Johanns XXII. betreffs der Besetzung des Mainzer Stuhles aufgehoben hatte, die
Administration nieder. — In Thüringen freilich verbanden sich mit diesen kirch-
lichen Wirren auch weltliche Händel, und in deren Gefolge kamen langjährige
Kriege über das unglückliche Land . da die dynastischen Interessen des Land-
grafen, damals Friedrichs II., und die politische Stellung des Mainzer Erzbistums,
der Stadt Ei fürt und vieler thüringischer kleiner Machthaber mit hineingezogen
wurde.
1 Falsch, er starb am 10. September 1328 eines plötzlichen Todes, nach
der Oronic. S. Pctri Erford. mod. (MGH. Scr. XXX, l png. 4.V2) an Gift.
1 Gestan mit dem Dativ bedeutet ,,zu jemand stehen"; im anderen Sinne oben
St. 65 A.5. * Zu reitzeu ist nid Nebenform reisen, „aufreizen." i Mittel-
hausen, jetzt Dorf im Verwaltungsbezirk Weimar des Grossherzogtums Sachsen,
unweit Erfurt, der SiU des thüringischen Landgerichts.
Digitized by LjOOQIc
108
66. Stück.
entsagcto* her on unnd thet on grossen schaden, unnd do' sy das
gesehen, do reten sy wedder uss der stat uff den lantgrafen, abirb sy
worden von den voyten gar ubele dar um nie gehandelt7 undc uss
gerieht.8
Kuli««;;* j)0 wor(ien dy von erffort mit dem graven von wimar, mit den
graven von kevernbergk unnd biehelingen cinsy unnd satezten sieb
alle glich widder den lantgraven von doringen. Do engeste der lant-
grave von doringen mit grosser macht dy genanten graven so sere in
oren landen, also das sy von den von erffort wedder Iessen unnd feien
deme lantgraven widder zu. l)o das dy von erffort geson, das sy also
vorlosssen worn, do bestalten sy in fremde lant noch dry hundert
lanezon unnd czogen uss mit dem folke unnd mit orem houbt manne
genant heinrieh von blanckenhayn uff dy stete unnd dorflere des
lantgrafen, uff nuwemart,10 bottelstete,'1 gotha, thommasbrucken,12 unnd
brauten unnd vorstorten feie dinges unnd quomen keyn kranchfelt,13
das was der graven von swarezpurgk, unnd gewunnen das stetchen
unnd branten das uss; do vorbranten meherdanne sechezigk menschen;
•*i do czogen dy von erffort widder heym. |
Roth« 66» In deme selben jare, do quam der geweite bissehoff zu mencz
genant baldewinus in doringen widder etliche edele luthe, dy danne
es bilden mit synem wedder sache ern heinriche von verneborgk, unnd
nam in tulstete11 unnd lagerte gross folk in wanhoym,15 mit willen
des von wangheym, widder dy von erffort unnd gedochte hoymelichen
wy dorchc etliche borgere von erfforte ym erfforte vor roten solde
werde, unnd in des soldo deine selben baldewino zu hulffe kome dei
grave von kaczenelbogen, unnd der wart underwegen uff gefangen mit
• Fehlt In der HS. b 118: »dir. * HS: das.
fi Entsagen ^= absagen, d. i. „Fehde ansagen." 7 Gehandelt! wie das Simplex
hundein stehen als* Verlm transitiva im Sinne des heutigen „behandeln." R Vy
gerieht 'synkopiert ans U3gerichtet| seheint eine selbständige Bildung Stolles zu
bein i. Rothe: obil gehnndelt), da nicht einmal das Verbum mrichten existiert,
das liier und zwar im Sinne von bestrafen" vorausgesetzt wird. u Der Bund
wurde ausser mit dem Grafen Friedrich von Orlamünde, Herrn zu Weimar, dem
Grafen Heinrich von Beichlingen und seinem Sohne Friedrieb und mit Grafen
Friedrich zu Beichlingen, Herrn zu Rothenburg, noch mit Bischof Heinrich von
Naumburg, den Reussen von Plauen, Heinrich von Waldenburg und seinem Sohne
Johann, mit dem Burggrafen Otto von Leissnig, dem Grafen Günther von
Schwarzburg und den Städten Erfurt und Mühlhausen geschlossen; im Winter
l!V.>4 35 schlössen sich der im Text erwähnte Graf Günther und sein Vetter Graf
Günther von Kefernburg an, dazu noch die Burggrafen Hartmann und Albreebt
von Kirchberg, Hermann von Krnnichfeld u. a. ; die urkundl. Belege hierfür s.
bei C. Bever a. a. O. S. :U. Jet/t Neu mark , Dorf im Verwaltungsbezirk
Weimar des Grossherzogtums Sachsen. " Jetzt Buttelstedt, im Verwaltungs-
bezirk Weimar des Grossherzogtums Sachsen. " Jetzt Thamsbrück, preuss.
Dorf an der Unstrut, im Kreise Laugensalza. 1:1 Kranichfeld, Städtchen a. d.
Ilm, halb zum Grosshcrzngtum Sachsen, halb zum Herzogtum Sachsen-Meiningen
gehörig. " Döllstädt im Landratsamt Gotha im Herzogtum Sachsen -Koburg und
Gotha, nicht weit von Langensalza. 14 Wangenheim s. o. St. 27 A. 2 u. 4.
Digitized by LjQOQle
67. Stikk.
109
allem synem folke. Do das gesach der bisschoff baldewinus, das her" '
syner wille nicht konde er schine, do machte herh frunschaflt mit
dem margrafen, der von erfforte vient, unde der ome den graven von
katozenelbogen mit allem synem folke gefangen hatte. Dy alle zu
samen nmme fingen dy stad erffort, do danne XVI fursten mit orem
folke worn unnd lesssen umme erftort her alle fruchte abe houwe, dy
winberge alle nidder howe, unnd thoten uff beyde partie grossen
schaden. Ufi das letczte quomen beydo partie in dem biuleI,; zu
samene unnd singen sich mechtigk sere, also das uff beyde partie
gross folk tod bleib. Uff das letczte musten dy von erffort dem mar-
graven unnd dem bisschoffe gross gelt gebe unnd alle gefangen loss
gegeben uff beyde partie, geistlichen unnd wertlichen. e | 48
07. Von eynie grossen linnger in allen dutezen landen, (mit Um-
kebruug
Als man czalto nach cristus geburt nunhundert unnd vierunde- ,,er T-,k* •
sobenezig jar, do wart gross hunger in dutezschen landen, das vele 974
luthe hungers sterben, unnd dy luthe osssen pferde, esele unnd andere
thir. 1 Do was evn bissehoff zu mencz, den hiss hatte der andere,'-
unnd was gewest evn apt zu fulda; der sach, das dy armen luthe
zu mencz uff der gasse nedder viln uund sterben hungers halben,
unnd dy arme luthe sammenten sich unnd liffen mit grosssen huffen
in dy brod bencke unnd nomen das brot mit gewalt. Do vor bette der
bisschoff das arme volk mittenander vor dy stad mencz unnd sprach,
her wolde eyne spende geben, unnd liss sy triben in eyne grosssen
schune unnd vorbrante sy do mittenander. Dorumme so plogete on
got, das dy müsse unnd ratten tag unnd nacht ubir on liffen unnd
fresssen on, unnd in aller siner gewalt en konde her sich vor on nicht
behalde. Czum letezten liss her sich uff den ryn furen unnd eyn
schiff engkern mitten uff den ryn; noch so swommen d\ müsse zu
ome in das schiff unnd frosssen on zu tode.:{ Das was eyne grosse
straffunge von gote.
• Fehlt In der 118. b Feblt In d«r HS. ' IM« folgend« Seite der HS, 41 v, ht leer; die
dann folgeuden 6 Blätter demelbeu «tod berauegeschiiUteu. l>a der Chronist von 1935 auf »74
surdcJcgebt, so haben wir es hier auch wobl mit elnoiu Verheflen Iii der HS r.u tbun.
1,1 S. oben St. 24 A. 3.
67. 1 Da die heidnischen Deutschen die Pferde sowohl ihren Göttern opferten,
als auch dereu Fleisch mit Vorlielw? genossen , so wurde wiederholt von der
mittelalterlichen Kirche, um altheidnisches Wesen und das Gedächtnis daran
auszurotten, derGenuss des PfenleHeisches atreng verboten; wenn daher in Mainz
Pferde, Esel und andere (doch wohl unreine) Tiere, wie z. U. Hund«: gegessen
wurden, man also gegen die ausdrücklichen Gebote der Kirche handelte, so muss
die Hungersnot sehr gross gewesen sein. * Natürlich hat die Sage nichts mit
dem historischen Bischöfe Hatto II. von Mainz, 968—970, zu thun. :l Hier
ist noch eine ältere Form der Sage erhalten als die spätere vom Mäuseturm
Digitized by LjOOQIc
110
68. und 69. Stück.
08. \\y dy ungern das dritte mal czogen
e3M in doringen,
itsi Also man czalte nach cristus geburt nunhundert unnd LXXXI jar,
do czogen dy ungern unnd dy andern heyden1 zu deme dritten niole
in doringen unde logorten sich vor mersseborg unnd vorstorten das
unnd ouch das land dar umme gelegen. Unnd do spisete sy der grate
von mansfelt,- uff das sy on unnd dy sinen mit frede lisssen. Do
besam niete sich keyser otto der ander unnd streyt mit on unnd erslug
v or | unczelich vele tod unnd treib sy wedder uss deme lande. Do thed
der bobist sinen bau über den von mansfelt, unnd der keyser sine
achte, unnd wolden on siner hersschatft be roube; unnd her gnoss
kume siner frundo, das her wedder zu gnoden quam. Do satczte ome
der keyser zu bussse, das her in sinen schilde füren sal einen gehangen
nackten diep, her unnd alle sine erben.
R.,tbo 840 69. Wy seilte keyser lieinricli vel gutes teth,
1002 Als man schreib nach cristus geburt tusent und czwey jar, do
wart keyser hcinrich zu keyser gekronet, unnd her stifte zu erst das
stifft zu bamberg1 unnd machte do das bisthum unnd buwete vele
stete wedder, dy dy ungern vor terbet hatten, nemelichen : 'mersseborg,
hildenssheim, meydeborg, nuenborg, missen unnd strossborg,* dy alles
dy ungern unnd heyden vor stört unnd zu brochen hatten. In der
(Mautli — Zollturm). Die Mäuse sind einesteils die Dämonen der Dürre und de*
Hungers (Grohmann, Apollo Smintheus S. 76, b. A. Wuttke, Der deutsche Volks-
aberglaube der Gegenwart § 188), andererseits Sinnbilder der Seelen (danach
nordisch Wuotan und meiner Gattin Frigg oder Freya heilig, im Gefolge der für
letztere stehenden heil. Gertrud), und zwar kommen hier die Seelen derjenigen,
welche durch Hatto* Härte verhungert sind oder durch ihn im Feuer umkamen,
ab Mäuse aus ihren Ijeibern hervor, um den Urheber ihres Tode* zu strafen.
Die älteste Form der Sage scheint mir in Kollenhagens „ Frosch meuseler" vor-
zuliegen, wo die Mäuse au» dem Feuer liefen, er aber dann .Abenteuer nah,' d.h.
Gewissensbisse hatte, ».über alles Simrock, Deutsche Mythologie S. 445 f.
ttH. ' Da bekanntlich die Ungarn nach ihrer Niederlage auf dem Iieehfelde
am 10. August 9.ui durch Otto I. ihre verheerenden Einfälle in Deutschland auf-
gaben, so liegt hier ein Irrtum des Chronjsten vor: es ist der grosse Wenden-
aufstand des Jahres 983 gemeint, welcher, während Kaiser Otto IT. selbst in
Italien weilte, durch ein deutsches Heer unter den weltlichen und geistlichen
Fürsten des östlichen Deutschlands niedergeschlagen wurde. * Dieses bestätigt
auch Spangenberg, Mansfeldische Chronica, 1672. I cap. 149 pag. 151 , für das
, Jahr 9»2 983, ohne Nennung des Namens: bei der „Wende n feindlichem Drewen,"
und ohne genauere Angabe der Sühne.
6$). 1 I. J. 1008; der schöne Dom wurde am 6. Mai 1012 eingeweiht. * Nicht
die Ungarn, sondern Kaiser Heinrichs II. Mitbewerber um die Krone, llermnnn
von Schwaben, hatte Strassburg im Juni 1002 arg verwüstet, da es die Stadt mit
Heinrich hielt.
. Digitized by LjOOQIc
70. und 71. Stück.
111
selbigen czid, do wart ouch sento gothart3 eyn bisschoff zu hildenssheim,
der eyn apt was gewest zu herssfelde. — Disser keyser Heinrich nam Ruth« 241
zu der ee sento kunegunden unnd lebete kuschlich4 mit or biss an syn
ende; unnd do her gestarp, do wart sy eyn elosterfrawe, unnd legen «oth« ug
itczunt beide begraben zu bamberg in deme thume.5 Rothe 21«
70. Wy das laut zu ungern bekart wart, Rothe UC,
Als man schreib nach gotis geburt tusent unnd XV jar, 'do wart 100;>
de koning steflan zu ungern bekart zu deme heiligen cristen glouben
. mit alle synem volke. Unnd disser obgenante keyser heinrich gab
konige steffan 1 zu ungern syne eygene swestcr* | zu der ee; do was 49
grossse herschafft zu ungern.
Nota: hir noch folget nu dy czid sente bonifacius; wy
wol das es hy vor stehen sal wol dry hundert jar, das
ist nu des schribers schuld disses buches. Legend*
patmni
Gmrmania*
MDCtiMimi
71. Hy hebit sich an, wy sente bonifacius dy laut vermSi,
bekort hat zu deine glouben. w «m
Nach gotis geburt sechshundert unde ezwenezig jar, eraclius1 was
eyn koning unde keyser zu roma, unnd das romissche rieh unde ««20
3 Unter dorn Abte Godehard blühte im bayrischen Kloster Nieder- Altnich
eine gute Schule, und die Mönche wurden zu wissenschaftlicher Thätigkeit an-
gehalten, wie die bis z. .1. 1073 reichenden Annales Altahenses beweisen. Durch
seine Thätigkeit erwarb sich Godehard einen solchen Ruf, das» er auch über die
Klöster Tegernsee und Hersfeld genetzt und i. J. 1022 zum Hischof von Hilles-
heim erwählt wurde, wo er in gleichem Geiste und im Sinne seines Vorgänger«
Bernward bis an seinen Tod 1. J. 103*4 waltete; über die Behauptung seines
Diöcesanrcchtcs über das Gandersheimer Gebiet gegen den Erzbischof* Aribo von
Mainz s. Rl/HiD I No. 6Ö7 8. 144. * Mit richtigem Takte zieht Stolle die von
Rothe St. 241 u. 242 in widerlicher Ausführlichkeit geschilderten Erzählungen von
dem Keuschhcitsgelübde des Kaisers Heinrichs II. und seiner Gattin Kunigunde
zusammen , ohne die Anschuldigung der letzteren wegen Ehebruchs und ihrer
Reinigung durch ein Gottesurteil zu erwähuen. Kunigunde, aus dem rheinischen
Grafengeschlechte der Lützel burger , blieb allerdings kinderlos. Sie war wie
Kaiser Heinrich der Kirche sehr ergebeu. 5 Am 13. Juli 1024 starb Kaiser
Heinrich auf seiner Burg Grona bei Göttingen , die Kaiserin Kunigunde erst
1033. Beide wurden im ßamberger Dome beigesetzt; die alten Grabmäler aber
wurden schon i. J. 1081 durch eine Keuersbrunst, die auch den alten Dom ein-
äscherte, zerstört; jetzt „erinnert ein kunstreicher Marraorsarkophag an Heinrich
und Kunigunde; er ist das Werk eines Würzburger Meisters, welches der Fürst-
bischof Georg III. am Anfange des 16. Jahrhunderts aufstellen liess."
70. 1 Um das Jahr 1000 war es, dass der König von Ungarn samt seinem
Volke zum Christentum bekehrt wurde und sich Stephan nannte. ' Gisela
von Bayern.
71. ' Es ist der oströmische Kaiser Heraclius gemeint, welcher von 610 —
641 regierte.
Digitized by LjOOQIc
112
71. Stück.
constantinopel in krichen warn noch unbescheiden, 2 cosdras8 der was
ein koniog in persia, der gewan das heilige crucze unnd fürte das in
sin land zu persien, do czoch der keyser eraclius in das land persien
unnd streit mit denie konige cosdras do selbest unnd slug on tod
unnd brochte das heilige crucze wedder kein jerusalem. Noch des
^;.*s7.) heiligen keysers tode, do (luain anastasius4 in das rieh unnd was keyser
nicht dry jar. Do wart von eynander gescheiden das romissche ric^li
:,„ 1 1-',1]1) unnd constantinopel. Unnd do was der bobist gregorius der ander,4
der satczte bonifaciura0 zu einem bisschort' keyn mentcz, der bekarte
* Weil nach 555 Ostroin damals wieder über Teile Italiens herrechte, s. aller-
dings unten A. 4. 3 D.h. der Sassanide Khosru (Chosroes) II., 591—028,
welcher zuerst i. .1. 614 den oströmischen Kaiser Heraclius besiegte, Jerusalem
eroberte und von dort das wahre Kreuz Christi naeh Persien entführte. Da raffte
»ich Heraclius zu energischen Thaten auf und in den Kämpfen von 620 — 627
(zuletzt Sieg auf den Ruinen von Ninive, 1. December 627) warf er Chosroes
nieder, umf nach dessen Tode (25. Februar 628) wurde Friede zwischen Byzanz
und Persien geschlossen, auch das heilige Kreuz nach Jerusalem zurückgebracht.
4 Anastasius II. (713 — 710) wurde durch einen Aufstand der Schiffsmannschaft
während eines Seekrieges mit den Arabern gestürzt; ihm folgte Theodosius II.
(716—718), nach diesem Leo der Isaurier (718—741). Merkwürdigerweise ver-
wechselt der Chronist Theodosius II. mit Theodosius I. dem Grossen und meint
daher, dass damals West- und Ostrom sich geschieden hätteu. :' Papst Gregor IL,
715— 731, der hauptsächlichste Gönner des Bonifatius. " Mencken hat in seinen
MSG I, 1728, pag. 834—866 herausgegeben die IiCgenda Patroni Germaniae Sancti
Bonifacii libris II. quorum postrcmo sigillatim Thuringica continentut . Accessit
Legenda Bonifacii vernacula ab illa subiuflo diversa et solam fere Thuringiaiu
concernens, e manuseripto retcnto Joh. Wilh. Neumcycri a Ramsla. — Nach dem
Titel scheint es, als ob die deutsche liegende ein Auszug und zwar nur des
zweiten Buches der lateinischen sei. Das kann aber nicht der Fall sein, da die
deutsche Legende mehrfach ausführlicher als die lateinische ist, aueh nach der
lateinischen Legende, n. 1. II cap. 8 extr. (nag. 846t, die vorliegende Abfassung
derselben iu das Jahr 1513 zu fallen scheint (nostris temporibus ibidem in
Kirchenheiligcn habitant, e. q. «.), Stolle al>er — also schon am Ende des 15. Jahr-
hunderts! — die deutsche Legende, oft wörtlich, und mehr als die lateinische
gebraucht hat; freilich hat Mencken letztere leider nicht in der alten Sprache
veröffentlicht, entweder schrieb er sie um oder fand sie schon umgeschrieben
vor. Da nun die deutsche liegende vieles mit der lateinischen gemeinsam hat
und also mit dieser älteren und zwar, nach der Art und Weise der Entstehung
mittelalterlicher Quellen zu urteilen, früheren Ursprungs zu sein scheint, so muss
mau die Bemerkung bezüglich des Jahres 1513, die iu der deutschen Legende
fehlt und auch, ohne den Zusammenhang zu stören, fortfallen kann , für einen
späteren erläuternden Zusatz erklären und annuehmen, dass beide auf ein älteres
Original, das jedenfalls lateinisch geschrieben war, zurückgehen, dass die deutsche
Legende aber, abgesehen von rhetorischen Ausschmückungen, noch andere alte
Quellen benutzt hat, namentlich im Anfang. Dass dem so ist, beweist noch
eine aus dem Anfange deB 15. Jahrhunderts vorliegende Abfassung der deutschen
liegende, welche G. E. von der Gabelentz in der ZThG, Bd VI, 1865, S. 235 bis
24* aus einer alten Papierhandschrift in seiner Bibliothek (,,die nach einigen
darin befindlichen Notizen iu den Jahren 1425 — 1438 von Nicolaus de Hayls-
perg, superior couventus Erfordensis fratrum heremitarum ordiais St. Augustini
geschrieben zu sein scheint') unter dem Titel : „Erzählung über die Bekehrung
der Thüringer (HS: orig. conversionis Thuringioruui) und die Errichtung ihrer
Gerichte" veröffentlicht hat. Hie stimmt., abgesehen auch von der Suraehe, die
hier die des Anfangs des 15. Jahrhunderts ist, welche aber, so wie sie vorliegt,
nicht diplomatisch genau wiedergegeben ist, nicht mit der leg. Bouifac. vernac.
genau überein, namentlich lässt sie manches aus.
Digitized by Google
71. Stück.
113
das land zu doringen. Karl der grossse, 7 des lroniges pippini son, der Rothe W)
was koning tibir alles' franckrich noch sines vater tode.
Dy romer wolden sich underwinde der keyserlichen gewalt, aber
der bobist sante dy slussele von sente peters alter zu rome unnd dy
vanen konige karl. Do für koning karl kein roma unnd der | bobist »
enpfing on gar schone unnd das gemeyne volk. Also nu konig karl
stunt an sente peters altere under der messe, do satczte ome der
bobist evne kröne uff sin houbt, er dann er das wüste. Do wart her
geruffen zu keyser unnd augusto, unnd karl was der erste frenck-
richsse koning, der ye romisch rieh gewan. Er was öueh der erste
• romische koning unnd keyser, der zu rome ye gewart [den den bobist
wyetej.b Also nu koning karl romisch keyser worden was, unnd
bonifacius8 do zu erst in das land zu doringen quam, als man schreib Rothe is*
sobenhundert unnd vier unnd ezwenezig jar, unnd zu aller erst sine <*-4
wonunge nam in deme doringesschen walde genant zu deine alden
* Das ursprünglich In der HS darauf folgend* Und Ist ausgestrichen , diu Vorlage bat: alles
franckenland. b Unverständlich ; die Vorlage hat : Der Pabste weyhote auch Min« Söbne, seinen
8ohn Pipingen sum Könige in Italien, und Ludewigen zum Könige und Herrn In Aquitanien
(Legenda, 8. SM)
T Dass hier eine Erzählung von Karl dem Grossen und seiner Kaiserkrönung
am Weihnachtsfest 800 eingeschoben ist , erklärt »ich daher , dass , wie in den
Legenden oft, der allerdings etwas sich zurückhaltende Gönner des heiligen
Bonifatius, der Majordomus Karl Martell , mit seinem Enkel Karl dem Grosseu
verwechselt ist, auf welchen ja das Mittelalter mit Vorliebe alle«, Sagenhafte wie
Geschichtliche, von den anderen Karls und sonstigen Herrschern fibertrug, ohne
alle Rücksichtnahme auf Chronologie und sonstige Überlieferung. 8 Hier be-
ginnt die speciellere Erzählung von Bonifatius. Die gewaltige und epoche-
machende Thätigkeit dt« Wyufieth- Bonifatius gehört weniger der profanen als
der Kirchengeschichte an , obschon sie für erstere auch viclbcstimmend gewesen
ist. Unondhch reich ist wie bei jeder mittelalterlichen grossen und bedeutenden
Persönlichkeit der Kranz der Sagen, die ihn umgiebt, schon die fast gleichzeitige
Lebensbeschreibung Willibalds (MGH , Scr. II ed. Pertz, pag. 331—359), die
wichtigste aller — Othlo , vita Bonifacii , stammt erst aus der 2. Hälfte des
11. Jahrhunderte — begiunt mit der Legende. Für uns, da wir nur die sicheren
Ergebnisse der historischen Kritik verwerten können, sind massgebend die immer
noch wichtige „Kirchengeschichte Deutschlands" von dem trefflichen Rettberg,
2 Bd., 1846 1848. und neuerdings A. Hauck, „Kirchengeschichte Deutschlands*' I ,
1898, bes. S. 432 ff. Manches Wichtige sah früher schon Werneburg, Beiträge z.
thüring. Gesch., MGE, X, 1881, 8. 119h*'.; einsichtig urteilt H. Grössler, Die Ein-
führung des Christentums in den nordthüringischen Gauen Friesenfeld und
Hassengau (Neujahrsblätter, herausgab, v. d. Hist. Kommission d. Provinz Sachsen,
1883, No. 7). Eine Übersicht endlich giebt Elise Cholevius, Programm der höh.
Mädchenschule zu Königsberg i. Pr. 1897 : Der Eintluss Roms auf die Amtsführung
des Bonifatius. — Des Bonifatius angenommenes weltliches, ja kriegerisches
Wirken in Thüringen hat die Sage mit besonderer Vorliebe behandelt (z. B. die
Legenda Bonifacii, s. ob. A.6); dieses hat P. Zschiesche, Heidnische Kultusstätteu
in Thüringen. JAE XXII, 1896, S. 56. 66-68. 70. 77. 81 -X2 , mit Recht auf alt-
heidnisches Sageuwerk (Bonifatius tritt an die Stelle von Wodan, Balder u.a.
Göttern) zum Teil zurückgeführt. Eine Zusammenstellung bietet auch Hermann
Glossier, Mausfelder Blatter, XIII. Jahrgang, 1899, Die Sagen von Winfried-
Bonifatius, S. 123-147.
K. Stolle. MomorUle. ö
Digitized by Google
114
71. Stück.
berge,5* do buwete her eyn deines kirchelin unnd eyn huss do by.
Do danne czoch her in hessen land kein geissmar unnd warff do
niddor einen grosssen boum, den dy heyden erten in dy ere ores apt-
gotis jovis. 10 Do buwete bonifaeius an dy stad des boumes eine
kirchen in sente peters ere. Item in deme andern jare dar nach , do
quam her widder in doringen kein ordorft unnd buwete do eyn monster
193 in sente miehels ere. In den selbien gecziten11 was eyn erbar man
gesessen under deme grafen von keft'ernberg, den hiss hug der aide,
unnd der was der erste doring, der von sancto bonifacio bekart wart
unnd wart uff deme alden berge getouftt, unnd der gap zu erst erp-
liche gutere zu der kerchen ordorff.
Rothe J95 Dar noch ubir czwey jar, das was noch cristi geburt sobenhundert
728 unnd achteunndczwenczig jar, do buwete sanctus bonifaeius in hessen
so dy stad frisslar. | Dar noch als man czalte nach cristus geburt soben-
73G hundert unnd sechss unde drissig jar, do buwete koning pippinus das
stifit zu herssfelde 12 unnd gap dar zu vole gutes in hessen unnd in
W doringen. Item dar noch, als man schreib nach cristus geburt soben-
745 hundert unnd funffunndvirezig jar, do buwete sanctus bonifacins das
74» monster zu fulda, unde dar noch ubir vier jar, do quam der bobist
Köthel Zacharias von roma kein fulda unnd wiete do das selbye monster.
m. Item als man schreib nach cristus geburt sobenhundert unde sechss
unnd vierezig jar, do buwete sanctus bonifaeius unser lieben frowen
kerchen zu erffort. 13 Als du sanctus bonifaeius vele gutis in hessen,
doringen, westfoln unnd francken etc. gethon hatte, das wort gotis
mildicklieben vorkundiget unnd zu oinem bisschoffe gesatezt wart von
ikSifeji deme bobiste zacharia unnd pippino unnd das land zu doringen in
v*m. heidonnisschem glouben was, unnd meinte, das zu bekerne zu deme
8'»66*r heyigen glouben unde fragete noch des landes Gelegenheit, her wart
• Altenberge ist jetzt ein Dorf im Herzogtum Sachsen - Koburg und Gotha,
zwischen Georgeuthal und Friedrichroda (s. o. 8t. 44 A.2), link» vom Dorfe „oben an
gelichteter Waldseite int die geweihte Statte mit dem Kandelaber, auf welcher ehe-
mal« die St. Johanniskirche stand, die als älteste Kirche Thüringens bezeichnet
wird und i. J. 724 von Bonifatius gebaut sein soll," s. Löffler, llonifacius oder
Fever des Andenkens an die erste christliche Kirche in Thüringen, bei Alten-
befge im Herzogtum Gotha, 1812. 10 Willibald, vita Bonifatii, 1.1. pag. 348 sq.,
cap. VIII §22: „quorum eonsulto atque consilio roborem quandam mirae magni-
tudinis, qne priseo paganorum vocabulo appellatur robor Iovis, in loco. qui
dicitur Gaesniarae, servis dei secum adstantibus suecidere temntavit." Juppiier
ist hier an die Stelle des Donar getreten, an dessen Stelle aber sonrt. wie so
oft, der Apostel Petrus tritt. 11 Wir lassen den Chronisten, welcher die
gewöhnliche legende bringt, ruhig erzählen, ohne seine Worte mit kritischen
Noten zu begleiten — das würde eine Monographie über Bonifatius werden
nuiHxen — ; unser Standpunkt ist in A.8 durch Hinweis auf Hauck und Grössler
hinreichend klargestellt; wir verweisen noch auf die Urkunden, welche RDTbD,
I, von No. 8 (S. ü) an über Bonifatius' Geschichte bringt. ,? S. ob. St. 29 A. 16.
1:1 S. Kurze Geschichte der Stiftskirche Beatae Mariae Virginia zu Erfurt. Mit
Benutzung bisher zum Teil noch unbekannter Quellen bearbeitet von Heinrich
Beyer. Mit Anmerkungen und einer Skizze der Kirche und ihrer Umgebung von
Rud. Böckner, MGK, VI, 1873, S. 124-221.
lynizeo uy
Google
71. Stuck.
115
bericht, das Jand zu doringen were czwolft mile lang, breit unnd wid
unnd were beslossen mit czween wassern, mit der werra unnd mit der
sal, unnd ouch mit czwen weiden, mit deme harcze unnd mit deme
doringer waldeu; wanne is zu deme glouben queme unnd worde
bekart unnd wurde gebuwet noch synem rechte, es were das beste
Iand zu der narunge. das man mochte finde in aller werlt
Do besammete sich der bisschoff bonifacius starg unde czoch mit
vele Volkes in grosser her | krafft in doringer land. Do das dy doringe *
vornomen, do erschroken sy gar sere unde meynten, sy musten alle
sterben, unnd flohen alle zu sammene, man unnd wip, uff eyn bruchich
by der onstrut czwossen gebese unnd herbesleuben an eyn wol, das
heyset dy treteburg. Do meynten sy zu bliben tod adder lebennig,
wann worumme stete adir mechtiger slosse zu der czid in deme lande
nicht en worn. Der bisschoff czoch bescheidelich in das land zu do-
ringen unnd hisch dy doringe vor sich. Dy doringe schickten ore
clugesten vor den bisschoff, das sy sine worte vor nemen. Der bisschoff
sprach : Ir lieben doringe, ir sollet uch lassen touffen unnd den heiligen
cristen glouben an uch nemen. Thuth ir das, ess komet uch allen zu
nutcze unde zu fromen unnd sal uch uranier helffen; thud ir abir des
nicht, so wel ich eynes andern mit uch begynnen. Dy doringe sprochen :
lieber herre, welcherleye nutcz adir fromen mag uns da vone enstehen,
adir was mögen wir des gnisssen? Der bisschoff sprach: Got ist komen
uff das ertriche durch des menschen willen, unnd got ist selbest mensche
worden unnd had mit omo brecht gerichte unnd trede; das ist glich
gewegen durch syn blud, glich" den armen alsb den riehen. Dar umme
sullet ir unnd alle, dy an on glouben, gefryhet unnd gewerdigit sy vor
unrechter gewalt an liebe unnd an gute hir uff ertriche unnd hirnoch
an der sele vor der helle unnd vor der tuftelscher gewalt. Dy doringe
sprochen: Lieber« herre, sint15 das der goborne | got das mag zu m
thune, so schaffet, das her ouch vormoge, das wir des czenden ledig
werden von deme konige zu ungern; deme müssen wir czenden gebe
von liebe unnd von gute, das czende kint müssen wir gebe unnd ouch
von allen, das wir haben. Worden wir des czenden loss, unnd uns
worde des eyn orkunde, sso wollen wir getruwelichen gloubo unnd uch
volgen; geschiet abir des nicht, sso Wullen wir nummer geglouben, das
es der geborne got vormoge, unnd wallen by unserra glouben blibe
tod adir lebendig. Dar umme beten wir uch, lieber herre, das ir uns
des eyne anwart gebit zu adir abe, da wir uns nach gerichte mögen.
Der bisschoff bonifacius sweig nicht lange unnd sprach: Ich wel uch
eyne antwart gebe. Do ging der bisschoff mit den synen zu rathe
• HS: durch den armen; Ergänzung nach unten 8. 116 ZI. U. HS: als durch den
riehen. • HS: Hebe.
14 Die 4 Namen: Werra. Saale, Harz und Thüringerwald »rtzt Stolle zu.
n Sint int hier Konjunktion, und zwar in eau*alem Sinne: ,,da. weil."
116
71. Stück.
unnd sprach: Ich darff wol ratis umme harten vorsatcz, den dy doringe
vor sich nemon; der konig von ungern ist also mechtig, das ich dy
doringe des czenden von ome nicht geledige mag; sal ich sy dann
[lassen]* erslaen unnd or blud uff mich nemen, das ist mir ouch alzu
swehir; sal ich sy ouch sitczen lassen, so mochten ander land da
vone in czwift'el valle, dy den glouben gereyte haben; dar umme bitte
ich uch umme getruwen rath, wy ich mit gelimphe von deine lande
scheyde, das man icht dorffe spreche: dy doringe sint mit gewalt
deme bisschoffe vor sessen. Dussse sache wart gewegen unnd wart
roth vor gegeben. Do sprochen des bischoffis manne: Lieber herre,
uns duncket gut, das ir den doringen eyn bedechtenisse gebit, eyne
benamete czid, unnd das sy uch danne widder sagen, ab sy volge
v wollen | adir nicht; in des moget ir des keysers unnd des bobistis hulffe
unnd rath dar zu erworben. Deme bisschoffe gevil der rath wol, unnd
wart des mit on eyns. Also nu der bisschoff des nächtens an sine
rüge quam unnd ouch alle dy synen, do quam eyn stymme von gote
(•. ». also freysslich unnd gruwelich, das den bisschoff' dunckte, her hette
1 * sin leben vor lorn. Dy stymme sprach: Bonifacius, du czwifeler, wy
Germ»ni»« sohlen dy doringe an mich gegloube, nu du selbir an mir czwiffelst?
H^niftÜii hastu ny gelessen, „et occidit reges fortes," das bedutit „her erslug dy
Melken starcken konige?" Ich bin von deme hymmele komen uff das ertriche
Ti.*0 dorch des menschen Wullen, unnd das mensche ist myn bilde, der arme
i*«. 843.) ajs jer riche, unnd habe gerichte unnd gerechtickeit mit mir bracht,
das ist gewogen durch myn blud glich deme armen als deme riehen;
dar umme wil ich nicht, das keyn mensche sal czenden adir czinss
geben von synes selbes lyebe eyme andern menschen; ich wil syn
ouch selbest nicht unnd wil dy dar ubir setezen, dy das mensche, das
an mich gloubende ist, beschutezen unnd beschermen vor unrechter
gewalt, arme luthe wettewan unnd weyssen dy sich selber nicht ge-
schuteze mögen, dy armen nach forder dann dy riehen, unnd sullen
das thun by der pyne. Dar umme heysso ich dich, das du dy doringe
salt des czenden ledig Unnd loss sagen, unnd gib on des myne truwe,
das on der koning von ungern des czenden nummer mehir sal ane
6s gewinne; unnd das sal or orkunde sin, das du | von on nicht komen
salt unnd salt by den doringen in deme lande also lange blibe, biss
das eyn or künde schinbarlichen koramit; das ist gar nahe, da richte
dich uff mit den dinen! Der bisschoff was des trostis gar fro unnd
was doch in grosser sorge, in welcher wysse gotis orkunde kome wolde.
Der bisschoff' hisch dy doringe vor sich unnd gab on anwart unnd
sprach: Ir lieben doringe, got ist komen uff' das ertriche durch des
menschen wullen, und got ist selber mensche worden, und got ist des
menschen bilde, dar umme wol got nicht, das keyn mensche von synes
selbes liebe czenden adir czinss sulle gebe eynem andern menschen;
got wil ouch nicht sin selber von des menschen Übe; dar umme sage
» IIS «etat noch la»«a Wiho, gegvn den Sinn der Vorige
lyinzecj uy
Googl
71. Stück.
117
ich uch des czcnden loss in syrae heiigen namen unnd gebe uch des
sine truwe zu pfände, das uch der koning von ungern des czendon
nuraraer mehir sal an gewynno unnd das sal uwer erkunde sin, das
ich by uch selber bliben wel in dissemo lande also lange, das uch
gotis orkunde komet.
Dy doringe worden des alle fro, das der bisschoff by on bliben
wolde. Der koning von ungern hatte vor nonion, das der bisschoft'
das land von orae keren wolde. Des koniges von ungern heir quam
also gar starg in doringer land, das des bisschoffis heir da keyn un-
gewegen1" was. Der bisschoft" bonifacius lag zu der czid an eyrae
ende, da itezunt neylstete17 lid. Dy ungern waren also girig zu ome
durch ore grosse macht unde vylen zu ome in das gebruchech zu
fussse unnd zu pferde; dy vordersten worden gedrungen in dy unstrut;
der bisschoft* stunt ober on uff hartem stade | unnd riff got an ummb t
hulffe unnd er slug or also vele in der unstrut tod, das das wasser
ferne en weg floss mit blute. Abir dy uff deme bruche worn, dy
onkonden widder hinder noch forder korae, unnd dy uft' trockem lande
warn, dy flohen en weg, unnd was or do bieben, dy er slug der
bisschoff alle mittenander uff deme ryte zu neylstete. Von des bis-
schoffes volke bieben ouch czwene tod uff deme rythe zu neylstete;
da selbest sint hene gesatezt czwene hoche steine zu einem gedecht-
nisse unnd sint crueze.
Da dy doringe gesagen, das gotis orkunde also gross komen was,
da gloubeten sy an den geboren got unnd lissen sich touften. Do der
bisschoft das allis vorbrachto, do boten on dy doringe, das er ore boten
mit ome neme unnd schufte, das on eyn richter worde, unnd das thed
der bisschoft unnd enpot ouch dorne bobiste unnd koysere, wy es ome
im lande zu doringen er gangen were. Der bobist unnd der keyser
worden serc fro, das got den heilgcn cristen glouben also gestercket
hatte. Do santo der keyser sine eygen boten in doringen mit oren
bothen unnd schreib unnd enpot on, das sy veste stunden, er wolde
on zu hulfle komen unnd wolde on einen eygen richter gobe, der sy
solde by allem rechto behalde.
Also was nu eyn togentsamer wolgeborner cdeler man uss Rotbo as»
franckrieh, geheysen lodewig mit deme barto,1* der hatte einen
|fi Ungewegen = ungewogen, d. i. „nicht gewogen, nicht gleich gewogen, nicht
gleich." 17 Nägelstedt, preuss. Dorf an der Unstrut, Kreis Langensalza. Die
unten erwähnten 2 grossen Steine, Kreuze, welche Stolle, der ja in Langensalza
auf der Schule war, noch selbst sah, sind wahrscheinlich Hoheits- oder Grenz-
kreuze des deutschen Ritteroniens, der in Nägelstedt (s. Regel, Thüringen, II,
I8Y5, S. 547) einen im 13. Jahrhundert gegründeten Ordenshof besass; öderes
sind sogen. „Mordkreuze," die sich überall finden. '* Dieser sogenannte erste
Landgraf, Ludwig mit dem Barte genannt, scheidet nach dem Naudöschcn Nach-
weis der Uuechtheit der alten Rcinhardsbrunner Urkunden (noch Knochenhauer,
Gesch. Thüringens, II, S. 21- 4"» wollte wenigstens die Gestalt selbst , wenn auch
nicht als Einwanderer in Thüringen, sowie auch die bescheidenen Anfange seines
Hauses retten, der Herausgeber K. Menzel aber widerspricht) für die wissen-
Digitized by LjOOQIc
118 71. Stück.
bruder, den hiss hug, unnd der selbige hug was gar eyn erlieher
m redelicher gestrenger uss richtiger man , also das her wart gejniacht
zu einem hofemeister unnd heymelichen rathe eines bisschofles zu
mentez. Der selbige hug wart do von deme bissehoffe zu mentcz
umb siner redelickeit wollen mit vele gutis unnd ritter lehen an deme
Roth« aa« ryne unnd im lande zu doringen belehent. Also nu der selbige hug
gestarp, do wart sin bruder lodewig mit dem barte von deme bissehoffe
zu mentcz dorch sines bruder hugis willen, den der bisschofi gar lieb
hatte, zu eyme vitezthura gemacht in doringen, wann das land uft' dy
czit an deme riche unnd ford am bisschoft zu mentcz stunt. Also
RuthQSss quam lodewig mit dem barte, der erste vitezthum, in doringen unnd
erboth sich gar gutlich keyn den grafen unnd hern unnd allen erber
luthen unnd steten, unnd was ome von deme bisschofle befolen was,
das zu syme ammecht gehörte, das richte her gar herlich unnd wol
uss unnd hilt sich besundern an den doringeschen walt, da dy blosse
loube19 Iyt, unnd liss do uss roden den walt unnd liss dar uft buwen,
da itezunt lyt das closter reinhardisborn, der aldeberg, kattirfelt20 unnd
bruwerterode,21 unnd wart umme siner dinstlicher gutlichkeit also von
allen edeln zu doringen gar lip gehalden unnd besundern von grafen
bussen22 von glichen unnd von graten gunther 22 von keflernberg, unnd
von den selben unnd andern hern unnd guthen luthen im lande zu
doringen kouffte her vele erbos, forwerg unnd dorffe, wann her vele
geldes unnd gutes gewan von syme brudere buge, als oben geschreben
▼ steint. Dar noch von vorhencknisse der hern zu doringen, | do buwete
Roth« 334 her in deme walde nahe, do itezunt reinhardisborn lyt, eine schone
vesten, dy nante her schouwenburg, 23 unnd da sei best hatte her sine
tegeliche wonunge. Also nu disser herre lodewig mit deme barte, also
geheissen dar uramb, das her pflegelich eynen langen bart trug, unnd
schädliche Geschichte als eine rein sagenhafte Gestalt aus; hier erscheint er un-
mittelbar nach der Bekehrung der Thüringer zum Christentum (wobei, wie schon
gesagt ist, Karl Martell uud Karl der Grosse verwechselt werden), suater von
Karl dem Grossen abgesandt, zuletzt entweder als Abkömmling der Karolinger
oder als Staufer (!) oder als Verwandter der ersten salischen Kaiser (von Kaiser
Konrads II. Gemahlin Gisela), wobei seine Regierungszeit mit der Kaiser Hein-
richs III. (1089-1056) gleichgesetzt wird; s. u. St.72 A. 1 u. St. 7:$ A. 1. Der
Wald von der Gegend von Schwarzburg bis Fried richroda und Suhl hiess die
Ix>ibe, vielleicht der Thüringer Wald im allgemeinen so; die t,blosse Laube" er-
streckte sich nach der (gefälschten) Urkunde Kaiser Konrads II. vom 27. April 1037
(s. RDThD I, No. 729, der auch die andere Urkunde bringt, sowie die nötige
Litterat ur erwähnt) von der Gegend von Altenbergeu bis zur Zellaer Laube bei
Zella -St. Hlasii (Dorf im Herzogtum Sachsen - Koburg und Gotha). S. noch
K. Brandis, Berg- und Thalnamen im Thüringerwald, 1894, S. 37. 20 Katterfeld
bei Altenbergen, Dorf i. Herzogtum Saehsen-Koburg und Gotha, s. oben Anm. 9.
51 Jetzt Brotterode . preuss. Marktflecken , am Fusse des Iuselsberges. Alles
sagenhaft, s. A. Werneburg, Über die Glaubwürdigkeit der Reiuhardsbrunner
Geschichtsbücher, MGK VIII, S. 15—20. Wer diese Sagen bequem lesen will,
sei u.a. auf Polack, Die Landgrafen von Thüringen, 1865, S. 8 f. verwiesen.
" Angebliche „Ruine" (d. h. geringe Mauerreste) in der Umgegend von Friedrich-
roda; hierüber s. Polack a.a.O. S. 9, und von ebendems., Die Schaumburg, 1858.
Digitized by CjOOQIc
71. Stück.
119
eyn vitczthuni in doringen was geheyssen unnd also vaste unnd gar
sero zu begonde zu nemen mit gute unnd mit slossen, dy hör kouflte
unnd buwete, unnd hilt das land in grossem frede unnd vorsunete
czweytracht gerne, unnd darumme das her also frome unnd gutlichen
was, sso wart her von allen edeln luthen ge erit unnd in oren rath
geczogen. Also nu syn mogk,24 der keyser uss francrich, in doringen Roth» 35s
quam unnd vor nam syne redelickeit unnd wissheit unnd dy gunst,
dy dy erber luthe zu ome hatten, do machte her on zu eynem graten
des landes zu doringen, unnd wart do von allermelichem 25 eyn grate
von doringen genant unnd eyn herre von schouwenborg. Also nu der L<v*n(U
herre mit derae barte von deme keysere also zu einem grafen zu
doringen mit der doringer willen gemacht unnd gekorn was, do machte /, ^«gf)
der keyser das land zu doringen zu eyme fan lehen20 unnd belente u,,uge
den hern do mete unnd leich ome dar ubir des riches fanen, dach Leg.B«nif.
also, das grafen, fryen unnd alle, dy eygen gerichte haben, iglicher y™£iGL K
richter wol richten mnss in syme gerichte, das ome gebort mit rechte. »sVumi
Der lantgrafe*7 sal ouch sechsse kysen, grafen, tryen, welcher her wel, 'jJJJi!*
dy in syme lande gesessen sint, ussewendig nicht. Dy sechsse sullen j^-g^Jg
noch sechsse zu on kessen, dy besten unnd dy klugisten, dy in derae * W.
lande sint; unnd dy selben czwolffe sullen | sich vor pflichte vor deme r>*
lantgrafen unnd sweren by dem eyde uft dy heiigen von des landes
wegen, das sy recht orteyl Wullen finde in allen sachen, also das sy
der nicht besser wissen glich deme armen als deme riehen, das on got
also belfle unnd dy heiigen. Der lantgrafe sal sin ding drystunt28
sitezen in deme jare yo in achezen wochen eyns; das erste gerichte
sal sin noch winachten, als man gesungen hat: omnis terra, das andere
nach pfingisten, als man gesungen hat: dous in tua misericordia,
das dritte, als man gesungen hat: da pacem domino. Der dingstul
wart gesatezt uff das ryet zu mittelhusen mit der doringe willen2'-';
w Hier ist Karl der Grosse gemeint, der in Deutschland Gau- und Gerichte-
verfassung einrichtete; daher mag die Sage entstanden seh), dass Ludwig mit
dem Barte dem alten Karolingcigescbleehte entstammt sei. *" = „albuählich.,<
16 Hei den weltlichen Fürsten folgt die Belehnuug durch die Lanze mit der Fahne
oder durch die Fahne allein; bei der Vereinigung mehrerer Füretenlehcn auch
durch mehrere Fahnen. Oben S. 113 sendet der Papst an Karl den Grossen dy
vanen, d.h. er wollte ihm die weltliehe Macht übertragen wissen. 5T S.A. Gross,
Die Anfange des ersten thüring. Landgrafengesehlechtes , Dissertation, Göttingen
1880; O. Dobenecker, Über Ursprung und Bedeutung der thüringischen Laud-
grafschaft, ZThG, N F. VII, 181)1, S. 825 ff 7h Die ungebotenen Dinge fanden
dreimal (dry stunt) im Jahre statt: 1. im Winter: nach dem 2. Sonntage nach
Epiphanias (introitus missae dominic. II post Epiphan.: omnis terra adoret te,
Dcus, et psallat tibi: psalmum dieat nomini tuo, Psal. 65 v. 4 Vulgata); 2. im
Frühjahr: domic. I post trinit. (introitus missac dorn. I post trinit. : Domine,
|ego autemj in tua misericordia speravi c. q. s. — Ps. 12 v. 6 Vulgata) ; endlich
3. im Herbste: Domic. 18 post Penteeost. introitus missae domic. XVIJI post
Pentec. : Da pacem, domine, sustineutibu* te e. q. s. - Ecclesiastieus \ .1 es. Sirach |
36 v. 18 Vulgata). •'' Die leg. Bonif. vern. liest: „mit der Tliüringer wiesen," die
lat. legenda aber: „Tribunal cum consensu Thuringorum positum est sujicr sacrario
(HS: sarario) villae Mittelhusen." üb in der Fassung Stolles ein Fehler liegt?
lyiuzeo uy
Google
120
71. Stück.
den selben dingstul sullcn mache czvvo hufe landes, dy do legen in
deme feldo zu elxleubon30 an dergera, wer dy under ouie haid etc.31
Der apt von sente peters berge zu orffort, der sal dy tepte32 da
hene pflegen, do dy hern uffe sitezen, dar ummb ist onie das dorft
mittelhusen gegeben.
Leg. Bonif. Dusser gnade zu bestetigunge unnd zu orkunde des lantgerichtes
JJ!"h58— zu eyme ewigen gedechtnisse buwete der keyser karl dry kerchen im
85a- lande zu doringen; dy einen an der ylmana, do itezunt mey Idingen 33
lyd, In des heiigen crucis ere; dy andern kerchen buwete her an der
unstrut, da itezunt vargula84 lyd, in dy ere des heiigen crucis, unnd
sanetus bonifacius buwete dy dritten kerchen, da nu kornere35 lyd, in
dy ere saneti peters. Dy selben dry kerchen sint alle dry sene-
wellen.3,; — Dusser selbige keyser karl was alle czit gar sere bedacht
uff der lande gebrechen unnd uff armer lute noyd, wy her das mochte
▼ noch gliche unnd | noch rechte gewandelen, dar ummb er hub on got
also hoch uff dissem ertriche.
L7,BJll|f' Hir folgen nu noch dy vier ding stule der gerichte dos landes zu
Pg. 86a- doringen. Der erste dingstul ist gesatezt, da itezunt gota lyd ; in deme
863, selben virtele lyd dy grafeschafft glichen unnd eyn geistlich stul zu
ordorf!,37 den dy geistlickeit seddir ouch keyn gota haben gelegit
Der ander stul wart gesatezt, da nu tungosbrucken3* lyd; in deme
selben virtel lyd dy grafeschaßt kerchberg, das borg wal lyd czwusschen
stolberg35' unnd lora, unnd der geistliche stul zu jecheborg. Der dritte
30 Jetzt Elxleben, preussisches Dorf an der Gera, tandkreis Erfurt. 31 Das
etc. des Chronisten sina wir in der I>nge aufzulösen, und zwar thun wir es nach
der Leg. Bonif. vernacula (pag. 857): ,,wer die unter ihm hat, der soll den stuhl
gegen Morgen bekleyden, hinter auf mit Delen »oll er bedekt »eyn, von oben
auff biss auf die Erden. Von beyden gelten soll er bekleydet »eyn, nicht höher,
denn dass man den Richter und die Schoppen ihr Antlitz gesehen kann, und
sie auch kann gehören. Auch soll der Stuhl forne mit einem (Thür-) Riegel
gemacht seyn , dass man möge aus Und einkommen , also offt des Noth seyn
würde, ob es noth geschehe, dass die Sehöpffcn aus dem Gerichte tretten müssen,
und sich da« Recht lernen Hessen/' " In der lat. Fassung: „abbas ad-
ministrare U*nctur dorsalia et tapeta" (dorsalia = Rückendecken, tapeta *=•
Teppiche); Teppiche wurden im Mittelalter häufig als Vorhänge für Wände und
bei Zelten gebraucht; berühmt sind die Zeltteppiche Karls des Kühnen, die er
bei Granson verlor. Flecken im Verwaltungsbezirk Weimar des Grossherzog-
tums Sachsen; s.o. St. 38 A. 7. 84 Vargula, s. ob. St. 53 A. I. s& Körner.
Flecken im Landratsamte Gotha des Herzogtums Sachsen -Koburg und Gotha
(Exclavc), nicht weit von Mühlhausen i. Th. M Das md senewel = mhd siue-
wel. d. h. „rund, gewölbt,'* von Bauwerken romanischen Stiles auch sonst, von
Kirchen, Klosterbauten, Türmen Bezüglich romanischer Kirchenbauten in Thüringen
sei nur an Paulinzella erinnert. Die deutsche Leg. Bonif. versteht das Wort
nicht, da sie „sein will" schreibt und in Klammern mit seine Ordnung*' erklärt.
;,: Ohrdruf, Stadt mit altem Kloster im Herzogtum Sachsen-Koburg und Gotha.
:w Verschrieben für Tominesbrücken (deutsehe I>eg. S. Bonifacii) s. ob. St. 66 A. 12.
:,u Die lat. wie deutsche Legend. S. Bonifacii schreiben Strussberg, unweit Gonders-
hausen. Besitzer der jetzt wüsten Burg ist der Fürst von Schwarzburg-Rudolstadt;
näheres s. bei C. Duval, Straussberg, Thüringen und der Harz II. S. 84 ff., ebend.
Bd. VII, S. 17 ff. über Lohra, früher Kloster, jetzt Domäne bei dem preusaischen
Digitized by LjOOQIC
72. Stuck.
121
stul wart gesatczt, da nu wissensee 1yd-; in deme selben virtel 1yd dy
grafeschafft bichelingen, unnd der geistliehe stul zu bebara.^0 Der
virde stul wart gesatczt, da nu bottelstete 1yd; in deme selbigen virtele
Ivel dy grafeschaflt keflernberg, unnd den geistlichen stul halden dy
geistlichen zu erfforte.
Ditte heiset das aide land zu doringen, unnd sint dy vier voyto
unnd voytding,* dyb rüge mit rechte gehabe mögen; unnd disse vier
voyte sullen das land in steter hüte behalden mit den rechten, unnd
ouch das land befreden. Wer ouch in eynem stule vor festend wirdit,
in den andern dryen ist her unbefestent; wer abir zu mittelhusen vor
deme lantgrafen unnd vor den czwolffen des landes in dy achte kommet,
der ist in allen andern stillen unnd gerichten ubinvunden unnd sal ( BonJ(
ouch in deme lande nergen frede haben. ™r».
Der keyser karl sprach zu letezt, do her von lande sehyt: Er lant- ''^f,3
grafe von doringen unnd | ir czwolffe des landes, ist es, das ir das •r-r»
gerichte also haldit in gliche unnd in rechte, so sal uch ere unnd
fredes nummer gebreche.
Wartperg ist das houbit des landes zu doringen, elgerspurg" ist
dor rechte arm, ebersperg" der lincke arm, wissensee das hereze,
eckerssperg18 dy fusse unnd treten uff dy sale.
72. Von deme ersten lantgrafen.
Derne ersten lantgrafen zu doringen lodewige mit deme harte,1 Rothe 335
von deme hir oben gesehreben stehit, deme wart eine riche wottewinne
* HS: wytdtag. » HB: unnd (nach der deut«cb«n L»g. 8. Bonlf. verbessert).
Dorfe Münchenlohra, nicht weit von Nordhausen, Amtsgerichtsl)ezirk Blcicherodc;
über die Grafen Lohra s. RDThD a. v. »Stellen. 40 Die deutsche Leg. 8. Bonif.
liest : „Belara und leit auf der Fenne" (Finne). Es ist das Dörfchen Bebra, un-
mittelbar bei Sondershausen, gemeint, das also an der Hainleite liegt. 41 Elgers-
burg, sachsen - koburg - gothaisches Dorf, das bekannte Bad, unweit Ilmenau.
47 Die Ebersbure ist jetzt eine in den Vorbergen des Südharzes zwischen den
preussischen (i. Kr. Sangerhausen) liegenden Dörfern Hermannsacker und Roti-
leberode liegende Ruine, über welche urkundlich nichts erhalten ist; sie gehört
dem Fürsten von Stolberg-Rossla. 48 Eckartsberga, preussische Kreisstadt im
Regierungsbezirk Merseburg, mit der alten Eckartsburg; s. \V. Rein, Die l'alatien
d. alt. thür. Landgrafen, Archiv f. Sachs. Geschichte I S. 420 — 424.
72. 1 Nach vielen Anfangen kritischer Behandlung (s. i. bes. Knochenhauer,
Gesch. Timringens II, 21-45 — s. ob. St. 71 A. 18 — ferner Ilgen u. Vogel, Thüring.
Erbfolgekrieg — «. u. St. 1 1 5 A. 1 — in kurzer Zusammenfassung Zcitachr. für
Hessische Gesch. u. Landeskunde X, 18H3, S. 201— 227) hat O. Dobenecker , Über
Ursprung und Bedeutung der thüringischen Landgrafschaft, ZThG, N. F. Bd. VII,
1801, S 229— 234 trefflich den Ursprung der thüringischen Landgrafen gezeigt
und ihre Bedeutung gewürdigt. Danach fallen die Anfange des Ludwigsehen
Hauses (S. 307 ff.) in den Beginn des 12 Jahrhunderts; alles, was vorhergeht,
ist sagenhaft. Der Chronist bietet auch die gewöhnliche Tradition , die im
Knochenhaueis und besonders an Dobeneckers Forschungsergebnissen zu messen
d.h. zu verwerfen bezw. zu berichtigen ist.
Digitized by LjOOQIc
122 73. Stuck.
gegeben zu der ee, dy was des Stammes dos herczogen von Sachsen,
unnd dy brachte ome dy stad sangerhuson unnd sobenhundert hufe
arthafltiges* landes in den fehlen der dortt'er uiiimo sangorhusen. Unnd
do disser lantgrave in doringen drissig jar in doringen gewonet hatte,
Rothe :ws do hisch der kevsor dv dutczchen forsten unnd graven kein mentcz.
Do quam her ourh dar unnd starp do sei best unnd wart begraben zu
sente albano, das do 1yd vor der stad mentcz uff deme berge, in der
10T»0 kirchen. Das ist ge schoen naeh gotis geburt tnsent unde funffczig jar.
73. Wy lantgrafe lodewig der Springer eyncii tod
slug uiiinie syner frowe willen, mit der her bulte,
Au»zog aus Der andere lantgrafe in doringen, den hiss ouch lodewig der
wo!*»?*' Springer 1 unnd was lantgraven lodewiges mit deme barto son. Disser
^jj-sw. lantgrave lodewig der andere, der buwete dy fürstlichen borg wartperg.
352. In den selbigen geeziten was grossse turde2 unnd hunger im lande zu
Rotho 346 doringen. Nu hatte disser lantgrafe lodewig gar feie korns unnd liss
t dy arme luthe, dy her gerne erneret hette, das sy nicht | hungers
sterben, steync füren vom seberge by gota unnd buwete do das muss-
huss unnd dy andern kemmenaten unnd torrae dar ufte unnd liss es
mit blye decken. Unnd ditte ist gescheen nach cristi geburt tusent
1067 unnd LXV1I jar.
Disser lantgrave lodewig wart gefangen durch eynes tod slagis
willen czwey ganteze jar, wanu her den pfalezgraven von Sachsen
frederich genant er stach unnd on foln tod liss slahen umme synes
wibes willen, wann der selbige pfalczgrave gar eyn schönes wib hatte
unnd mit or sass zu husse zu sehyppelicz im osterlande3; dar umme
was disser lantgrave gefangen czwey jar uff der borgk gebichensteyn.
2 Md artbaftes land — Pflugland.
73. 1 Auch um ihn ist ein reicher Sagenkranz gewoben, .s. Knochenhauer,
Oeschiehte Thüringena, II, S. 45-79 u. Werneburg a. a. O MOE VIII S. 3i-">5;
ebenso die ..vielen Urkunden bei KDThD, welcher in seinem schon genannten
Vortrage: Uber Ursprung und Bedeutunir <ler thüring. I.»audgrafsehaft (ZThO
N. F. Bd. VII, 1891) S. 307ff. das historisch Feststellende bringt. Das, was Stolle
über den Landgrafen mitteilt, ist ein sehr gedrängter Auszug aus Rothe, mit
Ausnahme der Erzählung über die Hungersnot in Thüringen, wo er Worte von
Rothe: „her stalte sich redelichen unde weislichen yn alle syme gescheiten isse"
mu h einer uns unbekannt gebliebenen Quelle näher ausgeführt hat; die Stolleselie
Erzählung bietet im Kern da«, was alle die Chronisten und Annalisten bringen, die
HiJt. Pistor. , bist. Eccard., die Anual. Heinhartbr. , Nicolaus von Siegen u. a.
* Md turde = mhd tiurde, stf., = „Teuerung." :1 Es ist Zschci plitz ge-
nieint, Kittel gut und Dörfchen unweit Frey burg a. d. Unstmt, ursprünglich
eine slavische Ansicdlung, dann ein Schloss der Pfalzgrafen von Sachsen, das sie
später in ein Kloster umwandelten, s. II. Orössler, Führer durch das Unstrutthal,
Archiv für Landes- u. Volksk. der l'rov. Sachsen, III. 18!>:5, S. 114. Jene Um-
wandlung gebraucht die Sage (s. RDThD No. 907, S. i'OO), um Adelheid reumütig
hier ein Kloster stiften zu lassen, in das sie eintrat, wie Ludwig in Reiiihardsbrunn.
Digitized by Google
73. Stück. 123
Do golobete disser lantgrave sente ulriehe, das her on' uss deme
gefengnisse wolde helffe mit gute unnd mit heyle, so woldo her in
syne ere eyne erliche kerchen buwen; unnd das geschach. Er sprang
von gebichosteyn er nydder in dy sal ane allen schadon unnd quam
heym kein sangerhusen; dor umme heist disser selbige lantgrave''
lodewig der Springer, das her von der borg in dy sal sprang. Unnd
do her also en heym quam, do gelobeto her gote unnd sente ulriehe,
unnd liss do selbest zu sangerhusen buwe eine kerchen in dy ere
sente ulrichs. Unnd dor noch nicht lang, do nam her das selbige
schone wib zu der ee, alheit genant, des pfalczgraven von Sachsen wib,
den her tod geslagen hatte. Unnd ditto ist gescheen noch gotis geburt
tusent unnd LXXV jar. Got, der almechtigo unnd barmherczige herre,c W7*>
der do hoff'enunge zu ome had, wü nicht lassen vorterben, der sante
dissem lantgraven lodewige unnd frowen alheyden syner wertynnen 5,5
syne gotlichen gnade, das sy beide ruwe unnd leide gewunnen umme
ore sunde. Wann es geschach an deme guten fritage,4 als man schreib
nach gotis geburt tusent unnd LXXXIV jar, das frowe alheid sine 108*
wertynne on zu huss bad, das her uff den selbigen tag mit or essen
wolde, der lantgrave sagete or das zu; do liss sy kochen wiltprot unnd
mancherleye fleiss unnd liss das vor oren hern lantgraven lodewigen
unnd vor sich tragen zu tissche unnd bad oren heren, das her wolde
essen. Do der lantgrave disse spisse ane sach, do er schräg her gancz
sere unnd sprach: frowe, wass sal das sy? sullen wir fleisch essen an
domo tage, also cristus unser lieber herre dy martir vor uns geloden
had, das gar unezemelichen ist allen cristen luthen? Do antwerto dy
frowe orem hern unnd sprach: ist uns disse spisse unezemelichen zu
essen, dy uns der bobist vorboten had, wo nemen wir dann sulche
torstickeit,5 das wir uff disse hoilige czit ane gotis lichenam hüben*5
unnd ane ruwe unser sunde, dy also gross ist, das dy in den hymmel
schrigit unnd gewachsen ist, unnd das unezemelich allen fromen cristen
luthen ist noch mehir, dann ab sy hüte fleisch essen, unnd wir werden
ouch gnug von gote vor mant, der uns czeichentlichen by deme leben
behalden had unnd tegelichen ontheldet,7 unnd wir ouch vor alden*
also in unsen sunden unnd werden eyn spot vor gote unnd allen
andern fromen luthen. — Do lantgrave lodewig disso rede gehört hatte,
do slug her sin houbt nedder unnd begunde gar sero zu weynen, unnd
frowe alheyt mit ome. Unnd do das eyne l wile gewert hatte, das or v
■ HS: Am hör ome, Am her. b HM: di«t>n ielbigen l»ut|rr»ven. « IIS: »liuechtl^-r herro
4 I). i. am Ch ar frei tage , dem sehr streng gehaltenen Fasttage. '' Md
torstickeit =-■ mhd türsticheit, stf., = „Kühnheit, Frevelmut." " Da sie die Tod-
sünde des Münk« und die unerlaubte Ehe imeh nieht gebüsst hatten, durften
sie nicht zu den heiligen Sakramenten gehen. 7 Enthalden, md swv., bedeutet
„erhalten." da da» Pracfix ent lursjirüngl. anti häutig nur den Begriff verstärkt,
z.H. entlihteu, entmuoten u.a. s Md voralden mhd veralten — „alt werden,-'
im nhd nur von Sachen.
Digitized by Google
124
74. Stück.
keyn deme andern zu gesprochen konde vor grosssem jammer nnnd
ruwe, dy sy beido hatten, do quam einer der denere gegangen, den
hiss er dy spisse enweg tragen unnd sprach: ich wil gote gelobe, das
ich, sso ich erst mag, kein rorae zu deme bobiste czehen wil unnd
bussse umme unser sunde en pfaen. Also stunden sy uff von deme
tissche unnd bieben den tag gancz betrubit, ungesssen unnd un-
getruncken. Dar noch bestalte her sine kindere unnd gab dy uss unnd
schickte alle sine sache unnd czoch mit deme bisschoffe von halberstad
1088 kein rome, als man schreib nach gotis geburt tusent LXXXV11I jar
unnd enpfing do von deme bobiste bussse umme sine sunde. Do hiss
on der bobist, das her eyn closter buwe solde gote zu eren, unser
lieben frowen unnd sente johansse deme ewangelisten, der mit der
muter gotis an deme guten fritage under deme crueze stunt, unnd
ouch vor synem ende eyn monch dor ynne werde. Unnd solde vor
synes wibes sunde ouch eyn closter buwe, dar in solde sy sich ouch
geben. Also czoch der lantgrave mit deme bisschoffe widder zu lande
unnd buwete do das closter reynhardisborn ; unnd das ge schach uoch
1080 gotisgebort tusent LXXXIX jar. Dor noch buwete her uss der borg
sehippelitcz ouch eyn closter, dy des pfalczgraven frederichs gewest
was, den her er stochen hatte. Dor noch buwete frowe alheit das
closter zu oldesleuben9 gote zu lobe unnd siner lieben muter. Dor
57 noch czoch disser lantgrave lodewig mit deme bisschoff | von halber-
stad, genant gilebertus , 10 in das nuwe closter reynhardisborn unnd
begobete das mit erbe, dorffe unnd walde, unnd nomen beide an sich
sente benedictus orden, unnd disser bisschoff' was der erste apt dar
1006 inne. Ditte geschach nach gotis gebuit tusent LXXXXVI jar. — Also
nu disser lantgrave lodewig gelebet hatte LXX11I jar, do starp her unnd
lyd begraben zu reinhardisborn. Ditte geschach noch gotis geburt
1123 tusent hundert unnd XXIII jar.
74. Wy der keyser den lantgrafen zu doringen
Rothe W
Lodewig der dritte,1 lantgrave zu doringen, lodewiges des Springers
son, viin deme itezunt oben geschroben stehit. Disser lodewig, der
9 OIdislel>en, grossh. sächs. Exelave, an dor Unstrut, zwischen Frankenhausen
und lli ldrungen ; über die von der Sag»; erfundene Stiftung des Klosters Oldis-
leben, s. RI>ThI> No. 968 S 206 und No. 9r>6 S.202f.; die Gründerin der Bene-
dikt inerabtei Oldisleben .stammt sicherlich aus dem Oeschlechte der Heichlinger.
s.a. Nebe in d. Ztscli. des Ilarzv. XX, :i<l F.s ist Abt Oiselbert, der erste
Abt von Keinbardsbrunn geraeint, 8. d. (gefälsehten) Reinhardsbrunner Urkunden
vom y. August 1086, Dobenecker No. 1*4*;, und vom 2. Januar 1089, Dobenecker
No. 961; s. auch ebenda No. 974 u. 977 (päpstliche Iiulle vom 23. März 1092 und
17. Febr. 1094). Er wird vielfach mit einem gleichzeitigen Abte des St. Peters-
klosteiH in Krfurt verwechselt, s. Höckner, Das Peterskloster in Erfurt, MOE, X,
1881, s. m.^
74. 1 Uber diesen Ludwig und die Übertragung der thüringischen Landgraf-
Uigitizecl by
75. Stück.
125
dritte lantgrave in doringen, der nara zu der ee2 des herczogen tochter
von Sachsen, genant heddewig, der dor noch keyser wart; do der
selbige herczoge von Sachsen sach sinen eydam, das her was eyn
gestrenger richter, richtig unnd wisse in sinen gescheffeden sines swers,
des herczogen von Sachsen, des keysers, unnd mechtig in doringen
unnd hessen, do machte on dor keyser, sin sweer, noch rathe der fursten
zu eyrae lantfursten mit banirn unnd herlickoit, als das gcwonlich ist,
unnd furstente on mit czwolff graven zu hofegesinde, in der wisse also
der keyser uss gesatczt ist mit fursten zu syme hofegesinde, unnd gab
ome dy leenschafft ubir dy selben graven unnd satczte den grafen
andere fryhe dinstlute zu nndir ammccht luthen erplichen, unnd dy
worden alle do herlich belehent. In disser czit hub sich an der grawe
orden3 zu erst, i »
75. Wy dy beineschen liern zu sanimene gestreten ^
haben. ™u-
Nach gotis geburt tusent hundert XXVI jar, da wart eyn grosser 112«
strid 1 czwissen deme konige zu behemen unnd herczogen ulriche da
Bchaft an ihn, während sein (sagenhafter) Grossvater Ludwig mit dem Barte und
sein Vater Ludwig der Springer nur Grafen, allerdings letzterer mit hervorragender
Bedeutung gewesen sind, s. Knochenhauer, Geschiente Thüringens z. Zeit des
ersten Laudgrafeuhanse*. herausgb. v. K. Menzel, 187 1, S. 79-94; 94 — 1 1 1 ; einzelnes
bietet Wemeburg, Beiträge z. thüring. Geschichte , MGK, 11. Heft, 1H83, S. 37 ff.;
abschliessend 0. Hohenecker, Uber Ursprung und Bedeutung der thüring. Land-
grafschaft, ZThG N. F. VII. Bd. S. 299-320. * Das ist unrichtig, denn Graf
Ludwig nahm noch vor dem Tode ihres Vaters Hedwig, die Erbtochter des
hessischen Grafen Giso IV. von Gudensberg zur Ehe, sein jüngerer Bruder Hein-
rich deren Stiefmutter, die 2. Gemahlin des oben genannten Giso, ebenfalls
Hedwig genannt, wodurch die thüringischen Landgrafen in Hessen reieh begütert
wurden, s. Knochenhauer a. a. (). 8. 80 ff., welcher auch ebenda S. 87 sagt:
„Spaterer Tradition ist das Verhältnis Ludwigs zu Lothar [von Supplinburg,
Herzog von Sachsen, deutscher König 1125 — 1137] als so eng erschienen, das«
sie ienen fälschlich als Gemahl einer angeblichen Tochter des Königs, mit Namen
Hedwig, bezeichnet hat." 3 Der i. J. 1098 von dem Benediktinermönch Robert
aus der Champagne gegründete Cistercienser- Orden ist geraeint; das
Ordenskleid ist im Gegensatze zu der schwarzeu Tracht der alten Benediktiner
weiss mit grauem Skapulier; s. u. St. 76 A. 8.
75. ' Nach dem Tode des Königs (Herzogs) Wladialaws I. am 16. April 1125
folgte ihm sein Bruder Solnxsfaw, früher des hochsinnigen Bruders Gegner, zuletzt
mit ihm versöhnt. Doch musste er, da sein Vetter Ulrich aus der mährischen
Seitenlinie Ansprüche auf den Thron erhob, seine Herrschaft verteidigen. Ulrich
erhielt Unterstützung von König Lothar, vor welchem, da er als Oberlehnsherr
die Thronstreitigkeiten entscheiden wollte, Sobestaw nicht erschienen war. Das
Heer der Deutschen erschien in Böhmen, erlitt aber am Fusse des Erzgebirges
bei Kulm eine Niederlage; der Chronist irrt, wenn er von einem Siege Ulrichs
spricht; die vielen Verluste deuten ja auch mehr eine Niederlage an. Nach
anderen war Otto (der Schwarze) von Olinütz (hier Otto von Mererenheym d.h.
von Mähren) der Prätendent, welcher in der Kölner Schlacht fiel.
Digitized by LjOOQIc
126 76. Stück.
Annal. Er-
^^"sJ; sei best vor fasnacht an deme dritten tage vor sente peters tage,8 unnd
vi re. 537 do worn dy doringeschen graven meto; do gewan herczog ulrich den
pSrrim<3'Mstryd, unnd des koniges volk wart sere vele er slagen; unnd do bleib
"JJS^tod margrafe albrecht von laudisberg unnd herczoge otto von merern-
re. s)?«; heym unnd grave lodewig von lora unnd andere doringessche hern
'JJbliS' vele, unnd vele guthir manschaftt worden gefangen von deme bemschen
demxxx, herczosen, der do noch eyn beide was. Unnd in deme andern jare
1 I*lT 631 )
dar noch, do quam der selbie herczoge ulrich zu deme keysere lotario
u*rthninn., kein mersseburg unnd Jiss sich da teyffen3 unnd wart cristen zu
"xxx.'T' pfingesten. Tn deme selbigen jare wart gebuwet unnd zu erst gestifl't
vt.wi. das closter walkenryde.4 In deme selbigen jare, da vil eyn steyn uss
Rothe 36-» den wölken by oldisleuben,5 also gross als eynes menschen hount, den
haben sy nach da zu einen wunder czeichen.
1130 Nach cristus geburt tusent hundert XXX jar, do starp grafe hoin-
cron. a. rieh raspe, c der rasponberg7 buwete, unnd 1yd begraben zu reyn-
mU! u hardisborn.
pg S62.
Ann. Keln-
hartbr. 1.1.
PK.*"«! 7(i# \\^y eyn ]antgi*afe zu doriiigen sine kindere
uoth« belente.
Dusser obgenante lantgrafe lodewig,1 der erste furste in doringon,
der hatte einen son, den üss er ouch heisse nach synem namen lode-
wig.2 Der wart noch synem vater eyn herre zu doringen unnd zu
hessen, als man hir noch wol findet beschreben. Dar noch gewan her
abir einen son,3 den nante her ouch lodewig. Der wart eyn grafe
noch synes vater tode zu thummesbrucken; das buwete her zu deme
* Während sonst der Peterstag ohne weitere Bezeichnung Vincula Petri =
1. August ist, beweist der Zusammenhang, das« hier Cathedra Petri = 22. Februar
gemeint ist. Die Schlacht fand also am 19. Februar 1126 statt, an dem Freitage
vor Dom. Estomihi, im Texte: vor vasnacht, die Fasten begannen in jenem
.fahre am 28. Februar. a Nach den Reinhardsbrunner Annalen Hess er seinen
Sohn taufen; s. auch Rothe St. 359. 4 Das Cistercienserkloster Walkenried
wurde i. .1.1127 von Adelheid, einer Gräfin von Clettenberg, gestiftet; s. a. RDThD
1 No. 1198. 1209. 1210. 6 S.ob. St. 73 A. 9. " Heinrich Raspe (I.) wurde
i.J. 1130 ermordet, s. Knochenhauer a.a.O. S. 93. T Missvcrstandnis der Worte
aus den Annal. Reinhartbrunnenses: Heinricus comes primus Rnspen, filius funda-
toris ecclesie in Reynartborn , obiit , ibidem sepultus est. Rothe St. 372 erzählt
dasselbe von Heinrich, dem dritten Sohne Ludwigs II. des Eisernen.
76. 1 Also Landgraf Ludwig I., reg. v. 1123-1130 als Graf, von 1130-1140
als Landgraf. 2 Landgrat Ludwig IL der Eiserne, 1140—1172. * Auch der
dritte Sohn Ludwigs I. hiess Ludwig. Er sollte Geistlicher werden, fugte sich
aber nicht, sondern gab sich ritterlichen Übungen hin; er erhielt die landgräfliche
Süidt Thamsbrück an der Unstrut (s. ob. St. 6<i A. 12 u. St. 71 A. 38); er wie sein
zweiter Bruder Heinrich (IL, Raspe — Graf von Hessen genannt) scheinen sich
eine Familie gegründet zu haben; s. Knochenhauer a.a.O. S. 127, wo auf die
Rriefc 42 u. G'4 im Epistolareodex des Klosters Reinhardsbrtinn (s. auch Wegele,
ZThG I, S. 342) hingewiesen wird. Über die Familie Ludwigs I. s. Annal.
Reiuh. MG1I, Scr. XXXI, 1, pag. 532.
Digitized by LjOOQIc
76. Stuck.
127
ersten. Dar noch gewan her eyne tochter, | dy hyss cecilia; dy gab m
her deine herczogen zu behemen. 4 Dar nach gewan her eyne tochter,
dy hiss alheyd,5 dy vorkoss dy werlt unnd quam in das closter sente
nicolaus zu isenache unnd buwete ouch das zu demo ersten an dy
stad, do es itezunt 1yd, wann es vor eyn hoff was, bemuret mit steynen
unnd keraraenaten der erber lute; den kouffte sy den selbigen hoff abe
unnd buwete eyn junefrowen closter do hene unde wart eyne eptissche h
dor inne. Das geschach nach cristus geburt tusent hundirt unnd r«,ui"37o)
vierunndfunfFczig jar. Ditte selbige closter lag vor uff sente petors 1154
berge vor der stad isenache in der alden stad unnd was geringe mit
deme gebuwede unnd dy borne unnd das wasser worn sere ferne von
deme closter. Man findet ouch etlichen enden beschreben, das» das
selbige closter habe sich zu aller erst er haben zu setelstete von
eyner konigynne von engeland, dy hiss reynswig.'1 Also do or herre
der koning gestarp, der or uss der mossen lyp was, wann her sy zu
eyner konigynne uss er weit hatte von eynem geringen gesiechte.
Durch ore togunt sy der truwe nicht vorgessen wolde, unnd gap noch
ores herren des koniges tode also grosse almossen unnd hylt unnd liss
halden also gross gebeth vor syne sele, das sy meynte, in welchen
pynen her wero, sso wolde sy on erlosse, also verne als das moge-
lichen were. Da wart or geuffenbart, das or herre im lande zu
doringon sin fegefur hette in eynem berge, der hisse der horsselberg;
don namen des berges hatten ome dy luthe gegeben, dy dar umme
her woneten, wann sy dicke unnd vele dor inne gehört hatten gar eyn
jemmerlich | gescureye von den seien, dy dar inno leden ore pyne, v
■ IIS: da« «ich da«.
4 Der oben St. 75 A. 1 genannte Herzog Ulrich von Böhmen. Die 2. Tochter
Jutta heiratete König Sobesfaw II. von Böhmen (Knoclienliauer a. a. O. S. 142:
i.J. 1157 den Böhmenherzog Wladistaw II.), die 4. Mathilde den 6. Sohn Albrechts
den Bären, Dietrich. 6 Die dritte „von den 4 Töchtern Ludwigs I. Adelheid,
wird Stifterin (i.J. 1140) und erste Äbtissin des Nicolai klosters zu Eiseuach ge-
nannt; über ihre Schicksale a. Kuocheuhauer a.a.O. S. 125 mit A. 1 von Menzel,
ebenso RDThl) No. 1431 S. 300. 6 Es ist mir nicht gelungen, die Quelle zu
finden , welche Stolle für diese Sage von der Stiftung des Klosters St. Nicolai in
Eisenach (über dasselbe s. E. Galettc, Das Nicolaikloster in Eisenach, ZThGBd.VII,
1807, S. 437— 462; R. Hermann, Verzeichnis der im sächs. Thüringen ... vorhanden
gewesenen Klöster . . ebenda VIII, 1871, S. 20) benutzt hat; es scheint
last, da»« wir es hier mit der Nacherzählung von einer Volkssage, die mit lokalen
Ausschmückungen verbrämt war, zu thun haben. Rothe deutet sie nur an,
während die Chronic. St. Petri mod. , die annales Reinhartbrunn. , Annal. Erphes-
ford. und andere Quellwerke sie ebensowenig kenneu wie die bist. Lantgr. Eccard.
oder Nicohms von Siegen. Wohl aber findet sich die Sage genau so bei dem
aus Stolle schöpfenden ürsinus (MSü III, nag. 1264), auch hat sie Job. Bange
i. s. thüring. Chrouik, 1599, S. 57—58, welcher diese s. Chronik (s. Vorrede S.III)
aus einem „fast alt verlegenen Exemplare eine (sie) geschriebene Chronik" schöpfte;
das scheint auf Stolle oder Ureinus zurückzugehen. Aus Bange hat die Sage
dann Falckenstein seiner Thüringischen Chronik einverleibt, II, 2, 1738, S. UM
bis 1167, wo auch noch ältere Litteratur verzeichnet steht. — Über Sättelstädt
s.ob. St. 46 A. 1.
Digitized by LjOOQIc
128
77. und 78. Stück.
dar umrae nanten sy den selbon berg den sele borg, das man nu zu
sammene spricht den höre sele berg. Das dorft, das an deme berge 1yd,
das nante dy koniginne sathanas stete, wann dy bossen geiste or da
er sehenen, also nennen ess nach dy luthe satelstete. Do bleib dy
selbige koniginne unnd buwete dy kirchen da unnd sass da mit oren
juncfrawen dren manche czid unnd nam zu or ander frome juncfrowen
unnd wibissnamen7 unnd thed also vele gutes, das sy da er losse ores
herren sele uss der pyne durch ore grosse gebete, almosen unnd andere
ore guthe werg. Also nu dy frowe dy koniginne gestarp da sei best,
da lyss sy den juncfrowen, dy sye by sich gesamment hatte, eyne
suberliche habe von gelde unnd von gute; do mete czogen sy kein
isenaehe uff sente peters berg unnd nomen do den orden an sich unnd
wonten da mehir dann hundirt jar. Dusser lantgrave lodewig der
starp,* als man schreib nach cristus geburt tusent hundert unnd
1149 XLIX jar.
Kotbf> s7o Nach cristus geburt tusent hundert XLII jar, da hüben dy grafen
von keffernberg zu erst an zu buwen das closter jorgental5* zuhant
Koth« w& noch ostern. Item czehen jar do vor wart an gehaben zu buwen das
closter, das man heist zu der phforten10 by nuenburgk.
77. Von einem harten winter.
Rothe s7o In den gecziten, als man schreib nach cristus geburt tusent
1150 hundert unnd funffezig jar, do was zu mole eyn hartir winter, der gar
grossen schaden brachte an den luthen, am vyhe, boumen unnd
fruchten, unnd dar noch ubir eyn jar, da wart gar gross hungere nod
unnd harte czid.
*» 78. Von deine iserne lantgrafe zu doringen. |
j7s Lodewig der vvrde, lantgrafen lodewigs son, des ersten fursten,
der was genant der yserne lantgrafe. Dusser was nach eyn kint, do
7 S. St. 49 A. 4. 8 Der Chronist irrt : Landgraf Ludwig I starb am 12. Jan. 1 140.
" Das Kloster Georgenthal wurde wohl 1142 als Cintereienwerkloster gegründet, .
auf Veranlassung Eberhard», Grafen von der Mark, durch den Grafen Sizzo vou
Kevernburg und seiner Gemahlin Gisela, zum Verdruss des uaheu Klosters Rein-
hardsbrunn; «. Ilernli. Stark, Die Oistercienserabtei Georgenthal, ZThG I, S.812H*.;
KDThD I, No. 14Ö9. 147M. 1482. 1525. 1684*, worin auch jene Streitigkeiten Rein-
hart*btunns wegen l)erührt werden. ,u Zu den h von dem Cistercienaerorden
in der ernten Hälfte de* 12. Jahrhunderts in Thüringen gegründeten Klöntern
gehört neben Walkenried, Si t tich e d bach (b. Eisleben) , Völkenrode (im
jetzigen gothaisehen Amte Körner auf dem Eichafelde) und Georgeuthal da«
Kloster l'forta, l'nrta coeli , von Schmölln an die Saale (unweit Naumburg)
verlegt, .s«'it 113:1 mit t 'isterciensern aus Walkenried besetzt, 1 1 H8 vom 1'apste
Ixwlütigl; s Stark a.a.O. S. 313, Dolx-necker a.a.O. No. 1352. 144«. I539.
Digitized by LiOOQle
79. Stück.
129
ome der herczoge von swoben 1 sine tochter gap, genant jutta, der dor
noch keyser wart. Ditte geschaeh nach cristus geburt tusent hundirt re. 37s.
unnd Li jar. In dissera selben jare, da wart gebuwot das juncfrowen 1161
closter uchtrisshusen, 2 dasdo 1yd czwusschon erffort unnd arnstete, von
demo grafen von grurabeche. — Item nach cristus geburt tusent hundert
unnd LIQ jar,3 do wart herczoge frederich von swoben keyser, der 1153
dusses langrafen lodewigs von doringen sweer was; unnd der was
zum ersten gar eyn fromer keyser, abir dar noch wart her gar bosse
widder dy heyiigen cristenheit
79. Wy dy stad erffort geinuret unnd wedder
zubroehen wart Rothe st«
Noch cristus geburt tusent hundert unnd LTV jar, do liss bisschofl 1154
conrad von mentcz zu erst erflorte umrne muren1 mit eyner schonen
muren unnd tormen unnd machte eyno «tad dar uss. Nu thed der PÄC 37g.
babist den keyser zu banne, unnd der bisschoff zu mentcz hilt es
mit deme babiste. Dar umme so vorterbete der keyser deine bisschofle
zu meutcz vele sloss unnd vorbrante ome hingen unnd zu brach ome
tensborg* unnd hiss sinen eydam lantgrafen lodewigen zu doringen
den von erfforte schaden thun von des bisschoffes wegen, deme her
sere wedder was. Do czoch dissor lantgrave lodewig vor erfforte mit
den doringen unnd hessen unnd gewan dy stad erflorte unnd zu brach
dy muren widder unnd dy torme zu gründe, dy der bisschoff hatte
lossen machen.
78. 1 Im Jahre 1139 wurde Ludwig (IL, der Eiserne) noch zu Lebzeiten
seines Vaters mit Judith (oder Jutta), der Nichte König Konrads III., der Tochter
Herzog Friedrichs von Sehwaben, also der Schwester des "grossen Kaisers Fried-
rich 1. Barbarossa, verlobt; unbestimmt ist, wann die Vermahlung erfolgt ist;
«. Knoehenhaucr a. a. O. 8. 124 u. 142 mit Anm. 3. 1 König Kon lad III. be-
urkundet am 24. April 1147 zu Nürnberg, „dass die edle Matrone Frideruna und
ihr Sohn Markward von Grumbach" das regulierte Cistereienserkloster Ichters-
hausen gegründet haben, s. RDThD No. 1573, ebenda No. 1584 Bestatigungsurkunde
des Erzbiscbofs Heinrich von Mainz, Erfurt, d. 16. Juni 1147. — Früher: Wilh.
Kein, Thuringia sacra, Bd. I: Ichtershausen. 3 Bekanntlich gelangte Friedrich I.
Harbarossa 1152 auf den deutschen Königsthron.
79. 1 Erfurt wurde i. J. 1066 (nach Nicolaus v. Siegen) von Erzbischof Sieg-
fried mit einer steinernen Mauer umgeben; innerhalb derselben stellte i. J. 1162
( 1 163) Erzbischof Konrad von Mainz eine zweite Mauer her; so wurde Erfurt
stark befestigt. Als Kaiser Friedrich I. mit dem Erzbischof Konrad in Feind-
schaft geriet, belagerte auf seine Veranlassung sein Schwager Landgraf Ludwig IL
Erfurt, nahm es ein und Hess die Konradsche Mauer niederreisseii , die aber mit
Genehmigung des Kaisers 1169 wieder hergestellt wurde, s. u. a. Werueburg, Bei-
träge zur thür. Geschichte, MOE, X, 1881, S. 181 -184; Liebe, Das Kriegswesen
der frStadt Erfurt. 1896, S. 2 f.; C.Beyer, Gesch. d. Stadt Erfurt, 1893, S. 9 und
BE 8. 14 f. * Schloss Tenuberg bei Waltershausen , Mainzisches Leben ; erst
i. J. 1176 erwarb es I*ndgraf Ludwig III. ; s. Gesch. von Tennel>erg in der Walters-
häuser Chronik von Polack. W. Hein, Die Palatien der alten thür. Landgrafen,
Archiv tsäciis. Geschichte, I, S. 412— 414.
K. StoUc« MmaoriaU. 9
Uigitized by
130
80. Stack.
80. Von deine iserne lantgrafen, wy der ge eben-
turet had. |
Roth« 373 Dusser lantgrafe lodewig der yserne,1 der wass zu mole milde
gutlich unnd demuthig keyn synen grafen, eberluthe2 unnd synen'
borgern in syme lande, unnd darumme so worn etliche tummen unnd
homutigen, dy sine togunt nicht bedochten unnd vorsineten on unnd
achten siner nicht unnd körten sich ouch nicht an sine gebot unnd
sprochen, her en tochte nicht zu eyme fursten, her hilde sich nicht
herlich, unnd beswerten sine arme luthe allen enden unnd beraubeten
unnd beschatczten dy. Es gescbach eines tages, das her jagete in
deme walde unnd vor errete sich, das her be nachte unnd sich nach
deme füre richte unnd zu eyme ysen smede in dy rula quam in
grauwen cleydern mit syme jagehorne. Der smed fragete on, wer her
were. Do antwarte der lantgrafe, her were des lantgrafen jeger. Also
Roth« 374 bleib her in der smitten dy* nacht unnd lag do uff grasse; das was sin
bette, unnd der smed arbeite do dy gancze nacht, unnd wann her mit
deme grosssen hammer das ysen zu sammen treib, so schald hersinen
hern den lantgrafen unnd hiss on hart werde unnd veste unnd vor-
czalto do dy ganczen nacht uss, was dy sinen untogent mit synen
armen luthen begangen hetten; unnd wanne dy luthe das orem hern
deme lantgrafen clageten, das on nymant richte,3 unnd ouch der lant-
grafe nicht an neme, unnd wy sy sin hinderwart spotten unnd on
metcze* hisssen, unnd wy her ungehalden were under andern fursten
mit menlichkeit unnd hiss on mit manchen bossen worten, mit fluchen
unnd mit scheiden hart werde unnd treib das dy gancze nacht an.
*> Der lantgrafe wart do in sinem gemute | also veste, also her vor ye
weich gewest was. Dar noch begonde her dy wedderspenschen zu
czwingen, dy vor noch orem eygen willen gelebet hatten, unnd ouch
sy getwedig5 machen. Unnd dy wolden des nicht lyden unnd vor-
bunden sich zu samene unnd werten sich keyn orem hern. Ess ge-
schach zu eynen gecziten, das her eynen der selbigen ubircoch mit
gewalt; do sammenten sich dy andern unnd wolden deme lantgrafen
das weren, unnd her quam mit on zu stryte, unnd got gap ome das
glocke, das her gewan, unnd nam sy alle gefangen ane was or tod
80. 1 Die Sage vom ßuhlaer Schmied findet sich zuerst in der Thüringer
Chronik bis 1322 (Lepeius, kl. Schriften III, 8. 251 f. — s. K. Herrmann, Ribl.
Erfurt. S. 68), dann wurde sie Gemeingut aller Chroniken, besonders ausführlich
bei Nie. v. Siegen, ed. Wegele, p. 329-331. * Eberluthe « md obeliute, plur.
von obemann — „Schiedsmann, Schiedsrichter," bedeutet hier „Richter."
' lliehten (md) mit dem Dativ = „Recht schaffen, zum Rechte verhelfen." * Da
Metze, ursprüngl. nur Koseform v. Mechthild, ein leichtfertiges Mädchen niederen
Standes bedeutet, so ist die Anwendung auf den I*andgrafen wohl abzuweisen;
es liegt wohl ein Schreibversehen Stolle« vor, der metczjer, Nebenbedeutung
„Henker, Henkersknecht," schreiben wollte. 5 Getwedic ist md und bedeutet
„zahm, wülfahrig."
Uigitized by
80. Stück.
131
bleib. Ditte geschacb by der nuenburg6 an der sale; do fürte her sy
uff dy nuenburg, das wir itczunt heysen fryborg, unnd rette do mit
on syne nod unnd straffte sy gar hart darumme, das sy ome gesworn
unnd gelobit hatten unnd des nicht en hilden; unnd under andern
reden sprach her: Nu mochte ich uch uwere untruwe wol belonen,
wolde ich ubel an uch thun, so spreche man vil lichte, ich totte myne
eygen manne; solde ich uch dann schatczen, so mochtet ir mir nicht
gedenen; lasse ich uch dann von mir also ledig, so achtet ir mynes
czornes nicht. Unnd fürte sy uff das feit uff eynen acker, do her
eynen pflüg fand, unnd spin or ye viere in den pflüg in oreu hemden
unnd treib unnd hiw sy selber mit der geisschein unnd hiwe sy, das
sy sich bogen unnd dicke uff dy erden fylen, unnd wann eine forch
ge am wart, so spin her viere andere in unnd ir also einen ganczen
acker glich also mit pferden, unnd liss do den acker do mit grosssen k«üu>st6
hochen steynen j czeichen unnd vormolen7 unnd fryete den acker, also >•
das eyn iglichcr, wy obel der gethan hette, frede dar nffe haben solde,
unnd wer den frede breche, der solde sinen halss vor lom habe; unnd
nante den acker der ,edeln acker,1 unnd do fürte her dy, dy in deme
pflüge geczogen hatten, widder mit ome zu der nuenburg, das wir
itczunt heysen fryburg. Do musten sy ome anderweyt sweren unnd
hulden, unnd von den gecziten an wart der lantgrafe von allen luthen
in doringen unnd hessen geforcht, unnd wann dy selbigen, dy in deme
pflüge geczogen hatten, synen namen horten nennen, so er suffczigeten
sy, unnd der enteyl dy demutigeten sich wedder keyn orem hern, den
thed her gutlich unnd gewan sy lip. Etliche wolden des nicht keyn
ome vorgessen unnd stunden ome heymelichen unnd uffenbar nach
syme leben; unnd wo her dy mit der warheit betrad,8 dy liss her
hengen, enthoupten, ertrencken unnd in den stocken sterben unnd vor-
kundigete9 dy dar zu erloss, truweloss unnd meyneydig unnd dar
umb, das her vele heymelicher vynde gewan von oren frunden unnd
kindern, dy er also vorterbet hatte, so ging her stetelichen gewopent
mit synen dynern, wo her under den luthen wandern solde unnd
muste, unnd darumbe hiss man on den isern lantgrafen. Düsses selbigen
lantgrafen frowe, genant jutta, als obgeschreben keysers tochter, dy
buwete10 zu erst den berg by deme wissensee mit einer muren als
eynen boumgarten unnd eyn boumen huss dor ynne unnd sprach, sy
* Die .Neuenbürg* über Freyburg au der Unstrut, imwcit des Einflusses der-
selben in die Saale; s. NV. Kein, Die ralatien d. alten thüring. Landgrafen, Archiv
f. »iiebs. Geschichte I, S. 404—408. 7 Mundartlich für vermalen = „durch Mal-
steine (Grenzsteine) abgrenzen." s Betreten = „betreffen, überraschen." 9 Ver-
kündigen hier «=• verkünden — „öffentlich erklären als." 10 Diese Geschichte
scheint Reinhardsbrunner Tradition zu Hein, s. Annal. Reinhart. i. d. MGH, Scr.
XXX, 1 pag. 536 (i. d. St. Peterschronik findet sie sich nicht); sie gieng dann auch
in die Landgrafengeschichte über. s. Werneburg, MGE VIII, 8. 55 — 57 ; die spatere
Tradition versteht darunter gewöhnlich die Anlegung der Stadt oder einer Burg
bei WeissenBee, s. Knochenhauer a. a. O. S. 174. Der Graf von Beiehlingen wird
Friedrich genannt.
V
Digitized by Google
81. Stuck.
«l wolde eyiie herberge mache , wann sy von wart|berg czehen solde zu
der nuenborg, das sy zu mittage eine herberge funde, unnd da wedder
sprach der grafe von bichelingen unnd sprach, sy thete solchen gebuwe
ulf syme erbe. Dor an körte sy sich nicht, idoch so niuste der lant-
grafe unnd syne frowe deme von bichelingen dy hofestad abe kouflfen
unnd ouch den see do selbest, unnd buwete dar noch dy stad wissensee
Rothe 377 dor an unnd vaste borglene. — Also nu dusser lantgrafe sach, das her
sterben solde unnd in grossse kranckeit ge vallen was, das her der
nicht genesse konde unnd uff der borg nuenborg lag, do hisch her vor
sich vele syner man , dy ome etczwan weddir stendig gewest worn,
unnd sprach zu on also: Sehit, ich weiss wol, dus ich muss sterben
unnd mag dusser krangheit nicht genessen, dor umb so heysse ich uch,
also lip uch uwer leben sy, das ir mich, wann ich gestorben bin, mit
aller erbarkeit begrabet unnd begehit unnd mich uff uwern helsen hy
danne keyn reynhardissborn in das closter traget, das ist by eylff
milen. Das musten sy ome da by oren eyden geloben, wann sy on
mehir forchten dann den tufel. Unnd also her gestarp, do leysten sy
or gelobede unnd trugen on uff oren achseln mehir wanne czehen mile
wegis unnd forchten, das syne sone das an on rechen, ab sy or ge-
lobede nicht gehalden hetten. Also wart her da gar herlich bestad,
unnd von deme erczbisschoffe von raeydeburg, genant wigmann , wart
her gar schone begangen, unnd da by gar vele andere bisschoffe, epte
* unnd prelaten keynwertig | warn mit fursten, grafen, frihen etc., unnd
lid mittene in der kerchen zu reyhardisborn zu der lincken hand vor
deme alter des heiigen crucis, unnd uff deme steine des grabes ist
gehouwen eyn bilde, das ist gewopent.
81. Von des iserne lantgrafen sele, wy dy
R«ü.037» vor lorn was.
Also nu dusser lantgrafe lodcwig der yserne gestorben was, do
liss her eynen son, den hiss man lodewig den gutwilligen.1 Der selbige
bette gerne erfarn von sines vaters sele,2 wy es dar umb gelegen were.
81. 1 Landgraf Ludwig TN. der Fromme, reg. 1172— 1190. * Die folgende
Nekromantengeschichte geht auf Cäsar vou Helsterbach, deu „bekannten Kultur-
historiker des 13. Jahrhunderts" zurück. Nach Knochenhauer a. a. O. S. 177 ent-
wirft der Heisterbacher Mönch iu einer seiner geistl. Novellen (Caesarii Heisterb.
Mon. dial. mir., ed. Strange, I caj>. XXVII u. XXXI V) ein höchst abschreckendes
Bild von dem Landgrafen, und zwar gestützt auf deti Bericht eines alten Mönche»
«eines Klosters, der ein geborener Thüringer gewesen sei. In den Worten der
Seele des Landgrafen , dass sein Sohn den geistlichen Stiftungen alles wieder-
geben solle, was er ihnen widerrechtlich entrissen (»der vorenthalten habe, liegt der
Schlüssel für die Entstehung dieser Erzählung. Allerdings hatte ja Ludwig II.
Konflikte mit den geistlichen Machthaber!! , so mit den Klöstern Fulda und
Hersfeld i. J. 1155, mit dem Erzbisehof' Arnold von Mainz i. d. Jahren 1156 u.
1165, mit dem Erzbischof Rainald von Köln i. J. 1164 (Knochenhauer a.a.O.
S. 148. 150. 160. 162. 165), auch finden wir ihn im Gütertausch mit Fulda i. J.
Digitized by Google
81. Stück.
133
Das vernam eyn ritter in des selbigen lantgrafen hofe; der was arm,
unnd der selbige ritter hatte einen bruder, der was eyn prister unnd
künde dy swarczen kunst. Der ritter quam zu sinem bruder unnd
sprach: lebe brudor, ich bothe uch, er fart von dem tufele, wy es umb
des yserne lantgrafen sele sy. Der prister sprach: ich wil das gerne
thun, uff das das uch der nuwe lantgrafe* deste gutlicher sy. Der
prister lutli den bossen geist unnd sprach zu ome: Ich wel gehat habe,
das du mir wisest, wu dy sele mynes hern des lantgrafen sy hene
komen. Do sprach der tufel: wiltu mit mir dar fare, ich wil dir on
wisse. Do sprach der prister: ich wolde on gerne schowe, konde ich
das gethue ane schaden. Do sprach der tufel: ich swere dir das by
deine allerhöchsten gote unnd syme lebende orteyl: ist, das du mir
gloubest, ich wil dich gesunt dar breiigen unnd ouch er wedder. Do
her ditto gesprach, do sass der prister uff des tufels bals; do fürte her
on gar in korczer czit vor der helle pforten, do her gar gruweliche
pyne in mancherleye | wisse sach, unnd da vone erbobete der prister«»
gar sere. Do riff on eyn andor tufel an unnd sprach : wer ist der, den
du hast uff dime halsse? brenge on her! Do antwarte disser tufel:
Ess ist unser frunt, deme habe ich gesworn, das ich on nicht letcze
wel, sundern das ich ome des yserne lantgrafen sele wyse. Czu hant
wante disser tufel einen glunyngen 3 deckel abe von eyner gruben, do
her uffe sass, unnd hatte eyne eren posunen, dy stackte her in dy
gruben unnd bliss dor in also sere, das den prester dunckte, das dy
ganezo worlt er schulte unnd er bebete, unnd noch eyner langen
stunde also vele flammen, rouch unnd funcken mit swebelichem fulem
stancke dar uss uff gingen. Do quam der lantgrafe ouch darinne uff
gefarn mit velen funcken oben uss unnd gab sich do deme pristere zu
schouwen unnd sprach: Sich, ich bin hy, ich armer lantgrafe, etwan
din herre; nu wolde ich gerne, das ich ny were geborn gewest, also
grosse swere pyne lide ich stetlichen. Do sprach der prister: herre, Roth« 379
ich bin zu uch von uwerera sone gesant, das ich ome sagen solde,
wehe es umb uch gethon wern, ab her uch mit ichte gehelffe mochte.
Da antwarte der lantgrafe: we es mir ergehit, das had ir wol geseen,
doch so sullet ir wissen, weres das niyne kindere den gotishusern,
stifften unnd clostern ore erbe unnd gutere wedder geben, dy ich zu
myner herschafft unczemelich bracht habe, es were rayner sele eyne
grosse hulffe. Do sprach der prister: herre, sy en glouben mir dusser
rede nicht. Do sagete her ome eyn warezeichen, das nyraand mehir
• Dl» HS wiederholt hier noch •Inmtl uch.
f
1170 (s. die Urkunde vom 25. Juli 1170 bei RDThD II No.401); dagegen wird
er aber doch in der Urkunde des Erzbinchofs Christian von Mainz vom 1. Sept.
1171 (s. Dolwnfckcr a. a. O. II, No. 4-12) gelobt (nobilitate praeclarus, virtute
inelitUH, potencia et facultate rerinn temporalium magnificus) als Wohlthäter des
St. Stefanstifte« in Mainz, da* ihm «'ine StiftaherrußtelTe in Dankbarkeit überträgt.
* Glunyng „glühend," s. „bluning" ob. St. 1 A. 16.
Digitized by VjOOQle
134
81. Stück.
▼ wüste dann sy. Also wart | der lantgrafe widder in dy gruben ge-
sencket, unnd der tutel fürte den prister wedder von danne. Unnd
wy wol das der prister do syn leben nicht vor loss, so bleib her doch
gel unnd ungestalt, das man on kume erkante; unnd was her go
sehen unnd gehört hatte unnd ouch das warezeichen vom lantgrafen,
das sagete her alles deme jungen lantgrafen, es wart abir ome wenig
nuteze,4 wann sy wolden solche gutere nicht wedder keren. Dar noch
vor gap der prister alle syne lehen unnd wart eyn grawer monch.
Roth« äs» Dussor lantgraf lodewig,5 der hiss der milde adir gut willige, dar umb,
her was gar eyn durch luchter man unnd heffltig zu stryten, wisse zu
ratben unnd fol senff mutigkeyt, gutlich unnd milde kein armen luthen,
den gap her dy spisse unnd dy kleidere, unnd wo her ging, do volgeten
ome noch dy armen luthe unnd hisschen dy almosen von ome, als ap
her on dy von rechte schuldig were, unnd was gar eyn rechter fromer
cristen man unnd was ouch pristern unnd allen geistlichen luthen gar
holt. — Dusser selbige lantgrafe, der buwete zu aller erst von nuwonst
sente jorgen kirchen6 zu isenache, wann her vor mals mit deme keysere
iu°nh. ubir mehir czoch, das heiige grab zu gewinnen, do wart ome sente
MxÜ8f" jorgen baner vom keyser vor andelogit,7 dar under her den vor stryd
pg. m«, vor den keyser thed wedder dy ungloubigen, unnd man wolde anders
nicht, den das her eyn solchs keyn gote sunderlich vor denet hette
ibk^M«, ^ gynen willigen grossen almosen. ßitte ist geschehen nach cristus
1101 geburt tusent hundert unnd eynunndnunczig jar.8 In der selbigen czid
^e39' wart in I evneni dorffe by erffort genant bechstete9 unseres hern lich-
63
* Das stimmt nicht, wenn man die Urkunden vergleicht, welche Dobcnecker
im 2. Bande seiner RDThD mitteilt unter den Nummern 618. 619. 635. 642. 643.
656.700.719.753.832.833, in denen Landgraf Ludwig Klöstern und geistlichen
Stiftern gegenüber eine offene Hand hat, ebenda die No. 620. 634. 691. 692. 693.
732. 831 u. 834, in denen er eich wohlwollend zeigt. Allerdings, wo es sich um
die materiellen und vitalen Interessen seines Hauses handelte, zeigt auch er sich
unnachgiebig, so hinsichtlich der Hersfelder Lehen, die er i. J. 1181 von seinem
Bruder in Hessen geerbt hatte, ebenso bei den Mainzischen Lehen in Hessen
(1183), s. Knochenhauer a.a.O. S. 197 f. u. 203 f. Sonst war er der Kirche treu
ergeben, beim Papste in hohem Ansehen und von den Reinhardsbrunner Mönchen
deshalb hochgepriesen. 5 Seine Geschichte s. bei Knochenhauer a.a.O. S. 181
bis 224. fi Die St. Georgskirehe zu Eisenach wurde vom Landgrafen Ludwig III.
gelobt, als er i. J. 1180 bei Weissensee in die Gefangenschaft Heinrichs des Löwen
geraten war; sie wurde zwischen 1182 und 1188 gebaut, ».Rein, Kurze Gesch. u.
mittelalterl. Physiognomie der Stadt Eisenach, ZThG V, S. 13. Ludwig III.,
welcher auf der Rückkehr von seinem Kreuzzuge am 26. Oktober 1190 auf hoher
See starb, scheint sich den heiligen Georg zum Schutzpatron erwählt zu haben,
woher seine Widmung stammt, und die Reinhardsbrunner Überlieferung schmückt
die Tradition mit der Erscheinung des Ritters (St. Georg) mit dem Banner aus ;
s. Cronic.Jleinhardbrunn. MGH, Scr. XXX, 1 pag. 546 nebst Anm. 2 von Holder-
Egger. Über seine Kreuzfahrt s. noch: De* I^andgrafen Ludwigs des Frommen
Kreuzfahrt. Heldengedicht der Belagerung von Akkon, herausggb. von F. H.
v. d. Hagen, 1854 (Knochenhauer a. a.O. S. 213). " S. St. 56 A. 5. 8 Falsch,
für 1190. 9 Bechstedt ist der Name zweier Dörfer bei Erfurt, Bechstedtwagt,
Kr. Erfurt, u. Bechstedt - Strass im Verwaltungsbezirk Weimar des Grossherzog-
tums Sachsen. Da ersteres früher kurmainzisch war, ist es wohl gemeint.
igu
3d by Google
82. und 83. Stück.
nam funden mit eynem leffel in eynem becher, unnd der wart bracht
kein erffort in unser lieben frowen kirchen. Ditte geschach an deme
andern tage noch annunciationis marie,10 das wir itczunt des heiligen
bluts tag heissen.
82. Eyn gross czeiclien von deme heiigen waren
liehenani. r««.«sm
Nach cristus geburt tusent hundert unnd eynundenunczig ist UM
ditcz ge scheen: Der pferner in deme dorffe genant fladicheim1 vor
deme heynich solde einen krancken menschen mit unsers lieben hern
lichnam berichte; do begenite ome der geineynen frowen eyne uss der
geraeynen gassse2 von erffort unnd wolde in eyne andere stad wandere
unnd quam czwisschen den hussern unnd deme pristere also nahe,
das sy nicht gewiche konde. Do erschrag dy frowe also sere unnd
vil uff ore antlitcze unnd riff mit luther styrame: o herre, hymmelischer
vater, erbarme dich ubir mich arme sunderynne unnd lass mich nicht
entgolden, das ich dir also naho hy bin; ich gloube, das du mich unnd
alle werlt er lost hast; bistu der, so bitte ich dich, das du mir myne
unezeliche sunde vorgebo woldest. Do horten dy luthe eyne stymme
uss der buchssen: Dir sint dine sunde vor geben, gee unnd sundige
vort nymme!3 Do begunde dy sunderynne also bitterlichen zu
weynen, das dy lutho alle mit or beweget worden. Düsse frowe wart
dar nach eyne bossserinne unnd nam eyn selig gut ende.
83. Von der gebort lantgrafen lodewigs, sente
elsebeten herre.1 |
Herman,2 lantgrafen lodewigs des milden bruder, der nam zu deriuthe4i5
e des herezogen tochter von beyern, dy hiss sophia. Von der gewan
10 Heimsuchung Maria, 25. Marz.
82. 1 Prcussiscbes Dorf, südlich von Mühlhauseu i. Th., jetzt Flarchheim, Kr.
Langensalza (s. RDThD I p. 294. 512 u. ö.), wo am 27. Januar 1080 Kaiser
Heiniich IV. gegen seinen Gegenkönig Rudolf von Schwaben kämpfte. Der
Hainich ist der südlichste der drei vom oberen Eichsfelde nach Südosten aus-
laufenden Höhenzüge. * S. Ä. Kirchhoft", Erfurt im 13. Jahrhundert, 1870, S. 68;
die Mariengasse vor den Graden; nach v. Tettau, Beiträge zur Topographie von
Erfurt, MGE XII, S. 160, war das gemeine Frauenhaus in der Frauen- oder
Halbmoudgasse, jetzt Artillerieplatz am Friedrich -Wilhelmsplatz. 0 S. Evangel.
Johannis cap. 8 V. 11.
83. 1 Hier beginnt die 2. Reihe von Erzählungen über die heilige Elisabeth
und ihren Gatten, Landgraf Ludwig den Heiligen (IV.), die sich bis St. 108 hin-
zieht. Über diese Erzählungen, welche die erste Reihe St. 41— 62 ergänzen, ist
im allgemeinen zu vergleichen das Leben des heiligen Ludwig, herausggb. von
Rückert, 1851. * Merkwürdig ist, dass über Landgraf Hermann I. sich so
Digitized by LiOOQle
136
83. Stück.
her vier sone; der erste hiess lodewig,3 der wart geborn nach cristus
1200 geburt tusont czwey hundert jar an sento symonis et jude tag. Dusser
selbige lantgrafe was von togent milde, gutlich, frolich, suberlich von
angesichte, wol geschicket von lybe, geduldig, schemel, vorsichtig,
gerecht, gotforohtig, erssam unnd allen luthen gutlich. Der andere,
sin bruder, hiss herman,4 der dritte heinrich,5 unnd der Vierde hiss
conrad. 6
1200 Nach cristus geburt tusent CC jar, do wart lantgrafen herman sin
son lodewig geborn, deme hirnach elizabet, oyn tochter des koniges
Rothe 4i6 von ungern, vor truwet unnd gegeben wart. Czu den selbigen gecziten 7
worn in lantgrafen hermans hofe sechs edel manne von gebort unnd
von synnen wisse, hubisch, vornunfftig ubir alle andere luthe, also das
man von on wid in den landen sagete, unnd dy sungen zu wedder
strite unnd machten vele nuwe lyder wedder einander. Der eyne hiss
er heinrich schriber, eyn hobisscher guter ritter, der ander er walter
von der vogel weide, der dritte wolferam von eschenbach etc. Düsse
wenig in unserer Chronik findet (St. 83. 87. 88), obschon Rothe mehr hat, besonders
aber die Reinhardsbrun ner Geschichtsachreibung über ihn sehr ausführlich be-
richtet, oft unsere einzige Quelle über ihn.; die Ursache mag wohl Stolles etwas
engherziger Standpunkt gewesen sein. Landgraf Hermann I. (1190 — 1217), ein
unsteter Charakter und politisch unzuverlässig, auch in einer sehr bewegten Zeit
regierend, ist kein Glück für Thüringen gewesen, das unter ihm in fortwährenden
Kriegsdrangsalen seufzte und oft verwüstet wurde; s. ob. St. 41 A.7. Er war
zweimal vermählt, zuerst mit Sophie, der Tochter des Pfalzgrafen Friedrich II.
von Sommersell bürg , ungefüllt- i. .1. 1182; sie starb i. J. 1195. Aus dieser Ehe
stammten 2 Töchter: 1. Jutta (1183— 12*55) , zuerst vermählt mit dem Wettiner
Markgrafen Dietrich von Meissen (f 1221), als Mutter Heinrichs des Erlauchten
die Stammmutter der späteren Landgrafen, dann mit Graf Poppo VII. (XIII.)
von Henneberg (fl245): 2. Hedwig (1185 nach 1227). vermählt mit Albrecht
von Orlamünde, Grafen von Holstein. Zum zweitenmal vermählte sich Land-
Hermann I. im Frühjahr 1196 mit Sophie (1171 — 1238), der ältesten Tochter
Pfalzgrafen und späteren Herzogs Otto I. von Bayern, aus dem Hause
Wittclsbach. S. Häutle, I^andgraf Hennann I. von Thüringen und seine Familie
(ZThG V, 1862, S. 69—220) u. Knochenhauer a. a. O. S. 222—296. 3 Ludwig IV.,
der Heilige, war eigentlich der zweite Sohn Hermanns I., geb. i. J. 1200 am
28. Oktober, St. Simonis und Judä Tag. * Der älteste Sohn Hermanns I., geb.
1199, t 31. Dez. 1216; s. ob. St. 41 A.7; Häutle a.a.O. S. 180- -133. 6 Hein-
rich IV. Raspe, Gegenkönig Kaiser Friedrichs IL, geb. c. 1202, + 1247. 8 Konrad,
der jüngste Solin Hermauns I., zuletzt Hochmeister des deutschen Ritterordens,
geb. c. 1204, -f- 1241 (1243?). Neben diesen 4 Söhnen entstammten noch 2 Töchter,
Irmengard und Agnes, dieser zweiter» Ehe Landgraf Hermanns I. 7 Das ist
i. J. 1206 oder 1207. Den Chronisten hat offenbar die Erzählung vom Sängerkriege
auf der Wartburg, welchen Rothe (St. 416— 421) ausführlich erzählt, wenig inter-
essiert, daher lässt er von den 6 Meistern drei weg, neben Rem mar von Zweter
(bei Rothe: Reynhart von Zwetzen) und Hiterolf vor allen den Gegner der 5
anderen: Heinrich von Ofterdingen (Rothe: Aftirdingen), und versteht den ganzen
Hergang nitht, auch nicht die Rolle Klingsors. — Der sagenhafte Sängerkrieg
auf der Wartburg ist uns überliefert in einem Gedichte aus dem Ende des
13. oder dem Anfange des 14. Jahrhunderts: Krieg von Warperg, von einem un-
bekannten Dichter , am besten herausgegeben , mit Übersetzung , von Simrock,
1872, der erste Versuch „eines deutschen Dramas von nicht christlichem Gehalt
und Sinn," s. Wackeniagel, Geschichte der deutschen Litteratur, S. 303 ff.
Digitized by Google
84. Stück.
13?
Strogen alle also lange keyn einander in grossen tretlichen nieister
lyden an treffende dy astromygen8 unnd ouch vorborgonde gotliche
ding, an rurende dy sacrament der lieilgen cristenhoit, also das or
herre lantgrafe herman sante noch meister klinges ore in ungern, der Roth« 418
gar eyn wisser wolgelarter man was in des himniels knifften; unnd
quam in doringen unnd voreinete | disse obgenante sechs sengere. Also e*
begabete on lantgrafe herman mit erlichen cleynoten unnd liss on
widder mit den synen also alle wol begäbet in ungern czehen, wann
der selbige meyster klingis ore gar eyn richer man in ungern was
unnd hatte alle jar wol dry tusent ungersche gülden vom konige zu
ungern uff zu heben unnd ging herlichen her gekleidet als ein
bisschoff.
84. Von der frygete lantgrafeu lodewigs unnd
sente elsebeten. Rott»*»
Als man czalte nach cristus geburt tusent CC°XI jar, do sante 1211
lantgrafe herman dusser wol vorlumete fursto in dutczen landen, gar
erliche bothen uss, beyde von mannen unnd ouch von wiben, zu dorne
konige von ungern umme syne tochter elizabeth , synem sone lodewige
zu frygene.1 Unnd dy bothen2 warn zu forderst grafe meynhart von
molburg, er walter von vargula der schencke, czwene herliche unnd
wysse hern mit andern oren rittern unnd dynern, unnd zu wayne*
dy erssamen wettewen frowen berthin, etczwan4 ern egebolffis von
bendeleuben wip, mit oren juncfrawen; unnd quamen alle zu samene
zu presburg in ungern wol gecziret zu konige andreas von ungern.
Do worbon sy umme syne tochter elisabeth, unnd sagete man* dy on
zu unnd sante sy also balde mit on in doringen des lantgrafen sone
• „n»a" fehlt la der HS.
8 Astronomie, Sternkunde, die bei allen angeblich überirdischen und selt-
samen Dingen, bis in die Neuzeit, nicht fohlen durfte.
W. * Wenck, Die heilige Elisabeth, Hist. Zeitschrift, Bd. 69 (N. F. 33), 1892,
S. 219: ..Elisabeth ist i. J. 1207 geboren; nur die 4 ersten Lebensjahre hat sie in
der Heimat verbracht. Die Gewohnheit frühzeitiger Verlobungen und Ehe-
schliessungen, die dem Mittelalter eigentümlich ist, führte schon 1211 zur An-
knüpfung mit Thüringen und zu Elisabeths Verpflanzung nach der neuen Heimat."
* Als Führer der Gesandtschaft werden auch bei Rothe genannt: Graf Meynhart
von Mühll>erg und Walther Schenk von Vargula (wahrscheinlich der Vater
Rudolfs, s. ob. St. 53 A. 1), als Ehrendame der abzuholenden Prinzessin die Kdel-
frau Bertha, Gemahlin des Herrn Egebolf (Rothe: Eginbold) von Bendeleben
(jetzt schwarzb.-sondersh. Dorf, zwischen Sondershausen und Frankenhausen,
uralt, zuerst sicher erwähnt in der Fuldaischen Urkunde v.J. 900, RDThD I,
No. 294; die edelc Familie von Bendeleben wird i. J. 1186 zuerst erwähnt,
s. Dobenecker a.a.O. No. 1312). 3 Wayn (wein), stm.. entstand durch Elision
au« wagen , wie aus klaget« k leite wird, u. ähnl. * Md etczwan = mhd etes*
wanne, Dedeutet hier, wie öfters, „vormals."
Uigitized by
138
85. bis 87. Stück.
mit eyner silberynen wegen5 unnd oucb mit eyme silberynen bade-
beeher0 uund mit des kindes ammen, dy es geczogen hatte, unnd ouch
mit velen kostlichen kleydern unnd kleynoten, unnd der koning be-
t gabete dy bothon dusser werbunge gar horlich. Ditte geschaeh , als |
sente elizabeth vier jar ald was, unnd lantgrafe lodewig or frydel7
czwolff jar ald was.
Rothens 85. Hye starp sanctae Elizabethen muter.1
Als man schreib nach cristus gcburt tusent czweyhundert unnd
1212 XII jar, do starp sente elisabeten muter, das was in deme andern
jare dar nach, do sente elsebeto in doringer land quam.
;heK"3 86. Von der prediger unnd barfussen orden.
1212 Item in deme selbigen jare, do stiflfte sanctus dominicus der
prediger orden,1 unnd sanctus franciscus der barfusen orden.2 — Dor
1213 noch in deme nesten jare dar noch, do er hub sich das closter zu
buwen, genant schipplitcz , 3 eyn juncfrowen closter zu sente mertin
genant
Rot*. «4 87. Von sente katherinen closter zu isenaehe.
Dor noch, als man schreib noch cristus geburt tunsent czwey-
1215 hundert unnd XV jar, do began lantgrafe herman zu erst buwen
das closter zu sente katherinen1 zu isenache grawes ordens* an eyner
4 „Wegen" ist dialektisch für allgemein md w!ge = mhd wige, wiege, stf.,
„Wiege." 6 „Badebecher" ist Rothes Übersetzung von dolium an balneandum.
7 Md vrldel = mhd vriedcl, stm., „Geliebter, Bräutigam," unzähligema) in
den Minneliedern, mit vriunt, „Freund," partk-ip. praes., frijdnds (gotisch), frijön,
„lieben," wie fijanda, „Feind" von fijan, „hassen."
86. 1 Die Mutter der heiligen Elisabeth ist Gertrud , Tochter des Herzogs
Berthold von Meran, aus dem Gcsehlechte der Grafen von Andechs. Sie wurde
i. J. 1213 (der Chronist irrt um ein Jahr) von aufständischen ungarischen Grossen
vor den Augen ihrer Kinder ermordet : s. J. G. Mailath, Gesch. der Magyaren, I,
136; Häutle a. a. O. S. 146 A. 2 ; Wenck a. a. O. S. 218 u. 223.
86. 1 I. J. 1216 anerkannte Papst Honorius III. den Orden der Prediger
oder fratres praedicatores und bestätigte ihn durch eine Bulle; sein Stifter ist
Dominikus, geb. 1170 zu Calaruega im altkastilischen Bistum Osma. * I. J.
1223 bestätigte Papst Honorius Iii. den seit 1209 vom Papste Innocenz III.
anerkannten Orden der fratres minores (Minoriten, Minderbrüder, in Ober-
doutschland meist Barfüsser genannt, Franziskaner ist eine spätere Bezeichnung) ;
sein Stifter ist Johannes Bernardone, geb. 1182 in Assisi, erst später von seinem
Vater im Andenken an Frankreich Francesco genannt. 8 S. ob. St. 73 A. 3.
87. 1 Näheres giebt Rothe; s. auch W. Rein, Kurze Geschichte und mittel-
alterliche Physiognomie der Stadt Eisenach, ZThG V, S. 14 f. und Häutle a. a. O.
S. 82-83. • D. i. der Cistercienser, s. ob. St. 74 A. 3.
Digitized by LjOOQIc
88. und 89. Stück.
139
femestad3 czwosschen czwen strosssen; in dy ere unser lieben frowen
unnd sente katherinen wart dy selbige kerche gewehit in kegen-
wertickeit sente elsebethen, als sy achte jar alt was.
88. Hye starp sente elsebethen sweher. R«*b.m*
Item in deme selbigen jare, do starp1 dusser erluchte furste lant- 1215
grafe herman zu gota, unnd do quam der apt zu reynhardisporn unnd
wolde on keyn reinbardisborn füren unnd do begraben, do sine eidern
begraben sint. Des en wolde frowe sophia dy lantgrefen nicht staten,
sundern sy liss on füren keyn isenache in das closter sente katliorinen,
das der selbige furste or herre do gestifflt | hatte, unnd noch siner 65
begerunge do begraben. Item in deme andern jare dar noch, do starp
sin son herman,2 eyn jungeling, unnd koss zu sinem vater zu line;
also wart her ouch do begraben in sente katherinen koro zu isenache.
89. Von lantgrafen lodewig unnd sente elsebeten,
wy from dy worn. Roth. 427
Lodewig der sechste,1 lantgrafen hermans son, deme sente elsebete
vor truwet was, der nam sich an der herschafft zu doringcn noch synes
vater tode, als her XVI jar ald was. Dusson nanten dy luthe den
tromen togentsamen lodewigen, wann her hatte alle frome unnd heiige
luthe lyp unnd leyte on zu, wo her konde; wy jung unnd frolich er
was, so ubertrat her doch nicht dy togunt, wedder* mit Worten, ge-
berden addir wercken. Her bewiste ouch sine togunt allermolichem.
Her was an der personen nicht zu lang noch zu korcz unnd hatte eyn
schönes antlitcze, frolich, gutlich unnd Schemel, geczuchtig als eyn
juncfrowe, reinlich am libe, an kleydern unnd an allen dingen, wisse,
vornunftig, wol redene, senffmutig, geduldig, menlich, erssam unnd
• HS: Widder
• Feraeatad, stf., „Richtetätte."
88. 1 Es war am 25. April 1216, s. Häutle a.a.O. S. 80 ff., Knochenhauer
a.a.O. S.288f.; begraben wurde er am 26. April 1216. * Uber diesen s. ob.
St 41 A. 7 u. St. 83 A. 4.
89. 1 S. Häutle a. a. O. S. 134-144 u. 144—152; Knochenhauer a. a. O.
S. 217 — 232. Es sei nochmals an das Leben des heiligen Ludwig (IV.. nicht des
VI.), nach der lat. Urschrift übersetzt von Friedrich Köditz von Salfeld, heraus-
gegeben von Heinrich Rückert, 1851, erinnert. Was Stolle über der heiligen
Elisabeth äussere Gestalt schreibt, findet sich weder hier noch bei Rothe oder in
dessen Quelle, in der Lebensbeschreibung der heilig. Elisabeth von Dietrich von
Apolda (Theodoricus Thuringus de Apoldia, die wir in 1. Ausgabe von Canisius,
1725, eingesehen haben).
Uigitized by
140
90. und 91. Stück.
worhaffrig, unnd alle synen mannen getruwo, unnd den armen barm-
herczig. Aber sente elizabeth, sine eliche gomol, dy was folkomen an
deme übe, brun an deme antlitcze, ernst in der Wanderung«, geczuchtig
in den seten, gutlichen mit den Worten, in nig in orem gebeth unnd
uss der müssen barmherezig über arme luthe.
be4" 90. Hye wart lantgrafe lodewig ritter zu isenaehe.
1218 Als man ezolte nach cristus geburt tusent CC° unnd XVni jar,
do hatte dusser togentsamor lantgrafe lodewig einon grossen hoft zu
isenaehe, unnd do warn alle sino grafen uss doringen, uss deme ostor-
lande, missen unnd hessen, vele forsten unnd hern, unnd theth on do
grosse erberkeit mit kosten unnd kleyn&ten unnd wart do rittor in
sente jorgon leerchen vor deme hoen altar uff den achten tag petri et
pauli 1 unud woldo ouch anders nergen ritter werde dann do selbest.
91. Wy lantgrafe lodewig unnd eyn bisschoff zu
Roth**« mentez kregen.
1219 Als man czalte nach cristus geburt tusent CCM unnd XIX jar, do
erhub sich oyn gross krig czwissen bisschoffe siffride von mentez unnd
dissem togentsamen lantgrafen, also das der bisschoff on thet zu banne
unnd sprach : sin vater, lantgrafe herman, der were in dem banne ge-
storben, unnd des betrubete sich disser togentssamer lantgrafe zu mole
sere, umme das der bisschoff sinem vater also gethan unrecht unnd
ungnade zu leyte. Do machte dusser lantgrafe eyn gross heir unnd
czoch in hessen unnd vorterbete unnd vortreib unnd ving alle dy, dy
des bisschoffs helfer warn, unnd ouch sine manne unnd besundern dy
edeln hern ern hartmoden von werrenberg1 unnd dy von scharffen-
steyn; dy vorbrante her unnd vortreib sy zu gründe. Dor noch in
kortcz in deme selben jare, do quam der selbige bisschoff keyn fulda
90. 1 Da* wäre der 8. Juli 1218; bei Rothe entsprechend: an sente Kilians
tage, das ist auch der 8. Juli; in der Reinhardsbrun ner Chronik am 4. Juni.
Knochenhauer a. a. 0. 8.299 nimmt den 6. Juli 1217 an.
91. 'Versehen Stolles: es ist zu lesen Merenberg; auch die anderen Quellen
geben den falschen Namen Hartmund; es war Hartradns IV., s. Wenck, Hess.
Landesgeschich. III, pag. 287 sq/j. Im übrigen int der Chronist sehr summarisch:
die Fehde begann wahrscheinlich 1218 (allerdings Holder- Egger, Cron. Reinh.,
MGH, 8er. XXX, 1 pag. 591 A. 2 stellt es als ungewiss hin), der Vergleich zu
Fulda kam 1219 zustande (Cron. Reinh. 1.1. pag. 593), aber 1220 brach der Streit
von neuem aus, auch auf dem Reichstage zu Frankfurt im April 1220 konnte
er, trotzdem der Kaiser selbst und die Fürsten vermittelten, nicht beigelegt werden,
bis es endlich später gelang, einen eudgiltigen Vergleich zwischen dem Mainzer
8tuhle und dem liandgrafen herzustellen, s. Knochenhauer a. a. O. S. 303.
Digitized by LaOOQle
92. Stück.
141
uff einen tag keyn dissen togentsamen lantgrafen, unnd worden do
beydersyt fruntlichen gericht von den czwen epten von hersfelt unnd
von fulda.
92. Wy sente elsebete unnrt or herre von den
luten vor logen worn.
Disser togcntsaraer lantgrafo lodewig hatte sine juncfrowen sente koUmuss:
elsebeten, dy onie vor truwet was, uss der mossen lyp, wann her das (JjJJ*)
alleczit ptlag, so her us9e gewest was unnd quam widder en heym, so rt,>thui- «*«
ging her zu or unnd brochte or eyn kleinote unnd nam sy fruntlichen Eu«u>oth«*.
an synen arm. Nu geschach des eines mal« nicht, also das her was 1 YS?,11
usse gewest, unnd von hindemisse ander hern so vor gass her des, das p «Mf.j
her nicht solche kleynote elizabeten, syner lieben gemol, kouffte unnd 5«*rd
or etwas fromdes brochte, als her des vele pflach in czeichen der liebe.
Des betrubete sich elizabeth, unnd or wart gesaget von etlichen logen- Th^orUsi.
hafftigen czungen, das or herre lantgrafe lodewig sy kebesse1 unnd 1 aUSSui**
vorlossse wolde, unnd wolde sy wedder en heim koyn ungern orem B v,t* 8-
vatere sende. Nu was er walter von vargila,* der edele herre unnd 1. 1 ep.vu'
erbe schencke lantgrafen lodewigs, der juncfrowen sente elsebeten heyme- cinSin^ t
liehen unnd fruntlichen, wann hör hatte sy zu ungern geholt, unnd *ati<i- 1V
der koning zu ungern, or vater, hatte sy ome zu grosssen truwen p,m-q'*
muntlichen befolen; deme klagite sy das, unnd der tröste sy wol unnd
sprach, her wolde mit orem hern do vone reden. Unnd das geschach.
Der frome ritter, er walter von vargila, der bad orloub3 zu dorne
togentsamen lantgrafen, her bette ome etwas heymelichs zu sagen,
wolde her on des gutlichen bescheiden. Do antworte disser togentsamer
lantgrafe: Redit frolich, was ir wolt. unnd ich hores gerne! Do sprach
er walter, was her doch gedechte zu thune mit siner juncfrowen else-
beten, ab her sy | wedder keyn ungern sende wolde? unnd sagite ome v
do alle ding, als oben geschreben stehit, wy sich elsebete betrubete von
sulchcn hinder reden.4 Do wiste lantgrafe lodewig ome den emssei
berg5 unnd sprach: Werlich were der berg alles tin golt von gründe
wann zu oben uss, den wolde ich ohir vor geben, dann das ich else-
beten, myne lieben ebenen gemol, vor Hesse unnd sy kebese wolde; es
92. * ..Kebesen" = wie ein Kebsweib behandeln, namentlich in dem Sinne von
„als Weib Verstössen." '-' Walther von Vargula hatte sie aus Ungarn geholt,
«.ob. St. 84 A. 2; er ist hier ihr guter (ieist und Beschützer, wie später sein Sohn
Rudolf, 8. ob. St. 53 A. 1. 3 „Orloub'' urloub = „Erlaubnis.4* 4 „Hiuderrede,**
stf., — „Verleumdung.*' 4 Eh ist der Inselsberg gemeint, im Volksmunde noch
heute der „Ensselberg" ; s. E. Brandis. Berg- und Thalnamen im Thüringer Wald,
S. 24. Er galt bis gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts als <ler
höchste Berg Thüringens, da er im nordwestlichen (iebirgsflügcl des Thüringer
Waldes zwischen niedrigeren Vorbergen zu beiden Seiten gleichsam als ein
einzelner Berg und scheinbar bis zur höchsten Erhebung emporragt.
Digitized by Google
142 93. und 94. Stück.
mögen dy luthe wedder sy reden von mir, was sy wollen. Do sprach
er walter: Ich bete uch, liebe gnedige herre, das ir mir das gunne
wollet, das ich dusse uwer rede also elsebeten fort vorkundige müsse.
Do antwerte der lantgrafe ome suslich unnd lachende unnd sprach:
Sagit elsebethen das von mir, unnd zu warezeichen so brenget or myn
kleynote! unnd greiff do in einen samyts butel, den heran syner syten
trug, unnd nam dar uss eynen czwefachen elffenbeynen spygel, der
was an eyner syten eyn siecht6 spigel glass unnd an der andern syten
unsers hern jhesu cristi martir, als her an deme crueze hing; unnd
do disser edeler herre, er walter, zu elsebeten quam unnd vor czalte or
ores hern rede unnd antwerte or syn kleynote, das der herre or zu
worezeichen sante, do wart sy widder frolich unnd lachte meslich
unnd teth den spigel uff, der mit silbere zu geslosssen was, unnd sach
dar in unnd kuste do dy bildunge, unsers hern martir, unnd druckte
das an or hereze von grosser liebe gotis wegen.
b««9 93. Hye hatte lantgrafe lodewig hochezit mit
67 seilte elzebeten. |
1221 Als man czalte nach cristi geburt tusent CCXXJ jar, do liss ome
der togentsame lantgrafe lodewig dy heyligen junefrowen elizabeth zu
wartperg uff der borg by legen unnd hatte eine schone hochezit mit
or. Item in deme selbigen jare, do worden dv closterfrawen zu nort-
husen zu deme heiigen crueze 1 vor treben umme orer bossen sethe
wullen unnd lichtfertigkeit , unnd worden thumhern an ore stad
gesatezt.
94 Hy czoch lantgrafe lodewigk mit elsebethen in
Rothe 4si ungern zu orem vater.
1222 Als man czalte noch cristus geburt tusent CCXXn jar, do czoch
lantgrafe lodewig mit sente elsebeten, siner eliehen gemol, unnd mit
ome grafe gunther von swarezpurg unnd der grafe von stolberg unnd
er walter1 von vargela unnd mit grosser herschafft unnd gesmucke
unnd mit vele wevdelicher hersehafft, ritterschafft unnd ouch vele
edeler frawen, unnd czoch zu sinem sweer, deme konige von ungern,
das her sine tochter eins gesee, unnd synen eydam, des her lange
6 „Sieht" = „eben, grade, glatt/' Gegensatz: krump und rüch.
»8. 1 S. ob. St. 34 A.8.
»4. 1 Rothe hat, nach der biat. Eccard., s. Quelle, Rudolf.
Digitized by LjOOQle
95. und 96. Stück.
143
czit begeret hatte. Unnd do brochten sy von ungern also vele gutis
von golde unnd edelme gesteyne, von kleydern unnd kleynoten, das
es nicht zu sagen stunt.'
In deme selbigen jare lissen dy von isenache eine grossse messe- 1222
glockon gissse zu sente jorgen, unnd dy gerith also ubele an gruss-
lichem luthe, das man dy wedder zu slahen wolde. Das en wolden dy
borger nicht staten, dy wile sy also reineclich geformet unnd gancz
was, unnd gelobeten ander ercz do vor zu geben an ore stad, unnd
behilden sy zu einer | storm glocken, dy noch grusslichen unnd er t
9(>. Hye gebar sente elsebete oren ersten son. mV
Htl'llull^Ol)
Als man czalte noch cristus geburt tusent CCXXJH jar, do gebar 1223
sente elsebete oren ersten son an deme XXV m tage des merczen zu
eruczeburg1 uff deme slosse; unnd des name wart genant herman.
In deme selbigen jore, do czoch lantgrafe lodewig mit here uff den 1223
grafen von orlamunde2 unnd vorterbete ome sin gerichte unnd buwete
uff on schowenforst, das gelegen was czwosschen orlamunde unnd
rudelstad.
Dor noch in deme andern jare wart juncfrowe agnes,3 lantgrafen 1224
lodewigs swester, dy mit sente elsebeten uff geczogen wart zu wart-
perg, dy wart brocht mit grossen eren keyn nornberg unnd do deme
herczogen von osterich by gelegit.
• In d«r HS rieht am unteren Rand . Hern hy ial oaob «tee, wy »ente ebebete oren mtntel
tot Ium. Dm rache by vor rab toll nnaero XXV (= St. 41 = Rothe 438).
JKJ. 1 Kreuzburg, Stadt an der Weira, Verwaltungsbezirk Eisen ach im Gross-
herzogtum Sachsen, s. YV. Rein, die Palatien d. alten thüring. Landgrafen, Archiv
f. sächs. Geschichte I, S. 409-412. — Über Hermann, Elisabeths Sohn, s. St. 108
A. 15. * S. Knochenhauer a. a. 0. S. 306. Es war Graf Hermann von Orla-
münde, der Bruder Alberte von Orlamiiude, welcher der Schwager Landgraf
Ludwigs war, derselbe, gegen den auch Landgraf Hermaun I. schon gekämpft
hatte. 3 8. Hantle a. a. O. 8.203—280, Knochenhauer a. a. O. 8. 310 u. 317.
Agnes war die jüngste Tochter Landgraf Hermanns I., s. ob. St. 83 A. 6; sie
wurde zu Nürnberg mit dem Babenberger Herzog Heinrich von Österreich am
18. November 1225 vermählt, zugleich vermählte sieb König Heinrich, Sohn
Kaiser Friedrichs IL, mit der Babeubergerin Margarete.
95. Von einer glocken zu isenache.
Rollio 434
hithed.
Uigitized by Google
144
97. bis 99.8tück.
Roth* «5 97. Von deine barfusen closter.
1224 In (lerne selbigen jare, do quoraen dy barfussen 1 raoncho zu erst
keyn erff'orte in dy stad, wann sy vor in deme brulo woneten in einem
ermelicben klosterchen. •
98. Von eynem gronssen fure zu erffort
1222 Anno doraini M CC XXII an deme achten tage sente dorotheen1
pMriErf. was evn ßToss zu orffort, das vorbrante dy kreraerbrucken * nnnd
bmmi. müh, dy breiten strosse3 gancz uond gar abe.
ko,i,.4u» 99. Wy sente elsebete eyn gross ezeielien tlieth.
1224 Als man czalte nach cristus geburt tusent CC XXIV, do gebar
sento elsebete eyne tocbter zu wartperg uff deme slosse; dy wart ge-
nant sophia1; dy nara dar noch den herczogen von braband. ~ In
J224 domo selbigen jare, do was | sente elsebeto zu der nuenborg, das wir
itczunt heissen friborg, unnd batte do dy armen luthe unnd wusch
einen usselczigen menschen, don hiss clias, unnd leyte on in or bette.
Also nu lantgrafe lodewig über feld was gewest unnd quam wedder
heim gereten, do nam on sin muter by der hand unnd fürte on über
sin bette unnd sprach: Sehit, lieber son, also beflecket elsebete uwer
• US : klMtorliehttii, da» U kleckttrtig («tflfft.
97. 1 Über das BarfüsserkloBtcr s. V.Mülverstedt, Hierographia Erfordcusis,
MGE II, 1867, S. 154; ebenda XII S. 120 f. v. Tettau i. d. Beiträgen zu einer vergl.
Toi»ographie u. Statistik von Krfiirt; BE S. 82 f. Das Kloster lag zuerst auf dem
Cyriaxberge, wo die fratres min. ord. 8t. Franeisci sich ein kleines Hainichen
bauteu ; 1225 wurden sie auf päpstliche Empfehlung in die Stadt selbst aufgenommen.
98. 1 Am 14. Februar 1222. Stolle erwähnt im ganzen 16 Feuerebrünste
zu Erfurt, von denen diese die älteste ist: 1. 1222 (Stück 97); 2. 1246 (117);
3. 1290 (13«); 4. 1296 (135); 5. 1297 (135); 6. 1396 (186); 7. 1413 (190); 8. 1416
am 2. Febr. (191); 9. 1416 am 10. Nov. (192); 10. 14JJ (194); 11. 1472, der grosse
Brand (221); 12. 1485 (336); 13. 1488 (341); 14. 1492 (351); 15. 1498 (366);
16. 1482 ( 385). Wir sehen, welch' eine Verwüstung eine Stadt wie Erfurt durch
diese ewige Zerstörung durch Feuersbrunst erlitt, von denen der Chronist nur
einige erwähnt, während die „ErfTurt bische Feuerchronik" von H. E. Seebach, 1736,
vom Jahre 10H8 anfangend, viel mehr aufzählt; von den oben erwähnten finden
wir in ihr auch Nachricht von No. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9 u. 11, s. auch Beyer BE S. 40 f.
• S. C. Bever, Die Krämerbrücke und ihre Bewohner, MGE, 17. 1895, S. 21-67,
ebenders. BE S. 89 tt*. :i „Breite Strasse" (platea lata) hiess früher der Teil der
jetzigen Markstrasse vom Benodiktplatze bis zur Allerheiligeustrasae, s. v. Tettau
a.a.O. XII S.40.
1M>. 1 Soplüe ist die ältere Tochter Ludwig des Heiligen und der heiligen
Klisabcth , später vermählt mit Herzog Heinrich von Brabant , Itekannt aus dem
nach dein 'lode Heinrich Raspes i. .1. H47 ausgebrochenen Erbfolgestreite, da
Sophie für ihren 3jährigen Sohn Heinrich, genannt d»s Kind von Brabant, die
Erbfolge in Thüringen und Hessen in Anspruch nahm.
Digitized by Google
100. und 101. Stuck.
145
bette mit ussotczigen luthen! unnd warff dy decke ufF; do saeh her
cristus martir vor ome in deme bette ligen. Do hub der togentsame
fursto an zu weinen unnd sprach zu sente elsebethen: liebe swester,
vor gip mir, das ich dich also vor sucht habe, unnd thu vort mee
armen kranken luthen gutlich unnd loss das durch nimandes willen,
dar an thustu mir liebe.
100. Hye gebar sento elsebete or dritte kint. Rothe 435
Also man czalte nach cristus geburt tusent CCXXV jar, do gebar 1225
sente elsebethe abir eine tochter zu wartperg, dy wart ouch sophia1
genant. Dy wart eine eptissche im lande zu francken in deme kloster
genant kitczingen unnd lid ouch do begraben.
101. Wy lantgrafe lodewig ezoch inet bere in poln. Hot he 43fr
An deme selbigen jare, do besammete der togentsame lantgrafe 1225
lodewig eyn gross mechtig heir an aller czwoltf boten tage unnd be-
sammete das uss doringen, hessen, buchen,1 francken, westfoln unnd
osterlande unnd czoch in das land zu poln unnd wolde nedder werffe
das edele sloss genant lubenecke.2 Das vor wunderte gar sere den her-
czogen von poln, das eyn lantgrafe zu doringen uff | on mit solcher grosser v
macht also ferne czoge. Also sante der herczoge zu poln3 zu deme lant-
grafen in das heir unnd bad on umme einen frede, her woldede sinen dar
zu vor möge, wedder kerunge zu thune, was sy ome genomen netten4
100. 1 Nur die Rcinhardsbrunner Überlieferung kennt 4 Kinder der heiligen
Elisabeth (Hermann, 1. Sophie, 2. Sophie, Gertrud); dieser Ül>erlieferung folgt
Stolle, ohne die Geburt der 3. Tochter zu erwähnen (s. aber u. S. 151 ZI. 3 v.u.);
s. A. Werneburg, MGE VIII, S. 57— 61. Sonst nimmt man nur 3 Kinder Elisa-
beth!* an (Hennann, Sophie, Gertrud). Denn als Elisabeth von ihrem Gatten im
Sommer de« J. 1227 erfuhr, dass er das Kreuz Benommen hatte, war ihre Be-
trübnis gross; sie trug damals ein drittes Kind unter dem Herzen, das die
frommen Gatten, gleichsam als Gelübde für die glückliche Heimkehr des Land-
grafen, dem Klosterleben weihten. Es kam anders: Ludwig starb am 11. Sept.
1227; aber ehe die Kunde nach Thüringen kam, hatte Elisabeth, Witwe, ohne dass
sie es wusste, kurz vor oder nach dem 1. Oktober 1227, eine Tochter, Gertrud,
geboren. Oem Gelübde entsprechend, das ihre Eltern vor ibrer Geburt gethan
hatten, widmete sie sich dem geistliehen Stande und war sjKiter Äbtissin des
Klosters Aldenburg bei Wetzlar; s. Wegele, Die heilige Elisabeth v. Thüringen,
Sytwls Hist.Zeitschr. V S. 885; Rückert a. a. (>. S. 136, der auch auf Thuringia
sacra pag. 106 b, 107 at pag. 29* u. 299 verweist.
101. 1 Buchen — Buchonia, s. ob. St. 32 A. 3. ? Es ist Schloss Lebus ge-
meint, von Herzog Heinrich I. i. .1.1218 an die Polen abgetreten. 3 Über den
polnischen Zug Ludwigs (wohl im August und September 1224, Zwölfbotentag,
divisio apostolorum, ist allerdings der 15. Juli) s. Knochenhauer a. a. O. S. 312 bis
314; der polnische Herzog, um den es sich hier handelt, ist Wladyslav Laakonogi.
s. Röpell, Gesch. Polens I S. 423 f. Über Grund und Zweck dieses Zuges steht
nichts fest; die spätere thüringisehe.Uherlieferung, welcher auch Stolle folgt, nahm
Beraubung und Gefangennahme thüringischer Kaufleute im (Klinischen Gebiete an.
K. Stollea Memoriale. 10
Uigitized by
14»
102. bi.s 104. Stuck.
von kouftmanschatez unnd von pferden. Der lantgrafe zu doringen
karte sich nicht dar an unnd sprach, her hette sich gar ferne dar
umme da hene gemuwet, her wolde nicht abe czehen, her hette
dann das sloss gewunnen , adir sy musten on mit gewalt do vone
tribe. Also nu dy uff der borg worn, sogen, das sy keine redunge
hatten, unnd dy borg also in grossen stormen an den nüuden tag er
halden hatten, do goben sy das sloss über, unnd der togentsame lant-
grafe besatczte das sloss unnd er loste do sine gefangen uss deine
slosse unnd czoch ane schaden weddir heim in doringen mit den sinen.
Rot».« 436 102. Von eyner thure czid.
1224 In deme selbigen jare, do was grosso thure czit im lande zu
doringen unnd werte an das dritte jar. Item in deme selbigen jare,
». E.
do wart dussen lantgrafen lodowige das sloss richenbach.1
103. Lantgrafe lodewigs herfarte in das land zu
Rothe tu francken.
1226 Als man czalte nach cristus geburt tusent CCXXVI jar, do was eyn
erbir man im lande zu francken, wol beslosset Der nam deme closter
zu reinhardisborn eyn fudir wins unde sechs pferde. Das klagete der
apt do selbest zu reinhardisborn dussem togentsamen lantgrafen ludewig;
der schreib zu hant vor sy, das sy solche nome von stunt wedder
geben, unnd das geschach nicht. Do besammete sich der togentsame
lantgrafe unnd belag das sloss, do der edel man inne wonte, unnd be-
6» twang den erbir | man dar zu, das her nacket in sinem hemde vor on
kome muste unnd eyn bar swert an sine eygen kel setcze muste
unnd sich an gnade geben unnd von stunt das fudir wins mit den
sechs pferden keyn reinhardisporn senden. Solche grosse kost,1 arbeit
unnd ebenthure bestunt dusser togentsamer lantgrafe dicke unnd vele
durch siner clostere unnd ouch siner armen luthe willen.
104. Von lantgrafen lodewige unnd eynem armen
Routh*34K37 kremer zu isenache.
1226 In deme selbigen jare ge schach es,1 das lantgrafe lodewig zu
isenac he was unnd sach do einen armen kremer, der hatte gar einen
102. 1 Rückert, Leben d. heilig. Ludwig, S 125: „Das« damit Schloss Reichen -
bach in Hessen (und nicht etwa im Voigtlande oder gar in der Lausitz) gemeint
sei. wird von Rommel, Gesch. v. Hessen I Anm. 163. 165 zum 3. Buche ausgeführt."
103. 1 Der Singular „kost," stf.. ist hier kollektiv gebraucht, im Sinne von
„Kosten," aufgewendete Geldmittel; bestuut passt nur zu ebenthure, nicht zu
kost und arbeit, es liegt also ein Zeugnia vor.
104. ' HoMer-Egger z. ( ron. Reinh. I. 1. pag. 595 adn. 2: haec fabula valde
lymzeo uy
Google
147
ermelichcn kram, also von floyten, leßeln, .blienspangen,2 kindere
trumpen, nalden3 unnd sulch werg. Do fragete dusscr togentsamer
lantgrafe den kremer, also her zu deme jarmarte dy grossen riehen
kremere beschouwet halte, wy sich dusser armer kremer von dussem
krome er neren mochte. Do antwarte dusser armer kremer : o ir milder
gnediger herre, ich en kan keyn hantwerg unnd bin vor armet unnd
scheine mich, noch brote zu gehene, unnd mochte ich mit frede von
einem lande in das andero gewandere unnd uss einer stad in dy
andern, so were mir myn krom gud gnug unnd woldo mich wol er
neren, unnd myn krom solde über eyn jar dannoch besser sy, wann
her itezunt ist etc. Do wart dusser togentsamer furste bewegit mit
barmherezigkeit über dussen armen kremer, do her on also vor ome
in zu rissen bossen,1 ermelichen kleidem sach steen, der sich gerne mit
gote unnd mit eren generet nette, unnd sprach zu ome also: lieber
frunt, wy gut achtestu dinen krom? Do antwarte der kremer: herre,
ich gebe on gerne umme czehen Schillinge hellere.5 Do sprach der «■
furste zu syme kammermeister:0 gib ome X Schillinge hellere von
myner wegen, und sprach: du salt in mynem geleite wandern, wo hen
du wilt, unnd wil dir des einen uflen breff geben unnd wil dich schade-
loss halde, dar umme salt du mir goselschaflt gelobe unnd halbe wyn-
nunge dynes kromes. Do wart der arme kremer gar frohe und gelobete
deme hern getruwe zu sine, unnd nara von deme kammermeistere dy
X Schilling heller unnd des hern breff unnd czoch zu vele kermessen
unnd jarmerten keyn isenache unnd brochte alle wege syme hern deme
lantgrafen unnd synen hofe junckern kleynote, dy da fromde warn,
unnd wiste do deme lantgrafen sinen krom. Aber der togentsamer
furste vorgalt ome sine kleynote wol mit kleydern unnd mit gelde vol-
komelich, unnd der krom wuchs in kortezen cziten zu male sere, also
das der kremer den krom nicht mehir getragen konde unnd kouftte
ampliata legitur in bist. Eccard. col. 417 sq. et in Cron. Isenac, Schöttgen et
Kreysig, Dipl. I pg. 93, et q. b. Kürzer hat da« „Leben des heilig. Ludwig,"
ed. Rückert pag. 25, die Geschichte behandelt, welche in den massgebenden
Codices der Reinhardsbrunner Uberlieferung fehlt; 8. Holder-Egger l. 1. pag. 595
ad not. v. * In der lat. Vorlage: foreipites; „blien spangen" kann unmöglich
„bleierne Spangen" bedeuten; wir erklären es mit „Scnleierspangen" und lesen
blidenspangen. bilde, nachgewiesen als pleide bei Hau« Sachs von Schniellcr,
bair. \Y örterbuch, 2. A. v. Frommann, I, 456, scheint eine Art Nackenschleier ge-
wesen zu sein. 3 „Nülde,'* swf., — Nadel, durch Metathesis entstanden. * „BÖ3e,"
bo3, m., „kurzer Stiefel," s. ob. St. 45 A. 3. ' D. Ii. „zehn Schillinge (von =) in
Hellern." Ein Pfund Silber = 20 Schillinge — 240 Silberdenare oder Pfennige
bezw. Heller, denn der Pfennig der schwäbischen Stadt Hall, der Heller, welcher
zuerst 1228 erscheint (also 1 Jahr vor Landgraf Ludwigs Tode, demnach hier
eiu kleines Hysteronproteron), wurde allmählich mit Pfennig, weiterhin mit dem
halben Pfennig gleich oft gebraucht. Da nun das Pfund wie der Sclülling später
blsose Rechnungsmürizen, hingegen Pfennig und Heller allein geprägt wurden, so
setzte man auch grössere Summen 7.11 Hellern an, also hier zehn Schillinge in
Hellern, der Heller als halber Pfennig gerechnet, = 240 Heller. 0 Kamnier-
meister = camerarius, eins der mittleren Hofämter, besonders Verwalter der
Finanzen.
10'
Digitized by LiOOQlC
14«
105. Stflck.
einen essel unnd treib sinen kouftschatcz von einer stad in dy andern
unnd gewan zu male thure unnd edele stucke in syme krome mit
golde gestieket, perlen unnd edeie gesteine, elften beine vor span,7
fingerlin, spigele, arme gespan unnd edele trincke gefisse unnd uss
erweite worcze;* das hatte her allis zu venedige geholt unnd treip
sinen esel durch francken her unnd wolde keyn isenache mit sinem
krome zu sime hern unnd leite uss in allen steten, wo her hen quam.
Also thed her ouch zu wirczburg; do hatte sin krom manchen be-
schouwer, unnd vele edeler luthe uss francken den krom beschouweten
unnd doch wenig koufl'ten, sundern sy worden des ratis, das sy uff' den
70 kremer hilden unde nomen ome sinen krom mit [ dorne esele unde
treben das uff eine borg by wirczburg. Der kremer wiste do sinen
breff', den zu rissen sy zu stucken unnd karten sich dar an nicht,
sundern sy lissen den kremer gelin, do dy vornomen, das der krom
sin nicht en was, al sin breff in hilt." Do ging der kremer keyn
isenache zu sinem hern lantgrafe lodewige unnd klagete ome, das er
den kostlichen krom vor Jörn nette. Do lachte der togentsamer furste
unnd sprach: lieber geselle, hab keine nod umme unsern kouffeman-
schatez, du salt ouch nergen gehen, sundern du salt blibe in unserme
hole also lange, das wir wedder einen krom uss gerichten : unnd
machte do von stunt eine herfart, dye was gross, unnd czoch do mete
in francken unnd brante unnd horte10 biss vor wirczburg. Do liss on
der bischoff von wirczburg fragen , worum nie her ome so grossen
schaden tethe, das her doch ny umme on vordynet hette. Do sprach
der lantgrafe: ich suche mynen esel. Do das der bischoff vor nam, do
quam her selber zu ome unnd fragete on umme den esel. Do sprach
her: uwer manschaflt unnd roubere, dy haben mir mynen dyner ge-
schint'1 unnd ome einen esel mit sine kromo genomen. Unnd do wart
ome von stunt der esol bracht mit dorne kouffmanschatez. Also czoch
disser togentsamer lantgrafe widder zu huss mit syme krome.
105. Wy seilte elsebete <len spetal zu wartburg*
Rothe «sä ge liiiwet liat.
1226 Item in dorne selbigen jare, do czoch lantgrafe lodewig mit deme
keysero in lamperten 1 unnd was da nahe eyn jar usse. Do wart gross
7 „Spange" — spanne — span, also ist vorspan eine vorn getragene Spange.
"j.Worc/.e" — Gewürzkrant, Gewürz, da« im Mittelalter verhältnismässig kostspielig
war. " Innehalten" = inhalton = „enthalten." 10 „Hern," swv., „mit Heeres-
macht aberziehen, verheeren, plündern." " „Schinden," in bildlicher Bedeutung
= ..Gewalt anthun."
10Ö. 1 Kaiser Friedrich II. hatte die deutschen Fürsten zum Reichstag nach
Oemona in der Lombardei für Ostern 122<» entboten, besonder« um Reine Be-
ziehungen zu den lombardisehen Städten zu ordnen. Als einer der ersten fand
sich Landgraf Ludwig beim Kaiser in Kavenmi ein; s. l,eben d. h. Ludwig, h. v.
Rückert, S. 40 f. u. 4ü; Knochenhuuer a.a.O. S. :*,17 f.
lyiuzeo uy
Google
106. ii. 107. Stück.
149
hunger» ubir alle dutcz land. I Unde sente elseboto, dy eyn barmherczig »
wip was, unnd von innickeit buwete sy zu der czit einen spettal undir
wartberg, dar zu satezte sy achteuudczwonezig sechen unnd spisseto
alle tago wol dry hundert arme menschen, dy man neren muste in
orer keynwertickoit, das sy es ane sach. Unnd do der lantgrafe wedder
enheym quam, unnd dy ammecht luthe ome do rechenunge soldon
thun, do klageten sy alle ubir dy almosen unnd über das gut, das
trowe elsebete zu bracht hatte. Do antwarte der togentsamer furste:
entrucht uch unnd losset olsebeten walde unnd losset sy wol thun,
unnd was sy wel durch got vorgeben, do sprechet or nicht in, sundern
das ich wartberg, nuenburg unnd iseuache behalde, so gnuget mir wol.
lOti. Wye lantgrafe lodewgik vor sucht wart in
deine ee brache.
Es geschaeh ouch zu cinon geeziten, dass disser togentsamer furste
von notlithen gescheflede willen ryten solde in eyn land eines fursten,
sines moges, unnd do on der selbige furste gar lipliehen gehandelt
liatte mit essen unnd mit trincken, unnd also man on zu bette do
brochte, do wart ome in sin bette bracht zu molo eyn suberlich wip.
Do nu des hern gesinde von danne quam, do sprach der lantgrafe
lodewig wedder sinen heimelichen1 lieben rittor or walter von vargila:
brenge das wip heymelichen uss mynem bette und gip or eyno niargk 2
silbers, das sy ore k leidere do niete gebessere, unnd ich sage dir vor
war, ab es nicht sunde were, das ich den e bruch tot he, so mochte ich
doch elsebeton, myncr elichen gemol, das nicht zu leyde gethun.
107. Von eynem ritter, der syner fiwen er loubet
liatte, mit lantgrnfcii ltxlewige dye ee zu brechen. | «^j«
In den selbigen geeziten was eyn ritter1 wonhaftigk vor deme 71
walde in doringen, der was' riebe unnd hatte gar eyn weydeliches
" Am unteren Blattrnnd ist xugefiiKt : [II: In illo Hunporo fult fanu'g valkltaslnn tu oinnibu*
r»r>iun« AleiuanniAe vi Iura dumverjit] u*fiut< u>l S 1,1 annuui. Aflllxlt «x-inm deus boiniiu-a dlverst»
inodt« precati« ooruin [U: kuImJ cxlgontibu«, nunc poriculum iimrtU aubiiauoo et inproviM, nunc
vero per cnormi-in rnblom po§tlliiwic, fnrMjuo «unt iniindacionrK [lt: aquaruml niaxlino «*t tale*,
quak* (quo] n«n «unt |K: fuerunt nee] vi*t> dJebu» uontrl». Vidi« Crou. KoluuartbrnuouRU MG1I,
f>cr. XXX, 1 pg. G05 gfj.
1044. 1 „Heimelich'' bedeutet oft „vertraut"; das unmittelbar darauf folgend«;
Adv. „heimelichen" ist unser „heimlich, unvermerkt.'' Über die Krzühluug «. lxben
d. h. Ludwig, h. v. Rückcrt, S. 4. ■ S it dem Anfange de» 11. Jahrh wird in
Deutschland auch <lie Rechnung nach der von den Angelsitchsen entlehnten Mark
gebraucht, die meist soviel als ein Hund ist, öfters auch zwei l>rittel Pfund (so
die Kölner Mark), oft nur ein halbes Pfund; über das .,1'fund" «. ob. St. 104 A. 6.
107. 1 S. Leben d. h. Ludwig, h. v. Ruckert, & 21 -23.
Digitized by LiOOQlC
i;»o
107. Stück.
schönes wip unnd konde von kranckheit siner natur mit sinor frowen
keynen erben nicht gewinne; dar umrae betrubete sich der ritter gar
sere, das sine lehene unnd grosses gut nach syme tode an fromde
luthe solde gevalle. Des wart her mit siner frowen eyns nachtis zu
reden unnd brachte sy in yrem synne dar zu, unnd das sy oren willen
gap dar zu, das sy ore e breche wolde mit lantgrafe lodewige umme
der erben willen. Es erhub sich disser ritter unnd czoch zu deine
togentsamon* lantgrafen, synem hern, unnd quam keyn wartperg unnd
legite ome dussen rath mit schemede unnd bludekeit vor in einem
grossen getruwen unnd bichte ome sinen gebrechen unnd moynte doch,
das her in solcher wisse von nymande also gerne erben gewynnen
wolde also von synem eygen hern. Busser togentsamer furste wolde
den ritter nicht betrübe unnd antwarte ome gar gutlichen unnd sprach,
her wolde zu ome komen uff den tag, also her ome bescheiden hatte.
Der togentsamer furste, der hisch vor sich sine erczte heimelichen unnd
sprach, her hette dissen gebrechen selbest, unnd geboth on, das sy ome
da widder eine arcztige2 bereitten; unnd das geschach. Do nam der
togintsamer furste dy buchsen mit der arcztige unnd reit an dy stad,
do ome der ritter neue bescheiden hatte. Do wart der lantgrafe fro-
lichen entpfangen von deme rittere, unnd pflag siner ussermossen wol
▼ mit essen unnd mit trincken. Nach deme | abent essen liss der lant-
grate ome dy buchsen mit der lagtwergen3 langen unnd gap sy deme
ritter zu essen, unnd truncken guten win dar uff. Do der ritter des
enczub, do was her in grossen engesten, wy her den lantgrafen mochte
wedder wendig gemache. Das marckte der lantgrafe unnd sprach zu
deme rittere: ir syt also ernst worden; gebricht uch ichtes was, das
saget mir frylichen! Do sprach der ritter: gnediger lieber herre, nemet
das nicht vor ubel, das ich uch her gemuwit habe; es ist nu anders
umme mich worden, danne es vor was. Do lachte der togentsamo
furste und sprach : ir sullet ess nicht da vor halden, das ich her komon
sy, umme e bruch zu triben, sundern das ich uwer arczt worde wedder
uwer kranckheit. Nu nemet dusse buchssen zu uch, dy ich uch ge-
bracht habe, unnd nutczet ditte, wann ess uch eben ist; ich moste
uch eupinde von uwere pyne unnd sorgen unnd lästern unnd ouch
uwere wyp von schänden unnd uwere kindere von lästere enpinden.
• HS falach: togenUamer.
2 „Arcztige" ist nid Nebenform für arzntie, stf., Arznei, so auch im „Leben
d. h. Ludwig," h. v. Rüekert, S. 22. a Md „lagtwerge" i*t ini mhd lactwerje
u. ähn., dem lat. Urwort clectarium näher stehende Form als das spätere latwerje
— „durch Einkochen dicker »Saft."
Uigitized by
108. Stück.
151
108. Wy keyser f rederieh umid lantgrafe
lodewig, neiite elsebeten lierre, zu deine lieilgen grabe
ezogen um nie des glouben willen.
Also man czalte nach cristus geburt tusent CCXXV11 jar, do erhub 1227
sich eine gemeine herfart zu deme heiligen grabe.1 Der romesche keyser
frederich nam das crucze an sich met vele fursten, grafen unnd hern
unde ezogen ubir mehir, unnd do quam on tele hindernisse von den
neiden, also das sy nicht hene komen, unnd do worden von den
cristen er slagen mehe wann sechezig tusent menschen, dy alle umme
des heiligen glouben willen gestorben sint. Dussem obgenanten keyser
frederich | folgete noch der togentsame lantgrafe lodewig zu doringen, 7s
der do alle czit bereit was zu fechten wedder2 den heiigen glauben.
Unnd do her sich gancz bereit hatte uff dusse fart, do geleyten on sine
brudere, langrafe heinrieh unnd lantgrafe Conrad, unnd sente elsebete
unnd geleyten on biss keyn smalkalde, unnd do sprach her zu Jetczt Rothe mi
wedder sinen bruder heinrichen, da her mit ome alle dingk bestalt
hatte: Ich befeie dir unser lyeben lipliche muter unnd myne lyeben
gemol elsebeten unnd ouch myne kindere, den allen getruwelich vor
zu syne als eyn brudor deme andern bilche thun sal, unnd nam
syne eygentliche3 mutir an synen arm unnd kuste sy uff oren munt.
Dor noch nam her sente elsebeten an synen arm unnd konde or kume
zu gespreche vor grossem betrupnisse, der getruwe man, unnd sprach :
Myne liebo swester, ditte fingerlin, in den den steyn gegraben ist das
lamp gotis, das sal dir eyn worezeichen syn, was ich dir enpyete, es
sy mynes lebens adder todis, unnd sprach: Nu geseyne dich got, myn
allirliebeste swester, unnd got geseine dy frucht in dynem liebe, dy
du treyst! — Also sehyet her uss smalkalden an sente johans tage Rothe 450
des toufters, unde ezogen mit ouie1 grafe borghart von brandenberg,
108. 1 8. „Loben des heil. Ludwig," h. v. Riickcrt. Ruch IVu.V, S. 52-69.
'Das md weder" = nihd widersteht nicht bloss, wie unser „wider" im feindlichen,
sondern auch im freundlichen Sinne. :t Das md „eigentlich" ist demnach, da
sich mhd (eigenlich) das euphonische ,t' nicht nachweisen lässt, gemeindeutsch
geworden; s. H. Rückert, Leben des heiligen Ludwig, S. 99. Grimm, Deutsches
Wörterbuch III, S. 102 weist die Form „eigentlich" erst bei den Mystikern
(183,2) nach. * Die Zahl der Landgraf Ludwig Regleitenden wird verschieden
angegeben: die hist. Eceard.: 4 Grafen. 6 edle Herren, 12 Ritter; das Leben
des heil. Ludwig wie die Reinhardsbrunner Chronik: 4 Grafen und 18 etile Herren
und Ritter (ohne Unterseheid ung); Rothe: 5 Grafen (er setzt neben Ludwig von
Wartberg noch (traf Günther von Käfern bürg), 7 edle Herren (er setzt Härtung
von Erffa hinzu) und 12 Ritter-, Slolle: 3 Grafen, 6 edle Herren und 11 Kitter
(er lässt Ditrich von Subach — Saubach, preuss. Dorf, Kr. Eckartsberga, Rgsbz.
Merseburg, fort). Die Namen der Grafen und edlen Herren sind schon bis auf
Hermann von Schlotheim (Stadt im Fürstentum Sehwarzburg-Rndolstadt, Land-
ratsamt Frankenhausen, urkundlich zwischen 1222 und 1228 |s. Funkbänel. Uber
die Herren von Schlotheim als ehemalige Erbtruchsesse der Landgrafen von
Thüringen, ZThG III, S. lOj) und Heinrich von Vaner (Gross-Fahner, Dorf im
Digitized by Google
152
108. Stück.
grabe heinrich von stolberg, grate meynbart von molborgk, er bcrman
von helderungo, herre rudolf von vargela, berre heinrich von ebers-
berg, herre herman von slatheim, herre fredericb von dryferte, herre
heinrich von vaner; dar noch er lutolff von berlestete ritter, er rudolff
v von bulczingisslcuben ritter, | er erhart von ebide ritter, er siffart rote
ritter, er lodewig unnd er rudolff von husen gebrudere rittere, er hein-
rich von ineydeburg ritter, er reynhart varch ritter, er berlt von mila
ritter, er berlt von heylingen ritter, er gerhart von cappel ritter. Also
warn do mete ome dry grafen, sech edele hern unnd Xll5 rittere, funff
pristere'; unnd andere erbar luthe eine grosse menge, dy alle in synen
Rate t >i hott" geschreben warn. Also czoch dusser togentsarner furste mit dussem
vorgenanten volke ubir mehir in sicilien land; do bestunt7 on das
fressen8 unnd starp, etliche sprachen, ome were vor geben, unnd starp
1227 in der stad, genant ortrand,'1 nach cristus geburt tusent CCXXV11 jar
an deme dritten tage nach unser lieben frowen tage letezer genant 10
Koihc i.™ unnd wart do begraben , unnd sin volk czoch deine keyserc noch in
heidenschafl't ; unnd dor noch, do sy weddir er heim czogen, dy noch
an deme loben worn, do gruben sy das gebeyne ores hern lantgrafen
lodewigen uss der erden unnd fürten das mit on erheim unnd begruben
das in dio kerchen unnd clostor zu roynhardssborn. Das geschach
Botho2^» nacn cristus geburt tusent CO unnd XXV11I jar. — Item notandum:
' in des das man er für, das lantgrafe lodewig gestorben was, do troip
lantgrafe heinrich, lantgrafe lodewigen bruder, sente elsebeten mit oren
kindern von der borg wartperg, unnd das wart ome von sinon torechten
unnd bossen jungen rethen geraten, wann dy eldesten unnd redelechsten
manschattt dy mere menge mit orem hern in sulche fremde land durch
des heiigen cristen glauben willen alle uss geezogen warn. Ess was
Herzogtum Sachsen - Koburg und Gotlm, nordöstlich von Gotha) bekannt. Die
11 Ritter sind: 1. Ludolf von Berlestedt (Dorf im Verwaltungsbezirk Weimar
des Grossherzogtums Sachsen); 2. Ludolf von Bilzingsleben ( preuss. Dorf iniKrei.se
Eckartsberga); 3. Erhart von Ebide — Gerhart von Elende (preuss. Dorf im Kr.
Noithausen); 4. Siffart Rote (Hftardus Hu Ins); 5, u. 6. Ludwig und Rudolf von
Hausen (entweder Dorf bei Arnstadt, Schwarzburg -Sondershausen, ml er Dorf, Kr.
Worbis, oder Dorf au der Nesse, im Herzogtum Sachsen - Koburg und Gotha) ;
7. Heinrich von Magdeburg; 8. Reynhart Varch (Hist. Eccard.: Reinhard us
Porcus. denn varch — Schwein, Ferkel); 9. Bert hohl von Mihla (Dorf im Ver-
waltungsbezirk Eisenach de* G rossherzogt ums Sachsen); lü. Berthold von Hei-
lingen (entweder die Dörfer Heilingen im Kr. Langensalza oder Dorf im Herzog-
tum Sachsen -Altenburg, Amt Kahla) und 11. Gerhanl von Cappel (entweder
Dorf bei Marburg i. Hessen oder Dorf im preuss. Kreise Ziegenhain der Provinz
Hessen- Nassau). Es ist XI zu lesen, Stolle schreibt Rothe gedankenlos nach,
welcher 12 Ritter erwähnt. " Darunter befand sich der Kaplan Berthold aus
Reinhartsbrunn , welcher das Leben des Landgrafen liosehriebeu hat, das Köditz
von Salfeld dann übersetzte. 7 „Besten" = „überfallen.'' * N' hd friescl, „Fieber" =
nd „fresel'* (Grimm, D.W. IV. 1, S. 203 u. 132) ist hier mundartlich (md) „fresen."
"•' Ortrand = Otranto. Stadt in Apulien, am Eingange iu das Adriatische Mwr,
s. ob. St. 50 A. 1. — Die unbegründete Sage von der Vergiftung des Landgrafen
rindet sich in der Reinhardsbrunner Tradition, s. Cron. Reinhardbr., MGH, Scr.
XXX, 1, pag. 011. „Frauentag der letzte" ist am 8. September (Maria Geburt) ;
tandgraf Ludwig ist also am 11. September 1227 gestorben.
Digitized by LjOOQIC
108. Stück.
ouch nymant Jodeliches, der sente elsebeten mit oren kindern | herberge vs
wolde zu isonaehe, wann sy forchteu lantgrafen hoinrichen, das sy den
du niete er czorten, sundein sy bleib dry nacht da bye armen luthen,
unnd do daune quam sy kein kitezingen in das closter zu ormumeu11 UoUa-iw
der eptisschen, unnd der gap sy or tochter eine; unnd do das er für
der bisschoff von babenberg,12 der ouch lantgrafe lodewiges inagk was,
der holte sy zu kitczingen unnd fürte sy kein babenbergk unnd hilt
sy gar erberlich do by ome; unde do dye hern wedder quomen von ^*11^
domo heiigen grabe unnd brochten lantgrafen lodewigen gebeine unnd
vor nonien, wy man mit sente olsebeten hatten umme gohalden, da
worden sy gar sere betrübet unnd nomen sy da uff unnd fürten sye
keyn reinhardessborn mit ores hern gebeine. Do gingen dy selbigen ^j-^J;'*
hern unnd manschaflt vor dy alden furstynne, lantgrafen lodewigen
muter, unnd or sone lantgrafen heinrichon unnd lantgrafen conraden,
unnd strafften dy hettteeliehen in keiuwertickeit ander fursten unnd
hern, unnd besundern lantgrafen heinrichen umme dy untogunt unnd
das ubele, das sye gethan hatten an orem brudere selige, an synem
wibe unnd kindern unnd an der armen betrubeten wettewynne, unnd
were sye eynes armen mannes adder gebures tochter gewcst adder sine
amme, nach were sin zu vele gewest, das sy an or gethon hatten;
unnd machten do mit solcher betulicher strafflinge, das lantgrafe hein- Kotbo m
rieh unnd sin bruder Conrad rechte bitterlichen weyneten, unnd boten
do dye lieben sente elsebethen, das sy on das vor gebe wolde, unnd Rothe «u
ouch dy andern graten, fryen unnd rittere, dy mit orem brudere
gotisseligen j gewest warn, sy woldcn des sy wole ergetezen unnd alle v
wege vor denen. Unnd do nomen sy sente elsebeton unnd fürten sy Rothe ios
mit sich kein isenache unnd kein wartperg uff das sloss unnd bilden
sy da gar erberlich unnd fruntlichen, unnd bilden sy da eine lange
ezid unnd brachten sy dar nach keyn martpurgk in hessen, das or
Up gedinge13 was, unnd guben or das in mit allen rechten, geriehton,
czinsen unnd renthen; unnd do bleip dy heylige frawe unnd buwere Ro,be t«3
do einen spetal unnd warte do armer luthe biss an or ende unnd \titXh* i«-
starp nach cristns geburt tusent CO XXXI jar, also sy nicht mehir 1231
danne XXIV jar alt was, unnd 1yd ouch do selbest zu martpurg he-
giaben. Unnd dor noch ubir vier jar, do was der bobist gregorius der IX 12$>
in der stadt peruss11 in der prediger closter, do danne vele bisschoü'e
unnd prelaten kein wertig warn, unnd werdigete unnd heilgete15 da
" S. St. 40 A. 1. Über das Folgende s. übrigens oben die Stücke 49- -54 ; hier
finden sieh teilweise Wiederholungen. ,? S. ob. St. 49 A. 2. " Die als Gegen-
gabe gegen die Mitgift der Krau ausgesetzte .Widerlage,' ein Teil des Gutes des
Manne«, biet«*, wenn sie im besonderen für den Unterbau der dermaleinst zur Witwe
gewordenen Frau dienen sollte, Leibzueht oder Leibgedinge. 11 Perus*
ist das alte IVrnsia, Stadt in Etrurien, heute Perugia, in Cmbrien. r' Besonders
auf Betreiben des Landgrafen Conrad (später, 1239, Deutsehordensnieisterj, «1er des-
halb mit nach Rom reiste, s. Häutle a.a.O. S. 1 SO ; die epistola de eanonixatione
Papst Gregors IX. ist datiert v. 1. .luni 1235 aus Perugia, die Heiligsprechung
geschah Perusii in eonventu i'ratruni praedieatorum a. Ch. 1285 die 27. Maji,
lyiuzeo uy
Google
154
109. Stück.
sente olsebeten, lantgrafen zu doringen, des konigs tochter zu ungern.
1236 Unnd dar nach in denie andern jare, do wart sye erhaben 10 uss deme
ertriche von deme bisschofe zu mentcz, von deme bisschoffe zu kolne
unnd von deme bisschoffe zu bremen unnd andere vele bissclioffen
unnd prelaten. Unnd do warn keinwertig keyser frederich, lantgrafe
heinrieh unnd sin bruder conrad, frawe sophia unnd herman, sente
elsebeten son,17 unnd dor zu uss dermosson vele grafen, frye, rittere
unnd knechte.
109. Von lantgrafen Heinriche, wy der dy borg
Roth» na eyterssporg gewan.
it Heinrich,1 lantgrafe zu doringen unnd zu hessen, | der hersschete
nach sines bruder tode lantgrafe lodewigs des togentsanien ; wy wol
her einen erben liss, so war es doch eyn kint von sechs jarn unnd
dar unime, das lantgrafe heinrich der eldeste was undor on, so nam her
1238 sich der herschafft an, unnd in deme ersten jare nach sines bruder
tode, so czoch her uft* den berg, genant eytersberg,* unnd belag do das
huss eyterssberg unnd gewan unnd zu brach das. Das geschach aller-
meist umme des closters willen, das genant ist eitersborg, das dann
vele ubirlast unnd noto leyt von dor obgenanten vesten, dor umme
wart es vor störet.
s. Dietrich v. Apolda, Leben d. heil. Elisabeth IM. VIII cap. 9. Obige Bulle steht
bei Kollar, Anal. Vindobonnenses tom. I, 1761, pag. KS8 — 892. ,u Es geschah
am 1. Mai 1236, s. Knochenliaucr a.a.O. S. 347 f. 17 Uber dienen unbedeutendsten
der älteren thüringischen Landgrafen, Hermann IL, s. u. a. Knochenhauer a. a. O.
332-336. 349. 359, und Hantle a.a.O. S. 156: geboren 1223 (s. ob. St. 96) , starb
er thatenlo« am 3. Januar 1242 zu Krcuzbure; vgl. auch Stfick 109 u. 113.
Manches bringeu Ilgen und Vogel, Zeitschrift f. Hess. Geschichte X S. 21511'., bei.
10». 1 S. über ihn Knochenhauer a.a.O. 8.332—375; Häutle a.a.O. S. 152
bis 1M5; Ilgen u. Vogel a.a.O. S. 216 tf.; Rübesamen, I^andgraf Heinrich Haspe
in Thüringen, der Gegenkönig Friedrichs IL, Dissertation Halle, 1885. 3 Im
..Leben des heiligen Ludwig," h. v. Rückcrt, S. 56 wird erwähnt , dass Landgraf
Ludwig beim Abschiede zu seinem Bruder sagte, dass ihm sein Vater, Landgraf
Hermann, aufgetragen habe, ,,daj wir zuBtore unde zubreche soldin da3 sloj
Eitersborg, da von da3 closter da bi dicke schadin genomin hat." Da das nicht
geschehen sei, so trägt er ihm dieses auf; dieses vollführte auch Heinrich noch
i. J. 1227, wie es die Cronic. Reiuhardbr., MUH, Scr. XXX, 1 jW. 612 in Über-
einstimmung mit der Cron. S. Petri Erford., ibidem pag. 390 meldet. Über das
Ettersburger Kloster (s. Rückert a.a.O. S. 140) im Dorfe Ettersburg am gleich-
namigen Berge, das zuerst als Chorherrenstift i. ,T. lOist* erwähnt wircl, s. RDTliD
an verschiedenen Stollen. — Der Zusatz, den hier Rothe macht (wenn vil roubens
unde stelens dorvon geschach), zeigt, dass er den oben erwähnten Auftrag Ludwigs
an seinen Bruder vergessen hat; Stolle führt den Zusatz wortreicher aus.
Digitized by LjOOQIC
110. Htück.
155
110. Wy ein bischoff zu iiiencz unnd eyn lantgrafe
zu doringen zu Hamen kregen.
Also man czalte nach cristus geburt tusent CC XXX 11 jar, do hisch 1282
bisschoff syffart1 von mentcz von deme apte zu reinhardisborn2 eine
summa geldis gebeisen subsidium, also her dauno von alle siner pfaff-
heit in synem bischthum thed. Das uffenbarte der apt dnssem lant-
grafen heinriche, unnd der vorboth ome, her solde sin nicht thun by
sinen hulden, wann sine eidern hetten dem bisschoffe keinen ezinss da
gestiflt; also vor hilt das der apt also, das on der bisschoff dar umme
zu banne thed unnd brachte on zu der höchsten bussse. Unnd do
czoch der apt, al ome das von sinen guten frunden gerathen wart,
heymelichen keyn erfforte zu deme bisschoffe, der danne zu der czit
zu erfforte was, unnd vorsunete unnd berichte sich da mit deme bis-
schoffe unnd gap sich in gnade; unnd do solde der apt ouch vor den
bisschoff nacket kome in keynwertickeit der pfaffheit unnd bussse en
ptaen. In des ge schach es, das lantgrafe Conrad,8 lantgrafen Heinrichen T
bruder, von nuenburg keyn wartperg zu sinem brudere riten wolde
unnd herbergite ubir nacht zu erffort unnd on wüste von deme ge-
scheffede nicht; unnd des morgens, also der tag ane brach, do hiss her
dy pferde satele unnd gingk mit erst mit synen dyenern zu unser
lieben frowen kireben uff den berg unnd wolde zu erst vor allen
dingen dy frowe messe hören. Unnd do sass der bisschoff von mentcz
mit den thumhern uff dem capittel husse, unnd der apt was in deme
cruezegange unnd thed sich uss biss uff sin hemde unnd nam czwene
beseme, an iglichen arm einen, unnd ging also vor den bisschoff.
Unnd des worden lantgrafen conradis schiltfessele unnd rynnere1
gewar, dy ungerne lange in der kerchen bliben, unnd kanten deu apt
wol, wann her on dicke gutlichen gethan hatte, unnd liften von stunt
vor oren hern in dy kirchen unnd sprochen : Der bisschoff von mentcz,
der howet itezunt unsern apt von reinhardisborn uff deme capittel
husse zu male jemmerlichen sere mit gerten. Do lift der lantgrafe do
mit den synen uff das capittel huss unnd sach den apt knyhe vor
110. 1 Die ganze Erzählung, die in der bist. Eccard. pag. 423 steht, geht
auf die Rcinhardsbrunner Tradition (s. Knochenhauer a. a. O. Ö. 337) zurück,
s. Cron. Keinh. (MUH, Scr. XXX, 1 pag. 612 so.)- — Es war Erzbischof Sifrid III.
von Eppenstein, 1230 — 1249. 1 Er hiesa Eckehard. Der Erzbischof hatte eine
Steuer den thüringischen Klöstern auferlegt, welche Eckehard zu zahlen sich
weigerte; s. a. BE 8.20. * 8. über ihn Hautle a. a. O S. 186 203; Ilgen und
Vogel a.a.O. 0.2160*. Geboren um 1204, starb er als Deutschordensmeister in
Rom am 27. Juli 1240 (nach andern 1241); über seine Sühne wegen der Fritzlarer
Greuel und seine sonstige Thätigkeit. namentlich al* Vermittler zwischen Kaiser
und Papst, s. Knochenhauer a.a.O. H. 338 ft'. * Unter „schiltx^el," mhd, stm.,
versteht man einen schildtragenden Knappen; ry miner = mhd riemer,
stm., ist ein Lederarbeiter, hier sind wohl die Knechte zu verstehen, welche die
Pferde zu besorgen, namentlich für das Riemenzeug derselben zu sorgen hatten,
also Trossbubeu.
Digitized by LjOOQic
156
110. Stück.
dorne bisselioffe mit den bescmon. Do wart der lantgrafe gar sere
beweget mit ezorno unnd ruckte sin messer uss unnd litt zu deme
bisselioffe zu unnd begreift" on by den hären unnd meynte den bisschoff
mit deme messere durch sin houbt zu slane. Do feien deme lantgrafen
w sine evgen dvnere in dv arme unnd I hinderten an dor ane. Also
füren dv thumliern uff unnd der bissehoft mit sinen dvcnern unnd
nomen dy flucht, unnd das capittel vorging allerdinge. Do lift der
lantgrafe ouch zu siner herberge zu unnd sass uft sin pfert unnd reit
also uss erffort unnd quam kein wartberg uff das sloss zu sinem
bruder, lantgrafen heinriebe, unnd klagite ome ubir den bisschoff unnd
bad do sinen bruder, das her gunneir* wolde, her wolde das an deme
bisselioffe reche. Also zu hant wart gemacht eyno herfart vor des
bisschoffs sloss.*1 Also nu der bissehoft des gewar wart, do bemannete
her ouch sine sloss unnd stete. Also czoch lantgrafe conrad vor dy
stad fritczlar7 unnd brante dv vor stad uss unnd zu slug dv mullen
unnd zu brach dy brücken, unnd do on duchte, das her schaden gnug
gethan hotte unnd sich wol an deme bisschoffe gerochen bette, do
stiss" her dy bilden an,* do her inne gelegen hatte, unnd czoch abc
mit sinem hero. Unnd do litten dy gemeinen frowen, dy mit dem
gepofel1' warn dar in kernen, uft dy stad muren uff dy czinnen unnd
hingen ore nacketen ersse ubir dy czinnen unnd schrieten 10 deme lant-
grafen noch, unnd das her dor in tloge. Unnd do der lantgrafe den
schemclichen spot gesach unnd gehörte, do gebot her synem volke
wedder umme zu keren unnd logerte sich andirweit vor dy stad unnd
schoss do für in unnd stormote sv herticklicheu unnd vorbrante dv
stad mit wiben, kindern, kirchen unnd allis, das dor inne was, unnd
zu letezt do quam der bisschoff' von wormess mit czwenhundert erber-
Juthen zu einem fenster uss von einer kemmenaten an der stad muren.
unnd lissen sich an seylen er abe unnd gaben sich deme lantgrafen do
▼ ge fangen, unnd der lantgrafe liss do dv muren unnd torme zu gründe
nedder brechen unnd werften. Dar zu vor brante her das monster unnd
closter, do itezundes der stiftt lvd, wann der stifft vor in der vorstad
lag. l'nnd do lissen dy von herssfelde sente wyperechten 11 do danne
' ,,f Junnen" — „vergönnen, erlaul>en." '• Hier blickt, ohne dass es der Chronist
selbst ahnt, die eigentliche Ursache des Streites /wischen der Main/er Kurie und
den li Landgrafen, Heinrich und Konrad. durch: diese war die Burg Heiligen-
Werg in Hessen, s. Knochenhauer a.a.O. S. :YM — Mi). '• l'reussische Kreisstadt
im Kgsbz. Cassel; his 1*1)1 mainzisch. s S. ob. St. 04 A. 2, — „anstecken," eine
Bedeutung, die z. B. in der Nürnberger Chronik (s. Chroniken der deutschen
Städte, 14- 15. Jahrb., II, S. 6<i) sieh findet: feur in die heuser sin ken, d.h. sie
anzünden. '■' „Gcpofel" = mhd gepüfel , Colleetivuin zu hovel (von lat. populus),
Volk, heim Heere Tross. ,n S. St. .77 A. 4. " Der heilige Wigbert (geb. nicht
nach (iSü) starb 747 als 1. Abt des Klosters zu Fritzlar und wurde vor der Kirche
in Fritzlar in einem unansehnlichen Grabe beigesetzt; seine Gebeine wurden später
einige Zeit vor den Einfallen der heidnischen Sachsen nach Buraburg gerettet, dann
aber nach Fritzlar zurückgebracht und in einer unterirdischen Kapelle beigesetzt:
schliesslich wurden sie i. J. 7öU (jedenfalls vor Lullus' Tode, f 16. Oktober 7*t>)
nach Hersfeld übertragen. Nach der Fritzlarcr, aber schwerlich richtigen Trailition,
Digitized by Google
III. Stück.
157
füren, der do in der klufft begraben lag, unnd bestatten on erheben
zu herssfelde. Ditte gesehach in denie herbeste an des heiligen
crucis tage. 12
111. Hy enpfing lantgrafe Conrad bussse uimiie
sine huihIc. Rotho««
Also man czalte nach cristus geburt tusent CO XXX III jar, do be- 12:53
gunden dissem fursten lantgrafen conradin sine sunde ruwen, dy her
also freisslichen begangen hatte, unnd czoeh keyn romezu deine babiste
gregorio; unnd der losto on selber von sinen sunden, unnd do gab der
lantgrafe grossse almossen, unnd dor babist satczto omo da zu bussso,
das her sich solde vor sunen mit den luthen, der frunde her zu
fritczlar unde andersswo nie vorbrant hatte, unnd solde sich in einen
geistlichen orden geben, unnd das her dy monster vor brant unnd vor
stört hatte, da vor solde her eyn monster wedder buwen unnd mit
synem gute dy gotishusore riehlich begaben. Unnd das thed her alles,
her sunete sich mit den luthen, her gab den ezenden uss synen
dortten unnd gerichten deine stiftte zu fritczlar, unnd den sy nach
haben, unnd buwete oucli eyn nuwc closter zu isenache den prodigern k<>uic4-7
monchen in dy ere sente johannes,1 limine des willen, das her das
monster zu fritczlar vor brant hatte, unnd sente elsebeten, dy sines
brtider wip was, dy her ouch ubelo nach synes bruder tode lantgrafe
lodewigs gehandolt hatte, thod her ouch eine er getczunge unnd erkante Rothe 47«
sich, dass her y gar | ubel an or gethon hatte, da vor unnd dar umme 76
gab her sich in den orden der dutczen horn und wart or hohe meister
unnd gap den hoft zu grittstete-' mit alle siner zu gehorunge deme
spettale zu martpurg.3
welcher Stulle hier folgt, soll diese Translation erst im 13. Jahrhundert (1232)
erfolgt sein; s. Ffdling (Sehminckei , Di- anticpiitatibus Fritesl. diss. , Marburg
1715, 4", j.ag. 2U; Franz Schauerte, Der heilig Wigbert, 1895, S. 10. 24. 27— 34.
Kine Notiz haben auch die Anrmale« Erphord. fratrum praedicatorum , MEH,
S. 113 v.J. 1252. Crcutztag oder Crucesdag, mit dem Zusatz „im Herbst,"
ist Kreuzerhöhung, der 14. September. Xach Franz Schauerte, Der heilige
Wigbert, 1895, S. 33 f. geschah die Übertragung wahrscheinlich am 7. Februar.
III. 1 Es ist das Prcdigerkloster zu Eisenach gemeint, das die beiden land-
gräflichen Uriider Heinrieh Raspe und Konrad lvJ35 auf Befehl des Papstes
Gregor IX. bauten, erstcrer, weil er seine Schwägerin, die heilige Elisabeth, hart
und gransam behandelt hatte, letzterer wegen seiner Fritzlarer Frevel; der
Chronist schiebt beides auf Kotirad. 2 Griefstedt, im preussischen Kr. Weissense«;,
gehört schon zu den (intern, welche Karl der Grosse dem Kloster Hersfeld
m Thüringen verleiht (s. KDThl) I No 70); später wurde es eine Komturei
des deutschen Ordens; das Gut heisst noch heutzutage „Commcnde Griefstadt,"
s. die Monographie von Andersen , Geschichte der Deutschen Ordenskoinmende
Griefstedt, 18<iG, dort S. 12—13 die Schenkungsurkunde Conrads v. J. 1234.
1 Knochenhauer a a. (). S. 3:W: ,.Auch dem von Elisabeth gestifteten Spital
zu Marburg, <his die Hrüder [die Landgrafen Heinrich und Konrad | schon im
Digitized by Google
158
112. bis 114. Stück.
Rothe 477 112. Hy wart dy borg viselbech gewonnen.
1234 Also man czalte nach cristus geburt tusent CO XXX IV jar, do ge-
wan lantgrafe heinrich, lantgrafe lodewigs bruder, deine graten zu
viselbech1 sin sloss viselbech an unnd begreiff dar uffe XXIII rouber
unnd liss den allen dy houpte abe howen.
Rot»,« 479 113. Hy starb seilte elsebeten son zu eruezeburg.
1241 Also man czalte nach cristus gebort tusent CC unnd XLI jar, do
starp lantgrafe herman,1 sento elsebeten son, zu eruezeburg, unnd deme
wart vor geben2 von frawen katherin von sebech, also her XVIII jar
alt was, unnd lid begraben zu reinhardessborn.
114. Wy lantgrafe beinrieb1 zu einem keyser
Rotb«48o gekorn wart
1241 Also man czalte nach cristus geburt tusent CCXLI jar. do nam lant-
grafe heinrich von doringen, lantgrafen lodewigs bruder, des herezogen von
vorigen Jahre [1231] mit reichlicher Schenkung bedacht hatten (s. die Bestätigungs-
urkunde des Papstes vom 11. März 1231, b. Guden, Cod. dipl. III pag. 1097),
erwies Konrad hinfort »eine besondere Fürsorge."
112. 1 Vieselbach, Dorf im Verwaltungsbezirk Weimar des Grossherzogtums
Sachsen, zwischen Erfurt und Weimar, Grafschaft und Schloss im Besitze der
Grafen von Gleichen, damals des Grafen Heinrich von Gleichen. Die Eroberung
Vieselbachs i. J. 1234, ebeuso wie die in demselben Jnhrc erfolgte Bestrafung diese*
Grafen erzählt Rothe nach der hist. Eccardiana I. 1. pag. 424 richtig, hingegen
die Cron. Reinhardbrun. (1. 1. pag. 616) und die Cron. S. Petri mod. (1. 1. pag. 892)
sprechen von der Eroberung des „Castrum Velseehe" (auf dem Eichsfelde f) des
(trafen Hoinrich von Gleichen ; die Züchtigung des Grafen selbst durch Landgraf
Heinrich Raspe ebenfalle i. J. 12'U berichten sie dann gleicbmässig.
113. 1 S. St. 96. 108 (A.17) und 109. * Knochenhauer, wie andere be-
sonnene Historiker vor ihm, schweigt von dieser angeblichen Vergiftung durch
Katharina (Rothe: Bertha) von Seebach mit Recht, da diese Gerüchte, welche
(hist. Eeeard. pag. 425) wegen der Jugend des l)ei seinem Tode erst 18jährigen
Landgrafen entstanden una sogar, wie Rothe erwähnt, von Heinrich Raspe als
Urheber sprachen, gänzlich unbegründet sind, da es zu unsinnig ist anzunehmen,
dass der Landgraf Heinrich, welcher damals in der 3., ebenfalls kinderlosen Ehe
lebte, während sein Bruder Konrad, der Deutschordensmeister, bereits gestorben
war, den letzten Sprossen seiner Familie durch Gift hätte aus dem Wege räumen
lassen, s. Häutle a. a. 0. S. 157. Die Cron. S. Petri mod. (1. 1. nag. 393) schweigt
daher gänzlich, die Reinhardsbrunner Überlieferung (Cron. Rcinhardbruncnsis, 1. 1.
pag. 617) erzählt die Geschichte ausführlich, ohne Heinrich als Urbeber zu er-
wähnen; auch ist es auffällig, dass Bertha von Seebach, trotzdem Hermanns
Lciehe, als jene zur Bestattung kam. aus der Nase zu bluten l>egann, nicht be-
straft wurde (ab ainicis mU elam est abdueta). Es schwebt ein merkwürdiger
Unstern über den Namen Hermann : nach Landgraf Hermann (I.) gelangten die
2 folgenden, welche diesen Namen führten, nicht zur Regierung.
114. 1 S. Knochenhauer a. a. O. S. 35611".
Digitized by Google
114. Stuck.
159
osterich tochter zu der o,2 genant gerdrud. Dar nach ubir eyn jar, da i^jj4™
Lisch keyser frederich dy dutczen fursten alle keyn fraucfort3 um nie
sines sons willen, conrad genant, den her gerne zu einem romeschen
konige gemacht netto. Unnd do omo dy korfursten unnd dy bischofle Rothe m
des nicht gesteen wolden, do missebod4 her gote unnd der heiigen
cristenheit unnd sprach: Es sint dry ding, dy alle werlt betrogen
haben, moyses dy joden, cristus dy cristen unnd machemet dy heyden ;
unnd dar ummo woldet ihr fursten mir etwas noch | folgen, ich wolde »
czwar eine bessere wise finden zu glouben unnd zu lebene, wanne
ergen kein volk uff ertriche hotte. Disse missebetunge horten dy
fursten alle zu raole wol unnd er schrocken dos gar sere unnd worden
alle glich sere betrübet unnd worden des eins unnd schreben dy ge
schiebt deme babiste gregorio deme neuenden keyn rome. Nu was
disser lantgrafe heinrich in doringen, eyn pfalczgrafe zu Sachsen, der
eldeste* an den jaren unnd den fursten allen, dor ummo wart her zu
vor an in den breff geschreben, den sie deme bobiste santen ; unnd dar
• DU» HS wiederholt IrrtttmUch vor an: „wu."
3 Nach dem Tode Elisabeths, der ersten Gemahlin Heinrich Raspes (1231),
vermählte sich der Landgraf mit Gertrud, der Tochter Herzog Leopolds des
Ruhmreichen und Schwester Herzog Friedrichs de« Streitbaren von Osterreich
(die, nach den beuten Quellen zu urteilen, i. J. 1214 geboren war), und zwar
i. J. 1239 (nach den Annalen von Melk, Pertz, MGH, Scr. IX. 508; die Annal.
Erphord., ebenda XVI, 32, nehmen schon 1238 an); sie starb aber bereits am
Ende des Jahres 1240, denn der Heiratsvertrag Heinrich Raspes mit seiner
3. Gemahlin, Beatrix von Lotbringen und Brabant, ist vom 10. März 1241 datiert.
Näheres s.bei Häutle a. a. O. S. 171-173. 173—176. 179. • Über diesen Reichs-
tag zu Frankfurt herrscht Zweifel, nach einigen Geschichtsschreibern (s. Knocheu-
hauer a. a. 0. S. 358 ff. — gegen ihn s. Herausgeber Menzel a. a. O. S. 358 A. 2)
hat Kaiser Friedrich II. eine heimliche Zusammenkunft mit Heinrich Raspe
i. J. 1242 gehabt und ihn gewonnen; diese angebliche Reise des Kaisers weist
Huber, Forschungen z. deutsch. Gesch. X, S. 649—653 zurück. Man hat wohl
i. J. 1242 einen Tag in Frankfurt anzunehmen, wo Kaiser Friedrich in Gegenwart
der anwesenden Fürsten den Landgrafen Heinrich zum Reichsverweser und
Pfleger seines Sohnes, des jungen Königs Konrad. bestellte, denn am l.Mai 1242
kommt Heinrich urkundlich als Reichsverweser vor (s. Huillard-Brtmolles, Hist.
Dipl. Friderici Secundi VI pag. 830). Anders urteilt Häutle (a. a. O. S. 159 ITA
welcher den Wiederübertritt Heinrich Raspes zur hohenHtaufischcn Partei una
die Übertragung der Reichs verweserschaft schon auf dem Fürstentage zu Eger
am 1. Juni 1239 annimmt, woraus sich die damalige Bannung Heinrichs und
seines Bruders Konrad erkläre; der endgiltige Übertritt -Heinrichs zur päpstlichen
Partei sei 1244 erfolgt. 1 „Missebieten," stv., mit dem Dativ, „verunglimpfen,
lästern." Nachdem Papst Gregor IX. am 20. März 1239 den Bann über Kaiser
Friedrich II. ausgesprochen hatte, was durch eine Encyelica vom 7. April jenes
Jahres allen Prälaten der Christenheit mitgeteilt wurde, verwahrte sich Kaiser
Friedrich durch ein umfangreiches Sendschreiben vom 20. April 1239, das an
alle Könige und Fürsten gerichtet war, dagegen; der Papst aber veröffentlichte
am 21. Juni 1239 ein zornsprühendes Gegen manifest , in welchem die von Stolle
mitgeteilte Blasphemie des Kaisers erwähnt wurde; sie wurde von den wandernden
Bettelmönchen, Dominikanern wie Franziskanern, in der ganzen Christenheit ver-
breitet und erregte das grösste Aufsehen. Kaiser Friedrich blieb die Autwort
nicht schuldig und behauptete in einem Schreiben an die Kardinäle, dass jene
ihm vorgeworfene Ruchlosigkeit nie über seine Lippen gekommen sei.
Uigitized by
160
114. Stück.
1243 umme tlied der bobist den keyser in den bau, nnnd des achte der
485^8«*' keyser gar cleine. Unnd dar noch ubir ein jar, do wart eyn ander
babist,5 den hiss innocentius.5 Der bestetigete den ban sines torfam
unnd satczteG keysern froderichen abe,: unnd schreib den fursten in
dutczen landen, das sy kysen solden zu einem romeschen konige lant-
grafen heinrichen7 zu doringon,* den fromen cristen fursten unnd ge-
strengen ritter. Unnd der selbige babist innocentius hatte grossen
schatcz unnd was gancz riche unnd schreib lantgrafen Heinriche, das
her das rieh zu ome nemen solde. Das wedder sprach lantgrafe hein-
rich durch dryerley sache willen unnd schreib das deme bobiste zu
erst: er were eyn alder man unnd vormochte der erbeit nicht an
synem liebe. Das ander: er were ouch ungefrunt under den fursten,
dar umme so netto her der volge nicht. Das dritto: her hette ouch
gar eyn kleines land, dar umme vor muchte her der koste nicht, das
77 her also einen mechtigen | keyser vor trebe. Dar uff schreib ome der
bobist wedder, her solde das rieh uff nemen by deme gehorsam gotis
unnd der heiigen cristenheit. Dar uff antworte der lantgrafe: den ge-
horsam wolde her yo halden, so her kume eyn jar leben solde. Unnd
do sante ome der bobist funflundeezwenzig tusent margk silbers, do
mete solde her soldenerc uff nemen. Unnd do wart her uss erweit *
zu einem romeschen konige zu franckfort,,J als man schreib nach cristus
■' Nach dem Tode Gregore IX. am 21. August 1241 folgte Celeatin IV., der,
26. Oktober 1241 gewühlt, bereits am 17. November desselben Jahre* starb;
dann konnte man «ich längere Zeit hindurch nicht über eine Neuwahl einigen,
die erst am 4. Juni 1243 erfolgte: sie fiel auf Sinibald Fiesco, aus dem genuesischen
Grafengeschlecht der Lavagna, der sich als Papst Innocenz IV. nannte und bis
zum 1. December 12.r»4 regierte. ,: Auf dem Konzil zu Lyon erfolgte am
17. Juli 1244 die Thronentsetzung Friedrich*», eine Sentenz, welche durch Domini-
kaner- und Franziskanermönehe überall verkündigt wurde (a. Ann. Erphordens.,
MGH, Scr. XVI, pag. 34) und auch später als rechtsgiltig betrachtet wurde, da
von da an Friedrichs Kegierungshandlungen für ungiltig angesehen worden sind.
7 Über das Königtum Heinrichs s. Häutlc a. a. O. S. 162fl'., Knochenhauer a. a, O.
8. 362 ff*. H Die Wahl Heinrich RasjK?« zum Gegenkönig erfolgte am 22. Mai
1246 zu Veitahochheim b. Würzburg durch die rheinischen Erzbischöfe, mehrere
Bischöfe und eine Anzahl weltlicher Herren au« Thüringen und Hessen, während
die grossen Territorialfürsten , namentlich der König von Böhmen , die Herzöge
von Bayern, Sachsen, Braunschweig , Brabant u. a. trotz aller |«pstlichen Send-
schreiben der Wahl fern gebliel>en waren. — Über s. Kanzlei «. Marlin Mever,
Eine unedierte Urkunde Heinrieh Knspes, ZThG, N. F. XI. 1899, S. 375-397.
" König Heinrich hatte für den 25. Juli 1246 einen Reichstag nach Frankfurt aus-
geschrieben, damit auch die weltlichen Fürsten ihre Zustimmung zu »einer Wahl
erteilen sollten. Um dieses zu hindern, zog König Konrad, Kaiser Friedrichs Hohn,
heran, ward aber am 5. August 1240 in einem Treffen geschlagen, freilich nicht ohne
dass durch Bestechung durch päpstliches (Jehl (namentlich der 2 Grafen von
Württemberg, Ulrich und Hartmann) Verrat in die staufische Kriegsmacht hinein-
getragen wurde. Stolle nimmt 2 Tage für den Kampf an : St. Dominicustag, d. i.
der 4. und St. Oswaldtag, d. i. der 5. August ; im Jahre irrt er, da das Treffen selbst-
verständlich 124ö stattfand, da Heinrich bereit* am 16. (n. and. am 17.) Febr. 1247
starb. Erst nach dem oben genannten Kampfe an der Nidda zog Heinrich in
Frankfurt ein; d<x*b war der Keichstag. auf welchem Köuig Konrad seine Königs-
würde und das Herzogtum Schwaben abgesprochen wurde, nur dürftig besucht.
lymzeo uy
Google
115. Stück.
101
geburt tusent CO XL VII jar, unnd lag do zu felde mit here. Do wolde 1247
od des keysers son Conrad abe tribe, unnd mit detne streyt disser
nuwer gekorner koning unnd gewan ouch den strvt, unnd des keysers
son wart fluchtig uss derue fehle. Ditte gesehach an sente doininicus
unnd sente oswaldes tage. Also wart disser lantgrafe zu einem konige
gesalbet unnd gekronet10 unnd czoch dor noch in swobon 11 widder den
selbigen hen;zogen conraden unnd sinen vater den keyser unnd vor
treib sy do uss deine lande. Dor noch czoch disser nuwe koning in
doringen uff sine borgk wartbergk unnd wart kräng unnd starp l- noch
cristus geburt tusent CC XL VIII jar unnd wart begraben zu sente 1248
katheiinen vor isenache an sente julian tage. Unnd durch sinen ge-
horsam, den her also gehalden hatte, so gap der bobist aplas: wer an
sente julian tage ,;1 zu sente katherinen kerchen ginge unnd böte do
vor sine sele unnd vor alle gloubege solo, der solde czwey jar aplas
habe, unnd das selbige aplas stehit dy ganczen achtage uss.
115. Hie liebet sieh an, wye das laut zu doringen
komen ist an dy margrafen zu missen. |
Wye nu das land zu doringen komen ist1 an dye marggreffen zu Rothes*
missen, das quam also. Also der konig hoinrich unnd eyn lantgrate
zu doringen unnd zu hessen gestorben was ane erben, unnd das ro-
10 Daß» Heinrich, welcher von seinen Gegnern dafür, dass er dem päpstlichen
Stuhle gehorsam gewesen war, oder vielmehr weil ihn meist geistliche Fürsten
gewählt hatten, den Spottnamen „Pfaffenkönig" erhielt, je gesalht und gekrönt
worden »ei, lä»st sich nicht nachweisen, s. Häutle a. a. <). S. 164 — 16*5; nur die
hist. Eceard. I. 1. pag. 424 erwähnt die Krönung. " im Herbste 1246 hielt
König Heinrich seinen 2. Reichstag in Nürnberg und zog dann nach dem Süden
Deutschlands, wo der offene Kampf der Parteien tobte; doch waren seiue Erfolge
gering: ebenso musstc er die Belagerung I lms, die er mitten im Winter begonnen
hatte, im Januar 1247 auf getan. 11 Krank kehrte er nach Thüringen zurück
und starb bereit« am 16. (17.) Februar 124/ „an einem Bluttlusoe'4 (tazw.^der
roten Ruhr), noch rechtzeitig, um schwerer Demütigung zu entgehen. Über
seinen Tod stellt Funkhänel, ZThG Iii, S. 21H-21S die Angaben der älteren
Chronisten zusammen; «. auch Häutle, ebenda IV, S. 166 169. " Mit diesem
St. Julian* tage ist gemeint Julianut« mart. — 17. Februar
115. 1 Über den Thüringischen Erbfolgekrieg, 1247— 1264, berichtet Stolle
sehr oberflächlich: erwähnt er 'doch weder den dritten Prätendenten Siegfried von
Anhalt, Sohn der Irmengard, Gemahlin Heinrichs von Anhalt, welche eine jüngere
Tochter .Landgraf Hermanns I. von Thüringen war, noch den Vertrag v. J. 12ÖO,
u. a. Über den ganzen Krieg und was mit ihm zusammenhängt, s. Rommel,
(Jeschichte von Hessen, Bd. I u. II, 182011'.. Tittmann, Geschichte Heinrichs de«
Erlauchten, 2 Bde., 1*45 46; brauchbar is! noch Wegele, Friedrich der Freidige,
Markgraf von Meissen, Landgnif von Thüringen, und die Wettiner seiner Zeit,
1870, S. 6-40 u. 41-60, auch BF S. 24. aber vornehmlich Theodor Ilgen und Rudolf
Vogel, Kritische Bearbeitung und Darstellung der Geschiehte des thüring.-hess. Erb-
folgekrieges, 1884 (Zeitschrift f. he*». Geschichte, N. F. Bd. X, S. 101- 3*0). S. auch
den Vortrag v. Stamford, Drei Fürstinnen von Hessen. Mitt. d. Vereins für lies*.
Geschichte u. Altertumskunde, 1884, dort s. über Sophie von Brabant S. VI— XVI.
K.StoU«MemorUl«. 11
Digitized by LiOOQlC
162
Ii:.. Stück.
nicsscho rieh ledig - was, do enstunt in doringen unnd hossen gar vele
ubels, wann eyn iglicher wolde des andern lierre sin, unnd dy edeln
unnd mechtigesten erweiten on cvgene berge, wu sy wolden, unnd
buweten borge dar uft. üye erbar luthe an der werra, dy worften sich
zu sanicn unnd buweten brandonfelss,3 item dy erbar luthe von esohen-
wege buweten dy krig borgk 1 under deine holdersteine, item dy von
stogkhusen, dy buweten dy littenborgk5 poben vispach; dy von wangheyni
buweten den kaleubergk," dy von tulstete, dy buweten steynforst,7 dy
Roth« 4'jo von franekenstevn buweten waldenberg 8 etev' In dorne selbigen jare
belag der marggrafe zu missen erftbrte unnd gewan wissensee. Item
? Zwar licrrBchte Kaiser Friedrich II. noch, aber nach der Auffassung der
päpstlichen Partei war er seit der Lvoner Absetzung i. J. 124"» nicht mehr Kaiser,
daher erfolgte die Wahl Heinrich Raspes und nach dessen Tode die Wilhelms
von Holland und dann Richards von Cormvallis; thatsächlieh hatte ja freilich
für das unglückliche Deutschland damals schon die ,. kaiserlose , die schreckliche
Zeit" begonnen, und daraus erklären sich für Thüringen, in welchem nach 1247
auch keine unbestrittene Landes fürstcngewalt vorhanden war. die anarchischen
Zustände, welche der Chronist in Thüringen und Hessen schildert. Ks waren
besonders die Ministerialen, auch einzelne Ritter, welche sich jene gesetzlosen
Zustände zu nutze machten, teils um sich von der Fürstcnmaeht unabhängig zu
macheu oder, ihren niedrigeren Instinkten folgend, frei rauben und plündern
zu können, teils, aber diese in geringerer Zahl , in edlerer Absicht, um in ge-
botener Selbstverteidigung sich und ihr Eigentum vor den räuberischen Gelüsten
anderer zu sichern. Über einzelne dieser Adelsgeschlechter s. W. Kein, 1 >ie er-
loschenen Adelsgcschleehter des Eisenacher Landes (ZThG Bd. IV, S. 185 ff.), hier
von deu Herren von Treffurt, Salza und Frankenstein. 3 Die Anlegung dieser
Kurgen erwähut nur die Reinhartsbrunner Tradition (s. CVon. Keinh., MGH, Scr.
XXX, 1 pag. 619;, die Cron. S. IVtri m od. (ebenda pag. 896) sagt nur: „plurima
bella et dira werrarum tnrbacio in Thuringia et Hassia exorta est et in aliis
Knibus eins pro habend« possessionibus eiusdem." Branden fei* , jetzt Ruine im
ehemaligen Kurhessen, Niederhessen , südöstlich von Sontra (Amt Sontra), nahe
der Werra. 4 Der Heldrastein liegt bei der preußischen Stadt Treffurt a. d.
Werra; mit der Burg ist wohl gemeint die .,Krahburg" bei den Dörfern Ram-
bach und Weissenborn. Stockhausen ist ein Dorf im Grossherzogtum Sachsen,
an der Nesse nordöstlich von Eisenach gelegen, hingegen Fisch bach, oberhalb
dessen die Littenburg angelegt wurde, ebenfalls Dorf im Grossherzogtum Sachsen,
liegt südöstlich von Eisenach, an der Strasse von Gotha nach Eiseuach. '; Uber
die Wangen heim s.o. St. 27 A. 2 u. 4. Der Kahlenberg ist ein Berg unweit de«*
llörselbergt s. Über ihn und die folgenden Burgen s. , Verzeichnis aller alten
Berg- und Rnubschlösser u. s. w. in Südobersaehsen, 1SU2, ' auf dessen Karte jene
Rauhschlösser verzeichnet sind (Exemplar auf dem Stadtarchiv in Erfurt).
: Döllstädt ist gothaisch, Amt Ton na, nicht weit von Langensalza; «.Verzeichnis
S. 49: ..Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens" X, S. 209: „Burg Steinfurt (Stein-
frost, Steinberg) um 124S von den Herren von Salza zum Schutze ihrer TJuter-
t hauen im thüringischen Erbfoigestreite erbaut." s Holder-Egger, Cron. Reinh.
1.1. pag. 649 A.6 sagt zwar: .,quod Castrum in monte Frankensteyu prope Kloster
Allendorf ad rluviuin Werra situin erat," aber da er n. u. M. in der folgenden A.7
unweit Krotterode am Inselberg, setzt, so glauben wir euer, dass die Erbauer
der Wallenburg das auf der nahen Burg Stayn (jetzt das bekannte hcrzogl.
meiningische Lustscbloss Altenstein bei Liebenstein) damals sesshafte Dynasten-
geschleclit der Frankensteiner gewesen sind ; s. auch Verzeichnis d. Raubsclüösser
S. .V>. '•' Rothe St. 488 u. 489 redet noch von Kaubzügen und der Erbauung
noch anderer Burgen, die er auch nicht alle nennen will; auch die Cron. Reinh.
1. 1. pag. 649 nennt noch andere Burgen : so erklärt sich das etc. Stolles.
Digitized by Google
115. Stück. 163
etliche erbir luthe uss dissen czwen landen doringen unnd hessen, dy
woldon haben vor einen hern des niargraten son zu missen, der lant-
grafen lodewigs unnd koning heinrichs, der nuwelieh vor scheiden was,
swester son was.10 Etliche uss den beiden landen wolden ess halden
mit deme jungen herczogen uss braband, der lantgrafen lodewigs unnd
sente elsebeten tochter son was. Also quam sin muter, dy herczogin
von braband, in hessen unnd nam do vele sloss in unnd quam euch
dar noch ubir etliche czid in doringon unnd brachte oren son heinrich
mit or unnd machte on zu einem lantgrafen zu hessen, unnd man
nante on das kind von hessen, unnd liss or dor an nicht gnugen; sy
hisch11 das land | zu doringen margraffe heinriche zu missen an,11 7»
wann her ouch vele slosss in doringen in genomen hatte. Do wart r<>u>4'.h
margrafe heinriche uss missen von synen hern unnd frunden gerathen,12
her solde das land zu doringen inne behalde, biss also lange, das ess
ome mit deme «werte an gewonnen worde adder sust mit rechte. Dar Rothes
noch, als man schreib nach cristus geburt tusent CC LVIT1 jar, unnd 12*8
disse czweytracht nach werte czwusschen margrafen heinriche zu missen
unnd der herczogin von braband, unnd vele ubols ge schach uss hessen
in doringon, unnd dö dy herczogin von braband erkante, das sy deu
doringen unnd missenern zu swach wero, dar um nie so quam sy an
herczogen albreehten von brunswig1 * gar eynen meulichon fursten
unnd gap oren son, das kint von hessen, siner tochter unnd das land
zu hessen do mete, unnd was rechtes sy mit syner hulffe zu doringen
er Kobern u mochte. Also nam der herczoge von brunswig hessen land
in formundeschaift in unnd thed dar uss dem lande zu doringen
grossen schaden. Also hatte der margrel'e heinrich uss missen wart-
perg inne, unnd herczoge albrecht von brunswig hatte isenache inne,
unnd or eyn thed deme andern grossen vor driss, das ich hir nicht
alles ge sehreben habe.
10 Jutta, Tochter des Landgrafen Hcrmunns I. von Thüringen, war vermählt
mit Markgraf Dietrich dein Itedrangtcn von Meisen; dieser starb 1221; beider
&>hn war aber Heinrich der Erlauchte, Markgraf von Meissen; er belagerte
Erfurt und nahm Wcisnensee ein, *. Cum. S. l'etn Kit', mod. 1. 1. nag. 3!>7. Cron.
Keinh. 1. 1. pag. til 5» , Ann. Erphesford. fratr. praed. 1. I. pag. 103. " Kirchen,
mit unorgan. Anlaut heischen, ..fordern," hat die Persou , von der man etwas
fordert, im l>ativ hei sich, ebenso auheisehen - „fordern." 17 Nach der bist.
Kceard. rieten »ie ihm so dringend ab, das« sie sagten: ,,Herr Fürst, wenn Ihr
einen Fuss im Himmel hättet, so müsstetlhr ihn heraus/.ieheu zum anderen, und
Thüringen behalten." Ein charakteristisches t-Himmungsbild ! "Es war der
Sohn Herzog Ottos von liraunschweig, Knkelsohn Heinrichs des Löwen. " Er-
kobern = erobern, alte md Dialektform, die sich mehrfach in Urkunden findet,
z.H. ITE II, lölJ7, S 133 ZI. «J: „erkoberne." Die Handwlirilt e hat diu Wort
nicht mehr verstanden und liest : „erkiesen."
11 *
Digitized by Google
164
116. Stuck.
110. Wy der herczoge von brunswigk unnd der
Rothe 504 margrafen von missen gestreten haben.
1263 Also man czalte nach cristus geburt tusent CCLXIII jar, also nu
herczoge albrecht von brunswig grosssen schaden gethon hatte in
dori ngen mit den Sachsen unnd hessen unnd euch vele sloss gewonnen
hatte unnd des keinen redelichen wedirstant enezub, do wart her also
v mutig, das her mit synem here czoch in das | oster Iand unnd in
missen, unnd also her under wegen dy czweno stiffte nuenburg unnd
merseburg sere beschedigit hatte, umme des willen, das sy by stunden
margrafen heinrichen, in des lande sy danne gelegen weren. Das vor
nnm er rudolff von vargela, der erbschencke des laudes zu dori ngen,
eyn stritbar ritter. unnd sammete zu ome in doringen hundert guthe
ritter unnd knechte mit helmen unnd wolde margrafen heinriche zu
hulffe komen unnd quam also vor borgen in dy stad liptez; do fand
her nymant do heime, wann margrafle heinrich was in behemen ge
ezogen nach hulfl'e unnd redunge. Do ging disscr rudolff von vargela
zu margrafen heinrichs sonen, genant albrechte unnd ditteriche, dy
nach jung warn unnd strafte sy dar umme, das sy nicht herezogen
albrechten von brunswig werten. Do sprechen sy, or vater were nsse
nach volke, nach (lerne beyten1 sy. Do sprach der edele schencke von
vargela: Ich habe uch bracht hundert uss er lesen manne met helmen
nss doringen vor borgen in der nacht; nu weiss herczoge albrecht von
brunswig wol, das uwer vater usse ess, unnd vor sehit sich unser
nicht. Nu besam ment uwere mansehaiit alle umme her, das dy in
der nacht zu uch komen, wir wollen unse glucke mit on vorsuchen.
Des andern tages fru, do quomen disse selbigen an herezogen albrechten
von brunswig by einem dorff'o geheisen viclin - by dorne wasser der
elster unnd streten mit ome, er dy sonne uff ging biss an den mittag.
I 'und der herczoge von brunswig wart do sere wunt. unnd nomen on
gefangen, unnd mit ome der grate von anehalt,11 der grafe von czwirn,4
7i» oVi- grafe von ebirsteyir' unnd andere I edele hern, czwelffe, dy alle
gewundet unnd gefangen worden. Also das her von der uss erweiten
ritrerschafft gefangen hatte funffhundert unnd sechezig man, unnd
nomen grosssen schaden an guthen pferden unnd harnassche, unnd
itotho r,05 m usten sich mit vele geldes losse. Hund in des also der herczoge von
brunswig unnd sine manschafft gefangen was, do teydingito man
umme richtunge unnd sine losunge. Also wart do eine gutliche ganeze
richtunge czwisschen margrafen heinriche von missen unnd frawen
116. ' Reiten — „warten" wird sonst mit dein Genetiv konstruiert, hier mit
„nach" und dem Dativ. 7 Die Entscheidungsschlacht bei Wettin a. d. Saale,
eigentlich in einem Tlinle westlich von Wettin, in «1er Nähe den Dorfes Hesen-
städt. wurde am 27. Oktober 1263 geschlagen. :l Graf Heinrich von Anhalt,
Herzog Albrechts von Hraunselnveig Schwager. 4 Graf Oünzel von Schwerin.
Gral Johann von Everstein an der Weser.
Digitized by LjOOQIc
117. ud<1 118. Stück.
16;»
Sophien, der herczoßinne von braband, unnd das kint von Hessen. Also
das herczoge albrecht von brunswig solde zu sehatrzunge geben achte
stete6 unnd sloss: eschenwege, aldendorff, wittczenhusen, forstensteyn
unnd andere viere, unnd dar zu achte tusent margk silbors. Unnd dar
zu rauste frawe sophie, dy herczoginne von brabant, unnd das kint
von hesseu, or son, vor Sachen7 unnd sich vor czehen* alles rechten,
das sy hatten unnd gehabe mochten am lande zu doringen, sy unnd
alle or erben ewiglichen. Also wart disser krig bericht.
117. Von einem grossen füre1 zu erffort. lum.«»
Als man czalte nach cristus geburt tusent CO unnd XLVI jar an 124«
deme ersten tage des broch inonden, do orhub sich eyn gross für zu
erffort in der mitternacht unnd werete zu mittentage, unnd wart also
gross für, das dy alden luthe sprechen, sy betten alle oro lebetage ny
grossei für ge sehen. — Item in der selbigen nacht was ouch eyn
gross für ge west in der stad meydeburg, unnd euch an mehe enden.
118. Wy das heiige saerament funden wart zu erffort
Als mau schreib nach cristus geburt tusent CC unnd XLYI11 jar, 1248
do wart das heilige saerament | gestollen zu erffort in sente mertins r
kerchen in deme brule1, unnd das in eines thumhern5 hoff an sente
0 Dir Namen der 8 Städte, welch» nebst 8000 Mark Silber (— 320000 Reichs-
mark' als Iiösegeld vom Herzog Albrecht ausgeliefert werden mussten, werden
verschieden angegeben (s. Rommel, Hess.Ciesch.lI, 8.22 d. Anm.i; Pollack, Die
Landgrafen von Thüringen, 8. 22 K nennt: Eschwege, Bielstein. Allendorf, Fursteu-
Htein, Witzenhausen, Ziegeubcrg. Wanfried und kontra. Die Hauptsache aber
ist dem Chronisten verborgen geblieben: diese 8 Städte lagen im oder in der
Nähe des Werrathales, una sie hatte Alhrecht von Braunsehweig durch Gewalt
oder sonstwie früher in Besitz genommen, jetzt trat er sie an Heinrieh von
Meissen ab. dieser aber gab sie an Sophien« Sohn, Landgraf Heinrieh, da* .,Kind
von Hessen," worauf dieser auf alle seine Ansprüche auf Thüringen und die
Landgrafsehaft im alten Sinne verzichtete. So kam der Friede v. J. 1264 zu-
stande. -- Rothe schreibt bezüglich der Summe des Lösegeldes falsch: ,,18 000
mnrgk silbirs," s. Quelle, die hist Eccardiana, hat 8000, wie auch Stolle, selbst-
ständig dieser folgend, schreibt, 7 Mhd verRachen ----- md vorsachen, swv., be-
deutet mit dem Genetiv „entsagen." s Mhd verzihen md vorezehen, stv.,
ist hier auch reflexiv mit dem Genetiv gebraucht, - „aufgeben."
117. 1 Die „Erfturthische Feuerchronika" von Seebach, 1736, erwähnt 8. 3
dieses Feuer am 22. Mai 1216.
118. 1 Falsch; es war die Kirche St Martini intra oder am Sonneubergei
s. v. Tettau, Beiträge zu einer vergl. To|>ographie von Erfurt, MOE XII, S. 111 f-
(ieuau wird die gauze Geschichte von Falckenstein , civit. Erlortcnsis hist. crit.,
1739, S. 89 f, für «b\s Jahr 1249 erzählt, s.a. BE S. 83 f. - Stolle folgt bier der
Peterschronik, wahrend die Erfurter Annalen von einer „piscina," Falckenstein
von einer „Pfütze" spricht.
Digitized by LaOOQle
166 HD. bis 121. Stück.
Kn"',oii Peters borge geschuth wart, unnd do man do das heilige sacrament
1'r.itr. pracd. fluiden hatte, do bewarte man das mit allem flissse vier monden lang,
pig.'i'.ü. In des so quam der bisschoff zu mentcz keyn erflbrte, unnd do sammete
b'™ y' s*c'1 a^e Pfoffh^ *n erffort unnd gingen vor den hoff, do das heilige
m.Hi.rM<iii, sacrament inne vor borgen was, unnd holten das mit allen eren von
Scr-X^' 1 lobe sanire, unnd brochten das in unser lieben frowen kerchen do selbest
zu eiffort, unnd der bissehoff von mentcz, cristianus3 genant, der was
ouch gegenwertig.
119. Von der wyuiige unser liehen frowen kirclien
zu erfforte.
125:1 Als man schreib nach cristus geburt tusent CG unnd LII1 jar, do
ifrllboJd. War^ gewiget unser Heben frowen kercho zu erffort von deme bisschofe
fmtr.prwHi. von nuenburg unnd ouch dry anderen bisscliofen an deme nochtage
cSn!«.' saneti francisci.1
Petri Krf.
mod. p.31'8.
Rothe .-,»6 120. Von eyneui grosssen un^eweterde in doringen.
1261 Als man schreib nach cristus geburt tusent CCLXI jar an sente
johans abende des toufers, als der tag an brach, do quam das aller
groste gewetterde von donner, blixen unnd regen by dorne dorfie, ge-
nant apolde, unnd do umme her in andern dorflern an der sal unnd
ouch zu johene, also das do tod bieben wassers halben fünf unnd
drissig menschen, manne unnd wibe unnd kindere; unnd das wasser
fürte ouch vele husere unnd das fehe en wegk.
121. Ein czogk zu deme heilgen grabe.
1266 Als man schreib nach cristus goburt tusent CCLXVI jar,1 do erhub
sich eyn gemeine cogk zu deme heiligen grabe. Do czoch der koning
' Christian II. von Boland , zum Erzhischof gewählt am 29. Juni 1249. ab-
gesetzt vor (h in August 1251, starb am 21. November 1251. — Die Auffindung
geschah am 14. Januar 1250.
119. 1 Am 5. Oktober 1253, s. Heinrieh Beyer und Rudolf Böekncr, Kurze
Geschichte der Stiftskirche Beatae Mariae Virginis zu Erfurt. MGE VI, 1K73.
l-\ 125—222, und zwar hier S. 130. Der weihende Rischof war Dietrich von
Naumburg, die drei anderen Bichöfe bezeichnet Beyer a.a.O. als Bischöfe „in
nartibus" (utfidcüum).
121. 1 Die Quellen geben 12G7, ebenso wie unten für 12G9 das richtige
1l'70. — Es werden hier die zwei Kreuzzüge Ludwigs IX., des Heiligen, Königs
von Frankreich, vermischt. Der erste Zug begann 1248; von den genannten
Teilnehmern ist nur Karl von Anjou, der aber erst 12f>5 König von Neapel und
Öicilien wurde, nachweisbar; wer der Bruder des Königs von Frankreich ist, ob
Graf Alfons von Poitiers oder Graf Robert von Flandern, bleibt trogewias; der
Digitized by LjOOQIc
122. Stück. 167 Croo. s.
Petrl Erf.
ludewieus von franckrich, der koning von engel land, der koning von t>a«.'4U3.'
arragon, der koning von beyern, I der koning von sicilien, der grafe,^.npRS
der eyn bruder was des koniges von frangrich, unnd dos koniges sone 80
von frangrich, unnd der erczbisschoff von rotbomagen in frangrich,
unnd vele andere grafen, rittere, edel luthe, bürgere unnd vele andere JbMein w_
strithaftrige manne, vele tusent. — Item als man schreib tusent CC LXIX ^LS;626,
jar, do was ouch eyn czog zu deme heiigen grabe. Do czoch der
koning von arragon, der koning von beyern, der koning von engellant
mit orer manschattt, nomen das cruce an sich unnd czogen über mehir
zu hulfle deme heiigen grabe. Der koning von franckrich czoch ouch
methe, abir sy konden koins nicht ge ende. — Item in deme selbigen
jare czogen uss frisslant2 by XL tusent man, dy hatten ore eygen
schiffe unnd czogen ouch lien zu fechten wcdder dy heyden.
1*22. Hy quam seilte steffans ge heine keyn rome.
Als mau schreib nach cristus geburt funfl' hundert jar unnd LVJII, &»8
do quam das gebeyne sente steffans1 von Jerusalem keyn roma unnd
wart do gelegit by sante laurencium in eyn grap, do sy noch b.v
eynander ligen.
Erzbischof von Rothomagen (Rothomagensis) , d. h. von Rouen , ist nicht mit-
gezogen, wohl aber der Erzbischof Johann I. de Oomteuny von Rheims, der auf
dein Zuge starb. Bei dem 2. Zuge , 1270. versprachen wenigstens die Söhne des
englischen Könijrs Heinrieb III., Eduard und Edmund, die Teilnahme (s. A. 2);
es neteiligten .sich Gaston, der Vizgraf von Bearn, den Stolle irrtümlich zweimal
König von Bayern nennt und mit Theobald II. (Thibaut), seit 1253 König von
Navarra, verwechselt. Der Könip Jacob I. von Aragonien hatte bereits 1266
da« Kreuz genommen, war 1269 abgesegelt, aber nach einem Sturme umgekehrt
und hatte nur wenige Scbiffe nach Palästina gesandt. Teilnehmer und Veran-
lasser des Zuges nach Tunis (aus politischen Gründen!) war Karl von Anjou,
der König von Neapel und Sicilien; von den Söhnen König Ludwig!* IX. nahmen
Philipp, Johann (starb während des Kreuzzuges) und Peter teil; im besondern
ist hier Philipp gemeint, welcher während des Kreuzzuges, nach dem am
25. August 1270 erfolgten Tode König Ludwigs, zum Thron gelangte uud als
Philipp III. der Kühne (1270-1285} bekannt ist; unter dem Bruder des Königs
ist Graf Robert von Artois zu verstehen. ! Der englische Köuigssohu Eduard,
welcher erst nach dem Friedensschlüsse von Tunis (Oktober 1270) beim Kreuz-
heere eingetroffen war, jene Abmachungen aber nicht anerkennen wollte, setzte
den Zug nach Palästina fort; ihm schlössen sich ,,*>00 rüstige Pilger aus Fries-
land an, welche gleichfalls den feigen Re«ehluss von Trapani verworfen" (Weber,
Weltgeschichte VII, S. 461).
122. 1 Die Reliquien des heiligen Stephan wurden unter der Regierung des
Kaisers Honorius (395—423). gegen das Jahr 415, in der Nähe von Jerusalem
aufgefunden, später nach Constantinopel und dann mich Rom unter Papst Pela-
gius I. (555—560) gebracht, wo sie in der Patrianhalkirche von San Lorenzo
(jetzt San Lorenzo fuori le mura) an der Seite des heiligen Laurentius in dem-
selben Grabe beigesetzt wurden , s. Sampson , Die Heiligen als Kirchoupatrone,
1892, S. 365 ff.
Uigitizecl by
108
WS. bis 125. Stück.
Roth« ^05 Hy warf (]as ]an| zu doringen geteilt.
1365 Als man schreib nach cristus geburt tusent CO LXV jar, do teilte
sich margrafe heinrich von missen mit sinen sonen, dy do zu oren
jaren komeu warn, also das her ome behild das land zu missen, unnd
sinie* sone ditterich gapbl her in1 das osterland unnd die margrafe-
sehafl't zu landessberg, unnd sime sone albrechte gap her in1 das land
zu doringen.
124. Wy der lantgrafe al brecht zu doringen
Rou.c 5i7 gefriget liad.
* Albrecht, lantgrafe in doringen, marggrafen | heinrichs sou zu
missen, der nam zu der e margareten , 1 des keysers tochter, der do
genant was trederich, unnd by der gewan her czweue sone,2 frede-
1*26« liehen unnd ditterichen. Item in deme andern jare dar noch, do czoeh
her kein prusssen wodder dy heyden unnd wart ritter.
125. Wy lantgrafe albrecht Im» stalte sin elieh wip
itotha5i» zu toten um nie eyner ander frowen willen.
126» Nach cristus geburt tusent CCT.XIX jar, do vor handiltes1 dusser
lantgrafe alhrecht,2 marggrafen heinrichs son von missen, gar wider-
lichen,1 also das her mit sines wibes junefrowen eyne zu hilt, dy do
• « richtig *>, IIS: «ine. h HS: gar vorschrieben au* gnp. e: gab. 0 Fohlt lu der
US, aus o ergänzt.
123. ' „Iiigeben" mit Dativ bedeutet ,.i1bergehen , überweisen." Über die
Thatsachc s. Wegele, Friedrich der Freidigc, S. 56 iX.
124. 1 S. Wegele a.a.O. S. 50 ff., 59 f. Margarete war die Tochter Kaiser
Friedrichs II. und seiner 3. Gemahlin, Jsabdla von England; die Vermählung
fand spätestens 1255 statt. 'Vielmehr entsprossen dieser Ehe 3 Söhne Heinrich
(geh. c. 1250). Friedrich (geb. 1258» und Diezmann (geb. 12(10), und eine Tochter,
A.irnes, deren Geburtsjahr nicht festzustellen ist. Über den ältesten Sohn Heinrich,
der mit dem Jahre 1283 aus der Wottinschen Geschichte verschwindet, s. Wegele
a.a.O. 8.88«.; Colm. Grünhagen, Der Landgraf ohne Land , ZThG IV, 8.159
bis 166.
125. 1 „Verhandeln" = „schlecht handeln, sich vergehen." Unverständlich
ist dns folgende „winderliehen'* (das auch hs o hat). l>a weder Stolles unmittelbare
Quelle, Kothe, noch dessen Quelle (bist. Eecard.1, noch die anderen Quellen (Cron.
8. l'etri, Cron. Kcinhartbr.) irgendwie einen Anhaltspunkt bieten, andererseits mir
ein tropischer Gebrauch von „winterlich" in der alten Sprudle nicht bekannt ist,
r;o bleibt nur noch übriy, zu conjicieren : widerlichen (nach lierthold v. Regen s-
burg, h. v. Franz l'feill'cr, 1802, I, 163, 03: widerlich — widerstentie), hier im
Sinne von „feindlich 7 Eine Charakteristik AI brecht* giebt Wegele a. a. 0.
S. Gl - 63 u. 06—67,««. a. UE S. 58 ff. Über Kunigunde v. Eisenberg s. u. St. 137 A. 2.
Die ganze Erzählung ist Sage, historisch ist nur die Trennung Margaretens von
lyinzeo uy
Google
125. Stück.
169
hiss kunna» von isenberg, unnd her hilt das gar heimelichen unnd
;vart siner frawen gantcz gram, unnd hette or gerne vor geben unnd
konde das nicht wol zu brengen. Hir umme quam her an oynen
esel triber, der do tegelichen holcz mit czwen eseln keyn wartperg in
dy kuchen treib, unnd gelobete ome gross unnd redite mit ome, .das
her des nachtes syrne wibe, der lantgrefen, den hals brechen solde, also
ap ess der tufel gethon hette; dy czit wart ome ge satczt. Derne
knechte wart leyde unnd gedockte: ab du wol arm bist, so kastu dock
frome eidern gehad; saltu nu mit dyner suren arbeit eyn schalk werden
unnd dine eygene herynne adder frowen. dy dir dicke gutlichen
gewest ist, tothen, unnd wann du das gethust, so lest dich din herro
dorch dy bosheit selber toten; tustu des abir nicht, so schicket her
dir einen andern zu, das dir doch der tod werde, wann her furcht, du
meldest on; louffestu abir en weg, so sendet her dir botschafft nach
unnd gebit dir duberige schult adder vorreterie unnd lesset | dich m
tothen , also werdest u libeloss unnd erloss. Unnd hatte also grosse
sorge unnd engeste »und nod uff ome. Czu let<lzt also dy czit quam, Rothe r.M
das her des nicht lenger konde adder torste vorhalde, do ging her in
der nacht über der lantgrefin bette, also ome dy kunna von isenberg
wege unnd stege vor gegeben hatte, unnd vil uff der lantgrefin bette
unnd sprach: gnadet mir des libes, gnedige frowe! Do antwerte sy:
eya, wer bistu? Do nante her sieh. Do sprach sy: was kastu danne
gethon? Do sprach her: ich en habe nicht gethon, ich sal noch thun-
Unnd sprach: frowe, rothet mir balde unnd ouch uch unnd gnadit
unser beider! Myn herre, der lantgraie, hat mich ge heisen, ich solle
uch tothen, unnd des en wil ich nicht thun; nu rothet, das wir beide
by deme leben bliben mögen! Do sprach sy: gohe gar balde nach
mynem hofemeister, der muss uns raten. Unnd der hofemeister quam
gar balde unnd rith, sy solde das leben friste unnd sich mache dar
von. Do gingk dy furstynne uff das gemolte3 huss by deme torme.
Do logen ore kindore in oren hotczen 1 ; dy geseinte sy unnd weinte
bermclich unnd beiss den einen son, genant tredorich, in sinen backen,
das ker sore blutte, unnd wolde den andern ouch gebissen habe, unnd
• HS: kunno, o: Kunna, wie »uch unten 81 (oben Z. Ii' des Textet) <l«r HS riebt.
Albrecht (wahrscheinlich wegen des Verhältnisses desselben zu Kunigunde von Eisen-
berg) und ihr Tod im August 1270 zu Frankfurt, wie es die Cron. S. Petri Erford.
niod. 1.1. pag. 405 augiebt: ..eodem anno (1270) inelita et veuerabilis Umringte
lantgravia Margareta, tijia Friderici imperatoris, feliciter obiit in Frankenvurth
s. Colmar Cirünhageu, Über die Sage von der Flucht der Landgrälin Margarete
und dem Biss in die Wange, ZThG III, S. 99-114; s. auch Wegele a. a. O. S. 68 ff.,
welcher noch die Flucht Margaretens in der Nacht zum 24. Juni 1270 festhält.
* Das Schlafzimmer, eine der Kemenaten, war in grossen Hurgen, wie der Saal
Walas), mit (ieniäldeu geschmin kt. Hier müssen wir ein Schlafzimmer der Herrin,
»las für sie und ihre Mägde auch als Arbeitszimmer diente, und ein solches für
die Kinder annehmen. * „Hotze," swf., - „Wiege," noch jetzt mundartlich im
Gebrauch s. M. Schnitze, Idiotikon d. nordthur. Mundart S. 38, und Hertel, Thüring.
Sprachschatz S. 123.
Digitized by LjOOQIc
170
125. Stück.
dos en woldo der hofemeister nicht staten. Do sprach sy: ich habe
mynen son dar umnie gebissen, das her an ditte loyd unnd myn
Rotiie 6si scheiden gedencken sal, wan her gross wirr. Unnd do gingk sy uff
das ritter huss5 unnd hatte by sich genomen or kleynod unnd or geld,
unnd der hofemeister halff or mit seylen unnd lilachen" zu einem
▼ fenster uss mit eyner juncfrowen j unnd eyner mayd, unnd mit deine
eseltriber. Also gingk sy dy nacht in grossem jammer und betrupnisso
von wartpergk biss keyn kreyenbergk. 7 Do danne liss sy der apt von
herssfelt geleite unnd fure keyn franckfort. Do en pfingen sy dy
borgere mit grosssen eren umme ores vator willen, der etwan ore* here
ge west was, unnd schickten8 or eine wonunge unnd hilden sy gar
erlichen; unnd ouch dy fursten all umme her frangfort, dy sy kanten
unnd an gehörten, dy schicketen or selb Vierde gnugk. Unnd in deme
andern jare° dar nach, do starp sy von grossem jammer unnd botrup-
nisse unnd senen unnd wart zu franckfort begraben. — Also zugeto
dusser lantgrafe albrecht eynen kebes son mit kunnen von isenbergk;
den hiss apetcz,10 den hild her sere lieb unnd begunde vor Ungnaden 11
Rotb« 5« svne rechten e sono, fredorichen unnd ditterichen. Unnd do dusse
jungen czwene, hern lantgrafen albrechts rechte e sone. uff gewuchsen,
do sy worden XVT unnd XVll jar alt, do worden sy an dencken12
umme dy missehendelunge, dy or vater gethan hatte orer muter durch
kunnen von isenbergs willen, syner kebesyn, unnd worden deme vater
wedder; unnd dar zu waren on behulffen etliche grafen unnd fryhen
im lande zu doringen. Etliche hilden ess ouch mit deme vater. Do
itothe.r>45 sprach der junge horre, genant frederich, her en konde noch en wolde
solches bisses, den ome syn muter gebissen hatte in synen backen in
ezeichen der muterliche liebe, also wenigk vergesse, also wenig ome
Rothe 545 dy narwe gantcz abo ginge. — Dor noch quam konigk rudolff, 13 eyn
romeschor koningk, in doringen. Do liss ome lantgrafe albrecht synen
8» kebess | son , genant apetcz, elichen14 unnd raeynte, er wolde on zu
eynem lantgrafen mache in doringen, unnd gedochte alleczit syue
rechten ersten elichen sone erloss unnd erbeloss zu machen. Unnd
do wolden dy erbarluthe unnd dy stete in doringen lantgrafen apetcz
RothoMo nicht huldeu. Do gab her ome teneberg in unnd das gerichte, das dar
Kothen zu gehöret, unnd sin wopen was eyn bunter lawe mit eynem helme
Rothe 5i5 ubir das houbit gestorczit. Unnd lantgrafe albrecht vorkouflfte dar
L Gemeint ist der palas, die Halle des Burgherrn. " „Lllahen" — Mn-
lahen, stn., ~ „Bennien." 7 Die Ruine der frfdier gewaltigen Burg Kraicn-
burg, damals ein Sitz der Frankensteiner (s. ob. St. 115 A.8), liegt 2 Stunden
von der pücIis. - meiningischen Stadt Salzungen an der Werra. 8 Schicken."
svw., — „anordnen, einrichten.'1 " Nach den Quellen geschah es noch in dem-
sellM'n Jahn*, im August 1270 (e. ob. Anm. 2). 10 Apitz, Kosename von Albrecht.
11 Mhd verungnaedigen = md vorungnaden, swv. , = „ungnädig behandeln."
'" „Andenke," A<ljektivum , — „an etwas (gen. )n gedenkend." u Die Worte
,. rudolff— doringen" sind von Stolle aus der Überschrift (St. 545) bei Rothe
herü hergenommen. " „Elichen d. h. zu einem „ehelichen machen," legiti-
mieren.
Digitized by LjOOQIc
126. Stück.
171
nach volo gutis, unnd das gelt wante her alles kunnen von iscnberg
zu unnd orein sone, wo her konde addir mochte, alles sinen elichen
sonen zu schaden unnd zu hasse.
126, Wy dy heyden eine stad vor terbeten, genant
brutena. Rothe ^
Als man czalte nach cristus geburt tusent CC LXX jar, do quomen 1270
dy heiden mit vier stormen vor eine stad, genant brutena in krichen.1
Do vorstorten sy dy stad, kerehen, alter unnd slugen tod XU] hern
von den dutczen hern unnd czweytusent unde anderthalb hundert
man unnd frowen, unden fungen der vele unnd fürten sy mit on in
or land unnd vorbranten do dy stad unnd vele castel unnd dorffero
unnd fürten das fehe mit sich en wegk.
Item in deme selbigen jare geschach es in deme lande zu francken, Rott» 527
das dy wolffe einen winter2 hatten erworget unnd fressen mehe dann
XXX menschen. Sy vor lissen das vihe unnd liffen zu den luthen uff
deme felde unnd ouch in den dorffen.
Item in deme selbigen jare der schedeliche vyend dor cristen luthe, Roti>© 515
genant der soldan von babylonie, der hat gestormet unnd gewunnen
dy kostlichen stad, genant erath,3 do dy cristen luthe einen zu llucht
hatten, unnd dy dutczen | hern addir dy von rodiss hatten gar eyn v
kostlichen wonungo unnd vesten in der selbigen stad. Das ist alles
nu vor lorn unnd zu brochen.
Item in deme selbigen jare, do starb4 der bobist clemens quartus. Rothe 524
unnd by drien jarn konden sy nicht eins weiden, einen andern bobist
zu machen. In deme viorden jare, do machten fsyj* einen andern bobist
zu viterbe, einen dutczen von ludigk.
» fcblt In US.
126. 1 Man sieht hier, das* Stolle ül>er Rothe hinaus dessen Quelle, die liist.
Eccard. 1.1. pag. 436, benutzt hat; dort steht: in Pruthenam (die Cron. S. Petri
Erford. mod. MOH, Scr. XXX.l pag. 406 liest: in Prusciam , mit anderen Les-
arten); daraus ist der obige arge Irrt um entstanden : es ist der blutige Aufstand der
Preussen gegen den deutschen Kitterorden 1261 und d. folgd. .fahren gemeint,
s. Joh. Voigt, (leschichte Preussens, II, S. 195fl*. Diese Zeitbestimmung setzt
Stolle hinzu, seine Quellen [Rothe, und über diesen hinaus die hist. Eccard. und
die Peterschrouik) haben sie nicht. ;1 Rothe und seine Quellen lesen: Krag, die
Peterschronik: Egra. Gemeint ist Akka (St. Jean d' Acre) oder Ptolemais, welches,
nachdem es von den Tempelherren (Stolle falsch : DeutechhcrretO und den
Johannitern tapfer verteidigt war, i. .1. 1291 in die Hände der Ungläubigen fiel;
damit wird gewöhnlich das Ende der Kreuzzüge bezeichnet. 4 Papst Clemens IV.
starb am 29. Noveml>er 1268, sein Nachfolger (iregor X. wurde erst am 1. Sept.
1271 in Vitei bo (Stadt in der Küstenlandschaft am Tvrrhenischen Meere, einst an
der Strasse von Rom nach Florenz) gewählt, Thedald 1 Theohaid) von Piaeenza,
Arehidiakön von Lüttich, aber kein Deutscher, wie Stolle irrtümlich sagt,
ein edler Italiener aus dem (ieschlechte der Visconti, der sieh zur Zeit seiner
Wahl auf einer Pilgerfahrt im heiligen Lande tafand, an der Seite des englischen
Königssohnes Eduard (s. ob. St. 121 A. 1 11. 2).
Uigitized by
172 127. bis 130. Stück.
»>ti» 6H 127. Eine grosse ture czid.
1271 Als man c/alte MCCLXXI jar, do was eyn grosse turc czid in
dutczen landen, also das vele menschen hungers storben.
Rothc53° 128. Von eime kinde.
1275 Als man czalte MCCLXXV jar, do wart ge born zu erffort eyn
^Antiq4' ^int, das hatte keine hende noch keine arme unnd nete mit sinen
variioquiu fussen. — Item 1 in dorne selben jare zu reynhardissborn wart geborn
iirr««' e*vn ^inti ^as natte czwey houbte.
Rothe &4i 129. Von deme banne1 zu erffort
1278 Als man czalte MC0LXXVI1I. wernerus, eyn bisschoff zu mentcz,
der leite den ban keyn erffort unnd gebot allen geistlichen unnd wert-
lichen pfaffen,2 das sy solden uss der stad czehen. Do czoch uss der
apt zu sente peter mit etlichen siner monebe, item der apt zu den
schotten, der probist zu den regelern mit etlichen regeren der kerchen,
prelaten unnd hern unser lieben frowen unnd ouch sente severi: aber
dy groste menge der monche unnd ouch wortliche prister, dy bieben in
der stad; unnd das stunt dry jar, do wart eyn gross frede czwisschen
dem bisschofle zu mentcz unnd der stad erffort
Rothe 648 180. Dy yoden.
1284 Als man czalte M° CO LXXX1V jar, do wart eyn kind zu mentcz
von den joden gar jemmerlichen gemartert.
128. 1 Den Zusatz macht Stolle aus der hist. Eccard. (Mencken, II. pag. 438),
aber verkehrt, denn dort steht: „eodem tempore Romae puer ex ancilla natu« est
quadruiies et quadrimanus, oculis quatuor, auribus quatuor (daher die czwey
houhtef), naturam virilem duplicem habena."
129. 'Rothe berichtet nach der bist. Eecard. von dem Interdikte über Erfurt
(1270 — 1282) weniger genau als der Erfurter Priester Stolle. Näheres in der
Cron. S. Petri Erf/mod. (MGH, Scr. XXX, 1 pag. 417 u. 418), Erphordianus Anti-
nuitntum Variloquus b. MSG II pag. 400, Engehius, ibidem pag. 563, Nicolai de
Hibera, carmen satiricum cd. Theob. Fischer, Geschichtsquellen der Prov. Sachsen :
Erfurter Denkmäler, 1870, Vers 327—423, dazu Glossen ebenda S. 125— 126 und
Excursheft ebenda iS. 153— 158. — Dazu Lambert, Die ältere Geschichte und Ver-
fassung der .Stadt Erfurt, 1868, S. 73, Urkunden pag. 136—139, genauer dieselben
bei TJK I, 1889, No. 304. 311. 313. 318, auch 306 u. 310, s. a. HEB. 62. » Das
sind die Weltgeistliehen, die Plebaui an den Kirchen, die sich ausser den 2 Stiftern
(Ii. Mariac virginis und S. Scvcri) und den Klöstern in Erfurt befanden, von denen
hier nur 3, das Peterskioster (dessen Abt Andreas fl., 1254— 1300] hiess, s. Böckner,
Petersklo*ter, MGE X, 1881, S. 47 f.;, das Schotten kloster und das Reglerkloster
(s. v. Mülverstedt, Hierographia Erfordenßis, MGE III, 1867, S. 152 f., 162 f., 163 f.)
erwähnt werden; von den 2 Stiftei n werden die Stiftsherren (Domherren) erwähnt.
Digitized by LjOOQIC
131. bis 133. Stück.
173
131. Vom donner, hayl,1 regen, j 8.
Als man czalte noch cristus geburt M°CCLXXX1V jar, do quam 1284
also eyn gross donner, hayl unnd regen, also das vele Volkes ertrang Cmn.s.
im lande zu doringen; unnd do ertrang ouch der pferner zu czimmern,- ff
unnd das wasser fürte Tele husere unnd gutis en weg. Solches wetters p« 418
gedochte keyn mensche mehe.
132. Von der kermesse seilte peters kerchen.
Als man czalte nach cristus geburt M"CCLXXXVT jar, do vorleite J2S«
der bisschoff zu mencz1 dy kermesse zu sant peter zu erffbrt uff den cro„. s.
neslen sontag nach ostern, wann sy für was uff dorne sontage vor ff
sento vitis tage. p«.W
133. Von einem fnre zu erf forte. Rothen
Als man czalte nach cristus geburt M°CCJ,XXXX jar1 in deine
XVI tage des aprilis umme mittag er hub sich eyn gross mechtig für
zu erffort in deme closter zu deme nuwen wercke, unnd brante wol
das dritte teil der stad uss, unnd brante uss der barfusen closter, sento
bartholomeus kerchen, dy regeler, dy wissen frowen, konft'mnn kerchen
biss en uss vor das krampfen thor also ferne, das es keyn gebuwede
mehir vor ome hatte biss an den graben.
131. ' „Hayl" oder „hail'' ist kontrahiert aus „Hagel." 1 Da die Peterschronik,
a.a.O. 8.418, „prope Eytirberg" hinzusetzt, so ist das Dorf Niederzimmern,
im Verwaltungsbezirk Weimar des Grossherzogtums Sachsen, am Ettersbergs bei
Weimar, der Geburtsort Stollea, gemeint.
132. 1 Erzbischof Heinrich II. von Isny [12SÖ— 1288); s. a. BE S. 63 ; nach der
Peterschronik geschah es i. J. 1287, und zwar lag das Fest am 16. Juui (Justinuet
Aureus mart.), nach Stolle am Sonntag vor dem 15. Juni (Tag des heiligen Veit).
Bald nach der Verlegung b*egabte am 2. Januar 1290 Erzbischof Gerhard II. von
Mainz (1289 — 1305), welcher seit dem 20. Dezember 1289 bei Kaiser Rudolf von
Habsburg in Erfurt weilte und im Peterekloster wohnte, das Fest der Kirchweihe
(dedicationis) mit einer 40 tägigen Tndulgenz beim Besuche der Peterekirche an
diesem Tage (Urkunde v. 2. Jan. 1290 abgedruckt bei Falckenstein, Thüringische
Chronik IL S. 1023). Die Peterskirmesse — s. a. A. Kirchoff, Erfurt im 13. Jahr-
hundert, 1870, S. 123 — wurde seitdem am Sonutag nach Ostern gefeiert, auch
nach der Zerstörung der Peterskirche durch das Bombardement der belagernden
Preussen am 6. November 1813, späterhin nur nls eine Art Jahrmarkt am Nach-
mittage des genannten Sonntags, der als solcher noch fortbesteht. Näheres
s. R. Böckner, Peterskloster zu Erfurt, MOE XI, S. 153 f.
133. 1 Nach Rothe 1289. Über die genannten Klöster (Neuwerkskloster,
BarfÜ9*erklo8ter. Regelerkloster, Weissfrnuenkloster) und Kirchen (Bartholomäus-
und Kaufmannskirche in Erfurt) s. v. Mülverstedt, Hierogr. Erford. 1.1. S. ltiOf.,
154 f., 153 f., 161 f. u. 172, u. BE S.81ff; näheres auch v. Tettau, Beiträge zu einer
vergleichenden Topographie und Statistik von Erfurt, MOE XII, i. d. Abschnitte,
Kirchliche Gebäude S. 100 ff. ; über das Krämpferthor ebenda S. 52, s.a. BES. 92 f.
Übrigens setzt Seebach, Die „Erffurthisebe Feuerchronika." 1730, S. 3 dieses
Feuer am 1. April 1290 au.
Digitized by Google
174 134. bis 1.%. Stfick.
Kot he 6:M 134. Item eyn fur.
1292 Als man czalte nach cristus gebnrt M CC" LXXXX11, 1 do braute
das closter zu rcinhardissborn reine uss.
135. Item eyn für zu erffort
Croii. 8.
Potri Erf.
UichI. 1. 1.
pig. 430.
1290 Als man czalte noch cristus geburt M° CC° LXXXXVI jar, an der nesten
nacht noch aller ezwolftboten tage;1 do was eyn gross für zu erffort
ibidem uff u0mo juben niarte,2 unnd dy permer gassen* brante reine uss. —
P**ri»7 In deine andern jare dar noch in deine merczeu, do er hub sich eyn
v fur zu erffort an sente peters | berge unnd brante biss an sente len-
harts kerchen/ dy er werte' man kume, also gross wint was do. unnd
brante er nedder undor dye schildern unnd tlied grossen schaden.
Roth» ;«s 13(>. Hy totten dy yoden eyn kint zu wissensee.
i:»tt Als man schreib nach cristus geburt tusent CCC" III jar, dy joden
zu wissen see begreifen eines fleischouwes kint1 unnd marterten das
gar bermeclichen. Dor noch hingen sy das selbige kint an sinen eigen
goitcl in eine hotten2 in einem win gorten do selbest by der stad
wissensee. Das toten sy dar umme, das man solde dencke, es hotte
sich selben gehenget, unnd das wart funden über dry tage do hangen;
holte man das kint mit grossen eren unnd jammer der eidern unnd
Cron. S
uo
petri Erf. ander luthe in dy stad wissensee. Do ge schon vele grosse czeichen,
mod. 1. 1. J n
pag. 435.
1 Rothe erzählt es für das Jahr 1290, und auch dass das Kloster aus
Rache von Ludwig von Hesseburg angezündet sei.
135. 1 Zwölfboientag, auch „ZwölflT Herrentag" genannt, riivisio apostolorum,
15. Juli, s. St. 101 A. 3. S. Seebaeh, „Erftürthische Fcucrchroniku," 1736, S. 4.
* Rübenmarkt ( forum rapularuni) hiess eine breite Strasse, die von der heutigen Markt-
strasse bis zur Grossen Ackerhofsgasse führte; die westliche Häuserreihe derselben
wurde 1813 beim Pombardement zerstört und nicht wieder aufgebaut, sondern zum
Friedrich -XY'ilhelmsplatz gezogen, s. v. Tettau. Topographie, S. (ü. 3 Es ist die
beutige „Pergamentergasse" am Fried rieh -Wilhehnsplatz geineint. 4 Die St.
Leonliard.sk irehe lag auf dem Petersl)erge, auf dem der Stadt zugekehrten Rande,
s. v. Tettau, Topographie, S. 110, PE S. 78. Über dieses Feuer s. Seebach,
„Erffuri Irisehe Feuerehrorrika," 1730, S. 4. '' „Erwern"==,,verteidigen, beschützen."
Unter den Schilderern" hiess (s. v. Tettau, Topographie, S. 62) „eine Gasse,
die parallel mit der Fingerlingsgasse von den Heischbänkeu bis zum Rüben -
markte, der Pergamentergasse gegenüber, ging."
136. ' Der Knabe hiess Konrad Bacherer, s. v. Hagke, Urkuudl. Nachrichten
über die Städte des Kreises Weisscnsee, 1867, S. 13 f. u. 43. S. über den
Knabenmord Cron. S. Petri Erf. mod. ed. Holder- Egger, MGH . Scr. XXX, 1
pag. 43."> ; Erphordianus Antiquitatuni Variloq. b. MSG II, pag. 498 -, Olearius rer.
Thuring. syntagma II. pag. 2 59 f. * „Hotte" steht dialektisch für „hütte."
lyiiizeo uy
Google
137. Stück.
175
dy got dorch das kint werketo. Dor noch zu hant begreift" man alle
dy joden, dy in wissensee worn, unnd tlied sy von oroiu leben; etliche
floen kein erfl'ort; dorch ore grosse gobe worden sy da vortcydingct.
137. Wy tantgrafe al brecht das laut zu doringen
sincii eliehen kindcrn entwende wolde uiind vor
kouffte das unnd wart gancz vor terbet. Rotbe^i
Also man schreib nach cristus gebort tusent tCLXXXXlY jar, also
nu koning rudolft" gestorben was1, unnd lantgrafe albrecht zu doringen
gerne hette* das land zu doringen an synen kebes son apetcz unnd an
137. 1 Uudolf von Habsburg starb schon am 15. Juli 1291 ; über ihn u. Erfurt
s. BE S. 6:i— »38. Über »ein Verhältnis zu den Wettineru <. u.a. Wegele, Friedrich
der Freidigc, S. 7S 11'. u. 106 tl* ' Kunigunde von Eisenberg entstammte einein rittcr-
bürtigen dienstmännisehcii Geschleehte, „das ohne Zweifel zu den Burgmannen der
landgräfliehen Burg zu Eisenberg (jetzt Herzogtum Sachsen-Altenburg) gehörte."
Bald nach dem Tode Heiner ebenbürtigen Gemahlin Margarete (f im August . 1270)
vermählte »ich Landgraf Albreeht mit ihr; dass König Kudolf vou Habsburg sie
ihm zur Ehe gegeben habe, d. h. die Ehe legitimiert liabe (nach bist. Eecard. 1. 1.
pag. 443 that es Landgraf Albrecht selbst), ist nur ein Rückschlags von der Legiti-
mierung des jungen A|utz. — in der letzten Woche de« Oktobers l'JHl starb Kunigunde,
von welcher Wegele a. a. O. S. 99 sagt: „es verdient hervorgehoben zu werden, das«
in der ganzen Zeit, seit sie die Kaisertochter von der Wartburg verdrängt hatte,
... in den Urkunden ... nirgend eine Spur von ihr zu entdecken ist. Offenbar
hat sie es vorgezogeu, sich klug im Hintergründe zu halten." — Die Legiti-
mierung von Apilz erfolgte während des Aufenthaltes König Rudolfs in Erfurt
(vom 14. Dezember 12-S9 bis zum 1. November 1290 ), und zwar (s. Cron. S. Petri
Erf. mod. 1.1. pag. 422) wahrscheinlich bei dem prunkvollen Feste, das Landgraf
Albrecht in der Pfiugstwoche 1290 auf dem Petersberge gab, und das König
Rudolf mit seiner Gegenwart beehrte; seitdem „erscheint Apitz als Prinz des
landgräflichen Hauses und seinen Brüdern ebenbürtig" (s. Wegele, Friedrich der
Freiüige, S. 134 u. A. 2). Diesen Sohn Apitz suchte nun Landgraf Albrecht auf
Kostej) .seiner legitimen Kinder zu l>egünstigen ; dieses erzählt der Chronist, ohne
zu wissen, was sich sonst iu der Geschichte der Wettiner ereignet hat, s. u.a.
Wegele a.a.O. S. 99 ff. ; näheres zu erwähnen, liegt uns daher auch hier fern,
namentlich sehen wir davon ab, aut die nach neueren Forschungen dargestellte
Geschichte der Wettiner einzugehen. Für uns ist nur wichtig, dass Pfalzgraf
Friedrich seinen Vater, Landgraf Albrecht, zum Vertrag von Eisenach vom
5. August 1290 (s. Wilke, Ticemannus Diplomat, pag. 93 N<». 70 — nach Wegele
a.a.O. S. 135) zwang, in welchem er versprach, nicht« wider den Willen seiner
2 älteren Söhne, Friedrich und Diezmann, zu verkaufen, zu verpfänden, zu ver-
leihen und wegzugel»en; seinen Besitz lieferte erden Vermittlern des Vertrages
aus (Grafen Günther von Schwarzburg, Hermann vou Myla, Günther von Schlot-
heim, Heinemnnn von Haiu), welche, falls der Vertrag von dem Landgrafen
gebrochen würde, diesen Besitz an seine Söhne ausliefern sollten. Hingegen
erhielt Apitz die Herrschaft Teuneberg und einige Schlösser an der Wenn;
s. Wegele a.a.O. S. 135 — 138. — Chor Apitz s. die charakteristische Erzählung
in der C'rou. Reinhardbr. 1. 1. pag. 635 «q. Über Landgraf Albrechts Verschwendungs-
sucht und fortwährende Geld Verlegenheit s. auch Miehelsen, Die Landgrafschaft
Thüringen unter den Königen Adolf. Albrecht und Heinrich VII., ZThG VII,
1867, S. 3 ff.
Digitized by LjOOQIc
176
137. Stück.
sine muter kunnen von isenberg bracht, wan ome* dy selbige könne von
isenborg er nach mals von konige rudoJfe zu der e gegeben was, unnd sach,
das dy manschafft unnd dy stete im lande zu doringen an lantgrafen
?i apetczen | unnd an sine rautor sich nicht halden adir an sye keren
wolden. Do vil her uff einen sin: her wolde das land vor kouffe
konige adolffe unnd das gelt apetcze unnd siner muter zu fugen.
Unnd der kouff ge schach,8 unnd koning adolf solde alle sloss in nemen
ane wartperg; das dingete lantgrafe albrecht uss; dar uffe wolde her
blibe sino lebetage mit kunnen von isenberg unnd mit apetcze. Solchen
koutt wedder sprechen dy rechten elichen sone, frederich unnd ditterich,
unnd satczten sicli dar wedder mit oren gunnern. Das warn dy erbar
Roth«™* luthe das raeisteteil in doringen, unnd euch etliche stete. Do nu dy
manschafft unnd dy stete deme konige nicht hulde wolden ane der
rechten erben willen, do quam konig adolff1 mit eynem grossen here in
Rott* 569 doringen unnd nam isenache in das machte wartperg 5 unnd klemme0
unnd czoch dor noch vor cruczeburg7 unnd schoss dor in für unnd
Koth©;.7ti vorterbete dy stad unnd buwete da vor dy borg eyn huss, das hiss
dy adolffis borg, itczunt genant dy aylspurg, unnd gewan also vele
slosse in doringen unnd ouch stete unnd vor herte unnd vor braute
R.,ibe ™« das gancze land zu doringen uss geslossen molhusen.* Unnd do dy
von molhusen also lange czit vele ubirlast von domo konige unnd
synem volke geleden hatten, wann dy juncfrowen unnd ore frowen
sere gelestert worden, do dy von molhusen des nicht mehe gelide
* omc tst *us e hfmagefUgt.
* S. Wogfile, Friedrich der Freidige, S. 145—289. — Bezüglich dieser ganzen
Darstellung unseres Chromaten, auch des Folgenden, besonder* Mühlhausen be-
ircflend, s. d. bist. L'istor. (png. 95:1 sq. — 2. Ausgabe von Struvc pag. 1335 sq.) und
die bist. Eeeard. pag. 446— 448. * Stolle kennt die ganzen \ erhält nisse gar
nicht genau (s. BE S. 68 f.), weder die Nürnberger Vereinigung zwischen König Adolf
und dem Landgrafen Albrecht, noch den Vertrag zu Triptis zwischen Landgraf
Albreeht und seinein Sohne Die/mann, noch die Eroberung von Thüringen, Meissen,
dem Unter- und Pleisscnlande, denn er weiss auch von den zwei Feldzügen Adolf«
i. den J. 1294 u. 1295 nichts, die allerdings auch die zeitgenössischen Quellen nicht
genau von einander scheiden. Von deu Quellen erwähnen wir nur die Peters-
chrouik (.MUH, Ser. XXX, 1 ed. Holder-Egger pag. 427 sqq.; derselbe in d. MEH
pag. 308 sqq.). Jedenfalls fällt König Adolfs Aufenthalt in Eisenach in die Zeit
des 2. Fehlzuge», vor der Eroberung von Kreuzburg (s. Wegele a. a. O. S. 208);
auch später war er nochmals dort (s. Wegele ebenda S. 212 ff. u. 227.) r" Unver-
ständlich so; wir coujieieren: ane das anmechte (s. ob. St. 12 A. 8) Wartperg; auf
der Wartburg »aasen Amthauptleute. s. Storch, Tofiograph. bist. Beschreibung der
Stadt Eisenach und Umgegend, S. 283; W. Rein, Die l'alatieu d. ält. thür. Land-
grafen, Archiv f. süchs. Ucschiehte I, S. 398 h\ " Die „Klemme" (Klemda) ist
in dem thüringisch-hessischen Erbfolgekriege als Zwingburg in der Stndt Eisenach
erbaut worden, s. bist. Eccard (pag. 431): „codem anno (l_'ol) Castrum in civitaie
lsenacensi, scilieet Kleinen, aediheatum est." Die bist. Pistor. (pag. 929 — 2. Ausg.
von Struve pag. 1331) meint sie, wenn sie z. J. 1201 sagt: „eodem anno ca*truin
inferius in civitate aedifieatuin est a Marcuionc", <1. i. Heinrich d. Erlauchten ; nach
anderen erbaute Sophie von Brabant die Klemme. Über ihre späteren Schicksale
s. Thüringen u. Harz, VII, S. 13. S. Wegele a. a. < ). S. 20SII. * S. Wegele
a.a.O. S. 200 ff.
Digitized by v^ooQle
138. Stück
mochten, do slugen sy selbest an des konigs volk, das der konig kume
da von quam. I)or noch sammete her abir eyn gross hur uund czoch Rothe 507
in das osterland, das disse czwene gebrudere lantgrafo albrechtis rechte
eliche sone inne hatten, unnd gewan on do vele sloss an unnd ouch
etliche stete unnd bestalte da gar grosse frislichkeit mit den luthen, *
unnd das gar snielich ist zu hören. Sy czogen dy frowen uss uff ore roii» r.«s
hemde unnd czogen den mannen dv nedderklevt uss. Disse unsalde
werte stetelich vier^ gancze jar. Also man schreib nach cristus geburt itoiho;.?«
tusent CC LXXXXV1 jar, do quomen des konigs manne unnd disser jungen 1296
lantgrafen manne zu sammene by deme dorffe eschenberc 10 unnd
streten mit eynander also lange, das sy funff stunde zu sammene ge-
reten, unnd der jungen fursten manne, dy gewonnen den strit unnd
furten des konigis manne mit 011 * ge fangen. Dor noch, Äo das der Kb°^7697''
koning gesach, das sin volk vaste abegenomen hatte in deme krige, do
czoch her widder hinder sich an den ryn. Do quam herczog albrecht
von osteriche an on underwein 11 unnd streid1* ouch mit ome unnd slug
on tod, unnd do wart her zu einem romeschen konige gekorn.
138. Hie staii> kunne von isenberg unnd or son.
Noch bleib der lantgrafe in sinem willen. Rothe 588
Also man czalte nach cristus geburt tusent CC LXXXXVJ1 1 jar, do
starb kunne vou isenberg, dy lantgrefen zu doringen, unnd dar noch
ubir eyn halb jar, do starp ouch lantgrafe apetcz,2 or son, von den
» HS sehreibt Irrtümlich zweimal „on."
n Die Greuel, welche Adulfs Heer verübte, waren allerdings arg (s. u.a. Carmen
de Adolfo rege Thuringiam invadente, bei MEH pag. 402—405, auch Ii. v. Lilien -
crem, Die histor. Volkslieder der Deutschen v. Ib.— IG. Jahrb. I, 1805, S. 9— 10),
besonders auf dem ersten Zuge; sie fallen aber nur i. d. Jahre 1294 u. 1295, 8. BE S. 69;
die falsche Zahl stammt aus den oben citierten Stellen der hist. Pistoriana. 10 Ks
sind Anhänger iJiezinanns, ,,des jüngeren Landgrafen," gewesen,^ welche den kleinen
Ersatz bei einem Zusanimenstoss oder wohl richtiger bei einem Uberfalle der König-
lichen bei Escheuberg, einem Dorfe nördlich von Gotha, am Sonntag Lätare (13. März)
1255, davontrugen. 11 underwegen = md underwein (nhd unterwegs) ^ „auf dem
Marsche." l* Am 2. Jiüi 1298 erlag König Adolf in der Schlacht bei Göllheim
seiuem vom Glücke begünstigten Nebenbuhler, dem Herzoge Albrecht von Österreich,
der bald darauf zu seinein Nachfolger erwählt und. am 24. August 1298 zu Aachen
gekrönt wurde.
138. 1 Falsch; Kunigunde von Eisenberg starb bereits in der letzten Woche
des Oktober 1286, denn am 31. Oktober d. J. machte Landgraf Albrecht „mit
ausdrücklicher Zustimmung seiner beiden legitimen Söhne au das Katharinen-
kloster in Eisenach, wo Kunigunde in der Nähe der alten Landgrafen von
Thüriugen ihre Ruhestätte gefunden hatte, zu ihrem Seelenheile eine ansehnliche
Schenkung," d.h. das Dort Langenheiin bei Walterehausen, s. Wegele, Friedrich
der Freidige, S. 99 nebst A. 1. Der Irrtum kam wohl daher, weil sowohl die hist.
Pistoriana (pag. 933 — 2. Ausg. v. Struve pag. 1336^ als auch die hist. Eccard.
(pag. 451) die Erzählung vom Tode Kunigundes mit der vom Tode des Apitz
verbinden. * Apitz tritt urkundlich (s. Wegele a. n. O. S. 257 A. 3) zuletzt am
27. Juli 1301 auf, sein Tod wird aber urkundlich erst am 9. Jan. 11. 16. Mai 1306
K. Stolk« MeiuorUto. 12
Digitized by V^OOQlc
178
138. Stück.
sich alles ubil in doringen er haben hatte; unnd worden beyde zu
isenache zu sente katherinen begraben unnd beschiden do deme closter
Roth» 689 das dorff zu deme langen hayn , das sy noch besitczen. Do was lant-
grafe albrecht nach gehass3 sinen kindern unnd tichte dar uft^ wy her
sy noch mochte vom lande gebrenge, das es von ome nicht uff sy
m storbe, unnd frygete do eine stolczen wet|tewynner dye grafin von
arnsshow; dy hatte vele geldes unnd hatte gar eyne suberliche junge
tochter by oren eylff jarn, unnd lantgrafe albrecht meynte, her wolde
kindere mit der grafynnen czuge, unnd an dy kindere her alle sine
gutere brenge wolde, unnd furte dy frowen keyn wartperg unnd hatte
hochczit mit or. Dar nach, also or tochter eise zu arnsshawe was
unnd eynes morgens an eyme heilgeu tage von der borg wolde zu der
kerchen geen, do hatte or vor leyd 1 lantgrafe frederich, lantgrafe
albrechtis son, unnd warif sy uff einen hengest unnd furte sy en weg
unnd brochte sy keyn gota unnd enpod do siner stiffmuter, her hette
ore tochter da unnd wolde dy ome zu der e lassen geben, das sy zu
der wertschafft 5 queme. Unnd zu dor hochczit quomen vele grafen
unnd erbar luthe, dy es mit ome unnd synem biuder hylden. Unnd
der apt von reyuhardesborn, der gap sy ome unnd leyte sy by. Ditte
1300 £escuacü *m Dei*b'ste umme sente bartolomeus tag nach cristus geburt
Roth« 692 tusent CCCjar. — Item0 dar nach wart das slos hopfgarten 7 zu gründe
Rothe 593 neddir gebrochen von den lanthern unnd von den von erfforte. — In
(».ob st. deme selbigen jare, do totthen dy joden * zu wissensee eines borg
mannes son, genannt Conrad, heymelichen in den wingarten, unnd dar
aothe 5«5 um nie worden dy joden geslagen ubir alle doringer land. — In deme
13M anderen jure dur nach, do czogen dy von erHort url den boiggrafen
erwähnt, und zwar so, als ob or kurz vorher gestorben sei, daher uimmt man als
sein Todesjahr 1305 an. Da Apitz kurz vor 127U «reboren ist, so erreicht« er ein
Alter von etwa 36 Jahren. Die Worte unseres Chronisten stammen aus der bist.
Eeeard. pag. 451 , wo es in Bezug auf seine Mutter und ihn ludest: a quibus
toi um mal um prenarratum in Thuringia t in terris, bist. Pistor.) eveuit. ' Die
3. Vermählung Landgraf Albrechts mit Elisabeth, der Witwe Ottos, des Grafen
von l^dwda-Arnshaugk, welche (nach Wegele a. a. O. 8. 133 f.) schon im Jahre 1290
stattfand, setzt die spätere Überlieferung (s. bist. Kccard. pag. 451) ins Jahr 1800 und
«teilt sie tendenziös mit der zweiten Vermählung Friedrich des Kreidigen mit
seiner Stiefschwester Elisabeth v. Arnshaugk, welche wirklich i.J. 1300 (23. August)
(s. Wegele a. a. (). S. 255) stattfand, zusammen; die romantische Entführung der
jungereu Elisabeth ist spätere Erfindung. 4 Mhd vorligen = md vor lygen,
mit dem Dativ, bedeutet „versperren, den Weg verlegen, auflauern." ;' Mhd
Wirtschaft — md wertschatft hat oft die engere Bedeutung „Fest'*, auch, wie
hier, „Hochzeit." " Die drei folgenden Erzählungen halten sich nach Inhalt
und Heiheufolge genau au die bist. Eccard. pag. 451 ; daraus ist die Wiederholung
(s. ob. St. 13o) der Erzählung des Juden mordes und der Judenverfolgung zu er-
klären. 7 Hoptgarten ist ein Dorf im G rossherzogt. Sachseu, Verwaltungsbez.
Weimar. Die (.Quellen erzählen dies für das Jahr 1303. Die I rquelle als zeit-
genössische Aufzeichnung ist eine deutsche Erzählung, welche Holder-Egger Mon.
Erphesfort. pag. 405 nach «lern ersten Entwurf der „Erfurter Willkür1, giebt
(Original im Kgl. Staatsarchiv zu Magdeburg1!, s. MEH pg. 4o5, sqq.; *. BES. 71.
* S.ob. St. 130. S. die Crou. S. l'etri Erf. mod. i.d. MG11, Scr. XXX, 1 pag. 435
u. MEH, pag. 323.
Digitized by Google
139. Stück.
179
von kerchberg9 unnd gewunnen griffen berg, wintporg, kerchberg unde
lesthen.
139. Wye lantgrafen albrechts son wartpergk
ge wan uiuid dar noch inechtigk wart1 m^str
Also man czalte nach cri8tus geburt tusent CCC unnd VI jar unnd y iso<>
dy von isenache gehuldet hatten deine keyserriche von getwengkenisse'
wegen oris hern lantgrafen albrechtis unnd sere vormant worden von
den jungen fursten, den rechten erben, dy on ouch grossen vor driss
toten, unnd er klageten3 sich an den fursten, dy der romescher kouigk
albrecht vor botto keyu fulda,4 do wart lautgrale albrecht zu Düringen
gar sere gestrafft durch sine grossen untruwe willen, dy her hatte keiu
sinen kindern gethan, unnd satczte15 on abe von deme lande, das her
vor koufft hatte konige adolffe, syme vor tarn, unnd sprach ouch, das
her sinen sonen sture wolde, wann sich das geborte, unnd sante do
also balde syne voyte in das land zu doringen. Do brochen dy von 6°°
isenache das sloss klemme abe, uff das dy jungen fursten icht da in a^^oi.
quemen, unnd brochen ouch abe czwene torme an unser lieben frawen
• HS: «Uten, e richtig: »Ute.
6 Die Burggrafen von Kirchberg, ein thüringisches Dynastengeschlecht, zutrat
erwähnt in einer Urkunde Kaiser Friedrichs J. v. 20. August 1160 (Dietrich,
Burggraf v. K., unter den Zeugen), RDThD II pag. 58; sie beanssen die drei
Burgen Greifeuberg, Kirchberg und Wintberg auf dem Hausberg bei Jena, s. Ed.
Schmidt, Geschichte der Kirchbergechen Schlösser auf dem Haunberge bei Jena
1836, S. 48ft\; Ortloll', Die Hausbergsburgen b.Jena, ZThGIlI, 1857, 6.115- 141?.
Es muss ein Bruch des Landfriedens durch sie stattgefunden haben, weshalb
eine Art Exekutionsheer unter Landgraf Albrecht gegen sie zog, nicht ohne dass
dessen Hohn, Landgraf Diezmann, ihr Lehensherr, ihnen half, s. Wegele, Friedrich
d. FreidigeS. 258-261; M EH pag. 405 — 407. Die genannten drei Burgen, für das
Exekutionsheer jenseits der Saale gelegen, wurden gewonnen, ebenso eine vierte,
diesseits der Saale Lehsten, jetzt Dorf Lehesten, im Grossherzogtum Sachsen,
Verwaltungsbezirk Apolda; alle wurden zerstört mit Ausnahme von Greifenberg.
Über den Frieden zwischen dem Burggrafen Gtto von Kirchberg und der Stadt
Erfurt s. UE 1, Nr. 512, 531 u. 532. ferner BE S. 71 f., über den mit den übrigen
thüringischen Herren und Städten s. Herquet, Mühlh. Urkundcnbuch, p. 257 sq.
139. 1 Über die ganze folgende Erzählung s. Wegele, Friedrieh der Kreidige
i. d. Abschnitt: König Albrecht I. und die Wettiner S. 240-294; s. auch BE
S. 69 f. ; Hauptquelle tür die Kenntnis der Thatsachen ist die Chronic. S. Petri Erf.
mod., MGH, Scr. XXX, l,pag. 437 - 439 u. 440-441. * Mhd getwanenisse, auch
mit Umlaut im md, stn., bedoutet „Bedrängung, Bedrängnis." a „Sich erklagen"
(sonst von = über, oder umbej an = „sich beklagen bei." * S. Wegele a. a. O. S. 273f.
•' D.h. König Albrecht, nicht die Fürsten des Fiüdaer Fürstentages ; das „Absetzen"
bestand auch nur in der erzwungenen neuerlichen Anerkennung des einst mit
König Adolf von Nassau i. J. 1293 in Nürnberg abgeschlossenen Vertrages, durch
welchen der Heimfall Thüringens an das Reich nach dem Tode des Landgrafen
Albrecht festgesetzt war; die reale Bürgschaft war die Auslieferung der Wart-
burg an 2 Vertrauensmänner des Königs, die Deutschordenskomture Bernhard
von Geppenstein , Komtur in Speier und Weissenburg , und Helwich von Gold-
bach, Komtur in Rothenburg in Thüringen.
12*
Digitized by Google
180 139. Stück.
Rotiief.oi kirchen, dy an dy nniren traten. Also nu ditte erkante frowe alheid, dy
lantgiefynne, das or stifi' son unnd or tochter, wann der stiff* son, lant-
grafe frederieh, or eydam worden was,* also von domo lande mochten
kotne, do gap sy ome wysse unnd wege dar zu, das her uff wartpeTg
quam heimeliclien ane sines vaters wissen, wann sy hatte lantgrafen
fredeiichen, oren eydam, zu mole lieb, abir vor syne mvater hilt sy das
^ (i gar heymelichen. Do das dy von isenache vor nomen, das lantgrafe
freclerich uff das sloss wartperg komen were, do czogen sy in den
itothe 602 hayn vor wartperg mit des koniges voyten unnd buweten wedder sy
dy isenecherburg unnd besatezten den berg, unnd dy von erfforte0
86 molhusen | unnd northusen, dy logen mete dar ufte, von des konigis
bete unnd geheiss wegen, unnd eyn igliche stad hatte sine eigen kuchen
dar uü'e, also das noch bewisen fünft" kellere, dy dar uff in den steyn
gehowen sint, unnd satcztcn eyne bliden czwissehen der isenecherborg
unnd der frawenborg, do dy bliden stad7 nach in den berg gebrochen
ist niiüd schössen unnd worffen stetelich zu wartperg zu, unnd der
uotho6oi vater, lantgrafe albiecht, muste wartperg rume." Do brochte lantgrate
Rotho «o» frederidi, sin son, sine frowen ouch do hene keyn wortperg zu orer
Kotbvcoi muter. Also nu ditte lange wile gowert hatte, das on spisse doben zu
wartpergk gebrach, unnd vaste gebroch Jeden, do reyt lantgrafe frederich
heymelichen in der nacht von wartperg unnd reyt'' zu synem swoger,
zu deme herczogen von brunswig unnd mit des hulffe unnd sines
bruders uss deme osterlande unnd missen, unnd do spisete her wart-
perg mit gewalt unnd treyb dy von isenache von der frowenburg, unnd
do pobir ubir der stad hylt her dy wilo mit dryen hundert mannen
mit helmen. Do selbest quomen dy spisse wagen uff uss deme segel-
Kothe «05 bachc10, unnd der fussgenger, dy by den wagen liffen, der was ane czal,
unnd fingk des koniges voygte unnd gar vele luthe, unnd dy von der
4
» IIS setxt I»l8ch unud hinzu.
e S. Wegele u.a. O. S. 27* A. 1, wo die Teilnahme der 3 Städte angezweilelt
wird. 7 Son>t „blideiihns" — „Geschützhaus", hier eine iu deu Berg gebrochene
und durch eine Mauer geMeherto Stelle für die Aufstellung der grossen Stein-
sohlendermascliine. * So M Rothe, sonst aber uieht quelleumässig berichtet.
Es ist der Vertrag vom 18. Januar 1307 gemeint, 8. Wegele a. a. < >. 8. 280 f. und
445 f. Daraufhin zog «ich Landgraf Albreeht naeh Erfurt zurück, wo er 1314
Atarb, s. Wegele a. a. O S. 2S7 f. u. S'M). " Die weder quellenmäßig bezeugte
noch von dir spateren Tradition (die historia Eeeard. pag. 4n2 sagt nur: quam
[hiteilige: tiliam] cum nutriec de uoete duxit m Tennebergkj berichtete Erzählung
von dem romantischen Kitt Landgraf Friedrichs zur Taufe »einer jüngstgeborenen
Tochter (wobei das bekannte Wort gefallen sein soll: „mein Kind soll trinken,
und wenn «s da« Tbüriugerland kostet") ist wohl von Kothe (St. <103) so aus-
Sesehmüoki. Die Ansätze, wie sich die Sage gebildet hat, liegen in den Berichten
er ('ronic Keinh. z. J. 13os (MGH, Ser. XXX, 1 pag. 648) >or. Stolle heweist
hier einmal Kritik, indem er seinem Gewährsmann Kolbe nicht folgt: das
Schweigen der Peteivchmnik und der „Landgrafeiigeschicbte', die er beide vor
sich gehabt haben muss, machte ihn wohl vorsichtig. Rothe schreibt „uss
dem SengilbHche füren, do itzunl die karthusen ligen jetzt Sengelsbach (im
»jiäterou Laufe Löberabach genannt), beim ehemaligen Karthäuserkloster, im Süd-
osten der Stadt.
Digitized by Google
140. Stück.
181
isenecherborg das gerne gewert netten, abir sy konden des nicht zu
brengen. wann or wart vele gefangen, unnd fürten sy uff dy borgk
wartperg unnd satczten sy in das gefengnisse. Do starp or gar vele
in derne gefengnisse, unnd des konigs voyd 11 starp ouch dar inne. T)o
holten dy von isenache on unnd begruben on zu den predigern. Dar JJJ"1
noch wart lantgrafe frederich | mechtig unnd geweidig im lande zu v
doringen, do lier sinen vater von wartperg gedrungen unnd vortreben
hatte, unnd dar umme das her also grosse treffliche noyd über want,
so hiss man on den freydigen lantgrafen.
140. Wy eyn lantgrafe zu doringen gestreten hat
mit einem konige. n^e*
Als man schreib nach cristus geburt tusent CCCVTI jar, also nu koning 1307 ,
albrecht, der herczoge von osterich, der zu der czit eyn romisch koning
was, vornomen hatte, das lantgrafe frederich unnd margraffe zu missen,
geweidig was worden in deine lande zu doringen unnd wartperg inne
hatte unnd ouch sinen vater vor treben unnd dy voyte des riches ouch
vor treben unnd gefangen hatte, do sammete her eyn mechtig gross >-n
beer uss osterrich, uss beyern, swoben unnd uss behemon unnd sante
das beer in das osterland wedder lantgrafen frederichen unnd sinen
bruder ditterichen. Do besammeten ouch disse czwene gebrudere
wedder uss missen, uss osteriande unnd uss doringen, dy ess mit on
hilden, so sy aller sterkest konden, unnd quomen mit des koniges
volko zu strite by deme dorffe lucka.1 Unnd disse czwene gebrudore,
dy gewonnen den stryd, unnd do worden er slagen von des koniges
volke CCCLX manne mit helraen, unnd uss der mosse vele volkes wart
gefangen ; unnd do was also gross mort, das dy swoben dy toten
pferde uff sneten unnd krochen dor in, uff das sy by deme leben blibe
mochten. Unnd do vone so wart das sprich wort: es geht dir nu als
den swoben vor lucka. Unnd dor noch wart lantgrafe frederich noch Rothe «09
geweldiglicher in missen, | doringen unnd osterlanden; sundern alleine 87
dy von isenache, dy hilden ess noch mit deme konige unnd wedder-
stunden lantgrafe frederich. Unnd do der koning das vor natu, das dy Rotheeio
von isenache noch noyd leden, unnd alle andere stete sich hilden an
lantgrafen frederichen, do besammete der koning aber eyn gross beer
unnd wolde ezehen in doringen zu den von isenache zu hulffe. In des
11 Es ist der Graf von Weilnau, der Bruder des Abtes von Fulda, den der
König Albrecht auf Drängen der Kisenaeher nach Thüringen als Feldhauptmann
gesandt hälfe; er wurde zwar gefangen, wie auch die Petcrschrouik berichtet,
starb aber nicht in der Gefangenschaft, sondern kaufte sich später los, «. Wegele
a.a. O. S. 281 und 2*3 A. 1.
140. 1 Lucka ist ein Städtchen in der Nähe von Altcnbnrg; die Schlacht
fand nach der Peterschronik am 21. Mai 1307 statt. Auch über sie ist viel
später gefabelt; s. Wegelea. a. 0. S. 284 ff.
Digitized by Google
182
140. Stück.
i
Roth« 6ii czoch uff on sin vetter, herczoge hans von osterich, den her raeynte
ouch erbeloss zu raachen, uniul streit mit ome unnd ersing2 do den
613 koning albrechten, unnd wart begraben zu spyra.3 Unnd do ditte dy
von isenache vornomen, do er schrocken sy gar sere unnd worden
trosteloss. Do quomen dy grafen zu doringen gesessen mit ander*4
manschafft des landes unnd teydingeten mit den von isenache, das sy
mit eren unnd mit rechte oren rechten hern lantgrafen frederichen hulde
sulden, wann sy von sime vater wedder recht vor koufft weren unnd
getwungen worn zu hulden deme riche an e v ollebort 5 der rechten erben,
unnd wolden sy des vorteydingen vor deme riche vor fursten, grafen
unnd fryen unnd goben on des oren uffen vor segelten briff. Also
huldeten dy von isenache (; zu letczt lantgrafen frederichen, unnd do
wart her geruwig zu doringen.
"iU Dor noch czoch her mit syner manschafft in plyssen7 unnd gewan
do aldenborg, czwigkaw unnd kemnitcz, dy uff dy czyd alle zu deme
(Ru!eW riche gehörten, unnd nam dy in sine herschafft koin den kosten,
v schaden unnd gefangen, dy her keyn deme riche thon | muste umme
sin veterliche erbe, unnd machte do einen gemeynen frede ubir alle
1308 S'nG ^an^ ' unn(^ ditte Aeschach nac" cristus geburt tusent CCC unnd
*815 vm jar. — Tu deme selbigen jare, do wart grafe heinrich* von lutczeln-
borg romisch koningk.
• HS venebmtUoh : »nderu : e Heat d*j Richtige.
5 Die That Johann Parricidas (am l.Mai 1308) scheint bei den Zeitgenossen
nicht solchen Eindruck gemacht zu haben, als wir vielleicht jetzt annehmen.
■ König Albrecht wurde zunächst im Kloster Wettingen (im Xargau, also un-
weit der Mordstatte) beigesetzt — a. Lindner, Deutsehe Geschichte unter den
Ilabsburgern und Luxemburgern, 1890, S. 159 — . später al>er, i. J. 1309, wurde
seine Leiche mit der seines Gegners, des Koniirs Adolf, in Gegenwart de»* Königs
Heinrich VII., in Speier beigesetzt, s. Oron. I4. PetriErf.mod.1.1. pag.443. * Das
Adject. ist hier flexionslos vor dem Substantiv gebraucht, s. .Weinhold mhd.
Gram. 1 § 509, a. 1 Volbort, mhd, stf., oder n. — Zustimmung." Bezüglich
Thüringens hatten die thüringischen Grafenrecht, welche Landgraf Friedrich, wahr-
scheinlich im Anfang Februar 1308, nach dorn St. Peterskloster zu Erfurt entbot
(s. Wegele a. a. O. S. 291 f.), später, nach Eisenachs Unterwerfung, auch nach
Mittellmusen, der alten Malstätte Thüringens, in der ersten Hälfte des Juni 1303
(s. Wegele a. a. O. S. 296 f.). Bezüglich des Pleissnerlande* waren freilich die
Könige Rudolf, Adolf und Albrecht im Recht gewesen, als sie das nur als Mit-
gift der Kaisertochter Margarete, Friedrichs des Freidigen Mutter, verpfändete
Land einlösten und dann einzogen; hinsichtlich Meissens und des Osterlandes ist
die Rechtsfrage sehr verwickelt und die Sache strittig. Friedrich der Freidige
behauptete schliesslich den Besitz aller dieser Länder. ,: S. Wegele a. a O. S. 296.
1 In dem reichsunmittelbaren Pleissnerland lajren die Städte Altenburg, Zwickau
und Chemnitz. " Der spätere Kaiser Heinrich VII., Graf von Luxemburg
(Lüteelburg), wurde am 27. November 1308 zum römischen Könige gewählt.
Digitized by Google
141. Stück.
183
141. Wye die von erffort gekregen haben mit deine
lantgrafen zu dornigen limine der dorffer willen.1
Als man czalte nach cristus geburt tusent CCCJX jar, do erhub sich 1309
eine grosse czweytraeht czwisschen disseru obgeschreben lantgrafen fre-
deriche deme frevdigen unnd den von erttbrte, dar umme das sy hatten
wedder sinen willen synen vater dy dorffer abe gekoufft* unnd dy ge-
richte, dy nnime dy stad erfforte lvn, unnd dy hisch w edder* lantgrafe
frederich. Dar umme so worden gar vele tage geleistet unnd gehabten,
aber ess quam zu keynem ende. Danne der lantgrafe leyte3 den von
erfforte de gemeynen lantstrosse nedder8 unnd nam alles, das man den
von erfforte zu fürte. Do das dy von erfforte nymme ge liden mochten, Rothe en
do czogen sy uss der stad erffort mit einem grosssen huffen unnd ge-
wonnen das sloss gelegen in deme dorffe genant andessleuben,4 do des
lantgrafen volk uffe lagk, dy uff dy Strossen Worten, unnd gewunnen
ouch das sloss in deme dorffe udestete;r' dv czwev sloss vorbranten sv «otiieGis
unnd zu brochen dy in den grünt. Do ditte der lantgrafe er für, dasR°ti«>6i7
dy von erffort also torstig gewest warn, do lud her dy von erffort keyn
mittelhusen an des keysers gerichte" unnd wolde sy dar umme in des
keysers achte brenge. Unnd do czogen uss dy von erffort keyn mittel-
husen zu gerichte mit groser macht unnd lissen sich dy pfaffheit, geist-
lichen unnd wert- 1 liehen, mit eyner grossen processien mit gesange 8»
vor sante johans thor7 ge leyte, unnd alle geistliche luthe gingen do
» HS: abgekouff: e richtig.
141. 1 Über dicken Abschnitt s. Wegelc, Friedrich der Kreidige, S. 295-319, auch
BES. 72— 76. Hauptquelle ist auch hier die Cron. St. Petr. Erf. mod. MGH, Scr.
XXX, I. pag. 441 sq., dazu Holder- Egger i. d. MEH, pag. 410 sqq. ■ Em handelt
sich um die sog. ,, mindere Grafschaft an der schmalen Gera" mit den Dörfern Walsch-
leben. Elxleben, Andisleben, Dachwich, Kühnhausen, Stotternheim, Gispersleben
S. Viti. Gispersleben S. Kiliani und Ilversgehofen, Dörfer in der Nähe von Erfurt.
Auch die sogenannten Bergdörfer (z. B. Schmira, Bindersleben u. a.) soll Land-
graf Albrecht an die Erfurter verkauft haben, s. Wegele a. a. O. S. #02 A. 1.
ein preussisches Dorf, Kr. Erfurt, nordwestlich von Erfurt, an der Unstrut. Der
Überfall geschah am 2. Februar 1S09, unter der Führung des Erfurter Feld-
hauptmanns Ludwig von Guttern (Gottern), der nachher gefangen wurde, und den der
Landgraf im Gefängnisse soll haben verhungern lassen. 1 Dorf (nordöstlich von
Erfurt) itu Verwaltungsbezirke Weimar des Grossherzogtums Sachsen. Die Unter-
nehmung fand später statt ; nach 5tägiger Belagerung wurde die Veste Udestedt
erobert und dem Boden gleichgemacht. ,: Über die freien Bürger hatte sonst nur
der Gaugraf („des Kaisers Gericht' ) zu richten, dessen Befugnisse später die Land-
grafen von Thüringen ausübten; das Landgericht war zu Mittelhausen bei Erfurt, s.
oben St. 71, A. 29. Doch die Städte (s. BE S. 2ö ff.) waren von dem Gerichte des
Gaugrafen ausgenommen, sie hatten, wenn der Grundherr, in Erfurt der Erz bischof,
dem geistlichen Stande angehörte, einen Stadtrichter oder Vogt, in Erfurt die Grafen
von Gleichen; die Ladung Landgraf Friedrichs war also mehr ein i*olitischer Akt.
1 Das Johannirtthor ist das innere, am Ende der Johann inst rasse, vor der Johannis-
brücke, s. Tettau, Beitr. z. eiuer Topographie v. Erfurt, MGE, XII, S. 89; das äussere
Johaunisthor wurde erst 1375 angelegt.
4 Andisleben ist
Digitized by Google
184
141. Stück.
mete, unnd dy boten dy wile got den hern vor sy, \innd do quomen
dy von erfiort kein mittelhusen also stargk, das lantgrafe frederich vor
on weich vom gerichte. Do czogen sy wedder heim mit grossen ern
unnd triumpho. Czu deme andern mole heisch der lantgrafe dy von
erfforte abir eyn mal an das gerichte unnd hatte sich do bass bestalt
mit volke wann vor. Dy bilden vor borgen dar uff. Do czogen dy
von erffort abir uss mit grosser macht frolich unnd meynten on abir
abe zu triben von deme gerichte also vor. Do das der lantgrafe ge-
sach, do vor both her alle sinem volke, das nymant keyn swert ubir
dv von erffort czvhen solde, alleine man sulde sv wol mit knntteln
unnd mit stogken slahen. Also worden dy von erffort gar wol uff der
fart mit knutteln geslagen unnd undir dy pferde getretit, das sy dar
Roth« 6i8 vor flohen in oren stad graben. Do nu dy von erffort gesahen, das sy
deme lantgrafen also nicht wedder stehen konden, do machten sy eyn
vorbuntnisse mit grafen herman,* der do gesessen was zu wimar. unnd
mit der stad molhusen unnd northusen unnd mit velen erbir luthen,
Botho ei» den sy sold goben, unnd czogen do umme im lande zu doringen unnd
toten deme lantgrafen grossen schaden mit brande unnd mit rouben
unnd schonten nicht kerchen unnd clostere, unnd toten den thumhern
v zu erffort grosssen vor driss unnd ubir last unnd leyten ore sol-
denere in der obgenanten thumhern hofe, dar umme so plagete got dy
von erffort, das sy an deme heiigen tage unsers lieben hern hymmel-
fart sobenczig erber man, rittere unnd knechte, vor lorn, dy des lant-
grafen gesinde gefangen hatte, unnd der houbtman under den gefangen
was er lodewig von guttern, unnd der starb im gefengnisse im stocke.
Koth«6so — Unnd dar noch gar zu band, do vor lorn dv von erffort abir wol
by hundert gewopente in deme dorffe czimmern9 under deme eyters-
berge, unnd da vone sso worden dy von erfforte also weich, das sy
orer were abegingen, unnd do machte disser lantgrafe, genant der
freydiger, eyne herfart vor wyhe10 unnd belag ouch dy stad wymar
unnd brochte den grafen zu wymar11 dar zu, das her sich deme lant-
1311 grafen an gnado gap. Ditte geschach nach cristus gehurt tusent CCCXT
jar,12 unnd do danne czoch der lantgrafe vor dy stad erffort an sente
johans tage decollacionis15 unnd slug eyn huss uff in deme dorfle
8 Die Grafen Hermann und Heinrich von Orlamüude, , .pressen zu Weimar1',
erscheinen nach 1308 in Landgraf Friedrichs Umgehung (s. Wegele a. a. O. S. 299,
A. 1), Graf ncrmanu aber scheint ein Parteigänger der Städte geworden zu sein.
n Nicht das Dorf Zimmern (Zimmern infra genannt) am Ettersberge, Ver-
waltungsbezirk Weimar im Grossherzogtum Sachsen, sondern Zimmern supra, im
I,andkreise Erfurt, da, wie HoUler-Egger. 1. 1. pag 442 adn. ß bemerkt, nach der
deutschen Erzählung (ebenda pag. 472) der Ort des Treffen» zwischen Erfurt und
Gotha liegt. ,ü Wiehe, preußisches Städtchen an der Unstrut, Kreis Eckarts-
berga. Es gehörte damals den Grafen von Orlamündc- Weimar; die Belagerung
fand Ende März oder Anfangs April 1309 (s. Wedele a. a. O. S. 80» A. 3) statt.
11 Die Belagerung und Einnahme von Weimar fällt wohl ungetähr in den Juni
1309, s. Wegele a. a. O. S. 305 A. Ä. ,? CCCXI jar ist verschrieben für CCCTX jar.
13 Pecollatio Johannis ist der 29. August.
Digitized by Google
141. Stück.
185
hochheim14 by der stad, unnd dy husere unnd dy garten, gelegen vor
der stad erffort, vor terbete her unnd vor brante sy unnd liss dy win-
gorten uss howen, unnd dar noch liss her das heer zu ryte.15 Do dy«*1»06"
von erffort gesaben, das sy also vordruckt worden unnd denie lant-
grafen alleino nicht wedder stehen konden, do boten16 sy hulffe des
romesschen koniges, unnd der sante on eynen ritter genant von norn-
bergk,17 unnd do worben sy noch er johansen.18 des lantgrafen von
hessen brudere; mit den czogen dy von erffort abir uss I unnd vorter-w
beten czwey sloss, rinckelouben ,:' unnd sommeringen.*0 Ditte geschach
nach cristus geburt tusent CCCX1121 jar. Unnd do dy von erfforte ge- 1312
sogen, das sy nicht redeliches geenden konden umrae der grosssen
wehere willen, dy der lantgrafe keyn on thed, unnd dor umme so vor
dross sy der koste, unnd lisspn lantgrafen bansen von hessen unnd
ouch des koniges voyt von on riten, unnd dar 'umme sso er hub sich
grosse czweytracht23 in der stad erffort czwissehen der gemeyne unnd
den riehen, wann sy worden des krigis also mude ge macht, das dy
armen hantwergis luthe, dy usswandern musten umrae orer narunge
willen, dy sero beschediget, gefangen unnd erslagen worden, unnd
darumme sso toten dy hantwerge unnd dy gemeyne also grossse
freisslichkeit unnd torstiekeit den mechtigisten in den rethen, das sy R°«m> es«
14 Hochheim ist ein preußisches Dorf, westlich unmittelbar vor Erfurt, im
Gersthaie, im Landkreise Erfurt. 16 ,, Zureiten" --- „ansreiten. auf Iiebens-
raittel ausziehen" (Ubersetzung der Worte in der Peterschronik: dispersi sunt).
in Diese Inanspruchnahme der Hilfe de« Reichs ist dadurch wichtig, dass nun-
mehr die thüringisch-meissnisebe Frage an Heinrich VIT., der bisher eine Ent-
scheidung ausgesetzt hatte, unmittelbar herantrat, s. Wegele a. a. O. S. 309,
s. UE I, No. 550 u. 552, nach MEH pag 339 A.3: Rotter, Hess. Nachrichten III
nag. 19; Böhmer, Reg. Hfinr. VII No. 150. 17 Burggraf Friedrich IV. zu Nürn-
berg; in der Peterschronik z. J. 1323 (1. 1. pag. 449) heisst er auch nobilis vir de
Norenberc. 1S Den Landgrafen Johann I., Schwager des Grafen Otto von
Orlamünde. sendete König Heinrich den Erfurtern, nicht sie rufen ihn; er kam
zweimal, zog aber bald wieder fort; er starb bereits 1311, s. Wegele a a. O. S. 310
u. A. 1 daselbst: nerquet, Mühl hau ser Urkundenbuch 8. 274. Iv Das preussische
Dorf Ringleben, nördlich von Erfurt, Kreis Wcissensee. *° Rommeringen ist
schwerlich Sömmerda, das zu entfernt von Ringleben liegt, wahrscheinlich ist unter
den vielen Sommern hier: Gangloff- oder Lützensönmiern (Kr. Wcissensee) gemeint,
denn Wenigen-, Horn-, Mittel- und Haussömmern liegen zu weit von Ringleben ab.
51 Alles dies geschah noch i. J. 1309. - Genaueres giebt hierüber Beyer in
dem Programme der Erfurter Realschule 1892: Die Entstehung und Entwicklung
des Rates der Stadt Erfurt im Mittelalter, S. 17 ff. s. auch BE S. 44 fT.; S. 18 des
Programms heisst es: „Durch die Belagerung und die damit verbundenen Ver-
wüstungen der Acker und Weinberge wurde die Gemeinde zur Verzweiflung ge-
trieben. Sie erhob sich im Angesicht des äusseren Feindes gegen den Rat und
die (durch ihr rohes und ungesetzliches Betragen verbassten| Geschlechter." Die
Handwerker und Kaufleute litten ausserdem durch die Sperrung der Strassen;
weder konnte man Handel nach aussen treiben, noch kam jemand, um auf dem
Erfurter Msrkt zu kaufen, in die Stadt. Die vom Rat geworbenen Söldner legte
man in die Häuser der Bürger, der Geistlichen (s. oben „der Domherren") uud
in die Klöster. Auffallend ist, dass der Chronist nichts von der tiefeingreifenden
Verfassungsänderung in Erfurt (Sieg der Zünfte; Einsetzung der Vierherreu)
erwähnt, ob schon die Peterechronik z. J. 1330 nicht davon schweigt; s. UE I, No.555.
Digitized by Google
180
142. Stück.
sich mitdeme lantgrafen richten23 musten, unnd goben ome eyne grossse
summe goldes unnd etliche recht, dy on lantgrafe albrecht, sin vater,
gegeben unnd vorsehreben unnd vorkoufft hatte, dy worden zu nichte;
dy dorffer bieben den von erffbrt umme or gelt. Unnd ditte ist ge-
scheen nach cristus geburt tusent CCCXYT24 jar. Unnd umme des willen,
das disser krigk geweret hatte mehir wann soben jar, unnd der acker
in doringen sere ungearbeit bleib, und das korn uss den steten was
vor czerit, unnd dar umme sso erhub sich gross hunger unnd thureczit
T im lande zu doringen, unnd | das gar vele luthe hungers storben unnd
worden zu erffort mit karren kein sraedestete 25 gefurt unnd do begraben
mit namen hundert schogk menschen unnd XXXT1I schogk menschen
unnd funff menschen. Ess waren ouch dy strossen unnd wege in der
stad erffbrt in den gasssen al umme her mit grasse bewachsen unnd
mit krute, das man dy kume ge mercke unnd er kennen konde; also
veles Volkes was gestorben, unnd der acker uff dorne felde, der trugk
okrut
142. Wy Jantgafe frederich gefangen1 wart unnd
wedder loss wart, unnd dy von erffort dy
R«tbe «27 dorffer kre^en.
1317 Also man schreib nach cristus geburt tusent CCC XVII - jar, do erhub
sich ouch eyne grosse czweyrracht czwisschen disseme lantgrafen
frederiche demo freydigen unnd margrafen woldemar von brandenborg,
der ouch eyn margrafe zu missen3 was. Unnd disse czwene toten gar
vele roubes, brandes unnd morderve under enander. Czu letczt quam
ess zu einem strite, unnd lantgrafe frederich der freydige vor loss den
strit unnd wart do gefangen 1 unnd von dannen geturt. Ditte vornomen
• ' Fnter dem Drucke der Gemeinde ist der Friede mit dein Landgrafen bald
geschlossen. " Chronologisch verkehrt. Alles das.. was mit dem Kriege zusammen-
hängt, geschah noch in den Jahren 1309 u. 1310. Über den vorläufigen Frieden s.
Wegclea. a. D.S. 313 u. FE, I, Nr. 557, 555) u. 561. Hingegen die Hungersnot und jenes
Massenbegriibnis berichtet die Peterschronik z. Jahre 1316, s. MGH, Scr. XXX, 1
pag.446. — S. FE, II, 200, auch BKS. 76. Schmidstedt, ein Dorf bei Erfurt,
das im dreissigjährigen Kriege wüst geworden ist; von ihm heisst noch ein Thor
in Erfurt das „Sehuiidtstedter Thor."
14*2. 1 Hauptquelle ist auch hier für die Kenntnis der Ereignisse die Cron.
8. Petri Erford. mod., MGH, Scr. XXX, 1, pag. 444-445; 8. MEH pg. 343, sq.
mit d. Anm., feiner Wedele, Friedrich der Freidige 8. 319—336. ' Falsch;
schon i. J. 1312 brach der Kampf zwischen den Wettinern und Askaniern aus,
auch die Peterschronik erwähnt ihn zu diesem Jahre. Waldemar der Grosse,
Mnrkgnif von Brandenburg, regierte von 1309—1319. a Die Askanier hatten
die Lausitz und die MarkgratVehaft Landsberg 1291 von den Wettinern erworben,
auch auf Meissen richtete sieh zeitweise ihr Blick, das sie teilweise zeitweilig
besassen, s. Weyele a. a. (). 8. 306. .".27. 336. 1 Ende Februar oder in den ersten
Tagen des März 1312 fand das Treffen bei Grossenhayn statt , infolgedessen
Laudgraf Friedrich mit seinem gleichnamigen Sohne (Friedrich der Lahme,
t bereits 1315) gefangen genommen und nach Tangermünde in der Altmark ge-
bracht wurde, «.auch BE S. 75.
Digitized by Google
142. Stück.
1S7
dy von erfforte, wann der krig-k mit on nicht gancz ende hatte. Do
czogen dy von erffortß uss unnd toten deme lantgrafen grosssen
schaden ; indes ezogen ouch uss dy czwono epte von fulda unnd herss-
felde« unnd toten ome ouch schaden, unnd ditte vornam der lantgrafe R°»h« «««
in deme gefengnisse. das sin land also zu schantcze gingk7 unnd vor
terbet wart, unnd erbeyte sich sere dar nach, das her mochte ledig unnd
loss werde unnd sich an synen vienden ge reche. Unnd dar umme so
wart geteydinget, R das her solde geben zu losunge syne tochter else-
boten grafen albrechte von kothen, der do margrafen woldemars
swester son was, der on gefangen hatte. Unnd dy juncfrowe wart zu
haut | geholt, er danne lantgrafe frederich, or vater, loss wart. Darzu 90
solde her vaste sloss unnd stete in missen mete geben,9 dy alle do
benant worden, unnd das land zu piksen gancz, unnd das geschach
also, das noch deme geheisse lantgrafen frederichs syne voyte in
missen ant werten dy stete unnd dy sloss, also her gedinget hatte grafen
albrecht von kothen von margrafen woldemars wegen. Dar noch sso
hiss lantgrafe frederich diss selben glichen ouch syne voyte im lande
zu plissen,10 unnd ditte wolden dy voyte nicht thun unnd sprochen,
sy wolden sich an ores hem brefTe nicht kore, de wile her gefangen
were, sundern was her sy muntlich hisse unnd mit gesundome liebe,
das wolden sy gerne thun, unnd darumme so wart eyn tagk bescheiden, Rothe s»
das lantgrafe frederich, or herre, sy das muntlichen heysse solde, unnd
eyne stad benant, do sy on hene brenge wolden. Do besammenten
sich syne voyte heymelichon met allen oren guten frunden in eyme
holcze unnd hilden uft on , wann sy mit orem herren vorrite worden;
do sy quomen mit deme lantgrafen in das holcz, do ranten des lant-
grafen voyte mit aller orer manschafft er vor unnd nomen do oren
Die Feindseligkeiten gegen Erfurt, die trotz des Friedensschlüsse*
i. J. 1310 nur sprüht hatten, brachen i. J. 181 1 benutz wieder au«, s. Rat-
scblagung des Erfurter Rates vom 25. August 1811, FE. I, Nr. 565; ebenda
Nr. 5H6: Bündnis mit dem Grafen von Gleichen. * In Thüringen brachen im
J. 1312 auf die Kunde von der Gefangenschaft des Landgrafen Friedrich von
neuem die Kämpfe aus: Die Reichsstädte Mühlhausen und Nordhausen. die
Erfurter, die Äbte von Hersfeld und Fulda standen gegen Friedrich; s. FE. I.
Nr. 567 (Bündnis der Erfurter mit dem Abte v. Fulda, vom 1°. Februar 1312).
7 „Schanze,'* stf.. aus dem franzos. ehance (lat. cadentia), s. n.St. 260 A2, bedeutet
Glücksfall. Wechselfall, danach zu »eh. g. = „den Wechselfallen (den Kriege.«) aus-
gesetzt sein und ihnen unterliegen." 8 Im Vertrage zn Tangermünde vom
13. April 1312 (Gerken, Cod. dinl. 1 pag. 192, Nr. 115; Riedel, Cod. dipl. Brand.
B. I pag. 319sq. Nr. 401). 9 Nicht als Mitgift für seine Tochter Elisabeth, die mit
Markgraf Albert von Kothen (Sohn der Agnes, welche mit Albert von Anhalt
vermählt war) vermählt werden sollte, sondern 7,ur Sicherung der Kriegskosten-
entschädigung, die auf die für jene Zeit enorme Summe von 32000 Mark Silber
f= 1280000 Reichsmark) festgesetzt war, s. Wegele a. a. O. S.325. 10 Diese
Erzählung stammt aus der Peterschronik, sie ist aber unwahr, s. Wegele a. a. O.
S. 326 u. A. 2, MEH pag. 344 A. 8. Die Reihenfolge der Thatsachcn weist darauf
hin, dass Landgraf Friedrich und auch sein Sohn zeitweilig aus der Haft ent-
lassen sind . um die ausbedungenen Verfügungen zu erlassen , .«ich aber wieder
zur Haft gestellt haben und dann freigegeben sind. Der definitive Friede erfolgte
zu Weissenfeis am 1. Januar 1317, s. Wegele a. a O. S. 334— 335.
Digitized by Google
188
142. Stück.
herren, den lantgrafen, mit gewalt unnd fürten on mit sich keyn alden-
burgk, unnd darzu betreffen sy graffen albrechten von kothen mit
alle syner mansehafft unnd volke unnd fürten sy gefangen allesamt
keyn aldenburgk. Des danckte on or herre, der lantgrafe, gar flisigk,
das sy on also er lost hatten, unnd dy sloss unnd dy stete, dy her zu
schatczunge gegeben hatte, dy gewan her wedder, unnd solde der grafe
7 von kothen wedder ledigk werde, so muste her deme | lantgrafen syne
tochter elsebeten wedder senden unnd darzu vele geldes, unnd musste
on ouch sune unnd richte mit syhem ohmen, margrafen woldemar,
Kothe 630 ewiglichen. Dar noch czoch lantgrafe frederich wedder in doringen
wedder dy von erffort unnd wedder dy czwene epte also vor unnd
Rothe «3« drang sv Zl, ejner sununge.11 Also nu lantgrafe frederich der freydige
also mit den von erfforte kreyg^do starp12 lantgrafe albrecht, sin vater,
zu erfforte in grossseme ermute unnd wart da selbest begraben in
unser lieben frowen kerchen, als her LXIIII jar ald was. Unnd do on
disser lantgrafe frederich. sin son, vor treben hatte von wartpergk umme
der grossen untruwe willen, dy her an syner muter unnd an ome
gethon hatte, als ob geschreben steot. Do czoch lantgrafe albrecht, sin
vater, zu den von erfforte unnd gab on dy dorffer, dy umme dy stad
erffort legen sint, das sy ome alle tage selb czende spisse besorgen
unnd ussrichten solden, dye wile her lebete. Also quam es dicke, das
her dye edeln, dy zu erfforte in rethen, zu huse unnd zu gaste bad
unnd hisch zu synem pfleger uff eynen tagk czweier addir drier tage
pfronde ,:\ unnd muste der hyndenoch selbest mit den synen en pere
unnd gebrechen liden, unnd wart'do gar ungeaeht " under den fursten,
erbar luthen, burgern unnd geburn, dy uff on fingerczeygeten unnd
vor spotten on, wo her gingk, unnd syn son, lantgrafe frederich der
freydige, karte sich keins an on. Das selbige thed ouch frawe alheid,
sin wertynne; dy bleib zu wartperg unnd zu isenache mit orem eydam
unnd mit orer tochter. Also wart lantgrafe albrecht zu erffort un-
91 geneme gote und allen luthen umme der grosssen untogunt willen, [ dy
her an syne ersten elichen gemal, 15 der edeln furstynne, unnd an syne
eygen elichen sone gethan hatte, durch Knnnen von isenberges willen.
11 Mit den Abten von Fulda und Uersfeld schloss Landgraf Friedrich im Oktober
1812 Wollenst iiistand, dann i. .T. 1314 Frieden, ebenso mit den Reich sstädten Mflhl-
hauaen und Nordhausen , s. Wegelc, a. a. 0. 8.327 u. 329 f., endlich mit Erfurt
am 14. Juli 1315 's. UE, I, Nr. 5X0); die Erfurter muasten die ,. mindere (irafnehaft"
herausgeben, erhielten aie aber auf 5 Jahre verpfändet, s. FE, I. Nr. 581 u. 582,
s. a. C. 1 Jever, ( iesch. d. Stadt Erfurt, Neujahrsblätter 1898, S. LS- 19 ; Wegele a. a. O.
S. 330 f. l > Landgraf Albreoht ist am 20. November 1214 gestorben, s. Wegele
a. a. O. S. 330. HK S. 70 u. Neoml. S. Mariae Erford,, Zeitschrift furOeschiehte de* Ober-
rheius IV pag. 25ft 'nach MFH nag. 346. Anm 6}. ,:< Mhd vroende, stf. = md
pfronde, frondienatiges Laim, danu Einkommen daraus, endlich allgemein
..Einkommen." " Das Folgende ist Stollea Zusatz, denn weder die Peterecbronik
nodi die bist. Pistor., die hier (Quellen sind, erwähnen etwa« davon. ,r' Mar-
garet, seine enste Gattin, Tochter Kaiser Friedrichs II, s. ob. St. 124 u. 125.
Digitized by Google
143. u. 144. Stück.
143. Wy der blicks <ly borgk wartberg vorbrante. Roth« 635
Also man czalte nach cristus geburt tusent CCC XVII l jar, do i$is
enprante der bligks1 den torm zu wartpert unnd das niusshuss, dy do
beyde unnd wol herlichen mit blvge gedacket waren. — In der selbigen r„«,« um
czid, do czoch2 lantgrafe frederich der freidige um nie im lande zu do-
ringen unnd gewan unnd zu brach da vele sloss unnd vestenunge, dye
in den krigen gebuwet warn, unnd sunderlichen das veste sloss raspen-
bergk3 zu brach her. Item in deme selbigen jare, do erslugen4 dy von JfJ^/fJ
Meydeburg oren bisschoff.
144. Von einem speie der "funff torechten
juncfrowen zu isenaebe. Roth© 640
Also man czalte nach cristus geburt tusent CCC XXII1 jar, vierczen iwäi
tage nach ostern,2 als dy predigere or aplas haben zu isenache, do wart
eyn spei3 ge macht zu isenache von den funll wissen unnd von den
funff torechten juncfrawen, also das heilige ewaugelium uss wiset, unnd
also dy fünft torechten juncfrowen vorthamet* worden, da toten sy zu
• IIS falsch: vorthumot ; e: vonUinpt.
143. 1 Die vollste Form lau tot blikize. stm. , daraus md bligks = Blitz,
s. H. Rückert, Lel>en dt« heil. Ludwig, S. 150. Über die Sache s. Crou. S. Petri
Erf. mod 1. 1. pag. 447. lin J. 1319 baute Landgraf* Friedrich das Niedergebrannte
wieder auf. J Wahrscheinlich in Sorge des Landfriedens (s. Wegele a. a. O.
S. 337); die Tbatsachen berichtet die Peterschronik 1.1. pag. 447 u. 448 (bez. über
Raspenbergk die längere Erzählung aus d. Dresdener Codex K 316, als E bez.).
3 Die Burgruine Kaspenburg bei Itastenl>erg (Stadt im Verwaltungsbezirk Apolda
de* Grossherzogtums Sachsen, am Südfuss der Finne), gegründet i. 12. Jahrb.
von Heinrich Rasj>e, wurde i. J. 13*21 von Landgraf Friedrich zerstört, r. Bau- u.
Kunstdenkmäler Thüringens I, lKtf8, S. 471, s. a. W. Rein, Die Palatien der alten
thür. Landgrafen, Archiv f. säebs. Gt «dachte I, S. 417—419; k. auch BE S. 76
* Ausführlich von der Peterachronik erzählt, 1. 1. pag. 447 (*. dazu tlie Anm.
Holder -Eggere, ebendesselben i. d. ME11 pag. 348—349); die Ermordung Erz-
bischof Burchards III. (1307—1325) geschah m der Nacht vom 20. zum 2i. Sep-
tember 1225, also schon nach dem Tode Landgraf Friedrichs.
144. 1 Über die Vorgänge s. ata Quelle Crou. S. Fetri Erf. mod. 1.1. p. 448 sq.,
MEH pag. 351, adn. 1 gegen Wegele, Friedrich der Freidige, S. 339 A. 1 , welcher
Friedrich schou seit 1320 als krank (geistesschwach) annimmt, die AjKiplexie
aber nur später hinzukommen lässt. Nach Holder-Kgger fand die Aufführung
des Spieles bereits am 4. Mai 1321 (nicht erst am 25. April 1322) statt; der Land-
graf starb dann nach 3' Jähriger Krankheit am 16. November 1324. 5 Die Peters-
chronik sagt geuauer: am Montage nach Misericordias Domini, dem 2. Sonntage nach
dem Osterfeste (25. April 1322). :l Es ist noch vorhanden: Das Spiel von den
10 Jungfrauen, gefunden von Friedrich Stephan in Mühlhausen i.Th., veröffent-
licht 1847, hcrausggb. v. Ludwig lUcbstein 1855, Wartburg- Bibliothek 1, nach
einer and. HS [V. J. 1428) von Rieger, in Frz. Pfeiffers Germania X, 311 ff. ; über-
setzt ist es bei Bechstein, ebenso von Albert Freybe, welcher beide Texte
zusammenarbeitete und die Verbessern ugs Vorschläge von Reinhold Bechstein, in
Pfeiffer« Germania Bd. XI, 129«.. benutzte. S. auch L. Koch, Das geistliche Spiel
von den zehn Jungfrauen zu Eisenach, ZThG VII, S. 109—132.
Digitized by Google
190 145. Stück.
mole clegelichen unnd erbermlichen , unnd unser liebe frowe unnd alle
beiigen, dy boten got vor sy, unnd das half! alles nicht, unnd ditte was
etwas zu harte gespelt,4 wann maria unnd die lieben heiJgen, dy enbeten
vor keinen vorthanieten* nicht, wann sy wullen anders nicht, dann das
got wil. So wel got ouch zu deme jungesten tage nicht mehir barm-
herczig nach gnedigk syn. sundern her wel eyn gerechter gestrenger
t richter syn. Da vor itczunt in disser gegen | wertiger czid wel her uns
gnedigk unnd barmherczig syn, unnd wer sich mit siner ruwe unnd
bussse hir uff ertriche adir in deme fegefure versumet, der muss den
schaden haben. Czu dissem speie quam ouch lantgrafe frederich der
freydiger unnd sach das unnd erbildete :-i das in sich unnd wart sere
czorning unnd sprach: was ist der cristene glaube, adir was ist nu
unser hoffenunge? hilfft nicht, das gotes muter maria vor uns armen
sundern bethet, unnd alle gotes heiigen gebete mögen, wor zu dynen
wir on, adir worumme sullen wir sy eren, sullen wir nicht gnade durch
sy erwerben? unnd bleib also in grosssem unmutho unnd betrubunge
wol fünft tage, unnd mit grosser arbeit unnd undersagunge besynnete
man on kume, das ditte nicht eer ge schege, wann zu deme jungesten
tage, unnd do slug on der slag, das her lam wart an ejrner syten, unnd
dy spräche enpfil ome, das man on kume vor nemen konde, unnd er
lebete dar nach wol vierdehalp jar unnd machte sin selgerethe unnd
starp unnd lid begraben zu sente katherinen vor isenache in sente
johans Capellen. Unnd do her starp, do was her funffunndtunftczig jar
alt, unnd do her gestorben was, do hette sin son gerne erfaren, wy es
unnne sine sele" gewest were, unnd liss das vor suchen einen meister
derswaic/.en kunst.1' Der ufienbarte, das syne sele das fegefur hette in
deine gründe hinder wartperg under deme hiudersten tonne.
145. Von lantgrafe fredericlie des freidigeu tode.
K<»»hU64i Also 1111 lantgrafe fredrieh der freydige gestorben was, do liss her
<..»ucbc5Dejnen S0Di den hiss ouch trederich dor ernste,1 lantgrafe in doringen,
» IIS fekcli: yortbunu-ten ; e: vordUHptm». b HS falich: kunt.
4 Über dielenden/. <le^ Spieles derEisenachcrl^digermönche^iurder bußfertige
Glaube an Gottes Gnade in Christo kann von Sünden erlügen, nieht die Fürbitte der
Heiligen, selbst nicht der Gottesmutter Maria) s. Koch a. a. O. S. 122 ff. ; Stolle
glaubt von seinem Standpunkt«.' gegen diese den damaligen religiösen Anschau-
ungen widersprechende Auffassung der Eisenaeher Dominikaner Verwahrung ein-
legen zu sollen. ' „Sieh erbilden'1, erbilden in sich — in sich da« Abbild (eines
Dinges i darstellen, nachdenken über etwas/' Nach St. 81, wo das gleiche
Verlangen der Sohn Ludwigs des Eisernen, Ludwig III. der Fromme, äussert.
H.-». 1 Friedrich II. (reg. von 1324 — 1357; war zur Zeit, als sein Vater «r-
kraukte, erst wenig älter als 12 Jahre, da er 1310 geboren war, und noch un-
mündig, als «fein Vater starb. Seine Mutter war Elisabeth von Arnshaugk,
s. ob. St 138 A. 3; sie führte für ihn zunächst die Vormundschaft.
Digitized by Google
146. Stück.
191
niarggrafo | zu missen unnd zu landerbergk,2 im osterlande unnd herre »*
zu plissen. Dusser nam zu der ee keyser lodewiges tochter, der eyn
herczoge von beyern was; dy biss meehilt,s unnd by der gewan her
vier sone : frederichen, baltasaren, wilhelm unnd lodewigen, unnd czwo
tochtere, der nam eine den borggrafen von noruberg,4 dy andere wart
eine eptische zu Suselitcz, sente claren ordens.5 Unnd do nu lantgrafe
frederich der froydige, sin vater, starp, do was dusser lantgrafe fredericb
der ernste, sin son, XV jar ald. Do koss ome sine muter zu formunden Roth» 645
graten heinrichen von swarczburg ; 6 unnd der wart in der margk vor
einer borg, do sy also balde ummefredeteydingeten, erschossen,7 unnd
dar noch sso koss sin muter eynen andern formunden, einen hern von
plawe, s der or do wislich unnd getruwelich vor was, unnd machte guten
frede unnd hild gestrengeclich gerichte.
146. Wy 'dy von drefarte ge kregen haben
mit deine lande zu doringen. Kulh„(
Als man schreib nach cristus geburt tusent CCC XXVII jar, do 1327
worden dy von drefarte1 uudo dy von Spangenberg, - das eine herschafft
was, des landes zu doringen vyende unnd toten grossen schaden unnd
czogen in das land mit beere unnd hatten an sich genomen dy west-
- 13er Titel als Markgraf von Landsberg — so naonte sich ein Zweig der Wettiner,
nachdem Graf Dietrich von Eilenburg, Sohn Konrads de* Grossen, um da* Jahr 1160
auf hohem „Porphyrfelsen am Strengbach zwischen Halle und Brehna" (s. Kämmel,
Ein Gang durch die Geschichte Sachsens und seiner Fürsten, Festschritt 1889,
S. 13) die Burg Laudsberg gebaut hatte — war ilamals nur ein leerer, da die
Askanier sich seit dem Jahre 12tM im Besitze der Markgrafschaft Landsberg
befanden, welche ihnen Landgraf Albrecht verkauft hatte. 3 Landgraf Fried-
rich II. wurde zuerst i. J. 1323 mit Jutta, der Tochter König Johanns von Böhmen,
verlobt, welche dann auf der Wartburg erzogen wurde. Als es jedoch i. J. 1325
vorteilhafter erschien, mit dem im Kampfe um die deutsche Königskrone sieg-
reichen Bayernherzog Ludwig eine Verbindung einzugehen, wurde die böhmische
Prinzessin ihrem Vater zurückgeschickt und Friedrich mit Mcchtilde von Bayern
verlobt; i. J. 1328 fand die Vermählung beider unter grossem Pompe in Nürn-
berg statt (Peterschronik z. J. 1328). 4 Die bist. Eccard. pag. 454 spricht vom
Herzoge von Lothringen. 5 Alteeuselitz, ein ehemaliges Kloster, im Königreich
Sachsen, an der Elbe, eine Meile unterhalb Meissens gelegen. Die Klarissinnen
(ordo sanetae Ciarae) war der 2. des heiligen Franziskus, neben Minoriten und
Tertiariern, gestiftet von der heiligen Clara (1194— 1253) i. J 1212. « Graf
Heinrich XIl. Lindner, Nachlese zur Geschichte der Grafen von Schwarz-
burg, S. HOi; er war der Vater des späteren deutschen Königs Günther (XXI.)
von Schwarzburg. 7 Im November 1326 wurde er durch einen Pfeilschuss bei
der Belagernng einer Veste in der Mark Brandenburg getötet und zu Berliu im
Kloster der Dominikaner begraben. s Heinrich XIL, Keuss von Plauen; MEH
pag. 357 adn. 6 nennt ihn Heuricum II Russe.
14«. 1 Über die Herren v. Treffurt s. Rein. Die erloscheucn Adelsgeschlechter
des Eisenacher Landes (ZThG IV, S. 203-213; ob. St. 115 A. 2 u. 4). - Eine
Linie der Herren von Treffurt nannte sich nach ihrem Besitztum Spangenberg
in Hessen.
Digitized by Google
192
147. Stück.
felinge, hessen, Sachsen unnd eissfelder unnd wolden sonnenborn,
goltbach3 schinden unnd vorterben, unnd dy andern dorfler darumme
legen. Ditte was in der erne. Also balde was dy lantgrefine zu gota,
unnd er frederich Ton wangheim, der or landvoyd was, der nara an
sich dy manschafi% urame sich gesessen, unnd dy von gota unnd streyd
»mit on unnd £ewan | ouch den strid unnd fingk ern frederich en 1 unnd
ern herman 1 von dreforte, dy sulch volk unnd rouber in das land zu
doringen gefurt hatten. Dy fürte her mit ome zu wangheim, ufi das
sy leben bieben. Adir dy echter,5 unnd dy or ere nicht gar wol bewart
hatten, dy fürte man zu gota; do worden dry erbir manne gebrudere,
genant dy kunemunde, mit keten an den galgen gehangen, unnd dy
andern jagetc unnd treib der von wangheim biss zu drefarte zu an dy
werra unnd slug or vele tod. Unnd dar umme so worden ome von der*
lantgrefen, do sy dy schatezunge geben solden, grossen beringen, oster-
beringen unnd wolfiberingen **• zu geleyd, also dy von wangheim das
Roth« 6«e noch besitczeu, dy da vor der von drefarte gewest sint. Noch so lissen '
dy von drefarte von orer rouberic nicht; sy beschedigeten hessen land
von spangenberg unnd den bissehoff von raentcz ufl deme eissfelde
unnd den lantgrafen von doringen, von dreffarte. Hir umme czogen
dusse dry fursten semptlich vor drefarte unnd gewonnen das und be-
hilden es miteynander. Bitte geschach nach cristus geburt tusent
1329 CCCXXIX 8 jar.
othe«64 147. Wy einer von drefarte1 bulen reid.
<lfr>) Hir vor wol eyn jar, do solde der eine von drefarte eines nächtens
alleine rite über den heldersteyn 2 von einer frowen, by der her gewest
was uff der bulschafft, wann her alleczit den wiben unnd den meyden
nach gingk unnd dy lesterto, wu her konde, also das in synem ge-
richte nymant syne tochter über cy weift jar behalden konde. Nu pflag
her einer togunt , das her alle tage unser lieben frowen geeziten bette,3
» HS: «ob« der lantf raten von (Unwtollung nötig, wt« »uch die HS andeutet).
" Sonneborn wie Goldbaeh sind Dörfer im Herzogtum Sachsen -Koburg
u. Gotha, erster<>s im Landrateamt Waltcrshausen , letztere« im I>andrat*amt
Gotha. * Die Namen Friedrich und Hermann kehren bei den Herreu
v. Treffurt und Spangen bere stets wieder. s. Hein, a. a. O. S. 203. 6 echter (mhd
auch achter) bedeutet oft „der ( i eächtete. " ,; Dörfer zwischen Eisenach und
I^angcnsalza, im Herzogtum Sachsen-Koburg u. Gotha gelegen, später deu
Wangenheims zugehörig. : Diese Nachricht hat Rothe aus der histor. Pistor.;
sie lindet sich atier erst in der aus HSS vervollständigten Ausgabe von Struve,
172«, pag. 1342, freilich falsch z..I. 1328. • Vielmehr 1339.
147. 1 S. Kein a. n. <>. S 211, A. 2, wo auch die betreffende Litteratur an-
gegelten wird; es war Graf Heinrich VI von Treffurt. • Helder- oder Hellcr-
stein, Heldrastein bei TreHurt, s. St. 115 A. 4. ;' Er hatte die Gewohnheit,
das officium parvum in honorem beatae Mariac virginis zu beten, wie ea auch
Laien thaCcn und noch thuu. „Geeziten'- = Tageszeiten des kirchlichen Gebetee
(breviarium).
Digitized by Google
148. Stück.
103
wann her wol gelort was: unnd die selbien metten von unser lieben
frowen bette her da, do her ubir den heldersteyn in der nacht reyd.
Do wart her erre unnd hatte misseret^n, das her quam ufl den hochen-
stoyn, 1 unnd das pfert an das ende quam unnd konde numme gefusssse.5
Do stutczte es wedder unnd wolde numme fort gehee. Do hiwe her
das pfert mit den sporn, das das pfert dy grusslichen hochen hohe
muste abe springe. Her wüste des abir nicht, wann es sere finster
was in der nacht; das pfert zu vil sich gantcz unnd gar tod, der satel
lag an stucken unnd das swärt uff siner syten zu brach, abir her bleib
gantcz unvorletczt umme des gebetis willen unnd anruße, so her
unser lieben frowen inneclich in deme valle angeruflen hatte. Von
stunt erkante her gotes wunder wergk unnd czeichen unnd vorliss also
balde alles, das her hatte, unnd vor gab gross durch got armen luthen,
unnd sine lehen gab her sinen brudern unnd quam keyn isenache.
Do gingk her barfuss winter unnd sommer unde gingk zu den kerchen
unnd bad alle tage das brod vor den husern, unnd wanne her des
umme* syne notdorff gass, so vorgab her das oboryge andern armen
luthen, dy mit ome gingen. Also starb her zu isenache in grossen
ruwen unnd leyden siner sunde in grosseme ermuto unnd in einem
heiigen leben; unnd do her sterben solde, do koss her sine begrafft zu
unser lieben frowen an dy aller vorsmehesten stad des kirchoffis
czwisschen der kerchen unnd der stad muren , do dy schuler zu orer
notdorfft | hene gingen. Do 1yd her begraben ; do lissen ome dy hern *
uff deme stiffte unsers hern marter an eine taffein zu sinen fussen an
dy kirchen molen.
148. Von deme Wendelsteine zu grimme.1 no»h,öM
Als man schreib nach cristus geburt tusent CCCXXXII jar, do wart 1332
der Wendelstein by wyhe in deme gryrametal zuerst gebuwet von
den Grafen von wymar gebrudere.
* Zu «atz, In IIS vergeben.
1 Es wt die an der Nordacite des Heldrasteins senkrecht abfallende Höhe
des Berges gemeint. r" Wie mhd vue^en heisst hier „gefi^eu" „hintreten," d. h.
festauftreten.
14S. 1 Uber die Ül>erlieferung dieser Nachricht a IIolder-Eggei, N. Archiv
XXI ö. 4.% f. Zur Sache, s. A. Jsebe, Wendelstein, 1878, S. 2-3; H. Grössler,
Führer durch das Unstrutthal, Archiv für Laudeskunde der Pr. Sachsen, 1802.
S. 101 ff. u. 12911. Als die Grafen von Rabenswalde, eine selbständige Linie des
begüterten Grafenhauses v. Käfernburg, 1312 ausgestorben waren, fiel ihr reiches ICrbe,
die Herrschaft Wiehe, an den Grafen Hermann von Orlamünde, den Geinahl der
Erbtochter, der (iräfin Mechthilde von Rabenswalde; ihre Sühne waren Hermann
und Friedrich von Orlamünde, die sich nach ihrer Residenz Grafen von Weimar
nannten; sie haben den Wendelstein nicht erbaut, wie Rothe und Stolle sagen,
da er schon eine Bur? trug, sondern nur grösser uml schöner umgebaut. Was
der Chronist mit Grimme" und „Griinnietal" will, bleibt unverständlich.
K. Stollea Memorialo. 18
Digitized by Google
194
149. Stück.
149. Wye dye von erffort ge kregen haben mit
Roth, tot eynem lantgrafen zu dornigen.
133tf Als man schreib nach cristus geburt tusent CCCXXXYI1 jar, do
besamniete lantgrafe frederich der ernste eyn heer unnd quam zu
mittelhusen von geheiss wegen des keyscrs2 unnd von bethe wegen
des bisehotfes zu mentcz3 unnd wolde do gerichte sitczen ubir dy von
erfforte, dy der pfaffheit zu erfforte veJe ubirlastes gethon hatten. Do
czogen dy von erfforte uss mit so gethoner macht, das sy den lant-
grafen von deme gerichte treben, unnd umme des willen so wart der
lantgrafe der von erfforte vyent unnd thed on allen enden schaden, wo
Roth« 663 her konde. Unnd do dy von erfforte gesogen, do mochten sy einen
bunt4 mit den grafen von keffernbergk, von wymar, von bicheliugen
unnd von rothenborg,1 5 dy den von erfforte alle hulflen. Unnd do
dusse grafen erkanten,fi das sy von deme lantgrafen, orem rechten er-
behern, sere gedrungen worden unnd gross beswert, do lissen sy von
den von erfforte unnd bilden sich do an den lantgrafen. Unnd do
f>4 ditte erkanten dy von eröorte, do gewonnen7 sy | vierhundert soldener
unnd befolen dy heinriche von blanckenheyn, orem houbtmanne; unnd
mit deme sso czogen sy uss unnd vor herten den nuwen mart, bottel-
stete, tur.gisbrucken,* unnd umme gota was do wass. Darnoch quomen
sy vor kranchfelt.5* Das was ufl dy czyd der grafen von swarezpurgk
Roiboöcs unnd vorbranten dor ynne wol by sechezig menschen. Dar noch be-
sammete sich10 der lantgrafe frederich der ernste unnd czoch vor dy
stad erffort unnd bebig dy unnd vor terbete do dy fruchte unnd dy
US falsch: kothenborgk.
141K ' Uber die Ereignisse, besonder» des Jalires 1336, über welche die Oroii.
St. Petri Erf. 1. 1. pag. 4.r>8 (». a. MEH pag. 370) herichtet. h. bes. C. Beyer, die Stadt
Erfurt wahrend de« Streites um da« Erzbist um Mainz zw. Heinrich V.Virneburg u. Erz-
bkchof Balduin v. Trier, MGE, XI V, 1 »90, S. 1 -32, bes. S. 23 ff. (auch BE S. 95 ff. ) ; vgl.
a.ob. uns. Anmerkungen zu St. 65 u. 66. Die angestrebte Einigung mit Erfurt legt «ich
der Chronist durch das thüriug. Laudgerichtzu Mittelhauscu zurecht; hierüber wird ur-
kundlich nichts erwähnt, während es «ich vielmehr um ein Schiedsgericht han-
delt«', ». C. Beyer a. a. O. S. 17 f. ' Kaiser Ludwig der Baver «tand auf der Seite
seines Schwiegersohnes, des Landgrafen Friedrich IL, uud luitte im Mai 1335 die
Eiscnncher Einigung zustande gebracht, ». <J. Beyer a. a. O. S. 17, UE II Nr. 131.
' Der Chronist meint den Erzbischof Balduin von Trier. Administrator den Erz-
stiftes Mainz, der erst tiberall in Thüringen uud auch in Erfurt anerkannt war,
dem aber Panst Johann XXII. den Bonner Propst Heinrieh von Virneburg ent-
gegengesetzt hatte; im November DISO unterwarf sich Balduin dem Papst Bene-
dikt XII.; s. C. Bevera a O. S. 27 f. ' Bündnis vom 30. Oktober 1334, s. (\ Bever
a. a. O. S. 15 1'.; Hegest, (mit der betr. Litterat ur) im I E II, No. 120 u. 121. r'*Es
ist der Graf von Kotenburg, ein Beicblinger Graf, gemeint, wie die Hist. Pistor.
pag. 1343 angiebt, welche liest: de Kotenberg. Die Ereignisse sind auf Grund
der Crkunden nicht genau festzustellen, nur scheint ('s. LEU Nr. 139) der neue
Bibeln >f von Naumburg Witticho 1. (133."»— 134^) den Umschwung herbeigeführt
zu haben; den Aussehlag gab, dnss Landgraf Friedrich 1 1. und Frzbiscbof Balduin
v»ti Trier sieh vertrugen, s. C. Bever a. a. O. S 19 u. 23 f., FE II Nr. 137. 140. 142
bis 145. ' S C. Bevera. a. O. S. 24 s S. ob. St. H*i. A. 10. IL 12. » S. ob.
St. 6G. A. 13. "' S (.'. Bcvcr a. a. < ). S 24 f.
Digitized by Google
150. Stück.
195
wingarten, dy do umme dy stad legen, unnd quoraen in deme brule
zu samene uss deme here unnd uss der stad unnd bieben gar vele
luthe tod uff beyde syten.11 Also lag der lantgrafe vor erfforte XVI
tage unnd thed on grossen schaden. Dar noch richten sich12 dy von
erffort mit deme lantgrafen unnd goben ome eine grossse summe geldes.
150. Wy dy von erffort unnd eyn lantgrafe mit
den grafen ge kregen haben.1 Roth*««
Als man czalte nach cri.stus gebuit tusent CCCXL1I jar, do erhub 1342
sich grafe herman von wymar unnd grafe gunther von swarczburgk
wedder lantgrafen frederichen den ernsten, unnd es ge schach, das
grafe herman von wymar uff deme rathusse zu erffort was und tantczte
do mit den frawen, unnd ess begab sich, das dusser furste, lantgrafe
frederich, dorch dy stad erffort reyd mit posunen und pfiffen, als sieh
das eynem fursten wole czemet. Do gingen dy frawen uff deme rat-
huse an dy feuster schouwen. Also thed | der grafe von wymar ouch; *
der liff an eyn fenster unnd riff er abe homuticklich dussem lant-
grafen noch unnd sprach: frederich, wodanne rytestu, unnd wo wiltu
hene ? Do sweig der lantgrafe eine weile unnd sprach darnoch : werlich
ich eu wel nymmer recht fro werden, ich en brenge dich danne darzu,
das du mich herro must heysen! Unnd dar noch nicht ubir lange R"*1»
czid, do wart der lantgrafe mit den von erflorte über eyn, das sy des
grafen von wymar vyend worden unnd ouch des grafen von swaicz-
n Nncli C. Beyern, a O. S. 25 verloren die Gegner Erfurts, Landgraf Friedrich
und Erzbiachof Balduin, nur einen Reiter, welcher in einen Graben gestürzt war und
daselbst ertrank: ,s Uber den Frieden, welchen Elisabeth, die Mutter des
Landgrafen Friedrich II., vermittelte, s. C. Beyer a. a. 0.8.25 ff., UE II No. 148.
150-155. 157 u. 158. 161.167— 169.
150. 1 Über den sogenannten „thüringischen Grabenkrieg", welchen Rothe
nach der bist. Pistor (Ausgabe v. J. 1583: pag. 939 sq., in der Ausgabe von
Struve, 1726, pag. 1844 sq.) erzählt, berichtet die Teterschronik (1. 1. pag. 460 sq.;
s. auch MEH pag. 375—377 ) nur abgerissen, ohne richtige Einsicht in den Zusammen-
hang der EreigniHse, welcher noch nicht klar dargelegt ist, wenn auch in der
heissigen Arbeit von Frd I»renz Hoffmanu: ., Günther von Schwarzburg, er-
wählter romischer Konig', in Hessen Taschen huch der Geschichte und Topographie
Thüringens gewidmet, 1819, S . 89 ff., bereits ein guter Anfang gemacht worden
ist, namentlich richtig eine Scheidung der Ereignis! der Jahre 1342 und 1343
von den späteren des Jahres 1345 und denen des Jahres 1346 in betreff der Orla-
münder Grafen (hierüber s. auch Michclscn. Urkundlicher Ausgang der Grafschaft
Orlamünde, hauptsächlich nach Urkunden der Hoffmann-Heydenreichschen Hand-
schrift, 185«) gemacht ist. Die Ausnutzung der neu eröffneten Quellen, besouders
in dem UE, wird über die zwischen den im vorigen Stücke (No. 149) erzählten
Ereignisse und dem ,.Grafeukriegek< liegenden, die nicht so glatt verlaufen sind,
wie mnn bisher annahm, erst Klarheit schaffen (s. II No. 160. 18:'.. 186. 190. 192. 194.
205), über den „Grafenkrieg" « ebenda No. 225.233.235 237.245.246.248—254;
über Erfurt« Beleluiung mit der Grafschaft Vieselbach ebenda No. 227—231. 234.281 ;
überdie Erwerbung von Zimmern (infrn)am Ettersberg* No. 2SH 293. S.a. BES. 104 ff.
13*
Digitized by Google
196
150. Stück.
burgk unnd czogen mit here uft on unnd vorterbeten orae dyforte,*
kobinstete, hardessleuben , breytenherde, atterssleuben , witczeleuben,
kercheira, westhusen. Onch so belogen sy disse bürgen fedelnhusen3
unnd vipech, dy gewonnen unnd zu brochen sy. Dor noch gewonnen
sy hesselere4 unnd zu brochen es unnd gewonnen dy stad wyhe5 unnd
vorbranten sy, unnd das sloss besatczten sy. Dar noch gewonnen sy
willerstete'1 unnd grotczhcym7 unnd zu brochen sy. Dar noch belogen
sy dorneborg8 unnd gewonnen das, unnd dy von erflorte wolden es
ouch zu brochen habe, unnd des en wolde derlantgrafe nicht, sundern
er wolde dorneborg ome selbest behalde. Dar noch czogen sy vor tun-
torff,'' unnd das zu wynnen unnd on behalde; unnd das ge schach.
Also besatczte der lantgrafe dorneborgk, unnd dy von erflbrt tuntdorff,
Roth« r.7o das sy noch haben. Dar umme nu, das grafe gunther von swarczburg
deme grafen von wyniar in symo krige by gestanden unnd gehulffen
hatte, dar umme so czoch der lantgrafe unnd dy von erflorte vor arn-
9n stete unnd logen da vor unnd toten der stad unnd den dornen, | darumme
legen, grossen schaden. Unnd dy von erflorte goben deme lantgrafen
vor: wanne sy arnstete gestormet unnd gewonnen betten, so solde man
sy gancz vor störe unnd vor terben, unnd des en wolde der lantgrafe
nicht, unnd darumme sso czogen die von erflorte abe, unnd der lant-
grafe bleyb alleine10 mit den synen da vor unnd konde der stad nicht
gewynne, wanne dy von erflorte hatten den geczugk11 en wegk. Dar
noch czoch der lantgrafe ouch abe unnd musto von nutwegen in das
lant zu missen; das erfurn dusse' czwene grafen unnd besanten vele
ore frunde unnd ranton vor erftbrt biss in dy thor unnd in dy nuwen
graben unnd meynten, der lantgrafe were ferne en wegk, unnd der was
noch nicht evne mvle von erflorte. Unnd disse reisten12 dy von erflorte
vaste uss der stad, do bestalten dy von erflorte deme lantgrafen wedder
* Es sind zunächst folgende Ortschaften genannt: 1) Tiefurt a. d. Ilm, Dorf
im Grosshzg. Sachsen, unweit Weimar ; 2) Kobstedt, Dorf im Hrzg. Snchsen-
Koburg u. Gotha. Landratsamt Gotha: 3) Hardisleben, Dorf im Grosshzg Sachsen,
Verwaltungsbezirk Apolda; 4) Breitenheerda, Dorf im Grosshzg. Sachsen,
Verwaltungsbezirk Weimar; 5) Attersleben (in der ersten Ausgabe der liist. Pist:
Artisleiben, in der zweiten: Maretisleiben), mir unbekannt, vielleicht das alte
Albrechtisleben, später Allersieben, jetzt Ollerslebcn, Dorf im Groaslucg. Sachsen,
Verwaltungsbezirk Apolda, oder Audisleben, das ursprünglich Andersleben hiess
(s.o. St. 141 A.4); 6) Witzleben, Dorf im F. Sohwarzburg- Soudershausen, Kreis
Arnstadt; 7) Kirehheiui, preussisches Dorf im Kleine Erfurt; 8) Westhausen, Dorf
im Hzgt. Sachsen -Koburg u. Gotha, Landratsamt Gotha. 3 Es folgen dann:
1) Fedelhusen = Vippachedelhausen, Dorf im Grosshzg. Sachsen, Venvaltuugsbez.
Weimar, und 2) Vqiech — Sehlossvinpach, Flecken im Grosshzg. Sachsen, Ver-
waltungsbez. Weimar. * Burghessler, preuss. Dorf im Kreise Eckarteberga.
1 S. St. 141 A. 1Ü. ,; Willerstedt, Dorf im Grosshzg. Sac hsen, Verwaltungsbez.
Apolda. 7 In der bist. Pistor. Grysheim; Griesheim, Dorf im Fürstentum
Sehwarzburg-Rudolstadt, Ldrateamt liudolstadt, a. d. Ilm. * Dornburg a. d. Saale,
Stallt im Grosxhzg. Sachsen, Verwaltungsbez. Apolda. 9 Tonndorf, Dorf im
Grosshzg. Sachsen, Verwaltungsbez. Weimar, lange Zeit im Besitz der Stadt Erfurt,
auch zu Stolles Zeit. '" So erzählt es Kothe nicht; wohl Zusatz von Stolle!
u S.St.44 A. 3. " Md reisen = mhd reisen „reizen".
Digitized by Google
150. Stück.
107
noch wind Dothen on wedder umme zu keren; unnd das geschach. 671
Unnd dy von erflorte czogen also starg uss, das sy dusse graten
jageten unnd folgeten on noch biss an das dorf genant eginstete.13
Do wanten sich dy graten unnd streten mit den von erflorte, unnd der
lantgrafe quam on do czu hulffe; unnd do worden gefangen czwene
grafon von swarczburgk unnd vele erber manschafft mit on unnd fürten
sy kovn erfforto. Der lantgrate volgete den fluchtigon noch biss vor-
arnstete ; do slug her rittere. Indes so quam der grate von berneborg 11
in dy stad kein arnstete mit czwen hundert gerugeten mannen-, der
quam noch ebene zu deme strite. Wann nu der lantgrafe unnd dy
von erfforte gereyte mude waren, dar umme so worden der synen gar
vele erslagen: er weczel von steine, er heinrich von aroldeshusen,15 er
dittrich von | tenstetelfi rittere unnd vele andere erber manschafft Diss *
geschreye quam in dy stad erffort, das vele or borgere er slagen weren. Rothe «7*
Do schickte der apt von sancto peter vele wagen uss mit synen
monchen, dy dy toten menschen hole solden. Do feien uff dy wagen
dy, dy uss dor stad erffort nach folgeten, unde von ungeschicht quomen
czwcy 17 pfert gelouffen under wegen zu dissen wagen by ichtriss-
husen.1* Do werte der stryd noch. Do beguunen dusse czwey pfert
unnd dy pferde in den wagen sich zu bissen unnd zu schrien. Das
horte der grate von berncburgk unnd meynte, es quemen andere ge-
rugete manne uff den wagen, unnd Hoch in dy stad arnstete, anders
were der lantgrafe gefangon worden. Also czogen dy gowunton luthe
unnd dy müden von stunt zu ertlort in dy stad, unnd dy monche, dy
luden dy toten uff dy wagen unnd furton sy on noch. Also bleib der
lantgrafe wol vier wochen zu erflorte unnd liss sich heile, wann her
sere zu slagen unnd vor wundet was. Also wart do eyne richtunge gc- iu,tb* «n
teydinget, das der grafe von wymar unnd alle syne herssschaftt, sloss (* LJ
unnd steto gab in des lantgrafen. hende; dy gab ome der lantgrafe
wedder, also das her unnd do sinen or gobruehe solden or lobetage
unnd nicht lenger, sundern orlemunde das behilt der lantgrafe inne. — ^e*/3
Als man schreib nach cristus geburt tusent (X'CXLII jar, dy von mol- Vii'2
Imsen worffen nedder den graten von reinstem11* unnd den von wer-
nyngerode unnd fingen sy mit vele erber lutheu.-0
1:1 Egstedt, preußische.-* Dorf im I/andkreise Erfurt. 14 Es war wahr-
scheinlich Graf Kupprecht III. von Virneburg, Bruder de» Erzbisehofa von Mainz
HHnrich von Virneburg — s. Hoti'mann a. a. O. S. 113 (A..°.0). "* Orlishus«n,
Dorf im Grosshzg. Sachsen, Verwaltuugsbcz. Weimar. "; Tennstedt, proussisches
Städtchen, Kreis Langensalza. ,; Der Abt hiess Hermann von Eichclborn
1 1837 — 1353), s. Böckner, MOE X S. 53. Übrigens arges Missvorstündnis des Chro-
nisten; nach den (Quellen, denen auch Itothe folgt, sind es zwei Pfeifer, welehe blasen;
nach seiner Art stellt Stolle breit dar, wie die Pferde angelaufen kommen und dann
schreien: an sich der Situation gar nicht nngepasst, denn nicht vor dem Schreien
der Rosse, sondern vor dor kriegerischen Musik, welche von anrückenden neuen
Trupjien herzurühren schien, zog sich der tapfere Graf von Virneburg hinter
Arnstadts schützende Mauern zurück. '* Ichtershausen (bekanntes Kloster),
Marktflecken im Herzg. Sachsen - Koburg u. (iotlia, zwischen Erfurt u. Arnstadt.
Digitized by Google
151. und 152. Stück.
151. Wy dy von erfforte unnd der lantgrafe vele
^676 stete unnd slossere gewonnen.1
1345 Als man czalte noch cristus geburt tusent CCCXLV jar, do czogen
dy von erfforte uff dy grafen von swarczburgk unnd gewonnen rudel-
m stad 2 unnd brochten vele gutis dar uss unnd vor branten dar noch | dy
stad. — Item in deme selbigen jare, do czoch lantgrafe frederich der
ernste mit den von erfforte an deme palmen tage3 vor willerstete*
unnd gewonnen unnd zu brochen das, unnd dar nach alkersleuben,5 unnd
dar nach nach unsers hern hyramelfart,6 do czogen sy vor kola7 unnd
gewonnen unnd zu brochen das unnd fingen darynne woll funffczig
manne erber luthe. Dar noch czogen sy vor werichhusen8 unnd ge-
wonnen unnd zu brochen das.
<Roth*676) 152. Wie dy liern von saleza1 or lant vorkouft haben.
Rette 681
1346 Als man schreib nach cristus geburt tusent COCXLVI jar, da teylten
sich dy gebrudere, dy hern von saleza, unnd czwcne, dy vorkoufften
oren teyl deme bisschoffe zu mentcz, unnd der dritte vor kouffte synen
teyl lantgrafen frederiche deme ernsten; unnd dy czwene hern, der
bisschofl unnd der lantgrafe, hatten orevoyte gesatczt in dy stad saleza.
Do wart des lantgrafen voyt uss getreben. Do czoch der lantgrafe
mit ge wald vor dy stad saleza unnd belag dy. Do spotten sin des
Roth« 6»s bisschoffes dynere unnd onch etliche bürgere uss derselben stad. Do
hiss her für dor in schessen, unnd das toten dy sinen gar ungerne,
also lange, das her das selbest zu erst in schoss. Do vorbranten unnd
vortorben in dor stad saleza dy manne, das man czalte achthundert
unnd achte unnd sobenezig menschen, unnd gar vele luthe feien ubir
dy muren beyne unnd arme enezwey. Unnd do der lantgrafe dy stad
saleza also vorbrant hatte, do lag her noch lange vor deme slosse unnd
warff mit bliden dar in, biss also lange, das eyne richtunge geteydingtt
10 Ruine Kegenstein, Kr. Hall>erstadt, unweit der braunschweigischen Stadt
Blankenburga.Harz.-Wernigerode.dicbckannteStadtim Harze. S.BES. 107. »"Die
Peterschronik (a. a. O. |>ag. 461) erzählt z. J. 1346: Castrum Ercsberc uf deine
Harze expugnatuin et eversum est per cives Ernhordenses et Molhunenses, uM
Hermannus de Stolbere et Heinrieu* de Wirterdc dccollatus est. Item XV ibi
sunt suspensi. — S. auch UEII Nr. 263.
151. 1 Diese Ereignisse gehören noch zum sogen. Grafenkriege. * Die Er-
oberung Rudolstadts geschah durch die Landgräflichen , s. Hoffmann a. a. O.
S. 104 u. 115, nähere* im I. Bande des ob. St. 150 A. 1 citierten Tascheubucln*
S. 40 f. 3 Der Palmsonntag d. J. 1345 fiel auf den 20. März. 4 S. ob. St. 150
A. 6. r' Alkersleben, Dorf im Fürstentum Sehwarzburg- Sondersbausen, bei
Arnstadt. ,; Am 5. Mai 1345. 7 Kahla, Stadt im Herzogtum Sachsen-Alten-
burg, bei Jena, an der Saale. 8 Werichhausen, Dorf im Herzogtum Saehsen-
Koburg u. Gotha, an der schmalen Gera, nördl. von Erfurt.
152. 1 Auch die Peterschronik erzählt die Vorgänge, s. a. a. (). S. 461 sq. —
Göschel, Chronik der Stadt Langensalza, löl8, 1, S. 221-245.
Digitized by Google
153. Stack.
100
wart czwissehen | demo bisschoffe unnd deme lantgrafen, also das sy v
beyde glich behaldo solden das sloss unnd dy stad. — Item in den Rötha es*
selbigen gecziten do machten der herczoge von Sachsen unnd der
bisscuoffvon roeydeborg einen muller zu eynem margrafen zu branden-
borg unnd sprochen: niarggrafe woldemar* were wedder lebennig
worden, der vor XXV jaren gestorben unnd begraben was.
153. Wye dy korfursten czweitrechtig worden in
der wehuige. Rothe 686
Also man czalte nach cristus geburt tusent COCXLVili jar, also 1348
keyser lodewigk gestorben was, do korn enteyl korfursten karln, den
koning zu bchemen, enteyl korn graten Heinrich von berneborg,1 unnd
der bisschoff von mentcz - mit etlichen andern korfursten3 korn grafen
gunthern von swarczburg,4 unnd der nam an sich syner frunde hulffe
unnd lag mit beere vor frangfort vier woehen unnd wart do ge krönet
zu konige; unnd darnach ubir korczo czid wart ome vorgeben;5 unnd
do her enczup,0 das her nicht genösse konde, do schickte her konigo
karl zu beheraen das rieh,7 unnd der gab synen frunden vele geldes Rothe 687
' Mit merkwürdig Einsicht durchschaut Mit der Chronist das Ränkespiel
namentlich des Erzbischofs Ott« (aus dem Geschlecht der Landgrafen von
Heesen, 1327—1361) und des Herzog» Rudolf von Sachsen, welche eineu
Müller (Jacob Rehbock) als sogen, „falschen Waldemar" aufstellten, um den
Wittelsbachern die Mark Brandenburg zu entreissen.
Ktf. 1 Arges Missverständnia des Chronisten: nicht der Gewählte war ein
Heinrich von Virneburg |hist. Pist. : Hernien» de Verneborg], sondern der Wähler,
der Erzbisehof Heinrich war Graf von Virneburg. Wohl aber hatte die wittels-
bachische Partei ihr Augenmerk auf Landgraf Friedrich JI. von Thüringen ge-
richtet, s. C. Wenck, Die Wettiner im 14 Jahrb., 1877, 8 6 ff. Als dieser ab-
lehnte, verfiel man auf Graf Günther XXI. von Sehwarzburg-Arnatadt. '-' Erz-
bischof Heinrich von Virneburg (im Besitze des Erzstiftes 1337—1353), nicht sein
Gegenbischof Gerlaeh von Nassau, vom Papste 1340 ernannt, welcher auf Karin IV.
Seite stand. 3 Ausser dem genannten Erzbischof Heinrich von Mainz waren
es der Pfalzgraf bei Rhein Rudolph, Markgraf Ludwig von Brandenburg und
Herzog Rudolph von .Sachsen- Wittenberg. * Über den König Günther von
Schwarzburg, seine Erwählung. nein Königtum (1. Jan. — 14. Juni 1349|, seine Ver-
giftung nnd seinen T«*l s. näheres bei Friedr. Lorenz Hoflmann. Günther von
Schwarzburg i. d. genannten Tawheii buche der Geschichte nnd Tojwgraphie
Thüringens gewidmet von Hesse II. 1819, S 132 ff. •"' Allgemein verbreitete
Ansicht ! Der Frankfurter Arzt, der dem Könige Günther das Gift gereicht halten
soll, wird Magister Freidank genannt. Das* es der in Frankfurt allgemein ge-
achtete, hochgelehrte Arzt Meister ]' reidauk, aus dem alten Geschlechte derer von
Heringen, nicht gewesen sein kann, erweist Holtmann a a. ( >. 16"» f. u. S. 188 ff.,
da dieser schon krank am IV April 1349 testierte und am 29. April d. J. starb,
die Vergiftung aber erst am Anfang Mai 1349 geschehen sein soll. " S. ob.
Si. 4 A 2 u. St. 61 A. 2. 7 Der Vertrag, durch welchen König Günther der
Krone entsagte, wurde am Dienstag vor Pfingsten, am 26. Mai 1349, im Felde
vor Eltville am Rhein zwischen ihm und König Karl IV. geschlossen.
Digitized by Google
200
154. Stuck.
unnd ouch das schultheison ammecht zu geylnhusen* unnd vclo fry-
heit; unnd hir nach ubir eyn jar do starpy lantgrafo frcderich der
134» ernste, als her XXXIX jar ald was, unnd lid begraben zu der cellen 10
im lande zu missen.
154. Wy lantgrafen frederichs des ernsten kindere1
ge friget haben.
Roth« 6*7 Frederich der frunthöldiger, lantgrafe in doringen, margrafe zu
97 missen unnd in deme j ostorlande mit synen dren brudern balthasar,
wilhelm und lodewige, das worn lantgrafen frederichs sone des ernsten.
Dusser lantgrafe frederich der frunthouldiger, der nam zu der e des
grafen von hennenberg tochter, frawen katherinen.'- Sin bruder baltasar
nam zu der e borgrafen johans tochter von nomberg. Sin bruder
wilhelm nam des margrafen tochter von merern,3 unnd der vierde
8 Stadt Gelnhausen an der Kinzig, in Hessen, Regbez. Kassel. Dom Edlen
Konrad von Trimberg hatte König Günther, um ihn in seine Dienste zu ziehen,
die von Kaiser Ludwig dem Bayer geschehene Verpfändung des Ungeldes (in-
direkte Steuern) der Stadt Gelnhausen bestätigt. Bei seiner Thronentsagung er-
hielt König Günther, um ihn und seine Familie (besondere die Grafen von Hohn-
stein hatten ihm viel Geld vorgeschossen) für die aufgewandten grossen Kosten
zu entschädigen, 20000 Mark Silbers und noch besonders 1200 Mark für die
Ausgaben in Frankfurt; als Pfand hierfür erhielt er und seine Erben u. a. die
Burg und Stadt Gelnhausen von König Karl IV. 0 Am 2. Februar, n. and. am
18. bezw. 20. November 1349, «. BE S. 112. 10 Altzelle, königl. säelis. Dorf, bei
Meissen. Altzelle (Alt-Celle), ehemaliges Mönchskloster bei Nossen in Sachsen
(Amtshauptmannschaft Meissen), war 1145 für Benediktiner gestiftet, 1175 in ein
Cistercienserkloster umgewandelt, wurde 1544 säcularisiert, oft erwähnt RDThD II,
s. Index, pasr 456. Hier wurden die Wcttiner von Otto dem Keichen
an bestattet. Friedrich II., der Ernste, baute 1347 eine Grabkapelle, als seine
Gemahlin, Mechthild von Bayern, starb; hier fand auch er seine Kuhestätte. und
seine Nachfolger bis auf Friedrich den Strengen, s. Ed. Beyer, Das Cister-
oienserstift und Kloster Altzelle, 1855: ö. Begräbnis des markgräflichen Hauses
S. 131 — 145, und Kaemmcl, Ein Gang durch die Geschichte Sachsens, 18*9, S. 12.
154. 1 Landgraf Friedrich II. der Ernste hatte mit seiner Gemahlin Mech-
thild von Bayern 9 Kinder erzeugt: 5 Söhne und 4 Töchter. Die Söhne
waren: 1) Friedrich, geb. 1330, starb bald nach seiner Geburt, 2) Friedrich, geb.
1332, Friedrich III. der Strenge (1349—1381), 3) Balthasar, geb. 1336, 4) Ludwig,
geb. 1340 und 5) Wilhelm, geb. 1343 (s. Wencka.a. ü. S. 96 A. 1 z. S. 10). Töch ter:
1) Klara und 2) Anna, Zwillinge, starben jung, 3) Elisabeth, vermählt mit dem
Burggrafen Friedrich von Nürnberg; ihr Sohn war Friedrich, geb. 1372, welcher
die Mark Brandenburg erwarb, sie wurde also Stammmutter des kurfürstlichen
Hauses von Brandenburg, der Hohcnzolleru, 4) Beatrix, Gemahlin Bernhards IV.
von Anhalt; nach dessen Tode, 1354, trat sie in den geistlichen Stand und wurde
Äbtissin von Seuselitz, s. ob. St. 145 A. 5. 5 Die \ ermählung mit Katharina,
Tochter des Grafen Heinrich VIII. von Hcnncbcrg, hatte schon vor ihrer Voll-
ziehung (1346) und auch nachher, da der Hennebergcr Graf die beanspruchte Mit-
gift nicht geben wollte, Irrungen und auch Kämpfe zur Zeit des „Grafenkrieges''
heraufbeschworen, war jedoch zu gunsten der Wcttiner beigelegt und hatte sie
auch im Süden des Thüringer Waldes durch Erwerbung von Koburg festen Fuss
fassen lassen. 8 Der Chronist irrt hier wieder einmal: Balthasar vermählte
sich mit Margarete, der Tochter des Burggrafen Albrecht von Nürnberg, die
i.J. 1374 als Mitgift Hildburghausen den Wettinern zubrachte, Wilhelm ver-
Digitized by Google
155. und 156. Stück.
201
bruder, der wart eyn bisschoff zu halberstad, dar noch zu babenbergk,
unnd zu letzt wart her besteriget von deme bobiste zu einem bisschoffe
zu nientcz. Dusser lantgraio frederich, darummo das her der eldeste
was under synen brudern, so was her formunde unnd herre in oren
landen wol by czwenczig4 jarn.
155. Von eynem sterben.1 Rothes?
In deme .jare, als man schreib nach cristus geburt tusentCCCXLIX KW«
jar, do wart eyn gross sterben1 im lande zu doringen unnd in andern
landen nicht also gar unmeslich, unnd wart ein gomeyne sage, das
dy joden2 betten alle borner vorgifftiget unnd zuvorstorne den heiigen
cristen glouben, unnd darummo so brante man alle joden also wid, also
dusser hern land was.
156. Von den geisselern1 unnd cruezegern, dy in
den landen um nie gingen. "i*?*
Also man czalte nach cristus geburt tusent CC0L jar, do gingen 1*>0
dy geysselere, adir *1 y man hiss dy erneze brudere, unnd gingen an
grossen scharen in den steten | unnd uff den dorftem mit fanen unnd »
sungen eygene leysson2 unnd hiwen unnd uitzten sich, unnd dy worden
alle vorbannet von deme bobiste ummo des willen, das sy on selber
bussse satzten umme ore sunde unnd sich do meto er losse wolden
mit orer ufi'enbar busse, dy dach nymande gebort zu thune danne den
utt'enbarn sundern, den ess vom heiigen stole zu rome gesatezt worde.
Wann nu dussen selbigen geisselern adir dy sieh lissen heysse dy
eruezebrudero eyn solches nicht gesatezt was von pristerlieher gewald,
lobtesieh 135S, vermählte sich 1363 mit Elisabeth, der Tochter des Markgrafen .To hau n
(.Tobst) von Mähren. 4 Da bei dem Tode Markgraf Friedrichs Ii. sein Sohn
Friedrich zwar erst 17 Jahr, aber sein Bruder Balthasar 13, Ludwig l) und Wilhelm
6 Jahre alt waren, so regierte, auf den Bat ihrer klugen (rrossmutter Elisabeth,
die noch in (jotha lebte (f 1350), als Vormund der 3 Brüder, zunächst Friedrich JH.,
der Strenge, auch Frcundholde (truntholde) genannt, und zwar allein bis 1368, wo
eine gemeinschaftliche Regierung aller 3 Brüder (Ludwig war in den geistlichen
Stand getreten) eingerichtet wurde.
1 Eine verheerende pestartige Seuche, ursprünglich aus Asien stammend,
genannt der „schwarze Tod", verbreitete sich über Europa: in Deutschland und
hosouders in Thüringen war die Sterblichkeit sehr gross. 1 Quelle ist die
retersehrnnik a. a. O. S. 462 sq. Über den Judenmord in Erfurt s. Michctscn, Zur
Beurkundung des Judensturmes zu Erfurt i. J. 13-1!», ZTh(} Bd. IV, S. 145 -las,
Nachtrag ebenda S. 319 — 324, s. a. ME S. 107 fT. Die Urkunden siebe jetzt im
EUII No. 314. 315. 316; über die Schulden an die Juden, die wohl eine nicht
geringe Veranlassung zur Verfolgung der Juden gegeben haben, s. ebenda Xo. 2S4.
21)4.333; über die Judensteuer s. ebmdn No. 327. :52S. 350.
15«. 1 Auch hier ist die lVterscbronik bis pag. 463 Quelle. Rothe muss
aber noch andere Quellen gehabt haben als Lilienkron (bist. Pist. pag. 1)51 i. cp.
105) nenut. * Das kirchliche Kyrie eleison.
Digitized by Google
202
i57. und 158. Stück.
sundern on seihest zu eyner uff ruckunge3 unnd zu swechunge unnd
missebethunge der pristeriicher ere unnd gewald, hirumme so worden
sy also von deme heiigen gnedigsten vater, derae bobiste, alle vor-
bannet. Ouch geben sy czeichen, das man sach, was sundo or iglicher
besundern hatte gethon, wann or enteyl dy vilen uff ore rucke, enteyl
dy vilen uff dy syteu, enteyl uff den buch, dor noch ore sundo warn,
unnd predigeten, das on nicht erloubet was, wanne doch nymant
predige sal, er sy danne darzu gewyhet. Hirumme so enstund von
Rothe 6oo on gar vele heymeJicher ketezerye. — In deme selbigen jare wart zu
rome vor gebene pyne unnd schult, geheisen das gülden jar.4
uo698 157. Wy eyn keyser unnd eyn lantgrafe zu
doringen czogen uff den grafen zu plawe.
1357 Als man czalte nach cristus geburt tusent CCCLVM jar, do czoch
98 dusser lantgrafe frederich der fruntholder mit keyser karle | uff* den
russsen von plawe, der danne vele sloss von der krönen zu bohemen
under sich hatte bracht, unnd der keyser totte gar vele luthe in den
selben slossen, dy her gewan. Darummo so worden dy voyte des
russsen also forchtig uff' den andern slossen, das sy dy deme keysere
ane grosse were in goben unnd dingeten lip unnd leben uss, unnd
ditte vor dross den russsen also sere, das her dy voyte zu ome hisch
unnd treib sy in eine schunen unnd vorbrante sy. In dissem selben
krige worden den hern zu missen dy stad czegerig,1 triptis, huma,
gythen unnd runebergk.
15S. ^Yy der lantgafc zu doringen czocli uff den
Kuth« 7o» apt zu fiilda.
Als man czalte nach cristus geburt tusent (XC-LXI jar, do ezoeh
lantgrafe frodorich der frunthuldiger in das land zu buchen 1 uff den
apt zu tu Ida, unnd der lantgrafe zu hessen- quam ouch do zu ome,
J ,.rfruekunge" - „Aufrichtung", lii<>r in tadelndem Sinne „Aufblähung", Stolz
und Eigendünkel. l)er Standpunkt Kot hos wir Stollos ist dor priesterliehe
gegenüber den l>aion , welche priesterlicho Verrichtungen sich anniassteu.
' Pas Jubeljahr war i:{.">0 ih. IVterschronik 1. 1. pag. 4o3i. Näheres über Juhcl-
jahro s. St. :Ul A. 1.
157. 1 1 »i«.* in dem Kampfe seiton« Kaiser Karl IV. und des Landgrafen
Friedrieh III. gewonnenen Orte sind h (Vorig - Ziegenrück, proussisehe Kreis-
stadl i. lieghez. Kif'urt; 2) Triptis a. d. Orla, Dorf im (irosr.hr/.. Sachsen. Ver-
waltiingsU'/.. Neustadt a. d.Orla; H\ Huma, verseil riehen für Auma, Städtehen
im < Jrosshrz. Sachsen, Verwaltung* bez.. Neustadt a. d.Orla; 4) t Sythen., eben-
falls verschrieben, vielleicht — lieuthen i. Altenbeuthen, Dorf im preus«. Kreise
Ziegenrück; •">; Kouneherg Ronneburg, Stadt im Herzogt Sachsen-Altenburg.
158. 1 Ö. ob. St. «2 A.;{. Landgraf Otb> von Hessen.
Digitized by Google
159. Stück.
203
unnd gewonnen hunefeld3 unnd toten grosssen schaden. Do liss der
apt werben umme richtunge unnd quam also balde zu on keyn
gerstungen1 unnd gab sich an gnade.
159* Wy eyn lantgrafe zu doringen unnd eyn
herezoge zu forunsswig gekregen liaben. rouwwj
Also man czalte nach cristns geburt tusent CCCLXV jar, do was 1365
eyn herezoge zu brunswigk, genant herezoge albrecht vom salcze,1 der
roubeto unnd beschedigete dy erbar manschafflt im lande zu doringen
unnd wolde des nicht losse umme schrifft unnd bethe willen des lant-
grafen frederichs, unnd sprach, her wolde sin land vor den doringen
wol behalde, ab ess lantgrafen reynte,2 unnd hild des vele roubere | uff v
sy,* dy vord3 wolden dy doringe beschedige. Do besammete sich dusscr
lantgrafe frederich der fruntholdiger mit gar einem grossen b here unnd
czochdo metein Sachsen unnd gewandy hindenborg1 unndwinthusen unnd ««>««> '07
noch czwey ander sloss unnd vor herte deme herezogen zu brunswig
alle sin land unde vor branto ome ouch sine dorffere unde logertec sich Rotbe <oe
vor das salczd unnd liss eyn werg5 unnd katezen mache unnd treyp
sy darzu. Do hatte der herezoge von brunswig eyne bly buchsen*'
unnd 8choss in das werg, unnd ditte was dy erste buchsen, dy da ye
in dissen landen vornomen was. Dar noch brachte der lantgrafe den Ro i* 707
herezogen dar zu, das her ome musso verbürgen von stund ome nach
* ■
• IIS u. « nicht, erginxt »ug Rotte. b HS: growr; o: g*r ein groMM. 0 HS: lorRerte;
e: leite. d inhloa? deun Roth«: das Kakze <1m acbloi.
'■' Hünfeld, preuss. Kreisstadt im Rcgbez. Kastel. * Flecken an der Werrn,
im Grossherzogtuin Sachsen, Verwaltungsbcz. Eisenaeh, s. u. St. 17* A. 2.
1T>9. 1 Albreeht II., Herzog von Braun schweig, nach .seinem Wohnsitze,
Schlosa Salz der Helden (— Salzderhclden (Fleeken in der preuss. Landrostci
Hildeshehn) Herzog von Salza genannt. * Kegeneu, kontrahiert, md reinen
und rein, praet. reinte = regnete. * Vort, nuf vord, adverb., räumlich und
zeitlieh, im letzteren Sinne „fortan, fernerhin.4' * Da die Orte für «He thüring.
Gbronisteu entfernt Ingen und daher ihnen unbekannt waren, so sind die meinten
Namen entstellt- Hiudcnbcrg (schwerlich das Dorf im preuss. Kreide Osterburg,
Reghez. Magdeburg) ist uns der Lage nach unbekannt, wahrseheinlieh auf dem
Wege vom Eiehsfelde muh Salzderhelden; Winthusen — Windhausen, Dorf im
Herzogtum Braunschweig, Kr. Gandersheim; die bist. Pist. nennt noch Went-
luisen, Kothe Werghusen (vielleicht Willershausen) und Licehteuhayn, vielleicht
Lichtenhagen, heide hei Gittelde im Braun-chweigisehen. :' D. i. „Antweike4",
die technischen Hilfsmittel, deren man sich im Mittelalter bei Belagerungen be-
diente: die maehinac oppugnatoriae, jaculaloriae (bes. die bilden) und tectoriae;
zu letzteren gehörten auch als Deckung die fahrbaren Holzbrustwehren und be-
deckte Stände oder Hallen, Katze (auch Sau) genannt, meist ein Schirmdach
oder hölzernes Blockhaus, das auf Kadern oder Hollen an die Mauer geschoben
wurde. ''' Für du* nördliche Deutschland eins der ersten Daten des Gebrauches
von Feuerrohren; die erste urkundliche Erwähnung ist nur ungefähr M) Jahre
früher, z. Jahr 1313 in den (renter Annalen.
Digitized by Google
204
160. und 1(11. Stück.
zu ritene biss kein ysenaehe unnd sich gutlichen mit onie zu vor-
sunen. Unnd das Aeschach. — Dar noch nicht lange, do brach der
selbige herczoge den frede, unnd do czoch dusser lantgrafo frcderich
wedder uff den horezogen mit achte tusent gewopenten unnd brochte
den herczogen do zu ganczer unnd steter vorsununge unnd rich-
Hoth« 705 tunge. — Item in deme selbigen jare, do czoch martgrafe baltazar,
lantgrafe frederichs bruder, in engcland7 zu domo konigc uund haltt*
Kotiic 708 ome do wedder den konig von franckrich unnd wart do ritter, unnd
sin bruder wilhelni* czoch in Elsasssen widder dy goselsehafft von
brytanien.
Ro«h. 7io 160. Von einem ertbehunge."
136« Als man czalte nach eristus geburt tusent CCCLXVI jar, do wart
i.e eyn ertbebunge» | zu stad molhusen unnd zu isenache. Dy werte eyne
halbe stunde unnd was in den pfingiseheyligen - tagen.
UM. Wy dy von crffort wnsseiibors;1 unnd dm
»■'««» swarezen wähl gekoufft hatten. J
Anfang. ^
1300 Item in deine selbigen jare. da czoch der grafe von swarczpurg in
das land zu francken uff den bisschoff von werczpurg,1 unnd des
i
r
» HS schn'Hit M hreilit ertl.eguuge, v: ertJ^bun^ Uuch Koth« nn).
7 Die Kämpf«' des Königs Kduard III. (1327- 1377) um die Krone Frank-
reichs sind gemeint, also gegen die französischen Könige Philipp VI. (1328
l:;.'.0). Johann den Guten "(l:s:»0-18O4) und Karl V. (1361_l:^Oj. H Aller-
dings sieht in der bist. Fistoriana 1. 1. pag. 'J44: Itein Wilhelmus frater Frideriei
innior arripnit iter versus Alsatiam cum pluribus prineipibus contra soeietatem
malaui de Britaunia, et soeietas fitii fugata et multi occisi. Söldnerscharen, die
nach Beendigung der Kriege in der I/otnbardei das südliche Deutschland üIht-
sehwcinnitcn und auch Stras-burg belagerten, wurden von einer Anzahl deutscher
Fürsten zerstreut und vernichtet; auch Landgraf Friedrieh beteiligte sich an
diesem Kriegszuge mit 300 Lanzen rei l ern , wie Kolbe St. 708 berichtet; es liegt
also wohl eine Verwechslung der Namen Friedrich und Wilhelm vor, die daher
kam, d:iss letzterer i. J. 1370 mit Kaiser Karl IV. nach der Lunbardci zog,
s. Kolbe 712 u. unten St. 1152 a. K.
100. 1 Nelien erbibe, ertbiben, ertbibot kommt mhd auch schon ertbihuuge
vor. das md zu ertbebunge wird. '! Mundartlieh für phingesthciligeu tagen =
„ ITuigstfeiertagen.4'
101. 1 S. ob. St. 3*» A. U. ' Schwarzwald, wachs, goth.-kobiirgisebes Dorf im Ohre-
tliale. zwischen Oberhof und Ohrdruf, i. d. Nähe noch die liest e einer früheren
Burg. ' Iber diese Vorgänge s. C. Bever. Krfurt im Kample um seine Selbst -
-liiiidigkeit gegen die Wettiuer, JAK XX, S. 23:.; ders. DK II, Nr. 03«,
^:». Marz 13o'J: Kaiser Karl IV. verbietet den Grafen Günther und Johann von
Schwarzburg, die Hingen Wachsenburg. Schwarzwald und Liebenstein an die Stadl
Krfurt zu verkaufen ; s. a. BKS. Hbf. Liebenstcin, Burgruine b.d.glcichn.guthaisehen
Digitized by Google
162. Stück. 205
bisschoftes manne quomen an on unnd streten mit ome, unnd her vor-
loss den strit, unnd ome worden IX erbar manne erslagen unnd wol
LXXX manne gefangen, unnd er ditterich von witczeleuben'* wart ge-
wunt, das her ouch starb, unnd darumme so quam der grafe von
swarczpurgk also in grosse schuld, das her dar umme muste wassen-
burg vor kouffe unnd den swarczen wald, unnd vorkouifte dy czwo
borge mit aller orer zu gehurungc den von erflorte, unnd dy von erfforte
wolden mit deme grafen von swarczpurg zu deme kevser czehen, das
sy disse czwey slossse von ome zu lehene en ptingen. Unnd des worden
sy vormacht6 under wegen zu liebe deme lantgrafen zu doringen,
wedder des willen dy von erfforte solchen kouft* gethon hatten. Also
fing sy underwegen der herczoge von beyern7 unnd nam on alle ore
brefe unnd ore gereitschafft, nemelichen IX tusent gülden. Dar noch so
gab her den grafen von swarczpurg ledig mit solchem underscheide, das
her den kouff mit den von erfforte wedder spreche solde. Also muste
her dy obgenanten sloss vorkouffe deme lantgrafen zu doringen vor
XJI tusent margk silbers; unnd das geschach also. Unnd der lantgrafe
wart der von erfforte vvend unnd leyte on dv strosse nedder.8 Also
m usten dy von erffort domo lantgrafen des geldes das halbeteyl
beczalen. |
162. Wy dy von northusen mii den grafen
gekregen hallen. Rothe
Also man czalte nach cristus geburt tusent CCC LXVI1I jar, do er- isgs
hub sich eyn krig czwisschen den grafen von honsteyn unnd der stad
northusüii. Unnd dy grafen buweten eine borg keyn northusen, dy
hiss dy snabelborg 1 unnd vor terbeten sich underenander. Do nomen
dy von northusen soldener uft, unnd dy ranten vor beringen,- unnd
dy von honsteyn quomen er uss. Unnd eyner der soldener von nort-
Dorfe an der Gera, zwischen Plane und Gräfenroda, wird nicht von Rothe, uud
deshalb auch nicht von Stolle erwähnt; in der bist. Pistoriana 1.1. pag. 944 ist es
genannt. 4 Bischof Albert Graf von Hohenlohe. Galetti, Gesch. Thüringens,
vermutet (III, S. 319), gegen den Bischof von Bamberg; da» aber wäre
Ludwig, der 3. .Sohn Landgraf Friedrich» II., der im April 1866 den Bischof-
stuhl von Bamberg bestiegen hatte, daher wäre dann auch die Feindschaft der
'i landgräflichen Brüder des Bischof». Friedrich» III., Balthasar u. Wilhelm, sehr
erklärlich. •'* Dietrich von Witzleben, auf Lirbenstein gesessen, war des Grafen
erster Hauptmann, der da» Panier führte. " „Vermaeheu" = verderben, ver-
»|«rren, verhindern. ' Herzog Stephan von Niederbayern. 8 Die I^ndgrafen
lte*ctzteii alle nach Erfurt führeuden Strassen, »o das» der Handel der Stadt
darnieder lag.
HfcJ. 1 Die Selmabelburg, von welcher keine Mauerreste mehr vorhanden
sind, la^ auf der Kcke des Kohnsteines, zwischen Nordhausen und Niedersachw-
werfen ; s. auch VE II (No. 621,) 622. *' Heringen an der Helme, preuH»i.sches
Städtchen im Kreise Sangerhauseii , mit altem Schlosse der Grafen von
Hohnstein.
Digitized by Google
200
168. bis 165. Stück.
Imsen, genant andreas von butlar,3 gesessen zu brandenfels,4 der fing
graten heinrichen von honsteyn, abir her kante sin nicht, wann her
nante sich er heinrich von kelbra;5 unnd darumme so gab her orae
tag6 uff deme felde also einem siechten soldenere. ünnd do dy von
northusen das er furn , do manten sy den graten , das her sich wolde
in stelle, unnd das wolde der grafe nicht thun, biss so lange, das lant-
grafe frederieh dissen krig under nam, also das dy von northusen deme
graten von honsteyn musten geben tusent margk' Silbers vor sinen
schaden. Also wart der krig bericht.
KothoTu Item in deme selbigen jare, do czoch margrafe wilhelm, lantgrafen
frederiehs des fruntholdigen b bruder, mit konige karle7 in laraperten
widdor den herezogen von meyelan, unnd wart do ritter.
Kotho 713
lf>3. Wy sangerhusen vorkoufft« wart*
I36i> Noch cristus geburt tusent CCCLXIX jar, dovorkouffte der horezoge
von luneburg 1 dy stad sangerhusen lantgrafe frederiche zu doringen.
Kolbe 71* 164. Von den bürgern zu north usen.
1309 In deme selbigen jare, do morten sich dy von northusen under-
eynander, unnd dy gemeyne enthoubte veJe der riehen.
loo 165. Wy eyn edelman | einem bnrger zu Erffort sin
vis wip besliff.
i:M>9 In deme selbigen jare, do quam borgrafe albrecht von kerchberg
keyn erffort in eynes burgers huss, geheisen heinrich zu demd pardiss,
unnd beslifi* onie do syn wip. ünnd der wert quam mit syme knechte
4
* HS; uuigk. vtTiwhrMien ; «: inarg. b IIS: fruuthoMIgcr, vcrwhriehen. • 118: vorkouff,
vi-w.hfU-M'ii. *' „zu dviu" i»t in IIS irrtümlich nu*ice«trlcheii, siuht iu * ; Rothe: von dein p.
1 Andmts von Hinteler wird »1s Feldhauntmann der Nordhäuser ge-
nannt, 4 I viiinc» int Amte Sontra (Regierungsbezirk Kassel), h. St. 11T» A. 8.
'' Kelbra, preusaisches Stadtehen an der Helme, Kreis Sangerhausen , unter der
Rothenburg auf dem KvH'häusergebiige. "..Tag geben" „Frist geben," einen
Kriegsgefangenen auf Ehrenwort entlassen. T Kr begleitete also Kaiser Karl IV.
auf seinem "J. Romer/.uge 1367 — 1369.
Uül. 1 Der Herzog Otto von Braunsehweig - ( löttingen , genannt der „Böse"
(, <£uade"j , <Kler „der tobende Hund von der I^ ine" (s. W. h riedetisburg, I*and-
graf Hermann Ii. der Oelehrte von Heesen und ICrzbisehof Adolf I. von Mainz,
137". - 1 :'.i*3, i. d. Zeitschr. d. Vereins f. Hess, (iescli. u. Laudesk. N. V. XI, S. IOi
ist gemeint; die Kinpfäiidungsurkiiude der Landgrafen ist vom 1. August 1369,
s. C.Wenek, Die Wettiuer im ll..lahrh., 1S77, S."99 (A.9 zu S. 17).
Digitized by Google
166. und 167. Stück. 207
unde stach on tod; unnd den fürte man also tod unnd nacket vor das
gerichte unnd liss ome das houbt vor der stad abe slan; unnd dy
frowe liss her fohe, [unnd sy]» starb im ge|fen|kenisse.
166. Wy dy stete in doringen gekregen haben. Botbc TU
Also man czalte noch cristus goburt tusent CCCLXXI jar, do 1371
machten dy graten zu doringen mit den von ertt'orte, roolhusen unnd
northusen eynen bund1 ubir dy grafen von honsteyn,2 dy on gar vele
schaden hatten gethon, unnd ezogen mit here uff sy in der vasten mit
eyme grosssen heie unnd branten uff sy wol vier tage. In des sammento
sich herczoge otto3 von der lyna heymelichon unnd euseyte1 on in das
her. Unnd do sy uff brochen unde heim ezogen, do czoch her on
noch unnd greiff sy in einem engen gründe, 5 das sy nicht konden zu
sammene kome, unnd streit mit on unnd er slug or vele, unnd worden
ouch vele gefangen, das or nicht vele da vone quam. Do goben'"' dy
von erfforto zu sohatczunge alleine vor or gefangen XII tusent lotige
raargk Silbers, unnd dy andern grafen unnd stete goben ouch grosssen
schatcz.
167. Wy. lierczoge otto von line mit den doringe-
sehen hern ge kregen liad. ^,,
Als man czalte nach cristus goburt tusent CCCLXXII jar, do 1372
machte herczoge otto von der lyne eine geselschatl't , dy hissen dy
sterncr,1 unime des landes zu hessen willen , | das her gerne hette ▼
» TcUwrift« abgMchnitteae lloifllgutiff am Rind© v..n 118; In • fehlt der letzte Satt.
16Ö. ' S. UE II, No. 656 vom 15. Febr. 1371. * Haustein, preusaisches
1 ><>rf und Burg im Kreise Heiligenstadt; s. Urkundliche Geschichte de« Geschlechts
derer von Haustein in dem Eiehsfelde in Preußen, 2 Teile, 1856 u. 1857; ferner
UE II, No. 657. 058. 662. 675; endlich Friedensburg a. a. O. S. 29. 3 S. ob. A I.
4 „Entsagen"' — Fehde ansagen." 11 Mit diesem Streite vermengt der Chronist
die spätere Fehde zwischen Landgraf Hermann von Hessen |s. u. St. 167 A.2)
mit den Herren von Hanstein i. .1. 1377; die Niederlage, welche damals die
Truppen des mit Landgraf Hermann verbündeten Herzogs Albrevht von Braun-
schweig durch die Herren von Hanstein und »Siegfried von Bülzingsleiben, Vogt
des Erzbischofs Otto von Main/, (s.u. St. 167 A.l) auf Rustcberg , erlitten, er-
folgte im Seharfensteinschcn < j runde, s. Friedensburg a. a. (.). S.29 ff. ,; S. I E II,
No. «02. 672. 673. 676.
1K7. 1 Nach dem i. J. 1366 erfolgten Tode des Sohnes Landgraf Heinrichs IL
des Eisernen von Hessen. Otto des Schlitzen, suchte sich Heinrichs oben ge-
nannter Enkel, Herzog Otto von Bruunschwcig, Sohn Herzogs Ernst von Braun-
schweig und der Tochter des Landgrafen Heinrich. Elisabeth , eines feiles des
I*nndcH, auf das aber seine Mutter im Ehevertrage (s. Koniecki, Die Wcttiuer
im Kampf mit Adolf 1. von Mainz, Leipziger Diss. 1894. S. 2 f.) als Erbe ver-
zichtet hatte , sich zu versichern. Er verband sich deshalb mit der jüngst auf-
Digitized by Google
208
1GS. Stuck.
gehad. Unnd dy geselschafft trugen steme, unnd der wart wol bv
czwey tuseuten, rittere unud knechte, uss hessen, uss westfoln, uss den
buchen unnd uss francken, unnd dy swuren alle zu samene, das sy
forsten unnd steten unnd eyrae iglichen wedder stehen wolden, unnd
hüben an an deme lantgrafen zu hessen, der do keinen erben harte
denne synes bruder son2; unnd also der zu deme lande quam, do
gebruderte her sich mit margrafen balthasar,3 lantgrafen frederichs zu
doringen bruder; dy czogen vor den herberg4 uff dy selben gesel-
scbaffr. Dy quomen also starg, das dy czwone forsten vor on wiche
musten keyn herssfeld. Noch so brochten dusse fursten dy geselschaift
dar zu in dryen jarn, das sy sich schemeten den stern zu tragen.
1(58. WyB dy von erffort gekregen haben mit den
lantgraven zu doringen umnie eines bissclioffes willen
he MO ZU ^1^11^2'1 I
1374 Do man schreib nach cristus geburt tusent CCCLXXIV jar, do
starp der erczbisschoff Johannes zu mencz.2 Do koin dy thumhern
* ns pag. lOOv giebt unten In 16 Zellen eine andere Fauang des Folgenden, dl«e irt «her
atwgeetrlchen. Auf pag. 101 der HS atebt ak Übenwhrifl: Von deme banne.
getauchten Ritte rgesellsehaft vom Stern ^sic trugen den Stern des Ziegenhainschen
Wappens am Kleide als Zeichen ihrer Verbrüderung), deren Oberhaupt der
Schwager Ottos, der hessische Graf Gottfried VII. von Ziegenhain (jetzt Kreis-
stadt im Rgsbz. Kassel), war. um seinen Ansprüchen auf die hessische Erbschaft
Geltung zu verschaffen, s. Wenck a. a. O. S. 24 f. , welcher auch S. 101 A.2 zu
S. 25 Landau, Die Rittergesellschaften in Hessen, 1840, citiert; ebenso S. 102
A.3 zu S. 26 üImt die ritterlichen Streitkräfte Webers Archiv für die sächsische
Geschichte III, S. 134; ebenso Friedensburg a.a.O. S. 9 ff. * Landgraf Her-
mann II. der Gelehrte von Hessen , s. Wenck a. a. O. S. 25 ; er war ein Sohn
Ludwigs, des 2. Bruders des Landgrafen Heinrich IL, erst zum Geistlichen be-
stimmt (von seinem Oheim, Erzbischof Otto von Magdeburg, dessen Nachfolger
er werden sollte), seit 1367 in den weltlichen Stand zurückgetreten und mit
.Jobanna von Nassau am 15. März 1367 verlobt, wurde er zum Mitregenten und
Nachfolger des Landgrafen Heinrich II. von diesem bestimmt, nachdem Heinrichs
Sohn, Otto der Schütze, im Dezember 1366 gestorben war. a Die Landgrafen
von Thüringen (früher, 1368, im Hunde; mit Herzog Otto von Braunschweig)
verbanden sich dann mit Lmdgraf Hermann von Hessen, mit welchem sie die
Erbverbrüderung vom 8. Juni 1373 schlössen, s. Wenck a.a.O. S. 25 — 26; hier-
durch wurde Hessen erst zum Range eines Reichsfürstentums erhoben, s. Friedens-
burg a. a. <>. S. 6. * Mhd herberge, stswf., hier md herberg, stm., in alter
Bedeutung (..der das Heer bergende Ort," oft =) Lager: „vor den herberg"
ziehen - ins Luger ziehen. Feinte beginnen. Die Belagerung Herzbergs musste
von Balthasar wegen der Übermacht der Ritter aufgegeben werden; darauf be-
zieht sich der Chronist; nach 3 Jahren löste »ich der Bund auf, da die Fürsten
die einzelnen Ritler angriffen und sie so mürbe machten.
16S. ' Der grosse Krieg, welcher sich an die i. .1. 1374 seitens des Papstes
erfolgte Ernennung des Bischofs Ludwig von Bamberg, Bruders der 3 Landgrafen
Friedrich III., Balthasar und Wilhelm, zum Erzbischof von Mainz, knüpfte, und
in dem auf der einen Seite Erzbischof Ludwig und seine 3 Brüder, die Land-
Digitized by Google
168. Stuck.
209
zu mentcz bisschoflen adolffen von nassow, der eyn bisschoff was zu
spire3 unnd eyn geborner grafe von nassow, unnd goben deme in alle
sloss, dy zu dem bistbum zu mencz gehorn, unnd santen in des kegen
rome zu deme bobiste,4 das her on bestetige wolde zu einem bisschoöo
zu mencz. Do sante der keyser, genant karlus, sine bothschaft an den
bobist unnd bad vor bisschoffen lodewigen von bobenberg,5 der eyn
bruder was der lantgrafen zu doringen, unnd den selbigen lodewigen
er weite unnd bestetigete der bobist zu einem erczbisschoffe zu mencz
unnd vor warff bischofen adolft'en von nassaw. Dy thumhern zu mencz
bilden ess mit bisschoffe adolfle, unnd ouch dv von erffort unnd satczten
sich weder bisschofen lodewigen. Do sante der bisschoö lodewig sine
brefe ubir dy von erfforte unnd thed sy in den ban unnd dar zu alle,
dy ess mit on hilden, beyde pfaffen, monche unnd leyen. Do czogen
vel thumhern unnd pfaffen unnd monche uss den clostern von erfforte
unnd rumeten dorch den gehorsam des bobistes uss der stad erfforte
unnd bieben usse45 sechs gancze jar. Ouch waren etliche, dy in der
stad bieben; dy sungen unnd losson in deme banne (unnd seynten dy
toufte in dem banne; dy wart stinckende)* wanne dy von erfforte ge-
* Ohne Angabe de« Ortet der Einfügung mit schwärzerer Tinte, aber von dereelhen Haml
unten am Rande notiert; wir haben die Stelle nach dem Sinne eingefugt; die Worte stehen nicht
bei Rothe.
grafen, welche vom Kaiser und Papst (Gregor XI. und Urban VI.) begünstigt
wurden, Herzog Albrecht von Braunsen weig-( 5 rubenhagen, Burggraf Friedrich von
Nürnberg und zuerst auch der hessische Landgraf, sowie ein Teil der thüringischen
Grafen- und Herreugesehlechtei, auf der anderen Seite aber der vom Mainzer
Domkapitel gewählte Erzbischof Adolf (Graf von Nassau), vorher Bischof von
Speier, die Erfurter, Mühlhäuner und Nordhäuser, Herzog Otto von Braun-
schweig, der Graf von Waldeclc, der Graf von Ziegenhayn (also die Stern-
briider) und der grössere Teil der thüringischen DynaBteugeschleehter standen,
währte v. J. 1375 mehrere Jahre; über ihn s. Wenck a. a. O. S. 26— 33 (m. d. Aura,
auf 8. 102—106), ferner Handloss, Adolf I., Erzbischof von Mainz, Graf von
Nassau u. s. Gegner Ludwig, Bischof von Bamberg, Markgraf von Meißen. Bres-
lauer Doktordiss. 1874. Trefflich hat L\ Beyer, Erfurt im Kampfe um seine?
Selbständigkeit gegen die Wettiner, JAE 1894 S. 229— 268, den Gang der Er-
eignisse erschöpfend und auf Grund der Urkunden (welche er daun in dem II.
Bande seines UE 1897 veröffentlichte: das friedl. Verhältnis zwischen den Land-
grafen u. Erfurt 1365: No. 585 u. 58«, 1370: No. 645. 646. 648 u. noch i. J. 1374:
710 u. 711, der Landfrieden Kaiser Karls IV. vom 28. März 1372: No. 688, dann
die Jahre 1375—1380 in ihren Hanptereignissen begleitend die meisten Nummern
von 720 bis 811) dargestellt; er sagt richtig a. a O. S. 237 „Wurde Ludwig [zum
Erzbischof] gewählt und allgemeiu anerkannt, dann war zu fürchten, dass er die
mainzischen Rechte au Erfurt seinen Brüdern überliess. Denn Zoll, Münze, Ge-
richt und das Institut der Freizinseu — aus diesen 4 Dingen setzte sich die
Gerechtsame des Erzbischofs in Erfurt zusammen — boten Handhaben und Ge-
legenheiten genug, um iu der Hand eines starken Herrn die Freiheit der Stadt
zu untergraben und sie zu einer thüringischen Landstadt zu macheu." S. auch BE
S. 118 ff. Gleichzeitig hat E. Koniecki in seiner Leipz. Dissertation 1894 „Die Wettiner
im Kampfe mit Adolf I. von Mainz 1373— 1381, vornehmlieh im Erfurter Kriege 1375",
jene Ereignisse eingehend behandelt. 2 Johann I. von Luxemburg-Ligny 137 1 — 1373
s Speier. 4 Gregor XL, 1370—1378. ' Er war Bischof von Halberstadt
1358 — 1366 gewesen, dann wurde er i. J. 13(56 zum Bischof von Bamberg erwählt.
,: Iu Arnstadt.
Digitized by Google
210
168. Stück.
lobeten der selbigen pfafheid, dy by on bieben, das* sy wolden keyne
richtunge uflnemen, dy selbigen presterschaft, dy ess mit on hilden,
weren danne raete in geslosssen in dy richtunge. Do von geschach
▼ vil 1 ubels, unnd was bisschoff lodewigs voyte pfaffen an trofen, dy es
mit bisschoffe adolffe hilden, dy fingen sy alle unnd schatczten dy; des
selbigen glichen toten ouch dy eisfelder der margrafeschen pfaflheit.
Kothe 72i Tegelichs riten unnd rouben was czwisschen der lantgrafen voyte unnd
der mannen zu doringen unnd der von erfforte. Unnd do bischoff
adolffes volk duchte, das sy das ryten gewonnen betten wedder
bisschoffes lodewiges volk, do toten sy mit den graten von glichen unnd
andern erbarn lutlien uss deme lande zu doringen botschafft zu bis-
schoffe adolffe, das her zu ome queme, sy wolden des kriges eyn ende
mache mit bisschoffe lodewige, unnd solde kome. so sterckst her konde.
Do dy lantgrafen zu doringen, bisschoff lodewiges frunde, das gesoen,
unnd das dy von erfforte soldener uffgenomen hatten, unnd ouch etliche
grafen zu on in dy stad zu erfiort czogen unnd mit gewalt alle tage
uss czogen unnd der lantgrafen dorffer vor terbeten, do czoch der eldeste
bruder, margrafe frederich zu missen, unnd warb noch volke um nie
sich unnd sammete eyn gross volk uss vele landen. Do quam ouch
bisschoff adolff mit den rynlendern mit eynem grosssen heere. Do quomen
zu deme selbigen bisschoffe dy grafen von czegenhayn unnd von wal-
decke7 unnd dy eissfeldere unnd herczog otto von brunswig mit vele
volks unnd ouch dy von tuderstad* unnd dy von heilgenstad9 mit
grosssem volke unnd czogen alle zu erffort in. Das geschach
1375 MCCC°LXXV. Dor noch czoch bisschoff adolft' uss erfforte mit syme
i02 volke, unnd dy von erfforte ouch mit or | me volke unnd logerten sich
vor gebosse10 unnd wolden das gewinne. Do besammete sich margrafe
baltasar mit synem volke unnd machte ouch eyn hecr kegen gebese an
der andern siten der onstrot, unnd tag unnd nacht so quam ome volk
itoihe 72* uss hessen, uss buchen unnd uss francken. Do liss margrafe baltasar
brücken mache ubir dy unstrot unnd wolde mit dem bisschoffe adolffe
unnd den von erfforte striten. Do enpod ome margrafe frederich, sin
bruder, er solte nicht strite, er queme danne ome zu hulfie. Ditte er-
furn dy von erfforte unnd besorgeten: queme margrafe baltasar ubir
dy unstrot mit den synen, so musten sy den schaden trage alleyne,
den der bisschoff, der herczoge otto unnd dy grafen vor gebese nemen,
unnd des schaden vor wunden sy nummer mehir. Unnd dar noch sante
bisschoff adolff eynen bothen zu margrafe baltasar unnd enpot ome des
» HS; wma (vorschrieben).
7 Seit 1849 war Waldeck Reicbsiurstentum ; der Graf Heinrich von Waldeck
war für 1000 Mark loth. Silber gewonnen, a. Maiuz-Aacliaffenburger Ingrosaatur-
bmrh Buch IX fol. 54a (s. Koniecki a. a. O. S. 13 u. A. 100 auf S. 30). 8 Duder-
stadt, damals inainzibch, jetzt preußische Stadt, Kr. Osterode, Landdrostei Bilde«-
beiui. • Heiligenstadt, preu»8. Kreisstadt i. Regbez. Erfurt. ,w Ciebeaee, preuas.
Städtchen im Kreise WcMxtfiisce, Regbez. Erfurt.
Digitized by Google
168. Stück. 211
abendes, her wolde morgen fru mit omo striten. Also erliub sich mit
deme tage bisschoff adolff mit den von erfforte unnd den grafen unnd
tloueh11 zu erftbrt in dy stad, unnd herczog otto czoch zu molhusen
in. Ditte meldeten, dy zu gebesse uff dorne slosse warn, mit orme ge-
schreye, unnd des margrafen volk hatte sich zu deme strite bereit unnd
tilen in dy onstrot unnd quomen mit den brücken, dy sy gemacht
atten, ubir, etliche sw emmeten ubir unnd jageten deme bisschoffe noch
biss zu erfforte in dy thor, unnd enteyl, dy wol gereten worn, dy
jageten deme herczogen von brunswig noch biss kein stad molhusen.
Darnoch quam | des margrafen volk wedder zu sammene vor gebese *
unnd branten do dv dorffer abe, dv umme erfforte legen. — Wisiich 12 Rj,the m»
quam do margrafe frederich uss deme osterlande unnd brochte gar oyn
grossses heer, unnd czogen do umrae erfforte mit bosunen unnd pfiffen ;
unnd dy in der stad, dy liffen uff dy muren unnd uff dy tonne, das
sy das volk gesegen, unnd logerten sich do hinter sente cyriacus closter
uff den berg.1* Do lag das her also gross unnd so lang, also dy stad
erfforte was. Do logen sy acht wochen unnd hatten in deme here XXX
tusent gewopente manne, unnd uss deme lande zu doringen hatten sy
futer unnd spisse genug. Do vorterbeten sy den von erfforte or ge-
richte unnd ore dorft'ere zu gründe unnd zu brochen dy kerchen unnd
vorkoufllten dy glocken unnd hiwen dy wingorten unnd dy boumgarten
uss unnd gruben dy blien vorn uss, dy das wasser11 goben zu deme
lawen15 uff sente petersbergk, unnd der selbige wassergang zu gingk
rcyne; unnd ranten tegelichen vor erfforte vor dy tor unnd slugen do
rittere. Unnd der bisschoff torste nicht uss der stad geluge, unnd da-
rum me so czornete her mit deme rote zu erfforte, das sy noch ome
gesant hatten unnd omo von grossen dingen enpoten, das her nicht
er fant. Dar noch quam keyser1" karl unnd dy keyserinne unnd sin
son wenczelaus, der koning von bemen, in das her unnd sprach: her
were dar komen durch der fursten willen von missen. Unnd dy bemen
11 Ansprechen d erklärt diese Schlachfensage und die dann folgende fast un-
begreifliche Flucht Koniecki a. a. O. S. 20 als Kriegslist, weil eine Feld Schlacht
gegen Landgraf Balthasar höchst bedenklich sein musste, da Markgraf Friedrich
mit »einem grossen Heer in unmittelbarer Nähe war. 11 Es ist wohl besser
jrislich- zu lesen, wie auch Rothe achreibt, = .bald', »bald darauf 13 Der
Cyriaksberg, ungefähr 50 m über dem Spiegel der Gera, 16 in höher als der
Petersberg, war „der beste strategische Punkt", so Koniecki a. a. O. S. 21 u Der
Abt Wernber hatte i. .1. 1136 eine Wasserleitung nachdem Kloster auf dem Peters-
berge legen lassen {». Cron. St. Petri Erf. mod., MGH Scr. XXX, 1, pag. 365, z. J.
1136). näheres bei Böckner, Petersklostcr zu Erfurt, MGK, XI, 1883, S. 116 ff.
15 Böckner a.a. O. S. 118: „Im Kloster ergoss sich das Wasser aus dem Rachen
eines aus Bronze gegossenen Löwen": s. u. A. 36 auf derselb. Seite. 10 In der
2. Woche des Augusts 1375 kamen Kaiser Karl, seine Gemahlin Elisabeth luid
sein Sohn Wenzel, König von Böhmen, in das landgräfliche Lager vor Erfurt.
Kaiser Karl spielte hierbei eine nicht gerade schöne Rolle, Seine Begünstigung
der Markgrafen und ihres Bruders Ludwig geschah nur deshalb, um des letzteren
Stimme als Kurfürst von Mainz für seinen, des Kaisers Sohu Wenzel, zu er-
halten; hier vor Erfurt war sein Verhalten auch zweideutig: che er abzog, um
Digitized by Google
212
168. Stück.
ranten n dy tor zu erffort unnd fingen des bisschoffes luthe unnd der
103 von erfforte denere* [unnd den graten von waldecke unnd den grafen
von czegenhain unnd der lanthern faste; unnd dy czogen uss erfforte
unnd belogen gebesse, unnd baltazar, lantgrafen frederichs bruder, der
czoch mit syme volke an dy unstrud unnd logerte sich keyn deine
bisschoffe unnd machten eine brücken ubir dy unstrud. Unnd do ditte
dy von erfforte mit deme bischoffe ge war worden, do flohen sy wedder
hinder sich in dy stad erffort, unnd herczoge otto unnd dy von mol-
husen unnd nortnusen unnd dy grafen von honsteyn unnd von stol-
berg, dy flohen b ouch heim, unnd den wart gross noch jagen von deme
lantgrafen zu doringen. Unnd do quam lantgrafe frederich der frunt-
holder, unnd der brochte eyn gross heer uss missen unnd belag erfforte
achte wochen mit deme bisschofle, sinem bruder, unnd hatten6 do vor
der stad erffort drissig tusent gewopente manne. Unnd do quam
keyser karl unnd dy keyserynne unnd sin son koning wenczelaus
unnd machten einen frede czwussen on.] dDer keyser teydingete dar
noch einen frede czwuschen deme bisschoffe unnd der stad erfforte unnd
der hern von missen, also das sy abe czogen unnd ome vele geldes
dar uss wart. Dy von erffo[rte] goben XI. tusent gul[denj. Also bleib
bisschoff lodewig, der fursten bruder zu doringen, eyn erczbisschoff zu
mentcz. Unnd do disser lantgrafe [disse lantgrafen] e zu doringen von
erfforte coch [czogen], do czoch her [czogen sy] uff den grafen von
glichen in das gerichte zu glichen [vor dy borg thunna] unnd vor
hertc unnd vorbrante ome [vorbranten deine grafen alle] syne [ge-
richte unnd] dorffer [dorffere]. — Als [Item als] man nu czalte [schreib]
1381 noch cristusgeburt[nach christus gebort] tusent CCC L XXXI jar, do starb 17
[starp] dusser lantgrafe frederich der fruntholdiger unnd lid begraben
zu der celle in missen.
Baltasar, lantgrafe in doringen, der eyn son was lantgrafen frede-
v richs des ernsten, der nam frowen18 margreten, des borgrafen johatis* |
tochter von nornberg, unnd der gab ome mete hiltperg1" unnd hilt-
prechteshusen unnd essefeld.20 By der gewan her einen son, genant
frederich, unnd eine tochter, dy nam den herczogen von Sachsen.21
• Dl« Worte : unnd den grafen — exwnssen on sind Wiederholung von der Torhergeheaden Seite; die-
•eilten Worte noch einmal 151. 107 der IIS, denn die vordere Solte de« Bl. 103 der HS ist dorcbgeatrlchen
und der Hauptinhalt auf Bl. 107 vordere Seite wiederholt. — b HS. : fohen. — 0 Fehlt in HS, vergessen.
d ZI. 16 der keyser — ZI. 19 gülden steht auf Blatt 107 der HS vordere Seite ZI. 3 -7. — • Die
abweichende!» Lesarten von BL 107 der HS. sind in ot*igen Klammern «igeseUt.
Tonna zu belagern und so den Grafen Ernst VI. von Gleichen, der wie sein
Begräbnis im Kloster Altzelle s. o. St. 153 A. 10. ltt S. St. 153 A. 4. Im J. 1874
fiel also die Pflege Koburg an die Wettiner ate Erbteil Margaretens von Henne-
berg. ,n Heldburg, Stadt im Herzogtum Sncbsen-Meiuingen, desgl. Hiltprechtes-
husen = I lildburghausen, s. ob. St. 28 A. 4 u. 5. ,0 Eisfeld, Stadt im Herzogtum
Sachsen-Meiningen. 11 Herzog Rudolf von Sachsen.
Digitized by Google
169. bi« 171. Stück.
213
169. Hy starp bisschoff lodewig zu mentcz.
Als man czalte noch cristus goburt tusent CCCL XXXII, do starb 1382
bisschoö lodewig von mejitcz, des margrafen baltazar bruder, unnd starb Rothe 730
zu kalbe;1 do vil her sich tod, wanne her ein formunde2 was worden
des bischtuiues zu meydeburg.
170. Von brandenfelss. Rothe731
Hir noch ubir eyn jar, do belag dusser furste, lantgrafe baltazar, mit 1383
den von erfforte unnd molhusen unnd northusen brandenfelss 1 unnd
gewonnen das, unnd wart eyn frede vor brefet ewiglichen zu halden.
171. Hy starb dy grafeschafft zu keffernberg1 Roth«
erbeloss.
Noch cristus geburt tusent CCCLXXXV jar, do czoch dergrafe von 1385
keffernberg ubir meher zu deme heiigen grabe unnd starb under wegen,
unnd dy grafeschafft von keffernberg, dy vyel uff den lantgrafen zu
d oringen Da Itasar, wanne her one erben starb, unnd wart begraben zu
jorgental.2
169. 1 Erzbischof Ludwig hatte während der Wirren in Langensalza resi-
diert; al» der Erzbischof Peter von Magdeburg, „ein Mähre, der mit dem Dom-
kapitel in Unfrieden lag", durch den Kardinal Pileua bewogen wurde, da»
Erzstift aufzugeben und dafür da« Olmützer Bistum einzutauschen, gelangte
Erzbischof Ludwig in den Besitz des Erzstiftes Magdeburg, wogegen ihm freilich
die Städte Halle und Magdeburg die Huldigung verweigerten (s. Wenck a. a. O.
8. 83). Er residierte deshalb in Kalbe (preuss. Kreisstadt im Regbez. Magdeburg,
a. d. Saale) wo er im Febr. 1882 ein so jähes und schreckliches Ende fand,
s. Wenck a. a. O. S. 33 und Anm. dazu auf S. 105. 2 Übersetzung der Worte
„provisor ecclesiae Magdeburgensis," hist. Pist. 1. 1. pag. 947.
170. 1 S.ob.St 115 A.3u.St. 162 A. 4. Über das Bündnis zwischen Land-
graf Balthasar von Thüringen und den Städten Erfurt, Mühlhausen und Nord-
hausen s. UE II No. 867. 868 869. 870. Es traten auch bei die Grafen von
Käfernberg, Schwarzburg, Gleichen und Hermann v. Kranichfeit, ebenda No. 871
bis 874: auch die Herren v. Blankenhayn und Heldrungen, die Grafen v. Beich-
lingen, ebenda No. 878 — 880. Die Ursache des Kampfes gegen die von Branden-
fels giebt die hist. Pistorian. 1. 1. pag. 947 mit den Worten an: „ubi Semper fucrunt,
raptores multis terris rapinis nocentes"; es galt also dem Landfrieden! S. auch
BE 8. 125.
171. 1 Die Käfernburg, 3 km südöstlich von Arnstadt, in der Oberherrschaft
des Fürstentums Schwarzburg -Sondershausen, war der Stammsitz eines der
ältesten, reichsten und mächtigsten Dynastengeschlechter in Thüringen, s. RDThDI
u. II a. viel. St; bis zum Jahre 1280 war sie die Residenz des Gesamthauses Käfern-
berg, von da bis z. J. 1385 die der älteren. Linie, welche uud mit ihr das ganze
Grafenhaus in diesem Jahre ausstarb. Über die letzten Käfernberger s. UEI1
No. 871. 908. 911. 912. 9 S. ob. St. 76 A. 9.
Digitized by Google
214
172. Stück.
178. Wy dry fursten kregen mit deine lantgrafen
Rouie735 zu hessen.1
1386 Also man czalte noch cristus geburt tusent CCCLXXXVI jar, do
kreig der bisschoff von mentcz unde herczog otto von brunswig unnd
172. 1 Über die hessischen Wirren b. in der Zeitschrift des Vereins für
hessische Geschichte u. Landeskunde N. F. Bd. XI, 1885: Walter Friedensburg,
Landgraf Hermann II. der Gelehrte von Hessen und Erzbischof Adolf I. von
Mainz, 1373-1393, bes. cap. III. IV. V. S. 70— 191. Schon iu den Jahren 1378,
1380, 1381 u. 1384 fanden Misshelligkeiten zwischen den früher verbundenen
hessischen und thüringischen Landgrafen, Hermann II. und Balthasar, statt
(a.a.O. S. 87 ff. u. 94 ff.); hingegen versöhnten sich 1381 die alten Feinde, Land-
fraf Hermann und Herzog Otto der Quade von Braunschweig (S. 90ff.): der
lesse wollte sich von der i. J. 1373 mit den thüringischen Landgrafen ge-
schlossenen Erbverbrüderung losmachen. Andererseits waren der Mainzer Erz-
bischof Adolf von Nassau und Landgraf Balthasar seit dem Jahre 1883 Freunde
geworden (S. 97); i. J. 1385 wurden von ihnen die Feindseligkeiten gegen Hessen
eröffnet (S. 98). Somit war die politische Gruppierung im Jahre 1385 ganz
anders als i. J. 1375: damals standen Erzbischof Adolf und Otto der Quade von
Braunschweig gegen die Thüringer und Hessen, 1385 Adolf und die Thüringer
gegen Hessen. Bald sehloss sich ersteren auch Otto der Quade nn infolge der
zweiten Heirat Hermanns von Hessen (dessen erste Ehe mit Johanna von Kassau
kinderlos geblieben war!), die er mit Margarete, der Tochter des Burggrafen
Friedrichs V. von Nürnberg, i. J. 1383 geschlossen hatte (S. 93 f.): so standen der
Mainzer Erzbischof Adolf, Landgraf Balthasar von Thüringen und Herzog Otto
von Braunschweig gegen Landgraf Hermann von Hessen (S. 99 ff.). Ausser diesen
3 (oben im Texte genannten) Fürsten waren ihrem Bunde gegen Hessen bei-
getreten: die Stifter von Fulda und Hersfeld (S. 102), auch der Erzbischof
Friedrich von Köln und die Bischöfe Dietrich von Osnabrück und Heidenreich
von Münster nebst dem Grafen Engelbrecht von der Mark (S. 104) und andere
Ritter und Edele (S. 108 1. Im Juli 1385 wurden also die Feindseligkeiten bei
Kassel eröffnet (S. 126); nach der Erstürmung und Einäscherung der hessischen
Stadt Immenhausen (nördlich von Kassel, Kreis Hofgeismar), am 19. Juli 1385,
wurde bereits am 22. Juli 1385 im Lager vor Immenhausen der Friede geschlossen,
freilich ohne Landgraf Balthasar tS. l:»8ff.), mit welchem der Kampf fortdauerte,
bis am 18. Januar 1386 ein Waffenstillstand geschlossen wurde (S. 142), der,
unter Vermittlung von Adolf von Mainz mehrmals verlängert, schliesslich bis
zum 14. April 1387 dauern sollte (S. 146 f.). Obwohl nun wegen kirchlicher
Wirren (Kloster Heida) im Herbste 1386 Landgraf Hermann durch Kommissare
des Mainzer Erzbischof* gebannt und sein Land mit dem Interdikt belegt war
(S. 155), vergieng das Jahr 1386 doch ohne Kampf, aber gegen Ende des thüringisch-
hessischen Waffenstillstandes verbanden sich Ende März 1387 die 3 Bundes-
genossen des Jahres ltts5, Erzbischof Adolf, Landgraf Balthasar und Herzog
Otto, zu Eschwege wiederum gegen Landgraf Hermann von Hessen, dessen Land
sie förmlich unter sich teilten (S. 157 ff.); doch brachen die Feindseligkeiten erst
im August 1387 aus (S. 172 f.), die nach Eroberung der unten A.2 aufgezählten
Städte und nach der zweiten , ebenfalls vergeblichen Belagerung von Kassel
bereits am 10. September 1387 beendet wurden (S. 177 ff). — Die Ereignisse der
folgenden Jahre, was Hessen angeht, erwähnt Stolle nicht; s. Friedensburg a.a.O.
S. 191—227. Die ganze Zeit Wehandelt auch Lindner im I.Bande seines grossen
Werkes , Geschichte des deutschen Reiches vom Ende des 14. Jahrh. bis zur
Reformation.4 Die hixt. Pistoriuna (1.1. pag. 947) erwähnt für das Jahr 1386 den
Kampf zwischen Balthasar von Thüringen und Hermann von Hessen (Eroberung
von Esehwege und Sontra) , für das Jahr 1387 die Kämpfe zwischen Erzbischof
Adolf, Landgraf Balthasar und Herzog Otto gegen Hermann von Hessen (Er-
oberung von Rotenburg, Melsungen, Niedenstein et plur. al. civitat.)
Digitized by Google
173. Stück.
215
lantgrafe* baltasar von doringen mit lantgrafen herman von hessen.
Also gowunnen disso dry fursten deme lantgrafen zu hessen vele sloss
abe: gudenssberg,3 kaldensteyn, nydensteyn, immenhusen, mylsungen,
rotenberg. Also nara lantgrafe baltazar in essenwe dy | stad unnd i<*
ouch somtra.
173. Von en wenigk fisschen hub sich eyii
grosser krigk. K>th*n&
Also man schreib nach cristus geburt tusent CCCLXXXLX jar, do 1389
quam eyn cardinal1 von rome kein erfforte unnd wonte do wol eyn
halb jar. — Item in deme selben jare, do wart er Erhard von harden-
berga gefangen by dorla wol mit LX wepenern von den voyten lant- fc 7jj
graten baltazars unnd von den von isenache. — Item in deme selben 1389
jare geschach ouch eine geschieht, das eyn gebur3 der margrafen
frederichs unnd Wilhelms von landesberg, dy lantgrafen baltazars bruder
kinder warn, des fruntholdigen frederich,1 der selbie gebur ging tische
in das wasser under luchtenberg. 5 Do quam eyn burger von erfforte,
den hiss pardes,6 der uff dy czit luchtenberg gemethb hatte grafen
» HS: tentgrafen. >» HS: feweth, Schreibfehler.
* Stolle in seiner kurzen Notiz zieht, wie Rothe, die 2 Feldzüge des Jahres 1385
ti. 1387 in einen zusammen, den er aber fälschlich ins Jahr 1380 Hetzt. Die Erobe-
rung von Eschwege, Sontra und derBoineburg i. J. 1385, erwähnt er am Schlüsse,
Immenhausen (s. A. 1), welches schon 1885 (am 21. Juli) erobert und eingeäschert
wird, nennt er neben den anderen, die dem Gange der Ereignisse nach in
folgender Reihenfolge (s. Friedensburg a. a. O. 8. 184) genommen wurden :
1. Rotenburg a. d. Fulda (Kreisstadt i. preuss. Rgsbz. Kassel), 2. Melsungen
a. d. Fulda (Kreisstadt i. Rgsbz. Kassel) — dann die Belagerung von Kassel —
3. Gudensberg (preuss. Stadt im Kr. Fritzlar, Rgsbz. Kassel), 4. für Kalden-
steyn ist Fal ken stein zu lesen is. Friedensburg a. a. O. S. 177. 180. 182 f.), Burg-
ruine über dem Dorfe Sand (Kr. Wolfhagen, Rgsbz. Kassel) und 5. Nieden-
stein (preuss. Stadt im Kr. Fritzlar, Rgsbz. Kassel).
178. 1 Hist. Pistor. (1. 1. pag. 948) : Cardinalis Philippus de Allinkonia, Francigena.
In den Jahren 1388 u. 1389 ist Philipp von Alencon, französischer Prinz, episcopus
Ostiensis, sacrosanete ecclesie Romane eardinalis, apostolice sedis legatus , inErfurt an-
wesend u urkundet daselbst, s. UE II. No. 974. 975. 976. 978. 985. 986. S. a. BE S. 125.
2 Der Landvogt des Erzbischofs von Mainz auf dem Eichsfelde, Erhard (Gerhard) von
Hartenberg, war bei einem Streifzuge am Hainich mit dem landgräflichen
Iturgvogt von Kreuzburg und dem von Eisenach in Kampf geraten und bei
Dorla im Hessischen gefangen genommen; daran knüpfte sich die Erbauung
der Burg Haineck am llaiuich durch Landgraf Balthasar (s.a. hist. Pistor. 1.1.
nag. 948). * — ,,Bauer." 4 Eh ist „Söhne" zu ergänzen: Friedricn III. der
Strenge, auch der Frundholdige genannt, hintcrliess drei Söhne, Friedrich IV.
den Streitbaren (1423 Kurfürst). Wilhelm II. den Reichen, der hier „von Lands-
berg" genannt wird, und Georg; im Teilungsvertrage vom 13. November 1382
erhielten sie das Osterland mit dem Pleissuerlande. * Die Leuchtenburg liegt
(% Std.) über dem alten burgiwhen Städtchen Kahla (s. St. 151 A. 7). 0 In dem
IJE II kommt in jenen Jahren ein Dietrich Härtung (auch Dietrich cm Har-
tungis, d. h. Härtung» Sohu) zu dem Paradiese (von dem Namen des Hauses,
Digitized by Google
216
174. Stuck.
hanses7 sono von swarczpurg abe, den man nante mit derue hornchen;
unime des fissches willen, so hingk der borger von erfforte den armen
man an eine widen. Darunime so szogen dy selbigen jungen raar-
grafen vor luchtenberg unnd gewonnen das unnd ouch das steteben
Rothe 74a kale. Do hisch der grafe von swarczpurg ditte sloss luchtenberg
wedder zu lossene; das wegerten ome dusse junge fursten. Dar limine
so wart des grafen von swarezpurges votter,* der eyn bisscholf was
zu wirezpurgk, mit ome der selbigen jungen fursten vyend, unnd
thoten on vaste schaden im lande zu francken umme koborg," biss
also lange, das disse jungen fursten des bisschoffes manne feie nydder
worffen unnd fingen* sy. Do vone der stifft zu wirezpurg gar in
Rotbe 7.0 £rosse schulde quam. | Hir umme so wolde der bisschofl syne stete
besweren mit eyner bethe, das her mochte wedder dy gefangen gelosse.
Dy stete unnd besundem dy von werezpurg satezton sich dar wedder
unnd sprochen: sulche schult weren nicht von des stifftes wegen komen,
sundern von des von swarezpurges wegen. Also quam der bisschofl
do mit synen steten zu krige unnd kregen zusammene. Also toten
dy von werezpurg der pfafllieit unnd den clostern grosssen schaden
unnd ubirlast unnd zu brochen dy gotesshusere unnd stormeten zu
einem raole einen kerebhoff'. ' Do quomen czwene thumhern von wercz-
purg mit oren frunden unnd mit andern erbarn mannen von gotis-
vorheugnisse wegen unnd slugen unnd fingen mehir wann czwey tusent
wepener uss werezpurg unnd czogen do also balde vor dy stad werez-
purg unnd worffen dy muren nidder mit den formen unnd totthen
ouch vele luthe mit gerichte in der stad. Ditte geschach noch cristus
1399 geburt tusent CCC unde XC IX jar.
ho 713 174. Von eynem grossen wasser zu isenache.
1390 Als man czalte nach cristus geburt tusent CCCXC jar, da vyl am
ptingest tage umme vesper czid zu isenache gar eyn grosser sneller
regen, das der bach,1 der durch dy stad flusset, dy stad muren en
eyl nedder warft" unnd enteyl husere in der lowerga.ssen 2 mit allem
t
• HS: fing, Schreibfehler.
welches oft nach einem Steinhude über der Hausthür, z. B. also hier Darstellung
des Paradiese«, genannt war) vor: 1387: No. 942 u. 951, 1388: No. 963 u. 971.
1389: No. 9f>9, 1. Da» „Hau» zum Paradiese'- ist jetzt Fischmarkt No. 27.
1 Der Sohn des Grafen Johann II. von Schwarzburg (e. ob. St. 161 A. 3) Hein-
rich XXIV., genannt mit dem Hörnchen. 8 Cierhard, Graf von Sehwarzburg,
1372—1400. J Erbteil der Mutter der jungen Markgrafen Friedrich, Wilhelm
und Georg, Katharina von Henneberg (*. ob. St. 154 A. 2.)
174. 1 Rothe St. 743: „unde da» cleyne wassir de» Krummclhach. das durch
die »tadt Müsset." 5 Die bist. Pistor. I. 1. pag. 949 liest: plateu cerdonuiu.
W. Kein, Kurze Geschichte u. mittelalterliche Physiognomie der Stadt Eisen ach,
ZThG V, 1862, giebt S. 20 auf dem Plane de» mittelalterlichen Eisenach an:
Am Löbersbach (die Löber sind Lohgerber), Plan No. 22.
Digitized by Google
175. bis. 177. Stück. 217
hussrate enweg fürte unud vele vyes unnd nossere8 er trenckete, unnd
floss eyn wasser durch dy stad gross als dy werre.
748
175. Hy ko ii ff ton dy lantgrafen zu doringen etliche
stete unnd sloss im Lande zu behenien. !
Als man czalte nach cristus geburt tusent CCCXCVIII jar, do 1»>S
kouffte inargrafe wilhelra, lantgrafen baltazars bruder, yleborg,1 kol-
ditcz2 unnd resenborg8 in behemen, unnd gewonnen dar noch konge-
steyn4 unnd Pirn.5 — Item in deme selben jare, da worn an sente
elsebeten nacht grosser fuer dry geseen in der lufft umme isenache
unnd scharffenberg,6 dy vylen in den horsselberg, das gar vele luthe
sahen. Ditte was eyn warezeichen des mordes zu wirezpurg, der in
deme jare dar noch geschach.
176. Von den wolffen. R«th.7f,i
Item in deme andern jare dar nach, do frosssen dy wolfle dy 1399
kindere unnd dy meyde von oren XV jarn in der von wangheim
gebyete. 1
177. Wye dye liern von missen czogen vor proge. Rothe ?5>
Als man czalte nach cristus geburt tusent CCCCI jar, do czogen 1*01
dy hern von missen in behemen vor präge1 unnd logen do sechs
wochen. Do wart lantgrafen baltazars son frederich ritter. Item in
3 Nosser = Zugvieh, von noss = Stück Vieh, Schaf, Ochs, s. Glossarium diplo-
maticum von Brinekmeier II S. 364.
177>. 1 S. St. 1 A. 23. - Colditz, kgl. sächsische Stadt. Amtshauptmannschaft
Grinuua, Kreishaiiptmannschaft Leipzig. 3 Rieseuberg, Dorf in Böhmen, Bezirks-
hauptmannschaft Taus. 4 Königstein, die bekannte sächsische Bergfestung mit
gleichnamigem Städtchen am Fusse des Festungsberges au der Elbe. ^ Pirna,
kgl. sächsische Stadt an der Elbe, Kreishauptmannschaft Dresden. Über die
ganzen Verhältnisse, namentlich Mai kgraf Wilhelms Verhältnis zu den böhmischen
und mährischen Luxemburgern (Wenzel, Sigismund, Jobst) s. Wenck, Die Wettiner
im 14. Jahrh. S. 55—84 u. 87. Übrigens erwähnen weder Rothe noch seine
Quelle, die histor. Piatoriana, wohl aber die bist. Eccardiana (1.1. pag. 466) die
Eroberung von Königstein und Pirna. • Seharfenburg, jetzt Ruine, bei Thal
i. Th., unweit Ruhla.
176. 1 Wahrscheinlich in dem gothaischen Dorfe Winterstciu am Insellferge,
das damals den Herren von Wangenheim (s. ob. St. 27 A. 2) gehörte.
177. 1 Gegen König Wenzel zogen dem Markgrafen Jobst von Mähren zu
Hilfe und lagerten sich vor Prag: Markgraf Wilhelm I. von Meissen, sein Neffe
Friedrieh IV. (der Streitbare) und sein Bruder Wilhelm II. (St. 173 A 4), Land-
graf Balthasars Sohn, Friedrich der Friedfertige, der damals, 1401, 15 Jahre
alt war.
Digitized by Google
218
178. bis 180. Stück.
domo selbien jare, do czoch lantgrafe baltazar vor scharffenbcrg 2 unnd
gewan das era heinriche von louche3 an, dy es koyn dissonie lant-
grafen baltazar vor rnut willete.
uotho 753 178. Von eynem cometen.
1402 Als man czalte nach cristus geburt tusent CCCCÜ jar, do sach
man einon stein mit einem langen czayle.1 Das was eine bedutunge
eines grossen Sterbens, das ouch zu hand quam in deine andern jarc
dar noch. — Item in deme selbigen jare, do kouffte lantgrafe baltazar
v wedder gerstunge2 | von deme apte zu fulda. — Item dar nach ubir
Kotb« 755 czwey jar, da vor änderte sich3 lantgrafe baltasar mit der wetteween,4
1404 dy* herczogen frederichs von brunsswig frowe gewest was, unnd hatten
wortschafiV in der stad sangerhusen.
Hutbe 757 179. Hie starp lantrafe baltasar.
l Als man czalte nach cristus geburt tusent CCCC unnd VI jar, do
starb dusser lantgrafe baltasar zu wartperg in gutem vollem alder achte
tage vor sente Urbans tage1 unnd lid begraben zu reinhardessborn.
180. Von deme regement lantgrafen baltasars sone.
Herre frederich, lantgrafe in doringen unnd margrafe zu missen,
der hersste noch synes vater tode. hern baltasais, unnd dusser herre
lantgrafo frederich,1 der was gar eyn gotlicher eynteildiger herre unnd
nicht seie gestrenge unnd hild guten frede mit allen fursten ummc
sich gesessen, wo her konde adir mochte, unnd hild sine erber man-
• Mf.t In HS.
* S. ob St. 17ö A. 6. 3 Aus dem Ministerialengeschlechte, das sich nnch
dem Dorfe Laucha (im Herzogtum Sachsen-Koburg u. Gotha, bei Waltersbausen)
nannte; dieser Heinrich von Laucha wird 1371 und 1396 urkundlich erwähnt,
s. UE Ii Nu. 666 u. 81*6.
178. 1 Czayl — ,,/agel, Schwan/., Schweif' * Gerstungen war i. .T. 1292
während der Kämpfe Albrechts des Entarteten mit s. Söhnen unter die Botmässigkeit
des Abtes von Fulda gekommeu. 14U3 kaufte es Landgraf Balthasar zurück.
J Sich verändern (vereudern] *= „heiraten", noch heute im Volksmunde. 4 Land-
graf Balthasar war 68 Jahr alt, als er sich an» 14. Juli 1404 mit Anna, Witwe
des Herzogs Friedrich von Braunsehweig, in Sangerhausen vermählte. ft S. ob.
St. 13* A. .rj.
UM. 1 Am 18. Mai 1404, gerade am Ptingstsonntage.
ISO. 1 Friedrieh, im Gegensätze zu Friedrieh IV. dem Streitbaren Friedrich
der jüngere genannt, hiess auch der Friedfertige oder der Einfältige, regierte von
1404 — 1440 (t 4 Mai 1440 auf der Burg zu Weissensee). Was der Chronist von
ihm berichtet, vielleicht nach Erzählungen von Zeitgenossen, die ihm davon be-
riehteten. beweist nur seine eigene Herzenseinfalt, wie jeder Kenner jener un-
ruhevollcn und fehdeerfn Ilten Zeit weiss.
Digitized by Google
181. Stück.
LI 10
schafft gar lyp, unnd wanne syue arme luthe in doringen icht ge-
drungen adir beschediget worden von den eissfeldern,8 dy uff dy czid
uff dy doringe gerne roubeten, so liss her sine rethe keyn sy uff tage
kome,3 wann her selbir nicht wol dar zu tochto, unnd befalch den, das
man sine fyndo yo stille solde mit gute adir mit gelde. Unnd das ge-
schach gar vele mol, das man eynen frede lange czid begreif^ unnd
dar um nie reichte man eyn geld, das danne deme lande nicht gross zu
achten was unnd doch grossen fromen 1 brochte, wanne her arme luthe
unnd syne manschaff't nicht gerne ubir lestigete mit grossen herfarten. Rü,h0 768
Dusser lantgrafe trederich nam zu der e grafen gun | ters toehter5 von 106
swarezpurg, unnd by der czugote her keine erben, unnd also ome dy
gestarp, do bleib her hirnochmals alleyne unnd liss das ganteze land
zu doringen by sime leben erphuldunge thun, synes vettern kindern,
margrafen frederichs zu missen, ydoch so herschete her in doringen,
dy wile her lebete, in grossem frede.
181. Wye alle dutezselie furaten und stete czogen mm»™
• bist Ptot
mit heere in das laut zu beemen umme des i i ^
950, die «U-
lieilgen glouben willen.1
Also man czalte nach cristus geburt tusent CCCOXXVI jar, do wart 1426
gar eyn gross herfart uss doringen, missen, hessen unnd allen dutezen
landen in das land zu behemen umme des heiigen christlichen glouben
willen. Dar zu sante der bobist einen cardinal,2 unnd meynten zu
c/.ehene vor dy stete in behemen, dor inne sich dy ketezerie gross ge-
samment unnd gemeret hatte, also nemelichen vor dy stad genant
ussezig, vor sotez unnd luna3 unnd andere ungloubige bemsche stete.
Also nu ditte duteze volk vom rynstrome, hessen, buchen, doringen
unnd missen uff den bemschen walt quam,1 also was ess von vorreterie
7 Öfter«, besondere der Streifzug i. J. 1419 gegen Mühlhausen, s. Poltick, Die
Landgrafen von Thüringen, S. 427 f. :l Tac in der Bedeutung „Gerichtstag,
Gericht", also „licsz uf tage kommen" = „Hess sie vor (Bericht laden". 4 Das
Adj. from (vrumj = „nützlich", also ,,da3 fromen" — „Nutzen."' r> Anna, Tochter
des 1868 — 1416 regierenden Grafen Günther XXIX. von Schwarzburg {Blanken-
burger Linie), Herr von Sondershauseu.
INI. ' Hinsichtlich des Hussitenkriege» ist dem Chronisten, welchem wohl
Augenzeugen oder d<ieh Zeitgenossen der Begebenheiten dieselben in seiner Jugend
(in Langensalza? 8. u. A. öj erzählten, die furchtbare Katastrophe von Aussig
(Sehlacht am lö. Juni 1426) — s. Palacky. Geschichte Böhmens, III, 2. S. 412 ff. —
besonders im Gedächtnisse geblieben, und um sie gruppiert er alles, ohne Be-
rücksichtigung der Chronologie, nachfolgendes zum vorhergehenden umformend
oder beides umkehrend. * Es war der neue päpstliche I>egat, Kardinal Jordan
Orsini, der auf dem Reichstage zu Nürnberg, 19. Mai— 1. Juni 1426, erschien;
k. Palacky, Geschichte Böhmens, III, 2, S. 411. Oder es ist dor Kardinal Julian
Ccsarini gemeint, welcher aher erst im Frühjahr 1131 erscheint, s. Palacky a.a.O.
S. 518. ' Es sind die böhmischen Städte Aussig, «atz und Laim gemeint.
4 Jene Verräterei fällt auch erst ins Jahr 1431, al» der Herzog Johann von Bay-
Digitized by Google
220
182. Stück.
mit etlichen houbthiten dosses volkes do bestalt, dye sich do umrae
karten unnd ranten dissem volke alles under ougen unnd machten do
eyne tlucht mit wenig behemen unnd schregen unnd riffen alle: wendit
unnd keret umrae, es were anders Üb unnd gud vor lorn. unnd das
volk was noch ungesehicket unnd wart fluchtig. In der selben flucht
erstickte das volk im harnasche von grossem stoube unnd hitcze, unnd
v ditte was | uff' sente vitis tag, sundern dy gute redeliche ritterschaflt
dy ungerne floen unnd den eren gerne heften gnugk gethan, dy worden
das meisteteil er slagen, wanne das volk das meisteteil gemeinclich wodder
zunicke floch. Also wart do er slagen grafe frederich von bichelingen,
grafe erwin unnd grafe ernst von glichen, ein herre von honstein, ein
herre von helderunge, er nein rieh von erfta, er jaeoff von wangheim,
er kerstan von sebech, er kerstan von witczeleuben rittere, unnd uss
der mosse vele andere erber manschaft unnd vele redelicher burger
uss den steten in doringen, sunderlichen uss der stad salcza5 bieben
usse vierdehalbhundert erliche manne, unnd uss den andern steten
unnd redelichen dorffern gar vele, also das ess gar lütter6 was von
volke in den steten worden, unnd das sich das volk kume wedder in
ezwenezig jarn konde wedder erhole. Ditcz volk hir vorczalt was alleine
ussrae lande zu doringen, ussgeflossen was uss andern landen unnd
steten ouch usse bleib ; der was aneczal. Hir umme schreib unnd ge-
both der bobist allen cristen menschen gotis rauter, dy heiigen junc-
frowen marien, an zu ruflen unnd vor uns zu bethen den almechtigen
got, zu befreden dy heiigen cristenheit; unnd das solde man in einer
iglichen pfarre kerchen dry mol stunde mit der glocken in deme mittage
alle tage unnd darezu sprechen dry ave raaria, unnd welch mensche
107 das höret unnd betet dry ave maria, der had do das | romsche ablas
vordenet, das der bobist darzu gegeben had.
182. Von der forsten teylunge1 des landes.
Als man schreib noch cristus geburt tusent CCCLXXVi jar, do
worn dy hern von missen, er frederich der fruntholdiger, er baltasar
unnd er Wilhelm des under eynander eins, das sv dv drv forsthum, dy
sy hatten, missen, das osterlant unnd doringen, teyle wolden, unnd
quomen zu sammene unnd losten do umme dy land. Also nu dy von
trn vor der Entscheidung zuerst floh, hei Taus*, am H. August 1431 (s. Palacky
a. a. O. S. 544 ff.), und andere Fürsten mit sich fortriss. Und damit sind die
Ereignisse der Aussiger Schlacht verknüpft, die für den 8t. Vitustag (15. Juni)
1526 angesetzt sind. " Damit ist natürlich wieder Langensalza gemeint, und
das weist auf Stolle« (icwährsmänner hin, der iu Langensalza erzogen wurde.
,! Lütze, mhd lützer, nid ohne Umlaut lutter, „klein, gering, wenig", also gar
lutter = „gar wenige."
1N2. 1 Bekanntlich ist die Rothesche Augabc der Teilung v. J. 1376 falsch,
sie fand erst nach dem Tode Friedrichs III., des Strengen, am 18. Novbr. 1382
Digitized by Google
I
183. und 184. Stück.
221
on geteilt worden mit den steten, slossen, renten unnd czinssen noch
deme glichsten, das sy konden, do gehl ern frederiche, deme edelsten,
das osterlant, ern baltasar doringer land unnd deme jungesten bruder
Wilhelme | misser land.
183. Wy dy grafrschafft keferaberg1 erbeloss r««»?«
gestorben ess.
Als man czalte noch cristus geburt MCCC°LXXXV jar, do czoch 1385
der grafe von kefernberg, eyn junger stolczer herre, umroe ritterschaft
über raeer zu deme heiigen grabe unnd fort in dy wustenunge zu sente
katherinen grabe unnd starb do in fromden landen. Do brochten sine
dinere synen lichnam adir gebeine er heym unnd begruben das zu
jorgental in das closter, das sine alden eidern gestifft hatten, unnd ore
bygrafft do ist; zu deme begrepnisse quomen vele grafen unnd hern
unnd begruben on mit grosssem jammer unnd clage unde sin wopen
mit ome, wanne her der letczte grafe von keffernberg was unnd keinen
erben liss. Do gevil dy grafeschafft von leens wegen an den lant-
grafen zu doringen ern baltasar, also an den rechten leen hern. AlsRothe74°
man schreib M°CCC"XC jar, do sammeten sich etliche gebur uss den 1390
dornen umme gotha gelegen von anewisunge etlicher borger gesessen
zu gota; dy ÜfFen in dy stad under dy judon unnd wolden balde richo
werde unnd erslugen dy juden unnd nomen on ore habe, was sy
funden. Do begreften sy dy borger ore enteyl unnd lissen on dy
kopphe abe howen umme des willen, das sy solche gewalt gethon
hatten an des forsten wissen unde des ratis.
184. Von deme gülden jare zu missen. I
Als man schreib nach cristus geburt M0CCC°XCni jar in deme 1398
achtentage noch ostern, do wart das güldene jar zu missen. Das
schickte margrafe wilhelm 1 von missen, lantgrafen baltasars bruder von
doringen, dar. Das stunt uff biss sente andreastag,2 das alle luthe uss
der herschafft missen, osterlande unnd doringen, dy do hene quomen,
in ruwe unnd in leyde orer sunde uund bichten, den worden do gencz-
lichen von gote vorgeben alle ore sunde. amen.
statt: s. Böhne Friedrich. Wilhelm und Georg erhielten das Osterland, ihre Vettern
Wilhelm I. (der Einäugige) Meissen, Balthasar Thüringen.
183. ' Schon St. 171 erzählt. ■ Der Legende nach haben Engel den
Leichnam der in Alexandria 307 enthaupteten heiligen Katharina nach dem
Sinai getragen.
184. 1 Wilhelm I., der Einäugige, Markgraf von Meissen, reg. bis 1407, in
welchem Jahre er kinderlos »Urb. • Es ibC der 30. November.
Digitized by Google
222
185. bis 187. Stück.
185. Von einem sterben.
Als man schreib MCCCXCIV jar, do wart ein gross sterben zu
isenache, unnd es storben in (lerne herbeste da vor, also dy gnade zu
missen1 ussging, dry tnsent menschen, dy do gerechent worden, unnd
niee. Dith thed der stad ar. redelichen dingen grossen schaden. —
Item in deme selben jare, do hub sich eyn krig czwusschen den von
erfforte unnd den von helderunge2 umme eins eymer wins willen, den
sy von etlichen wingarten zu czinse ome geben, unnd meynten den
numme zu geben. Dar umme so vorbraute her den von erfforte ore
dorlfere unnd thed grossen schaden.
Rotbo 746 186. Von einem grossen fnre1 zu erfforte.
y.VM\ Als man schreib nach cristus gebort tusent CCO°XCVI jar, do er-
hub sich eyn gross für vor deme lower thore, unnd der wint treib das
für in dy stad graben, das dy widen vorbiante unnd uff der muren
dy bergkfred, unnd branto zu deme nuwen wercke unnd zu den bar-
v fussen bis an kouffman | kerchen. Des brandes goben dy von erffort
schult margrafo Wilhelme, unnd schulden on in der stad gar ubele, wanne
her was on nicht wol gefrund, unnd brante me danne eyn ferteil der
stad abe.
Rothe 7*6 187. Von einem gefangen manne.
1396 1° deme selben jare, do fingen dy von erfforte ern heinrichen von
lengefeld 1 unnd Hessen on koppfen, do von den von erfforte nianigjare
fede wart.
185. 1 Das im vorigen Stücke erwähnte goldene oder Gnadenjahr von Meissen,
1493. * Über die Fehde, welche Rudolph. Edler Herr zu Heldrungen (preuss.
Stadt im Kr. Eckartsberga) i. J. 1394 gegen Erfurt begonnen hatte, starb er weg;
tseiu Bruder Friedrich setzte sie fort, bis durch Markgraf Wilhelm von Meissen
ein Friede zu stände kam, s. FE II, No. 10158 (v. 31. Juli 1395) ; S. C. Beyer im Pro-
gramm der höh. Bürgerschule zu Erfurt 1889. S. 2 u. 6 f.
ISt». 1 Das Feuer - s. Seebach, Erffurthische Feuerchronicka, 1736, S. 4 —
brach also vor dem Löberthor aus, zerstörte die zunächst gelegenen Türme der
Stadtmauer ( Bergfriede i und setzte sich einerseits bis zum Neuwerkskloster,
andererseits bis zur Barfüsser- und Kaufmannskirche fort; danach brannten die
heutigen Strassen: Löberstrasse. Hie ganze Neuwcrkstrassc, Anger und Barfüsser-
strasse mit den Nebengassen ab, wirklich mehr als ein Viertel der Stadt. — Ur-
kundlich findet «ich bezüglich des Verdachts gegen Markgraf Wilhelm von
Meissen nicht«. S. C Beyer. Progr. 1889, S. 10 f.
187. 1 Die Wirreu bezüglich der in Erfurt enthaupteten Herren Heinrich und
Hans von Lengenfeld währten von 1394 — 1399. Darüber s. Wenck, Die Wettiuer
im 14. Jahrb. S. 51 ff., und C. Beyer, Die Händel der Stadt Erfurt mit den Lingen-
felds und dem Markgrafen Wilhelm von Meissen, 1889 ( Progr. d. höh. Bürgerschule
zu Erfurt) und dessen UE: Totlesurteil 24. Juli 1394 No. 1048; Versöhnung mit
Digitized by Google
188. bis 190. Stuck. . 223
188. Wy helderunge gewinnen wart. notbe7«i
Nach cristus gebort M"CCCC°X jar, do gewonnen dy forsten hei- uio
derunge unnd ouch wye, das sloss unnd dy stad, unnd legen das grafen
heinriche von honsteyn. Derne selbigen von honsteyn hatte der von
helderunge sin sloss angewonnen. Dar noch gar korczlichen wart der
von helderunge erslagen von den kolern uff deme harcze.
189. Von der gebort herczogen frederichs1 zu «"tb^61
Sachsen.
Als man schreib nach cristus gebort M°CCCC°X jar, dowartgeborn 1410
junge herczoge frederich von Sachsen, des nuwen geraachten korfursten
unnd herczogen erster son, der ouch rnargrafe zu missen unnd lant-
grafe zu doringen ist.
190. Von eynem furo1 zu erf forte.
Als man schreib nach cristus gebort tusent CCCC°XILI, do waseyn m$
gross für zu erffort uff deme angere an deme nesten donnerstage noch
sente walpurgis tage.
Landgraf Balthasar, 14. Septbr. 1394: No. 1051 u. 1052 und Bündnis: 1083. 1084.
1085. Klage des Markgrafen Wilhelm, der sich eingemischt hatte: No. 1061.
1064. (Fehdeansage noch anderer gegen Erfurt; No. 1072); scheinbar versöhnt
1395: No. 1073; Anklage, Aeht und Aberacht gegen Erfurt, 1395-1397: No 1079.
1082. 1096. 1097. 1102. 1103. 1104. 1110. 1120.1121; Frieden am 22. Novbr. 1396:
No. 1094; neue Irrungen und endliche Versöhnung: No. 1118. 1119. 1131. Die
endgiltige Aufhebung der Acht über Erfurt erfolgte erat durch König Ruprecht
am 21. März 1401 (s C. Beyer a.a.O. S. 14, dazu S. 15 A. 68: Urkunden im Kgl.
Staatsarchiv zu Magdeburg, Erf. XXVIII, 22). S. auch BE S. 126 ff.
188. 1 Über diene innerthüriugisehe Fehde — s. St. 185 - berichtet die bist.
Pistoriana 1. 1. pag. 953 sq., woraus hervorgeht, da«« der Heldrunger zur „liga
Tritarum videlieet der Flegellern'' gehörte, S. auch die Chronik Haltung Cammer-
meisters, hg. v. Reiche, S. 28 f.
18». 1 Es ist Friedrichs des Streitbaren, seit 1423 Kurfürst zu Sachacn,
Sohn Friedrich, geb 1412, genannt der Sanftmütige, reg. von 1428—1464; im sog.
«ach«. Bruderkriege werden wir ihu näher kennen lernen.
190. 1 Bei diesen und den folgd. Nachrichten schöpfte Stolle wohl aus der
lokalen Tradition in Erfurt, welcher auch Nicolau« von Siegen folgt, denn er ly-
nchtet hierüber (in der Ausgabe von Wegele) pag. 419. Das Feuer war also am
4. Mai 1413. S. Seebach, Erffurthische Feuerelironicka, 1736, S. 5, und Volcmar
Wendel, Kurtzer Histor. Entwurf der meisten Erffurth. Feuerbrünste, 1711, S.6.
Digitized by Google
224
191. und 102. Stück.
191. Item eyn für.1
141« AJs man czalte nach cristus gebort tusent CCCC°XYI jar an unser
lieben frowen tage lichtewee zu nacht», als dry slug noch mitternacht, |
loa do erhub sich eyn gross für zu erffort by den alden fleischbencken
under den schildern unnd brante den ruben raart abe, dy wissen gassse,
dy pergemener gasse, dy martbechen gasse, dy weber gasse biss zu
sente mauricien dy kerchen abe, sente jorgen kerchen abe, sente ser-
vacies kerchen abe unnd ouch [sente] andreas [kerjchen b, unnd werte
den tag, biss das ess XII slug zu mittage.
192. Wy unser liehen frowen gloeken unnd torme
Kou»o 764 zu erf forte abe brauten.1
j4l6 Als man czalte noch cristus gebort tusent CCCC°XVI jar an sente
mertins abende, • als man zu der ganss luteth,8 do brante das liebe
monster4 zu unser liebon frowen zu erfforte abe unnd dy schonen
weydelichen torme reyne abe unnd das edele geluthe, dy guten gloeken
kleine unnd gross, dy vortorben alle mittenander, das was der kerchen
eyn grosser schade.
* HS: nach (rloltolcht aber richtig nach Brandti, Erfurter Mundart II 8. 7 - - Abfall do«
t). b Von hier ab am Rande notiert, teüweiie ventümmelt.
11)1. 1 S. ebenfalls Nicolaua von Siegen a. a. O. S.419. Da bei dem Bom-
bardement im November 1813 viele von den Gassen zerstört und auch von den
genannten 4 Kirchen nur noch eine vorbanden ist, sollen die nicht mebr exi-
stierenden gesperrt gedruckt werdeu: 1) by den alden fleischbencken under den
scbildern : am Friedrich Wilhelmsplatze, am Berge vor der Scverikirche, zwischen
der F ingerlingagasse und der Gasse Unter den Scbildern; 2) ruben-
uiart: Rüben mar Jet: der Teil der Andreaestrasse, der von der Pergamentergasse
bis zur Ackerhofsgasse liegt; 3; wissergassc = Weissengasse (seit 1321 alba
platea in tleu Freizinsregistern, also v. Tettau falsch: Waisengasse, platea pu-
pillorum); 4) pergamenergasse = Pergamcntergasse ; 5) webergasse, Webergasse;
6) die M oritzkirche lag am Ende der beutigen Moritzgasse; 7) die Georgen-
kirche an der Ecke der heutigen Michaelis.strasse un«l des Georgeukircnbof,
der Turm steht noch; 8)die Servatiuskircbe.Eckeder Pergamenter- u. Turnier-
gasse; 9) die Andreaskirche existiert noch, in der Andreasstrasse, » v. Tettau, Bei-
träge z. I . vergl. Topographie und Statistik von Erfurt, MGE XII. Das Feuer
war in der Macht von Montag dem 2. Febr. zu Dienstag dem 3. Februar 1410.
S. Seebach, Erfl. Feuere!» ronieka, 17.H6, Ö. 5 und Volontär Wendel, Kurtz. hist.
Entw. S. 6.
192. ' S. ebenfalls Nicolaus v. Siegen a.a.O. 8. 419 sq.. Seebacb a. a. O. S. 5,
Wendel a. a. O. S. 6 f. ' Also am Abend des 10. November 1416: der Martins-
tag ist der 11. November. » Die Vigilie des 11. NovemW wurde am 10. No-
vember um 6 Uhr abends eingeläutet; dieses nannte man ,,zur Gans läuten," da
an diesem Abend die Martinsgans gegessen wurde, ein altdeutscher Brauch, da
die Gans ein Opfertier des Wodan war, von dessen Herb.stfe-.te viele Gebräuche
auf den Martinstag übergiengen, s. A. Wuttke, Der Volksaberglaube der Gegen-
wart, 18(59, S. 83. * Stolle bezeichnet hier in alter Weise die eedesia (cathedraüs)
Digitized by Google
193. bis 195. Stück.
225
193, Von einem joden,1 der gebraut vrart
Als man czalte noch cristus gebort tusent CCCC°XVIII jar zu erffort 1418
an deme nesten montage nach sentejohans tage des teuffers,2 do braute
man einen joden zu erffort, der hatte sich lossen toufte unnd lift' dor-
noch wedder in dy joden schule, unnd das geschach vor den greten,3
<lo wart her an eine sul gesmeth unnd gancz zu asschen gebrant.
194. Item von einem fure1 zu erf forte.
Als man schreib nach cristus gebort tusent CCCC°XXIT jar, an H22
dorne nesten montage noch unser lieben frowen ablas zu erffort* ; v
czwusschen czwolffen unnd einen noch mitternacht, do brante ess zu
demo roten hörne3 kegen der menezen hofe4 zu erffort, unnd ouch dy
husere enteyl do by. Do vorbrante der wert rudiger genant, unnd was
eyn gasthelder, unnd sin hussfrowe unnd sine kindere unnd ouch snst
andere geste, also das XVI menschen vorbranten do selbest
195. Wy niekel talman gefangen wart von den
von erf forte. n^nA
Als man schreib nach cristus gebort tusent CCCC°XX1X jar, an H29
deme nesten sonabent noch michaelis1 brochten dy erffortschen gebur
gefangen nickel talman mit funff knechten kein erfforte. Der was gar
eyn köstlicher man gewest, unnd sere unnd lange czit geroubet uff dy
von erfforte. Also kregen on dy gebur unnd hatten on gejaget in das
holcz zu blanckenhain.2 Do liss her sich sine dynere under das loub
begrabe, ess halff abir on wenig, dy nachfolger der gebur quomen ome
also nohe, das her nicht vorborgen konde blibe. Do griffen sy on unnd
beatae Mariae Virginia al* Münnterkirehe, denn früher, im 12. Jahrhundert, hie«!
der Dom noch Monaste-rium bcatae Mariae virginis, die Domherren nannten sich
fratrts beatae Mariae Virginia.
193. 1 6. ebenfalls Nicolaus von Siegen a. a. O. 8. 420. S. Liebe , Die wirt-
schafte. Bedeutung der Juden i. d. deutsch. Vergangenheit , JAE, XXVI, 1900,
S. 115—123, nebst der dort verzeichneten Litteratur. S. a. unten S. 239. * Am
27. Juni 1418. a Ante gradus, Vor den Graden, die von der Ostseite zum Dom
und zur Severikirche hinaufführenden breiten Stufen.
IM. 1 S. ebenfalls Nicolaus v. Siegen S. 420. Während die Brände von 1413
(St. 190) und 1416 (St. 192) in Volcm. Wendel» Histor. Entwurf der meisten
Erfurth. Feuerebriinste, 1711, S. 6—7, und Stebach Erf. Feuer-Chronicka, 1731,
S. 5 erwähnt werden, schweigen beide von der Feuersbrunst v. J. 1422. * Am
Tage Maria Himmelfahrt, 15. August, dem Titularfest der Stiftskirche Beatae
Mariae Virginia, ist ein Ablass bewilligt. :' Das Haus Mainzerhof platz No'4. 1 Der
Mainzer Hof, ursprünglich ein Vorwerk im Brühl (Vorstadt von Erfurt), erz-
bischöfliches Allod.
19». 1 ALso am I.Oktober 1429. 'Städtchen im Grossherzogtum Sachsen,
Verwaltungsbezirk Weimar.
K. Stolle. Memorüüe. 15
Digitized by Google
19G. Stück.
sine knechte unnd fürten on kegen erfforte oren herrn. Unnd uff den
selbigen sonabent zu nacht, als her des morgens fru gefangen wart,
do Hessen on unnd sine dynere dy von erffort uss fure uff den raben
stein3 unnd lissen on alle dy koppfe abo slan. Das was on ungesunt
196. Wy herczoge frederich zu Sachsen unnd
lantgrafe wilhelin zu doringen gebrudere, kregen
mit den von meydeburgk.
1440 Als man schreib noch cristue gebort tusent CCCC° XL jar, herczoge
110 frederich 1 | unnd lantgrafe wilhelm2 von Sachsen, missen unnd doringen,
dy cwene brudere worden czweytrechrig mit der stad meydeburg3
umme vier sloss,4 dy vorgecziten zu deme lande zu Sachsen gehört
hatten unnd vor satczt worn, unnd das sich etliche czid vor wilt hatte.
Dy selbigen sloss wolden» dy hern wedder habe, unnd dar ubir wedder-
statunge ubir dy houbtsumme, dy dy sloss stunden, wanne dy von
meydeburg dy sloss eine benante czid inne solden gehad haben, unnd
quomen des uff einen tag keyn isleuben.5 Do wolden sich dy von
meydeburg noch dy hern nicht losse lencke noch underwisen. So das
dy genanten fursten noch volke zu einer herfart uss schreben unnd
meyuten vor meydeborg zu czene unnd gewynne, unnd dy hern
schreben in ore stete unnd lande unnd oren hern unnd trunden noch
volke, das on alles worden were, were dy meynunge der hern vor sich
gegangen. Nemelichen czweyunndozwenczig tusent manne von ryne
unnd uss oren landen, dy danne in deme ersten futter0 zu wissenfels
uff den montag sente jocoffs tag zu abent lesen solden. Do das dy
von meydeburg vornomen, do wart evn ander tag gemacht abir eins
keyn isleuben," unnd wart do beteydinget, das dy von meydeburg den
genanten forsten dy vier sloss wedder gebe solden, unnd darzu vor
muwe unnd vor erbeit czwolff tusont gülden, unnd musten sich den
genanten forsten vorschriben, wenne on dy selben hern schreben, das
» HS: woldv (8ohiwlbf«hl»r). m Üert ebeofelU woMon.
1 Vor dem KrämDferthore au der Strasse nach dem Galgenbcrg hin.
11M5. 1 Kurfüret Priedrich II. der Sanftmütige, regierte von 142S bin 1464.
■ Wilhelm IU. der Tapfere, von 1428 bis 1482. 3 S. Fr. W. Hoffmann, Ge-
schichte der Stadt Magdeburg, neu bearbeitet von G. Hertel u. F. Hülsse, Bd. II,
1885, S. 220-221. 4 Gommern, Ranis, Elbeuau, Gottau. s Diese Ver-
sammlung sollte in Ei.sleben stattfinden, da Graf Vollrad vou Mangfeld mm
Schiedsrichter gewählt war. Oh sie stattfand, ist ungewisa. 0 „Futter*4 auch von
menschlicher Nahrung gebraucht s. St. 202 A. 3. ' Hingegen gelang es endlich
dem Schiedsrichter in einer Zusammenkunft in Eisleben am 21. Juli 1444 da«
gute Einvernehmen zwischen beiden Parteien herzustellen : „Die Stadt Magdeburg
zahlte dem Kurfürsten Friedrich 1400 Gulden, uud dieser verschrieb ihr dafür
die genannten vier Schlösser nufs neue," s. die Chroniken der deutschen Städte:
die Chroniken der niedersäehsischeu Städte: Magdeburg, Bd. i, 1869, S. 383.
Digitized by Google
197. Stück.
227
sy on vier hundert man vier woehen uft* ore eygen koste unnd czerunge
wolden noch fure, wo henie sy or der bedorfften. Also ging dy
herft'art abe, «nnd man meynte, hettc dy selbige herfart vor | sieh ge- v
gangen, iss were dy groste herfart worden, dy ye eyn man, der do
lebete zu der czit, me gedechte, unnd dy stad mit andern steten, dorffern
unnd getreydich vor terbet.
197. Wy proge dy stad vorroten wart.1
Als man czalte noch eristus gebort tuset unnd XL jar, am 1440
fritage an sente oswaldes tage,- mit deme morgen geschach disse ge-
schieht in der stad zu proge im lande zu bemen; das man dy vor-
roten wolde. Iss was eyn richer burgermeister do selbst zu proge, des
jars eyn ratismeister3 unnd eyn Vorsteher der stad, der hatte sieh umme
gutis unnd umme habe willen, unnd ouch umme hass willen, mit den
ketezern, dy do wonten in der stad uff deme berge tabar,4 dy man
nennet dy taberiten, vor eynet unnd vor tragen, das her on dy stad
proge uff dy genanten nacht vor rote unnd in antwerte wolde, unnd hatte
mit on bestalt, das sy sieh uff dy selbige nacht vor dy stad nnder dy
widen, dy do vor der stad steen, schicke sohlen mit einer grossen
197. 'Der Vorfall ereignet*' sich nach König Albreohts II. Tode (27. Okt« »her
1439), als auf dem Prager Wahllandtage Mai bin Juni 1440 an Stelle des später
auerkannten uachgeboreneu Sohne« Albreehts l/udislnus der Herzog Albrecht von
Bayern zum böhmischen Könige erwählt war, die polnische Partei aher durch
einen Handstreich sich der Hauptstadt Prag heinächtigen wollte, um ihren
Kandidaten, don König Wladismw von Polen, den auch die Ungarn damals zu
ihrem Herrseher gewählt hatten, auf den Thron Böhmens zu setzen; s. Palacky,
Geschichte von Böhmen IV. 1 , S. 35 f. Vgl. Härtung Knramermeisters Chronik,
herausggb. v. Reiche, No.38. S. 07- 69 und Einleitung S. LVII f. A. 1. Stolles
Quelle ist unbekannt. - Im.Iahrel440 fiel der St Oswaldtag auf den 5. August,
seihst auf einen Freitag, also war es am 29. Juli; Palacky a.a.O.: Freitag nach
St. Jaeob, also aueh am 29. Juli. :1 Es ist der altstädter Ratsherr Slama von Nexrew,
das Haupt der polnischen Partei, s. Palacky a.a.O. 8.35; derselbe sagt S. 3ii
A. 33.: „Stari letopisowc (S. 120) : Sie brachen in die Präger Neustadt ein durch
eine Öffnung unter Horskä Br&na und zogen gegen die Altstadt, nach dem Thore
Odrana ( Bartoschek sagt: Porta antiquae civitatis proxima curiae regali, S. 204),
wo jetzt der neue Turm aufgebaut ist (d. i. W lad isla ws Pulverturm); und hier
riefen sie, der Thorwächter solle sie einlassen, da sie Fische für Herrn Slama
mit sich führten, die sonst zu Grunde geheu würden ; denn so hatte ihnen Slama
zu sprechen l>efohlen. Und als das Weib des Thorwächters die Thürschlösser
öffnete und durch ein I^och hinaus sah, erblickte sie eine Menge bewaffneter
Männer. Da sagte sie es ihrem Manne. Oer stand auf und schrie sie an,
worauf sie sogleich zu der Öffnung liefen, durch die sie gekommen, und sich
hinaus begaben, während andere in der Neustadt Zuflucht suchten, so dass alle
ohne Schaden entgiengen. Und alsbald nach diesem Verrat flohen Slama und
Schilling |ein Neustädter Ratsherr mit vielen anderen aus Prag von ihrem
Besitztum.*' 1 Ursprünglich war Tabor (— „Lager") das befestigte Kriegslager
der Hussiten, von Ziska i. .1. 1420 angelegt, dann Bezirksstadt im südlichen
Böhmen. Danach nannte sich der fanatische Teil der Hussiten. Der Gleichklang
mit »lern Berge Tabor in Palästina 'Galiläa), dem Berge der Verklärung, ist,
Zufall.
15*
Digitized by Google
228
197. Stück.
menge wol gewopendes volks umme mittern acht, und soldes ussrichte
luthe also fischere, dy do fische brechten, unnd dy solden enczeln noch
enande konie, also das einer deme andern noch ginge, unnd riffen uffe,
das der torworte dy tor deste volkomelicher unnd deste lenger uflen
beilüde, so sulden danne dy gewopenten do hinden den fischern noch
folge unnd dy thor in neme. So bette her gereite r' bostalt mit den
taboriten, dy in der stad wonten, dy uss unnd in czogen in kouffmans-
in wisse, der danne gar | vele gereyte in der stad worn, unnd wanne sich
das geloutfte hübe, das sy danne mete zu loufle unnd helfte solden,
unnd des ratishuss war neme solden , das danne der von proge beste
were unnd der schatcz ist. So wolde her ouch geen zu deme torworten,
unnd wolde on heissen unnd ome sagen, wanne des nachtes lute
quemen unnd sprechen, das sy fische brechten, das her dy sulde in
lossse. Also ging der borgermeister zu deme torworten unnd sprach,
wanne dy fischere quemen, so sulde her sy nicht lange losse steen, her
solde dy jn losse, das dy fische nicht storben, her musste sy vor ere,;
unnd enweg sende uff den selben fritag. Der torwarte sprach, her
woldes gerne thun, wanne worumme, derselbige burgermeister was
mechtig. Also es quam zu der mittemacht, db quam eyner gegangen
vor das thor unnd riff deme torworten unnd bad on, das her on wolde
in losse; do fragete on der torworte unnd der wechter, was her wolde,
unnd wer her were; do antwarto her on unnd sprach, her brechte
fische. Do gedochte der torworte an dy wort, dy ome der ratismeister
en pfolen hatte, unnd sprach zu siner frowen: Stant uff unnd loss on
jn! Do sprach dy frowe: Ich en wel nicht uff steen, es enfuget7 mir
nicht; wer weiss, was volkes do ist. In des quam noch eyn fischer
unnd abir eyner, also lange das her sechse wart, unnd sy meinten, sy
weren also starg, das sy den torworten griffe und dy tor uffene halde
wolden. Der torworte stunt ungerne uff unnde ome gruwete, das her
eine solche mechtige stad uff dy czit in der nacht umme der fissche
v willen 1 uff slessse solde, unnd forchte doch den czorn des burger-
meisters. Der frowen gruwete ouch und stunt ouch uff, unnd ging ufi
deme torme an eyn fenstor, unnd sach en uss; do sach sy, das ess
glinserte* in deme vinsterne von den isenhuten unnd wopen, unnd horte
ouch das gerumpele'J des volkes. Do schrey dy frowe mit luter stymme
orem manne, das her nicht uff sliessen solde, ess were gar vele ge-
wopendes volks vor deme thore. Do hatte der torworte der thor gereite
dry uff geton, biss uff eyn tor das usserste, das was noch zu, unnd her
sloss gereite dor an; das behilt her kume zu, wanne dy dusse10 worn,
h Gereite , adv., „alsbald , bereits , schon,'' 8. St. 28 A. 12 ; öftere in dienern
Stücke. * Ere = er, , .früher," also ,,vor ere*' „früher." 7 Vuogen, vüegen,
intrans., — „füglich sein, sich passen, passen ," mit dem Dativ. " Mhd
glinjen stv. und glinstern swv. ~* md glinsen = „schimmern, glänzen." 9 Mhd
gerummel und gerümniel stn. = md gerumpele = „Lärm, Gepolter." 10 Mit
unorganischem (euphonischem) Anfangs -d, = usse (mhd u$en), adv., „aussen."
Digitized by Google
198. Stück. 229
dy slugen mit exssen11 dar an iinnde drungen dor an. Do liff dy frowe
von derae thore in dy stad unnde schrey und ritt", das dy burger in
der stad uff quomen uund Heften zu den torn zu, noch anewisunge
der frowen. So liff or enteil zu deine rathusse zu, also danne eine ge-
wonheit ist, wanne sich was hebet in der stad, so louffen sy zu stunt
zu deme rathuse zu. Do sy zu dorne rathuse quomen, do was das
rathuss geuffent; do erschrocken dy bürgere gar sere und frageten, wy
das zu ginge; ess en wolde nymant wisse. Eyner fragete den andern
under den gewaldigen;12 sy sprachen alle, sy wosten sin nicht Do
hatten sich dy taberiten , dy in der stad worn unnd helffe wolden den,
dy in dy stad komen solden, in eyn adir czwey huser gesamraet
unnd harreten do, wanne dy taberiten ore geschelschaflt von deme
berge in dy stad quemen, das sy on heiße wolden dy stad betwingeu.
Unnd do worden dv hern I alle eyns, unud der vorreter mit on, unnd n»
liffen enteyl zu den torn unnd holffen dy were, unnd fingen den tor-
worten unnd sine frowen unnd frageten sy, wer sy hette gebeisen dy
tor uff slesssen. Do bekanten sy, als sy der burgermeister geheisen
unnde en pfohlen hatte. Do griffen sy ouch zu hant den selben burger-
meister unde hiwen on an vier stucke, unnd ouch andere redeliche13
gewaldige luthe, radmanne, dy das mete wüsten, den hiw man dy
koppfe abe, er es morgen wart, wanne sy bekanten zuhant, wy sy das
uss gericht hatten, unnd sageten, wo man dy andern taberiten funde.
Do czogen sy hen unnd funden sy gewopent wol bewart in den husern,
unnd fingen dy enteil, unnd enteyl quam or do von, unnd satczten sy
in, unde köpften dy eyn noch dem andern tegelichen. Also wart der
torworte unnd sin frowe wedder loss. Dy grossse schalkeit unnd bos-
heit brochte den burgermeister zu deme tode, unnd man gloubete ome
alle dingk, und was der allergewaldigiste in der stad proge in ßemen.
1U8. Wv sich der aide herre zu missen
unnd der junge herre zu doriugen gebrudere*
teylten uss den landen.1
Als man schreib nach cristus gebort tusent CCCC0 XLVI jar, do 1*W
teylten sich dy czwene forsten, herczoge frederich unnd herczoge wil-
• HS: wiederholt „«ich" au« Vnwheo.
11 Mhd ackes, stf., synkopiert acks, hier mit Umlaut, = „Axt," mit
späterem und unorganischem t. 11 Mhd gewaltic, plur. die gewaltigen die ein
hohe« städtisches Amt Bekleidenden , der Rat. 13 = „verständig", s. Rückert,
Leben d. heilig. Ludwig, S. 148.
198. 1 Uber diese und tlie nachfolgenden Ereignisse, namentlich den sächsischen
Bruderkrieg, s. u. a. Res Misnicac ab a. MCCCOXXVI ad a. MCCCXJLXXXVII1
versioni Germanicae Chroniei Vetero-Cellensis additae et Johann i Puchelero ad-
scriptae a C. Öchurtzfleischio, bei MSCJ II pag. 417 ff. Härtung Kammenneister,
Chronik, herausg. v. Reiche, 8. 71 ft'., dazu die Einleitung a. a. ü., bes. p. XJCVIff.;
auf die von Reiche angeführte Litteratur, auch auf die Urkunden, die er be-
Digitized by Google
230 198. Stuck.
heim gebrudere, uss oren landen mit rate unnd hulfte orer rethe, unnd
wart vor gegeben, das der junge heire herczoge wilhelm solde teyle,
so sulde der aide herre, herczoge frederich, kysse. Derne rote wart
v also gefulget, | wanne sulchen rod hatten gegeben vier rittere mit andern
reten, dy worn by deme jungen hern herrzogen Wilhelme in deme
lande zu doringen mechtig, mit namen er apel unnd er bosse vitcz-
thum gebrudere, er frederirh von witezeleuben, unnd er bernhart von
kerchberg; unnd uff dy selbeczit was grafe ernst von glichen unnd
herre zu Blankenhain hofemeister des jungen hern, abir her was nicht
so mechtig, also her sin sulde, sundern er apel vitczthum unnd er
bosse, dy hatten den jungen hern also gar in gewonnen; was sy
wolden, das muste der herre unnd dy andern rethe vor folge. Dy
teylunge der lande wart vor gegeben , also das der junge herre teylte
unnd der aide koyss. Das geschach darumme, das dy vier rittere, dy
dissen rath vor goben, dy worn also mechtig worden, unnd meynten,
sonders aus dem Weimarer Staatsarchiv anführt, sei hier hingewiesen, ohne das»
sie im einzelnen noch einmal hier erwähnt werden. Ferner sei verwiesen auf
Fabricius, Orgines Saxon., 1597, pag. 707 sqq. , Müller, Reichstagstheatrum I,
Böttiger, Geschichte (Ich Kurstaates Sachsen, Bd. I, und d. 4. Band von Galletti,
Geschichte Thüringens, cndüch auf v. Tettau, Gleichensche Rcgesten, MOE X, 1881,
S. 230 ff. Im allgemeinen liegt noch keine genügende Darstellung des sächsischen
Bruderkrieges vor; Stolle, der aus mündlicher Tradition und gleichzeitigen Aufzeich-
nungen geschöpft haben muss, ist hier massgebende«' Quelle, da er vieles anders
und genauer darstellt, als selbst Härtung Kammermeister. In Bezug auf die
Genealogie des Wet tinischen Hauses sei hier an Folgendes* erinnert. Kurfürst
Friedrich I. (der Streitbare) starb am 5. Januar 1428; er hinterliess 4 Söhue:
1. Friedrich, als Kurfürst Friedrich II. ider Sanftmütige), lebte von 1414—1464.
2. Siegmund, lebte von 1416—1463 (1416— 1457 nach Fabricii Orgines Saxonic.
p. 704 sq.), entsagte (angeblich um einer Nonne, einer Edeldame von Lohma, willen)
l.J. 1437 seinen fürstlichen Rechten, dann Domherr in und 1440 Bischof von Würz-
burg; als solcher i. .1. 1443 entsetzt, kehrte er in die Heimat zurück, wurde aber
von seinem Bruder, dem Kurfürsten Friedrich, in Haft bis an sein Lebensende
gehalten. 3. Heinrich, lebte von 1422—1435, starb also unmündig. 4. Wilhelm III.,
lebte von 1425 — 1482. Bis 1440 regierten die Brüder gemeinsam, d.h. der allein
volljährige Friedrich. Bei der Teilung i. ,T. 1441 war Friedrich 35 — 36 Jahr alt,
hingegen Wilhelm erst 20—21 Jahre, jener also ein Mann, der sich den Vierzigern
näherte, dieser ein unerfahrener Jüngling: deshalb scheidet sie der Chronist mit
den Namen: der „alte" und der , junge" Herr. Die Teilung geschah zu Alten-
burg am 10. September 1445, bestätigt am 1. April 1446 vom Kaiser Friedrich III.
(s. Chmel, Keg. z. Gesch. Friedr.nQ L No. 2054). Die Räte des Herzogs Wil-
helm sind Apel und Busso von Vitzthum , Friedrich von Witzleben (s. Riedel,
codex diplom. Brandenburg. IV, S. 426) und Bernhard von Kirehberg; sein Hof-
meister war Graf Ernst von Gleichen, welcher nachher zu Kurfürst Friedrich
übergieng. Während sonst bei Teilungen zwischen Brüdern der ältere teilte und
der jüngere wühlte, geschah es auf die Einflüsterungen jener vier Räte Wilhelms
l>ei der Alteuburger Teilung grade umgekehrt: Wilhelm teilte und Friedrich
wählte. Wann die Unzufriedenheit entstand . und wer zuerst sich unzufrieden
zeigte , ist unentschieden , da jede der beiden Parteien das Unrecht der anderen
zuschob: wahrscheinlich ist es, dass beide sich übervorteilt glaubten, Wilhelm
ausserdem von seinen Räten angestachelt wurde, Friedrich engherzig auf allen
seinen Rechten bestand, auch auf denen in Wilhelms Landen, in der Annahme,
dass die Lande an ihn oder seine Erben späterhin wieder heimfallen würden,
wie es ja auch geschah.
Digitized by Google
198. Stück. 281
der aide herre worde kesse das lant zu missen, do her inne erczogen
was, unnd der junge herre solde das land zu doringen unnd francken
etc. behalde, dar inne her danne er wachsen was, unnd dy vier rittere
ouch or gud , habe unnd gesessen hatten , unnd mecbtig worn uff das,
das sy by gewalt unnd macht blyben mochten, unnd vorder geherssche
ubir land unnd lute, als sy vor gethon hatten, sy unnd ore eidern.
Er bosse vitczthum der aide unnd der junge2 reten ouch deme jungen
hern, das her sich solde lege unnd in der teylunge mute8 des landes
zu Sachsen, das danne zu deme marschalkthum des romeschen richs
gehört, unnd der aide herre alleine personlich do mete belent was. Also
was vor einem jare | , da vor er apel vitczthum des alden hern marschalk 1,8
gewest in sinem hofe, unnd was also mechtig by dissen beiden brudern,
das her sich kegen deme alden hern vor messen hatte unnd ome zu
gesaget hatte , her wolde ome schicke in der teylunge, welch lant her
habe wolde; also ome danne der aide herre hindenoch in syner kegen-
wertickeit zu sayte in der stad halle,4 vor allen fursten unnd graten,
rittern unnd knechten unnd steten etc., dy do kegenwertick worn, wy
her czwene kole in einem toppfe gekocht hette. Hir noch nu also der
junge herre geteilt hatte, unnd komen uf tage zu kysen, do koyss der
aide herre in das lant zu doringen mit zugehorunge, also das geteylt
was. Do erschrocken dy vitczthum unnd dy andern gar swinde, wanne
der aide herre was gar eyn cluger furste unnd wise, unnd sy furchten,
das on ore gewalt genomen worde unnd forder nicht, mee in sinen rath
quemen, do von sy mochten genedirt unnd under gedruckt werde,
wanne sy hatten ess gehalden, das on nymant in allen landen holt was,
unnd sv bedochten ouch mit oren behenden listen unnd siechten worten.
unnd sprochen, dy land weren unglich geteylt, unnd dy register, dy
deme jungen hern unnd on weren geantwart uss deme lande zu missen
obir dy sloss unnd stete, rente unnd czinsse, das erfunde sich by
XVIII tusent gülden nicht, unnd dy register weren falsch gewest, unnd
dy wile, das dy register falsch gewest weren, so hetten sy iss nich glich
kont geteyle, also wolden sy nicht der teylunge in geen. Sy | sprochen v
ouch, der junge herre solde des ouch nicht zugebe, unnd sy woldens
! Es sind 2 Generationen der Vitzthume: I. Generation: 2 Brüder:
I. Apel Vitzthum zu Rossla, Rat Landgraf Friedrichs IV. (des Einfältigen),
», Härtung Kammermeister, Chronik, h. v. Reiche, S. 23 u. 30; 2. Bosze von Vita-
thum, des vorigen Bruder, auch Rat Landgraf Friedrich* IV., dann Wilhelms II.
(des Reichen) von Meissen , s. ebenda S. 23 f. Dieser ist der hier erwähnte. —
II. Generation: 3 Brüder: l. der berüchtigte Ajwl von Vitzthum auf Nieder-
rciHsla; 2. Bernhard von Vitzthum zu Leuchtenburg und 3. Bosze von Vitzthum
auf Dornberg. Der erste und der dritte sind die später vielfach genannten ; s. auch
Reiche, Härtung Kammermeister, Chronik, Register 8.245. 3 Md muten =
rahd muoten, müeten, swv. , — „etwas haben wollen, begehren, verlangen."
Übrigens hatte seit Kaiser Otto III. der Herzog von Sachsen , damals also der
Kurfürst von Sachsen , das Erzmarschallamt des heiligen römischen Reiches.
4 Das war beim sogen. „Hallischen Machtspruch" am 1. Dezember 1445 (nach
Riedel, codex dipl. Brandenburg. IV, S. 858: Sonnabend nach Concept. Mariae =
11. Dezember 1445).
Digitized by Google
2A2
198. Stück.
uuch nicht, sundern man solde andirtweilt teyle; so nette ouch des jungen
Lern frowelin5 or lypgedinge in deme lande zu doringen, unnd were
ouch dar uff in das lant zu doringen uss ungern" gegeben, unnd
woldon, man soldo andirtweit teyle. So meinte der aide berre, der junge
herre hette geteylt, so nette her gekorn, also das betey dinget was, ome
solde dar an wol gnuge, unnd wolde ouch andere teylunge nicht zu
geben, sundern her meynte rüge unnd gemach zu haben in derao
lande zu doringen; der junge herre solde sich ouch vor suche im lande
zu missen keyn den beraen unnd andern luten, unnd suchte anders
keyne betriglickeit dar inne, wanne her was eyn sweer fetter herre.
Do das dy vitczthum soen, das der aide herre im lande zu doringen
bliben wolde, do vorchten sy orer gewalt, unnd ryten deme jungen
hern, das her der teylate 7 nicht solde vor folgen , sundern her solde
8chribe allen fursten, bisschoflen, grafen, rittern, steten etc. und eynen
tag mache, unnd das uff sy byete zu erkennen, unnd das man eyne
andere wise dar inne er dechte. Dy vitczthum erbeyten sich der sache
so swinde, und brochtens dar zu mit orer behendickeit, unnd ryten
deme jungen hern also vi), das her dy schone grosse stad unnd sloss
aldenborg in missen mit vierhundert dorffern unnd zugehorunge unnd
sust anderlant deme alden hern liss folge zu deme lande zu missen,
im uff | genenteyl,8 uff das, das das lant zu doringen deme jungen hern
blebe, das danne dy vitczthum gar noe halb inne hatten unnd hern
worn, unnd das sy by orer grossen gewalt unnd macht blibe mochten.
Der aide herre nam das lant zu missen mit der stad aldenborg unnd
orer zu gehorunge; das was nu vaste besser, danne das lant zu doringen,
unnd liss deme jungen hern dy köre zu doringen. Das margte der
aide herre, wy der junge herre sin bruder nicht also klug were, das
her 8ynen notcz unnd fromen konde erkenne, sundern her gehorchte
den reten, den vitczthum etc., dy ufl oren ort ryethen, das sy hern
bieben. Unnd der aide herre hette gerne geseen unnd bad sinen bruder
den jungen hern, das her dy rethe wolde lossen, mit namen dy vier
brudere unnd swegere, ern apel unnd ern bossen vitczthum, ern
frederichen von witczeleuben unnd ern bernhart von kerchberg; sy
weren ome nicht nutcze, her hette sust grafen gnug unnd frome hern,
dy do ome wol fugeten unnd ome wol tochten. Das mochte villichte
der junge herre den vitczthummen vorgoleyt habe. Do nu dy viczthum
das vornommen, do trugen9 sy mit deme jungen hern also vil an,y das
her mit sinen grafen in dem lande zu doringen unnd mit on eynen
bunt10 machte unnd sich kegenenander gar tiff unnd hoch vor schreben
unnd mit eyden zu sammene vorbunden unnd vorstrickten, or eynen
5 Anna, älteste Tochter Kaiser Albrechts II. G S.u. A. 11. 7 „Tevlate,"
stf., — „Teilung." H Md gener = .jener." b. Weinhold, Mhd Gram.*
w „Antragen** = „den Antrag stellen," mit dem Dativ „bei jemand." 10 S.
Härtung Kammermeister a.a.O. S. 78 u. A. 2; hier ist klar, dass Stolle mehr
auf seiten des Kurfürsten Friedrich steht, Härtung Kammenneistcr auf Herzog
Wilhelms Seite.
Digitized by Google
m. stuck.
233
den andern zu vorteydingen also synen eygen lip unnd gut uft" sine
eygene koste. Dy grafen vorschreben sich keyn den rittern, dy rittere
kein den grafen ; das brachten dy vitctz thum zu mit behendickeit unnd ▼
besorgeten sich vor deme alden hern, wanne sy wosten wol, das her
eyn trefflicher, ernster, wisser herre was unnd wol konde erkenne, wy
sy deme jungen hern riethen. In des hatte der junge herre wert-
schaft11 mit der konicynnen von ungern zu ihene uoime sente vitis
tag, unde der aide herre sin bruder was ouch gebeten mit andern
forsten, her quam abir nicht, suudern dy vitczthumme worn do mechtig
alles des, das do was, unde was sy toten, das was wol gethon. Dy
grafen dy do zu hofe worn, dy rethen vaste deme jungen hern, das
her iss mit sinem brudere bilde; her konde ome gehelffe unnd gerote.
Kss was abir ungehort. Dy vitczthum raeinten, der aide herre were
eyn swer alder herre, her konde nicht lange gelebe. Dy grafen worn
ouch ungeacht von den vitczthum zu hofe unnd un mechtig. Dy vitcz-
thum begunsten vaste uft zu stygen unnd yc lenger ye mechtiger unnd
gedochten tegelichen uff grossen richtum unnd veste sloss. Also wart
von on im lande zu doringen gemacht eyn sprich wort, das hiss also:
„Hossa, hossa, das lant ist der bossen." Sy bildens ouch mit den
riehen joden, wanne dy joden arme grafe unnd rittere mit gesucho von
oren slossen drungen, mit der vitczthum rothe unnd hulffe, so hulffen
sy danne den joden getruwelichen, unnd dar noch koufften sy den
joden dy sloss abe umme halb gelt adir wy das sy woiden, so mussten
danne dy arme lute under deme gebete der slosss ore gntere unnd or
erbe von nuwens zu leene | en pfaen von den vitczthum. Also hisschen 110
unnd noraen sy den czenden gülden zu lenrecht von einem iglichen*
erbe unnd hüben zu leen rechte uff eine giosse summe | geldes, danne
dy summe was, das sy umme dy bürg gegeben hatten. Ess hatten
ouch dy von erflforte zu der czit eyn veste sloss, genant Cappelndorff,1'*
wol unnd veste gebuwet, unnd or beste slos was, das sy hatten; das
teydingete on er bosse unnd er apel viteztum mit oren guten worten
abe, das sy on eine summe geldes adir silbers dar uff leich eine czit,
nemelichen iXXI jar, unnd solde gliche wol or uffene sloss sin. Das
toten dy guthen luthe, dy hern von erftorte, umme schotez undefredes
• HS: talkbM.
11 — „Hochzeit" (s. St. 138 A. 5 u. St 178 A. 5). Im .1. 1446 feiert« Herzog
Wilhelm seine Hochzeit mit Anna, der Tochter Kaiser Albrechts II. ; daher wird
jene „Königin,*4 d. h. königliche Prinzessin von Ungarn, genannt, weil Albrecht
auch König von Ungarn gewesen war. Stolle setzt die Zeit um den St. Veitstag, d. h.
15. Juni, genauer die Appendix (s. ob. A. 1) pag. 422 : auff inontag nach Viti, da«
war der 20. Juni 1546; nach anderen fand die Hochzeit am 20. it. 21. August 1446
statt. 12 Capellendorf, Verwaltungsbezirk Weimar im Grossherzogtum Sachsen,
wurde i. Februar 1447 von den Erfurtern verpfändet, auch Härtung Kammet -
meister a.a.O. 8.74 nebst der Litterat ur in A. 1. Stolle sucht die Beweggründe
der Erfurter, die er in der Stadt selbst gehört haben mochte, darzulegen, während
Härtung Kammermeister merkwürdigerweise schweigt, obschon er in diesem Jahre
zum erstenmal oberster Katsmeister Erfurts war.
Digitized by Google
234
198. Stück.
willen orer stad erfforte wind oren burgem, unnd meynten, dy wyle
er apel so raechtig were des hern unnd des landes, ess weere orer
stad erffort gar eyne grosse hulffe unnd ouch oren armen luthen. Er
bedochte abir sinen notez dar inne zu enden, unnd ab her ubir
czogen worde, das her unnd dy sinen dar uffe schutcz hetten. Ess
geschach ouch in deme selbigen jare, das dy von erfforte grosse fede
gewunnen, do hetten sy gerne volle uft dy borg geleyd, des en wolde
her on nicht gunnen ; unnd das was ouch der untruwe eyne, dy her
derstad erfforte bewiste, unnd schickete ouch heiraelichen der stad erfforte
fede zu etc. Item der aide herre lag deme jnngen herrn vaste an, das her
dy rethe von ome lissse, wanne her erkante wol, das sy ome nicht
nuteze worn; sy hatten ouch vaste landes zu sich bracht, nemelichen
t komburg,ls dorneborg,13 isserstete,13 | Cappelndorff;13 wye,13 den steyn,18
wassenburg,13 koderitchcz/3 madela,1 1 suleza13 etc., unnd hatten vor XX
jarn nicht mee danne neddir rosla.14 Der aide herre was eyn erbe zu
deme lande zu doringen,- wanne der junge herre ane erben sterbe,
dar umme was des noyt, das her zu sach; her schreib unnd bad den
jungen hern, das her dy rethe lisse, her wolde or nicht lide in syme
rathe; wolde her or nicht lossse, so wolde her sy selber straffe, wanne
her wüste wol, was sy rieten. Dy vitezthum unnd ore swegere er
schrocken des gar sere, unnd sprochen zu deme jungen hern, her wüste
wol, wes her sich kegen on vor schreben hette unnd vor bunden hette
mit breffen unnd mit eyden; were her cyn fromer herre, her hilde syne
eyde unnd sine wort unnd vorteydingete sy ; unnd sprochen on dar zu,
das her glich unnd recht vor sy boyt, unnd sy zu tagen15 brochte.
Der aide herre quam kein on zu tage,r> unnd vorczalte on dy schulde
unnd dy sache, dy her zu on hatte, unnd boyt das uff dy hern, fursten
unnd lant zu erkennen, unnd uff wen her iss hoit, des wolden dy
viteztum nicht, sundern sy wolden des bliben, by werae sy wolden, des
en wolde der aide herre ouch nicht, unnd schiden sich dicke ane ende.
Der tage wart vaste gemacht, unnd dy viteztum erboten sich alle wege
gnug, sy wolden abir nicht volgen unnd logen deme jungen hern also
vele an unnd brochten on also gar in ore hant, das her sy meynte zu
" Kamburg, Städtchen an der Saale, Hauptort der zum Herzogtum
Sachsen-Meiningen gehörenden Grafschaft gleichen Namens. Dorneborg = D o r n -
bürg, Städtchen, Verwaltungsbezirk Apolda im Grossherzogtum Sachsen. 7 Kilo-
meter von Kamburg. Isser*tete = Dort Isscrstädt, Verwaltungal>ezirk Apolda
im Grossherzogtum Sachsen, bei Jena. Cappellendorf s. o. A. 12 und Wye =
Wiehe s. St. 141 A. 10. Mit „Stein" ist der Wendelstein über Kloster
Ro»!«lel>en (im preuns. Kreise Querfurt, Rgbz Merseburg), unweit Wiehe, gemeint,
w elcher Christian von Witzleben gehörttjs. u. a. den Zug vor den Steyn S. 237 u. Här-
tung Kammermeister a. a. O. S. 79. Wassenburg |sic| ■= Wach wen bu rg, s. St. :V>
A.5. Koderitchez- Kode ritz sch, Dorf im Verwaltungsbezirk Apolda des Gross-
herzogtums Sachsen. Madela = Magdela, Städtchen im Verwaltungsbezirk
Weimar des Grossherzogtums Sachsen. Sulcza ist das bekannte Soolbad Sulza
im Verwaltungsbezirk Apolda des Grossherzogtums Sachsen. u Nieder-Rossla,
Sitz dos Apel Vitzthum, a. d. Ilm, Verwaltungsbezirk Apolda im Grossherzogtum
Sachsen.
Digitized by Google
198. Stück.
285
vorteydingen, unnd gerette on, her wolde sy vorteydinge. adir wolde er
alle sin | lant vor lysse, unnd wolde mit on uss dem lande geen. Iss u«
was nicht eyn cluger herre, so worn sy ouch nichtTclug, das sy ome
eyn solches rethen; danne was sy ome ryeten, das teth er alles.
Gräfe ernst von glichen, der eyn hofemeister was des jungen hern,
unnd der grafe von stolberg, der von swarczburg, von bichelingen, dy
netten gerne geseen, das sich der junge herre hette lossen lencke unnd
dy vitcztum gelossen uss syme rate, unnd das sich dy vitczthum hetten
ge einfeldiget 17 unnd hetten sich kegen deme alden hern geneyget unnd
in gutlickeit gesucht; des wolden sy nicht thun, sundem or humot
unnd ore macht was also gross, das dy grafen dar zu nicht ge thun
konden unnd nomen orloub von hofe unnd czogen heyin. Do der aide
herre vel geschreib unnd gebad unnd nicht helffe wolde, do sammete
her sich mit einem here unnd meynte dye vitcztum zu obirczene unnd
zu straffen unde deme jungen hern nicht zu thune, es en were danne,
das her sich dar in levte; unnd czouch durch dv czwev bischthum
numburg unnd merseburg an dy sal kein komborg. Das vordrossdy
vitczthum, das dy stiffte gunsten,18 das man uff sy czoyge, unnd ge-
dochten, wy sy mochten, das der junge herre sine Ungnade uft den
alden hern worfle, unnd machten eine sache von eynem manne, von
eynem pilgerim, der was ertruncken in der weta.1*
Der lantgrafe von hessen20 quam in das land, noch deme was vil-
lichte von den vitcztum gesant, in messen, als ob her wolde ryte zu | v
deme heiigen blute;21 der erbeite sich sere unnd konde doch nicht
eynunge treffe, unnd reyd in das heer zu deme alden hern unnd hette
gerne gemacht, dasdy vitcztum weren uss demerathegeczogen, unnd hette
sy lossen sitcze in orer behusunge; des wolden sy nicht thun. Sy hatten mit
deme jungen hern eine vortraeht gemacht, das er or nicht losse solde, unnd
hatten ome in gebrefet, her were eyn herre in syme lande, her solde
zu rathe habe, wen her wolde, unnd nicht sin bruder; her solde ouch
sine rethe vorteydinge, das were billich. Iss meynte abir der lantgrafe
von Hessen unnd ander forsten unnd grafen, iss were biblieher also,
als der herre eyn junger man were, her solde mogelicher cwelft adir
dritczen synen grafen, mit den her sich ouch vorbunden hatte, gehorche
unnd zu forderst synem brudere, der eyn mete erbeling22 noch ome
were des landes, danne den vitcthum; das konde der junge herre nicht
erkenne, sundern her wolde dy vitczthum vorteydinge unnd schreib
den grafen unnd steten umme hulffe. Dy grafen unnd etliche stete wolden
17 Das Wort ist wahrscheinlich von Stolle gebildet oder au* dein Erfurtisehen
Dialekt genommen, = „Frieden auchen." ,h „Vergönnen, gestatten.44 Die
Weida ist ein Nebenflüsschen der Auma, die ihrerseits in die (weisse) EMer
fliesst. w Landgraf Ludwig von Hessen. *-1 Wilsnack, preussische Stadt im
Kreise Westpriegnitz, Itegbez. Potsdam, zuerst 1300 erwähnt, wurde durch da*
„Wunderblut" laus Hostien, die nach dem Brando von 1883 unversehrt auf-
gefunden wurden) ein berühmter Wallfahrtsort. s? Erbeling, stm., „Erbe", al*
Diminutivum gebildet, nd Erfling.
Digitized by Google
286
198. Stück.
ome nicht helffe wedder synen brudor in den suchen, sundern tete ome
sust ymant anders, do wolden sy lyp unnd leben, gut unnd habe by
ome losse, unnd meynten, der aide lierre were also wol or herre also
der junge, her nette sy ouch orer hulfle nicht loss gesaget, unnd dy
grafen meynten ouch, sy mochten orer vorbindunge in sulcher on-
endelicher-3 sache wedder synen bruder oren hern durch der vitczth um
unnd orer sweger willen , der wol zu cnperne stunde,21 nicht gehalde.
Sy wolden ouch wedder deme jungen noch deme aJden heiße. Der
junge herre schreib den stenten erflorte, northusen, molhusen etc. Der
aide herre schreib on ouch, sy wolden keyme helffen; iss duchte dy
stete unredelich sy. Her schreib fromden hern, ess quam nyraant. Do
nyiuant quam deme jungen hern zu hülfe unnd nyniant helffe wolde
von grafen noch von steten, do quam der margrafe von brandenburg,
der bisschoff von meydeburg etc.-5 unnd machten eynen gutlichen tag
czwusschen michaelis unnd sente jorgen tag anno 11° CCCC" XLV1 unnd
nomen des gancze macht von beyden hern. Was sy sprechen, das
solden beyde partie vor folge, unnd der aide herre solde wedder heim
czee ane des jungen hern schaden unnd sulde gancz in gutlickeit stee
czwusschen allen den, dy mit disser sache begriffen worn. Das hatte
nu der junge herre deme margrafen zu geschreben, das ditczs also sulde
ansteen bynnen sulcher czit; do czogen dy vitczthum in dy stete unnd
erboten sich gliches unnd rechtes, unnd grosses dinges uss, unnd fol-
geten deme alles nicht, ouch vorderte sy nyiuant, wanne der aide herre
hilt das gutlich steen. Er apel vitczthum was ouch zu erflorte vor
dem ratho unnd der universitcten etc. lnnewendig deme gutlichen28
tage leyte sich der junge herre noch der viteztum rate an dy stad
" „Unedel, schlecht," ».St. 29 A. 10; unten (S. 239) „uncndelieh". "Wört-
lich = „zu entbehren (md enjtern = mhdenbern* stände1' d. i. möglich wäre, sich
geziemte (ston — anstehen, sieh geziemen). *5 Es waren vornehmlich die Mark-
grafen Friedrich (II.), Johann der Alchimist und Albrecht Achilles von Branden-
burg, sowie der Erzbischof Friedrich III. von Magdeburg. Graf von Beichlingen
(1445 — 1404 — s. über ihn Härtung Kammermeistcr a. a O. S. 72; nach Pott-
hast, Wegweiser durch die Gesehiehtswerke de* europ. Mittelalters, S. 351, regierte
er bis 1 ttif»), welche den Vcreöhnungstng zu Naumburg zustande brachten. Der
Chronist ist hier ungenau, da er bloss treu Frieden von Michaelis (29. Septeml)er)
1446 bis z. St. Ueorgstag (23. April) 1447 erwähnt, während erst nach dem Tage
von Leipzig zwischen dem Kurfürsten Friedrich uud seinen Ständen, und naen-
dem der Kurfürst am 21. August 1446 gegen Ai>el von Vitzthum gezogen war,
endlich vom Herbst 1446 bis Frühjahr 1447 die gegenseitige Verwüstung der
Vasallenschlosser geschehen war, im Februar 1447 der erste Tag zu Naumburg
zustande kam, s. u. Stolle St 19U, Härtung Kammermeister a. a. (). S. 81 f. Darauf
wurde ein Waffenstillstand bis zum 23. April 1447 geschlossen. Unterdessen hatte A|iel
Vitzthum das böhmische Heer geworben, das Ende April 1447 nach Thüringen
kam, worauf der 2. Tag zu Naumburg vom 23. April bis etwa den 6. Mai (bezw.
14. Mai) erfolgte, auf welchem ein Waffenstillstand bis zum Sonntag naeh Aegidi,
also bis zum 3. September, 1447 geschlossen wurde; während dieser Zeit zog
Herzog Wilhelm mit seinen Böhmen vor Soest. D. b. während des Waffen-
stillstandes (kurz vorher ein „gutlich steen" genannt, ebenso St. 307 z. E., — treugas
freit, s. H. Hückert, Leben des beilig. Ludwig S. 132), der al»er, wie in der vorigen
Anmerkung gezeigt ist, auch wirklich nicht bestaud.
Digitized by Google
198. Stück.
237
unnd stifft zu numburg, unnd leyten on dy strosse nedder, das was
umrae | wynachten, unnd ranten vor numburg unde schössen noch den v
luten, dy in den torn worn, unnd fürten ore flusse uff deme wassere
en weg; sy slugen unnd fingen dy lute, dy zu numburg zu furn, unnd
plackten dy luthe, dy do vor furn uff den strasen, das gar unczemelich
was eyme forsten in deme gutlichen tage, unnd hatte villichte vorgessen,
wes her sich vor schreben hatte; also ydoch regirten das dy vitcztum.
Dy vitcztum worden finde der grafen von bichelingen unnd hatten
bestalt unnd or gelt dar umme gegeben, das man sy on solde vor roten
habe. Sy worden ouch fiende grafen ernsts von glichen unnd ander
grafen mehir. Ein ritter, genant er herman von harres,27 den vortreben
sy unnd branten ome syne borg uss, genant ossro astete. 28 Sy schickten
ouch heymelichen andere fede zu den grafen unnd steten erflbrte, nort-
husen unnd molhusen unnd meynten, sy wolden sy bedrowe, das sy
deme jungen hem helffe solden zu vorteydinge. Dy armen grafen
musten sich drucke; grafe ernst von glichen muste wiche unnd quam
zu deme alden hern unnd clagete om, wy ess zu stunde im lande zu
doringen. Do behilt on der aide herre by ome zu eyme rat he, unnd
boyt glich unnd recht vor on. Dy grafen von bichelingen quomen
ouch unnd clageten dem alden hern der vitczthum fede, unnd clageten
orme brudere, deme bisschoffe zu meydeburg, den hern von quernfart21*
den steten halberstat, asscherssleuben; | dy quomen den grafen zu hulffe 118
mit domo alden hern unnd brachten zu sammene achte tusent man
adir meer unnd zogen vor wye'w, das was er apels vitczthums, unnd
gewonnen das, unde czogen dar noch vor den steyn.31 So czoch der
junge forste, des alten hem son, vor fryborg unnd logen da vor by acht
tagen; do coch her wedder abe unnd leyte volk keyn numburg unnd
vorteydingete dy von numburg. Er herman harres brante das gute
dorff rodirstorff82 an der nuraburger strosse, von des alden hern geheiss
wegen. Der grafe von honsteyn, heinrich genant, halff deme alden
hern unnd leyte sich vor ebeleuben*3 unnd gewan das. Dy hern von
bichelingen gewonnen nebra;M so rante der bisschoff von wirczpurg
vor isenache unnd hatte das volnach35 er louffen, unnd vil andere eben-
!7 Harras ist ein Dorf im preuss. Kreise Eckarteberga, unweit Heldrungcn,
an der hohen Schrecke gelegen; nach diesem Dorfe nannte «ich der auch sonst
noch begüterte Ritter. *8 Osmannstedt. Verwaltungsbez. Apolda im Grossherzog-
tum Sachsen; da« Gut gehörte später Wieland, der auch hier begraben liegt.
n Querfurt, preussische Kreisstadt im Regbez. Merseburg. 10 Stein, s. ob. A. 18.
:" Irrtümlich, da Friedrich» III. Söhne Heinrich, Alexander und Friedrich (geb.
1430. 1488. 148») schon jung weggestorben waren (1433. 1446 u. 1440), Ernst und
Albert, die späteren Stifter der 2 sächsischen Linien, damals erst 5 bezw. 3 Jahre
alt waren. Rudersdorf, Dorf im Verwaltungsbez. Apolda des Grossherzog-
tums Sachsen. J:| Ebelel>en, Marktflecken in <ler Unternerrsehaft des Fürsten-
tums Schwarzburg-Sooderehausen. :" Nebra, Städtchen an der Unstrut, im
preuss. Kreise Querfurt, öftere schon erwähnt. Das Adverbium vol wird mit
Adjektiven und Adverbien zusammengesetzt, um da* Völlige und Vollständige zu
bezeichnen.
Digitized by Google
238
198. Stuck.
ture hub sich im lande zu doringen, das machten dye vitczthum.
Nymant was ouch sicher zu gene, zu ryten, noch zu fareu; wer den
andern vor mochte, der gieift on an, unnd siugen sich underenander,
unnd einer nam dem andern, was her hatte. Do disse geschieht also
erging, do was ich conrad stolle, der ditte geschreben had, by mynen
XVI jarn, also das ich der ebenture wol gedochte; unnd was do heime
in deine dortfe zu czimmern under derae eitersborge; do hatte ich vater
unnd muter unnd ging do by einem kerchenore in dy schule unnd
sach ouch dy für der dorfler umme her in des jungen hern lande, das
man dy brante. Do floen alle lute in deme eröbrteschen gerichte in dy
v stad erflbrt | mit orem guthe unnd habe, unnd das gesmide uss den
kerchen unnd alle glocken, das fürten alle dorffer in dy stad erfforte,
unnd bleib ouch keyn man in den dorffern; sy besorgeten sich, das sy
gefangen worden. Sundern der von erfforte dorfer bieben alle stene,
das man der nicht brante. Der junge herre schreib vaste uss noch
manschafft, ome quam abir nymant, unnd hatte sine stete wonunge zu
wymar uff der borgk; her czerte wymar unnd jene uss unnd konde
keine redunge nicht gethun- Sulchen frede unnd gütlichen tag, also
der junge herre gebrochen hatte, wolde sich der aide herre erclage unnd
schickte keyn erffort grafen ernsten von glichen, sine rechtickeit zu vor
czelne, in welcher macht her sich wedder synen bruder setezte; das
was uff den suntag noch der heiigen dry konige tag. Gräfe ernst liss
dar zu bete dy czwey capittel30 unser lieben frowen unnd sente severi,
doctores unnd meister der universiteten, dy stete ouch northusen unnd
molhusen. Das erfuren dy viteztum unnd brochten den jungen hern
selber unvorselich in den tag unnd quomen mit ome in dy stad keyn
erfforte unnd meynten, sy wolden den grafen toube,ST den der aide
herre hatte do hene gesant. Her torsto ouch nicht in orer keyn-
wertickeit des alden hern gereohtickeit vorczele. Unnd do der junge
herre unnd dy viteztum quomen in den rath zu erfforte, do musten
sy deme rathe vor rede, das sy or geleite redelichen halde wolden,
,.j unnd deme grafen keinen | vordriss thun, sundern sine wort gutlichen
höre. Das wart vor reth uff beyde partie. Der rath bestalte dy stad
zu erfforte unnd ouch das rathuss mit wepenern. Gräfe ernst von
glichen uff sinen ort von des alden hern wegen quam uff das rathuss
unnd bad ouch von des alden hern wegen, das man on vor schutezte
vor gewalt unnd homuthe, das her worbe unnd rede wolde von sines
hern wegen; das wolde her vil lieber in des jungen hern unnd der
vitczthum kegenwertig rede wanne hinder on; danne was her rette,
Didier „Tag" zu Erfurt, der also ganz im Frühjahr 1447 'gewesen sein
musste, wird sonst nirgends erwähnt. Die 2 Kapitel waren die der auf der
Dom höhe liegenden Kirche lieatae Mariae Virginia und der Kirche ist. Severi,
an welcher Atolle später Vicarius ward. Härtung Katnmenneister a a. O. S. 81
erwähnt die Anwesenheit von den gegen Herzog Wilhelm verbündeten Fürsten in
Krturt zu Fastnacht, ah>o am 21. Februar 1447. sT Touben, »wv. „taub", d. h.
„kraftlos macheu, vernichten."
Digitized by Google
198. Stück.
231)
das wolde her wor mache. Der junge herre quam mit den vitczthum,
unnd er frederich von witczeleuben unnd er bernhart von kocheberg38
oucli uff das rathuss zu erffort; das hatte orae villichte dy vitczthum ge-
roten, wanne sy konden wedder gewiche noch gewancke unnd worn
ouch nergent sicher. Gräfe ernst hub an unnd vorczalte unnd retthe
also trostlich in orer keynwertickeit, wy sich dy vitcztum in oren
rethen untruwelich gebalden hotten, unnd wy sy das lant unnd dy ge-
walt under sich brocht netten, unnd wy er apel vitcztum mit synen
hochen, breiten Worten on unnd andere orme grafen unnd dy hern be-
trogen nette, unnd ouch, wy her on unnd andere grafen uss des jungen
hern hole vor treben hette, unnd wy her mit listen das vorbuntnisse
mit deme hern unnd den grafen zu brocht hette, unnd wy her in der
teylunge der czweyer fursten sich unerlich gehalden hette, unnd ouch
wy her deme jungen hern geroten hatte, sich zu vorbinden mit den
bemen wedder den alden | hern synen bruder, unnd sine sloss an zu v
gewinnen, dy an das lant zu bemen stossen, item wy er bosse funde
unnd artikele uff register, dy in der teylate gegeben worn, er tracht8**
hette, item wy her wedder got unnd recht dy armen grafen von biche-
lingen fete,40 item wy her dy armen stiffte merseburg unnd numburg
vorterbet hette, item wy her den jungen hern mit syme ungetrnwen
rathe vorleitet hette, item wy her umme syner gewalt willen, das dy
orae icht entginge, deme jungen hern also stetlich unnd su nohe were,
das sin bruder der aide herre noch nymant zu ome kome künde, noch
gunne wolde, zu ome zu rytene noch zu reden, item wy her ouch uss
gesatczt hette den brifl des vorbuntnisse nicht zu meldene, item wy
her dy macht unnd grafen ernsten den nomen des hofemeisters gehat
hette, unnd vele unendelicher sache, dy ern apel vitczthum ubel lutten
unnd do vorczalt, item wy sy ouch glich unde recht uss boten unnd
nicht volgeten etc. Do das alles geschach, do vorczalte er apel vitcz-
thum, ouch von des jungen hern wegen wedder dy artikel unnd swur,
man thete ome ungutlich, unde der aide herre hette synen hass uff sy
geworffen, unnd meynte, grafe ernst tete das gar unmogelich,41 das her
eyn sulches von des alden hern wegen worbe, wenne her were des
jungen hern hofemeister gewest unnd hette das alles in der teylate
mete geroten, unnd her were strefflicher wanne er apel, unnd her liss
dy brefe lesse, dy dy grafen gegeben hatten, unnd wanne her eyn ar-
tikel lass, so glosirte42 | on danne er apel, unnd do sprach danne grafe iw
ernst: Lieben hern unnd frunde, an worten gebricht ome nicht, her
kan wol ge glosire, wolt ir ess ome gloube. Her hette on unnd dy
** Oben — h. A. 1 — wird er ,.v. Kirchberg" genannt; Härtung Kammer-
mei»ter a. a. O. S. 79 nennt ihn auch von Koehberg; er m uss also auch im heutigen
liross-Koehberg (Dorf im Kreise Saalfeld de* Hereo<?tuni8 Sachsen-Meiningen)
Hesitzungen gehabt haUm. I!t Krtrahten swv. — „erdenken, ersinnen." 10 FAte
aw veliete von vehen swv., „l>efehden". 41 = nieht von Recht** wegen, „wider
Recht und Billigkeit", a. auch H. K Ackert, Das lieben de« heil. Ludwig, S. 139.
" Glueiereu = glosen (aus dem Griechischen) d. h. „erklären, aualegen."
i
Digitized by Google
240
198. Stück.
andern grafen hinder sulche brefe brocht mit behender list, also eyn
behender Schulmeister sine kindere. Do sprach her apel vitcztum, wy
her das künde zu brocht habe; were her doch hofemeister gewest unnd
obirster rad. Do sprach grafe ernst: Lieben hern, ich bekenne, das ich
den namen hatte, her apel hatte abir dy gewalt. Do sprach der junge
herro zu grafen ernste: Ir hattet meir gewalt wanne mir lip ist. Das
vorantwerte ome grafe ernst gutliehen unnd sprach: Gnediger lieber
herre, nette ich meir gewalt gehat, danne ich hatte, iss mochte uwern
gnaden noch lip sy unnd werde. Do vorczalte er apel vaste, wy her
unnd sine gesellen dicke unnd offte glich unnd recht ufl frome lute
geboten hetten in beyden landen. Der aide herre wolde nicht, man
wolde sy ouch vor Ungnaden,13 unnd man tete on unrecht. Der grafe
satczte dar keyn in sinen reden, also her dy vorczalte: dy vitcztum
woldens bliben, by weme sy wolden. Der aide herre woldes by den
steten unnd by den lantschaflten blibe unnd hatte dy benant; des
wolden dy vitcztum nicht thun, unnd dy vitcztum meynten, or herre
tete recht, das her sy vorteydingete, sy weren sine man unnd sine
rethe. So meynte der grafe, ess were billicher, dy wile her sege, das
ome nymant bystunde, das her sinem bruder unnd den grafen unnd
sinen landen gehorchte, wanne dy vitcztum hettens gehalden, das on
v nymant holt were. Ouch vorczalte er | apel vitczthum selber, uff dy
iss der aide herre bete zu erkennen, dy weren sine vyende, by den
wolde her nicht czweypfenning werdes gudes blibe; so meynte der
grafe, dy lant unnd lute weren also from unnd gerecht, sy erkenten
nicht unrecht unnd vele worte, dy sy uff beyde partie vorczalten, also
vele, das sich der junge herre unnd dye viere sich gancz mechtig er-
boten uft dy stad erffort alleine, adir uff dy czwey capittel unnd dar
zu dy universiteten, uff dy czwo stete northusen unnd molhusen, uff
eyne* ufl czwo, adir alle dry, unnd das man dar by neme den henger
mit alle siner zu gehorunge, mit deme swerte, rade, sag," unnd was
iglicher mochte vor dynet habe mit bosheit, so wolden sy kome unnd
deme genug thun, noch erkentnisse uff un vorwandelte fusse: weren sy
aber gerecht, das man danne oren kein Sachen noch orkentnisse richte.
Do boten dy vitczthum dy stad erffort, das sy iss teten umme gotis-
willen unnd an sehen solche grosse missebetunge, dy da gote geschege
an kerchen, an monstrancien, an gotis lichenam, an vorgissunge blutis
der lute unde vorterpnisse der lande, unnd understunden45 das, das sy
wol vormochten, wanne sy is thun wolden, unnd ab sy eynen adir
beyde hern erczornten, des hetten sy sich wol zu entrichten, unnd teten
das umme gotis willen unnd bewisten sich dar inne mit ernstem flissse;
das sulde der junge herre nummer kegen on vorgesse, wanne sy segen
4a Md vorungnaden = mhd verunguaedigen, swv. tr., = „ungnädig be-
handeln" 44 Md sag mhd sac — „Sack"; gemeint ist der Sack des Henkern,
in welchem Misscthäter (besonders Frauen) mit Hund, Katze oder Schlange
ertränkt wurden. ' ' In md oft, wie hier, — „zuHtandc bringen, bewirken, erreichen."
Digitized by Google
199. Stück.
wo], wy das itczunt czwey mechtige grosse her in den landen legen,
den her nicht wedder steen konde, und hette dy stad erffort gerne dar in
gemenget, das sy des jungen hern unnd or netten macht | genommen; m
do bad der junge herre, herezog wilhelm, sclbens umnie, sy solden or
zu gliche unnd zu rechte niechtig syn, unnd hette her ymaut schaden
gethon, das wolde her vor hen wedder kero; unnd dy erbctunge was
gross. 80 meynte grate ernst von glichen, dy werbunge, dy her do
gethon hette, dy hette her getou von des alden hern wegen, unnd was
her do vorczalt hette, das were war, unnd wolde das wor mache; her
wolde sich aldo gefangen setcze, hette her was Unrechts gesaget, unnd
wolde sich dar umme lossen toten, unnd hette er apel ouch unrecht,
das man ouch ome also niete füre noch synem vordinstnisse. Also
gingen sy von deme radhusse zu erflbrt, unnd der junge herre bleib
ubir nacht in der stad, unnd was uffenberlich zu mercken, hette her
der stad nicht gedorttt, her were on nicht heyin gereten. Dar noch
innewendig achte tagen vor unnd noch liss der junge herre unnd dy
vitczthum durch on deme alden hern sine boten fahen, slaen unnd dy
brefte neme; das was gar unerlich eynem fursten. Do leyte sich der
aide herre vor borgow,"; das sloss poben jene, unnd vorterbeten dy
pflege47 dar umme, lobeda,'N animerbaeh,4* rotensteyn1* etc. Dy vitczthum,
er apel unnd er bosse, dy ubirdingeten ,!» ore dorffere unnd laut, das
sy 011 musten gelt gebe, iglich dorff noch syner macht; unnd welche
das gelt goben, dy wolden sy nicht borne. Unnd do dy arme lute
das gelt uss gerichten, do nomen sy on voln, was sy hatten, unnd vor-
branten sy zu gründe, dy guten dorffere czottestete/"0 matstete/'0 wicker-
stete Wl etc. ; das was ore grosse untruwe. |
199. Von er apel von taiirode,1 ritter. v
Ein ritter, genant junge er apel vitczthum, zu tanrode2 gesessen1
der hisch zu sammene sine man in deme stetchene tanrade uff dy
mitwochen unsser lieben frowen tag lechtewe,3 unnd hisch sy by liebe
unnd by gute, das sy alle ore habe sulden trage unnd schicken uff dy
4<J Jetzt Burgau , Dorf im Verwaltungsbezirk Apolda im (irossherzogtum
Hachsen, 4 Kilometer von Jena, am linken Saaleufer. 47 =• ,,Amt, Amta-
Uezirk." ,s J/obeda, Städtvhen im Verwaltungsbezirk Apolda im (irossherzog-
tum Sachsen, Burgau ffegenüber am rechten Saaleufer. Ammerbaeh, ebenda,
Dorf, ungefähr einen Kilometer westlich von Burgau, während Rothenstein, Dorf
ebenda, 11 Kilometer sudlich von Jena liegt und Station der Saalbahn ist.
19 ul>erdingen, swv tr., — „überfordern". '° Jetzt Zottelstedt , Mattstedt und
Wickerstedt, Dörfer im Verwaltungsbezirk Apolda im Grosaherzogtum Sachsen.
liM). 1 Tannrode int jetzt ein Städtchen im Verwaltungsbezirk Weimar im
(irossherzg. Sachsen. S. u. St. 201, wo der Brand noch einmal erwähnt wird,
aber nach dem 23. April 1417. 1 S. St. 198 A. 2 " Am Donnerstag den
:J». Februar 1447, wenn dieses Jahr gemeiut ist, was nach dem Schlüsse des
vorigen Stückes wohl anzunehmen ist.
K. Stolle« Memorial«. \Q
1
I
Digitized by Google
199. Stuck.
borg do selbenst; er wolde das stetchen selbenst an stecke unnd vor-
borne. Do besprochen sich dy menre unnd sageten ome wedder, unnd
boten on, das her des nicht en tete unnd beschedegete sy nicht also
unnd ore wibere unnd kindere, sundern sy wolden ome williclichen
alle ore gutere unnd habe uff einen geswornen eyt willicklichen halb
gebe, unnd do mete zu thune unnd zu losene, was her wolde, das her
sy lisse sitcze; sy hoftcn, sy wolden sich were unnd homutige kegen
8ynen linden in deme stetchen entsetcze, dy wile das sy künden;
wurden danne sy also hart gedrungen, so das sy das stetchen nicht er
were künden, so wolden sy dy andern habe, dy sy noch hetten, uff dy
borg brengen, unnd mete dar uff fleen, unnd ome dy heißen were, so
best sy konden also frome lute. Do slug her den man, der das wort
von erentwegen rette, uff das mul unnd sprach, ab sy nicht horten, was
her gesaget nette, unnd schalt sy unnd flöchte ubirswenck3» sere. Also
meynten dy armen lute, sy wolden syme czorne entwichen unnd wolden
von ome geen, so lange das her sich eynes bessern bedechte, unnd
meynten ouch nicht, das her eyn sulches tete, unnd gingen von ome
in vor das thor, wanne her was gar | eyn ungesunder,4 ungetruwer ritten
Do neylte5 her dy thor selber zu unnd stackte das stetchen an an
vier enden unnd brante das reyne uss. Do floen dy wiber unnd
dy kindere vor dy borg uff den plan; dy treib her in eine schune
unnd iueynte dy ouch zu vorbornen. Do quomen dy fiende
zu, grafe lodewig von glichen, herre zu blanckenhayn, mit einer menge
drabanten unnd hiwen dy thor uff unnd er retten das volk, en teil
wibere unnd kindere; unnd hetten sy vordrockt,6 sy hetten ome dy borg
tanrode an gewonnen, wanne her hatte alle sin geschutcze abe geschossseil.
Unnd dy menre von tanrode quomen kein erffort in dy stad, der was
zu sammene LXXI, unnd meynten, sy wolden czeen zu grafen lodewige
von glichen unnd ome helffen wedder ern apeln von tanrode, unnd
wolden ome dy borg beißen gewinne, unnd sich solches schaden
an ome erhole. Ouch slug er apel von tanrode des selben tages eynen
prister do selbens, genant er heinrich mansfelt, in syme eygen husse,
das her vor tod belag, unnd stackte das huss ouch selber an, also das
man den prister kume er uss brachte. Item do dy stad begunste7 zu
Dornen, unnd dy frowen floen uss den husern mit oren kindern unnd
trugen dy jungen kindere uff oren armen unnd rucken, dy reissheron
abe von orme halse unnd nam on dy, unnd sneyt den frowen ore
butele abe von oren gorteln, unnd nam on dy butele ouch uss oren
bosseman ;8 das was gar eyn gross Unvernunft unnd bosheit von eynera '
** „Übermässig", s. H. Rückcrt, Leben des heiligen Ludwig S. 141. 4 = „Uu-
»chmeidig, roh". 4 = „nagelte" (nagelen, negelen, neilen). 0 Mhd drücken =
md drucken, also „Vordrucken" — „sich vordrängen, vordringen". 7 Begunste ist
md schwaches Praetcritum von „beginnen". ■ Mhd buosem => md bösem (noch
jetzt in der thüringischen Volkssprache: bossen, ». Mart. Schulze, Idiotikon der
nordthüringischen Mundart, 1874, S. 29) = „Busen", d.h. die Kleidung üher dem
Busen; boseman int dialektischer dat. plur.
Digitized by Google
199. Stück.
243
ungetruwen ritter, der doch in rechte schutcze unnd schüre9 sulde
wettewen unnd weysen, unnd | ted eyn solch ding an synen eygen t
armen luten. Es hatte ouch darumme gereth sin eygen elich wip, dy
danne zu der czit swanger ging, unnd vor sach10 sich alle tage, der
drawete her mit allen oren unnd sinen kindern also zu thune; also
moste dy frowe on 11 ome gee. Es meynten ouch vele luthe, er were
besessen mit deme bossen geiste, her hatte ouch wol by sechs jarn ny
zu gotis lichnam nicht gegangen. Dar nach in der selben wochen uff
den fritag, do brante der selbe ritter das flecke zu kranchfelt.« In der
andern wochen darnoch, do starb dem borgrafen von kirchberg do
sei best zu kranchtelt sin eliche frowe, eyn erbar togentliche frowe.
Also man dy solde zu grabe trage, do quam der selbe ritter von tan-
rode unnd drang mit gewalt dy lute von der lieh unnd schoss zu
on under dy manne unnd frowen, dy do mete der lieh gingen, also das
sy alle mosten flee. Dy menre quome kume uff dy borg, der fingk
her czwene, unnd dy frowen musten ouch flee, unnd dy lieh lossen
an deme wege steen, unnd do her wedder en weg quam, do musten
dy frowen dy lieh alleine zu grabe trage unnd ouch begrabe. Sulche
werg von eyme rittere, dy worn uncristlich, unnd were nicht wunder,
das dy ganeze cristenheit wedder einen solchen boshaft tigen ritter
fechten unnd getwedig13 machten.
Item dar noch wart gemacht eyn gutlich fruntlich tag von den
forsten von brandenborg czwisschen den czwen hern gebrudern, der
aide herre unnd der junge herre, unnd wart geleyt | keyn numburg.14 1«
Dar zu worn gebeten unde geheischen dy stete Erftort, northusen unnd
molhusen, unnd ouch andere der fursten stete, also das der junge herre,
herezoge wilhelm, solde uff den tag personlich kome unnd der vitez-
tum keinen mit ome brengen. Der tag wart geleyt uff den sontag
exurge an der fastnacht, unnd das geschah also. Unnd uff deme
selben tage wart von den dryen forsten von branden borg 15 vorteydinget
unnd gemacht eyn gutlich an steen biss uff sente jorgen tag 16 schirst
körnende, in aller mosse also vor, czisschen allen den, dy mit der sache
9 „Schirmen" und „schüren", swv., „schützen, beschützen"; davon schür =
Scheuer, Scheune. 10 „Sich vorsehen", stv. =* „vorhersehend [hoffen oder] fürchten,
sich sorgen". 11 Ma on mhd one, on (s. Weinhold, Mhd Gram.', S. 831),
Praepos. hier mit dem Dativ = „an, von". 11 S. St. 66 A. 13. " = „Focht
und ihn zahm machte"; der Plural des Verbums steht nach dem Collectivum
„Christenheit". Fechten (s. Nibelungenlied Str. 1957 Lachmann), istCjctiv. Impf.;
getwedic, Adject., „zahm, willfährig", schon ob. St. 80 A. 5. u Der erste „Tag" .
zu Naumburg (s. St 198 A. 25): Sonntag Exsurge (Anfang der Messe) — dem
8. 8ontag vor Ostern, Sexagesimae, am 13. Februar 1447. Über ihn *. auch
Härtung Kammermeister, S. 82 f., der ihn S. 83 A. 1 vom 7.(8.)— 14. Febr. 1447 an-
setzt und eine Urkunde des Archivs zu Weimar, Rg. D pag. 349 No. 7h citiert.
15 Kunürst Friedrich II. („mit den eisernen Zähnen") von Brandenburg, als
Gemahl der Katharina, der Schwester der zwei streitenden Brüder, Schwager der-
selben, und seine zwei Brüder Johann der Alchimist und Albrecht Achilles, der
spätere Kurfürst. " D. i. 23. April , d. i. bis zum Sonntag Misericordias
Domini des Jahres 1447.
16*
Digitized by Google
244 199. Stuck.
begriffen warn. Sulchen tag unnd gutlich an steen wolde dy czwene
brudere beyde ungerne lyden, also das dy von brandenborgk musten
sy bedrawe: welcher or des gutlichen tages nicht Hde wolde, deme
wolden sy mit macht helffe vorterbe; idoch er gab sich der aide herre
czitlichen, aber der junge herre meynte, her wolde deme alden hern
tusent man zu vor gebe, dennocht wolde her mit ome strite, wo er on
an quome. Also wart der tag gemacht. Dar noch uff den sonnabent
allernest vor esto niichi,17 do czoch der aide herre, herczoge frederich,
von numburg, unnd der bisschoff von meydeborg mit ome, zu der erbarn
stad eröort unnd logen do wol achte tage mit XIH graten unnd aebte-
hundert pferden unnd hilden do fastnacht mit den von erffort unde
stechen do mit den borgern nnnd worn frolich mit on; unnd der aide
v herre quam alleczit | mete uff den anger,1" die frolickeit zu beschowen.
Dy stad teth ome ouch gross gesehencke an haffern, an lant wine,
an welschem wine, refal,19 unnd ouch how, unnd holten on in
dy stad mit dryen hundert pferden, unnd dy burger hatten sich
recht unnd fin wol uss gemacht; item sy machten ouch ome toncze
drv abende nochenander uff domo rathuse unnd sinen hern an der
fastnacht, unnd der aide herre selbest unnd sine grafen tanczten mit
den burgern, unnd was frolich in aller mosse, also ab her uö siner
eygen borg unnd bohusunge gewest were. Sine grafen, stolberg, biche-
lingen, dry hern von glichen, czwene hern von quernfart, von nians-
felt, von tetczsehen,20 von honsteyn etc., dy vorstalten sich unnd
machten fastnacht. Item dy stete northusen unnd molhusen worn ouch
zu erflort und hatten etliche eynunge zu machen mit deme alden herrn,
unnd der aide herre also zu den burgern coch unnd mit on frolich
was; das behagete den burgern unnd deme gemeynen volke gar wol,
unnd worden ome sere gunstig, unnd grosen zu fal hatte her von siner
• cyfeldickeit*1 wegen. Uff die selbe czit, do gingk ich conradus stolle,
der ditcz geschreben hat, zu sente severo zu erffort in dy schule, also
das ich disser geschieht enteyl wol geseen habe. Itom dy wile nu
disser alder herre unnd furste zu erffort was, in des besorgete sich sin
bruder, der junge herre, zu wymar unnd liss do wache unnd coch in
der selben fastnacht kein salvelt, unnd were gerne kein koburg gewest,
U4 unnd konde | nicht wol über den doringer walt kome vor snee, unnd
muste zu salvelt blibe wolhalb vorholn, unnd schreib alle sine brefe,
gegeben zu koburg. Do der snee abenam, do czoch her mit den vitezthum
keyn koburg in das lant zu francken; da hatten sy zu haut numme
17 Der 1- Tag von Naumburg dauerte uach Stolle alßo vom 12. bis zum
17. Februar 1447. ,s Damals, wie noch heute, ist der Anger die Hauptstrasse
Erfurts. ,ü Refal, dialektisch — reinfal, d. i. vinum llabiale, lliviglio, iötriacher
Weiu, in Erfurt gern getrunken (a. C. v. Dalberg, Beyträge zur Uesehiehte der
Erfurter Handlung, 17ö0: in der Geleitstafel von 1441 (5?. 31) „Rheiufahl" ge-
nannt. -° TetscUen, Stadt an der Elbe, in der gleichnamigen ttezirkshaupt-
niannschaft in lJöhmen. 11 Dialektisch = mhd eiuvaltecheit, stf., hier im Sinne
von „Einfachheit", fast „Leutseligkeit".
Digitized by Google
199. Stück.
245
czerunge, wanne sy hatten das lant zu doringen vaste uss geezort,
unnd nani deme bisschofe von wirezburg22 XII leste23 mit fischen in
deme gütlichen tage, unnd brante ouch uff den bisschoff von wircz-
burg. Item der junge herre unnd dy vitezthum hasseten dy stad
erffort dar umme unnd besorgeten sich doch sere vor on, das sy icht
deme alden hern zu feien. Innewendig deme selben gutlichen tage
toten dy viteztum den landen vil vordriss dorch den jungen hern unnd
fingen unnd schatezten dy riehen bürgere unnd gebur in den steten
unnd landen, das sy deme jungen hern schatezunge gebe, unnd schickten
ouch den grafen im lande umme her vil homutes zu, nemelichen den
von glichen zu blanckenhain. Dar noch sammete sich grafe lodewig
von glichen mit vier hundert pferden unnd mannen unnd czoch
des nachtes am donnerstage vor palmen24 vor lutenberg25 das
sloss unnd raeynte das zu gewynnen, unnd es was ome
oygentlichen vorkuntschafft, das nicht meher lute ufl der borg
weren danne czeen manne, der worn czweno jungen, unnd
czogen dy nacht unnd beyten zu lange, das es begunste tag zu weren,
unnd stegen in dy borg unnd uffenten czwey thor unnd quomen in dy
vorborg; betten sy vort | gestegen, so hetten sy es gewonnen, sundern y
sy hatten czwo steyn buchsen mete husse, dy schickten sy vor dy
thor unnd meynten das innerste tor uff zu schissen unnd hatten vele
arbeit mit den buchsen, das es eyn junge horte uff der borg, unnd
schreyg: Viendio! Unnd dy in der borg quomen uff unnd werten
sich. Do hiwen dy husse in das thor mit exen unnd wolden das uff
howen unnd lissen czitlichen abe, abir hetten sv vordruckt2'1 mit howen
so hetten sy iss gewonnen, wanne der herre grafe heinrich von luten-
berg unnd sine gesellen, dy by ome uff der borg worn, liffen* von deme
thore uff dy torme, unnd konden ander were nicht gethun, wann das
sy mit steynen er neddir worften, wann sy hatten keyn geschuteze
dar nffe, unnd worffen doch also sere unnd schregen, unnd wart ouch
als balde tag, das grafe lodewig besorgete, on mochte redunge kome,
das her beschediget mochte werde, unnd lissen da von unnd czogen
wedder heim, unnd lissen dy buchsen do, unnd wart also vor seen, das
dy borg nicht gewonnen wart
HS: riffen.
" Nach der am 23. Nov. 1443 erfolgten Absetzung von Wilhelms Bruder
Siegmund war Gottfried IV. von Limpurg (Herzog von F ranken) Administrator
des Bistums gewesen, bis er am 17. Febr. 1444 zum Bischof erwählt wurde.
?3 „Last1' ein Grossmass , meist für Schiittwaaren , in ganz Nordeuropa, nach
den Gegenden verschieden. ■* Am 80. März 1447. 2A I/eutehberg, Stadt im
Landrateamt Rudolstadt des Fürstentums Sehwarzburg- Rudolstadt. Es ist dies
ein Vorspiel des schwarzburgischen Hauskrieges. Graf Ludwig zu Gleichen,
Herr zu Blankenburg, griff Heinrieh XJvX. von Schwarzburg-Leutenberg an, um
das i/outcnbcrger Schloss zu überrumpeln, s. B. Anemüller in dem u. St. 204 A. 6
zu erwähnenden Rudolstädter Programm v. J. 1867, S. 2 f. ?" S. St. 199 A. 6.
Digitized by Google
246
200. und 201. Stuck.
200. Wy dy borger von tanrode1 orem eygen
hern schaden toten.
Dar noch in der oster wochen,2 do besam mete sich eyn winderlich
volk zu kranchfelt, dy hiss man dy taberiten,3 dy logen do unnd
roubeton unnd nomen den nornbergorn czwene wayno mit kouffman-
schatz, parchen, safferan, pfeffer unnd welschen win etc. Das vordross
den alden hern sere. Do besammete sich ouch ern apel vitcztura von
tanrode mennere, dy er vor troben hatte von oren gutern, mit andern
geselschaiften zu kranchfelt | uff der undern borg* unnd czogen vor
tanrode am sonabende in der osterwochen, unnd nomen do das vee,
schon unnd kuwe; unnd netten sy vor druckt,5 so hetten sy dy borg
gewonnen; unnd das vee treben sy vor erffort koyn taberstete6 unnd
meynten das zu vorkoufften, unnd vorkoufften ouch des enteil. Unnd
do das dy hern zu erfforte orfurn, do vorboten sy orem volke, das on
nymant solde abe kouffe, das der stad erffort vor driss do von queme.
Noch wart on abe gekouft, wanne sy gobon eine gute ku umnie
czehen nuwe grosschen.7 Uff dy selben czit richten sich gliche wol
dy von erffort uff ore were, unnd schickten dy buchsen zu ringe
umme dy stad uff dy ussersten graben; do was ich zu erffort unde
sach das« wanne es neto sich deme tage sente jorgen, unnd ufi den
selben tag solde frede adir unfredo czwischen den czweyen brudern zu
der numburg gemacht unnd beteydinget werde.
201. Von der czweier forsten tage.1
Den tag, den dy cywene fursten unnd brudere, der aide herre
unnd junge herre, der ging vor sich uff sente jorgen tag. Dar zu
quomen vele hern, furston, grafen, rittere unnd knechte etc., mit
200. 1 S. St. 199 A. 1. a Im Jahre 1447 fiel Palmarum auf den 2. April,
Ostern demnach auf den 9. April. * 8. St. 197 A. 4. Es waren dies böhmische
Söldner, welche Herzog Wilhelm in seinen Dienst genommen hatte, s. Palacky,
Gesch. Böhmens IV, 1, S. 178. 4 In Kranichfeld sind noch heute zwei Schlösser,
das Oberechloss ist meiningisch, das [jetzt verfallene] Untcrschloss, das hier ge-
meint ist, weimarisch. * S. St. 199 A. 6. " S.St.29 A.6. ' Da das da-
malige Schock Groschen 56/, M. galt, so wäre demnach die Kuh noch nicht für
eine volle Mark unseres Geldes verkauft.
201. 1 Hierzu s. Härtung Kammermeister a. o O. S. 84—87, der manches
abweichend erzählt, durch mehrere Urkunden aus dem Weimarer Archiv (l.Reg.
D. pag. 349 No.7*, 2. Keg. F. fol. 269 No. 11. J. d., 3. Reg. D pag. 349 No. V)
erwähnt, ebenso J. A. v. Schultes, Historische Schriften und Sammlungen. 1798,
8. 251. Im Anschluss an den 2. Naumburger Tag fanden mehrere BündniHse
der anderen nicht Beteiligten statt, deren Urkunden im Kgl. Staatsarchiv zu
Magdeburg liegen : 1. 1447, Naumburg, Montag nach St. Georgen (24. IV. 1447):
der Bischöfe zu Meissen (Johannes IV. Hoffmann), Merseburg (Johannes II.
Bose) und Naumburg (Peter v. Haugwitz) und vieler Grafen und Herren, Edel-
leute u. Städte Bündnis, den Krieg zwischen Kurfürst Friedrich u. Herzog Wilhelm
Digitized by Google
201. Stück. 247
nanien disse czwene brudere, der lantgrafe von hessen, dy martgrafen
von brandenburg, bisschoffe, grafen, prelaten, unnd dy. stete. Der aide
herre was mit Xilü hundert pferden zu der n um bürg, unnd der junge
herre, der lag zu fryborg, unnd hatten uff beyde partie vel volkes,
idoch hatte der aide herre vel mee volks danne der junge. Der tag
werte garna * dry woch|en, unnd schieden sich dicke an ende. Unnd T
bynnen deme tage, do branten dy grafen vele landes, nemelichen grafe
lodewig von glichen, so brante er apel vitcztum zu tanrode,8 unnd er
bernhart viczthuni zu madela,4 ouch vele der grafen lant, oueb dy stad
konigissee etc. Unnd der tagk werte so lange, das dy stete erftort
northusen unnd molhusen unnd ouch etliche grafen unnd dy menezen5
heym reten, unnd eyn yderman meynte, der tag worde vor sich gehen
biss an das ende, das der aide herre weg wolde von deme tage, unnd
meynte do von zu czehene. Do reyt margrafe frederich von branden-
borg zu deme jungen hern keyn fryborg unnd sageto ome also vel
unnd bedrowete on unnd ouch dy vitcztum, sine rethe, also das sy iss
ome gancz macht gobeu, unnd brochte is dar zu, unnd den jungen hern
ober rette, das her muntlichen mit deme alden hern, sinem bruder,
solde rede, unnd brochte on uff von fryburg mit hundert pferden, unnd
reten do zu felde. Do reyt margrafe frederich von brandenborg zu
deme alden hern keyn numburg, unnd holte den ouch, unnd brochte
den ouch kume dar zu, unnd was lange usse, unnd quam mit tusent
pferden in das feit; des en wolde der von brandenborg nicht, unnd
slug das volk wedder zu rucke, biss uff hundert pfert. Also dy beyde
partie keyn enander quomen, do reyd der margrafe von brandenborg
zu deme alden hern, unnd nam den alleyne czwissehen dy czwene
huflen zu mittelwege, unnd | hiss on stille halde, unnd holte den jungen m
hern ouch unnd fürte on zu deme alden hern, unnd brochte sy zu
sammene, unnd reyt vor on hen biss in dy stad numburg. Also retten
betreffend. 2. 1447, Naumburg, am Sonnabend nach St Georgen (29. IV. 1447):
Bündnis zwischen Friedrich, Erzbischof zu Magdeburg, Friedrich, Herzog von
Sachsen , den Bischöfen zu Meissen, Merseburg und Naumburg, den Grafen von
Stolberg, Mansfeld, Beichlingen, Gleichen, den Herren von Querfurt, Leisnig,
Meissen, Plauen, Gera, Schönburg und Tautenburg etc. gegen Herzog Wilbelm.
3. 1447, Eisleben, Sonnabend nach vigilia visit. Mar. (8. VII. 1447) : Friedrichs, Erz-
bischofe von Magdeburg, des Herzogs Friedrich von Sachsen, der Bischöfe von
Halberstadt, Meissen , Merseburg und Naumburg, der Fürsten Bernhanl von
Anhalt, der Grafen von Stolberg, Mansfeld, Gleichen, Beichlingen und der Stadt Erfurt
Büadni*, den Krieg mit Herzog Wilhelm betreffend. 4. 1447, Erfurt, Montag nach
Mauritii (25. IX. 1447): Heinrichs, Grafen zu Sehwarzburg, Friedrichs von Bopf-
garten und Heinrichs von Hausen Beitritt zu dem Bündnis 5.1447, Mittwoch
nach Mauritii (27. IX. 1447) derselben Bündnis mit dem Erzbischof von Magde-
burg usw. 1 Garna dialektisch = mhd gerne = „vielleicht, etwa". Also währte
der 2. Naumburger Tag nach Stolle vom 28. April bis zum 14. Mai 1447.
* S. oben St. 199 A. 1 u. 3, Härtung Kamraermeister a. a. O. S. 84 f. 4 S. St. 198
A. 13. * Es waren auch Gesandte vom Erzbischof von Mainz gegenwärtig,
s. Bachmann, Herzog Wilhelm von Sachsen und sein böhmisches Söldnerheer auf
dem Zuge von Soest, Neues Archiv für sächs. Geschichte und Altertumskunde,
II. Bd., 1881, S. 101 u. 102.
i
Digitized by Google
248
202. Stück.
do dy czwone brudoro zu sanimene gar nae eyno stunde, unnd goben
dy heride zu sameno, unnd umme Hngon sich mit armen. Unnd do
sy vor dy stad numburg quomen, do reten sy von enander, unnd von
stunt des andern tages do ossen sy mittenander, unnd wart do be-
teydinget, unnd goben iss gancz macht, unnd eyner gerette do «lern«'
andern nummer mehir widder enander zu syne. Dy selben sache nss
zu sprechen, so wart eyn tag gemacht Egidii0 keyn molhusen, do solde
der uss sproch geschee czwisschen den hern unnd grafen, sundern dy
vitcztum solde der aide herre schuldige,7 unnd solden omo zu rechte
stee noch rechten erkentnisse unnd ome rechtes pflege. Den selben
tag hette der aide herre gerne keyn erfforte geleyt; so meynten dy
andern hern unnd dy vitcztum, es were zu grosse werlt* zu erffort
unnd ungehorsam; wanne man dy vitcztum an schrege, so künde deme
volke nyraant gesture, wanne on was alle werlt gram.
202. Wy dy hern vor soessez1 ezogen.
1447 Als man czalte noch cristus gebort tusent vierhundert unnd XLVII
jar, dy wile disser tag der uss sprocho der czweyer hern gescheen
solde zu molhusen, in dos besamniete sich der junge herre zu doringen
▼ in der ptiugestwochen2 mit eyme grossen volke der bemen, nemelichen
achte tusent unnd funfthundert, unnd uss synem lande oueh also velo,
unnd czoch zu hultfe deme bisschofe zu kolne über dy stad soesst,
unde disser bisschoff' hatte dissem jungen hern von doringen gelobet
unnd geretzu geben gross gelt, das her ome hnlffe dy selben stad bo-
wingen ufl des bissehoffes kost unnd tutter.3 Unnd also der junge
herre das volk sammete, do leite her das in dy futterunge umme erflort,
" 1. September (1447). 7 Mhd wie md = „beschuldigen, anklagen". 8 In
alter Bedeutung : „Volk, I^eute", s. H. Rfickert, Leben den heiligen Ludwig S. 148.
302. 1 Über die sogen. Soest er Fehde und was damit zusamme.nhän<rt
h. Härtung Kamniermeister, herg. v. Reiche, S. 83. 84. 85. 87—80. DO— 91 nebst
der dort verzeichneten Litteratur. S. ferner Adolph Bachinann, Herzog Wilhelm
von Saehsen und »ein böhmisches Söldnerlieer auf dein /uge von Soest (Neues
Archiv f. säehs. Geschichte, Bd. II, 1881, S. 97— 128), welcher die wichtigere ältere
Litteratur verzeichnet, von denen liesonders Erwähnung verdient Bachmann,
Fontes rerum Austriae Abtlg. II, Ikl. XLII. Doeh ist diese Studie bald ülierbolt
von Joseph Hansen (Westdeutsche Zeitschrift, ErganznngHheft III, 1886) in
seinen Untersuchungen zur Vorgescliiehe der Soester Fehde, und in seiner grossen
Arbeit: Westfalen und Rheinland im 15. Jahrhundert (Publikationen aus den Kg).
Preuss. Staatsarchiven, Bd XXXIV. 1888 - s. ebenda noch d. 2 Bd., XLII, 1890: Die
Münsterische Stiftsfehde: S. 11-14 die Urkunde von ca. 20. Mai 1447), endlich
von demscllwii Gelehrten in: Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins
16. Jahrhundert, Bd. XXI. — Die Chroniken der westfälischen und nieder-
rheiuischen Städte : Bd. II., Soest (1889), worin sich das Kriegstagebuch, die
Lipjwtätlter und Werler Reimohrouik der Soester Fehde, Lieder und sonstige
Beilagen finden. S. a. R. v. Liliencron, Die bist. Volkslieder der Deutschen vom
13. bis ins 10 Jahrh., I . 1805, S. 401-410. * 1. J. 1447 vom 22.-27. Mai.
3 „Futter4 und das gleich dabeistehende „Futterung" wird oft in der alten
Sprache auch von' der menschlichen Ernährung gebraucht, b. oben St. 196 A. 6.
Digitized by Google
202. Stück.
240
nemelichen kein borcka, tuntorft,4 wimar, bottelstete unnd wissensee etc.
Uff dy selben czit, do ging ich, Conrad stolle, zu saleza5 in dio schule,
unnd do gingk eine gemeine redo, her wolde vor erffort ezee, also das
sich dy stad erftort glichewol besachte, unnd schickten sich in der stad
dar noch zu bewarne, wanne der stad was glichewol wornungo gethon
von deme alden horn unnd etlichen grafen, das sy sich vor segen,
unnd dy beraen meynton also nahe by der stad ubir zu czene unnd
dy zu besene, unnd on ouch nicht wol zu glouben was. Also bestalte dy
stad dy graben uff den donnerstag in der ptingestwochen mit ganczer
macht. Also czogen sy by einer mile von der stad erftort by demo
dorffe rudestete6 in das futter, unnd zu stusfart,7 unnd in dorne czogo
wart der junge herre gebeten unnd an geruffen von eyme hern von
brunswig, genant der herczoge von grubenhayn,s über dy stad eym-
becke,1' dy hatten ome dy czit syner jar rento unnd gerechtickeit nicht
gegeben, das her ome dy wolde helffe er mane. Also hatte sich der
bissehofT von hildensheim ouch gesammet, unnd wolde deme bischoffe
zu koln ouch zu hulffe komo mit sechs hundert mannen unnd
spise. ] Unnd also der bisschoff von hildensheim1" vornam, das der junge m
herre uff dy stad deme herezogen von grubenhain zu hulffe czeen
wolde, do czoch her mit synen mannen unnd spise der stad eymbecke
zu hulffe in ore stad. Unnd also der bisschoff ore beyde sache vor
nam, do teydingete her dar czwisschen unnd berichte dy stad unnd
den herezogen, also das dy stad eymbecke solde geben orom hern, deme
herezogen von grubenhain, sine jar rente, unnd ouch vor koste, muwe
unnd arbeit czehen tusent gülden. Also czogen sy vort an den rin uff
kost unnd uff solt des bisschoffes zu koln uff dy stad soest.
Innewendig disser czit, das dits volk usse was, do schickten sich
dy von erffort uff geschuteze unnd were, wanne der junge herre, der
itezunt vorgeezogen was, der was der stad erftort etwas gehass, das sy
ome dy viteztum nicht wolden helfton vorteydingen, unnd der mar-
grafe von brandenborg was ouch der von erffort vient. Also wanne
sy wedder heim czogen, ab sy dy stad erfforte konden gehumute,11 das
sy on wedder steen konden, unnd dy von erffort hatten ouch rath
unnd hulffe von deme alden hern zu missen ; der leich on uss syme
4 Neben Weimar und Weisseusee werden noch genannt das Städtchen Berka
au der Ilm, Verwaltungsbezirk Wcimnr im (irossherzogtum Sachsen, ebenda daa
Dorf Tonndorf, endlich daa Städtchen Buttelstedt, Verwaltungsbezirk Apolda im
< rrosßherzogtum Hachsen. ^ Das heutige Langensalza, im preus.s. Regierungs-
bezirk Erfurt. ,: iirossrudestadt, Verwaltungsbezirk Weimar im Uro&sherzog-
tnm Sachsen. 7 Es ist unzweifelhaft Straussfurt gemeint, Dorf im preuss.
Kreise Weisscnaee, Regierungsbezirk Erfurt. s Herzog Wilhelm von Braun-
schweig-(irubeuhagen. y Weussische Kreisstadt in der Lauddrostei Hildcs-
heim, Provinz Hannover. Bischof .Magnus von Hi Idenheim, ans dem < ie-
schleehte der Herzöge von Sachsen - Lauen du rg, 1424— 14.V2. 11 Homuten,
homutigen, hutuutigen, in gleichzeitigen Briefen, z. B. in der Korrespondenz des
Rates von Erfurt (Stadtarchiv Erfurt) oft: = „jemandem s. Hochmut zeigen,
ihn demütigen".
Digitized by Google
250
202. Stück.
bofe einen, der konde wainborge geslahe, unnd der quam kein ei*ffort,
unnd dy von erffort vor botten unnd bisschen enteyl orer gebur uff
deme lande mit oren wagen, unnd ye uff eynem wagen czwolft wepener,
unnd brochten zu sammene enteyl der waine uss oren dorffen, virde-
halb schog waine, unnd ouch enteyl wayne uss der stad, unnd von
wepenern gross volk ; also man das achte, das in der wainborgk | weren
by dry tusent man unnd drittehalb hundert reysiges geczuges,12 unnd
czogen by den rotenberg13 uff die wesen hart by nusesse14 uff den mon-
tag noch corporis cristi,15 das was an sente bonifacius tage, unde slugen
do eyne waynborg unnd lernten do von deme meistere, der von deme
alden hern gesant was, wy sy oren Sachen thun solden, ab es on nod
worde. Unnd dy reysingen ranten uff dy wainborg, do werten sich,
dy in der wainborg worn, unnd slugen danne dy wainborg in deme
rynnen,16 also das das volk gar rüstig unnd gar redelich 17 wart, wanne
es vor nymant18 gar vele geseen hatte. Unnd der rotenberg was also
vol volkes uss der stad erffort, das do zu sach von Studenten unnd
burgern, das man meynte, es were mee danne XXX tusent werhafftige
menschen do gewest Also wart eyne grosse sage von disser wainborg
in vel landen, im lande zu doringen unnd ouch dort in deme here etc.
Also hatte dar noch der aide herre geschreben der stad erffort, unnd
uff einen tag gebeten keyn merseborg mit den grafen unnd bisschoffen
uff den donnerstag viti,1!* unnd hatte do gross volk, nemlichen
XVIII tusent, unnd wanne her den schrebe, das dy do solden bereit
sin, unnd uff den selbigen tag mochten dy von erffort eine vortracht10
gemacht habe, ab der junge herre unnd sine rethe, dy vitcztum, dy
bemen wedder in das lant brechten, das sy on sture wolden, wanne sy
toten grossen schaden. Unnd in der czit buweten dy von erffort ore
stad unnd machten krumme thor,21 an sente johans | thor, unnd ouch
an andern torn, unnd den thorm hinder den karthusern,28 unnd dy
,? Mhd reisig zeug~md reysig geczug, hier = Reiterei, 8. Liebe, Das Kriegs-
wesen der Stadt Erfurt, 1896, S. 21 f. 1,1 Eine Anhöhe nördlich von Erfurt,
etwa 3 Kilometer entfernt. 11 Neuses u. d. Rothenberge, fieit dem 16. Jahr-
hundert wüst, s. W. v. Tettau, Geschieht!. Darstellung des Gebietes der Stadt
Erfurt MGE XIII. 1887, S. 35; Wernburg, die Namen und Wüstungen
Thüringen«, JAE XII., 1884, 8. 132 (Kaue dazu). ,A Der Montag nach dem
Fronleichnamsfeste war der 12. Juni 1447. Demnach versieht sich Stolle hier
um 1 Woche, da der Bonifatiustag (Bonifatius ep. Mogunt. Apost. Germ.) am
Montag den 5. Juni 1447 war. Ansprechend heilt den Irrtum Reiche A. 1,
S. 83 s. Ausgabe von Härtung Kammermeister, indem er vorschlägt: vor an-
Htatt nach zu lesen. ,B Rennen stv. = das „Rennen" = Turnier; hier ist e*
mehr ein Manöver. " = „Geübt und recht tapfer". — „Obgleich es
(das Schlagen der Wagenburg) vorher niemand öfters gesehen hatte." 19 15. Juni
1447. ™ Dialektisch = allgem. md vortrac = „Vertrag". " Vor den
Thoren, z.B. vor dem Johannesthor (s. Tettau a. a. O. S. 95), wurden gekrümmte
Durchfahrten angelegt, die wie ein liegendes S ) gestaltet waren: bei Einnahme
fies Einganges konnte noch der Ausgang besonders verteidigt werden. Siehe
Härtung Kammermeister a. a. O. S. 92. ** Zwischen dem Pfftrtchen und dem
Löberthor wurde im Jahre 1447 dieser erste Wallturm erbaut, s. Härtung Kammer-
meister, h. v. Reiche, S. 91, ferner v. Tettau a. a. O. S. 99, liebe a. a. O. S. 57.
Digitized by Google
202. Stück.
251
brostwere uffdeme tamme,23 unnd graben urarae dy stad; des was eyn an
heber unnd meiste regirer eyn vier man,24 genant er heinrich wisse,25 unnd
eyn ratismeister, genant er frederich rosenczwig,2ß dy lissen es on gar sur
werde, das dy stad also bef redet wart. Unnd in deme jaresass eyn vier man,
genant er erhart von kolmen.27 Es was ouch eyn böte komen von
wiraar in das heir vor soest, unnd hatte vor deme jungen hern unnd
den sinen uffenberlich gesaget, wy dy von erfiort hetten czwo wain-
borge geslagen, unnd wolden den jungen hern in das lant zu doringen
nicht wedder komen lassen. Das was unworhaftig, sundern dy bür-
gere zu erflbrt lissen wain bürge slan, unnd lernten unnd stalten sich
zu werne, ab on ymant zu wolde; sy en gerten nymande nicht czu
thune, sundern sy besorgeten sich ye vor ungetruwekeit der fursten
unnd der lande, wanne der junge herre belag vaste stete, nemelichen
lingaw unnd blumenberg,28 eybicke, unnd ubirdingete2* unnd gewan
dy. Unnd also her dy stete gewan unnd vordingete30 sy. Dar noch ufi
den dinstag nach viti 31 czoch der junge herre vor dy stad, genant zu
der lippe,S2 unnd lag darvor X tage, unnd zu schössen einen torm;
das koste den bisschoff zu koln melier wanno achte hundert gülden;
unnd grosse were geschach ouch uss der stad in das her, unnd dy
stad had uff einer siten eyn wasser, genant dy lippe, do von sy also
veste was, das sy or nicht konden an j gehabe noch gestorme unnd v
ouch nicht gewynne, unnd enpoten uss der stad deme bischoffe von
koln, sy en wolden onie nicht eynen heller gebe. Also wart deme
bisschoffe unnd deme jungen hern keins uss der stad, unnd czogen
do von vor dy stad soest uff den fritag petri et pauli.38 Do czogen on
en kein uss der stad soest mit funffhundert pf erden deme here en kein
mit vor rynnern,34 unnd meynten, das her zu beschedigeno ; also sterckten
sich dy bemen also sere unnd slugen sich mit on biss in dy thor zu
soest Also lyt eyn closter35 hart vor soest eyn halb armbrost schoss,
das hatten dy von soest also veste gemacht unnd meynten das zu be-
71 D. h. auf dem Walle, der damals au« Erde bestand, noch ohne Mauerwerk.
** Vierherren waren die Vertreter der Erfurter Gemeinde aus den 4 Vierteln,
1310 eingesetzt, um die Gemeinde gegen die Übergriffe de« Rates zu vertreten
(ähnlich den römischen Volkstribunen!); später wurden sie in den Rat aufge-
nommen und von ihm gewählt und vergasscn ihre frühere Stellung so, dass sie
die wichtigsten und mächtigsten Mitglieder des Rate» wurden, s. 0. Beyer. Die
Entstehung und Entwicklung des Rats der Stadt Erfurt im Mittelalter, Progr.
der Realschule zu Erfurt, 181*2. ** Sonst nicht nachweisbar, wohl al>er ein
Mathis Wisse ab Vierherr i. J. 1456 und auch 1466, nach der „Willkür" der
Stadt Erfurt. w Friedrich Rosenzweig ward 1446 und 1451 Ratsmeister.
VT Der Name „v. Kolmena" kommt sonst in Erfurt vor, wenn wir auch nicht ein
solches Mitglied des Erfurter Rates aus jener Zeit nachweisen können. ■* Der Chronist
meinte die 2 im jetzigen Fürstentum Lippe liegenden Htadto Lemgo und Blom-
berg, s. Bachmann im Archiv für sächs. Geschichte a. a. O. S. 109. Mit Eybicke
ist wohl die jetzige Bauerschaft Ebbecker (bei Lipporg, Krs Beckum in West-
falen) gemeint. *9 S. St. 198 A. 49. ao verpflichtete sie durch eiuen Vertrag.
" 20. Juni 1447. 32 Die heutige preussische Kreisstadt Lippstadt im Regbez.
Digitized by Google
252 203. Stuck.
halden ; das selbe closter er liffen dy bemen in deme selben schermusel,™
wanne das das volk in deme closter was; das wolde nicht schösse mit
buchsen under das volk, wanne der von soest was vele dar under.
Also nomen de bemen das closter in unnd er slugen dar inne meer
danne XXX adir XL man, unnd gewonnen dar inne sechs grossse stein
buchsen; dar niete toten sy der stad grossen schaden uss deme clostere,
unnd schössen der stad dv muron neddir, unnd dv von soest liffen uss
der stad zu den herluten in dy futterunge*17 unnd slugen or vele tod,
unnd wunten sv. Also levte sich das her vor soest nae uff drv am-
brost schösse, unnd das her machte einen grossen graben vor sich
unnd oynen thara, also das man or uss der stad nicht gebuchsen88
künde, unnd sy toten vaste schaden in dy stad, wanne sy had sust
129 kleine trocken graben, unnd eyne | aide bosse rauren, unnd der herc-
zoge von cleve85' was by on in der stad mit anderthalbhundert pferden,
unnd wore gerne von on uss der stad gewest, abir sy wolden on nicht
lossen czehen. Grosen hunger unnd dorst leden sy in deme here,
unnd man meynte, konde sy der bisschoff von koln gespiset habe vier
wochen, so meynten sy dy stad zu gewinnen. Unnd das her wart an
geslain an vierczig tusent man. Also logen sy vor der stad dry wochen,
unnd leden grossen hunger unnd gebroch, unnd stormeten40 dy stad
an vier enden; unnd wanne sy storme wolden, das wüsten sy in der
stad, unnd richten sich dar noch an dy stete desto sterker, unnd werten
sich also frome lute mit armbrosten unnd mit hevsem sodeadir wasser,
das was gereyte gemacht, unnd machten dy pfile gluende, do sy mete
schössen, unnd es bleib vil volks tod; unnd was volks tod bleib in
deme here, das er leubeten dy in der stad en weg zu brengen, unnd
was or wunt wart, dy nomen sy in dy stad unnd lessen dy heyle;
mit buchsen toten sy wenig were uss der stad. Also nu dy hern soen
unnd merckten, das sy der stad nicht gewinne konden, do czogen sy
abe, unnd wart eyn gemein geruchte, wy das er apel vitczthum, des
jungen hern roth, es hotte mit der stad gehalden, unnd were sin schult,
das man der stad nicht gewinne künde, unnd wart eyne grosse czwey-
tracht czwisschen deme here, als sy heim czogen.
203. Hy czoch der junge herre von soest
y Dy bemen erreten sich1 mit deme hern entoyl unde | czogen
von omc umrae des soldes willen, unnd der herre nette sy gerne
an Md. Nebenform für Scharmützel. 17 I>. h. die Soester hinderten durch
häufige Anfalle die Zufuhr (*. ob A. s. Bachmann a. a. Ö. S. 114. ;W Da»
Verhuin ..gobuehsen'' i^t sonst nicht nachzuweisen, also wohl von Stolle selbst
gebildet, — ,,mit der Büchse treffen" (sie waren niclit in Schicss weite). SB Der Sohn
Herzog Adolf von Cleve, Herzog Johann, Hess sich freiwillig mit in Soest ein-
sch Messen. xu Der Hauptsturm, der aber auch abgeschlagen wurde, geschah am
21. Juli 1447.
„ 20S. '„Sich erren" (inhd irren) = ..sicli veruneinigen", i. a. Sinn St. 229. A. 1.
Uber das Folgende s. Haltung Kammermeister, h. v. Reiche, S. 90— 91.
Digitized by Google
203. Stück.
bebakten, wanne her wolde czeen in dy marg2; also wolden sy
nicht, sundern sy wolden oren solt haben unnd heim czeen. Des
soldes wolde on der herre nicht gebe, wanne sy hatten deine jungen
hern geret,:{ sy wolden ome dy stad gewinnen unnd ome antwerte, ess
were danne saehe, das dy stad soest ein gewelbe oben or hette, unnd
das es nicht mogelich were, das dy ymant konde gewynne. Also hoch
hatten sich dy bemeu keyn deme jungen hern vor messen, unnd ge-
wunnen or nicht. Also Scheden sich dy bemen doch in gute von deme
hern, nemelichen funff tusent bemen, unnd czogen heim, unnd broehten
grosse habe mit on von kelchen, buchern, unnd messegowande, des dy
menge nemelichen uss XXJIII clostern ane andere kerchen, dy sy alle
beroubet hatten, mit on enheym. Item in doringen zu gangolff somnie-
ringen,1 do nomon dy bemen dy monstrancien uss der kerchen, unnd
der das thed, den liss der junge herre borne. Do slugen dy bemen
eynen andern dutczschen man tod dor gein, unnd wo dy bemen ubir
einen dutschen man quomen, der was gutes hatte, den slugen sy tod
unde nomen ome, was her hatte. Also czogen sy vor erffort ubir,
unnd logerten sich by vargela;5 also treben sy dy von der borg abe
mit huchsen; unnd do dy in der stad erffort erfurn, das sy quemen,
do czogen dy von erffort starg uss mit macht mit orem volke, unnd
bruchten zu sammene achtelialb schog wayne, unnd vierhundert reysigen
geczuges, das zu sammene wart geaeht | an X tusent man, unnd worn wo
der meynunge, teteu dy bemen schaden in orem lande, so wolden dy
von erffort dy bemen umme ringet habe unnd sy behalde. Also czogen
sy durch der von erffbrte land ane schaden, unnd leden grossen gebroeh
den tag an sente peters tage schune tegor,'; wanne dy rey singen bemen
wolden nicht, das ore trabanten en wenig schoten betten mit sich ge-
nomen; unnd wo sy des gewor worden, do hiwen sy sy mit geiselu
dar von; also sere forchten sy sich von den von erfforte, unnd schreben
in dy stad erffort gutlichen unnd betende einen briff mit czwolff in-
gesegeln, das sy sy wolden lasse czeen umme gotis willen, sy wolden
orme lande keinen schaden thun, sy weren vor furt unnd betrogen
schomelichen durch ern apel vitczthum. Do quam eyn herre uss deme
rathe zu erffort, genant er heinrich wisse,7 eyn vier man, der reit zu
den bemen uft das feit keyn vipech unnd exstete,* unnd rette mit on
von der stad erfforte wegen, was do ome enpfolen was. Also worn
dy bemen in meynunge, sy wolden wymar in neme vor oren solt,
* Die westfälische Grafschaft Mark, jetzt im Regbez. Arnsberg, fiel als ein
Teil der jülisch-clevischen Erbschaft 1614 an Brandenburg. „Reden" mit
d. Dat. d. Pereon heis*t „versprechen/* * Ganglofaömmern , Dorf im preuss.
Kreise Weissensee, Kcgbez. Erfurt. " Grossvargula, Dorf im preus«. Kreise
Langensalza, Regbez. Erfurt. " Dienstag d. 1. August 1447, thüringische Be-
zeichnung des Peterstages in der Ernte, s. Konrnd Stolle, herausggb. v. Hesse,
pag. XXVII, ferner Rückert, Leben des heiligen Ludwig S. 122. T S. St. 202
A. 25. 8 Vippachedelhausen , Dorf im Verwaltungsbezirk Weimar im Gross-
herzogtum Sachsen, Egstedt im preus». Kreise Erfurt.
Digitized by Google
254
203. Stück.
unnd dy von wymar hatten sich ouch uff wehere gericht, es hette abir
wening geholflen kein also vele bemen. Do lissen dy von erfforte eyne
wainborg slaen unnd logerten sich unnd meynten, netten sich dy bemen
vor wymar geleyt, so wolden dy von erffort den von wymar sy zu
hulffe komen. Der junge herre hartes den von eröort nicht befolen,
noch so wolden sy ome das sine, helffen vorteydinge. Das sagete her
▼ on hir noch grossen dang, das sy sin lant also | beschermen wolden in
synem ab wesen. Also were das gemeyne volk zu erffort zu mole
gerne an dy bemen gewest, unnd sy zu er slane unnd das grosse gut
behalde, das dy bemen hen unnd her geroubet hatten. So meynte der
rath zu eröort, wanne sy dy bemen slugen, so spreche der junge herre,
sy hetten ome dy synen in synem dinste unde geleite erslagen, unnd
were hir noch uff dy stad erffort gefallen unnd sy bedränget, unnd
mochte villichte eine vor gobe unnd eine beschidickeit* sy von deme
jungen hern, das her dy bemen do liss ubir czeen, wanne her meynte,
dy von erffort Jessen nicht, sy slugen sy, wanne dy bemen hatten den
von erfforte gereite vele schaden gethon in deme hen czoge; so wolde
her danne er noch komen sy mit deme andern here, das her noch by
ome hatte, unnd wolde vor dy stad gerucket habe. Also was eyn sage,
sundern der Wahrheit wüste man nicht unnd umme sulchen schaden,
den dy bemen gethon hatten an fischen zu tuntorff unnd an andern
enden, retten dy von erffort mit on uff deme felde zu vipech. Do
sprochen dy bemen, er apel vitczthum, des jungen hern rath, hette sy
das geheisen. Also lessen es dy von erfforte gut syn, sundern teten
sy ymande mee schaden in orem lande, so hetten sy den kämpf an
der hant; unnd teten sy deme jungen hern schaden unnd syme lande,
worden sy danne an geruffen, so mnsten sy danne helffe were. Also
czogen sy den tag ane schaden vor erfforte en weg, eine grosse mile
i8i von der stad, biss kein meildingen ; 10 do logen sy ubir nacht; | unnd
weren dy von erffort nicht also starg uff deme felde gewest, so hetten
sich dy bemen vor wymar geleyt unnd das gestormet unnd gewonnen.
Unnd der aide herre hatte der stad erffort uff das mal gelegen czwei-
hundert reysinges geczuges, unnd her wolde on tusent gelegen habe
hetten sy ess begert. Also hatte der junge herre ouch enteyl des
heres by ome im lande zu francken ; das behilt her lange unnd meynte
zu czene uff bobenberg adir wirczburg; dar zu wolden ome helffe dy
margrafen von brandenborg. In des besorgeten sich dy von nornberg,11
• — mhd bcschidekeit stf. (v. Adj. beachlde = schlau) = „Schlauheit".
10 Mellingen, Flecken im Verwaltungabez. Weimar im GroMsherzogtum Sachsen,
schon öftere erwähnt. 11 Es ist die Fehde zwisch. Markgraf Albrecht v. Brandenburg
nebst s. Verbündeten gegen Nürnberg gemeint, die aber erst in das Jahr 1449 fallt;
näher schildert sie Härtung Kammermeister, h. v. Reiche, S. 97 — 99. Siehe auch
Chroniken der deutschen Städte: Die Chroniken der fränkischen Städte: Nürn-
berg, 2. Bd., 1864: V Nürnbergs Krieg gegen den Markgrafen Albrecht (Achilles)
von Brandenburg 1449 u. 1450: Kriegsbericht und Ordnungen, zusammengestellt
von Erhard Schürstab, h. v. F. v. Weech, S. 93-534; bes. S. 414 u.584.
Bigitized by Google
204. und 205. Stück.
255
unnd brochten zu sammene mit andern oren vorbunden steten XII
tu8ent man, unnd meynten, hetten dy von brandenborg ufi dy stiffte
geczogen, so wolden sy dy wile or lant dort haben in genomen. Also
wart es getaget unnd uff genomen. Unnd es nete sich vaste deme tage
egidii, der do geleit unnd berufen was keyn molhusen, czwusschen
deme alden hern unnd den vitczthum unnd etlichen grafen etc.
ßinnen der czit buweten dy von erfforte torme greben unnd krumme
thor, unnd befretten sich, unnd vor sogen sich steteclich kriges.
204. Hy was der tag czwusschen deme alden hern
unnd deme jungen hern gehrudere.
Ufi den tag egidii quam der aide herre keyn erfforte mit sechs
hundert pferden unnd bleib ubir nacht do. Den andern tag czoch her
kein molhusen, unnd schickte sich, das der junge herre uff deme felde
zu ome quam, unnd czogen nochenander in dy stad, der aide herre
vor, der junge herre noch mit orem volke; der junge herre hatte by
dry hundert pferden adir en wenig meha | Unnd logen aldo zu mol- v
husen dry wochen, unde teydingeten tegelichen von nuyn vor mittage
biss zu funffen des abendes zu den barfussen zu molhusen, unnd ny~
mand konde erfare, was sy teydingeten, unnd hatten gerichte, unnd
richtens dorch enander, der lantgrafe von hessen, margrafe frederich
unnd margrafe albrecht von brandenborg, das nymant wüste, wy es
sich schicke wolde, unnd schiden zu letczt ane ende. Also czoch der
aide herre mit sinen grafen wider uff erfforte, uff den fritag mauricii,1
unnd von stunt uff den sonabent dar noch quam margrafe albrecht von
brandenborg ouch keyn erfforte, des was dy schult sere gewest, als
man sayte, unde hatte dy richtunge vaste gehindert zu molhusen. Dy
czwene fursten logen zu erfforte dry tage mit oren grafen, unnd des
jungen hern rethe enteyl, der von swarczburg, unnd stochen do czwene
tage mit glevelingen,2 unnd ouch mit krön8 eynen tag, unnd machten
do mit der stad erffort hulffe unnd rath eyne gutliche richtunge.
205. Von der czweytracht der czweyer hrudere
herczogen frederichs unnd herczogen Wilhelms.
Als man schreib nach criatus gebort tusent vierhundert unnd 1450
funffczig jar,1 do was das güldene jar unnd eyne grosse romfart. In
204. 1 Freitag d. 22. September 1447. Der Tag von MühlhauHcn ist von
Stolle sehr ungenau behandelt; ausführlicher berichtet über ihn Härtung Kammer-
meiHter, h. v. Reiche, S. 89—90. * Deminutiv von gleve = „Lanze" (s St. 22 A. 1).
8 D. h. mit stumpfen Turnierlanzen, die anstatt der Spitze ein gezacktes Kröulein
tragen.
205. * Die Jahre 1448 u. 1449 überspringt Stollo gänzlich; da* Folgende, die
Jahre 1450—1451 betreffend, ist von ihm auch sehr ungenau, mindestens un-
Digitized by Google
256
205. Stück.
denie selben jare was ouch eyn gemeyne sterben im lande zu doringen
wind zu erffort, also das vaste bürgere enweg czogen mit oren frowen
unnd kindern uss der stad in dy andern stete kein czwickuw2 in das
osterlant unnd wenig in doringer laut, wanne der junge herre, herczoge
Wilhelm, in doringer lande was der stad | Krftort etwas wedder üeyme-
liehen, darumme das sy omo dy vitczthum nicht wolden beiden vor-
tey dingen. Unnd dy von erffort bilden sieh vaste au den alden hern,
der was or gute frunt unnd hilt iss mit on unnd thet synem bunde,^
gelobede unnd breft'en gnug, unnd der junge herre nicht, sundern her
liss uff dy stad erffort roube dorch sin laut uss sinen steten. Dy von
erffort schenckten deme jungen hern unnd geben ome vele geldes unnd
silbers zu ge schenke unnd vorbunden sich ouch mit ome mit treff-
lichen breffen 1 unnd eyden« her sohle dy oren glich helflen beschormen
unnd vorteydinge, als sine eygen manne. Der junge herre sach dorch
dy fingere: her nam von den von erfforte das gelt, silber unnd golt zu
ge schoncke, unnd liss sy gliche sere vor folgen, schinden unnd rouben.
Gräfe heinrich von swarczburg was der von erfforte gute frunt, der teth
des selbigen glichen ouch, der hilt der von erfforte tiende uff in synen
steten unnd liss sy uff sy roube. Gräfe adolff zu thonna, grafe sege-
munt zu glichen worn der stad erfforte gram unnd toten ouch also,
unnd totens selber. Einer, genant lips von beiden,5 der was der stad
erffort fient; deme hulffen dy grafen, unnd rieten ome heymelichen.
Das werte etliche czit. Dy .stad erfforte dulte das gutlichen. Kss machte
sich nicht lange dar nach, der aide herre, herczog frederich, hatte fede
glcichmässig behandelt, auch chronologisch Rehr verwirrt; Stolle kann daher für
eine wissenschaftliche Behandlung gerade jener Zeit nur für Einzelheiten massgebend
»ein. Die folgenden Bemerkungen erläutern selbstverständlich das nur in der
Chronik Stehende, ohne die Löcken auszufüllen. Nur sei noch bemerkt, das»
das Magdeburger und Weimarer Staatsarchiv mehrere für diese Zeit wichtige Ur-
kunden enthalten, sowie dass die im Magdeburger Staatsarchiv liegenden Libri
dominorum (Erfurts), III IM. (1448—1455), sowie Urkunden und zahlreiche
Originalsehreiben im Stadtarchiv zu Erfurt, und solche andere Urkunden (die
im III. IM. des UE abgedruckt werden sollen) für eiue wissenschaftliche Ge-
schichtsschreibung, welche diese Zeit zu schildern unternimmt, eine reiche Aus-
beute liefern und eine solche erst ermöglichen werden. — Über das Jahr 1450
als Jubeljahr s. Härtung Kammermeistor, h. v. Reiche, S. 127 tf. • D. i. Zwickau
im Königreich Sachsen. a 1450, Sonnabend nach Mariae Heimsuchung
(4. VII 1450) : Friedrichs, Kurfürsten, Schutzbrief für die Stadt Erfurt während
des Krieges mit seinem Hruder Wilhelm: im Felde bei Molsdorf (im Magde-
burger Staatsarchiv); desgl. Libri dominorum III fol. 89: Der Hat bekennt, dass
Herzog Friedrich sich mit ihm so lauge verbinde, bis ihrer beider Sache zu
einem guteu Ende gekommen 9ei. 4 Nicht recht glaublich, da der Rat (Libri
dominorum III fol. 81 — Staatsarchiv in Magdeburg) IVa p. corp. Christi 18. VI)
1450 das Ansinnen abgelehnt hatte , dem Herzog Wilhelm gegen Kurfürst
Friedrich l>eizustehen. n Einer der grimmigsten Feinde der Stadt Erfurt unter
den kleinen Dynasten Thüringens. In den libri dominorum (s ob. A. 1) findet
sieh der Fehdebrief des (trafen Heinrieh von (jleiclien an Lips von Herde
(III fol. 51), sab. post Laetare (21.111) 14ö0; ebenso viele Briefe (im Erfurter
Stadtarchiv) betr. Lips von Herde, dabei auch ein Verzeichnis der Feinde der
Stadt Erfurt, darunter die Gleichonschen Grafen Adolf v. Ton na und Siegmund.
Digitized by Google
205. Stuck.
257
schafft zu grafen heinriche von swarczburg,0 das was umme dy bürg
swarczburg an der swarcza, dy grafen gunters gewest was seliger; der
gab sy by sineiu leben deme alden hern umme roehlitcz.7 Do meynte
grafe heinrich, her wolde eyn erbe dar zu syn, von synes vettern, grate
gunthers wegen, unnd kregen sich lange umme dy burgk mit eynem
ritende krigc Der aide herre spisete | dy borg uss eifl'orte unnd leyte volk v
dar uff, unnd von deme volke fingk ome ey ns abe grafe heinrieh von swarcz-
burg funflezig man unnd ouch den houbtman;* dy sossen lange gefangen.
Ouch was der von swarczburg eyn bürge vor dy vitezthum, das
dy solden uss deme rathe kome des jungen hern, unnd ouch uss deme
lande czeen, also das beteydinget was; czogen dy vitcztliumme nicht
abe, so sohle der von swarezburgk dar zu helife, das man sy vor trebe,
wanne der aide herre was vormals eins im lande, unde dy vitezthum
wol en uss bracht. Das werete nu mit guten Worten der von swarcz-
burg, wanne her was riebe unnd meehtig, unnd hilt es gancz mit deme
jungen hern unnd den vitezthum, do alle grafen von getreten worn,
wanne alle krig unnd ungelucke hub sich von er apel vitezthum.
Ess schickte sich, das der aide herre von den bemen beswort wart,
unnd wolden ome, also meynten sy,a brox' an gewinne unnd andere stete,
dy do rurten an das laut zu bemen, unnd das worn dy preger, dy
taberiten unnd ore bosse geselschatft, dy hatten eynen koning ulf ge-
rucket.''* Nu worn vel bemisscher hern, dy besten unnd dy meeh-
tigeston in deme lande zu bemen, dy hildens mit deme alden hern, dy
worn cristen, so worn das andere ketezere. Mit den selbigen ketezern
hatte sich nu der junge herre verbunden; das hatte er apel vitezthum
selber uss gericht, das sy ome sulden zu hulfl'e kome, deme jungen hern
unnd margrafen bansen von brandenborg ubir dy von nornberg. VVedder
dv selbigen bemen meynte nu zu czene der aide herre uss missen
» Kehlt la 118.
,; Das ist der sogen. „Schwarzburgischc Hauskrieg," welcher in den „Sächsischen
Bruderkrieg" hineinspielt. S. das i'rogramin von Rudolstadt, 18ti7: B. Alle-
in filier, Der Schwarzburgische Hauskrieg im 15. Jahrhundert. — Ende Januar Ul,0
war Graf Günther XXXI I. von Schwarzburg gestorl)eu. Seine gesetzlichen Erben
waren die Grafen Heinrich XXXI. von der Arnstadter Linie und Heinrich von
Leutenl>erg — sie begünstigte Herzog Wilhelm von Sachsen, — während der
alte (traf Günther zu seinen Erlten bestimmt hatte den Grafen Ludwig von
Gleichen und Herrn Heinrich von Gera, die der Kurfürst Friedrich be-
günstigte, welchem früher Graf Günther XXXII. am 22. November 1448 Grat-
schaft und Sehloss Schwarzburg, die Stadt Königssee und die Vogtei über l'aulin-
zelle verkauft hatte, s. Anemüllcr a. a. (). S. 6. So entstand der Krieg; näheres
erzählt Härtung Kammermeister, h. v. Iteicbe, S. 90 — 113 (und die dort angeführte
Litteratur). ti. auch Appendix ver». germ. Vetero-Cellensis Chronic. (MSG II)
pag. 42b f. 7 Stadt im Königreich Sachsen a. d Zwickauer Mulde. * Eine
t>cene aus dem Schwarzburgischen Ii auskriege, welche Auemüller a. a. O. S. 14 er-
zählt; der Hauptmann war Edler von Wildenfels. " .Brüx, Stadt in der gleich-
namigen Cezirkshauptmanuschaft im nördl. Böhmen. Über den Angriff auf Brüx
s. Palaeky. Gesch. Böhmens IV, 1, S. 235 u. Fontes rerum Austriac. Bd. XLIl
No. 42. M erheben, befördern, in eine höhere oder hohe Stellung bringen,
s. H. Kückert, Leben des heilig. Ludwig, S. im.
17
Digitized by Google
205. Stück.
unnd den zu werne vor syme schaden, unnd sammete gross volk in
synem lande unnd sehreib den von erfiort ouch umme volk, dy legen
na oine XV glefelinge unnd etliche trabanton. Also nu sich der | aide
herre gesammet hatte, unnd wolde in beraen czee unnd was gereite uff
deine czoge, do wart es gütlichen mit den bomen getaget. Also körte
her widder umtue unnd wolde heym czee unnd liss sin volk zu rite.
Dy wile sammete der junge herre, sin bruder, und der von swarezburg
volk unnd wolden in dy voite lant czee ubir den hern von gera unnd
in missen laut, unnd meynten das zu vorterben, unnd hatten gross
volk unnd czogen biss an dy sal zu lobeda. Das branten sy uss, das
was des jungen hern,10 des alden hern son, unnd en teil des von gera*
unnd ouch des alden hern ; idoch so enezageten sy ome vor hin. Also
der aide herre wedder umme karte, als is mit den beraen getaget was,
do quomen ome dy entseige briffe von grafen heiuriche von swarez-
burg unnd grafen adolffe unnd grafen segemunde von glichen in syn
heer, unnd in dorne selbigen heim wege czoch her vort in das lant zu
doringen by osterfelt,11 komborg an dy ihnen, zu rusla, uff madela unnd
meyldingen; dy alle zu sammene liss er bernhart viteztum, des jungen
hern rath, selber alle abo borne, unnd ouch sine eygene dorffore; das
tetli her dar umme, das der aide herre kein futter solde finde, unnd
der aide herre teth keinen schaden deme jungen hern, synem bruder,
unnd was gancz der meynunge, das her ome keinen schaden wolde
thu an synem lande, es were danne, das her sich wolde an neme, das
her were in das lant komen. Er was ouch dar umme in das lant
komen, das her sine fiende suche wolde. dy ome entsaget hetten, hoffte
her, das gunne ome wol sin bruder, der junge herre. Der aide herre
v czoch in dy lengewitcz by erffort keyn | ichtersshusen,12 dar noch vor
ilmene11; do lag her czwene adir dry tage, nemelichen visitacionis marie
unnd peter et pauli;11 den teth her nicht, wanne her virte dy heiligen
tage alloczit. Her schickete by dryhundert waine in dy stad erffort
unnd kouftte spise dar inne umme sin gelt unnd spisete sin her unnd
dy borg swarezborgk.
Also sammete der junge herre gross volk
zu wissensee, unnd das c/.erten sy in drien tagen reine uss. So lag
der junge herre zu arnstete by deme von swarezborg unnd hatten gross
volk dar inne. Also dy wayne des alden hern zu erffort gespiset
lu Es ist gemeint Ernst, der spätere Kurfürst, der Stifter der Erncstinischeu
Liuie der Wettiner (t 14*<>i. " Ausser (Merfeld, Städtchen im preuHaigcheu
Kreise Wehden fels. Rcgbez. Merseburg, sind die folgenden Kamburg [allerdings
an der Saale, nicht an der Ilm, wie der Chronist schreibt], N icderrossla, Magdala
und Mellingen schon öfters erwähnt. Die Lengwitz ist ein Gau in
Thüringen an der (»bereu Ilm > Lnngiiizza, I^engvicz steht bei RDThDI ]No. 840.
1029 ' ii. ö.) — s. Brandis, Berg- und Thalnanieu im Thüriugerwalde. S. 48. —
Ichtershausen bei Arnstadt, sclxm öfnrs genannt. '-; Stadtilm, Stadtchen im
Eürstentum Scliw«rzburg-Kud<»lstndt. a. d. Ilm. 11 Umzukehren: v. Montag
d. 29. Juni «JVter- und Puulstag) bis Donnerstag d. 2. Juli (Visit. Mar.) 1450.
Digitized by Google
205. Stuck. 259
worn, do geleyten sy dy von erffort mit grosser macht in dy lenge-
witcz, unnd man besorgete sich, der junge herre adir der von swarcz-
borg worden dy spise waine an rynne unnd or Heil vor suche. Do
worn dy von erflort gancz rüstig, dy hern hatten ouch zu arnsteto
wenig spise, sy konden do nicht geniale, dy inollen worn zu brochen.
Unnd des alden hern her brach uff vor ilmena, unnd czogen don spise
wain en kein, unnd wart also in das her bracht mit behendickeit, wy
das man dy waine wolde unime werffe, das das her uff brach, wanne
sy hatten etliche hofelute zu ilmena vor legen, dy konden nicht er uss
korae, dy worden do loss. Dy waine quomen in das heer, unnd vort
uff swarczburg, wanne sy fürten spisse; alle dy stete im lande zu
doringen konden sy nicht eine wochen gespisset habe, unnd das toten
dy von erffort ufl einen tag, unnd was au unser lieben frowon tago
visitacionis ; do muste man male unnd backe. Also ezoch des alden
hern her unnd logerte sich zu | molstorff'15 in das dorff; do lag her 134
anderthalben tag, unnd ezoch wedder vor ilmena.
Dy von erfforte entsageten den czwen grafen von glichen,
grafen adolffe unnd grafen segemunde, am dinstage noch sente ulrichs10
tage. Dy hatten der stad erffort vele uberlastes gethon, unnd czogen uß
dy mittewochen kyliani17 fru uss erfforte, unnd logerten sich gensit .
dy borg glichen in das feit, by des alden hern her, unnd logen do by
deine hern, wanne der aide herre wolde nicht an heben zu stormene
nach zu gewinnene, her hetto danno vier wochen gelegen im lande
unnd strites gewort. Dy von erfforte brauten den grafen ore dorffere
abe unnd pochten1" dy, ingerssleuben, sulczebrugken,11* ordorff, borg-
tunna, gretetnnna etc. unnd marttlecke zu samene by XX adir meer.
Dy wile samraeten sich der von glichen nienre uss den dorffern, unnd
dy grafen mit on, unnd branten dy erft'ortschen dorffer frinstete,20 notte-
leyben, kercheim etc., dry adir vier dorfter. Also schickte der aide
herre grafen ornsten von glichen, der eyn kostlicher wiser man was,
unnd den jungen hern von gera in dy stad zu erffort an den rath,
unnd mutten unnd begorten, das dy stad erffort mit ome wolden an
stee, sy wolden uff beide partie, des jungen hern unnd des von swarcz-
purges, fient werde unnd or geschuteze dar zu leen, wanne her hatte
nicht vele geschutezes mit ome genomen, sundern manschafft hatten
sy gnug, das was uff den fritag kyliani/1 unnd des bereten sich funt
K> Molndorf, Pfarrdurf hu Landratsamte Gotha dos Herzogtums Saehsen-
Koburg und Gotha. Nach der oben A. 3 angeführten Urkunde blieb Friedrich
bis Sonnabend den 4. Juli 1450 dort. "r 7. Juli 1450. ,: 8. Juli 1450.
,H Mhd bochen = ind pochen (auch puchen) = ^Kindern'', s. BE »S. 147 ff. Von
den genannten sind Ingersleben, Burg- und Gräfentonna schon genannt, dann
noch Sulzcuhrückcn, Dorf im Land ratsamt Gotha des Herzogtum» Haehsen-Koburg
und Gotha; Ohrdruf ist ein Städtchen im gleichnamigen Landrataamt elienda.
*" Frienstedt, Nottlelten und Kirchheini sind preuMS. Dörfer im LandkreiHe Erfurt.
11 10. Juli 1450.
17»
Digitized by Google
260
205. Stück
rethe22 zu erffort unnd dy gemeine, nnnd wolden des nicht thun,
v sundern oren bunt keyn | deme jungen hern unnd von den von swarez-
burg halde, unnd ober sy nicht helffe, sy hüben danne an. Also brach
der aide herre mit synem here uft, unnd coch2-5 wedder heimwart, von
thunna uff gebese, zu deynstete, zu der numburg zu, wanne dy rede
ging, \vy der junge herre vor czitcz lege, das meynte der aide herre
zu redene. Unnd uff der selbien reisse do branten sy den uuwen raart,
bottel stete,24 unnd vele dorffere unnd landes vor terbeten sy. Noch
margarete25 do branten dy von glichen den von erfforte ynehant2'* ore
doifiere, wanne dy von erfforte hatten sich nicht wol noch uff hofe-
werg2<: gericht, unnd musten das vor see, ouch so wolden des alden
hern gewaldien nicht lenger in deme lande bliben, wanne der aide herre
Avas ane oren rath in das lant zu doringen geczogen unvorsenlich.
Hotten ome dy grafen von swarezburg unnd von glichen nicht ent-
saget, do her noch in missen was, so were her in ditcz lant uff sy nicht
geczogen. Dy von erfforte wüsten ouch nicht dar von, wanne do her
an dy sal keyn komborg quam; unnd hetten ome dy von erftort wolt
helflen wedder den jungen hern unnd den von swarezburg, mit ge-
schuteze unnd manschaff't, so hette her den von swarezburg vor terbet
in grünt, unnd ouch enteil des landes zu doringen. Des wolden dy
von erftort nicht thun, sundern brot, trang unnd spisse vor koutt'ten ome
dy von erffort um nie or gelt. Also hetten dy von erfforte deme jungen
hern ouch gethon, hette her ess begert, wanne man liss des jungen
hern volk unde des von swarezpurges volk uss unnd in cehe zu erfforte,
las das sy konftten unnd vorkoufften, was | on uod was, unnd wereten des
nicht. Aber den von erfforte geschach vaste schaden an oren dorffern.
Uss deme dorfte ingerssleuben, do worn stende bieben etliche hofe der
erbarn unde drissig hussere, umme strichen schaden, den sy toten; dar
umme so czogen dy von erffort uss unnd vorterbeten allerdinge
das dorff ingerssleuben, do der schade uss geschach, unnd ouch
gunderleuben 27 das dorff, unnd fingen vaste volks dar inne, unnd
brachten vele vihis, pferde unnd kuwe, unnd spiseten als balde or sloss
molborg.
?? Nach Ausbildung der Rats Verfassung gab es in Erfurt einen fünfjährigen
Ratstransitus. d.h. die im Kate sitzenden ßürger zerfielen in 5 Räte, von denen
immer einer ein Jahr regierte, der sitzende Rat; bei besondere wichtigen An-
gelegenheiten traten aber die 5 Kate zur Beratung zusammen, sogar bisweilen
noch verstärkt durch Vertreter der Gemeinde, wie hier. 5:1 Reiche i. s. Ausgabe
des Härtung Kammermeister S. 1U»> A. 1 nennt dies»' Kückzugslinie Kurfürst
Friedrichs die natürliche über Gebesee, Tennstädt (Stolle: Deynstete; preussische
Stadt im Kreise l^angenealza) und Naumburg. '' Neumarkt und Buttelstedt
liefen im Grossherzogtum Sachsen, Verwaltungsbezirk Weimar bezw. Apolda.
• Also nach dem I H. Juli 1450. -M .Und „inhanl" — md „ynehant", adv.,
„zuweilen, hier und da '' '"! hove-were, inhd, stm. „berittene Krieger, Reisige."
v; Günthersleben, Dorf im Kreise Gotha des Herzogtum» Sachsen -Koburg
und Gotha.
Digitized by Google
205. Stück.
261
Hy czoch der junge herre vor gera
mit grossem volke, unnd hatten sieh vor graben da vor, nnnd meynten,
des alden hern, synes bruders, da zu beyten unnd mit ome zu striten;
der aide herre quam, unnd coich zu ome also nahe, das sy beyde uss
eyme flure futterten, unnd logen keyn einander etliche tage. In der
selbigen czit, do schickte sichs, das das volk uss beyden hern quam zu
sammene in der trencke, unnd des jungen hern volks was mee danne
des alden hern, unnd slugen sich miteinander. Also wart grafe lode-
wig von glichen, eyn fromer, trefflicher herre, von des jungen hern
mannen gefangen; den liss der junge herre zu wida28 in den thorm
setcze, unnd mit henden unnd mit fussen uff slaen, also einen obel tether.
Dar umme retten etliche, des jungen hern graten, rittere unnd knechte,
unnd meynten, der gefangene were eyn grafe, man solde on nicht also
hart setcze; sy wern itczunt ouch by ome; ab man sy oueh finge, so
worde man on ouch also thun; do wolden sy nicht by syn. Unnd des
czogen etliche heym, neinlichen [ grafe heinrich von honsteyn unnd sine v
man. Also logen dy beyde her vor gera, biss so lange das der junge
herre uff brach, unnd czoich in mi9ser lant.
Hy czoich der junge herre in das lant zu missen mit syme here
unnd vorterbete vele dorffere, also man meynte meher danne funff adir
sechs hundert dorfter. Der aide herre, sin bruder, czoich ome noch,
unnd ruuste syme brudere gunnen, das her syn lant also vorterbete,
wanne der junge herre was deine alden hern ubir legen mit roysigem
geczuge unnd volke, wanne herczoge ernst, des alden hern sou, hatte
vele volks kein deme margrafen von brandenborg in der roarg, dem«
gewan herczoge ernst vele volks abo unnd vele baner hern, ritter-
mesige luyte, unnd eyne grosse nedder löge geschach do deme mar-
grafen von brandenborg,29 also das sich des das gancze lant zu missen
frowete, unnd sungen messe unnd lobeten got. Der junge herre tet
deme alden hern vaste schaden, von keranitcz biss an liptcz, czohon
mile lang unnd vier adir funfe breit. Dor aide herre logerte sich by
liptcz uff czwene orte, unnd lag alda gar nahe dry wochen. Der junge
herre czoch umme her im lande unnd brante, unnd wante sich unnd
czoch vor czitcz.
, .<
3* Die schon öftere genannte sacbsen-weimariBche Stadt Weida. m Es ist
dor Krieg des Kurfürsten Friedrich» II. von Saehsen gegen Kurfürst Friedrich II.
vou Brandenburg in der Lausitz geraeint. Hierüber 8. u. a. Riedel, codex diplon».
Braudenburgensis B. IV S. 437. 437.438. 438-440. 445—451 u. 451^456.457 - 460.
460, die Ereignisse vom 28. Juni 1450 bis zum 28. Januar 1451 behandelnd;
/ im .
■ • • • t r ' • ■
! . '.
, I -
' •-> * Ii".
Digitized by Google
2K2
206. bis 209. Stück.
206. Hy lag der junge herre vor ezitcz
unnd stormote das dos nachts, unnd schoss für in, unnd brante dy
vorstad unnd das closter zu sente steffau,1 unnd dy fromen lute er-
woreten sich kume, unnd dy für ptile, dy in dy stad quomen, dy
werckten nicht. Das lant unnd dy dorfl'er, das dar urame was, das
vortorbcte her reyne unnd muste abo lossen von der stad. |
207. Hy ezoch der junge lierre wedder vor gera
unnd logerte sich da vor unnd vor terberte das gerische lant gancz
unnd gar. unnd stormete gera, unnd der von gera' was selber in der
stad, unnd dy nienre in der stad betten sich ertlichen ergeben, were
der herre von gera mit syner mansehaflt nicht selber dar inne gewest.
Also muste der junge herre abe losse,
unde ezoch vor borgow-
am sontago vor laureneiP unnd wolde das storme. Also gap der voyt,
der dar ufto was, das von sich, wanne dy inenro, dy dar uffe worn,
dy wolden ome nicht helffen. Also brante her lobeda4 unnd das dorff
borgow.
208. ITy ezoch der junge lierre vor ldanekenliaiu 1
unnd logerte sich dar vor, unnd dy dar inne worn, dy wereten sich
also ritterlichen, unnd was eyner dar inne von orlaraunde, unnd das
man meynto, sy mochten mit eren wol rittere worden syn dar uffe.
209. Hy ezoeli der aide lierre wedder in doringen.
Hy er hub sich der aide herre von lipez unnd hatte vele volks
gesamiuent, unnd hatte vele bemen uff genomen zu solde, unnd
ezoch wedder herwart in das lant, unnd logerte sich vor wissonfels.
Do lag her vier tage unnd ouch vor friburg unnd vorbrante das lant
dar ummeher gancz abe, mochole unnd luchow1 etc., unnd greift* den
bisschoff von inersseborg-' an, der was von ome getreten, unnd was sin
20«. 1 Bei der Kirche des heiligen Stephan zu Zeitz plante Bischof Dietrich
von Naumburg (1111 — 1123) ein Augustiner- Chorherrnstift einzurichten (1119),
wurde aber vor der Ausführung ermordet; s. 2. Nachfolger Bischof Udo (1125
bis 1148) stiftete ebenda ein Nonnenkloster, 8. HDThl) I No. 1140. 1577.
157*
207. ' Der ob. St. 20t A 6 erwähnte Heinrich Herr von Gera. -Burgau,
Dorf im Verwaltungsbezirk Apolda, im Grossherzogtum Sachsen. s 9. August
1 4r>0. ' Stadt im Verwaltungsbezirk AjM)lda, im Grossherzogtum Sachsen, mit
der an eiwm steilen Jiergabhang liegenden, noch jetzt gut erhalteneu Lobdaburg.
20S. 1 Stadt im VerwaltunirsW.irk Weimar im Grossherzogtum Sachsen.
*20». ' Mücheln, Städtchen im preuss. Kreise Querfurt, Kegbez. Merseburg;
elwiida liegt das Städtchen Laucha. ■ Johannes IV. Hoff/mann 1447—1451.
Digitized by Googl
209. Stück.
26S
orbirster hemolicher rath, den wolde her reyne vorterbet habe, der vil
in gnode unnd gab ome vede geldes unnd dingete mit ome. Her
czoch vort vor nebra3 unnd nam das wedder in, das hatte | vor der v
junge herre in genomen unnd vorterbet, unnd czoch vort vor Eckers-
berge, unnd was do ezwissohen was, huhow, wye, bebra, rassenbergk
etc., alle dorffere vorbrante her reyne. Er vor brante ouch eckersberge'
dy stad, butstete, rudofflssdorff, brampach, ouwerstete, nehusen, unnd
grosse mechtigo dorffere unnd stetchene, wol also gut, also alle dorffere,
dy in deine lande zu missen vorterbet worn. Her vor dingete ouch
kollede/' voylsborg, spreten etc, dy geben vele geldes. Her sammeto
grosse habe in der ouwe unnd in dorne virteil des landes. Dy wilo
lag der junge herre vor blanckenhain. Also her vor nam, das der aide
herre in das lant komen were, do brach her uff unnd wolde ome
enkeyn czee unnd ome were. Do entreit unnd entlifl deme jungen
hern vaste'* synes volks, wanne das volk was mude worden des
erreezehens. Also czoch her keyn wymar, unnd rugete do dry adir
vier tage unnd sante noch den von erffbrte unnd bath sy, das sy ome
hulfte teten mit gelde, unnd bat sy, das sy deine alden hern kein brot
adir spisse vorkouffen wolden, das wolde her umme sy vordyene, so
hoffte, her wolde on wol uss deme lande brengen; wolden sy des nicht
thun, so fugeten sy ome den schaden zu, des wolde her sich an on er
hole. Dy von erffort worn betreten, unnd hatten gnug zu schickon,
das sy sich bewarten, unnd sprechen, sy wolden deme alden hern nicht
heißen wedder on, noch ome wedder den alden hern, sundern futter
unnd brot | wolde sy on beyden vorkouffen, was sy über sich hetten, i»*
sundern sy hetten gerne zu richtunge beyder hern geroten. Der junge
herre hette dy von erffort gerne by sich brocht, das sy deme alden hern
abe unnd ome zu geleget hetten; des wolden sy nicht thun, sundern
sy werns gerne gliche luthe gewest, eyme geton also deme andern.
Das wolde der junge herre nicht vor gut uff uome, Also in dor czit,
de wile der junge herre mit den von erffbrte tagete, so orloubete der
junge herre synen mennern uff deme lando, das eyn iglicher soldo
3 Die meisten Ortschafton — über mehrere derselben s. die lehrreiche
Abhandlung von Georg Schmidt. Die Siedelungen an der Uainleite, Schmücke-
Schrecke und Finne, Mi«, d. Vor. f. Erdkunde in Halle a. 8., 1900 , 8. 22 ff. —
sind schon oft genannt, auch Bebra, Dörfchen unmittelbar bei Sondershausen,
Rassenbergk ist wohl Hartenberg, oft schon erwähnt, im Grossherzogtum Sachsen,
Verwaltungsbezirk Apolda. 4 AuBsor den bekannten Eck arte berga und Bütt-
stedt werden genannt Rudersdorf, Dorf im Verwaltungsbezirk Apolda im Gross-
herzogtum Sachsen, Brampach, Wüstung, südlich von Kölleda, (von Werneburg
JAE XII., 1884, S. 66 als Wüstung nachgewiesen), Ouwerstete = Auerstedt, das
durch die preussische Niederlage bekannte Dorf im preuss. Kreise Eckartsberga,
Nehusen — Gross- und Kleinneuhausen, i. Verwaltungsbezirk Apolda im Gross-
herzogtum Sachsen. 5 Kölleda, Stadt im preuss. Kreise Eckartsberga ; Vogels -
herg, Dorf im Verwaltungsbezirk Weimar, im Grossherzogtum Sachsen ; Sprötau,
Dorf im Verwaltungsbezirk Weimar im G rossherzogt um Sachsen. '"' „Veste"
istt substant. Adverbium, das sich mit dein genet. part. verbindet, „viel", siehe
auch St. St. 215: der gefangen veste, b. H. Rückert, Leben des h. Ludwig, S. 128.
Digitized by Google
264
209. und 210. Stück.
syne habe fluchene, wo hene her konde, in dy stete keyn erfforte unnd
ouch andersswo hen. Also quam vele gutis in dy stad keyn erffort.
Also nu solche vorlegunge des jungen horn nicht vor gang gewan, do
besammete her sich wedder zu wymar mit grossem volke, unnd logerte
sich an den evtersberg, unnd meynte ye den alden herrn uss demo
lande zu tribene, unnd lag do dry adir vier tage. Do brach der aide herre
uff, der lag in deme felde zu butstete, unnd czoch wedder hinder sich
ufl nebra unnd uff numburg, unnd liss sich den jungen hern sammene.
Bynnen sulcher czit wart eyn gutlich tag uff genommen czwisschen
den von glichen unnd der stad erfforte von assumpcionis marie biss
uff den sontag noch sente bajtholomeus tage.,; Das was vele luten in
der stad erffort wedder, wanne dy graten hatten uft oren borgen wedder
zu essen noch zu trincken, unnd thet on nod, das sy sich wedder ge-
v spiseten. Also liss der junge herre sin volk cnteyl wedder J zu ryte,
unnd dy von erfforte wolden ore borg molborg spise, unnd drabanten
dar uff lege. Do quomen orer soben an dy von erffort; dy worn cn-
teyl Ups von herden unnd enteyl ern bossen gesinde, unnd ranten zu
don von erfforte, unnd dy von erffort jageten sy uff den kerchoff zu
appelstete;7 das was uff dy mittewoehen noch bartolomei,s unnd konden
or von deme kerchoff torme nicht gewine. Do santen sy hinder sich
in die stad erffort; do schickte on der rath hulffe, unnd dy von erffort
meynten, ess were Ups von herden selbest. dar unime czogen dy von
erffort also starg uss, nemelichen mit funff hundert man, unnd schössen
in dy kirchen czu appfelstete, unnd sicherten sy er abe, unnd fürten
sy kein erfforte, einen, genant eyerman, in dy terupniczey' dy andern
in dy herberge zum traehen;10 do logen sy fünf tage, biss so lange das
sy kuntschaflt brocbten.
210. Hy codi der junge herre vor remde.
Binnen der czit uff den tag Johannis decollaeionis1 czoch der junge
herre vor remde,2 unnd gewan das; das was graten ernstes von
glichen. Unnd dar noch czoch her vor blanckenhain, unnd meynte
nicht abe zu czenc, her hette is danne gewunnen, unnd lag da vor
etliche czit, unnd bestalte grosse arbeit, unnd dy in deme stetchen
werten sich gar trostlich2* von der borg, unnd dy von der borg fingen
,: Von Sonnabend d. 15. August bis Sonntag don 30. August 1450. 7 Apfel-
städt , Dort im Landratpamt Gotha de* Herzogtum* Sachsen - Koburg und
< Intim. * 26. August 14f>0. " Temnitz oder Tempnitz, auch Temlitze (s.
Brandis a. a. (.). II. S. 10), ein Gefängnis (unterirdisch, im Rathause). Falkenstcin.
Civitatis Erffortensift bist, erit. et dinloni.. 17:»0, S. ?45, im Zuchtbriefe v. J 1350:
„in die Demnitz oder in den Stork"; ebenso 8 480. Sie war um das Jahr 1250
gebaut, s. BE S. 58. "' ,.Da.s Hans zur kl. Arche Noali, olim z. Drachen ge-
nannt.' Härtung, Häuserchronik der Stadt Erfurt, 1861. S. 69; jetzt MichaehV
strasse :K Hier sollen später die epistolae obseurorum virorum geschrieben ftein.
210. 1 Sonnabend den 2'.». August 1450. ' Stadtremda, Stadt im Ver-
naitung-bcziik Weimar i. Grossher/.ngt. Sachsen '-* Mhd ..turaticliche", adv.,
au - h „torstielielC Lexer s. v.), = md „toretiieh", hier durch Metathesis „tröstlich."
Digitized by Google
210. Stück.
265
eynen hern von honsteyn. "Do wart is geteydinget, das grafe lodewig
loss wart, unnd dy graten beydo solden wedder den jungen hern nicht
thun etc.
Dar noch czoch der junge herre vor tanrode, aber her stoimete
nicht, sundern her czoch vor nebra unnd schoss für in unnd brante
das us8, | aber dy borg er "werten sy. Dar noch czoch her an den U8
salberg by franckow3 kein deme clostere zu der pforten, unnd liss do
scherme machen unnd meynte sich vor nnraburg zu legen, unde das
zu gewynnen, unnd harrete do noch den bemen, noch den hatte her
geschicket^ der was XX tusent; dy logen zu pegow,1 unnd worn ge-
czogen dorch das lant zu missen, unnd hatten grossen schaden gethon.
Dy selbigen bemen hisch der junge herre, unnd schreib on eyn eit-
bruder.5 Also czoch her numborg vor ubir zu den bemen. Do nomen
ome dy von numbure: vaste wayne unnd volks abe, wanne in der
stad numborg worn grafe ernst von glichen, der russse von groiez,'1 er
herman harres. er apel vitczthum von tanrode etc. unnd vele redelicher
ritter: das was in der gemeynt wochen 7 unnd in der winerne: ufl dy
czit liss der junge herre dy von friborg unnd dy von wissenfels den
win alles abe lesse umme numborg hen, unnd toten den von num-
burg grossen schaden.
Hy czoch der junge herre das drittemal vor dy stad Gera
unnd logerte sich da vor mit den bemen, unnd dy bemen worn vor
gewest vor pegow. Do machten sy vele korbe von widen; unnd wereu
nicht andere bemen in der stad gewest, so mochten sy dy stad ge-
wiinnen habe. Also stormeten sy dy stad gera, unnd gewunnen sy
unnd branten sy gancz uss, unnd fingen dar inne den hern von gera8
unnd vele redelicher manschafft, das gar clegelich was, unnd vor seen
was zu mole schemelichen. wanne es was nicht wol bestalt. Es was
vele volks dar ynne unnd vele habe, das fürten dy bemen | alle mitten- t
ander on weg, unnd der herre von gera wolde sich nicht in des
jungen hern hant gefangen gebe, ir netto her sich lossen toten, sundern
in des jersicks0 hende, des bemschen hern; deme gap her sich gefangen,
unnd fürten on mit andern mansehafften, den borgrafen, den jungen
3 Ungefähr da, wo jetzt die Sanihäuser bei Kösen liegen, denn Frankenau
ist eine Wüstung nördlich von Kösen (s. Werneburg, OrUchaften und Wüstuugen
Thüringens, JAE XII., S. 64). Der Herzog Wilhelm lies* „Schutzdächer"
(scherme^ bauen, um die Belagerung Naumburgs beginnen zu können. 4 Pegau,
Stadt in der Kreishauptruaunscliaft Leipzig im Königreich Sachsen, an der
Elster. & „Eidbruder" = Eideshelfer: wir ergänzen ein „als4*, „als ihr Eid-
bruder." 6 D. h. „ein Reusse von Plauen", nach meiner Residenz Greiz ge-
nannt 1 S. Weidenbach. Calendarium IIistorico-( 'hristianum, 18*5, S. 184: die
Woche zwischen d. 1. u. 2. Sonntag nach Michaelis, in welcher täglich Messen für
die Gestorbenen gelesen wurden. * Heinrieh von Gera mit seinem ganzen
Adel, von dem die Vornehmsten unten genannt sind. Anemüller a. o. O. 8. 18
nennt diese Einnahme „das schwärzeste Blatt" in der Geschichte ( Jera« , so grau-
snm hausten die Böhmen. " Jersik — Georg, d. i. der spätere böhmische
König Georg Podiebrad (1457—1471).
Digitized by Google
26fi
211. Stuck.
von kerchberg, den grafen von orlamunde etc. Item der aide herre
hatte gross volk bye einander, unnd lag kunie chwo mile von des
jungen Horn hoir, unnd hetto dy stad gera wol gereth, unnd dy nein,
dy dar inne gefangen worn, hette her gewolt, unnd liss dy also vorterbe,
dy hern unnd dy habe, dy dy bemen vnczelich uss der stad en weg
brochten, unnd fürten das ussme lande. Unnd do der schade er
gangen was, do quomen dy gewaldigen unsers hern von mencz 10 in des
jungen hern heirvor gera, unnd machten do einen fruntlichen tag unnd
gütlichen ansteen unnd einen frede, unde den tag vortoydingeten sy zu
syne zu bamberg uff den zukünftigen sontag reminiscere; 11 in deine
fruntlichen tage brochten dy bemen das gut unnd dy hern en weg
uss demo lande. Item uff dy selbige czit wart es ouch gericht12 mit
den grafon von glichen unnd der stad erflorte eyn gutlich tag unnd
ansteen gemacht, biss uft niittefaston, wanne dy grafen hatten kein
dorft' meir, unnd dy stad erffort hatte noch vaste dorfler, abir sy worden
on des nachtes heymelichen an geleyt unnd vorbraut; den goburnwart
ouch vorboten von der stad by liebe unnd by gute, dy dorffer zu
rumen unnd dar inne nicht zu bliben etc.
211. Hy czocli der aide herre unnd der junge herre
heym | unde worden wedder gute ffrunde.
Also nu solch frede1 geteydinget wart, do czogen dy hern beyde
gebrudete heyin mit orem Volke, unnd hatten nicht vele fromen ge ant1*
Do ezoch kein rome grafe heinrich von swarezburg unnd er apel
vitezthura, dy disses kriges Ursache unnd anhebere warn, unnd wolden
ore sunde bichte unnd bussse. Dy wile machten dy andern rath geben
fruntliche tagekeyn einander, unnd leyten eynen tag keyn nwjrseborg, unnd
schiden anende,lb sundern sy vorteydingeten einen andern tag keyn
lu (»esandto des Kurfürsten von Mainz. Anemüller a. a. (.). S. 18 f.; „Das
grüsste Verdienst hierbei [d. h. um Herstellung des Friedens zwischen Kurfürst
Friedrieh und seinem Bruder Herzog Wilhelm] erwarb sich Erzbischof Dietrich
von Mainz, des röm. Reiches Erzkanzler. Dieser brachte es durch sein uneigen-
nützig, wahrhaft christliches Bemuhen dahin , dass der Kaiser Friedrieh III.
Kommissarien | Hans von Neuberg und Ulrich RedrerJ mit Vollmacht zur Er-
richtung eines Vergleiches ernannte, welche die beiden st reitenden Mächte nötigen-
falls unter Androhung d«-r Reiehsacht zu Ruhe und Frieden bringen sollten."
11 21. März 1451. Mi tf asten fiel im Jahre 1151 auf den 31. 3Iürz. Der
Friede zwischen Erfurt und Gleichen kam am Freitag nach Miserieordias Domini
(14. Mai Mol : zustande; die Urkunde befindet sich im Staatsarchiv zu Magdeburg.
211. 1 Der I Yiede zwischen Kurfürst Friedrich II. und meinem Bruder Wil-
helm wurde am 21. Januar M.r>l in Naumburg geschlossen; damit endete der
traurige sächsische Bruderkrieg. Wegen der Streitigkeiten um Schwarzburg ver-
zögerte sich der Friede bis Invocavit. d. i. bis zum 18. Februar 1453, s. Ane-
müller a.a.O. S. 19. Über die betr. Vertrage s. Rietlei, Cod. dipl. Brandenburg.
II, 4 S. 145 II'. ",,geanf' ist part. praet. von enden, mit Rückumlaut, fromen ^
„Nutzen" (s. St. ISOA.4), also hier: ,.sie hatten nicht viel Nutzen gestiftet.-'
,b „anetulc" — anc ende [a. den ScIiIues dieses Stückes) ~ „ohne Erfolg."
Digitized by Google
211. Stück.
267
nuniburg uff den dinstag tri um regum.2 Dar zu quam der lantgrafo
vou hessen, unnd der aide herre iag zu nuniburg, so lag der junge
herre zu fryborg, unnd dy von nuniburg leden gross gedreneknisso
von deiue jungen hern. Nymant torste on zu fure, noch von on füren,
unnd worn vaste betreten biss uff den selbigen tag. Der tag ging vor
sich, unnd werte by dryen woehen, dar zu quam margrafo frederich
uss der marg unnd margrafe albrecht, dy logen mit deme jungen hern
zu friborg, sundern margrafe albrecht reyt czwisschen den czwen hern
von friborg keyn nuniburg, unnd musten leuger dacne vierczen tage
stetelich unnd tegelich ubir dy brücken zu kosins ryte, wanne das
gewessere au der sal was also gross, das nymant könde uss kome.
LTndo uff deme selbigen tage worn nicht stete, wanne alleine dy von
erfforte, unnd dy von lipcz. Ess vor czoch sich gar lange in den
sachen ; unnd dy sache hemete sich gar lange an den gefangen, dy
der aide herre adir sin son domo margrafen an gewonnen hatten, dy
wolde der junge here yledig habe, unnd wolde den von gera | unnd »
den von orlemunde, unnd den borgrafen von kirchberg, unnd vole
andere hern , dy in der stad gera begriffen unnd gefangen worn, dyo
dy bemen en weg t'urteu, nicht ledig mache, das danne eynen yderman
unbillich duchte, unde werte also lange, das margrafe albrecht unnd
der lantgrafe von hessen doch also lange dar in retten unnd griffen
sich selber an, unnd brachtens dar zu, unnd underwisten den jungen
hern, das da billich whs, unnd beteydingeten das, das der aide herre
sine gefangen gancz unnd gar ledig gap, unnd der junge herre solde
dy von gera etc. unud was zum sehildo geborn were, von den bemen
euch ledig mache, unnd solden den eynen tag keyn egra* lege, keyn
den bemen, unnd vor suchten, ab sy dy künden ledig gemache ; künden
sy der nicht geledigen, so solden sich dy gefangen losse schatczen uff
or gut noch orem werde, unnd dy schatczunge sohlen dy dry forsten,
der junge herre unnd dye czwene von brandenborg, vor dy gefangen
gebe; dar über solden dy fursten beyde gebrudere unnd ouch dy
andern kegenenander aller sache gutlich bericht unnd gc oynit syn,
unnd was eyner deme andern an gewonnen hette, gutlichen wedder
gebe, unnd ouch oren rethen unnd manschafften eyme iglichen was
ome genomen unnd an gewonnen was, wedder kere, unnd dy czwene
brudere solden nummer wedder eynander gethu, sundern eyner demo
andern behulffen syn, unnd bystendig syn mit liebe unud mit gute.
Es solde ouch orer keiner vorder me bemen in das lant fure, unnd
guten trode ewiglichen halde, nach einor deme andern vorwerfte; unnd
dar in solden geslossen sin alle ore beyder helffere unvordechlich, Unnd
b rechten dy czwene | forsten gebrudere zu sammene in das closter zu uo
der pforten by nuniburg. Doswurndy czwene forsten mit uff ge nickten
tingern zu den heyigen zu haldcn, also is czwusschen on beteydinget
■ rt. Januar 1451. ;! Kü(*en, der bekannte Badeort an der Saale, Kreia
Naumburg. ' Egcr in Bölnnen.
Digitized by Google
I
268 212. Stück.
were. Unde dy fursten swuren zu sammene, margrafe frederich unnd
dy czwene fursten einen ewigen frede, unnd wart ouch beteydinget
ezwusschen den von mim borg unnd orem bissehoffe unnd deme jungen
hern, unnd was der junge herre schulde wedder den bisschoff und der
stad numburg hette, solde her schriftlich zu ou thun , unnd sy solden
or antwort dar uff thun; das solde der lantgrafe von hessen gancz
macht habe, sy dar uss zu entscheiden; was der spreche, das solde
denie jungen hern unnd der stad numburg mit orem bisschofle wol
unnd wee thun, unnd soldens dar by lossen blibe. Also wart der
fruntliche unnd gütliche tag gemacht von den forsten, unnd worden
alle ^gütlichen entricht. Dar umme wart der tag zu egra beruffen,
unnd do hene geleget umme der bemen willen, unnd umme der gefangen
willen von gern, unnd dy andern manschafft. Uft den tag reyt unnd
quam der junge herre, herezog wilhelin, mit den synen, unnd dy bemen
quomen ouch do hen, aber der sache wart nicht zu rechte gedocht, noch
vorgenommen, anders danne dy bemschen hern sprochen, sy hetten mit
deme jungen herrn nicht zu schicken, sundern mit deme alden hern;
wanne der do were ader dy synen, so wolden sy gerne von den Sachen
rede, al von der gefangen wegen. Also ging der tag abe ane ende.
212. Von lutczeliiborgk.
Item bynnen der czit in dorne jare, als man schreib nach cristus
gebort tusent vierhundert unde evnundefunffezig jar, umme sentc
v johans tag | des toufers, do starp* der herezoge von burgundien,1 der
do lutezen borg inne hatte, dar zu danne das frowelin dy konigen,*
herezoge Wilhelms, lantgrafe zu doringen, elicho gemal, eine neste
erbneme, unnd uft sy gefallen was unnd ouch zu metegift gegeben was.
Dar ummo zu reden, so schickten beide forsten, herezoge frederich unnd
herezoge wilhelm gebrudere, als sy na recht brüderlichen ein worn, dy
edeln unnd gestrengen grafen ernsten von glichen, ern jorgeu von
bomberg, unnd doctorem johan von allenblumen, eyn vitezthum zu
erftbrt,* kein ache; do quomen des herezogen von burgundien rethe
* HS: ichrplb; m hat die rUhtlge Lc»art (falsch ichon SagJttnriiu Hhrt . d. Qrafrchaft Gleichen
S. L"!7>.
I
212. 1 Philipp Her Gute hatte Herzog Wilhelm dos Herzogtum Luxemburg
und die Grafschaft Chymai, auf welche dieser Anspruch hatte , da beide ihm für die
ihm als Mitgift seiner Gattin Anna, ältesten Tochter Kaiser Albrechts II. zuge-
sicherten 120.1 hk) Dukaten verpfändet waren, streitig gemacht und den Gesandten
Herzog Wilhelms, den Grafen Kniet von Gleichen, aus Luxemburg verjagt; jetzt
sollte die Versöhnung eintreten. • S. ob. St. H)8 A. 5 u. 11. ' Der Vitzthum
i Vicedominusi war in Erfurt ursprünglich Vorsteher der Verwaltung des
er/bischöflichen Hofgutes, damals aoer (neben Schultheis* und Vogt) nur ein
richterlicher Beamter de« Krzbischofs. Über die Allenblumen , 8. St. 215 A. 4,
326 A. 30 u. 349 A. 3.
Digitized by Google
218. Stück.
ouch do ben, unnd bilden do tage keyn einander. Das werte lange
sundern es wart do guüichen betaget. Also logen disse teydinges
luthe lange zu ache, unnd quomen uff eine andere saehe von eyner
friete unnd machten do also eynen anslag, mit des berczogen von
burgundien sone4 unnd des alden hern, berczoge frederichs, tocbter etc.
218. Hir noch folget \vy der junge herre den
vitczthunimen,1 sinen retheii. gruin wart, dy do reelite
Ursache wom disses kriges des alden unnd jungen
liern gebrudei*e.
Als man schreib noch cristus gebort vierezen hundert unnd eyn
unnd fnnffczig jar, do was gesessen eyn jude zu erftort, genant schalam, 1451
der was eyn underkoufter3 unnd eyn undertolker,1' uff setczer4 unnd
betriger beyder forsten gebrudere unnd der von erftorte. Der selbe
jude was ern apels unnd ern bossen vitcztbum, des jungen hern rethe,
heymelicher rath, unnd alle ore heymelkeit eyn usstreger unnd erforsser
was. | Der selbe jude wart von deme forsten, deme jungen hern, ge- ui
fangen unnd umme syne schalkeit vorhort unnd so sere geworget, das
her starp in deme stocke. Der hatte do also vele bekant der vorgober>
unnd untogunt der vitezthum, das der junge herre dar uss markte, das
on dy vitcztbum ny mit truwen gemeynt hatten, unnd begunde den
vitcztbum, sinen retben, gram zu werden, unnd besante ern apeln, unnd
schaffte fruntlicho tage, unnd liss mit on rede umme das sloss koborg,
das her ome das hatte in fruntliehkeit in getbon, unnd ern bernhart
hatte der junge herre in gethon das sloss luchtenberg, das her in
amptes wisse inne hatte; das wegerten sy ome wedder zu geben. Das
4 Der später so hochberühmte Karl der Kühne von Burgund. Die geplante
Vermählung .mit einer Tochter Kurfürst Friedrichs II. kam aber nicht zustande.
213. 1 Über die Vitztliumsche Fehde s. Heinrich Kammermeister, h. v. Beielie,
S. 113—127 u.S. 214 mit der dort angeführten Littcratur; ferner Appendix vers.
germ. Vcteroccllensis chronic, b. MS(.i II., S. 427. Manches bietet auch Orig.
Sax. v. Fabricius S. 720 Die Libri dominorum von Erfurt (Staatsarchiv in
Magdeburg), welche meint nur Schreiben an Fürsten und Grafen, Bischöfe
und Äbte enthalten, Bd. III, 144^—1455, bieten wenig, z. B. (1451) sabbato
p. Cathriu. — 27. XI. Die libri Oominunium, welche die Briefe an die Vitz-
thume enthalten hatten, — Stolle weist ja auf solche Briefe hin — sind lür jene
Zeit verloren, denn f»ie beginnen erst 1471 Hingegen enthält ein Aktenfascikef
im Erfurter Stadtarchiv (XI. A. Nr. 2) einige Briefe (Originale wie Kopien) des
Kurfürsten Friedrich 11. und des Herzogs Wilhelm an den Rat, welch«; für die ganzen
damaligen kriegerischen Verhältnisse, und so auch für die Vitzthumsche Fehde
einer wissenschaftl.- genauen Darstellung jener Zeit einige Auslaute gewähren
werden. 7 Zwischenhändler. 3 Während sonst tolken =■ „dollnietschen " ohne
tadelnden Sinn bedeutet, ist hier wohl das Kompositum soviel als „Zuträger. Ver-
leumder". ' Feindselig — hinterlistiger Mensch, hängt mit dem späteren
..aufsässig", das einen milderen Sinn hat, zusammen. '"' Vorg:il>e mhd, vorteil-
hafte Stellung, hier mit dem Nebensinn «Im Unrechtmässigen; es handelte sieh um
Verschlechterung der Münze, s. Liliencron D. bist. Volkslieder d. D., 1., S. 44911*.
Digitized by Google
270
213. Stuck.
nam der junge her zu herczen, unnd gedachte, wy getruwelich her on
solche borge unnd lant ingetan hette, unnd hettc lant unnd luthe
durch oren willen zu gesatczt gross wedder sinen bruder, den alden
hern, unnd sy vorteydinget hette, unnd das sy onie also snielich mete
turn, unnd ome das sine wedder recht vor hilden, das wolde her reche.
Demo jungen hern wart ouch do by gar utfenbar, wy dy vitczthum
eynen besundern bunt mit den grafen, rittem unnd knechten gemacht
hatten, unnd dar umme hatten dy vitczthum den jungen hern vor
soest, uss deme lande zu doringen gefurt, in meynunge, das hererslagen
solde werde, uff das, das sy unnd dy andern, oro genossen, das lant zu
doringen mochten besitczen unnd behalde. Eyn solches bedochte unnd
betrachte der junge herre, unnd nam das sore zu hefczen, das her
v also gross ungetruwelichen | gemeynt wart. Do czoch der junge herre,
herczoge Wilhelm, keyn erflorte in dy stad, das was umme sente bar-
tholomous tag,'' unde liss zu sammeno bethe dy funfl rethe,7 dy czwey
stiffte, unnd alle doctores unnd meistere, uff das rathus zu erfforte,
unnd teth do sine anclage, unnd clagete, wy her dy vitczthurae, syne
rethe, gemeynt hette mit ganczen truwen, unnd hette sy vorteydinget,
unnd gross uff sy gesatczt, borge land unnd luthe on in gegeben hette,
unnd sy hetten ouch sin ingesegel vele jar inne gehat unnd sy dar
mete gethon, was sy gewolt hetten, unnd hilden nu ome das sine unnd
veterliche erbe vor, wedder got unnd wedder recht; unnd bat do den
rath zu erübrt, unnd alle dy da keyn wertig warn, das sy ome wolden
beroten unnd behelftlich sin, unnd dy vitczthum underwisen, das sy
ome lissen volgeu, was do sin wero, unnd das her on gutlichen in ge-
thon hette. Unnd also der junge herre nu kein erfforte komen was,
do toten ome dy von erfforte grosse ere, unnd vortrug8 sich do gut-
lichen mit der stad erflort, her wolde or ouch helffe unnd rathe, so
wolde dy stad ome wedder by stee noch orer vormoge. Von bethe
wegen des hern, so schreib dy stad erffort den vitcztbummen, unnd
sy schreben wedder also vel, das eyn tag gemacht wart keyn kuborg.
Do worn ouch andere hern unnd t'ursten hene gebeten. Sy teydingeten
umme dy borg do selbest, das dy er apel wolde wedder gebe; des
wolde her nicht thun, sundern es wart getaget sechs wochen biss uff
sente mertins tag; in des solde sich er apel bedencke, unnd deme hern
das lant wedder gebe unnd rume, bynnen der czit umme aller heiigen
14* tag.J Do quomen dy rethe beyder | hern gebrudere wedder von ache,
*dy do hatten geteydinget umme lutczelnborg, unnd brochten mit on
drissig franezosen ader walen, unnd eynen apt genant attrabatensis ; 10
den selbigen apt saeh ich dor noch zu rome, do wart her eyn cardinal
in deine nunden jare hir nach, unnd brochten ouch mit on eynen
ritten dy hatten volle macht umme dy trieto des alden hern tochter,
,: 24. August 1451. ' 8. oh. St. 205 A. 22. * S. Urkunde, 1451, Weimar,
Montag vor Knuzerhöhung (13. Sepibr. 1451) : Herzog Wilhelms Friede mit der
Stadt Erfurt (im Kgl. Staatsarchiv zu Magdeburg). " 1. November 1451.
10 Es war ein Abt aun Arras (Stadt, jetzt im Dcpart. Pa« de Calais).
Digitized by Google
213. Stück.
271
unde umme das lant zu lotczolnborg. Sy brachten ouch mit on grosse
cleynode unnd vele geldes, unnd quonien keyn erfforte. Das vor nam
er apel vitczthum zu koburg, unnd schreib em bossen unnd ern bern-
harde keyn cappelndorft unud wassonborg, sy solden gedencke, das sy
konden by dy walen kome, unnd dy fahen, ab sy urnnier kondon zu
gnaden kome. Er bernhart vitczthum richte sich uff' hofewerg, unnd
brochte zu sammene by funffczig pferden, unnd liss vor speten in der
stad erffort, wanne dy walen ryto woldcn. Do geleyte sy daniel, der
voyt von gotha, unnd der vitczthum zu erfforte doctor johan von allen-
blumen unnd sin son wilhelm, dy ich allo wol gekant habe, unnd
wolden ryto keyn numburg; unnd also sy quonien an den salberg keyn
hassenhusen. 11 Do er reyt sy er bernhart vitczthum mit synie hofe-
wercke,unnd fingsy uff denio kerchoffe zu hassenhusen unnd fürte sy uff das
sloss Cappelndorff unnd en teyl uff luchtenberg. Unnd daniel, der voyt von
gota, orgeleitsman reyt von on stille, swigende,das her keyn geruchte machte
biss kein erfforte, unnd «inte eynen boten keyn wymar dorne jungen hern.
Also richte der junge j herre gross volk uss unnd uff dy Strasse keyn deme v
bemer walde unnd vor lag dy, also das man dy gefangen nicht konde uss
deme lande breiigen; unnd der junge herre liss als Balde der vitczthum
borge vor rynne, nemelichen capellndorff, dorneborg, luchtenberg, Wassen-
berg, koburg, unnd andere ore festou, wo sy dy hatten, also rischlich,
das sy sichs nicht vor soheu, wanne dy vitczthum meynten, der junge
herre were nicht also ernst noch so torstig, dy wile es in deme wintere
wert», das her sich wedder sy leyte, mochte ess zu reden komen sin,
' wanne sy fingen dy walon dar umme, unnd den vitczthum von erffort
mit on unnd meynten, sy wolden ore sacho deste bas zu usstrago
brenge, unnd ouch dy ungnado, dy die forsten uff* sy gewant hotten,
zu gnade unnd zu richtunge brengen, unnd ditss geschach in der
wochen noch allei heiigen tage.12 Der junge herre bestalte alle strossse,
das man dy gefangen nicht konde uss deme lande brenge, unnd liss
dy sloss alle berynne als balde, also das dy vitczthum nicht mehir
volks zu on uff dy sloss brechten, wanne sy hatten wenig volk by on.
Der junge herre, der forste, wolde ouch des geleitssmans von gotha13
keyne gnade habe, unnd muste uss deme lande, wanne hette her eyn
geruchte gemacht in der czit, so were das lant volk uff komen unnd
noch gefolget in der pflege zu eckersberge, das sy dy gefangen nicht
hetten kont en weg brenge, wanne or was by XXXViiI, dy dogefangen
worn, so hatten dy vitczthum by funffczig pferden, do was er bernhart
vitczthum solbost mete, unnd eyner genant hartung sebinstete, dy worn
11 Hassenhauaen, Dorf im preuss. Kreise Naumburg a. S. '» D. h. zwischen
dem 2. ii. 6. November 1451. 11 Die Gesandten waren unter dem Schutze des
herzogl. Geleitsmannes von Gotha, Daniel, gezogen ; »1er Herzog hat gegen ihn
Verdacht, wenigstens Iteschuldigtc er ihn o!es Mangeln an Umsieht und Th'atkratt :
hätte er rasch Lärm gemacht, so wäre das Landvolk aufgestanden, und man hätte
den Räubern ihre Gefangenen noch abjagen können, ehe sie dieselben in ihre
festen Schlösser gebracht hätten.
Digitized by Google
272
214. Stfick.
houbtluthe, unde | was gesamment volk von grafen unnd ritterskn echten,
dy hatten das also eigentlichen nss der stad ertfbrt lossen vorkunt-
schaffen, das sy wüsten, wer under deine huffen was, linde ufl welche
czit sy quemen. Sy hatten euch wol czwene tage do selbst gehalden
ntt' den jungen hern, der was zu wissenteis; unnd hette her nicht de
gensit der sal gereten, unnd were ulf disse siten der sal uffeekersberge
gereten, so were her den vitczthum in ure hende komen, unnd hotten
on an geglitten. Ouch was her gar na also starg als sy. Also vor trug
sich11 der junge forste mit der stad ei Horte, das sy sich nicht solden
dar an ergere noch lossen vordressen, wy wol, das das sloss cappeln-
dorft" der von orftbrt ist, her wolde sich mit here da vor lege, unnd
vorsuche, ab her das gewynne konde. Do" was uffe der ritter, der ge-
fangen, unnd der junge vitczthum von erftorte, eyn borger, genant
wilhehn von allenblumen, unnd or was by -XIII oder X IUI, unnd ab der
forste das sloss gewunne, das solde den von erftorte an orer erbeschaflt
nicht beschedige; her wolde nicht meir dar an gewynnen, danne was
dy vitczthum dar an betten, danne es ist der von erftorte, unnd hattens
er apel in geton vor eyne summe geldes, unnd umme sehotczes unnd
umme vorteydinges willen, so sulden dar kegen dy von erffort vor
Wassenberg czeen, unnd das gewynne, ab sy konden eynigiicher ufl*
syne kost (Jewunnen sy das, so sohlen sy das inne behalde, so lange
das on cappelndorfl" wedder worde.
214. Hy ezogen dy von erffort vor wass<»nl>org.
t Als man schreib nach cristus gebort tusent | vierhundert nnnd
1451 eyn unnd funff'czig jar am montage noch martini.1 Dorch bethe willen
des jungen hern, herczoge Wilhelms unnd lantgrafe zu doringen, ezogen
dy von erffort uss mit macht vor das sloss genant wassenborg, unnd
brachten dar vor grosser buchsen sechse, unnd logen dar vor nicht
vollon vier wochen, unnd zu schössen das, das es nidder vil, unnd
gruben eyn loch under der erden, gar nahe andortWbhundert elaffter
lang under dy borg. Das wüsten dy nicht uff der borg, wanne sy
gruben graben, do sy inne geen unnd steen mochten; also hetten sy
iss mit deine graben gewunnen, so schössen dy andern oro partio, dus
» HS u hrollit: Cappolndor.
" S. das Schreiben Herzog Wilhelm» an den Hat von Erfurt wegen der bur-
gundischeu lie*andten, IV. p. ouin. snnet. — 5. November 1451 in den Libri domi-
norum a. a. (). fol. 201. FVrner: die l 'rkunde im Magdeburger „Staatsarchiv
Dienstag vor Martini -- 9 November 1 IM : Herzog- Wilhelms Übereinkunft
wegen der Wiedeleroberung der tiuhlüsser Wachsenburg und ( apelleudorf. letztere»*
belassen die Erfurter seit )H4S, *. BE r*v 184.
214. ' Am l.">. November 1-151 . Über den Zug der Erfurter vor die Waehsen-
burg «.ein histor. Volkslied, da« E. E. Hesse in Haupts Zeit sehr, f . dtseh. Altert.,
Bd. VÜI S. 470-470 aus einer Jenaer HS iMs Btider fol. 145 Bl. 308* bis 3l0a)
mitteilt, und das Eiliencron, Die bist. Volkslieder d. Deutsehen I, 1865, S. 443 -449,
wieder abgedruckt hat.
I
Digitized by Google
214. Stück.
eyn gross stucke der muren umme vil, unnd eyn keminenate. Do
riffen dy uff der borg frede, unnd erboten sich dy borg zu geben, unnd
dingeten uss pferde, barnasch unnd was or were, unnd sageten on das
zu. Also was vaste geldes ufl der borg, nngerisch unnd rinsch golt,
als man fant sechs tusent gülden, unnd vaste vil brefle, dy worn or
bossen vitczthnmmes. Das gelt hatten dy uff der borg also by sich
brocht unnd vor nehit, in jopen, in hosen, in satele, in kochere, in isen-
hnte, unnd meynten, das gelt en weg zu brengcn, unnd hatton willen-
gehat,1' des nachtea von der borg zu komen mit (lerne gelde, unnd dy
borg lossen steen. Dy wile, das sy teydingeten unnd dingeten, do
schicketen sich dy gesellen, dy da uff der borg worn, zu oren pferden,
unnd meynten also balde von dannen.1b Do was das thor also hart vor
tammet2 unnd mit miste vor ronety* das man kume eynen tag konde
dar zu gerume,* unnd musten ubir nacht dar uffe blibe. Also hatte
der gesellen eyner eynen isenhoyt besit brocht unnd besrhorren/' den
fant eyner | der von erfforte trabanten, unnd fant dar inne raee danne m
czweyhundert gülden an golde. Item so enpfilen oynem uss eyner
Steffeln*5 czwene gülden. Also wart das uffenbar, unnd griffen* sy alle,
dy uff' der borg worn, unnd satozten sy in den torm in der nacht,
uund besuchten sy, do funden sy by on dryhundert XLII ungerisscho
gülden, unnd aehczeen liundert unnd XXII rinsche gülden, unnd anders
geldes also vele, das es macht an der summe melier danne sechs tusent
gülden. Unud dy hatten vor zu den heiigen gesworn, sy wolden nicht
mee neme, danne pferde unnd harnasch, das or were, unnd worden
also meyeneyde; dar umme greift man sy, man hette on sust gohalden,
was man on gereth hatte. Das schreben dy Vorsteher unnd houbtluthe
deme rathe zu erffort, unnd dy quomen en uss keyn wassenborg, unnd
holten dy gefangen unnd das gelt mete, unnd noraen dy borg in, unnd
fürten dy gefangen keyn erfforte, der was XX VII. Dar under was eyn
houbtman genant kerstan von hayn, der was gesessen zu alden guttern,7
das was sin halb, unnd mit onie was öuch eyn houbtman genant
thomas von der tannen, deme wart uff der borg dy stern abe ge-
schossen, das her zu haut starp; unnd do der starp, do was on der
trost enpfallen, wanne sy hatten keinen man mee, der mit den buchsen
also wol künde also her. Sy hatten gute buchsen, sy hatten abir nicht
»IIS: griff.
,a willenhaben, muudartlielic Bildung nach der Analogie von (mlid) willcnvarn.
,h Ergänze: zu flien. * Md vortammen mlid vertammen — - verdoumen, swv. „ver-
stopfen". :l Md vorronen mlul verrunen, swv. = „verrammeln, versperren." ' ( Je-
rümen = ,,1'latz machen." ' Bencherren = „verscharren." ,; Md Bteflel, swf, i^t
= mhd *tival (u. vielen and. Formen), da* aber ma»cul. ist. 1 Altengotteru,
preuss». Dorf im Kreise Langensalza, Kegln«. Erfurt. Ihm fallt wohl die Verant-
wortung für den Vertragsbruch zu, den Stolle vorher ausführlich erzählt hat;
mehrere Schreiben hierüber und die Behandlung der Gefangenen s. i. d. Libri do-
minorura Bd. III, aus d.J. 1452, bo fol. 217 (Vigil.z. puritic. Mariae. 1. Kebr. 1452),
oder üher den anderen Hauptmann Thomas (i.d. Briefen: Antonius) v. d. Taimen
fol. 281 (Domin. Cantate, 7. Mai 1452).
K. Stolle« MeniorlaU». ]S
Digitized by Google
215. Stück.
buchsen nieisters. Ouch wart on dy wore also von stunt abe geschossen,
wanne dy von erfforte brachten ore buchsen also nohen an, das sy on
nicht er were konden. Das geschach des nachtes mit behendickeit.
• v Dy von j erfforte reckten unnd schregen uff eyme orte also sere in der
nacht, in »llermos.se also, ab sy dy buchsen fürten, abir sy brachten
dy buchsen an deme andern orte stilleswigene en an, unnd der buchsen
was sechse, also das sy in der borg nyrgent sichern worn etc. Also
man dy gefangen in dy stad brochte, uff den sonabent noch unsser
lieben frowen tag concepcionis,8 satczten sy der enteyl in dy tem-
nitozen** unnd enteyl liss man in dy herberge, unnd das gelt, unnd was
sy uff der borg funden von gerethe, von wollen, von wyne, von körne
mele, salcz unnd haflern etc., wart irrethum in der buthe,-' wanne das
volk hatte gereite enteyl gehütet, eher der rath dar zu quam,
unnd hinder deine rathe, unnd wart nicht also wislich vorgenomeu, also
man sohle gethon habe, unnd enpfolen was, idoeh so rauwete sich der
rath dar inne also sere, das es entricht wart, wanne dy reisingo unnd
dy dvnere wolden alles das habe, das uff der borg was, unnd den
sebutczen unnd dy trabanten solde nichtes werde, dy dye borg ge-
wunnen unnd er ließen, eher danne sy sy gaben.
215. Hy czocli der junge herre vor luchtenberg
unde vor eappel ndorf f.
Noch deme als dy von erfforte wassenborg gewunnen hatten, do
czoch der junge herre vor das sloss luchtenberg, dar uffe was er bern-
hart vitczthum, unnd dar uffe der gefangen enteyl, den apt von franck-
rich, unnd den viczthum von erfforte doctor johan von allenblumeu.
Der apt was welsch unnd konde nicht dutczsch, sundern der vitczthum
von erfforte was eyn cluger wiser man, unde konde wol bedencke, wo
U5 zu es kome mochte. Der | rith unde under wiste ern bernharten vitcz-
tum, das es nicht zu thune stunde, zu fechten wedder den jungen hern,
wenne sy uff" der borg keyne rodunge1 nicht en hetten, also konde her
der borg vor deme fursten ewiglichen nicht er halde, wanne sy lege in
des fursten lande, euch so were her eyn ernster man, unnd solde Vor-
gang habe, was her vor neme, her tete bas, das her sich in gnade gebo
keyn ome, her wolde ouch dar zu dyne unnd rathe, sine sache mochte
besser werde danne also. Also teydingete der vitczthum von erffort
dar czwisschen, das her sich in guade gap, unnd czoch von der borgk,
sundern sin frowe bleib nach dar uffe lange czit, uund der furste gap
ern bernharde vitcztum geleite vier wochen in syme lande, das her sin
ding vor ebente; dar noch so wolde her on sichere uss deme lande,
unnd geleite gebe, das her czoge, wor kein her wolde, unnd fürte on
als balde vor Cappelndorff; do hatte der furste gereite IX adir X wochen
8 1 1. D<«embcr 1451. ** S. 8t. U09 A. i». 0 „Streit und Zwwtigkeit bei der Beute."
215. 1 Md reduug = uilid ritunge, stf., „Reiterei".
Digitized by Googl
21o. Stück.
vor gelegen, zu erweichunge schinsteten 2 uund dy uff der borg worii;
wanne sy soen wol, das er bernhart vitczthum syne borg gegeben
hatte, so solden sy Cappelndorff ouch gebe; das wolden sy nicht thun,
sundern sy hatten der gefangen vaste2* dar ufle, den ritter, den jungen
vitczthum von erflbrte unnd vele knechte. Dar noch entliff der junge
vitcztlnun, als sy zu einem male dy gefangen wiston. ab sy noch lede-
gancz3 weren. Ein jüde, genant slemichen, der htflte den jungen vitcz-
thum von erffort an einem stricke unnd vor sach, das her ome ent-
ruckte1 unde vil in den graben, unde ontlitt, unde | quam zu unser v
lieben frowen zu deme czegenhayn,Ä dy on gnedicklichen dar von halff.
Die vitczthum behilden dy borg. Der furste schickte sich dar nach unnd
bestalte noch mee volks, unnd ineynte dy borg zu stormene, das wart
ome wedder rothen von deme alden hern, sinem brudere, wanne her
muste vele Volkes dar vor gewoget habe, unnd ezoeh mit deme sel-
bigen volke vor dorneborg, unnd liss graten adoltt'en von glichen0 mit
eyme here vor cappelndorft" blibe czwene adir dry tage. Also teydingete
grafe adolft vel mit den uft der borg, das sy dy borg geben, unnd
dingete vor lip unnd lede,7 unnd welcher im lande blibe wolde, den
solde man behalde, unnd welcher nicht blibe wolde, den sohle man ge-
leyte uss deme lande. Also reit or vaste en wegk uss deme lande by
XX adir meer, sundern schinstete unnd der jftde slemichen bloben by
graten adolffe von glichen, unnd worden sin eygen. Also worden dy
gefangen alle loss. Also lag der junge herre mit den steten Erflbrte,
northusen unde molhusen vor dorneborg dry wochen, unnd der aide
herre unnd sine stete hatten vor lange da vor gelegen, unnd also dy
von erflbrte do hene komen mit orem volke, do goben sy dy stad von
stunt, sundern eynes tages davor, do was er bossen frowe by deme
jungen hern im here gewest, unnd steig über dy muren, unde der
junge herre hette er gerne wedder gegeben isserstete unnd ebeleuben,
unnd darzu ander gerothe unnd hussrath, das sy dy borg dorneborg
unnd dy stad gegeben hette; das wolde sy nicht thun. Dar noch nicht
- Härtung Kammermeiater a. a. O. S. 120 bezeichnet ihn genauer als Dietrich
Schynstett, Hauptmann Apels von Vitzthum auf der Burg Gahlendorf. S.
St. 209 A. 5*. Niederdeutach, = „vollständig" (besondere von Siegeln und Ur-
kunden), „unversehrt", s. Schiller und Lübbeu, mittelniederdeutsches Wörter-
buch II S. U4«; auch von Crecelius, OberhesBisches Wörterbuch S. 5ö9 f., erwähnt
als lideganz (aus lid, — Glied, entstanden aus ge-lied, letzteres in Augen-lid, u.
ganz) — » „ganz an den Gliedern, unversehrt". * „Entrücken" ist hier abweichend
vom sonstigen Sprachgebrauch intransitiv gebraucht, ■= „entfliehen". Es war
Wilhelm von Allenblumen. Sohn des Yitztums Johann von Allenblumen, also
eines Gerichtsbeamten des Erzbischofs von Mainz in Erfurt, da die Erzbischöfe
dieses Amt, wie auch ihre anderen, an Erfurter Bürger verpachteten.
1 Ziegenhain, Dorf im Verwaltungsbezirk Apolda im Grossherzogtum Sachsen.
6 Nach Härtung Kammermeister a. a. O. S. 121 ein Fcldhauptmanu des Herzog»
Wilhelm. 1 Das md stf. lede = „Freiheit" ist nicht gemeindeutsch geworden,
sondern nur das davon abgeleitete Adjectivum: mhd ledic oder ledec ,frei';
Wackernagel im Glosaar z. s. Altdeutschen Lesebuch s. v. ledec leitet es von litten
„geben" ab, also — „freien Ganges."
18*
Digitized by Googl
!
270 216. Stück.
i4c lauge, bette sy is gerne | gethan, do wolde der herre nicht, sundern her
wolde dy borg mit gewalt gewinne. Also logen sy etliche tage da vor,
unnd zu schössen dy borg so sere, das dy tonne nedder fyln unnd dy
luthe uff der were vor fyln, das sy sich siecht musten gebe in des
furston gnade. Also nam der furste dy borg in, dy was gar sere zu
schössen, unnd fing alle dy, dy uff der borg worn, unnd sante sy keyn
jheno, unud ero bossAi frowe sante her keyn apolde mit oren kindern.
Do musten dy Junckern von apolde vor rede, das sy dy wolden be-
ware, wanne ern bossen frowe war der selbien junckern swester, unnd
der furste Jiss der gefangen ouch enteyl richte zu jene. Der furste der
hatte em bernharden vitczthum geleyte gegeben in syme lande eyne
czit unnd zu gesaget, unde wolde on lassen geleyte, wanne her uss
deine lande wolde, das her sicher czoge, wor keyn her wolde: das wolde
er bernhart nicht erbeyte, unnd machte sich utt selb achte, unnd nomen
Imsen gorn * uff ore rucke, als ab sy wolden hassen tauen, unnd gingen
tag uund nacht, unnd meynte, her wolde also uss deme lande czeen
vor holen, unnd mochte ouch eyne summe geldes by sich genomen
habe, also dy rede ging achte hundert gülden, unnd als her quam
umme lobesteyn,1* do worden sy erre uft' «lerne geholcze, unnd gingen
fragene unnd quomen von eynander, unnd eyner quam in deme walde
in eyne Hutten, den fingen dy walt luthe; do quomen noch cwene, der
griffen sy eynen, der andere entliff, unde quam weddei zu den andern,
v unnd sprach, das dy | czwene gefangen wem. Do quam er bernhart
mit den andern sechsen, unnd hl in dy hutten unnd nam dy czwene
wedder er uss. Do quam das lant folk uff unnd fingen ern bernharden
unnd syne dynere alle, unnd brachten sy deme alden hern von gera,
der satczte sy in etc. Hye had disse historia eyn ende.
210. Hy czocli der junge lierre zu deine heyligen
grabe keyn jlieriisalem.1
14fil Nach cristus geburt tusent vier hundert unnd eyn undesechczigisten
jare ist goczogeu zu deme heiligen grabe umme ablas unnd gnade
willen der hochgoborne furste unnd lierre herczoge vvilhelra zu Sachsen,
lantgrafe in doringen unnd margrafe zu missen, unnd nam vor sich
zu czene und czoch zu deme heiligen grabe über meer, unnd theth das
« t= „Garn, Netz", hier also ein „Hasennetz". 9 Lobenstein, im jetzigen
Fürstentuni Keuss jüngere Linie.
216. 1 S. Härtung Kammermeister hg. v. Reiche S. 1«4 — 196 nebst der dort
verz. Litteratur, aus welcher besonders hervorzuheben ist Johannes Falke. Herzog
Wilhelm* III. Reise in da« heilige Land 1461. Archiv f. sächsische Geschichte, IV.
1866, S. 283—320, welcher auf Anregung Heeses nach 2 Manuscripteu in der
Gothaer Bibliothek (Cod. chart. A. No. 159, 4", Hl. 197- 205 u. R No. 54) arbeitete:
Beschreibung Her Reine, Ergänzung dazu, Berechnung der Kosten. iStolle ist
nur wichtig, weil er die Teilnehmer am vollständigsten angieht: 1. die Grafen
Digitized by Google
216. Stück.
277
mit rathe siner grafen, hern, ritterschafft unnd steten/ Item
disse nachgeschrieben hern sint alle mit deme obgeschrebeu hern unnd
forsten geczogen zu deme heiigen grabe. Zum ersten grafe lodewig von
glichen, grafe heinrich von stolberg, grafe gunther von swarczborg, grafe
erwin von glichen, grafe hans von honsteyn, grafe ernst von hon-
steyn, burgrafe albrecht von kerchberg, herre heinrich russe
von plawe, herre vith von schonenberg herre zu gluchowe, herre
otto schencke von landessberg herre zu sydawe, hans unnd joige
schencke j zu tutenbergk, wolff von senssheym herre zum swarczenberge, 147
acharius von poppenheym erbmarschalk.
Rittereb: jorge vitczthum von apolde, apel von ebeleyben, hans von
wangheym , heinrich von bonow zu scolen, heinrich von bunow zu
droczk, bastian von kerchberg, melchiar vitczthum, heinrich von witczo-
leuben, rudolfF marschalk, werner von hansteyn, frederich theme,
heinrich von wolfestorff.
Rittere uss francken, beyern unnd c osterrich : otto von lechtensteyn,
wiprecht wolffkele, cristofel houfelder, ulrich von arnsberg, heinrich
tandorffer, Conrad hartensteyn.
Rittere uss missen: jorge von sliniczd, caspar von schowenberg,
Bitterich von schenckeberg.
Rittere des von stolberges; hans knuth, Conrad gerraar, cristoftel
vom rode.
Rittere des von swarczburg: jorge vonslotheym, kcrstan von slot-
heim, heinrich von ruxleuben, caspar schutcze.
Rittere uss hessen lande: Tylo von kostenrode,6 bode von bodenhusen.
Geistliche personen: hunolt von Plettenberg' doctor in der erczdie,
er heinrich lessemeister bichtvatear barfusen | ordens, er henning ▼
cappelan , er johan eyn prister bodenhusen dyner, er kerstan von stad
northusen doctor barfusen ordens/ mit deme hern von stolberg unnd
syn bichtvater; er herman holczapphel barfusen ordens, er heinrich
jacobi cappelan des von stolberg.
» HS Mtst noch gethon hinzu: der VerTaner fällt aus der Konstruktion. b g hat Doch uas
Düringen. < g : und» an. d g : Caspar von Senönbergk , Dltterich von Sclionbergk.
• g: Köi tinrode. ' g: Planthlnborgen. 6 fehlt tu g.
und Edol Herren: hier Aeharius v. Pappenheim noch erwähnt. 2. Die
Kitter: hier noch genannt, wenn mau von ungenauer Bezeichnung absieht bei
Friedl ich Theme = Dune, Caspar vou Sehowenberg und Dietrich von Schenkenberg,
wo bei Kummermeister Caspar und Dietrich vor Schon bergk steht, endlich Wölfl"
Koll = Wiprecht Wolffkele bei Stolle — Cristofel Houfelder, Ulrich von Arnsberg,
Heinrich Tandorfer, Conrad Hartensteyn, Kerstan von Slotheym, Heinrich von
Ruxleuben, Caspar Schutcze, Tylo von * Kostenrode , während bei Kamniermeister
mehr vorkommt Thiele von Kesselingerocke. 3. Geistliche: nur Hunold bei
Kanimermeister. 4. Ehrbare Knechte der Grafen, Knechte und Diener der
Fürsten und gemeine Knechte fehlen bei Kammcriueister ganz. 5. Von
den Bürgern tindeu sich bei letzterem nur die zuerst genannten Ziegler und
Hottermann aus Erfurt. Jedenfalls aber haben Kammormeister und Stolle
dieselbe Quelle benutzt, letzterer nur ausführlicher. Die Fahrt selbst schildert
Stolle merkwürdiger Webe gar nicht
Digitized by Google
278 217. Stück.
Erbar knechte der grafen: frederich von kussbade, ebeleuben
dyner; jorge von wildenborn, der schencken dyner; henning von Berkow,
stolbergers dyner; hans von solmenicz, des rusen dyner; herman gans,
grafen lodewigen dyner; hans von schinstete; schencke von sydowe
diner; hermann henning unnd heinrich molich, der von honsteyn
dyner: conrad flanss unnd hans schiding, knechte; hans von barowe,
jorgen von slynicz dyner; hans von ulssin, hans knuth knecht.
Des fursten knechte unnd dynere: pawel norbe, schencke; hans
brun, burger zu wymar, kuche raeister; apel steynhuse, schriber des
forsten; jacoff ufflande, talmetczscher ; hans kumpfan, kammer dyner:
hans koch; heinrich koch; stenczel, uff treger der kuchen.
Gemeyne knechte: hans fyneberg, des von swarczburg; peter
ii« brenser, des burgrafen; | hans syder, grafen erwins knecht; claus d.,
des von senssheym knecht; ullen, tandorflfers knecht; kerstan lorencz,
witczeleuben knecht; heinrich schalam, der von hansteyn knecht; jorge
otto, otten von lichtensteyn knecht; kylian, der von schowenberg knecht;
hans koch, des von stolberges knecht. Jacoff eyn gemeyne knecht
Burgere uss den steten:* rudolff czygeler, hans hotterman, von
erfforte; niclaus muffel, hans mogenhoffer, von nornberg; herman
kollestete, von stad niolhusen ; hans brun, von northusen ; berlt Sperling,
der starb zu rodiss; ditterich von wertern, von stolberg. Do worn
ouchb meer personen. Etliche uss hispanien, etliche uss franckrich, etliche
uss engellant
1482 Anno dm M°CCCC°LXXXn an sente lamperten abende starb2 dusser
hochgeborner furste lantgrate wilhelm zu doringen, unnd starb zu
wimar uff dem sloss unnd wart begraben do selbest zu wymar in der
barbessen kloster.3 |
y 217. De obitu gersici et rockencani 1 in boheinisu
hu anno domini M°CCCCLXXI.
Post- debitani obedienciamc oracionum, ut negocia legacionis
vestrae4 felicem sorciantur elfectuni, utinam domino* acceptaruin
• cxwev «etat k hinzu. b muten setzt g hinzu. c obedlcntiam O. d v<'«tra<-
fehlt In St. « deo O.
■ 16. September 1482. " In dem von ihm selbst im Jabre 1453 erbauten
Frauziskamerkloster, später (n. Galetti, IV, 8. 217> in der Peter- und Paulskirche.
217. 1 Magister Johann Kokyzana war der einzige (Ende Septemljer 1435
erwählte) Erzbischof der böhmischen Utraquistcn, welcher ein halbes Jahrhundert
an der Spitze ihrer Kirche stand, ihr geistiges Leben regelte und ihre Be-
wegungen leitete. ,,Es Ut in der That schwer zu sagen, was ihm in dieser Welt
mehr zu teil wurde, ob Liebe und Verehrung oder Hast* und Verabscheu ung. Ge-
wiss hat das 15. Jahrhundert keinen Mann gesehen, gegen welchen sich mehr
Zungen und Federn in Bewegung gesetzt haben, als gegen ihn. Nach dem
Zeugnisse seiner Jünger hätte er als ein Heiliger gelebt und wäre als Seliger ge-
storben ; nach dem der Gegner aber führte er ««in gottloses , verbrecherisches
Lelxm und starb in Verzweiflung" (am 22. Februar 1471 zu Prag), s. Franz
Palacky, Geschichte Böhmens IV, 1, S. 662 u. 663.— Erat nach dem Tode Rokyzanas
Digitized by Google
217. Stück.
279
frequenciam, reverendissime in cristo pater ac domino graciosissime.
Quamquam»reverendissimam paternitatem vostramb minime fugere nun
• Qoemqaam 8t. * fehlt in O.
versöhnte sich der seit 1466 im grossen Kirchenbnnnc befindliche König Georg mit
der Kirche und starb einen Monat darnach seibat (Wetzer u. Welte, Kirchen-
lexikon, 2.A., her. v. Kaulen, VI. Bd. s. v. Hussiten S. 501 u. 506). — Der von
Stolle mitgeteilte, aber am Anfange verstümmelte Bericht ist, wie die Anrede
beweist, an einen hohen geistliehen vorgesetzten gerichtet und ist unter dem un-
mittelbaren Eindrucke der Ereignisse von dem unterzeichneten Dechanten von
ßunzlau und Prager Domherrn Siegismund verfasst. Die Prager Domherrn,
die eine andere Stellung nicht hatten, weilten während der Sedisvaeanz des erz-
hischöflichen Stuhles von Prag vom Jahre 1421 an teils in Zittau, teils in Olmütz,
seit 1451 bis zum Tode des Königs Georg Podiebrad (am 22. März 1471) in
Pilsen, von wo sie unter König l^adislaus nach Prag zurückkehrten und an
seiner Krönung am 22. Aug. 1471 teilnahmen. Siegismund ist also keinesfalls Augen-
zeuge vom Tode Rokyzanas gewesen. Das Schreiben ist entweder an den Papst
Paul II. selbst oder, was wahrscheinlicher ist, an den päpstlichen Legaten Laurenz
Rovarella, Bisehof von Ferrara, gerichtet, welcher in den vorhergehenden Jahren
in die böhmischen Wirren sehr thätig eingegriffen hatte. — Die Quelle Palackys
ist eine Handschritt in der Bibliothek des Kardinals Ottoboni gewesen. Iu
diesem Bericht wird ebenso die Anschauung der streng- katholischen Partei
widergegeben , wie sie sich auch in einem anderen Berichte eines frater
Johannes Aquensis (Palacky a. a. O. S. 66ft A. 456 nennt ihn „den Mönch
Wodniansky") findet. Palacky giebt beide Berichte in den Pontes rerum
Austriacarum, 2. Abteilung: Diplomata et acta, Bd. XX : Urkundliche Beiträge
zur Geschichte Böhmens und seiner Nachbarländer im Zeitalter Georgs von
Podiebrad, 1860, S. 661— 663 u. 664— 665 (ex codiee manuscr. bibliotbccae emin.
Card. Ottoboni — aus Schannats Nachlasse mitgeteilt von Höfler), doch ver-
hält er sich (i. d. angef. Aum. 456) ablehnend gegen beide Berichte, welche das
Gerücht verbreitet hatten, Rokyzana sei vor seinem Tode zur Erkenntnis seiner
schweren Schuld als Volksverführer gekommen und hat« sie auch bekannt;
„wenn aber solches auf Wahrheit und offenbaren Thatsachen beruhte, so hätten
diesen Umstand gewiss weder der Prager Domdechant Johann von Krumau in
seinem Briefe an den Legaten Rovarella vom 12. März 1471 noch auch Peter
Escheloer verschwiegen, der ausdrücklich sagt, Rokyzana sei in seiner Ketzerei
verstockt gestorben ; und auch lxi anderen Schriftstellern fanden sich Spuren
davon." — Da der Ottoboninche Codex einzelne bessere Lesarten als der Stollesche
Text, dessen Quelle wir nicht kennen, bietet, aber doch auch viele Fehler hat (z. B.
solche, die durch Überspringen von Zeilen entstanden sind), so ergänzen sich
beide, und unter Zugrundelegung des Stolleschen Textes (mit St. T>ezeichnet)
haben wir es mit Zuhilfenahme des Ottobonischen Codex (mit O. bezeichnet)
versucht, einen lesbaren Text herzustellen, wobei selbstverständlich die nur
orthographischen Abweichungen unberücksichtigt bleiben. — Eine andere katho-
lische, natürlich Rokyzana auch feindliche Tradition vom Lebensende des tie-
nannten und von seinem Verhältnisse zu König Georg Podiebrad findet sich bei
Schlesinger, Geschichte Böhmens, 1869, S. 375: „Der Utraquistcnbischof wird
häufig als der böse Ratgeber des Königs hingestellt. Als Rokyzan, der einen
Monat vor dem Könige starb, erkrankt war, soll ihn Georg mit einem Besuch
bedacht haben. Rokyzan habe noch jetzt dem Könige abgeraten, mit Rom zu
unterhandeln, Georg aber geantwortet: »Meister, du hast nun lange genug ge-
meistert; jetzt überlasse das mir, hätte ich deinen Ratschlägen nicht gefolgt, so
wäre ich ein ruhmvoller König, und die armen Böhmen würden jetzt nicht vor
Hunger sterben." * Der Anfang ist entweder verstümmelt und darum nicht zu
verstehen, oder mau muss obedienciam in obedienciuin ändern und verbinden:
post debitam obediencium oracionum . . . frequenciam ; das eingeschaltete utinam
domino aeeeptarum ist für das hier dargebotene Latein nicht verwunderlich.
Digitized by Google
280 217. Stück.
dubiteni illius* heresiarche dampnate memorie johannisb do rockencana
mortem in vigilia beati mathie apostoli3 contigisse, de qua cristi fide-
lium non modicum tripudium hussitarum« verod permagnume suborie-
batur lamentumf in terra nostra. De quo quidem* infelici obitu varia
per loca currith fama, sed non rei geste per omnia consona. Ea
proptor, reverende pater, vestram paternitatem1 hiis de rebus cer-
ciorem reddere curansk humilime nosse exopto, pro speciali consola-
cione conclusionem 1 vite eius in nunc modum factam. Cum eninim
heresiarcha ipsen iam aliqua die0 decubuissetp in lecto doloris et
futurum supplicium penitenciarumq pena minimumr pregustasset , iusto
dei iudicio compulsus est* errorem suum confiteri et divine sentencie
consonare1 ac sepius dieero: „ve michi, ve michi. et in eternum ve!u
Que verba alumpni et serviu ipsius et capellani aliquando' audientes
cum omni diligencia caverunt,w ne in eorum confusionem ad lucem
pervenire possent,* \ nec cuiquam aecessum ad ipsum prebuere. Sed
quod prius* nephandissimi* oceultare querebant, ibi prodiit tandem**
in palam. Nam certo die Gersicus, M* rex Bohemorm, misit quendam
militem sue curie ad hereticum Rockecanamcc indd nomine suovisitan-
dum et consulandum. Intimans* sibi per eundem militem, *• si qua
nosset medieamina/' quibus« refocillari posset, rexhh sibi promptissimo
animo proeuraret, etiam11 si de Veneciis adduci oporteret. Postkk hec
saltora, si non plene unaretur, tarnen pro suorura unitate et salute
vitam suam prolongaret. Ad quod prefatus Rockecana" nec verbum
quidemm,n respondit. Cumque1"1 miles verba repeteret, et, quid regi
remandari iuberet, instaret, miser ille respondit: „ve michi, ve michi,
et in eternum ve! sie renuncia regi,00 domino tuo: quod heu tarn
multos homines seduxi et ad dampnacionem mi8i,pp quos^ oportebit
ad penam me sequi." Heo audiens" miles mirabatur ac, si compos
racionis ista proferret, ab eo" sciscitabatur. Respondit miser üle:lt „ex
bona racione loquor; et iterum dico, ut renuncies domino tuo, quod
nunquam extiti legitimus sacerdos, sedou simulatis sacramentis populum
delusi, et heu iam non superest tempus penitencie." Videns autem
* miles, quod nec an im um nec verba niutaret," valedicens | ei rediit ad
regem Gcrsiconemww tristis" dolorem cordis vultus in mutacione17
* UHu» fehlt in 8t. b Johnnnl St. « haerettcJg O. d HuiaJtJa Mtxt O. hinan. « mag
num O. • tormenttim O. * fehlt In O h percurrlt Ioca O. 1 revereodae |j«ternitaU
vettrae O. * volo (>.. wo die Worte haiaillliDe bis factum fehlen. 1 coiuoUrioue St.
'» fehlt lu O. » ille O. " aHquamdlu O. P recubateMt 8t. * praeeeatium O.
r mlniiue St., poeuaruin nuntio O. • de ie fcritatcm profiterl O. 1 connoiiaoa dlcere
•aopliia O. «et nervi fehlt in O » aliquotl««. » fehlt In 8t. * hier lie*t St. cavore.
r po«t St. > rei veritatcin aetzt 8t. hlnsu. ** fehlt In St. bb Gertikonus O. 04 Rorlen-
Minnm O. d«l ex 8t. 00 fehlt In O. n quam vellet mediclnam O. qua O.
hh enm O. " et fA St. kk von pogt - prolonfftret fehlt in O. " fehlt In O. ,u™ fehlt
In O. nn von cuu)<|ue — resjiondit fehlt in O. 00 rege SI. l'l» prumlei St. Tl et
'« 8t. " fehlt In O. " ah eo fehlt In St. 11 fohlt In 8t. un sl St. y* vetractaret O.
"w Glrelkonem O. " fehlt In O. JT Imuiutaüone O.
* 2& Februar 1471. * intimare (alicui) = „anvertrauen, vertraulich bei
jemand anfragen '.
Digitized by Google
217. Stück.
281
pretendens. Cui Gersicus*: „quomodo habet seb magister noster ?' e „Miles
ad hec: „Infirmus est valde." „Gersicus*: „quid" respondit ad vota
mea? oportetnef aliquid?" Miles: „nichil.u Gersicus s dixit : „quid
alias dixit ?u Miles respondit: „Non audeo enarrare.u Gersicus: „dicasu.
Miles: „ad partein dicam serenitati tue, alias dod.u Gersicus b dixit:1
„Oportet, quod publice renuncies, quia te publice misimus.w Tunc miles
captatak benevolencia, que dicta sibi erant, protulit publice coram
tota curia. Attonitus Gersicus,1 tandem respondit: „Jam nirais tardo
est; cur ista non revelavit in tempore?4 Hec audiens quidam familiaris
domini Johannis de Hassenborgk, mox ei intimavit in Budissam,»5 et illo
mihi per dominum Nicolaum de rudenicz, canonicum ecclesie Boles-
lavien8is,6 ulterius intimavit in Zittau11, sicut° ex eadem* relacione"
accepi. Postera die Bohemiae' heretici» magno numero venerunt ad
Rockecanam1 causa consolaciouis,0 qui interT cetera* laudabilia eiusx
opera sie ad memoriam revocabant,T quod* tantum gregem virginum"
continencium cristo anquisivisset,bb de quarum Corona iam ad celos
evolaturus spirituale gaudium adipisceretur. Quibus ille cum multa
indignacione respondit: „Siniteme; non | perveniam ego ad celos sursum, wo
nec erit michi aliqua sors inter electos." Sed extenso indice:
„deorsum", inquit, „mihi" locus eritdd tot animarum seduetori," et vos
me sequemini^ nisi errores correxeritis, quos seminavi." Cumque**
autemhh ille u rockencana instancius loqueretur, iussit eos eicere a sekk
manens in sua desperata penitencia." Gersicus igitur rex hiis auditis""
misit pernn ecclesias, ut tierent,>" obsecracionespp rockencano de am-
bonibus, ut'N dignarentur"7 allegare*88 infirmitatem ipsius," ex cuius
vehemencia racionis usum amisisset. Sic igitur factum est, ut
hereticiuu revocacionem illam errorum" non ex racionis arbitrio, sed
aniencia™ quadam factani devulgarent" Hec, reverendissimo pator,
pro" certo" scribere audeo.
Sigismundus, decanus ecclesie**» boleslaviensis et pragensis
canonicus inmeritus:bbb
» Giralkoniu O. b fohlt in O. « tehlt In O. d Qtraikonua O. • qnod O. r op-
Utne O. K Giralkonua, doch fehlt in O. dixit hla Genicut, ca folgt gleich dlca«. Giralkonua.
1 fehlt In O, k c&pta O. 1 Uireikonua O. u> Jildlaoam St. n fehlt In O. ° ceteram ut O.
i» «ödem O. 1 fehlt In 0. r begone St., fehlt in O. * heretfee St. 1 Rokiaeonm O.
" eonaolandl O. T fehlt In O. w cuncU O. * fenlt lu St. 7 revoenrunt O. * von
(juod — adlplacoretur fehlt In O. ■* St. nnoht ac. bb acqulatviaaet St. fehlt In St.
«" aeduetorun In St., da* tu tilgen tat. «• fohlt in St. n aequimlni St. ** cum O. ■» fehlt
In St. 11 UH adbuc loquerontur O., hingegen fcldt Ille bla loqueretur In O. kk8t.: » ae et (manena).
» In aoo deapereto atntu O. mm Giralkonua haec andiene O. »«tdO. 00 St. Ileat noch :
pro eo. PP obeeermeionea pro niaglatro O. W et 8t.. nt dominua O. rr disnarrtur In St. n. O.
■» alleviaro in St. u. O. " fohlt in 8t. uu es folgt in O. : aeülcet Ipal Boheml. TV et errorem
.St., errorem O. *" ex dementia O. " dlvulgaverlnt O. V* que pro certla St. " vorla O.
— In O. nach Prageuale. ■» Inmerttla St., fehlt In O.
* Bautzen (Budüasin). " Altbunzlau (Str4-Boiestav) in Böhmen. 7 „Das«
man geruhe," d. i. wolle. 5 „Seine Krankheit geltend machen", d. h. „Heiner Krank-
heit et» zuschreiben".
Digitized by Google
292
218. Stück.
218.1
A.
i) Eaceihu H P»r 7H9 (Wb. cro«. i) A.nno dm. 438 Erffbrdia cepit primitus
p"* 7<8) fundari.
s) En^ihu» i u. ii 7»«> u. 7»i 2) Anno dm. 1066* Erffbrdia circumdata
(Lib. croolc. pag. 778: Addit. ad. I.arab. ' .
schAffn. pag. 44o). muro lapideo.
3) Eofeiha» ii p»g. 70i (st. p«tr. 3) Item anno dm. 1079b Erffordia exuritur
IJS bTt. T pS: 48J uP exercitu Heinrici cum ecclesia sancti
Addit. ad. Lamb. Schaifn. pag. 4s5 «. ■>. Severi et monasterio sancti Petri cum multi-
1078. Cron. St. Petri mod. pag. 35«*. J. ... ,. ,
T 1078, Sifr. d« Balohuttn p»R. 679). tUüine popUll. |
4) Knieiho, i u. ii pa«. 790 u. -91 4) Anno dm. H23c moniales sancti Bene-
(Ub.cn». pag. 77*); cf. u. Nc. 34. trans,ate gunt de mmte Sftncti geveri
ad montem sancti Ciriaei.
s») Eageihut ii pag. 7!>» x. j ii7»» 5«) Anno dm. 1184 Fridericus imperator
^£U^^^ habuit consilium Erffordie, ubi multos prin-
&«>. EnteihM i o ii paK. 794 u. 79!» cjDes concordavit. 5b) Iinperatore residente
(Cron. St. Petr. mod. pag. 374, Ctod. » '. r ,
Rainh. pa«. 54i. Addit. ad Umb. SchatTn. CUm alllS mUltlS paVimentO HiptO plUTOS
ceciderunt in cloacam. quorum multi in
ceno soffocati sunt, inter quos erant nobiles
sive nobiliores, scilicet comcs Thuringie,
comes de Kirchbergk. comes Hassic VII4
kalendas Augusti.
PM- 430. Stfr. d« BaJnhus. p»f. Ü!»8 »q.
' HS: ir.,.. b \\n ,79 * HS 1»:». ■» HS: *II (gegen die Quellen).
218. 1 Die 72, chronologisch nicht geordneten, Einzelnotizen zerfallen in 3
Gruppen: A: 1—24, B: 25—71 und C: 72; sie sind zum Teil veröffentlicht in
MEH, 1899, pag. 807— 810; ». auch hierül>er im allgemeinen Holder-Egger i. N.
Archiv f. alt. deutsche Geschichtskunde: Studien z. thüring. Gesrhiehtaquellen : I : Bd.
XX S. 375—421 ; II : ebenda S. 571— 637 ; III: Bd. XXI. 8.237-297; IV: ebenda
S. 443— 546; V: ebenda S. 687-735; dazu: Aus Handschriften des Erfurter St.
Pcterek lottere Bd. XXII S. 503— 541. Ferner M. Baltzer, Zur KuiulcJLhfiriiigischer
Geschiehtsquellen des 14. u. 15. Jahrb., besonders ihrer handschriftl. Überlieferung,
S»»paratal>druck aus der ZThG, XVIII. Bd., 1896, 8.1-60.
Hauptquelle Stolles für A ist gewesen der sog. Pseudo-Engelhus, d. i. Chronica
Erfordensis civitatis, quorum autor creditur Theotlorus Engelhuaius, desciip*. .To.
Georgius ab Eckart, bei M8GII, pag. 561—566, jetzt mustergültig als Cronicae
Erfordenses Engelhusianae herausgegeben von Holder - Egger in den MEH
pag. 784 — 806. Dann stimmen mit den Notizen mehrfach »ach lieh noch
folgende Quellen überein, die wir zutreff*. Fall« in Klammern neben der Haupt-
quelle am Rande verzeichnet haben: St. Petri Erphesfurtensis auetuarium et cou-
tinuatio Chronici Ekkehardi ed. Holder - Eg^er in den MGH pag. 23— 44,
Annales St. Petri Ernhesfurtenses breves et maiores, ed. Holder-Egger el>endR
pag. 45— 67; ferner Additionen ad Lambertum ScbatFnaburgen*cm (Pistorius-Struve,
script. rer. Genn. I, 1726, pag. 425—440 — vielleicht von Nicolaus v. Siegen?},
ferner Nicolaus v. Siegen, chron. ecclesiast., hcrausg. v. Wegele, 1855, die Peters-
chronik: Chronica St. Petri Erfordensis moderua ed. Holder-Egger, MGH, Scr.
XXX, 1 pag. 335 — 489, die Cronica Reinhartbrunnensix, ed. Holder-Egger ebenda
S. 490 -656; einzelnes steht auch in dem Liber cronicoruni Erfordensis, herausg.
von Holder-Egger, MEH pag. 724—781 (dadurch sind die stückweisen Veröffent-
Digitized by Google
218. Stack. 283
6) Anno dm. 1203* Bobemi vastaverunt 6> ***** i « « p»c ?m 0.
,n. • 73'J (LI*, cron. paf. 767; Cron. St.
Inurillgiam. Petr. mod pa* 379, Croo. Keioh. pag.
566, Sifr. d« Balnbnt. paf. 691»).
7) Item predones spoliaverunt munaste- 7> fc*»»«» i n. n pm 794 u. 795
».;,™ o T>«^ 110Q (Cron. St. PeU. m. pag. 378, Cron. Ralnb.
num s. rem liyo. pa<. *.6l)#
8) Anno dm. 1216 incendium magnum 8> Eofeihua 1 n. 11 p*c- 794 0. 7»6
ti t*> j. 0 ». J. 1113 (Cron. St. Petr. m. S. 383
.hrnordie consnmpsit pontem mercatorum. u. cron. R«iab. Pag. öss ». j. ms.
Adait. ad Lamb. Schaffe, pafi. 430).
9) Anno dm. 1351 in vigilia sancti Lau- ») zn^um« i o. u pac so« o. so»
roncii fuit incendium magnum Erffordie apud (Croa 8t' P*,r moi' m)'
sanctum Laurencium.
10) Anno dm. 1221 Erffordie incendium , «»> » «• » ™
. . . . . , (Cron. St. Potr. mo4. pagr.389«. J. 1S22,
magnum pJateam latam consumpsit et eccle- •b.. cron. lumh. P*V 597, Ada», m
siam omnium sanctorum. Lamb ^***0- 430 * J- m3>-
Item eodem anno occisi sunt septuaginta
sex judei a peregrinis.
11*) Item eodem anno orta sedicione inter u»)Bntrf*Mi 7»; .11»)*. j.
. . , 11hW. j 12*7 (Cron. St. Petri mod. pa«. 38"J;
cives plures occisi sunt. llb)Item eodem anno nicoi. d« siegeu pa«. 350).
archiepiscopus maguntinus celebravit ordines
ad sanctum Petrum, episcopus halberstaden-
sis ad beatam virginem et lynoniensis in
• HS: lt.
lichungen von Lorenz in den Geschieh tsquellen der Prov. Sachsen I, 1870: Chro-
nicon Thuringicuro S. 197-214 u. Wenck im XII. Bd. d. ZThG, 1884, 8. 187—251
antiquiert), endlich auch in der Hist. universalis Sifridi presbyteri de Balnhusin,
ed. Holder-Egger, MGH, Ser. XXV pag. 679—718. Vollständigkeit im Nachweis, wo
die betPßftenden Notizen auch immer gerundet) werden, kann weder hier noch im
folgenden unsere Aufgabe sein, ebensowenig eine genaue Kommentierung der
einzelnen Notizen. Die Notizen 19 u. 20 a u. b entlehnt Stolle wohl lokalen
Quellen bezw. lokaler Tradition.
Hauptquelle für B (25-71) ist der Liber cronicorum (MEH pag. 724—781),
dann ausser den schon oben genannten: den cronicae Erfordenses Eugel-
husianae I u. II, dem 8t. Petri auetuarium et contiuatio Chronici Ekkehard!,
den Annales St. Petri Erphesfurtenses breves et minores, der Chronik Sigfrieds
von Ballliausen, der Petereclironik und der Chronik von Reinhardsbrunn, dem
Chronicon ecclesiasticum des Nicolaus von Siegen und den additiones ad Lam-
bertum Schafrnaburgensem noch die Annales Hersfeldenses ed. Pertz, die annale«
St. Petri Erphesfurtenses antiqui ed. Holder-Egger (MEH pag. 3—22), die annale*
Erphordenses fratrum praedicatorum ed. Holder-Egger (ebenda jiag. 72 — 116), u.
Cronica minor auetore minorita Erjihordensi ed. Holder-Egger (ebenda pag. 486
bis 723, auch i. d. MGH, 8er. XXIV j>ag. 172—213). No. 34 ist Wiederholung von
No. 4 ; No. 35 setzt für instaurata der Quelle das falsche fundata. Nicht aus dem
lib. cronicorum sind folgende Notizen: 40 aus Engelhus, 41 u. 60 aus der Peters-
chronik, 42 mit Änderung ebendaher, 43 u. 59 aus Eugelhus. In No. 60 findet
f*ieh das merkwürdige Versehen, dass der Abt des Peterskloster Wernhcr, der die
Wasserleitung anlegte — s. oben St. 168 A. 14 u. 15 — „Hirssanger" genannt wird,
da er ein „monachus Hireaugiensis" war, s. „Peterschronik" pag. 800 z. J. 1136.
C No. 72 ist Selbsterlebtes.
Kommentiert haben wir die Exccpte unter B u. C auch uicht, da sie histor.
ganz wertlos sind ; das Nötige zum Verständnis bat die elwiiso umsichtige als un-
erschöpfliche Crelelirsamkeit Holder-Eggere z.d. angef. Stelion bereits beigebracht.
Digitized by Google
284 218.
capella sancte Marie Magdalena, qui simiil
electuni episeopum pragensem consecravo-
runt in ecclesia sancti Petri.
, V)»Se™ 801 (Lib c,ünic' Anno dm- 1284 fratres s. augustini
cenobium» construere ceperunt Erfifordie.
Mi3)Ȋ?"UMU 11 *01 (Lib- cronlc- 13) Anno dm. 1285 elaustrum novi operis
I1,1*- <&<->)■ ... *
lniciatum est.
illl^*?"1".* 1 u- *l 2**. 800 u- ™l 14) Anno 1291 oritur incendium in curia
( Aildit. ad Lambert. äcbannaburgeDP. pag.
■las, cron. st. petri Inod. pag. novi operis et consumpsit vere terciam partem
civitatis; monasterium exustum fuerat, mo-
nasteria minoruni, regularium, albarum do-
niinarum, ecclesia s. BartholomeL Eodem
anno aliud incendium centum curiarum cum
ecclesia s. iobannis.
wV^XSJSi.^SZ 15) Anno dm- 1293 incendium in ponte
cron. st. Petri mod. pag. 42«). niercatorum totum consumpsit cum ecclesia
s. Egidii cum edificiis mulüs.
m£ ÄtÄ *LX.S.13.*e£ »«> Anno dm- 1296 i"<=eidium grande in
st. petri mod. paK. 4»o). foro raparum et pergamentorum.
i7) Engeihu» i u. ii Pag. <M» u. 803. 17) item armo incendium in pede
montis s. Petri, quod ecclesiam s. Leonhardi
consumpsit
l«) Ent-eihu« ii pag. &o;i i. J. Wo» iü\ Anno dm 1309b fnsa est camnana
«rot». St. Petiiiuod.pt*. t.W.a.J. 1.101 : ,ö/ ÄDtn" UIU. lOU» IUba Ohl OUIIip^IlH
sie. de siegen pag. 37» i. j. i;io7). magna ad beatam virginem nomine gloriosa.
i9) Kuge.hu. 11 pM. -wo«. 10) Anno dm. 1397 inceiidiuoi a s. üangolfo
consumpsit ecclesias s. bartholomei et s. viti
et cerdones s. servacii et quasi quartam
partem civitatis. Iste ignis circuivit Carthu-
sienses, novum opus et fratres minores.
ao*) Lacfibu* ii p«g. *06. 20*) Anno dm. 1413 ignis in monte
passerum tetigit dy vottergasse, den angor
et ecclesiam s. Laurencii.
irob) tng. ih»* 11 pag. so« u j. 14K0. 20b) Item ignis prope fulloch by den alden
flcischbenckeu tetigit forum raparum, eccle-
sias sancti Andree, üeorgii, Servacii, Mau-
ricii et Johannis, et quasi sextam partem
civitatis firffordensis combussit |
»nLogeihoa iu ii pag wi ». »o;, 21) Anno dm. 1350 positus est primus
(Cron. St. retri mod. pag. 470 hj.) . ' ... « . 1 • • • •
lapis novi chori ecclesie beate Marie virginis
in Ertlbrdia. Item eodem anno Constantinus
nomine quidam hcreticus, qui dixit, sc esse
tilium doi et post ubitum ejus die tercia
surrecturum, sed ad gradus beate Marie vir-
ginis vor den greten combustus fuit; non rediit.
* Fehlt ia der US (vergeeaen). »»HS: 13.».
Digitized by Googl
218. Stflck. 28!»
22) Item eodem anno pestilencia vigens, , M> i u ir w. »04 0. sor,
.... , (u»icek J'.«ih«iifolei') il'ruu, 8t. fetrimod.
postquam omma cimitena civitatis repleta w. 471 ).
sunt in villa Nusessse facte* sunt XI fovee.
Itera eodem anno facte [sie] sunt gradus
ridee (sie] ante
23) b Item fames magna et pestilencia facta *?) ' u " »'•«• w* »• •*»
,,,„,, r „ _ t. I. 1318 (Addit. ad Lamb. Srhafloab.
est, unde brftordenses quinque foveas fece- «. j. isit; p««. 4»*, cm», st. p«tri n.
ruut fieri in Smedestete ante eivitatem, ubi ^Jr,£f,-.44*; ( ron ^0" *• J-
centum et triginta tria sexagenec hominum
sunt sepulti.
24) Anno 1342 in vigilia s. Marie Magdalene **\ KD«eihu\' 0 " 80* u 8M
r ' .. , . & .. (Addtt. ad Lamb. BchafTnab. pa*. 43S>.
tacta est inundacio aquarum Jkrfiordie, ita <>on st. i>m mod Pa* 4 cor
ut nemo potuit [sie] equitare in plateis cir-
eumquaquam. | tu
B.
25i Anno dm. M"CCXVI eanoniei heute *r'>,u\ cron, 1 J- li0» *** JJ*
. • . (fcogelhu* 1 1. J. ISIS paf 7»4, Ctod.
marie virgmis hrfionlenses pnmo meeperunt st. v»tri m. p»t. 3%, n*. de siac»
processionem facere ad niontem s. Petri ex PH M* •q-)
ordinacione domini Gerwiei, plebani ecclesie
s. Pauli, in die puriticaeionis beate marie
virginis.
26) Anno dm. M° CC XXX VII idus julii Jg*"*- CJ'"- 7,:3 {( r0B- Raln
pueri Erttbrdenses , niillenarium numerum4' ,Mnlbr p**' "M*
exeedentes, dueentes ehoream et nsque Arn-
stete venernnt.
27) Anno dm. M' COL minores fratres ha- sn ui». «..n. p»*. 76«.
bentes conventum in Gotar transtulerunt se
et eesserunt domui' sue, quibus sancrimo-
niales successerunt.
Eodem anno corpus Cristi inventum est
in piscina * Erftordie. Eodem anno fratres
minores fecerunt cenobium in arnstete.
28) Anno dm. M"CCL1II magna diseordia }^s\^ rTnn pat 7Cß (0ron
in terra Thuringia orta fuit, que per novem
annos durans terram Thuringie, Hassie et
Saxonie nimium devastavit.
29) Anno dm. M"CCLXX in Erffordia in *»> "n,»c P»«. 770
platea fullonuni natus fuit puer hirsutus
quasi canis horribili aspectu, volens iterato
introire in ventrem marris sue, qui vix a
viro fortissimo interfectus fuit.
30) Anno dm.CCCC°XXX0 cepit ordo regu- t m.n. ,*f, 777 <(W si.
larium canonicorum, apostolicam vi tarn <hi- Petr1 m w 'r,:,)"
• HS: facta. b Am Rand« toi. »leicher Hand: aan» 1316. « HS d HS:
• H8: »rlit et hintu. t HS: donnt. S IIS: piMorr
Digitized by Google
286 218. Stück.
centes, a beato Augustino, episcopo in eccle-
sia Yponnesi.
si) ub cro... w :w (s ivtri Erph 31) ^nno &m VII« vn° monasterium s.
»uet. Uüceh. pa«. 2;>, Engolhu* 1. u. II „ ' . „
pik 7«w u. -*», L*mb. Heif. ann. Pa». a Petn in erffordia fuiidatum fint a Tu^aberto,
ui:^.^^^0^. ™&> Francorum, deleto prius Castro ibidem
posito, Merguigis regia nuncupato.
..ÄS2!7Ä 32) Anno dm. VUPXI.II ossa s. Severi,
Ii, p»c 7s;i, ( rou. Reiiih. p«». ;,if, episcopi ravenensis, translata fuerunt de
Maguncia ad erffordiam per dominum oth-
garium, archiepiscopum niaguntinum, et collo-
cavit in capella s. pauli apostoli in alto
monte sita, ubi nunc est occlesia s. Severi.
, f.,"*». TJÜ. 33) Ann° dra- VITC LH monasterium beate
v schäm., p« 4io). Marie virginis j in Erffordia primo eonstruc-
tum tuit per beatum Bonifacium, primum
archiepiscopum maguntinum.
M)iA.eioi^ m.7w-;;»iKiirt. 34) Anno dm. MWC"XX1II moniales or-
bus I u. II pag. 7!»0 u. .91) — cf. ok. . '
no. 4. dinis s. Benedicti translate* sunt de monte
8. Sevori in Erffordia ad montem s. Ciriaci
per dominum adelbertum episcopum magun-
tinum, et Castrum munitissimum idem epis-
copus in monte s. Sevori sibi construxit
.«.Ä ^fw*9* 7T" (ABa"" 35) Anno dm- M'CXXXl» fundata est
ecclesia augustiuensium in Erffordia per
dominum Adelbertum archiepiscopum.
u f\ Uh ZT V w JTp ,iSirr' de 36) Auno dm. M°CC0VH° incepit ordo
Bai nh. pag. 700, 'Ann. St. rewl m. pa». ' r %
cron. minor Pa*. j:»«; »q., cron. predicatorum et anno M°CC° XVI coniirma-
Itelnh. pa». ^u|t ft pftpa gonori0
3-) Mb. cruntc pa». 77<j-7»o üb- 37) ^nno ^m. M°0C°XXi minores tratres
weichend) U. J. 122»; Cron. M. l'«tri . ' T,
,„. P»f. wo, er«.«, iteiüb. P*». 598. primo venerunt Erffordiam et extra muros
cr.>0 minor ,o« i»7, Ann. Krt j»ir. ^^23 UDi nunc manent fratres servi Marie
prardic. pa» . sl, Nc.de Siegen pa». 3.>0). * • *^v».->< """v' *-"""v'" fc """^ ' ■—••*»* v
ante portam spasmi.
a«) i.ib. crontc pai ;. 7ho (Kac^kus 3g) gt XI annos habitabant ibidem,
1 u. 11 p«». 7!»ti u. 7S>< «. J. 1228, , r . , ^ n «•
KrphMf. ftiir. praedic. pi«. m. et anno diu. M° CCÄ XXXU lntravemnt hrfior-
diam et construxerunt claustrum, ubi nunc
habitant.
y£05l Är^Ä pS: 39) Anno dm. M-CC-XXIX predicatores
da. Anuai. Krph. fr««r. pra^d.c. PaK M:t cenobium Erffordie construxerunt in predio
1 J' lTSl dominorum de Honsteyn.
10 u. 4D F...«eii.u« 1 u. u p«». 7<h; 4Q) ^nno jm Mo cc°xxv factum fuerat
u. 7'.»7 ». J. 122ti (Cron. St. l'etri mod. 7 _ , . ,
p««. :j;»o). Organa magna Erfiordie in ecclesia beato
Marie virginis. 41) Item eodem anno factum
tuit Organum magnum Erfiordie ad s. Petrum.
• IIS: tcan.lail.
Digitized by Google
218. Stück. 28?
42) Anno dm. M°CC°XX1V Erffordenses *8) <Cro0- st- Plrtli mud w
V. j. j . . .. . . a. CtobIc. Reinh. W. 600, Nlcol. deSie«.
mgratitudinom domim magunüm et onen- p**. v,o •<].)
sam graviter incurrebant, ideo a quarta
feria ante palmarum usque ad kalendas
augusti divinis caruerunt, quo die medi-
antibus lantgravio atque prelatis erfforden-
sibus compusicio statuebatur satisfactione
pecuniaria contirmata, sicque divina* re-
sumpta fuerunt.
43) Anno dm. M°CC° XLI° episcopus ma- EoKemu» n p»*. 799 1. j. is4o 153
guntinus Eitfordensibus a feste penthecostes £K; Ä ««.^Ai^S
usque ad assuinpcionem tercii anni divina s<h'ffn- <ai * j uu.
^ ... r Aon*l. Krphesf. ftatr. prardic»!. pa,?.
suspendit 4« .<<. x 1. ims).
44) Anno dm. Jklu CCC° VII in die pai^s- (> «<>«'<• p**: m i^». st.
ceues infra matutinas transfixus est Theo- JS. mo p** 431, lyron Reloh *"*
dericus lantgravius senior cum cultro a
quodam servo suo, qui servus requisitus et
iuventus horribili morte interemptus fuit.
45) Anno dm. M*UüüXCI° cum civitas "•:•> ub. crom., p« -71-;;« «.roo.
aconensis per suldanum Babüonie capta pi/SS) m<'d P*" *u' < ru°' lUiuh
esset, dicitur, quod ad dorn um templariorum
peneb VH milia hominum confugerunt, sed
tandera omnes a Sarracenis sunt occisL
Deinde ibidem soldanus subvertit et pervenit
ante quoddam cenubium virginum elaustra-
lium, ubi intellexit, quod ibi essent speciose
et pulcherrime puelle numoro LXXX deo
servientes in sanctitate et castitate. Tunc
comminatusc est soldanus eisdem sacris
virginibus, quod cum sodalibus et faniilia-
ribus amicis altera velit intrare die et eas
cum inpudica et inmunda violacione omnes
meretrices emcere; quod cum nunciatum
esset ab aliquibus cristianis eisdem puelüs,
tunc meror et luctus factus fuerat magnus
omni um, clamantes et dicentes: 0 dous,
utinam nunquam essemus nate et ad hanc
etatem profecte, quod tarn flagiciosis homi-
nibus sumus deputate.d Tunc abbatissa fecit
pulsum ad capitulum0 et convocatis Omni-
bus in capitulum" fecit exhortaeionem
egregiam de voto continencie et castitatis;
et in fine sermonis allocüta est hüs verbis
universas: 0 aniatissime' tilie et dilecte
• HS: UiriBiJ. b HS: b«ne. • HS: cominatus. <» US; dupuUtl. « HS: capittulum.
S:
Digitized by Google
28* 218. Stück.
sorores, si dominum nostrum Jhesum
Oristum verum sponsum animarum vestramm
ardenter amatis et cordialiter diligitis, tunc
faciliter omnia deformia pro ejus nomine in
vestro corpore membra rautilata et distorta |
sustinetis; melius et gloriosius est* nobis
cum despecto vultu1» et horribili facie casti-
tatis lilium servare quam in cloacam libidi-
nose voluptatis et spurcicie cadere et per
luxuriam animas n ostras maculare. Unde,
si mente integra vere deura, amatorem
vestrum, diligitis, tunc ostendite hodie et
facite ob ejus amorem, quatenus ego nunc
tacio. Et hiis dictis abscidit sibi nasum;
quod tunc factum cum cetere vidissent, fe-
ceruut similiter omnes. Altera autem die,
rum soldanus intrasset, claustrum cum suis
et omnes videret absque naribus, admira-
tus est valde et obstupuit constanciam
earumc et confusus intra se nimis cum suis
erubescendo recessit.
4«".) Mb. cronir. pa*, 777 (l>n. SI, 46) Anno dm. CC° I, cepit monasticus ordo
»••tr m^paR SM). ajj antonio monacho et abbate ind thebaya,
ubi tunc beatus paulus priraus beremita
claruit, ibidem multi servi dei.
47) Lib. cronic pa«. 777 (oon. st. 47) Anno dni. nxxvil* cepit ordo et re-
L'l I^m* t .'Aj6r,a5*an r nif" Sl^a monachorum a beato benedicto abbate
in monte cassino in campania de roma.
4h) uu. rronic. paK. 777 (si. Pein 4g) Anno dni. POG°XLII gewilione ma-
Frphe.f .«.t. KkUrh.rdi pa*. S« ,, , guntinenai episcopo dep08itO BonifaciuS, qui
antea vocabatur winfridus, successit et a
wormacia dignitas motropolitana translata
est. in mogunciam do precepto zacbarie pape.
4s») ..>.». rroni,. pa«. :77. 49) item eodeni anno cepit ordo canoni-
comm et canonissarum per beatum boni-
faeium in tbeutonia.
r.(» in., crnnir. par. 777 (si rein fiO) Anno dni. DCC XXXVI iniciatum est
aurt. Ekkehard! pa?. SO, Ijm'> Umt. . . ■ r u
Annaj.pag.7o. d^si^n P»K u7). monastenum in nersteldenso.
51) MI., eronie.pa«. 777 (Ann. Limb. fjj) ^nnO dlii. DCCXLV iniciatlim Cst 1110-
nastenum fuldense.
r.s) LH», crouk. ph. 777 (st. ivirt 52) Anno dni. DCCLXXV1I beatus lullus
,m An« SÄ ™m 28 ' ' am" archiepiscopus I maguntinensis dedicavit ecc-
lesiam in ordorff in honorem beatornm petri
* TIS : et * HS: wultu. • IIS : eomm. «> HS: et. « d, cbenio Ko. 48. M>. T.l. 6S.
M :>4 61
Digitized by Google
218. Stück. 28 <»
et pauli apostolorum et sancti michaelis
archangeli.
53) Anno dni. I) CO LXXXII » karoius impe- ™> Ub- "ünic w. 777 (u.nb. h«h.
. .. A . . . r. pa«. U /. J. 781).
rator divisit terram inter episcopos in
Saxonia.
54) Anno dni. lu.'CC » epit in hererao p ;^m^- ™,B£- ^ 777 st.
wilbelmitarum ordo sub wilbelmo dm*« in
aquitania ad regulam beati benedicti.
öö) Anno dni. M " XCVIII eepit ordo cister- r'r,) L,h- m,nic 777 tf ™"'1":
\ . * minor par. ; Sifrlü Je Italnh. p;ij< 6:i7
ciensiuin gnseorum extractus et assumptus 1 j. 10..7).
a regula beati benedicti a ruperto abbate
in burgundia.
56) Anuo dui. Al°C"XXI nortpertus an-hi- Llb- m,ftic p»<- "? (lr,n Sl-
7 1 . IVtn med. p»«, U.V.; Cron. min. Pai;.
episcopus magdeburgensiii claruit, a quo iyi: nie. de sie*«« Pat. an ».1 )
nortpertini canonici prodierunt.
57») Anno dni. M°'XXIX ordo templari- , n*) Lib- r*»™- ^ >■ ■'•
orura conhrmatur ab honono papa quinto, ram. pai? inv <**>.,. K,,,.h. ,«„.
57l) et eodem anno claustrum griseorum in f,si 1 J n-SK
walkenrede b fundatur.
58) Anno dni. AT'CXXXVII cronica euse- r,s) s »">««^«'» *■ '-«•». p»«
7:t7
bii cesarieusis conscripta ab origine mundi
usque ad annuin MmCXXX VJLm producta est.
Ip.se vero eusebius obiit anno dni. DXXV.
59) Anno dni. M"C°XUI VII idus maii •'*> 1 "- " ™* »■ ™
. . , „ , ...... 1. J. 1141 V« ion. M. P< tn m. i-m. 3»i6:
civitas erphessfordensis occulto dei judicio cr»n. iu*i»b P->*. ;,jr.: a™. st. ivtr.
magna ex parte igne consumpta tuit, monas- «i,1 tj'ti'
teria quoque sancti petri sanctique Soven cum
aliis sanctorum ecclesiis consumpta c fuerunt.
60) Anno dni. M°C XXXVI auiia ducta r,0) c,on- s». »>tr. nv.d. P>?. s«;. .
». . , L . . 1 . , (Ann. 8t. Potr. Krpli. .nit. p.m. 17;
tuit super montem sancti petri m erpesturt xu-„\. su-.» p»*. ;u»».
per abbatem werneruni dictum hirssanger. v
61) Anno dni. M°CXXXV1 cenobium in «d mi>. rron* P»^. 77« * .1. 113s
volkolderoded iniciatum fuit.
62) Anno dni. M°CXLVIJ cenobium in «*> 1»- 77s
valle sancti georgii iniciatum fuit.
63) Anno dni. CCCC" XXX VIII tempore clo- «> uv roni,-. P»«. 77s u:n«ihM
dii, regis franckorum, et tempore marcko- 1 11 v>'~ u
medis, regis thuringorum, civitas erpbesfort
inicium sumpsit.
64) Anno dni. Im C VII monasterium sancti «4) - h... 31.
petri in erffbrdia fundatum fuit a tag.iberto,
rege francorum, deleto prius Castro ibidem
posito mergwigis regis nuncupato.
»HS: dCCC LXXXII. »HS: walkenrod«.. c HS : coiwumpte. ««II«: walkenn.l«,
aber ». ob. No. 57 ».
K. Stollei MemorUle. 19
Digitized by Google
290 218. Stück.
«:,) ub. croni-. p*. 77». fä) Anno dni. M° XXXVI monasteriuM
scotorum in orffordia edificatum fuit per
dominum walterum de glissbergk.
^6«) im. «o»ir. p»k. 77« - ob. Anno dni iQQfi civitas erffordensis
primo cireunicincta fuit niuro lapideo, pro-
pugnaculis in circuitu positis.
, -7«'i 'iriVMSriSa 07) Anno dni- M°CL1Y corPor* sanctorum
st. i'ftri Erph. major. p»K. 67; cron. cpiscoporum adelarii et eobani in Erftbrdia
sch^'pi K/Si.Tsi^en^: f°PultÄ in nionasterio beate marie virginis
mw- inventa sunt et cum magna gloria translata,
et non longe post nova ecclesia cum turri-
bus munitissimis, ut jam cernitur, fabricata*
est de oblacionibus sanctorum predictorum.
i uVpÜ 7ry"lcu 'S; 7?5> (tn'!e,hu, ö8) Anno dni. M°CLXXXII civitas erflor-
densis distributa est in diversas paroclüas;
nam antea sola ecclesia sancte marie fuit caput
omnium ecclesiarum et parochia generalis
tocius civitatis excepta ecclesia sancti severi.
Alie vero Capelle sanctorum edificate fuerunt
per intervalla temporum a nobilibus terre,
qui de precepto maguntinensis episcopi ob
tuicionem predicte civitatis ibidem habi-
i5f, tabant. |
es») i.n». cronic. pac 77h (Cwn. min. ()[)) Anno dni. M°('C° cenit ordo domus
paf. 1!»»: i'ronic. Kcinh. p*R. ß«4i. . / . , . i •
theoton ice ab imperatore hemneo sexto m
ackon; sed coniirmatus fuit anno M°CC°XX.
70) i n., rrouir. pag. 77:< ((r„0. st. 70) Anno dni. MM(X?W VII ineepit ordo pre-
IVlrl m. pa<. »hl), So. .. u * j • • l • • *
dicatorum a beato doramico in hispama, et con-
firmatus fuit anno M°CCXV1 a papa honorio.
71) iib. cronic. p*g. 77ij (crooic min. 71) Anno dni. M°CC°X ineepit ordo mi-
1M" M| ) norum fratrum a saneto francisco in valle
spoletana civitate assisii; et eontirmatus fuit
a domino papa honorio anno M°CC°XXII.
C.
14+7 72) Anno dni. MÜCCCC°XLYI1 fuit bellum
grave inter civitatem zuzatensem et epis-
copum coloniensem. Et episcopus postea
cepit lantgravium thuringie cum bohemis
in auxilium, et obsedit civitatem et quasi
no ngen ti de bohemis occisi sunt, quia tUius
ducis clivensis cum exercitu copioso fuit in
civitate zuzato prope zost.
* HS: obhta (\vr*chni'hen ve^en dei fottrd. oblacionibus).
Digitized by Google
1
219. und 220. Stüc k.
291
Anno1 domini M°CCCC° quinquagesimo t'uit grave bellum intor
lantgravium wilhelmum thuringie et fratrem suum friderioum,
marchionem missenensem, et mutuo devastabant terras suas habentes
in auxiliura bohemos. Apel vitcztum dicebatur fuisso causa discordie,
et tarnen cito2 composicio facta fuit Sed amici apel vitcztluims
detinuerunt abbatera quendam legatum3 ducis burgundie in salvo con-
ductu lantgravii thuringie; idoo apel cum suis ainicis amissis castris
expulsi fuerunt de- terra thuringie. Et abbas predictus ]>ostea factus
[est] cardinalis, propterea*' cardinalis attrabatensis de burgundia (dictusj,
quem sepe vidi ego conradns stolle in urbe Romana anno 14 LV1I1
[MCCCULV11I] tempore pape » ?lii II].
Anno dm. M°(X''CCML111° civitas constantinopolis 1 a turcis misera- 1453
biliter versa fuit in ruinam. Ibidem imperator constantinopolitauus- per
ipsos turcos truncatur et intertieitur. Posthoc intrantes ungariam,*
quam devastabant per predas et gnerras. Sed tarnen statim permittente
deo circa Castrum kriclüsschen weissenburg per ipsos ungaros aliosque
cruciferos acriter cesi sunt et a terra ista depulsi fuerunt.
Anno dm. M0CCCC0LX1T die XII mensis aprilis quidam nobili [sie] n«2
cives de constantinopoli portaverunt ad urbem romanam boatissimum
caput saneti andree 1 apostoli, quod rapuerunt de civitateconstantinopoli.b
Et papa pius aeeepit idem caput et introduxit urbem cum magna
solempnitate, videlicet cum XXIV cardinalibus et XUY episcopis neenon
magna populi caterva, eciam me conrado stolle pre.sente vidi et singula
;
* HS: Et abbat predlctaa poatea fartua cardinaliii quora cope vidi e^o courailns »tolle In url»e
romana prope canthtalts attrabatenHb de burgiiDdtn aun« 14 LVUI tempore pape P . . . [ad
21». 1 Selbsterlebtes, s. ob. St. 198-215. 2 S. St- 211 A. 1. n Jenen Abt
vod Anas, «.St. 218 A. 10. 4 Papst Piu* II., 145X-14<>4.
220. 1 S. (ieschichte des Osman. Meiches von Hammer I."' S. 391— 421, und
Geschichte des Osmau. Reiches in Kuropa v. .I.M. Zinkeiseu. 1S40, I, 8. SU bis
855. * Bekanntlich lies* der ««manische Sultan Mahmud II., welcher am
29. Mai 1453 Konstantinopel eroberte, als der letzte griechische Kaisrr (Konstantin IX.
Dragoses, aus dem Hause der Paläologen, bei der Einnahme seiner Hauptstadt
gefallen war, der kaiserlichen Leiche noch den Kopf abschlagen, s. Hammer
a.a.O. S.415 u. 421, Zinkeisen a. a. O. S. H4i> u. H52. J Es ist der Feldzug
des Jahres 1454 gemeint, der für die Türken nicht glücklich war. da sie von den
Ungarn unter Huuyades bei Krusovaz a. d. Morawa geschlagen wurden, s. Hammer
a. a. O. S. 433 f. und Zinkeisen a. a. O. II., S. 74 f., Mailath, Geschichte der
Magyaren II., 1852, S. 202. * S. Samson, Die Heiligen als Kirchenpatrone,
220.
v
19*
L
Digitized by Google
2<J2 221. Stuck.
audivi. Et collocavit idem eaput sancti andree ad ecclesiam .sancti
petri in opposituin altaris samte veronice.
881.
1472 Anno domini MMCCCC°LXXI1 do in deme mouden januarii noch
der heiigen drie konige tage, do wart go seen zu erflort unnd in vil
landen eyn grossor stein an deine himmel mit eynem langen ezayle, der
do vil bedutonisse gegeben hat, nemelichen von deine herczogen von
burgundien,' von vele tod slone, unnd von deme grosssen Iure zu erffort
unnd ouch anders wo mehee.
1472 Item anno domini M0CXCC0LXXI1 circa fest um trium regum,* do
wart er slagon der pferner 5 zu grosen rudestete1 von siner pfarre
manne einem* unnd hub sich5 von ban breffen wegen, do wart nicht
gesungen bie vier wochen, also wiet als die probistie is unser lieben
frowen zu erflort, unnd ouch in der stad zu erffort ouch nicht.
1472 Item anno domini M"CCCC°LXXII feria secunda post trinitatis,ü do
wart er slagen eyn prister in dem dorft solczbich7 bie kappein dort!', do
wart nedder geleget gotis dinst dry wochen in der probistie unser
lieben frowen zu erffort.
1472 Item anno domini M°C< C<:°LXXII an deme frytagevor* sant johans
tage baptisten, als eyns geslagen hatte noch mittage, erhub sich eyn
gross fuer zu erflort uft der kremerbruckcn, unnd brante die gancz
unnd gar abe uff beide kirchen.'* »Sant ilgen bleib gancz steene, sante
benedictus branten alle glocken unnd der torm uss, sundern die kirche
v bleib stene, unnd brante | ouch nicht witer, wann alleyne die brücken
abe. Item den selbien tag unnd stunde noch czween stunden do
brante die mol ganez uss zu deme swarczen raben 10 bie sante Viti.u
Zu der selbien stuuden hub es ouch zu bornen zu deme bocke12 vor
» HS: einer.
221. ' Herzog Knrl der Kühne von Burgund, reg. 1467 -1477. 1 Also
Anfang Januar 1472. 1 Mhd pharraere, umgelautet, besonders im md pherner,
Nebei tiform pferuere neben pferner, welch letzteres Stolle hier und S. 135 u. 173
gebraucht. 1 < «rossrudestedt, Dorf im Verwaltungsbezirk Weimar des Gross-
lierzogtums Sachsen. " Sich heben — „«ich erheben, au fangen", also die Ur-
sache war ein Hannbrief, den der Pfarrer gegen den Mann veröffentlicht hatte,
welcher wahrscheinlich Schulden nicht bezahlen konnte und deshalb von dem
weltlichen und dann dem geistlichen Gericht verurteilt war. ü 25. Februar 1472.
7 Sulzbach, Dorf im Verwaltungsbezirk Weimar de* Gronsherzogtunis Sachsen.
s 19. Juni 1472. Über den großen Brand von Erfurt s. auch Kicol. v. Siegen,
chronic, eccl., h. v. Wegcle, pag. 450 »au., und Scebach, Erffurthinche Feuerchronicka,
1736, S. 5—7. " Vor der Krämerbrücke am Wcnigenmarkte lagen die beiden Kirchen
St. Ägidii (St. Ilgen) und St. Benedikti, die jetzt nicht mehr Kirchen sind. Über
diese und die folgenden Bezeich innigen 8. Härtung, Die Häuserchronik der Stadt
Erturt. 2 Bde. 1861,1878, und v. Tettau, Beiträge zu einer vergl. Topographie u.
Statintik von Erfurt, MGE, XII, 1885, S. 1-220. 10 Rabcnmühle, jetzt Lange-
brücke o7. 11 Die Kirche St. Vi ti ist abgebrochen, jetzt Gaehof zum Rheinischen
Hof, Langebrücke 27. Haus zum [blauen j Bock, jetzt Friedrich- Wilhelmsplatz 36.
Digitized by Google
221. Stück.
2JK*
den greten unde zu deme walfissche,13 zu der kemnaten14 uff denie
ruben marte,i:i zu den konniges stoln16 bie der nientczeu furwereke,17
unnd die lauwen gasse,18 item der rote Iawo bie allen heiigen ,y unnd
allen beiigen, den ruben raart alle abe biss zu sant andreas kirchen,
den rossmart,22 den heiigen born 2:1 abe, die metergasse21 unnd die
czwo kirchen unser lieben frowen unnd sant severs gancz unnd gar,
torme, kirch dache, glocken, orgeln gancz unnd gar uss gebrant, der
mentczen hoff gancz uss gebrant, sant mertins 25 kirchen unnd clostor allis
ussgebrant, biss uff den glocken torm, der bleib alleine, unnd brante vort
en uss biss an das ussersste thor;2R das brachte alles der grossse wint
zu, der zu der Relbien czit was. Die nuwestad27 die bleib uff die
siten, als das nuwe werg28 ist; die andere site2!> die brante gancz unnd
gar abe. Das alles zu samene wart eyn für, unnd was sust sere warm
von natürlicher hitcze unnd sonnen wegen. Item | die lute en teyl, die 157
vor den greten unnd umme her do heyme wom, die worn ge loufien
uff die kremer brücken, das für zu lesschen, unnd do sie gewor worden,
das is in orem heymet30 ouch brente, do liffen sie en heim; do was
alle dingk vorbrant, unnd do worden vile anner lute, unnd was eyn
gross jararaer in der stad, unnd nymant konde gewissen, wes die schult
were adir wo is her queme; etliche meynten, is were derpfaffen schult,
das sie nicht sungen, unnd man swoig zu der selbien czit umme der
prister willen,31 die er slagen warn; etliche meynten, es were eyn plage
von gote, unnd etlichen liffen ubir die pfaffen unnd wolden sie tod
•
13 Gehörte zu den „Salzhäusern'' (s. Härtung a.a.O. I pag. Uli) No. 154,
vor der Domtreppe (s. v. Tettau a.a.O. S. Gl). u Haus zur Kemenate, jetzt
Friedrich -Wilhelmsplatz 1. ,& Riibenmarkt, s. St. 191 A. 1. 10 Haus „zum
Königagtuhl", jetzt Mainzerhofplatz 9. 17 Der Mainzerhof, die erzbischöfliche
Domäne. ,B Lauen- (erfurtisch) = Löwengasse, früher eine Strasse, welche
vom Fusse des Petersberges bis zum Lauen- -= Löwenthore führte, jetzt Termin
der Königl. Gewehrfabrik in der Mainzerhofstrasse. ,!> Das Haus zum roteu
Lauen = Löwen, zur Pfarrei der Allerheil igen kirche gehörig, ist jetzt Hinterhaus
zum Hause MarktMrasse 21. ?" Gegenüber dem vorigen: das Haus zum
Schwanring in der breiten Strasse (lata platea), jetzt Marktstrasse 38. -1 Die
Servatiuskirche lag in der Pergamentergasse; sie ist abgerissen, jetzt Haus
Pcrgamentergasse 36 (s. St. 191 A. 1). ?* Rossinarkt, jetzt Herrmannsplatz.
73 Heute die „Heiligen - Brunn - Kirche", Fischersand 25, erbaut infolge der oben
St. 118 erzählten Geschichte. ?J. Die Mettergassc (Mettengasse) ist unter diesem
Namen nicht mehr vorhanden. Über ihre Lage giebt es verschiedene Meinungen
(s. v. Tettau a. a. O. S. 56, anders H. Bever u. Böckner i. ders. Zeitschr. VI S. 189) ;
(Cistercicnserinnen) in der Brühler Vorstadt, Martini extra genannt. ',! D.h.
da* Äussere Brühler Thor. !7 D. h. die Neustadt, der Stadtteil zwischen
Neuwerk-, Eichen- und Kegierungsstrasse, der früher selbst die „Neustadt" hiess.
Die Neuwerkstrasse, bis zum Neuwerkkloster. *' I). h. bis zum Fischersand.
a" Auffallig ist bei der Nebenform heimet (so auch in der Zimmerischen Chronik,
herausg. v. Barak, IV, 1869, S. 304) das neutrale Geschlecht. 31 Es bestand also
das über die Stadt wegen der oben erzählten Priestennorde in Grossrudestedt
und Sulzbach im Januar und Februar 1472 verhängte Interdikt noch.
,;' Kirche des Martinsklosters
Digitized by Google
294
222. Stück.
slan unnd sprachen: disse plage ist uwer pfaffen schult, ir wolt nicht
singen; singet nu in aller namen etc.!
An deine dritten tago dar noch adir an deine andern, do brachte
man den rechtschuldigen , der das für mittenander hatte an geleyt,
unnd wolde die gancze stad vorbrant höbe, unnd was eyn monch uss
deme closter zu der pforten™ bie der numburgk, der hatte gesolschafft
unnd das gelt darumme genomen von er apel von tanrode; die worden
alle gefangen unnd gebrant, mit czangen zu rissen, gesleiöt, gerade-
brecht unnd vorbrant. Item die von erffort hatten VII bisschoffe uff
deme rathusse, die deme monche sine wehe widder nomen, unnd man
* braute on | euch bie deme raben steyne. Dor noch goben die von
erffort eyn gebot uss, wer den selben apel von tanrode tod adir leben-
nig on enheim breebte, deme wolden sie gross gelt gebe; also starb er
in fromden landen etc.
222. Versus1 super ineendium Erffordense.
1472 Anno milleno C quater duo septuageno
Protasii2 festo danipni passi memor esto,
n RandlMMnerkung oben: Dlaae &eM:l)lcht korto^ dy von «rffort me« dann« XIUI« Rtilden.
„Rehtschuldic" ist einer, welcher eines Vergehens rechtlich überfuhrt ist.
™ Das heutige „Seh ulpf orte", ehemals ein Cistercienserkloster. Der schuldige
Mönch wird in den Chroniken Dietrich Bereker, liecker, auch Burkardi genannt;
s. auch Nicolaus v. biegen, chron. eccles., pag. 451. w 8. St. 195 A. 3. " So-
wohl die wegen der Degradation des Mönches in Erfurt anwesenden Bischöfe
(u.a. von Halberstadt, Naumburg, Merseburg), als auch Herzog Wilhelm, welcher
jenen Vorgang mit ansah, mussten von der Stadt bewirtet werden ; dieses kostete
nach Falekeustein , civitatis Erf. hist. crit, et dipl., 1730, pag. 8:49: 2285 Reichs-
thaler, ebenso waren die Nachforschungen nach dem Mönche, welcher in Sachsen
verhaftet wimle, wie seine Überführung nach Erfurt sehr kostspielig.
*H2. ' Der grosse Brand von Erfurt i. J. 1472 in uss ülwrall einen grossen Ein-
druck gemacht haben : es entstanden eine Menge Gedichte darüber. Dasjenige, was
uns Stolle, in leoninischcii Hexametern geschrieben, autbewahrt hat, liegt in kürzerer
Form vor in den Additiones ad Lambertum Schaffnaburgensem (Pistorius-
Struve, I. pag. 410 1, in 18 Versen; das bei Stolle ist auf 29 Verse erweitert.
Endlich findet sich dasselbe Geflieht in einer Handschrift auf der Leipziger Stadt-
bibliothek (codex (Vi XXVII Rcp. II 10 *, codex chartaceus, s. XV — vgl. Gate-
logus lihrorum manuscriptorum ed. Rob. Naumann , 1838, — fol. 261 a u. 261 b),
auf 14 Verse erweitert , im ganzen , von einzelnen Umstellungen und Abände-
rungen im Ausdruck abgesehen, mit dem Stollesehen Gedichte bis Vers 28 überein-
stimmend, nur der letzte Stollesche Vera fehlt , dafür sind Vers 28 — 44 noch
amlere Schilderungen hinzugefügt. Ein gleiches Gedieht erwähnt auch noch
\\\ Selm in in einem Münchner Codex (Cod. lat. No. 3861 fol. 162) über diesen
Krfurter Brand (s. MGF, VI, Erfurter Handschriften in auswärtigen Bibliotheken,
S. 271 f. ). — In Humanistenkreisen ist der Brand in Distichen beschrieben: in
kürzester Form in *> Distichen ebenfalls in den Additiones ad Lamb. Schaffna-
burg. a.a.O. S. 440; dann hat \V. Wattenbach 33 Distichen in dem „Anzeiger
für Kunde der deutschen Vorzeit", 1870, S. 120-182 veröffentlicht. Nach W.
Wattenbach sollen sich die oben bezeichneten Stolleschcn Verse einzeln in der
Digitized by Google
222. Stück.
295
Erffort preclara. Tibi fax tunc luxit amara,
Deperit eceleaia tua virgo bcata maria;
Presul3 sincerus dampna tulit ipse Severus,'
Pons niercatorum, domus* omnes canonicoruni
Kaparumque forum ex post pluriura laycorum,
Cartas radentes,* in funiculis laborantes,5
Ferrum eudentes0 et campanas facientes.7
In lata strata pereunt habitacula grata,
Ante gradus multe pereunt domus1' et bene culte.
Annulus* in flamen cecidit fetidumque foramen,0
Pisces vendentes10 in viminibusquec suentes,11
Hinc peccatricum 12 comburi postea vicum
Contigit hinc forum,13 quod probat cursus equorum,
Et sacri fontis 14 templum, longi quoque pontis ;
Quamd Gerpstet15 struxit, domui fax pessima luxit,
Et quam dotavit libris multisque beavit.
Aula maguntina16 tibi venit magna ruina,
Hinc in bruletum ruit ignis edax, ubi cetum17
Inuenit Carum devotarum monacharum.
Tgnis flamma, venis in parochiis duodenis.
Ignis vi tanti pereunt homines aliquanti, |
Ut duo presbiteri, pueri duo, mulier una las
Et studens letus, cum Cristo sit requietus!
Ignis dum repit, quot torcularia cepit,
Quot molendina, quot balnea, quot bona vina,
* HS: domo«. b IIS: domo«. « HS: flmlnlbtuqn«. d H8: quem.
HS der Fürstl. Wallereteinschen Bibliothek zu Maihingen No. 3 cod. chart. s. XV.
fol. 78 finden. Ein Gedicht hierüber findet sich noch nach Sehum, Erfurter Hand-
schriften in auswärtigen Bibliotheken (a. a. O. S. 265), in der Gräfl. Schönbornachen
Bibliothek auf Schloss Pommerefelden im Codex No. 2801. — Der Stollesche Text
i*t mit Hilfe des Leipziger Textes von uns emendiert und richtig interpungiert,
auch kommentiert, soweit es nach den Anmerkungen zu St. 221 noch nötig er-
schien. * Der Tag des Protasius und Gervasius ist der 19. Juni. 3 Die
Kirche St. Severi ist gemeint. * Pergamentergasse. f> Seilerbuden ; sie lagen
vor den Graden (Domstufen). 11 „Unter den Schwertfegern", in der Nähe der
Allerheiligeukirche. 7 „Unter den Glockengiessern", jetzt Kettenstrasse.
* = inter annulatores, „Fingorliugsgasse", jetzt ein Teil des Friedrich -Wilhelms-
platzes. 9 " „Faulloch'4 oder „Volloch", d. h. die Stelle, wo der überdeckte
Abflug* des .Tuliusgrabens ins Freie trat, jetzt nordwestliche Ecke des Friedrich-
Wilhdmsplatze«. Näheres s. bei H.Beyer, Kurze Geschichte der Stiftskirche Beat.
Mariae Virg., i. d. MGE, VI, S. 218 f. 10 „Fiscbmarkt". 11 „Unter den Weiden",
jetzt Weidenstrasse. n „Frauen-" oder „Halbmondga>se", jetzt die eine Seite
des Artillerieplatzes. '•' „Roasmarkt', jetzt Hermannsplatz (s. St. 221 A. 22).
u „Heilige Brunnenkirche" (ebenda A. 23). IS l>as coliegium iuris Marianuni,
von Heinrich von Gerbstcdt, Doiuproi*t beim Stille B. M. V. (bcatae Mariae
virginis), am 14. Oktober 1448 gestiftet (s. Hartwig a. a. O. I S. 124), jetzt Mainzer-
hofstrasse 12. 10 Mainzerhof (s. St. 221 A. 17). 17 Das Martinskloster (siehe
ebenda A. 25).
Digitized by Google
296 223. und 224. Stück.
Libros insontcs, clenodia quot quotque» fontes,
Solas nouit ille, qui seit scrutinia cordis.
Fi nis.
223.
1472 Anno domini M° CCCCW LXX11 an sante margareten tage' wart er
slagen eyn prister in deine dorffe zu molher,2 unnd do sweig man
alloyne in deme selbien stule.
147:$ Anno domini M°CCCC0LXXIII an deme achten tage unser lieben
frowen worezewee3 noch mittage zu vieren er hub sich eyn gross
meohtigk für in der stad numburgk, unnd brante reine uss, uff funff-
czigk hofo, unnd man sagite, das is ouch er apel von tanrode ritter
hatte also bestalt etc.
1*73 Anno domini M°CCCC°LXXIII an sant lamperten abende,4 warl eyn
gross für in deme stetchen artern5 genant; das brante gancz uss.
1474 Anno domini M° C(TC°LXX1III erhub sich eyn gross für zu wissen-
see unnd brante vilnach6 ouch gancz uss, von eigen fure. |
221. Mappa miindi.1
Induum mare2 in oceano protenditur usque in regiones inhabita-
biles per tantam longitudinem, quantum una navis cum pleno vento
navigare potest per dies XL,8 in quo esse dicuntur Septem milia insule
a meridie usque in septentrionem.»
" «juoqae.
18 toreularia = Keltern, mollcndina = Mühlen, balnea = Badestuben, fönten
= Brunnen.
228. 1 Montag den 1». Juli 1472. * Obermehler, Dorf im Landratamte
Gotha des Herzogtums Sacbsen-Koburg und (iotha, s. A. Werneburg, Die Namen der
Ortschaften und Wüstungen Thüringens, JAE XII, 1884, S. 24. 3 Sonntag den
15. August 1473. 1 Donnerstag den 16. September 1478. 5 Städtchen im
preussisehen Kreise Sangerhausen, Regl>ez. Merseburg. * Mundartl. md. Adver-
bium = völlig, «.auch St, 198 A.35 und St. 347 A. 26.
224. 1 Durch da* Meisterwerk des Professors Dr. Konrad Miller in Stuttgart:
Mappaemundi, die ältesten Weltkarten, 6 Bände, 1895-1898, ist die Kenntnis
dieser schwierigen Materie endlich auf wissenschaftlich -solide Basis gestellt und
sozusagen erst zugänglich geworden, denn Miller hat in den 5 ersten Bänden das
Material der mittelalterlichen Weltkarten mit den Quellcnbelegen" dargeboten,
also „die auf dem Altertum fussenden Weltkarten des Mittelalters vom 8. bis zum
beginnenden 14. Jahrhundert , soweit dieselben von den Entdeckungen der Neuzeit,
den Arabern, von der W'iedcrentdcckung des griechischen Philosophen Ptolemäus
'i 2. christl. Jahrh.h sowie von den Oontpasskarten der Italiener nnbeeinflusst sind;"
in dem 6. Bande hat er dann „die Schlussfolgerungen bezüglich der römischen
Weltkarte, der Orientierung und Anlage derselben gezogen, Schritt für Schritt
der Entwicklung der mittelalterlichen und der römischen Karte rückwärts folgend,
Digitized by Google
224. Stück.
297
Alia insula.
Trapabana5 optima insularum Tndie, germinat raargaritas et alias
gemmasfi et aromata multa; ibi nascuntur homines majores aliis,7 et
qui* in anno centeno moritur, dicitur juvenis decessisse;8 pecuniis non
» Io HS vergessen.
die Bilder aus den Beschreibungen konstruierend, und so vom 7. Jahrh. n. Chr.
bis zum ersten aufsteigend."
Da wir in Stolle eine solche mappa mundi fanden, aber auf diesem schwierigen
Gebiete nicht so bewandert waren, um nur einen selbständigen Schritt zu thun,
so haben wir uns an den Meister selbst gewandt, und Kollege Prof, Dr. Miller
hat <lie Oute gehabt, da ihn die übersandte Darstellung Stolles interessierte, für
unsere Ausgabe die einleitende Einführung zu dem folgenden Abschnitt wie den
Kommentar zu schreiben. Diese Ausfuhrungen geben wir im folgenden unter
Millers Namen wieder:
Der folgende Abschnitt enthalt die Legenden einer Mantnaner Welt-
karte, welche nach «1er am Schlüsse gegebenen Mitteilung i. J. 1458 von Stolle
in Mantua abgeschrieben worden sind. Von der Karte selbst sagt Stolle nur,
dass sie mit all den hier wiedergegebenen Schriften überaus kostbar gemalt sei.
Von der Existenz dieser Karte ist uns sonst nichts bekannt. Sie ist aber in
mehrfacher Hinsicht interessant. Die Wiedergabe der Legenden durch Stolle
scheint eine. recht befriedigende zu sein. In Bezug auf die Vollständigkeit findet
man beim Überblick über das Ganze bald heraus, dass Stolle nur die eigent-
lichen Legenden, d. h. grösseren Schriftgruppen, und dazu die Ländernamen auf-
genommen, dagegen die einfachen Städte-, Flüsse- und Gebirgsnamen grössten-
teils ausgelassen hat. Die Zahl der Legenden int deshalb keine grosse — es sind
nur etwa 240, — aber viele derselben sind so lang, dass sie doch eine grössere
Karte, etwa von dem Umfange wie die eatalanisehen, voraussetzen.
Stolle liest die Karte ab, indem er oben in Indien beginnt und immer von
oben nach unten und dann von rechts nach links fortschreitet. Zuerst kommt
Asien, hier wieder zuerst der Osten, vom Indischen Ocean gegen Norden bis
Kussland und Siebenbürgen, welche noch zu Asien gerechnet werden; dann folgen
Arabien, Syrien und Kleinasien, dann die Inseln des indischen Ocean.-. dann
Afrika, die Mittelmeerinseln, Europa, der Ocean und die Inseln der Glücklichen.
Die mantuanische Weltkarte nimmt unter den uns bekannten Karten des 14. bis
15. Jahrhunderts eine Mittelstellung ein. In der äusseren Form gehört sie noch
der Vergangenheit an, der grossen Gruppe der alten mappae mundi. Die
Erde ist kreisförmig, vom Ocean umflossen, während es sonst im 15. Jahrhundert
üblich war, das Paradies in Acthiopien anzusetzen. Damit stimmen die zahl-
reichen Legenden aus der römisch -mittelalterlichen Weltkarte überein: ich ver-
weise nur auf die Legenden zu Chryse, Argyra, Monoculi, Gangis latitudo, for-
micae in>rentes, homines odore viventes. Alexander und Poms, Gog, statuae
Alexandri, Albani canes, paludes Moeotides, Hyperborci, Amazone«, Scythia in-
ferior, Arabia u. s. w. Wir begegnen aber auch einzelnen Angaben, welche alten
Schriftstellern entstammen, ohne aus der alten Weltkarte entnommen zu sein.
Die Benutzung von Solinus und Plinius, welche auch citiert werden, ist nicht auf-
fällig, wohl al»er ist die Benutzung des Ptolemaeus beachtenswert. Aus Ptole-
maeus sind die meisten Meeresnamen, sodann septem insulae Senobum, mous
Arauga, myrrhifera regio, fons solis entnommen.
Im übrigen ist der Inhalt der Mantuana modernisiert, und es sind namentlich
folgende Quellen nachweisbar. Am engsten schlicsst sich der Autor au die so-
genannten Catalanischen Karten an, deren miin vom Jahre 1380 an eine
grössere Anzahl, teils mit lateinischem, teils mit cntalanischem Text könnt;
Kretschmer zählt deren 14 auf, s. Zeitschrift dor Ges. für Erdkunde zu Berlin,
1897, Bd. 33, S.-A. pag.2. Unter diesen steht wieder die Karte von Modena,
Digitized by Google
298
22-1. Stück.
utuntur, conimutantes insimul mercancias;9 vineas non habent, tsed
omni tempore habent blada 10 et duas estates et duas hieines.11
Kegio insula.
Trapabana est regio in medio insule Trapabane.12
welche Kretschmer ebenda beschrieben hat, am nächsten. Es ist dies die einzige
unter den Catalanischcn, welche das vollständig runde Erdbild giebt, während
alle anderen die Form eines langen, von W. nach O. gestreckten Streifens haben,
welcher im N. und S. gradlinig abschliesst. Leider sind noch nicht alle Cata-
lanischen Karten gut zugänglich, und mussten wir die Vergleichung auf die
Pariser Karte (abgekürzt Ctl), die Karte von Modena ed. Kretschmer (abgekürzt
Mod.), und die Karten von Dulceti, Soleri und Diladestes, diese 3 herausgegeben
von Marcel, 1896. beschränken. Fast alle wichtigeren Bilder sind aus dem Wort-
laute wohl erkennbar, wofür ich auf die Alexandersäulen, die Perlenfischer, die
septem castra in Siebenbürgen, die columnae Herculis verweise, ganz besondere
aber auf Stollea Zusatz bei der Frauenverbrennung in Indien : prope eyn pfanne
mit fure. Auch die Karte des Vesconti-Sanuto, die Borgiakarte, die de» Wals-
perger und fra Mauro zeigen manche Übereinstimmung.
Neben den Catalanischen Karten kommt als Hauptquelle in Betracht Marco
Polo (1295 n.Chr.), welcher aber auch den Catalanischen Karten zu Grunde
liegt, so dass es im einzelnen Falle schwer ist, zu entscheiden, ob Polo direkt
oder nur mittels jener den Stoff geliefert hat. Die meisten Legenden über die
Tartaren und fast ganz Asien gehen auf Polo zurück. Wir citieren nach Recueil
de voyages et de memoire«, tom. I, Paris 1824. Die Angabe über desena Indiae
und die Legenda über Catbay geht auf Hai ton (1307) zurück. Die Legenden
über Albani und die Totenaussetzung in Tibet stammen von Odorico (t 1331)
her. Auch bei Joh. de Marignol (1341) findet man Ähnliches (Saba, Columbum,
der Priesterkönig Johannes nach Nubien versetzt).
Auffällig ist, dass im Atlantischen Ocean alle die neuen td eckten Inseln
(Canaren, Madeira, Azoren), welche man teilweise schon im 14. Jahrhundert kannte,
und welche auf den Catalanischen Karten sich linden, unerwähnt bleiben, und
die Fortunatae oder Deperditae nach alten Quellen beschrieben werden, während
über den Ocean das zu Stolles Zeit vielgenannte Citat aus dem Buche Esdras
Verwendung fand, welches auch Columbus stark beschäftigte.
Die Man tu anische Weltkarte scheint um das Jahr 1400 n.Chr., keinesfalls
viel später, abgefasst worden zu sein. Als jüngstes Datum fanden wir das
Herzogtum Mailand (errichtet a. 1395) ; Bosnien als Königreich weist auf die Zeit
nach 1366, Bulgarien nicht nach 1896 hin, doch darf auf solche vereinzelte An-
gaben kein Gewicht gelegt werden. Immerhin ist das Bild der Staaten Europa*
ein für diese Zeit über Erwarten getreues.
Ohne Zweifel werden die Quellennachweise für die Legenden der Mantuaua
sich noeh um einig« vermehren lassen. Ein paar Angaben fand ich noch in der
Abhandlung des Matthias von Miehow De Sarmatia Asiana atque Europaea (ed.
Orbis Xovus Basel 1555 pag. 449 ff.), darunter diejenige über das idolum zlotabala,
weichet* doch wohl identisch ist mit Stolle« Delotobola; aber die Quelle kenne
ich nicht.
Bezüglich der Citate der alten Karten — wir stellen hier die Abkürzungen
alphabetisch zusammen: Be = Beatus; Borg. = Borgiskarte in Rom; Ctl. =.
Catalana (bes. Pariser); Co Cottoniona in London; Dulceti — Karte von Dul-
ceti ed. Marcel; Eb = Ebsdorf; tif = Genfer Sallustkartc; Gu = Guido; Hf =
Hereford karte; Hi — Hieronymus: Orient, Palästina; Hn = Heinrich v. Mainz;
Is. u. Isidor = die Weltkarte von Isidor v. Sevilla; Lb = Lambert v. St. Omer;
Mauro = Karte von Fra Mauro; Ml — Pomponius Mela — die Weltkarte von Pompo-
nins Mela; Mod. = Catalana von Modena ed. Kretsehmer ; Orosius = die Weltkarte
des Orosius; Ps = Psalterkarte von London ; Pt — Ptolemaeus ; Rf — Ranulf Higden ;
Sanuto = die Weltkarte des Vesconti-Sanuto; So — Kurte von Soleri ed. Marcel;
T-Karteu = viele Kopien vom 8. Jahrh. an (Noachidenkarten, Strassburger Kärtchen,
Digitized by Google
224. Stück. 299
Insula.
Argira insula 13 habet copiosam mineram argenti 14 ; in qua habitant
gentes feminine multuni divites.15
Insula.
Crisa insula adeo habundans auro, quod tota dicitur esse aurea,16
circa quam habitant homines pilosi, non loquentes, sed laborantes, sil-
vestres; hii vivunt de piscibus so] um, quos capiunt in mare.17
Una patria extra aquam in terra.
Ibidem sunt homines habentes solum unum pedem, in quo sunt
octo digiti, et tegunt se cum illo pede ad defensionem incensi caloris.1*
Et ista patria est clausa cum montibus in circuitu. ^
Paradisus.
Paradisus deliciarum. 20 Et est clausa in circuitu cum montibus21
et cum porta aurea,22 et angelus stat | supra portam habens gladium in
manu sua.28 Et interius est fons, de qua [sie] fluunt quatuor aque, qua-
rum nomina sunt hec: Eufrates, gion, tygris, phison.24 Et sunt ibi Jo-
hannes ewangelista [sie], enoch et helias.25 Et in cireuitum currit aqua.20
India superior.27
Minima» Ganges latitudo per octo milia passuum, maxima per vi-
ginti patet.28
Formice habentes cornua, aurum, gemmas custodientes.2u
Hic allexander vicit Porrum, regem indorum.30
Homines ibi nati quodamb tempore anni solum de odore quorun-
dam pomorum vivunt.31
» HS: ota. b HS: qaoddam.
Weltkarte von Oxford a. 1100, Wilhelm v. Tripolis, Arras); Ta — Tabula Peu-
ting. ; Viladeates — Karte von Viladeates ed. Marcel; Walsp. = WalBpergers
Karte u. a. Abkürzungen, z. B. PI = Plinius, verweise ich auf meine Mappae-
mundi (Abkürzung Mm) I— VI, 1895-1898, wo sich alle« Nötige findet.
5 Indicum — Eb. 3 Unbekannt. * 7748 Inseln — Polo III, 8, danach
Ctl. :> Trapobana — Ctl, sonst Taprobana. •' Margaritis et gemmis repleta —
Bo. 7 Solinus 53, 11; Ctl. " Solinus 58, 12 ; Pseudocallisthenes. 9 Plinius
6,89 sagt im Gegenteil: aurum argentumque ibi in pretio. 10 vites uesciunt,
pomis abundant — Sol. 53, 13. 11 Rf, Eb, Ctl. 12 Unbekannt. ,;* Auf alleu
Karten. 11 So u. a. K. u ef regio feminanim — Polo 111,37; Ctl. ,,! So
u.a.K. 17 Ctl; s. Ichthyophagi Mm V. 49. 18 S. die Monoculi Hf(Mm IV, 33)
an derselben Stelle im Osten, Sciopodes des Isidor und Beatus in Äthiopien. Auf
Hf zeigt das Bild noch die 8 Zehen ; inoensi statt immenai. ,n An derselben
Stelle hat Eb die ringsum von Gebirgen eingeschlossene Seres. Vgl. geus Atta-
coriim PI. 6.55. -° locus deliciarum — Borg. -' A.a. K. -Neu. Hf,
Borg. M A.a. K. '•' Enoch und Elias s. Lb (Mm 111,50). w Siehe dns
Bild Lb (Mm III, 46), Hf, Hn. -1 Hi. Gf. ,R So 52,7; Hf ; PI. 6,65.
™ So 30, 23; El> (Mm V,27). Walsp. Die Hörner nur bei PI. 11,111. "ü Walsp;
Hf (Mm IV, 34). Hi. Eb (Mm V,50k Aus dem Alexanderroman. " So 52, 30;
Hf, Eb (Mm IV, 34), Jean de .Maudcvilles Reisen (1372) in Indien an derselben
Stelle, bei Walsp. dagegen in Äthiopien.
Digitized by Google
300 224. Stück.
Sepulchrum sancti thonie.
In ista regione cuiusdara potentis cristiani suppositi imperio pres-
byteri johannis32 requiescit corpus -sancti thome, qui convertit indos
et etiopes,33 et in magna parte est inhabitabilis propter serpentes.34
Regio.
Calumbinum regnum35 est habens ydolum quoddam, cui incole
illius regni ymmolant filios;36 habundant elephantibus et sunt gentes
ille habundantes diviciis propter portum maris, quem babont. Et jacet
in fine terro et vocatur Asia.
Regio basam."
In hoc regno88 est quidam soldanus, qui potest congregare centum
milia equites, quum wult [sie], cum multis bellicis elefantibus.39 Habun-
dant incole illi multis margaritis40 et papagallis41 proprio eyn setch.15
Regnum Tarsie.43
Deserta Indie.*41 |
v In hoc deserto sunt multa monstra, que multum impedierunt
alexandrum magnum, quum acquisivit orientem.15
Regio.
In hac regione sunt alique rupes habentes horribiles cavornas, in
qnas si quis velit intrare, retinetur et nescit, unde hoc eveniat, et cum
aliqui ex permissione intraverint, putantes se intrasso paradisum ter-
restre, reperiunt se esso ultra inicium fluvii ganges.
Una patria.
Hic homines proiciunt membra mortuorum suorum avibus celi
dicentes, quod ipsi sunt angeli celi.4,i
Alia provincia.
Hic habitant gentes, qui [sie] audito ab eoruni ydolo, quod inlirmus,
non liberabitur, cum in solompni convivio comedunt.17
Alia provincia.
Provincia Catay est maxima et copiosa populis et diviciis multis
pulchros habet homines imberbos ot parvos habentes oculos.48
• HS «welmM (Bl. 15» nnten u. Bl. 159 » oben).
•'■ Die Ctl hat: lo rev Steve Christian, wo der Leib des heilig. Thomas ist.
M Polo III. 27. 14 Polo 111,29. Si Colombo Ctl, Palombo Odorico, Coilum
Polo, Quilon an der Küste von Malabar. 3r' Odorico c. 10 (cd.Cordier pag. 102).
17 Vgl. regnum Basman — auf der Insel Java. Polo III, 14. 38 Nach Ctl und
Mod. da» Reich von Doli. ™ Ebenso Ctl u. Mod. (ed. Krctschraer Legende
No. 31). 40 Ctl u. Mod. berichten von kostbaren Steinen. 41 Polo III, 30
nennt dieselben in Coilum (Colombo). J? Scheint die Verdeutschung sein zu
»ollen: setseh = Sittige — psittacus? 4; Ctl, Mod. Haiton — das Land der
heiligen 3 Könige. ** Haiton cp. 6. '"' Haiton ep. 6. Vgl. die Wüste mit
den wilden Tieren auf Eb. *f' Odorico cp. 29 (ed. Cordier pag. 451), in Tibet.
4T Polo 111,17. 49 Aus Haiton cp. 1. Vgl. Ctl, Mod. 27.
Digitized by Google
224. Stück. 301
AJia provincia.
In ista provincia est ydoluui, vocatur delotobola,49 valde antiquum
et situatum in regione quadaru super mare caspium, unde a septeu-
trionalibus offeruntur illi lapides preciosi et aurum in tanta copia, qtiod
od veno illa cernentes credunt, hoc miraculose factum in virtute
illius dei.50
Unus rex.
Magnus canis est valde dives super oniues principes mundi et
custoditur per XII milia milites.51
Provincia gog.62
Provincia gog, in qua judei sunt inclusi tempore alexandri
magni^; artizerius,M suus imperator, misit innumerabiles Judeos hic
ad habitandum, 55 qui dobent exire tempore antecristi,'*" .et ibi adorant
vitulum/'7
Asya.M
Statue alexandri,™ in quibus stant duo pueri cum tubis.150 J
Finis persii, est provincia. iao
Kcclesia s. mathei est prope lacu ysicol.61
Desertum lopi.02
E(|iiitando per desertum lopi longitudine dieruni XXX si contigerit,
quod aliquis causa aliqua de nocte a sociis deviaverit, voces demonum
audit, silens vocibus sociorum suorum et tali modo perditur.'53
Möns trapanus.''4
Hic nmlieres maritis mortuis sponte se inrogo proiciunt' '' prope eyn
pfanne mit fure.,;,; Et hoc est in regione albanie.
Deserta Sitica07 et ibi habitat rex tartarorum/^
Hic non colligunt panem nec vinum proptor frigusr" et habont ju-
menta multa, quorum carnibus et lacte vivunt. Et faciunt eastra
pastoribus de curribus et tentoriis.70
Möns Sebur,71 ubi oritur Ras,7? fluvius magnus.
Albanie ibi gentes73 canes animo et corpore, qui tauros premant,
leones perimant7* et superent elefantes, ut ait Plinius.75
49 Mathias a Michow (Novus orbi* l-r>55, pag. 483 A) berichtet: post terram
Viathea in Seythiam penetrando iacet magnum idolum Zlototababa, quod inter-
pretatum est aurea anus vel vetula. °" Unbekannt. 51 Polo II, 12. Vgl.
Mod. 29. •'- A. a. K. 41 Rf, Eb. Artaxercis — Borg, quon Iudaeon
Artaxes rex collexit de oranibue partibua Perearuni — Borg. Mod. 40, Rf,
Eb. ',: Neu. M Asia als Erdteil Ctl, Mod. 69 Alexandersage, Ctl, Mod.
w Siehe da» Bild — mit 2 Trompeten — auf Ctl, Mod. 41. ul Ctl, Mod. 42,
Borg., Mauro; ander» Eb (Mm V, 46). Polo I, 44; Ctl, Mod. 43, Mauro.
w Polo 1. c, Ctl (Paris). M Unbekannt. Polo 111, 21 (in Var.); WaUp.
(in Altalicia cum vir moritur, mulier cum eo viro sepelitur) ; Ctl (bei den Montes
Caapii). Eine PfAune mit Feuer; a. daB Bild der Ctl. Die Vorlage Stollen
hatte womit dasselbe Bild. 01 Denerta Scvthiat» — Mela, deserta Hl', arenosa
und iuhabiiabilia ße. «" Ctl, Mod. 29, Öanuto. Polo I, 61. 70 Polo 1,59.
Digitized by Google
302 Stück.
Regio messine.
Canis, qui sangwinetn [sie] sitivit et sangwine [sie] impletus fuit, de
quo ait dantes, sanguine sitisti et jo. dicit sanguine tepio.™
Palludes meatiles.77 Et ibi finilur Asya maior. Nunc ineipit
Europa.78
Sitya superior.7'-'
Homines isti adoraut solera vel lunam*0 vel ydolum, quod habet
eentuni capita et totidem manus.81
Iliperborri incole propter abeundi K- tarditatem rupe nota preeipitem
casum in uiaria desinant*3 secundum solinum.*4
4
Regina Amasonura.N"'
Sithia inferior.*''
Iperboreii8 occeanus*7 et siticum litus.** |
Sepulchrum magni canis*'-' i.e.» regis.
Post fiois magni canis occiduntur servi eins, ut illorum aninie
associeut et serviant spiritui magni canis.1K'
Incole korges habitant sub terra propter nimium frigus, habundant
pellibus narii et cibelliniIM bestiarum et ex illis mercantur, ut vivant92
Regio septem castrorum.''3 Regio tramplusina. Rossia regio; ho-
mines ibi adorant ignem.
Transpinarum regio,'1 ultima Arabia,,,!l regina Saba.w,;
Arabe idem est quod regio saera,5'7 ubi nascuntur incensum, mirra,!>8
eanella, spicinardi et alia aromata.*' Et ista insula in magna sui parte
et arenosa et deserta propter serpentes.
Oraculus sinus.100
Sepulchrum Mahumeti101 suspensum in aere virtuto magnetis.,ftä
• IIS blow i.
71 Schür civ. [u. Gebirge) Ctl, Walsp (Segur), Mauro (Sugul). 7* Ebenso
Isstachri, Rha — Pt. 7* Statt iugentes verschrieben. 74 Isid. etymol. 14, 3,
39; He (Mm 1,48), Eb (Mm V,31). 7- Plinius 8, 149-150; So 15, 6 u. 7.
7r> Unbekannt. 77 Maeotidea — a. a. K. 78 lin, Be u. a. n ls, Rf, —
suprenia Iii. *" Diw»elbe Angabe hat Mathias a Michow (Novus orbis pag.
483 B.) Polo 111,7 berichtet auf der Insel Zipangri von einem Idol mit 3
Kopien und 100 Händen. obeundi. 81 dentiiiant. w So 1«, 4—5 (wört-
lich); Hf. *:' 2 Königinnen - Aethicus; regio — Eb, Walsp. "* Ebenso Is,
El», Rf, Sauuto. Pf. "s Scytbicuin niare — Or. H" Mod., Mauro.
"° Polo 1.54. Mod. 47; ähnlich Leardo. »' varii u. zambelini — Polo III, 50.
01 Dasselbe sagt Mauro von den Permiani im äussersten Norden. Septem
ca*tra der Iuhuri in Sarmatia s. Mathias a Michow (Orbis novus pag. 467 A); das
Bild der 7 Städte ohne Namen hat Ctl u. Mod. über der Donaumündung. Die
Ctl von Viladestea (ed. Marcel) pl. V giebt auch den Namen ceptum Castrum;
regio septem castra — Dulceti. Jetzt Siebenbürgen. ,M Unbekannt. w' Un-
bekannt. »• Ctl u. Mod. mit Bild. 87 Ih, Be, So. " Ctl. 09 Unbekannt.
100 Unbekannt; statt Arabicus ? ,01 Walsp. 10- S. Mathias a Michow (Orbis
novne, 1555, pag. 241 B).
Digitized by Google
224. Stück. 303
Nabacia103 provincia.
Möns Synay.104 Sepulchrum sancte katherine virginis.105
Desertura esides.106
Arabia deserta.107 Arabia petrosa.lüs Prima babylonia.109 Terra
de babylonia. Mesopotanda.110 Rex mesopotanie.111 Möns de Ar-
menia; ibi stat archa noe.112 Montes lybani ; ibi exiit flunien jordanis.113
Provincia galilea,114 mare galilee,115 jericho,116 daraasco.117 Syria est
provincia. Terra sancta,11* Jerusalem, mons olyveti.111' Iste est carbu-
lanus, qui cepit basan.12° Gallicia121 est una provincia. Princops tur-
eorum.122 Cilicie123 est una provincia clausa cum montibus124 et vo-
eatur anianus.1*-5 Capadocia est una provincia.12*1 Mons thamus.127 |
Sequuntur alie insule in mare extra terram. im
Insula jan,128 est una regio in mare extra terram.
Insula lainbri129; incedunt gentes ille nude,130 comedentes tarn
carnes humanas131 quam aliarum bestiarum s. bufl'alorum et pecudum.
Insula piperis 132 habet longitudiuem pariter viginti dierum, plena
serpentibus,133 et volunt colligere piper, ponunt intus ignem, ut ex-
pellant serpentes.
Alia insula.
Ex ista insula habentur cinaniomum, alces et nuces muscate,134 et
habentur ibi due estates et duo hyeme [sie].135
Insula stil in mare et est una provincia.1™
Alic insule.
In istis insulis habetur quantitas nueum muscarum,137 canelle,
galbine et margaritarum , et ad illas veuiunt mercatores de persia et
arabia.13*
Mare.
In isto mari piscantur incole i Iii inargaritas, rubinos et alias gemmas,
et habent aliquos modos incantandi magnos pisces, ne devorentur ab
ipsis, dum piscantur genimas.13"
,03 Nabataea, Is u. a. 104 A. a. K. m Ctl, Mod. 108 Unbekannt.
107 Sanuto, Bf, Hn, Co. {oH Petraea — Pt. '•■ Babylonia magna — Ctl,
Mod. 1,0 Ctl, Manro, Walsp. 111 Meso|>otamia heisst jetzt Turchia — Ctl,
Mal. m Ctl, Mal., Haiton. 1,1 Ctl, a. a. K. ,,4A.a.K. 1 15 Ctl, Walsp.
11H Walsp. u» Mod., Walsp. "* Borg. A. a. K. 1,0 Unbekannt.
,s» Galatia — Hf u. a. l* S. da« Bild Ctl n. Mod. 1,3 Ctl. 1,4 S. das
Bild der Ctl. ,?i montium Tauri et Amani jugis clausa — So 38, 2. m Walsp
u. a. a. K. 1,7 Taurus a. a. K. 1M Jana — Ctl, Mal., Polo III, 10 sq.
"9 Polo 111,18; es ist Sumatra. ,5W Polo III, 20. 22.23. 481 Polo III, 17
u.ßl. m Sanuto, Walsp. ,s* Joh. de Hese, Jean de Maudevilles Reisen
^1372). 184 Polo III, 9 u. 10 (lignum aloes et nuces muscatarum). Hf,
Eb, lsid. von Taprobane, Ctl unter Taprobana im Meer. 13,1 Seilam — Polo
111,22; 8illam — Odorico; Seilana - Conti; Ceylon. ,:,T Polo III, 8.
1,8 Vgl. Polo III, 21 u. III, 8. ,8» Polo III, 21, Mod. Siehe das Bild der
Perlenfischerei auf Ctl u. Mod.
Digitized by Google
304 . 224. Stück.
Septem insuJe Senobum.140
Mare.
Ad istud mare persicuin proveniuut omnes mereancie, que ferunt
ab insulis indiaüis et postea per fluvium tigridem transferuntur ad eivi-
tatem baldac,141 deinde ad damascum.1'*
Mare persicum.J4S
Edem 144 est civitas magna et est situata in tine mari [sicj, et in
alia parte civitatis incipit mare rubrum et vadit quasi in jerusalem.145
v Incipit nunc maxima patria inhabitabilis | propter nimio estu. üna
alia pars terre torride sone subraissa.14'1
Incipit nunc patria ethiopia.
Ofrir regio.147 Crisopasus, adamantes et plurimas gemmas, psitacos,
sunias et plurimas species monstruosas producit.
Regio ferens mirram.14*
In hoc deserto etiopie14'' est multitudo ferarum 160 et serpentum,,M
et hic cynamomum152 et aromata plurima sunt. In hoc deserto are-
noso153 habitant silvani, tauni et satiri.154
Maximus rex ethiopie.
Prosbiter johannes habitat in prima, que vocatur Nubia.,r,:>
Sunt quidam etiopie in monte areuges,156 et vocatur trogodice, qui
male dicuntur solem.
Est una alia patria. Ibi sunt homines habentes capita in petrtore.157
Garamatica laux1'* est una patria.
In illa provincia cristiani pugnant contra sarraccnos.,r,!'
Extra illis partibus est mare magnum, et vocatur mare ethiopum.100
Rex etiopie in terra.
Populi psambati summa regie potestatis uni cani tradunt, de
cuius motibus quidam interito102 augurantur.1'1-1
Möns quillam,1*4 in quo etiopi habent convivium magnum.
Est quidam mons,1** de quo exiunt quinque aque et congregantnr
in uno Joco, et postea vocatur mare missa sive locus tul,,fiC et sie
finitur ista provincia.
un Zenobii insulae septeni — Pt. Ul Vgl. Polo 1,16. Ctl u. Mod. 84.
14:1 Ctl u. a. u* Ebenso Polo 111,46; Aden - Ctl, Adern — Mod. 1,5 Ähnlich
Polo 111,46. u* Der südliche unbewohnbare Erdteil; s. Lambert (Mm III, 50;,
feiner die Bilder auf Mod. u. Walnp; ferner Sanuto (inhabitabilis propter ca-
lorem). inaula — Walsp. MS Myrrhifera regio — Pt. MS So 30, 12.
So 80, 19. Siehe das Bild der Eb. ,:" S. Bild auf Eb. "* So 30, 80. Pt
(cinna momifera regio). ' P*. nilvestres, fauni u. aatvri Eb (Mm V, 61);
fauni u.aatyri Hf (Mm 111,38). ,i5 Ebenso Ctl, Mod. Aranga mons —
Pt. i« Hf, 1«. So u.a. Vallis Garamantica - Pt. Siehe Mod. 14
(rex Organa). ,w> Siehe die Melakarte. Psambari So,, Hf, Eb. ,0,quidnam
imperitet — So. Wörtlich aus So. 30, 5. Ahnlich Plinius 6, 192.
Stadt Quillam — Mod. '"^ Nach der Legende Mod. 5 das Mondgebirge.
moiM lunae Pt, Gibeleamar. Auf Mod. bildlich dargestellt: 5 Flüsse vom
Digitized by Google
224. Stuck. 305
Egiptus superior.1'17
Tempore beati jeronimi habitarunt in deserto egiptilßs heremite
XL milia, miracula facientes.169
Soldanus babylonie,1'0 fons* solis,171 silva maxima.172 | Libia sara- im
cenorum.173 Deserta libie.171 Mare arenosum.175
Affrica. l7ß
Rex organe.177 Sunt quidara fsic] bestie habentes capita horainum,178
que, 8i bibendo viderint in aqua ymaginem propriam, plorant mon-
struosamb deformitatem suam.179
Regio septem moncium.1*0
Rex gamig181 vocatus mussaneli182 et adorat ydolum; hic cristiani
[sic| vendit, laborant ut bestie in aratro.1*3
Libia interior.1*4
Pentapolis,185 est quidam princeps et adorat philenorum ydolum.,K,;
Rex de barbaria.1*7 Rex de balaberiro.lss
Nunc incipit mare, quod venit de jerusalem
et vadit usque veneciis.185*
Egipcium pelagus.1*0 Insula cipri; et est regio in aqua, et sola ex
orientalibus regnis cristicolis remansit.
Insula rodi, sedos johannitarum, defensatrix ciistianorum contra
turcos remanet. Candia est eciam una insula in aqua. Mare egeum.1*1
Creta fertilis insula inclita producit mina.
Libicum pelagus.1'*2 Marc mediterraneum ruptis limitibus,M oeei-
dentis in quodam strictum194 vocatum moroc,1*5 et attigit usque ad mo-
diani terre, habitabilis, dividens Affricam ab Europa.'9'1
Achara inter egeum et ionium mare sita fertilis insula dicitur.,;'7
Cilicia,1"* propter fertilitatem cerei [sicj consecrata, fistnlis r netis et
» HS: ffon*. b HS: moiKttama. c IIS: fiatul (»m Ze!lo»r*wl«).
Mondgebirge ergiessen sieh i» den namenlosen See. welcher auf der C'tl laciis Nill
heiaat. Dir Ctl von Viladestes pl. IV (ed. Marcelo hat an den See eine ciutat
de Nil. "!; A. a. K. "w Deserta Egypti Eb, Gf, Ctl; Heremua Hf. »•» hic
Paulus et ceteri eremitae — Hi. ,:<t Ctl, Mod. 171 Pt, MI, sonst fons
Ammonis — So, Eb. ,;* ebenum generalis — Ml. 173 Auf Karten nicht
bekannt. 171 Auf Karten nicht bekaunt. Rf. Schon der heil. Hieronymus
in vita Macharii. Siehe das Bild der Wüste auf Mod., und die liegenden 10
u. II. l7ft Als Erdteil - Ctl. ,:; Ctl, Mal., Mauro. ,7S Cvnocephali au
dereelben Stelle — Eb. ,7!* Unbekannt. iH" A.a. K. Dulceti pl. 2. ,s' Ga-
uuya — Duheti pl. 2; Ginuia Ctl; Guiueva Mod. 12 u.a. Ih? Musamelli —
Mod., Ctl, Pizigani, Viladestes. l** Unbekannt. Strabo, Pt; Africa in-
ferior PI. »"■', Eb, Hf. 19,1 Philaenorum arae — a. a. K. 1H1 Mauro, Walsp.,
Ctl (am Oceanl. Vgl. Beimaria Bianco, Belramariua — Walsp. Viladeates
hat einen Rex Bubeder. Es ist Adriaticum mare oder pelagus in der Eretreckung,
wie es auf den alten Karten z. B. Ta hat. ™ Pt. A. a. K. ,!* Pt, Ta. ,s,s 1»,
Gu, Mauro. im strictum mare Eb. Maroc — Bianco. Ii,<l Vgl. So 23,
18 fl ; Eb (Mm V, 9: Gaditanum fretum). 107 Achaia als Insel Hf. ,M*Sicilia.
K.StoUesMomorUW». 20
Digitized by Google
:Jü»> 224. Stück.
sulfure habundat, unde illie miUeanus [sie] ineendia esse dicuntur, in
niari navigantes earduis1:'" absorbet, et est una regio magna.
Sardinia provincia. Carsica provineia, affricauum* pelagus,*10
v sardinia patria quasi | silvestris, inontuosa, capris et equis silvestribus
plurimum copiosa. Maritanicuni pelagus.2"1 Minorica202 provincia;
maioriea 2o:I regio. Nota: orania suprascripta sunt in niari.
Constantinopolis est situata prope aquas. Imperium Grecorum,201
burgaria*05 provincia. Dispot prineeps. Rex bosine.*"1 Albania pro-
vincia; panonia provincia. Carnatia provincia. Dahnucia. Ungaria;
dux austrue. Calandrie2"7 provincia. Neapolis. Appulia provincia.
Koma. fcJenis; tlorencia, bononia. -padua , mantua, veneeiis. Item
hoc mare. quod venit de jerusaleni1' venit usque veneeiis et prope
neapolis vocatur maro adriaticum et prope veneeiis vocatur mare
veneciarum. Dux mediolani. Rex ungarie; ungaria provincia; dal-
matica; dux aust/ie. Rex polonie; dux prussie; rex boheraie;
dux saxonie. Saxonia. Turingia. Reno. Oolonia; dux burgundie;
rex francorum. Normandia. Catelonia; rex arragonie; rex navarie;
rex de granata; rex de portugallie; rex uispauie. Ecclesia saneti
jacobi in gallicia. Item gentes norvegia certo tempore anni operantur
tenam cum candelis vel luminibus, quia istis diebus non videtur sol.
Mare rossie; rossia provincia; gothia; occeanus. Sarmatieus20*;
mare glaceum2*'5'; stagnum staeol210; essia.211 Sueeia212; rex suecie;
laeus starse.2" Selandia2"; occeanus germanieus,21i regia frigidissinia
» t infruetuosa, euius incole plus depiscantur et venacione vivunt quam
de pane2Ui; rex norvegie; norvegia; mare germanicum; rex anglie;
loa norgales. | Rex scocie.-17 In hoc mare seotica [sie | sunt XXX insule,21*
et sunt ibidem arbores, genant aves.211' Hibernia domestica. Sanctus
patrieius220; hibernia sil vestres [sie]; occeanus hibernicus.221 In hibernia
est mirabilis lacus, in quam |sic| si proiciuntur una quantitas coralli, subito
efh'eiuntur segmina et e converso, et in aliquibus locis carnes mortu-
orum non marcescunt. 222 Item iu quadam parva insula homines pre-
nimio senio non possunt mori nisi asportantur.223 Ibi non sunt ser-
pentes nee bestie venenose,224 quia terra illa valet contra venenum.225
a IIS : ffricanum. *» HS: irlui.
( harvbdis - L, Hf, Hn. Pt. IV c. 3. Or (fehlt bei Pt). ?02 Lb,
1h -u' Ctl, Lb, Gf. -°» Contst. caput Graeconim — Walsp. *M Ebenso
Ctl, Walsp. Hosna als Stadt - Ctl. MI Calabria. -'*" Pt. ?ftn Con-
gi-bitum Ctl. >u' Stocol, Stadt und See, Ctl u. Mod.; Stockolm - Walsp.
•" Suessia — Ctl. Ctl, Matiro, Dulceti (doppelt). '•M3 Stadt und See
Starsa — Ctl, Mod.; Scarsa — Dulceti. '-',* Salandra — Ctl; Silaudra — Mod.;
Salandria Dulceti. Pt; sinus Mauro, Hn, Hf. Ebeuso die ganze
Legende Dulceti; Ctl — auf Norwegen bezogen. ?'7 Anglia, Norgalles,
Scotia — Ctl. ■l* Orcade.s a. a. K. In Hibernia fiunt aves in arbori-
bus - Walsp.; Dulceti, Benim-asa. ?,n Hf. Pt, m Vgl. lacus» fortu-
nutus Ctl, Mod. (Krcischmer, Modenakarte S. 74). ";; Ctl, Dulceti, Mod. 57,
Hf Mm III, lüfti, Walsp. (Mm III, 148 - insula Jovis). "* Ctl, Dulceti.
Mod. 57, Ctl, Dulceti, Rf (venenosa fugat - Mm III, 100).
Digitized by Google
I
225. Stuck. 307
Hic dicuntur esse eolumpne herculis.2*5
Occeauum innre totam torram circuit excepta septima parte terre,
quam deus voluit discopertam manere227 ad salutein et protectuni
hominuni et omnium animanciuni , ut dicit Plinius* Hoc mare ruptis
raontibus occidentis inter calphe et hispaniam 22H mit in barbariam et fluit
usque ad medium terre habitabUis [sic],2?!> sie quod per illud navigentur
multe marcancie. Et est ita volox in cursu suo, quod devastendo [sie]
repeute multa monstra marina dimittit in sicco et subito supercrescendo
multa animalia iu sicco pascencia suffocat. In istis insulis, que dicuntur
deperdite,230 iiabitant bomines silvestres, que [siel vestiuntur caprinis pelli-
bus, et cum caprarum eornibus laborant et colunt agros suos publice,1'
et inverecunde scilicetc in actu venereo commiscentnrd; adorant solem
et lunam, et regio illa est amenissima, ut ait ysidorus.38*1
Explicit mappa mundi in civitate mantuana in ytalia; ibidem
est preciosa valde depicta cum omnibus scriptis ut supra. Anno
doraini 11° CCCC° LV1II0 vgo Conradus Stolle ibidem scripsi.
Finis. |
225.
Anno dni. M° CCCCC" LXXX110 Roma carebit papa. v
Anno LXXXIII" multi peribunt fame.
Anno LXXX1V clerus interticietur.
« HS: PthHi«. «» pubiw. • »II'. '' HS: -•ommi^tur
•
"6 ö. das Bild und die Legende von Mod.. das Bild auch Viladeste*. 2,7 Das*
da« Meer nur den 7. Teil der Erde bedecke, lehrten Albertus Magnus, Roger
Bacon, Petrus AUiacu*, unter Berufung auf das apokryphe 4. Buch Esdras (auch
Columbus beruft sich auf diese Angäbet: quod «ex parte« terrae sunt habitatae.
Vgl. PI. 3, 3—5, besonders aber 6,1. **> S. oben; aus der T- Karte ent-
nommen. 73" insuln perdita — Eb; sonst Sei. Brandani. *ai Das Citat von
Isidor bat noch Mod.; sonst meist eigentümlich. , Konrad Miller.
225. Die Prophezeiungen, meist aus dem Kreise der Kleriker, ent-
sprangen, in der damals — abso im 15. Jahrhundert, besonders im letzten Drittel
desselben — tief erregten Zeit namentlich den Befürchtungen über die Zukunft
der Kirche, der Besorgnis wegen der Türkengefahr seit der Eroberung Constanti-
nopels durch dieselben und ihrem Vordringen in Ungarn und gegen das Abend-
land , andere auch patriotischen Beklemmungen wegen des Verhältnisses zwischen
Deutschland und Frankreich. Die Prophetie gab somit alles wieder, was man
damals befürchtete, was der Geistliche, namentlich der asketische, und der Diplo-
mat dachte, was Bürger und Bauer beschäftigte und ängstigte, und darum war
sie populär in klerikalen wie in Laienkreisen. S. Historisches Jahrbuch, im Auf-
trage der Görresgesellschaft herausggb. von Jos. Weiss, XIX. Bd, 1898: J.Rohr,
Die Prophetie im letzten Jahrhundert vor der Reformation als Geschichtsquelle
und Geschichtsfaktor: 1: Die Prophetie im allgemeinen (S. 29— 31); 2: Prophe-
zeiungen aus dem letzten Jahrhundert vor der Reformation im einzelnen (8. 32
bis 56); 3: Kirche und Reich im Jahrhundert vor der Reformation auf Grund
der Prophetie; aj die Kirche, b) das Reich (S. 447— 452); 4: Prophetie und Ge-
schichte »3. 453— 466). — Das, was Stolle hior bietet, sind zwar nur einzelne
Brocken, aber sie sind nicht iininteressant.
20*
■
Digitized by Google
226. Stück.
Anno LXXXY Tuicua possidebit roraam usque ad portam latinam.
Anno LXXXVI rex francie fugabit turcura usque ad soldauum, et
eliget papam, qui sub arbore sicca celebrabit in jerusalern,* et arbor
Anno LXXXVTI erit unio universalis ecclesie.
Anno LXXXVIII rex francorum uiorietnr.
iß* 22G. 3!emoriale domini Conradi Stolle. b Et prote-
staeio mea in hac parte de veritate et mendacia feli-
U74 citer ineipit anno domini M°CCCC«LXX1III° factum.1
Durch metelidunge2 <lerc bekummernisse unde sunderlichs raisse-
fals,3 cznfelliglichs gedrengnisses/ grosses Schadens* unnd wedder-
wertigkeit, zu gemessen deme erlichen stiffte, steten, schlosssen unnd
lande kollen unnd nüss4 etc. des erczbischtums zu kollen, ge sehen
unnd gethan von deine herezogen von burgundien widder got unnd
alle recht unde erkant '' von bebistlicher unnd keyserlicherf gewalt unnd
erkenntnisse aller korfursten unnd anderer des richs fursten unnd steten
ome allerdinge onpfiln" in deme jare, do man schreib noch cristus ge-
U74 burt unsers lieben hern tusent CCCC unnd vier unnd sobinezigk von
sant jacobs tage 7 biss her uff disse ezit, habe ich conradus N. etliche
stucke des kriges czwisschen dorne herezogen von burgundien unnd
des bischoffes zu kollen, als ich die hie zu erfforte in geraeinen reden
unnd vel sagen vorstanden, gehört unnd vornomen habe, von pristern,
geistlichen unnd wörtlichen8 Studenten, kouffluten, burgern, geburn,
wallebrudern, rutern unnd andern fromen luthen alle her in myn rae-
moriale geezeichent, unnd inczwifele der worheit, der ich zu geeziten
nicht vor wahir gewust habe, ab es also gescheen ist adir nicht, sundem
noch den sagen, unnd darumbe wil ich ungenant sy unnd mich dar
• Hfl: Win. b „Stolle" erat nmcliträgllch eingefügt. « HS: unud. * HS: gwIrengnlMc.
« HS: »chaden. ' HS: keywrllche.
2*2ft. 1 Für die Nachrichten über die Belagerung von Neu»« ist Stolle, der
sich hier nicht nennen will (darum ist Stölln hinter Conradi in der HS erst
sjwter eingefügt), aber doch unzweideutig mit N. sich seilet meint, Quelle nur
genössischer Ohrenzeuge, d.h. er selbst hat Erzählungen, Mitteilungen u. a.
von Augenzeugen wiedergegeben. Aber er schreibt *eine Nachrichten zum Teil
unmittelbar nieder, während sie noch geschehen, und ehe sie vollendet sind, wie
der gesamte Ton der Darstellung in dem folgenden beweist. Das bisher Be-
kannt«? ergänzt er auch in nicht wenigen bedeutsamen Einzelheiten. * S. St. 48
A. 3. a „Unglück", mundartlich. 4 Neuss, preuss. Kreisstadt im Regierungs-
bezirk Düsseldorf. r' „Erkennen" =s „bekannt machen, öffentlich be- und ver-
urteilen". " ome = „über ihn gefallen", „ihm zugestossen". Der ganze Satz,
deinen Konstruktion keine regelrechte ist, bleibt in seinem schiechten Deutach
fast unverständlich. 7 25. Juli 1474. 8 = „werblichen" = „weltlichen, d. h.
nicht geistlichen", also Studenten der Medicin und Jurisprudenz.
florebit.
Digitized by Google
226. Stück.
309
inne bewaret habe, sundern solch gedrerrgnisse unnd grossir schade ist
mir in mynem herczen leyd unnd bekummirt mich, ab nicht redungc
geschee der stad nüss, dor inne vil fromer redelicber lute, hern, | grafen, v
rittere unnd knechte, die sich mit mennelichis herczen unnd getrost
gewest sint, die sich so trostlich gewerit haben, vil storme VIII adder
czehen wochen, von jacobi bi3s uff michaelis, das man saget, der
herczoge von burgundia spreche, er wolde sy gerne sehe in der stad
nuss, ab is menschen, engel adir tufele weren, also trostlich weren sy
sich, unnd her habe on doch abe geschossen alle torme, husere unnd
muren unnd thor, wann dor inne ist eyn hene von hessen, genant
lantgrave herman," mit siner besten manschafft, unnd haben, als man
saget, sechs tusent werhafftiger mann redelicher person, unnd der
herczoge von burgundien lihet do vor mit hundertmal tusent unnd
virczigk tusent man, unnd hat sich mit siner wagenbuigk hart do vor
grabin unnd eine stad gemacht dar uss; er meinte, on sulde nimant
dor von triben, unnd nieynte onch dy stad nuss zu gewinnen, uss
hungern, stormess halben zu uberwinden, mit listen mancherleye, als
ich hir noch geschreben habe. Ab es war sy, wirt oyn iglicher noch
0 Nach dem Tode des prachtliebenden und verschwenderischen Erzbischofs
und Kurfürsten Dietrich von Mors, welcher von 1414 — 1463 den erzbischöflichen
Stuhl von Köln innegehabt hatte, wurde vom Domkapitel mit den Ständen
(Grafen, Ritterschaft u. s. w.) die sogenannte „E^blandvereinigung,, vereinbart,
gleichsam ein Staatgrundgesetz, durch welches die geistliche Macht wie die Ein-
künfte des Erzbischofs mit engen Schranken unigeben wurden. Der neue Erz-
bischof, Pfalzgraf Ruprecht (1463—1480), ertrug von vornherein diese Beschränkung
»einer Macht nur mit grossem Widerwillen. Um die leere Staatskasse zu füllen,
musste er hohe Umlagen ausschreiben, welche Geistlichkeit und Ritterschaft ver-
weigerten; da sie Ruprecht trotzdem eintreiben wollte, entsetzte ihn das Dom-
kapitel seiner Würde und wählte den Landgrafen Hermann von Hessen, welcher
Probst in Aachen und in St. Gereon in Köln (h. Koelhofsche Chronik, Städte-
chroniken: Niedorrhein. Städte: Köln, III, S. 825), auch Domherr in Köln war,
zum Administrator der Erzdiöeose Köln. Den zum Schiedsrichter angerufenen
Kaiser Friedrich III. verwarf der Erzbiechof Ruprecht und wandte sieh dann an
den Herzog Karl den Kähnen von Burgund, mit dessen Hilfe er den erzbischöf-
lichen Stuhl wiederzugewinnen hoffte. Gern ergriff Herzog Karl die Gelegenheit,
sich in die Kölner Wirren einzumischen, in der Hoffnung, auch die Länder am
Niederrhein zu gewinnen Darum rückte er im Juli 1474 mit einem gewaltigen
Heere in das Erzstift Köln ein und wandte sich zunächst gegen die kleine, aber
wohl befestigte Stadt Neuss, welche der Landgraf Heinrich III. von Hessen-
Marburg (1471—1483) und sein Bruder Hermann, der erwählte Administrator
von Köln, mit einer geringen Kriegsmacht verteidigten. Die Belagerung, welche
vom politischen wie vom kriegswissenschaftlichen Standpunkte aus ebenso wichtig
wie interessant ist, dauerte vom 29. Juli 1474 bis zum 10. Juni 1475, ohne
dass Neuss erobert wurde.
Ober den Kampf um Neuss s. die Chroniken der deutschen Städte vom
14.— 16. Jahrb., XX Bd.: die Chroniken der westfälischen und niederrheinischen
Städte: I. Dortmund. Neuss. 1887 : Christianus Wierstraat, Histori des beleegs
van Nuis, herausggb. von Adolf Ulrich, S. 474—616, wo in der Vorrede, in An-
merkungen und auf S. 615—616 zusammenfassend die betr. Litteratur verzeichnet
ist Vgl. noch R. v. Liliencron, Die histor. Volkslieder der Deutschen, II. Bd.,
1860, S. 42-58.
Digitized by Google
310
227. Stück.
wol er fare. Ich habes durch merkunge willen gesatczt unnd bitte dor
inne unvordocht zu sine in gutlicher meynunge, wann ich bin do nicht
gewest, so habe ichs nicht gesehen.
227. Der anefangk disses kriges.
Man saget zu deme ersten, das dy sache kome do von : der bisschofi
zu koln, genant rupertus, habe etliche fei jar do niete urame gegangen,
das er dy stad koln, nuss unnd andere stete des stifftis allis under
sine hant unde gehorsam brenge wolde, dy ome danne enteil also
nicht gehorsamlich gewant woren, also | die deinen stote unnd sloss,
unnd sunderlichen kollen unnd nuss, unnd dorumbe meinte der bisschoff
dy selbien stete mit listen unnd behend ickeiten, etliche sagen, mit vor
retnisse, dy stete an sich unnd sinen bruder, den pfalczgraven am ryn,1
brenge, den er dar inne zu hulffe unnd rate nam, als man saget, das
der pfalczgrave vor czwen jarn do vor mit VI1IC pferden lange ezit zu
kollen lag, unnd hatte dannoch vorborgen lute, dar inne zu fusse fei
tusent, unde dorch list des bisschoffes solde der pfalczgrave das an deme
guten fritage2 zu nacht mit einem grosssen uft'louffte in neme, das
solde der ubersten einer in der stad raete gewust habe, der wart krangk
unnd lebete nicht lenger danne dry tilge in syner kranckeit, unnd
bichte das einem barfussen monche, unnd sagete om, wo man des
kuntschaflt unnd breffe funde, das dy stad ubirgehen solde, unnd hatte
dorumbe ruwe unnd leide, unnd wornte das uff sin sterben unnd hiss
den monch das uffenbara Also toten dy von kollen also wisse luthe
unnd bewarten sich unnd den bichtvater, den monch, unnd mochten
das also funde, unnd behilden das heimelichen by on unnd hatten des
achtunge uff oren bisschoff, unnd mochten den by on nicht geliden,
sundern uff sinen slossen unnd andern deinen steten gunsten sy orae
sines wessen s wol. Sinen bruder, den pfalczgraven, der eyn mol so
lange in der stad kollen hatte gelegen by sinem bruder, dorne bisschoffe,
taten sy zu vorstehene, das is on nicht also wol zu danckewere, unnd
brochton das hobisch3 zu, das sy nicht gemerckt künden worden durch
oren kouffschatcz der lande; sundern der pfalczgrave unnd der bis-
schoff schickten oymol ore rothe hen | in kegen kollen unnd nüss, der
fingen dy von kollen viere dy besten, unnd fertelten dy also vorretere,
unnd dy wolden dy stad koln vorrote; unnd etliche sagen, sy wolden
dy besten vier manne uss der stad gewonnen unnd enwegk brocht
habe, dy hette der bisschoff gerne gehabt unnd sy enthoyben.
237. 1 Pfalzgraf' Friedrich der Siegreiche (1449-1476). 5 Charfreitag.
' Mhd höveach — md hubisch und hobwch „höflich , auf feine Art" (siehe
St. 47 A. 2).
Digitized by Google
228. und 229. Stuck.
311
228. Wy ein vitter dy stad nuss vor roten sohle.
Man saget ouch, das derselbige bisschoff rupertus eimo rittere, ge-
nant N., grosse gobe unnd gelt gelobet hatte, breffe unnd ingesegel mit
siner eygen hand schriftt, dy man kante, der er nicht geloukene konde,
gegeben hatte, das er nuss, do er eyn soldener inno wass unnd eyn
houbtman, vorroton soldo. Das wart gewornt, unnd man greiff den ritter
unnd fertelte on ; der bekante alle anslege, unnd als man den fertelte,
do hingk man den breff des bisschoffes hantschrifft an eine sul by den
ritter, das idermann den briff mochte lesson unnd sehen, unnd man
kante des bisschoffes hant; sso bekante on der vorreter. Do quomen
von kollen by drie hundert Studenten kein nuss uff deme wasser gc-
faren. die den breff sohen unnd lossen, unnd ouch den ritter fertele,
das haben mir eyn prister unnd czwene Studenten gesaget, die de»
kegenwertigk gewest worn.
229. Wy der bisschoff zu koln etliche sloss unde
stete vor satzt hatte ane noyd der kerchen.
Man saget ouch, das der selbige bisschoff rupertus deme stiffte zu
kollen vier sloss unnd stete vor satzt habe ane nod sache der kerchen,
unnd brachte das gelt unnotezevor; dorumbe errete1 das capittel, unnd
clageten das deme pfalczgraven, des bisschoffes bruder; der quam kein
kollen adir in I andere stete, unnd wart vor tey dinget, das das capittel i*56
etliche czollo solde also lange in nemo, dy wile er bischoff were, das
man also feie gesammete, das man die pflege2 wedder losse mochte.
Do man das czwey jar gesammete zu bonne in der stad unnd andirs
wo. do quam der bisschoff do hon unnd slug die beheltnisse uff mit
siner manschafft unnd rate, unnd nam das gelt mit gewalt en wegk.
Das schreben die capittels horn deme pfalczgravcn unnd clageten ome
das unnd manten on dar umbe dos vorteidinges unnd vortracht; der
hatte dor vor geredt unnd sich vorschreben. Der pfalczgrave schreib
dem capittel wedder, es wehere ome leyd, das sin bruder, der bisschoff,
des nicht helde, her konde dor zu nicht gethu, er wehere eyn pfaffe,
unnd were sin nicht mechtigk; so wüsten wol, wye sy is mit ome
halden solden. So hatte der bisschoff ouch etliche pfand hern, graven
unnd rittere, die deme stiffte gelt gelegen hatten uff etliche sloss in
deme krege zu ssusst,3 die selbigen vorpfandunge wedder genomen mit
grossen listen. Er bad sich ouch selber zu on zu gaste unnd quam
also stargk uff die bürge, wanne her danne wolgelebet hatte, so fing
her den» wirt unnd schätzte ome die bürg wedder abe. Dar uss wart
* HS: denn.
220. 1 Mhd irren = md erren. swv. intr.. „tmgewisa sein, in Verwirrung sein
oder geraten", im anderen Sinne s. St. 203 A. 1 u. St. 2K2 A. 2. ? „Pflege" —
fremde Verwaltung der verpfändeten Schlosser und Städte; *. auch St. 198 A. 47.
:t Während der Soeeter Fehde, s. St 202 A. 1.
Digitized by Google
312
230. Stück.
deme stiffte unnd stad kollen unnd kouffluten grosse fehede. Also be-
stalte1 das capittel kein roiue, do bestalte her onch raete, unnd er-
worben zu rome, das man deme stiffte einen pfleger adir gubernatorem
setzen solde, unnd solde deme bisscboffe eine pflicht 5 jerlicben gebe,
die wiele er also ungeroten were. Dar zu was nu dy stad koln ouch
geneiget, wann si getruweten ome nicht, unnd worn des gar wol eyn
mit deme | eapittel unnd koren zu einem pflegere der pfandhern lant-
graven herman von hessen, der eyn thnmherre was zu koln; der was
from unnd togentlichen, unnd hartes in der stad koln also gehalden,
das om iderman gunstig was, in deme capittel unnd in der stad, unnd
her was deme gemeinen volke wol gewegen, unnd bewiste das wol an
den zu nuss: zu den czoch her in ore stad mit siner besten inanschafft,
unnd geredte by on tod unnd leben zu bliben, unnd werete ouch dy
selbige stad eyn gancz jar biss her, unde hoffe, got helffe ome, das er
noch lange dy er were möge unnd behalde, wann er weiss wol, wann
der herzöge von burgundien die stad nuss gewunne, so muste her unnd
alle, die dor inne sin, alle sterbe. Der burgundir habe" ouch gesaget,
gewönne her die stad nuss mit stormen, alle die dor inne lebende sint
ubir funfP jar alt, die sollen alle von siner hand adir den sinen sterben.
230. Wie der herezoge von burgundien oine selbest
grosse ere zu czouch.
Man saget, das der herezoge von burgundien gesprochen had, iss
mögen nicht mehir gesin in der werlt wann drye hern; der sie einer
in deme himmele, das sy got, einer in der helle, das sie der tufel lu-
eifer, unnd einer uff der erden, das wolle her sy; got habe on dor mete
vorsehen, das er die werlt undir sich brenge sulle, also koningk
allexander gethon hat, unnd gesprochen hat, alexander sie eyn beide
gewest unnd habe die ganteze werlt in XII jarn under sich gebracht
unnd gewunnen, unnd habe nicht also feie geldes unnd Silbers unnd
volks gehabt, als her habe; so sy her | eyn cristener mensche, unnd
got habe ome den seheg1 gegeben, er sulle under sich gewinne die
cristenheit unnd die werlt. Er sulle ouch romisch konig werde unnd
rechtfertige allis, das in der cristenheit vor erret sy, unnd her thu das
umme der gerechtickeit willen. Er spricht ouch, "er wolle frede unnd
glouben mache in aller werlt, unnd die ungetruwekeit der fursten
straffe, unnd die Ungerechtigkeit unnd die gewalt, die do stehit uff
armon luthen, in den grossen steten; unnd list ome alloczit lessen zu
tische historiani alexandri; unnd her meint also gerecht zu sine, also
» IIS: h*t.et. *" HS: funfft.
1 „Bestellen", d.h. „Nachricht «enden". * „Pflicht, Dienst. Abgabe".
230. 1 Wenn die Form nicht von Stolle verschrieben ist. >*o ist es eine mund-
artliche Nebenform von segen (stm) = „Zeichen", ursprünglich des Kreuzes,
Segensformel, Segen.
Digitized by Google
231. Stück.
313
alexander was in der heideuschafit, unnd hildet guten frede in sinen
landen unnd ouch in sinem here, das nymant deme andern ichtis
nemen torste; wer das teth, den liss her toten, unnd spricht, er habe
den bisschoft zu lutch, sinen bastart,2 wedder in bracht, den die stad
zu lutch mit sinen pristern uss gewisset hatten, als man saget, so sulden
sie die pristere uss gewisset unnd mit geissein uss der stad gehouwen
haben, unnd iglichem nicht meher, dann sin buch under sinen arm
gegeben haben, unnd musten sust in der stad losssen, wass sy hatten;
das toten sy deme bisschoffe von lutch zu smoheit; das habet on er-
barmet, das er die stad gewan8 unnd treib die bürgere uss gebunden
unnd gefangen, unnd schatczte sy, unnd totede ore wibere unnd kin-
dere. Also wolde her der stad kolnde ouch thu; das wolde got nicht,
dorumbe das si oren bisschoß uss getreben unnd vor worffen hatten,
die von koln haben ore pristerschafft noch by on unnd sint gut ein
mit on. sundern man hofft, das das unschuldige blud der unschuldigen
kindere unde wibere, die her zu lutch liss in deme wassere, | als man ▼
saget, dry schiff fol ertrencke, dasselbige blud ist von den von koln
unnd der herschafft der kurfursten unnd keysere gerochen worden.
Nu was her also hochmutig, das her nicht meinte, abe zu czehene von
der stad nuss, er hette sy dann gewonnen, unnd wann her das ge-
wönne, so wolde her vor francfort czehen, unnd do lege vier wochen,
das sie on in lessen adir das gewinne unnd sich lossen kröne zu
einem romeschen konige.
231. Hy vor rumet sich der herczoge von burguiidicn,
wy her den ganezen ryn ström gewinne wolde.
Man saget ouch, wann her dy stad nuss gewönne' so hette her den
Rinstrom beslosssen von unden uff, so gewunne her bonne gar lich-
tiglich, so weren dio von kollen ane swert Zugewinnen, unnd man
mochte on nichtis hulffe bistant thu noch zu gefure, kouffmanschatez
noch spise noch trangk; unnd wann her koln hette, so gewunne her
den ganczen rin ström in, unnd nemelichen die vier korfursten koln,
trere, mentcz, unnd den pfalcz, unnd zu breche die ordenunge des
heiigen romschen richs, unnd die gülden bullen, dy dann heldet,1 wie
man eyn romischen konigk adir keyser kysen sal, unnd wo man den
kessen unnd krönen sal, das brechte her allis under sich, also das
keine ordenunge were, sundem er wolde selbest korfurste, koning,
* Stolle irrt : der Bischof von Lüttich, der hier genannt ist, war Ludwig von
Bourbon, ein Neffe Herzog Philipps von Burgund, also ein Vetter Karls de*
Kühnen, und sas* von 1456—1482 auf dem bischöflichen Stuhle von Lüttich.
während David, Bastard von Burgund (ein natürlicher Sohn Philipps) in Utnvht
Bischof war. :l Der Chronist hat offenbar keino Ahnung von dem tragischen Ge-
schicke, das Karl der Kühne dreimal (in den Jahren 1465. 1466—67 — Härtung
Kaininermeisters Chronik, herausggb. v. Reiche, S. 220 f. — und besonder« 1468)
der unglücklichen Stadt Lüttich durch Eroberung und Zerstörung bereitete.
231. 1 „halten" und „halden" — „halten, festhalten, fest bestimmen".
Digitized by Google
314
232. Stflck.
keiser unnd bobist sin, unnd alle korfursten unnd ouch andere fursten
worden sine knechte unnd schkleven,2 unnd gewönne also dy cristen-
heit, unnd alle fursten unnd stete gancz undir sich, unud zubreche
alle ordenunge der cristenheit, wy wol er guten trede mochte gemacht
habe, idoch so saget man, wann her dy stete gewinnet, was her ubir
houbt gewinnet, so tötet er dy lute gar, unnd wann her sy geschatczt, '
168 geben sie sich in gute, so nimpt er on allis, das sy haben an har-
nasche unnd an gute, unnd den steten oren schatcz gantcz unnd gar,
unnd ore breffo unnd fryheit, unnd leget die muren nidder gantcz
unnd gar unnd dy thorme. unnd schatczet sy dor noch alle jax also
hart, das sie nicht wedder gebuwen können, unnd wo her fursten
under sich gebrachte unnd land, der hatte her zu der zit XVI inne, so
nam her die fursten hin weg unnd tötet dy adir forte dy in sin land
unnd satczte andere fursten an ore stad, die ome gehorsam worn. Er
hatte ouch die wisse, wo her zu felde in krigesswise lag, so schaffte
her grossen frede, das man in das beer füren mochte alles, das man
dorffte, unnd her gab solt, unnd eyn igliehir muste sich selber bekoste
unnd kouffe, was her dorffte, unnd was man vorkoufflte in dem heer,
do wart ome sin teyl ron, unnd das gelt bleib by ome unnd kam
wedder zu ome. Also musten die soldeuer feie geldes by on habe,
das sie sich emerten. Er hilt ouch kleyn kost zu sinem hofe, unnd
wo her dann lag, do czoch gross folgk zu ome nrame des soldes willen,
unnd wann er den soldenern oren wochen solt solde geben, so schaffte
her, das man uff den fritag3 adir sonnabent storme muste, unnd schickte
dann das arme folk vorne an dy spitczen, das man dy graben fullete
domete; was dann er slagen wart, den dorffte her keinen solt gebe, also
das or dicke drie adir vier tusent* erslagen worden. Also geschah es
ouch vor der stad nuss. _
232. Wy sieh der aide bisschoff, piant rnnertus von
koln, unnd sin bruder, der pfalczgrafe am ryne. mit
deine herezogen von burgnndien vor bunden unde
vor selireben liatten.
v Man saget ouch, das der keyser den pfalczgraven allirdinge von
dorne korfurstenthum geworffen unnd vorachtet hatte aller siner ere;
unnd do sin bruder, rupertus, eyn bisschoff zu kollen, ouch von sinem
bischthum vorworften unnd vor achtet was, worden die czwene brudere
eins unnd worffen sich an den herezogen von burgundien unnd vor-
schreben sich kegen ome bistant in allen sinen sachen zu thune. Der
pfalczgrave besorgete sich, das on der keyser obir czoge mit gewalt
• IIS: tuaen.
7 Mundartlich; bei MeUter Altswert, lierausgg. von Holland u. Keller (1850),
252,32: schklafe (noch Lexer, Mhd. Wörterbuch s. v. slave). 3 Diesen Zug er-
wähnt das 2 Lied ebenfalls, s. u. Sf. 314 V. 310 ff.
Digitized by Google
232. Stück. 315
des richs steten unnd korfursten, unnd ried deme brudere, deme bis-
schoffe, das her sich befrunte zu deme herczogen von burgundien, der
were ore geborne frunt, das her wedder orae in sin bischthum hulffe
unnd brechte, so konde her ome ouch wol gehelffe in sinem wedder
stände. Also haben die czwene brudere, der bisschoff von koln unnd
der pfalezgravc, sin bruder, den herczogen von burgundien in das land
bracht zu grosschem schaden der heiligen cristenheit unnd den stifiten
kollen, trere unnd mentcz unnd deme ganczen rinstrome, das danno
eyn pardiss dutczcher lande geheiset ist, unnd haben gedocht, das zu
vorterben unnd zu vorstoren, unnd das got der almechtige gnediclichen
bewart unnd behütet had. Unnd das geschach alles in deme jare do
man czalte noch cristus geburt tusent CCCO unnd vier unnd sobenczig. 1474
Also quam der herczoge von burgundien in das land durch bosse
liste, unnd hatte deme heiligen romischen riche oche1 in gewonnen
unnd gedochte noch vorder, unnd man sprach zu der selbigen czit, der
herczoge von borgundien hette gesprochen , er wolde deme keyser
frideriche, der ouch an den rin quam, sine krönen von sinem houbte
risse, das deme heiligen riche gar honlich were gewest. Es quam abir
nicht do hen, das der keiser unnd alle sine fursten, dor zu die grossen
stete, fry stete, bisschofts stete, des richs stete sulden also gestrafft
werde, sundern got schickte das noch | sinem gütlichen willen. Die i«»
arme werlt ist gnug gestrofft von den hern unnd gewaldigen der
werlde; die geistlichen haben ouch durch gebrochen mit oren refor-
macien; villichte ist es nu au den fursten unnd steten, die dy andern
reformert haben unnd Wullen sich selber nicht reforraeren. Es mag
eyn arm man nicht adir kurae zu rechte kome, wedder durch gift,
gunst noch zu kouffe, sundern gewalt recht regniren in allir werlde,
unnd were doch besser, man besserte sich in allen steten unnd landen
unnd weren unnd bieben ein unnd machten gute regement unnd wedder-
stunden itczunt gemeineclichen deme burgundigere unnd strofften sich
selber, dann das her or streffer solde sin, unnd machten selber guteu
frede in oren landen, bilden or geleite unnd beczalten ore schulde, die
man on gutlichen gelien had, unnd hilden truwe unnd worheit, unnd
lissen nicht das für zu gross werde; wann das zu gross wirt, so mag
das nimant gelesche. Das sach man wol zu erffort, do eyn fiertel der
stad unnd die houbtkirchen abe branten.2 Hette man das fromde volk
in gelossen also, als am tage was unnd kein fehede, so were feie dingis
er redt. Eyn iglich man in synom husse konde alleine sin huss nicht
gerede ane ander lute hulffe, wann er wüste nicht, was her thun solde,
als man schreib anno domini M°CCCC°LXXII in die gervasii etprotasii, 1472
die veneris. Also konden noch en mochten die fromen lute von koln
unnd nuss alleine das fuer unnd den czorn unnd wedderwertickeit
unnd freysamkeit3 des herczogen oon burgundien nicht sich noch die
232. 1 = Aachen. ? Es ist das grosse Feuer am 19. Juni 1472 <s. ob.
8t. 221—222) gemeint. 3 Mhd vreissamkeit, stf., vom Adject. vrcissam (ebenso
wie frei&slickeit, 8t. 14.45 u.ö., vom Adject. vreißlich. s. St. 1 A. 7), = „Wildheit".
Digitized by Google
316
233. Stuck.
land er were ane hulffe unnd bystand unsers gnedigsten hern dos
keysers wind aller korfursten mit sampt allen gemeinen fromen luthen,
die solden on zu hulffe komen unnd snnderlichen der stad nuss, unnd
y der | fromen herschafft unnd manscbaftt hessen landes, des getrawen
blutes, das her die nicht gewönne. Hotte her nu nuss gewunnen, so
were das fuher grosser worden ; so hette er ouch koln gewonnen, dor
noch den rinstrom, kobelencz, mentcz, francfort; da liet die gülden bulle
unnd alle ordenunge des heiigen romschen richs unnd der cristenheit,
unnd dor noch furstenthum, land unnd lute; so mag dann nimant ge-
lesene. Oot der almechtige erwecke den keisser unnd alle fursten, das
zu understehene, andirs sie worden alle bliben stehen, der turcke uff
einen ort, der burgunder uff den andern, die behemen unnd ketezere,
adir ungern uff den dritten, die heiden uff den Vierden. Got, der stehe
den von nuss unnd koln by, das sy ore stete er weren, so wirt solchs
nicht noyd sy. Die von nuss haben sich also lange geweret das man
sprach, sy weren alle wol wehert in der stad, das man sie alle zu
rittere sluge, danne sechs tusent kegen czweymal hundert tusent ist
gar gantcz ge vuglicher4 gotis hulffe ist dor by ungeczwifelt.
233. Wye der bischoff zu koln sieh erbeitte, das her
widder mochte komen zu sinem bischthum.
Man saget ouch, als der bisschoff von kollen sy komen zu dem
herezogen von burgundien unnd habe on gebeten, ome unnd sinem
bruder, deme pfalczgraven, bystant zu thune, unnd ome helffe, das er
widder zu sinem bischthum kome, unnd habe deme herezogen vor
heisschen unnd gelobet, was her gewönne, das solde sin erbe sin von
des stifftis guten sloss. stete unnd Jand, die sulle er wol gewynne ane
swert, sundern eyn adir czwene czolle unde stete sulle er uss genomen
habe, die wolde her zu sinem liebe behalde, noch sinem tode so sulle
»ft» es deme j herezogen gantcz folge, unnd hatte sich in sinem hoff ome
zu einem cappellane gegeben, unnd hat vor synem tische stehende das
benedicite unnd gratias1 gesprochen, also ein slechter prister. Uff
sulche zu sagunge unnd gelobede ist der herezoge von burgundien in
das land unnd czum ersten vor nuss geezogen, als man schreib noch
1*7+ cristus geburt tusent CCCCÜ LXXIIII0 umme sant laurencien tag,8 unnd
hatte die stad nuss also sere genotiget mit stormen unnd mit schissen,
das sie wedder thorme, husere noch muren behilden, also musten sie
mit oren wibern unnd kindern wono in den kellern, unnd hatte sie
4 Mhd gevuoclich = md gevuelich — „passend , nötig." Der Chronist fallt
au* der Konstruktion. Hier, wie schon öfters seit St. 226, wo da» alte Memoriale
l>eginnt (». ob. S. 11), wird ez aus der Un freien kigkeit, ja Mangelhaftigkeit des
Stiles so recht klar, das« wir hier das erste und älteste Stück der Chronik vor
uns haben, da Stolle in der Darstellung noch ganz ungeübt ist.
233. 1 Das Tischgebet vor und nach dem Essen. * Mittwoch den 10. Aug. 1474.
Digitized by Google
234. Stflck. 317
also umme legen, das man on nichtis konde zu gefuren, es konde ouch
nimant er uss komen, unnd sie hatten vierhundert pterd dor inne, die
leden grosse nod unnd toten on beswernisse, unnd man konde on
nichts zu gefure unnd zu hulffe kome mit keinerley, widder mit volke,
mit spisse, noch trangk, wann her hatte alle Strosse unnd thor vor legen
unnd bolwerg gemacht vor der stad thor hart, das man mit steinen
dor in geworffen hatte, sundern es kompt zu gecziten in den storraen
einer adir czwene er uss, als man sagete, sie hatten sust gerne frisch
geruget folk, unnd her hatte ouch gesworn, her wolde nicht abe czehen,
her hette dann die stad nuss gewonnen, unnd wolde sie alle toten.
Des musten sie wortende sy; got der halff on!
234. Wy der herezoge von burgundien eyne brücken
hatte gemacht uff den ryn zu deme werde.1
Man saget, iss sy ein wehirt in deme rine adir dar by, do hatte her
eino brücken zu gemacht, darvon theed er on gar wehe, unnd da vor
284. 1 Mhd wert, stm., = md wen! — „Insel". Über die topographischen
Verhältnisse *. Ad. Ulrich in der Vorrede zu: Chroniken d. deutsch. Städte (8. ob.
St. 226 A. 9 z. E.) S. 4V*4— 495: [Neuss war] „gesichert durch starke Befestigungen
und verleidigt von kriegsgeübten Bürgern und Söldnern; die Ortsbesehaffenheit
(A. 2: Vgl. chron. magn. bclg. 418, 35 -51. Molinet [s. LitteraturberichtJ 28—34. —
Karten bei Altsinger de leone Belgico fl«58J; Karte des Preussischen General-
stabes, Bl. 35, Düsseldorf, mit Nachträgen von 1879) erleichterte die Verteidigung.
Auf der Lage am Rhein hatte die Bedeutung der Stadt im frühen Mittelalter
lieruht, und wegen der Erhaltung dieser Verbindung war die Bürgerschaft nicht
grundlos in steter Sorge gewesen. Denn bereit« im 13. Jahrhundert drohte der
Strom von dem 2 km oberhalb der StAdt gelegenen Dorfe Grimlinghausen an
»ein bisheriges Bett, welche» ihn in nordwestlicher Richtung auf Neuss zu führte,
zu verlassen und gerade nach Norden sich einen Weg zu Dahnen. Zur Zeit der
burgundischen Belagerung war ihm dies soweit gelungen, dass die Hauptwasser-
masse das neue Strombett erfüllte, und nur ein schmaler Arm im alten halbkreis-
förmigen Bette an der östlichen Stadtmauer entlang floss, um sich etwa 2 km
unterhalb der Stadt unfern des Dorfes Heerdt mit dem Hauptarm wieder zu
vereinen. Die auf solche Weise entstandene Insel im Rhein war durch einen
schmalen, vom Hauptstrom ausgehenden Arm in zwei etwa gleich grosse Teile
zerlegt, deren oberer das Hamm genannt wurde, wahrend der nördlichere den
Namen des »Werth* oder ,Waidt' führte. Die Stadt lag am linken Ufer des
Neusser Rbeinnrms. Fünf Thore vermittelten den Verkehr mit dem Lande.
Von dem südlichen Oberthor, vor welchem an der Kölner Landstrasse das Ober-
kloster lag, führte mitten durch die Stadt die Hanptstrasse zu dem entsprechenden
nördlichen (S. 495) Niederthor; zwischen l>eiden führte in westlicher Richtung
auf Aachen zu die Strasse aus dem Zollthor und die aus dem Hammthor nach
Nordwesten; wo die Stadtmauer im Norden an den Rhein stiess, lag das Rhein-
thor ; mehrere kleine Thore, wie Judensteig und Pfaffen p forte, führten zum Rhein
und den Rheininseln. Zwei Flüsschen, Erft uud Krur, lieferten Wasser für den
Stadtgraben, und ausser diesem und einer Stadtmauer sicherte vom Rhein bis
zum Hammthor eine zweite Mauer und von hier südlich zum Oberthor ein
äusserer Wall und ein zweiter Graben die Stadt ; auch waren Lebens-
mittel auf mehr als ein halbes Jahr nach Neuss hineingeschafft worden. Es
begann das Ringen zwischen einer wohlausgerüsteten Bürgerschaft und einem
vielsprachigen, aber bestgefühlten Soldheere."
Digitized by Google
318
234. Stück.
▼ sohlen die kolnere gedocht habe, unnd hatten vaste schiff | mitwepenern
geladen, unde hatten eyn schiff dar undir mit swefele unnd beche ge-
laden, unnd meynten, das selbige schiff under die brücken zu brengen
unnd an zu czunden, das es die brücken vor burne solde. Also hatten
sie das schiff zu beezite an geezundet, das is brante, ehir wann is an
die brücken quam,a unnd wass umbe sust2 unnd vorlorn.
Item man sagit, das die von kolin sullen gehabt habe einen muller
knecht, der konde das wasser getrete, unnd ouch under deme wasser
ge gehen unnd das wasser über swumnie, unnd der hatte sine brieffe
bye ome in einem legeln,H der brochte schriftte uff unnd abe, so lange
das iss vorkuntschafft wart. Do hatten die burgundisschen achtunge
uff on unnd schosschen noch om in das wasser unnd fingen on unnd
brochten on vor den herezogen , der liss ou toten , etliche sagen er-
trencken, wann her wolde deme herezogeu nicht ouch also thun.
Item man sagit, das der herezoge von burgundien von laurencii
biss uff michaelis soben mol gestorraet habe, unnd wann her also
stormete, so quomen1' dy von kolln von binden adir zu der syten zu,
unnd singen ome vaste Volkes abe; abir iss hilfft die deine in der
zu nüss.
Item man sagit ouch, wie der burgundier solde haben brieffe lossen
schribe, glich als sie vom keysere unnd den von kolin gingen, unnd
botschafft gecleidet als des keysers boten, unnd liss die gruwelich zu
der stad nftss zu rite, unnd sie liessen den boten in unnd nomen die
brieffe unnd besahin die unnd lisssin sich doch duncken, die botschafll
l-i unde | die schrifft were nicht recht, unnd fingen den boten unnd wolden
on tote. Do bad der böte unnd bekante, wie unnd worumme her in
die stad koruen were; der burgundiger hette on also hingeschicket, er
solde die stad nuss vier adir funff enden an lege mit fure, unnd wann
das uff ginge, so wolde her mit einem storme zu trete. Also taten
die in der stad eine behendickeit,1 unnd trugen holtcz uff hülfen drie
adir vier enden in der stad unnd stackteu die an, unnd schickten dar by
zu sehene, unnd schickten,5 das die wibere sendeten, unnd ließen ouch
uff die mure, unde die in der stad traten mechticlich an ore wehere.
Unnd also der herezoge von burgundien in deme here sach das für
uff gehen uff* die czit, als erss mit deme boten bestalt hatte, do trat her
mit deme storme zu der stad unnd stormete gar hart. Do hatten ome
die in der stad funffezeuhundert man tod geslagen, unnd beilüden ore
stad; got gebe, lange!
a HS : qwam. «> HS : qwomon.
' = „umbe sunst" = „umsonst". 8 Md legel = mhd lfigel und laegel, stn.,
hier aber schwach dekliniert, aus mittellateinischem lagellum entstanden,
«=» „Fauchen." 4 Mhd behendecheit = md behendickeit, liier in der Bedeu-
tung „List"; s. H.Rüekert, Leben des heilig. Ludwig, S. 150. 6 = „machen"
oder „bewirken, dass etwas geschieht".
Digitized by Googl
4
235. bis 237. Stück. 319
235. Wy der herczoge von burgundien dy stad
nuss sere ge engest Latte mit stormen.
Item mau sagit ouch, das der herczoge von burgundie die stad
nuss offte gestormet habe, unnd nemelichen uinbe nativitatis marie1
XYIH stunde an euander, das sie gar'mude warn worden in der stad,
unnd got halff on, unnd do die fiende mit leytern die murn an stegen,
so Stessen sie mit gabeln abe, unnd thad on also wehe, das sie schiere
mude warn. Do quomon* dy frowen mit heissem wasser, do wass kalk
unnd bech inne, die vorbranten also vele gewopeuter lute, als man
sagete, anderthalb tusent man; i unde die do brauten, die litten in das t
wasser uude wolden sich lesche, die ortruncken do, unnd die innre
was on gantcz niddor geschosssen unnd ouch die tonne, unnd sie hatten
innewendig eine schote2 gemacht, das sie geriiiglich" utt" die innre
Heften.
236. Wy der herczoge von burgimdien der stad
nnss feie leides gethon had.
Item man sagit ouch, das er der stad gar wehe gethon had mit
schössen der buchsen ; der haben ;>ie ome ouch enteyl abe gedrungen,
sundern mit in werftis gestanckis, mit bliden, quadbl unnd unflad thed
her der stad gar grossen vordriss; das breiigen die frowen uss deine
wege. Item so werten sy mit dem morstere- grosse steyne in die stad
durch äussere unnd gewelbe; do vor haben sie die steyn wege in der
stad utt* gebrochen, unnd mit sande titl' besehet, wanne der steyn feilet,
das er in den sand feie, das er nicht geloufte noch gesprungen kan.
Item man sagit, wann sie etliche toten ore hern begraben wollen,
so rufleu sie frede, abir sie musssen gunne,;{ das die in der stad die
toten von harnissche unnd gelde vor hin plündern: was dann von den
toten blibet, schickten sie in den ryn adir ander wasser.
237. Wy dy von koln unnd dy burgundischen sich
ge czencket haben.
Item man sagit ouch, das die hofelute zu koln, der sal sie gewest
IX tusent uff michaelis, die habn zu geeziten uss gereten unnd haben
» HS: <|WOinen. b HS: qwad.
235. 1 Donnerstag den 8. September 1474. 5 Mundartlich (niederdeutsch?),
— „Schutz, .Schutzwand". J Sonst ..geringen", „ringsum".
236. 1 „Kot", s.ob. St. 48 A. 1. s „Morstcr", mundartliche Nebenform (mit
unorganischem t) von morser = „Mörser' als Geschütz, v. mittellat. mortaiiuin,
ahd mortari u. moiuari. :| „erlauben", s. St. 110 A. 5.
Digitized by Google
I
238. und 239. Stück.
sich geczencket mit den burgundien unnd slan or vil tod unnd plündern
die, unnd funden vil geldes by on. unnd sullen or ubir sechs tusent
iT* erslagen habe; es dutit abir nichts; so sullen | sye or ouch vil ge-
fangen habe, unnd sunderlichen einen giossen riehen hern, der solde
sebatezunge gebe.
Item man sagit ouch, das etliche gesellen von kolin sullen durch
ore lossunge in der nacht in die burgundische cancelie komen sin,
unnd dor uss vil tusent gülden unnd sigil genomen hatten, unnd en
teyl schribere unnd canceleier erslagen hatten.
238. Wy dy burgundischen dy stad nuss nae
erstehen hatten.
Item man sagit ouch, das des von burgundien banir in einem
harten storme uff die inurn zu nuss komen was, unnd meynten, sie
hetten die stad gewonnen. Do ermanneten sie sich in der stad unnd
stisssen die von der muren unnd nomen das banir zu on in die stad
unnd sl ugen das nidder. Do das banir lag, do troten sie zu rucke, unnd
hatten gar vil Volkes er slagen, das man die graben do mete fullete.
Do sie weg quomen,* do ruckten die in der stad das banir uff unnd
sprochen, wolden sie or banir wedder habe, das sie das holten, unnd
troten do mete uff die muren: do schusssen sie mit buchssen dor noch,
unnd schosssen den tod, der das banir hatte, abir sie behelden das
banir in der stad. Dorumbe ist der burgunder er grymmet, das er sich
nicht wil lossen abe triben, er wil das banir widder ge winne unnd die
stad dar zu.
239. Wy der pfalczgrafe deine herezogen von
biirguitdigen hatte abe gesehreben.
Item man sagit ouch, das der pfalczgrave deme herezogen von
burgundien habe abe geschreben sine vortracht, als er sich mit ome
t vortragen | hatte; also der burgunder hatte deme pfalczgraven geschreben
unnd gemand sinss vorbuntnisse unnd hulffe; dor ufl hatte ome der
pfalczgrave wedder geschreben, das er die vortracht ansehec, er wüste
nicht anders, er hette sich kegen ome verbunden hulffe zu thune, wo
er nicht widdir das heilige rieh tete, unnd das er vom riche nicht
er mand worde; nu were er evn korfurste unnd worde itezunt vom
keysere er mand unnd tete widder das rieh an oche unnd kolln, unnd
dor umbe fugete1 ome nicht wedder das rieh zu thune; er wolde thun
als eyn from korfurste unnd deme riche gehorsam sy; er hette sich
239. 1 S. St. 197 A. 7; hier mehr = „sich schicken, anstehen".
Digitized by Google
240. und 241. Stück.
321
ouch anders nicht vor schreben ; also solde der burgunder gar czornig
sy worden, unnd sulde den bisschoff, des pfalczgraven bruder, gefangen
habe, gar hart gesatczt, das er orae nicht ouch also tede.
240. Wy sich der keyser unnd vele fursten unnd
stete samnieten zu czehene wedder den herczogen
von burgundien.
Item man sagit ouch, das der keyser1 wolde mit allin korfursten
unnd richsteten unde andern fursten der stad nuss zu hulfFe komen,
unnd hatte gereite allin fursten zu sich geschreben kein auspurgk;
do czoch herczog wilhelm zu doringen unnd herczoge ernst zu missen3
hin in die michaelis anno domini M ° OCCC LXXEUI, unnd die von erfibrt 1474
sind ouch hin by unserm gnedigen hern von mentcz adolff de nassau3
zu wirczpurgk.
841. Der koningk von denemarcken quam ouch
do hin.
Item man sagit, das der koning von dennemargk1 unnd eyn her-
czoge von brunsswig2 mit grossem 174
a
unnd sulle deme volke sage, das sie got vor ougon unnd zu getruwen
haben; got wil sie boscherme; sye sullen ouch ein sye unnd sieh ge-
truwelichen were; her bete got vor sy, das sie beschermet werden.
» Bl. 173 ist In der Handschrift herauageriaaon.
*
240. 1 Auf dem Reichstage zu Augsburg wurde zwar der Reichakrieg gegen
Herzog Karl von Burgund beschlossen, aber erst im August 1474 gab man diesem
Beschlüsse Folge ; Oberbefehlshaber war Kurfürst Albrecht Achilles von Branden-
burg. Er war dem Kaiser ergeben , und damit dessen Pläne bezuglich der Ver-
mahlung seines Sohnes, des Erzherzogs Maximilian, mit Maria von Burguud
nicht gestört würden, verzögerte Albrecht Achilles den Angriff, obwohl das
lveichsheer allmählich sehr bedeutend geworden war, ja Hess Karl sich seiner
gefahrlichen Lage, in welche er nnch und nach vor Neuss geraten war, entziehen.
* Ernst, Kurfürst von Sachsen, regierte seit dem am 7. September 1464 erfolgten
Tode seines Vaters, Friedrichs des Sanftmütigen, mit seinem Bruder Albrecht
damals noch gemeinsam , bis am 26. August 1485 durch den Leipziger Vertrag
die Teiluug der Wettmachen Länder, die seitdem nicht wieder vereinigt worden
sind, erfolgte; Kurfürst Ernst starb bereits 1486, Herzog Albrecht i. J. 1500
3 Erzbischof Adolf II. von Nassau, 1461-1475.
241. 1 König Christian I., 1448—1481, welcher durch einen zur See unter-
nommenen Angriff auf die niederländischen Provinzen des Herzogs Karl von
Burgund diesen von der Belagerung von Neuss abzuziehen suchte. J Herzog
Wilhelm der Siegreiche, f 1482.
Digitized by Google
322
242. und 243. Stück.
242. Wy sich dy kolner vor yren eygen soldernen
besorgeten.
Item uff don fritag sergi et bachi 1 war gesagit, das die von kolin
netten vaste trabanton lussen gehin, das warn westfei ingeunnd trenckere,2
als die doringe unnd tregere 5 saiten; die hie uss deme lande under den
worn, die hetten sie wol gerne behalden, unnd lisssen die dorumbe
gehen, das sie sich vor on besorgeten, das sie icht uff loyffte adir
irrethum machten mit disssen luten, unde das vor retnissse dor uss
quenie; snndern sie hatten gliche wol noch gar vil trabanten unde vil
reissiges geezuges, unnd die" von koln hetten die von burgundien wol
von dem werde getreben unde hetten die stad nuss gespisset mit vil
schiften, futter den pferden unnd ouch sust menschen spisso. Etliche
sageten, das pferde futter solden die von koln deme here dos herezogen
abe gedrungen habe, unnd ouch die von nuss niete; unnd man saget
ouch, das der keiser were komen geyn wirezpurg, unnd die swebischen
stete unde ander rieh stete folgeten ome alle mit noch mit grossem
folke, unnd wolden zu hulft'e komen deme rinstrome.
Item es wart ouch uff den tag gesaget, das hirezuge sigimunt*
von osterrich mit den switezern tete deme burgundier üben her grossseu
v schaden, unnd der bastait,5 das ist des | herezoge von burgundien
kebessson, der hatte sich gewant kegen deme selben zu werne. So lag
der koning von denemarcken n unden vor einer stad, dy solde zu sinera
riebe gebore, die hatte der burgunder deine koninge etwan abe ge-
wunnen unnd hatte dio langeezit iune gehabt
243. Wy dy von koln dy stad nuss gespisset hatten.
Item uff den sontag dionisii 1 wart vor dio worheit gesagit, das die
kolner mit macht gespiset hetten die stad nuss mit czwen schiften, eyn
mit salcze. das andere mit pulvere, unnd hatten sich sere mit deme
here geslageu, unnd hatten der burgundier czwey tusent tod geslagen.
242. 1 7. Oktober 1474. 2 Stolle meint wohl Trenthero = Drenthere, d. h.
Bewohner der holländkehen Provinz Drenthc. " Krieger aus Trier. * Sieg-
mund, Erzherzog von Ö>terreieh (Tirol), 1446—1496. r* E<* \*t Anton de Ta
Koche, „der grosse Bastard von Burgund", gemeint, der grftrtstc der (16) natur-
lichen Sühne Herzog Philipps des Guten von Burgund. c König Christian I.
von Dänemark (s. St. 241 A. 1) zog dann an den Rhein , um zwischen Kaiser
Friedrich III. und dein Herzog Karl dem Kuhnen von Burgund zu vermitteln.
243. 1 9. Oktober 1474.
/
Digitized by Googl
244. bis 247. Stuck.
323
244. Von der untrmve des herczogen von burgundien.
Item dor noch uff den diustag 1 wart gesaget, wie der burgundir
mit der stad nuss getaget hatte, unnd wie her undir deme tage die
stad liss stornie, unnd die menre worn von der wehere gegangen, unnd
die pristere unnd die frowen hatten den storm mit hoissem wasser er-
wehert, unnd er wolde sie also schelglich1* uf! gewinne, also zugeten3
die burgundere ledderne kogele,3 das dass wasser abe trug.*
245. Eine ploge des volks von burgundien.
Item es wart ouch gesagit, wilch bargundier [sie] wunt worden wehere,
als balde were ome dye wunde enczundit unnd fulete, das er sterben
mäste, unnd dos had der liebe sanctus quirinus 1 des gewalt do niete
zu strofen.
246. Wy sich der herezoge von burgundien nicht
besorgete vor deine keysere noch vor nymande.j
Item es wart ouch gesagit, das man deme herczogen von bur- 175
gundien gesagit hatte, wie das dor keyser mit den korfursten unnd
des richs steten queme» dar, unnd wolde die stad nuss errede unnd on
abe tribe, do solde her mit glichen fusssen uff gesprungen habe unnd
ge sprochen, des were her sere fro; des keysers unnd aller fursten, die
uff erden lebeten, der wolde her do er beyte, unnd wolde dy stad ge-
winne adir do vor sterbe, unnd hatte einen knaben vor ome stene
unde syn birrot abe genomen, mit synen harn uss gemufft unnd ge-
sprochen, also wolde her noch deme keysere sine krönen mit synen
horn abe nemen unnd on mit fusssen treten.
247. Wy des herczogen von bnrgundien volkb müde
worden des krigis.
Item man sagit ouch, das des herczogen lute des krigis unnd
legers unnd stormenss gancz mude weren, unnd wolden nicht meher
> HS: stete qweme. b „rolk" v<m 8 toll« apiter zugesetzt.
244. 1 11. Oktober 1474. " Mhd sohalcltche, mit Umlaut und verkürzt
achelclicb, = nid schelglich, adv. ■= „auf hinterlistige Weise". * Mhd ziugen =
md zugen, = „anschaffen, herbeischaffen." s kogel r= guggel == „Kapuze".
* „tragen" = tragen, fuhren, also abtragen — „abführen", d. hT ablaufen lassen.
24«. 1 Am 30. April 1050 wurde der Leib des Märtyrers Quirinus von Rom
nach Neuss feierlich übergeführt; so wurde Quirinus, dem die Pfarrkirche in
Neuss geweiht ist, Schutzpatron der Stadt.
21-
Digitized by Google
324
248. biß 252. Stück.
storme, wann sie marckten, das sie der stad nicht gewinne konden;
got unnd der liebe sanctus kurinus1 be schermete die.
248. Wy gar freisslichen der herczoge von bnrgundien
in dy stad nuss liss stormen.
Item man sagit ouch, das her mit issern kopfira, czenen unnd
blien steinen ane underloss in die stad schussse, also gross als die
monschen houbte, unnd hatte uff die czit nicht mehir folks, wann bie
vierczig tusent guter redelicher macschaift, unnd bie drye tusent ge-
meyne folk. kremere unnd diedo esssen unnd trincken zu fürten, unnd
t frowen unnd | kindere das er by LXX tusent folks in sinom here nette.
249. Der herczoge von burgundien hatte ge macht
czwo brücken über den ryn.
Item man sagite ouch, das er czwo brücken ubir den ryn gemacht
nette, unnd des rins en teyl abe geslagen, das er besiot hin ginge, das
er dy stad nuss kein deme ryne ouch gestormen mochte, unnd zu
deme werde, den er inne hatte, abe unnd zu kome mochte. Unnd
man meynte, das es der stad gar hartelin worde.
250. Von den von koln unnd yrem volke.*
Item es wart ouch gesagit, das die kölner oro trabanten enteyl
Hessen geen, sundern reysigis geezugis hatten sie by vier tusent man
unnd reuten yenthand1 uff der bnrgunder heer unnd sluhen on vaste
lute abe.
251. Von den toten luthen, die vor nuss logen.
Item die stad graben zu nuss, die logen also fol toter lute, das sie
zu haut glich worn; item die uss der stad hatten dorn burgunder ouch
einen adir czwene grosse fursten erslagen; die hatte her losson begrabe,
unde meynten, man solde ome achte tusent man habe tod geslagen zu
der czit. _____
252. Von dem doringesschen lantgrafcn.
Item wart gesagit uff ealixti et burckardi,1 das der furste herczoge
unnd lantgrave wilhelm von doringen were von deme keysere gesatezt
* HS: yre« volkw.
247. 1 — Quirinus (St. 245 A. 1), öfters.
250. ' Örtlich - , jener Hand,'' mundartlich, = „drüben, jenseits"; zeitlich
». St, 205 A. 25 '.
252. 1 Freitag, d. 14. Oktober 1474.
Digitized by Google
253. und 254. Stuck.
325
eyn vor wesser des römischen | richs, in dissen Sachen mit allen kor- m
forsten, bisschoßen unnd des richs steten zu fechten widder den von
burgundien, unnd die stad nuss zu reden unnd ouch die von kolin,
unnd der koyser hatte willen zu setczen raargraven albrechten von
brandenburg; do woron die richs stete nicht zu geneiget gewest, sun-
dern zu herczogen wilhelmon von doringen, wann margrave albrecht
was den stoten gram unnd wolden ome ouch nicht getruwe, unnd uff
den selben tag komen die von erßort zu deme keyser.
253. Von den czwen lantgrafen von liesssen.
Item uff die selbigen czit schreib eyn burger von koln einem
prester kein erffort, das lantgrave heinrich von hessen 1 mit driehundert
pherden kein koln komen wehere, unnd sagete, sin folk queme er noch,
unnd sie meinten, er tete swechlich zu sinem bruder herman, der in
nuss lag. Unde die von nuss czogen zu geeziten uss der stad unnd
slugen sich mit deme heree des burgundiers, unde slugen ome feie
folks tod, unnd er hatte sich vor graben, das er meynte do zu bliben.
So hofften die in der stad des keysers unnd der fursten zukunfft; wann
die quemen, so wolden sie besehen, das sie on uss sinen Wagenburgen
brechten.
254. Wy dy von nuas gantcz müde worden. |
Item man sagito dominica galli,1 wio das her die stad nuss vor v
achte tagen zu mole hart gestormet hatte, unnd hatte IX storme noch
enander uff eine nacht gethon unnd des abendes an gehaben unnd die
ganteze nacht gestormet, unnd die in der stad nuss also mude ge
macht, das sie czagehafftig warn worden, unnd meynten, von der wehere
zu gehene unnd sich lossen gewinne Also was eyn man undir on in
der stad vor on wol gewopent, der sprach zu on, was sie thun wolden.
Etliche sagen, es sie sanetus quirinus gewest. Sie sullen meulich
fechte, got wil bie on steheen, unnd ouch sanetus quirinus; sie sullen
ouch ane schaden vor den stormen kome. Also schickten sio sich
widder an die wehore, unnd zu hant gingk des herczogen von bur-
gundien heir achte enden mit fure iu% unnd wart gar ein gross für,
dass die burgundischeu von deme storme ließen, unnd ließen zu deme
heree zu unnd flohen. Also folgeten die in der stad nach unnd slugen
vil fulkes tod; etliche sagen von czwey tusent mannen. So was ouch
vaste folkes in deme heree vorbrant Also sagete man, her hette das
beer vorder geslagen. Also wart die stad uff das mol erlost von
gotishulffe unnd saneti quirini
'2*5. 1 S. St. 226 A I a. E.
254. Sonntag d. 16. Oktober 1474.
Digitized by Google
:!2<3
255. bis 257 Stück.
255. Wy herczoge wilhelm zu Sachsen sinem vettern
wolde zu hulffe komen.
Item uff den fritag uff sant sevors abent1 sagite man, dasberczoge
177 wilhelm zu Sachsen alle sine inanschafft zu sich vor bod bette-' | kegen
bottelstete3 unnd wolde rad slage, das er sineni vettern, lantgravcn
herman, der in nuss lag, zu hulffe querae.
256. Wunder von sancto quirino zu nuss.
Item man sagete uff die czit, wie das einer in dorne burgundischen
here solde gesagit habe, was heiigen das wehere, der die stad nuss
bescermete.* Do antwerte, der do gefragit wart, on hisse sanctus
quirinus. Do sprach der, was es vor ein heilige. Do sproch der, er
wore eyn ritter. Do fragete der andere, ab her lebennig wehere. Do
sprach der andere, neyn, er wehere tod unud raste sust do in der
kerchen. Do sprach der frager: Also ist er tod unnd begraben unnd
vor fulet; wie mag er on dann geholfen unnd sie beschorme? So thud
her mir noch nimande nicht. Also balde was der nidder gefallen unnd
gestorben. Do quomen die rede vor den herczogen, unnd wart also
gesagit vor deme hern. Do stunt einer do by, vor deme hern; als
man sagete, das der also balde gestorben wehere, der sprach spotlich:
solde der dor umbe gestorben sy? ome ist sust eyn anmacht zu
gogangen unnd gestorben, unnd gloubete des nicht, unnd der selbige
fil ouch also balde nidder unnd starb. Das wart vor eine gantcze
worheit gesagit.
257. Von der predigate1 des burgunders.
Item man sagite uff den sontag noch severi,2 der burgunder hette
einen doctorem bie ome, der predigete ome zu hoen gecziten, der hatte
v ome | geprediget von den heiigen engein, wie got durch die beschutczte
die menscheit, unnd dorch vorbethe der lieben heiigen, unnd was komen
uff die materien des krigis unnd stormens unnd mochte villichte ge-
sagit habe, das es un menschlich wehere, das die von nuss sich also
lange mochten uff gehalde sulchs stormens, wann on got nicht hulffe
unnd die heilgen engele, unnd der liebe heiige sanctus kurinus etc.;
■ HS: bMtermeto.
255. 1 21. Oktober 1474. * vorbieten = wie oben St. 38 A. 2: entbieten, za
sich entbieten; 8. H. Rückert, Leben des heilig. Ludwig S. 100: „besenden", der
auch näheres über dieses Wort bietet. 3 Buttelatedt, Städtchen im Verwaltungs-
bezirk Apolda des Grossherzogtums Sachsen.
257. 1 predigate, stswf , Predigt (wohl aus dem mittellat. praedicatiu).
* 25. Oktober 1474.
Digitized by Googl
258. IStüdL
327
unnd noch der predigete sohle der von burgundien gesagit Jiabe: lieber
er doctor, ir soldot lange predigen, das ir mich in den glouben breclitet,
das got adir sine heiigen adir die engele sich unsers krigis adir wessens
hir uff ertriche sich an nemen adir sich do mete bewerten;3 got mit
sinen engein unnd heiigen regirote im hymmele unnd hette sine
heiligen unnd engele bie ome unnd krotto sich4 unser ufi demeertricli
nicht, sundern er unnd sine glichen soldeu ufi deme ertriche regeren
unnd herrschen.
So hatte siner graven unnd fursten ouch einer gesaget: gnediger
herre, uwere gnaden were wol nod gutis ratis unnd bedenckunge, ir
vorliessot zu mole feie Volkes vor der stad unnd merket wol, das sie
got bewaret; is were gut, das uwer gnade uff horte unnd czoge von
dannen, unnd behilt uwer volk. Do hatte der herczoge von bur-
gundien dor uff ge antwart, her hette volkes gnug; wanne die allo er
slagen wern, die her \ itczunt hette, so wolde her noch andirm volke i7»
schicke. Do hatte der grave widder geantwart zu ome: lieber herre,
ir komet abir do mete um be uwer fursten, graven, rittere unnd knechte.
Do antwerte der herczoge, ab er die fursten unnd graven unnd
rittere vor lore, er konde wol andere gemache; er konde ouch selber
fursten, graven unnd rittere gemache, wann her heym qnerao. Do der
grave das horte, das her solcher lute.sso geringe achte unnd sich der
er wegen5 wolde, do sweig or stille; was er gedochte, das sagete
her nicht.
258. Ein gross wumlerczeichen von sancto quirino.
Item man sagete uff den montag severini,1 der liebe hoilge sanctus
quirinus wehere er schenen deme aldon kirchenere, also for geschreben
stehit, des morgens fru, als er zu der metten solde luthe, unnd hatte
eyn licht in siner hant gehad unnd sprach deme kerchenere zu. Do
erschrag der kirchener zu mole sere unnd vil nidder. Do sprach der
hoilge zu ome unnd tröste on unnd sprach: Erschrig nicht! ich bins,
sanctus quirinus, deme du so lange ge dinet hast Do er mannete her
widder unnd stunt uff unnd sprach: Liober herre, was meynstu, das
du mir en schinest? Do sprach der liebe heiige: Ich uffenbare mich
dir darum be, das du sagest den gewaldigen disser stad, das sie sich
gotruwelichen weheren unnd setczen ore hoffenunge zu gote unnd
loben den unde beten on | "umbe sine hulffe unnd gnade, eren unnd ▼
under einandor, unnd was sie thun, das sie das eintrechtigchien thun,
werdigenon, unnd sint eyn unnd stehen getruwelichen bie einandir,
also brudere unnd frome luthe; on sulle nicht gewerre2 in dissem krige,
a Mundartlich, „sich beweren" — „sich beschäftigen", s. auch H. Rückert,
Leben des h. Ludwig S. 112. 4 „»ich krotten" — „sich einer Sache annehmen,
sich darum bekümmern." ö „sich envegen" = „sich aufregen", „der" = „deret-
wegen."
258. 1 24. Oktober 1474. * gewerren, stv., intrans. „schaden".
Digitized by Google
328
JV28. Htrtck.
aber sie musssen note liden, unnd doch or könne,* das sie got hanthaben 8
wil. (Jnde vorswant also. Das sageto der kerchener den horn unnd ge-
waldigen der stad nuss; die vor nomen das wol, aber sie meynten, es
wehere eyn troyin gewest, unnd achten des nicht gross, sundern sie
hatten glichewol des oren achtunge unnd gloubeten der uffenbarunge
nicht. Ubir czwene adir dry tage er schein er deme kirchenere abir
unnd mochto villichte eyn aldir fromer prister sy, wann uff stiflten hat
man pristere zu kirchenern, unnd sagito ome abir die vor geschreben
rede unnd sprach: Sie wollin dir nicht gloube unnd meynen, es habe
dir getroymet. Nu saltu on eyn worczeichenb sage, do bie stillen sie
mcrcken die worheit. Got wil diel) heische unnd zu sinen gnaden
neme umbe dines langen getruwen dinstes willen; du salt sterben am
dritten tage, unnd is geschiet dir zu grosor selickeit, das dir got dorch
mich uffenbart den tag dines todis. Do erschrag dor korchener, das er
niddor fil; do tröste on der heilige man unnd sprach: | Du salt nicht
er schrecke, das dir got sulche offenbarungo thud ; is geschiet dir zu
grossser selickeit, unnd disser stad unnd orem folke zu einem vesten
glouben. Do ermanito6 her sich4 widder unnd sprach: 0 über here, ich
bin also eyn grossir sunder gewest unntl vil sundc gethon von miner
jogunt bis her in myn alder; der kan ich in sulcher czit nicht gebusse
noch bedencke etc. Do sprach der heiige sanetus quirinus: Du salt
bichte unnd ruwe unnd leide umbe dine sunde habe. Oot hat dinen
getruwen dinst an ge sehon unnd thut dir die uffenbarunge, unnd salt
disso uffenbarunge unnd myne rede, dio ich dir von gitis wegen itezunt
gesagit habe, den gewaldigen disser stad getruwelichen unde ernstlichen
sage, unnd zu vorezeichene dinen tod, tag unnd stunde dinos todis
sage, unnd das sy got vor yn haben unnd oren trost unnd hulffe zu
gote setezen; got wille sy hanthaben unnd er lossen; es sal on sust
hart gnug lege. Wann sie dann das worezeichen enfinden an dinem
tode, so werden sie disse uffenbarunge gloube. Der kirchener tad
das gancz unnd wol, unnd sagete alle geschieht, als man sagit
unnd vor geschreben steint. Do worden sie erfrowet unnd hatten
achtunge uff den man, das er icht rossete unnd sich selber totte
vor forchte des kriges, unnd Jisssen sin wol Worten. Der kirchener
bichte unnd hatte ruwe | unnd leide umme sine sunde unnd starb unnd
nam eyn seligis ende, uff die czit als her gesaget hatte. Do gloubete
das volk gancz unnd gewonnen grossen zu flucht zu domo lieben
heiigen unnd zu vordirst zu gothe. Unnd eyn iglicher nam an sich
eyn czeichen des lieben heiigen, unnd werten sich also menlich, das es
lust was, unnd man sagete also balde, als eyn trefflich burger adir
* BS: eo kenne. b H8: worchelchen. c HS: ermatte.
3 hanthaben" = „schützen, beschützen". * Die handschriftliche Lesart
„ermatte sich" = „erfreute, ergötzte sich", ißt zwar an sich verständlich, passt
aber hier nicht, deshalb haben wir geändert; auch Hesse liesst in s. Aus-
gabe so.
Digitized by Google
259. Stück.
320
man hatte eyn czeichen des heiligen vor sich, unnd einer schoss uff
on unde triff das czeichen, unnd der schoss prallete widder unnd
schatte ome nicht, unnd zu eyme czeichen hing her das czeichen in
das raonster, unnd das findet man dor inne zu einem wunder wercke.
259. Von dem konige zu poln unnd dem konige
zu ungern.1
Item man sagite ouch uff die selbigo czit, wie das der koning von
poln eyn gross hchir hotte von funlfczig tusent resigen geczugis unnd
funffczig adir seehezig tusent zu fusse, unnd lege zu feldo widder den
koning von ungern, unnd die bohemen wolden des konnigis von poln
son habe zu einem konnige unnd nicht den koning von ungern, deme
is der bobist unnd der koyser zu gesaget hatten. Unnd der koning von
ungern hatte ouch gross volk, drissig adir vierczig tusent man, unnd
der koning von poln drang den koning von ungern zu rucke, das her
vor deme poln flihen muste in dio stad zu bressla; also | wolden on iso
die von brossla nicht in losse, dann mit enteil volks, nemelich mit
czweu tusent man, in ore vorstad; unnd das andere sin volk tloch in
eine stad czwo mile dar von; da vor czoch dor koning von poln unnd
belag die selbigen stad, unnd wolde das volk ye bestrite. Als czog
herczog ernst von missen, der hern einer uss missen unnd eyn kor-
furste, kein bressla unnd meynte, ab er icht dar czwisschon konde go-
reden unnd das zu turen, wann die sage ging, der koning von ungern
hette vasto czorunge- uft behemor land gethan; er lisse sich besage3
unnd neme widderkar- siner czorunge, unnd Hesse das koningrich zu
behemen, unnd lisse den jungen poln eyn koning sin. So wolde der
pole nicht lossen dar czwisschen rede, sundern er wolde den koning
von ungern uss deine lande tribe mit gewalt unnd wolde ouch mit
ome strite, unnd meynto ouch das koningrich zu ungern under sich
gewynne, unnd meynte sich ouch zu legen vor die sechs stete gorlitcz,
budewitcz, legenitcz5 etc. unnd wie sieheissen; die hatten gereite deine
konige von ungern gehuldet, unnd die sossscn in grossen noten.
Also ging iss zu derselbigen czit ubir die stete unnd laud ; wann der
359. 1 Es handelt Mich hier um die Kampfe zwischen König Matthias von
Ungarn — schon 1469 noch zu Lebzeiten Georg Podiehrads zum Könige von
Böhmen gewählt— nach dem Tode König Georg Podiebrads (22. März 1471) mit
dem Könige Kasimir von Polen und dessen ebenfalls zum böhmischen Könige ge-
wählten Bohne Wladislaus, die von 1471 bis 1479 dauerten, und in die auch
Kurfürst Ernst von Sachsen (s. St. 240 A. 1) hineingezogen wurde. Der Chronist,
welcher deutsch-patriotisch fühlte, beklagt Deutschland* Geschick, das in West
und Ost damals so schwer bedrängt wurde. - ,, Aufwand, Kosten." ' D. h. Hesse
mit sich reden. 1 Mhd widerker = md widerkar, sff., „Rückerstattung, Er-
satz.4* 5 Görlitz, Bautzen, Lieguitz. Zu dem im Jahre 1846 geschlossenen
Sechsstädtebund gehörten: Bautzen, Görlitz, Kamenz , Lauban , Lübau und
Zittau (nicht aber Liegnitz).
Digitized by Google
260. und 261. Stück.
koning von poln ubirhant genomeu liette an deme ende, unnd der
herczoge von burgundien uft den andern ort, so betten dissse land |
▼ gelegen in grossser besorgunge unnd noten.
260. Von der gmsssen kunheit von den von nuss.
Item wart gesagot von den von nuss, das sie an sant lucas tage1
noch lust vor or stad thor czwei adir dry hundert man mit enander
vor or thor Iiefl'en unnd sich zu czemrken mit den burgundischen
unnd schössen sich mit on, wan der herczoge hatte lange nicht ge-
stormet, das sie musssig gingen, wann sin volk wolde omo numme
hclfle, unnd die uss der stad vorsogen die schancze,* das die burgun-
dischen zu starg worden, * das sie in die stad wiche musten, unnd
drungen sie also swinde, das sie kume die stad zu brochten, unnd
bieben dann noch da vor by funflczig mannen, die fingen die burgun-
disschen unnd fürten sie in das heir; die musten sage, wie iss in der
stad gestalt was, sundern do by sagete* man, dass sie wol getrost
weren in der stad, unnd wolden oro stad vor deme horczogen wol be-
halde; unnd man meynte glichewol, er mochte noch en kon de or nicht
gewynne. Sie hatten die stad ouch innewendig also gemacht, ab her
sie schone gewonnen, sie wolden en wol widder en uss tribe, adir sy
alle tod slaho adir werffe, die en in quemen, unnd ab her sie gewonnen
hotte, so wolden sye dannoch in einem teile der stad bieben sin; also
hatten sie einen graben gemacht in der stad, sie wolden sich ouch wol
als lange erhalde mit gotishulffe, das der herczoge muste abeczehen,
i8i wann sie hatten wenig zu esssen in deme here. Ein brot also | gross
als eyn ey galt einen wissen phenning3 in deme here, das man nieynte,
or würde nicht lange da vor bliben, sundern er hatte da vor von alden
hussen also veste gebuwet, von eichen holcze gemacht, das man sie
nicht eruss geschessse nocli getriben konde, man hette on dann uss
gohungert.
261. Wy der junge Burgunder1 sinen vater straffte.
Item man sagete ouch, am sontage noch raartini,2 wio das der
bastart von burgundien komen were in das heir zu sinem vater unnd
vasto vil volks brocht hette, frisschir drabanten achte hundert, unnd hatte
* IIS: ttgutcn.
260. ' Dienstag d. 18. Oktober 1474. ' „sie versahen sieh zu dem
Wagestück" (s. II. Rückcrt, Leben des heiligen Ludwig S. 159), schanze = d.
frz. ebange, so schon St. 142 A. 7. 'Nach dem Müuzvertrage der 4 rheinischen
Kurfürsten v.J. 1386 galt der Gulden 20 neue Silberpfennige (wysse penning).
361. 1 Stollo irrt, denn ein natürlicher Solm Kails ist nicht bekannt, es ist
wohl der St. 212 A.5 -genannte (jüngere) Halbbruder des Herzogs gemeint, unten
im Gedicht, St. 313, Vers 78, auch genannt. 2 13. November 1471
Digitized by Google
262. und 263. Stück.
331
den herczogen, sinen vater gestrafft, was her do lege unnd tete nicht
vliess, unnd er mochte eine solche stad wol gewynne, unnd hette vor-
mals vele guter stete gewonnen unnd worde nu zu einer metczen. Do
antwerte omo der herczogo, er wehero doch gar bosse; er hettes uff on
gespart, das er ouch sine manheit dor an vorsuchte. Also trad er hin
an mit sinem nuwen folke unnd stormete die stad, unnd die fromen
lute werten sich also lange, das der burgunder keinen man mehe behilt
von den drabanten, die er brocht hatte, unde in dor stad schosssen
nicht, sundern sie stroweten pulver unnd stro in die graben, wann
dann die Inte an gestegen, so worffen sy für in das stro unnd pulver,
das erstickte unnd vorbrante die burgundischen, das sie alle storbeu.
262. Hy saute der koning von engelant deine
herczogen von burgundien vele volks. |
Item man sagete ouch, wie der koning von engilland 1 sohle dem *
burgunder vaste vil volks gesand habe, unnd ouch andere sine fursten,
also das dry beir do byennander worn, die betten sich ge erret2 umbe
das stormen; iglich partige wolde sine manschafft bewisse, unnd troten
alle gliche zu an die stad an drien enden, unnd stormeten gar hart
unnd die in der stad erwerten sich mit fnre unnd pulvere, unnd ouch,
an einem ende mit heissem wasssere, unnd musten mit schänden abo
lossen; unnd als balde ging das heir vier enden an unnd brante also
sero unnd undereinander, das sie sich slugen, das ir bio vier tusent
tod bloben worn unnd die vorbrant worn.
263. Wy der herczoge von burgundien gerne bette
gehat den lantgrafen hermann von hessen nss der
stad nuss.
Item man sagete ouch, wie der herczoge solde einen boten in die
stad nuss mit sicherunge geschicket unnd geschreben habe lantgraven
herraan von hesssen, das er abeczicht tethe unnd uss der stad czoge
mit den sinen; er wolde on sicher lossen von dannen kome, wo heu
er wolde, unde on dar zu geleite, das er sicher czoge Als der böte
vor die stad quam,* do lesssen sie on in unnd bunden das pfert in das
thor unnd bunden ome sine ougen zu unnd fürten on zu lantgraven
hermans herbarge, unnd bunden on widder uff, das her lantgraven
herman sach, unnd antwarte sinen | brieff unnd ass unnd trang; das 1*2
hiss ome der lantgrave gebe, unnd hiss ome wedder breffe schribe unnd
• H8: qwam.
262. 1 Eduard IV., aus dem Hause York, 1461-1483. ■ „«ich verun-
einigen", s. St. 203 A. 1.
Digitized by Google
332
264 bis 266. Stück.
rauntlich werb entpfahiln1; wind fürten on widder in das thor mit
vorbundon ougen unnd lisssen on uff sin pfert sitczen unnd mit frede
riton. Do er an das heir quam vor den horczogen, do lieffen die
andern sine fursteu unnd hinschafft zu unnd wolden alle zubore, was
er brechte. Do antwarte er sine breffe schrift lich unnd muntlich. Also
fragete on der herczoge, wie es in der stad gestalt were. Do sprach
er, er wüste is nicht. Do verwundirte is den herczogen, die wile er in
der stad were gowest, unnd brechte antwart; er solde ye wisse, wie es
gestalt were; en teyl meinten, er were nicht dor inne gewest Do
sprach er: Ich bin dar inne gewest unnd habe mit Iantgrave herman
gesssen unnd getruncken unnd alle sin hofegesindo wol gesehen unnd
mit on gereth unnd sine botschafft wol geworben. Er wüste abir
nicht, wie is in der stad gestalt were; er hette ouch keinen menschen
dor inno geseon noch gehört, dann die thor worten unnd lantgraven
herman. Do man sie des alle wunder. Also sagete er on, sie hetten
ome sine ougen vorbunden in unnd usswart, unnd dorumbe hette
er nichts geseen, er wusto ouch nicht zu sagen von der stad. Do wart
der herczoge von burgundien czorning unnd solde gesprochen habe,
▼ sie weren nicht menschen mit sulcher | list, sie weren tufele, das sie
nimant ubirlisten konde; unnd liss abir an sie storme.
264. Wy dy von koln sich czwaekten mit dem beer.
Item man sagite, wie die richstete viiste weren do nidden zu kolin
unnd zwackten den herczogen ynohant1 uff das heir, unnd her were
czwo mile zu rucke geezogen unnd hette sich andertweit gelogert unnd
vor graben.
265. Von einem klugen Joden, der was zu nuss.
Item man sagite ouch, wie die von nuss hetten bie on gar einen
clugen joden, der were also uff sine jodischeit also wol gelart, das er
konde zukunftige ding gesagen. Der selbie hette practicert: behilden
sie die stad vor martini, so solden sie vor wor wisse, das er der nicht
dor noch gewönne, unnd der von burgundien worde vor der stad mit
alle sinem volke erslagcn ; unnd doruff hette sicli der jode gefangen gegeben.
266. Wy sanetus quirinus grossse ezeichen tethe.
Item man sagite ouch, das got unnd der liebe heiige sanetus
karinus grosse ezeichen tete an deme horczogen von burgundion, das
263. 1 werp gewerp „Vertrag*', auch „Hotschaft"; mhd euiphcllcu — ind
empfelen — „zur Besorgung od«>r Bewahrung übergeben, übertragen", — also : der
Landgraf hiess dem Boten Briefe (Antwort) zu schreiben, und auch mündlich
trug er ihm auf, die Nachricht zu überbringen.
264. 1 S. St. 250 A. 1.
Digitized by Google
267. und 268. Stück.
er nicht konde von der stad uss der pflege kome noch geczihe, dorummo
das er bette losse schiessen noch der kirchen sancti quirini, unnd der
liebe heiige bette die gewalt von gote, wer on beschedigete, der konde
ane schaden nicht do von kome; glich also zu gangolfl sommeringen,1
wer in der kirchen stehilt, der kan nicht von dannen komen mit der
duberie,2 er wirt begriffen. Unnd man sagit, das der herczoge sin bette
harte enpur gemacht; wann er uff | die erden quam,* so wart er kräng; m
unnd man nieynte, er worde vor der stad tod blibe. Das wart gesagit
umme das fest sancte elizabeth.3
267. Wy üy von nuss in das burgundische heir
quomen dos nacktes.
Item es wart gesagit, das sich funffhundirt uss der stad nuss uff
sente mertins abint1 zusamen worffen, unnd gingen bie nacht uss der
stad unnd quomen an das hehir; do quomen on czwene wechter zu,
die fingen sy unnd wolden sie tote, unnd totten den einen, der andere
bad also sere umbe das leben, das sie on leben Jossen, er wolde on
under wisunge'thu unde die lossunge sage, das sie in das heir mochten
gehon unnd grossen schaden thun unnd gut erwerbe; also Hessen sie
on leben, unnd er sagete on die lossunge unnd gab on under wisunge.
Unnd sie quomen in das heir. Do funden sie die heir luthe in gruben
sitczen unnd in löchern by deme furo, unnd wann sie vor hin gingen,
so frageten die in den löchern, wer da were, so antwerten sie: frunt.
So frageten gene wedder die lossungo, so sageten die die lossunge,
unnd besohen das heir gancz unnd gar,, wann der heir was mehe wann
eins, sundern das besohen sie alleine. Unnd do si das wol beseen
hatten, do machten sie an einem ende, do sie es bequeme duchte, ein
gross geschreye, unnd filen zu on in die gruben, unnd slugen under
sie unnd slugen gar vil luthe tod, unnd nomen, wass sie von dannen
nioehton brengen, unnd brochten als vil von | dannen, das sie budten,*- *
das einen iglichen worden funffczig gülden.
268. Von der stad nuss.
Item man sagite, das man nuss hatte gespiset mit salcze unnd
putern unnd sie musten selber male unnd backe unnd worden on sweer.
Item man'* sagete, das der herczoge von burgundien het vier-
hundert mollen unnd baekoffen in sinem heir.
* HS: qvrun. h fohlt in der Hfi.
266. 1 Gangloffsömmern, Dorf im nreuss. Kreisn Weissenaee, l{egl>ez. Erfurt.
' Mhd diuberie nid dnberie, stf., „Diel>erei". ;| Sonnabend d. 19. Novbr. 1474.
267. 1 Donneretag d. 10. Novbr. 1474. 3 Mhd biuten ~ md buten „erbeuten".
Digitized by Google
334
269. bis 27 I.Stück.
209. Wy der lierczoge von burgundien linss hatte
gestercket
Item es wart gesagt das der herczoge von burgundien hette dy
stad linss1 gesterket mit vier tusent man, unnd der aide bisscboff von
koln were dor inne, unnd die werten, das man nichts den von koln
kondo zu gefure, unnd das volk, das hie uss diesssem lande czehen
solde, das solde vor linss unde das gewinne. Item man sagite ouch,
das sich der pfalczgrave gross gesammet hatte, unnd man rneynte, her
worde sinem bruder dem bisschoffe zu koln reduuge thu, etliche
meynten, der czog worde über on gee. Item man sagite ouch, wie die
swiezen* gar mit grossem volke deme von burgundien in sinem lande
lege. Etliche sageten, das der koning von frankrich ouch in deme
burgundischen lande lege zu schadene unnd beitete, wann die dutczen
fursten quemen, so wolde her deme riche ouch helfte.
270. Der heimzöge von der etczch hilt dy hüte.
Item man sagite ouch, das der herczoge von der etcz1 do heime
184 wehere unnd wolde harre, wann | die venedigere quemen unnd wolden
in die switczen czehen, wann sie solden sich mit dem herczogen von
burgundien vorbunden haben, unnd wolde die venedigere do in deme
dutczen ge berge der nidder werffe.
271. Wy dye stad nuss ge sterckct wart.
147* Item uff die selbige czit anno domini M° CXXJC°LXXim andree1
wart gesagit, wie das achtehundert drabanten solden zu nuss in konien
sie, unnd die solden durch das burgundisscho heir gegangen sy, unnd
oyn iglicher nam als vil er getragen konde, pulver unnd salpeter, unnd
beroubeten das heir also des geczuges unnd brachtens alles keyn nuss.
369. 1 Linz, Städtchen am Rhein, im preussiachen Kreise Neuwied, Re-
gierungsbezirk Koblenz. 3 Zwischen der schweizerischen Eidgenossenschaft
und Österreich vermittelte damals (1474) König Ludwig XI. von Frankreich
die sogenannte „ewige Richtung", ein Bund, der seine Spitze gegen Herzog
Karl von Burgund kehrte, und welchem Frankreich und die deutschen Fürsten
sich anaclüossen.
270. 1 Es ist der St. 242 A. 4 erwähnte Erzherzog Siegmund von Österreich-
Tirol gemeint, ». u. St. 283.
271. 1 Mittwoch d. 30. November 1474.
Digitized by Google
272. und 273. Stück.
272. Von der betregunge des berczogen von
burgundien.
Item man sagite ouch uff das mal, wie der burgundier solde mit
den von nuss nfl' aller heiigen abont1 getaget habe, unnd undir deme
tage bestalte her drye storme an die stad. Do was der bastart2 bie
oine unnd hatte bracht frisch volk czwei tusent Alss hatte lantgrave
herman achtuuge uff deme tagunge, des er icht mit tusscherige umbe
ginge unnd er sieche sie, unnd bestalte gliche wol die stad. Also begerte
er, das sie ome dy stad wolden antwerten unnd sich dorumbe bo-
dencken in sechs stunden, adir wolde sie hart storme von stunt. Also
goben sie ome antwart, sie wolden sich bedencke czwisschen hir unnd
ostern. Also wart er czornig unnd stormete gar hart an drien enden.
Also | was der eine storm, do die frowen unnd pristere stunden, czwey ▼
tusent man in die stad quomen unnd hatten der frowen andirthalb-
hundirt er slagen. Also was lantgrave herman uff deme margte mit
czwey tusent mannen, der liff zu unnd sing der czwolff hundirt tod,
die andern viln wedder ubir die muren unnd quomen enteil in das
wasser unnd ersuffen; en teyl viln sich zu tode. Also erwerten sie
die stad mit gotishulffe ritterlichen.
Item man sagite ouch uff den sontag barbare,3 wie margrafe
albrecht von brandenborgk mit den richsteten grosse erbeit tote. Der
sch08sse zu mole hart in das heir, unnd hette sich doch nicht gelogert,
unnd tete den burgundiern grosssen schaden.
273. Von herezoge albrechte von missen.
Item in vigilia barbare1 czoch zu erffort in der erluchte hoch-
geborn furste herezoge albrecht2 von Sachsen uss missen lande mit
tusent pferden unnd mannen, rod gecleidit unnd gar wol gerüstet, unnd
fürte mit ome funff hundert ungerische ossen, unnd man sagite, das
sechs tusent behemen solden czehen durch das swarezpurgissche land;
das worn Vll tusent mann. Unnd die sage ging, sundern der warheit
wüste man nicht, er solde eyn romisch koning werde. Also bleib er
ubir nacht in der stad zu erffort, unnd czoch des morgens fru uff
sontag barbare hin weg, unnd der rad zu erffort loste on uss der her-
berge | unnd schanckten ome dar zu ein vass winss, eyn vass num- isr»
burgischen behers, eyn kästen haffern unnd eyn fuder howes, unnd
ander geschencke von susssen wine, also gewonheit ist einem fursten
zu schencken. Do czoch er an den rin.
4?3
Montag den 31. Oktober 1474. ' S. St, 261 A. 1 (St. 242 A. b\
* 4 Dez. 1474. Die Notiz ist ganz verworren.
278. 1 Sonnabend den 3. Dezember 1474. 5 S. St. 240 A. 2.
Digitized by Google
336
274. biB. 276. Stück.
274. Von deine bisschoffe von wirczburgk.
Item uff den montag vigilia nicolai 1 quam der bisschoff von wircz-
purg2 keyn erffort in die stad; der hatte sache zu thune mit dem
fursten, herczogon Wilhelm.3 Wass die sache was, weiss ich nicht;
es was umbe gelt zu thune.
376. Von lantgrafen Wilhelmen zu doringen.
Item uff den dinstag nicolai1 gar spete zu funffen uff den abind
quam herczog wilhelm von sachssen keyn erfforte, do hatte man fru
die vier hern zu erfforte gemacht, das was er symon tenstete, er johan
funcke, er johan rabe unnd er claus gaberwitcz. Uff die mittewochen
concepcionis marie2 worn sie uff deme rothuse unnd handelten ore
sache, unnd brachten die zu einem ende.
276. Von einem gronsen storme an nuss.
Item concepcionis marie1 sagite man, das der burgundir in vigilia
katherine2 solde den gauczen tag biss in die nacht gestormet unnd
hatte on gar wehe gethon, unde erweret sich, unnd harten eyn geferte
uff radon an die stad nuss bracht, do worn troppon inne, das sie
meynten« ubir die muren zu louffen, unnd das zu schössen sie uss der
stad, unnd der burgundir bleiben tod bie sobenczen hundirt. |
Item man sagite ouch, das achtohundirt switczere weren komon in
die stad nuss mit hulffe der kolner. Do sie gosssen unnd getruncken,
do czogen sie uss der stad nuss unnd quomen in das burgundische
heir unnd slugen deme here czwo gasssen abe, unnd slugen ouch vil
pickardien tod bie achtehundirten , unnd fingen oren houbt mann, der
was sere wunt worden ; der boyt on vil geldes zu geben vor sin leben,
ab er leben bliben mochte vor on ; die alle zusamene fürten sie in
die stad nuss; unnd derselbige houbtman sagite on ouch unnd warnete
sie, das sie ye nicht gütlich mit deme herczogen von burgundien tagen
solden, wanne er bilde keinen glouben, unnd ab er sie felichte wolde
libis unnd gutis sichere, er hildis nicht, er totte sie doch, wann er sie
mit guten Worten ubir rette. Unnd do die switczere in die stad nuss
quomen, do brachte iglicher in die stad acht phunt pulvers unnd Sal-
peters unnd swefels mit on.
274. 1 5. Dezember 1474. * Hiachof Rudolf II. von Scheerenberg, 1466
bi« 1495. s Der früher ho oft erwähnte Herzog Wilhelm vou Sachsen, f 1482.
276. ' 6. Dezember 1474. - 7. Dezember 1474.
276. 1 Donnerstag den 8. Dez. 1474. 2 Donnerstag den 24. Nov. 1474.
Digitized by Google
277. und 278. Stück. 337
277. Wy das hurgundissche heir wart 1>estalt
zu vor hörnende.
Item man sagite uff winachten, das der herczoge nette der frien
frowen vil in deme here, die den luten wuschen ore liemdc unnd
cleidungc, unnd on zu dinste stunden, der were bie dry hundirten,
unnd under den solde die houbt frowe bestalt habe mit X frowen, das
man das heir solde an gelegit habe vil enden unnd vorbrante, das der
herczoge kume da von komen was, unnd were gar vi] Volkes vortorben,
unnd dar | zu were vorbrand sin pallacium unnd ein gewelbe, das er i*-
hatte lossen buwen, dar inne were gar vil pulvers gewest, das hette
grossen schaden gethon, unnd er wehere zurucke geczogen zu oche zu.
278, Von etlichen knahen, dy einen keyser unnd
einen herezogen under sich ge macht hatten.
Item uff die czit, als der herezoge von burgundien vor nuss ge-
legen was, do geschach disse geschieht zu staffilsteyn 1 in deme lande
zu francken. Bo hutten etliche knaben der kuwe unnd pferde uff deme
fehle, die worden undirenander eins, unnd kossen under sich einen
keyser, einen koning von franckrich, die hildens mitenandor, unnd
streten widder den herezogen von burgundien, unnd worden do eins,
das der keyser unnd der herczoge von burgundien iglicher alleine solde
widder enander fechte. Nu was der knabe, der der herczoge . von
burgundien was, vaste grosser unnd stercker* wann der andern
eyn, unnd gluckte doch deme keyser, das er den herezogen von
burgundien undir sich warff, unnd der herczoge von burgundien fihil
gar swerlich uff einen steyn adir kloss, also das er amechtig wart,
unnd lag stille. Do meynte der keyser, er tete is mit willen gerne,
unnd riff den koning von franckrich an, das er ome zu hnlffe queme,
unnd das thet der koning unnd liff zu, unnd sprach : | er keyser, halt v
on feste unnd losset on nicht uff kome von uch, er gerede dann einen
ewigen frede! kompt er uff, so ist er sterker wann unser einer, unnd
tribet uns uss deme lande. Also logen sie uff ome, unnd er lag stille.
Unnd die czwene meynten, er tete iss uff list unnd vorteil, unnd er
wolde sich nicht gefangen gebe, bissolange das sie uff stunden. Do
bleib er legende, unnd sie netten on gerne uff brocht; do was er tod.
Do er schracken sie unnd wichen en weg; einer quam keyn koburg, der
andere kein bobinberg.2 Also wart das geruchto in deme lande, der
keyser hette den herezogen von burgundien gefangen unnd getötet.
Also sicherten die gewaldien des landes die czwene knaben zu vor-
* IIS setzt noch „wm" hinzu.
278. ' Staffelstein, Ort im gleichnamigen bayrischen Bezirksamt, Kgsbz.
Oberfranken. * Bamberg.
K. Stolle« Memorial«. 22
Digitized by Google
338 279. und 280. Stück.
hörne, wie is zu gegangen hette; do fand sichs, das iss schyrapf3 was
gewost unnd in schimpfe ge schehen, unnd man meynte, das iss eyn
tigure 1 unnd eyn vorspel were, unnd mochte villichte in der warheit
dor zu kome, unnd goben do den knaben Sicherheit allir woge.
279. Wy dy piekardien unnd die von eiigelant deine
here von burgundien spisse brocht hatten.
1475 Item anno domini M° CCC€°LXXV, circumcisionis domini,1 wart
gesagit, das die von engelland unnd pickardien solden czwey tusent
komen sie unnd deme here zu burgundien spise haben gebracht, unnd
also sio quomen uff czwo mile wegis undir nuss, do hatten pich die
ist kolner unnd die herschafft margrave albrecht mit | andern hcrn dar zu
geschickt adir ore manschaftr, unnd zu on stritbar komen in ein dorff,
unnd slugen unnd fingen sio, unnd nomen die spise mit on, unnd das
ny keiner da von quam.
280. Wy sich lantgrafe herinan willicklichen in
den tod gab.
Item man sagite ouch, das der herczoge von burgundien an der
stad nuss also , grossen vliss thun liss, unnd was selber nicht ferne
da von, unnd liss also hart storme, das alle die mode warn, die in der
stad worn, unnd lantgrave herman was ouch also müde worden, das
er meynte, sie konden der stad nicht Jenger er haWe, unnd ging in die
kirchen unnd knyte vor den altar uider, unnd bad got umbe hulffe,
unnd sprach: alhir wil ich sterben als ein fromer furste, unnd riff
got an unnd den liebon heiigen sanctum quirinum. Unnd die wile
dass [sie] das* volk mude was, do fochten die pristere unnd frawen unnd
werten einen stürm, das die manne rugeten, unnd enteil gedochten, wie
sie von danne komen mochten. l)o quam eyn stymme zu lantgrave
herman in der kirchen, die sprach, er sach abir nymandes: stand uff
unnd biss getrost, unde tröste vort das volk unnd were dich getruwe-
lich! dir sal nicht gebreche; itezunt weren sich die pristere unnd die
frowen, unnd er weren sich or; du salt dich menlich wehere! got wil
t dii bystaut thu, du salt or mit dinem volke | gar vil erslahen.
Also liff lantgrave herman widder an die wehere unnd tröste das
volk, unnd die luthe worden also getrost, das sie die thor uff toten
unnd lissen or enteil in, unnd slugen sie tod, unnd do dio andern
flohen, do czogen sie uss der stad deme here noch unnd slugen orgar
vil tod, nemlieh achtehundirt.
» fohlt In HS.
8 Im alten Sinne: „Scherz, Kurzweil, Spiel1'. 4 „figun:'4 — „Figur, Symbol,
( MHehni*", „vorspel" {— mlid vorapil) = „Vorzeichen''.
279. 1 Sonntat: den 1. Januar 1475.
Digitized by Google
281. und 282. Stuck.
281. Hy quam das heir an dy stad nuss.
Item man sagite ouch, wie die burgundischen die stad thor uff
hiwen unnd gewonnen die thor unnd quomen in die stad bie funff-
hundirten unnd slugen vil tod, pristero, monche, frawen unnd junc-
frawen, die do werten an deme storme, die wile lantgrave liernian in
der kirchen was, als hir vor gesagit ist.
2S2. Von den koningen1 von» poln, ungern unnd bemen.
Itera anno 1475° circumcisionis domini wart ouch vil gesagit von 1*75
deine krige der konige von poln, ungern unnd behemen, wie der pole
solde habe gehat funffczig tusent wol geezugetes reisiger man unnd vil
tusent wagen unnd fussfulg, unnd der koning von ungern hatte nicht
mehir wann XII tusent man, die hatte er enteil in die stete geteilt,
unnd er lag zu bressla, da tloch er in, unnd das in fleen hatt nu die
von bressla eigen gemacht, als man sagit, der koning sie or nu allir-
dioge mechtig, unnd er fahe den rad unnd koppfe sie enteil unnd louffe
on durch huss unnd hoff, unnd zu breche on ore privilegia, unnd is
were nu getaget. Unnd alsb sie nu begunsten zu tagen, do czoch der
pole den keyser met in die J richtunge; des en wolde der koning von im
uugern nicht habe in die richtunge, so woldo der koning von poln iss
nicht Iosse richto noch tage, der keyser muste mete in die richtunge.
Also muste der koning von ungern den keyser mete in die richtunge
iieme. So were der koning von ungern sere widder den keyser gewest,
unnd hatte sich mit deme herczogen von burgundien vorbunden unnd
vortragen, das der herczoge von burgundien der solde under der gestalt
das bisthum zu koln gewinne unnd in neme den ryn ström, die bis-
thumme unnd die stete, so wolde der koning von ungern gewynne mit
hulffe der stad bressla unnd die slesiere behemer land, unde wann er
das gewönne, so wolde er die hern zu missen unnd herczogen zu
sachssen angriffe; was sie des landes gehörende betten zu der krön zu
behemen, das solden sie lasse adir wolde sie ubir czehen unnd gewinne;
unnd der herczoge von burgundien unnd er wolden zu samen ge-
winne unnd komen in duczen landen unnd die koifursten alle undir
sich brechen, alsdanne der herczoge von burgundien solde eyn romisch
koning werde. Also meynten die czwene hern das rieh unnd die
dutezen fursten unnd des richs stete under sich zu brengen, unde das
were alles also ergangen, hette der koning von ungern recht unnd
ubirhant genomen, unnd das die poln nicht also starg gewost weren,
sundern gotis schickungo unnd hulffe ist dar bie gewest; dann hatte
der koning von ungern gewonnen, so hotten die hern von missen unnd
• Fehlt In HS. *» HS: »l.
282. » 8. S. 259 A. 1.
22*
Digitized by Google
340
283. und 284. Stuck.
herczoge wilhelm deine keysore widder den von burgundien nicht
v kunst zu hulffe kome. | So netto der burgundier grosssen schaden ge-
than deme riebe unnd deme rin ströme; unnd man sagite ouch, das der
pfalczgrave vaste volks bienander hatte unnd tethe doch nicht, sundern
er besorgete sich vor deme keysere, wann er was gut burgundisch
unnd hatte den in das land bracht, unnd wann der burgundier kolin
unnd nuss gewonnen bette, so bette der pfalczgrave den ryn oben
gancz beslossen unnd hette dann deme burgundier geholffen, also betten
sie gancz den rin ström in genomen unnd francfort unnd alle bisthum
unnd graveschafft. Do wart ouch gesagit, das herczoge albrecht von
missen unnd unser herre von mentcz vaste schaden hatten genomen
in der futterunge.-
283. Wy der herczoge von der etczseh dem
hurgumler grosen schaden thed.
1475 Item ufl den fritag trium regum1 anno domini M° CCCC° LXXV°
wart gesagit, wie das herczoge sygimunt von der etczh mit den
switczern2 solde denio herczogen von burgundien hoen burgundien
gancz abe gewunnen habe, unnd vil stete unnd dorff dar zu, unnd er-
slagen habe XIV tusent man VI hundirt unnd funff unnd sechczig man,
unnd das was gancz worhafttig, unnd der koning von dennemarcken
unnd der bisschoff von raagdeburg3 hetten getaget czwisschen deme
herczogen von burgundien unnd den von koln unnd nuss unnd
woldens gerne berieht habo, das er abe ezoge, unnd was getagit uff
sant anthonius tag,4 der* neest zu kuntfftig was, unnd in deme selbigen ge-
tageten unnd gutlichen an steen hatte margrave albrecht b von branden-
189 bürg evtl beer czwisschen | nuss unnd koln nahe bie den burgundien
geslagen, unnd sich ouch vorgraben, das man die von nuss nurame
gestorme unnd wol gespise mochte.
284. Wy der hurgunder nuss enteil hatte gewonnen.
Item uff den sontag vor der heiigen drie konigo tag1 wart gesagit
anno 1475, wie der von burgundien an sant steffans tage2 zu winachten
von einer mitternacht zu der andern tag unnd nacht stets solde also
hart nuss gestormet habe,c unnd hatte on einen torm ane gewonnen
• Fohlt In ns. »> HS . albrecb. * HS : Imtto.
* Auch hier wieder von in c unehlicher Nahrung, s. 8t. 202 A. 3.
28S. 1 D. h. Freitag d. 6. Januar 1475. 4 Im Anfange des Januars 1475
brachen die »Schweizer gegen Karl den Kühnen los, Kämpfe, in deren Verlauf
die Tage von Grauson und Multen liegen, und die mit dem Tode Karl* l>et
Nancy enden. ;| ErzbUchof Johannes von liaiern (Pfalz-Simmernj, 1464—1475.
4 Dienstag den 17. Januar 1475.
284. Y 1. Januar 1475. ? Montag d. 26. Dccember 1474.
Digitized by Google
2Sö. und 286. Stück.
341
unnd den drie tage inne bebalden. Unnd die in der stad musten den
torm mit gewalt widder gewinne, unnd vorlorn vaste volks da vor, unnd
worden alle mude, unnd meynten, sie kondes nicht erherte.3 Also
wart on eyn redelich edil man von deme torme unnd in denie storme
geworft'en, das man on vor tod handilte, unnd was ouch tod, unnd on
lag gross macht an deme manne. Also hatten sie den toten man in
die kirchen getragen, als villichte ore gewonheit do was, wann sie in
den husern wenig zu sulchen Sachen licht unnd andere ding hatten,
unnd hatten den man gelegit uff das grab unnd reliquien sancti
quirini unnd liesssen den vor tod lege einen tag, als wart her widder
lebende, unnd man meint nicht anders, wann got unnd der liebe heiige
von vorbethe des volkis haben da gross wundirczeiehen gethan, unnd
ist gancz war.
285. Hy czogen dy von erffort den von koln
zu hulffe.
Item uff den dinstag anthonii1 czogen die von erflorte en weg zu
hulffe den von koln unnd nuss mit dryhundirt unnd XIJI1 man, der
waren hundirt unnd dry resigiss geczuges | unnd hundirt drabanten, »
der was LXX mit armbrosten unnd XXX mit hantbuchssen, die andern
gehörten zu den waynen, unnd der waine wass vicrczigk.
286. Wy margrafe albrecht von brandenburg dem
burgunder schaden thed.
Item uff den selbigen tag wart gesagit, wie das raargrave albrecht *
von brandenburg lege nicht ferre1 von deme burgundisschen here
unnd hette bie soben tusint mann; also were deme burgundir1' kernen
LXIIII waino mit spisse unnd eyn kammirwain,2 unnd da bie solden
gcwest sy bie VI tusent reisiges geczugis, die hatte margrave albrecht
an gegangen unnd der vil erslayn unnd gefangen, unnd er hatte ouch
vaste schaden genomen, sundern er hatte das feit unnd die waine be-
halden unnd uff" dem kammerwaine vil goldos unnd gutis funden.
» H8: albroch. b HS: burgudlr.
3 „Aushalten, ertragen."
285. 1 17. Januar 1475 (St. 283 A. 4).
2N6. 1 Wie mhd verre als Hauptform aus „verne'4 ent8tanden ist, so steht
auch md ferre neben „fern". Sachlich s. St. 283. 3 „Kammerwagen ist der
Wagen, welcher auf der Reise die fürstliche Kammer (Gewänder, Kleinodien,
Silberzeug n. s. w. führte" (s. Lexer, mhd Wörterbuch s.v.).
Digitized by Google
342
287. bi* 289. Stück.
287. Wy der biirgimder abereynmal nuss hart hatte
gestormet.
Item pauli conversionis 1 wait gesagit, wie der von burgundieu abir
eins zu raole hart solde gestormet habe in deme grossen winde, der
dann zu raole starg wass gewest zu der selbigen ezit, unnd er liss
ouch einen grossen rouch mache, unnd der rouch stunt uff die stad
nuss, unnd in derae rauche hatte er gar hart gestormet, - unnd solde
vil volks von den sinen in die stad koinen sie, unnd vil trowen unnd
pristere unnd ander volk in der stad er slagen höbe, unnd die in der
stad ernianten widder, unnd slugen «lie finde, die in die stad quomen
worn, alle tod unnd treben sie ouch enteil wedder uss, unnd vil erslagen.
288. Hy wolden dy hern einen frede machen.
Item man sagite ouch, wie der koning von dennemarcken unnd
junckar gerhart,* einor' von aldenburg gebrudere, sich vaste erbeiten
czwissohen derae keysere unnd derae herczogen von burgundien uund
wolden gerne zu frede teydingen, unnd das der burgundier abe ezoge,
also wolde der burgundier nicht, suudorn er legete brefe unnd iu-
gesegelo vor, die ome unser heiligiste vater der bobist,2 unnd unser
gnediger herre der keysor solden gegeben habe, geheisen unnd en-
pfahiln, cyn sulches zu thune, unnd do hin bracht betten. Wie wol sie
nu sehrebeu unnd sprechen, sie weren der suche nicht recht bericht
unnd widersprechen unnd widderschrebeu die gelobede unnd enptel-
nisse ome gesehen, dar an wolde nu er nicht gnug habe, sie hetten on
da hin bracht, unnd uff ore gelobte unnd schriffte on gehorsam zu
sine, were er dahin geezogen, sin gut unnd habe vorezehirt unnd sinen
grossen schaden gethan; wanne ome sine grossen koste, czerunge unnd
schaden, vorlust siner lute unnd gutis gelegit unde beezalt worde,
danne wolde er gerne abeezicht thun unnd wolde heim czeen.
289. Dy kolner erbeiten sieh sere frede zu maehen.
Item wart ouch gesagit, wie die kolner derae konige von denne-
marcken X tusent gülden solden geschändet habe, das er den frede
* HS: unnd.
287. 1 Mittwoch d. 25. Januar 1475.
2S8. 1 Da nach St. 289 Junker Oerhart Graf von Altenberg ist, *o ist das
„unnd ' der 118 zu ntreichen; wahrscheinlich i.-t der Herzog Gerhard II. von Iterg
gemeint, da die früheren (trafen von llcrg .sieh auch von ,. Allenberg*' nannten,
nach ihrer Stammburg, die vom Grafen Adolf I. U25J in ein Cistereienserkloster
umgewandelt wurde ; s. übrigens auch St 306 A. 4. - Papst Sixtus IV., 147 1—1484.
Digitized by Google
■
2!.H).biK 292. Stück. Z4:\
teydingete unnd sich dor inne muwen solde; das gescheneke solde er
genomen habe, uiind nicht verdienet habe, suudern sich mit deine
herczogen von burgunjdien unnd deme konnige von engelland vor- v
bunden habe* widder sie unnd widder das rieh zu thune; dar unibe solde
on der koyser unnd den graven von aldenberge, junckar gerhart, ge-
fangen habe.
Item etliche sageten ouch, des konniges son von dennemarcken
solde des burgundien tochter1 habe, der vortraeht weren sie eins unnd
nicht widder das rieh noch die dutsehon fursten, danue also vil als
das von sulchir fruntsehaflt komen mag.
21)0. Von der grosssen unlost der von koln.
Item man sagite ouch, das gross volk zu koln were, unnd die
kolner leden also grosse unlost unnd smaheit orer wiber unnd kindere,
das is vordrossen weren, unnd netten kein recht in oren hussem, unnd
were das volk von on uss der stad, sie geben sieh deme burgundigere.
Wie es dar unibe was, kau man wol mercken, unnd das volk lag do
unnd czerten unnd ernten11 nichts, die fursten unnd die stete czogen
abe unnd zu, unnd weren nicht also eins, als sie sin solden unnd
(jiiemen ouch selber zu grossir czerunge.
291. Wy der herezoge von burgundien sprach,
her wolde nyniandc schade.
Item wart ouch gesagit, der herezoge von burgundien spreche, er
begerte deme riebe unnd nymande nicht zu thune, sundern er were do
hin vor nuss bracht unnd löge do umbo sinen solt; wann man ome
den gebe, so wolde er heim czehee.
292. Wy dy von nuss wedder ore finde ritterlichen
gefliehten haben. |
Item uff den sontag esto michi 1 wart gesagit, wie die von nuss uff"
den tag sebastiani2 uss der stad widder ire fiende getreten weren uff
den wehirt, unnd hetten mit on hertlichen gefochten unnd gestormit
widder sie, unnd hatten den wehirt widder gewunnen unnd dor inne
er slagen dry hundert man, unnd hatten on an gewonnen XXX geczelt
unnd I XXX tarres unnd hocken buchsson, VJH slangen buchssen unde
■ HS: hatte. b HS: outen.
289. 1 Maria von Hurgund , die «iwtere Gemahlin des deutschen Kaisers
Maximilian I.
292. 1 5. Februar 1475. 3 Donnerstag d. 20. Januar 1475.
Digitized by Google
344
293. und 294. Stück.
czwo grosse steyn buchssen;3 die hatten sie zu slagen, unnd die stucke
in den rin gesencket, unnd hatten vaste geczugis4 dar uffe gewonnen
von pulvere unnd salpetero, swefil, spisse, win unnd brot, unnd hatten
das alles in ore stad nuss bracht, unnd sie hatten nu win unnd brotis
gnug czwisschir hir unnd pfingisten, sundern on gebrach salcz, fleiss
unnd scho, unnd hatten ore stad gancz innewendig uss gebrochen
unnd also durchgraben innewendig, das gross volk vorter'ben niuste, ab
man sie gewunne, das die graben gofullet worden, unnd sie konden
ouch ufi den hussern gelouffe; item unde was steine uss deme heir
geschosssen worden noch deme thurme" der kerchen, die steine zu
turn als stoub.
293. Hy lagk der keyser vor der stad linss.
Item man sagite ouch, das der keiser zu felde lege vor der stad
linss unnd czoge gross volk zu ome, unnd man vormutte sich, das er
das gewunne vor invocavit,1 unnd wann das gewunnen worde, so hette
v nuss keine | nod mehir, die wile das sie nu den werder widder hotten,
unnd die von erffort logen bie unserme hern von mentcze zu francfort
mit alle orem volke, unnd hatte on zu gesaget, er wolde on gnug zu
losson t'ure umbe or gelt, korn, haffern, brot, fleiss unnd salcz, unnd
wo der bisschoff blebe, do solden die von erffort ouch blibe etc.
294. Dy von linss nomen deme keysere czwey
schiff mit spisse.
Item man sagite ouch, wie der keiser czwei schiff mit spise, brot,
win unnd raancherleie nodsachen zu franekfort hatte losson lade; die
solden vor linss in das heir des keisers; unnd do die schiff quomen
an das heir, nicht forne von linss, des nächtens quomen die von linss
uss der stad, wanne worumme, die schiff worden on vorkuntschafft,
unnd slugen die procuratores unnd custodes uss den schiffen tod, unnd
worflen sie uss den schiffen, unnd sncten die schiff abe unnd Hessen
die Hesse vor die stad linss; do liefen sie uss der stad unnd nomen
ullis, das dor inne was, unnd der keiser unnd sin volk muste des en-
peren. Das vor dross den keiser gar sere.
* HS: thmnc.
1 tarrcsbuchsen = terrajbüchsen = „Festungskanonen*4, aus welchen man Stein -
oder Feuerkugeln mit Schlagen scho.«*«; hockenbuchsen sind grössere Handfeuer-
waffen, die mittels eines Hakens auf einem Gestelle befestigt wurden; slangen-
buchten waren eine Art lange Kanonen (später ^ „Feldschlangen"), steinbuchseu
tieschütz, aus welchen SteinkugeJu geschossen wurden. 1 Hier geczug =
kriegerische Ausrüstung, d. h. alles, was zuin Gebrauche im Kriege gehört (s. St. 44
A. 3 u. 150 A. 11).
2fl3. 1 12. Februar 1475.
Digitized by Google
295. und 296. Stück.
345
Item is wart ouch gesagit, das vierunndczwenczig man weren
an der fastnacht»1 zu mentcz bie unserme gnedigen heru gewest uss
der stad nuss, die lange ezit dor inne gelegen hatten; die harten ge-
sagit, das die von koln hetten die stad nuss mit spisse unnd manschafft
gespiset unnd gesterket, die wile der werder gewonnen wehere, | unnd
sie worn also er uss komen unnd woldeu widder hin in, durch der
bute willen, wanne sie hetten also vil gutis in der stad nuss zu buten
uff glichen teil, mehir wanne sie vorlorn hetten, unnd wehere geldes
unnd gutis gnug in der stad nuss, sundern spisse, scho unnd tieisch
were gebroch gewest, unde sie hetten mehir gewonnen, dann sie vorlorn
hetten.
295. Item von der stad linss.
Item man sagite ouch, wie der keiser lege zu andarnach, unnd is
legen bie vier tusent mannen vor linss, die hetten on eyn bolwerg an
gewonnen unnd vorbrant, do die von linss grosse were von gethon
hatten, unnd meinten, sie konden der stad linss nicht lange erhalden,
sie worden sie gewinne; sundern wolden sich gerne gegeben habe uff
das letczte, also das man die pickardien, die in der stad worn, unnd
das andere volk Hesse rite unnd en weg kome; das wolde der keiser
nicht thun, sundern er wolde sie rocht unnd mit gewalt gewinne, wann
es thet grosse nod, man konde den von koln unnd nuss nicht zu
hulffe kome, man konde ouch kegen deme herczogen von burgundien
nichtis ge endo, linss muste gewunnen werde, unnd der rin muste uffen
sy, das man deme heir konde zu gefure. Man konde ouch kein heir
umbe koln gemache widder den herczogen, man muste die stad linss
vor gewinne, unnd der koning von dennemarcken solde vaste zu
trede | erbeito, wann er was sore geneiget uff den herczogen von bur- v
gundien, also das omo nicht zu gloubene stunde, wann er hette zu
brocht, das das volk zu czoge, so were der groste schade komen etc.
296. Hy wart linss ge spisei
Item uff den sontag oculi 1 wart gesagit, wie der herczoge von
burgundien mit macht, nemlichon mit Vin tusent reisigis geczugis
hatte gespisset die stad linss mit gewalt, mit spise, pulvere unnd was
sie dorfften, unnd gesterket mit funff tusent man, mit einem graven,
der mete dor inne were genant eyn grave von arberg, unnd der keyser
unnd sin volk moynten das zu werne, unnd vor sogen das, wann die
burgundischen worn zu stargk unnd der keyser hatte eyn gut bol-
werg gemacht kein der stad linss, do durch man meynte die stad zu
* HS: futnach.
294. 1 Dienstag d. 7. Februar 1475.
296. 1 26. Februar 1475.
Di
346
297. und 298. .Stück.
benötigen unnd zu gewinnen; do der grave obgenant von burgundien
quam, do czoch er mit macht vor das bohverg unnd stormete das unnd
gewan das unnd totte alle, die dor uft'e woren, unnd die selben worn
gemeniclieh von andirnach, als man sagite, wol bie czwey hundirt man,
die totte der grave alle: er )iss on die kopphe abe houwo, unnd hing
sie enteil, das muste also des keysers volk zu sehee, unnd konden des
nicht geweron unnd konden on ouch nicht zu hirtffe komeu; und«
hetten die burgundissehen vordrugkt, sie hetten herczogen albrechten
von missen unnd margreflen albrechten von brandenborg mit orem
volke gefangen adir er slagen, wann sie logen zu mole nicht rode-
ns liehen; enteil woren hie dessit deme j wassir, enteil do genesit, unnd
nomen ouch schaden, unnd des wart eyn piister gewar unnd sach
einen grossen hinderhalt, der wass gewest bie fünf tusent; anders were
der schade ge scheen, das sie den fursten mit alle sinem volke gefangen
adir er slagen hetten.
2t)7. \Yy dy turcken ezogen uff den koningk zu
ungern.
147*"» Item uff den dinstag letare ' anno domini M'MXCC0 LXXV° wart
gesagit, wie <lie turcken durch einen nuwen weg, den sie hatten lossen
machen, dorch gross gewelde weren gec/.ogen uff den koning von
ungorn, unnd der gubernator mit sampt den soben borgen war des ge-
war unnd vor hew on den walt widder binden unnd forne unnd slug
or fünft unnd drisig tusent tnrken tod in drien tagen, unnd ting or
viei tusent unnd des turcken son mete, eyn bastart, unde der turcken
was noch zu mole eine grosse czal do hindene gewest, die konden zu
dissen nicht kome, unnd wann die komen weren, so weren sie den
ungern vil zu stargk ge west; quinto die mareii.
298. Hy wart dy stad linss ge wunnen.
Item uff den mittewoehen letare1 wart gesagit, das linss uö den
fritag da vor were erstegen unnd gewonnen, unnd hetten die bürgere
gefangen unnd die pickardien unnd burgunder alle getötet, unnd wart
ouch gesagit, das die von koln hetten nuss gar wol gespiset unnd mit
manschafft gestercket, unnd der herczoge von burgundien stormete sie
noch ynehant2 Also quam die botschafft gar sehiro über achte tage
v dar noch hie heir keyn | erfforto, die schreib unnd sagite, das man
2H7. 1 Eh ist der 7. März 1475, nicht der fünfte, wie am Ende des Ab-
sehnil tes stelrt. Gemeint sind die Kampfe unter König Matthias von Ungarn,
im besonderen tles kraftvollen Moldau flirrten Stephan des Grossen Sieg in einer
eingeschlossenen Waldgegend am Flusse lierlat, durch welchen dem Vordringen
der Türken nach Osten ein Ziel gesetzt wurde.
21». 1 8. März 1475, Freitag Vorher war also der 3. März 1475. s S. St. 250 A. 1.
Digitized by Google
299. und 30o. Stück.
347
linss uff den montag nach lctare3 hart gestorrnet bette, unnd rutere da
vor ge slagen unnd vaste thorme da niüdirgestossen, unnd taten den in
der stad also wehe, das sie die stad uff den abent zu vesperczit ge-
geben hatten an des keysers haut, unnd margrave albrecht von branden-
bürg unnd herezoge albrecht von Sachsen unnd missen noinon die
stad in, unnd lieseu die bürgere mit oren wibeu unnd k indem in die
hirchen unnd kirchoff geen; do bieben sie ubir nacht in grossem
jamer unde armute unud betrubnisse, in grosser kulde, unnd hatten
do widder zu essen noch zu trincken noch gebettewant ta mit oren
kindern, unnd leden do grossen f'rost, unnd die obgenanten fursten
czogen in die stad mit orem here in die husere unnd budten,1 wass
sie dar inne funden, unde fehelichte die burgundier unnd pickardien
bie funffhundirten uss der stad ezwo mile weges mit pferden unnd
gute unnd Hessen sie czehe. Etliche sagiten, wie wol sie die rieh
stete solden dar noch an komen sy, die sulden sie geplundiit habe
unnd enteyl tod geslagen; man sagitc ouch, das der von burgundien
die stad nuss uff den selben tag gar sere solde gestormet unnd vor-
sucht habe von fern5 fru bis widder zu fern uff den abint; unud die uss
der stad hatten gar eyn gut bolwerg; das hatten sie mit willen ge-
rumet; dar in weren komen die burgundier unde hatten do or banir
uff gericht habe |sic] bie czwen tusent, unnd worn ouch an die thorge
louffen, das die in die stad czogen. schere ubir wunden j worn, unnd er m
manneten widder, unnd singen dio burgundier uss dor stad unnd ge-
wonnen ouch or bolwerg widder, unnd worffen die burgundier oben
uss mit deme halsse, unnd beilüden do ore stad ritterlichen, als sie vor
gethon hatten.
299. Von fuss yssen vor linss.
Item man sagite ouch, das die von linss hatten vil fuss issen ge-
worffen uuder ore finde; do lissen des keisers lute, die do die stad
stormeten, iserne soln an ore schu mache, umbo gebunden, also fuss isen.
300. Herezoge albrecht von missen.
Item herezoge albrecht von missen sante vaste volks heim, unnd
das lag zu erffort bie fünft hundirten uff den ostertag, unnd bichten
unnd communicerten do. Sie sprochen ouch, sie musten wedder umbe
kere adir andere sende widder an den rin Etliche sageten, das her-
ezoge albrecht obgenant unnd margrave albrecht von brandenburgk
czweitrechtig worden sin umbo dio bute zu linss.
3 0. März 1475. M Mhd bettewat, stf., = md gebettewant — „Bettzeug,
Bettdecke". 4 Md buten — „schlafen, zerschlagen". •' Mhd vernc (adverlu
ist Nebenform zu „verre", — md fem: (». St. 2S(i A. Ii u. fern — „fern, weit, sehr";
also hier: „von früh morgens bis wieder spät auf den Abend".
Digitized by Google
348
301. bis «03. Stuck.
301. Wy der keyser wolde nuss spisse.
Item man sagite ouch, das der keyser hette lassen mache grosse
flusse zu koln unnd ouch feie schifte, unnd wolde ouch nuss spise
mit folke unnd was on nod wehere, unnd die von koln hatten eyn heir
kegen deine burguudisschen unnd sehosssen on in or heir, abir sie
mochten on nicht schaden gethu nach er wehere, das er nuss nicht
stormete, sundern er spreche, er wolde die stad nuss ge winne, solde er
mit alle sinem volke da vor erslagen werde.
302. Der koning zu franckrich. |
v Item man sagite ouch, das der koning von francrich1 korclichen
worde deme keysser zu hulffe kome mit XXXVI tusint mannen wol
geczuget, unnd die switczer2 czogen bie XXX tusent in hoon bor-
gundien widder den herczogen von burgundion.
303. Wy dy von koln nuss wolden spisse, do worden
sy widder zu rucke getreben.
Item uff den dinstag post misericordia [sic| domiui 1 quomen die kouff-
lute von franckfort, die czogen kein liptz uff den margt, die sprochen
hie zu erffort, wie man mit XX] III flusssen unnd achte schiffen uff den
dinstag in der osterwochen2 die stad nuss hatten wolt spissen mit alle
deme, das on nod wass, cleidunge, saltcz unnd scho etc., unnd worn
sechs tusent man uff den flusssen unnd schiffen unnd quomen des
nachtes also nahe uff eine halbe mile ubir nuss; do quomen die bur-
gundier unnd schosssen zu on in die schiff, wann das was vor kunt-
schafft in das heir, das die uff den Aussen unnd schiffen kume das gut
wedder umbe brochten, unnd die sechs tusent musten uss den schiffen
loufte, in orem harnasche zu fusso fünf! mile gehin ungesson unnd un-
getruncken, das sie kume engingen; unnd or was bie fuuffhundirten
von mudekeit unnd louffen uff deme felde bieben, die nicht konden die
stad koln ergehe, unnd weren der burgundier eyn tusent noch go-
folget, so betten sie die sechs tusent behalden, unnd die schiff dar czu.
Got half on gnediglichen. Man sagite ouch, das der herezoge von bur-
i:'* gundien die | stad nuss gantcz umme ringet unnd belegen hatte, das
man on keinerleie konde czugefure, widder spise noch manschafit, dann
302. ' Im Mai 1475 drang König Ludwig XI. von Frankreich bis vor die
Thore von Arras vor. - „Bereits im April 1475 waren die Berner, unterstützt
von Biel, Freiburg. Solothurn und anderen Kantonen an den Jura geruckt und
hatten Pontarlier und die altberühmtcn Festen von (irnnson, Orbe und Irigen
mit grosser Tapferkeit erstürmt", - und Herzog Karl lag noch immer vor Neues !
m. 1 11. April 1475. * 21. März 1475.
Digitized by Google
304. und 805. Stuck.
H49
durch sin heir, unnd konde on ouch nicht wol abegetribe, wann he
hatte eine feste stad do vor gebuwet. in deme heir, unnd hatte sechs
heir, unnd hundirt mal tusent unnd vierczig mal tusint wolgewopentes
volks,3 das man meynte, is muste von gote hulffe ge sehe, man konde
on andirs nicht ubir winde. Er sprach ouch, er wolde die stad haben,
solde er mit alle sinem volke tod da vor blibe.
304. Von dem konige zu franckrich.
Item man sagite ouch, wie das der koningk von franckrich queme
deme keysere zu hulfte, unnd meynten etliche, ome wehere ouch nicht
alzuwol zu gloubon, her hette gar ubile an den von luthehe1 getan, die
solde er vorteidinget habe; do halff er sie gewynne, sundern der
koningk von dennemarcken unn<l eyn herezoge von brunswig2 toten
grossen fliss, fruntschafft unnd tag zu machen unnd gutlich zu richten;
der burgundir wass abir also hoemutigk, das er sich nicht wolde
lossen lencken.
Item man sagite ouch, das die seestete gross volk brechten deme
keysere zu hultfe, unnd den ryn steten solden ouch vele behenien
komen sin.
305. Dy stad nuss wa# bekümmert
Item das volk in der stad nuss was zu mole sere bekümmert, als
sie das vornomen, die sich also lange ritterlichen vor sulchem | grosssem *
volke bewart hatten, unnd solden nu vorterben unnd sterbe. Czu der
selbigen czit der rad in der stad erffort beweget wart solchs grossen
jammers, bestalten da in orer stad erftbrt processien zu gehene unnd
messe zu singen, unnd got zu beten umbe einen gütlichen frede unnd
den krig zu wenden unnd gutlichen bie gethon worde, unnd das volk
mit den geistlichen achte tage grossen fliss taten mit gebete, singen
unnd lessen.
Item achte tage dar noch uff sant marcustag 1 wart gesagit vor
war, das sich der krig schickte zu gutem frede, unnd were vorhanden
*Arge Übertreibung! Stolle schöpft aus mündlicher Überlieferung, wie er am
Anfange des Stücke» erwähnt.
304. 1 Schmachvoll war ja auch die Rolle gewesen, welche König Ludwig XI.
bei der Eroberung und Zerstörung von Lütticn i. J. 1468 gespielt hatte, wo er
nicht nur Karl den Kühnen mit einein Haufen französischen Kriegsvolks unter-
stützte, sondern auch selbst Zeuge des heldenmütigen Unterganges der tapferen
Wallonenstadt hatte sdn müssen, t!nd den Herzog zu seinem Erfolge über eine
Stadt beglückwünschte, welche er, bar alles Ehrgefühles, seinem Kivnlen preis-
gegeben hatte. * S.' ob. St. 241.
30». 1 Dienstag d. 25. April 1475.
Digitized by Google
350
30«. und 307. Stuck.
in grosser hoffenunge, das alle orrethum in gutlichen frede gesatczt
were; des was das volk in allen landen gar fro. Der babist durch
czwene legaten* hatten das uff geuoiuen.
306, Von deine keyser uinid den fursten.
1475 Item uff den sonnabint noch ascensionis1 domini M°CCCC°LXXV
wart gesagit, wie der keyser mit sinen fursten, mit den bisschofifen
von* mentcz,2 triere, bremen, eistete etc. unnd herczogen albrecht unnd
raargraven albrecht unnd graven vonb wertenberg* unnd vil andere
fursten, graven, rittere unnd knechte weren alle zu felde geruckt nahe
uff andirthalbe mile wegis deme herczogen von burgundien, also das
sie in deme here nuss sogen, unnd sie widder in das heir, unnd hatten
das heir über slagen uff volkomenheit uff XXX tusint wolgeczugites
volkes, unnd man fürte on gnug zu, unnd die rede gingen, der koning
»aß von franckjrich queme mit XXX tusint mann, unnd eyn herre von
lunergen, der were sin houbtman unnd hette gereite vaste stete her
uss gewonnen; so queme der herczoge von der etzch mit den s witzern,
der czoge in ubir burgundien unnd hette bie sechs steten gewunnen,
unnd der keyser schickte in alle land des herczogen von burgundien,
was er gewonnen hette, das wolde er der hirschafll unnd kirchen
wedder gebe, unnd was der herczoge von burgundien ome abe ge-
wonnen hette, ouch widder fry unnd ledig gebe; unnd des was das
volk fro.
Item man sagite ouch, das der burguudir gerne sich lesso lencke,
so wolde der keyser des nicht uff' nerae, er wolde sich danne in des
richs gnade gebe, wann er heldit nicht, was er gereth.
Item eyn herczoge, genant von berge,4 hat in synem lande eyn
eigen heir deme keyser zu hulffe bie VI tusent man, unnd were dem
burgundir die spisse uff einen ort zu zu furne.
#07. Wy Hielt der stete volk ge slagen hatten.
Item in octava corporis cristi 1 wart gesagit, wie sich die stete
nornberg, straspurg, franckfort mit den bremsehen nmbe suffenss willen
a „von" fehlt in der HS. b „fraven von" fehlt in der US.
■ Besonders wird nl« solcher Alexander, Bischof von Forli, genannt.
:$06. 1 C. Mai 1475. - Ausser dem schon öfters genannten Erzbisehof
Adolf II. von Koiwau werden hier erwähnt der Trierer Erzbi*chof Johannen II.,
Markgraf von Baden (14.r>(> — 150o> , der Bremer Erzbigchof Heinrich III., Graf
von Schwarzburg (1408 — 1496), und der Bischof von Kallstadt, Wilhelm von
Keicheuau (1464- 1496). 3 Wir haben „Grafen von" ergänzt; es L»t (iraf
Ulrich V. von Württemberg (1419-14*0) gemeint, ' S. St. 288 A. 1. Gerhard IL,
Herzog von Jülich und Berg regierte von 1437 bis 1475; ihm folgte in diesem Jahre
Wilhelm II., reg. von 1475 bis 1511.
Digitized by Google
307. Stuck.
«51
in deine heir sero solden ge slagen habe, unnd mit buchsen geschossen,
das funffczig man tod woren bieben, unnd funffczig Jogen am tode unud
LX pfert erschossen, unnd der bisschoff von bremon hatte orloub ge-
nomen vom keyser, unnd | der keiser hatte on doch er beten zu bliben. v
Item man sagite ouch, wie der burgundiger gar trotczlich were
gewest, unnd wolde deme keysere in sine wagenburg falle, unnd hatte
gar sere zu on geschosssen, unnd als der keyser sin heir slug na bie
den burgunder uff eine halbe mile unnd muste sich sin mit gewalt
er wehere, unnd man konde ome grossen schaden gethun, unnd solde
ouch nuss gar sere genotiget habe, das sie sich siu kume uff gehalden
hatten.
Item bonifaeii2 wait gesagit, wie der keyser gar nahe mit sinem
volke solde sine wagenburg geslagen haben kume uff* dry armbrost
schossse adir en wenig fordir, als der das thuu wolde, unnd was vasto
en an komen unnd wolde die geczelt uff slan, unde das volk hatte
sinen harnasch uss geczogen unnd stalten sich zu der erbeit, do
schickte der herczoge von burgundien ein gross volk zu pferde unnd
zu fusse kegin den keyser, unnd der keyser wüste des nicht, sundern
als vil, als die vormercke konden, die do achtunge dor uff zu haben
ge schickt warn, die sahen die burgundier krefftiglichen körne, unnd
das geschreie quam in des keysers heir, das sich das volk kume
widder an geczehen konden, unnd der reisige geczug was zu forderst,
unnd das volk mit den hantbuchsen unnd andern buchsen der was
bie achte tusent hantbuchsen, die schössen so si«re in die burgundier,
das sie mnsten wedder kere, unnd schössen gar vil volks unnd pferde
tod. | Uude dio burgundier hatten ouch so sere geschossen unnd sich so 197
menlich gestalt, das man des keysers bauir, das fürte herczog albrecht
von missen, muste nidder lege, unnd niargrave albrecht von branden-
burg brachte kume das volk widder umbo in die wainburgk, sie netten
anders grossen schaden genomen, unnd do was eyn sulch schiessen
gewest mit buchsen, das man meynte, hymmel unud erden wolden
vorgehe, unnd die burgundier musten flien, unnd teilten sich also wid
von ein andir, das man sie nicht ge schesse konde. Item dar nach quomen
zu band des andern tagis des burgundien rethe unnd tageten mit deme
keysere, als man sagite; die worn zu mole kostlich gekleidet gewest,
unnd der keyser wolde nicht tage mit omo, er czoge dann uss deme
loche,3 do er inne lag vor der stad nuss; das beteydingete evn legato
von rorae, das er dry mile weges mit otlicheme sinen volke zu rucke
was geczogen, unnd der keyser lag nuss also nahe, das er in dio stad
307. 1 Donnerstag den l.Juni 1475. Um diese Zeit lagerte also das Reichs-
heer mit dem Kaiser unter dem Kurfürsten und Markgrafen Albrecht von
Brandenburg, dem Kcn-hsteMherrn , dem Herzog Kurl gegenüber; über einzelne,
aber wenig entscheidende und für boide Teile nicht eben ehrenvolle Kämpfe
berichtet die Chronik von Wierstraat genauer. • Montag den 5. Juni 1475.
s Karl hatte sich mit Keinem Heere „eingegraben", um sich vor den Ausfallen
der Relagerten zu sichern.
Digitized by Google
852
308. bis 310. Stück.
konde ge seen. Man sagite ouch, das eyn iderman uss des keysers heir
unnd des burgundiger here gee unnd rite mochte in die stad uuss,
unnd were uffen in einem gutlichen steende,4 unnd stunt also uff viti.5
Item uff den dinstag noch bonifacii" wart gesagit, der krig were
gancz bericht czwisschen deine keyserc unnd deme burgundier, unnd
was die wertliche achte an geet, das stehit uff deme keysere, unnd
v was die | geistliche achte an langet, das stet uff dem babist
308. Hye czoch der herczoge von burgundien
zu rucke.
Item petri et pauli 1 wart gesagit, is were getagit, unnd der her-
czoge von burgundien were zu rucke geczogen eine halbe mile weges
uss syme loche, unnd hatte das vorbrant, unnd sine wagen worn ome
an den raden ful worden, das er nicht konde von dannen komen, unnd
hatte den keyser umbe waine gebeten, das er sine buchssen unnd
geczelt mochte vorder brenge. Do besorgete der keyser andir sache
unnd vor sagite ome die waine, sundern sie logen zu trotcze kein-
enander; der keyser meynte, der herczoge solde mit erst uff breche
unnd czehen, so meynte der herczoge, der keyser solde ehir uff breche;
also stunt iss lange an. _
309. Hy czoclien dy uss deme here in die stad nuss.
Item wart ouch gesagit, das vil volks uss des burgundien heir in
die stad nuss czogen zu deme lieben heiigen sant quirini, die sich
da hin gelobit hatten, unnd man schanckte beer unnd win in der stad,
unnd der keyser quam ouch in die stad nuss, die zu beschawe.
310. Hie fürte der herczoge von burgundien syn
gut enweg.
Item wart ouch gesagit, das der burgundiger hatte vier grossse
schiff1 mit feie gutis uss sime here geladen heim zu füren unnd uff
zu brechen; dar ubir quomen die von koln, die don wehirt inne
hatten, unnd nomen ome die schiff unnd singen vil lute tod dar ubir,
unnd man sagite alzu gruss gut XXX mal hundirt tusent gülden, unnd
das selbe gut wolde der burgundier widder habe adir wolde nicht
wiche; also teydingiten sie dar umbe. Etliche sagiten, er hette die
* S. ob. St. 198 A. 26. 6 Donnerstag den 15. Juni 1475. « 6. Juni 1475.
30*. 1 Freitag den 29. Juni 1475.
310. 1 Genaueres bietet die Chronik von Wierstraat V. 2858 fT. Der Abzug
des Burgunders erfolgte am 10. Juni, der Friede am 26. Juni 1475.
Digitized by Google
311. und 812. Stück.
853
vier | schiff uss sinem lande er erst lassen breiige, unnd hettes dar umbe i»8
losssen tage, das er die schiff mit gelde unnd gute in sin heir hette
lasseD brenge, unnd wan das gesehen were, so hette hers nicht lossen
tage, unnd netten die von koln unnd der bisschoff von bremen nicht
die schiff uff getreben, es were mit ome nye zu richtunge komen,
sundern wann sie die schiff mit deme gute widder geben, so wolde er
abe czihe; also meynte man, man* muste das gut widder gebe, iss were
in gutlicheit uff getreben, unnd were unrecht unnd unerlich, unnd
musten noch feie lute tod dar ubir blibe, gebe man das nicht widder.
311. Hye quomen dy von erffort uss deme here.
Item anno domini M°COOC°LXXVI uff den dinstag benedicti vor 1476
margarete1 quomen die von erffort widder uss deme heir des keysers
von koln adir nuss, unnd wass gancz bericht, das der herezoge von
burgundien heim czoch; nimant konde die warheit erfare, wie is bericht
wart. Der keyser bleib lange linde* zu kolne, unnd czoich dor noch
keyn ache unnd nuss. Dor noch nativitatis marie3 starb der bisschoff
zu mentcz, grave adolff von nassaw; deme solde sin vorgeben gewest
zu franckfort; idoch was er gor lange krangk gewest. Dor noch wart
zu bisschoffe gekorn4 grave dither von isenberg; das hatte der aide
bisschoff begert an sinem letezten ende. Item in deme selben jare
starb ouch der bisschoff zu meideburg,5 eyn herezoge zu beyern, unnd
wart zu bisschoffe gekorn | ein junger herezoge von Sachsen von *
xnil jarn.
Item dy von erffort hatten vierhundert man unnd wom ussse an
deme ryne XXVI wochen unnd vor czereten mee danne XV tusent
gülden, das danne nummer mee gescheen wirt.
812. Von der vor lost des herezogen von burgundien
im lande zu switezen von den eyt gnossen anno
domini M* CCCO LXXVL
Uff den sonnabint noch invoeavit1 in der beiigen fasten, als man
schreib noch cristus geburt tusent vierhundirt unnd sechss unnd sobinezig,
* HS ltort nur «tnmal nun.
311. 1 11. Juli 1475. ' „sanft, ruhig". » Sonnabend den 9. Sept. 1475
(8.8eptember = Geburt Maria). * Dietrich II. (l)iether), Graf von Isenburg,
wurde zum zweitenmal (zum erstenmal reg. er von 1459- 1461 ; am 21. August d. J.
wurde er vom Pajwte abgesetzt) zum Erzbischof von Mainz gewählt, als welcher er
dann von 1475 — 1482 regierte. 6 Johannes, Herzog von Bayern (Pfalz-Simmern),
starb am 13. Dezember 1475 ; am 8. Januar 1476 wurde Ernst, Herzog von Sachsen,
zum Erzbischof von Magdeburg gewählt, reg. von 1476—1513.
312. 1 Arge Verwechslung des Chronisten! Er meint die Schlacht bei
Granson (nicht von Nancy), die am 1. März 1476 (aber „sonnabint" nach Invoeavit
Digitized by Google
312. Stuck.
ist der herczoge von burgundien vor nanse im felde gewest mit funffczig
tusent man zu rosse unnd zu fussse, unnd die eitgnosssen haben
gehat bie XX1III tusent man, unnd hatten das feit unnd vil gutis
behalden, als hirnoch geschreben stehit:
Item zu dem ersten haben die switczer dem herczogen von bur-
gundien an gewonnen sechs hundirt buchsen unnd mehir, item czwey
tusent wagen, item sinen gülden stul mit sinem geczirde unnd czeptor,
wann er gerichte sass; den stul haben die von luceme. Item sin
geezelt ist wiss samit gewest mit edelm gesteine unnd von cipirscheme5
golde; das selbe haben die von berne in swiczen, unnd haben das
sancto vincencio, orer kirchen houbthern, zu gotes lobe unnd dinste
gegeben. Item die von berne unnd ore nackebur gingen zu berne
in mit einenundesechcig banir, under den sint drie banir von den
»9 ubirsten gewest des herczogen von burgundien, ein | guldeniss , unnd
in deme andern gesticket maria mit orem lieben kinde ; in deme dritten
was sanctus andreas uff einem gülden sessile unnd hat sin crucze in
siner hant mit kostlichen buchstaben, unnd die andirn worn oueh vaste
kostlichen mit geczirde.
Item die switczer haben gross lob behaHen in dissem geschicke,
danne sie worn die vordersten gewest undir deme volke; der selbigen
sind bie LXXX wunt unnd tod bieben.
Item drye tusent secke mit haffern ane andere vele stucke haben
die switczer gewonnen. Item drye tusent czentener pulvere, item czwey
fass mit strengen, da mit man die lute an henget, item czwey tusent
tonnen mit heringe, item vil tonnen mit geroucherten fischen, item vil
ge salczenor fische, dorre fische unnd ehele, item vil' tonnen mit andirn
gesalc?en fischen, item vil stogfische, figen, rosin, mandeln, czugker,
ane czal, mit sampt ander spisse, item vier wagen fol hantbogen, item
eyn vass fol senen, item vil wagen mit englischem ge schutcze, item
achte tusent stritkulben mit gewichte, eine achte pfunt swer, mit isern
nageln mit bly urabegosssen, enteil mannes lang, enteil czweier elbogen
lang, item vil edels gesteins, goldes unnd silbers-, item czwei tusent
▼ stucke silbern gefisses uff einem wagen, | item andirthalb tusent Silbers
gefisses uff einem andern wagen, etlichs vor guldet, item sin credencz
vass unnd gissse vass silbern, da man ubir die hende wassir gibet,
item syn grosse unnd deine sigil gülden haben dy von bern, item sin
alterstein, derwass ge schatczt vor achte tusent gülden, item sin pitschir
haben die von basile, item das messebuch, das in die Capellen gehörte,
was vaste kostlich; das haben die von berne. Sust haben sie eyn buch
ouch funden, wie er pflachg ordenunge zu machen undir vil volkes
reysegen geczuges unnd fuss knechten, unnd iglichis besundern, unnd
ist i. J. 1477 der 1. März, 1476 wäre es der 9. März gewogen!) geschlagen ist;
die aufgezählte Beute ist die oft beschriebene von Grausen. In der Schlacht von
Nancy (5. Januar 1477) fiel bekanntlich Karl der Kühne; nach der Ausführung
weiter unten flieht er und bestraft dann einige seiner Leute. Der Chronist hat
auch diesen Widerspruch nicht gemerkt; s. uuten St. 315. * Gold vonCypern.
Digitized by Googl
312. Stück.
355
ouch wann sie bie enandir worn, item vil kostlicher gülden unnd siden
unnd wollen tucher, rocke, Schüben unnd wammen, der unczelich wass,
item czwene wagen mit ruchem wisssen korschen8 wergk mit deme
allirbesten unnd schönsten ; item eyn vass fol kartenspei. Item er hatte
ouch einen fryen mart gehat, da sint der merer teil vele kouff lute
gewest, die er stochen worn in demo logere, die gross kouffrnanschatez
da gehat hatten. Item czwei schiff mit luten sint in der flucht under
gegangen. Item die buchssen, die sie er ubirget haben, die worden
geteilt; item eine grossen buchssen wart geschatczt an drie unde
drisigk centener, die brachten die swiczer ouch enwegk; item den von
czorch, basele unnd beru unnd andern steten, graven unnd hern sint
worden achte unnd funffczig buchsen, | die wegen dryhundirt unnd *°o
soben unnd achczig centener; die andern alle unnd die groste bieben
noch ungeteilt; item den von basile czwo lange buchssen, etliche
XII II scho lang, unnd derselben worn feie ungeteilt; item uff die mitte-
wochen nach gregorii4 komen die von basile widder heim, unnd
brochten mit on banire unnd fenchen mit gülden buchstaben gesticket,
unnd das mererteil hatten sine geselschafft gehat, das was ome gar
eyn gross vor driessen; item sie brachten ouch mit on grosse haken
buchsen, die hatten burgundissche schilde dar uff gegosssen, unnd die
groste wass XXXV centener swer unnd die andern XHII centener;
item uff den sonnabint dar nach haben die von basile eine messe lassen
singe von unser lieben frawen, unnd haben da alle geoppfert XXIII1
banir unnd fenchen, die sie deme herczogen von burgundien abe ge-
wonnen hatten. Item dar noch quomen breffe von der stad berne in
die stad basile, wie der herezoge von burgundien gefloen was, unnd
hatte die erste nacht zu wuruchen gelegen; uff die andern nacht hatte
er sich gefuget keyn nazareth0 unnd was do bieben czwene tage
ungessen unnd ungetruncken ; unnd do er sin volk widder zu samen
hatte bracht, do hatte er etlichen sinen edeln luthen lossen die houbt
abe slaen, darumbe dass sie ome vormalss hatten gesaget, das die eit-
gnossen uss switezen unnd die duthschen blöde, bloss unde lichteclich
zu erworgen weren, unnd J er rüste sich mechticlich widder zu. Item *
die von berne hatten den von basile unnd andern steten, die mit in
deme bunde worn, widder geschreben, unnd sich ouch mechtig widder
zu zu machen widder den burgundier. Item uff den montag noch
oculiH quomen sie zu samen -mit grossir gewalt unnd ordenunge, rat
slag zu haben, das sie deme burgunder widder stand mochten ge thun.
Item uff des herczogen von burgundien siten sint disse nach geschreben
man tod bieben: item der herre von stetigen von fürstlichem stamme,
item eyn herre, genant johan von sigelon, item eyn herre jaeoff von
0 Mhd küraen, stf., — rad korechen, = „Pelz". 4 13. April 1476. r' Herzog
Karl floh durch die Jurapnaae (Wuruchen) und eilte ohne Aufenthalt bis nach
Noceroy (Hauptort im gleichnamigen Kanton im französ. Departement Jura),
16 Std. von Granson entfernt, um seine zersprengten Truppen zu sammeln.
ü lö. März Hm
23*
Digitized by Google
856 313. Stück.
guete eyn pickardier, item eyn berre von ilem, eyn mechtig landitt
herre, item eyn herre peter von hagenaw, eyn grave uss bonyt, unnd
vaste vele der houbt lute unnd edeler sint wunt worden.
Item die burgundier furchten mehe der swiczer spissse wanne die
bucbssen.
Item deme herczogen von burgundien worn ouch genomen czwey
halss bant unnd sine liberie,7 die er gar hoch geschatczt unde gar un-
gerne vor lorn hatte.
313. Hir folget noch ein lied1 von der obgeschreben
geschieht des herczogen von burgundien etc.
Nu höret da eyn nuwe mer!»
was man sagit hen unnd her,
unden unnd oben in den landen,
das ist allis von einem manne von burgundien, |
toi 5 von sachin manchirhande,
Die er eine czit begangen hat.
Manchir hubischer man ist bieben [tot],b
als durch sinen mudwillen;
nach wil er nirgint habe rüge nach frede,
10 nimant kan on gestillen.
Er hats in nidder lande gar wilde gekocht,
nu had er sich hin uff gemacht
an die eitgnosssen nu,
er hat noch0 nicht vil an on gewonnen,
15 sie 8etczen ome allis enczeln zu,
Sie haben om vil landes zu schänden ge macht
unnd manchen man nidder gelacht,2
schier in einem jare;
• HS: ro«hlr (L). Dm LUienkron Verbesserungen gemacht bat, ist durch »In mtprevtzte*
L zur bsndschrtftUcbea Lesung bezeichnet. b Zusatz von L. • IIS: nach.
7 ßuchersammlung; besondere berühmt war sein Gebetbuch, in rotem Sanimet
gebunden und mit Gold und herrlicher Malerei verziert.
313. 1 Das erste der zwei Lieder über Karl den Kühnen ist von R. v. Lilien-
krön, Die histor. Volkslieder der Deutschen vom 13. bis 16. Jahrhundert, Bd. II,
1866, S.84— 89 nach Stolle auf Grund der Jenaer HS und der Publikation von
Hesse in Haupts Zeitschr. f. deutsch. Altertum VIII, 319 ff. u. in s. Ausgabe
Stolle« abgedruckt, mit manchen Änderungen. Wir legen nur die handschriftL
Uberlieferung zu Grunde und bessern, was der Sinn oder der Reim verlangt,
indem wir Lilienkrons Verbesserungsvoreehläge annehmen, wo uns dieselben not-
wendig und richtig erscheinen. Nach Lilienkrons Vorgange haben wir das Lied
in Strophen zu 5 Versen abgeteilt, mit dem Keimbilde aa beb; natürlich findet
sich statt des Reimes oft nur Assonanz, auch unreine Reime sind nicht selten,
die zum Teil nur bei Berücksichtigung der md Aussprache der Vocale er-
klärlich sind. 2 Mundartlich für niedergelegt, d. h. getötet.
Digitized by Google
313. Stück.
357
er hat on irst eyn gross gut heim gefurt
20 in ore land vorware.»
Das sie seiher nicht konden geholen, b
das rede ich nu wol unvorholen,
sie mochten ome raogeüchen8 sagen dangk,
doch furchte ich, hetten sie on bie deme halsse,
25 sin leben were werlich krangk.
Iss ist ge scheen vor vastnacht,
do hatte er eyn vastnach spil gemacht,
von gransee ist er komen,
da sint etliche switczere inne gewest,
30 die hatten is vor in genomen.
Wie ers da hatte gekocht mit on,
sie mochten siner gewalt nicht widderstoen,0
sie sind uff gnade er uss gegangen.
Da hatte er die fromen lute widder got
35 ertrenckit unnd ouch gehangen,
Uff vierhundirt adir med;
das tad den eitgnosssen gar we,e
unnd sint kein welschen numburg4 komen,
wol uff czwenczig tusent man,
40 als ich habe vor nomen,
Uff den ersten donrstag in der vasten,
sie hatten widder rüge nach rasten,
sie hatten zu sammene ge sprochen : v
wir wollen alle dar umbo sterben tod,
45 das unschuldige blud muss werde gerochen.
Dar nach uff sonnabent fru/
do czogen sie hin kein fammerku«5
vor das sloss, als ich uch sage.
Das hatte der herczoge von burgund"
50 gewunnen vor an dem tage.
Das wolden die swiczere widder gewinnen.
Vier tusent czogen vort mit synnon,
da quomen on behende mehir.
» H8: Yorwar (L). * H8: ffehelen (L). « HS: widdcntonen (L). •» HS: mehir (L).
• HS: wehe (L). ' HS: fro (I.). * HS: «untnerku (L). h HS: burffundien vor gewunnra:
die Lesung und Ergänzung v. V. 50 Ton L.
• „Wie 08 recht und billig ist," s. H. Riickort, lieben de* heiligen Ludwig,
S. 139. Das Gegenteil ist „unmogelich", s. »St. 198 A. 41. 4 Neufchatel. * Vaux-
marcus, ein Schlots, das die Strasse nach Neufchatel beherrschte, und das Karl
am 1. März mit 400 Schützen unter CJeorg von Rosimboz hatte besetzen lassen
(s. Lilienkron, a. a. U. S. "?>).
Digitized by Google
358
313. Stück
Der herczoge quam* on engein
55 mit einem grossen heir,
Is was czwo mile von der wagenborg,
uff die swiczere was er also arg,
unnd was on enkein geczogen,
er hatte die wagenborg gerumet,
60 unnd hatte sich selben betrogen.
Were er in der wagenborg bieben,
wer on dar uss solde haben getreben,
is nette noch vil lute gekost.
Das her die wagenborgk bette gerumet,
65 das was sine grosse vorlust
Danne er lag starg unde veste in sinem lager
unnd hatte eine wagenborg geslagen,
unnd die wol begraben in die erden ;
funff unnd czwenczig tusent manb
70 hatte er gehabt zu pferde.
Unde czwei tusent man zu fuss,c
sint man die warheit sagen muss,
das warn soben unnd czwenczig tusent man,
hatte er gehabt in deme felded
75 wol geczuget schon,"
Der herczoge was selber mete uff der fart
unnd sin bruder der bastart
unnd manchir hobischer man,
die hatten alle gancze krebisse an
80 unnd glissen als eyn spigel schon/
Das alle die sprechen unnd jehen,
die on vor nuss haben gesehen
gelegen in deme felde,
2os das die waginborg | vil kostlicher was
85 von husern unnd von geczelte.
Die eitgnosssen hatten sich dar czu geschieht,8
vier tusent man hin vor gericht
glich an des herezogen heir;
die walen sprochen: sie weren alle unsir.
90 Des konden sie sich nicht er weren.
Da die switezere worden das heir ansihe,h
da vilen sie nidder uffe ore knye
unnd boten got den herren,
* Die HS eine Zeile, Abtl*. n. ErgämuDg von: „on ©o*cln" nach L. »» Abteilen« nach U
* HS: fuaw* (10. d Abteilung nach L. « HS: actione (L). i HS: acbono (L). * HS:
Beschicket vL). " HS: ansehen {!,)
Digitized by Google
313. Stück.
359
das er wolde bie on stehen.
95 Der herczoge hatte uff sie grosse begereng.»
Da die switczere vilen uff ore knye,
da warn die walen ane sihe,b
sie dochten in orem mute,
sie wolden sich on glich er geben han,
100 unDd bieten also urabe gnade.
Der switczere hinderhalt was nicht gross noch wit,e
der herczoge kunlich kegen on reyt
unnd hatte drie spitczen gemacht,
mit trometen unnd grossem ge schrey.
105 Nim an t horte nach ny grossser gepracht
Uff die viertusent wart er rucken,
die switczere worden ouch vor sich drucken
unnd hatten sich glich an sie gewant,
unnd sich so ritterlich gestalt,
110 das die walen gancz worden vor blendt,d
Mit oren langen spiessen unnd hellebarten,
wie sie uff die rutere warten,
wo sie drungen heer,
do worn die spiesse unnd hellnbarten dar
115 or worten unnd scharff begern.
Sie hatten mit on gemangilt also,
die andern eitgnossen komen vollent dar czu
uff beide siten in gedrungen,
got hatte on das glucke gegeben,
120 das on wart der seg gegeben,
Sie hatten die walen von on gedrungen,
einer ist noch deme andern | enweg geronnen, •
unnd haben die flucht gegeben.
Wer nicht wol zu fusse was,
125 das koste ome sin leben.
Sie hatten on mit rechter macht,
dorch alle sin loger enweg gejagt,9
durch die Wagenburg hin uss,
zu einer siten flouch er in
130 unnd zu der andern widder uss.
Die Wagenburg lag, nu merket mehe,
czwisssen einem bruche unde einem sehe;
sie mochten uff keiner siten komen uss,
• HS: b©SOTTin«o (L). <* 118: »De «che (L). e HS: wüwt (I.). •» HS: *ar blrndet (L).
• HS: «ejftcet (I.).
Digitized by Google
318. Stück.
danne glich durch die Wagenburg
135 treben sie die mit gewalt en uss.
So sint sie alle geflohen hin dann*
unnd haben nichts gebracht da von;
koch, kremer unnd kenczelere,
die haben do vorkoufft ane gelt,
140 was die switczer funden in dem heir unnd geczelt,
Da haben sie die mererteil erslagen,
unnd die, die da warn bie den wagen,
unnd konden nicht entrinnen.
Der reisige geczug flouch alles von dannen
146 unnd musten ouch da hynnenb
Gross unsprechlich gut lassen6;
des was vil uss der mosssen,
nicht zu singen noch zu sagen.
Grosser glucke hat ny keyn man ge sehen
150 bie allen unsern tagen,
Danne das die swiczere haben gehat,
zu gewinnen solch grosssen schätz,4
unnd wenig volks erlagen wart,
das nie keyn man hat gehört sagen
155 bie allen unsem lebetagen.
Derne herczogen sint da tod bieben
sechs hundert man adir söben,«
unnd der switczere zu der stund
sind funff unnd czwenczig man erslagen |
160 unnd virczig man wunt.
Die switczere haben da funden uff deme lagerf
mit namen funffczenhundert wagen,
geladen uff alle ore siten,
mit wofifen unnd allem geczuge,
165 das da gehört zu deme strite.
Sie haben ouch funden hacken buchsen, cwene grosse wagen
ouch haben sie funden uff deme lager«
buchsen pulver hundirt tunnen,h
unnd czwei hundirt slangenbuchsen
170 funden sie ouch zu den stunden,
Drie grosse mechtige houbtbuchsen mor,'
da etliche ist sobenczig centener sweer,
vil mehir geschutczes unnd wehere,
" HS: danne (L). b HS: bynden. « n8: lawaen. d H8: ■okta« groww« gut«.
« HS: »oben, f HS: ü»««>rc (I.). « HS: Ugere. h HS: tonnen. 1 IIS: her (L>.
Digitized by Google
313. Stück.
3«!
das is nimant vor sagen kan
176 nach vol schriben» die mehere.
Sie haben da gewonnen sechshundirt geczelt,
dar inne haben sie funden an barem gelde
von silbere unnd von golde,
das czwene wagen nicht konden getragen,
180 sie mochten ome mogelichen6 sin gar holde,b
Das er sie so wol hatte bedacht
unnd on solch gross gut heimbracht,
sie solden ome bil Lieh nygen,
sie mögen nu wol desto bas
185 herfarten unnd krigen.
Sie sint ouch komen in des herezogen von burgundien
canczelige,6
do haben sie funden die rechten krige,
grosse silberne kannen unde alle sin trincke ge scherre,d
güldene kannen unnd güldene koppfe,
190 der was vil unnd dar zu swere.
Sie haben funden einen stul von silbere unnd goldo rod,
da der herezoge selbest uffe gesessen bot,"
platen von silbern tiff unde wyd,
vil rucke unnd Schüben | von kostlichem gewande,
195 von samit unnd von siden.
Es were nicht wunder, merckt mer!f
das darubir nirgent eyn switezer wer,*
er trüge an eine sydene Schüben.
Were on der printcz nicht entreten,
200 sie hetten on geslagen durch sine hüben.
Sie haben ouch funden siner ingesegil dry,
grosse bullen unnd brieffe ouch da by,
unnd etliche heimeliche hinder hüte,
das on werlich ruwet vil mehir,
205 danne alle das grosse gut,
Das er da vorloren hoth
Sie funden eyn banir, das was von siden rot,
dar uff gesticket mit clarem golde,
sine wopen unnd alle sine land dar an,
210 ge czird mit richem golde.
* nS: vor achriben (L). b HS: holt (L). 0 HS: cancselle. d H8: alle aln trinke
ge schirre unde ktwäo aüberno kannen. ° HS: hatte (L). f HS: mehlr (L). * H8:
were (I>). «• HS: hatt« (L).
" 8. oben A. 3.
■
Digitized by Google
362 313. Stück.
Nimant kan gesagen nach gefacht,'
was der herczoge hat in disser geschieht
grosses Schadens genomen;
man bat is uff das geringeste ubir slagen,
215 man sagit von einer sommen,
Es sie drie hundirt mal tusent gülden wert
an barem silber unnd golde, ane alle geverd,b
ane die buchssen unnd andire geschuteze.
Der printcz hatte die schanteze vor seheen;
220 er hatte sich da zu hant lassen nuteze.
Er mochte wol sprechen unnd sagen:
hat mich der tufel her getragen
an die switezere unde eitgnossen?
Vor war er liss nicht davon,
225 unnd solde er nach eins legen einen blossen.
Sie haben drie tage unnd drie nacht gelegen
uff der legerstad in sulcher pflege
unnd haben siner gewart c
nach strites rechte;
230 were er widder komen uff der fart,
So wolden sie on menlichen bestan*
m unnd da* er | das selbige nicht hatte gethan/
so haben sie fammerk unnd gransse uss gebrant
unnd haben das gut heim gefurt,
235 kegen switezen al in das land.
Sie sagen lob unnd ere deme ewigen got,f
das er sie behütet hotb
vor sulchen schedelichen gesten,
unnd das so wenig volks ist bieben tod,
240 das duncket mich das allerbeste.
Is wart ny mogelich nach recht,
das cristene lute mittenandere sullen fecht1
unnd vor giesssen das cristenliche blut,
wy wol eine sele besser ist
245 danne allir der werlde gut.
Wol an, wir müssen habe gedult,
is ist leider unsir sunde schult,
is blibit dar bie nicht stan,k
ich furchte, is sie nach nicht da,
250 sie müssen nach eins dar an.
» HS: K*ticht*n ff ). b HS: gevente (L). e HS: cewort (U. d b»ben bo»t»d (L).
■ HS: dM (W. 1 HS: gethon (L). « HS: gote iL). «• HS; b*tto (1.). ' H8: fecht« {!•).
* HS: »t»beo.
Digitized by Google
314. Stück. 363
Doch sal man bitten got den hern,
das er die Sache zu deme besten ker*
noch sinem gotlichin willen,
unnd wulle doch dissemb fursten,
255 sin ungetruwe gemute stillen,
Das er von dem mortlichen6 Irrige lasse,
das so jemraerlichen nicht werde vor gössen
das cristenliche blut,
unnd das das ge schege,
260 das sullon wir alle bitten got!
Amen. Finis.
314. Der anefangk unde das ende der geschieht her-
ezogen karls von burgundien, unnd wie das ein ende
nam trium regum anno ftPCCCC^LXXVII.1 1477
Als man czalte nach cristus geburt unsers hern vierczen-
hundirt sechczig unnd funff jar,2
czoch herczog karl von burgundien gar uffenbar,
mit andern fursten gar mechtiglich. |
Ubir den edeln koning in franckrich,
5 also ab sie on wolden mit gewalt vortriben;
yedoch musten sie on lassen einen koning bliben.
Danne is wart eine richtunge troffen,3
das eyn idermann heim czoich sloffen.
Dar nach greiff er zu der heiigen ehe4
10 bynnen drien jarn adir enwenig mehe.
Uff der hochczit was hocher schöner frawen tancz.
Da sprach er, er sehe vil lieber grossis strites glancz,
tod slahen unnd gorgiln abe stechen,
stormen, fechten, stete unnd sloss brechen,
• HS: kere (L). b HS: dlaum (U. 0 HS: mortllcbem.
314. 1 Am ß. Januar 1577 wurde die Schlacht bei Nancy geschlagen. — Da»
Gedicht ist in Reimpaaren ohne strophische Gliederung mit Versen von un-
gleicher Länge geschrieben. Es erzählt Karls des Kühnen ganzes Leben, aber
ohne historische Richtigkeit. 2 Im Jahre 1456 floh der si&tere König Ludwig XI.
vor seinem Vater König Karl VII. zum Herzog Philipp dem Guten von Burgund;
es schwebt dem Dichter wohl der Zug Karls gegen Ludwig XL i. J. 1464 vor.
a Es ist der Bund der Ijgue, der „malcontenten Feudalherrn" Frankreichs, den
Herzog Karl den Kühnen von Burgund mit eingeschlossen, gegen König Lud-
wig XL von Frankreich i. J. 1465 gemeint. * Seine erste Ehe schlosa Herzog
Karl i. J. 1454 mit Isnbella von Bourbon ; nach deren Tode vermählte er sich am
2. Juli 1468 mit Margarete von York, der Schwester des Königs Eduards IV.
von England. Es war ein prachtvolles Vermählungsfest, das Karl in Brügge
feierte.
Digitized by Google
364
314. Stück.
15 als er vormals zu ynohant5 hatte gethan,
da nicht bleib eines burgers huss bestan.
Dar nach hatte er lutch6 die grossen stad
gewonnen unnd vorbrant,*
die muren gefellit, die lute gesleüft
20 unnd ubir czwey tusent swanerer frawen vor sentit
in das wasser mit schiffen, die liss er dorch boren,
das die kindertraginden frawen balde ertruncken woren.
In deme czwei unnd sobinczigsten jare in der sommerczit,
czoch er abir in franekrich gar wyet,
25 dorch sinen hömut deme koninge zu nide unnd zu hass,
vor eine stad genant beonas;7
die tat er be schiesssen unnd be stormen vast;b
doch muste er dar von scheiden als oyn gast,
und czoich in normadie vor robean ; 8
30 der selbien stad gewan er ouch nichts an,
danne das er mit vil rouben unnd brande
grossen schaden tat in deme lande
' unnd vil unschuldiger armer lute liss toten,
jemmerlichen liss martern unnd enelendiclich noten,
35 dar meto er gar grossen grussal den luten machte, |
das man sine gewalt daste erschrecklichir furchte unde betrachte.
Unnd also sin vetter, der herczoge von gelren,9 gehorsamlich
zu ome reyt,
do hatte er on gefangen unnd hart in gefeucknisse geleit.
Unde dor noch sin herczogtum gelren mit heres kraftV
40 ubir czogen, gewonnen unnd mit worten zu sinen henden bracht
Dar nach in deme drye unnd sobinczigsten jare
gedachte er dorch sine hoffart vor wäre,
ein mechtiger koning in frisslant zu werde*
mit ersunhunge grossir liste unnd mancherhande geverde,
45 deme heiigen romschen richo also abe czogen.'
Da ubir gemerkert wart sine list unnd behende abtrogen.f
Da wolde der keyser dar in nicht geen zu triere.10
• Dl« HS teilt V. 17 n. 18, eben» V. 1» u. SO nicht. *> HS: vacte. • H8 teilt die Veno
39 a. 40 nicht ab. d HS: werden. • HS: czofo. f HS: abtragen.
5 Rachezug und Zerstörung der Stadt Dinant (in der Provinz Namur
im heutigen- Königreich Belgien) i. J. 1466. M S. St. 230 A. 3. 7 Gemeint ist
Beauvais, Stadt in der Normandie, welche Karl im Juni 1474 vergebens be-
stürmte. * Koueu. 9 Nach den Kämpfen zwischen Herzog Arnold von
Geldern und seiuem entarteten Sohne Adolf, in welche Karl der Kühne, der auf
Arnolds Si4tc stand, eingriff, erlangte Burgund dieses Reich, indem Arnold zu
gunsten Karls i. .T. 1473 dem Throne entsagte, sein Sohn Adolf aber eingekerkert
wurde. Nach Auslieferung der unmündigen Kinder Adolf* seitens der von Karl
eroberten Stadt Nymwegen wurde die burgundische Herrschaft in Geldern uud
Zütpuen überall anerkannt. lu Kaisir Friedrichs III. und Herzog Karls von
Digitized by Google
314. Stück.
Bor noch in deme vier unnd sobinczigisten jare gar schere
wolde der burgundier in den stifft zu koln ouch griffen,
50 als er horte krigis tancz dar inne pfiffen.
Da coich er mit siner manschafft vor lamperten 11
unnd siner geselschafit der pickardien,
auch mit vil buchssen deine unnd gross
vor die stad nuss, die er vaste beschoss*
55 czu oren tormen, muren unnd pforten,
die kein ome geslosssen warn an allen orten,
das er nicht mochte komen dorin,
wie wol er doch gerne or herre were gesin.
Er tad sine hobischen tancz knaben
60 tag unnd nacht ane undirlass graben.
Die von nuss grymmeten als die behern,
die da widder were zu tbune begern,
mit hulfie des ediln fursten unnd siner man,
von hesssen eyn lantgrave, genant herman. |
65 Wanne sie is beduchte zu haben guten fug,
so erslugen sie der burgundier gnngk
unnd werten sich also gar lauge czit,b
bi88 das der romissche keyser do hin czoich zu strit.
Da quam eyn legate zu stunt,
70 der erwarb abeczehens frunt,
des folgete der burgundier
darum be, das er gerne in lotringen gewest werc
ubir den fromen fursten, herczogen reynhart,12
der da nicht wolde mit ome sin
75 widder den keyser uff sinen part,
a
sundern er hatte sich getan uß des keysers sif
unnd in den dutczschen bunt in geborlicher czit.
ÜS8 redelichen mercklichen Ursachen sich anefing
80 unnd durch des al Im echtigen gotis schick unge zu gingk
unnd dorch sine gotliche gnade ist in gegossen,
das der herczoge von osterich ewigen frede hatte beslossen
mit der ganczen gemeine eitgnossenschaflt
unnd sich ouch mit lobelicher einunge behafft
1 H8 : bewhoiM. b Randbemerkung : ane eeehi Wochen eyn Jar. * HS: were. d Vert 76
fehlt la der H8£. d^Reta^der noch^ümetellunt von V. 74 u. 75 verlangt), die auch die Veno
Burgund Zusammenkunft in Trier, welche durch die plötzliche Abreise des Kaisers,
am 25. November 1478, jäh abgebrochen wurde. M Der Lambertu&tag ist der
U.September. Die Belagerung von Neuss begann aber bereits am 29. Juli 1474.
Hierüber s. die Bemerkungen von St. 226 ab, welche auch das Folgende ge-
nügend erläutern. 12 Kene" II. von Vaudemont, Enkel des alten „Königs"
Kene" I., seit 1473 Herzog von Ix>thringen, focht, 25 Jahre alt, in der Schlacht
bei Mutten mit.
Digitized by Google
306
314. Stück.
85 czu andern fursten, hern unnd steten,
den der hagenbach18 das ore wolde abe wetten,
der des von burgundien lantvoyt was
unnd regirete uss hoffart, nyde unde hass;
wanne die osterichsse lantschaftt was also vorpfant,
90 das man sie solde in burgundischer hant
die alden friheiten, rechten unnd gewonheiten behalden;
dar von wolde sie der lantvoyt haginbach spalden,
mit nuwen funden nuwe recht mache,
95 in dorflern, steten unnd slosssen, |
sog da dorch er sie hatte allirdinge ubir nosssen.
Er wolde ouch mit gewalt den busssen pfenning14 han
unnd tad den frowen person vil schände unnd laster an.
Erent houbte etliche erbare bürgere ane recht unnd un vorschult,
100 die andern bürgere brachte er zu swerer ungedult;
er machte mit drawen worten grusse grussen
meistern15 unnd rad der stad mulnhussen,
so vil das sie gedachten einen fund,
do mete sie quomen in der eitgnosssen bunt.
105 Czu deme, das sie in des pfalczgraven bescherme worn,
der hagenbach wolde burgundische gewalt da uffenborn.
In dissen sinen hoen freveln worten,
die er rette, weren babist unnd keyser an czweien orten,b
pfalczgrave unnd die eitgnossen an den andern czweien enden ;
110 dannoch muste mulnhusen werde burgundisschin henden.
Allir erbar burgerschaffit in brysach
under stunt ouch der lantvoyt hagenbach
czuzufugen jammer unde nodc
unnd sie alle zu brengen in den tod.
115 Sulchein sinem anslage nochd
quam10 in die selben stad gar goch
» Vem 94 fehlt in der ns (b. d. Reim). »> IIS: ortern. • HS: noyd. * IIS: nach.
" Den Landvogt Peter von Hagenbach setzte Karl der Kühne über die vom
Erzherzog Siegmund für 50000 Goldgulden verpfändeten österreichischen alten Erb-
lande uut* beiden Seiten de« Obeirheins, im Eisaas und Sundgau, u.a.; der durch
blutige Strenge verhafte Mann endete am 9. Mai 1-174, in Breisach von den er-
grimmten Bürgern gefangen genommen und nach kurzer, mehr scheinbarer Ge-
richtsverhandlung zum Tode verurteilt, unter dem Beile des Henkers; s. a. von
Lilien krön, Die Volkslieder der Deutschen II, S. 30 — 37. " Unter dem
„schlimmen Pfennig*' ist die Steuer zu verstehen, welche Hagenbach auf den
Verkauf von Wein und Lebensmitteln legte. ir' meister = Katsmeister; der
beschirmende „Pfalzgraf4' ist wohl der Bischof von Strassburg, Pfalzgraf Rupert
von Simmern, s. u. A. 27. "' Hagenbach nahm mit seinen meist ausländischen
Söldnern Besitz von der Stadt Breisach; es war dieses ein Schachzug gegen
die im April 1474 gegründete sogen, „niedrige Vereinigung", d. h. der Bund der
in der oberrheinischen Tiefebene gelegenen Städte Mülhausen, Kol mar u.a.,
Digitized by Google
314. Stück.
ein gross reysig gesinde;
der uff satcz wart von den burgern gemerket gar swinde,
die reysingen knaben worden balde uss getreben,
120 der lantvoyt hagenbach ist vor die orte da bieben,
den behilden sie unnd wart gefragit ane lachen
von sinen manigfeldigen bossen Sachen.
Er bekante siner mortlicbin gefecht,
wie er hette dicke unnd vil erbar bürgere er tötet ane recht. |
125 Andere sine ubiltete warn ouch gar uffinbar, r
darumbo fugite om zu machen eyn korcz jar,
unnd vor orteilte on umbe sinen tod siag,
das om sin houbt abe fiel unnd uff der erden lagk.
Da mete nam sine bosse gewalt ein ende,
130 es wart ouch da vor nach anegefange des bundes bellende
deine burgundischin siner pfant schafft losunge vorkundigit,»
mit einem herolde in brieffen der pfant Schilling 17 gegrundit,
wie der in eine benante frye stad an golde rod
were geleyt zu nemen fru unnd spot.
135 Solche lossunge hat der burgundier vor achtet
unnd sich uff vientliche krige betrachtet,
des er sich dorch die sinen hat gefangen an
mit kirchen burnen, berouben frowen unnd man,
mit prister beschedigungen, kirchen, heiigen geezirden zu sehenden,
140 mit tod slahen unnd roberigen an vil enden.
Des halben fursten, hern, stete unnd lande gemeyn
lobelichir hoer czoge quomen ubir ein,
da mete sie ellekort18 er ubirten
unnd der burgundier gar vil zum tode erkoberten19
145 uff sontag nach saneti martini
bie deme guten nuwen wini
in deme vier unnd sobinezigisten jare.
Darnach in deme neesten jare czware
wart geezogen vor gransee unnd lyle20
»IIS: vorknndlget.
denen sich auch die Bischöfe von Strassburg und Basel angeschlossen hatten,
während kurz vorher durch die Vermittelung des Königs Ludwigs XI. von Frank-
reich in Konstanz zwischen Österreich und den Schweizern die sogenannte
„ewige Richtung" al »geschlossen war: Alles gegen Herzog Karl von Burgund!
S. a. von Lilienkron a. a. O. S. 21 ff. 17 Die 50 000 Goldgulden, — s. oh. A. 13 —
welche, wie jetzt nach der Konstanzer Übereinkunft der Herzog Sieground von
Österreich Karl dem Kühnen meldete, in Basel zur Zurückzahlung für ihn hereit
lägen. 18 Die Festung H^ricourt in Hochburgund (jetzt Stadt im franz. Departe-
ment Haut-Saöne) wurde von den Sehweizern am 13. November 1474 (s. V. 14-r»)
erobert; s. auch von Lilienkron, a. a O. 8. 37 — 42. „erkobern" = „erobern, ge-
winnen'', s. St. 115 A. 14, hier in etwas and. Sinne: „ihnen den Tod zufügten."
"' Lille; Karl kam mit seinem Schwager Konig Eduard IV. im August 1475 in
Piquigui an der Somme zusammen.
Digitized by Google
368
314. Stück.
150 wind blaniunt21 gewonnen subtile
unnd ouch sust vor stört andere roubneste,
unnd getötet alt unnd jungk das beste,
biss das sie die roubhusere alle umbe brechen.
unnd die ubiln bossen gescichte rochen.* j
155 Burgundischer grosser hömut achte des alles clein,b
er was in kritischer ubunge vorhertet als ein steyn.
Seiden ymant konde vor om genessen,
nach deine er horte den grosssen alexandrum lessen,
wie der alle werlt ubir want,
160 des glichin luste on ouch, also werden genant,
unnd hatte sich des ubirwindens vormessen,
er hatte abir des rechten anefangis vorgessen,
das er also eyn mechtiger furste nach cristenlichen rechten,
zum ersten widder die turken helffec fechten,
165 die kurczlich in der keyserlichin magistat erblanden,
klegelich unnd m ort] ich haben genomen ubir handen,
manigis cristen menschen blut haben vor gössen;
das hat den burgundier nicht vor drossen,
er hat vil lieber cristen menschen getötet
170 unnd ge schaffen zu toten genotet.d
Nu als der burgundissche herczoge in lotringen czoch,"
unnd darinne iderman sine grosse macht noch,
da ergaben sich ome die lotringisschin stete;2*
unnd wer da gerne frede vor om nette,
175 der ging zu geloben an sine hant;
da mete gewan er gar vil lute unde lant
unnd czoich da in burgundien vorbas,
als danne siner grosser an slag was,
czu helffen den zu sophoien 23 unnd den, die om woren gewant,
180 die sich hatten uss der eitgnossen bunde zu tränt,
dar inne ore eidern unnd sie gar lange worden gesyn;
das was deme burgundier gar keine 1 grosse pin, |
unnd brachte sie uff sine site;
darumbe czoich er uss zu strite,
• IIS: rechen. b nS: deine. • HS: helffen. * HS: genotfaret. • HS: czoich.
51 Rlümont (jetzt Stadt im franz. Departement Doubs), zwischen Pruntrut
von der „niederen Vereinigung" erobert (s. von Lilienkron a. a. O. S. 65—67),
wurde aber im Winterfeldzuge 1475—1476 von Karl wiedergewonnen. ** Ge-
meint ist Karl«« siegreicher lothringischer Feldzug im Herbst 1475. *s Die
Herzogin Jolante von Savoyen (Schwester de« Königs Ludwig XI. von Frank-
reich) hielt mehr zu Burgund als zu Frankreich; auch nach der Schlacht bei
Granson bleibt sie mit Karl dem Kühnen verbunden; s. von Lilienkron a. a. O.
f HS:
S.68ff.
Digitized by Google
314. Stück. 369
• *
185 czu reysen unnd zu vechten,
undo belag der eitgnossen knechte,
vierhundirt in gransee'-' bie deine see,
darinne gcschach on von hungere gar wee,a
das sy uft sine zu ge sagete gnade er uss quoraen gegangen,
1!>0 da worden sie alle getotit unnd gehangen.
Das ging den gemoynon eitgnossen zu herczon
unnd erwugen sich alle zu lidene totliche smerczcn
adir sulche sine mortliche ungnado zu rechen,
unnd hüben an on unnd die sinen zu slaen unnd stechen
r.)"> unnd er singen mit gotis hulffe vil der sinen tod
unnd brochten on balde in fliehens nod;
uff sonabent vor invoeavit25
worden gar vil der sinen ores lebens quyd,
unnd wart ome an gewonnen mit stritis kraftt
200 sine Wagenburg unud was dar inne bleib behaft,
silber, golt, sidengewant unnd clenod,
sin ingesigil unnd gar vil dingis, das on got
also mit grossen unnd mit deinen buchsen gnediclichin
beschert,1»
do mete er sich kegen on wolde haben gewert
2or> durch sin volk unnd buchsen schicsscro,
onch sine bogenere unnd langen spiesscre,
die sich alle haben da von ge macht,
da sie der vil hol'mbatten nomen acht0
unnd der vil switezere lanczen,d
210 do lernten sie ouch tlicn, tanezon;
doch bleib or gar vil kleben,
die do alle vor lorn or leben
mit erslahen unnd eririnoken in deme sehee, [
dar nach wart on abir gelosten mchee, -o«
215 der eitgnossen macht zu schowen,
dar umbe was er kegin losan geezogen
unde hat sich widder an gerust mit andein büchssen,«
ouch sin ungeslagen volk lassen wissen,
er wolle als eyn fürstlicher man
220 andir weit gar kun liehen dar an.
vil volks mehir, danne vor, ist zu ome körnen,
» IlS wPlie... b HS: bem-Wrle. e HS: «rl.t«. d HS: «bmcwn. ' HS: buchssen.
74 Die Horner Besatzung der Burg Granson wurde, trotzdem sie sieh
nach tapferer zehntägiger liegen wehr auf Gnade ergehen hatte, vertragswidrig
von Karl getötet, teils gehenkt, teils ertränkt, am 20. Februar 147(5, also am
Tage vor der Gransoiwr ^ehlaeht, s. von Lilienkron a. a. O. S. 7 J -S4. Das
wäre der J. März 147«, während der Sehlaehttag von (iranson gewöhn! ieh am
1. März 14711 angenommen wird.
K. Stolle« M«wnorlnl«. 24
Digitized by Google
370
314. Stuck.
unud er hat sinen heir czog widder an genomen.
Vor das stetelin mortin sich geleyt,
der grave von remond^ ist ouch mit ome bereit
225 Mit den sofovern in das leger geczogen ;
die stad mure hat sich kegen on gebogen
Von deme schiessen der grosssen buchssen stcvn;
der stad lute kegenwere was ouch nicht klein,*
Biss das die gemeine der eitgnosssen
230 unnd ore zu gewanten sint zu sammene gestossen,
Nemelichen des horczogen von ostcrichs sigismundis macht,
herczoge reinhart von lodringen hat sich selbir dar ge acht,
Der ezweier bisschoffe unnd stete strassburgk unnd basile-'7 lute,
235 "
Colmar, sletstad unnd andere richstete sumetcn sich nicht,
Under deme volke worn feie graven, hern unnd edilknechte,
die worden ritter geslagcn zu ritterlichem gefechte,
FfunfT pater noster unnd ave maria den wunden cristi
240 worden demutiglich gebetet mit geboygeten knien
Unnd mit witen uss gespannen armen,
das sich got gnediclichen wulde über uns erbarmen
Noch siner gotlichin gnadin gewonhit.0
Amen haben sie alle frolichen unnd getrost gesagit |
245 Unnd sint in deme namen gotis kegen domo burgundier hin
geczogin,d
unnd haben gar ritterlichen dar in gehowin,«'
Mit redelichis stritis ordenunge an on gewant,
da ist er abir fluchticlich dar von gerant.
Doch musten or ubir vierczentusent bliben,
250 mit tod slahen unnd in den see sich lassen triben,
Uff sonabent der czeentusent ritter tag,-*8
als man tusint vierhundirt sechs unnd sobinczig jar czelen mag.
Buchsen unnd andirs geczugis gar vil
liesen sie auch dar uff das selbige czil.
255 Der burgunder gar balde genstf kegen salen29 floich;
■ IIS: klein©. b V. 234 ti. H35 fehlen In der IIS (m fehlt dor Reim *. V. ISS n. zu V. >5£l
c HS: gewonheit. d 118: geczogen. • IIS : ffehauwvn. f II«: goOM.
Vi Graf Jacob von Romont, aus dem Hause Savoyen, Jolantes Schwager.
Murschall von Burgund. Sie gehörten mit zur „niederen Vereinigung4*,
«. ob. A. 16. Bischof von Strasburg war damals Rupert, Pfalzgraf von Simmeni
(1440—1478), Bischof von Basel .Johannes V. von Venningen (1458 — 1478).
™ Sonnabend den 22. Juni 1476. Uher die Schlacht von Murteu 8. v. Lilicnkron
a.a.O. S. 89 — 103. ?'' Salins, jetzt Stadt im franz. Departement Jura, daninl*
in dor Freigrafschaft Burgund gelegen, wohin Karl die Stände der Freigrafschaft
entbot, um Geldmittel zur Fortsetzung des Kampfes gegen die Schweizer zu
fordern.
Digitized by Goog e
314. Stück.
371
der eitgnossen volk des von romond laut an sich czoich,*
Unnd czogen or en teil kein losan,
da bie fingen die sofoyssche rethe an,
Es zu teydingen widder in den alden bunt,
2f»o den landen zu freden ist gar gesunt,
Unde sprochen, sie wolden geben, was sie sohlen
adir was die eitgnossen vorgnuglichs haben wolden.
Das wart al da be slossen zu friburg in ocht land,30
uff einem gutlichen tage da seibist zu band,
2»;r> In biew essen des herczogen von lodringen,
der halff is mit des konigis reten zum besten bringeu.
Uarumbe haben die lande nu widder oren frien waudel,
kegen enander mit allen fruntlichen handel.
Als nu der burgundor nach siner flucht
270 ist zu salen gelegen in stiller czucht
Unnd keine bosse adir hat geroget,
so ist doch binnen des der herczoge von lodringen worden
beweget,
Dar umbe das er orae nansee hatte umme legen unnd vor gehalden,
unnd hatte sich gerust uff ein glucke unde got walden,
275 Das er nansee die stad, sin eigen unnd erbgut,
widdor mochte brengen in sinis Seibis hud |
Unnd had das mit siner buntgnossen macht
widdir zu brengen zu sinen banden geacht
Nach langem leger undo vil schiossen;
2K0 das hat den burgundier wollon vor drissen,
Unnd sich abir be worben mit allen sinen künden
unnd des eine grosso czal helffendes volks funden
Uss sinen ubirn unde niddir landen,
die sind alle körnen zu sinen handen,
285 In sin feit lager vor nansee,
dar inne ist allir erbarkeit go sehen gar weeb
Mit hungir liden unnd mit schiessen,
müsse hundc unde katczen genyesssen,
Ouch etliche tage pferde fleisch musten essen;
290 der burgundier hatte sio so harte besossen,
Das er sie alle wolde haben tod
unnd brengen swerlich in Sterbens nod.
Er hatte eyn vas fol strengke,0
dar niete wolde er sie alle hencke,
» HS: coch. b HS: wie. c HS: elrenge.
30 Uechtland , Oiehtland , ehemals Gau in der Schweiz , zwischen dem
Neufchatelersee und der Aar, jetzt meist zum Kanton Freiburg gehörend.
24*
Digitized by Google
372 314. Stuck.
295 [unnd 81 keiner fürstlichen gnaden kegen on nicht gedeneke,]
Unnd hatte die gerechtickeit gar zu rucke geslagen,
das wolde om got nicht lenger vortragen,
Nemlichen uff sontag der heiligen dry konnige aben,a
on gestrofft mit totlichen gaben,b
3(»0 Vil bitterer, danne der mirre,
ist sin sele von sinis liebes geschirre
In wye rauche sinir hochfart hin gefarn;
got wolle mit deme golde sinir gnaden die sele bewarn
Unnd allir toten libe seien,
305 die siner halben sind komen in quelenc
In allen striten, stormen unnd vechten,
von hern, rittern, edil luten unnd armen knechten,
Der er unmossen vil hat zum tode bracht,
zu solde uff gonomen unnd sie zum tode ge acht;
310 Wanne32 er on oren wochen sold solde geben,
so schickte er sie zu stormen, das sie vorlorn or leben. |
v So behilt er danne das selbige gelt,
da mete besserte er danne abir sin heir feit;
Unnd ouch sonderlichen die in lodringen sint gelegen dar nidder,
315 als er in stritis wise facht da widder
Unnd sich hatte mit stritbuchscn zu gericht,
zu vol brengen an der stad nanso grosse totliche geschieht,
Die danne got der alm echtige gnediclichen wante,
unnd gab schickunge, das man on unvorselich an rante
320 Nach ritter slahens gewonheit
unnd nach geborte der eitgnossen bescheyt,
On ouch ritterlich unnd fientlichen an greife,*
da was sin fochten nicht anders dann im stegrefte,"
Unnd stach vaste fleende unden mit den sporn,
325 üben was sine wehere des Stechens gancz erfroin;
Nach siner flucht ubir andire tage unnd stundon
wart er als eyn armer knecht nackt unnd tod funden,
Danne so balde sin hofemeister, kammercre unnd arezt,
. _ f
330 on legende an sochen,g
klegelichen weinende vor war sie sprachen:
Das ist unser herro von burgundien gewesen;
der almechtige got lasse sine sele genessen !
» HS: abtnd. b HS: «oben. « 118: qunlo. d HS: an Breffon. ° IIS: sUsgereiffe.
• V. fohlt (m fcblt der Keim tu „arcit"). * HS: «*»>«n.
31 V.295 haben wir a.U unecht eingeklammert: in seiner I^eere Rtört er nur
den Sinn; es wäre auch im ganzen (iediehte das einzige Mal, dass 3 Verse
aufeinnnderreiinten. 32 8. ob. St. 231 , wo diese schnöde Handlungsweise de«
Herzogs auch erwähnt wird.
Digitized by Google
315. Stück.
0 ewiger, gerechtir got in hymmels trone,
335 o koniginne der barmherczickeit allir höchste kröne,
Als den dutczen landen unnd nacion,
die in fruntlichom vorbuntnisse ston,*
Gnedige hulffe von dir grossKch ist gescheen unnd gethan,
das sie des burgundiers ge walt sint worden anb;
340 Des sagen sie dir got hoch lob dang unnd ere gar schon,
alle cristenliche demutigen undirthon,0
Die der liebo ewige barmherczige got nuromer wil gelan,
sundern alleczit trostlich beschermen
mit gnediger sonnen unnd mand unnd sternen,*
345 Unde uns allen helffen zu ewiger selickeit,
amen | sie in froiden von uns allen ewiglich geseyt. sio
Hir nympt des herczogen von burgundien macht unnd leben
eyn ende,
das uns got sinen heiligen engil sende,
Der uns allen beware vor sulchen forsten,0
350 die also nach armer lute gute unnd blud dorsten,
Bisthum unnd richstete meinen undir sich zu brechen,
des sollen wir got bete zu rochen,
Unnd das er uns da vor be hüte gnedielichen/
dar ummo «nllcn wir om dang sagen ewiglichen. — Amen!
Finis.
315. Hye wart der herezoge von burgundien
er slagen.
Anno domini M" Crcc° LXXVIl0, als der herezoge von burgundien 1477
vor nanse lag unnd den herczogen von lod ringen 1 also notigete, unnd
umnie winaehten, triuin regum vor unnd nach, was is also kalt unnd
also ein« kalder winter, unnd also gross snehe, das deme herczogen von
burgundien vil volks unnd pfert er frorn, unnd man konde orae vor
snehe nichtes zu gefuren; unnd uff die selbie czit, als er starb unnd
er slagen wart, was vorsehelieh, das von om ykeine wehere gescheen
mochte, danne tlien, unnd das man on so korcz unvorselich an reyt,
unnd sin heir tet ome schaden, unnd man vor rante ome sine Zuflucht;
also wart er erslagen.
» H*: >tAii. >• HS: ah«n. « IIS: undlrtliAn. J Nach ,U»m Keime crRÜDil. « HS:
flirrten ' HS; gm-UclIch. « IIB: einer.
315. 1 Rcnd II., s. St. 314 A. 12. Über die Schlacht von Nancy 8. v. Lilien-
kron a. a. O. .S. 103 HOl».
Digitized by Google
374 316. und 317. Stück.
316. Von einem grosssen snehee.
Item is was im lande zu doringen, hessen, missen unnd am ryne
unnd andern landen mehe alsu gross snehe, von katetine1 au unnd
lag zu ostern, unnd hilt die lute uff mit allir arbeit biss nach ostein,
v unnd was also sere kalt, das keyn mensche sulchir kulde mo | gedochte,
unnd der snehe was so gross biss uff ambrosii,2 das man nicht geeren*
noch gesewen konde, unnd bieben vil sommerfruchte ungesewet biss
noch walpurgis.1 Is storben ouch unde vortorben vil schefferie in feie
landen, das man nicht howes konde bekome; der rad zu erßbrte vor-
kouffte dorch bethe willen uff das land den graven unnd ediln luten
vil howes, etlich fuder vor XX gülden unnd hocher; wan man is vor
die stad brachte, so luden sie uss einen fuder drv adir vier fuder etc.
1477 Item in deme selben winter 1477 an deme noch tage der heiligen
dry konige,5 do ging ich, conradus stolle, der ditcz ge schrebon hat,
unnd myn bruder, er johann linderbech, beide vicarien sant severi
kirchen zu erffort, gingen zu samene von erffort in die heiligen stad
zu roma; do leden wir solche kulde, das ich des nicht vor schriben
noch vor sagen kan. Were des almechtigen gotis hulffe unnd bewa-
runge nicht bie uns gewest, so weren wir wol tusint mal er frorn,
wann es was uss der mosse sere kalt. Do wir komen uff den doringer
walt, do was der snehe tiff biss an minen gortel, unnd zu unserm
gluck gingen VII waine vor uns ubir den walt; weren die nicht ge-
west, so heften wir nicht kont ubir kome, unnd leden solche grosse
kulde, das is nimautgloubet, unnd der snehe werte, bis das wir komen
kein romo in die stad, unnd ging als wol zu gutem glucke uss, das
unser keiner krangk noch sich wart, vor unde noch, unnd gesunt
widdir heim quomen in der crueze wochin.6
sn 317. Von deme selmtczen hofe, unnd von den
ingeleiten eziddeln.
1477 Anno domini M° CCCO° I,XXV1L° uff den montag nach sente jaeoffs
tage1 unnd die wochen ubir wart eyn gross schutezen hoff zu erffort;
816. 1 Montag den 25. November 1476. s Freitag den 4. April 1477.
3 geern, sw., „pflügen". 4 Bis nach dem l.Mai 1477. 5 Am 7. Januar 1477.
fi Die Kreuzwoche beginnt mit dem Sonntag Vocem iueunditatis , d. h. mit
dem 5. Sonntag nach Ostern fauch liogate genannt), i. J. 1477 also am 11. Mai.
Da in diese Woche auch Christi Himmelfahrt fällt, Stolle sie aber nicht als
datuinsbestimmcnd erwähnt, so wird er wahrscheinlich am Montag oder Dienstag
der Kreuz woche, also am 12. oder 13. Mai 1477 zurückgekehrt sein; die Reise
währte also 18 Wochen.
317. 1 Vom 28. Juli bis zum 2. August 1477. Das Fest war eine Erwide-
rung für eine Einladung, welche die Erfurter Armbrust- und Büchsenschfitzen
früher von den sächsischen Fürsten zu einem „Sehutzeuhofe" nach Weimar
Digitized by Google
317. Stück.
375
der furste herczog wilhelm, gesossen zu wimar, unnd grave hoinrich
von swarczpurg der aide mit sinen sonen, grave ernst von glichin,
unnd andere graven unnd stete im laude zu doringen quomen keyn
erffort, unnd schössen dry tage in der leyraen gruben vor deme lower
tore,a umbe X cleynote, silberne bechere, unnd silberne schaln; das
beste was drisigk gülden wert, das gewan eyn schutczemeister czu
erffort, unnd der furste gewan gewant etc. Unde undir deme schutczen-
hofe machten dio von erfibrt eine frolickeit unnd goben cleinote uss;
der was sechczen silbern bechere, der beste was czwolff schog wert,
unnd schaln, gülden ringe, siden borten, gewant, bocksehin,s parchin,
unnd das eyn yderman, wer da wolde, furste, grave, rittere unnd
knecht, burger unnd gebur, frowe unnd mau, knecht unnd raayt, rieh
unnd arm, bettelere unnd bettelerynne, schillere unnd allirieye fulk,
inlendisch adir fromde, mochte in lege einen nuwen grosschen, funffe,
czeen, ezwenezig, oinen gülden, II gülden, X gülden, dry adir vier
gülden, unnd ye oine* cziddele losso vor einen nuwen groschen unnd
vor einen gülden XXV cziddeln; unnd also manchen nuwen groschen
eyn iglich mensche gab, also mancho cziddeln machte man, unnd
schreib sinen namen dar uff, unnd tat die in ein fass. Also leiten die
lute vil geldes zu samene, etlicher dry, vier, funff gülden, etlicher
sechsse unnd soben gülden, | die armen zu nuwen groschen unnd zu t
funff, X, XV, XX nuwe groschen, yderman noch siner vormoge. Also
man hatte gesament, als man sagete, soben adir achte hundirt schog,
dar uff machte man cleynote, als vor geschreben steed; unnd als vil
cziddeln, als man mit der lute namen geezeichent hatte, als vil machte
man ungeschreben cziddeln, unnd tad die ouch in eyn vass, unnd
machte danne XVI cziddeln, dar an schreib man die gewynne unnd
mengite die undir die ungeschreben cziddeln, unnd man band die vass
üben veste zu, unnd schickte einen knecht, der da ungelart was, der
die cziddeln uffenborlichin uff deme fisschemarte4 uff einem gehusse,
das der rad dar zu liss mache, uss nam, in kegenwertickeit der rad
hern, die dar zu geschickt warn, unnd uff igliche syten des knechts
erhalten hatten, wo gie sehr freundlich aufgenommen worden waren ; s. 0. Beyer,
Geschichte der Erfurter Sehützencompagnie, in der Festschrift für das XIII.
Mitteldeutsche Bundesschiessen, 1891, S. XII— XXIV. 2 Vor dem Löberthor
in der sogenannten Lehmgrube*' (jetzt in dem Terrain vor der Mangoldschen
Braueroi) lag damals der Schützenhof. 3 Buckskin, englisch, Bockfell,
geköpertes Wollengewebe , aus England nach Deutschland gebracht. Der Preis
war also Tuch zu einer Hose. Auch Barchent (parclun) wurde gegeben.
* Der Rat stellte einen sogen. „Glückstopf" auf dem Markte (Fischmarkte)
in einer eigens dazu gebauten Bude auf; s. Falckenstcin , civitatis Erfurt, bist,
crit. et dipL, 1730. S. 341. Der „Glückstopf war ein bauchiges Thongefass, in
welches die Lose für kleinere Stadt- und Marktlotterien hineingeworfen wurden,
mit so engem Halse, dass man nur lünein greifen konnte, um die Lose heraus-
zuholen, ohne sie sehen zu können. Der „Gluckstopf*' kam im 15. Jahrh. aus Italien
nach Deutschland, zunächst zu gunsten der öffentlichen Schiessen, denen auch der
Gewinn zufiel. Diese von Stolle ausführlich geschilderte Lotterie ist wohl eine
der ältesten in Deutschland, und als solche kulturhistorisch wichtig.
Digitized by Google
370
318. Stück.
einen sehriber. Unnd eyn iglicher nam von (lerne knechte die eziddeln.
die kegen om was. uss der haut, unnd bant die uff, unnd der schribei
uff den ort, da die eziddeln mit den namen warn, der lass den namci
des mannes, so sprach der ander uff der andern siten; wann er eine
ungeschreben eziddeln fant, der sprach: nichts; wanne er abir eire
eziddeln fand, da ein gewin inne gesehreben was, so tromete man uff
unnd lass die eziddeln kegen enander; wes namen man danue fand,
der gewan das cleynod; unnd etliche hatten vil in geleyt zu V, V],
VII gülden, die meinten \il zu gewinnen, dio gewonnen nichts, unnd
der allirerste, den man erwuschte an der eziddeln, der gewan | czwo
gensse unnd eyn pfunt ingebers, der letezte gewan einen gülden, unnd
den gewan eyn stobenheiser vor der langen brücken, der hatte nicht
meher, wann einen nuwen groschen ingeleget; die da hatten ingeleget
V adir vi gülden, die gewonnen keins, die hatten andirthalb hundirt
eziddeln mit orem namen geezeichint, sundern die da hatten V ad«r
X nuwe groschen ingelegit, die gewonnen zu wiln; unnd der eziddeln
was also vil, das man fünft' tage dar ubir uss las, unnd herezoge
Wilhelm unnd der von swarezpurg unnd andere graven, rittere unnd
knechte hatten vaste in geleget, sie gewonnen abir keins, unnd manch
mensche leite gelt in, dinstboten, Studenten, bettelere, sulden sie sust
einem rate einen pfenning gegeben habe, des betten sie nicht gethan:
unde eyn rad er ubiriete etwas ubir die kost des schotschen hofes,5
unnd der forste hatte des ge lacht nach der ge schiebt, da er nichtig
gewan, unde gesprochen: die von erfforte siut beschide lute, sie
sehatezen nymandis nach nemen keinen behern in orer pflege, sundern
die lute geben s on williclieh, unnd sie nemens von mir unnd yder-
man, der on das gibet; unnd was ome gar lechcrlieh gowest, unnd
einer solcher kortewile geflachte keyn mensche mee zu erffbit. Dar
ubir warn geschiekit ezwene burgire, die das gelt in uomen von den
luten unnd lissen dio cziddiln sehribin, unnd wann einer einen gülden
in leite, deine schreib man zu XXV eziddeln mit synem namen; gab
er | ezwene gülden, so hatte ei funll'czig eziddeln etc. Unnd von des
ratis wegen warn geschieket, als man die eziddeln uss las, er her-
bote von der niariüen, unnd er herman bruekslegel.
Fiuifi.
318. Wie das juu^e volk lieff zu deine heiligen blute
zu der welssnaeht 1 da genesit meide)» urgk.
Als man schreib nach cristus geburt tusent vierhundirt unnd funfl'
;> unnd sobinezigk, da hub sieh eine windeiliehe geschieht in der woehen
* Kaum verständlich; »1er „schotsehe hui " ist der Sehützenhof, das Schützen-
fest. l>er Hat nalmi mehr durch den „(ilüekstopf' ein, als ihm die lieköstigutig
der fremden Schlitzen, namentlich des Herzogs Wilhelm von Weimar, kostete.
:{|S. 1 Wilsnack, Städtchen im preußischen Kreis«- Wcstpriegnit./. (liegbez
lir:i!-deuhiir«r\ durch ,,das heilige Klüt" bekiinnt, s. St. H'S A 21.
Digitized by Google
318. Stück. 377
nach sente johans tage baptiste im lande zu doringen, francken, hessen,
missen nnnd andern landen, das die jungen lute, knaben unnd junc-
t'rawen, czwissehen czwcnczig unnd achte jaren, zu male kleine kindere
zu deme heiigen blute Heften, ane gelt, ane wissen dor eidern, die sust
nicht uss deme husse hetten gegangen ane geheisse der eidern, fromer
lute kindere unnd wol geczogen, dinst boten, meydo unnd knechte,
lissen ore cleydere unnd was sie hatten, unbewart, unnd konden des
nicht zu houöo breiigen, sundein Hessen stehe unnd lie, was da was,
unnd Hoffen ore Strassen, also das or dicke unnd \il czwey adir dry-
hundirt an einem huffin ging, unnd sungen leyssen2 unnd hatten
banir, unnd sprochen enteil, on ginge evn rot crucze vor: dio kindere
entließen mit gewalt oren eidein, die tochtere oren muUern, das die
muttero nach folgeten weyneude unnd sehnende unnd konden der | kin-
(lere nicht er halde; unnd wanne man sie in sporrete, so worden sie
unsynnig, unnd wann sie is an quam, so hüben sie an zu weynen,
wie gross, wie alt, wie cleino sie worn, unnd begunsten zu czetterne,
als die das kaldes haben, das sie nicht ge sprechen konden, unnd
weinten aJso lange, biss das sie uss den husern quomen uff den weg,
unnd eutlieffen den luten mit gewalt; unnd als balde, als sie an quam,
als balde Heften sie ore Strasse, barfuss, halbnackt, in hemden, in
ketteln, barhoubt, ane gelt, ane brot unnd ane alle vorsichtickeit; unnd
wann das osssen uff' deme tissche stunt, das man soldo essse, unnd sie
nach nuchlim warn, nach so Helfen sie enweg ungesssen, unnd man
mochte or in keinewisse behalde; undir hundirt behilt man kume ein
mensche, das man ubir rette; man fürte sie zu der bichte, die bicht
vetere konden or nicht ubir rede. Czu wilen quam is kume ein, das
sich liss bedutß. Uss der stad arnstete Heften driehundert unnd XXI III
kindere, schillere, meydiehen unnd knechtchen, unnd der Schulmeister
ging mit den schulein, unnd darnach die knaben, zu Ietczt die mey-
dichen, unde warn enteil also deine, das man nicht getruwete eine
mite weges zu geliene; nach Herten sie da hin unnd gingen gliche serc.
enteil Heften tag unnd nacht, unnd is reinte also sere an sente peter
unde pawels abinde unnd die nacht, nach als | iss am allirseresten ▼
reinde, wilche is anquam, die hüben sich unnd Heften, unnd trageten
nicht nach deme reyne. Ttem uss tenstete 1 Heften uft' eyn mol vier
unde drisig kindere, unnd uss allen steten unnd dornen , unnd des
dingis wart also vil, das der rad zu erftort unnd die geistlichen lichtere
lissen gebeten zu erftorte, iss sohle nymant ane loube synis pferners
unnd ane bichte geen; abir man f'ragite wening dar nach. Manch man
m uste umbe siner kinder willen, manch frowe umtue orer tochtere
- Mhd Iris, leise — md levsse (aus kyrie eleison), stswm., später allgemein
„geistlicher Volksgesanir' im Mittelalter. ' Jas kalde, z. erg. \ve - „Krankheit',
das „kalte Fieher*', s. I I. Kiiekert, Leben des heiligen Ludwig, S. 40: .,do bestunt
den «-dein l'ürstin »Ii grt^e krankheit di man nennet daj kalde, zu latine di
febres" (s. ebenda S. 12'»). ' Tennstedt, Städtehen im preussischen Kreise
Langensalza (Kegbez. Erfurt).
Digitized by Google
318. Stück.
willeu, dicke unnd vil, der man uinbo der frowen willen da hin louffo.
Item sechswoehcn frowen mit kindern, item manch junge frowe hatte
funff atlir sechs kindere da heime, die liessen sie alle uubesorget unnd
unbestalt unnd Heften da hin, fie, kuwe unnd schoff, huss unnd hofl
Hessen sie unbestalt stee, unnd Heften von dem felde, von den pflügen,
von dorne weite,'' vom grasse; die knaben, die der pferde hutten, die
hatten ore ezoyme an oren helssen unnd Heften da hin, unnd etliche,
die uff dorne felde füren, die liessen waine unnd pfert steen'unnd
ließen oro strosse; item is hatte eyn man zu erffort weit vor kouü't,
unde die kindere von arnstete gingen durch hin, dogab er den kinderu
einen grossolien zu spisso unnd liss pfert unnd wain stehe unnd ließ
meto, unnd hatte eyn par nuwer sehe gekouilt, die Hess er uft deine
wayne üen. Item dinste knechte unnd meyde, | unnd wanne man sich
aJ lir mynst vor sach, so quam sie das an, unnd begunsten zu weineude
unnd lieffen ore Strasse. Enteil sageten nymande nichts unnd liessen
all is stehe unnd üen, was sie hatten. Item uss dorne lande zu franckeu
bio koburg adir bobinberg quomen or uss einem dorffe bie XXX, die
hatten zu tage unnd zu nacht achezen mile wegis gegangen unnd ouch
banir, eine monstrancien dar uff gemalet. Item die von arnstete hatten
einen adiler in orem banir; unnd nyniant gesellete sich mittonander
zu gene, sundern wann sie uff die Strasse quomen, so quomen on ge
seischafft gnug zu. Item undir wegen goben on die lute essen unnd
trinckon al sad; wer nicht gelt hatte zu vor czerne, der bettelte, so
wart ome sad, unnd sie konden ouch des oren keinsrt gebruche nach
zu sammende gelessen; das was gar eyn w inderlich ding. Item die
wissen ge larten doctores meynten, es were eyn iutloss des hymmels,
den luten, die der complexien wern.7 Etliche meynten, es were nicht
gut, is queme von deme bossen geiste. Etliche meinten, is were von
gote eyn ingeben unnd eyn wunderwerg, also das die lute zu wilen
sere czweitrechtig worn. Item die wiessen zu erffort goben also vor,
das man der selbien lute, dio also lieffen, keinen solde in lossen zu
den stad thoren, wann worumme, man meynte, wann die kindere unnd
dio lute das volk also seen louffo, so worden sie ouch dar zu geneyet
der geselschafft unnd lieffen dann ouch meto; unnd das | fant sich ouch
an der worheit also, unnd uff deme lande uss allen dorffen lieffen sie
also wol, als uss den steten. Item mau sagite ouch, das vil grosir
louffte were de partibus stagnantibus* da hin, wann is lieffen kindere,
die nach nicht gebeten konden, unnd die frawen trugen sie mete unnd
wüsten ouch nicht, was das heiige blud was, unnd wüsten ouch nicht,
5 Waid, eine Farbcpflanzo, welche schön blau (auch grün) färbt und damals l>ei
Erfurt viel angebaut wurde, eine Quelle grossen Reichtums für Erfurt, siehe
1'. Zschiesehe, Der Erfurter Waidbau und Waidhandel, MGE, XVIII, 1896, S. 19
bis 7t). ,; „keins" ist hier Substantiv, gebraucht, 8. H. Rückert, Leben des heilig.
Ludwig. S. 128. '• conipU'xie ;aus lat. oomplcxio) „Köi^perbesehaflenheit", al&o ,.der
eoinpU'xien weren" = „der natürlichen Körperbcschall'enheit Gewalt anthun."
* I). h. ,,aiw sumpfigen Gegenden."
Digitized by Google
319. Stück. 379
was sie taten. Unnd das sie sust nirgcu andirs hin lieffen danne da
hin, das was oyn gross wunder. Iss lieft' manch meydichon, wol ge-
ezogen kind, das nicht vor die thor ane der mutter adir vater willen
hette gegangen zu ores nackeburs kinden, adir hette nicht kont eyn
tirtel wins gchole, dns lieft' mit gewalt enweg unnd fragite nicht noch
vatir noch muter. Item enteil kindere hatten win geholt, die gobcn
einem andern menschen den win, oren eidern zu brengen, unnd heften
en weg barfuss ane mantel, ane slovger, ane hud adir kogel:" wie is
si an quam, also lieffen sie da hin.
Item uss der stad issleuben HcfVen eilft" hundirt. item uss hetstete ,M
dry hundirt, item gross volk uss osterich unde ungern unnd uss alleu
steten unnd landen, das unezelich was. Item dio von arnstete quonieu
widder unnd worn Xllil tage ussse gewest. Man wolde sy zu erftbrt
nicht in lossen, sundern sie gingen uft deme graben hin mit orem
banir, unnd or was dry hundirt unnd ezeheno, knechtchen unnd mey-
dichen, unnd sie sagiten, das on die marggraven von brandenburg zu
angermunde allen liessse essen unnd trincken gebe, zu tissche siteze
uö siuen sal, unde einem iglichen menschen | einen berlinschen grosschen
dar czu, unnd in die sammenunge vier gülden: unnd die von mansfelt
gabeu allen luton brod unnd bier, unnd die marggraven bestalten a die
strosse, das on nimaut torste thun, unnd Hessen sie zu werben 11 umme
sust ubir füre; unnd wo sie gingen, do lieffen on die lute enkoin unnd
boten on herberge an, ane zu erftbrt, da wolde man sie nicht in lossse.
Item das selbie louften werete also lange, uss ungern, polen, das in
doringen oyn sterben quam, unnd starb sero1- oueh zu halle, num-
burg, erftbrt, gote unnd isenache etc.b |
319. Pisse geschieht ist gescheen in deme lande ▼
zu francken genesit wirezpurg ubir Avertheiui in deine
tuhar tal zu niekelsshusen.1
Nach cristus geburt vierezenhundirt jar, dar nach in deme sechs Ü7ö
unnd sobinezigisten jare, hat sich disse geschieht begeben, das einer,
» IIS: bcstalto. b IIS Bl. »15 vord. Seite Ist kaum halb beschrieben.
" Kapuze, niundnrtlich kachel (9. M. Schnitze, Idiotikon der nordthür. Mundart
S. 34 n. Hertel, Thiirinjr. Sprachschatz , S. 1-13) im Sinn«- von „Fraucinmitze,"
f. St 244 A. 3. 10 Hcttstädt, Stadt im Mansfelder (Jebirgskreise im preuss.
Kegbez. Merseburg. 11 Stadt an der Klbe, im preuss. Kreise Osterburg, Kegbez.
Magdeburg. Der Kurfürst von Brandenburg schützte und unterstützte die Pilger
wenigstens äußerlich. 12 1). i. sero des volkes =- es starb viel Volk«; aas
Adverb, sere = dem Adverb, vaste, s. ob. St. 209 A. 5'.
319. 1 Wie aufgeregt die damalige Zeit in kirchlicher wie in socialer Hinsicht
war. zeigt die Verirrung der Wallfahrten nach Wilsnack wie auch die Wirren in
Niclashansrn, welche einen unverschämten Betrug mehrerer Edelleute (v. Stetteu)
uiul des Orttspfarrer» Thunfeit darstellen, welche einen Pl'eiller, Hans Böhm, bc-
Digitized by Google
380 319. Stück.
genant hans boliemc, wonhafflig in deine dorffe helmestat, eyn halber
thore,2 als man on von jogunt uft geraerket hatte, von drien erbarn
mannen edil lute, vilJichte bosse ciisten unnd ketczere, genant die von
Stetten, unnd eyn pfarrer bie ou wonende, genant conradus thunfeit,
umme geldis unnd gutis willen den genanten thonm dar zu gesprochen
unnd ome anewisunge goben, gelort unnd vor gegeben hatten uff die
forme, er sulde uffenberlich uff trete unnd predige unnd sulde spreche,
unser liebe frowcmaiia, die muter gotis, sie ome entechenen personlich
drio adir vier mal, unnd entsehine ome tegelich unde habo ome ge-
sagit, er sullo ufllnberlich predige unnd vor nimande sehe unnd den
luteu sage unnd in die land vor kundige allem volke, das alle volk uss
allen landen sullc in pilgeiimss wisse zu or kome in ore Capellen adir
kirchen zu nirkelsshusen in deme tubar tal neben wertheim, da wolde
sie gnedig sin, unnd is wero ouch ubir al nirgent kein applas danne
da sei best. Das thet der arme mensche mit vorhencknisse 3 der erbar
lute unnd des pfar rers unnd trat uft' unnd predigete unnd sprach, alle
ding seiden sin gemeyne, unnd die czit niete sich, das man alle
pristero toten solde, unnd wer XXX pristero getote konde, der solde
gross vordiene, sie betten euch keine macht mehe von gote, es were
uss, man funde ouch keinen prister mehir, beide wertlich noch geistlich,
noch in keinem erden, unnd straffte gliche wol dar bio die brosttucher,1
kerte cleidere unnd spitezige scluY Das missehagite unser lieben
froweu alczu sere, unde got wolde sere dar umme straffe, sunderu sie
biete da vor, unnd man solde sie dar umme zu nickelshusen ersuche,
andirs die straflunge erginge, unnd predigite vil bosser ketczerige unnd
grosse wunderwerg, die da zu nickelshusen geschegen, der kein war
wogen zu erzählen, die? Jungfrau Marin sei ihm erschienen und habe ihm lehren
offenbart, welche er vortragen solle, Ansichten, welcJie alle kirchliche Ordnungen
angriffen und rein kommunistisch waren, weit radikaler, als die Forderungen der
Bauern in dem etwa ein halbes Jahrhundert sj>äter ausbrechenden Bauernkriege.
Über den ganzen Vorfall s, Archiv des bist. Vereins von Unterfranken und
Aschalfcnburg XIV, o. 1 nach von Lilicnkron, welcher ein Lied alniruckt: ,,l)ie
niebishäuser Kart' a. a. <). II S. 115 12r>. Böhm stammte aus dem würz-
buigischen Horte Heimstellt i jetzt im bayrischen Regierungsbezirke lTnterfranken),
sein Landesherr war also der Bisehof von Wurzburg, damals Rudolf II. von
Scherenberg (14U6— 141) -Vi ; sein Unwesen aber trieb Böhm in Niclashausen ( jetzt
badisches Dort !, das damals dem Grafen .lohann von Wertheim (jetzt badische
Statlt, am Einfluss der Tauber in den Main) gehörte, kirchlich über dem Erz-
bistuiu Mainz angehörte, weshalb Erzbischof Uither den Würzburger Bischof zum
Einschreiten veranlasste. Jn Nielashausen befand sieh von alten» her ein be-
rühmtes (tnadeubild der Jungtrau Maria, und die Pfarrkirche war mit einem
Ablass ausgestattet. - Erfreulich ist, wie Stulle, trotz allersehärfster Ver-
urteilung des Schwindels, «loch so menschlich-teilnehmend urteilt: er erkennt, wie
Böhm nicht der wahre Schuldige, wenigstens nicht der Hauptschuldige ist,
sondern seine Hintermänner es sind, welche den Schwindel ersannen und in dem
Lhöriehten, aber sicherlich eingebildeten Hirten ein leider allzu willige« Werkzeug
ihres Frevels fanden, welcher nun die im Volke ohnehin verbreiteten und von
ihm sicherlieh auch geteilten Anschauungen, Hotfnungen und Wünsche lehrte.
' vorhencknisse, stf., ,,Erlaubnis, Schickung," hier mehr „Veranlassung'.
* Über Kleiderlnxus s. u. St. oöt>" u. :.it>7.
Digitized by Google
319. Stiick.
381
was, unnd sprach ouch, unser iiebe frowe hette ome zu gc sagit, vor
wehen er biete unnd was er biete, das solde geseheen unnd erhört
werde; unnd das volk gloubete ome unnd hilden on als einen pro-
pheten, wann er was sust oyn siecht leyeman unnd halb unwisse. Die
erbar lute unnd der pfarrer santen andere lute uss unnd Uesen das
ouch vorkundigen unnd sagen in vil land, das unser liebe frowe da
gnedig were unnd geschogen grosse czeichen, der was kein war, unnd
doch von deme geschroye unnd predigen von ingebunge des bosson
geistis gar nahe das gautcze | land zu francken unnd ouch andere land v
beweget worden; unnd das volk liö' an grossssen houffen uss allen bis-
thum unnd landen mit banirn unnd fanen kevn nickelsshusen unnd
trugen mit on grosse mechtige lichte unnd kerczen von waclisse also
gross, das drieadir vier manne kume eine kondcn er trage, unnd ließen
ane alle vornunfft unnd loubo orer pfarrer unnd prelaten, die das
dann mit sampt der bisschofle vor boten hatten bie deme banne; das
volk fragite abir nicht dar nach, sie Heften gliche sere, die juncfrowen
liefTen mit zu slagenden hären, •' die sechswochen frowen, junge
knaben, jung unnd aide menre, sehregen unnd sungen leyssson durch
stete unnd dorftere, die die selbige ketczerie unnd tusscherie gelieht
hatten, unnd quam dicke nnde vil, das uff einen sonabcnt zu samen
quomen bie sobenczigk tusent mensehen , kindere unnd aide lute,
frowen unnd man, also das is erschrecklich zu sehene was, unnd eyn
iederman quam mit sinem wergkgeczuge, ein ackorinan mit siner
geissseln, eyn steynmeteze mit siner bicken, eyn smed mit sinem
hammer etc.
Der bisschoff zu wirczburg liss das vorbete, iss halff nicht; die
erbar luthe wolden das habe, wann sie hüben das gelt uff etc. Der
bisschoff zu wirczburgk hatte rad dar ubir, das hiss on rudolffus, eyn
fromer alder man, unde schreib dar noch deine crczbisschoHo zu
mentcz, herra dytero von isenborgk, unnd clagito die torheit des I volks. m
Do schreib der bisschofl zu mentcz widder, das er den boffen,,: den
prediger, solde lassen griffen unnd vor höre, wie is gestalt were; das
ted der bisschoff zu wirczburg, der sante keyn nickelsshusen vier unnd
drissigk gewopent zu pferde, die fingen den gnanten hansen behenien,
der sass nacket in der tafern7 unnd predigite den Iuten grosse wunder
wergk, die on der pharrer unnd die erbar lute gelart hatten, unnd
bundon on also nackt uff eyn pfert unnd fürten on keyn wirczburg in
einen torm uff der borg unser lieben frowen berg;8 da worn kegen-
wertig bio sechstusint menschen, also sie on fingen; abir is nam sich
uymant an unnd worn allirmeist fronde lute,9 die allir erst körnen
* Mlid „zerfleh Iahen" — md „zuslagen" -- „auwinanderschlagen, auabreiten,"
hier intransitiv gebraucht. 6 Mhd „buobe" — md „bAfe", hier mundartlich
„hoffe" = „Trossknecht, Kuecht"; unten St. 3'20: „je, du boszer bute." ' „taienie"
(Iat. tabernal, stewf., „Schenke". * Der „Frauenberg" in Würzburg, am linken
Mainufer, war bis z. J. 1720 Residenz der Fürstbischöfe. 0 „vröncn", „dienen",
also „dienende Leute, Arbeiter."
Digitized by Google
382
310. Stuck.
worn. Do das die crbar lute er turn, die worden czornig unde swurn
zu houffe unnd norneu vil voJks an sieh, die der bosse geist ouch dar
zu sterkete, also das ir wart bie czwolff tusent, unnd was an saute
Margareten abent,'0 unnd die lute worn uss vele landen gesainnient
die nomen bie funft'hundirt kerezen uss der Capellen zu nickelsshusen.
die die lute bracht hatten, unnd czogen die gantcze nacht bie lichte
bis keyu wirczburg vor die bürg, das man nennet unser üebeu frowen
berg; an deme selbigen sonabent an sant inargareten tage fru zu
funner czit quomon sie vor die borg mit den enpranten kerezen unnd
hissehou | on den gefangen gebe luterlichen umme sust ledigk, adir sie
wolden alle dar ubir sterben. Der bisschoif wart besorgit unde bestalte
sine borgk, so best er konde, unnd lies enteil buchsen an gehe ane
schaden; das thet er durch er Schrecknisse willen. Unnd is wart ouch
ein gross murmuln in der stad zu wirczburg uft die pristerschaflt, das
die da widder retten, die da villichto wol wüsten, das is tusseherie
was, unde sprechen den pristern gar ubile von der sache halben, also
vil, das czwene erbare rittere, "fromer menre, ermanten das volk gut-
liehen unnd mit guten worten, das sie von der torheit abe liessen unnd
czogen heyin eyn iglieber, da er hin gehorto in sin land, unnd geboten
bie gehorsam, was des bisschoffs menre da mitte wem. das sie heim
czogen unnd wem gehorsam orem hem, deme bisschoffe unnd pfarrer,
unnd gloubeten nicht also lichtlich den Sachen; is gehörte die geist-
liche achte an.12 Also czogen or entoil heim, enteil bieben unnd
meinten den thorm zu haben adir dar ubir sterben. Die erbar czwene
rittere sprachen, der bisschon" hette einen armen man gefangen, den
wolde er vor hören ; wann er den vor horte, were er dann gerecht, er
worde on wol widder. Der selbie hans beheme bekante in deme ge-
fencknisse, das is ome die junckern von stettyn unnd or pfarrer golart
unnd ingegoben hetten, unnd das also zu predigene unnd uss zu
brengen, unnd hatten ome ouch gelt dar umme gegeben, unnd hatten
der predigere ouch mehe uss gesant zu vorkundigene, den sie ouch
gelt goben; abir sie beilüden das meiste gelt. Do quam der von wert-
heim unnd nam gross gelt uss der Capellen. Unnd als die luthe von
der borg nicht wolde abelasse, do schickte der bischoff uss nach siner
manschaflt unnd ouch uss der stad unnd stalte sich zu weherne13
10 Freitag d. 12. Juli 1476. Lilienkron a.a.O. S. 115 f. bemerkt, das* Hau»
Böhm erst Lätarc, also am 24. März 1476, auftrat, so das» wenige Monate genügten,
die Bewegung zu solcher Ausdehnung ansehwellen zu lassen. 11 Der Bischof
.sandte zuerst seinen Marschall, Jörg von (.-Jelhsattcl, gegen die Aufruhrer, der
aber nichts ausrichtete, vielmehr mit Steiuwürfen auf den Frauenberg zurück-
getrieben wurde; besseren Erfolg hatte der darauf zu ihnen geschickte wegen
Heiner Biederkeit und Milde beim Volk beliebte Konrad von Hutten; er erreichte
wenigstens so viel , dass l>ei 2000 von des Bischofs eigenen Unterthanen die
anderen Scharen verliessen; s. von Lilienkron a.a.O. S. llfif. '* „achte" —
öffentliche gel>otene gerichtliche Verfolgung, hier also „geistliches Geriebt";
„gehören an" m. d. Accusativ — „angehören, zukommen." l* Besonders auf dem
Kirchhofe des Dorfes VValdbüttelbruuu.
Digitized by Google
320. Stück.
3*3
unnd treib das volk mit ge walt abe, unnd liss ouch mit buchssen
schiesse propter terrorem, uDnd liss sie von der borg tribe. Also wart
or achte unnd drisig er slagen, hundirt unnd XX'Vif gelangen. Da
flohen die andern alle mittenandere, unnd der bisschoff liss on noch
ezehen, doch gutlich, das man on nicht mehir schaden thun solde.
Hette er gewolt, er nette sie alle wol behalden. Also liss er hir nach
den man verhöre. Der bekaut.e alle geschieht, wie er dar zu körnen
unnd undirwisst wehere. Des er tur sich <ler bisschoff al wol. Da er
nu alle ding war fand, das is tussoheric were unnd keine warehafftigo
ezeichen weren, sundorn ytele fantasie were, do mete das volk vor leitet
worde, unnd geschege umme geldos wollen, do liss er den selbien
bansen behemen durch er schregknisse willen der andern unnd durch
sulcher ketezerie willen, die da von quome mochte, liss er on borne,
unnd fing den pfarrer, er Conrad donnefelt, der on das geleret unnd
underwiset hatte, unnd santo on deine bisischoffe zu mentez. Also v
sagite man, das der von wertheim nemo das oppfer uff unnd wil pferncr
sin dar czu, unnd die erbar luthe worden fyent des bischoffes unnd
toten ome schaden in sinem lande, unnd hetten gerne den louftt. gc-
stercket umme des geldes willen, so woldis der bisschoff nicht Hede
unnd was gar sere da mete betreten ; abir is wart zu letezt allis vnr-
gesssen, unnd wart keins 11 mehir dar uss.
Finis.
320. Von nnssir Hohen frowen kirchen zu erffort: wy
rty ent wehet wart von czwen kor schillern.
In deme jare, da man schreib nach cristus geburr unsere hern J470
vierezenhundirt jar unnd sechss unnd sobinezig jar, uff die mitte-
wochen saneti dyonisii1 martiris vor mittage in der achten stunde ge-
schach disse geseicht in der kirchen unser lieben frowen zu erffort.
Als man die prime* hatte an gehaben, do sprach eyn coralis3 zu der
jungen corali einen: Signere die vers, das wir nicht erre werden! Do
sprach der junge, er lissse on wol eyn bosse jar haben, worumme
er is nicht selber tete; unnd fluchte ome ubile. Do sprach der grosse
coralis: Ye, 1 du bosser bufe, wie fluchstu? is gebort dir zu thune.
Unnd rouffte on enwenig bie den harn. Da trat der junge en-
wonig ubir ort unnd fluchte nach swinder unnd warft" ome sine | muter m.
" Substantivisch, a. ob. St 818 A. 6.
320. 1 22. M«i 1476. * Die horae caiionicae, die priesterlichen Tageszeiten
oder das Chorgebet sind: matutinum, prima (Vormittags in der Frühe), tertia,
sexta (nach dem Choramt), nona, vesperae cum completorio. Ä Chorsänger,
Gehilfe der Chorherren beim »Singen, oft bloss „Schüler". 4 „Je" =** ,Joch" = „ja
doch", Affirmationapartikel, Kückert, lieben des heilig. Ludwig, S. 153, ebenso
oben St. 276 (S.836): „warnete sie, das si ye nicht gutlich tagen sohlen."
Digitized by Google
384
320. Stück.
imnd swester vor, was er dann thun woldo, unnd was eyn bosser bufe
knme XI II jar alt, unnd gesehach uff deme lincken kore. Da sprach
der grosse coralis: Ye, du bossir bufe, was fluchstu mir? ich muste ye dich
bas strafe. Unnd wolde on noch eins rcuffe, wann er was eyn vornunfitiger
fromer geselle, unnd greiff nach den harn. Da hatte der junge sin
brod messir, das was gar spitzig, uss geczogen unnd stach den gesellen
durch sinen arm undir den elubogen zu mittelnwege czwisschen der
band unnd deme einbogen innewendig des armes, unnd das blut sprang
in den kor, unnd blutete also sere in deine kore unnd uff deme kirch-
hofe, unnd lifT zu hant czu deme scherere,5 unnd der scherer konde on
das blut nicht vorbinde, imnd blutete eyn schere becken vol blutes,
das er telemal amechtig wart unnd vor tod gehandelt wart. Do er
johan starcke organista das blut uff deme kirchhofe sach unnd sporte
is in die kirchen von der kalfaten0 biss in den kor, do ging er zu den
coralibus unnd fragite, was das bedutte. Do sagiten sie ome die sache,
unnd sagiten, wie ein bosse lecker7 das were. Do gingk er zu ome
unnd straffte on unnd sprach: Nu bistu kume als eyn bretspel worffel
gross, unnd wilt mit messern steche an solchen steten? Do sprach der
v junge: Worummo rouflte er mich? Da antwarte | der organista ome:
Ab er dich mit fusscn getreten hette, noch soldestn nicht mit messern
steche an solchen steten; dir gebort den vers zu signereu. Unnd
sprach zu ome: Heb dich, du böser bufe! der geselle wirf sterben,
so tötet man dich ouch , wie deine du bist. Friste din leben!
Also wolde er nicht geen, unnd bleib, biss man sexte* gesangk.
Also wart das vorswegen den ptelaten unnd hern1' biss zu der vesper-
czit, unnd des morgens fru des andirn tagis, do machten die hern eyn
capittel unnd consulerten doetores dar umbe; die sprachen, wiewol der
knabe eyn kint unnd jung were, ye doch so er volletc sine bossheit
das alder; wile er so sehalkbafftig were, so were die kirehe mittenander
entwehit. Er was ouch also einer bosser bufe, das er den Schulmeister,
die locaten 10 unnd sine eigen muter, als man sagite, wolde stechen.
Also Hessen die hern nicht mehir singen in der kirchen noch lessen,
ouch nicht lutc keynerley, biss uff saut severs abent," sundern sie be-
stalten noch deme wie bisscholfe,12 der was das mal zu mentcz, der
quam unnd reconcilierte den kor, kirchen unnd kirchhoff, kaflaten
unnd die klultt ,a unnd sacristien, cruezegangk, die Capellen, den hon
altar unnd allen enden in der selbigen kirchen, unnd hatte grosse
:' Die Barbiere (Hader) waren im Mittelalter auch Wundarzt*. fi Der auf
Gewölben ruhende Umgang des Krf'urter Dohih (aus «lern lat. eavum aedium).
7 „Lecker" = „Fresser, Schelm" ; J lertel, Thür. Sprachschatz weist S. l.r>t> „lecken" —
,, naschen" nach. N 8. ob. A. 2. !' Die Prälaien des Doms waren der Dekan,
Scholaster und Kantor; die „Herren" sind die Domherren. "' canonici minores,
die Kxspeklanten auf DomheiTUStellcn, auch domicellarcs genannt. " Montag
d. 21. < »ktoher 1 17C. ' Kr. Bertold von Oberg aus dem l'rcdigerorden, lA'ktor der
Theologie und Titularbisehot' von l'anadns in Threcina, s. Kcldkamm, Gcschichtl.
Nacbrii ■Ilten über die Krfurter Weihhischöfe, MGK XXI, S. T»8— 60. ,s Die
Krypta des Domes.
Digitized by Google
321. Stuck.
385
erbeit, unnd das ammecht stnnt zu niole barmlich,11 unnd satczte
crucze umme her, also das der bisschoff gancz unnd gar | al limine die »so
kirchen is ganez wichete, unnd ouch die nuwon altaria, die do gemacht
worn, noch deme brande. Bor noch Hessen die hern zu sanct sever
ore kirclien sancti severi ouch heimelichen des morgens fru recon-
ciliere, ab sie durch mancherleye heimeliche sunde were gewest ent-
wehrt, so were sie nu aller dinge ouch go wihet etc. Item der geselle,
der do gestochen was, der bleib lebennigk, snndern er lag sere lange
krangk, den ich zu feie maln wol gesehen habe; hec conradus stolle,
qui scripsit etc.
821. Von der grossen glocken1 gloriosa zu erffort
Als man schreib nach gotis geburt vierczenhundirt unnd soben U77
unnd sobenczigk jar uff den donnerstag sente coliax abint,2 goiss man
die grossen glocken zu unsir lieben frowen zu erffort, die hatt czwei-
hundirt czentener adir da bie, czwisschen den czweyen kirchen unser
lieben trowen unnd sancti severi. Unnd als man die glocken goyss,
noch mittage umme drye stunde, do begrub man den meister,3 der die
forme unnd ore unnd alle dingk gemacht hatte; er hatte ouch vor hin
lange gekrancket. Etliche sprochen, ome were vor geben von den
glockengissern zu erffort, die worn ome sere gram | umme siner kunst ▼
willen, unnd was nach eyn junger man, unnd er was von molhusen
keyn erffort geczogen, unnd liet uff sante severs kirchen bie deme
beinhuse be graben. Ich stnnt do bye, das man on begrub, unnd ouch,
do man die selben glocken goyss. Item der selbige meister hatt ouch
die grossen glocken zu sant sever gegosssen, genant osanna, unnd
ouch vier andore glocken do seibist. Der selbio meister, deme got
gnade, hatte fromde meistere zu sich gebeten, von sundershusen 1 unnd
northusen, die solden ome helffe den ofen lade unnd die forme in die
erden brenge; das taten sie; da starb er; da gosssen sie die glocken,
unnd gerid wol unnd ist eyn gute glocke, unnd hingen sie uff den
kirch hoft bie den driangel5 unnd luten sie alda wol bie czweien jarn,
biss das die torme widder gemacht worden, die danne sere vor brant worn.
" ammecht O mlid ambahte, St. 12 A. 8) hier = „Gottesdienst" ; barmlich
baruielieh — „zum Erbarmen, Erbarmen erregend"; umgelautet St.:i84 A Iii.
Uber diese Weihe ». H.Beyer, Kurz. Gesch. d. Stiftskirche B. Mar. Virg., M(iE VI,
8. 151 u. A. 41 auf S. 196.
821./ Über <len Glockengus« v.J. 1477 nowie i. .1. 1497 (s. u. St. 364 u. 365)
8. i. d. MGE: v. Tettau, Der Meister und die Kosten des Gns«es der grossen Pom-
glocke zu Erfurt, II, 1866, S. 1:57. 143 fl*. ; ferner H. Beyer in cbemJ. Mitteilung. VI
S. 151. 1 7. Aug. 1477. ' Meister Claus von Muhlhauaco. * Den UräH.
Schwarzburg. Büchnen meister Hermann au« Sonderahausen. **. H. Bever a.a.O.
S. 151. * = „Triangel'', das dreieckige Portal der Domkirche, *. II. Beyer a. a. O.
S. 151 u. A. 43a S. 196.
K. Stolle« Memoria»«. 25
Digitized by Google
386
322. bis 324. Stuck.
Von der grossen glocken zu sunt Sever.
1473 Item anno domini M°CCCC°LXXiri VII01 die mensis octobris, der
obgnante meister elaus, der die grossen glocken zu unser lieben
frowen gegossen hat, der selbie meister goyss eine grosse glocken bie
hundirt cendenern der kerchen sente Severs zu erflort, unde goyss die
in der stad zugotha; worumme? dio von erffort wolden nicht, das cyn
fremde meister solde glocken gisse in oror stad erffort; unnd die
sst glocke gerit wol unnd lutet also wol unnd lieblich, das is | alle man
vor wundirte, unnd horten sio gerne unnd fürten sie keyn erffort mit
XII pferden, unnd wart getoufft adir gebenediget unnd wart uff den
torm gehangen unnd wart gelutet zum ersten uff den heiigen crist
abent zu der vesper. Item die selbie glucke zubrach, do man sie
lntete uft der heiligen kindor tag, also lutet sie nicht lenger, wan drie
tilge. Item dor noch czoch der selbie glockenmeister in die stad zu
erffort unnd wart borger unnd goyss die glocken noch eins;* die gerit
ouch wol, alsy noch ist, genant osanna; das habe ich alles gesehen,
conradus stolie, vicarius saneti severi, der dits geschreben had.
Von quedelnborgk.
1477 Anno domini M° CCCC° LXXV1I, in der wochen noch sant jacobs
tage, czogen dio fursten von missen vor die stad quedelnborg, unnd
drungen sie, das sie sich ergaben, unnd dor eptisschen holde1 musten
unnd or gehorsam worden da seibist; die was der selbien hern swester.
unde die stete halbirstad nnnd asscherssleuben worden von on geschatezt
unime XVI tiisont gülden zu geben, un<le der bisschoff von halberstat
mit sinen rittern unnd knechten musten on ouch houldo thun, rede
v unnd gelobe nicht widder sie zu thune. |
>
$24. Von north ii sen.
1477 Anno domini M" t'CCC" LXX VII , quinta1 post assumpeionis marie,
goschavh disse geschieht in der stad northuson. Do quam cyn hofe-
;« Am Itanrtoder US von SU.IIoh IIaikI n»eh«: fecund« cnmuMia.
IVl'l. 1 Also bald nach dem grossen Urämie v. .1. 1472, in welchem mich die
Severi kirehe abbrannte.
Ifcltt. ' Mhd hnlden --- ind holden, swv. , ..huldigen". Unter der Äbtissin
Hedwig, Herzogin von Saehsen . 14.*>S— 1M1, entstand zwischen ihr und der
Bürgerschaft ein Streit, da letztere die Voglei (unter dem Schulz de« Bischofs
von Halberstadtl in Anspruch nahm. Der Äbtissin kamen d>re Brüder, die
Herzöge von Sachsen, Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht, zu Hilfe, denn die
Herzöge von Sachsen waren seit dem Knde des 14. Jahrhunderts erbliche Schutz-
herren des Stifts: sie erstürmten die Stadt, welche viele von ihren Privilegien
verlor. S. Hermann Lorenz, AlUjUe<llinburg (Neujahrsblätter, h. v. d. H ist. Koni,
d. Provinz Sachsen, No. 24i, 1!K)0, S.l! u "».
:V»4. ' Mittwtx-li den 20. August 1477.
Digitized by Google
325. Stück. 387
wert des von reynsteyn,2 unnd reten in die stad northuson bie schönem
tage vor mittage, der was by drissigk pferden; die sprochen, sie weren
frunde, unnd frageten dor nocli, ab der stad houbtraan do lieime were,
sie wolden mit ome eyn morgenbrot essen, unnd reten in die stad
unnd liesen ore pferdo be slahen. Da die beslaen worn, do quam das
geruchte in die stad, is were eyn hofowerga dar inne; do gingen die
luto dar, unnd das zu besene, ratismeister unnd ouch andere bürgere.
Do das hofewergk ore czit er sach, do reten sie ubir das volk unnd
slugen undir sie, unnd fingen czwene ratismeistere unnd czwolff
bürgere inwendig unnd ussewendig der stad unnd fürten die en wogk,
also das nymaut nach folgete; sie enkonden ouch nicht nach gefolge,
wanne sie hatten oren houbtman mit alle oren dienern unnd reysingem
geezuge gelegen1 eynem horn von honstein, der hatte sie dar uniine
gebeten, unnd hatte on go schreben, is wero eyn hofewergk vor handen,
er besorgite sich, das is uff on gethon were. Unnd man meynte, der
selbio von honsteyu hette das mete gewust, unnd were also mit be-
hendiekeit der stad zu bracht. Des nomen sich die von erffort mit
den von nortliusen an, unnd ritten herezogen Wilhelm | zu doringen an 2«
zu wvmar, der mit on in vortracht was, der brachte is dar zu, das sie
die gefangen musten ledigk unnd loss widder gebe.
32». Von der stad florentez1 in welschen landen.
Als man schreib noch gotis gehurt unsers hern vicrezenhundirt 1 '7s
unnd achte unnd sobonezigk jar, ist disse geschieht gescheen in welschen
landen zu florentez, unnd da von in die stete nurenberg unnd erftbrte
- Hofvorwalter der (.trafen von Rein- oder Regenstein (heute Ruine liei der
hrauuschweigisohen Stadt Blankenburg am Harz), welche ein uraltes und fehde-
lustiges Rittergcschlecht im Harze waren. ' S. St. 205 A.2G. * Mundartlich
(von lihen) ^= „geliehen''.
1 Die Verschwörung der Pazzi gegen dio Medici, sowie ilie Geschehnisse des
blutigen 20. April 1478, an welchem Tage »ie ausbrach und Giuliani > de Medici ermordet
wurde, hatte schon unter den Zeitgenossen ungeheuren Aufsehen erregt, und sie
ist von Angelo I'oliziano (1478, also bereit* im Vergeh wörungsjahre) und Macchiavelli
an uuzähligemal geschildert worden, zuletzt v. Hoyck, Die Medieeer (Monographien
zur Weltgeschichte), 1897, S. 8311*. Dio Zeitgenossen müssen sie sich, namentlich
solche, welche damals in Italien weilten, unmittelbar unter dem frischen Ein-
drucke jener verhängnisvollen Ereignisse geschildert haben. So erwähnt Stolle
Briefe nach Erfurt und Nürnberg (ein solcher war schon am 28. Mai 1478 dort
angekommen), aus denen er seine Nachrichten genommen hat, woraus sich
manche Wiederholungen erklären. Da er nun zwei von einander unabhängig«*
Berichte erwähut, uud von dem zweiten sagt, dass er in einem Briefe des Hans
Bucheler, wohnhaft zu Florenz, an den Meissner Bischof [Johannes V. von
Weisseubach j enthalten gewesen sei, so haben wir beide Berichte geschieden, sie
A und B genannt uud nach der Einleitung nacheinander abdrucken hissen :
A. Der Nürnberger Bericht: An montage urbani (S. 388) bis: gestossen unnd
erworget (S. 390). B. Der Meissner Bericht: Item es was ouch (S. 390) bis
zum Ende (S. 394). Dan Ganze hat dio Geltung einer Quelle, da es auf den
Aufzeichnungen von Augenzeugen beruht, welche es unmittelbar wiedergiebt.
Digitized by Google
388
825. Stück.
geschreben; von sulchen schritten ich conradus stolle ditcz al heer
colligert habe nnnd in myn moruorial ge schreben habe.
A. An montage urbani2 sint disse zithunge durch wäre schritt
unnd botschafft kegen norenberg komen. Item zu florencz sint czwey
gesiechte von alder her komen erbarkeit; eins ist genant medicis, das
andere peczi, die selbien czwei gesiechte danne allewege unnd alleczit
von aldir herkomen das regement unnd regalia gehabt unnd do seibist
regirt haben, unnd itczunt etliche jar die medici inne gohabit haben
unnd ouch ge regirt, des sie danne durch die peczi, in grosor abegunst
unnd nyde gewest sint. Nu haben die selben peczii, der danne vil
unnd meer ge west sint wann der andern, unnd hatten einen sulchen |
* anslag gemacht, das sie die medici mochten von deme leben zu deme
tode Brenge, unnd das in vil unnd mancherleie wege vorsucht hatten,
unnd doch mit fugen nye haben mögen vol enden, biss uff eine czit
korczlichen bie drien wochena gescheen, haben sie mit sampt deme
bisschoffe da selbest also beslossen eine kostliche malczit unnd collacien
zu haben, in des einen medici husse, unnd der brudere de medici was
czwene, die ich conradus stolle obgnant oucli dicke unnd wol ge seen
habe, do ich zu florencz unnd rome wonende was etc. Unnd des
solden etliche, die sie dann de pacii dar zu bestalt hatten, den medici
beiden go bruderen or leben nenien, die wile man also in der malczit3
sesoe. Xu sint die selbien czwo partige vor unnd ehir, dann sie zu
tissche gingen, sint sie allesampt zu der kirchen gegangen, unnd der
bisschoft1 hatte selber messe gehaldeu; do hatten die, die danne sulche
tad thun solden, undir on selbest an siege gemacht unnd eins worden,
sie wolden die czwene brudere de medici in der kirchen under der
messe zu tode slan; unde die wile das man das heilige sacramont hatte
gehaben, ist der eine medici, genant julianus, neben deme alter gekuyet,
ist der eine pecii selbest zu ome gekniffen unnd on mortlichen ge-
stochen, unnd zu vil maln gewundit unnd getötet; da ist einer siner |
medici diener zu gesprungen, unnd den selbien pecii nbir deme toten
medici ouch zu tode geslagen hatte,5 unnd die andern pecii0 viln ubir
' Die IIS hat hier eine LOcke.
v 25. Mai 1478. :| Diese Nachricht, ist in dieser Fassung falsch: nach einem
zweimaligen vereitelten Versuche der Pazzi, die Gehrüder lx>renzo und Giuliani)
de Medici während eines Gastmahl* zu ermorden , wurde der Anschlag für die
Tötung während des Gottesdienste« am 26. April 1478 gemacht. * Der neue
Erzbisehof von Pisa Francesco de' Salviati war gelbst Mitglied der Verschwörung;
seine Feindschaft schrieb sich daher, dass er von Mediceern nicht als Erzhischof
anerkannt wurde. & Falsch: Francesco dei Pazzi stürzte sich auf Giuliano de
Medici, welchen Rernardo di Handini Boroncelli niedergestossen hatte, und
durchbohrte ihn ebenfalls mit seinem Dolch; dabei aber stiess er so heftig, dass
er sich selbst schwer am Heine verwundete. '"' D. h. Anhänger der Pazzi; es
sind die 2 Priester Antonio MiUTei, (Geistlicher aus Voltcrru uud pä|>stlicher
»Schreiber, und Stefhino liagogni, ein Geistlicher, welcher in Jacopo dei Pazzis
Hause Tuterricht gab; ihnen war die Ermordung Loreuzos de Medici übertragen ;
sie konnten ihn aber nur am Halse verwunden, da er rasch sein Schwert zog,
Digitized by Google
325. Stück.
den andern medici bruder, der was stargk unnd werete sich, unnd
wart doch sore wunt, unnd also groser ufflouft undirenander, das der
starcke medici quam in deme grossen ufflouffto in das sacrarium unnd
slug die thor nach omo zu; unnd in deme ufflouffto bieben vil lute
tod unnd sere vorwundot, unnd wart vor seon, das der eine medici in
die sacristen (jiiani, unnd sie meynten alle, er were ouch tod. Unnd
der bisschoff7 hatto mit den sinen des ratis unnd der stad das palacium
in gonomen, unnd in sulchem uffloufifte hatte sich der eine medici in
der sacristen also vorburgen unnd was ouch sere wunt worden, biss
so lange, das das gethummere unnd uffloufft uss der kirehen komen
was. Xu was das in der stad er schulleu, unnd nymant hatto eygent-
lich gewust, was der uffloufft bedutet adir wo is her queme, undo der
gemeine man unnd das gemeine volk was in der medici huss unnd
hoff gelouffen, also zu orem ubirsteu Senatoren, zu lerne undo zu
er faren, was sie in don dingen thun solden , unnd funden des hern
nicht, sundern das geruchte was, er solde ouch tod sy, unnd also des
medici frowe erloubete alle sinen harnass unnd geezug zu nemen |
unnd zu der kirehen zu louffen unnd oren hern zu suchen. Deme v
toten die lute also, unde funden den einen medici, oren hern, tod, ge-
nant julianus, unnd funden den andern nicht, genant laurencius, unnd
wüsten on ouch nicht zu suchene, unnd uffenten mit gewalt die
sacristien unnd funden on noch an deme leben; des wurn sie sere
erfrowet; unnd das er sere wunt was, des er sehrocken sie sere unnd
fyolen ome zu fusse unnd begerten gnade, unnd erboten sich also
getruwe frome luthe allis, das er sie hiesse, das wolden sie gerne thun
williglichen ane alle widder rede. Do hatte er nicht mehir von on
begert, wann das sie on en heim in sin pallacium unnd huss beleyten,
das dann also von on getruwelich gescheen was; unnd also er mit
deme volke uff sinen hoff komen was, do was er iu innen worden,
das er des pallacium dos ratishuss unmochtig worden were, unnd hatte
da sich mit deme volke wol vorsonnen unnd sie vormant unde ge
heissen, das sie das pallacium widder gewynne unnd in nemen solden,
das hatte der bisschoff in genomen. Do hatto das volk abirmals also
die getruwen unnd gehorsamon lute gethon, unnd das pallacium mit
macht gewonnen, unnd den bisschoff unnd alle die, die mit ome dar
inne geweest worn, von stunt allinthalben zu den fenstern uss gehangon
unnd getötet hatten. Nu ist in dissen dingen der eyne pecii, jaeoff,* j
und seine Begleiter, Andrea und Lorenzo do Cavalcanti, Um so verteidigten,
dass er in die Sakristei (sacrarium) entkommen konnte. 7 Der Erzbischof von
Pisa drang in den Bargello (Palast der Si^noria, Residenz de« Podestä) ein, um die
Signoren zu verhaften ; allein diese ergriffen ihn und Hessen ihn am Fenstor-
kreuze aufhänjreu, später auch den verwundeten Francesco dei Pazzi, den mau
aus seinem Hause herbeigeschleppt hatte. * Jocopo dei Pazzi, der Oheim
Francescos dei Pazzi, der das Volk aufreizen sollte, aber keinen Erfolg hatte
und dann floh; auf der Flucht aber wurde er von den Gebirgsbewohnern er-
griffen und nach Florenz zunickgebracht, wo er 4 Tage spater ebenfalls auf-
gehängt wurde.
Digitized by Google
390
325. Stück.
«4 eyn ritter, uss der stad uff siner slossere eins gewichen, aber sie hatten
on widder er haben unnd in die stad bracht; unnd als man on also
gefenglich gefurt unnd gehalden hatte, do hatte man alle ding unnd
an siege genezlich von om erfarn, unnd on zu letczt ouch gericht mit
denie stränge; unnd als er am gerichte also gestanden was, do hatte on-
der henger vor mand, sich siner sunde lassen beruwen, ruwe unnd
Jeyde dar um nie zu haben als eyn cristen menscho thun sal etc. Also
hatte er nicht andirs da gcredt, wann disse wort hirnoch geschreben
unnd gesprochen: herre jacoff peezii, wo ist nu din grosses gut unnd
dine grosse sehetcze, do von du gote noch der weide wening gutes
gethon hast? wo ist nu dine grosso herlickeit? wo ist dine grosse
gewalt unnd homut unnd dine grosso ungetruwe vorneinunge? komet.
alle tufele in der helle, füret lieb unnd scle in die undirste abtgrunt
der helle! Unnd was also balde von der galgen loitten y gestosssen
unnd erworgot.
B. Item es was ouch in dissen geschienten gewest eyn cardinal,10
den selbien hatten man an gefangen unnd alle sine dienere gehangen;
abir er hatte der dingk keino gewust. Item in der selbien vorreterie
v sint gewest der koningk von neapolis,11 der herezoge von | ferrere,12
der grave von orbin ,lH der grave jorouinius de pnezii zu roma,1* der
bisschoff von pisa unnd das ganeze geslechto paez15 zu florencz, die
alle haben das tradiment ubir die fromen unnd eintrechtigen laurencium
unnd julianum de medicis an gericht, unnd got hatte des nicht wolle
vorhengen, unnd als die medici vorgnant uff den sontag noch sonte
jorgentage lf' anno ut supra, haben den kardinal, des bobistis frunt,
achezen jar alt, unnd den bisschoff von pisa haben in eren unnd rede-
lickeit, unnd in rechter fruntschaftt in oren hoff zu gaste gebeten unnd
alle or hofegesindo, gar in grosssen fruntlichen triumpho, sint sie zu
vor in die ki rohen zu sanete librata17 gegangen, unnd die medici worn
ouch beide in der kirchen, sie stunden abir nicht bic enander, unnd
also julianus nicht ferne von deme altere knyte, do man agnus dei1*
!' Mhd „leitcr, leitere"', stf.. — md „leite", swf., mundartlich. 10 Raflaclc
Iviario, Nelle des römischen (trafen (Jirolaino Riario, eines Verwandten des
Papstes Sixtus IV.; letzterer hatte den jungen Riario, 18 Jahre alt. zum Kardinal
erhoben, als derselbe auf der von Ix>renzo de Mediei in Pisa gegründeten Hoch-
schule Kirchenrecht studierte. Vom Erzbisehof Francesco de' Salviati wurde
der junge Kiario überredet, «ich in Florenz vorzustellen, und während seiner
Anwesenheit sollte der Mordplan ausgeführt werden. Er selbst war unschuldig,
wurde zwar verhaftet, aber dann wieder freigelassen. 11 Ferrante I., 1458 bis
1490. '-' Herkules I. von Este, Herzog von Ferrara, 1471—1505. 18 Die
(■trafen von Montcfeltre , Herren von Urbino, wurden i. J. 1474 vom Papste
Sixtus IV. zu Herzögen von Urbino unter näjwtlieher Hoheit erhoben; damals
herrschte Graf Foderigo. " Ein Zweig Oer Pazzi hatte sich in Rom nieder-
gelassen , wo sie Horb anquiers des Papstes waren. !i In Mechern» , Über-
setzung von Roseoe, Leben l^orenzo des Erlauchten, findet sieh ein Stammbaum
der Pazzi; s. Uu, (^schichte Italiens, IV, S. 8*:,. 1H 26. April 1478. 17 Fehler,
für Saneta Repa rata , wie früher der Dom von Florenz (jetzt: Santa Maria del
Kiorel genannt wurde. ls Das „agnus dei, qui tollis peeeata mundi" ist ein
(iebet in der Mes-. , im ordo missae vor der Konnnunion des Priesters.
Digitized by Google
320. Stuck.
3Ü1
sang, tutete sich bie on franciscus de pacz ritter unnd stach on tod;
des wart laurencius, julianus bruder, gewar, das sin bruder vil unud
starb, der lieff zu unnd sine f runde unud knechte unnd wunten den
franciscum ouch, abir er wart ge sehutezt, unnd slugen ufi laurencium
de inedieis, der wart gar sere geslagen, unnd das volk brachte on in
die sacristen, unnd was ein gross errethum in der kirchen, unnd man
konde bie einer stunde kume gelerne, was is vor eyn ding unnd eine
vorreterie were, | unnd bieben vil luto tod, unde inischere1«' jaeoff de *tb
pacz unnd ritter unnd sin cappellan, misscher Steffen, slugen uff lauren-
cium de raedicis; den schutezte eyn burger, der vil uffon unnd d rockte
on linder sich, der wart uff' omo er stechen; also brochte on das grosse
volk in die sacristen; du bie was eyn hoer dutezer, genant grosse hans,
der slug gar swinde uft' laurencium, unnd der selbie hans hatte vor in
der kirchen Vil menschen erworget, der wart do zu stucken gehowen
von deine volke, wann er wolde sich nicht gefangen gebe, unnd der
vorrethere knechte wom alle gocloidet als die Studenten, unnd des
cardinals capellan, der ome das cruezo vortrug, wart ouch crslagen,
unnd was do eyn gross jammer in der kirchen unnd in der stad
tlorencz; unnd in den geschienten quam der bissehoff von pisa unnd
nam das pallacium der stad in, unnd ersolde den potestaten er stochen
habe. Do wart ome der wegk undergangen, sundern der rittor, misscher
jaeoff* de pacz, der solde deine bisschoff'e zu hulffe komo, das pallacium
in zunemen. Do er vor das pallacium quam, do was also vil volks
vor deine pallacium, das er nicht konde dar zu kome, unnd floeh mit
sineiu volke, das er hatte, zum thore uss mit vierezig pferden unnd
LX fnss fönten,*'0 wann er hatte die slosssele zu der | pforten unnd»
(juam also da von; unnd an dem XXVJ1 tage aprilis hat man den
franciscum de pacz, ritter unnd gewaldiger richer man, bloss unnd
nacket uss dem pallas zu floreuez gehangen, der do julianum de medicis
hatte er mort in der kirchen, unnd noch sinem tode hatten sie on an
eyn ross gebunden, unnd in der stad florenez von g:isseu zu gassen
gesleifft, unnd die, die ome hatten gehulfcn er slahen julianum, die
hatten sie gefirteilt, unnd hatten eyn ferteil mit deine rechten arme
unnd ore houbt uff' stangen gestackt unnd in der stad umme ge furt
unnd ge sehregen palla,21 unnd die kindere no mondie stucke unnd
sleifl'ten sie in der stad umme. Dar nach uomen sie den bissehoff' von
pisa mit czwen brudein, unnd hingen die an das pallas zu florenez
unud hvewen sie dar nach zu kleinen stucken. Item man hatte ouch
vier bruder des ritters jaeofts von pacz gehangen, bie den fand man
l* Mundartlich für „nioasire" „Herr", Bezeichnung für Edclleute und
lindere höhrr gestellte Männer. V1> „vende", swni., „Kiial>e, .Junge" (aus lalein.
infaus), auch „FussaoldaC, hier besonders ,,I'uj*s feut" -= „Fusugäng^r". Vom
ital. jwdla — ,, Kugel"; die Kugeln waren im Wnpjien der Medieeer {» Heyck
a.a.O. S.Ii», aus der Kirche der Badia zu Klorenz). Das Volk schrie: vivano
le palle, palle; muojauo i traditori „e* leben die Kugelr ! Tod den Ver-
rätern !"
Digitized by Google
325. Stück.
stige leitteru mit stricken in oren busern, da niete sie wolden die
seidenere in die stad breugen unnd die stad zu gewinnen, uund in
oro haut zu antwerten. Item sie hatten ouch alle reverendarii, doctores,
capellani, stuterer,- unnd allis hof'egesiude des bisschoffs unnd cardiuals
gehangen, unnd was nicht gehangen wart, das wart doch sust erslagen.
*-« Alse hatten sie XI gesellen, des bisschoffs hofegesinde unde | frunde,
nacket unnd lebende uss deine pallas zu einem fenstere uss goworffen;
da stunden mehir wann seehss tuseut man gewopent in orem harnasch,
die fingen die gesellen in ore spiesse, das sie steckten; dar nach hiewen
sie die zu kleinen stucken, die nomen die kindere unnd sleiflten die
stucke in der stad umuie unnd riffen: viva palla, viva paüa. Das ist
der medici wopon ruff. Item dar nach in deine XXVni tage aprilis
hingen sie dritczen mechtige tlorentiner vor des potestaten pallas Ji
unnd süssen alle tage gerichte, unnd forsten nach den vorretern, wo
die verborgen logen; unnd was mau der or für, die hingen sie zu
oren eigen huseru uss, die in deme bunde worn. Item an deine
sclbicn tage holten sie misschere jacoff de pacz, den ritter, der gellohen
was, mit XI. pferden unnd LX schutezen fuss knechte; der was komen
XXVill welsche mile von florencz, unnd hette er nach VJ mile vordir
komen, so were er sicher gewost; den brachten sie gefangen mit
VII knechten, unnd wolden on henge; do bad er umme das swert, das
wart omo vor sagit, er muste hange. Also sprach er uffintlich:
ich habe myn gesiechte, wib unnd kindere, gut unnd ere vor
lorn; die sele wil ich deine tutile gebe. Also hingen sie on unnd
begruben on in des heiligen crucis kirchen21; da hattes also
▼ grusam gelebet des nachtes in der kirchcn umme | das grab, das
die monche wolden unsynnig werde; also gruben sio on weddir uss,
unnd gruben on ussewendig der stad muren; dar nach grub on
der stad soldenor uss unnd sleift'ten on in der stad dorch alle gassen,
unnd worffcn on in das wasser. Item den cardinal fingen sie unnd
nomen ome alle sine gülden, golt, silber, pferde unnd harnasch, was
or dos hatte, unnd hingen allo sine roverendarii , doctores, cappellani,
einen abbrevintorem literarum apostolicarum ,SÄ stuterer, credencerer,
marstaller, stalknechte; unnd was nicht gehangen wart, ist allis er-
slagen. Item sie hatten ouch dem comiti jeronimo de pacz20 hundirt
Übersetzung von marsehal (»der Stallmeister," denn Stotarius i*t (nach
Hrinckmeier, glossariutn diplomat. ». v.) „Aufseber in der Stuterer' (stota = Pferde-
stall). ri Das Bargello in Florenz. 21 D.i. die Kirche Santa Croce, in deren
Kreuzgang sich die capella Pazzi befand und noeb l)efiridet, eine der anmutigsten
Schöpfungen der Frührcnaissance , von Brunellesco i. J. 1420 erbaut. 24 (Je-
wöbnlich imbreviator genannt. Koncipist, d.i. derjenige, welcher die erste Nieder-
schrift besorgt, nach dem heutigen Sprachgebrauch : „päpstlicher (tehcimsekret«r";
»•in solcher ist wohl auch der bald genannte ineister (magister) Walther. Diese
Beamten der päpstlichen Kanzlei schildert Piatina. Vita Pauli II, als ein
Kollegium der trefflichsten, gelehrtesten Leute: „da waren die erfahrensten
Juristen, da waren Redner und Dichter, welche der Kurie ebensoviel Glanz ver-
liehen, als sie von ihr empfiengeu." S. ob. A. 14; über die anderen Pazzi
s. auch die ob. A. 15 erwähnte Stammtafel der Fazzi.
Digitized by Google
325. Stück. 393
tusent ducaten in der wecbsol bangk genomen. Item is wart oueh ge-
fangen ratiea de pacz, ritter, unnd czwene antonio de pacz, allis ge-
fangen unud gehangen. Item wilhelmus de pacz-7 was laurencius de
medicis swager, unud der wüste nicht umme das tradiment nach von
den sachen, unnd andere mehir; yo doch so musten sie alle gefangen
unnd gehangen werden. Item unnd were der laurencius de medicis
erwürget unnd gestorben so weren ubir X tusent menschen in der
stad er slagen worden, also grosse vor rcterie hatten die paczi an geriebt;
unnd der grave jeroniinus, der quam keyn klein tlorencz mit grossem
volke zu rosse unnd zu fusse, die soldeu alle zu deine tradiment in
die stad kome, unnd betten | danne die stad genotiget. Item des
babists diener, meister walthait, wart zu scarparia-s gefangen unnd
keyn tlorencz gefurt, unnd czogen on uss unnd brochen orae alle sine
brefe ufl; dar inno fand man den grünt der sache. Item die von
tlorencz hatten oueh lassen gebieten arm unde rieh, wer den minien
der pacz nennete in ciagewisse, der solde das leben vor lern habe.
Item die wibe unnd kindere der paeze gesiechte sint alle worden ge-
fangen unnd sulden dar inne gefencklich bliben hiss an or ende, unnd
dar inno sterben, also das sie alle tod unnd getilget worden zu ewigen
geeziten. Item die von tlorencz hatten oueh vil der vorretere lasen
cordiln, das ist, or hereze lassen uss orem liebe snvton, unnd uff stehe
gestackt, unnd dio laurencio de medicis an sin angesichte bracht, uff
das oro bossheit worde uss ge breitet, wie ore falsche vorrettersche hereze
sulehis fromes getruwes unnd eintrechtigis ge siechte de medicis iu den
tod vor raten hatten, die danne alle tage mehir wann dry hundert
arme menschen Hessen spissen, unnd stillten vil pfrunde, ehor hern,
thumhern pfrunde, clostere, Kirchen, Capellen, unnd gruss gut umme
gotis willen geben unnd vil gutis toten. Item dio von tlorencz hatten
oueh einen gardian2y mit funffezen I monchen lassen hengen, die worn v
oueh in der vorreterie gewest. Item die von tlorencz hatten oueh
ernstlichen lassen gebieten, also wid or laut beruren ist, alle, die da
haben ducaten, gülden, grosschen adir munteze, dar uff das gemercke
unnd czeichen des gesleehtes de pacz stohit, das sint czwene fische,
unnd alle munteze, die sie haben lasen slahen, dio Salden sie bie
czweien mandon alle keyn tlorencz breiigen, darumme wolden sie on
gnugsam thun unnd andere munteze geben unnd wechsele pflege, uff
das die selbio munteze gancz solde getilget werde unnd zu ewigen
geeziten nummer mehir genomen nach genant werde. Item die von
tlorencz haben graven jeronimo de pacz genomen allis silbern getissse,
das er deme kardinal gelihen hatte, unnd dar zu alle sin gut unnd
habe, unnd die vorreterie unnd tradiment ist wordon an geslagen in
" (Juglielmo dei Pazzi war vermählt mit Bianca de Mediei, Tochter Pietms
und Schwester Lorenzos und (liulianos de Medici. 38 Scarneria, Gemeinde im
Distrikt und in der Provinz Florenz. 73 „Guardian'' Wessen ursprünglich die
Vorsteher (put er superinr) der Franziskanerklöster, dann auch der Klöster der
Minoriten und Kapuziner.
Digitized by Google
394
326. Stück.
oren herczon vor drien jarn unnd an gefangen, unnd hat sich in dissem
1478 jaro aller erst uss gewist anno domini 11° CCCC° LX XVIII0, XXVl die
meusis aprilis [secunda feria]:{0 prima die post marci ewangeliste [sie |,
unnd das hatte haus bueheler, cyu inwoner zu florenez, dem ebisschofle
von missen ^cschreben.
320. Hir noch folget eine grosse ezweitracht,
krigk iuuhI hatfder czwissclieii den von erffort nnnd
deine bisschoffe zu mentez nnnd den hern zu missen
unnd dornigen, ge selieen in mynen geeziten, genant
er eonrad stolle, eyn viearier zu sant Sever zu erffort,
der ditezs ge selireben liad.1 I
**» Von denie bisschoffe zu mentez unnd der stad erffort.
Als man schreib nach gotis gebort vierezeuhundert unnd sechss
1I<<> unnd sobenezigk jar, nativitatis marie, starb der bisschoff zu mencz,
adolfus von nassaw,2 der was gar eyn fromer man, unnd hilts gar
gutlichen mit der stad erffort, wann er wass gar vi I jar eyn provisor3
gewest uff deme eissfelde, unnd was vil zu erffort, die wiele er eyn
provisor was. Item noch ome wart zu bisschoffe gekorn grave diether
von isenbergk,1 der vor XVIII jarn ouch was bisschoff zu meuez
gewost, unnd wart aller dinge abe gesatezt von deme babisle pio unnd
ouch deme capittel do selbest zu menez. Unnd do der gnaute bisschoff
a" Die Wurte „secunda feria" haben wir im Texte eingeklammert, weil sie
unverständlich nind. Per Tag des St. Marcus evangelista war der 25. April,
i. .1. 147S ein Sonnal>end , der berüchtigte 26. April 1478 war alno der darauf-
folgende Bonntag.
32<i. 1 Die hier erzählten Wirren zwischen Erfurt und den» Erzbischofe
Dicther von Mainz, 1470 - 14H0, sind (mit Ausnahme der kurzen Darstellung bei
v. Tcttau, Das Staatsrecht!. Verhältnis v. Erfurt z. Erzstift Mainz, JAE, N. F. I,
IW50, S.lloll'., und ('. Weyer, (icHchichte der Stadt Erfurt, 1893. S. 32 ff.) noch
nicht wissenschaftlich behandelt worden; s. sonst v. Falckenstein , Civitatis Er-
furtensis histor. crit. et diplom., 1730, S. 344tf. Die in grosser Zahl vorhandenen,
mit Ausnahme der Anschläge des Erzbisehofs und des Rates - über diese
s. St. 327 A. 1 u. St. 328 A. I — noch ungedruckten Urkunden wird der in Vor-
bereitung begriffene Iii. Hand des UE bringen. Stolle giebt nur Unvollständiges.
Am (>. September 1475. Über ihu und den Streit mit Diether von Isenburg
n.K. Menzel, Diether von Isenburg, Erzbischof von Mainz, 1459—1463, 1868.
Adolf war vom Papste Pius II. am 21. August 1461 zum Erzbisehof ernannt
worden. 8 Also zum Statthalter, s Menzel a.a.O. S. 151, u. A 2 daselbst; die
Bestallungsnrkunde d. d. Ohnen dinstag noch divis. apostol. (= 17. Juli) 1459.
Auch in Erfurt hatte der Erzbischof einen provisor ( procura tor alodii, an Stelle
des früher erblichen Vi/.thiims, näheres s. bei C. Iteyer, Die Entstehung des
Knies der Stadt Erfurt im Mittelalter, Programm der Realschule z. Erfurt, 1892,
S. 17). Die einzelnen zählt V. P»e\er i. UE, Pegister Rd. I pag. 488 u. Rd. II
pag. 892 auf. 4 Zum erstenmal gewählt i. .1.1459, abgesetzt von Papst Pius II.
am 21. Aupust 1161, kämpft gegen Adolf von Nassau, entsagt aber durch Ver-
trag vom 5. Oktober 14ü3. zum zweitenmal gewählt am 9. November 1475, stirbt
am 7. Mai 1482.
Digitized by Google
326. Stück. 895
adolff nu gestorben was, do machte das cnpittol dissen selbien diethe-
rum widder zu einem bissohoff, deine bisthum zu gute, wann er hatte
noch vile stete, slosserc unnd czolle inne,6 die alle zu deine bisthum
geborten. Er hatte euch zu der vergangen czit das stifft zu mencz in
grossen unrad bracht, unnd man meinte, er solde das stiftt nu widder
brenge in rad. Er hatte ouch die bergk Strasse vor satezt dorne pfalcz-
graven'' otc. Unnd als er nu bestetigit wart, do schickte er sinen
bruder, junckir johann von isenbergk,'' keyn erflbrte, er ebirhart von
clleuben, oyn thumherre zu fresslar,8 unnd einen schriber ewalt wymar;
dio lagen wol eyn firteil jars zu erfl'ort, unde roten alle wochen umme
die stad uff den graben hon unnd her, unnd besahen unnd lerten9 vil
der gewonheit zu erflorte, unnd der | worden sie ouch underwist von ▼
vil luthen der gefrund,10 unnd ouch gemeyne.10 Es was ouch eyn
boubtmau zu erftort zu der czit gnant er ditterich von harras, der wass
im lande zu missen da heime, unnd den fursten zu missen, herezogen
ernste unnd herezogen albrecht; der selbie houbtman was tegolich bio
den von mencz in deine hofe,11 unnd do was eyn vitezthum, gnant
gunther bogk,1'- der was ein geborn burger» zu erfl'ort, unnd was vor-
geeziten eyn ratismeister gewest, der wüste vil der stad erftort gewon-
lieit, unnd von den lernten die menezschin vil dingis. Unnd do sie
wol eyn ferteil jars zu erflbrte gelegen unnd gelernt hatten, was <"m n
noyd was, do werben11 sie vor eym rad zu erfl'ort etwas zu werben,"
* HS: ln.«or.
r' „Höchst, Steinheim uutl Dieburg mit ihren Zubehöruugen , und mit aller
Obrigkeit, Herrlichkeit, geistlichen und weltlichen liehen" (s. Vertrag vom
5. Oktober 1463, Menzel a. a. O. S. 214). " Mit Friedrieh von der Pfalz sehloss
Diether am 19. November 1461 den Vertrag zu Weinheini . in welchem ihm die
„Bergstraße" mit den Städten Starkenburg, Hepj>cuhcim, Bcushcim und Mörlen-
bach u. a. verschrieben wurde; in diesem Besitze behauptete »ich der Pfalzgral'
im endgiltigen Frieden i. J. 1403, s. Menzel a.a.O. S. 16H u. 220. 7 Diether
stammte aus dem Hause der edlen Herren von Isenburg, welche in dcrWetterau
reiche Besitzungen hatten: 1 Methers gleichnamiger Vater regierte die Herrschaft
Büdingen, welche Kaiser Friedrich III. i.J.1412 zur Reichsgrafschaft erhob; von
seiner Gemahlin Elisabeth, (iräfin von Solms, hatte er eine stattliche Reihe Söhne:
hier wird neben Diether Johann erwähnt |s. auch Menzel a. a. O. S. 18;. * Fritzlar.
" Eine der nicht seltenen Stellen, au welchen, wie schon in der ganzen mhd. Zeit
(s. die Ijcxika), die beiden Verba , .lernen'' und „lehren" miteinander verwechselt
werden, wie es uoch heute im Volksmunde geschieht. 10 Es gab also Mit-
glieder sowohl der edlen Geschlechter (der alten Ministerialen), sowie in der im
Gegensatz zu ihnen stehenden grossen Menge der sonstigen Bürger, namentlich
der Zünfte, Leute, welche es mit Mainz hielten. 11 Mainzerhof. '•' Vgl. Gudenus,
bist. Erf. i». 130 ; Härtung Kammerineister, h. v. Reiche. S. 73 n. A. 1. Bogk ist ein
angesehener Erfurter Bürger; er kauft 14V> einen Teil der Erfurter Stadtgräben vom
Rate; 1401 — 1470 ist er mich den Erkunden mainzischer Vizthum = Viecdominus
(s. SammelUind des Georg Balthasar von Millwitz im Stadtarchiv zu Erfurt).
1:1 In diesem Stücke, wie in St. 327 u. 328 finden wir umgelautete Formen des
pron. personal. III. Person wie des von ihm abgeleiteten Possessivpronomens,
welche sonst nicht vorkommen: i'une, ön, ör, öre, örem, ören u.a. " „werben",
Mtv., intransitiv -= „sich bemühen ', trans.^ „ausrichten", also hier: „sie bemühten
sich, etwas auszurichten, sie baten um Erlaubnis, etwas vor dem Rate vortragen
zu dürfen".
Digitized by Google
396 326. Stück.
das erlich were von örom hern von mencz wegen. Da schickte der
rad zu ön vier uss deme rate zu vorhoren ör gewerb; do woldeu sie
nicht vorczclen ör gewerb, sundirn sie wolden seibist vor den rad.
Der rad werte sich lange, wann es was nicht öro gewonheit, sulcho
luthe in ören rad vor sio zu geene, sundern er uss zu senden. Sie
wolden ye vor den rad, unnd als mau sie en in Hess, do vorczalte der
ewalt wyraar czwey adir drie artikel, unnd czoich dar nach eine
eziddele15 er uss, die liilt XVJ1I artickel, wie die von erflorte unrede-
licb teten widder ören hern von mencz, unnd eoich sich vaste zu
czwey tracht zu machen in der stad. Der rad was des nicht wol zu
freden, sundern sie sprechen, sio wern uff sulche artickel I zu ant-
worten nicht bedacht, sundern das sio ön eine copien der sache Hessen,
so wolden sie ön dar uff antwerte. Unnd dar uff taten die von erffort
öre antwart, unnd beslossen sie mit örer eigen clage, das sie unrede-
lich bericht worden. Also czogen die von mencz hin weg, unde
schütten dar nach, das der bisschoff von mencz sine ampte uff deme
eissfelde bostellon sohle. Do was einer von swarezpurg eyn provisor.
gnant grave hoinrich, den drang der bisschoff mit gewalt von deme
provisor ampt, unnd der houbtmau von erffort. er ditterich von harras
gnant, der brachte den bisschoff von mencz den hern von misson zu
künde; die hatten vil geldes, wann der sneberg16 zu czwickaw gab
grross gut. Item er eberhart von elleuben unnd der houbtman von
erffort roten dar czwisschin unnd hrachtens dar zu, das eyn junger
horre von missen, gnant herezoge albrecht,17 bye IX jarn alt, horezogen
ernstes son, des korforsten, eyn thumherre zu mencz wart, unnd koufften
oucli eine vortorben grave schafft, das der selbie junge horre ouch eyn
rin gravo syn sohle, uff den slag, das er mochte eyn provisor werde
uff deme eissfelde unnd zu erfforte in domo hofe, unnd hir nach eyn
bisschoff zu mencz. Der bisschoff zu mencz schreib den von erfforte,
her woldo sine ampt bestelle, unnd bette zu einem provisor gemacht
unnd gesatezt herezogen ernst son von missen in sinem fürstlichen
hofe zu erffort, unnd begerte, das man den wolde dar in losse, unnd
roohonunge von den amptluten zu nemen, unnd vordir den hoff zu
v bestellen. Die von erfforte vornomen | die schrifft des bisschoffis, das
er den hoff zu erffort, gnant allodiura, eyn für werg, vor eynen fursten
hoft lialde, den die von erffort ubir soben jar eins stormen, unnd ouch
ön czinssbar unnd schossbar ist, unnd nomen zu der selbien czit den
selbien hoff selbir in unnd bestalten den, das dar in nymant czehon
sohle ano oren willen; unnd die von erfforte meynten ouch, is wer©
'•*• Mhd zedcle = nid eziddele, abweichend vom heutigen Sprachgehrauch
*tf., au.s lat. schedula. "! Die Bergt»tadt Schneeberg im Königreich Sachsen,
KroisIiauptmann.Hehaft Zwickau, bekannt durch ihre Silberbergwerke, an welchen
viele reiche Erfurter Bürger Anteil hatten. " Der 2. Sohn de» Kurfürsten
Ernst des Sanftmütigen, geb. am 17. Dezember 1464. Die unten genannten
Kürslen von Meissen sind also Kurfürst Ernst und »ein Bruder Albrecht.
S auch Xicoüius von Siegen, chron. eccl. pag. 464 u. 465.
Digitized by Google
826. Stück
307
noch nye keyn furste eyn provisor gowest, unnd sie wolden ouch
nicht, das sie der bisschofi' also mit solchen amptluten ubir setczcn
solde, unnd befoln ören thor Worten, nymandes in zu lassen, der in
den hoff riten wolde. Unnd der bisschoff von mencz, gnant dieterus,
begunste die stad erflort vaste zu ubirschriben unnd ubir sie clagcn
den fursten zu missen. Die fursten von missen nomen sich des sere
an unnd worden czorning, dar um nie das die von erffort nicht wolden
zu lasse, das ör son eyn provisor mochte werde, unnd schieben deme
rate zu erfforte dar um nie, unnd meynten, is were ön einer grosser
hun unnd schände. Der rad zu erfforte wolde dar in nicht willige
unnd besorgiten sich ouch, das ön nicht geschege als den von halle, lH
unnd meynten zu Vorsorgen öre stad erffort, wann die fursten gingen
mit hinderlisten urame Item die fursten sehreben ouch den hant-
wetgen unnd czunflten zu erflort grosse unnd vil brefle unde clagiten
ubir den rad, unnd meynten, die czunftte wüsten nicht dar von, was
eyn rad tete, unnd wolden errethum mache in der stad erffort. Item
die hantwerge zu erffort schreben den fursten | widder nach willen des no
rats, wanne die hantwerge hatten alle öre brefe alles zu gesigilt deme rate
geantwart. Unnd die antwart lutet also: sie netten deme rate alsogehuldet
unnd gelobet, was die teten unnd vor das beste eikenten uff öre eide,
das wolden sie vorvolge unnd helffen vor teydingen mit liebe unnd mit
gute. Do hatten die selbien fursten deme bisschoffe zu mencz gross
gelt gelegen uff" das eissfelt, unnd hatten Öme des gereyte zu fulda be-
czaltXXXU tusent gülden, unnd der bisschoff satezte herezogen albrecht
zu einem provisor uff deme eissfelde zu rusteuberg, tudirstat unnd
heilgenstat, das nam er in, unnd satezte eynen russin von greutcz l!l
keyn rusteberg. Der noch alzuhant vaste der bisschoff die von erffort
an zu notigen unnd gefrunte sich zu den furston zu missen zu widder
drisse der stad erffort, unnd uieynte also, wass er nicht zu künde
breiige noch vormochte, das sulden öme die fursten helffen, in der
meynunge, das er meynte, die von erffort zu betwingen unnd eygen zu
machen. Unnd als die von erflort nu marckten, was der bisschoff unnd
die fursten gemeynt worn, do appellirten unnd beriffen sich widder den
bisschoff an unsern heiigesten vater, den babist, unnd schickten keyn
,N Kurfürst Ernsts 3. Sohn Ernst (geb. am 26. Septbr. 1466) war zum Erz-
bischof von Milseburg am 8. Januar 1476 gewählt worden. Das letzte Werk
Reines Vorgängers Johann von Bayern, Pfalzgrat bei Rhein (1464—1475), war ge-
wesen, die Streitigkeiten zwischen Rat und Pfannerschaft (Besitzer der Thal- oder
Salzgüter zu Halle) beizulegen. Da die Stadt Halle unentgeltliche Belehnung ver-
langte, auch mit der Huldigung Schwierigkeiten machte, so benutzte Er/bisehot
Ernst, auf Rat und Veranlassung seines Vaters, des Kurfürsten Emst, die Ge-
legenheit, die erzbischöfliche Gewalt weiter auszudehnen und den Freiheiten der
Stadt ein Ende zu bereiten : er griff*, als die Volkspartci im September 1478 einen
Aufstand gegen die vornehmen Geschlechter der Pfänner machte, ein, bestrafte
die Streitenden und gab i. J. 1479 eine neue Ordnung des Stad tregi inen ts, in
welcher die Freiheiten der Stadt sehr verkürzt wurden. Reusnen von Greiz,
d.i. einer der Vögte, der Reusse von Plauen, der in Greiz sass und sich danach
nannte, s. St. 210 A. (5.
Digitized by Google
39«
32**. Stück.
rome ören srad sehriber doctorem hormanuum steinbergk 2°, eyn tcchant
zu sant sever zu erffort; der lag wol eyn halb jar zu rome, unnd die
sache wart en pfalen eynie cardinal tituli sancti niarci.21 Der bisschoft
hatte ouch sine ambasiatores 22 zu rome. Herczoge ernst, des jungen
v bissehoffes vater, eoich oucli koyn rome kost lieh unnd nam vil wisse
pferde mit, zu vorscheneken die zu rome den cardinaln, unnd meynte
villiehto zu erwerben, das sin son eyn bisschoft zu mencz solde werde,
eyn knabe ron czehen jarn, adir eyn provisor, unnd eyn gubernator
• des stifftis zu mencz. Die von erfforte weiten das, so best sie konden,
unnd schiften sich'-'-1 dar nach in orer stad mit soldonern unnd mit
geschuteze unnd mit oren burgern, also das sie bio acht adir IX tusent
schutezen hatten mit buchssen unnd armbrusten, unnd warnten sich21
das beste sie konden, wann sie wolden keinen fursten zu einem ampt-
manne habe, wann is was vor nye gewest, is sohle ouch vorder nicht
gescheen ; unnd widdor solche beswerunge hatten sie appellirt unnd
wolden des wortende syn, unnd das zu rechte mit orem bisschoffe uss
trage. Sie hatten ouch mit den fursten zu missen ouch nichts zu
schicken; wolden die fursten sie dar ubir Schede,-' were on nicht lip,
doch musten sie sich des schutezen, so best sie konden, unnd hilden
siel» an herezogen Wilhelmen in doringen zu wimar gesessen, der
was der fursten von missen vettere, oris vater bruder, unnd wann der
gostorbe, so worde das land zu doringen den hern zu missen. Item
die von erfforte bestalten koyn rome unnd Hasen on erwerbe, das sie
das olostor zu sant eiliax 27 bio deme bruler thore mochten abo breche
•° Vgl. Härtung Kammermeister, h. v. Reiche, 8. 194 n. A. 1; dort wird er
protonotarius und doetor juris utriusqne gennnnt. Er stammte aus Duderstadt
iiml wurde in Erfurt inseribiert Michaeli* 1444. um Jura zu studieren; sein
Studium setzte er in Leipzig fort, wo er i. .1. 1457 als juris utriusque doctor
Rektor war; Michaelis 14»54 bis Ostern 1405 war er Rektor in Erfurt und pro-
tonotarius der Stadt, auch Canonieus zu St. Sever, später auch Canonici» von
Beat. Maria Virg. ; als Decan der juristischen Fakultät wird er 1471, 1474 u. 1481
erwähnt; s. Akten <ler Universität Erfurt v. Weissenborn, I, S. 201. 209.305.
Zu den 2S presbiteri cardinales (Kardinalpriester] gehört als 20. der Rresbiter
Cardinnlis tit tili sancti Marci, d.h. der Kirche San Alareo in Rom (au der Piazza
di Venczia), deren erster Hau an der Via lata nahe beim Circus Flaminius schon
ins I. .lahrh. gesetzt wird; vielleicht ist der hier bezeichnete Kardinal Erzbischof
Capranica. " Verderbt aus italien. ambassiatorc = fr/s. ambassadeur =^ „(U~
sandter, Botschafter." •* „sich anschicken", ,.sieh rüsten". '-' ™ „warten sich"
„wehrten, verteidigten sich"; die Nasalierung ist mundartlich. !"' Per Umlaut
mundartlich, = „schaden;" sonst findet sich Umlaut nur in schedigen von
schadegen „schädigen". S. St. 198 A. 1 und noch öfters. ■' Es war be-
sonders seit der Belagerung i. .1. 1875 hervorgetreten, das« in dem seit dem Jahre
112" extra muros auf den Cyriaksberg verlegten Jungfrauen-Kloster St. Cyriaci
sich die die Stadt belagernden Feinde festsetzen und dieselbe von da aus arg
schädigen könnten. Da nun der Rat in Besorgnis eines Krieges mit den sächsischen
Fürsten war, die von der Höhe des Berges aus die ganze Stadt zusammen-
schicssen konnten, verlegte er mit päpstlicher und kaiserlicher (ieuehmigung das
Kloster 14S0 in die Stadt, neben dio Andreaskirche; zunächst bezogen allerdings
die Nonnen das Hospital im Brühl (die Klcndenherberge), da erst zu Weih-
nachten HH2 der Neubau au der Andreaskirche fertig wurde (s. (\ Beyer, Zur
Digitized by Google
326. Stuck.
309
unnd eino borg dar uss zu machen, unnd erworben ouch am2S keyser;
der gab on die stad unnd den bergk', das sio eine borgk dar uff
buweten. Das taten sie als balde, unnd das verdroiss sere dio fursteu |
von missen unnd den bisseboff, unnd kondens doch nicht gewere. Sie
hetten ouch gerne gesehen, das der fursto, herezoge Wilhelm, hette ge-
weret; der woldo des nicht thun, unnd künde is ouch nicht gethun, ei-
nniste vor hin or fient worden sin, so hetten die von erffort alle sin
land vor terbet unnd hetten gliche wol gebuwet. Item die fursten von
missen lissen uff die von erffort in orom lande placken,21' wo die lute
u ft die jarmartho czogen lipez unnd halle etc. unnd schickten bossc
bufen dar zu. Itom sie lissen ouch den von erfforte oren teyl uff dorne
sneberge nemen oynen, gnant wilhelm von allenblumen,"1 der was eyn
burger zu erffort gewest. Sio wolden is nicht thun, sundern sie
schickten, das is geschach, - unnd was eine winderlicho geschieht,
sundern dor fursto in doringen, horezoge wilhelm, hilts mit der stad
erffort. Item die stad erfforte hatte czwene man, einer genant hans
bogk,:" eyn ratismeister, der andere ditterich brampach, '- eyn vier man
unnd eyn tockeman unnd eyn statschriber, gnant doctor herman
steynberg, eyn techant zu sant sever, unnd eyn kenczeler, gnant ber-
toldus bobenczen;;U die vier manne worn herliche manhafftige menre
unnd erbetsam,!ir' wisse unnd vornunfftig; die worn dor stad erffort
Geschichte der Hospitäler... in Erfurt, i. d. M(iE, XIX, 189*,S. 156). An der
Stelle des Klosters wurde eino Rurg angelegt, welche als CyriaksUirg bis zur
Entfestigung Erfurt« i. J.1S72 ein Hauptstützpunkt ..der Hefeatigung und nchen
dem Petersberg eine 2. C'itadelle gehliehen ist. Über die Verlegung s. auch
Nicolaus v. Siegen, chnm. eccl. pag. 4n6 sqq. s „erwerben an jem." — von jem.
-= d. h. bei jemand etwas ausrichten, z. ü. Erlaubnis erlangen von jem., wie üier.
Nd — mhd plagen, hier „Verfolgung durch Strassen räuber nnbefenlen'-, denn ein
placker ist „Strasseuräuber"; placken schon oben S. 2^i7 , jiochen ist synonym
(s. S. 259). :'° Derselbe, welcher in der Vilzlhunisehen Fehde bei Capellen -
dorf entsprang, s. ob. St. 215 A. 4. Er war von Erfurt nach Leipzig gezogen
(s. St. 349 A. :i) und klagt gegen den Rat von Erfurt wegen Sömmerda, das
sein Vater Johann von Allenblumen vom Rate, gepachtet hatte. Zur Sicherung
seiner Ansprüche veranlassten ihn die sächsischen Fürsten Kösching auf dieAn-
teile der Erfurter Bürger an dem Schneebeiger Silberbergwerk zu legen. Über
die Allenblumen u. i. bes. über Wilhelms v. Allenblumen Vorgehen gegen Erfurt
8. Zacke, Das Totenbuch des Dominikanerklosters und die Predigerkirche zu
Erfurt, JAK II, S. 70. " .Seit 1476 sass er fast ununterbrochen im Rate, 1481
war er Olwrsteratsmeistor und gehörte zu den octoviri (s. A. 33); über ihn siehe
St. 345 a. E. 12 Er war wiederholt Mitglied des Rates und 1483 Viorherr.
™ Die tockeherren (sgl. tockeman) war ein geheimer Ausschuss des Rates* das
Wort ist erst seit Ende des 15. Jahrh. nachweisbar, bisher nicht erklärt; C licycr
hält es (nach mündlicher Mitteilung) für eine Verstümmelung von octoviri, da
diese im Rats-Trausitus (Verzeichnis der Ratsmitglieder) erwähnt werden. "Nach
Reiche, Härtung Kammermeister, 8.195 (,i.d Anm.) i. J. 1402 Syndikus der Stadt
Erfurt (s. Magd. Archiv, Erf. A VII 57 u. 5S); er gieng dann in die Niederlande
(ungewiss, wann); dann rief ihn der Rat zurück, und nun nahm er die
Vokation als Syndikus der Stadt Erfurt definitiv an; i. J. 1514 wurde er, an-
geblich wegen Hochverrats, geviertcilt (s. Erphurdiauus Antiquitatum Vardoquus,
s. MSG II, nag. 523 sqq.) '' Mundartlich für „arbeitsam"; der Umlaut ist bei
arbeit = erbett nachzuweisen, sonst aber beim Adjektivum ,,arbeiteaui" nicht.
Digitized by Google
400
327. Stuck.
sere nutcze in den Sachen; die reten, füren unnd czogen zu den
fursten steten hen unde beer unnd regirten dio sache, unnd der
schriber bertoldus schreib unnd satczte3'*' alle or vornemende sache,
unnd was ein behender man ; dar zu halff der doctor etc., unnd das
v volk was den hern gehorsam unnd wol ge wegen, unnd worn vele rede-
liehe manne. Sie furchten ouch nicht widder bisschofl nach fursten
unnd toten also frome lute bie der stad. Der bisschoff hette öme gerne
erffort eygen gemacht; er schreib ön ouch in czuritene zu erffort, abir
er wolde ön öre fryheit nicht zu geben nach vor sigele, sundern hette
er sich gutlichen mit ön vortragen unnd öre fryheit vorsigelt gegeben,
so hetten sie ön gerne lassen in rite, abir einen provisor zu machen
mit den fursten wolden sie nicht, wann es was nye mehir gewest.
Item do er den von erffort nicht konde an gehabo, do liss er vile brefe
drucke,37 darin ne liss er berure alle syne ubirkeit unnd recht, die er
meynte zu haben zu erffort in der stat, unnd Hess die brefe an slaen
in vil landen unnd steten, unnd meynte domete erffort zu gewynnen
unnd zu bedrauwen; is was aber in als der wint, der do ubir hin
wehite. Item dar kein lissen die von erffort öre ubirkeit, die sie in
der stad haben, ouch vil brefe drucke unnd schriben, unnd lissen die
ouch in den landen unnd steten an slnbcn,3* der excerpta* hir korcz
nach folgen, unnd gescheen ist, als man schreib nach cristus geburt
148(» vierezenhundirt unnd achezigk jar.
327. Unde zum ersten des bisselioffes ubirkeit
Das ist geezogen uss den breffen, die unser herre von mencz1 hat
ciagewisse lassen an slahen widder die von orffort korcz geschreben,
saa unnd zum ersten enput er allen fursten, hern unnd steten | synen
dinst unnd gab ön zu vorsteene, wie er zu bisschoffe gekoru was, unnd
• HS: excepta.
„setzen" in bes. Gebrauch = „schriftlich ausdrucken, aufsetzen". _ 37 Da.*
sind die 2 „Anschlüge", weichest. 327 auszugsweise mitgeteilt werden. Über dm
ganzen Streit s die Charakter. Äusserungen im Chronic, eccles. des Nicolaus von
Siegen pag. 461. 465 u. 4ö7 sqq. ** Von deu Antwort 8 eh reiben ist das erste
St 328 mitgeteilt.
327. 1 Die 2 Schreiben des Erzbisehofs Diether von Isenburg, durch welche
dieser „den Nachweis fiihreu wollte, das* Erfurt keine freie, sondern des Erz-
bischofs Stadt sei", v. 29. Juni 14^0, sind mehrfach gedruckt (15:35. 1583. 15S0),
ohne dass Originale dieser wichtigen Schritten bekannt waren, welche wahr-
scheinlich von dem oben St. 32»} genannten Schreiber (d h. Sekretär, also gelehrler
Jurist) Ewald Wymar mitverfasst sind. Hierüber s auch u. St. 383. äS5». 386. 387.
Endlieh sind Originale dieser Anschlage des Erzhisehofs Diether im Stadtarchiv
zu Strassburg entdeckt worden. Danach hat sie Prof. Dr. C. Beyer im 14. Hefte
der .MOE, lStK), S. 175 -202 diplomatisch genau abdrucken hissen ; wir verweisen
auf diesen AMruck; eine genauere Kominentierung zu geben, unterlassen wir, da
dieses über unsere Aufgabe hinausgeht, weil Stolle nur einen mehr oder minder
genauen Auszug giebt ; "erklart wird im folgenden nur Unverständliches.
Digitized by Google
327. Stück.
401
hatte alle ding zu fridden gobracht, adea die von erffort weren öme
widder spennig umme sine pflichte unud irreten ön an bestetigunge
siner ampte da seibist zu erffort; item er setezt darnach sine ubirkuit,
die er meynt zu erffort zu haben.
1. Czu deine ersten setezt er, das erfforte sente mertins unnd des
stifftis zu mencz gancz eygenthum sy, unnd mag das bewisse mit ören
breffen. schrifften unnd ingesegil. —
2. Item das das also sy, so swere eyn iglich burger, der uff ge-
nomen wirt, deme erezbischoffe erbhuldunge unnd gebe öme syn buiger
recht unnd gelobe öme folge zu thnne, unnd ör ingesigil halde zu
latine: secretum erffordie tidelis filie sedis raaguntini (sie), unnd des
entredin sy sich nicht unnd füren euch das wopen, das er unnd das
stifft füret: eyn wiss rad in einem roten felde, unnd sente mertin stehe
an örem radhusse zu einem bekentnisse. —
3. Item er habe die rounteze zu erffort unnd möge die alle jar
vor andere, unnd wer der nicht gebrucht, der sie öme buss fellig, unnd
man möge Wechsel halde mit silber unnd golde von siner gnade. —
4. Item er habe husere zu gewande, brote, schu, leddir, korsse-
werg. Darinne sal man koufte unnd vor kouffe. Wer des nicht thut,
sy öme buss fellig. —
5. Item die fiesende wasser sint alle sin, dar in unnd dar ubir
sulle nymant buwe nach die abe slaen ane siner amptlute loube by
der pene dar uff gesatezt. —
b\ Item der gemeyne placz sal alles sin sy, unnd | des nymant ge v
bruche sulle dann mit synem willen.
7. Item die hantwergismeistere der hantwercke Nullen gekorn unnd
bestetigit werde, ören handel unnd gericht unnd eyde zu thune von
sinen amptluten.
8. Item er habe den czoll von alle deme, das uff den margkt
kompt, unnd slegeschatcz von holcze, koln, salcz etc.
9. Item er habe die gerichte hoe unnd nidder, geistlich unnd wert-
lich ubir lip unnd gut, galgen unnd stocke, unnd zu er kennen ubir
fleisch unnd brodt, den burgern zu er leuben gefencknisse in ören
husern zu haben, geleyte zu geben, unnd eyn iglich rad swere ome
in biewessen siner amptlute, unnd sint das jerlich pflichtig zu thune.
lü. Item als er von örem widderstande in irruuge komen sy, habe
er die syn keyn erffort ge schickt, die sache zu handilue, haben die von
erffort allis gehört, unnd er habe on dar uff geschreben, unnd sie haben
die ören dar uff keyn mencz geschickt; die haben nicht wollen einen'
tagk harren, sine vor gäbe zu hörne, unnd die selben sint trotczlich
unnd homutiglich von dannen en wegk geezogen, «las ön, als er ge-
truwe, vom rate unnd der gemeyne zu erftort nicht entfoln sy.
11. Item er habe eiuen hoff', dar inne sich enthalden sine amptlute,
provisor, viezthum, judiees generales spirituales et seculares, den habe
» IIS : ane (ad« - ndw = „aber", ». WolnhoW, Mb<l. Gr.* 4S 331).
K.Stollwlfwnorlale. 26
i
Digitized by Google
40'J
327. Stuck.
er, also zu wymar vor tey dinget syn sa), ingethon herczogen albrechte
von missen, da stillen sye gesagit habe, des nicht zu hinderne. Dar
nach haben sie das ge irret unnd sich gerust | mit reysigem geczuge.
schutczen, armbroste unnd buehsen unnd der gemeyne einen glanoz
ge macht, sent ciliax bergk in eyn andir wessen bracht vor postiet,2
(las ön nicht gehöre den bürgern unnd der gemeyne zu schaden. Er
habe ön dar umme ge schreben, do sint sie alle er hitczigit uff unnd widder
ön, sie haben sich der wertlichen gerichte unnd achte underczogen, die
synen mit drawe dar von ge sprochen sich zu enthalden, unnd sie haben
die entpfelunge von deme keysere ön gesehen selber uss getragen.
12. Item die von erfiort solden sich des wertlichen gerichtis hinder
öme nach hinder deme capittel zu mentcz nicht underezogen nach
dar in geflochten habe, nach deme sie öme eythafftig sint, unnd haben
sich vormals des richs alleczit entflayn, ön unnd sine vorfarn ersucht,
das" er öre bret'e habe unnd seteze der korlich einen etc.
Iii. Item wie er czum koyser ge schickt habe umme die regalia, hat
er mancherley ge satezt unnd meynt, die von erffort haben ön dar an
vorhindert unnd gar unmögelich gethon, nach deme sie sente mertin
gewant unnd eythafftig sint, unnd underezeen sich der gerichte, sie
bestetigen die hantwergismeister unnd besetezen die gerichte mit den
ören unnd vor triben sine amptlute mit drawe worten.
14. Item sie vorhindern ön an synem gefengnisse im hofe, wie wol
er kein burger dar in setezen wolde, sundern die ufi siner fryheit
frevelten, die solde öm eyn rad zu rechte halden. —
15. Item alle sine dienere stillen öm zu stehen in dem hofe, ubir
die sulle nymant dann er zu gebetende habe, die stillen die von erfiort
v von | sinem dinste unnd ampte gefangen in stocke gehalden unnd an
sinem liebe geletczt haben öme zu vor drisse. —
1(>. Item die statknechte stillen eyn man geletczt unnd in gefurt
habe, der sie gestorben in der temlitczen unnd begraben, das sin ge-
richte nicht dar zu komen sy, als sich von rechte gebore nach louffte
des gerichtis. —
17. Item so er die gerichte habe mit allir ubirkeit, das die von
erfiort. Inilich sterken solden, so twingen sie die lute, syne bürgere, von
den gerichten unnd orteiln unnd erkennen sie von den orteiln, die sie
an gerichte erlangit haben. —
IS. Item wann die lute gekümmert15 werden mit sinem gerichte,
die entledingen die von erfiort, das sie uss deme kümmere czeen ane
loube des gerichtis, unnd die partige, die den kuinmer4 thut, muss also
lmlffeloss unnd rechteloss blibe. —
» nS: <!«*.
' „verpnstoien", swv., — „Basteien bauen", d. h. sie habon Basteien, Be-
festigungen auf dem (Vriaxberg angelegt. 3 „Mit Beschlag belegen". 4 Des
Ussereii VerständnisseH halber setze ieh die grunze Stelle aus Beyer a.a.O. 8. Iö7
ZI. 2u- 24 hierher: „Darüber so kommer von unsere gericht« wegen l>eaeheen,
haben sif myt selhliehem gewait die erlediget and usm den kommera und be-
Digitized by Google
:V27. Stück. 403
19. Item die do vor achtit sint am gerichte mit rechte, den selbien
echtem geben die von erffort ge leyte unnd halden sie dar zu, das sie
der gerichte noddorftt nicht ersuchen sullen, das ön dann nicht wol zu
stehe, so sie deme bischoffe eythafttig sint. —
20. Item des Stocks under des hengers husse, da man die schonen
frawichen insetczt, des czeeu sie sich an, unnd haben das sloss dar von
abe geslagen unnd die frawichen dar uss geslossen ane geböte des
hengers, wann eyne sal dem henger einen Schilling gebe. —
21. Item des martmeisters czehen sie sich ouch an, unnd der wassere
underwinden sie sich also gemeyne wasser unnd buwen dar in unnd
dar | ubir, sie machen ouch öre eigene buwemeistere nach örem ge-
fallen, die ubir gebuwede gehin sal, das gebore dos bischoffes werg-
meister. —
22. Item wie sie des bischoffis amptlute, ubir das salcz unnd
andere ding gesatezt, dringen zu dinste unnd wachin, des sie solden
siner halben billich fry syn. —
'23. Item sie twingen die czolner knechte, das sie nicht czoll nemen
sollin an den enden, da sie vormals vor aldere czoll genomen haben. —
24. Item öre gebur unnd menre, die den czoll entfurn, schutezen
unnd vorteydingen sie, das man sie muss lassen faren unnd vorfurt
gut widder geben. —
25. Item sie enezihen öme sine czinsse uff ge meynen pletczen under
den schildern unde an andern enden, unnd vorhowon öme sine weide,
bestellen unnd bejagen öme sine wiltbane. —
26. Item als er uff deine eyssfelde sy gewest, habe er den von
erflort geschreben in zu riten; das sie öme von on gewegert, unnd sie
haben sinen hoff ingenomen unnd mit eigen pfortenern bestalt, unnd
lange inne gehabt die gerichte, under der gestalt des keysers enpfelunge
ingenomen unnd vor irrig gemacht, unnd setezit manchirleie stucke
unnd fryheit^ die er zu erffort habe, dar bie man raercken sulle, das
er allirdinge recht zu erffort habe, unnd die stat sie syn als eyn andere
siner stete eyne, unnd bit eyn yderman, die von erffort zu undirwisen,
ön an siner vor gäbe nicht zu irren, unnd or sine ampte bestellen lassen,
unde setezit einen briff der von erffort, wie sie öm vor geeziten ge
schreben haben, als sie der | keyser zu dinste gefordirt habe. Datum r
disser clage cziddiln petor et pauli anno 1480.5
Hir nach fulgenn die excerpta» der andern cziddeln uff das kortezte
uss geezogen, die der bischoff bie die vorgeschreben cziddeln hatte
lassen an slaen, siner gerechtigkeit, die er meynte zu erffort zu haben,
dar bie man merke sulde, das die stad erßort gancz syn eigen sin
solde, die von erfforte haben abir die slossele zu den thorn au der stad-
■
» H8 . exceptft.
hafftunge unserer gerichte die bekomuierten persoueo der oberkeyt unsera gerichts
entzogen, da durch ein pnrthvc der unsern vou Erfturt thait halb hait reehtloisa
bliben mussaen." 4 Juni U8U.
26«
Digitized by Google
404 327. Stück.
1. Czu domo ersten. Der bissohoff setezt, das die stad orffort sal
nicht evn frv stad sin. sundern dos stifftis zu mencz unnd sin sy, nach
lutc üros ingesegils unnd wapens dos wissen rades in einem roten
feldo, unnd sente mertin am radhuss, des habe er öre brefe unnd in-
gesegil. —
2. Item eyn rad zu erffort swere jerlioben deme bisschoffe vor deine
vitezthum, das sie dyo bestetingunge des ratis. —
3. Item wan er in ryto, so swort öme der rad unnd die gemeyne
mit uff gorackten fingern unnd schencken öme hundirt pfunt orflor-
tiseher pfenge. —
4. Item das alle vor wissote unnd vor eebtigete luto mit öme in
czehin ane widder rede dos ratis. —
5. Item eyn iglich burgor swere öme unnd gebe öm sin burger
recht, wanne er burger werde. —
0. Item die von orffort sollen öme ptlichtigk sy zu folgende unnd
zu dienen uss den nrtikeln.
7. Item er habe die gerichte geistlich unnd wertlich in der stad in
«sä allen husern, wo er wil, also | an den geordinten steten. —
8. Item er habe zu setezen unnd zu entsetezen die amptlute,
richten?, knechte, hongoro, zu buwon galgen, kagk " unnd stocke durch
die wergluto da seibist, die müssen das thun. —
& Item ungelt7 unnd woge gehöre ön an unnd sy vor satezt, wie
wol die von orffort des oyn loyckon haben. —
10. Item der hongor sal einen Schilling habe von eyner frawen,
die in deme stocke undir sinom husse gesessen habe, wann sie loss
gelossen wirt. —
11. Item er habe gerichte in deme brnl unnd uff der löwer
brücken, dar zu möge er einen eigen schultheissen haben. —
12. Jtem wann einer er slagen wirt, den sal nymant ane das ge-
richte uff heben, der teter sy danno ge ochtigit, unnd der selbie sal ouch
nicht in die stat keine ane dos gerichtis loubo. —
13. Item die messero, dy man nympt, sullen des gerichtis sy,
sundern was der die stat knechte nomen, die sal man von stunt zu
brechen. --
14. Item er setezt ouch, er habe einen frien hoff zu erffort unnd
ilor inne eyn gofencknisse, gnant das hunthuss, dar uss sie dicke
unnd vil gerieht zu furo, zu dem rade, zu swerte etc.
lf>. Item das evn iglicher burger möge mit loube der amptlute eyn
eigen gefengknisso habe in sinem husse ubir sine schuldigere.
10. Item er setezt, das krumme huss under sent Severe sal ouch
sin sy, unnd er habe eyn gerichte dar an.
v 17. Item eyn huss in deine brul, gnant zu deme fei i kener, sie ouch
sin, dar inne lege sin felkcner.
18. Item wann eyn erezbissehoff zu orffort ist, so sal der margkt
' AM und nd, stn».f „Pranger". 7 Alle indirekten Stenern.
Digitized by Google
I
U27. Stack. 405
stetlichen vor den treten sin unnd dar urame so er alleczit IX tage
vor unnd IX tage noch vor den greten vor den festen winachtcn,
ostern unnd Johannis baptiste.
19. Item der bisschoff habe den martmeistcr zu setczen unnd zu
entsetczen, der hat zu setczen ubir die gebuwede, mist uff der Strasse
zu vor bieten unnd kammern ubir den weg.
20. Item is sal keyn mist vor den greten unnd den schildern unnd
uff sente Sevors hofe uss getragen werde ane loube der amptlute.
21. Item iss sint czweno pletczo zu erffort, dar uffe sal man
wechsele unnd muntcze halde.
22. Item er habe kouflhusere zu gewande, schu, pelcze, leddir
unnd zu brote.
23. Item, er habe f'iy czinssc von den tleischbonekon vor tage uff
den fritag noch martini.
24. Item die fleischowere sullen sinen felkenern als vil fleisch gebe
als die falken gösse mögen, die wiele eyn bisschoft zu erftort liet.
25. Item bisschoff werner hat erloubct, das fromde fleischowere
fleisch unnd die bocken brod mögen feyle habe zu erffort, also das die
selbien vor einem schultheisen zu rechte sto sullen, was man sie zu
schuldigen hat.
2G. Item er habo slegeschatcz von ercze, czinnen, holeze, koppfer,
messinge etc., hoppfen, malcz, wie man das vor koufft, yo von einem
pfunde geldes sechs pfenge.
27. Item er habe den czoll von alle dorne, das vorkoufft wirf, vom
Schillinge eiuen phcnnigk unnd | von sechs pfongen ein scherff. 8
2*. Item er habe die czolner zu setczen, unnd wer den czoll ent-
fürt, der vor feilet dry phunt unnd dry scherff zu busse ubir die
brücken vor den torn.
29. Item er habe einen salczgravon, der hat zu richten ubir das
salcz unnd ubir die XV salcz kreme.
30. Item die hantwercke* haben heiigen s unnd stab unnd besteti-
gungo von dorne schultheisen, unud des geben die smede XXXVI pfunt
koppfers zu toppfen, das müssen dio glockengisser umme sust gissen,
unnd was man darff in den hoff.
31. Item die golt smede sullen umme sust machen alle silbern ge-
fiesse in den hoff.
32. Item die wullenweber, schumecher, schildere, setelere, reme-
snitere geben gelt secundum registrum.
33. Hein die hutere geben filcze zu zwen par busch schun,;> vitcz-
thum unnd schultheisen.
* HS: houbtworck«.
8 Bever a. a. O. S. 198 ZI. 6— 8: „Paniflnogibt Jine «lesErczhischofrsschultcss von
dt« Env.bischorTH wegen heiligen" (die auf ein »Stück 1 T« dz gemalten Heiliiron) ,,und
stab", welche alsSymbole der < tericht*barkcit alljährlich zu Jacobi (25. Juli) die Zunft-
meister von den Maiuzischen Beamten erhielten. 0 Beyer u. a. O. S. 189 ZI. 24:
Digitized by Google
406 327. btück.
34. Item scho unnd cleydere gekouflt zu erffortmuss man vor czolle.
35. Item die heringere geben lachs gelt XXY solidos unnd in der
fasten iglicher eyn schog beringe unnd VI heringe.
36. Item wer oley feyle hat, der muss gebe 1V2 pfunt oleys in
der tasten.
37. Item wer grünen lachs feyle hat, der muss geben einen rucke
uss einem lachsse in der fasten.
38. Item die nsschere geben alle wochen iglicher eyn dinst fisch,
die, die wasser inne haben.
3(J. Item die futterero unnd die vorkoufere linen tuch unnd muss
wergk,10 die geben alle fenstergelt.
40. Item die winschrotere sullen des bischofles wine umme sust
in lege.
41. Item die bruwchusere geben V Schillinge erffortischen geldes
nivnner eines pfenniges uff dry mal puritieacionis, walpurgis et
michaelis.11
42. Item die biereygen, eyn iglicher gebit VW groschen von den
klein beern. J
43. Item nymant sal fromde bier zu denie czappfen schencken,
friheit von bisschoffo gerlach.
44. Item der pitczscherer 12 sal die vass vor pitczschere, wann man
schenckt, das man in den win nicht andir dingk gefullen möge, ex
parte episcopi.
45. Item die czechenere13 geben eyn tischlachen von VI eilen unnd
IV Schillinge, unnd nemen öre bestetigunge von deme schuitheissen vor
deme lowerthore, unnd sweren öme.
46. Itom wer den fryon czinss vor sitczt von einem iglichen fryeu
dry pfunt dry obolos erflbrtischen geldes.
47. Item umme die leen der frien czinsse von einer margk einen
solidum, unnd der rad nach geistliche lute sullen der nicht habe.
48. Item die koln mass steen deme bisschoffe zu, unnd da mit sal
man die koln messe.
49. Item der kolstoub ist des bisschoffos, den nympt sin dyner,
der henger.
50. Item die wassere in der stad, die gera unnd kersslache, sullen
des bisschoffis sin.
51. Item umme die wasser fege der kersslachen, sal das gerichte
besehen unnd das bussse, wo das unrecht unnd felligk ist
52. Item der rad zu erffort sal keyne nuwe statuta mache ane des
bisschoffus loube, des haben sie sich vor schreben.
„bontschuw" = „Schübe mit Kiemen zum Umschnüren der Beine, Buntechuh".
Vielleicht schon ein Kehler im Original für „boBst huch" „grober plumper Schuh",
(s. St. 45 A. 4). Kircbhotr. Die ältesten Weistiimer der Stadt Erfurt, 1870, S. 81
u. A. 180. H' „Handel mit Gemüse", s. Kirchhof? a. a. O.8. 57 u. A. 100. 11 Also
am 2. Februar, 1. Mai und ÜU. September. 12 Versiegter. u = „Bettzeug-
weber, Leineweber."
Digitized by Google
328. Stück.
407
53. Item schilt wache zu riten unnd zu gehene ist deme rate er
loubet des nachtins in der stad durch fredes willen.
54. Item die joden haben jerlichen geben hundirt marg silbers. dry
efunt pfefters, czwe gensse unnd, wann eyn bisschoff in ryt, XX pfunt
prllortiseher pfenge unnd pergamynt in dio canczelie, so vil als noyt
ist, die wile eyn bisschoff do ist.
55. Item wann man einen fromden joden begrub, der muste XXX
erflortischer pfenge gebe.
tinis. |
328. Hir folget nach der von erffort1 gerechtickcit
in örer ntad, uss gwzogcn von öreii angcslagcn czeddeln
n und dariiine sie zu erkeiuien geben öre gei*eclitickeit
widder den bisschoff zu mencz, unbeschediget örer
iippellacien.
1. Czu deine ersten enpeten sie allen kurfursten, fursten etc., steten,
amptluten oren dinst unnd clagen, das die an geslagen briefe des bissehol's
dythers von mencz sie vaste vor ungelimppfet hat unnd ön naho ge-
sehreben luten, das sie nicht vor dind haben unnd ungorncthun wolden,
sundern gerne mit synen gnaden also mit synen vortarn in gutliclier
voreynunge syn wolden, wann mans von ön wolde ufi nemo unnd ön
öre fryheit lasse nach aldir herkomen wessen unnd bestetigen unnd
dar umme thu ön ouch nod an das licht zu breiigen, was ubirkeit sy
in örer stad haben, unde das der bisschott von mentcz mit allirdinge
alle ubirkeit habe zu erftort, als er berurt. —
2. Item umme das gefencknisse, gnant das hunthuss, das vor geist-
liche lute zu twingen ge<lienet hat, das öme der bisschoff an czuhit vor
eyn gemeync gefencknisse, das ye dar inne gewest sy, das nicht ist,
dar umme die von erftort zu öme keyn mencz geezogen sint, do habe
#2$. 1 tiefen jene 2 Anschläge veröffentlichte der Hat von Erfurt «einerseits
..zwei Erwiderungen, durch welche die Behauptungen und Ansprüche des Erz-
bischofs mit Hinweis auf die Gerechtsame der Stadt widerlegt und zurück-
gewiesen wurden (Beyer a. a. O. S. 177 ) ; sie sind wahrscheinlich von den oben
St. 326 (A. 20. 31. 32. 34) genannten Erfurtern Steinberg, Bock, Brambach und
Bobenheim abgefasst worden. Den ersten Anschlag vom 17. Dezember 1780 bat
C. Beyer a. a. O. Heft 15, 18!>2, S. 209— 224, aus einem Originale aus dem Stadt-
archive zu Lüneburg diplomatisch genau abdrucken lassen. Den 2. Anschlag,
von dem ein Original im Stadtarchiv zu Strassburg liegt (s Beyer a a. O. H.Heft,
S. 177), hat Bevor nicht abdrucken lassen, da er nur 3 kaiserliche Dekrete von
Friedrich III. vom 23. August 1479, 1. Dezemtor 1479 u. 2. Mai HHJ enthält,
durch welche den Erfurtern untersagt wird, dem Erzhischof Dicther zu gehorchen,
da derselbe die Kegalien nicht empfangen hat, sodann den Eid, den die Bürger
Erfurts schworen, endlich den Eid, den beim Ratswechsel ein Hat zu Erfurt
dem andern schwört. Für diesen 2. Anschlag sind wir also noch auf die Drucke
von 1535. 1583. 1589 und auf Falckensteiu S. 381 ff. augewiesen.
Digitized by Google
408 328. Stück.
er ör nicht wollen höre nach sie vorneme Also sint sie widder hevm
geczogen dorch vor midunge kost unnd czerunge unnd nicht in trotcze,
als er setczt, unnd dannoch mit sinem geleite. —
3. Item die von erffort haben nicht abegelossen, | sundern deme
techan unnd capittele zu mencz ge schreben unnd begerten eyn general
capittel zu machen keyn franckfort unnd ön zu bescheiden unnd ore
bete zu boren umme ore fryheit unnd gewonde zu lassen, unnd das
sie bie der kirchen fredelichen blibe mochten, wann on ye zu frede
liebe were, wann sie unfredes nach nye begeit haben, mit den fursten,
graven unnd rittern lange czit in gutem frede gesessen haben unnd
mit oreu burgern unnd geistlichim state alle czit frede gehalden haben,
also wolden sy ouch mit deme bisschofle zu mencz unnd deme capittel
euch gerne unezutrant halden. —
4. Item sie setezen ouch, das sie deme stiffte zu mencz also ge-
want sint, das sie ungerne dar von wolden lasssen tronnen, sundern sie
haben gross gelt unnd gut dar ufl gewant unnd bie den bebisten unnd
keysern bullen unnd brefo er werben, das sie ye by der kirchen bliben
wolden, unnd sy deme bisehoffe ouch noyt gewest zu setezene, das
erffort nicht eyn frv stad sv. —
5. Item umme den bergk sente celiax haben sie mit gunst, willen
unnd wissen des babistes unnd keysers nach lute orer bullen unnd
breffe in genomen den junefrowen ane allen oren schaden unnd vorder
die zu besorgen mit allir noytdorflt, unnd haben den berg, der in noten
unnd unfrede der stad sere schedelichen were, lassen buwe zu eyner
vesten, die stad da niete zu bewaren, als on ge raten sy von vil vor-
suchten krigis luten, unnd dio gerichte zu sich genomen von geböte
des keysers bie groser pene, unnd die bestalt unnd nicht zu ab broche
der kirchen nach stiffte.— |
6. Item als om mvn herre von mencz alle ubirkeit zu czuhit
zu erffort, setezen sie, is sy on noyd ore ubirkeit ouch an den
tag zu brengen, wann sie haben ouch ubirkeit unnd gereehtickeit in
orer stad, der eyn bisschoff nicht zu thune habe, sundern was er ome
zu zuhit, habe keyn ander bisschoff vor ome gethanv das steint zu
eynem uss trage orer appel laden. -
7. Item sie haben gewonheil unnd alt herkomen, das sie alle jar
einen nuwen rad kyson, unnd der selbie nuwe rad swert zu dem
aldcn rate, unnd der aide rad bestetigit den nuwen rad. unnd nymant
anders, alt her komen. —
8. Item eyn rad zu erffort macht alle jar ratismeister , burger-
meister, kemmerere, stad foyte, ungeldere, brücken meistere, unnd alle
ampt bestellet, unnd hat die zu setezene ane intragk eins erezbisschoffes
zu mencz, alt her komen. —
{>. Item eyn rad zu erffort nympt alle jar hulde von den alden
rothen unnd allon inwonen der stad wörtlicher achte, unnd gelobede
unde dorften vort nymande hulde. —
10. Item eyn rad hat alle rogerunge in der stad ubir den margkt
Digitized by Google
328. Stück. 409
konffs unnd vorkouffs, gewichte, die mass zu richten, wind wer buss-
fellig wert, zu bussenn ane intrag eins bisschoffs, unnd das alle macht
der gemeyne bie deme rate stehit zu thune unnd zu lassen, unnd eyn
rad hat macht das volk zu schicken zu geschutcze, buchsen unnd arm-
brost, der stad zu nutczc unnd wehere alle jar zu thune unnd zu
besserne, alt her komen, absque consensu episcopi. —
11. Item eyn rad hat* macht zu buweu die stad mit muren, thor-
mon, graben unnd brücken noch orer notorfft zu befesten, darin eyn
bisschoff uss | ubirkeit nicht zu reden hat —
12. Item eyn rad hat sloss unnd slossele zu allen tormen unnd v
thorn unnd pforten unnd lassen uss unnd in, wen sie wollen, unnd
behalden ouch ore slossele, wann eyn bisschoff in ryt, unnd darffen
der nymande gebe noch antwerte. —
13. Item eyn rad hat macht alle handwerge zu rechtfertigene uund
die zu befreyen unnd begnaden, unnd ouch das widder zu nenien ane
des bisschoffes'in rede. —
14. Item eyn rad hat macht allen hantwergen, tleisshouwern acht-
mann, den wullewebern czeichmeistern, den smeden achtmann etc., ore
Vormunden zu bestetigenn absque consensu episcopi. —
15. Item eyn rad hat macht bürgere uff zu nemenn, die sweren
deme rate unnd nemen uff, wen sie wullon, dar von wer is vormag von
einem XX gr. ald., daran haben die schribero unnd knechte das mererteil,
sundern mit deme rate muss sich einer vortrage, nach deme er ist. —
16. Item die also uff genomen worden, sweren nicht deme bisschofte
zu mencz getruwe unnd gewere, gehorsam zu sync adir tu Ige zu
thune mit liebe unnd gute, sundern or burgerreeht in des ratis hant
gehorsam, eyde unde gelobede, unnd was on der rad heist zu thune
adir zu lassen. —
17. Item eyn rad hat macht einem iglichen geistlichen unnd wert-
lichen geleyte zu geben adir zu vor sagen, sie schutczen unnd be-
schermcn als die Studenten unnd pristerschafft, dar in eyn bisschofl
nicht zu legen hat, unnd die aniptlute in deme Vorwerks hofe trösten
sich des ouch unnd sint in des ratis schutcze unde goleito, wie wol
sie sich enteil vorgessen | unde mercken lassen. — »s»
18. Item eyn rad hat ubir erbis gefelle, erbliche gutor dar zu,
backensiege, Scheltwort, rouften in erffort zu richten, auch ratisgetwang,
busso unnd straffe unnd mag gerichtis getwang üben. —
19. Item eyn rad zu erflbrt ist des wertlichin gerichtis da selbinst
ubirste scheppfe, wer sich dar an pynlich adir borglichin Sachen durch
gefellete orteyl beswert dunckot, der mag das straffen an den rad, der
hat dar ubir zu erkennen ane mittil, des ratis ubirkeit alt her komen.
20. Item eyn rad hat zu heißen ubir die erfordirten unnd die er-
fordirten zu schoben dorch oren schriber in des ratis buch, unnd eyn
rad hat das inne in siner gewalt, uborkeit des ratis. —
» In IIS fehlt „hat", allerdings »lebt ein Zeichen da, um da» Fehlwi anzudeuten.
Digitized by Google
4
410 328. Stück.
21. Item eyn rad hat macht zu griffen unnd in gefencknisse zu
lasssen unnd ledig zu geben alle, die da freveln unnd ubirfaren in der
stad absque consensu episcopi et suorum. —
22. Item eyn rad hat eyn gemeyne gefencknisse, ubilteterer* unnd
ander lute dar in zu setczen unnd loss zu geben, unnd orfede zu
nemen, unnd nymant andirs. —
23. Item eyn stogk uff deme weningen inarte, dar in zu setczen,
wer is vor bricht. —
24. Item der stogk bie des hengers huse steet deme rate zu, unnd
hat on lasen machen zu den frien frawen, unnd wann die ubir treten,
die dar inne zu bussene von eines ratis wegen, unnd nymant anders,
ubirkeit des ratis. —
2f> Item eyn rad hat hals isen an deme rathuse, an den thorm b
unnd in der stad hin unnd her unnd darin zu süssen unnd loss zugeben
die das vor wircken, ane intrag des bisschoffes unde siner amptlute. — !
7 2b'. Item is werden ouch keine menschen von deme gerichte zu
erffort gericht, sie werden dann von deme rate strefflichen erfunden
unnd dorne gerichte von deme rate geantwart uss orera gefengknisse. —
27. Item eyn rad hat strefflieho person zu vor wisen umme un-
erlicho tete ewiglich adir uff gnade, dar in eyn bisschoff nicht zu
reden hat —
28. Item eyn rad hat ore ungehorsammen bürgere uff thor unnd
thorme zu legen unnd zu straffen ane eins bisschofts in reden. —
29. Item eyn rad hat macht in eines iglichen burgers husern zu
schickene adir senden ore knechte, wirt adir gast zu griffen unnd in
das gefencknisse zu furne, unnd des bisschoffes amptlute haben des
nicht macht zu thune dar inne ymandes zu beleydingen ane eynis
ratis vorhenguisse. —
30. Item eyn rad hat macht inwonere unnd ouch fromde lute zu
bussen, die das vor worlossen in der stad an fryheit unnd ander
Sachen. —
31. Item die zu erffort tot siege thun, müssen die stad unnd or
wichbilde funff jar rumen, unnd ab sie wol mit den clegern unnd ge-
richte ontsetczen, so hat on nymant gnade zu thune wann alleine
eyn rad. —
32. Item eyn rad hat macht, raessere unnd swerte, die da gerucket
adir vor boten werden, zu nemen unnd zu brechen dorch ore knechte. —
33. Item das rathuss ist des ratis unnd der gemeyne, unnd der
rad hat sloss unnd slossele, unnd was bie eyn rad gelegit wirt, golt,
silber adir muncxe, hat gut geleyte unnd mag nicht vorkummert werde
mit keinem gorichte, geistlichen noch wertlichen. —
xio 34. Item so hat ouch eyn rad gemeyne schenke stete | in der stad,
die zu machen, zu meren unnd zu mynnern, ouch oren burgern zu er-
louben, dar in eyn bisschoff nicht zu reden hat nach dar uff zu setczen. —
» HS: uMlterer. «» IIS: thora corri&lert atu „tbonn".
Digitized by Google
328. Stück.
411
35. Item eyn rad hat macht fryunge zu geben gutern unnd
person nach orem gefalle, vordinsten unnd statpflichten , unnd das
nymande andirs zu steint. —
36. Item eyn rad hat hersschaffte, slosse, stete unnd dorffere, ge-
richte, gebiete unnd andere ding kouffe unnd vorkoufle unnd der
nutczunge gebruche, unnd dorffen einen bisschoft nach capittele dar von
keins pflege, sagen nach thun. —
37. Item eyn rad mag sich in eynunge unnd vortracht geben mit
fursten, hern, grayen, steten unnd andern luten einer gemeyne unnd
der stad zu nutcze, einen bisschoff nach capittel darumme nicht zu
fragen n, alt her komen, ubirkeit. —
38. Item eyn rad hat in besitcz lieber* ubunge herbracht die
buwemeistere unnd der stad wergklute ubir gebuwede zu gehene
lassen unnd besehen husere, hole, gründe, fullemundeb. Ist die irrunge
gross, so gehit eyn rad dar nach, meister unnd viere, dar ubir, was
danne die erkennen, dar nach halden sich die ge irreten partigen. —
39. Item die lobeliche hoe schule steint dorne rate zu erffort zu,
unnd von des ratis gelde da hin bracht unnd bestetigit vom babiste,
unnd nicht von des bisschoffes adir stifltis gelde, unnd die collegiaten
hat eyn rad zu setezen unnd zu entsetezen unnd ouch doctores zu
vor solden. —
40 Item alle gassen in der stad sint in des ratis macht, die zu
rechtfertigen mit wasserlouften, wie eyn rad das erkennet, unnd die zu
straffen, die das nicht reyne halden, zu bussen. —
41. Item in des ratis macht stehin alle stege unnd | brücken zu v
machen ubir alle wasser in der stad nach noddorftt. —
42. Item nymand thar weit kouffe, der in die stad gefurt wirt, er
habe dann eine czeddele vom rate, unnd ehir wann man die weit
glocken lutet. —
43. Item eyn rad hat macht den weit mart zu logen in adir vor
die stad, unnd thar nymant geballoten weit kouffe, er sy dann eyn
bürgere unnd deme rate gnug gethan unnd sin gebore gegeben, dar
an eyn rad ge rechtigkeit weitgelt hat.
44. Item iss sal nymant eyn bier bruwen unnd vorkonffen, er sie
dann oyn bürgere unnd oyn bieroige, noch malcz mache; wer das
thut, den bust eyn rad. —
45. Item das wagehuss mit allir siner zu gehorunge stehit domo
rate zu, unnd was dar in korapt, hat des ratis goloyte vor allen
kommern. —
46. Item eyn rad setezt dar in einen wagemeistere unnd knechte,
sweren demo rate sich recht zu halden an gewichte unnd andern
Sachen, bie hocher pene, unnd was dar uss getellet, gebort deme rate
unde nymant andirs. —
47. Item eyn rad hat ouch macht einen martmeister zu bestellen,
1 HS: bcslUllcho ubunge. »» HS: fulienunde.
Digitized by Google
412
3'28. ^tiick.
der swert deme rate zu zu seen ubir alle fissche, vogile, wiltprodt, das
in die stad zu marte bracht weit. —
48. Item iss en thar euch nymant wine schencken, er sie dann
bürgere unnd vor ungelde2 die, unnd sint gewachssen in der stad ge-
bite, unnd fromde wine mag nymant schencken ane loube des ratis,
unde geistliche lute müssen loube des ratis habe.
49. Item der rad unnd die gemeyno der stad erffort sint uss
pflichte nicht schuldig einen bisschoff zu mencz adir deme stiffte
in eygen oren sachen mit liebe adir gute zu dienen adir zu fulgen,
unnd haben on in der müsse keyne dinste nach folge gethan, was abir
»»» der gescheen wero uff | betlich ersuchen, uss fruntschafft unnd nicht
durch pflicht, ouch zu geeziten uff fruntliche vor rechte gesehen, des sie
deme rate gutlich gedanckt haben, das man breffe czeyen magk. —
50. Item der rad zu erffort ist ouch uss pflicht nicht schuldig
eynem bisschoffe zu mencz nach deme stiffte von des ratis adir gemeyner
stad wegen jerlichen wedder sture nach bete,3 silber nach golt nach
ycheinerley anders zu geben, des ratis unnd stad fryheit alt her komen. —
51. Item der rad nacli die gemeyne der stad erffort sullen von
nymande, er sie furste, grave, ritter, dinstman gefedit werde, beschediget
nach boleydigit umme sachc, den bisschoff adir stiffte zu mencz be-
langende, nach vorkummert adir uff gehalden werde, des ratis unnd
gemeyno stad fryheit. —
52. Item wann eyn bisschoff zu erffort in riten wil, so sal er einem
rate schribe unnd bescheide uff' das eissfelt unnd mit omo handiln,
wass nod ist, unnd on ore friheit bostetigen; tud her des nicht, so
mögen sie das inriten nicht gestate, unnd wie wol on der bisschoff
dieter schreib, er wolde inrite, er beschid on abir nicht zu om zu
komen, handil zu haben orer friheit, dar umme bleib is an stehende,
sundern bette er on oro friheit bestetigot, so hotten sie ome ouch alle
gebore gethon. Er vor sagite on dio, des mögen sie brefo czeige, unnd
der feil ist an* ome gewest unnd nicht an den von erffort gewest. —
53. Item uss den stucken allen ist zu merken, der nach vil mehir
ist unnd zu lang zu schriben, das einem bisschoffe nicht alle ubirkeit
zu steint nach deme stiffte. —
54. Item sie setezen ouch, was eyn bisschoff adir stiftt zu mencz
t gerechtickoit, herlickeit hat, zu [ erffort, wolden sie on ungerne erezorne,
unnd sal ouch von on nummer er farn nach er funden werden, das in
nicht zu sagen anders danne alt her komen. —
55. Item setezen ouch, das der stiftt zu mencz hat einen hoff' zu
erffort, der alle wege in der stad nicht gewest ist unnd ouch nicht fry
ist, sundern deme rato unnd etlichen burgern czinssbar ist; unnd die
bürgere unnd biereygen pflegen den nach alt herkomm ubir etliche jar
» IIS : on.
Digitized by Google
I
329. Stück. 413
zu stormen unnd in nemen, darumme das er nicht fry sin sal nach ist,
unnd ist das storinen vil ge schehen, den czuhit orae der bisschoff von
niencz vor einen fürstlichen hoff, des nicht ist, sundern eyn vor-
wergks lioff, als sie dann selbir in etlichen oren breffen schriben undc
ge schreben haben, dar inne sich eyn provisor, schultheisso, sigiler, acker-
knechte unnd vihemeyde enthalden, unnd umme die anczehunge des
fürstlichen hoffes haben die von erffort appellirt an unsern* heiligisten
vater den bobist; zu uss trage der appelacien wollen sie folge und wollen
ouch eine getruwe tochter des stifttis blibe met gotis* unnd des rechten
hulffe unnd orem ingesegele gnug thuu, sich nicht under andere hir-
schafft geben nach wenden, unnd der selbie er diether von isenbergk
hat on vor geeziton gar gutlichen geschreben unnd gedanckt, das sie
also veste bie der Kirchen gestanden unnd sich nicht haben wollen
lassssen trennen von der kerchen, so on doch mancherleye an setcze
sullen gescheen sy, unde setczen des eyn britf von om geschreben uft"
sontag judica annodomini M°(XV0°LXI1 unnd herum, das sie viel lieber
in gutlichim wesen mit ome syn wolden danne in Unwillen, j unnd wolden 2«
gerne bie om syn unnd bliben, das er on ore fry hei te gebe unnd liesse
unnd keyne nuwerunge inbrengen wolde etc. Kr sehen unnd ge
schreben unnd uss gegangen lucie virginis4 anno domini M" CO« "0° LXXX
Item sente celiax borgk kostdy von ertlort zu buwen LX tusent gülden.
329. Eyn lyd von den von erffort iinnd deine bisschoff
zu meiitcz<\ anno domini M°CTCC°LXXX1V usi
Nu hilft" uns got von hymmelrich,
der alle dingk wol kan machen glich
in himmel unnd uft eitlen!
vil groser b reffe-' sint an geslagen: was wil dar uss werden?
5 Die brefe halden, höre ich sage,
myn herre von niencz thu sich vil der clage,
ouch hat mans wol voniomen,
.wie viel rechts er zu erfiort habe unnd kan dar zu nicht komen.
* IIS; iinscrm.
4 17. Dezember.
1 Das Lied ist nach Stolle, Ausgabe von Hesse, 1854 (ausserdem von
demselben Verfasser in Haupt« Zeitschrift f. dtsch. Altert. VIII, S. 316 ff. und von
Michelsen i. s. Aufsatze, ÜImt die ungedruekte thfir. Chmoik von Conrad »Stolle,
ZThG I, 1854, S. ff), bei von Lilienkrou, Die Iiistor. Volkslieder d Deutschen
v. 18.- Iß. Jahrb., Bd. II, 1866, S. 16« -170 (mit Einleitung) abgedruckt. Wir
haben es, wie der Reim (aa hl») fordert, in Strophen zu 4 Versen abgeteilt, wobei
allerdings der 4. Vers eine ungewöhnliche Länge bekommt. Der Dichter heisst
Hcnze (=- Hcinzc, »«ine der Koseformen von Heinrieb) Outjar, ein fahrender
Hänger, der wohl aus Erfurt stammt und im Interesse Erfurts (daher seine lütte
an den Rat in der letzten Strophe) das Lied unter dem unmittelbaren Kindnicke
der Ereignisse verfasste, jedenfalls vor den Verträgen von Amorbaeh (1488) und
Weimar (1488). * ö. ob. St. 326-828.
Digitized by Google
414 329. Stück.
. Worum me das ist, das lasse ich steen,
10 wanne man sal zum glichen seen,
in rechte sich das geboret;
ein man thut eine halbe rede, essy billich, das man beide vor höret.
Nyhit unnd hass bringit vil der clagen;
breffe unnd sigil stillen das sagen,*
15 was die von erffort habe!b
wer das sine umme gelt gibit, der ist mit rechte her abe.
Das ist an oni seibist also,
zu Schilden rode 3 unnd andersswo:
Erffort wil ich nennen,
20 da ist ge hört ein antwort uff die clage, als danne kan man recht
erkennen.
Clage unnd atitwert unvorletczt,
die sal man bie enandir setczc
vor fursten unnd vor heren;d
also Wullen die von erffort thun ore anwart | wol mit eren.
2ö Die von erffort beten gar siecht
gancz volmechtigk allis or recht,
als is ist vor mich komen,
uff unsern heiigen vater den babist,4 der hat das also uff ge nomen.
Bie deine Wullen sie alle ores rechten bliben;
:«) wer die dingk wil vorbass triben
unnd mag sichs nicht gemassen,
weme das houbt gebore, der schere den bart, wil ers abir eyn
nicht lassen.0
Werf noch das beste dar inno konde gewende,
abs mochte komen zu einem guten ende ;
35 man spricht doch ubir lute:
wer sinen galten vorkoufft, der darff nurame dar in krute.5
Wer gibit rayncni hern von mencz den rad,
das er wil eine sulche stad
an andere hern wenden?
40 Isswere eyme stifte zu mencz eine sture," beilüde er sy in synen henden.
» HS: sag*. ■> HS: haben. ' HS: teteen. «» HS: h«ro. « HS: Uue r HS: Wer,-
:l S. St. 23A.2; der Verfasser meint mit dem Nameii de« Dorfes, au dessen
Stelle später die Stadt Erfurt trat, diese selbst. 1 S. ob. St. 326 (üesandUchalt
an de« Papst Sixtus IV.). ' „kruten'1 = „Kraut holen"; Anspielung darauf, dasa
man erzählte, Erzbischof Diether von Mainz habe dafür, dass er Herzog Albrecht,
den Sohn de« Kurfürsten Ernst von Sachsen, zum Provisor des Erzstiftes auf
dem Eiehsfclde und in Erfurt ernannt, viel Geld von den sächsischen Fürsten
iaus ihren Sill>erbergwerken) erhalten, also Erfurt wie einen Krautgarten ver-
kauft, iu welchem er nun nichts mehr zu suchen habe. '' Mhd stiure — md
„sture4, stf. (von stiur — Steuerruder), „Stütze, Unterstützung, Hilfe."
Digitized by Google
330. Stück. 415
Wirdiger furste von mencze, so gut
haldet die von erffort in uwerer hudt!
iss mochte nach komen zu gecziten,
sie konden uch brennen czeen tusint man zu stormen unnd zu striten.
45 Das ist einer stad eyne grosse czal;
die nuen stete ubir al
mit allen oren zu gehören,
solden sie brengen dry tusent man, man muste gar hart dar um nie
Sporen.»
Der selben ist eyn teyl vor setczt,b
50 sente mertins7 niantel ist sere vor letczt,
zu rissen unnd zu brochen;
is muste eyn guter snider syil, der on solde widder mocben,c
Sente mertins mantel der slisst* sich sere
unnd kan sich brechen« nicht er were;
55 were er schone vornehit mit syden !
doch hiebe erffort gerne da by, wanne mans mochte erlydeu. |
Das thun die von erffort wol mit eren, tu
wann sie begern keins andern heren,d;'
dann bie deme stiffie zu bliben;
UO sie undir stehen sich des zu wehern, wil man sie dar von triben.
Hencze gutiar uns dicz lidelin sangk,
sine winter cleydcre die sint ome krangk;
ir mercket wol, wye ichs mcyne,
64 myne hern von erffort die cleytten mich wol unnd schad on ver-
lieh clevne.
Finis 1431".
330. Von howschrecken in ungem.
Als man schreib nach cristus geburt vierczehen hundert jar, dar 147*
nacli in deme vier unde sobenczigisten jare, wart vor eine gancze war-
heit ge schreben keyn erffort, wie der koningk von ungern1 der alden
frowen zu missen,2 gcborn zu osterich, des keissers friderichs swester,
* HS: «pora. b IIS: wrtMt. « HS: machen. d IIS: hcrreo.
7 Der heilige Martin war der Schutzpatron des Erzstiften Mainz, also auch
Erfurt«. Sein Mantel ist verletzt, d. h. der Wohlstand des Erzstiftes ixt infolge
der vielen Kämpfe in den letzten Jahrzehnten «ehr gesunken. M Mhd „s^en4* —
md ,,schlissen" , intrans., „reissen , zerreissen4'. " Die Erfurter wollten wohl
mainzim-h bleil>enf fürchteten aber eine etwaige Abtretung ihrer Stadt an die
sächsischen Fürsten und sahen in <ler Ernennung Herzog Albrechts zum Provisor
den Anfang dazu.
.130. 1 Matthias Corvinns (1458—1490). 5 Margarete, Tochter de« Erz-
herzog« Ernst I. de« Eisernen von Österreich, Witwe Kurfürst Friedrichs II. de*
Sanftmütigen, lebte in Altenburg, ihrem Witwensitze, f daselbst 12. Febr. 1486.
Digitized by Google
41G
331. Stuck.
ge sehreben hatte, also syner guten frunden, wie das in ungern czogen
kegen melieren landH wart drye heliir houweschrecken, unnd die
vorderste houweschreeke, die den andern vor czoch, die was also gross
als eine wachtele, unnd jo eyn heir were zu mole gross eyner mile
wegis breyt unnd langk, unnd wann sieh die logerten uff das ertriche,
die flössen alle fruchte, grass, krut, boyme unnd worczeln uss der
erden, unnd machten das ertrich gancz unfruchtbar. Nu was eyn
grave unnd wolgeborn man also manhafftigk gewest unnd hatte mit
sinen knechten undir die houweschrecken buchssen pulver gestrowet
unnd das angestackt mit füre, unnd was mit den synen erstickt unnd ,
vorbrant, unnd schatte den howesehreeken nicht; das was eyn gross
wuudir; unnd der koning schreib das der furstin, unnd die furstin
schreib das vurder der alden frowen graven lodewigis von glichen4 zu
blanckenhayn, unnd sante or des konigis briff eyne abeschrifflt, die
hatte gelessen doctor froweschuch, eyn artczt zu erffort, et ille dixit.
331. Von einem toten manne1 vor der stad erffort.
Als man schreib nach gotis geburt tusent vierhundert unnd eyn
unde achczigk, am sontage nach sant pawels tage conversionis,2 wart
eyn man erslagen vor sant andreas thore vor erftorte usssewendigk
der rechten strassse, der was von herbesslouben*, unnd die strosse ging
ussewendig ubir den acker funflezig schrete von der rechten Strasse,
unnd die rechte Strasse was also tieft' von snehe, das man nicht konde
dar inue getare, gegeben nach gerithe, nicht ferre von der stad dry
armbrost schösse, als man keyn gispeissleuben4 gehit. Ubir den mau
liss man eyn kubil storcze, das on die wolfie nicht fressen, unnd die
von erftort lesssen den mau lege in der massse, das der furste zu
doringen5 sohle lassen besehen, das er nicht in der rechten Strasse*
lege, unnd bleib alse lygene IX tage. Also czogen die von erflort, er -
johans bogk'1 unnd er ditterich brampach*;, zu deine fursten, herczogen
Wilhelm, ufl das furwergk, genant waldichen by czimmern;7 do lag er
dry tage unnd liss rep huncre fahe; die sageten ome von deme toten
a IIS: -Uam..
" Mähren. 4 Ludwig, Graf von Gleichen -Blankenhain, starb 1477; »eine
ihn iiberlelx'tide Witwe, seine zweite Frau, war Katharina von Waldenburg
(s. Sagittarius, Gescliiehte der Grafschaft Gleichen, 1732. S. 279).
$tl. 1 Der an sieh un1>edeiiteiide Vorfall iht doch nieht uninteressant so-
wohl kulturgeschichtlich wegen der damaligen Rechtsverhältnisse der Strassen
als auch in Kezug auf das Verhältnis der Erfurter zu den sächsischen Fürsten,
hier im besonderen zu Herzog Wilhelm, der in Weimar residierte. * 29. Ja-
nuar 14*1. ; Flecken Herhsleben a. d. tristrut, im Landratsamt Gotha des
Herzogiums Sachsen -Kohurg und Gotha. 'Gispersleben: 2 nebeneinander-
liegende preussischo Dörfer im l>andkreise Erfurt, Gisjiersleben - Kiliani und
Gis|x isleben-Viti. '"' Herzog Wilhelm hatte als Landgraf von Thüringen da»*
Strassen recht. ' S. ob. St. 320 A. M u. 32. ; Das sächsische Vorwerk lag
beim Dorfe Niederzimmern , dem Geburtsorte Stolle« , jetzt im Verwaltungsbez.
Weimar des Gro-sherzogtums Sachsen.
Digitized by Google
331. Stück.
41?
manne. Do sprach [ der furste, er wolde lasssen dar zu be stelle; unnd au
die wile die von erffort bie omo warn, do quam der voyt unnd
schosser von gote,8 unnd nomen den toten mann unnd fürten on keyn
alich zu gote zu. Do quam das geruchte in die stad erflbrt; do
lieffen die stad knechte zu fussse uss der stad, unnd namen pferde uss
czwen wagen undirwegen, unnd ranten den nach, unnd eyn dyener,
gnant goyppesteyn, quam ouch ungeverlich 10 darzu, unnd drungon den
toten man den amptluten abe, durch hulffe der menre zu alich, die
lutten zu storme, das das volk uss quam, unnd musten on widder
fure an die stat, da er vor lag, unnd die amptlute czogen en weg.
Als balde enpoten die von erfforte oren hern unnd frunden keyn
waldichen, das die deme fursten sageten unnd clageten, das sine ampt-
lute den toten man genomen hetten. Do sprach der furste, betten sie
on enwegk, were is nicht recht; er wolde sich wol mit on dar umme
vortrage. Unnd sie wüsten alle nicht, das die knechte unnd dynere
den man behalden hatten. Do bestalte der furste ubir czwene tagt*
keyn erffort sine amptlute, zu besehene, wo der tote man lege; unnd
sie meynten, er lege in der Strasse, unnd die Strasse wero dos fursten,
wie wol sie ubir den acker ginge winterczit von deme snehe, das man
der tieften strassse nicht getaren konde. So meynten die von erflort,
das were nicht eyne Strasse; wer dar ubir furo, mochte der man, des
der acker were, wol pfende, sundern sie woldens lassen erkenne.
Bynnen der czit ubir dry adir veir tage quomeu ungewornt die ampt-
lute von gote in der nacht also stargk | gewopent uff waynen unnd v
fürten den toten man hyn wegk. Do er hin weg was, do meynten die
von erffort, der furste tete iss on unmogelichen 11 , unnd s wegen doch
stille unnd wolden nicht rede dar uss mache, wann sie dornten des
fuisten in den Sachen der von northussen,1- die die graven fudten,15
unnd leyten on die strassse nidder, unnd die wile die hern von missen
ouch widder die von erffort worn etc. Unnd liesssen das allis an stehen
unnd ubir sich gehen. Der furste liss die syneu gerichte sitcze an der
* Die Beamten des Herzog« Wilhelm von Sachsen (s. Casp. Sagittarii bist.
Gothaua, herausg. v. Tenzel, 1713, pag. 250 s<jq.), von welchen hier erzähl t wird,
waren: 1. der Schult heiss (nicht Vogt, wie Stolle schreibt — das war damals
Friedrich von Witzleben) Johannes Crawel und 2. der Schösser (Steuer- und
Verwaltungsbeamter) Johannes Böttener (Büttener, Bot teuer, Büttner; von
ihm .sind mehrere Originalsehreiben an den Rat vou Erfurt erhalten, Stadtarchiv
zu Erfurt, Akten Ia Up). Über den Vorfall selbst ist eine Originalurkunde
auf Pergameut im Sachs. Ernest. Gesamtarchiv zu Weimar vorhanden (Reg. G.
fol. 467 No. lj, welche bezeugt: Hans Krauwela (da« Siegel hat Krawel), Herzog
Wilhelms von Sachsen Richter im 3. Achtgericht vor dem Andreasthor zu Erfurt
auf freier Landstrasse lässt durch 13 Schoppen die vom Gothaer Amtmann
Johann Büttener angeklagten Männer, die den Leichnam eines erschlagenen
Mannes weggenommen und beraubt, auf ihr Nichterscheinen vor dem Gerichte
nach dreimaliger Liduug in die Acht erklären. Mittwoch nach Iuvocavit 14*1 •=
14. Marz 1481. " Alach, preussisches Dorf im Landkreise Erfurt. 10 Mhd
„ungevaerliche" — ind „ungeverlich" Adverb., „von ungefähr, zufällig". 11 Siehe
ienen" = „feindlich, behandeln*'.
Digitized by Google
331. Stück.
stad, do der tote man lag, uff das dritte gerichte, das was uff den
dinstag nach invocavit.14 Die amptlute, die das gerichte sasssen. taten
den gnyppsteyn unnd sine helffere unnd das dorff zu alich alle in die
achte. Der rad zu erffort tad nicht dar zu unnd lissen das alles ge
schelie, unnd der rad zu erfforte dar zu nicht tad, unnd er suchten
ouch den fursten dar urame nicht. Do schreib der furste in syne
pflege, wo man die echtere an queme,1'* die solden sie griffe, unnd man
solde ouch keynen erffortissehen man nach gut ,,J geleyte. Also griffen
die amptlute ubir17 die schriffte unnd hilden den von erffort soben
wayne uff mit numburgischem behere zu eckers-sbei-ge,1'' unnd Vorboten
keynerleye keyn erffort zu furne, holcz, koln etc. Das stuut achte
tage; bvnnen des sante der furste den von erffort or bier widder. Do
sehreben sy ome, sie hotten mit ome zu ieden, ab er sie höre wolde,*
das er on bescbeide wolde. Also schreib er on zu zu hornde eyn tag.
Do wart onio von den von erffort vor czalt, wie er on gewalt unnd
s4.n unrecht tete. Er sessse ouch mit on in gutlicher | vortracht, die bilde
also; wann er mit der stad in irrunge queme, so solde er das lossen
erkenne, die were bestymmet in der vortracht; konden die dann keine
richtunge treffe, so solde der von swarczpurg unnd nach sinera tode
der von glichen arbitrator sy ; des nette er nicht gehalden unde tete
on den nun, unnd raeynten ouch das vorder zu clagende, unnd sie
weren ouch ome alle czit bereyt zu dienen, unnd hetten ouch dorch
synen willen gross gethan, ubir ern apil vitczthum zu tannenrode, ,:*
dar von sie zu grossscm schaden kernen weren, unnd er tete gar
unrecht, das er bossen luten gloubete; die irrethum czwisschen om
unnd der stad machten, die wein nicht from, unnd wann er den
folgete, so queme is ome also wol zu schaden als der stad, danne
wann er mit der stad in uneynickeit queme unnd liesse sie be-
schedigen, so worden sie sich ouch wehere unnd widder schaden thun,
so worden die land vor terbit; sie truwen ore stad wol zu behalden,
unnd das volk worde gar unwillig, der en mochten sie in gute nicht
behalde; weme schade geschee, den won -'° sich reche, unnd retten als
vi 1 mit «lerne fursten, das er die gebot abe tat unnd liss ouch die lute
wedder uss der achte thun, unnd wart allirdingc hin geleyt unnd bleib,
als lange gewest was.
Item uff das selbie mal hatten die von northusen21 mit den graven
" IIS: woMon.
11 13. März 1481 , s. aber oben A. S. Transitiv., kommen auf, d. i. „an-
tretlcn". "! ,.(iul" — ..Wiircn 17 „dnriilier hinaus", sie thaten mehr, al*
di r Herzog geboten hatte. tH Krfurter Handelsleute führten <h« Naumburger
Hier muh Eekartsherga i preussisehc Kreisstadt im Rgsbz. Merseburg). S. ob.
St. 19S— 215. '" Mundartlieh für: „den woln" — „für den wollten sie sich
rächen''. '-' In den .lahren 1464--1466 führten die (irafen Heinrieh von
Schwarzburg und Heinrich von Stolberg einen ernsten Str«»it mit Nordbausen,
indem sie einige landesherrliche Rechte im(Jel»iete dieser Reichsstadt in Anspruch
nahmen. Hie "Nord hau »er wandten sieh hilfesuchend an den Herzog Wilhelm
von Sachsen, Landgrafen von Thüringen, ihren Scbutzherrn, welcher auch daa
Digitized by Google
331. Stück.
419
äru harcze ouch grossse czweytracht. Die graven leyten on die strossse
nidder, da geboyt on der furste, zu wymar gosessen, das abe zu thune;
das wolden sie nicht thun; do leicli der furste den von nortliusen die
eynrossere,22 der was XL adir L; die spiseten | die von nortliusen, uund v
czogen uss mit gewalt unnd holten uff einem czog vier hundert fudir
holcz, wo sie die in den dorffen funden, unnd fünft" hundert fuder
koln; unnd was sie dorflten, das holten sie, unnd boten alleore sache uff
den fursten,-3 unnd die graven» bilden sich vaste an die hern von missen,
unnd mochte sy, das die raissonere hern die graven meynten zu hant-
haben 24 widder den fursten, unnd die von nortliusen unnd die von erffort.
Item is wart ouch eyn krig am ryne mit deine bisschoffe ditterozu mencz
unnd mit den von wertheim2'' umme abe losunge einer stad unnd borg.
Item die borgk zu mencz brante20 gancz uss uff den tri tag vor
esto michi27 des nachtis. Etliche sagiten, is were an geleyt; etliche
sprachen, das für were von hymmel gefallen, das hotte man gesehen."
Unnd der bisschon" diether von isenberg unnd der junge fursto von
missen,28 der oyn gubernator sin solde unnd was kume XI jar alt,
• HS: «osebeen.
Schultheissetiamt (d. h. da« bürgerliche Recht nebst Geleit, Zoll und Münze) in
ihrer {Stadt vom Reiche zu liehen trug. Trotz kaiserlicher Befehle vom 4. Aj>ril
1465, durch welche die Parteien vor das kaiserlich«! Gericht geladen wurden,
wurde die Sache vom Herzog Wilhelm weiter verhandelt und um 19. April 1466
zu Weimar ein Vergleich geschlossen. Aber der alte Streit brach bald wieder
uns und zwar in den Jahren 1471, 1475, 1477, 1478, besonder« aber 1479- -1480,
so dass am 20. August 14S0 die Grafeu Heinrich von Stolberg, Heinrich von
Schwarzburg, Ernst und Hans von Hohnstein den Nordhänsern den Vertrag
v. J. 1466 aufkündigten und Fehde ansagten; diese Aufkündigung nahmen dir
Nordhäuser am 25. August 1480 an um! rüsteten sich zum Kampfe, besserten
auch ihre Stadtmauern und Turme aus. Sie fanden Unterstützung beim Herzog
Wilhelm von Sachsen und bei den Städten Erfurt und Mühlhausen. Alle Be-
mühungen des Weimarer Herzogs, auch ein Befehl des Kaisers Friedrich III.
vom 5. Dezember 14(50 gegen die genannten 3 Harzgrafen und den Grafen Ulrich
von Reinstein, den Verbündeten derselben, bliebeu ohne Erfolg, auch dass der
Herzog Wilhelm ihnen reiasige Knechte (Einrösser) zu Hilfe sandte (s. Spangen-
berg, Mausfeld ische Chronik, S. 396). Erst dem Kurfürsten Ernst von Sachsen,
nachdem die Herzöge von Sachsen sieh des Streites angenommen hatten, gelang
am 19. Mai 1485 eine vorläufige gütliche Beilegung des bösen Streites, den
erst der Vertrag von Bielen am 3. Juni 1490 abschloß; s. Fr. fh. l^essers
Hiator. Nachricht von der freien Reichsstadt Nordhausen (1740), umgearbeitet
und fortgesetzt von E. G. Förstemann, 1S60, S. 310—319. - „eynrosser" =
mhd „einrüsse", d. b. dem nur ein Pferd zusteht, die einspännigen, d. h. die ohne
Gefolge reitenden „reisigen Knechte". ?;l „auf eiuen bieten" — „ihn als
Schiedsmann aufstellen'*, also hier: „tue übcrliessen in allen ihren Sachen die
Entscheidung und Vermittlung «lern Fürsten". S. St. 258 A. 3. Krieg
zwischen dem Erzbischofe Diether von Isenburg und dem Grafen Johann von
Wertheim i. J. 14*0 wegen der Stadt Külsheim (s. Joannis, reruni Mogunt. I. V,
1722, S. 792). ": Über den Braud der Martinsburg s. ebenda S. 790. Damals
war Kurfürst Ernst von Sachsen gerade zum Besuch l>ei seinem Sohne Albrecht,
dem Provisor und bald darauf Administrator von Mainz, und dem Erzbisehot
Diether von Isenburg. -7 2. März 1481. -H Allerdings war er nicht. 11 Jahre,
sondern (s. St. 326 A. 17) lß Jahre; Stolle hat wohl hier aus Versehen XI für
XVI geschrieben.
27*
Digitized by Google
420
331 Stuck.
nnnd dar noch bisschoff solde werde, wann er XXXT jar alt worde, die
quoraen nackt adir enwenig bedackt dar von, unnd on vortorben vil
cleynote beyden hern. Unnd uff den sontag reminiscere wart er
herman koning,2y eyn burger zu orffort, ubir reten bie deme dorffe
walterssleuben30 von einem witczeleuben von plawe31 unnd mit eynem
«werte gesiagen, dar umme das er nicht berichte woldo; er was selb
Vierde, unnd der von witczeleube selb andere. |
u6 332. Wie die turcken die insel uimd stad rodis'
gewynne wolden.
J4SO Anno doniini M" CCCC° LXXX" die nona decinia* monsis junii horis
duabus ante lucem accesserunt turci ad expugnandam u turrim sancti
» IIS: noiui. «• IIS: expugnandam.
Am 18. März 1481 wurde dieser Erfurter Bürger, als er auf der Strafe
von Erfurt nach Arnstadt oder zurückzog, angefallen uud, da er nicht bezahlen
(berichten) wollte, erschlagen. :io Preussisches Dorf, im Landkreise Erfurt.
:" Die Herren von Witzleben waren ein ursprünglich rcichsuumittelbares Kitter-,
dann ein Ministerialengeschlecht, deren gleichnamige Burg (l1,.. Std. von Arn-
stadt) im sogen, thüringischen < Jrafenkriego (a. ob. St. 150 A. 1) zerstört wurde.
Die Liebensteiner Linie (Liebenstein, Dort im Herzogtum Sachsen -Koburg und
Gotha, Landratsamt Ohrdruf) gründete 1434 Heinrich von Witzleben (1412 bis
1454); seine 3 Söhne, Friedrich, Klaus und Konrad. traten ihr Vorwerk zu Plaue
(Städteheii in der Oberherrschaft des Fürstentums Schwarzburg- Sondershausen )
1454 an «las schwarzburgisehe Haus ab. Der hier genannte Stegreifritter scheint
Konrad gewesen zu sein, da es in der Witzlebensehen Familiengeschichte (von
(i.A. v. Witzleben und K. G. A. v. Witzleben, 1880, II, S. 245) von ihm heisst, er
habe seine Schwägerin, die Gemahlin von Klaus, aus dem Schlosse in Gräfiuau
(Dort im Fürstentum Schwarzburg-Rudolatadi, a. d. Ilm), wo er hauste, vertrieben;
er scheint also ein roher und gewaltthätigcr Mensch gewesen zu sein.
Jftfci. ' Die letzte grossere Unternehmung, welche der gewaltige Eroberer
Sultan Mohammed IL kurz vor seinem am 3. Mai 1481 erfolgten Tode gegen die
('bristen ausführte, war der Fehlzug des Jahres 1480 gegen Rhodus; Mesich
Pascha war der Anführer der Türken. Die furchtbare Gefahr, welche der
Christenheit und ihrem vorgeschobensten und wackersten Posten, dem Johann iter-
orden auf Hhodus, drohte, wurde jedoch wie durch ein Wunder abgewendet:
schon schien infolge der gewaltigen Anstrengungen der Türken bei dem ersten
Sturme im Mai 14VU (bei welchem der Turm des heiligen Nicolas, eines der
Hauptbollwerke der Stadt, durch die grossen und zahlreichen Steinkugeln,
welche die Türken aus ihren Riesenkanonen schössen, fast dem Erdboden gleich-
gemacht wurde) trotz aller Gegenmassrcgehi der Verteidiger, besonders bei dem
zweiten Sturme am 19. Juni 1480, die Stadt verloren, und der Hauptangritl am
28. Juli 1480 musstc die Entscheidung bringen, welcher der Orden und ihr
tapferer Hochmeister Pierre d'Auhusson mit Bangen entgegensahen. In der
höchsten Gefahr Hess der Grossmeister mitten im Schlachtgewühl das grosse
Panier des Ordens mit dem Bilde de* Heilands entfalten: zwei volle Stunden
kämpften nun Mann gegen Mann, bis es endlich gelang, die Türken zurück-
zusehlagen und ihrer auf der Flucht so viele niederzumachen, dass sie gezwungen
waren abzuziehen. Das ist der einfache Verlauf der Ereignisse, wie ihn die
GesehiehtssehreilK-r mitteilen (s. Zinekeisen, Geschichte des oemanischen Reiches
Digitized by Google
332. Stück. 421
nicolai ante civitateru rodis sitara.* Prima vice in ipsa expugnaeiono
sexcenti turci obcubuere, mane vero sequenti ex hostium fugitivis, qui
in civitatem rodis admissi fueruut, publico preconio affirmatum fuit in
rastris, vismn fuisse in suprenia parte turris debachasse duos virus
equestres, qui aciem hostium acerrime prosternebant. Aliqui eciam
ex tureis retulerunt seb vidisse matronam, scilicet beatam mariain
virginem, quandam insignem granditatec in ambitu ipsius turris
» IIS: ■ltum. »> eo fehlt In IIS. • H: gmviUte.
in Europa, II. Teil, 1854, S. 462 ff.; K. Falkeustcin, Geschichte den .Tohanniter-
ordens, 2. A., 1867, 8. 148 IM), l>csonders auf ( J rund eines eingehenden Berichtes,
welchen der Großmeister Pierre d'Aubusson nach dorn Abzüge der Osmanen bereits
unter «lern 23. September 1480 an den Kaiser Friedrich III. abstattete; er findet
»ich bei Raynald, Fortsetzung <ler annahm ecelesiastici des Cesar Baronius, totu.
XIX pag. 286 288. Darin steht nichts von irgend welchen wunderbaren Er-
eignissen , die sieh bei dem Kampfe zugetragen haben sollen , er sagt nur im
allgemeinen: ,.nec id profecto sine divino auxilio contigit, cjni tantnm ckidom
avertit; misit enim Dens, uon ambigimus, de coclo auxilium." Diese Worte,
welche ganz unliefangen hingeschrieben sind, scheinen Veranlassung gewinn zu
sein, dass bereits im November 1480 infolge eines Briefes, der im ganzen Abend -
lande überall feilgel>oten wurde, eine liegende von der wunderbaren Rettung der
Christen auf Rhodus sich verbreitete. Dieser Brief scheint ausgegangen bezw.
zurückzuführen zu sein auf Guiliclmus Oahorsius, deu Vicekanzlcr des Ordens,
welcher Augenzeuge des Kampfes war und mündlich vielleicht und später auch
schriftlich jenes Entfalten des grossen Paniers, wodurch der Kampf plötzlich eine
für die Christen ho günstige Wendung lu kam , schwärmerisch als ein Wunder-
zeichen umdeutete, s. Oahorsius, Obsidionis Rhodiae urbis deseriptio, Caesaraugustae
1.481, 4", idem l'hnae per Juan nein Reger, 1496; davon giebt es eine deutsche
Übersetzung, gedruckt zu Strasburg durch Martin Flach, IM 3, fol. Auch heisst
es in der Annalinin ecclesiasticorum Caesaris Baronii continuatio per Henricum
Sj»ondanuin, tom. II, 167K, pag. 167: „Hoc enim [das Wunder) Guiliclmus Cahor-
si uh , vicecancellarius ordinis, qui Rhodi tunc emt . testatur in suo de hac ob-
^idione comineutario , qui suh nomine Bernardi Breitenbachii excussus est inter
auctores rerum Tureicarum post Chalcondylam unde et plerique alii
auctores sumpserunt." Auch bei Raynald a.a.O., Zwischenbemerkung zum Briefe
des Hochmeisters 11, steht die Erzählung des Wunders, und auch Papst Sixtus IV.
(wie bei Raynald ebenda zu lesen ist , welcher sich auf Eib. br. et bull. pag. 240
u. 242 beruftl hat bald darauf von der Rettung der Rhodior wie von einem
Wunder gesprochen : „ab Turcarum oppuguatioue tutari miraculose potuerint."
Eine vollständige Erzählung des Wunders bringt dann das Diarium Parinense
(s. rerum Italicarum scriptores, ed. Lud. Ant. Muratorius, tom. XXII, 1733,
j>ag. 357), welche ich wegen der Vergleichung mit Stolle, dessen genaue Quelle
wir nicht kennen, hierher setze: „Hoc meuse Novembris [1480] ubique per civi-
tutes et plateas vendebatur epistola eloquentissime coudita literali sermone de
hello Turci hac aetate promota Rhodi, in quo hello Turci victi sunt, et expulsi,
licet illic centum vela et ceutum mille pedites haberent, et licet tot et tantis
ictibus bombardarnm magnam partem murorum demoliti fuissent, quam inulta
ex Turcis millia necati, et obtruucati sunt. Et narratur mimm, quod cum
ultitnate Turci victoriam sperarent , moenia iam urbis ascendentes , repleta fovea,
quod in aere illius clare cernentibus supra vexillum Hierosolymormn, in quo est
imago domini nostri .resu Christi . Virginia Mariae et beati Johannis Baptistae,
appnniit Crux aurea splendidissima, et insujier candidissima virgo clypeum et
hastam gerens, ac homo vili veste obsitus, splcndidissimo comitatu stipatus.
Quae visio tantum terrorem ineussit, quod Turci nullo pacto ausi sunt ultra
progredi e. q. s."
Digitized by Google
422 333. Stuck.
prodieti,* bque cristianorum cohortem ad pugnam conjpellebat. Kx cuius
rci novitato turci supra modum extorriti et admirati fuere, quum ipsi
piano noverant, nec honiines equestres ncque muliorem in turri in-
' sedisse.
Item deeima oetava eiusdom mensis in seeunda expngnacione
ipsius turris visiim fuit a quamplurimis hostium in illius suprema
parte maxiinara propugnatorum falagnera albis vestibus amictaru
divagare, manus cum hostibus accerime < on seien tem , ac eciam visum
est totum molum et ipsam turrira armatis militibus oppleri. Quod fuit
apud bostes insigne miraculum, nam pro defensione turris et nioli
exiguam militum quantitatem statutam comperuerunt,c in quo oon-
flictu duo railia quingenti turci eecidore.
Item die vicesirua soptiraa2 julii eo die, quo ipsa urbs fuit atro-
cissime* expugnata,8 fngitivi ex castris tureorum in eivitatem excepti
v aftirmarunt a pluribus hostibus visamr extitisse ingentem | armatorum
eatervam albis vestibus circumamictam per raenia urbis divagasse, qui
Höstes viritim a raenibus arcebant. Aliqui eciam ex turcis asseverant
sc* conspexisse mulierem quandam, que suas vestes dilatareth in hostium
obtutum, ne possent in cristicolas manus inferre.
Item ab uno hebreo relatum est, so conspexisse in scala menium
civitatis rodis, ex qua descenditur in vicum judeorura, crucem aureara
operoso pulchritudinis, quam ob rem iJlico cristianus effectus est
Item in tribus conflictibus, ut ex litteris8 reverendissimi domini
inagistri de rodis accepi, tureorum circiter novem milia occisi sunt,
a quampluribus fidedignis refertur majorem numerum hostium cecidisse.
Miracula predicta, que tempore obsidionis et conflictuum civitatis
rodi per misericordiam dei contigerunt.
m.
1**8 Item anno domini Mü CCX'C" I. XXXIII0,1 do wart eyne ewige vor
schribunge unnd frede gemacht czwisschen den von erftbrt unnd den
lantgrafen zu doringen, als steet geschrebon unnd der czal M"CCCC°
* IIS: predlct'. b IIS «et*l unch connpoxtsse hinzu. e HS: comiwraimo. d HS:
acrolUniiuo. « US: cxpuiuoiat». ( IIS: viautu. « m fehlt lu HS. L HS: illlaUn«.
- F> war der 28. Juli 1480. :1 In <ler Zuschrift des Groiwniei»tera Pierre
d'Aubnsson au Kaiser Friedrich III. vom 13. September 1180 iKaynald , Annal.
eecle*. toni. XIX, pug. 287- -28S) ht isst es : ,,Fo in eonllictu vexillum nacratiiwiine
imn^inis domini nostri Jesu Chrwti et rrlijjioui* nostrae ante hostis conapcvttini
cVexiinu* : summa itaejue vi horis duahiis pugnatum est. Tandem Turci preswi.
faligati, j>erterriti, vulneribus quoque lewu terga vertunt Noc id profecto
sin. divino anxilio Contimit, qui tantam cladem uvertit ; inisit enim Dcus, non
nmhigimuN, de eoelo uuxiliuiii, m« plcbeuiil» Ohri»tum colens Mahometis spurcitiis
iiiluvrotur."
1 S. u. 8t. 387, wo das Nähere angegel>en werden wird.
Digitized by Google
334. Stück. . 423
LXXXI1I jar. Vorsolchegros.se unnd ewige vortracht unnd vorschribungc
haben dy von erll'ort gegeben eyne grosse summo geldes, nemelichen
anderthalb hundert mal tusent gülden, unnd deine bisschoffe zu mentez,
gnant diterus von isenbergk, goben sy funffezigk tusent gülden,2 unnd
dy Ursache dits geldes was mit ingeezogen, das der lantgrafe ader
herre zu missen unnd eyn korfurste was, grosse kost uund czerungo
hatte gethon ummo der von erffort willen, al sy lange czitzu sammenne
kregen, zu rome, do danne der lantgrafe personlich was, gnant ernst ;
noch der rieht unge wart dy czerunge also hoch an geslageu. |
334.
Beatissime pater!1 Not um facimus sanctitati vestre incepisso eon- 1*82
cilium ex parte de annunciacione virginis gloriose marie in ecclesia
2 Kurfürst Ernst von Sachsen reiste 1481 von Mainz mich Rom, um sich
die Nachfolge meines Sohnes Albreeht auf dem crzbischöfliehen Stuhle von Mainz
beim Papste Sixtus IV. zusichern zu lassen. Er erreichte dieses nicht bloss,
sondern auch die Verurteilung der Erfurter, die ihm durch diese ganzen Wirren
und die Reise entstandenen Unkosten zu ersetzen; er erhielt durch Vermittlung
des Erzhischofs Diether von Mainz .'»0 000 Gulden. Ausserdem musste die Stadt
149 600 Gulden bar an die sächsischen Fürsteu zahlen.
$U. 1 Die von Stolle mitgeteilte, an den Pnjwt Sixtus IV. (1471 — 1484)
gerichtete Ci tat ion des Erzbischofs Andreas Zamometic' von Krain (archiepiscopus
i'rayucnsis) — s. über ihn u. a, Jac. Burckhardt, Erzbischof Andreas von Kraiu
und der letzte Konzilversuch in Basel, 148*2 — 1484. in den „Beiträgen zur vater-
ländischen Geschichte", Bd. V, Basel 1854, S. 1 — 106; ferner Andrea Zamometic',
Münchner Dissertation von Jos. Schlecht, 18U4, welche aber in der Lebens-
beschreibung unmittelbar vor dem Konflikte abbricht; das vollständige Werk
wird erwartet , ist aber bis zum Drucke dieser Zeilen noch nicht erschienen —
ist wahrscheinlich aus den Papieren des Hugo von Laudenberg, Prolwtes zu
Erfurt, abgeseh rieben, landen borg war im Mai 1482 als päpstlicher Bote in
Begleitung des Bürgermeisters von Zürich, Hugo Rösch, nach Basel gekommen
und hatte Anfangs Juni 14^2 die Auslieferung „des Verbrechers" an den Papst
verlangt (Burckhardt a.a.O. S. 32). Landenberg ist noch am 3. September 1482
in Basel und tritt mit dem päpstlichen Gesandten Prior Huttenheim vor dem
Rate auf, und im Anfange des Jahres 1483 wurde von ihm im päpstlichen Auf-
trage sowohl Venedig als Basel zu gleicher Zeit bei den Eidgenossen verklagt
(s. Burckhardt a. a. O. S. 47 u. 87). Dass Landenberg später in Erfurt verweilte,
so dass Stolle mit ihm verkehren und Abschriften aus seinen Papieren nehmen
konnte, geht daraus hervor, dass er, der Probst von St Maricsu in Erfurt, sich
im Herbste 14U7 an der Erfurter Universität inscribieren Hess: Dominus Hugo
de Landenberg de Alto Landenberg, praepositus ecclesie beute Marie Ertfurdensis,
Constanciensis, Basileensis. Curiensis ecclesiarum canonici», sanete sedis apostolice
prothonotarius, s. Weissenborn , Erfurter Studentenmatrikel , Akten der Erfurter
Universität, I, 18SI , S. 418. Das Material, welches Numagen, der Sekretär des
unglücklichen Erzbischofs Andreas, der seit dem 18. Dezember 1482 verhallet,
am 13. November 1484 in seinem Gefängnisse erhängt gefunden wurde, als Gesta
Archiepiscopi Andrcae Craynensis in facto Indictionis Concilii zusammengestellt
hatte, und das in der bibliotheca ecclesiae Tigurinae, also in Zürich, aufbewahrt
wird, ist von dem informierten Theologen J. H. llottinger 1657 in seinem Historiae
ccclesiasticae Novi Teetamenti saeculum XV (d. i. Teil IV) pag. 347—604 ver-
öffentlicht. — Wir können hier natürlich nicht Näheres über Andreas von Krau
Digitized by Google
424
354. Stuck.
kathedrali basilee post majorem missam presenti clero et populo cum
solempnitate magna promissa et protestacione in hunc finem, ut iu
beibringen, von welchem Joseph Schlecht (der auf der breitesten Grundlage aller,
und zwar darunter virler bisher unbekannter Quellen und mit Benutzung aller
Hilfsmittel, gründlich und gelehrt über ihn forscht) a. a. O. S. 2 mit Recht
sagt, du** «eine Person im Lieht« der zeitgenössischen Politik aufzufassen, und
dass seine Ideen aus den Absichten der in Italien und Deutochland miteinander
ringenden Mächte zu erläutern seien. Nur möge erwähnt «ein, dann er nach
Schlecht i. d. a. Dissertation Erzbischof von Grauen im damaligen Albanien war,
das heute Krania heisst und an der Küste unterhalb Sa Ion ich i , Snndsehak
Sclanik, Vilajet Monastir, liegt. Die folgenden Bemerkungen erschienen nötig,
das von Stolle (Gebotene zu erläutern.
Dieser Erzbischof Andrcius, früher als Diplomat im Dienste de» Kaisers
Friedrich III. und als solcher mehrmals als Gesandter in Koni und auch in
Deutsehland thätig, dann mit dem Papste zerfallen und im Juni 1481 auf kurze
Zeit in Rom eingekerkert, worauf er erbittert über Florenz und Bern nach Basel,
den« Sitze des letzten Konzils, reiste, verkündigte im Münster zu Basel am
25. März 1482 feierlich während der Messe (des nmpto, s. Staatsarchiv d«* Kantons
Basel-Stadt, Urkunde vom 7. Juni 1482, Bescheid des Rates an Hugo von Landen-
berg) in einer an den Papst Sixtus IV. gerichteten und mit den heftigsten Anklagen
gegen ihn erfüllten Rede die Zusammenberufung eines allgemeinen Konzils als
Fortsetzung des Baseler Konzils. Das in seinem ganzen Verlaufe (1431 — 1443) im
Gegensätze zu Paj>st Eugen IV. stehende Konzil zu Basel, das überhaupt dem
Primate des Papstes feindlich gesinnt war und sich über ihn stellte, hcschloss in
seiner letzten (45.) Sitzung am 16. Mai 1443, dass binnen 3 Jahren ein anderes
allgemeines Konzil in Lyon abgebalten, bis zu dessen Eröffnung aber das Baseler
Konzil fortgesetzt werden sollte I*. J. Hergenröther , Handbuch d. allg. Kirehen-
geschichte, II, 1, 8. 94— lifo*). Es kam aber in der Folge kein anderes Konzil
zustande, trotz „des damals herrschenden Kitzels, die Obergewalt des Konzils über
den Pajwt zum Fcldgeschrei zu machen" (s. Hergenröther a. a. O. S. 117). weder in
Konstanz noch in Augsburg, wie es Kaiser Fried rieh III. vorsehlug. Das Baseler
Konzil schleppte sich nominell noch hin, da auf dem Reichstage zu Frankfurt im
September 1440 der Kardinal d'Allemand noch als I,egat des Baseler Konzils
erschien (s. Hergenröther a. a. O. S. 118), ein Gesandter von ihm auch auf der
Versammlung von Bourges 1447 erwähnt wird (ebenda S. 120); dann wurde 1448
das Konzil nach Lausanne verlegt, wo die Baseler in Gegenwart ihres Gegen-
papstes Felix V. am 24. Juli 1418 wieder eine Sitzung hielten, erklärte sich
jedoch endlic h in der 5. Sitzung am 25. April 1449 für aufgelöst (ebenda S. 121).
Demnach kann die Behauptung, welche in jener Zeit mehrfach aufstösst, als ob
das Baseler Konzil kein rechtliches Ende gefunden habe, nicht als gerechtfertigt
gelten. Gleichwohl erschien jene Ankündigung des Erzbischofs Andreas, welcher
sogar den Papst vor dasselbe citierte (s Burekhardt a. a. O. S. 3—4 u. 28). Wir
finden diese Gitation aber bei Numagen- Hot tinger nicht, nur heisst es a. a. O.
pag. 355: „miser ille Andreas dictus Craynensi« ]>ostquam corde invido et
dementi audaeia in choro ecclesiao Basileensis execrabilia in summum nostmni
Pontificem Dominum Sixtum IV. pnpugissct, saernm Concilium Ecclesiae sanetae
Gatholieae insulsa pronuntiatione prominens, e. q. s." Denn Numagen scheute
sieh wohl, da er seinen Patron bald als „eerebro laesus, non sui compos semper,
sed amens. in parte vero amente periculosior4, glaubte erkannt zu haben, diese
anklagende Gitation seinen Papieren einzuverleiben, oW'hon er sie doch selbst
dem Wortlaute nach auf Weisung des Erzbisehofs abgefassl haben muss, wenn
auch die spätere Veröffentlichung durch einen anderen als den vorsichtigen
Numagen geschah. Ich schliesse »lies gerade aus Numagens gewundenen Worten,
a.a.O. pag. 357: ..{»ostquam citationeni contra dictum Pontificem summum, non
stilo per se, i|uatnvis ritu seribendi incomptam , ne dicam iure, ineptissimam,
>ed >olo jussu |ht alium quendam edidisset, multa eius rogatu scripsi , quae me
habita illius intentione oj>ortuit componerc , et aliquo fuleire ornatu, ne de
Digitized by Google
■
334. Stück. 425
gacro concilio provideatur fidei katholicc oppresse, et ut restauretur et
reformetur ecclesia parte dissipata, quod ita fit ex artieulis subscriptis.
Sanctitas tua potest precipere, quod sacrosancta» ecclesia roraana,
que dissipata, desolata et ruinata est, concilium petit pro restauraciono
et reformacione.b 0 dive imperator Semper auguste, o cristianissime
et devotissime rex francornm, o viri religiosi,c o viri serenissimi reges
hispanie, portigallie,d anglie, scocie, dacio, polonie, bohemie, ungarie
et regni cecilie0 illustrissimi principe« f, reddituri estis racioaem deo
exg negligentia vestra, quia permittitish sixto pontifici destruere fidom
katholicani et sacro sanetam ecclesiam, matrem vestrara, cuius sixti
pontificis condiciones et opera respicite et considerate. In primis
■ B Ittfftnnt: Sacrow neta RnmiMia ecclotla diacluata, dcanlata et rninatA concilium petlt ...
Diejenigen Ahweichunpou , Hlo sich au* der Vvrwchicdenlioit holdor, unm-rer HS und dew ItaM'ler
Drucke«, hinsichtlich der KammiR Id der JS. oder 3. Perw>n erxetw-n , bleib»-»! unbertlckuk'btlKt ■
»' B wtr.t bJiwn: mii Ifwlu«. c B: o «orcnlMlml roRo« HUpauie. J B: Port;i|t«lllc. u B:
O llh»«trlwiuil. r B wt/.t hinzu : et omucs Chrlntl Adeln. K B: di>. IIS fjüaeh: pro
ralttltla.
ineptiis suis, qua* articuli sui et citatio praedesignata mille Iocis ostendunt,
scriptor potius arsruatur quam praeeeptor." — Wohl aber teilt Numagen zwei
andere Anklageschriften des Andreas mit: 1. vom Margareten tage 1482. also
vom 18. Juli 1482. a. a. O. pag. SRO -367, und 2. vom 21. Juli 1482, a. a. O.
pag. 368— 374; s. über diese Burekhardt a.a.O. 8.35 ff. Hier bei Stolle er-
scheint der Wortlaut der wichtigeu und entscheidenden Citation (schon am
27. A pril 1482 ist ein päpstliche» Breve an den Bischof" von Basel erlassen,
s. Burekhardt a.a.O. 8.29), in der Form der Hede, wie sie Andreas am 25. März
1482 im Chor«1 des Münsters zu Basel hielt. Dieselbe soll (nach eiuer briefl.
Mitteilung de« Herrn Prof. Dr. Schlecht) noch in einer Münchner Handschrift
vorhanden sein, die mir nicht zugänglich war: dahingegen hat mir ein Baseler v
Druck (ans dem Staatsarchiv des Kantons Basel-Stadt, in einem Rotulus: Andreas
von Krain, Oopiae 1482 Mai 4 ff.) vorgelegen, der aber die Citation nicht iu der
Form der Anrede an den Papst mitteilt, sondern in der 3. Person (wohl ein
öffentlicher Anschlag), auch den Anfang und das Ende weglässt. Mit Hilfe
dieses Drucke« (B von mir genannt) glaube ich einen lesbaren Text hergestellt
zu haben, denn die Abschrift ist von Stolle fehlerhaft, weil hastig gemacht;
wurde doch schon der Besitz oder das Zurückbehalten von Schriften des Erz-
bisehofs Andreas (s. Creditiv des päpstlichen Gesandten Mansella vom 15. Dezbr.
1484, s. Burekhardt a a. O. S. 9*) mit dem Interdikte bedroht. — Weiteres und
Genaueres über die ganze Angelegenheit bietet: Staatsarchiv zu Basel u. a. Ur-
kunden aus dem Jahre 1482; desgl. Offnungsbueh 1482 ff. : s. auch Anshelm,
Berner Chronik; Raynaldus in seiner Fortsetzung der Annales ecclesiastici von
Caesar Baronius, Bd. XIX ; Ochs, Geschichte von Basel, IV. S. 383 ff, 405.
Wurstisen, Baseler Chronik, VI, cap. 14: ferner Beumont, Geschichte der Stadt
Rom, III, 1, 184 und im Archivio stor. ital. u. ser. II, 2, 249 sqq.; desgl. in
Lorenzo dc'Mcdici TI, 254 ff. Ranke, Geschichte des nun. Papsttums. S. 292;
Pastor, Papstgeschichte II ?. 515 ; Chmel, Monum.Habsb.il, 330 ff. Erich Frantz,
Sixtus IV. und die Republik Florenz, S. 343 ff : Wetzer und Welter, Kirchen-
lexikon, 2. A. von Hergenröther, I. S. H37. Ul»er Sixtus IV. s. d. röm. Notar
Stephano Infessura (b. Eccard, corp. bist. med. aevi II), welcher selbst Augeuzeuge
der Greuel jener Tage gewesen ist und über Papst Sixtus nicht eben vorteilhaft
urteilt, s. Burekhardt a.a.O. S. 22 ff. — Unser Kommentar erstreckt sich nur auf
die nicht allgemein U'kannten Thntsaehen, sieht aber von strittigen Kragen, die
in grosser Anzahl der Natur der Sache nach erwähnt werden, und von Funzel -
heiten ab, namentlich der italienischen Territorialgeschichte, in welche der Papst
vielfach verwickelt war.
Digitized by Google
426
334. Stück.
tu, sixto pontifex , tanqnarn heretieus postposuisti deum, justiciara,
eius fidem katholicani et honorem romane ecclesie* Item tu, sixte,
lieretice tenes, quod preter istam gloriam mundanamb asseris nullam
aliam esse. Et hecc approbas, quia ad te vigent superbia, vana
gloria, pompa, injusticia, vanitas et ambicio et omnis iniquitas."
Item tu, sixto, lieretice, diaboliee' et inimicabiliter approbata por
summum et verum pontiheem pium- bone memorie et per uni-
versalemp eoclesiam reprobastih Stigmata videlicet sancto katherino
de senis:t sacratissimi' ordinisk predieatorum. Et do hoc disputabitur
in1 concilio futuro.m Item tu, sixte, per symoniam ascendisli kathedram
v Petri"; quod itasit, interrogandi | sunt reverondissimi domini cardinales,
qui hoc sciunt, et tota curia romana." Item tu, sixte, syraoniace et pro
pecunia concedis ecclesias tarn majores quam minores.«' Item tu, sixte,
symoniace et pro pecunia i fecisti et facisr cardinales/ Item,' sixte,
(pii replent manus tuas muneribus, efficiuntur" prelati et sacerdotes.*
Item tu, sixte, exaltasti et sublimasti pueros stabularios et ydeotas;
bonos et sapientes oppressisti." Et quidem prelati digni* existencia*
tarne pereunt* Item tu, sixte pontifex, multociens signasti suppli-
caciones fraudulenter, quo sepe symoniace dotantur." Item tu, sixte,bb
concedis bullas graciosas symoniace et pro pecunia, quas habitasc<
revocas et iterumdd concedis et nunc'0 modum invenisti exaetionandi"
-
•
■ B «>t*t hinzu: denigrando elua famam. b K: tiutuanam. 0 B: hoc. * B: in.
" » «ebit hinzu: quo sunt dlrccte contra utatuui pontlficalcm. f Bt dlaboliceque. * |{ fallt
die Micke in HS durrb dlo Worte: et per universalem au«. «• H stellt videlicet um. 1 Am B.
k B M-tet hltwn: fratrum. * B acut hin*«: »aen». •" B: Um pronnm-lato. n Fohlt in I«.
" Ii netzt hinzu: qui« di»|ienaavorit cum eo de «yinonia, rclinquo divlno iudlclo. f B «etat
biuzu: cum tnaano diacrimtno ecclenie sau« te del, 'I et pro pecunia fehlt in B. r B setit
hii:zu : dominus. " B nvirt hinzu: ceeletle lomaiif. Hots totl mundo notuin c«rt. ( IIS fetoh:
Item tu. u HS: efticiunt, B : efticiuntur. v B *etit hlnxu: (lerobeain qui diel* de roinisterio.
w B setiet hiiina: et »ppreuog tenot. * B: dlRiil^nlmi. Z B: existente» in urbe. • B »rttt
hlu/.u: prnpter impletatem Slxti pontlriela, qnia boul et aaplentea aunt. B: <!ailnt« fuemnt
•■t d.-ulautur falc). Item qui a Sixto andicnoiaui voluut, lauitorluu« pecunia« aolvunt. O renale
Kenn« Dominum, (juld fnd« in loco wincto? ,,b B: coiic« «dt et comedlt. " HS: qua babite
dl1 B «etat hinzu: pro prenomiuata •ynomla. L« B: Hnnc enlm. n HS: exacelonaadl.
* Papst Pius II, (1-458— 1464>. 8 Katharina von Siena (de Seni*\ Do-
minikanerin, heilig gesprochen von Papst Pius II. i. J. 14(51. Später erhob «ich
ihretwegen ein Streit zwischen den Dominikanern und Franziskanern. Sie hatte
nämlich auch die so»;. Stigmata an ihrem Leibe getragen und wurde von ihren
( irdensgcnosscn mit diesen Abzeichen dargestellt und verehrt, wie es scheint,
unter Zustimmung von Pius II. Dagegen erhol>en die Franziskaner FJnsprueb,
unter dem Vorwande, dass diese Abzeichen allein ihrem Ordcnnstifter, dem
heilig. Franziscus. zukämen. Sixtus IV. als Frauziskaner (als Minoritenbruder
Franz von Savona lehrte er als Professor in Padua) stand darin seinen Ordens-
genossen hei, und verbot unter schweren Straten, an den Bilderu und Statuen
dieser Heiliiren, die Stigmata anzublinken, vielmehr sollten sie, wo sie vorhauden
wäiien, durch Übermalen oder Abmeis.selu entfernt werden. Das brachte grosse
Aufregung und Krhittcruug l>ei den Dominikanern hervor, die durch den Übermut,
mit dem die Franziskaner die Ausführung dieser päpstlichen Verordnung betrieben,
noch gesteigert wurde. Wirklich hob Sixtus seine Verneinung wieder auf; aber
das ges« hah erst i. J. MfsJ uml mag durch diese Anklage des Dominikaners
Andreas mit veranlasst sein. Zur Sache s, Hot Untrer bist. eccl. s. XV (s. pars. IV)
pag. M s<|.
Digitized by Google
334. Stück. 427-
et depredandi clorum et» cristifidoles. b Item tu, sixte, cum pueris, qui
te et ecclesiam regunt, polluendo sacrum pallacium patriarchale anichi-
lasti et deturbasti honorem ecelesie per totum orbem terrarum.0 Item
tu, sixte, cum fratre petro, cardinali ordinis minorum, et thiresia
meretrice etconcubina, dissipasti thesaurumd congrogatum0 per summumf
et verum pontiiicem paulum,1 bone* memorie, predecessorem tuum, in
conviviisb et aliis 1 vanitatibus. Item tu, sixte, cum puero jeroniuio,5
filio tuo,k dissipasti1 bona et pecunias, videlicet reverondissimorum
dominorum eardinalium,'1 qui obierunt,m videlicet theanensis," nicensis,"
reatini, aquilegensis,'' januensis,*» arelatensis. r de ursinis, spoletani,
pactensis,* comensis,1 terracinensis," castellani, bononiensis'/ ame-
!iensisw et tratris petri et multorum* aliorum prelatorum et curialium,
et omnes pecunias, quas recepisti prevendieione> ecclesiarum et digni-
tatum cardinalatus.« Item tu, sixte, cum filio tuo jeronimo puero sce-
leratissimo" | dissipasti bb substanciam ecelesie totamcc et non desistis. -4s
dissipare.,,d Item tu, sixte, alionasti civitates, castra et oppida ecelesie
ab ecelesia*" et dedisti parentibus tuis ecclesiam dej)auperando et pa-
rentes tuosff ditando. Item tu, sixte, oppida et castra plura ecelesie
vendidisti et pignori tradidisti; quas pecunias in bello injusto contra
dominos florontinos7 exposuisti. Item tu, sixte, injuste et nequiter
volens^ facore filium tuumhb regem romanorum et dominum tuscie"
etkk tlorencie, misisti eardinalem* saneti georgii legatum" puerum
cum muJtis armatis florenciam, qui satellites tui f!orenciemm in
ecclesia kathedrali dicto legato presento et in elevaciono corporis™
• Fehlt In 118. b B a^tzt hinzu : por tolutu orinsm terrarutu. Ad hoc quid dlxerunt elvi -
tat«« Imperial«**, que hal.uorunt cxperieuclam, vel iiuid In e.oneillo. c 11 setzt hinzu: et quod
pciiw eat, tnlldele« et hrretiel n«n Ignorant. a B : tlicuatirtM eceleaic. • B : conttregatos.
■ HS: aummum pontltkem et verum. * B: pH*. ** B aetzt hinzu: in pompla. ' B: In
aliia. ** B aetzt hinzu: deatrnetore ecelesie. ' B setzt hinzu: ot conaumpait iuuUllter «t
absqu« atllitate occlaal«. m Ii: <|ut all hoc secuta deceaaerunt In numoro duodecün <c< fchlon
dann die 14 Namen). n BS: tbyaneotL». ° HS: nlceni. I' HS: aqullt-gl«*. 'i IIS: Janue.
r HS: arelatonal. ■ HS: paeienit. » HS: contcnal. u HS: tymaonenal. v IIS: bono-
nlenal. w HS: ammonleuals. * B: niultorumque prelatorum ut allorum curtalluiu. f IIS:
perveodiclono. ■ B setzt hinzu: <]uoiiu>du orgo atant cardiuos [nie] ecelesie erneute« digultatom.
*« IIS: teloratlaalmo. tb B: con.uiiq.ait. ec B astzt hluzu: In pompia. ,,J B: coasumere,
al aliquid nit realduJ. *» B: ab ca. n B «olzt hlozu : rm.Bc.». s* B: dcslderan«. ,lh B setzt
biuzu: Jemnlmum. " HS und B: Ttuaie. kk B netzt hinzu: prveipue. " B setzt hinzu:
B'-dL* ai>oxt<>llci>. tam B setzt hinzu: ot. nn B Best etwa« veritndert und vollständiger:
Jesus Christi interfercruut qucnriain Invcneiii lunucentoiu, de Medicia Jollauum nomine, plum et
bonuui, — O Saraceni quid dirltla d« boc — et elc* l rat rem videlicet inaifnilicuin Uurenciuw
4 Papst Paul II. 1464—1471. 0 dirolanio Hiario, von welchem mau nie genau
gewusst hat, oh er als Neffe oder Sohn dem Papst Sixtus IV. nahe stand. In der
R« »magna gelaug es ihm, sich in Imola und Forli ein Fürstentum zu grüuden;
h. Hurckhardt a. a. O. S. 22 f. Hei der nicht hu ige währenden Kinkel kerung des
Frzbischofs Andrea.«* in Rom (hu Juni s. Jacob Volaterra , Diarium
Roiuariiim, hei Miiratori, script. vol. XXIII) war er heteiliut (■•». Infcssura I. I.
col. 1U07); ea he.stand al«o eine p*'rsonliehe Feindschaft zwischen beiden. '' Die
Ortnnanien der Kardinäle *ind verderbt; wir haben sie durch Verinutuni; fest-
zustellen versucht, ohne für jeden Namen hür<ren zu wollen. 7 Dieses und das
Folgende bezieht sich auf das Verhältnis des Papstes zu Florenz und zu den Medi-
ceern vor und nach der Verschwörung der Pazzi und zu dieser seihst, worüber
schwerlich sich je wird ganz (Jenaues teststellen lassen. s S. ob St. 325 A. 10.
Raffaele Riario war diaconu» cardinalis saneti CJeorgii ad veluin aureuni.
Digitized by Google
428 384. Stück.
Cristi interfecerunt quendam juvenem innocentera nomino Julianuni de
Medicis et eius fmtrcm magnifieum Laurencium vulneraverunt, volentes
cum eciam* interficere; anxilianteb virgiue gloriosa evasit. Ex qua
injusticia et prodicione0 archiepiseopi, sacordotes«1 et multi nobiles sus-
pensi et intorfeeti fuerunt, quia proditores erant per te° missi ad hoc
malura peipetrandura. Et ultra hoc fecisti eis bellum per annum in-
justum/ dcmuni* interdietum posuisti in eivitate florentina, quod per
duos annos duravit, et hoc sine ulla justicia et absqne culpa h ipsorum
dominoruni florentinorum. ltetn' tu, sixte, fecisti contra justiciam
h'Iium tuum jeronimum dominum'' forlinii et1 jussisti interficero duos
juvcnes innocentissimos, qui erant veri heredes et™ veri domini alnie
urbis prenominate. Item te sciente puer jeronimus subniergi fecit in
tyberim prope" pontcm sancli angeli quendam juvenem nobilem civem
immolensem0 absque culpa illius. Item tu, sixte, habebas fedus et«*
intelligencias secretas cum soldano babilonie ad perficiendum id,*» quod
desiderabas contra predictos dominus florentinos et alios potentatus
» ytalie.* Item tu, sixte, desiderans* | desolacionem illustrissimi dominii
venetorum misisti roginam cypri '•' catliolicam et satis speciosam ad sol-
danum babilonie ad inducendum ipsum per eam contra prcnominatum
dominium, que1 per duos annos moram traxit apud cum, et hoc est"
contra fidein katholicam. Item tu, sixte pontifex, una cum puero jero-
nimo oppressos tenes revercndissimos dominos cardinales, qui diligunt
justiciam v et bonum statum occlesiew O* patres venerandissiroi*
et eristianissimi principcs, apcrito oculos vostros et respicite eonsi-
derantcs statum vestrum/ ne pcreatis, quia homo subverse pacis,
sixtus pontifex, nichil aliud desiderat tiisi discordias nec aliud querit
nisi ponero disscnsiones, querelas et tribulaciones, ut ipso possit regnare
et ditare parentes dissipando destruendoque occlesiam cum filio suo
jeronimo puero. O intclix ecclesia doi, quia pueri te regunt et prin-
cipcs precipiunt, ita ac si non cssent principcs. Item tu, Sixte, sus-
citasti divisiones inter potentatus ytalie tempore, quo debebat fiel i
expedioio contra M inmanissimos Turcosbb, et contra cc nonnullosdd fecisti
* B: eriam eadoui hvrn. b H volWländljter : auxlllante cristo et vir« Ine glorluaa, cnias e»l
devntii«, ^vAsit roaniiM Impl'irtna e B »etzt hinzu: Sixtl. *• K «etcl hinzu: doctore*. e IIS:
fort?, aber II per Slxtuiii jiontiHccin I' R sottt hinzu: i<t indebltuni. K B netzt hfnsu : ecUm.
h iwh Ii: HS Heut : Uloram euiKeorHirnin. ' B »tollt die W««rte : „Hein ...... contra jiutlciam"
bis ,.»Iiwjik> culpa illliw" hinter: bonum atatuin ecchnle («ncto >\vl). k Aus B ergänzt. ' B aetzt
luwu: u« im|«.lircDt eum. '» An* B cruiiuzl. " IIS: per (faUche Auflösung einer Ab-
kürzung). " NVh B: FS: tnvaleinwm. Au* B ergänzt. 1 Au* B ergänzt. r B wttt
bltuti: Holum iuI Imic fincm , ne tiervt exiKdiel- i-oiitrr. inuianiiuimuiu Turcum. " HS.
iIc-mIcKthh * N»oh H: IIS: (|iiih1. u U: et h«c fult dln«rte euntra. T B netzt hlnm:
liilcm <-ath«llcam. w B netzt hinzu : »aoc.tc dei. * Man Folgende fehlt In B; auaeerdum Ut viel««
umgestellt. 7 HS «>. p. v. * IIS nimm ... pari* vr (f'ulwhe Stellung). " Krgäntt au«
B, <l<-rt: espediel., contra honte» commune«, »idelieet Turcos. >-b IIS: iniuaniMiiniini Turcoruro.
cc Krgün/.t -«u» B. HS: nouuullas.
9 Cateriiia Coniuru, grb. 14M in VenMig, vermählte stich 1472 mit König
Jacob II. von l.'ypern; nach drs.-cii ToiU , i J. l-l-SO, wurdr si<- von di u Venezianern
veranlasst, ilnx n «Iii Ins. l zu üb« rlassi u ; « l« r liier p nannt«- Hnltan ist Moham-
med II., der (iro-se, der Eroberer von Constantinoi»«'! ; er regierte v. 1451—1481.
Digitized by Google
334. Stück. 420
bellum justum et indebite* ad hoc,b ne fieret expedicio contra6 hostes
religionis cristiane, qui fuderunt* sanguinem innocentem et continue
effundunt te permittente. 0, sixte pontifex, reddes0 racionem deo in
novissimo d;e, nif forte in hac vita ages* penitenciam et petes'1 veniani.1
O infelix causator* malorum,1 nim forte parcet tibi deus. 0 eximiin
patres opiscopi raanentes in curia romana cur sequimini porupam sixti
pontificis et ejus curie caudas mulorum" et mularunJ,, exponitis redditusq
ecclesiarum vestrarum inutiliter et illiciter postponentes pascere* oves
cristi jhesu, quas debetis1 conservare verbo et exemplo, et de ipsis
reddere racionem deo in novissimo die; et hec omnia mala proveniunt"
ex te, sixte pontifex, pater pompe et vane glorie! Item | tu, sixte, 24»
coegisti illustrissimum et devotissiumm dominium venetorum inire
pacem cumT inmanissimo thurco sitibundo sanguine cristiano,* hoc
cum magno discrimine et periculo tocius religionis cristiane.* Item
tu, sixte, per dominum gentilem de spoleto episcopum5 ananenseru*
seducendo induxisti cristianissimos dominos foderatos** contra illustris-
simum et devotissimum bb ducemce mediolani, qui tantam stragem fece-
runt effundentes sanguinem innocentem dd in dominio,c serenitatis sue
credentes benofacere," attamen male fecerunt et injuste, quia per te,
sixte, decepti fuerunt. Item tu, sixte, posuisti discordias et lites janue
inter duos presbiteros, videlicet intor reverondissimum dominum archi-
episcopum januensem w cardinalem et inter illustrissimum et revcren-
duin dominum prothonotarium do flischo, qui inter se,,h magnam1'
stragem hominum feceruut; quem prothonotarium decepisti in dignitate
cardinalatus, akk quo tot et tanta beneficia recepisti, quuin" totus
mundus contra te erat et precipue tota ytalia. Item tu, sixte, tam-
quam,nlI, amieus turcorum, voluisti inducere totam nacionem germauieani
et regnum ungarie contra illustrissimum et serenissimum dominium
venetorum, quasi non esset illustrissinmm dominium venetorum vere
religionis"" cristiane."0 Item tu. sixte, suscitasti preliap»' inter cristi-
anissimum,,,' imperatorem et serenissimum regem ungarie et conservas
illa.,r Itenr" tu, sixte, suseitasti prelium inter cristianissimum itnpera-
■ HS; I nl iiüte. b It: ad tiunc rinen. 0 II setzt hinzu: preiiominatos. u HS: effude-
runt. « HS: rodde; B: ruddet. • HS: ue. K HS: age. ^ HS: pete. ' B liest den
ganzen Satt anders, allerdliiK* fehlerhaft: Kt de hoc. Slxiu* pontlfev reddot nu-tonem deo in oovi«
shuo die. Et ue forte etlam in hat: vita et *i adhuc egerit penitoiH-lam et petlorit vniian« a de...
k HS: arlwitor. 1 HS setzt die hier unverständlichen Worte hinzu: et »I te penitebit. m HS: ne.
n It ander*: Item SIxto regnante patres eplscopi maoentes in curia seqticntes ponipain ipsius et
curie eluft. " HS: tu da* nulorum ■> HS: et, nach It et niulanim. '> HS: reddltoa; It :
introttn*. r B: illicite et iodehlte. ■ HS: pastor. 1 B: ha beut et debent. " It: prove-
unruut et proyciiiuiit. v ergiluzt au« It. n B netzt hinzu: et. * IS netzt hinzu: per
Slxtum coscti fuerunt. V'c , vc eeclesle turne to dei haheati talem porititlecuj inimieuui rellginnia
Christiane. -v ergänzt aus Ii. * IIS: auauifiiaeui. •» HS: eonlense«. bb B: iimocentis
ilmom. enjiinzt aus B. ,M HS: hnmacentem. HS: domino. n B netzt hinzu:
pro defenaloue eccle»le , und filhrt so fort : quia per Slstuio indncti et decepti fuerant , fcuuquam
vorl et Indubitatl chri.tianl «« HS: januensem et cardinalem. ,,h IIS: In te «e " IIS:
magnum. kk B: ae. 11 B: tempore, quo. ,nm aus B, HS: eauls, jaui. "" HS: rcllgione.
°« B liest die (ranze Stelle andern: dominium Veootorum, quod qutdeiu (Druckfehler: quldaro1
dominium temporibuK lapgis mnlta teclt pro dofenaloue fidel. Kt nunc caiutante Slxto nh-hil, quo<t
fedus habet cum Türe», prent «uperlui dictum ost. W HS; prelium. 'l'i B netzt hiuzn :
dominum rr H setzt Hinzu : inulta pennitteudo et pecnula* |K>rrigendo domino rogl (Druckfehler
rege) Ungarie. « Dieser Satz fehlt In B.
Digitized by Google
430
SM. Stück.
torem et serenissimum dominium venetorum, quasi non esset prelium
inter1 illustrissiraum impeiatorem et serenissimum regem ungarie, et
conservas illa. Item tu, sixte, suseitastib discordias inter serenissimum c
imperatorem et illustrissimos principes.d Item tu, sixte, quociens'
posuistU gnerras inter cristianissimunU regem trancorum et illustrissi-
nuim ducem burgundie karolum, pie memorie, et nunc conservas
▼ preliah | inter1 suam majestatem et inter illustrissimum arehiducem
maximilianum.k Item tu, sixte, paratus es1 suscitare prelia inter sere-
nissimum regem polonie et magistrum ruthenorum.m 10 Item tu, sixte,
prestitisti favorem" ruthenis" exconimunicando'> magistrum Iivonie,*1 11
A „prclinni inter" int von nn* ergäuxt. h It: wpe prwuit et ponit divUione*. e B »ettt
hinzu: 'flumUiiiin. ™ B m*t/.t hinzu: wwrl roinani impurll, quia sunt nimi* boni rbrittl&ul eredenle*
Slxto pontinci , quo noi» *uut vt*ra. • fublt In H. r B: et simtiUvit prelia. * B tctzt
hinzu: et «levotiiwiniuui. '* fehlt in R. 1 HS: iu. k IIS: tnaxUnum. B Mtr.t hinzu:
Iteio Sixtu« dedit operam »tuwlt&ndi prelia inter Kerrubutimuni regem Illtpanie et epUcopum Tollr-
tanum 1 15: fuit in cau*a preliortim. "' IIS: rittonorum , B: llrntenoram. n 118:
fervt-rrm. ° IIS: In thente. IIS: excitando. *i US : llnuncm.
Es scheint, als ob Erzbisehof Andren« als Slave Partei für den polnischen
König Kasimir II. in dessen Streitigkeiten mit dem wackeren Hochmeister des«
deutschen Ritterordens (Rutheiiorum — Russorum - Borussorum) Martin Trueh-
sess von Wetzhausen (1477 1489) genommen habe, als der letztere nach seiner
Erwählung zum Hochmeister dem polnischen Könige den Huldigungseid nicht
leisten wollte. Auf des Hochmeisters Seite standen und unterstützten ihn der
König Matthias Corvinus von Ungarn und der Papst Sixtus IV. Joh. Voigt
((ieseh. Preussens, 9. Bd, 1839, S. 99) schreibt: „Daher erliess, um ihn [d.h. König
Kasiniirj im Zaume zu halten, der papstliche Nuntius Balthasar vou Piscia von
Breslau aus (denn der Ordensmeister erkannte nur den Papst als Richter in
seinen Streitigkeiten mit dem Polen könige au) an alle Geistlichen Deutschlands.
Böhmens, Ungarns und Polens ein öffentliches Ausschreiben vom 24. Mai 1477,
worin er bekannt machte, das* er kraft päpstlicher Vollmacht den König von
Polen auf das nachdrücklichste ermahnt habe, den König von Ungarn, welcher
gegen Türken und Ungläubige (d. Ii. gegen die Böhmen und ihren König Georg
BodiebnuL kämpfte, nicht durch Krieg zu belästigen", eine Mahnung, welche
überall durch die ( ieistlicben beim Gottesdienste bekannt gemacht werden sollte,
Audi wurde der Kampf des Polenkönigs gegen den deutschen Ritterorden wirk-
lich eine Zeitlang hingehalten und wesentlich gemildert, später sogar der Polen-
könig durch päpstliches Breve vom 15. Januar 1478 wegen der Nichtbeachtung
des obigen Erlasses förmlich iu den Bann gethan , und alle seine Unterthanen
durch Erlass des obeu genannten päpstlichen I Legaten vom 19. Januar 1478 ihres
Unterthaneneides , auch der deutsche Ritterorden seines Ijchnseides entbunden.
Diese Einmischung des Papstes ist sicherlich von Andreas gemeint. 11 Dies«*
Itezieht sieh auf die ärgerlichen Strcithäudel des Erzbischofs Stephan vou Riga
mit dem Meister und dem Orden der Schwerthrüder in Livland. Dieser Orden,
durch den livläudischen Bisehof Albert von Appeldern 120*2 gegründet, war
durch päpstliches Breve vom 14. Mai 1237 mit dein deutschen Ritterorden
vereinigt worden, doch m> , dass der Inländische Teil des Ordens noch als ein
selbständiges Ganze betrachtet wurde, der livläudischc Land- oder Ordeusmeister
ab« r der dem Hochmeister zwar verantwortliche Regent des Landes war, jedoch
noch im Innern wie nach Aussen mit voller Regierungsgewalt bekleidet war;
s. v. Bunge, Der Orden der Schwertbrüder, 1*75. Schon im Jahre 1476 (S.Voigt.
Gesch. Preussens, 9. Bd. S. 9:$ f.) hatte der Hochmeister des deutschen Ritterordens
Heinrich Refle von Richtenberg 1 170— 1 177) persönlich vermitteln wollen, aber
nur gereizte Entgegnung gefunden. Durch Breve des Papstes Sixtus IV. vom
24. Mai 1481 war der Nachfolger Kichtenbergs, der i.A. 10 genannte Hochmeister
Digitized by Google
*
334. Stück. 431
qui seraper egita bellum contra eos pro defensione fidei,b et tu injuste
oppressisti eum.c Item tu, sixto, pcrmisisti turcos invadered regnum
Serenissimi regis fernandi,0 desiderans ejus expulsionem a regUo suo
et continuef desiderans, qui noluit annuere* maliciis tuis. Item tu,
sixte, romam fecisti esse babiloniani, quia in ea vigenth blasphemie
dei et sanctorum, ludus, homicidia, latrociuia, deperdaciones,' oppres-
siones viduarum et pupillorum, violaoionesk virginum, adulteria,'
tbmicaciones zodomite et meretrices, violaeiones monasteriorum m sancti-
monialium et beginarum, et quod peius est, a pluribus monasteriis,
que seronissimi imperatores eonstruxerunt," expulisti0 eas, que glori-
ticabant deum, et dedisti illa'' parentibus tuis, ut ditares eos, in quibus
nunc inhabitant latrones etf| ribaldi; ipse vero neeessitate conpulse
effecte sunt meretricos in urbe.r Ecce, o- fidelissimi eristiani, opera"
sixti pontificis et condiciones ipsius male et pessime, quia nemo audet
oo regnante1 contiteri veritatem" neque defendere justiciam, idcirco ne
totaliter destruatur religio cristiana et ne desolctur* funditus ecclesia
romana, sed refornietur,w te sixtum pontiticem cum omnibus eomplici-
bus tuis sancta* et inmaculata justicia citat ad concilium' sub penis
et censuris sacri1 concilii. Et quum aa a noticia presencium de eeterobb
non valeas exercere officium pontrticis, etsi presumeres,11 exnunc prout
extunc et extunc prout exnunc justicia cassat,,,J irritat, reprobat et
* K: aglt. b it »cUt hinzn: catbolico. c B liest: Kt ipae. Sixtim Injimte oppreasit cum
et tenet opproiwam. O pllMltni et chrl»tl;inla«lml prlnHpe« , aperite oeulos ventros i-t rmpSeite
eonsideranlea statum vestruni, no pcroatls, quia bomo iulmlcuR pacta, vldvltcet Sixtus poutifox,
nirhll aliud deaidcrat nlnl pnnero diwordia* Inter voa, noque aliud <|ucrif, Iii«! generan- dlvi»|i<iu-n,
g i«>rra» et trlliulacloiie», ut ip*o posalt regnarc et dltare parentea suua nmtico* dlaaipando et
iteHtrueudo ei-cleaiam uua cum HlU> auo Jeronlmo puero. O Infclix eroUnla sancta dci, quia pueri
te regunt et prini-ipibu» preclptunt Ita a<- si in>n ensent prluclpea! IIS: uvadere. L- B:
Kenlenandl. f Ii: cotitiniio. LüYke in der IIS (liest aueö quia» , die beiden Worte au« H.
B fal«cb :tlent. » auch It lieat: de|>erdaclou«i. * H : atupra. 1 HS: adultorl. "' IIS setzt
hlnxu: «tc. " B: eonatructU per Berenlaniiiio« deminos Imperator«* ° HS: extullstl, B: expullt.
i' au* B ergänzt, h au» B organat. r B setzt u<icb liinxu : O *poiue Chriatl, cur b<>e. facitia?
<> reverciiditaluii palre« eccleaiaaticl et omues aereniaaiuii principe*, tbeaaurue ctuleaie congregatu«
per toturo orberu terraruro, et qtii contimie enngregatiir, per indulgcncUa Sixti pontifici«, que mint
itiagne, exorbitacic, deiiigriuitc* Adern ratliulican), qnomodn exponltaa e«t et qualitcr exponltur male
et lii'leblto j.er Slxtuiu poutitfeein et per oiu» liliuni Jeronimuui 1 ltetu pecunle d<- anuatia pereepte
et <|iie perHpiuntur, item peounlo di-cimanun , item |iecuiile extorte a «uliditici «cclcsio per phan et
uephax ot ati «iunibim allis ('hrigticolln , otnnea et «In pule perveidunt ad luaiitm puer! Jcronimi.
cum utiximo dampno ot dedeooro ecekueie remane. Et alc exponuntur subsidia data et que dantur
cuutra iuiinanbtaiiDuin Turcum, iti favorem Ipsii» Turcl; nah »p«-*dc liuiua (Oruck fehler: cuIub)
Tunl Slxtua poutllex Uitnm niundum declpit. » ergHnxt aun B. 1 IIS: regnautl. " B aetzt
bln/u: In curia nunnna. r B: ruat. w B actst lilu/.u: et Aden catliolka dct'eiulatiir. « HS:
aanetam. r B »oltt hlnr.u: generale Um pronuuclatutn et ineeptum. 1 B: aacratiaaimi.
■» »: qaod. bb fcblt in Ii. cc it *«titt hitixu : quoquo m<»lo. «»«' HS: caaaatti«.
Martin Tmclisess von Wctzhauwqi, angewiesen worden, dem zum ErzbiHchof von
Ri^a ernannten Stephan (irube, tler Hie.h naeh seiner Rückkehr au* Rom längere
Zeit in Timm und Danzig aufhielt, unter allen (JmHtämlen zum Besitze der
Ki^aisehen iStiftsgüter zu verhelfen. Daher lw?klagt «ich Krzbisehof Andreas ul»er
tlie auf liefehl de« l'apstes einpenommene feindliche Stellung des Hochmeisters
gegen den livläiidischen Meister und dessen Vergewaltigung durch den Paj>st,
obechon wir eine Exkommunikation des livländischen MeisttM-s nirgends erwähnt
gefunden haben. Nach Voigt a.a.O. S. 140 A.2 findet sich Näheres über diesen
»Streit des Meisters vun Jdvland mit dem Erzbisehof v«»n Rica bei («adebuBch,
Livl. Jahrb. Teil I S.2:WiT. Es Hchcint, als ob Erabischoi Aiulreas hier Partei
gegen den geldgierigen Erzbisehof von Riga nimmt.
Digitized by Google
1
432 335. Stück.
reprobata* dicit, quousque in saero concilio aliter determinabitur.1' Ego
sr.o andreas, archiepiscopus craynensis% te sixtum | pontificem cum reveren-
cia, premissa protestacione, requiro, cito ad concilium propter desola-
cionetn ecclesie et injuriam faetam serenissiruo domino imperatori et
prineipibus sacri romani imperii, raichi iUata<md injusticiam non semel,
sed pluries. Et ut justioia habeat locum in omnibus causis concernen-
tibus personam nieam, elegi judiccs sanctissimum concilium generale,
dominum imperatorem cristianissimuiu et justissimum regem francorum;
advocatam meam eligo gloriosissimam et sapientissimam uuiversitatem
parisieusem, nie in omnibus subiciens, que jura volunt6 Datum
basilee anno doniini M° IXX'C°LXX;X1I0 in die annunciacionis virginis
gloriose [transscriptum ' undeeiina12 aprilis, pontifieatus domini sixti
pape anno ejus tredeeirnoj.
Von einer processien zu erffort
Als man schreib noch cristi gebort unsers lieben hern vierczen-
US"l hundert unnd czwey unde achczigk jar, an derae fritage noch sente
bonifaries tage,1 do hatte der erssame unnd wisse rath zu erffort be-
stalt zu gehene eyne lobeliche processien umme dv stad erffort, sunder-
lichen zu bethen den nlmechtigen ewigen got umme syne gotliche
gnade zu enthaldende- unnd bewarendc dy fruchte uff deme felde,
thurunge unnd steten . frede zu nalden," das do eyn iglich mensche
junck unnd alt, geistlichen unnd wertlichen den almechtigen got bethe
umme syne gnade, solche ploge über lant unnd luthe geen, abe wende
* US: Mttzt hinzu: vtw. b l>er ScIUum hU zum Datum fehlt In H. c HS: trayanruii*.
d erRÄnit, IIS: mich! In juntlclani. <-' II: Datum baallee anno domini luiltolmo qu*driug*utwim.j
««•tuageBliiio »oi ud<Io in die annuurUcionl» \inrinb gloriose. f Kränzt.
'•' Dies*'« zweite Datum ist merkwürdig, es ist der 11. April 1484, da
Sixtus IV. um 9. August 1471 zum Paj*te gewühlt und am 81. d. Mts. geweiht
worden war. Es ist nur durch den Ausfall eines Wortes zu erklären, wahr-
scheinlich „transscriptum — Abschrift genommen", «Ins wir ergänzt haben. l)a-
mals gerade brannte der Streit um die Auslieferung des Erzbischo(s an den
Papst lichterloh. Am 1. August 14*3 war der Ratsherr Heinrich Zeygler nach
Rom geschickt, um die Appellation der Baseler gegen das Interdikt des Bischofs
Angelus vou Snessa dem J'a|>ste zu ül>erbringeu ; am 16. März 1484 war er
zurückgekehrt, und man erwartete für deu 12. April 1484 eine päpst liehe Gesandt-
schaft (s. Burekhardt a. a. O. S. 88 u. Hl). Aller (ieinüt war erregt, und es ist
selbstverständlich, das« man damals gerade eine Alwehrift der ersten und ge-
waltigsten Erklärung des Ei zbisehots Andreas nahm, besonders da die Venetiauer
auf ihre Exkommunikation vom Mai 1488 hin ebenfalls an ein allgemeines
Konzil appelliert und den Patriarchen von Aqiülcja, den Kardinal Barho, ver-
anlasst hatten, -ein solches zu berufen und den Papst Sixtus vor dasselbe zu
laden, s. Burekhardt a. a. U. S. 87 f.
38.'». ' 7. Juni 1-182. " „enthalten" =^ „erhalten" ; in ,,zu enthaldende'1 und
,.hewarende", Dativ des (ierundiums imhd -ennei, sU-ckt das epeuthetisebe d,
•bis s» it dem 12. Jahrhundert im l'Vänkisih- Thüringischen vorkommt (s. Wein-
hold , Mhd. Ciiam.' § 400t. : Ein Zeugma, da „halden" (= „halten") mit
„Urning' verbunden „bewahren vor", mit j.frede1' verbunden „erhalten" heisst.
Digitized by Google
1
\
335. Stück. 433
woldo, unnd oucli dy pcstilcncze. | Uff den selbigen fütagk fni, als v
funffe geslagen hatte, do quam der erssame wisse rath zu enToit mit
czweien langen kerczen zu unser Heben t'rowen kirchen gegangen, do
sangk man eyne messse zu unser lieben frowen unnd oueh zu sentc
Sever, unnd in allen pharren eyne lobeliche messse von unser lieben
frowen. Es quomen oueh a"e pferner1 mit yrem folke, item dy hern
zu den regelorn,5 mit yren schillern, item der apt zu den Scholien mit
yren schulern, item dy monche Cluster7 bieben alle do heime, man
orgelte oueh nicht zu der selbigon messe. Item do es vi i slugk, dn
gingk dy processie an. Zu dorne ersten gingen dye schuler von den
schotten, dar noch dy schuler von den regelem, dar noch dy schuler
von sonte Sever, dar noch dy schuler von unser lieben frowen, alle zu
samone achtehundert mit cruezen nnnd mit kerczen. Item vor den
scholern gingen dy jundrowen, werde wolde, sy worn nicht gehoisrhet
noch vor mant; der was an der czjd soben hundert unnd ezwenezigk,
unnd dy gingen alle mit uff gelosten horn, unnd hatten alle krenteze
von wennute adder biboss,* unnd sungen alle zu glioh feie guter
loyssen'* von unser lieben frowen unnd von deine heiigen woren lieh-
nam unsers Meben hern jhesu cristo, ereten unnd lobeten den ewigen
got in synem rieh. Dar noch | gingen alle pferner, dar noch dy hern
von sente sever unnd unser lieben frowen;10 unnd dy hern von den
regelern, dar noch der rector uss deme kaleigem 11 mit allen Studenten,
dar noch der ganeze rath, dar noch dy gemeynen manne, dar noch dy
andechligon trowen, das folk, alle glich gingen uss unser lieben frowen
kirchen dorch sente Severs kerehen hen, unnd dorch sente peters
• S. 8t. 221 A. 3. f' Die Chorherren (Domherren) <lcs Kegle rk Itters, St.
Aupistini de regula (s. v. Mülverstedt, Hicrographia Ertönlensis, MOE, III,S. 153).
Die Schüler der Kegler, ebenso die von <l»*n Schotten, sowie der C*>IIeyiat*tirte
B. Mariac Virg. und St. Soven sind dir Schüler drr daselbst liest« hend« n
Klosterschulen, welche jedoch mir solche als Schüler aufm Innen durften, die dein
Orden später angehören wollten, s. II. Heyer, Kurze Oesch. d. Stiftskirche H. M. V.,
MOE, VI, S. 1.%, und K. Thiele, Die Gründung des evang. Katsgymnasiums zu
Erfurt, 189«, S. 3 u. 55, wo die dieses regelnde Urkunde des Erzbischofs Konrnd
von Mainz iwahrsch. aus d.J. 1184, Domarchiv zu Erfurt, Urkunde s) abgeil ruckt
ist. " Schotton kloster, Ordensrcgel St. Henedicti oder auch St. .lacobi Sootorum;
s. v. Mülverstedt a. a. O. S. 162 i\ Es ist fraglich, oh es dcrsell*- Abt ist, welcher
u. St. 300 A.S erwähnt wird. ; Die Insassen folgender Mönchsklöster, die damals
in Erfurt l>cstanden: des IVtorsklosters, Prcdigerklosters, des Dartüss< rklosterv,
der Augustiner-Eremiten, der Marien knechte, des Karthäuscrklostcrs, des St. Annen-
klosters (s. v. Mülverstedt a. a. O. S. 152.154—158). » „Heifuss" (arleinisiuni).
Hertel, Thüring. Sprachschatz S. 60 weist bibs nach; nordlhür. hiiwest (s. M.
Schnitze, Nordthüring. Idiotikon S. 30). !' „Bittgesang", s. St, 156 A. 2. '" Oir
Stiftsherren der Collegiatstifter St. Severi und Ii. Mariae Virg. " kaleigem
— collegium, also das collegium niaius (über das Cr. Oergel in einer hes. Schrift,
das collegium mauis z. Erfurt, 18!>4, gehandelt hat), die ehemal. Universität, d.h.
das Collegiengebäude der Artistenfakultät, Michael isstrasac, jetzt etädt. Realschule.
Rektor der Universität Erfurt war im Sommersemostor 14*2 Petrus Petz ..rl<
Herhi|K>li, arcium tnagister, sacre seripture lieentiatus", während seines Rektorats
zum Doktor der Theologie promoviert, „maioris collegii collegiuluv' , s. UYisscn-
born, Akten der Erfurter Universität, I, pag. 390.
K. Stolle* MetnwW«. 28
Digitized by Google
4M 335. Btfick.
kerchen 11 hen , unnd do selbest zu seilte peter hilden dy hern , dy
pristerschafft eyne stacien mit gebogenden knien13 uff dy erden, unnd
sungen alle glich den lobelichon gesangk von unser lieben frowen :
alnia redemptoris 11 mater mit eyner colleeten; dar noch gingen sy
bindet sento peters closter hen zu sente andres15 thore en uss, vor
sente moricies thore hon, vor sento johans thore hen, vor deme krampfen-
thore hen, unnd gingen zu deme smedesteten thore in, unnd gingen
zu den regelern in dy kerchen unnd sungen do den lobelichen gesangk
von unser lieben frowen mit gebogen knyen: Salve regina, cum collecta ;
dar noch by sente bartholomeus kerchen hen vor sente wyperecht hen,
vor sente vito hen, unnd gingen alle glich wedder zu unser lieben
frowen kerchen zu. Do saugk man uff der grossen orgeln u den lobe-
lichen gesangk von unser lieben frowen : Rocordaro mater. Dar noch
» sungen sy : Te deum laudamus. In des vor gingk das volk alles dorch
dy kerchen wedder zu huss; do das eyn ende hatte, do slugk das
seyer17 XI, et sie est finis.
- Als man schroib noch cristi gebort XJIII0 unnd czwey unnd ach-
czigk jar, am dinstage1* noch unser lieben frowen tago vor winachten,
gnant coneepeionis marie, do liss der rath zu erffort dy closter junc-
frowon von sento celiax berge furo mit sechs wagen furo in das nuwe
closter zu sente andres11' in dy stad erffort, unnd sungen zu dem
ersten mole eyn schone messe zu seilte andres. Dar noch gingen sy
zu fussse in das nuwe kloster unnd nomen do dy ersten besitezunge,
do sy noch syn unnd bliben sollen ewigklichon. Das selbe kloster
koste dy von erffort zu buwen XLV tusent gülden.
w Dir Kirche de» berühmten St. Petersklosters auf dem Petersberge, erbaut
1108- 1147 aus Seeberger Saudstein; über sie B. Bökncr, Petersklostcr zu Erfurt,
MOE, Heft X und XI, ebenda Erlaudsen XI. S. 180-185; derselbe, Die Peters-
klosterkirche zu Erfurt (hierzu 1 Tafel mit Abbildungen), MOE, XVII, S. 68-73.
13 (I. h. sie machten halt, um niederzukuieu und zu beten; wieder das epenthetische
,d4 (s. ob. A. 2). u Bei der Prozession, die von dem der Jungfrau Maria ge-
weihten Dome ausgieng und wieder zu ihm zurückkehrte, wurden nur Lieder zu
l'.hrcn derselben gesungen : 1) alma redemptoris mater mit Oolleote (d. h. auf den
Gesang des Chores folgte ein gesungeues Gebet des Priesters), sonst der Schluss-
^esang des Officiunis vom 1. Advent bis Maria Lichtmess; 2) Salve regina, mater
misencordiae mit Collect«', desgl. von Trinitas bis Advent; 3) Recordare, mater,
ein Gebet zu Ehren der licata Maria virgo; 4) Zuletzt wurde der Ambrosianische
Lobgesang Te deum laudamus angestimmt. 4i Die Prozession kam vom Peters-
berge herab und zog um die Stadt vom Andreasthor, Moritzthor, Jobanues- uud
Kriimpferthor bis zum Sehnudtstedterthor und gieng dann in die jetzige Hahnhof-
strasse, wo die Keglerkirche liegt. Darauf zog sie zur ßartholomäusklrcbe (1525
in den Besitz der Evangelischen gelangt, 1575 geschlossen, 1660 durch Brand
zerstört; ihr Turm stellt noch am Anger; v. Tettau, To|>ographie, MGE, XII,
S. 102), dann zur Wigbertikirehe (in der beutigen Kegierungsstrasse), zur St
Vitikircbe (jetzt „Gasthof zum rheinischen Hofe", 1571 geschlossen, s. v. Tcttau
a. a. O. S. 117 t, von da zum Dome zurück. 1,1 Über diese grosse Orgel, welche
Stephan Kaschendorf aus Schweidnitz baute, ihre Herstellung, Kosten u. s. w.
s. H. Beyer a. a. O. S. 151—152. 11 Mundartlich neutral, sonst m., ursprüngüch
die Wage zur Prüfung des Wertes der Münzen (s. A. Kirchhof!', Die ältest. Weistümcr
der Stadt Erfurt, S. 19 A. 28). dann: Uhr; so noch im Volksmunde, s. Hertel, Thür.
Sprachschutz, s. v. Seiger S. 227. 10. Dezember 1484. 19 S. St. 326 A. 27.
Digitized by Googl
336. Stuck 435
*
Item anno domini MCCCCL° XXXI 111° an sente bastiens tage20, do 1484
wart der nuwe kor gewyet zu sente andrees, der kloster juncfrowen.
Item in deine selbigen jare, am montage achte tage noch sonto
severs21 kermesse, do wart uff gericht unnd gemacht dy spitczo uff den
torra 22 zu den predigern zu erffort.
Item anno domini M" CCCC°LXXXV°, do worden gemacht dy i486
nu wen stule in deine köre zu sente Scver zu erffort. Item in demc
selben jare wart an gehaben dy nuwe sacristia do selbest zu sente
Sever zu erffort. |
336. Wye dy sonne yren schin vor loss, wind wass k»
missewachs dar noch quam unnd werte.
Von eynem 1 finsternisse.
Item anno domini MCCCC°LXXXV° an sente gerdruten abende2, do 14ST»
es dry slugk nach mittage, do vor loss dy sonne yren schin unnd
stunt also lange cnwenigk noch deme, al es viere geslagen hatte. Ich,
conrad stelle, der ditcz geschreben had, habe das ge sehen. Der sonnen
schin, der was gancz gel unnd halb nacht, in aller forme, als der monde
schint des nachtes, unnd dy sonne hatte dy forme als der monde mit
czweien spitczen; also was der monde vor dye sonnen gotroten, das
was eyn gross wunder under den luten; unnd do es viore ge slagen
hatte, do wart es wedder tagk.
Item in deme selbigen jaro am dinstage achte tage noch ostern,
do brante uss dye bru esse adder bruwe huss koin sente gotharte3 zu
erfforte.
Item anno 1485° in vigilia s. adelarii4 fuit natus andreas stolle de i4«c,
mano hora sexta feria tercia.
Item in deme selbigen jore 1485° an sente walpurgen* tage unnd i486
70 Dienstag den 20. Januar 1484. 71 Die Kirchweihe von St. Sevcri ist niu
K. Sonntage nach Ostern, hier also am 17. Mai 1484. " Der Glockenturm der
Kirehc den Prcdigerklostcrs, diesem gegenüber, da die Dominikaner, wie alle
Bettelmönchc, keinen Glockenturm auf ihrer Kirche haben durften.
386. 1 fiusternisse ist neutral gebraucht ? Mittwoch den 16. März 1485.
3 Kein sente (totharte — „l>ci St. Gotthardt," ho hiess früher ein Teil der Gott-
hardtstraase zwischen der klein. Schottengasse und der Johauucsstrasse (8. v. Tettau
a. a. O. S. 46). 4 Die Bemerkung ist iu der HS eingesehol)cn. In welchem
Grade -dieser Andrea« Stolle (geb. 25. August 1485, an einem Donnerstage, nicht
an einem Dienstage, feria tertia, wie Stolle schreibt) mit unserm Chronisten ver-
wandt war, steht nicht fest: er war wahrscheinlich ein Bruderssohn. Auch liegt
sicherlieh ein Versehen vor: anstatt de mane, was unlat ist (.für a maue ,das
aber hier keinen Sinn giebt) ist wohl zu lesen „benc mane" = „frühe am Morgen."
Der heilige Adolarius war mit dem heiligen Eoban Schutzpatron von Erfurt.
Einst Gefahrte des Bonifatius auf dessen Missionsreiseu, gilt er als erster und
einziger Bischof von Erfurt, dessen Gebeine am 20. April ILM Ihm einem Kr-
weiteruugsbaue des Domes gefunden wurden und seitdem im Dome mit denen
»eines am 26. April 1154 gefundenen Gefährten Eoban, Bischofs von Utrecht, in
einem Sarkophage in der sogen, heilig. Blutkajielle des Domes aufbewahrt werden.
11 Am Sonntag den 1. und Dienstag den 3. Mai 1485.
28»
Digitized by Google
436 3S7. Stuck.
czwene tage dar noch, do erfross der win umme erffort, unnd ouch in
andern landen, also das kein troppfe wins wart das jar. Do galt eyn
fertel wins III pfenge*, unnd was felefernesr> wins allen enden, do steigk
der win uft7 in achte tagen, das er Hu pfenge galt, dar noch V pfenge
unnd VI pfenge galt; über eyn jar, do galt er VII phenge. Item es
hatte ouch bye VIII wochen nicht geregent, do steigk das korn ouch
uff. Item petri et pauU zu hant dar noch folgende, do hub es an zu
regende * zu mole feie unnd an derae noch tage unser lieben frowen
tage visitacionis1', do hub es an zu regende den tagk
337. Von oynem grosssen wasser.1 |
v unnd die gancze nacht also sere in aller forme, als man mit
schuften 2 gussse. Do er goss sich das wasser zu erffort so sere, das
es gingk in alle gorten in deme brule, unnd gingk vor deme nuwen
thore Ivnder den kaithusern uff deme acker allen enden. Dy stad
graben dyc worn ouch allen enden fol, das sy über Heften in "dy feit
vor dorne lower thore, vor deme smedesteten thore, vor deme krampfen
thore unnd vor sente johans thore, gingk das wasser über al uff deme
acker, unnd reiss den stad graben bye der karthuser thorme en czwey
unnd war ff dy hulczern brücken umme hinder den karthusern unnd
iff in den wilden graben'1 biss in dye wilden gere do selbest, unnd
fürte tele tische en wegk, unnd gingk oben an dye lower brocken, das
man das wasser langeto mit der hant uff der heimelickeit4 do selbest.
Item das wasser er goss sich so balde unnd dye lute hatten sin nicht
in achtunge, also das sy In deme biüle gerne gefloen weren, unnd
konden nicht uss kome. Sy stegen uft* dy husere unnd uff dye boume,
etliche muste man mit pferden uss fure. Item hinder deme nuwen
weifke uft deme borgkstege5, do konde man das wasser ouch ge lange
mit den henden, unnd bedackte das geiynne5* mittenander, unnd warft
feie husere umme unnd fürte sy enwegk unnd fole hussrotes, unnd
warft feie wende nedder. Do worden dy kellore folle wassers zu den
aö$ karthusern unnd in deme kloster zu sente mertin," unnd in deme | spetal7
* HS: pfondo.
" Mlul virne — md vonie — „alt." ' Aufsteigen ist = „teuer werden". s Über
das epenthet. d, s. 8t. 3I?5 A. 2. B Nach den Regengüssen am Freitag den 29.
Juni 1 485 (Peter und Paul) begann es wieder am Ii Juli heftig zu regnen.
fctt. 1 Die Überschrift steht unten auf pag. 252 der HS. * Mhd schuofe,
sehof md schufle — „Schopfeimer". 3 Mit dem „wilden Graben" ist wahr-
scheinlich derjenige Graben der i.J. 1429 angelegten Befestigung gemeint, welcher
sich vom Karthäuserufer bis zur wilden Gera erstreckte. 4 Abtritt. 5 Später
die sogen. ,,Vogelsbrücke", überdachte Fussgängerbrücke über die „wilde Gera"
(s. v. Tettau n. a. O. S. 41), Ende des Jahres lSy 9 abgebrochen, als jener Teil der
„wilden Gera" zugeschüttet wurde. fia S. unten St. 347 A. 15. n Das Jungfrauen -
kloster St. Martini extni muros, in der Brühlervorstadt gelegen , s. v. Mülverstedt,
Ilierog. Erf. a.a.O. S. 261. 7 Die „Klendenherberge" (d.h. der Aussätzigen)
oder das Hospital im Brühl, s. C. Beyer Zur Geschichte der Hospitäler und des
Armenweseu* in Erfurt, MGE, XJX, 1898, S. 155 f.
Digitized by Google
33*. Stück.
437
do selbestj unnd uff d me rossruaite, unnd gemeintlich in allen kellern
in der borger hofe, als wid als dye stad es, also das dy vass von deu
logern Mffen unnd swummen in demo wasser, unnd musten dy vas zu
spunde, das on der win unnd byer nicht uss lifie, unnd hatten grossse
sorge dar zu. Do sich das wasser wedder satczte, do mosten sy das
wasser uss den kellern trage, unnd dye kellere worden sere mad,* das
sy dye wine vorkouffe musten widder yren willen. Dy dorlor eilferss-
gehofen5', gisperssleuben unnd dye andern dorfter an der gere, dy
swummen in dem wasser, als eyn and uff dorne see. Von dorne wasser
wart gesaget, das kein mensche lebete, der solch gross wasser mee
gedechte.
Item in deme selben jare 1485 was eyn gross krigk cz wissen demo HS»"»
bisschoffe unnd der stad hildenssheim,10 also das uff beide partie gross
volk er slagen wart, unnd das lant vor terbet wart.
Item, als oben ge schreben steed, 1485 an sente walpurgen tage wy
der win er fross, als das keyn tropphe wins wart das jar, unnd was
dar noch eyn kalt sommer biss hene bartholomei,11 do wart es sere warm
biss hene zu unser lieben frowen tagk 12 letczern unnd regente sere feie.
Das koin ufi deme felde unnd gersten unnd haffer wuchs unglich,
wann es gingk nicht glich uft, unnd regente nicht, do es uff gingk
unnd solde an dem besten wacbsse. Unnd worn ouch feie müsse uff
deme felde; wo eyn mandel garben Jagk lenger waun eyuo nacht, do
bleib kein seil gantcz an.
338. Eclipsis solis.
Item anno domini Xllli0 LXXXV1° an deine sechsten tage des i486
merczen dos morgens hora quaita eyn halbe stunde laugk, do was
" Adjektiv, von madc „Verwesungswurm" abgeleitet, „stinkend"; sonst nicht
nachweisbar. "Ilversgehofen, Dorf unmittelbar vor Erfurt, der ältere Name
ist Eylbrechtisgehoveu (aus Albnxjhtisgehoven), s. UEII, 1897, .Register 8. 869.
10 Wie an vicl<*n Orten in drr 2. Hälfte dos 15. Jahrb. die geistlichen Landes-
herren mit ihren Städten wegen freiheitlicher Bestrebungen derselben in Streit
gerieten, so auch der Bischof Berthold II. von Landsberg (1481 — 1503) mit seiner
Stadt Hildesheim i. J. 1483, weil dieselbe eigenmächtig iure Festungswerke nach
W. erweitert hatte und eine ihr von dem Bischof aufgelegte Biersteuer nicht be-
zahlen wollte, überhaupt ihm das Recht eigenmächtiger Besteuerung absprach.
Beide Teile hatten Verbündete: der Bischof mehrere braunschweigisclie Fürsten,
die Stadt andere Fürsten und Bischöfe, besonders aber die Städte des Hansa-
bundes. Vergeblich war ein Befehl des Kaisers, die Feindseligkeiten einzustellen.
Der Krieg bietet ein widerliches Bild beständigen Kaubens und Brennens dar.
Am 29. August 1486 schloss der Bischof mit den kriegführenden Fürsten, am
15. Dezember 1486 erst mit d<-n Städten Friede: Die Hildesheimer retteten ihre
alten Freiheiten und Gerechtigkeiten. S. die gleichzeitige Darstellung in Henning
Brandis' Diarium, herausggb. von Häusehnanu, 189G, 8. 96; ferner Havemann,
Gesch. der Lande Braunschweig uutl Lüneburg, I, 18(J3, S. 729 f , Wachsmuth,
Gesch. von Hildesheim, 1862, S. 89 und Bauer, Gesch. von Hildesheim, 1892,
S. 51. 11 Die Kühle des Sommers dauerte vom Beginn des Mais bis Ende (24.)
August 1485. ,s 8. September 1485.
Digitized by Google
•138
339. Stück.
eclipsis solis en wenigk; dar noch an sente jorgen abende1, do wart es
also kalt, das es gefross czweyer finger dicke; des andern tages, do fil
oyn gross snohe, der lagk eynen tagk, do worn dy win berge dy heifite
wol geboygetla, unnd dye reben worn er koilen lb, also das weningk wins
wart, unnd frisch,2 wanne es was ouch eyn kalt sommer, das er nicht
konde riff werde.
Item in demo selben jare ouch an sente jorgen abende, do wart
eyner zu walssleuben3 met czwen kuwen gebrant, do her unczemeliche
wergk hatte mitte geubet unnd vor bracht.
Item in deme selben jare am mittewochen vor pfingesten4 do wart
uff gesatczt das grosse cruczefix zu unser lieben frowen vor deme koro
zu erßort.
Itom in deme selben jare 1486 umme sente jacoffs tage5, do wart
gemacht dy torm spitcze zu sente mertin w vor der langen stoge.7
839. Eclipsis lune.
14*7 Item anno domini M° CCCC0 LXXXVII0 octavo die mensis februarii
an sente apollonicu abende1, do vorloss der monde synen schin mitt-
enander unde was gestalt als eyn brun tuch unnd stunt also von der
SM Vierden stunde biss an die funfiten | stunde des morgens; unnd der
monde was fol. In deme selben jare an sente gregorien tage,* do was
eyn gross für zu stad molhusen, also das schere dye heifite der stad
uss brante, unnd wart an geleyd.
Item an sente Valentins tage an biss uff sente gerdruden3 tagk, do
wart es sere warm, das dy lute meynten, wan dy czit unnd das wetter
were vor sich gegangen, es were eyn kostlich jar worden, fruchte
halben, unnd dy winberge worn dye nieremenge vorsneten, do wart es
wedder kalt unnd snigete, also das der stad grabe gefross mit isse
spanne dicke, unnd glad iste,4 do er fron dye boyge5 reben dye mere-
menge, das sy nicht loub noch win brochten, unnd wart wenigk wins.
Dar noch wart wedder gud wetter, also hene nicht zu warm, feie winde
unnd regen, das vor hinderte feie arbeit. Walpurgis was das holcz
338. 1 Sonnabend d. 22. April 1486. " S. u. St. 339 A. 5 u. St. 361 A. 26.
th S. u. St. 343 A. 1. * Mhd vrieaon, bIv., •= md frischen, intrans., „frieren"
(ob. St. 330 erfross — „erfror*'). 3 Walschleben, preuss. Marktflecken, im
Landkreise Erfurt Kulturgeschichtlich richtig ist, dass Sodomiterei, wie sie hier
erwähnt ist, mit dem Feuertode bestraft wurde, auch die Objekte mitverbrannt
wurden. 4 10. Mai 1486. 5 Dienstag d. 25 Juli i486. 0 Die Kirche St.
Martini intra, ursprünglich auf dem Fiscnmarkt, dann am „langen Stege" (s. d.
folg A.) d.h an der Schlösserbrücke, wurde erst 1736 durch einen Brand zerstört
und dann abgetragen (a. v. Tettau a. a. O. S. 111 f.) T Jetzige Schlosserbrücke,
s. v. Tettau a. a. O. S. 53
1 Donnerstag d. 8. Februar 1487. * Montag d. 12. März 1487. ' Von
Mittwoch d. 14. Febr bis Sonnabend d. 17 März 1487. * Mundartlich gladbrn;
noch heute in Erfurt: „es glatt eist." '' Mundartlich für „gebogen"; über den
Kuri.-itautfdruck b. Weinbau s. u. St. :561 A. 26. Uber den Weinbau bei Erfurt,
k K Herrnmun, Einige Nachrichten über den Erfurter Weinbau, MOE, VII,
S 79-85, Nachtrag von Weissenborn, ebenda S. 101-102.
Digitized by Google
340. Stück.
439
kunie geledes langk, das selbe, das do grüne bleib; do wart eynem mee
wins danne deine andern, unnd wart frisch, her bluete ouch dye meer-
menge vor sente johans tage; es regente ouch unimer dar, das man
nicht konde wol gehacko nochgerure; also wart sur win nnnd weningk.
Item in deine selben jare 1487 in der cruczewochen," do wart uft* 1W*
gesatezt dye tonn spitcze zu allen heiigen7 zu erffort. |
Item anno domini M° CCCC0 LXXXVII0 an des heiigen crucis tage > mh7
in deme horbest,8 welch win in der fasten nit erfron worden, dye er
fron uft dissen tagk alle mittenander; dar noch wart es wedder gut
warm werter, unnd den ganczen winter uss, also das nye kein gross
frost was noch snee, stete lutter gut warm wetter, biss hene elisabeth;9
dar noch wart es etlichor mosse kalt, nit feie.
340. Wye eyii prister er slagen wart
Item anno domini 1488 am dinstage vor sente bastians tage1 in MM
deme dorffe lengefelt* wart eyn from prister er slagen, das er nit vor
schult hatte. Do wart der ban in gelutet zu erftort über dy gancze
j>robistie unser lieben frowen3 do selbest, unnd dye hern zu sente Sever
sungen dry tage lenger; do swegen sy ouch, unnd an sente severs
tage,4 der do wert vor unser lieben frowen tage lochte wee, sungen sy
ouch nicht, unnd ufi unser lieben frowen tagk lechteweho sangk man
ouch nicht, als wid als erffort unnd dy gancze probistie; dy lichte uff
unser lieben frowen tagk worden heymelichen ge wyeth mit beslosson
toren; do wart ouch kein glocke ge luteth, dy lutlie worn ouch nicht
gegen wertigk in den korn, do man dy lechte wehete, sundern do sy
gewehet worn, do sloss man utf unnd liss eyn iglich mensche syn
lecht wedder neme; zu der prediate5 luthe man alleyne, unnd des
morgens unnd des abendes warth geluth das ave mariafi unnd nicht
ineer, unde stunt dry wochen. |
• Die Kreuzwoch«! begann mit dem Sonntag Vocem iucunditatis d i. Rogate.
also i.J. 1487 mit dem 20. Mai. 7 Die noch jrtzt vorhandene „Allerheiligen-
kirehe" an der Mnrkt- und Allerheiligenstrassenecke. " Krcuzcrhöhuiig,
Freitag d. 14. Septbr. 1487 ■ Montag d. 19 Novbr. 1487.
340. 1 15. Januar 1488. 1 Es muss unter den vielen Lengefelds hier da«
sachsen-weimarische Dorf (Verwaltungsbezirk Weimar) gemeint «ein, da dieses
im Arehidiakonatsbezirk der Probstei Beatae Mariae Virgini* lag, Parochie Weüuar;
s. Würdtwein, Thuringia et Eichsfeldia in arehidiaconatus distincta, 1790, pag. 102.
3 Das Interdikt wurde über deu ganzen Arehidiakonatsbezirk (». Würdtwein
a.a.O. pag. 61— 107) verhängt. 1 Freitag den 1. Februar 1488, Tag vor Maria*
Liehtmess. 5 „prediate" — „predigate" (s. St 257 A. 1) „Predigt, Predigt-
gnttesdienst". a Jetzt in Erfurt das Angelus - Lauten (von den Anfangsworten
des Gebetes: Angelus dei nuntiavit Mariae) genannt, am Morgen (.Mittag) und
Abend , wobei das Gebet : Ave Maria stets am Schlüsse gesprochen wird ; daher
jene obige Bezeichnung Stolles.
Digitized by Google
440
341. Stück.
I
*e« 341. Von eyneni gülden roinesschcii jare.1
14** Item anuodomini Xilir LXXXYJl!« noch niittofasten-, do quam eyn
legate kein ei If ort, gesant von deme bobiste zu rome innoeencio Vlll"3,
der bcstalte eyn grossse proeessien zu geheue au des heiigen blutes
tage,1 der do ist an deme noch tage unser lieben frowen tage ;n der
tasten. Do gingen dy hei.i zu sente sever ouch mit, wind der legate
'•ss do grosser mechtigor brMen ezwo trage in der proeessien. Das
habe ich geseen, ieli gingk ouch mit ;n der proeessien, wind der
probist unnd techant von unser '»eben i'rowen, dy trugen dy ezwo
bu'len; do was der legate ouch gegen wertigk, unnd gross folk ; do warn
gosutezt XXV piister, dy hatten a)le wisse stebicheu, uff dye romissche
wisse; das warn aMo bichte veter geistlichen unnd wertlichen, dy gingen
olle mit in der proeessien, unnd der legate geboth, das man eyn gross
rod ciuce satezte mitten »n dy k'rehen unser ''eben frowen mit czwen
banir, do stnnt des bobistes wopen an, unnd worn rod, uund eyne
grossen iseFne kisten da bye, urnd der selbige legate hatte solche
grossse macht unnd gowalt ablas zu geben, unnd satezte do das guldeo
jar in aüer forme, als eyn mensche were zu rome in deme gülden
jare, unnd wer do s\ne bichte thete, der solde teilhaftigk werde des
gülden jars, als her zu rome were, wind enpinde von pine unnd von
schult, von allen s^aen suuden, wyc gross dy weren; des ablas gliche
v ist noch nye ] zu erfforte gewest, unnd eyn ig'»ch bichte kint gab in
den kästen noch svnem vor mögen; man gab ouch vor dy vorstorben
menschen «n den kästen; das solde on ouch zu holffe kome. Item
her Mss ouch bichte breffe gebe; von ejaem menschen gab man VII
nuwe groseh en; do was solch gross bichten von den luten, unnd dy
dy breffe nomen, das es nicht zu sagen steed. Dye breffe worn von
solcher ge wall, das man den menschen solde en pinde von allen synen
sunden, als dicke ome noyd were, uss geslossen dy kein rome gehorn;
unnd am tod bette solde nnm den menschen en pinde von pine unnd
von schult, unnd querae der mensche des legers uff, so solde her doch
nicht beroubet syn syner gnade als vor, unnd als dicko dos noyd
geschee; ouch solde eyn iglich mensche, das do syne bichte gethoo
JIM. 1 Eiu goldenes oder Jubeljahr ist ein Jahr, iu welchem diejenigen, die
in Rom die Kirehen der Apostel Petrus und Paulus „unter wahrer Reue und
hn-sfertigein Bekenntnisse ihrer Sunden'' beziehen würden (die Römer 30, die
Fremden 15 Tage i, den vollkommensten AMass ihrer Sünden (Nachlas« aller
zeit liehen Sündeiist raten 1 erhallen sollten, nach der Rulle des Papstes Ronifiiz VIII.
Antiqiif irtim habet v. J. 1300 für alle 100 Jahre eingeführt, durch die Rulle de»
Papstes Clemens VI. Unitrenitus Dei filius i.J. 134'J für alle 50 Jahre angeordnet,
durch Papst Urban VI. i. J. 13sy für alle :W Jahre, endlieh durch Papst Paul II.
i.J. 1470 hir alle 'lh Jahre festgesetzt; auch wurde dieses später noch auf andere
Oite als Rom ausgedehnt. I>er Regat. welcher den Ablass nach Erfurt brachte,
war der Kardinal Raymond is. u. St. '.YM A. 1). nach Nicolaus v. Siegen, chronic,
i ei I. p:tLr. 171>: „doetor eximius , archidiaeonus Ahnsieusis , sedis apostolieac
l»n>tii.»i)i'tiii ins." Weder Stolle noch Nicolaus v. Siegen sind hierüber erfreut.
12. März Mss. : Inuoceuz VIII. regierte von 14*4—1492. 4 Montag den
•J4. Marz M>S.
Digitized by Google
j
842. Stück.
441
hatto unnd syn oppfer do gegeben heüe, der solde ouch teilhafftigk
werde alle der guten wergk, dy do ge schegen, als wid als dye hei Ige
ciistenheit were; unnd ouch vor dy vor stürben menschen, wer vor
die sv n oppfer tete, dy solden des ablas ouch teilhafftigk werde; des
glichen was nye inee gehört von den luton, unnd anderer feie artikel,
dye hy nicht vor czeichent steen. Item her hatte ouch ge ordent VII
houbt kerchen,5 das was unser liebe frowe eyn, sente sever, sente peter,
zu | den predigern, zu den barbessen, zu kouffmanskerehen, unnd zu »5»;
deme nuwen wercke; item wer dy Vli kerchen nicht gegen konde, den
ordinert her VJl alter" in der kerchon zu unser ,;ebon froweu. Unnd
■
eyn mensche, das dy VII kerchen ginge adder dy Vil alter, das solde
in igücher kerchen adder alter j II pater noster spreche, das erste pater
noster vor den bobist, das ander vor dy heiigen kerchon, das dritte vor
einigunge alle christlicher forsten. Item do was ouch ge ordineit alle
tage eyne prodiate zu thune von deme ablas zu unser Heben frowen
von grossen gelerten doctoribus, geistlichen unnd wörtlichen, frue under
der pfarre messe7; unnd dy bicht veter dy sossen bichte von deme
morgen an biss in dy nacht, unnd worden des bichte horn unnd alle
tage zu predigeno schere gancz mude. Das selbige ablas stunt funff
gantcze wochen zu erffbit; do quam mechtigk gross gelt en wegk uss
deme lande. Zu hant dar noch do steigk der gulde uff, das her XXVI
nuwe grosschen galt, unnd galt vor hen nicht ger*H fuufttehalben unnd
czwenczigk. Item das selbige ablas was ouch in andern landen unnd
steten über al.
Item 1488 an sente baitholomeus tage,9 des abendes do es nfine l+ss
slugk in der nacht, do fi! das für uss den wölken in eynem donner
slagk | unnd fil zu eiöort by deme grossen spetal10 an deme graben v
nidder unnd vorbrante diy schonen mit how, stro unnd korns unnd
regente also sere mechtigk, noch kondes das für nicht gelessche, biss
das es nicht meer zu vorbornen hatte, unnd brantes aller dinge iu den
grünt; es konde ouch nymant gelesche. ^
342. Eelipais solis.
Item anno domini 1488 am muwochen vor viti \ do vorloss dye
sonne oren sch;n, gar weningk; do wart gantcz eyn unfruchtbar jar. 1488
In demo merezen wart es en weningk warm, das man meynte, es
• H8: gorfunfflehalben.
Ä .Sie existieren mit Ausnahme der Petersklosterkirche noch in Erfurt, ka-
tholisch od. evangelisch : 1. Dom (k.), 2. St. Scver (k.), 3. Peterskirchc, 4. Predigel-
kirche (cv.) , 5. Unrfüsscrkirehe (ev.), 6. Kaufnianuskirche (ev.) und 7. Neuwerks-
kirche (k.). h Er bestimmte 7 Altäre im Dome dazu. 7 Piarrinesse ist die
Messe, welche der Pfarrer (parochus) selbst liest. * v8,'r<>» md. adv. — „gar'
(der Umlaut findet sieh auch im Mhd), hervurhel>end, aber in abschwächender
Bedeutung, also: „nicht gar*' — „nicht ganz, etwa'- ; s. Grimm, D.W. IV, 1, S.
1319 Ii*. u Sonntag d. 24. Aug. 1488 ,u Das grosse Hospital vordem Kräinpfer-
thore, s. C. Ueyer l. d. St. 387 A. 7 angeführten Aufsätze S. 139 ff.
342. «11. Juni 1488.
Digitized by Google
442 343. Stuck.
wolde den sommer were: also stunt das guthe werter kume bye XI11I
tagen, du wart es wedder kalt unnd werte den ganezen sommer. Unime
sente vits tage, do gefross es noch iss, unnd was ummerdar kalt, winde
unnd regen biss hene barthulouiei, also das feie luthe jouebanti in
heisten, dy do kleine kindore hatten. Do stunt weningk wins an den
stocken frostes halben, der do quam. Do der win uss gingk, unnd
umme unser lieben frowen tagk letczern,3 do worn dy win drüben
noch gancz hart; dar noch was Ummer kalt, also das der win nicht
konde riff werde; dy lute lissen on also lange steen, alsy konden, biss
hene zu sente mertins tage; noch was her nicht sere weich. An sente
mertins abende, do quam eyn frost also gross, das es schere eile tiffin
dy erden gefross; do gefross der win an den stocken unnd stunt by
257 Xllll tagen, ir es wedder uff towete. | In des lossen dy lute den selbigen
betrubeten1 win abe; den konde nymant zu trete,5 sy trugen in dy
dornczon6 in dy kellere, wo sy konden; der wart also suer, das in
nymant trincke wolde, unnd lagk vier adder funff wochen in den
fassen, ir her jere wolde; umme sente thomas tage7, do jar etlicher
noch, etlicher wolde ouch nicht jere, der wart swarcz, als eyn schlich;
unnd wer den selbigen win in syne essige goss, dy vortorben allcr-
dinge, als wid als land zu doringen was. Item do es wedder uff
towete en weningk, do dacten etliche ore winberge, etliche lissen ire
berge ungedackt, dy erfron gancz zu gründe, das man dy muste uff
deme stocke abe snite.
343. Kclipsis lune.
148» Anno domini M" CCCC0 LXXXIX", do vor loss der moude synen
schin en weuigk; das selbige jar was ouch sere unfruchtbar; in deine
merczen was es ouch etlicher müsse gut wetere zu der erbeit uff deme
fehle; das win holcz was das andere jar sere erkollen,1 also das feie
holcz ussso bleib unnd nicht fruchte brochte. Do er .am besten blute,
do quam eyn kalt regen, der werte also lange, das her reine vor blüt
hatte. Do fil das selbige feie abe, unnd wart weningk, unnd was ouch
ummer dar feie regens, winde unnd kalt, das dy lute ummer dar
2 Mundartlich für mhd inhant = „hie und da, zuweilen" (».ander«: St 250
A. 1 u. St 298 A. 2», s. H. Rackert, lieben de* heil Ludwig, S. 121. a 8. Sep-
tember 14S8. 1 Mhd betrüeben = md betrüben =- „trübe machen, schwarz
machen", Iiier: die vom Froste schwarz gewordenen Trauben. & „zutreten"
„zertreten" — „zerstampfen", vgl. „trote, trotte4' — „die W einpresse, die
Kelt« r". in Tiefthal (preuss. Dorf* im Landkreise Erfurt, wo noch jetzt allein
Weinbau getrieben wird) wurde der Wein früher in hohen Trettrögen von Ar-
beitern, welche Holzschuhe anhatten, getreten, (hierfür sind jetzt sogen. „Wein-
mühlen" vorhanden), dann auf die Trester 3 Tage gelegt und endlich gekeltert.
" Mhd dürnitze. wtswf., mundartlich dorneze, „Badestube", hier „Speisestulte,
Hofstulie". überhaupt jede heizbare Stube. Im folgenden oft erwähnt 7 Sonn-
tag den 21. Dezember 148*.
'MÜ. 1 Das Participium „erkollen" setzt ein Verb um „erkcllen" voraus, mund-
Digitized by Google
344. Stück. 443
gingen in rochen2 kleydern biss hene uff sente bartholomeus abent.
Do wart os also warm, unnd dy sonne sehein also heiss, das nymant
schere blyben konde vor hiteze, unnd stunt also lange bis hene XII II
tage noch s. michaelis tage, unnd wart gud win, also das eyn fertel
galt X phenge. |
Item das selbige jar gered das korn wol, dy gerste dünne, der r
haffer oueh wol, feie nippen, also das keyn apphel, bern, ptlumen adder
spillingo3 worden umrae erffort.
344. EcHpsia lune.
Anno domini M°CCCC°XC° do was eyn heiss unnd trucken sonimer, 1490
do dy fruchte, korn, gersteu, haffer etc. unnd win an domo besten
wachsse solden, do was es also heiss von der sonnen, das dy luthe vor
hiteze nicht wol künden uff denie felde blibe. Umme sanete bartholo-
meus tagk, do wart es wedder kalt unnd stunt den ganezen herbest;
zu haut noch sanete michaelis tag, do quam eyn frost, also das man
den win muste in lessen; her hotte wol lenger gestanden, es konde
nicht gesin, unnd der win wart gut unnd feie, unnd der gaueze winter
wass gancz trocken, es regente nicht, es fil oueh keyn snehe, unnd dy
wassere worn sere kleine; wan es nette hart gefron, so weren dy
mullen alle zugefrorn, des was nicht; dy lute vor den weldon sprochon,
sy hetten keyn wasser, also das an feie enden grosse noyd was wassers
halben, unnd stunt also an, das es nicht regente, von margarethe an
biss hone an sente tliomas tage,1 do fil eyn suche. Item am sonabende
vor andree fru,2 als sechsse slugk, biss das es seben slugk, do vor loss
der moudo synen schin, gantcz geel, dor noch brun, dor noch gancz
swarcz, do wart es gancz finster. Item etlicli korn, das do langsam
ge sewet was, das konde nicht uff ge gee unnd lagk in der erden unnd
vor tommete,3 unnd dy müsse unnd dy raben unnd andere teer frosssen
das. Umme sente tliomas tagk do ge | fil eyn snehe, der lag biss zu
deme nuwen jare, unnd in der czid froin alle wassere unnd mullen
zu, das man nicht ge malen konde, unnd stunt nicht lengor dann zu
deme nuvvon jare, do vor gingk dor snehe, unnd regente do widder,
also das wedder wasser wart. Item in deme selben winter gefrorn dy
wasser mit isse, das man lange nicht gemale konde; man konde kein
beer noch covent* gebrue. Der rath zu erffort liss brod backe, eyn
brod umme II pfenge, das was grop brud. By XV menschen storbeu
artlich für „erkelten" = ,,kalt machen", i. Pasxiv „erfrieren". - „ruch", Adj.,
= „rauh, haarig*', also „ruche kleyder" =-- „Pelzkleider". 3 ..spiUinc" („spin-
linc. spenelinc") = „Spilling", „die Frucht des gemeinen Pflaumenbaums", so
noch mundartlich, s. Hertel, Thüriug. Sprachschatz, S. 231 u. M. Schul t/,e, Idiotikon
d. nordthiir. Mundart, S. 44.
$44. 1 Vom 13. Juli bis 21. Dezember, also mehr al* 5 Monate regnete e«
i. J. 1490 nicht. * 27. November 1490. :' Mhd „vertummen" = md „vortouuien" —
„dumpf werden, verderben". * „covent" aus „convent", geistliche Hrüdcrsehaft,
Digitized by Google
444
345. Stück.
uff der Strasse, uff dorne felde von kulde halben;* feie luthe logen in
den dornczen5 mit den kinderu, dy sich nicht er wernie kouden. Es
quam holcz gnugk zu marte, wer es beczale konde, wann es was gancz
trnckon unnd dorre uff deine felde; man konde ouch in der stad erflortb
in felo gassen nicht ge faro mit den wagen vor denie grossson unnd
dicken isse, das danne me danne eile laugk dicke was. Wer do holcz
koufte, der muste das heym trage adder sleiffe; dy wasser worn in
den gassen zu gründe gefroin. Es musten ouch alle nacht 11 manne
wachen mit den wechtern in allen pfarren umme fures willen, unnd
ouch uff den tormen; das fulloch" gingk kleine, das man das kume ge
scheppfe konde. Dy borner in der stad hatten weningk wasser; wann
dy eyuier in das wasser gingen, so nuten sy den grünt Do der snehe
▼ gefil, do kochten dy luthe mit | snohe. In feie doiffern hatten dy
boruer koyn wasser, dy lüden grosso noyd unnd mosten bornquelle
suchen, wo sy konden. Uff den weiden was mechtigk gross sneha
An unser lieben frowen abende lichte wehe, do brach das wetter unnd
towete weddor, unnd wart gross wasser undc süss umme den stegk by
deme grossen spetal,7 unnd den stegk uff deine ungehurn grissse*
unnd zu brach das weher under sente coliax berge, also das wasser
dy meer mengo liff in dy wilden gero umme dy stad hen, es zu stiss
ouch den borgk stegk9 unnd thet feie schaden. Keyn mensche, das zu
der czid lebete, gedochte nicht solches kalden winters, als der was;
vierezen jar da vor was ouch eyn kalder winter, als oben vor czoichent
steet, adder er was dissom winter nicht glich. Do es noch ostern
quam, do sterben feie luthe; sy meynten, die luthe wem also er frorn,
das funde sich nu al erst Item an sente Valentin tage,10 do wart es
widdor kalt unnd stunt XVI tage. Item am andern sontage in der
fasten," do fil eyn snohe olle dicke unnd lagk kume achte tage; dor
noch wart es gud wetter etc.
345. Eclipsis solis.
14<U Anno domiui M"CCCC° LXXXXI0 am sontage vor der crueze wochen,
das was der dritte tagk noch sente johans tagk ante portani latinam,1
» HM: haben. b HM: erffur.
<
d. h. da» Bier fiir sie, das Kloaterbier, da» dünne oder Naehbier; so noch jetzt
volkstümlich: kowweut bei M. Schnitze, Idiotikon der nordthür. Mundart S. 36 u.
köfe, kut'cnd, kowt-nd u. ä. bei Hertel, Thür. Sprachschatz, 8.144. 5 S. 8t. 342
A. «. ,; S. St. 222 A. 9. 7 S. ob. St. 341 A. 9: jetzt der Hospitalsteg über die
wilde Gera. " „ungeheuer' heisst in der Erfurter Mundart „gross, lang";
„grbs-' — = „Gekröse" (Ansammlung vou Kies; daher der Name: Crislache
Kirsehlache, jetzt Hirscblache, ». Kirehboff, Dir ältesten Webtümer Erfurts, S. 92
A. 230). Das „ungebeure Gekröar'' lag da, wo die Gera in die Stadt einfloss,
bei der Kartliäusermühle, später: Ungeheure Kricsgassc, jetzt Lubenstras*e,
s. Brandis :t. a. O. I S.U. Das „Wehr" ist das sogenannte Paph-rwehr an der
Steiiibnicksinnel. 'J S. St. 337 A. 5. 10 Sonntag den 14. Februar 1490.
11 7. März 1490.
;)!.">. 1 8. Mai 1491. Der sente Johans tagk ante portam latinam (von der
Digitized by Google
345. Stuck.
445
noch mittage czwisschen II nnnd III vor loss dy sonne oron schin das
dritte teil, unnd in aller forme, als vor sechs jarn hir vor geschreben
steet, also was es hie ouch. | Unnd an sente walpurgis tage fru, do er m
fro8s der win, was er uss wass, nnnd den andern tagk dar noch, unnd
an des heiigen cruczes2 tage, do quam oyn grosser frost, also das nicht
feie bleib, das was das beste; der wyn was noch nicht geledes langk
er uss; es was ouch ummer kalt, wyndicht unnd regen unnd slossen,
das man ummer dar moste in heisse, zu pfingesten, zu dorne ablas,!t
zu sente bonifacius tage.1
Item an deme ablas montage6 noch mittage do hingk sich selber
eyner richer burger zu erffort in der nuwenstad zu deme swarczen
am,; gesessen, den sleiffre man uff dy mittewochen dar noch noch
mittage unnd vor brante den zu pulver, unnd zu der czid galt eyn
malder rocken vier schogk, geraanckorn V schock, das beste korn sechs
schogk, eyn gulde galt XXVI 1.1 nuwe groschen, eyn viertel wins das
kleine moss das galt fünft pfenge. Item zu hant noch sente bonifacies
tage begunde es etlicher mossse warm zu werden, adder feie starke
kalde wynde. Item an sente vites tage7 hub es an warm zu werden
unnd gantcz heiss, das man kume vor hitcze blibe konde, unnd weret
bis hene petii unde pauli. Item in deme selbigen sommer forte man
also feie korns uss der stad eitfbrt, das nymant gegloube kan, als man
sagete, tegeüch XL adder ftinttczigk wagen unnd karren, in hessen,
francken, an iin, in hollant unnd probant* es was in allen landen
ture das brod. Item man boch ouch zu eiffort nicht meer danne II,1,
pfunt uff eyn groschen brod; das machte | das mal gelt, das dy bocken v
gehen musten uff das rad huss zu erffort, von eynem malder korns
XVI gr., von geraten VIII gr. Item der rad hatte der pfaffheit ouch
gerne erloubet oren win zu schencken das kleine moss; adder der
bisschoff zu mentcz wolde, das sy das aide moss gebe solden; also
stunt das an, das die pfatt'heit nicht schenckte oyn gantcz jar unnd
XIX wochen; do '»sssen dy von erffort das aide win moss wedder kome.
Item in deme selbigen jnre an demo montage vor sente johans
tage baptiste, do brante gantcz unnd gar uss das stetchen grusssen9
gonant; man sagete, es were wol an achten enden an geleget von
bussen luten.
Item an sento vits tage wait es wedder warm unnd werte kume
achte tage, dar noch feie winde unnd regen unde kalt.
Item am sontage noch sente johans tago in der nacht, als achte
slugk, do quam also eyu mechligk gross donner wetter unnd regen,
Legende, dass der Apostel Johannes vor dem lateinischen Thorc in Horn , wo er
den Dianatcmpel umgestürzt hatte, in einen Kessel sirdVndcn Ölen geworfen wurde,
aber unversehrt blieb — jetzt 8. Giovanni in oleo u. S. Giovanni a Porta latina,
welche seit 1808 geschlossen ist) war der 6. Mai. * Dienstag den 3. Mai 1491.
n Ablaaswoche, d. h. die Fronleichnaniswoche , vom 29. Mai bis 4. Juni 1491.
4 Sonntag den 5. Juni 1491. r' 30. Mai 1491. " Der „Schwarze Adler",
Löberstrasse 4. 7 Mittwoch den 15. Juni 1491. 8 Brabant. !' Greussen,
Digitized by Google
446 346. Stück.
das man meynte, dy gancze stad erflort unnd das land werde vor gee,
unnd werte nicht lenger danne II stunde.
Item noch unser lieben frowen tage visitacionis10 den nesten
tagk wart es sere heiss unnd stund XU tage; in der czit begunde der
win zu blune unnd blute hene zu sente margareten tage. In des
uuam eyn warm regen in die blute, der thed ouch etlichen enden
schaden, das es sehetter11 wart.
Item an sente margareten tagk zu nacht, do starph er johan bogk 12
unnd liss sich in der grawen barfoscn kappen11 begrabe zu den
barfussen, der gor lange jar by XXII1J jarn hatte dy stad erffort |
2«o geregeret.
846. Von eynem grossen winde.
Anno M°CCCC°XCI°.
14M jfL.m an sente marion magdalenen abende1 zu nacht, als elfe slugk,
in der czid was es so heiss, das dy luthe nicht gesloffe konden in der
ho2, sie mussten in den husern uff der erden lege. In der selbien
nacht do quam also eyn gestrenge, ungehure, mechtigk, grossser storm
windt, der warff sere feie hussere, schunen, hotten unnd dechere nedder,
das wir meynten, dy gancze werlt worde vor gee, unnd donnerte nicht,
es regente mich nicht, etliche meynten, es were ouch mete gewest eyn
ertbebungc; dy luthe sprochen, es were keyn naturlich wind;sy meynten,
es were keyn tufel in der helle bieben, sy weren alle hussse gewest
und wolden uns vorterbe. Das wolde got nicht habe; god der al-
mochtige mochte on vorhengnisse :1 habe gegeben in etlicher mossse,
adder nicht volle macht. Es reiss steyne us den muren, item in mynem
dache in mvnem husse4 do macht es eynen grossen buch,6 es czoch
dv bon nayie" mit den bonen uss den gesparren unnd zu brach ouch
siist keynerley unnd bleib ouch allen enden gancz unnd werte nicht
länger danne ~ stunde.
Stadt im Fürstentum Schwarzburg - Sondershauscn. Sonnabend den 2. Juli
1401- der Wein l)lühle also bi* Mittwoch den 13. Juli (Margareten tag).
" Mhd „scheter" utid „sehiter", = „schadhaft, dünn, schlecht". " 8. St. 326
A 31 ,J Kr licsß *ich in der grauen Kutte der Ihirfiissermönche begraben.
34«. ' Donnerstag den 21. Juli 1491. D. h. hier Jn ihren Betten, denn
die Bettladen waren in jener Zeit ziemlich hoch. J S. St. 319 A. 3. * i Stolle
wohnte wie die anderen Viearii von St. Sevcr, jedenfalls in derfcahe der Kirche,
wahrscheinlich hinter derselben, da, wo jetzt die Domsehänke steht. Ander»
Geschichte der Stiftskirche
und
,boIe",
14)
aus '„nagei", also die"„BretUiagel".
Digitized by Google
347. Stuck.
447
S47. Von eyiiem grosssen wasser.
Item anno proscnti scilicet M°OCCC° LXXXX1" hub es an zu regen, 1491
czwo nacht unnd eyn tagk, vor sente celiax tage,1 unnd regento gantez \
sere, das es ny uff gehörte biss uff sente celiax tagk; unnd in der
selben nacht sente ciliax, do begunde | das wasser zu erfforte zu v
wachsene; es was zu ordorff* unnd vor den weiden er nedder gelouffen,
als dy kubeln, so sere hattes uff den weiden geregen t, unnd liff zu
erffort zu, unnd was under wregen was uff den wesen, uff deme felde,
das es er lange konde, das forte es alles en wegk, es zu reiss dasweer*
under sente celiax borgk gancz unnd gar unnd gingk by den dryen
born4 über al unnd in deme espiclr* hocher, danne eyn man langk
ist, es lieff vor deme nuwen tore über al uff deme acker, unnd lift' in
den stad graben by der kartuser torme unnd zu reiss do den stad
grabon unnd dy muren do selbest unnd warft' do dy brücken reyne
nedder unnd liff in den wilden graben0 biss in dy wilden gere, dy do
geed vor den czechenern7 hen. Der stad grabe do selbest was tbl, das
her über liff; es liff zu deme ussern lower thore in über dy brocken
unnd zu den bochsen löchern K zu cynom in, zu dem andern wedder
uss unnd ouch zu deme tore in vor sonte tomas kerehensa hen, unnd
machte dy gere under den czechenern so gross, das es den luten do
selbest in dy husere ge wolde; sy mosten were; das geschach, er
dannes mittagk wart au sente celiax tage; do stunden alle husere fol
wassers, es gingk ouch vor deme selben krominen ussorsten lower
thore über dye brocken, also hoch, das über dy lenen gingk, | dy uff sei
beide syten uff der brücken sint, unnd uff domo acker über al biss
an das spelberger thor;1' do liff es ouch in biss in dy wilden gera,
unnd liff vor deme krampten tore uff deme nuwen erbe 10 über al in
der mergen knechten kloster11 biss an dy kerchon. Wer do selbest uff
deme kerchhofe stunt, der konde das wasser mit syner hant gelange.
347. 1 Der Cyriaxtag i«t der 8. August; es begann also zu regnen in der
Nacht von Sonnabend d. 6. zu Sonntag d. 7. August 1491. Über diese Über-
schwemmung berichtet auch Nicolaus v. Siegen, chron. eccl. pag.4,r>8sq. * Ohr-
druf, Stadt im Herzogtum Saehaen-Koburg und Gotha, im gleichnamigen Dand-
ratsamte, an der Ohre, am Fusse des rhiiringenvaldes. 11 S. St. 344 A. 8.
4 Drei Quellen zwischen Erfurt und «lern nahen Dorfe Hochheim, jetzt der
„Dreienbrunnen'', s. v. Tettau a.a.O. S. 180. " Esbach (aus Asbach), ein Arm
der Uera, s. v. Tettau a.a.O. S. 185; Brandis a. a. O.J S. 7, der aber. II S.7 aus
dem heutigen Erfurter Dialekt Formen giebt wie Asserich, sogar Ässdrich. —
Derselbe, Berg- u. Thalnamcn im Thüringer Walde, 1894, S. 50 erklärt Esbach =
Espicb = asp-ahi, „Espeubusch". 11 S. St. 337 A.3. 7 S. St. 327 A. 13.
s Löcher für die Wallbüehsen, Schiessscharten. ** Die St. Thomaskirche, in
der Löberstrasse ; v.J. 1900 au wird eine neue St. Thoninskirche in derSchillcr-
strasse gebaut. ;' Früher das äussere Augustthor, später die sogen, „hohe-
Batterie",», v. Tettau a. a. O. S. 93 f. 10 „Neuerbe" (nova hcreditas) ist noch heute
eine Strasse in Erfurt, wahrscheinlich mit deren Namen zusammenhängend, welcher
im Angelsächs. das „erfe, yrfe" ■= „Vieh" bedeutet, also ursprünglich die „neue Vieh-
trift". " Marienknechts- oder Servitenkloster, vor dem Krämpferthor gelegen; s.
v. Mülverstedt, Hierogr. Erf.,MGE, III, pag. 156 f., und v. Tettau ebcndaXll S. 127
Digitized by Google
347. Stuck.
Es gingk ouch in den grossen spetal12 über al, das sy flee musten
• mit deine vee, pferden, kuwen, swinen, schoffen. Dy arme luthe1*
hieben in orem wessen, do quam es nicht hene. Item by deme nuwen
wercke warff es den borgk stegk14 umme unnd fnrte on vor dasgoiynne,15
do dy kersslache in louffet; do lag er dy querch, das man den mit
seylen moste er uss czhee,a anders das wasser nette das gerynne umme
geworffcn. Das gerynne was oueli lochericht worden, also das keyn
wasser under dy lower,,: gingk. Es lifF ouch zu der borgk stege
pforten17 in unnd zu den löchern an der muren do selbest, unnd zu
dem thoro do selbest ls uss unnd in, und liff zu der stad pforten ,:' in,
dy do steed by des nuwen wergks kerchofte; do battes in der pforten
eyne gruben gemacht; sechs manne hotten dar wol inno gestanden.
Item es b*ff ouch in deme herssbrule20 unnd sente mertins brule,21 das
feie lutho musten Mibe in oren husern, etliche quomen da von, dy
▼ kowe, swin unnd czegen stalleten | in ore dornczen, etliche uff dy
bodeme, etliche ertruncken. Etliche luthe Pflen in das kloster zu sente
mertin.2* Es gingk ouch in sente mertins kerchen2S an dem ho altar
eyncm an synen gortel, do muste man aUe dingk uss trage, unnd
liff zu deme menczen thore-' in, unnd ouch en teil in den hoff, unnd
vor deme hofe hen biss hene an das kaleygem uft deme ross25 marte
über al fol, unnd gingk, als wid als dy stad was. Vor den gretcn was
allen enden fol, das den smeden, den glockengissern folnach2,: in dy
hussere gingk, hetten sy nicht gewert. Es worn ouch alle keller fol
gemeiniclichen , als wid als dy stad was, alleyne umme den bergk,*7 .
* IIS: or n* cheo.
bis 129; Härtung, Häuserchronik voll Erfurt, II, S. 69-72. 1? S. St. 341 A.fl.
1:1 D. i. die Kranken im Hospitale. u S. St. 337 A. 5. 15 Die Überleitung der
Hirschlache über die wilde Gera, gebaut 1322. Frfiher giengein Steg daneben, dann
lief die Hirschlaehe (bis zur Zustluittung der wilden Gera, die innerhalb der Stadt
v. J. 1899 an erfolgt ist) unter dem Stege durch, der zur oberen Gartenstrasse führte,
über den Klus«; s. v. Tcttau a.a. O. S. 1U2 u. 185. ,,; Die Hirechlacbe lief also damals
bei dem „Gerinne" in die „wilde Gera" aus, wo das« die Lohgerber in der weiter
unten gelegenen Löberstrasse von ihr das ihnen nötigt) Wasser nicht mehr be-
kamen. " Eine Pforte am „Burgstcgc", der spät ren „Vogelsbrücke," 8. St. 337 A. 5.
,s Das Wasserthor, das bei dem Bunrstegc und unweit der Neuwerkf»kirche lag. Die
Brücke konnte zum Stauen der wilden Gera benutzt werden, sie wurde durch
einen Turm daneben gedeckt. 19 Also durch die Durchfahrt des oben genannten
Wasserthores. *" Hirschbrühl (s. die Karte, welche- Kirchhoff seinen „Ältesten
Weist fimern der Stadt Erfurt", 1870, beigegeben hat) ist, damals Gartenland,
jetzt Vorstadt, der westliche Teil der südlichen Stadt auf dein rechten Ufer der
Gera, jetzt Dalberg« weg, Luiseustrasse u. s. w. *' Auf «lern linken Ufer der
Gera, jetzt Brühlervorstadt: Briihlerstras.se, Brü hierwallst rasse, Cyriaxstrasse u. s. w.
»'-' S. St. 337 A.G. M S. St. 338 A. 6. " Am Mainzerhof, also das inneie
Brühlerthor, das sogen, krumme Thor. 5S Am Kos*marktc (jetzt „Herrmanns-
platz") lagen viele Häuser von Geistlichen, d. h. von Kauonikern uud Vikarien
von B. Mariae V. und St. Severi u. a. Von einem collegium daselbst ist uns
nichts bekannt; vielleicht ist eins dieser geistlichen Häuser gemeint, in welchem
Vorlesungen für junge Kleriker gehalten wurden. '2C Mundartliches Adverbiuni
aus dem" Adjektivstamm „voll4- gebildet, = „völlig", wie wir schon „volnacli"
St. 198 A. 35 fanden. ST Der Petcrsbcrg.
Digitized by Google
347. Stück. 449
unnd liff dy strossse hen, das do nymant gewandere konde. Es gingk
zu allen heiigen28 an dy ubersten stuffen an der kerchen, alle thor
worn vor schutczt mit miste, das wasser breite sich, als wid als dy
stad was, der ross mart, der heilgeborn,2** dy nuwe stad stund alles in
dem wasser, unnd weichte feie wende nedder und husere unnd steynende
muren unnd gewelbe. Der stegk by deme grosen spetal zu brach
halb. Item das wasser quam alles zu samen vor sente moritcz thor;
do was solch jammer unnd nod, es mochte eyn steynen hercze er-
barmet habe. Czwisschen den czweyen torn sente moritcz stunden dy
husere im wassere, das nymant gegrunde konde zu riten noch zu
gene. Der peterer mol30 nam grossen | schaden, me danne vor dry m
hundert gülden schaden. Item es warft ouch umme eyn stocke muren
mit czwen gewelben an der ussern muren vor sente moritcz thore,
wan man uft den rasen geed, do das wasser steteklich dorch loufet.
Vor deme selben thore was also gross wasser und gingk über al in
alle garten, unnd was gestalt als eyn see. Do sach ich, das das wasser
vele husere unnd holcz brochte, das stees muren unnd gewelbe en
czwey unnd thed grossen schaden hen unnd her an der stad erffort,
an den graben, an muren, an tonnen unnd an gewelben unnd husern,
das man meynte, man konde solchen schaden in erffort alleine mit
eynem schoffel gülden nicht beczale. Item umme vesper czid satczte
sich das wasser eine halbe eile tiff, unnd ummer dar mee unnd mee:
noch was feie wassers wol by achte tagen. Item in der selbigen nacht
sente celiax umme mitternachts als das wasser begonde zu komen
unnd uff horte zu regen, do wart ge seen von den wechtern uff den
tornien, unnd ouch etliche pristere unnd borgere, von den ich das
gehört habe, das sie geseen hetten für in den wölken unnd nedder
falle als brente, unnd dy wechtere hingen uss ore lattern, als man
phleget zu thune, wan es bornt, unnd wolden zu furo luthe, unnd
theden des nicht umme erschreckenisse der | lute. Es wart ouch ge- v
saget, wymar unnd jene weren dy selbe nacht mee danne halb uss
gebrant; das machte, das dy wechtere geseen hatten. Dy selben stete
worn nicht vor brant, alleine wart es in den wölken geseen, als god
also eyn czeichen gab dorch das wasser unnd das für, ab sich das
folk noch bekere unnd bessere wolde; des gesichtes des fures konde
nymant wisse werde. Wann an sente marien magdalenen nacht, als
oben ge schreben steed, do was gar eyner grosser trefflicher mechtiger
wint, feie grussslicher danne ditcz wasser; wir meynten, wir musten
alle sterbe, also grusslichen thed der wintd, unnd werte eyne halbe
stunde. Item an sente walpurgen tage, ouch in dissem jare, als oben
ge schreben steed, do quam eyn gross frost, der nam des wins vele en
• HS: mitteramcb (■. ob. St. 191).
?a Die AJlcrheiligenkirche. 19 8. St. 118 u.221 A.28. 80 Grosse Peters-
mühle, d. h. die Mühle des Peteraklostere , jetzt die Lederfabrik von Herrmann,
Moritzgaa&e 28; 8. R. Böckner, Peterekloeter , i. d. MOE, XI, 8. 145 ff.
K. Stoll** Memo r Laie. 29
Digitized by Google
450
847. Stück.
wegk, iinnd was den sommer iimmer dar kalt, das dy luthe ummor dar
in pelczen gingen. Item so batton wir ouch vor des eynen grossen
rnechtien kalden winter, als oben gesclireben steed. Also bad uns
unser lieber berre gut feie czeichen beweist unnd gegeben, adder weningk
menschen sich dar an keren ; etliche schregen über das male gelt,11
etliche über das kleine moss,*-' etliche ubir dy kouft czeddeln,33 etliche
über das one endelie 34 regement geistlichen unnd wertlichen; dar umme
«es steen wir ummer dar in grosser geverlichkeit des alniech|tigen gotis.
God der alraechtige sy uns gnedigk ! In dissem jare ben ich, der ditcz
geschreben had, gnant conradus stolle, eyn vicarius zu seute sever,
i'unff unnd funffczigk jar alt, do ditcz gescheen ist. Item am nesten
tage noch sente lorencz tage,85 do gingk der rath zu erffort unnd in
woner der stad eyne schone processien uff den bergk zu unser lieben
frowen, unnd sungen eyne schone messe von unser lieben frowen, unnd
ouch. zu sente sever, dar noch te deum laudamus, unnd lobetcn dogotl
den alineehtigen, das her uns das wasser unnd andere zufellunge also
gnedigk hatte er czeiget, das her dy stad erflort unnd das lant nicht
gancz hatte er troncket, wanne do bleib kein mensche thodt in erffort
Do das wasser quam, do sleffen dy luthe an dem besten, etliche er-
wachten von dem wasserrusschen, etliche von dem geschreye der thir,
dy in deme wasser stunden, als kuwe , schoff, czegen, swin unnd
andere thir, dy man muste dy nierc mengo uff dy bodeme czee unnd
sleiffe en pür. Item es wart ouch ge saget, das in feie landen feie
gewesseres were gewest uff disse czid, nicht alleyne zu erffort, sundcm
in nedder landen, in Sachsen, an der sal unnd in missen ; do was solch
jammer unnd noid zu erffort, als gross von den luten, das ich des
nicht vor schriben kan ; es kan ouch nimant geloube, wer des nicht ge
seen had etc. |
1+91 Item in deme selben jare M°CCCC°LXXXXr° an sente lorencz
31 Man niusste damals viel (leid für da» Mahlen geben, eine hohe indirekte
Steuer (Ungeld), 8. Nicolaus von Siegen, ehron. eccles. pag. 476: Erlordcnses pre-
consules fecerunt satis inauditum statutum de molendinis et taxain super unani-
quainque mensuram, et nisi quis portaret cedulam, nullus molitorum eidom inolere
ausus fuit; und png. 480: Consolatus Erfordensi* posuit gravem taxam super
molendina, de uno raaldro tritici dari debent 16 grossi. de maldro ordei 8 gro**'.
et similiter avene 8 grossi. " 1). h. Weinmass. S. Falckensteiu, eivit. Erl. bist,
crit. et dipl. S. 424 ff.: „Um das Jahr 1491 hat der Magistrat, wegen der Stadt
allzu grosser Schuldeulaal, ein» Riugerung des Zapfen Masses bei den Wein-
schenken vorgenommen, welch«* aber der Kurfürst Berthold nicht gestatten wollte,
weil die Ordnung der Mas«* zu des Erzstiftes Obrigkeit gehörig. Daher befahl
der Kurfürst seiner Clerisei anders nicht als mit dem grossen Mass zu schenken
[das kurfürstliche Dekret druckt Falckenstcin 8. 425 ab]. Obwohl nun die Stadt
des Kurfürsten Verbote sich lauge Zeit widersetzte, so hat sie doch solche
Ringerung des Masnes im folgenden Jahro wieder abthun müssen." 8. auch Nie
v. Siegen, chrou. eccl. pag. 4*1. 482 sqq. 488. 33 S. Nicol. v. Siegen, chron. eccL
pag. 478 u. 488 (eedula* in foro). Niemand durfte kaufen oder verkaufen, wenn
er nicht vorher auf dem Rathause einen Zettel gelöst hatte - eine ebenso hohe
als unbequeme indirekte Steuer. B1 8. St. 29 A. 10 ; hier — „unordentlich" ; unten:
one eudilge ; St 348: kein endelich; s. auch St. 198 A. 23. SÄ Donnerstag d.
11. August 1491.
Digitized by Googl
347. Stuck.
451
tage,86 do regentes wedder an unnd werto eynen tagt, unnd horte
wedder uff, uiind wedder an, unnd wart eyn nass erne zu sniten, do
konde man gemercke, das eclipsis solis wel recht habe, in welchem
jare dy komen, das bedutcth eyn unfruclitbar jar unnd mit feie schaden
allo der fruchte. Es was ouch thurc czid in nedder landen, holland,
brobant, flandern, frisland, also das dy lute do feie vor smachten
hungers halben.
Czu der czit furte man feie korns uss erffort, eyn malder umme
V unnd VI schogk, in nedder landen eyn fertel umme XVI gülden.
Item noch den tinsternissen unnd unfruchtbaren jaren folgen gerne
grosse unnd mergliche 37 czid, als hunger, adder pestilencie. In der
czid starb seiden eyn mensche; do worn mechtigk feie kindere unnd
lutho. Als nu keyn besserunge sich nicht er czeyget von den luton,
als wol nud wege, so besorge ich, der almechtige ewige god wert38 uns
feie grober stroffe, er gebe es uns gnedigk ! Dy geistlichkeit, monche
unnd wertliche pfaifen haben ditcz ganze uss gene jar so sere ge pre-
diget, uff das one ondilge3*1 regement in erffort, also das sich der rath
zu erffort des ane nam, unnd vor clagete do dy monche unnd pfafien
keyn oren obersten , das sye das abe stelten ; also hebet es an zu
ketczerie. Item jacobi unnd bartholomei ,3y do heisten etliche ore
dornczen. Item noch sente bartholomeus tage wart es warm IUI tage,
dar noch regen unde winde. Item an sente johans tage decollajcionis40 sc*
sante unser herre von mentcz41 der pfaflheit kein erffort eyn gebod,
das kein pfaffe, geistlich, wertlich, nnnne adder monch, das kleine win
moss nicht schencke solde, by deine höchsten banne. Dy pfaffheit
hatte ouch nicht ge schencket win von sente michels tage an anno
domini M " (XXX) ° I.XXXX ° ditcz gancze jar, unnd steed noch also an, 1490
ane ende. Unnd das gelobete unnd gerette zu halden dy pfaffheit
Item solche unmesliche ploge unnd stroffunge von gotho unserm
lieben hern, als oben hen unnd heer ge schreben steed, es wart ouch
• mancherleye hande gereth. Etliche sprochen, dy von erffort hetten
deme monche, der das mechtige grossse für gemacht hatte zu erfforte,
als geschreben steet folio CLVi,4a deme selben monche Hessen die von
erffort sine wee beneme, das on nicht zu steed, unde lissen on vor
borne. Item etliche sprochen, es were dy scholt, das dy von erffort
hetten zu brochen das kloster sente celiax43 uff deme berge vor erffort
unnd hetten eyne borgk do hene gebuwet. Etliche sprochen, es were
dy scholt des klcyn win mosses. Etliche sprochen, es were dy scholt
der male czedeln. Etliche meynten, es were dy scholt, das nymant
dorste keynerleye getreydich koufle 44 uff demo marte hen unnd her in
30 Mittwoch d. 10. August 1491. " Mhd „merklich" — md „merglich" = „be-
merkenswert.'* SH „werden," swv., für „wert halten" (auch im üblen Sinne). a S.
ob. A. 34. Ende Juli (25.) und August (24). 40 Montag d. 29. Aug. 1491.
41 8. ob. A. 32. Da« kurfürstliche Dekret ist vom 20. August 1491, bekannt
wurde es in Erfurt am 29. August. 41 S. St. 221. 4* 8. St. 326 A. 27. 44 Die-
selben Kaufzettel, welche A. 33 erwähnt werden, galten auch vom ( Jetreidekaufe.
29*
Digitized by Google
452
348. Stuck.
der stad erffort ane czeddeln des rathes. Das vor dross dy herczoges
manne45 gar sere, dy do was keuffe wolden uff dem marte, unnd dy
sich do schemeten uff das rath huss zu gene unnd solche ozedeln do
zu vorderne, das ny mye was gewest. Item dye sechste sache was,
▼ das man | kein fremde win noch bier
(348. Hye wart den von erffort dy strosse nedder
um geleyt anuo domini M° CCCC° LXXXXK)
h"ess in dy stad erffort fure, do dorch manch man geistlich unnd wert-
lich vor smachte moste trinckens halben. Item dy VII. sache was, das
keyn endelich regement nicht was, do dorch solcher oben geschrcben
stucko uns der almechtige god so grosse unmessige grossse czeichen
gegeben had in dissem jare, nemelichen mit eynem mechtigen grossen
kalden winter, mit eynem grosssen frosto in denie meyen, der dy win-
berge erfrorte, mit eynem grossen winde, unnd finsternisse der sonnen,
als oben ge sehreben steed folio CCLIX, item mit grossen donnern unnd
blixon, unnd feie grosse winde unnd regen unnd ummer dar kalt, unnd
mit eyner nassen korn ernne, unnd mit eynem grossen wasser, unnd
feie andere zu fellige anefechtunge, der nicht en wenigk ist. Item dy
hern von missen !, dy leyten den von erffort dy strossse nidder am fri-
tage vor des heiigen crucis tage2 im herbeste, do torste keyn man uss
der forsten lande nicht keyn erfforte fare adder trage holcz, koln, korn,
adder keynerleye. Wo sy dy er kregen, dy treben sy widder urame,
sundern dy von erfforte manne liss man fare, wo sy wolden. Es was
ouch sust keyn finschafft. Etliche sprochen, unser herre von mencz,
gnant bertoldus von hennenbergk,* der hettes mit den hern zu missen
46 Die Unterthanen der sächsischen Herzöge, Bauern aus den sächsischen
bei Erfurt gelegenen Dörfern. War doch Erfurt im ganzen Mittelalter der
Marktplatz, wo Fürsten und Geistliche, Grafen und Bitter, Herreu und Diener,
Kleinstädter und Bauern von ganz Thüringen alle Bedürfnisse dt* Leben« billig
einkaufen konnten und in reicher Auswahl vorfanden.
848. 1 Da in der Leipziger Teilung vom 26. August 1485 die Wettiner die
Schut/.herrschaft über Meissen gemeinsam behielten, ebenso die seit 1483 be-
stehende Sehutzherrschaft über Erfurt, so spricht Stolle mit Hecht von den
„Herren von Meissen." Diese, der Kurfürst V riedrich der Weise und neben ihm
sein Bruder Johann, auch G«*>rg, der Sohn Albrechts des Beherzten (der in den
Niederlanden kriegte), gerieten mit den Erfurtern in Streit, namentlich wegen
der Geltung der sächsischen Münzen, und wegen de» Verbotes, fremde Weine und
Biere in Erfurt einzuführen. Welche Massregeln die sächsischen Fürsten da-
gegen ergriffen, erzählt der Chronist; gleiche Nachrichten bringt Nicolaus von
Siegen, chron. eccl. pag. 486 sq. Durch Vermittlung des Erzbischofs Emst von
Magdeburg (3. Sohnes des am 26. Aug. 1486 verstorbenen Kurfürsten Ernst — s.o.
St. 326 A. 18) kam am 26. November 1492 ein Vergleich zustande — s. auch
Nicolaus von Siegen, chron. eccl. pag. 489, - welchen Falekenstein a. a. O. S. 427
mitteilt. 4 9. September 1491. s Berthold von Heuueberg, 1484—1504. Stolle
nimmt ein Einverständnis mit den sächsischen Fürsten als möglich an. Es kam
hinzu, dass die Mahl- und Kaufzettel (s. St.347 Aum. 31 u. 38), wie bei Nicolaus von
Digitized by Google
I
349. Stück. 458
also an geleget, unnd eynen grossen Unwillen dor inne hatte, das dy von
erfiort also kune weren, das sye | dy win raoss anders setczten, wan w&
es vor ge west ist, das doch on nicht geboret zu thune hinder orem
rechten erbe hern, das ist unser herre von mencz; das heisssen regalia,
dy nymande meer geboren wan konige, forsten, als ist dy moss, dy
eile, dy messgerten, das gewichte, dy muncze etc. Item unser herre
von mencz hatte ouch eynen vor dross in den mal czedeln unnd dy
kouff czedeln ; dy forsten hatten ouch eynen vor dross, das dy muntcze
nicht glich gingk in der stad unnd uff denie lande, unnd dy thor uflen
den in zu füren win unnd beer etc. Item dy hern von missen wora
ouch unwilligk über dye stad erffort, das sy nicht wolden setczen den
potter kästen,1 als geschroben steed folio CCIXVIL* Item der bisschoff
bertoldus hette ouch gerne in geroten zu orffort, so hettons dy von
erfiort ouch losssen ge schee, sundern er wolde on yre privilegia nicht
be stetigo, als ire gewonheit uss wiset, dar umme hub sich feie wedder
willen czwisschen der stad unnd bischofe unnd ouch den hern von missen.
Item in dissem jare LXXXXI", do wart der win ingelessen umme 1401
aller heiigen tagk,5 unnd was nicht halb riff; der wart sür unnd
weningk; feie luthe lissen den steen; do gab unser lieber herregot das
kleine moss. Item am sontage noch sente scolastien ,; tage an der fast-
nacht, do lissen dy von erfiort das grosse aide win moss wedder kome,
unnd das kleine moss stunt alleine eyn gancz jar unnd XIX wochen,
das was anno LXXXXI10. | 1492
349. Von eynein halssbaitde.
Anno domini M° CCCC° LXXXXU0 umme sente severs tagk,1 do 1492
quam eyn arm edel vortorben man von lipcz kein erfiort, unnd gingk
do by drien wochen uf unnd nedder, biss so lauge das her zu der
ebenthure quam, dar umme her uss geschicket was. Es was eyn
burger unnd rotissmeistcr zu erfiort, genant frederich reinbote,2 der
hatte eine frowen, dy wass eyn swester Wilhelms von allenblumen,3
ouch et wan eyn burger zu erffort; dy czwene hatten einen errethum
zu saramene guter teilunge halben, unnd konden des nicht eyns werden.
Also czoch der genante wilhelm von allenblumen von erffort kein lipcz
• HS: XI/VIl, «abgestrichen von anderer Hand, dallir gesetzt LXV11 (e. St. 350»).
Siegen, chron. eecl. öftere (z. B. pag. 487 sq.) zu lesen steht, grosse Erbitterung auch
im übrigen Thüringen hervorriefen. 4 S. St. 350 a. 5 1. November 1491.
" 12. Februar 1492.
34». 1 Montag d. 22. Oktober 1492. - Er war i. J. 1492 zweiter Ratemeister.
Schon i. J. 1480 orwälint von ihm Falckenstein (hist. Erf. pag. 389), das» er dem
Kate angehört habe; er stammte aus einer alten Erfurter Bürgerfamilie, die
zuerst 1228 urkundlich erwähnt wird, h. UE, I, No. 100; ihr Wappen bestätigte
Kaiser Siegern und i. J. 1432, s. Zacke, Totenbuch des Dominikanerklosters, JAEII,
S. 34. f S. St. 215 A. 4 u. 326 A. 30, auch Härtung Kammermeister, h. v. Reiche,
S. 73 nebet A. 1.
Digitized by Google
454
349. Stück;
linder dy hem zu missen, unnd suchte vor teidingk, er konde aber
wenig gewercke, er starp über deme krige, er liss etliche kindere. Koch
ores vater tode santen sye dissen obgnanten edeln man kein erffort,
unnd gelobeten ome eyne summe geldes, unnd goben ome eyn halss-
bant mete, das was von isene ge macht unnd hatte feie gelencke unnd
stacheln innewendigk, eyn uss dor mosse kostlich unnd geferlich kleynod ;
wer das an synen halss kreigk, der moste sterbe innewendigk X adder
XII tagen; es konde ouch nymant uff gethu ane slossel, der zu dem
dinge gehört; es konde ouch nymant en czwey ge tile adder abe ge
neme. Der selbe edel man ging aldo unde fugete sich zu deme ge-
nanten ratismeister, reinbote genant, uff der gassen unnd retten mit
eyn ander, unnd eyner kante den andern wol, also das nicht vor docbt
czwisschen on wass. Czu einem mol bad disser reinbote dissen edeln
man zu huse, das er mit ome essen solde. Das geschach also. Do j
266 sy nu zu hant gessen hatten, do sach der gast den ratismeister sere
heftig an, unnd hette gerne sine kunst ge übet, uund hette deme ratis-
meister das halsbant gerne an den hals gebrocht, unnd was doch nit
so kune. Der wert marckte was an sinem gaste unnd begunste zu
grusene, unnd erdochte eyn list, unnd stunt uff von dem tissche, unnd
gingk zu der dornczen uss unnd riff sinem knechte unnd sprach: "Wo
blibostu? wiltu nicht trincken brengeu? Also quam der knecht kegen-
wertigk; hette der wert sine hussfrowen noch deme knechte gesant,
indes so hette der gast deme werte das halssbaut gern an geworffeu,
das er danne by ome hatte. Do hub der wort an unnd sprach: Lieber
gast, wy seed ir mich so hefftigk an? Do sprach der gast: Lieber er
ratismeister, woldet ir mir eyu geschencke geben; ich wolde uch
uffen bare, was mir befolen ist von uwern Verfolgern; unnd uffen
barte do alle sine heymelkeit disser geschieht. Disser ratismeister nam
das halssbant zu sich, adder gab deme keins4 nicht, unnd liss ou
gee, wo er zu schicken hatte. Der ratissmeister trugk das halssbant
uff das ratisshuss, unnd uffenbarte do alle dingk, als er gangen was.
Do bleib der edel man noch in siner herberge. Des andern tages
lissen on dy hern hole unnd satezten on in dye temlitczen.5 Do
sass er gor lange czit inne.
Item der selbie edel man hattes also in synem heymet vor losssen,
queme her nicht wedder innewendigk vierezen tagen, so solden sy ome
synen knecht sende mit czerunge. An sente mertins abende6 quam
▼ sin knecht keyn erflort unnd sochte | sinen hern zu deme roten lawen
uff dem korn marte.7 Do der wert markte,* das der eyner were, der
in der teralitczen were, unnd be stalte noch den stad knechten; in des
» HS: tnarcke.
4 Substantiv. S. S. 318 A. 6. 6 Gefängnis im Rathause, s. St. 209 A. 9; oft
erwähnt. *' Sonnabend den 10. November 1492. ' Jetzt Hinterhaus zum
Hause Marktstra^se 21.
Digitized by Googl
350. und 850 a. Stück
455
begonste dissem knechte zu grusen, das er synen hern nicht fant, unnd
thed, als er wolde in den hoff geon, unnd hub sich unnd liff uff den
bergk in unser lieben frowen kerchen ; do bleib er inne tag unnd
nacht von sento mertins abende bis hene uff seilte thoraas abent,8 das
sint sechs wochen. Dy stad knechte logen do in der kerchen urame
dy kerchen, als dy hunde; sy hetten on gerne er uss genomen. Do
sprach der segeler,9 woldon sy dos hutens nicht abe gee, so wolde her
den ban ley, als wid als dy stad ist. Do gingen sye des hutens abo,
noch so bleib er so lange dar inne; er meynte, er wolde mit deme
rechten loss werde; es quam nicht do hene, sundern er quam heyme-
lichen en wogk, das nymant wüste, wo hene her quam; abersyn herre
bleib imo go fencknisse sitczenc.
350. Von eynem froste unnd heisssen sominer.
Item anno domini M°CCCC° LXXXXH an des hoilgen cristis tage 1492
hub sich eyiie mechtige grossso kulde, feie keldor, wan vor XU jarn hy
vor, unnd stund hene utt sente gerdruten tagk1; do wart es warm, biss
hene uff sente johans tagk ante portam latinam5; als balde dar noch
wart es wedder kalt; do was der win uss gewachsen geledes langk,
unnd erfross als mittenander, also das weningk wins wart. Do der
frost über hen quam, do wart es sere beiss unnd warm den ganczen
sonimer über unnd regente nicht biss hene zu sente lorenczjtage,3 also t67
das korn unnd ander getreydigk kort unnd kloyne wart. Umme sente
michaelis tagk was es noch gantcz warm, das dy luthe in den hemden
gingen; unnd do wart ouch der win ingelessen, unnd weningk unnd
gud, unnd wart feie kostliches gutes win holcz unnd gancz rifle.
Vorderseite des eingehefteten Blättchens.
350a.1
do musten dy von erffort etliche dorffer den hern zu missen wed[der]
gebe an deme selben gelde, nemelichen bisschofesleuben,2 swan[see]3
unnd andere ende mee; unnd dy von erffort satzten uff do [das] kleine
win nioss, dy male czeddeln von eynem malder korns [ 1 aide groschen,
* Iiis zum Donnerstag <1. 20. Dezember 1492. 9 Der Siegler war einer der
Mainzischen Beamten . der da* Gerichtssiegel führte.
350. 1 Sonntag d. 17 Marz 1493. - Montag d. 6. Mai 1493 (s. St. 345 A. 1).
3 Sonnabend d. 10. August 1493.
350a. 1 Zwischen Seite 266v und 267 der HS ißt ein kleines Blatt einge-
heftet, allerdings am Rande etwas beschnitten, so daias die in eckige Klammern
gesetzten Ergänzungen nötig waren; es enthält die obigen Worte. Auf dieses
bezieht sich die St. 348 A. 4 erwähnte Zahl CCLXVII. Sachlich s. St. 348 A. 1,
auch 8t. 347 A. 32. 31. u. 33. 2 Bischleben. Dorf an der Gera im Landratsamte
Gotha des Herzogtums Saehsen-Koburg und Gotha. " Dorf Schwansee im Ver-
waltungsbezirk Weimar des Grossherzogtums Sachsen.
Digitized by Google
456 350 b. Stück.
von geraten Vin aide groschen; da torfte» auch nim[ant] getreidich
kouffe uff deme marte, her hette danne eyn czedde[l von] deme rothe.
Sy lisssen ouch keyn fromde beer adder win in dy [stad] erfforte komme,
unnd nomen czwefach geschoss. Also wart der [sture] sere feie, das
dy gemeyne sere dar ufl redete. Dar noch dy [hem] von missen netten
sich ouch gerne wedder dy von erffort gesperret [unnd] wüsten nicht
rechte ur sache zu finden. Etliche sprachen, [sy] vor drossse das kleine
mos8, dy male czedeln, das den von [erfforte] nicht zu stunde zu
8etczen hihder orem erbhern des bisschoffes zu [mentcz]. Sy hatten
ouch vor Unwillen, das dy von erffort nicht Jessen [steen] eyn gelt
kästen zu der brocken über dy elbe zu torgawe, do [der] bobist hatte
loube zu gegeben in der fursten lande, wer do czw[een] sneberger
grosschen in den kästen gebe, der mochte putter[n] in der fasten. Das
was al wid als der. fursten gebiete was, [unnd] nicht zu erffort, unnd
hub sich an anno domini M° CCCC° LXXXX[n]. Item noch des heilgen
crucis tage* im herbeste, do leiten dy |bern] zu missen den von erffort
dy strosso nedder, als geschreb[en] steed under der czal CCLXV hievor.5
Kückseite des eingehefteten Blättchens.b
350b.1
Anno domini M°CCCC°LXXX do vorgingen dy lange snebele an
den mannes schon. Dar noch gingen uss dy breiten scho genant kowe
muler. Item in denselben jaren gingk uss der trottart tantz, der vor
noch ny ge seen wass. Item dy breiten hemde mit den grossen breiten
brost listen gingen ouch uss in dissen jaren, dy trugen dy manne
unnd forne geriket; dy frowon unnd meyde trugen kostliche brost
tuchere, ouch vorne mit breiten kostlichen listen gesticket mit syden,
mit perlen adder füttern, unnd ore hemde dy hatten secke, do sy dy
broste in stackten, das vor mals nicht meer ge west was, unnd lange
spitzen an den schoen mit wisssen schefften, unnd alle trugen patyn
adder pantofen, alles unczuchtigk. Sy trugen auch kollerechtige brost-
chene, unde dy manne trugen yopen vorne uffene mittenander unnd
kostliche brostuchere adder hemde. Unnd über her gestiuret mit syden
adder breiten senckeln, unnd breite prissen an den yopen ermein, unnd
dy mentel hatten dorch howen sweife, dy hosseu gehelbert mit mancher-
leye färbe, kleyne hüte adder biret mit oren, allos unczuchtigk.
Syc trugen ouch hüben uff der gassse in mancherleye wisse unnd
■ HS: tonte. k Ol« ganze Seite ist In der H8 durchgetrieben. c Von hier ui mh
Wa*-er Tinte, aber dieselbe alte Hand.
* S. St. 348 A. 2. Allerdinga steht in der H8 pag. 264\ 6 In der HS
stand zuerst hiernoch, das aber ausgestrichen ist.
350b. 1 Da diese Bemerkungen in St. 367 fast in derselben Fassung wieder-
kehren, so lassen wir sie hier unkommentiert, indem wir dort die abweichenden
Worte in eckigen Klammern dabeisetzen.
Digitized by Google
351. und 852. Stück.
457
färbe, als die frowen pflegen. Dy syden hüben dy vorgyngen reyne,
nu tragen sy haben mit langen zippfein unnd forne her kostliche
sternchene, schone her als dy riche lute, gut narren spei.
351. Von eynem fure.
Item anno XCn° an dinstage noch sente johans tage ante portam 1*92
latinam,1 do was zu erffort eyn gross für by sente johansse.2 Ttem in
deme selben jore do worden uff gesatczt dy czwo nuwen taöeln3 zu
koufmans kerchen, unnd oucb zu sente pawel.4
Von brunssswigk.1
Item als man schreib noch cristi gebort tusent vierhundert unnd 1*92
czwey unnd nunczigk, wass eyn gross krigk czwisschen der stad
brunsswigk unnd deme herczogen von brunsswigk; der lagk vor der
selbigen Stadt lenger danne eyn halb jar, unnd meynte dy zu ge-
winnen, unnd vor loss feie guter man, wanne dy see stete2 unnd
hildenssheim hulffen mit foller macht, mit spisse unnd foller macht der
351. 1 8. Mai 1892. 7 Die Johanneskirche, in der Johannesstrasse; seit
1525 wurde in ihr kein Gottesdienst gehalten, 1819 wurde sie bis auf den noch
stehenden Turm abgebrochen, s. v. Tettau a. a. O. S. 108 - 109. 3 Mhd „tavele",
8tswf., = md ,,taffel'', = „Tafel, Gemälde," bes. Altargemälde. 4 Die Paulskirche
wurde seit der Einführung der Reformation nicht mehr als Kirche benutzt ; 1736
brannte sie ab und wurde 1759 völlig abgebrochen; ihr Turm ist jetzt der Neben-
glockenturm der Predigergenieindc, s.v. Tettau a. a. O. S. 115.
352. 1 Dass der Kampf zwischen Herzog Heinrich I. von Braunschweig-
Wolfenbüttel und der Stadt Braunschweig i. J. 1492—1493 grosses Aufsehen wie
überall (s. v. Lilienkron, Die hist. Volkslieder der Deutschen, Bd. II, S. 312— 329:
4 Volkslieder), so auch in Thüringen machte, beweist, dass Nicolaus von Siegen,
ebrou. eccl. pag. 492, denselben ebenfalls erwähnt. — Nachdem Heinrich auch iü
Braunschweig zum Throne gelangt war, wollte er die von seinen Vorfahren an die
Stadt verpfändeten alten fürstlichen Gerechtsame, namentlich Gericht und Zoll,
sich wieder verschaffen; aber der Rat widersetzte sich der Wicdereinlosung. wies
auch die vom Herzoge vorgeschlagenen Schiedsrichter, den Kurfürsten Johann
von Brandenburg und Erzbischof Ernst von Magdeburg, zurück, und so brach
im August 1492 der Kampf aus, in welchem der Herzog ebenso von seinem
Bruder Erich und seinem Vetter dem Herzog Heinrich dem Mittleren von Celle,
wie von vielen Fürsten, z. B. den Kurfürsten Friedrich von Sachsen und Johann von
Brandenburg, vom Herzog Johann von Sachsen, vom Erzbischof Ernst von Magde-
burg Ii. a. unterstützt wurde Der Herzog umlagerte mit seinem Heere die Stadt
Braunschweig während des Winters 1492/93. Gegen ihn boten die Hansestädte,
deren eine Quartierstadt Braunschweig war, alle ihre Streitkräfte auf, die sich in
Hildesheim sammelten und Braunschweig zu Hilfe zogen, auch am 13. Febr. 1493
das belagernde Heer uchlugen und in Braunschweig zur Hilfe einzogen, dem sie
neuen Proviant brachten. Der Kampf währte noeh einige Zeit fort, bis endlich,
ohne dass der Herzog Erfolg hatte, am 3. Juni 1494 der Friede geschlossen
wurde. S. Havemann, Gesch. der Lande Brauuschweig und Lüneburg I, 1853,
S. 734-746. * D. h. die Städte des Hansabundes.
Digitized by Googl
458 353. und 354. St uck.
stad brunsswigk; dy forsten umnie her santen irue etlich folk, adder
nicht feie. Do her sieh uss geezorot hatte, do czoeh her da vone.
unnd bleib umbericht.3
u<<« 853. Anno domini MCCCCXCIH0 eclipsis lune.
In deuie jorc wass eyn gut wetter von seilte bastians tage an biss
zu seute gerdruden tagk;1 do wart es wedder gauez kalt, frost, snee,
v unnd kalde winde, unnd an deine andern tage des | aprilis in der
nacht von XI an, biss das es viere slngk des morgens, do vor loss der
monde synen schin gancz unnd gar, unnd dar noch vier tage mit
grosssem nebel, unnd das letezto viertel des monden grossen regen
unnd kalt. Item er noch uft' des heiigen crucis tagk invencionis,2 do
erfross der win an feel enden; am hern berge3 bleib er gancz uner-
frorn. Item in dorne selben sommer umme petri et pauli, fürte man
mechtigk tele korns von erffort uit pferden, feie mol XL, funflczigk adder
LX pferde utf eyn mol, in das stitft zu koln unnd an den rin unnd
kein brunsswigk. Das habe ich geseon, der dits ge sehreben had, ouch
uff wagen, welche nao4 worn.
1493 Iteni in (iemo selben jare XCIII0 umme ptingesten, do czoch her-
czoge frederich von missen, eyn jungk lierre by XXVI jarn unnd eyn
korfursto, keyn jerusalcmf' zu deine heiigen grabe; der hatte noch keyn
elich wip; unnd quam wedder an sente mauricius tage.6 Item
1493 selben jare XCüT° an unser lieben frowen tage letezern, do starb der
keyscr gnant fridericus.
354. Dy spitezen1 zu unser lieben frowen.
1403 Ttem in dem selben jare XC1I10 in der wochen vor pfingesten wart
uff gericht unnd ge satezt dy tonn spiteze zu unser lieben frowen zu
3 Mhd „unberiht" aus un berichtet = nid „umbericht": blieb „umbericht" =
„er führte die Sache nicht zu Ende."
353. « Von Sonntag d. 20. Januar bis Sonntag d. 17. Marz 1493. ' Frei-
tag d. 3. Mai 1493. s Der Herrenberg (Grosser und Kleiner Herrenberg) —
qui vulgo Hiruszberg appellatur («.Urkunde v.J. 1207, UE, I, No. 212) ist der
Höhenzug südöstlich von Erfurt, zwischen den Dörfern Dittelstedt und Melchen-
dorf, im Landkreise Erfurt. 4 Entweder nae, mundartlicho Nebenform für da?
Adverb, nahe (na) „nahe", oder das Adj. nawe (nou) „eng, schmal." 5 Kurfürst
Friedrich von Suchten unternahm — ein Nachklang aus den Zeiten der Kreuz-
züge! i. J. 141)3 eine Pilgerfahrt nach dem heiligen Lande; am heiligen Grabe
erteilte ihm sein Begleiter, der Kitter Heinrich von Schaumburg, den Ritter-
schlag. Übrigens batte auch schon vorher sein Oheim, Herzog Albrecht der Bc-
herzte von Sachsen, i. J. 147<i eine solche Pilgerreise unternommen, dessen inter-
essantes Keise-Tagebuch in MSG II pag. 2103 - 2112 sien findet. "Sonntag
d. 22. Scptbr. : die Heise nach Palastina hatte also nur 17 Wochen gedauert.
:ir»4. 1 H. Beyer, Kurze Gesch. d. Stiftskirche B. Mariae V. (MOE VI S. 152):
„Das Jahr 149!» brachte derselben (dem Dom) die schlanken Spitzen seiner Türme
wieder (d.h. seit dem Brande vom J. 1472J; in der Woche vor Pfingsten (20. bis
Digitized by Google
355. Stück.
459
erffort kein deine ross marte wart.2 Ttem in deine selben soiumer uff
unser lieben frowen abent worcze wee, do wart uff gesatczt dy mittelste
spiteze do selbest. Item an dem | noch tage aller heiigen in dorne s«s
selbien jare XCIIl, do wart uff gesatczt dy dritte spitczen uff den 14'.)3
dritten torm zu unser lieben frowen kevn sento severe wart. Also
worden sy alle dry in eynem jare gesatczt, adder nicht geduckt
Item anno domini M° CCCC" LXXXXIU0, do geboteu dy von erffort 14**
allen fleischowern ,3 also das sye keyn fleisch mee sohlen feyle habo
am sontage, sundern wan es nünc sluge biss zu XII, unnd nicht
lenger; dy dry stunde mochten sy feyle habe.
355. Von eynem nasssen lierbeste.
Item anno domini M° CCCC° LXXXXIU, do was eyn lieyser sommer 14JW
unnd reinte nicht, also das das korn unnd gerste klein kornigk wart;
der win wart ouch nicht recht naturlich gut. Item an sente severs
a^bende,1 do vor loss dy sonne iren schin das vierde teil; dry tage er
noch, do quam eyn gross frost, do hatte noch nymant wimer2 gelessen.
Do hub es an zu regen, stetes regens achte wochon; seiden das es eyn
tagk gantcz uff horte adder czwene. Do wart solch gross lessen eynem
kinde VI, Vll, vui groschen zu lessen, eynem botteu treger:i VI adder
. VII gr., unnd wart also tiff unnd dreckecht, das man VT adder VIII pferdo
muste vor spanne, unnd von einer fure eyn schogk, einen gülden,1 dor
noch es ferne were, noch bieben etliche leyten '■> uff deme fehle steen,
das man dy nicht uss brenge konde dicke czwene tage. Uff dy letczte
wart es also tiff, das dy lute lisssen ir gefessse uff deme fehle
stee noch | winachten, unnd wart dünne tele wins, eyn fertel umme ▼
V, YJ pfenge, unnd was den gauczen winter warm, nicht zu kalt,
25. Mai) erstand die südliche, am 14. August die mittelste, nin 2. November die
nördliche Spitze, freilich nur im Spurren werk , doch wird die Bedachung bald
erfolgt sein." Ebenda im Nachtrag S. 211: „vorläufig war nur das Sparrenwerk
mit der Bretterschalung hergestellt, auf welche mau später die Kupferbedeckung
befestigte, die .sich bis zum Brande 1717 erhielt." s Mhd „wertes", mundartl.
„wart", - - „wärt*«". 3 Md „hVisehower — mhd „vleisehhouwer". „Fleischer".
Im übrigen ist dieser Anfang einer Sonntagsruhe höchst bemerkenswert.
355. 1 Montag den 21. Oktober 1193. 2 Mundartlich „wimer" — „winl>er",
— „Weinbeere". ;| „hotte" mundartlich für mhd „hüte" (swstf), — „Bütte,
Gefüss". * Von den damaligen Münzen, welche im folgenden öfters vorkommen,
seien hauptsächlich folgende erwähnt: Goldgulden (7,20 M.), Ungarischer
Gulden (9 M.), ein Schock Groschen (sexagena) — 60 alte ({raschen (;\ 3 Pf.)
oder 20 neue Groschen u\ 9 Ff.); der Pfennig heisst auch denarias, dalier die
Abkürzung .1; der Heller ist ein halber Pfennig; der Löwengroschen (s.u.
St. 361) war eine »ächsiseh-thü ringische Münze und zeigt auf der einen Seite den
galt .4 alte Groschen, ein Talent 20 Schillinge (2,40 M.). h „leite", st
= „Fuhre, Wageuladung", auch „Fass".
Digitized by Google
356. bis 358. Stück.
sundern es regente feie, also das das holcz, koln, körn, geraten ture
wart. Es konde nyniant uss kome; alle berge unnd teler quollen
mit wasser.
356. Von denie gleitssmanne.
l*»2 Item anno domini M°CCCC°LXXXX1I0 noch allerheilgen tage1 zu
hant, do wart en wegk gefurt des gleitssmans frowe2 zu erffort, dy
hatte solch gross gelt, kleidere, kleinote, silber unnd golt mit sich en
wegk bracht by XV hundert gülden wert; unde konde noch uy so
wisse werde, das her konde erfare, wo sy heno quome adder komen
wore; unde wer das go thon hette, adder ab sy am leben adder am
tode wcre. Er liss sich das feie koste dorch dy forsten des landes zu
doringen; er konde nicht uff dy worheit kome; her hatte etliche in
vordacht; der quam eyner mit geleite der von erffort unnd ent
schuldigete sich, das beste her konde; dy andern bieben ussse. Das
selbige kloine bosso wibechen den selbigen tagk, als sy en wegk quam,
do was sy kume den tagk do vor uss den sechs wochen komen, unnd
zu kerchen gegangen, unnd liss do irrae hern, deme gleitssman, da»
kleine junge kindichen, unnd ouch andere kleine kindere.
357. Eclipsis solis.
im Item anno domini M° CCCC0XCilll° in die perpetue circa carnis
privium1 hora prima post meridiem usque ad terciam horam, do vor
loss dy sonne oren schin das dritte teyl. [
s6o 358. Eclipsis lune.
149* Anno domini M° (XCC° XCIIJI° in die s. benedicti1 in quadragesima
post medium noctis hora secunda usque ad horam quartam, da vor
lo8s der monde synen schin unnd was tunckel als eyn tuen.
IV>6. 1 Freitag den 2. November 1492. 5 Der Geleitsmann war Beamterde»»
sächsischen Fürsten, welcher in Erfurt wohnte und mit seinen Knechten die Fuhr-
werke auf den Strassen, über welche die sächsischen Fürsten das Schutzrecht hatten,
geleitete. Näheres s. u. a. bei Härtung Kammermeister (der selbst Geleitsmann
war), herausg. v. Reiche, Einleitung S. X. Nach ihm war Geleitsmann Härtung
Gernod, Curt Hotermanu, Klaus Hildebrand (s. Reiche a.a.O. S. XI), dann der
Fridang von Wildenrode, dem jene» Unglück widerfuhr; er hatte das Geleit
i. J. 1481 in Pacht genommen und hatte es noch i. .T. 1500 inne (nach den Akten
d. Sachs. Ernest. Gesamtarchivs zu Weimar).
357. 1 Mittwoch den 12. Februar 1494 (Aschermittwoch).
IVtS. 1 Freitag den 21. März 1494; m quadragesima, d. i. in der 40 tagigen
Fastenzeit, welche i. J. 1494 am 16. Febr. (Sanntag Invocavit) bezw. am 12. Febr.
(Aschermittwoch) begann.
Digitized by Google
359. bis 861. Stuck.
461
Item den nesten tagk noch sente adelarins tagk unnd den nesten
tagk* dar noch, do er fross der win umrae erffort her, am hern
berge, am celiax berge unnd zu bisschoffes leuben, unnd an andern
enden nicht.
359. Swere jar.
Anno domini M°CCCC°LXXX was eyn swere jar. 14*0
Anno domini M°CCÜC°XC1H ader XCII1I ouch swere jar.
360. Severe.
Anno domini M°CCCC° XCII110 in der wochen noch sente ilgen HW
tage1, do wart dy mittel spitcze zu sente sever zu erflbrt uff den
torm gesatczt.
Anno domini M°CC0C°XCV° in der palmen wochen2 wart dy 1495
andere spitcze zu sente sever uff ge satczt keyn sente severs hofe wart.3
Anno domini li°CCCC°XCV0 in der wochen noch sente michaelis* U&">
wart dy dritte spitcze zu sente sever uff gesatczt keyn unser lieben
frowen wart.
361. Anno XIIII'XCV »»
purificacionis marie virginis1 wart es sere warm, unde stunt hene
petri,2 dar noch zu hant fross es wedder XI III tage, dar noch wedder
warm VIII tage, also das der win begunde zu palmen,3 unnd dar |
noch achte tage vor gerdrudis* do fross es wedder gantcz sere, unnd»
snee unnd regen. Achte tage dor noch wart gantcz eyn gemenget
wetter, itczunt kalt, warm, unnd feie tunckel. Wart feie win, adder
scharff; do er gelagk in den sommer, do wart her sere gutd unnd
naturlich zu trincken.
Anno domini M°CCCC°XCV1° prima die apriiis, do worn dy win 1406
berge nicht dy helftte ufl ge zogen noch ge sneten von grosser kolde
wegen. Ambrosii5 hub es an zu regen unnd regen te feie niol eynen
ganczen tagk unnd nacht, unnd horte en wenigk uff, unnd als balde
3 Montag und Dienstag den 21. u. 22. April 1494; Herrnberg 8. St. 853 A3,
Celiax CyriaxbergK. St. 326A. 27 ; Bischoffesleuben = Biachlebeu s. St. 350 a A.2.
JJflO. 1 Ilgen = Ägitlius: Dienstag den 2. bin Sonnabend den 6. Sept. 1494.
* Vom 13. bi» zum 18. April 1495. s S. St. 354 A. 2. 4 Entweder nur die
Tage vom 1. bis 3., oder vom 5. bin 10. Oktol>er 1495.
361. ' Montag den 2. Februar 1495. ■ Sonntag den 22. Februar 1494.
n „palmeu" mm» hier heissen : ,, Wedel, Blatter bekommen.'' „Balmen" von Herl*1!,
Thüring. Sprachschatz, S. 62 nachgewiesen, bedeutet bezüglich: „sieh ballen"' (v.
Schnee), „sich bäumen" (v. Pferd), „sich balgen," auch intrann. „springen."
* Dienetag den 10. März 1495. 6 Mittwoch den 4. April 1493.
Digitized by Google
462
361. Stück.
hub es widder an zu regen, unnd ezoch dy arbeit uff unde was doch
gancz warm, unnd dass win holcz begunde zu palmentt; unnd das Ion
wart gross, eyner boygern 7 XV adder XVI A, eyner snyter VII adder
VIII lawen gr. Man konde den acker ouch nicht ge ere, unnd stunt
ine danne vier wochen also. Uff sente walpurgis8 tagk snigetes unnd
regen dorcli ey minder, unnd das wasser wart sere gross allen enden,
unnd fross nicht. Walpurgis worn dy berge kume halb vor boyget1';
octava walpurgis konde man noch nicht erkenne sommerlaten 10 andern
winholcze; über XIJ1I tage noch walpurgis hatte sich das winholez
gescheiden, danne es war warm; dar noch wart es wodder kalt ane
frost, kalde winde, unnd wart gancz hart zuhackene; am ablas abende 11
regen unnd snee, das man muste inheissse; das was urbani;12 item
270 bonifacii1' ingeheist; dar noch lt wochen gancz | wann. Albani 13 frost
unnd tunckel, Johannis baptiste11 grosse hiteze, octava johannis do
blute der win, du wart es sere warm biss assumpeionis marie'4; do
(juoinen kalde winde unnd regen, do man snite solde das korn. Es
stunt feie wins an den stocken; do galt eyn fertel wins IUI A, eyii
maldor korns III sexag. von dem besten. Egidii ,:' begunde der win zu
weichende, wanne von assumpeionis marie biss hene egidii wart es
mechtigk warm. Nativitatis marie10 kalt unnd regen, wol by czweien
wochen. Umme senten gallen tagk17 begunde man den win in zu
lessen. An sente lucas tage,,s do wart es sere kalt unnd kalde regen,
so das nymant gelesse konde biss uff s. severs tagk,19 unnd wart sere
tiff unnd stunt also biss hene aller heiigen tagk,20 unnd wart gancz
tiff. Zu lessen XIII A, zu treten VU lawen gr., unnd feie zufuren,
unnd wart feie wins gud; geineyne wine eyn fertel umme dry laweu
phonge. Uff dy czit lebete herezoge frederich und hans,81 syn bruder,
by XXX jarn alt unnd hatten beyde nicht eliche wibero.
Item eodem anno in die cecilie- virginis do nam herezoge jorge
von Sachsen des koniges von poln tochter zu der ee, unnd hatten
" S. ob. A. 3. 7 „l»oyger", mundartlich, s. St. 339 A. 5; über die Sache
h. u. A. 26. „Boyger" wie „schnitter'- (d. i. W ei ü Schneid er) sind Arbeiter im
\Veinl>erge. s Sonntag den l.Mai, die Octave also Sonntag den H.Mai 1490.
" „vorboygen" ..gebogen", sachlich s. u. A. 26. Schösslingc aus deuis«ellH;ii
Sommer. 11 Der Tag vor dem Frohnleichnainsfcsh» , also Mittwoch der l.Juui
1496. 11 Mittwoch den 25. Mai 1496. 1:1 Sonntag den 5. Juni 1496, Dienstag
den 21. Juni 1496, Freitag den 24. Juni 1496. 14 Montag den 15. August 1496.
r- Donnerstag den 1. September 1496. Donnerstag den x. September 1496.
17 Sonntag den 16. Oktober 1496. l* Dienstag den 18. Oktober 1196. , J Sonnabend
den 22. Oktober 1496. *" Sonnabend den 1. November 1496. " Kurfürst Friedrieh
der Weise, Herzog von Sachsen, geb. am 17. Januar 1463, reg. vou 1486—1525;
Herzog Johann von Sach.scn, als Kurfürst Johann der Beständige, geb. 30. Juni
146S, reg. von 1525-1532; der erstcre war also damals etwas älter, der letztere
jünger als 30 Jahre; Friedrich blieb uu vermählt, Johann vermählt*? sich zweimal:
zuerst mit Sophie von Mecklenburg (f 15031, dann mit Margarete vou Anhalt
(1*1521). Am Dienstag d. 22. November 1496 vermählte sich Herzog (ieorg
von Sachsen (reg. von 1500—1539} mit Barbara, der Tochter des Königs Kasimir
von Polen.
Digitized by Googl
361. Stück.
463
hochczit zu lipcz. Do quam grosse hersschafft hene, also das man
sprach, dy czerunge unnd kost woro anklagen an dry tusont gülden;
also sorc kostlich was alle diugk bereit.
Item anno domini M° CC(?C° LXXXXVIl " umme ostern, dt» dy arbeit 1497
zu erftort an gingk in den winbergen, do wart das Ion gross: eynem
manne zu sniten | eynen tag XXI A lanven gelt Do meynte eyn »
erbar rath, es were zu feie, unnd lessen dy stad knechte vor dy
brücken geen alle morgen unnd gebethen, das nimant solde nemen
unnd ouch uss geben eynen tagk zu Inno danno XVIII lawen A; wer
do mee hisch, den satezten sy in den stogk uff deine wenigen marte-8;
unnd welch win meister nie gap danno XVIII Ai den satezten sy ouch
in den stogk adder ouch in dy temmelitczen unnd lisssen in allen
enden dar noch frage. Wer der hern geboth nicht bilde, den holten
dy knechte unnd fürten sy alle in dy temmelitczen. Also mustes by
deme Jone bliben. Es was ouch keines junckern win meister vor
haben-'; hinder wen man kam, der das geboth nicht hilt, dy musten
alle in den gehorsam. Item eyn erbar rath hatte ouch bestalt, das
man alle stad thor des abendess nicht eher solde uff slesse,25 es hette
danne sechsse geslagen. Sie nomen sich an unnd Helfen czitlich von
der arbeit, unnd langsam an, unnd feie lonss. Item in der boyge2,! gab
man eynem XT1 A, eynem manne, der do pfele stärkte, XVUlA; item
in der hacke37 ouch XV III phenge. Item in der selben czid achte tage
vor des heiigen crucis tage noch ostern ?s quam eyn gross frost unnd
nam des wins feie en wegk ane am hern berge unnd am celiax berge,
am stolberge TJ alle en wegk.
,J Der Wenigenmarkt, noch jetzt in Erfurt. Sl Mbd „vorhaben'* = mund-
artlich „vorhaben" = „versteckt halten, verbergen". *r' Damit die Arbeiter nicht
früher von der Feld-, d. i. dor WeinbergsarlHiit heimkehren könnten. ?,: Siehe
St. 331) A. 5 u. ob. A.7. „Royge" — „die Beugezeit", d.h. wenn man den Wein-
stock beugte. Im ersten Frühjahre schnitt man die Rehen zurück auf die
„Augen" (3, 4, höchstens 5), dann, nachdem die Frostzeit vorüber war, bog man
sie, d. h. es wurden 3 Pfühle eingeschlagen, vor, links und rechts vor jeder Rel>e,
die dann von dazu angelernten Arbeitern nach rechts und links gebogen und
mit Weiden an die bezeichneten Pfahle angebunden wurde. In Tiefthal (s. St. 342
A. 5) heisst dieses noch heutzutage: „beien"; später wird dort der Weinstock, um
ihn zusammenzuhalten, mit Stroh umbiinden, er wird „geheftet". *r Die Zeit,
wo die Weinstöcke behackt wurden , was besonders vor und auch nach der
„Beugezeit" geschah, um das Unkraut zu vernichten; das zweite Hacken heisst
jetzt in Tiefthal „röhren"; darauf folgt dort das „geizen" des Weines, d.h. das
Abschneiden der Spitzen, damit der Weinstock sich mehr breit entfalte. -* Diens-
tag den 26. April 14%. w Der „Stolberg" ist ein Höhenzug nordöstlich von
Erfurt, der sich aus dem weimarischeu Gebiete, östlich von Stotternheim, bis in
die Nähe von Erfurt zieht ; urkundlich zuersterwähnt i. J. 1354. s. IE, II. No.418.
Über die genannten Berge: Heirenberg s. St. 358 A. 3 und Ccliaxberg s. St. 320
A. 27. Weinberge werden dort zuerst urkundlich erwähnt ums Jahr 1250,
s. UE, I, No. 147.
I
Digitized by Google
464
362. Stück
1497 Anno domini m° cccc° lxxxxtii« eelipsis seife et lue.*
Der gantcze winter kalt, feie regen unnd grosse winde: nnnd werte
sere lange in das jar umme ostern.50 Do man solde arbeite, do konde
nymant uss korae vor regen. Czwene adder dry tage horte ess uff
unnd wedder an | unnd unimer dar kalt unnd feie regen unnd kalt
Trinitatis regen, das man nicht umme gingk mit der processien. unnd
heisten dy dornczen in biss hene Johannis baptiste, unnd feie donner
unnd ungewotter unnd kalde winde. Noch Johannis baptiste vierczehen
tage gancz wann, dar noch wedder kalt, regen unnd kalde winde.
Petri et pauii begunde der win zu bluende unnd ver blute kume vor
sente jacofe tage. Do wart es wedder warm XII II tag[ej. Do steigk
der win uff an deme kouffe unnd galt vier A, unnd vor galt her alle
czit dry phenge. Item alles getreidich, körn, rocken, gersten . haffer
stunt gancz wol alleyne, der win unnd alles obess leyd feie note, keyn
apphel noch beern umme erffort. Umme dar tunckel werter, kaide
winde. Item do der win bluete, do regente es um nie r dar; dar noch,
do her wachsse solde, do fil her abe unnd wart dünne unnd schetter.'1
Item jacobi galt der win eyn viertel funff pfenge. Item uff sente
celiax tage galt eyn virtel sechs pfenge. Item uff denselben sente
celiax tage wart das werter sere beiss unnd warm, unnd werte dry
wochen; dar noch kalde winde. Egidii nicht sere kalt. Cmme sente
severe tagk, do komen czwene froste; do begunden dy luthe zu lesen,
unnd wass alle wegen trüge werter3*; wenigk wins, kume das dritte
teil als vor deme jare was. unnd nicht gud, frisch win. Item einem
kinde zu lessen XV A, XUII A, XII A, X A. VIII A; eynem treter53
XVI II A etc. |
r 362. Von den franezossen. 1
14»7 Anno domini M" CCCCXCVU, do wanderte eyne krangkeit* im
lande zu doringen unnd zu erffort in der stad unnd in feie landen,
dy man hiss dy franczossen, unnd man sprach, sy were by hundert
a In HS «tebt unter der Svit« m»ch von Stolle» Hand: eclipcfe lane In die prter« vifttnb, 34
eclipei* «oli« »bbato pact jacntrl hör* 2* pont meridirm
* Die im Jahre 1497 genannten Tage sind: Ostern 26. Märt. Trinitatis
21. Mai, Johannis baptistae Sinnabend den 24 Juni, Peterund Paul Freitag den
29. Juni, Jacobi Dienstag den 2r» Juli, Sonnabend naeh Jacobi 29. Juli, St.Celiax-
tag Dienstag den 8. August, Aegidii Freitajr den 1. September, 8. Severstag Sonn-
tag den 22. Oktober. M „sehet t". s. St. 345 A. 11. ■* Da^ Wort ist sonst nicht
uachzuweist ii, aber nach * ler Analogie \icler Zusammensetzungen mit mhd „trüge'*
md „trüge- {rebildet, also ..betrügerisches d. i. unsicheres« Detter.'4 33 Siehe
St. 342 A. 5. M Mittwoch den 18. Januar 1497. 3i 29. Juli 1497.
3ö2. 1 Die französische Krankheit oder Franzosenkrankheit, die Syphilis oder
Ltifftseuche, fimr damals an, auch in Erfurt epidemisch aufzutreten; die Angaben
Stollen wind cülturhistorisch wichtig. * Mhd „krane" = md „kräng-', aus
letzterem i*t „krangkeit" gebildet.
Digitized by Google
363. Stück.
465
jareu nicht mee gowest, unnd wass eyne flechtene suche.3 Es worden
mit ersten breite blättern, dar noch worden sy breite grinder unnd
rochen sere ubele, unnd brante unnd hitczete als gebraut were,a uund
werete manchen eyn halb jar adder eyn gancz jar. Etliche koinen
wedder uff unnd etliche11 storben, unnd etliche' feien wedder nidder
in kranckeit; etliche logen wol eyn jar; ouch storben feie luthe dar an.
Uff der prediger kerchoff1 lagk es vol. Man buwete by dem grossen
spettal5 by deme graben eyn eigen nuss, do logen sy inne. Es quomen
ouch feie fromder armer luthe kein erffort, dy dy kranckeit hatten.
Dy von sente jacoff quomen/5 dy hatten ouch feie dy selben kranckeit
d Etliche hatten dy kranckeit II, dry jar unde logen; etliche gingen,
unnd brach es in den beynen unnd ardmen,7 unnd wer das vortriben
wolde dorch mancherleye arcztie, deme slugk dy kranckheit inwart; der
moste das lange trage; es wolde ouch unvortreben sy.
363: Von einem elstern neste uff dem prediger
torme zu erffort
Anno domini M"CCCC" XCUI0, do hatten dy elstern eyn nest ge 1498
macht zu erffort in der prediger kloster1 in deme cruczogange uff
evnem boume.f Dv monche zubrochen das nest alle zu mole; do
machten dy selbigen elstern eyn ander nest uff den knouff dos tornies
do selbest zu den predigern; es vor dross dy monche sere. Do dy
elstern uss geheckten unnd dy flucke wordon, do machten sy eyn
gerusto uss den glocken fenstern | unde zu Stessen das neest, adder *7i»
■ in HS aiu Rande (tolla abgeschnitten , daher vou uns ergänst) steht noch: [etlicbje hatten«
[in d)em munde. 6 tn IIS Ist „utile he" versehentlich auagefallen. c „e[tlicbej" am Hände
von HS notiert und nach dem Zeichen vor „feien" einzusetzen. d „etliche hatten" bis „mich un-
vortreben sy" steht unten auf der Seite von HS, teils abgeschnitten ; üben iu Texte ein Zeichen ;';
■ Dio Stücke 363 :i»S (incl.) sind in der IIS nicht paginiert, wir fahren daher in der PaglniorunR
nicht fort, sondern «eteeti 271 * ob 271 y. r u». i,omne.
" Mhd „vlchten". stn., Flechte (Hautkrankheit), hier also „flechtenartige
Krankheit"; über „Buche" siehe H. Rückert, Leben des heil. Ludwig, S. 152.
4 Kirchhof an der Predigerkircue. 6 S. St. 341 A. 9. C. Beyer in dem 8t. 337
A i erwähnten Aufsatze sagt S. 159: „Unter dem Graben ist der Stadtgraben,
der heutige UmAutgraben, gemeint; das Lazarett lag also dem grasen Hospital
gegenüber am Spittelrasen , jetzt Hospital platz genannt, und erstreckte sich bis
in die Nähe des inneren Stadtwalles. Über seine Geschichte ist fast nichts auf
un» gekommen." Das Wenige berichtet C. Beyer dann a.a.O. S. 159f. ö D. h.
diejenigen, welche von einer Wallfahrt nach St. Jago di Compostella, dem be-
rühmten Wallfahrtsort in Spanien, also über Frankreich zurückkamen. 7 Das
d ist epenthetisch und erseheint hier bei r, wie sonst nur bei lingualer Liquida,
s. Woinhold, Mhd Gram.5 § 186 u. 189 (nur Beispiele bei 1 und n).
3<i3. 1 Mann6kloster : Prediger-, Dominikaner- oder Paulskloster genannt,
gestiftet von Elger, Graf zu Hohnstein, 1228—29, um 1590 säkularisiert und
aufgehoben; es lag an der Südseite der jetzigen Predigerkirche; s. V.Mülverstedt,
Hierogr. Erf., MGE, III. S. 154, u. v. Tettau, Beiträge zu einer vergl. Topographie
von Erfurt, ebenda XII, S. 134 f. Harmlos witzig dargestellt.
K. Stolle« M «mortale. 30
Digitized by Google
466
364. Stfictc.
sy konden nicht das neest gantcz zu vorstore. Sy besorgten sich, dy
elstern quenion eyn ander jar wedder. Dy monche bestalten so feie,
das sy eynen ebenturer man 3 er forsten unnd worden mit deme eyns.
was er nemen wolde unnd wolde uff den torm stige by den knouff
unnd wolde das neest er abe nemen; unnd das geschach, unnd satezte
ufF den knouff' uff evne stacheln des knouffes eyn fenchen mit evnem
schelchen; wanne der wint wehet, so dreet sich das fenchen mit deme
schelehene umme unnd clinget, so das sich dy fogele dar vor forebten,
das danne noch do stehet, unnd dy elstern sint ouch nicht wedder
komen, unnd mosten deme stiger funff gülden, unnd dry wochen dy
kost geben. Ouch sprochen dy luthe, dy monche hassseten dy elstern
dar umme, das sy ores ordens weren; das wiste dy gestalt der klei-
dunge uss: dy monche trugen wissse rocke unnd swareze mentele dar
über; also were dy eister ouch wiss unnd swarez.
3<>4. Von der grossen glocken gloriosa1 zu erffort
in unser lieben frowen kerchen.
14D7 Anno domini M°CCCC° XCV11 °, das capittel zu unser lieben frowen
bestalten noch eyneu glockcngissser in das lant zu gulich,2 gnant
s7,b gerhardus kams; der selbige meister nam das | wergk an sich. Am
montago noch dem erflbrten ablas1 Hess her eyn huss buwe uff sente
severe hofo, do her dy formen inne machte; unnd by der sacristen
saneti severi liss her mache ezwene hoche ofene, wol dry manne langk
hoch, sere kostlichen. Do dy forme gereit was, do liss her dy in dy
erden brenge mit köstlichem© geezuge6 unnd dy köstlichen6 zu vor
sorgen noe by dy czwene ofen. Unnd an sente kiliani abende,7 das
was an eynem fritage, als eyns slugk noch mittago, liss her für iu
* Mhd aventiuraere = der auf (ritterliche) Wagnisse auszieht, später Aben-
teurer; Stolle bildet umständlicher ebenturer (mit Umlaut, der beim mhd Sub-
»»tantivum aventiure npnter auch vorkommt, 8. Lexer, mhd. Lexikon, 8. v.) man =
„Wachab.44
»64. 1 S. hierzu und zu St. 365 v. Tettau , Der Meister und die Kosten de»
Gusses der großen l>omglocke zu Erfurt, MOE, II, S. 129 — 175, Nachträge, ebenda
III, S. 178—186; ferner H. lievnr, Kurze Gesch. d. Stiftskirche B. Mariae V.,
elwnda VI, S. 152 f. u. 198. 7 Per Meister wurde (nach v. Tettau a. a. O. S. 142)
aus dem Herzogtum Jfilieh geholt. * Nach v. Tettau hiess er Gerhard Woa
von Kiimpen, in Holland, Provinz Over-Yssel. * Während früher die einzelnen
Kirchen in Erfurt entweder am Kirchweihtage oder am Tage ihres Schutzpatron*
ein Ablaufest feierten (so noch jetzt z. B. in Ostdeutschland), i&t dieses ab-
gekommen; für ganz Erfurt konnte ein solche» Fest entweder nur an dem Tage
der beiden Schutzheiligen der Stadt, Eobanus und Adolarius, am 26. August stattfinden
(dann wäre liier der J8. Auguat gemeint; das ist aber unmöglich, da der Glocken-
guß am 7. Juli 1497 stattfand), oder eines der beiden Schutzbeiligen, des Eoban w
am *>. Juni, oder des Adolarius am 21. April, also demnach wäre entweder der
12. Juni oder der 24. April gemeint; wir entscheiden uns für den ereteren.
r' Mhd „geziue1', stm., = md „geezue", = „Stoff", hier also „Glockengut"; das
Wort heiöst aber auch „Werkzeug". " Adverb. — „mit grossem Aufwände"
7 7. Juli 1497; s. auch Erphordianus antiq. Variloquug, bei MSG II, pag. 510.
Digitized by Google
365. Stuck. 467
mache in beide offene. Dy spisse wart gar in der nacht, als czeene
slugk. Do quomen dy herns zu unser lieben frowen mit dem heiigen
sacrament cum letaniis9 unde satczten das uff eyncn tisch schone
gecziret mit mancherleye blumen unnd wolrichen gekruten, feie lechte
unnd fanen unnd kerczen. Do es eyn slugk, do stiss der raeister
oynen czapphen. Do der schere numme geen wolde, do stiss her den
andern czapphen in deme andern ofene. Do es czwey slugk, do was"
das wergk lobelichen unnd foHekomen wol vorbrocht,b unnd alles fol.
Do sungen dy hern: Te deum laudaraus. Habet lljc,° czentener.
365. Von andern czweien glocken.
Item eodem anno XCVII° quo supral do nu dy gnante glocke 1497
gloriosa goroiniget wart, do machte der gnante meister gerhardus c/.wo
ander glocken, LXXX czentener eyne zu unser lieben | frowen, dy 371«
andern zu sente Severe1 by LX centener, unnd dy spisse zu beiden
glucken wart zugemacht in eynem ofen. Do eyno forme eyner glocken
tolle was, do wisto her dy spisse uff dy ander forme unnd gingk
glucksam, richtigk unnd wol. Das geschach am nesten tage noch
unser lieben frowen tagk worcze weo.2 Item der selbige buwemeistor
zu unser lieben frowen, der dits wergk had uss gericht, genant doctor
lasfee,3 eyn thumherre do selbest, der wart gewelet von unserm hern
zu mentcz, gnant bertoldus de hennenbergk, zu eynem wee bisschoffe
in deme jare XCV1II, unnd wonte zu erfforte.
» HS: ivaHK b H8: borbrocht.
H Wie schon oft = „Domherren". " Mittellat. „letania" (aus „litania") =
„letanle", = „Gebet". 10 Es ist also mit II ±* - 250 Centner aufzulösen.
365. 1 Der .sogen. „Schreier", s. v. Tettau n. a. O. S. 134. ! Mittwoch den
16. August 1497. 1 Kr war mngister fabricae, d.i. Verwalter der Dombau-
kasse. Der Weihbischof Johann Boncinilch von Lasphe (aus dem heutigen
I^nasphe, j>reuss. Stadt im westfälischen Kreise Wittgenstein) wurde auf der
Erfurter l niversitiit im Wintersemester 1462/03 inskribiert, dann sacrae pagiuae
licentiatus, magister und maioris collegii collegiatus, auch plebauus der Michaelis-
kirehe, Dekan der philo*. Fakultät 1478/79, Rektor im Wintersemester 1485/8«,
zum Doktor der Theologie kreiert am 19. Februar 1487, Professor in der theol.'
Fakultät, deren Dekan er 1493 war; 1495 wird er als Kanonikus des Dornst ifte*
genannt ; zum zweitenmal war er Rektor der Universität 14y.c> 96, zum Bischof
i. p. i. von Sidon in Phönizien (episcopus Sidoniensis) am 17. Januar 1498 kou-
sekriert und zum Weihbischof in Erfurt ernannt, zum drittenmal Rektor 1503
bis 1504. vicarius iu pontificalibus des Mainzer Erzbischofs Herthold; er ist es
welcher Martin Luther i. J. 1507 am Sonntag Cantate zum Priester geweiht hat;
i. J. 1508 legte er seine Ämter nieder, starb am 17. Oktober 1510 und wurde im
Hauptschiffe des Erfurter Domes begraben ; s. u. a. F. A. Koch, Die Erfurter Weih-
bischöfe. ZThG VI, S. 83-85, und Feldkamm. Gesch. Nachrichten über die Er-
furter Weihbischöfe, MOE XXI, S. 64f.
30*
Digitized by Google
36G. und 367. Stück.
366. Von eynem füre zu erfforte.
U98 Anno domini M°XCVm an der mitwochen in der Vierden woclien
noch ostern,1 do braute das steynen huss gantcz uss in der mergen-
knechten2 hofe zu erfforte. On vorbrante feie korns; sy hatten ge-
bruet; an dem andern tage dar noch in der nacht, als czwolffe slugk,
hub sich das für unnd thed grossen schaden.
367. Von eynem gimsen wassser.
149S Anno domini M°CCOC° XCVITI, von fastnacht an biss hene uff
sento albanus1 tagk, der do ist vier tage vor sente johans tage des
toufers, das worn XVIII wochen, das es noch ny kein regen gethad,
do quam eyn regen eynen halben tagk. Vor des was* es so mechtigk
S71«» heiss von ostern an biss hene | uff sento kylianus2 tagk; der win vor
blute achte tage vor sente johans tage. Das korn uf dem fehl leid
grosse nod. Dy gorste unnd haffer wart kume * eile langk. Uff sente
kylianus tagk fru in der nacht, do quam das aller groste wasser zu
erffoit, das man meynte, dy wile erffort ge standen had, so were noch
ny grosser wasser gewest. Es gingk in aller forme in alle orte, als
geschrcbcn steed in folio CCLX.-' Es was me, danne eyner eile hoch,
grossser danne das wassser, das vor VII jaren was'* hye vor. Es gingk
in sente mertins kerehcn in dem brule an den alter steyn in dem
koro. Dy lute m usten or fee uff dy boddeme brenge. Es gingk uff
dy lower brocken1 unnd in der czeehener hussere über al, unnd warlT
aile stege nedder in der stad unnd ussewendigk. Dy lange Stegen dy
hieben stene. Es thed den mergenknechten mechtigen grosssen schaden,
den sy nummer vor winden by hundert jarn. Es liff dorch dengrossen
spettel hene, das sy das fee kume uff den graben brochten. Item
czwene manne noch evn ander bv den karthusern, dv wolden mit hoken
uss czee, dy feien noch enandor en in unnd er truncken. Item
II manne, dy stunden uff dem stege by dem grossen spettal unnd
sogen deine wasser czo; der stegk bricht under on in unnd fallen en
noch unnd er trincken. Es had feie husere um mo geworfen unnd
»7i« uniine geweicht alle wende unde 1 feie muren umme geworffen. Item
alle kellere in der stad, dy worn fülle wasser, en teil biss oben an.
Heer unnd win swam in dem wasser, etlich sponten dy lute zu unnd
czogen das er uss. Etliche fass lieffen umme, unnd weichte feie gute
kellere in, das sy umme feien, als oben geschreben steed vor VII jaren.
» IIS : wa*.. " IIS: wfc.f
im. 1 9. Juni 1498. ' S. St. 347 A. 11.
34>7. 1 Von Dienstag d. 27. Februar bin Donnerstag d. 21. Juni 1498, das sind
nl*i> nur IG Wochen und 2 Tage. ? Sonntag den 8. Juli 1498. Ä FoL 2ti0
der HS; h. St. Ml, auf da« wir verweisen, indem hier nur das erklart wird, was
dort nicht steht. * lÄiberbrücke.
Digitized by Googl
307. St iiek.
1f>9
Under der czal OCLX findostu das klar. Adder liy hat es feie ^rosssern
schaden gethan, der nicht steed uss zu sprechen. Das wasser quam
von regen. Item czwene tage unnd eyne nacht regentos raechtigk
sere, unnd das in feie landen unnd enden. Item dy arme lute in der
understen temmelitezen, dy worn schere ertruncken. Item in dem selben
jare, do was eyn doctor zu den barfussen5 zu erffort, eyn kostlicher
gelerter man, der predigete in allen kirchon, wo man on hene bad,
unnd das folk lietf ome sere noch; er stroffte dy gewaldigen fi sere, das
sy also eyn bosse regement fürten; es wart über speit,7 so feie,8 er
moste uss dem kloster; er quam uff den bergk, er predigete zu unser
lieben frowen dy gantcze fasten biss noch ostern ; do quam er en wegk.
Er hattes feie mol vorkundiget, grosse ploge worde erfforte über geen ;
es half nicht. Nu ist es leider alzu wor worden. Dar noch regentes
yne hant,5* also das man gerne geseen hette, das es hotte uff gehört.
Do man kora sniten ßolde, do regentes | yne hant. Item eyn ander »nf
ploge: anno XCVIIT umme sente johans tagk baptisto zu martvipech10
er slugk der donner eynen schefferknecht uff synes herren eliohe wip
zu tode, unnd das wip bleib lebende, sundern ore hör hattes vor
brant unnd dy scho an oren fussen; sy ted bossse unnd trugk ore
czopphe keyn wissen see zu sente conrade.11
Item eodem anno an deme noch tage unser lieben frowen visi-
tacionis13 er slugk der donner eynen man uff dem tonne liinder der
nienczen mol13 uff der muren unnd an feel enden des tormes. Item
das obgnante wasser gingk dry eile über den borgk stegk by dem
nuwen wercke unnd brach den selben stegk nidder unnd fürte das
holcz vor das gerynne unnd schutczte das unnd brach dos gervnnes,
do dy kersslache inne geet, wol czwo messgerten14 langk nedder; do
lieft" das wasser zu der stad pforten in zu dem nuwen wercke, in den
hoff, in das kloster unnd in dy kerchen, des noch ny gehört ist worden.
" Nach Mötsch manu, Erfordia literata, P>'l. II. Verzeichnis der Doktoren der
Theologie, S. 20 ff., kommen in Betracht von den Minoriteninonehcn , welche
Doktoren der Theologie waren: 1. Johannes Heimstete (kreiert ain 19. Okt. 1482),
2. Lndovicus de Segen und 3. Paulus Carnifici« de Lcipzik (beide kreiert am
7. Februar 1491), endlich 4. Johannes Kotler de Saalfeld ^kreiert am H.Oktober
1491). Näheres ist un?i über alle diese nicht bekannt. Der Mönch wurde also
auf Betreiben des Rates aus seinem Kloster entfernt, die Kanoniker des Dom-
stiftes aber nahmen ihn auf, und er predigte die ganze Fastenzeit hindurch im
Dome; doch es gelang dem Rate, auch von hier seine Entfernung zu bewirken.
* Bezeichnung für den Rat und seine Vorsteher, so schon von Prag 8t. 197 A. 12.
7 Mhd .,über*piln" — md „über speln", personlich: „jemand im Spiele besiegen,
überlisten''; unpersönlich: , .mit jemand ein üble? Spiel treiben". 8 Mhd „so
vile", Adv., „so sehr". 0 S. St, 250 A. 1 , St. 298 A. 2 u. St. 342 A. 2 (dort
„ione hant") „bisweilen". 10 Markvippach, Dorf im Verwaltungsbezirk Weimar
des Grosahe rxogt ums Sachsen. 11 Gemeint ist das Grab des Konrad Bächerer —
s. St. 136 A. 1 u. unten St. 369 No. 10 , des angeblich von den Juden i. J. 1303 ge-
mordeten Knaben, an» dessen Grabe, wie Stolle a. a. O. sagt, viele grosse Zeichen
geschahen. Dienstag den 3. Juli 149£>. 11 Mainzerhofniiihle; sie lag um
Bergstrome am Ende der Mainzerhofmühlgasse , wo jetzt die Gewehrfabrik liegt,
s. v. Tettau, Topographie, MGE XII, S. 191. » „Messruten".
Digitized by Google
470 367. Stück.
In deme kore zu deme nuwen wercke gingk das wasser eynern au
synen gortel tiff.
HSO Anno domini M° CCCC° do vorgingen dy langen snebeleali
an den [mannes] sehuon; dar noch komen dy breyten scho. als dy
kümuler [genant kowe muler] mit über siegen. In der czit gingk uss
der trottart tantcz,16 der vor ny geseen was, unnd weret noch biss her.
Item dy manne trugen breite grosse hemde mit grossen breiten brost
listen unnd forne gericket.17 Item dy frowen unde dy meyde trugen
s7i« kostliche brost tuchere, 16 ouch forne mit breiten kostlichen listen gel sticket,
mit syden, mit perlin adder flittern; unnd ore hemde hatten secke, do
sy dy broste in stackten, das alles vor nicht mee gewest was, unnd dy
frowen lange spitczen an den schon mit patyn, unnd dy scho hatten
alle wisse scheflte, alles unczuchtigk [unnd lange spitczen an den schon
mit wisssen schefflen, unnd alle trugen patyn adder pantofen, alles
unczuchtigk]. Sy trugen ouch kollerechte brostchene,19 unnd dy manne
trugen jopen,20 forne uffene mittenander unnd wisse, adder von ge-
wande kostliche brost tuchere [adder hemde] unnd über her gesnuret
mit syden snuren adder mit breiten senckeln21 unnd breite prissen«
an den jopen ermein; unnd dy mentele [hatten dorch howen sweife,]
forne uffen unnd kort unnd uff don syten arme löchere mit breiten
knouffen,23 unnd unden umme her zu howene" sweiffe, körte jopen,
dy koller tiff uss gesneten in den rocke, zu halbe wegk lange hossen
gehalbert25 mit mancherleye färbe, kleyne hüte adder bereth mit oren,
alles unczuchtigk. Sy trugen ouch hüben uf der gassse in mancherley
wisse unnd färbe, als dy frowen pflegen. Dy syden hüben der frowen
vorgingen reyne; dy frowen [hüben mit langen czippfeln unnd forne
* Daa Eingeklammerte nach »liier andern (durchstrlchenen) Darstellung der Sache auf der 2.
Seite eine« hinter fol. 3166 der HS eingehefteten Blattohew.
18 Die Schnabelschuhe erscheinen schon am Ende des 11. Jahrhunderts, denn
Graf Fuelo von Anjou soll sie 1089 wegen seiner übelgebauten Füsse aufgebracht
haben; allgemein üblich wurden sie in der 2. Hälfte des 14. Jabrh., im 15. Jahrb.
waren sie »pitzig, fast ellenlang; gegen 1480—145)0 gab man eie auf, gieng aber
ins andere Extrem über, nämlich zum breiten, sonst cntenschnabelformig, hier
von Stolle kuhraaulförmig genannten Schuh. 10 Der „Tanz" im engeren Sinne
wurde ge treten oder gegangen, der ,. Heiben" gesprungen; von mittellatcinisch.
trotare, frzs. trotter, „mit kurzen Schritten laufen' , vergl. Weinhold „Die deutschen
Frauen in dem Mittelalter", S. 389 ff. Nach Voss „Der Tanz und seine Geschichte",
1869, 8.81, gab es im deutwehen Mittelalter einen Tanz am Johannisfest, welcher
„Drotter" hiess. 17 ricken =-- „häkeln, zusammenschnüren." 18 „Der Hals-
ausschnitt blieb weit, ja er vertiefte sich noch und nahm das kostbare, feine,
aber durchsichtige Vorstecktuch auf, das die (testalt eines Kragens oder Brust-
latzes hatte, darin die «on.-t völlig freien Brüste, vom Leibchen unterstützt,
ruhten" (Götzinger, Realkxikon der deutschen Altertümer). ,u „kollerartigi-
Leithen" (Lexer, mhd. Lexikon s. v. kollerecht). 50 Jacke. 71 „Nestel"
(noch jetzt in „Schuhsenkel" erhalten). 91 Mhd „brise", stf., = „prisze" =
„Einfassung von Kleidungsstücken, Einfransung." 1:1 knouf, stm., = „Knopf,
Knoten. Schlinge", Schnürwerk mit Knöpfen in dichtester Reihe. "zuhouwen
= eine Gewandung zur Zierde schlitzen und dann kostbar füttern, so das» der
Kock fast in einzelne Streifen zerfiel. »R halbern ■= „halben" = „der Hälfte
Digitized by Google
36*. Stück.
471
her kostliche sternchene] lange czippfelichte hüben, dy wunden sy unime
dy houbte, adder grosse dicke breyte wolste, unnd forne her an den
hüben köstliche sterneche, schone her, als dy riebe luthe; gut narren
speel.
Item do man schreib 14XL jar hy vor, do trugk man mentele ane 1444)
snure; dy frowen trugen rocke mit kragen unnd forne zu allerdinge;
dy manne trugen rocke, dy woren forne czu allerdinge unnd gerickte
ermel, wenigk parchens jopen ; | keine ganeze hossen, dy bant man mit mh
czween senckkeln an; stomphe scho; unnd dy mentel worn uft beyden
syten czo; grosse breite huthe; dy meyde trugen ore czopphe binden
nidder hangen unnd weningk czopphe bender, gancz goczuchtigk, keyne
wisse noch rothe scheflte an den schon; sy trugen ouch keyne mentelo
biss hene, das sy brüte worden.
368. Von deme malegelde.1
Anno domini M 0 CCCC0 XC1X do gingk das malegelt wedder an. Von 1499
eynem malder korns musteman gebe zu malen uff das rothuss zu
erffort XVI aide gr., von eynem malder gersten VH1 grosschen. Item
wor syne wine vorkouffte, der muste von eynem schocke grosschen
gebe VIü aide gr., unnd dar zu von eynem eymer eyn stobichen.2
Item das phunt fleisch gingk ouch uss zu dem ersten male in dissem
jare. Von eynem phunde rintfleisch 8 A, von den broten 4n' A,
schopisssen fleisch von eynem phunde 8 A, swinen fleisch 8 A, reben
broten -4^b A. Wer eyn swin slacht in syn huss vi gr., von eynem kalbe
IX A, von eynem lambe eynen s wert grosschen, von eynem erffortschen
beer X sex., etliche jar XX schogk.
Item als man schreib tusent CCCC0 unnd XCIXGy do hub man an 1499
zu weihen dy kerchen zu sente peter3 zu erffort. Item in dem selben
jaro was eyn warm winter, unnd der hornungk gancz warm, unnd der
mereze gancz kalt, kelder danne der winter was. |
a US: IV}. b HS: IV). 0 HS: tnMnt unnd ZCIZ.
nach teilen" (s. St. 57, A. 1), damals Mode, denn man jrieng in der „Gehnlwirung"
(miparti) so weit, da?o nicht bloss d«;r Tappert, der Überziehrock, sondern auch
tlie Hose in 2 Hfdften zerfiel, nach Farbe, Form und Stoff, z. B. rot und blau,
manche trugen sogar drei und noch mehr Farben (Götzinger, Keallexikon der
deutschen Altertümer).
368. 1 S. St. 347 A. 31. 1 Mhd „stubechin" (v. stouf = Becher) „Stübchen",
jetzt nur noch mundartlich für das Getös», nicht mehr als Maass, s. M. Schnitze,
Idiotikon der nordthür. Mundart. S. 45 (stöbbiehen), Hertel, Thür. Sprachschatz .
8. 239 (stübchen).
Digitized by Google
472 369. Stück.
369.
*JJX 1- Anno dni CCCC°XXV1 regnanto theodosio imperatore romano et
P. »lo merwigo rege tburingoruni civitas northusensis est fuodata et muro
imdj. c|rcu m data, ot longe post hoc villa erffordia.
u. p.p. 9i» 2. Anno dni. DCCCLXXXV1 comites de keffembergk construxerunt
1 nionasterium prope wassenborgk in honorem sancte walpurgis nongen-
tesimo XXV, qnod postea translatum est in opidum arnstete.
"(wo«)13 3 Anno dni* M°xxv Conrad U8 dux franckorura habuit unum avun-
oii«t." culum nomine ludewicum; qui ludewicus venit in thuringiam so pre-
lcC320).P' sentans nobilibus torro, civitatibus et villis officia sibi ab episcopo ma-
guntino commissa prudenter exercuit et benefieia sibi concessa recepit
et Joca occupavit et specialiter in confinibus silve proprio blosseleiben
juxta montes katenbergk, aldenbergk, cornebergk, et ibidem faeiendo»
villas, terras et arbusta in carapi planicies, et villas nominavit frede-
richenrode, reynhardisborn; et erexit Castrum schowenbergk prope reiu-
hardisborn et frederichenrode cottidianam ibidem mansionem habuit
"(1306)914 4- Anno dni- M° XXXVI nobilis vir walterus de glissbergk fundavit
(Ltb. eron. mouasterium scotorum in erffordia.
p. 778.
Cr. St.Petr.
mod.p.366).
H.p.p.916 5. Anno dni. M°CX°XIV° monasterium in walkenrode funda-
(1313) (Nie. .
deSlegeop. tum 6St.
888 u. 314.
Llb. cron.p.
778).
H*(i3iw ie & Anno dni- M° CXLV11 fundatum monasterium vallis saneti georgii
(H.B.p.3'77. a coraitibus de kefernbergk. |
Llb. cron.
p. 778).
*7l*
H.p.p.917 7. Ludewicus thuringorura lantgravius secundus et quartus in
(h? e?V ordine duxit uxorem juttam, filiam conradi ducis suevie, protiinc impe-
3T8>- ratoris anno dni. M°CL°. Ködern anno construetum est cenobium in
* H8 fehlerhaft: f*clen* rllla* coequaudo.
369—882. 1 Die oben stehenden einzelnen 84 lateinischen chronikalischen
Notizen, welche Stolle vielfach schon in der deutschen Erzählung verwendet hat
(s. die Register), hat er sämtlich aus der sog. Historia Pistoriana, nach
Holder-Egger (Studieu z. thüring. Gcschichtsqucllen, N. Arch. f. alt. deutsch. Ge-
schichtsquellen XX, S. 398) Cronica Thuringorum auetore Praedicatore Iaenacensi
(s. St. 1 A. 1) entnommen ; wir halten daherdie Seitenzahlen sowohl der 1. Ausgabe von
Pistnrius, 1583, ala auch in Klammern die der Ausgabe von Struve v. J. 1726 an
den Rand geschrieben. Mehrere« (13 Stellen: 3. 6. 7. 20- 25.27. 29. 31.32) findet
sich auch in der sogen, historia Eeeardiana, nach Holder-Egger (ebenda 8. 411)
Cronita Thuringorum amplificata (a patre Minore Isenaecnsi), hei Joh Georg
Eccard, Hist. genealog. als Hist. genculog. veter. Lamlgraviorum Thuringiae (722,
pag. 309 — 488. Anderes (3 Stellen: 4.5.6) steht auch im Libcr cronicorum
l. d MEH 1899, Weiteres (5 Stellen: 4. 8-11) auch in derCronic. St. Petri Erf. mod.,
MGH, Scr. XXX. 1, 1896, endlich 1 Stelle (No. 5) auch bei Nicolaus v. Siegen, ed.
Wegele, 1855. Von einer Commentierung glauben wir auch hier absehen zu sollen.
Digitized by Google
I
<
370. 8tfick. 473
uchtrishu8en per comites grnmbech. Mortno iuoperatoreConrado predicto,
qui imperavit XIV annis, successit ei filius suus in imperio fridericus primus
hujus nominis anno dni. M"LilI. Iste fridericus primo fuit piissimus
. et cristianissimus, postea autem impiissimus et ecclesiam dei mnltum
persequebatur, propter quod a papa excommunicatur et deponitur. Et
quia conradus archiepiscopus maguntinus adhesit pape contra fridericum,
idoo a friderico est episcopatu privatus, et maxima clades depressit
episcopatum et destruxit plura castra scilicet rostebergk, horborgk,
ammolborgk, bingen etc. Et a ludewico thuringorum lantgravio jussu
a friderico ejus sororio raurus civitatis erffordensis in conteraptum
episcopi destruitur et evertitur.
8. Anno dni. M0CC°LXVIII agnes marchionissa miscie vidit in "jfjji,9*0
sompnis angeluni sibi propinantem in cypho aureo vinum amarum et (cronfst.
postea in brevi defuncta est. — Eodem anno stotternheym Castrum per ^JofjJ'
erffordenses destructura est. *o6).
9. Anno dni. M°CCC° IIJ Castrum hopfgarten funditus est destructum "-^933
per dominos terre et erffordenses. (Cron St.
Prtri Brf.
p. 135).
10. Eodem anno judei in wissensee occiderunt occulte filium H.p.p.933
(1336)
ejusdem castrensis nomine conradum; propter quod malum judei per <cron. st.
totam terram occisi sunt. Pot?i«Lf"
11. Item sequenti anno cives erffordenses ceperunt castra bur- "^jj,;*83
gravii do kirchbergk scilicet griffenbergk, wintberg, kirchbergk. leysten. (crou. st.
Potri Erf.
p. 436 sq).
H.E.p. 451
12. Anno dni. M°CCC°XX1 fridericus, marcliio in terra orientali et H-1Jiji»M
plisnensi, multa castra cepit etaliqua | retinuit, scilicet destruxit rassen- ». i. issi.
bergk, ot eckorssberge, quod erat berngeri de schidingen, expugnavit. 871 1
18. Anno dni. M°CCC°XLVl destructum est Castrum evterssbererk 11. p.p. 9*0
(1316)
uff dem harcze per comitem de sundersshusen et erffordenses et rnol-
husenses,* et XIX raptores ibidem capti et suspensi sunt, et hcrmannus,
comes de stolbergk, et heinricus de wertirde miles deeollati sunt.
14. Anno dni. MÜCCC°XXXV ventus validus fuit, qui in civitatibus
et villis, castris, campis et uemoribus innumerabües ruinas fecit.
370. Discordia inter nrnrcliioneni et erffordenses
orta de duobus episeopis.
loa. Anno dni. M° CCC°XXX mortuo mathia archiepiscopo1' magun- " v.v-w»
tini canonici elegerunt baldewinum, episcopum treverenseni, cui ad- <l"-w,)
heserunt erflbrdenses; e contra dominus papa dedit heinricum de verne-
borgk, prepositum bunnonscm; et orta est discordia magna in dyocisi,
» IIS: ro.Um.eu. h IIS falsch : arcbiepisoopl.
Digitized by Google
474
370. 8t0ck.
nam ajiqui adheserunt uni in thuringis, alten aliqui, et fueruot partes
in terra et in civibus inter laycos et clericos; et erffordenses, qui ad-
heserunt electo, habuerunt aliquos clericos, qui adheserunt dato a papa,
suspectos et ceperunt eos, yramo aliquos occiderunt, nec ad preces
baldewini, episeopi electi, detentos a vinculis absolvere volebant ; propter
quod nialum eos excoramunicavit et excommunicari fecit. Et frede-
ricus niarchio contra eos et quamplures alios nobiles in thuringia conci-
tavit. Tandem aliquibus annis transactis erffordensibus in sua perti-
271«« nacia manentibus fredericum marchionem | ob favorem ecclesie dei et
episcopi maguntini electi per capitulum in moguncia et ad mandatum
imperatoris collegerunt aliquera exercitum. Et iu metelhusen villani
veniens imperator volens ibi sedere pro tribunali et tamquam publicos
hostes cleri et terre cives sentencialiter condempnare. Sed cives erffor-
denses cum turma magna civitatem oxiverunt et marchionem in
judicio fugaverunt; propter quam contumaciam et proterviam cepit eos
undique persequi incendiis et rapinis. Hoc videntes conspiraverunt
cum comitibus terre, de kevernbergk, de wymar, de bichelingen, de
rotenborgk, qui eos juverunt. Et hü sencientes se nimis a marchione
perurgeri erffordenses diraiserunt et ad marchionem se contulerunt,
quod videntes erffordenses aliunde trecentas* lanceas conduxerunt et
cum heinrico de blankenhayn, capitaneo eorum, civitatem erffordensem
exiverunt et villas marchionis circa nuwenmarte, bottelstete, gotha,
tommesbrucken rapinis et incendiis dcstruxerunt. Tandem venerunt
ad oppidumb kranchfelt, quod fuerat comitum de swarczpurgk, et civi-
tatem kranchfelt incenderunt et plus quam LX homines perierunt; et
post hoc erffordiam sunt reversi.
!»•»-••* 15 b. Eodem anno ut supra baldewinus, electus episcopus magun-
4S) tinus, intravit thuringiam contra aliquos nobiles, qui adheserunt suo
adversario, et obsedit tulstete, et magnum populum posuit de voluntate
frederici de wangheym in wangheym contra orffordenses occulte, spe-
rans, quod civitas erffordensis per aliquos cives sibi traderetur. Cui
episcopo com es do kaczenborn debebat venire in adjutorium et per ad-
»71- vocatum marchionis captus fuit cum omnibus suis. ) Et postea epis-
copus vidcns tradicionem civitatis erffordensis non evenire ad effectum,
concordavit cum marchione inimico erftbrdcnsi, et obsederunt civitatem
erffordensem in cireuitu. Ibi fuerunt XVI prineipes cum suis congre-
gati. Et in cireuitu fruges et segetes terre defalcaric fecerunt et vineta
sueeidi. Et multis hincinde dampnis ex utraque parte d factis tandem
pervenitur ad contlictum per consequens in bruleto; multi occisi sunt
OK utraque parte. Et tinaliter coacti sunt cives erffordenses pecuniani
dare marehioni et episcopo, et eciam solutis a vinculis clericis per
cives detentis et facta pace quilibet rediit ad sua.
» HS fatacb: trocout«. " US: oplduw. • IIS: defalcaro. rt In HS fohlt parte.
Digitized by Google
371. und 372. Stück. 475
371. De Heldernnge.
16. Anno dni. M0CCC°XCIU nobilis baro rudolfus de helderungen
miles infestavit civitatera erffordenseiu et villas eorum destruxit ra-
pinisa ot incendiisb rusticos capiendo et deducendo et satis gloriose
cum exercitu suo, scilicet cum sexeentis lanceis visus est ante civi-
tatem erffordensem sine omnic resistencia. Postea in brevi idem miles
mortuus est. Et frater suus adhuc juvenculus tenuit gwerram cum
erffordensibus per annum; et eciam circa festum pasche cum exercitu
suo fuit in villis erffordensibus et satis prope civitatem sibi tunc in
propria persona cooperante frederico de brunswigk et aliquibus comiti-
bus, scilicet d de honsteyn, sine6 omni resistencia. Tandem gwerra
durante et cottidie ex utraque parte se ledentibus et capientibus, com-
posicio fuitf facta per fredericum ducem predictum reconciliatum cum
erflordensibus* et adjutor eorum seu capitaneus in cunctish litibus
factus | pro aliqua summa pecunie nobilibus terre tunc in civitato 2"°
erford1 kcomite et duce de helderungen presentibus sub anno dni.
MOCCCOXCV.
\
Ol <9a
17. Cum Romani niminm crescere ccoerunt in diviciis et potencia h.p ,p,9os
et tot um mundum nitebantur subjugare suo imperio, audiontes in par-
tibus germanie ad septentrionem multos esse reges et principes, qui se
ipsos rexerunt et regnum romanorum minime curabant. Habito con-
silio, quomodo ipsos humiliarent et1 tributarios faceront, sicut fecerunt,
multos reges et provincias seu terrasm in partibus transmarinis, Romani"
miserunt strennuissimum militem et nobilem romanum nomine julium
cum maxima multitudine populi et cum infinite thesauro in alemaniam,
ut reges ibidem deponeret et terras tributarias et subjectas romano im-
perio faceret. Julius enim" voniens in alemaniam1* per decem aunos
regnum thuringie et alia regna scilicet galliam debellando romano im-
perio subjecit, et destruxit non absque magna strage hominum utriusquo
partis. Nam quinque annis pugnavit in thuringia ot ibi moram traxit,
et ut regna manerent destructa et populus subjectus romanis; tunc
julius multa castra in diversis partibus alemanie construxit et multos
nobilos ibidem posuit, ut si thuringi vel alii aliquem^ regem crearent
vel se romanis opponerent quod compcscerentur. Nam iu partibus nunc
saxonie ob veneracionem lune, cujus radios vidit quadam noete, in | s7)1,
quodam monte editicavit Castrum luneborgk et compellabat thuringos
adorare lunam secundum modum romanorum. Item in partibus orien-
talibus mysne edificavit julborgk, quod modor nominatur ilborgk; item
* In HS fehlt raplnls. b HS falsch IncendlU et e In HS fohlt omni d Kehlt iu IIS.
° Fehlt In HS. r Fohlt In HS. e ,ot adjutfr' bl* ,n«l>UitiuR terre' nur tu Piatorius-Stuve.
h IIS: cvrtl*. ' Krford fehlt in US. k HS sinnlos: una cum illo de Heldernngeu ot duce.
1 HS noch «ucmi. HS fchich: multl* reKibua «t provincll» ot terrU. n Setit IIS hluxu.
• HS: cum. V HS: Alemanla. i SeUt HS au. * Fehlt in HS.
Digitized by Google
47«
373. bw 375 Stück.
in* partibus nunc thuringie oditicavit kuffesse, quod est nornen gallicum
et est idem, quod confusio, in perpetuum argumentum, quod regnum
thuringiaeb fuit per eum confusum. Item in partibus hassie construxit
boymelbor^kc et posuit ibi plus quam LXX milites contra thuringos;
item plura castra edih'cavit in reno et in francia contra regem fran-
corum scilieet juliacum, novimagium. Et postea julius omnibus castris
cum nobilibus et militibus bene munitis reversus et romam. Et tandem
imperator factus est romanorum ; et eomortuo octavianus, qui et augustus
dicebatur, factus est iinperator et dominus tocius orbis; sub quo natus
est cristus.
373.
h.i' p^so 18. Anno dni. M°CXC1II fluvius unstrot totaliterfuit exsiccatus, nec
(IS19 aliqua aqua ibi invoniebatur multis diebus.
H.p.p.921 19. Anno dni. M°CCV1 facta est fames valida per omnes regiones
{13SO. ^urans per jres annos%
374.
h.p.p.»26 20. Anno dni. M°CC° XXXIV heinricus lantgravius thuringie et
(h."!^.' hassie cepit Castrum viselbceh comitis heinrici de glichen et XX III
malefactorum d captos decollari precepit. Eodem anno idem lantgravius
thuringie" piopter plura mala, que paciebatur ab eodem comite heinrico f
87i'i de glichen ipsum legittime citatum ac postea sen.tencia condompnatum
et proseriptum omni jure feodali privavit
375.
h.p.p.öüö 21. Anno dni. M " CO° XXX V° in ytalia civitate porusinu* in con-
(hV'SV ve,»t» fratrum predieatorum canonizata est beata elisabeth quondam
«*>• lantgravia thuringie, filia regis ungarie, a papa gregorio nono,h multis
prelatis ecclesie et magnis presentibus. Item sequenti anno trauslata
sunt ossa de humili loco ad locum magis roverendum ejusdem s. elisa-
beth, presentibus archiepiscopis scilieet1 moguntinensi, coloniensi, bre-
mensi et pluribus aliis episcopis et prelatis, item presentibus friderico
imperatore et heinrico lantgravio thuringie et hassie et suo germanu
fratre eonrado magistrok ordinis theotonico et matre corum langra-
viorum scilieet domina sophia et hermanno filio beate elisabeth et
sophia filia sanete elisabeth et multis aliis.
* Fehlt In IIS. b IIS : ThurliiKoram 0 Ptstorlu«: Wimoltarg. d 118: malcfectoras
Fehlt bei PihioriuH. ( Fohlt lu IIS. & 118: Teruall, h Fehlt bei Pirtortua. 1 Fehlt
bei Ptsturlu«. k F»hlt iu US.
Digitized by Google
376. und 377. Stück.
477
376.
22. Eodom anno de mandato et consilio doinini pape gregorie noni h.p.|».9s6
heinricus lantgravius thuriugie et hassie incepit editicare conventuni (n'J^p.
fratrum predicatorum in isenache et consecrari voluit in honorem s. 421
elisabeth. Ex eo quod ipse elim iniquo consilio secutus ipsam de
castro wartbergk ejecit et molestari permisit. Quod intelligens fiater
conrad us germanus heinrici lantgravii adjunxit illi conventui pro pa-
trono sanctum johannem baptistam, ex eo, quod ipsura in frisslaria
ecclesias suas destrueudo offenderit et incinerando molestavit; ubi tunc
in conventu fuit primus prior veinerabilis pater frater elgerus coines *7ir
de honstein sanctus dei.
377. De blaspliemia friderici iniperatoris in deum.
23. Anno dni. MCCC° XLFI fridericus imperator cum regnasset H.p.p.iwe
XXXI annis, convocavit principes alemanie in franegfort volens cum eis ^,15^*
tractare, qualiter filium suum conradum in regem romanorum crearet. 4*5— i»«',
Ubi spiritu dyabolico ipsum instigante blasphemavit in deum et in ^X'r*"
sanctam ecclesiam, dicons: tres sunt, qui in regiuiinibus suis se-
duxerunt mundum, scilicet moyses, qui seduxit judeos, et cristus, qui
seduxit cristianos, et machametus gentiles; quam ob rem si vos, prin-
cipes, velletis michi consentire, ego utique multum meliorem moduni
credendi et vivendi cunctis nacionibus ordinärem. Haue blasphemiam
omnes principes et nobiles mox ut audierunt, nimium sunt turbati, et
facies eorum pre dolore et stupore sunt iumutate, quod audiverunt i tu—
peratorem et regem ecclesie dei heresi permaxime esse maculatum.
Sed pre aliis prineipibus talia audientibus heinricus lantgravius thuriugie
singuia verba imperatoris per legatos solempnes in scriptis, ut verum
membrum ecclesie cristi talia audire abhorreret, pape gregorio iusinuavit.
Quapropter idem papa predictum imperatorem exeommunieavit, quamvis
hoc ipse modicum curavit. Et papa innocencius sequons gregoriura
aliqnibus annis postea transactis exeommunicacionem approbavit, ymmo
ipsum fridericum imperatorem deposuit. Et apud principes | alemanie -71 -
procuravit eligi in regem romanorum heinricum lantgravium thurin-
gorum, prineipom cristianissimum et militem strenuum. Et quia papa
innocencius quartus fuit multum pecuniosus, ideo ut* predictus heinricus
do thuringia, tilius ecclesie dei et membrum cristi, gubernacula regni
suseiperet, ei XXV milia marcarum argenti puri in supplementum
transmisit. Item eodem anno et tempore sicut principes fuerunt in
franckenfort vocati ad imperatorem fridericum, obiit frater elgerus de
honsteyn prior in isenaco ordinis predicatorum, confessor heinrici lant-
gravii, quem secum adduxit in franckenfort tarn quam sanctum diroc-
torem, et ipsum mortuum reduxit in isenacum ad suum conventum.
Eodem tempore et in eadem congregacione prineipum sophia tilia lude-
» Fout in ns.
■
Digitized by Google
4?8
878. bi* 880. Stück.
wici lantgravii et beate elisabeth atque filia fratris heinrici lantgravii
desponsata fuit duci brabancie.
378. De episcopo banibergensi.
n.p.p.986 24. Anuo dni. M°CC"XLVI eaptus fuit episcopus ba m bergen si s a
<i:«7). eomite bertoldo de kevernbergk et per tempus in custodia tentus,
("_b).p" <l,,ein postea heinrieus lantgravius a vineulis absolvit. Item eodom
anno fratres minores haben tes conventum in gotha traust lücrunt se in
arnstete, quibus successerunt fratres augustinenses.
379. De promocione lieinriei lantgravii in regem
romanum.
ii. i*. p. o*7 2fr Anno dni. M°CC°XLVI1, anno pontiticatus domini pape innocencii
(H E^'p. secundo heinrieus lantgravius tluiriugie* ad mandatum ejusdem pape in
42« regem romanorum est electus in franekenfort. Kt ibidem prope renum
cum magno oxercitu prineipibus sibi cooperantibus cum conrado filio
27i» friderici, quem patcr prefocit et libenter ipsum pro rege | post ipsum
habuisset, conflixit et eum cum suo exercitu vicit et confudit in die
beati dominici confessoris; et habita victoria profectus est in sweviam
contra eundein ducem swevie conradum et patrem suum fridoricum1'
olim imperatorein ipsos humiliando. Post hoc reversus est ad thuringiam,
vonit in Castrum wartporgk et infirmari cepit, et dum Jaboraret in ex-
tremis, petivit corpus suum apud patrem suum ad sanetam katherinam
extra muros isenace et cor suum sepeliri ad fratres predicatorum ad
sanetam elisabeth, in cujus honore conventus fuit dedicatus; quod et
factum est. _______
380. Scisma.
u.p.p.947 26. Anno dni. M"CCC"LXXIX oitum est heu maximum scisma in
(mm), ecclesia dei per duos, qui ambo se gesserunt proc papa. Quorum unus
sedit in roma, dictus urbanus, alter in avingona in francia et dictus
clemens. Quibus mortuis quolibet pars elegit alium. Et duravit
XXXVI annis usque ad conciliura constanciense,d in quo electus fuit
martinus. Item eodem anno Castrum brandenborgk devenit ad potes-
tatem cum oiuni jurisdictione ad lantgravium thuringie.
h. p.p. 949 27. Anno dni. M" CCC°LXXX.V comes de kevernbergk « in pere-
n:tr.i). grinacione jerosolimitana mortuus est nulluni relinquens heredem; cui
'iss).1'' successit in eomitatu et in omnibns bonis suis baltasar, lantgravius
thuringif, collator.
* HS: flccunrli ( falsch, ilenn dir rt.-unaliuv Pap«t bieaa Innocen? IV. ; die Bemühungen de«
Paj.iUs fallen bereit* iu «ein t. RopieiuneHjahr, 124ö, die Wahl Heinrichs fand allerding« ont am
21 Mai 124f. ntatt) b Kehlt iu IIS. p IIS : eww. <1 118: constantleoil. 6 H8:
Digitized by Google
381. und 382. Stflck.
479
28. Anno dni. M°CCC°XCIT1 in die penthecostes hora completorii" P-p-»*9
facta est magna inundacia alquarum in isenaco versus plagam australem
et pertransivit conventuni karthusianum quasi ad altitudinem ho-
minis. Doinde descenditad fossata civitatis isenacensis et non potenspro-
eedere erevit ibi ad magnam altitudinem in tantum, quod murum
civitatis dejecit et depressit et cum impetu intrans civitatem ad plateam
cerdonum deponendo domus et multa deportando et cum suo impetu
clausit valvas porte sancti nicolai. Quibus clausis congregabantur ibi
in tantum, quod destruxerunt portam violentor. Et multa pecora et
suppellectilia perierunt et in campis inveniebantur. Item eodem anno
fuit magna pestilencia in isenaco et in northusen.
381. Von den werwolffen.
29. Anno dni. M0CCCC° in territorio nobilium de wangheym lupi h.p.m.u
scilicet werwolffe devoraverunt pueros, et alii homines aliquos XV anno- «ijJJÜifl,
rum lacoraverunt, ymmo villas clara die intraverunt et pueros de ^JJJJJJ*
januis et domibus receporunt presentibus parentibus et deportaverunt.
30. Anno dni. M° CCCC/'IITI circa festum nenthecostes fuit ventus n.p.p.ar.*
(13K0)
validus cum tempestato magna, que multa milia arborum in nemoribus
radicitus de terra dejecit, et specialiter sub Castro wartbergk propo iscnach.
31. Anno dni. M°CCCC°VI fuit eclipsis solis generalis in dio sancti h. p.p. 95»
viti, que fuit protunc quarta feria, circa horain septimam; et duravit ^^p.
quasi per dimidiam horam. Eodem anno fuit pestilencia magna per «w.
totam thuringiam et duravit usque ad festum nativitatis cristi, in qua
multi I homines utriusque sexus obierunt et multi prelati, episcopi, ä7iT
abbates, comitos, barones, milites et militares.
32. Anno dni. MWCCCC°VI1 fuit ventus validus circa festum snnctc n.p.p.05»
kathcrine, qui multas arbores et domus evellit.» Item circa festum (Jr^{iJ;ch
sancte elisabeth quasi in die ejusdem iucepit hiemps intensus [sie] fri- h.k.m«o.
goribus, qualis in centum annis non creditur fuisse, et duravit usque
ad festum puritieationis.1'
382. Hcrenis in bohemia.
33. Nota, quod inmediate post concilium constanciense, quod fuit n.p.p.»si
anno dni. M" CCCC0 XX1V,C auditis bohemis condempnacionem et incine- ^S'^.)
racionem illoruni duorum, scilicet johannes hus et jeronimus, hereti- ■JJJJJJJ1
corum, publice incepit pullulare heresis et infectio tocius regni bohemie. Wortlaut.
Verum quia extunc insultaverunt suis malis blasphomacionibus et
frivolis in cristi nomen et in seivos dei irruentesque in eos multos
diversis cruciatibus occiderunt. Et omnia monasteria quorumcunque
ordinum funditus evellebantd et destruxerunt, imaginesque sanctorum
* Plstortus: evertlt. IIS: usque purilicat tonb. c Der Kelativmitz fehlt l>ei Plirtorlu».
d HS: ovellatwint.
1
Digitized by Google
■
480 382. Stück.
confregerunt et eombusserunt calices et omnia ecclesiastica ornamenta
in usus prophanos verterunt. Et sie a nobili usque ad ultimum rusti-
4'iun tocius regni bohemie a tide katholica declinaverunt cum magna
eede et strage cleri et religiosorum utriusque sexus nomen cristi eon-
htentes. Quapropter anno dni. M°CCCC°XXMI domini missenenses
«7i» atque lantgravius | thuringie tamquam veri katbolici et boni emulatores
et zelatores fidei visceraliter commoti magnum collegerunt exercitnm
nobilium et militarium, nomen cristi corpore et anima defendere vo-
lentes usque pragam pervenerunt et eandem obsederunt. Et multos
stronnuos [sie] viros ab horeticis interemptos perdiderunt, et sie sine fruetu
inde recesserunt. Attamen pragam cepissent, si sigismundus, romanorum
rex, non obstetisset; qui, ut dicitur, auditus fuit* dixisse: „nosrratesb
sunt, quos perditisUc quia tbrtassed regnum bohemie libenter cum pace
habuisset, quia ipseverus fuit heres ab utroque parente ad hocgenitus:
sed bohemi eum in regem nolebant habere, sed alium ribaldum et in-
stitutum et rusticum natum in regem orexerunt. Quapropter papa
martinus anno XX ° contra eos crucem dedit et generale indixit passa-
gium cum magnis indulgenciis per quendam cardinalem legatum a la-
tero, ad hoc negocium specialiter deputatum. Ob que tarn superiores
quam inferiores partes alemanie ob predicacionem crucis tidem eristia-
norum et cristi nomen volentes defendere ad arma cueurrerunt, et
quasi multitudo innumerabilis hominurn diversarura regionum in bo-
hemia contra hereticos convenit, et quasdam obsidentes civitates scilicet
usczkc aliasque villas rapinis et incendiis devastarunt. Et ad ultimum
sine omni magnifico actu ad propria redierunt, multos tarnen 1 ex utraque
parte oeeisos relinquentes, paucis tarnen castris obtentis. In quadain
congregacione exercitus fuerunt episcopi scilicet maguntinus, coloniensis
s7i7 et leodicensis in propriis personis et multi alii prelati ecclesie | cum
suis armigeris; post vero dominus lantgravius thuringie fridericus«
et patrui sui tenuerunt sumptuoso stipendarios usque ad XXVB annum
contra hereticos predictos. Attanien ipsi heretici post, reditum domi-
norum castra et civitates atrociter invaserunt, quaeh vix ymmo dei
adjutorio, tenuerunt.
ii. p.p. um ;U. Anno dni. M°C<!CC° XXlfl domiuus fridericus senior, inarchio
,1:JW) misnensis, emit ducatum saxonie et dux saxonie ab omnibus pro-
clamatur.
(Anderthalb Seiten leer.)
» HS: fulimo, al.cr <tareh«e«tr1ch«n b IIS: nrate*. «" Fohlt in HS. * HS; fcrtaifa.
PiNtoriun: spoclaliter Salr.lt. ' HS: tm.ltu«quo. * HS seüst hlnrn: vj (videlicct?)
118: flinKl.
Digitized by Google
383. Stück.
4*1
383. Hir hebet sieh an, wye dye von erffort uiind eyii «a-
bisschoff zu mentez, umid damocli die hern zu missen
alle drye partie eyne ewige vor traeht unnd frede
gemacht haben under eynander, unnd das ewigliehen
zu halden.1
i.
Anno dni. M"CCCC0LXXX11D>. UHJ
Wir ratismeister, rath, rethe unnd gantcze geraeyne der stad
erffort bekennen unnd thun kunt vor uns unnd unser nachkomen
allen den, dy dissen breft' seenb adder hören werden. Als byc ge-
czitend erczbisschofl" dyether, herre zu mentez* etc. unsere lieben hern
seligen loblicher gedechtnisse, etliche czwey tracht f unnd spenne czwisschen *
synon gnaden von syn unnd des stitftes wegen eins unnd uns ander1'
teils eitstanden* gewest syn unnd al so biss uff zu komenk unnd rege-
runge des hochwerdigesten 1 unnd hochgebornen fursten unnd herren
hern albrechts, des heiigen stuls zu mencz in geistlichen unnd wert-
lieben111 vol mechtiger administrator, des heiigen romisschen richs durch
• Von hier beginnt dl« Stollcache Pagiaierun« wieder, mit 872. b O: toben. c O: ble.
J0: xcllten. *' O: Diothern zeu Moatz. ' O: seweytreebto. K O: zctiMchon. h 0: ander«.
1 ü: entttanden. * O: ankörnen. 1 O: hoehwlrdlj;taton. '» geUtlichcm und werntllchem.
I$S8. 1 Da» Jahr 1483 kann für Erfurt alt» da» grosse Friedensjahr gelten,
denn in ihm landen sowohl die langen Streitigkeiten zwischen Main/ und Erfurt
(s. ob. St. 326 bis 329) in dem Amorbacher Vertrage vom 3. Februar 1483, aueh
Concordata All« rti administratoris genannt , als auch die jahrhundertelangen
Streitigkeiten zwischen den meissniseb-sächsischen Fürsten, welche als Nachfolger
der alten Landgrafen seit der Mitte des 13. Jahrhunderts Thüringen beherrschten,
und Erfurt, durch den Weimarer Vertrag vom 3. Februar 1483 einen relativen Ab-
schluss. Über beide Streitigkeiten s. v. Tcttau, Das staatsrechtliche Verhältnis
von Erfurt zum Erzstifte Mainz, JAE I, 1860, S. 116 ff., der hier Nicolaus von
Siegen, chronic, ecclesiast. pag. 461 sq. folgt; ferner C. Beyer, Geschichte der Stadt
Erfurt bis z. J. 1664, 1893, S. 36 ff. Stolle will beide Verträge zusammenfassen ;
er teilt zuerst den Amorbacher Vertrag (I von uns genanut) mit, dann aber
eiue Zuschrift der sächsischen Fürsten (II von uns genannt) an ihre Stände,
Amtleute wie Städteverwaltungen , gegeben zu Weimar den 2. Februar 1483,
worin die sächsischen Fürsten jenen einschärfen, die Bestimmungen des eigent-
lichen Weimarer Vertrages, welcher erst unten St. 387 mitgeteilt wird, genau zu
befolgen.
I. Es liegen: 1. das Original im Kgl. Staatsarchiv zu Magdeburg, also das
einst in Erfurt aufbewahrte Exemplar (Rep. 14 VI 9); 2. der Revern im Kgl.
Kreisarchiv zu Würzburg, also das für Mainz in Erfurt ausgestellte Exemplar: Ver-
trag hertcogen Albrechten Administrator des Ertzstifft Mentz mit denen von Erffurt,
anno 1483 (Ad ladul. 71 No. 56). Dieses letztere Exemplar, schöu auf Pergament
geschrieben, mit angehängt. Siegel, war für uns einzusehen, und danach wurde der
Stollesche Text, soweit es nötig war, berichtigt, denn die altertümliche Fassung
Stolles ist wohl von einer gleichzeitigen, in Erfurt angefertigten Abschrift des
Reverses wiederum abgeschrieben, wenigstens spricht dafür die Natur einer Menge
von Fehlern.
II. Das Original von II ist von uns trotz aller Bemühungen (Nachfragen
u. a. bei den Archiven in Weimar, Magdeburg, Erfurt, Würzburg u. a.) nicht auf-
Digitized by Google
482 m. stnck.
dutczelant* ertczkanczeler unnd kurfursten, herczogen zu sachseu, lant-
▼ grafen in doringen unnd margrafenb | zu missen, unsere gnedionr hern.
unentricht an steen bieben ,d das wir sulche gebrechen unnd czwei-
tracht" hone zu legen/ euch kunfitige irrunge zu vor hüten* unnd zu
vor miden mit dem itczunt gonant h unserme gnedigen hern unnd stifft
mentcz als mit unserme rechten erbehern gnediclich, gunstlich unde
gutlich vor eyniget, vortragen unnd bericht sintv noch luthe einer vor
schribungek von sinen gnaden, mit bewilligunge der orwirdigen,1 hoch-
geborn unnd wirdigen thum tecuantsm unnd capittels ussgangen,B dye
er noch" folget p unnd begriffen ist^Uso lutende:
Wir albrecht, von gotis* gnaden des heiigen stuls zu mentcz in
geistlichen unnd wertlichen r admiuistrator, des heilgen romesschen
• O: Germanien •» O: mararraffen. r O: Kündigen. d O: blieben. « O: »rWfT-
tivehte. r O: hlnzcatocea. * HS : vor guten ; O ". verbaten. ■ O: U*t«on»nt*n. ' O: «in.
k O: laut eyner verochriebnnR. 1 O: crenwlrdig.-n. "' O: tUumnochaut. » HS: u««aiic«
° O: hlrnacb. V HS: folfen. <* O: «ots. r HS: werUIgen. O: gelittenem and wernt
liebem rolmechtiger.
efuudeu worden. Auch hier ist die Fassung altertümlich. Wo Fehler sind,
aben wir «sie nach dem Texte des grossen Vertrages, ober in Stollescber Spraclu1
uncl Schreibweise, 211 verbessern gesucht oder an einzelnen Stellen anch durch
Konjektur das uns richtig Scheinende eingesetzt.
Der älteste Druck de.« Amorbacher Vertrage« aus dem Jahre 1492 auf Pergament
(Stadtarchiv zu Erfurt) ist zwar bemerkenswert, ändert aber schon; so giebt or
z. H. schon die Überschriften als Inhaltsnilgaben , welche die Originale nicht
haben; die Drucke aus dem Jahrb., z. B. vom J 1535, sind für die Herstellung
des Stollesehen Textes ganz unbrauchbar, da sie die Orthographie nach der-
jenigen, die in ihrer Zeit galt, umgestaltet haben, noch mehr that dies Falcken-
stein, welcher a. a. O. S. 395 ff. den Vertrag von Amorbach bringt.
Hinsichtlich der abweichenden Lesarten des Originaltextes des Amorbacher
Vertrages (O von uns genannt) sei noch bemerkt, dass Stolle bei der Abschrift,
die im ganzen sorgfaltig ist, die Sprache in die ihm geläufigen Formen um-
gesetzt hat, wohl meist unwillkürlich und ohne dass er merkte, was er that. —
Wir haben selbstverständlich als Grundlage den Stolleschen Text festgehalten,
aber alle abweichenden Formen des Originals in der adnotatio critica wieder-
gegeben, auch die offenkundigen Fehler Stolle* emendiert, jedoch nicht ohne An-
gabe der Versehen Stolles. Abweichungen, die nur orthographisch sind und immer
wiederkehren (an einzelnen Lauten; wenn bei Stolle tez und cz = im Originale
zc, z = zc und umgekehrt, t — tt und d — dd, d = t und umgekehrt, t = tb.
fehlendes h, g und c in der Endsilbe ic, n = nn, k ck, g = gk und um-
gekehrt, p — b und umgekehrt, y = i, i = ie steht, weun das schliessende e
1111 Dativ, auch beim Pronomen, oder e vor dem casusbildenden s des Genetiv»
oiler in der Endsilbe des Dativ plur. oder sonst am Ende weggelassen ist, ebenso
das schließende n im Infinitiv), sind der Übersichtlichkeit halber unberücksichtigt
geblieben. Auch andere stets wiederkehrende Abweichungen seien hier bloss
einmal bezeichnet: unde — und (unnd), Vorsetzsilbe vor = ver, vor = für und
für, disser = dieser (in allen Casus), dy und dye = die, stad = statt (stet),
Erflort -■= Erifurt, her = herr (auch in anderen Casus), in = inn, sulch ^ solich
(in allen Formen), sullen = sollen, Wullen = wollen, ouch = auch, ore = ire
un allen Casus, auch in den übrigen Formen des Personal- und Possessiv-
pronomens der III. Person), doreh -= durch, noch = nach, her er. -- Vor
dem 2. bis 5. Punkte steht im Originale item, was Stolle also viermal weggelassen
hat, dann setzt er es.
Von einer Komincntieruug haben wir hier und unten Stück 387 abgesehen,
da sich die Verträge selbst erklären.
Digitized by Googl
3*3. Stück.
richs durch dutczhelant* erezkanezeler unnd kurfurste, horczog zu
Sachsen, lantgrafe in doringen unnd margrafe'' zu missen,0 thun kunt
allen den, dy dissen brefF seend adder hören werden: als in cziten des
hochwerdigi8ten 0 in got vaters hern ditters' von isenbergk/ ercz-
bisschoffsh zu mentcz etc., unsers lieben hern unnd vorfaren selgen1
loblichere gedechtnisse,k czwisschen1 siner liebe von sinerm unnd des
ge melten stiffts wegen eyns unnd den erssamen, wissen n unsern" unnd
unseres stiffs underthanen unnd lieben getruwen ratismeistem,»* rathe,
rethen unnd ganczer gemeyne« unser stat erffort andern teyls etliche
czweytracht unnd spenne entstanden | unnd biss nach abeganger des 27s
gemelten unsers lieben hern seligen beharret unnd in czit unser re-
girungo bestanden gewest sin, wan abir wir ernstJichs gemuts erstlich s
zu gemeynem nutcze unde freden1 unnd sunderlich unser stat unnd
unsern burgern zu erffort gemeiniglich11 zu gnaden unnd gunst ge-
neigetv unnd alle czit gemeint sin, uffrure, krige unnd beswerunge,w
ouch irrunge in zukünftigen cziten* zu vorhalden unnd zu vorkomen,
dar ummeT bekennen wir vor uns, unser* nochkomen11* unnd stifft
mentcz, das wir uns mit domo rathe unnd gemeiner stadbh erffort mit
czitigen betrachtungen, ouch rate unnd vor willigungo der wirdigen, hoch
unnd wolgeborn unde erssamen hern bertolduscc grafen unnd herrendd
zu hennenbergk, techants,"1 unsers lieben ohemen,,f unnd des eapittels
gemeyniglich?R unsers thumstiffts czuhh mentcz sulcher czweitracht
unnd spenne gnediglichen41 unnd gunstiglichenkk uff nochgeschreben
moss11 voreyni get, berichtet unnd hon furmm dye noch geschreben"u
artikel, was dar inno begriffen adder vor fast ist, czwusschen uns unnd
unsern00 nochkomen unnd stifft unnd unser stat erffort unnd den
bürgern also** ewiglichen" zu halten, vor tragen unnd von beydcn
teylen be slossen haben.
Czum ersten als dy stat erflbrt von alder her deme heiigen sent
mertin," unserm patron, unserme stifft mentcz unnd uns zu stoet,"
unnd wir unnd unser stifft ore rechter erbherre i sin, ouch dio burger >•
do Reibest," rath unde gemeine, unserme stiffte mit truwen unde eyden
in forme, wye von alder her komen ist, gewant unnd von unserme
stiffte mit etlichen friheiten begnadet unnd begäbet sin. Deme nochuu
sollen rath unnd gemeine sich gegen uns, unsern nochkomen unnd
stifft getruwelich mit herkomen vor wentenisso™ halden unnd bevvisen,
unnd wir, unser nochkomen ww unnd stifft" mentcz sye unnd ire
» O: Germanien. »• O: margirraff. * O: MieMea. O: »hen. • O : hoch-
wtrdictetenn ♦ O: Dtctherno. * von Isenbergek fehlt in O. »' HS: «rcsbischoff. 1 HS:
nelger, O: »eilten k löblicher grdochtnkx. 1 O: zauachcnn. m O: sin. n O: wlewnn.
° O: unnncrn. I' O: ntti»m«l*ter. <* O: gemeyndc. r O: abgange. * HS: <>rn«tllch.
1 (>: frieden. u (): gemcynltch. v O: gnolget. w HS: b«Borgungc , O: tanworuug.
* 0: kunfftlg xoitt. ? O: daramb. ■ HS: unae. " O: nachkoounu. ht> HS: und«?
aantezer gemeine der «tat. 00 O: Bertolt«. ,w HS: grafe unnd berif. ■ 00 IIS: tecluuit.
»" O: obeimb. KK O: gonMiynllch. "»h Fehlt In HS. 11 HS: jrnedl.licb. kk O: gnimt-
lleheun. 11 O: narhgeftchi-ie1x>no maaz. O: hlnfur. nn O: aaehgeachrieboDe. HS:
uniierm. PI' IIS : «y. M'i O: «wlgllch. " «in t Martin. O : tciMtolict. » O: dasei lwt.
"» Denuiarb. vv O: vorwantnlwen. ww O: nachkomeno. "0:rtin"to.
:n*
Digitized by Google
383. Stück.
nochkomeD* wedder ummeb bye allen unnd iglichenc iren uberkeyten,0
herlickeiten, gnaden, friheiten, rechten unnd erbarn gewonheiten, was
sye der vom stifft mentcz herbracht haben, bliben lossen* zu ewigen
tagen unnd yn dar inne keinen abebruch adder intragunge' tliun in
keinen wegk.*
Dyo unsern von erffort sullen oueh uns, unseren nochkomenh
unnd stifft mentcz bye unseren oberkeyten unnd herlickeiten, dye wir
unnd unser stifft zu erffort haben, ouch geriehten, geistlich ader wert-
lich,' hohe unnd nidder, ouch gewonlich unnd czemelich* gerichtes
fellin1 unnd nutezen unnd andern unsere stiffts rechten, gutern unnd
czinsen nicht erren,m vorhindern noch verspern11 dar in nicht tragen.0
ader dorch die burger ader ander,? der sie mechtigk weren, tragen
lossen« in keinem wege,r sundern den geriehten oren frien» louflt
wullen geen lossen,' dye wir ouch" unnd unser nochkomen* noch
redelicher erbarer niosse* mit personen unnd schribern bestellen, be-
setezeu unnd ordenern x mögen, unnd dy gerichtet bye erbarn alten
*7 t herkomenden1 gewon heiten bliben lossen** sullen, damit unsern burgern bt
unnd meniglichen noch geborniss" rechts vorhulffendd werden möge,
unnd das die partien des schribers halben nicht ungeburlich** beswert
werden, alles ungeverlich.
Das der ratli zu erffort unserm hoff do selbest" mit den dorffern,
litten unnd gutern darzu gehörende, ouch unser amptlute unnd diener
getruwelichen *K entschutezen hh unnd enttreten," unnd dy selbigen an
irem liebe unnd gute, sokk veleu au on«rm ist, nicht vor unrechten lassen
sullen, wann sye des er sucht ader vor sich selbestnn inne00 werden,
ungeverlich.
Der rath sal'1' ouch0-« unser pfaffheit bye oren rechten, friheiten
unnd aldem horkomen bliben losseu."
So»* die unseren, der rath von erffort, yruande" geleyte geben,
das syuu zu thun macht haben, vor gewalt unnd nicht vor recht, ader
unser gerichte, sunderliehe" vor bekante™ ader er forderte schulde, so
sullen sy doch in solchem" geleite uss nemen unser unnd unsers»
stiffts abegesageten x* hendeaaa unnd dye jenen, dye uff unserme ader
unsers stifftes schaden gewest, das unvortey dingt ,)bb were; ouch sunder-
lichenccc den jenen nicht geleitddd geben, dye in unsers gerichtes
acht«** weren.
■' O: DActikouien. 0 O: widdcraisb. * HS: aDeme unnd JgUcbem. 4 O: oberkeiu-nri
' U: blieben laascn. fO: intreg«. HO: keine Wege. b O : nachkomern. 1 O-: geistlichen und
werntlieben. k O: pewonlfcben ond zcyrollcben. 1 O: gertchtafeUon. ■ O: Irren. ■ Fehlt
iu HS. ° 0: L-oclj versperren darin nit tragenn. I' O: andere. 1 O: laason. r O: keine
weg«. * O: treyenn. 1 O: geheim lannen. n O: die auch wir. T O: nachkomenn.
w O: iDaa*o. « O : « rdenen. ?0: «bricht. ■ HS: erbar alt berkomea. •» O: Uewn.
bh 1IS4 iin«or bürgere. c0 O: nach geburnl«. '»d O: verhoSfenn. ~ O: ungeborllcli.
f O : «I» ^llwt. <> : «< trnwllcben. "b U: eutarhutten. » O: entfetten "HS:!;.
" O: mm HS: nner.. nn O: iwibst. 00 O: Jnnen. W O »teilt wegen de« Item am :
Item w, aolle der rath. <w Kohlt ui ü " O: lauen. «• HS: sy. « <>: jiuandi. u« ,ituvi
»>" l'eblon in HS. vv O: Kinderlieb. ww O: brkant. ** O: »..Uenem, TT HS: outer
äende tuiMT« " O: angesagt«-' HS: üude. O: lyonde. bM» HS: anyorleydlngk, Ot
unverteidingt. '«* O: minrterMch. «•*» US: geleite. mm O: achte
Digitized by Google
8tück.
485
p
Item als unser burger zu erffort uff walpurgis den ersten» tag
<les meyen in nnsern walt, genant dye wawit, von aldemb herkomen
phlegen zu gehene,c sulled eyn ratb by sy* vorfugen, das sy den
walt an merg]icbenf boumen, | lossrisern* unnd anderme goholcze v
nicht ungeborlichh bescbedigen über* alt her körnen ane geverde.
Ouch dar ink zu keiner czit von yn geiaget noch geweidewergkt 1
werden; woB das abirn über faren wurde, das wir in czemelicher
wisse,0 dye sulchs tethen, dar ummeT zu pfenden unnd zu recht-
fertigen haben.
Item als das wasser unnd wasserlouffte « von unser unnd unsors
stiffts uberkeit' sin, ab* ymant der wasser halben' vor handelte, sullen
sulche uberfarunge uns vorbussset werden , sou hinfur dy wasser
meister yniantev ab geboten* unnd pfant erkennen wurden, als sich
gebort. Wurden * danne unser amplute unnd wassermoister am rathe
gesynnen, einen yren knecht dar zu zu schicken, das sal eyn rath
thun unvorczoglich, dar mit' dy pfandunge deste richtiger volgen,*
unnd als dann solle deme knechte eyn Schilling phenge" gegeben
werde,bb doch sollen der rathcc unnd unser burger zu erffort wasser in
dy gassen zu leiten noch der stat notdorflt macht haben, unschede-
lichendd den mullenM unnd den rechten wasser gengen, also das sy
keinen nuwen gebuff ane wissen unnd willen der wassermeister unnd
unser amplutne thun sullen.
Item ess sullen ouch alle gewantsnider unnd kurschen wergkhh
veileli zu haben nyndertkk gestatet" werden danne, in unsers stiffts
kammern unnd husem, dye von alder hermm dar zu ge ordent sint.nn Dye
selbigen00 kammern | wir in czemelichen gebuwedew halden wullen. »75
Des glichen" sullen becker, schumecher unnd Iedderere" oreware feile
haben in unsern husern unnd Stenden, dye von alder dar zu geordent"
gewest sint," unnd uns unnd unsem nochkomenuu unser czinse unnd
gebore™ davon gebe,*1* wyedas von" alder her komen ist. Dar zu"
ouch eyn rath ernstlich sin sal, das ein sulchs ge schehe. Unnd so"
sulche unser stende, nemelichen»" brotbencke unnd schubencke, mit
sulcher wäre be satczt unnd vorczinset werden, haben wir von gemeines
nutczesbbb wegen unnd unseren bürgern zu gute noch gelossen,ccc das
die becker unnd schumecherddd vre wäre in oren husem veyle«" habe
mögen m unnd vorkouffe*« mögen ane alles geverde.
• HS: der errte. b HS: »Wer. « O: geheo. <» O: «al. • O: ble yn. r O
» mercklichen. * O: Ijwartaern. » O: ungeburllcb. « HS: aber. k O: darjnoe. 1 HS:
jrewofdi>wergk , O: gewoldewerckt. ,Q HS: wyc. n O: aber. ° HS: stceniellcho,
O: zcymlicbor wiese. V O: darumb. 1 O: waararleuiTe. r O: oberkeit. * O: ob.
1 O: halbe. u IIS: *u. * IIS: ymanta; O: jmander (aUo mit TtLrunffspunkt Uber dem r).
w Oz alK-g*lK>ten x <): worden. y O: damitte. 1 O: ffefolgeun. »» O: pheonynge.
*b O: werden. fc IIS: dornuch. dd O: unnehodeltch. •• O: luolen. "O: buwe.
fr* O: irewandw:hDV-(o hh O: k unten were.k. 11 O: feil. kk O: nyncent. 11 O: geetatt.
mra fehlt in O (da. „alther" licet, woraui Stoib« Abänderung erklärlich wird). O: «in.
00 O: dieeelbetio. V9 O: In »cvralicJicm buwe. 11 0: deazy fliehen. " 0: lederer.
" fehlt in n.S. "0:«in. u» O: nach komen. ™ 0- gebar. ww O: gebenu. "0:
vor. TS 0: daroh. «• fehlt in HS. «*• 0: nemllch. bbb 0: gomeyn* uarw. ooe 0:
naohgelaaten. <"'» 0: «ehastcr. «•» 0: feil. nt 0: nur: baboun. «* 0: verkeafeno.
Digitized by Google
486
383. Stück.
Item als' unserb stiift gerechtigkeit hat, das von iglichem beer,
so1 zu erffort gebruwetd wirt, acht grosschen gegeben werden sullen,
damit uns, unserme stiflte unde nochkomen kein abe bruch geschee,'
salf hiufur eyme iglichen* brumeisterh von deme rathe uff sinen eid
befolen werde,1 flisslichk zu merckeu unnd uff zu1 czeichen, wye
velem unde von werae beer in syneni bruhussn das jar gebruwet0
werden; unnd so» her dar uiniuei von unseren ampluten er sucht
wurde, sulle her in das getruwelieh unnd unvorczog!ichr bye der
uff* gelegeten püicht sagen unnd vorczeichent geben, unnd als
danne evnem ifflichem vor syne muwe1 unnd erbeit" des selbigen r
▼ jares | czwene schillingk pfengew gemeyner werschafft gegeben
werden.
Item es sullen ouchx dye hantwergenieister* der hantwergk,' dye
von alder here vre bestetegunge unndM ouch stabe unnd heiligen H'
ontpfangencc haben, sulche bestetegunge, ouch stap unnd heiligen von
unsorn ampluten in unserm hoffe entpfaen unnd uff nemen uond
dar umme thun, als von alder her komen ist.
Item wir sullen unnd wollen ouch unsern gerichten, geistlich
unnd wertlich,dd iglichom synen uffrichtigen ee loufft unnd dye geriehts-
czwenge" in dorne erkentnisso nicht vor misschen, sunderu was« sich
gebort hh an geistlichen gerichten geistlichen,1' unnd an wertlichen kk
gerichte wertlich berechten11 lossen,ralE unnd ouch dye sachenn nicht dar
abe czien, alle,00 wye sichs gebort unnd recht ist.
Item zu meren unnd zu hanthaben dye werde««» unser" gerichtet
geistlichs unnd wertlichs," ouch unczucht unnd frevelichen mutwillen"
zu vorhuthon, ab hin für ymant vor gerioht unczemelich" grobe wort
kein ymandes,ww der vor ader in deme gerichte zu schicken hotte, ubete.
ein sulcher sal vor fallen sin funff Schillinge, unnd das gerichte das"
also erkennen unnd deme erkentnisse volge gescheen sal als uinoie
andere erforderte sache" unnd orteilen." Wo aber»** ymant,,bb mit un-
czemelichen ccc unnd lesterlichen ddd Worten, dye da busswirdig sint,"e das
gemeyne gerichte lestert ader beswert, der sal deme gerichte dry pfunt"1
276 unnd dry j scherff geben unnd vor fallen sin, unvorgrifflich in den
allen*** der personen, dye also mit worteu an yren eren gelestert, dye
mocht yrenhalbenhhh mit rechte handeln, so111 vil yr fuglich kkk unndge-
* IIS: alles. b IIS: unsera. « H8: §y. d O: gebruwenn. ° O: uns, onsernn nach
komen und »tifft keyn abbrach (die 1 letzten Wort« mit anderer Tinte nachgetragen, auch auf der
folgenden Zelle noch einmal -bruch) beacb.ee. ' 0: solle. & HS: eyn Irlich. * 0: bmw-
melator. 1 0: werdenn. k 0: n (ewiglich. 1 fehlt In U8. m Os wie vil. n 0: bruw-
huae. ° 0: gebntweu. P IIS: «y. 10: <larumb. r 0: nngeverlicb. ■ HS: ua- a
1 Os mube. u 0: arbeit. v 0: detwelbonn. w 0: pfennynge. * fehlt In 0. r ö:
hantwerckroeUtere. * 0: hantwereke. •» fehlt In O. ►>»» O: stab und Innigen. * 0:
eupfsngen. <" 0; werntlich. •« fehlt In HS. * nS: gerichte «wenge. ** 0: wo».
>»»» 0: Reburte. Ii 0: geigtllchem gerichte geUtlksh. kk IIS: ader wertlichen. <»: t.nd »n
werutllchem ««richte werntlich. 11 HS: bereeben. nuu o : lassen. nn '>: »acheu. M H.S :
al«. 0: ttfburt- 'ij 0: wlnle. rr ■"»: nusen-r. »» HS: gorlcht. " HS: geirturh.
wörtlich; 0: geiiitlicfci und werntlich*. "u fehlt tu US. vv 0: un/.cymllctie. ww 0: *rtn
jiuande*. fehlt in HS. 0: Jnn andernti erforderte nn aachenn. " 0: urtellnn. *** :
w»r al>. ht>b HS: vniandea, 0: Jmaudts. c<* O: unzcvinltchenu. ddd fehlt in HS.
«** HS: sin <«■ O: pfund«. KSK 0: dem allem hW» HS: yr en halb, O: Jrenn halbenn.
>» HH: haldeu, «y «*k HS: vre gefugllch.
Digitized by Google
383. Stück.
487
meint were, in dorne allein der rath hulffe unnd stat recht thun sulle,
als sichs" uff er furderte sacheb gebort.0
Iterad als bis beer6 dyo gerichts knechte unsers wertlichenr Be-
richtes der partien6 vorsprocben ge west sint,h Wullen wir, das dye
selbigen1 unser gerichts knechte furder an unserm gerichte kein vor
spruchon sin sullen.
Item als unsere k vorfarn des stifftes1 mentcz deme rechten zu
sture, ouch unser burger11* kost unnd schaden» zu vor hüten, ewig-
lichen" zu gelassen unnd vorwilliget haben, das dye orteylp unsers
wertlichen 11 gerichts zu orffort mögen vor den rath gestrafft werden,
sor sich sulchs begibet,* da mit denen partien furderlichon recht-
vurtiunge geschee,1 sal eyn rath hin für synen spruch des zu falles der
furdern orteilnu unsers gerichtes oder aber* dv straff thun unnd des
glaublichen schein w an gerichte* schicken inne wendig acht wochen
von czit der straffungey vor gericht gescheen. Ab* aber eyn sulchs
durch den rathaa nicht geschee, sal unnd magk unser gerichtbb uff' an
suchen der partien vol faren« noch gerichts ordenunge, unvorhindert
cinicher yn rede, was ouch also ader andere des gerichts | gewonliche »
ubungo or claget, ader ouch vor dorne rathe mit ge straffte orteiln,dd
wye vor gemeldet, ec er fordert wurde, sal der rath unvorezoglich uff
stunt ane uss rede dar ob sin, das mit vollencziungeff dar uff geschee,
so veleÄg unnd deme rathe zu gehöret zu thune.bh
Item wann Sachen'4 von unserm wertlichen kk gericht vor den rath
gestrofft11 werden, mm unnd dye partie in acht wochen den nesten dar
inne der rath den zufall0" ader straffe thun sulle,00 sulcjier Sachen pp
gutlich vor fragen sullen*' werde," haben wir unsern burgeron zugute
nach gelossen,*» das sy als danne der funff Schillinge straffe geldes zu
geben nicht schuldig sin sullen.
Als" das helffe geltuu über er furderte sache" uns unnd unserm
stiffte zu stehit,ww sal sulch helffe gelt" vor fallen sin, sody erforderten
uff begeren^ unnd bete des clegers in des raths buch unter dem torm
ge schreben werden." Doch ab*** sich darnach in vierezen ^1' tagen der
clegermit dem or forderten gutlichen"0 vortragen wurde, salherddd das
helffe gelteü0 zu geben nicht schuldig sin, so forre er deme schultheisen
in czwenf,f ader in drien«^ tagen neest dar nach an sage,bhh das her sich
gutlichen beriebt habe, das danne ouch vom schultheisen deme rathe
• O: lieh. b 0: orforderte sachenn. 0 0: gebort. * 0 setzt Idniu: and. • 0:
bischer, t O: weratllchen. * nach 0; HS: dye vorezlten. * O: sin. ' 0: dieselbcan.
k O: anier. 1 0: and stlfft. m 0: unsern bürgern. " 0: schedeun. ° 0: ewiglich.
P O: urteil. <i O: werntlicuen. r US: sy. * MS: sich sulch» tu begibet, 0: sich eolicac
begibt. 1 O; damltte den parthienn furdorlich rechtvertigung geschee, HS: furderliche unde
recht vertluuge gescheen sal. ° O: urteil. v H8: ab. w 0: aehyn. 1 HS: gericht. / 0:
straffe. * 0: ob. •» Ot aber durch den rath sollchs. hb Os gerichte. ec HS: wollen
fareu. d'' 0; urtolln. «* ö: vorgetuelt. ^rt: vullezciehnng. « HS: su vele. hh 0:
«su thun geburt. n IIS: sache. kk 0: worntllchen. 11 0: gestrafft. fehlt in 0.
nn HS: Z.U fallen. °" HS: sullen, O; solle. VV HS: sache. M fehlt in 0. " 0 : werdenn.
- O: nacliselasson. « febU iu HS; <>: Item als. »« 0: helffgelt. " 0: orforderte aaebenn.
ww 0: acustehet. « 0: helffgolt. TT HS uff tigern. »■ HS: werde. 0: ob.
bhb 0 vlontcehonn. «* 0: gütlich. 0: er. ««> 0: helffgelt. « 0: «eweven.
«* 0: ader dryon. »W« HS : an sagen.
Digitized by Google
488 Stück.
sal vorkundiget werden*; unnd wob der rath hulffe thud, sal oyn rath
von den, dy erforderunge erlanget haben, das helffe geltc in nemen
unnd sampt deme vorczeicheniss,d wer8 das unnd wve vil gegeben
habe,f unseren ampluten über antworten.8 Abh aber dye cleger' uff
*77 stunt noch deme schriben hulffe | unnd volcziungek der orteil1 haben
wolden,10 das her macht haben sal, sulche hulffe durch eynenn rath
mit der ordenunge, wye her komen ist, unvorczoglich gescheen unnd
volczogen" werden.
Item als wir imp ankörnen unsers regements an unsern geist-
lichen unnd wertlichen «> gerichten zu erffort etliche' ubunge funden
haben, uns beduncket hat billich» zu andern sin. Darurarae1 so Wullen
wir, das unser geistliche richter den, dye ummeu elich leben ader ander
sache gefordert unnd absolvertv unnd unschuldig funden werden, vor
solche orteil w kein gelt abe nemen sullen. Ab* aber dyeT partien
orteil breffe* gesynnen wurden," dar ummebb zu nemen, sullen sich unser
richter czemelichen unnd geborlichcc halden.
Wir ordenen unnd wullen ouch, wann unsere geistliche1141 richter
er sucht werden, eyne™ gemeyne ummeff gemeynschaftt willen, dy sye
einem bennischen ge than hotten, zu banne, sohh sullen sydyselbipen
ge meynen1' vor henekk vor mane, den bennischen1' uss zu wisssen
unnd keine ge meinschafft zu thune, unnd somm dy gemeine dem also1*
thud, so sal sy dar über nicht gebannet00 werde, so ferre dorch dy
gemeine nicht pp geverde ge sucht werde.«»1' Ab" aber ymanf* dem
selbigen bennischen" frevelichennu gemeynschafft tette,™ den mochte
man banne in sunderheit.™
Item wann ouch yraant" tot geslagen wurde yy ader von anderm
schaden" stirbet, unnd sin pferner bekennet, das her sich in synem
▼ leben cristlich gehalden habe unnd in keinem banne sy, so | sullen
unser geistlichen5" richter vor das begrebedeM,h kein gelt nemen danne
einen Schilling vor das indult, ab rrc es not ist.
Item zu hanthabungddd des fredeseee in unser stad erffort wullen wir.
das unser schultheisso ader unser gorichte,™ dye jenen, dye tot sle^e
gethonKs* haben aderhhh hetten unnd in d ye achte ge thonm wurden, deme
ratho beschrebenkkk geben, dy furder in der stad buch zu1» schoben
unnd sich mit den echtem hinder deme rathe nicht richten. Des-
gleichen sol der rathmaun ouch hinder unsern richternnnn keine richtunge
» „worden" fehlt In HS; 0: verkündet werdeun. b HS: wu. • O; taelffgelt. * 0:
vonscolbenhw - HS: were. f IIS: ha hon. * 0: uborantwurtenn. h O : Ob. 1
der cleger. k 0: volzeiehunir. 1 O: urteil. ra 0: wolt. n O: eyn. ° HS: voreiogcn.
0: volle&cogen. I" O: Inn <l '>: worntllo.hon. r 0: otzllch. * nS: vüllch. 1 0:
•laruroh. « 0: umh. v O: &h*«lvtn>t. w O; urteil. * 0: ob. T HS: der, 0: «He.
■ 0: urtoilbrieffe. ** O: wnrdenu. bb O: davor. p0 O: zcvmllcb unnd pebnrHch. Ai HS:
unser (festlichen. •* HS: eyn. a HS: unde, O: umb. »ff HS: eynen bcnscuen. *** ffblt
In IIS. 11 0: die seihen gemeyne. kk 0: vorhin. 11 HS: honscheu. mm HS: »y.
nn HS: sy. 00 nS : gobantieu. PI' HS setzt noch hln«u: mit. « O; wurde. " 0: oh.
M O: jmants. « HS: dou selbbjen beuschen. "u 0: frevetlche. vv HS: bette. w* HS:
«nudc-belt. « 0: jmanta. 77 0: wirdet. " HS; andern sachon. O: geistliche.
bbb O: die begrehde. c0° 0: oh. dJd HS: hautbahen. «" 0: frlden. m HS: gerecht.
«W 0: Ktthan. hbh „haben ader" fohlt in 0. >>' 0: gethati. kkk 0: beschrieben
Ul fehlt In HS. «"»»» Dkne 4 Worte fehlen In HS. »■» 0 : unsorm gorichte.
Digitized by Google
383. Stuck.
481)
mit oii* uff nemcn. Were es aber, das unser sehulthoisse den rath
ersuchte,1' darbyec zu schicken, unnd darane der rarhd sumig wurde,0
so mochte der schultheisse als danne richtunge von on uff nemo, doch
mit beholtenisse deme rate sinerf gerechtickeit.
Item uff das unrath, soonsteen* mochto, vormodenh werde, Wullen
wir, das echter1 unsers gerichts zu erffort durch unser amplute zu
taberstetek ader andern enden umrne' erffort über achte tage nicht
geleitet,"1 gesichert noch enthalden sullen werden,0 also das der rath
dye selbigen echter in syenen dorffern unnd gebieten ouch nicht ge-
leite noch enthalde.0
Item die bussse, dye uns von wunden gebort,p so unser sehult-
heise dyeq er fordert hat an unserm wertlichen' gerichte, geschee
ome danne keine uss richtunge zu thun,8 als danne sal her dye domo
rathe besehreben1 gebe unnd" dye selben dar zu halden,v wunden
recht zu thune unnd nicht in dye stat zu komen, deme schnltheisen -
sy | danne ussrichtnnge von onw ge scheen.
Item wann leider vil unraths, raordons unnd blut vorgissens*
komen unnd nff gestanden ist umme? des willen, das dye lute in der
stat zu erffort zu sulcher czit, als eyn ufflomV in der selbigen stat zu
erffort»» uff Strossen hh ader nffcc gassen, in husern ader in hofen ge-
seheen, cynerdd ge slagen ader™ gewunt ader gonotiget worden ist, nicht
haben also uff richtig[keit] ff dich thoren** zu louffen, unnd sulchs
understen zuhh weren umme furcht1' willen, das sich eyn iglicher un-
schuldiger1^ besorgen moste,11 das her als eyn schuldiger beclaget
mochte werden, unnd dye that swerlich vor rechten moste.mm Sulchen
grossen unrath zu vor komen, sal der rath uberall nn gebieten00 unnd
vorknndigen lassen, wanne unnd wye dicke sich w sulchs uff louffr^
mache, das" eyn yderman, wer des"9 gewar wurde, ane furcht zu louffe
unnd were mag,u das sulch ufflaufft abe gethan, blutvorgissungeuu
unnd mort vor hütet unnd vor wart. unndTV dye missetetigen ww unnd dyo
sulchen uff laufft machen, in dye czucht gebracht unnd gehalden werden ;
unnd wo" dv missetetigen" wunden gethan hetten, dye sal man von
dannen nicht komen Jossen," sye hetten dann wunden recht gethan
unnd gosworen*" es were danne das der eine not were gethan w* hefte,
dye her danne bye brengen sal selbander,tT mit unvorsprochen fromen
mennern, dye nicht partigiscb ddd sint.e«° Wurdefff ouch ymant dar über*«
a HS: n!cht, 0: mit yn. b HS: ersucht. 0 0: d«hle. d 0: und der rntb daran.
« 0: wonle. f HS: «Jim. k HS: enstren. h 0: voroiyden. ' O: echtere. k O:
Tafferstatt. 1 O: umb. ■» HS: geleite. " 0: worden sollen. " HS: unnd tuilden.
l'O: gebureu. •< fohlt In HS, welche Host : so ungern ac-hultheiae. r0: werntllchenn. "fehlt in O.
1 O: Itcscbrioben. u fehlt in O v O : zcuhaltenn. w fehlt In O. x HS: mit morden nnnd Mut vor
ffbwoQ. y HS:un«, <>: Uml<. » HS: oft, die KivauzuoR au» o. « fehlt in °. bb 0: «trauen.
O; jn. dd IIS : oynen. •• fehlt In <'. ,f 0: nffrirhtlirlltnen. »*? HS: weren. bu HS:
inide. il »>: umh forebt«. kk HS: bescbuldiffer. 11 0: miiB/.te mm <>: schwerlich"»
Vorrechten musxto. ™ HS: «her alle. u° HS: jrereltten. l'P fehlt in HS. <w 0: «oliclio
nfflauirte. " HS: doeh. ■* HS: were der da«. 11 HS; mocht*. uu O: blutvorgh-sso».
"v fohlt In HS. ww HS: misschotlfnitiKe. " HS: wu. >r HS: ralmetotlger. *» O :
lassen. ■** fehlt In HS. bbb fohlt In HS <*» fehlt in HS. ddd HS: »artigls, 0:
parthellich, und setzt hluzu: ader verdeutlich. °»° <>: «in. m*<>: Wörde <>:
do ruber jinants.
Digitized by Google
4<»0
38?.. Stück.
von bürgern ader innowonor, dye dünne zu den sachon gelouflen
weren, beschuldiget, der sal des ledig werden wind ane ansproch
v bliben, thor her» synen cyd dar zu thun, das hör in dem besten | unnd
wnnieb den uffloufft zu weren unnd ane vor satez unnd geverde,
dorch vorhengnisse willen disses gebotes dar zu komen sye, unnd
dar uniniec sal nymantd messer ader woffen tragon ubir dye mossse,c
dye an denie rathusso hanget,1 unnd wer messer ader woffen über
sulche mossc* tragen wurde, haben wir umnie richtungh willen ufl
ewigkeit1 zu gelassen wind vorgunnen,k das der rath dar umme1 zu
straften hat.
Item dye messer unnd dym were, dyen in den uffloufllen ge-
rzugket werden,0 sullen unsern geriehtenp vor fallen sin, als von alder
hör komen ist, uss genomen dy were, wannq des rathis knechter zu
den geschienten' komen unnd dye were als balde nemen, dye sullen
zu brechen werden.
Item so ymant in ader vor* eines burgers huss zu erffort tot ge
sla^en wurde," were er* oyn inheymmesschew persone unnd zu erffort
gefrunt, sal man den corper uff der* iruude beclagen einen y tag unnd
nacht legen losssen1; were her abir" eyn fromder, so sal man eyn
libczeichcn von ome nemen mit desgerichtis,,h wissen, unnd den danne*"'
von stunt begraben unnd mit der achte etliche dd tage uff' zukunfft der
frunde vorezehen «* unnd dar noch echtigen, wye vou alder her komen ist.
Item das dye, so usserhalbeu f' unsor stad erffort unnd deme wich-
pilde** wunden ader tot siege teten von unsern wertlichen hh Hentern
nicht ge echtiget noch dar umme" gebusset werden sullen, des glichen
abkk sulche vorwunten zu den erezten, oren frunden ader sust kein"
erffort kernen"1111 | unnd in des da selbest sulcher wunden halben vor
storben worden,00 ouch nicht zu gescheen.00
Item abp,> sich ymant selbest von deme leben brechte, mit deme
selbigen unnd synem guthe sal es gehalden werde, als es von alder
her komen ist.
Item es sal ouch der rath des itezunt«* gomelten unsers stifits
amplute, dynere" unnd dy ummeM dye stat in unsern gerichten ge-
sessen sint,u nicht vahen, grillen ader in das gefengnisso setezen, das
der rath uss aldem herkomen zu ewigkeit ussuu bewilligunge unnd
gunst unser vorfarn unnd stiHts had, sundorn wer zu unseren amp-
luten unnd dynern zu sprechen ader zu fordern vormeynte, der mag
das thun vor uns unnd" unsern nochkomenww ader unsern ampluten
* O: th»r vt b HS: ome, O: umb. c 0: darum)». d O: nymaata. c 0: ader
w&M'it trogi n nitcr »lie nmn»e. f O: banget. •? (> : w.iffun über aolicb mame. h O: umb
rlidiHcunj?.' * US: *wl*. k O: viTgaurt.. 1 O: darunib. ,u fetüt Iii O. n fehlt tu O.
f..|»lt In O. )' O: iinru-rni gorlrlito 'i US; vou. ' HS: knechten. » O : scu der
^•Hi-Iiiclit". ' „:^1«t vor*' fvlik'ii In Iis u (): wirt. v HS: m«. * HS: Inheymmeitcbor, O:
jnbflinwrbr. * HS; r| \f. y O. fvn. * O: Hkcii Ibhwu. ■» O: aber. bb O: jerichU
(>: lUnti .U>n. <IJ u; acht ct/.liihe. co <»: vonuleheu. n HS: uuerth<rtn . »>: umer-
halb. HS: witiplldc. uu i>: «vriitliclii u. j- <»: daromb. kk *': ob. " •': gvln
1111,1 <»: kuuion "" O; wurdo». HS: rustvou. i'i' i>: ob. 'l1' *•: jUt. n '»: dletwr.
" I': uuib. u <.<: bIu. HS : tu. vv icldt in n. wvr <>: nachkotueu.
Digitized by Google
383. Stfick.
■101
des hoffes zu erffort Ab* aber ymant an dye unsern, dye umme1'
unser «tat erffort in unsern gorichten gesessen sin, zu fordern ge-
wunne, dye mögen den vor unsern gorichten c zu erffort in- gebur-
lichen feilen zu sprechen, dach sod dye solbigen dye unsern an
unser ai gerichte" begerten, sy vor unser araplute unsers hoffes zu
wisssen, so sullen syo also durch unser richter ge wiesen, als danne
salf deme ader den selbigen uft das leugeste* in czweien monath ent-
lich rechts' vor holften werdo, es wore danne, das sich dy sache mit
rechte noddorfftiglich vor lengete. Wok man aber dar ane sumigk
wurde, mag man sye vor1 unsern geistlichen ader wertlichen m go-
richten vornemen, das" cynen yderman0 furderlich recht geen1' | sal;T
ab'' aber der vorgemelten unserer' amplute ader diner eyner ader
meer vorhandelten, dar umme* sye an liebe ader an1 geledern u zu
straften weren, ader nss eigen v mutwillen einen schlugen, dy mag der*
rath zu frisscher thatt an griffen lassen, unnd wo das by tage gesehee,
in unsern hoff antwerten* sullen: wo es aber bve nacht gesehee,
so mag eyn rath? den ader dye in synem1 gefengnisse behalden
biss uff den tagk,aa doch on dar inne an orem liebe keinw> andere
beswerunge uff legen noch gescheen lossenrc: unnd sal ein sulehs deme
schultheisen ader anderen unsern ampluten im hoffe zu erffort zu er-
kennon geben, unnd wo der schultheisse als dann sulchen gefangen
furderndd unnd rechts über on zu verhelften** erbieten wurde, sal yme
der" inne unser gefengnisse ge antwert™ unnd dar inne sulcher ver-
handelter gohalden unnd vor wart unnd mit ome gehandelt worden,
wy sich noch gestalterhh sache zu recht unnd billigkeit geburt," alles
ane geverde.
Item wokk aber unser underthanen eyner ader meer, dy ussso-
wendigk11 unser stat erffort in unsern gorichten gesesson weren. in
der gedachten unser stat vor handelten, dye mag der rath zu frisscher
that au griffen unnd den ader dyo in hafftunge an nemen unnd ane"™
ierrer beswerunge ores liebes behalden. Doch so unser schultheisse
adernn ander unser amplute sulchen unsern00 gefangen fordern unnd
rechts über on zu helffenPP erbieten wurden, so^ sal on der ader dye
in unser gefengnisse geantwart" unnd dar inne solcher vorhandelterM
gehalden | unnd vor wart werden, unnd mit den gehandelt, wvo sich sso
noch gestalter sache" zu recht unnd billigkeit gebort"" aneVT geverde.
Item sal der rath nymandes gostaten, uff unsers stifftesHW fryheit
zu erffort zu freveln; unnd wer es dar über thete, den mochten" unser
» fehlt Iii HS. b uuib. 0 <>: ungern» gerlchte * HS: syo. « <>: un*er goricht.
' HS: «illo. * <»: lenstot». h IIS : monvt 0: mnnden ' HS: entllchs reell«. k HS: wy.
I HS: von. m 0: wcrutlichen. » (>: d« l> 0: ydea. V <>; forderlich recht ergehen.
«Ii»: o»>. r 0: umor * <>: danunli. 1 fehlt in 0. " <>• gollderu. v O: oygoiieti).
w .,mag der" fehlen in IIS * O : antwurten. * O: nuk-s dor rath. * HS : deu in oro». ** O : ia«o.
>'*» O: kviav. 06 O: huwen. HS: furderte. ,v HS: bolffuu. n HS: dar. *t? O:
In aoscr pofengniaz gcantwurt. 1,u IIS: «.«taltdor. u U: gettort. kk O: Wo, HS: ltom wu.
II O: uirawcndig. ,,,m HS: an HS. unnd. uu fohlt lo O. w <». verhelften *n fohlt
In O, "O: ».«antwurt. w HS: vorband«lt. 11 H8: ge«tall der «acho, '»:iiacben.
"« U: gehurt. " ü: «inder. ™ O: «ttflu. " O totzt hin«u: uu« (mehr am Rande).
...
Digitized by Google
402
383. Stück.
nochkomen* unnd stiffts amplute griffen, in unser gefengniss, das
hunthuss,1' setczen unde straffen noch nottorft ane insagunger unnd
ane intragk des rates, als ferre der ubel teter kein burger, in woner
ader ird gebrotte6 dyner zu erffort were. Were her aber eyn burger,
inwoner ader ir gebrott dyner zu erffort/ den sal* man dem rathe
in gefengnisse antwerten,h unnd sy sullen uns den halden unnd vor
unser gerichte zu rechte stellen. Da selbest1 kegen" deine ubel teter
recht er geen solle, wye es sich noch gestalter sachen1 gebort,» wo»
anders dy sachen0 usserhalb rochts mit uns ader unseren ampluten
gütlichen1* nicht mochten abe getragen werde, da mit« uns des halben
abe trage' unnd gnugen8 ge schee.1 Wir mögen ouch unser amptlute.
huss gesynde unnd andere" unser dyner in der stat, dar zu geistliche
personen, ouchv unser unnd unsers stiffltesw underthonex nsswendig
der stat in unsern gerichten gesessen unnd begriffen umme^ ore
vorhandelunge1 lossse" vahen unnd in unser gefengnisse bb des hoffes
zu erffort setczen, behalden unnd straffen. Doch so ymant der selbigen a
noch siner vorhandelungedd am leben ader sinen geledern <* zu straffen
were,ff uss genoraen was sich zu be fragunge** unnd er farunge der
raissethat | begeben mochte ,hh dye selben solden uss unserm gefeng-
nisse des hoffes in das gefengnisse,1' das der rath uss aldem her körnen,
bewilligungekk unnd gunst unser vor farn unnd stiffts hat, dar bye wir,
unser nochkomen" unnd stiffts M mentez sye zu ewigen tagen un vor-
hindert bliben lasssen sullen, gefurt unnd ge antwart, ouch dar uss vor
unser gerichte gefurt unnd do selbestnn ge orteilt00 werden, alles wye
sichspp noch gestalt yder missehandelunge geburt. Unde ab"" der
selbigen" amplute huss gesinde, diener ader underthan" wye ob gemelt
einer ader meer bürgere" weren, dye am leben zu straffen weren, dy
saluu man deme rathe in das gefengnisse vv antwerten,ww unnd sie" solden
dy uns" halden unnd" vor unser gerichte zu rechte stellen, unnd do
seihest aaa recht er geen sulle,,,bh wye oben «*" geschreben steet.ddd Ab«** aber
wir ader unsoramplute dye selbigen"' ubelteter«*« zu erffort nicht rechten,hhh
sundernm uss unscrme gefengnisse in ander unserkkk gerichte unnd ge-
fengnisse111 füren lossen wulden,mmm dar in ne solde der rath kein nnu intrag
ader vor hinderunge000 thun. Doch das der in den nesten czweien ader
drien tagen dar noch,ppp als der uss gefurt wurde,™« n icht gerieht werde.
» O: nachkomen. b 0: tfufengniaa de* hofe«. 0 O: tnaage. d fehlt in IIS. " HS:
gebrott. { were - orffbrt fohlt In HS. k O : aolt. h 0: antwurten. * 0: daaelbat.
k O: ge^en. 1 HS: geittalt der aache. m O: tfoburt. n HS: wu. ° HS: aache. t* 0:
gütlich. ') O: daniitte. r 0: abctrag. " IIS: gnuge. 1 0: beacuee. u O: andere.
v HS: durch w O: gtifl'ta. * O: underthanen. y O: umh. ■ 0: vorhandeluag-
O: huiacn. bb O: refeugniaz. 00 O: derselbonn. dd O: nach ayner verhandelnng.
«• O: cHddem. " HS: weren. O: befragen. bb 0: mocht. '« O: gefeognwz
kk (»: bewllllg.n.g. 11 (l: nMhkoiwn. ">'» O: «tlirio «u. •»» O : daaelDat. <*>0:g«
urteilt, ei' i): »ich. 'i'i o: „h. rr o: demdlien. 0: underthanen. tl O: burjrer.
"u 0: aolt. v* o jD grf0iwnuz. ww »>: antwuiton. " fehlt In IIS. TT O : uii* dl«.
** fehlt in HS. »»* „nnud" fohlt In (i, dort: daaolbat. bbb 0: aolt. cw HS: ob. iM 0:
sreochrielteu Mehet. O: ob. 0: db>i<elU'n. SB« 0: ob«lteter. hhh 0: rkbter-
"' 0: minder. kkk ,.in nud« r unser" fehlt in IIS. welche liest: gefvogni«* unnd geriebto
füren. 111 „unnd gefengntao" fehlt in HS. n""m O: laaoen wollen. nnB 0: kernen.
•"*» 0: Verhinderung. I'W O; darnach. 9'W BS: werde.
Digitized by Goqgl
383. Stück.
493
Dach hir inne uss genomen, dye geistlichen zu erflort belehent ader
gesessen* sint, dye sullen zu vor mit rechte vor genomen unnd er
wunnen werde. Es were danne solche vorhandelunge1' so gross, ouch
uffenbar,' ouchd so merglich vor docht," da durch er vor fluchtig
mochte werde, unnd dar ummef am leben zu straflon wero, czu deine*
mochten wir mit des rates wissen griffen | unnd in haftunge nemo 2*1
losssen.11 Da bye der rath schicken sulle,1 uftlouftte* zu vor waren,
unge verlieh.
Item als bye zeitten1 unser» vorfarn seligen gnedicklichen u her
komen ist, das des rates voyte,° dy oft der stat slossen wonen sullen,
von den dingen, dye sye zu gebruchunge der selbigen slossep kouflen,
unnd so das von on gewert wirdet, keinen czol ader siege schntcz
geben, unndr was sy der aber* zu andern Sachen gebruehen* unnd
nicht beweren, do meteu soldev es gehalden werde noch luthe der
bucher; bye solchem horkomen wollen uund sollen wir unnd unser
noohkomen* sye ouch also ane intrag bliben losssen.*
Item von des rates frone unnd czinse wagen' sal ouch kein czol
gegeben werde.
Item wir haben ouch unseren gemeinen1 burgern czu erflort zu
gute gnedicklichen2* noch gelosssen , uh das solche frone wagen, dv sy
von oren gutern ader von bethe wegen haben, unnd ore dynere ader
knechte, dye. sulchs" beweren, uff dye czolbrucken schicken, keinen
czol geben sullen; unnd dye bürgere sullen sich dar inne ordentlichen
unnd uff gerkrhtda haldon , das sy keinon andern wagen, der ezinsse
gulde ader ander dingk füre, vor frunewagen" vorteydinge; unnd
welcher (f des hinderkomen wurde,** der solde uns zu iglicher czit dye
bussse, uff den gesatezt ist, vorfallen sin, unnd von dorne rathe ge-
halden werde, dy zu beczaln.bb Doch were es,'1 | das unser burger v
hin für slossse ader dorfler, dy biss her czolbar ge west weren, an sich
brengen wurden, das sal uns unnd unsernkk nochkomen11 an unserme
czolle u n schedelich mm syn.
Item damit unser burger 110 zu erflort unnd ore underthane00 in
andern unsern steten, merckten, dorflern, slosssen, gebieten unnd"»
gorichten sicherer unnd stetlicher handeln unnd wandoin mögen, wollen
wir unnd sullen ouch unser w nochkomen" am stifft unnd unser""
capittel zu mentcz nicht gestaten, das sye ore habe unnd gutero" in
den selben unseren au unnd unsers sriflis landen, steten, merckten,
slossern , dorflern, gebieten unnd gerichten sollen noch mögen be-
• HS: bcaowen. O : vcrbandcluug. « O: off*iubar. * 0 : «der. « 0 : mereklieu
lacht. r O; darumb. * HS: dein. * 0: uemen lauen. 1 0: «I. k 0: uffUufft.
1 HS: aldem. m HS: uiworn. n 0: guedigllch. ° O: voSgto. P O: derselben rimaw.
*i <•: bewert. r fehlt In O. " HS: dar uto-r. 1 <»: gobraucheu. " 0: damitte? v O;
aal. w 0: naebkomen. x 0: lanann. * HS: wegen. « HS: gemein. ** O; gncdlglkh!
bb 0 nacbgelawien. cc HS In Dittographie noch: dye aolclia. Jd <>: darjnno uffrlchtig uixj
ungevorllch. °* 0: (ronewagen. ,f HS: welche. B« HS: wurden. W» 0: bore
" HS: were«. kk HS: unser. 11 0: nachkomen. mm HS: unboochedotlch nn <»•
°° O: nudertbanenu. l'P fehlt In HS. m HS: unaern. " 0:
Digitized by Google
404
iW. Stfick.
kommert noch* uff gchalden worden, noch mit gerichte ader snst be-
komraern ader uff halden sullen noch wullen in keine wisse. Es were
danne umme schulde1, ader forderunge,c dye an den selben enden
er wachsen unnd ge macht ader do selbestd zu beczalen vor sprechen
\vere,c ader andere feile, dye sich von gemeynen* rechten da geborten <
zu Vorrechten. Unnd wir unnd unser nochkomenh wollen unnd sullen
in allen unsern ampten unnd steten unsers stiffts snlchs unvorbruch-
lich zu halden ernstlich entpfelen1 unnd gebieten. Abk aber durch
unser amptlute eynen ader meher sulchs geverlich über faren wurde,
dye sullen deme bekommerten kost unnd atezunge abe legen unnd be-
czalen unvorezoglich, alles ungeverlich.
Item wir unnd unser nochkomen1 wullen unnd sullen wissentlich
noch vorhengnissem nicht gestaten, das dye unsern von erflort unnd
?hs ore under thanen in unsers stiftts landen unnd gebieten unnd uss
unsers stitfts mentcz steten, slossen, merc-kten unnd dorftern mit vede
ader ane vede be schediget werden, ouch ore abgesagte" fiende ader
beschediger sich dar innc zu enthalden, ader dar uss nicht behelffen
sullen in keinen wegk." Wir? wullen unnd sullen ouch das also in
allen unsern ampten uff zu sehen i unnd änderst' nicht zu halden
ernstlich" bestellen, alles getruwelich1 unnd ungeverlich.
Item was in dissen obgeschreben u artickeln unnd vortrage in
sunderheit nicht vor fast ist, das doch czwisschen unsern vorfarn unnd
demv stifft mentcz eyns unnd der stad unnd unsern bürgern zu
erftort anderen teils w in andern ordenungen unde vor sehribungen von
unsern vorfarn unnd capittel uss gegangen* unnd* vor fasst ader
ge ordent ader ouch vom1 rathe unsern vorfarn unde stifft vor
schreben™ were, sulchs sal in syner fordern ordenunge unnd kraflt
bliben. Unnd disser vortragk deme selbigen ouch uns unde unserme
stiffte, ouch unser stat erftort. rathe unnd den burgern in andern
stucken unde rechten keinen abe bruch1'1, thun, alles anegeverde.
Unnd wir albrecht administrator obgnant etc. gereden unnd vor
sprechen vor uns, unser nochkomen cc unnddd stifft mentcz bye unsern
fürstlichen werden, " das wir dissen vor tragk, ordenunge unnd gnade
in allen punckten unndff artickeln stete, veste*9 unnd unwederrufflichhb
v halden11 unnd deme noch[komenkk ouch unser stat erffort unnd unser
bürgere11 da bye bliben lassen sullen unnd wullen sunder mm alle
argelist unnd geverde. Unnd des zu orkundenQ haben wir unser
ingesegel00 vor uns unndpp unser nochkomen qq an dissen brefi" thun
hengen.*8 Unnd wir bertolt von gots gnaden grafe" unnd herre zu
» <>: ader. b <~>: nmh «halt. c 0: «nd fordcrnijp. * 0: diuwlbtt «' 0. wem)
«"<»: ^movnnni. * «>: ^t-bnrtcn O: narhknjnonn. ' O: ompholcn. k <>: ob. 1 0:
nju:hk*m«"ii. - vtrhcn-lich. ° HS: „|,e M^fende. " O; vregv. l' fehlt In O. 4 HS:
uff /n luiMiMi. r 0: an<t-ra ' HS u^ch. zu. * 0: fcctruwllcb. n O; oligmehriebea.
T fvlilt in HS " HS: aii'lcrtPiU. * »' ; tu/ffiinpen. ? fohlt in 0. «0: tou dem.
•L* i|. vt'i-NoliricboQ. bb <>: nbfonich. <>: nnebkonion. HS: unwn. *■ 0: wlrdea.
11 ut.lt in HS. «tf (»: f.-*t UJl <>: umvi iderniffllch n fehlt In IIS. kk 0: nachkamen.
11 unnd — burjroiv lohlt In HS. IIS: sundern. "n 0: Urkunde. 00 0 klirrt ab: tag*«
PJ' f. Mt in IIS n; u: nachkomen. " O t.rteff - O: benck«nn. » ü: gr»ff.
Digitized by Googl
383. Stück.
495
hennenbergka etc. techant, ruprecht grafe1' zu solms custer,c dammo
von prumheym,, Schulmeister, ewalte fulhaberf senger unnd dascapittel
gemeincklich * des thura stiffts zu mentcz bekennen, das solcher vor
trag unnd beredunge,h wye obgeschrebon 1 steet, mit allen punekten
unnd artickeln mit unserme rathe, wissen unnd vor willigunge ge scheen,
unnd sovele an uns ist, daran sin, das es also gehaldenk werde, otich
dar widder zu thune1 in keinen cziten bewilligen wullen, unnd haben
dar umme* unsers capittels grosse ingesegeln zu dos abgedachten
unsers gnedigen hern von mentz ingesegel" vor uns unnd unser noch-
komenp an dissen breff11 thun bongen/ der gegebon ist zu amorbach*
am montage noch unser liebon frowen tage puriticacionis,1 anno dni.
millesimo quadringentesimo octogesimo tercio."
Item' solche obgemeltew vorschribunge* unnd Vortrag mit allen5
unnd iglichen meidungen, worten, artickeln unnd punekten wir" ob-
genanten ratismeister, rath, rethe unnd ganteze gemeyne der stat
erftort erkant, gowilliget unnd angenomen haben, erkennen, willigen
unnd nemen den an für uns unnd unser nochkomen" ewiglichen,
gereden unnd vor sprechen in waren truwen, als wir deme stintege|\vant swt
sint,,,b dem unsers teiles volkomelich noch zu konien" unnd im vor-
ruckt zu halden, unnd dar wedderdd nicht zu thuuece in keinen wegk.
Des zu orkunde" haben wir unser stat gross sigil** vor uns unnd
unsor nochkomenhh wissentlichen" an dissen briftl,k thun bongen,11
der gegobenmm ist zu erftort am montagnn w unser lieben frowen tag
puriticacionis nach ciisti unsers hern'p gebort*" thusent vierhundert"
dar nach in demo™ dry unnd achezigisten jare."
IL
Kir folget noch dy vortracht unnd vorschribunge der herron von
missen unnd der stat erftort, unnd dy zu ewigen geeziten gehalden sal
worden anno dni. M°CC(X° LXXXII1 in die puriticacionis marie virginis.
Von gotis gnaden Ernst des heiigen romissehen richs ercz mar-
schalk, kurfurste, unnd albrecht gebrudere, herezogon zu Sachsen, lant-
grafen in doringen unnd maregravon zu misson.
Lieben gotruwen, wir haben vor uns, unsor erben unnd noch-
komen dye erssamen ouch unser lieben gotruwen ratissmeistor, rath,
rethe, bürgere unnd gemeyne der stat erftort mit orer stat, slosseu,
dorffern, gutern unnd undorthanen in unseren schutcz, soherm unnd
vorteydingk uff ewige czit uff genomen, wollon ouch sye, ore under-
• O: herr iseu Heuneberg. b U: Rupprecht graff. c HS: ciwtor. «* HS: prunboyin
HS: erwalt. r HS. fulhaffer. * 0: gvmeynlich. h 0. berodung. 1 0: oben gwhriebeu.
k 0: liesrheen. 1 0: thun. m 0: darunib. " 0: gro«! ingeeicgel. " /o des — ingraegel
(0: lngealegcl) fehlt in IIS. V O; nachkamen. H 0. l.rlvrT. ' 0: hencken. "HS .imorl.ach
1 HS: leebtewec. u IIS ; M " ('CCC° LXXXlll °. 0 alier «-.hrclbt -Ho Zahl au» (octoa^uhno).
T fehlt In 0. w O; ioücli ItxtgemorU1. * O: Verschiebung. * 118: ftllon» * fehlt in HS.
** 0: naebkomen. bb 0: iin. ce O: nachzcnkuuien. ,ld O: dar wider O; thun.
ff0: Urkunde. *P <>: «rfgvl. hh O: naohkmnen. O: wtaentlich. kk U: l.rieff!
•I O: bencken. n"" 0: geben. ua H8: mittewochen, O: mnntag. »o o . ^ UMer,
PP 0: beim. 'i'i 0: gobuit. " 0: vierzoebonthundort nnd. O: jm. « O; jarem.
Digitized by Google
496
•$6'6. Stück.
than, habe unnd gutere in unnd usscrhalb* unserm furstenthum unnd
v landen glich I den unsern getruweliehon vor schutczen, scliermen unnd
vorteydingen , sye ouch in unserm fursthuni unnd landen mit ader
ane vehede wissentlich nicht beschedigen lasssen, ouch ore tiende
wissentlich nicht onthalden ader zu thun gestaten, sundern uns yn zu
besunder gnade bewilliget, ab wedder sye eyniche angriff ader be-
schediunge ge sehen, das alles dann unser amplute unnd stete ouch an
unserm besundern bevele unnd an ersuchen das ilende mit folge unnd
macht weren unnd do wedder gedencken sullen. Wir wullen ouch
sye unnd ore gutere in unsern steten, merckten, dorffern, gebieten,
furstenthum unnd landen nicht kommern ader uff halden noch nymandes
der unsern ader uss lendisschen kommern ader ufi halden losssen.
Wurden aber dy unsern mit oren bürgern ader andern underthanen
umme schult ader ander pflicht zu tliun habe, betrifft es geltschult
ader ander personliche elage, wo danne eyn rath zu erffort der halbe
er sucht, dye selbien nicht gutlichen bye legen mag, als ab vellichte dy
clage von on vor neynt ader sye der oren zu sune ader sluniger uss-
richtunge nicht vor mochten, betrifft danne solchs oren burger ader
yrer stat ynwoner, so sullen dyeb unseni vor das mentsche gerichte
zu erffort gewiset, unnd was do selbest erfordert gegeben wirt, sal
durch eynen rath vor holffen werden, noch louffte des gerichts unnd
der stat gowonheit unnd herkomen. Wo aber solche clage ore under-
!W4 thanen uti dorne lande betreffen wurde, dye sullen vor den | gerichten,
dar inne dy antwerter gesessen sint, ader do dy sacho mit rechte henu
, gehorn, by recht unnd gewonheitc vorhulffen werden; betrifft aber dy
chige erbfal, der fal begebe sich zu erffort ader usserhalb in oren
merckten, dorftern, gebieten, gerichten, sal ydermau solche forderunge
vor deme rathe thun, do selbest ouch dy Sachen noch rechte unnd
gewonheit der stat ent scheiden werden, das als danne eyn yder Ge-
nüget'1 sye, uund sulche sacht? in vier monden vorholffen unnd zum
ende louffen sullen; wurden ouch dy von erffort, ore bürgere ader
underthanen furtlerunge ader Sachen wedder dye unsern haben, den
sal an den gerichten, do sy besessen sint, furderlichs rechts gestat
unde slunig in czitt, wye vor, vor hulffen werde. — Wer ouch hir über
dye von erffort, yre habe ader gut kommert, der sal atezunge, kost
unnd czerunge zu sampt dorne schaden abe lege unnd beczalen. —
Wir wullen ouch dye von erffort, ore bürgere unnd underthanen an
czinssen, ronthen unnd gerechtickeiten, dye sye in uusern fursten-
thummen bye der geistlickeit, prelaten, graten, herreu, steten, mannen,
burschatft haben, nicht hindern, sundern dye on unnd den oron, geist-
lichen unnd wertlichen, getruwelichen folgen lassen unnd zu geben
schaften, noch in halt orer brefle ader ander redelicher künde, dye sye
dar umme haben.
Wir wullen ouch in or gerichte nicht ergern, sundern dye dar
" US: uiiiorbnll». b Hö: *ye c Fehlt in HS. HS: genüget.
Digitized by Google
383. Stück.
497
bye ungehindert bliben losssen. Wo ouch uff den rechten lantstrosssen
dorch der von orffort gerichte geende ymants getot, gewiint ader sust
dar utfe | ge fallen ader in ander wisse legen hiebe, so niogten* dy von *
erffort ader vre underthanen dye selbigen toten, gewunten ader sust
uft den Strassen gefunden uff heben, begraben, unnd dye gewunten zu
dem arezte brengen, unvordechtig unnd un vorhindert, dach also, das
sulchs in unser neste ampt den unsern verkündiget werde, dye also
danne noch gestalter sache1' darinne, wy sich gebort, richten unnd
handeln sullen. Ess sal ouch uff sulchen lantstrosssen dorch der von
erffort gerichte geende in keiner wisse eynich koinrner von uund
wedder ymants, ouch usslendesschen, gescheen, unnd wo der gethan
wurde, sal un geacht unnd vor nicht werden gehalden. Wir Wullen
ouch sy an wilt ban, beisssen unnd weidewergk in yren gerichten,
holczern unnd felden, wu sy das von aldem her komen unnd von rechts
wegen haben sullen, nicht hindern. Sye ouch mit vihe ader mit. schaff-
triftt in vren gerichten, holczern, felden unnd widen nicht belestigen
noch beschedigen lasssen, unschedelich eynem yderman an syner trifft,
dye her von altem herkomen unnd von rechtes wegen haben sal, doch
das dyec in holczern, wessen, winbergen unnd sethen,a ouch in ezit-
lichen hege felden, nymants zu schaden gebrueht werde.
Es sullen ouch eins ydermans gutere bethe, frone, sture, bern unnd
dinst tragen in den gerichten, do dye gutere ge legen sint; unnd ab
einer, under uns gesessen, gutere hinder den von erflort nette, | dere *a&
sal do von unnd siner person halben keine fryheit noch vorteydingk
haben, sundern solche bethe, fruue, sture, bern unnd dinst geben unnd
beczalen. Wir Wullen ouch keinen von erffort ader vre underthanen,
der ader dye in czweitracht von on czeen werden, imune schutcz ader
schirmes willen wedder recht uff nemön ader uff zu nemen gestaten,
sundern wir woln dye selbigen , was der in unsern furstenthummen
unnd landen von uns ader denf unsern ymands^ uff genomen wurden,
wisen unnd vermögen, sich rechtis zu erffort ader sust noch gestalt
unnd gelegeuheit der saehen an geborlichen enden im lande zu doringen
begnügen1' zu losssen.
Aller obgemelten stucke unnd artikel haben wir' vor uns unde
unser erben uund nochkomen kegen den von erffort unnd den yren
gnedicklichen bewilliget, gebieten unnd befeien uch dar uft festick-
lichen unnd mit ernste, ir wullet, wo uch das beruret, aller disser ob-
gemelten stucke kegen den von erffort unnd den yren getruwelichen
unnd mit tlissse halden unnd in ampt, pflege unnd stat zu halden
ernstliehen straffen unnd bestellen, das gehalden werde, unnd dar
wedder nicht thun ader zu thune gestaten, sundern sulch unser be-
willigunge unnd voitracht in ampte unnd stat buchere zu ewigem ge-
dechtenisse schriben lasssen, dar noch sich itezunt unnd hin für yr
» HS: mochte». b Iis : gi- ataltrn Harken. ° IIS : yr©. HS: »u der sotti. '' HS :
aal der. 1 HS; der. « I-Vblt io HS. b HS: beiluden > IIS : wir uua vor utu.
K. Stollea Memorial«. 32
Digitized by Google
408
384. Stück.
unde uwer nachkoraen unnd eyn vderraan zu rechten unnd zu balden
haben. Ist unser ernst meynunge. Gegeben zu wymar ufF sontag
unser lieben frowen tag lichtmesse anno dni. M°CCCC° LXXXHL.
884. Von eyner grosssen processien1 gescheen zu
erffort
1483 v Als man schreib noch cristi gebort unsers hern tusent vierhundert
unnd drye unnd achczigk, an deme fritage* vor sant johans tage bap-
tisten, do hatte der erssame unnd wisse rath zu erffort bestalt zu
gehene eyne lobeliche erliche3 processien umme dye stad erffort umme
sunderlicher bethe willen eyns iglichen menschen, zu bethen unnd zu
loben den almechtigen ewigen got, das her de in woner der erheben
stad erffort unnd ouch andere frome luthe behüte wolde vor deme
geeningen tode,4 ader hunger, ader pestilencien, unnd dye fruchte uff
deme felde. Sunderlichen in disser czit ist gross sterben gewest in
feie landen umme beer, ane5 in erffort unnd im lande zu doringen
alleyne. Also besorgete sich dye stad erffort, es mochte ouch zu on
kome, doch also, das ess on der almechtige got wolde gnediglichen
gebe unnd erezeie,6 wann ess nicht anders mochte gesye. Item zu der
czit was ouch etlichor mossse thurunnge im lande, also das eyn malder
korns galt funff ader sechs gülden, unnd was wening geldes under den
luten. Es was ouch zu der czit sere feie folkes, wanne innewendigk
ezwenezigk jarn was nye koyn recht sterben gewest Es was ouch
»sc seiden eyn | par volkes, sye hatten achte, nun ader czeen kindere, unnd
hatten nicht geldes noch korns unnd leden grossse noyt, also das der
rath zu erffort liss brot backen, unnd vorkoufften das. Item man fürte
vele korns uss erffort in andere land, do es ouch thure was. Item,
das es also thure was, das was dy sache, das es by czweien jarn nicht
feie hatte geregent noch ge sniget, das es der rede were wert gewest;
hir umme was der ert bodem also dorre worden, das das getreidich in
deme schossballen 7 bleib an feie enden unnd wart kort Nu umme
solcher besorgunge unnd ferlickkeit er dochte der erssame wisse rath
zu erffort eine processien zu geende,8 unde got den almechtigen zu
bethen, das her solche ungnode von on abe wende wolde. Item dy
884. 1 S. ob. St. 335, wo vieles bereits erklärt ist. * 20. Juni 1483. ■ er-
heb = „was Ehre hat", also „ansehnlich, vortrefflich, herrlich, schön"; sogleich
darauf erliche »tat — „ansehnliche Stadt" (Erfurt). 4 Mundartliche Weiter-
bildung (s. St. 1 A. 16) des md. Adject. gehe (mhd gtehe), unser „jach" (das j seit dem
15. Jahrh.). Sachlich ist wohl besonders der Tod durch Schlagtluss gemeint.
^ Hier = „ausgenommen.*1 Uber die Erfurter Bevölkerung damals s. A. Kirchhoff,
Zur Bevölkerungsstatistik von Erfurt, MGfi V, 1871, S. 55— 123, über uns. Stelle
S. 114. 0 Durch die Mittel form „erezeihe'1 au« „erzeige" zu erklären. T, »Schoss-
ball" — „Schossbulg" (nach Grimm, Deutsch. Wörterbuch s. v.), swm., ist „der-
jenige Teil am Halme des» Getreides, aus dem die Ahre hervorspriesst."
8 Über das ej)enthetisehe d im Dativ des Gerundiums s. St. 335 A. 2.
Digitized by Google
384. Stuck.
490
von erffort geboten allen oren undersessen,9 also wid also das lant ist
in yrem gebiete, das sye ouch allem ittenander ufi denselbigen fritagk
ouch solden gee umme ore flure mit der processien; unde das ge
schach, got zu loben unnd zu beten umme sine gnade.
Also hebit sich nu an dye processio. An deme fritage vor sente
jobans tage des touffers, do das seyer czwey slugk noch mitternacht,
hub man an dy metten10 zu singen uff deme berge zu unser lieben
frowen unnd sente sever. | Item do es viere slugk, do hub man an zu ▼
singen in beiden kerchen messe, von der heiigen dry faldickeit. Do
was der rath bye gegen wertigk zu unser lieben frowen, unnd man
orgelte nicht. Item zu hant noch der messe worn do gesamment alle
cruce nss den pfarren mit oren pfernern unnd orem volke, unnd do
begunde dy processie zu gene, do der seyger funffe slug. Item zu
dem aller ersten mal gingen alle pfarre crucze uss unser lieben frowen
kerchen zu deme dry angel11 uss kein sente severs kerchen. Dor noch
gingen alle schulere, von unser lieben frowen kerchen, von sente
severo, von den regelern, unnd von den schotten, alle zu samene IX
hundert unnd achte unnd vierczig schuler. Item dor noch gingen dy
hern von unser lieben frowen, unnd von sant sever, unnd von den
regelern, unnd alle pfernere, alle zu samen drye hundert unnd XII
pristere. Item dar noch gingen der rector uss deme kaleyem,12 alle
doctores, meistere, baccalarien unnd Studenten, alle zu sammene eyn
unnd czwenczigk hundert unnd eynunndvierczig person. Item dar
noch gingen dye monche von den mergenknechten, dar noch dy monche
von den augustinern, dar noeh dy monche von den barfussen, dar
noch dy monche von den prcdigern, dar noch dy monche von sente •
peter, dy monche alle zu samene, der was an der czal |
Dar noch trugk man vier unnd vierezigk lange kerezen, dar noch ss-
der hantwerge lechte, dar noch acht lattern uff hochen stehen, dar noch
eyn knabe mit eyner glocken, dar noch der apt zu sente peter,11 der
trugk das heiige sacrament, unnd der apt zu den schotten gingk by
ome, unnd vier erhebe menner trugen eyn tuen uff vier stehen über
!l Mhrt „undersäje, undeiv^e und underse«e" = md „undersesa" = „Unter-
than." 10 Das officium matutinum, das in Klöstern schon von 12 Uhr mitter-
nachts an gesungen wurde, in den Kollegiatstiftern gewöhnlich später am Morgen,
hier aber ausnahmsweise wegen der früh 5 Uhr beginnenden Messe schon um
2 Uhr nachts. Die Messe „von der beiigen dryfaldickeit" ist die Messe zu Ehren
der heiligen Dreieinigkeit in gratiarum actione, also um zu danken und zu bitten.
11 S. St. 321 A 5: das dreieckige Portal des Domes. 15 Im Sommersemester 1483
war Rektor der Erfurter Universität Magister Nieolaus Institoris de Gengenbach,
medicine doetor, *. Weissenborn, Akten der Universität Erfurt, I pag. 398. Ausser
dem Rektor werden alle Mitglieder der Universität erwähnt: die Doktoren der 3
höhereu Fakultäten (Theologie, Medicin, Jurisprudenz), die magistri artium, die
Haccalaurien und die Studenten, zusammen, wenn alle teilnahmen, wie es doch
wohl anzunehmen ist, 2141 — eine Notiz, welche für den damaligen Besuch der
Erfurter Universität wichtig ist. 13 I^eider ist diese kulturhistorisch sehr
wichtige Zahl in Stolle nicht ausgefüllt worden. u Es war der hochangesehene
treffliche Abt Günther von Nordhausen, 1458-1501 Abt des Petersklosters zu
Erfurt, s. Böckner, MOE X, S. 22 ff. u. 62 ff.
32«
Digitized by Google
500
384. Stück.
deme heilgcn sacramont Dar noch gingk der erbar rath unnd alle
mannes namen,1'' als wid als dy stat was, unnd utt den tag torste ouch
nymant koutfe noch vorkoufl'e vor mittage, unnd alle thor an der stat
dy stunden zu goslossen, uss genomen das bruler thor, do man uss
unnd wedder in gingen. Item dar noch gingen dye juncfrowen, neme-
lichen an der ezal drv unnd ezwenezig hundert unnd sechczeu junc-
frowen; unnd eer sy uss gingen, do sammeten sye sich ufl' sente severs
hofe, unnd do sy gingen, do gingen sye dorch seilte severs kerchen
hene unnd hatten alle lechtehene in oren henden, unde hatten alle or
hör ufl' geflochten unnd ufl" ore achseln gehreit, unnd dye mer menge
gingen haiiuss, unnd hatten all«; wermuten ader bibossen krentczchen
ufl oren houbten, unnd gingen gancz geczuchtig unde singen ore
ougen nedder ufl dye erden, unnd uss iglicher pfarre sunderlichen,
gingen unnd sungen ore leysson, dy sy gelernt hatten. Unnd dy wile
▼ das sy sich sammeten uff sente | severs hoto unnd ouch vor den greten,
biss so lange das dy geistlickeit vor hen quam, das stunt also betrübet
unnd bermeiieh "'; wer das sach unnd horte, der muste weyne; was
ess nicht uttenborlioh, so weinten sy doch in oren herezen. Item also
gingen sy uss: ('zum ersten gingen schöner juncfrowen czwo, dy
trugen czwo binnen, dar noch gingen vier juncfrowen, dy trugen vier
lattern uff hochen stehen unnd bornende lochte in deu lattern, dar
noch gingk uss der mosssen eyne schone junefrowe in einem swarezen
kleide, unnd alle barfuss, dy trugk eyn gross schone cruezefix, unnd
by or gingk eyn ratismeister, eyn demutiger schöner man, genant got-
schalk von der sachsa,17 eyn gefrunt ,s man, unnd der hatte achte ufl'
dy juncfrowen; dar noch folgeten dy andern juncfrowen alle noch.
Item an deme ende »1er juncfrowen zu letezt do gingeu vier junc-
frowen, dy trugen vier luchter mit lochten, unnd czwo fannen. Dar
noch quam dy schar der andechtigen lieben frowen, unnd dy alle zu
sammene, schillere, pristere, Studenten, monche, leyen, juncfrowen unnd
frowen, sungen alle unnd lobeten got den almechtigen, eyn iglich in
Sonderheit, als ge ordent was von deme rate. Also nu dy processie uss
unser lieben frowen kerchen gingk, do gingen sy binden keine deme
Kollektiv für „Männer"; el>enso wibesnamen, s. «st. 49 A. 4. ,e Mhd „ber-
mueliche" oder „bartnecliehe" (s. St. :'.ü0 A. 14) — inlid „bermelieh" mit Synkope
des e, „Erbarmen erregend". 17 Er war i. J. 14s3 dritter Raismeister, aus
einem uralten Erfurter (iesehlechte, das zurrst i. J. 12% urkundlich vorkommt,
s. UE I, No. 19fi; das Register z. d. gen. Urkuudenbuehe I pag. 503 u. II pag. 906
zählt zahlreiche Mitglieder der Familie auf, über welche ausführlich gehandelt
wird von A. Zacke, Das Totenbuch de« Dominikanerkloster» und der Prediger-
kirche zu Erfurt, JAE II (1SI31), S. 27 --3». 08. ,s C. Beyer, Die Entstehung
und Entwicklung des Ratet* der Stadl Erfurt im Mittelalter, Programm d. städt.
Realschule zu Erfurt, 1*92, sagt S. 9: „die burgenses [die vornehmsten und
nächsten Inhaber der Freigüter, ebenda S. 7 u. 4] . . . . Es waren also die, welche,
wie anderwärts, so auch in Erfurt die Reichen genannt wurden, und die, wie das
in den Verhältnissen lag, sieh übereinander verschwägerten und eine Sippe
bildeten, der man den Namen die Uefrunden [d. h. Belrcundeten, Verwandten,
ebenda S. 8, h. auch ob. St. 326 A. 10] gab."
Digitized by Googl
384. Stück.
501
brule wart,19 unnd was allen enden mit prasse, blumen unnd meyen
bestagkt, nnnd gingen by des bissehofes hofe hen, zu deine thore en
uss, über den haue | baeh'-0 hen. unnd gingen dorch sente mertins »«*
kerehen hen, zu deme bruler thore en uss. Unnd do sye quomen uff
dye gebint-'1 kein deme borntale22 uff" deme plane, do stunden dye
geistlichen alle stille, nnnd ouch der rath, unnd hilden eine stacien,
unnd do was bereitet eyn tisch mit eynem wissen tuche, unnd dar uff
feie schöner rossen blumen unnd grass; do satczte der apt zu sente
peter das heiige sacrament dar uff, unnd hüben alle mittenauder an zu
singen den lobelichen ge sangk, genant das salve regina. Do kneten
alle dy nidder, dye do gegen wertigk worn, geistlichen unnd wertlichen,
uff dye erden. Das habe ich*geseen unnd ouch meto gegangen, der
ditcz geschrebon had, genant conradus stolle, eyn vicarius zu sente
sever. Do nu das salve regina uss was, do lass der apt zu sente
peter dy collecten dar uff, dar noch stunden sye uff' von der erden
unnd gingen fürt bass unnd sungen alle* zu gliche, dy scholor oron ge-
sangk, dye prestere, dye monche, dye Studenten, dye loygen, dye junc-
frowen, unnd dye frowen, unnd was eynem iglichen zu stunt, unnd
gingen vor sente andres thor hen, vor sente moritcz thor hen, vor sente
johans thor hen uff den graben. Unnd do sye kernen vor das krampten
thor by deme sechhofe, do hilden sy aber stille eine stacien in aller
forme also for, aber sy sungen do dyo erlichen schonen antifen o sa-
crum convivium*3 von dorne heiigen wäre lichnam. Do der apt dye
collecten | gelessen hatte,» do gingen sye uff deme stad graben hen vor t
deme smedesteten thor hen, vor deme spei berger thore hen, vor deme
lower thore hen, dy stunden alle zu. Unnd do sye quomen hinder
dye karthuser uff deme graben, do hilden sye aber eyne stacien, unnd
sungen dy herlichen lobelichen antifen von unser lieben frowen, genant
alma redemptoris mater. Do der apt dy collecten gelessen hatte, do
• HS: Latt«n.
19 S. St. 354 A. 2. *° Stolle irrt, denn ein „Hanebach" wird sonst nicht
genannt, und zwischen den« Msinzerhof und der Kirche St Martini extra lag
auch kein Bach, nur der i. J. 1342 durch Abzweigung des Falllochwassers vom
Bergstrom (oberhalb des im Brühl liegenden Cisterzienser Frauenklosters) ent-
standene Graben (Abschrift .des Wasis>erbuches im Stadtarchiv — h. R. ßöckner,
Peterskloster in Erfurt, MGEXI, S. 110 A. 39). Sonst gab es (nach v. Tettau,
Topogr. v. Erfurt, MGEXII, S. 184) zwei ,.Hanegraben", die aber der Lagenach
nicht gemeint sein können ; übrigens ist Hanegraben (= Anegraben, An- oder
Beigraben) mundartlich und bedeutet „unbenutzt abfliessendes Mahlwasser."
11 Mundartliche Nebenform für mhd , .gebiete" — nid ,,gebit" — „Gebiet" (terri-
toriuin). " Thaleinschnitt unmittelbar nordwestlich von Erfurt, am Abhänge
der sogen. Schwedenschanze, noch jetzt so genannt. Eine Antiphonie,
Weehselgesang (cantus antiphonus) ist meist ein biblischer Spruch, welcher an
die Spitze oder au das Ende der Psalmen gesetzt wird, dieser hier biess : O sacrum
convivium, in quo Christus surnihir, reeolitur memoria passionis eius. mens im-
pletur gratia, et futurae glorine nobis pignus datur, Amen. — Aussenlem wird
das Salve regina erwähnt, zweimal das alma redemptoris mater, endlieh das re-
cordare virgo mater und das Tedeuin, über welche St. 335 A. 14 Auskunft giebt.
Digitized by Google
!
502 385. Stück.
gingen sye zu deme nuwen thoro2* in hinder der karthuser mol hen,
unnd quomen wedder by das bruler thor, dar sye uss worn gegangen,
unnd gingen wedder dorch sente mertins kerchen hen, zu unser lieben
frowen kerchen in, do stunden dy schuler unnd dye bern mitten in
der kerchen, dye Studenten uft' dy rechten syten, dy rnonche unnd der
rath uff dve lincken svtcn kein sento sever wart. Dye juncfrowen
gingen mitten dorch dye kerchen hen biss in den kor dorch hen unnd
heim. Dar noch dy frowen gingen dorch dv kerchen hen en uss kein
den stuften wart, anders sy betten nicht kont allo bliben in der kirchen,
solche grosse werlt was do. Do nu dy processie in dy kerchen quam,
do sangk man uff der grossen nuwen orgeln, dy danne in deme selben
jare gemacht wart, dy antifen recordare virgo mater etc., dar noch dyan-
2*9 tifen alma redemptoris mater etc., dar noch te deum | laudamus. In des
vor gingk das volk mittenander dorch dye kerchen ; do gingk eyn iglicher
heim in syn huss, unnd als-1 es uss was, do slugk das seyer cz wollte.
Item uff dye czit regerte dy* stad erffort er johans bogk25 unnd er
ditterich brampach von der gemeyne, unnd er ditterich pardiss-6 von
den gcfrunten etc. Item uff den sonnabent dar noch aller neest, do
quam eyn gut truchtig regen unnd mancher dar noch, also das das
korn, win, loub unnd grass zu guter moss eyn notorfft wart.
Item also nu dy letczten an disser processien uss deme bruler
thore uss gingen, do worn dy fordersten scholere gereite hinder dy
karthusere hen. Also hat disse lobeliche processie eyn ende. Got
müsse uns zu sinem lieben hymmelriche sende! Sprechet alle: Amen!
—
385. Von einem fure zu erffort.
1482 Als man schreib noch cristi geboit vierczenhundert jor unnd
czweyundeachczigk jor am soutage noch sente dyonisies tage,1 do wart
eyn für an geleit zu erffort by der wain borgk2 by den barfusen von
* HS: »J.
84 Das Neuethor oder Stumpfenthor, dann das Pfortehen genannt («. v. Tettau,
Topographie, a. a. O. 8. 96 f.) 84 Die „( iemeinde" (s. St 326 A. 10) umfasst alle nicht
zu den „Gefrunden" (s. ob. A 18) gehörenden Bürger (e. C Beyer, Entstehung de»
Rates S. 14); über Johann Bogk und Diel rieh Brampach s. St. 326 A. 31 und 32,
St. 331 A. 6 und St. 345 A. 12. Im Jahre 1483 waren Ratsmeister: Hans Bogk,
Härtung Molaleib , Gottsehalck von der Sachsa und Hans Molhuaen. Die „4 von
der Gemeine" waren Dittrich Brampach, Volkmar Rabe, Hans Forwer und
Heinrich Rüdiger. Die Gefrunden werden nimter auf 4 Stellen im „sitzenden
Rate" beschränkt (s. C. Beyer, Die Entstehung des Rates 8. 23). Stolle irrt aber,
wenn er meint, das** Dittrich Pardiss (aus einer in Erfurt sehr angesehenen Fa-
milie, die oft erwähnt wird) i. J. 1483 eine dieser 4 Stellen im „sitzenden Rate"
innegehabt habe, wohl aber wird er öfters als „oberster Ratsmeister" genannt, so
in den Jahren 1476, 1481, 1480.
3*0. 1 13. Oktober 1482. '-' Das Haus „zur Wagenburg" lag, s. Härtung,
Häuserchronik der .Stadt Erfurt, I, S. XXVIII Xo. 1710 (90a), in der jetzigen
Regierun^sstrassc neben dein Gebäude der Kgl. Regierung. Das Feuer wird
weder bei Volcniar Wendel, Kurtzer bist Entwurf der Erfurtisicheu Feuersbrünste,
1711, noch bei Seebaeh, Erf. Feuerchronik, 1736, erwähnt.
Digitized by Google
385. Stück.
einem burger do selbest von hass wegen, den her zu sinem nackebur
hatte; aber es brante nicht mehe dann cwene hofe abe, wann es was
am tage. Do wart der selbige gnant hencze zu der wainborgk be-
greflen unnd von den von erflort vorbrant. Das hatte her ome zu lone. j
Item als man schreib noch cristi gebort M ° CVCC ° LXXX 1 1 ° am son- v 1482
abende vor sente severs tage, do quam grabe ernst von blanckenhain3
unde holte da« fie zu kleinen retebech1 unnd nani, was in dem dorffe
was, wann dy menner warn dy mere menge kein erffort gegangen.
Also wart gesaget, her wolde ander dorflere euch poche,5 also czogen
dy von erffort uss mit IX wagen fol wepener mit buchssen unnd
armarsten.6 Das wass uff den neesten sontagk dar noch unnd quomen
kein binterssleuben.7 Do bieben sy biss uft dy nacht Do quomen sv
wedder. Item sy hatten ouch alle ore borge wol bestalt, unde hiessen
ore gebur das ore brenge in dy stad erffort, was» sy behalde wolden.
Czu der czit regerte zu erffort hans bogk unnd ditterich brambach.
Item von einer grosssen czwoitracht unnd hadder czwisschen deme
bisschofe zu mencz unnd den lantgrafen zu doringen unnd den von
erfforte, als oben berurt ist sub tali numero CCXXYlJl.*
Item als man schreib M° CCCC°1JCXXI1 an sente lamperten abende 9, 1482
do starb lantgrafe wilhelm 10 zu doriugen ufl der borgk zu wimar,
unnd 1yd begraben in der barfussen closter11 do selbest zu wimar, das
her by lebendeme liebe buwen Hess. Do derselbige lantgrafe gestarp,
do wasb der von erfforte alle heil unnd trost gestorben, wann her or
guthe frunt was gefest wol by drissigk jorn unnd lenger. Do gefel
das lant zu doringen12 sines bruder kindern ernst unnd albrecht zu
missen. Der selbige herczoge ernst von missen wasc eyn korfurste,
unnd hatte zu der ee des herczogen von beyern tochter. Item her-
czogk albrecht, | sin bruder, hatte zu der ee des jersicks tochter von *»o
» HS: WM. h US: wjw«. 0 HS: W.im.
3 8. u. A. 18. 4 Klein-Rettbach, preusaisches I>orf im Landkreise Erfurt.
5 „pochen" u. „bochen", swv., „plündern, ausplündern," 8. St. 205 A. 18. 41 „Arm-
brust"; armarst kommt zu den vielen mhd. und md. Formen, die sich bei Lexer,
Mhd. Wörterbuch 8. v. armbrust finden, als eine durch Mctathesis entstandene
hinzu. 7 Bindersleben, preussisches Dorf im Landkreise Erfurt 8 St. 326— 329.
9 Montag den 16. September 1482. 10 Oft erwähnt, 8. St. 198 A. 1. 11 Das
Franziskanerkloster (jetzige Kornhaus) zu Weimar wurde 1452—1453 vom Herzog
Wilhelm erbaut " Wie Stolle thut, so soll auch hier noch einmal die Ge-
nealogie der sachsischen Fürsten zusammengestellt werden, so weit sie hier be-
rührt ist (8. Monum. landgrav. Thuring. et March. Misn., b. Mencken, seript. r.
Germ. II pag. 868 sqq., Fabricius, orig. Misn., 1597, pag. 776 sqq.). Kurfürst
Ernst, geb. 25. Febr 1441, reg. v. 1464-1486, f 26. August 1486, vermählt mit
Elisabeth, Tochter des Herzogs Albrecht III. von Bayern, f 5. März 1484; ihr
2. Sohn war Albrecht, geb. 17. Dezember 1464, 1482—1484 Provisor in Mainz,
t 1. Mai 1484 (die Behauptung, dass er vergiftet sei, ist eine Fabel) ; ihr 8. Sohu
war Ernst, geb. am 26. Septbr. 1466, Erzbischof , von Magdeburg 1476—1513,
t 3. August 1518. Des Kurfürsten Ernst Bruder war Herzog Albrecht von
Sachsen, geb. 27. Juli 1443, vermählt mit Sidonie (Zedena, der am 1. Februar 1510
verstorbenen Tochter des böhmischen Königs Georg Podiebrad), reg. selbständig
1485-1500, f 12. Septbr. 1500.
Digitized by Google
504 385. Stück.
behemen, der eyn vor banter unnd abe gesatczter könningk was gewe>i
zu behemen utunie der ketez.erige wollen. Mit den selben czwen
brudern hatten dy von erttort feie Unwillen noch des obgnanten her-
czogk Wilhelms tode. Item dy selben czweue brudere hatten oucb.1!
Item herczogk ernst korfurste hatte einen son by X IUI jorn, der was1
eyn bissehoff zu mencz, deme wart vorgeben, das er starp, da er III
jar wasb bissehoff gewest. Item der selbige hcrczogo ernst hatte ouch
einen son, der wasc eyn bissehoff zu meydeborgk, ouch kume by XI
jarn. Item dersolbige herezoge ernst unnd sine hussfrowe unnd or son
der bissehoff zu mencz storben alle dry ynnewendigk drien jarn.u
Item do nu der selbige junge bissehoff lebete, do hub sich feie unfrede.
umme das dv von erffort nicht wolden State15 svnes willen durch in-
gobe synes vaters unnd vettern, do sogen dy forsten dorch dy tin?erc\
sy torsten sich nicht selber reche, sundern sy lesssen dy armen edeln
uff dye von erfforte roube unnd wolden sin doch keyn wort babe.
Umme des provisorats willen hub sich der erretum allermeist. Der
selbige herezoge ernst korfurste, der hatte eyn son,,fl den hatte der aide
bissehoff zu mencz diterus von isenberg zu einem provisor gesalzt
uff das eissfelt; unnd der selbige provisor wolde zu erffort in den hoff
rite ussse unnd in, wanne he wolde, unnd feielichte synen vater niete
T unnd sine vettern unnd i t runde, nicht mit nuteze unnd fromen der
von erffort, sundern in hassse unnd nyd sy das also begunsten, als
danne hir enpobet geschreben steet in deme blate CCXXVm17. Item dv
forsten gunsteni7a ouch grafen ernste18 von blanckenhain, unnd synem
• HS: WU|. »> HS: wim. e HS: w»w.
n Der Salz, ist unbeendigt in der HS. 14 U. Aum. 12: vom 5. März 1484 bis
zum 26. August 14H6. '• Die Erfurter fürchteten mit Recht, daas die sächsischen
Fürsten durch das Mitglied ihre» Hunnen, den Provisors Albrecht, sich der Herr-
schaft über die Stadt Erfurt bemächtigen wollten. Zu state ist han zu ergänzen,
also state han synes willen — „seinem Willen nachgel)en." 16 Wiederholung,
natürlich derselbe Herzog Albrecht von Sachsen, Provisor von Mainz. i; S. JfL
326—329. 174 „gunnen", im mhd. „gönnen" und „gönnen" = „gönnen, ge-
statten, erlauben." '* Olwchon die sächsischen Herzöge, denen die Landstrassen
unterstanden, und die auf ihnen das (ieleit, d. h. den erkauften Schutz der Wanderer
und Kaufleutc auszuüben hatten, durch alte Verträge mit Erfurt besonders die
Erfurter Bürger und Handelsherren zu schützen hatten, so schädigten sie im
Gegenteil oft dieselben, besonders zur Zeit feindseliger Irrungen mit der Stadt,
indem sie die kleineren thüringischen Dynasten, Grafen und verarmte Adlige, die
bis in jene Zeiten hinein gern als Schnapphähne hausten und jedem Fehde an-
sagten, gegen wen man sie dingt«1, den Erfurtein auf den HaU hetzten; so auch
den Grafen von Gleichen und andere thüringische Edelleute. Man muss dieses
festhalten, um mehrere Bestimmungen des Weimarer Vertrages, der im Jahre
darauf geschlossen wurde (am :-». Februar 1483), voll würdigen zu konneu. Ein«
der schlimmsten dieser fehdelustigen ( trafen und Herren war der Graf Ernst XII.
von Gleichen -Blankenhain (s. über ihn Sagittarius, Historia der Grafschaft Gleichen,
1732, s. 221-227), ein Sohn Ernst« X. und Nette des berüchtigten Apel Vitz-
thum. Graf Ernst hatte schon früher mit Erfurt Händel gehabt, dann sich aber
mit der Stadt vertragen tcr wohnte dem Schützenfeste i. J. 1477 bei — ?. ob.
St 'Ml), jetzt sich aber den sächsischen Fürsten als williges Werkzeug, um Erfurt zu
schallen, zur Verlügung gestellt. Aehnlich war dem Charakter nach sein älterer
Bruder Graf Erwin VII , welcher i. J. 1161 mit Herzog Wilhelm nach Jerusalem
Digitized by Google
385. Stück. 505
bruder erwin unnd ditteriche von harres, unnd caspar Sachsen unnd
tragkstoröe, unnd feie andern armen edeln luten, das dy der stad
erffort fient worden unnd hatten oren vorteydingk von don forsten von
missen, unnd quomen in eyn dorft by eappelndorfT gelegen, das heist
stobar,19 an deme noch tage symonis et jude-" unnd pochten das; do
werten sich dy gebur also sere, das eyner von den fienden, der houbt-
man, tod bleib, unnd forten IUI gebur gefangen mit sich en wegk, unnd
was do was», wanne der tiende wasb sere feie.
Item an aller heiigen abende21 quomen or en teil kein tuntorff,2"-
unnd wolden do das fee en wegk tribe; also konden sy das nicht zu
brenge, wann do was feie volks uff dei borgk, mehe danuc XL tra-
banten. Item sy noraen deme voyte zu sommerde23 sine scheflerio zu
schinstete21 an sente mertins tage.-5 Item in der czit was1 solch tleen
von den erffortischen gebur, das sy alles, das sy hatten, fürten unnd
trugen das in dy stad erffort, also das keins in den dornen bleib.
Item dy dorffer hatten sich ouch wol vor graben unnd vor murt unnd
dy waine in dy gasssen gesperret, also das sy wol bieben | wem von
den siechten edeln luten, hetten dy forsten nicht folgk heimelichen dar
zu gelegen. Do getrtiwcten dy gebur sy sich nicht zu erhalden, unnd
floen alle in dy stad erffort, also das nymant gar feie bleib in den
dorffern. Man sprach ouch, sy hetten ouch gedrowet, dy stad erffort
zu borne uff sente mertins obent. Do bestalte der rot zu erfforte, das
man muste wache uff allen formen umme dy stad, unnd in allen torn
unud uff allen kerch tormen, unnd in allen pfarren besundern, unnd dy
luthe in oren husern sosssen by lechte dy ganc/.e nacht gemeynclich,
wann der fiende wasd sere feie, dy der stad erffort gram worn. Solche
torchte was in erfforte, dy nicht kleine was. Item so sage ich das vor
eino ganteze warheir, das sich der forsten stote gotha, salcza, wissensee,
friborgk by der numburgk, gena, wimar unnd alle ander stete der
forsten umme her im lande zu doringen:*1 Wee uns, wee uns! Dye von
» HS: wa« •> HS: wui. • HS: www. d HS: w.is».
gezogen war St. 216\ ül>or ihn s. Sagittarius a. a. O.S. 204— 221. Graf Ernst
starb 27. Januar 1492, Graf Erwin i. J. 1497; beide wurden im Peterakloster zu
Erfurt begraben. Von don Helfershelfern der Gleichsehen Brüder nennt Stolle
einen Ritter Dietrich von Harra« (Dorf im preusaischeu Kreise Eekartsberga. bei
Kölleda, ein Geschlecht, darnach UE I, Reg. s. v. schon im 14. Jahrh. nachweisbar
ist), ferner Caspar Sachs (nach C. Heyer a. a. O. ebenfalls) und einen Herrn von
Tragstorff, wohl ein Minist erialer, der in Trossdorf, Dorf im Herzogtum Sachsen -
Koburg und Gotha, bei Stadtilm, sass. 19 Stobra, Dorf im Verwaltungsbez.
Ajx)lda des Grossherzogtums Sachsen, nahe bei Kapellendorf, das bei der Vitz-
thunischen Fehde isach*. Bruderkrieg) — s. St. 198 A. 12 — oft genannt ist;
s. Franz Weiner, Geschichte des Ortes Kapcllendorf , insbesondere seiner Hing
und seines Klosters, mit Berücksichtigung der früheren Amtadörfer Frankend« »rf.
Hammerstedt. Hohlstedt, Grossschwabhausen, Stobra und Hermstedt, 1900, S. 18
bis 17. 20 Dienstag den 29. Okt. 1482. 71 Freitag den 31 Okt. 1482. r* Tonn-
dorf, Dorf im Verwaltungsbez. Weimar des Gnwaherzogtums Sachsen. " Sömmertla.
Städtchen im preiiss. Kreise Weissensee. Reg bez. Erfurt. 24 Schönstedt, Dort
im preuss. Kreise Langensalza, Regbez. Erfurt. '-'*"' Montag den 11 Nuvbr. \4*2;
der seute Mortinsabend ist demnach Sonntag der 10. Novbr. 1482. I>er Satz
ist unvollständig; es ist wohl zu ergänzen: „seitdem das Sprichwort hatten."
Digitized by Google
50«
385. Stück.
erffort sint über uns er czornt; sy werden kome, sy werden kome, unnd
werden sente mertins obent mit uns halde, uns alzu swerlich.
Der schal was in dy lant komen, das sich dy von erffort be-
sorgeten uff eine syten unnd dy herczogesten uff dy ander site, was
jammer unde noyd. Item uff den donnerstagk noch martini27 worn
dy von erffort zu vipech28 unnd hatten do by sich den grafen von
swarczborgk,20 den grafen von stolbergk, den grafen von quernfart
T unde andere hern mee, dy es gerne gud | hetten geseen czwisschen
den von erffoit unnd den hern von missen, unnd der bisschoff von
missen30 was ouch do, unnd underretten do dy sache, sy woldens an
dy hern zu missen brenge. Also wart es uff genomen X tage. Dy
grafen im lande umme her, dy hettens gerne gut geseen, das es frede
were bloben, wann worumme, wann der krigk were vor sich gegangeD,
das dy von erffoit weren uss geczogen, so hetten dy grafen unnd
andere edele luthe dy ersten most sy, dy vor terbet weren worden;
das was or sorge aller meist. Item dy von erffort hetten sich gerne
kein den hern ge weret; das was or gebrechen, dass sy keine uffen
Strosse nicht hatten, es was allen enden vor macht, das on nymant
konde zu hülfe kome; das thed on gar wee, darum me so mosten sy
geben den hern zu missen am bereiten gelde hundert tusent gülden
unnd dem bisschoff zu mencz ouch also feie, wann dy drye partige
kregen lange zu ronia31 umme der sache wollen. Dy kost mosten dy
von erffort beczale, uff das sy mit frede sesssen. Item am sonabende
noch martini32, do worden an geslagen czedeln zu gotha, isenache,
salcza, wimar unnd in feie andern steten, das man den von erffort
nicht solde zu fure; aber der grafe von «warczpurgk liss sin volk keyn
erffort fare, was sy wolden, unnd sprach, sin volk konde sich nicht er
nere ane dy von erffort, wy wol das her wol zu hofe was der jungen
hern zu missen. Item dy obgnanten rouber quomen dicke unnd feie
keyn dachebech ,3a walssleuben | unnd andere dorffere mee, dy sich
gancz stargk vor macht unnd vor graben hatten, das es wunder was;
do worden dy finde czornigk unnd sprochen. sy wolden also stargk
kome, das sy wol zu on in kome wollen; es geschaber84 nicht, noch
hetten dy gebur nicht dar- noch gefraget; sy hetten sich gerne mit
den finden ge slagen, wann sy worn gancz uff sy er hitczt unnd vor
czornt. Also wolden dy von erffort das nicht state, sy besorgeten, es
*' 14. November 1482. ?8 Schloßvippach, Flecken im Verwaltungsbezirk
Weimar des Grossherzogtums Sachsen. 79 Graf Heinrich XXVIII. von Schwarz-
burg, Herr zu Arnstadt und Sondershausen; mit ihm Graf Heinrich VIII. von
Htolberg und Graf Bruno XI. von Querfurt (starb als der letzte seines Geschlechts,
der Edelherrn von Querfurt, am 26. Februar 1496; das Gescülecht ist schon seit
der Mitte des 12. Jahrh. nachweisbar, s. RDThDI No. 1639). 50 Johannes V. von
Weissenbach (1476-1487). 81 Nach Rom war Kurfürst Ernst i. J. 1481 ge-
reist, um bei Papst Sixtus IV. seine und seines Sohnes Albrecht Sache selbst zu
führen und zu fördern. ■* 16. November 1482. 3a Dachwig, preuasieches
Dorf im Laudkreiae Erfurt, ebenda Walschleben, Marktflecken an der Gera.
" Mundartlich zusammengezogen aus „geschah aber."
Digitized by
386. Stück.
507
mochte eyn anderer ungelymphf dar von en stee. Dy hern zu missen
toten keins dar zu, sundern sy sogen dorcli dy fingere, unnd des
rouben uff der strosse wart so feie, das nyraant sicher uff der strosse
wassa, unnd dy von orffort torten uff dy merte lipss, numburgk unnd
andern enden nicht sicher czee, das dy gemeine zu erffort. sere un-
willigk was uff dy rats hern unnd sprochen, wann sy nicht anders thu
wolden, so were on als lieb, dy hern zu missen weren oro hern, als
eyn rat h zu erffort, unnd wolden hanseu bogk:,r' tod slan; der was
nicht sicher zu erffort. Öuch lissen dy hantwerger ore frowen uff dy
merte czee, wann sy sich besorgeten, dass sy gefangen worden, das
on danne eyn roth geheissen hatte. Do quomen dy finde uff dorne
fehle zu den frowen unnd nomen on, was sy hatten, unnd czogeu sy
nackt uss. Also worden dy lute sere beweget in der stad, das der roth
dochte, wy sy dy hern zu missen unnd den bisschoff gestillo mochte,
unnd goben on | dy obgnante summe geldes, als oben berurt ist. v
Item am donnerstago noch martini nomen dy finde das fee zu vargula;3'5
do sammete sich das volk do selbest unnd nomen on das fee wedder
unnd schössen der finde mit XJJ pferden tod. Item uff den fritagk
dar noch bestatten dy hern zu missen feie rutere uff dy strossse, dy
do werten, das man den von erfforte koyn holcz, koln adder korn
nicht solde zu füre, unnd wo sy dy kregen, dy treben sy wedder umme.
Item in disser czit haben dy von northusen ;I7 eynen bunt gemacht mit
den hern zu missen, das sy sy vorteidinge sullen; do vor müssen sy
on gebe ouch eyne summe geldes aller jar. Also meynten dy hern,
den von erffort ouch also zu thune, unnd on sy eigen zu machen.
Item nota, disse obgeschreben Ursache findestu gemeinclich under
der czal OCXXVIII.
386. Swer gor.
Item anno domini M 0 CC€C° LXXXIII, umme sente vits tagk1 ge- 14*3
boten dy von erffort allen oren under sesssen2 zu geben von hundert
gülden V gülden; das werte nicht lenger wann eyn jor.
Item anno domini M° CCCC° LXXXV1II, do geboten dy von erffort, 1488
als wid dy stad was, welch mensche malen3 wolde eyn malder korns,
der solde deme rothe geben da vone zu ungelde XVI aide gr. Item
von eym malder gerston VIII gr. Dy pristerschafft mul in der menczer
mül unnd in dem | pfronen backhuse,1 do torste kein burgor inne »j
* HM: wu
*• S. St. 384 A. 25 und die dort angeführten Stellen. M Preußisches Dorf
im Kreise Langensalza ; an dem .schon oben A. 27 erwähnten 14. Novbr. 1482
,7 Das Nähere schon St. 331 A. 21.
im. ■ Sonntag den 15. Juni 1483. 9 S. St. 384 A. 9. a S. St. 347 A. 31.
4 Zum Mainzerhof de* Erzbisehofs (curia episcopali* Erfordiensis) gehörte eine
Mühle, die Mainzcrhofmuhle {*. St. 367 A. 13), und im Hofe selbst stand ein
Backbaus mit Backstube, s. Härtung, Häuwrehronilc der Stadt Erfurt 1, S. ltitf
bis 18« (S. 174) und v. Tettau, Topographie, MOE XII, S. 144 u. IUI.
Digitized by Google
508
886. Stück.
malen; der rath begerte von der pfaftbeit ouch eyn sulches, unde dy
pfaflheit wores ouch in gegangen, so quomen dy gewaldigen5 uss
unsers hem von mencze lioflt; unnd vor bothen das; also bleib es an
1 m stene. 1t em anno domini M°CCVC° XC° michaolis, do geboten dv von
erffort, als wid als dy stad was, welcher man geistlich unnd wertlich
win ,; schenke wolde mit loubo des rates, der solde von eynem eymer
Uli stobichen dcme rathe geben zu ungelde, unnd machten dy moss
kleyner; eyn nuwe stobichen, das was kleyner mee danne eyn gancz
ald nosseln, was dann das aide stobichen was. Do wart das folk also
unwilligk über unnd vorsprechen do den rath also sere unnd ouch uff
demo lando, das dos nymant gegloubeth hette, unnd by langer ezid
wulde nymant win trincke ummo der nuwen kleynen moss willen,
unnd zu der czid was feie wins, also das eyn stobichen wins gald II
Schillinge der beste, unnd ouch XX pfenge, unnd XVI pfeuge den ge
ringisten urume eyn schillingk.
Item in der selben czid geboten sy ouch, das keyn bereige7 torste
dünne beer bruwe, alleyn dicke beer. Item welch beereige bruwe
wolde, der moste in dcme husse do heime sin unnd wone, do das beer
v gelegen was, unnd das huss muste | syn eygen sin. Item alle gast
helder musten allen trangk, den dy geste truncken, zu deme uflen
czeichen kouffe unnd hole, unnd feie andere stucke unnd behendekeit,
1490 dy hie nicht vor czeichent steen. Item in deme selben jare, 1490, welch
man geistlich adder wertlich synen win vorkouffte ussenwendigk der
stad erffort uft das land, der moste eynem rad zu erffort gebe von
eynem schogke XVIII pfenge, unnd das beczale, [ejr man den win
uf led.»
Item eyn rad zu erffort hatte ouch der geistlickeit beeziten vor
fastnacht or loubet oren win zu schencken by deme nuwen kleynen
raosse, so wolde unser herre von mentcz, die geistlikeit solde das aide
moss gebe, der stad zu hassse. Also bleib das lange an steen, das dy
pfaffheit zu erffort nicht torsten schencken umme geferlickeit des
bisschoffes unnd der stad,'1 unde bleib also an steen, das dy geistlickeit
keynen win schenckten zu erffort eyn gantcz jar unnd dar zu nunezen
wochen. Do liss eyn rad zu erffort widder an kome das aide moss;
des worden dy luthe gancz sere er frowet. |
* Die letzten Worte von [e]r ah Hut Uand; Im Texte aber steht eluo auftRentrlchene Zeil*:
Innowendigk drien t«Ron noch deme kouffe. *> In der IIS, ahor ausstrichen, ttebt uoch: hin beD»'.
r' Sonst von städtischen Beamten, s. St. 197 A. 12 und St. 367 A. 6, hier die im
Maiuzerhofe wohnenden Beamten de« Erzbinchofs: Provisor, Vitzthum, Siegler,
Schultheis», Marktmeister, Münzmei&ter, Amptleute. Richter und Zöllner (e. d. 1.
Anschlug de« KrzbLsehofs Dithrr, 8t. 327 No 1 1 ). ü Die Streitigkeiten sind schon
St. 347 erwähnt, s. dort A. 32. 7 Die „Biereigeu" (erfurtische Mundart) sind
diejenigen, welche Häuser mit dem Recht des ßierbrauens besitzen, 8. Brandis
a. a. O. II S. 14, und Hertel, Thüringischer Sprachschatz, 8. 68.
Digitized by Googl
387. Stuck.
387. Hir folget noch dy vortracht 1 unnd vorsehribunge »«
uff eine andere forme der lierren von missen unnd
der stad erffort, als hir vor oueh gesehreben steed.
Wir ratismeister, roth,* rethe unndb ganczo gemeyne der stad
orffort6 bekennen vor uns, unser d noehkomen* unnd pemevne stad
orfFortf vor allen jeden,8 so dissenh unsern uffen breiten' seenk adir'
hören, lessen."1 Als dy" don hl uchten ° bochgebornen forsten »' unnd
heren1«, herrer ernst, des heilgcn römischen richs erezmarschalk Ä, unnd
lierre* albrecht gebrudere, herezotfen zu Sachsen, lantgraven in do-
» O: ndh. h O; vnd (xi.-tn). « O: Sl.ilt Krffurt. d O: uiik»i- (»t*>t«) • O: nai'l»-
koineiin. f O: Stjili Krffuri. f <): yd«n. 11 (>: dk«<>n (»tel«) ' O: Mi>«ern nlTcn lirioff.
k O: geben. 1 O: ;idcr (*t*U). O: lown («t^u). » O: di. Ui< in>. " O: daich
lueliten l« O: fnraitii. *i O: bt-rnn. r O: hi-rr. « O: •rc7.ni:irM;li.iIgk und mim hinan:
Churfiin.1. « O: 1). rr.
&N«. 1 Stolle teilt hier noch den berühmten Weimarer Vertrug zwischen den
sächsischen Fürsten und Frfurt vorn 3. Februur 14K3 im Wortlaute mit. Kr
verkennt aber du» Verhältnis mit dem oben St. II mitgeteilten Schreiben, das
die sächsischen Fürsten an ihre Stände (unter dem 2. Februar 1483) richteten,
wenn er dieses Schreiben als eine „andere Form" de« Vertrage* auitasst, obwohl
natürlich Vertrag und Sehreil am im ganzen denselben (ti-samtinhuit hüben und
letzteres? gleichsam als ein Auszug aus dem ersteren zu betrac Ilten Ut. Das für
Erfurt ausgefertigte und einst hier aufbewahrte Originalexemplar liegt im Staats-
archiv zu Magdeburg (Rep. 14 VIII H), der Revers für die sächsischen Fürsten
seitens Erfurt im Sächsisch-Eriicstinischen Gesamtarchiv zu Weimar (Reg. G.
pag. 591 Xo. 1 K '. wohin es im Jahre 1*02 aus Wittenberg gekommen ist; es
ist auf Pergament und sehr schön geschrieben, mit angehängtem Siegel. Wir
haben auch hier das letztere Original lienntzeu müssen, da es als Quelle für
Stolle gelten muss, der es ebenfalls, wie den Amorbacher Vertrag, aus einer in
Erfurt angefertigten gleichzeitigen Abschrift des Reverses seinerseits abschrieb;
wir haben es ebenfalls mit O bezeichnet. - Eine gleichzeitige Abschrift befindet
sich noch in Weimar (Kopialbucb I>4, Hl. I — VI), wo jetloch die Krfurter Be-
teuerungen am Anfange und am Ende fortgelassen sind ; hingegen steht (ebenda
Bl. VII) die Abschrift einer Urkunde, worin die Erfurter sich zu dem Vertrage
bekennen, ihn zu halten geloben und dazu auffordern, also ein Analogen zu dem
St. 384 II mitgeteilten Schreiben der sächsischen Fürsten.
Da nun Stolle bei der Abschrift, die ziemlich genau ist, auch hier die Sprache
in die ihm geläufigen Formen umgesetzt hat (s. ob. St. 383), so haben wir el>cu-
falls alle abweichenden Formen des Originals in der adnotatio critica gegeben,
auch die offenbaren Fehler und Versrhen nach dem Original, aber in Stollescher
Sprache berichtigt, unter Angabe der Stolleschen Fehler. Auch hier sind ortho-
graphische Abweichungen, die immer wiederkehren (zc — z u. cz, d t wie
b — p und umgekehrt, gk =^ g, y — i, fehlendes h, l)oppel-n am Ende, an-
gehängtes oder fehlendes e bei Substantiven oder im Dativ u. a.), der Übersicht-
lichkeit wegen unberücksichtigt geblichen. Andere Abweichungen sind ebenfalls
nur das erste Mal bezeichnet: vnnd = und, die = dy, sie sy, adder adir
oder ader, für = vor, lesen •= leszen, Vorsatzsilbe ver— Stolleschem vor, diesem
— dissen, oueh — auch. Schon der fast gleichzeitige Erfurter Druck auf
Pergament v J. 1492 (Stadtarchiv zu Erfurt) und erst recht die späteren Drucke
(von. 1535, 1583) sind für die kritische Herstellung des Textes unbrauchbar, da
sie Uberschriften hinzufügen und die Orthographie mehr oder minder bereits
umgestaltet haben.
Auch hier ist vou einer Komment ierung abgesehen. — S. 293 steht irrtümlich
in der HS auf S. 292 v., S. 295 u. 295 v. ist zweimal in der HS vorhanden, wir
haben deshalb, um dieses zu bezeichnen, 295* u. v* eingesetzt.
Digitized by Google
510
387. Stück.
ringen* unnd marggraven zu missen1' uss besunder gnade, gunst unnd
gunstigen willen, so sy' zu uns unnd gemeyner stad erffoit4 tragen,
sicli uff unser tlisige® bethe unnd an suchen vorf sich, vre erben
unnd nochkonien* etlicher stucke, puuckte unnd artikel mit uns vor
eint,h vortragen1 unnd in ewige czit stete unnd festek zu halden1 zu
gesaget unnd vor schrebenm haben. Innenhaldes" irer gnaden uffen
brieffe0 unnd der halben geben von wort zu wort also lutende.
Von gotisp gnaden. Wir ernst, des heiigen •> romisschen richs ercz-
marschalk unnd koi Forste r, unnd albrecht gebrudere % herczogen zu
Sachsen, lantgrafen in doringen' unnd marggraven zu missen0, be-
kennen uffentliehen v zu ewigem gedechtnisse" vor uns unnd unser
erben unnd nochkomen* vor allen unnd yeden," dy dissen breff1
seenia adder lioren, lessen, noch deme,,l> wir mit besunderenlC gnade,
gunst unnd gunstigen dd willen den orssamen unsern lieben besundern
▼ unndgetruwen | leenmannen" rotesmeister, roth," rethen unnd gemeyner
stad erflort« umme flisigehh unnd an geneme dinst,'4 dy sy unssern
eidern seligen unnd uns feie malkk nutzlichen11 gethonmB haben, unnd
hir noch1"1 tlrun mögen, unnd Wullen nicht unbillich00 geneiget sy
ouch unndpp ire underthanen in vorgangen gecziten in unsern™ unnd,r
unser vor faren unnd eidern ss sunderlichen M schutcz, vorteydingk unnd
scherm ,IU gewest syn, do mitvr danne allen Unwillen, vordriss" unnd
irrunge," dy sich eroygen" unnd begeben muchten,"* begent1'1* unnd
vorkomen werde, ouch wir, unser erben unnd nochkomen,''" dy unsern
unnd dy uns vorwant syn, mit den genanten von erffoitddd den yren
unnd yren undeithanen in ewigen0«* frede unnd einträchtigen gemuthe"1
unnd guten«« willen leben unnd bliben, ouch beider syt Standes unnd
wesens tegelich besserungehhh erfinden desto stetelicher erhebt,111 unnd
in eynickeit unnd inkkk sulchem frede"1 gedien mögen, das wir uns
vor uns unndmlD,,1 unsser erben unnd nochkomen nnu in unnd uff ewige
czit ufl der obgenanten von erffort flisige00" bethe unnd er suchen mit
inen, so wir, unser erben unnd nochkomen 9W in ouch solcher man-
schaft unnd leenhalben des wol pflichtig syn, alle disser noch
folgenden stucke, punckte unnd artikel vor eynet, vor tragen unnd in
ewige czit allenthalben stete unnd feste unv orbroch 1 ich zu halden. be-
williget, gereth'" unnd gelobet haben, vor etilen, vor tragen unnd be-
11 O: lanftfraffen lim Düringen *> O : m.in.YrnnYn zeu Ukwn. f ü: gfo (gu t«) 4 0:
Statt Krffurt. «■ HS: flWp r, O: fUe«gi*e. » O: ftir <«leU> * 0: t.aclikome,,. * 0:
vereynt. 1 0: vertrapmi. IM« Vonvits«llb«< lautet iu O stets: vir-. k O: «tet vnd
logt. 1 0: hallen. m O: vi rscbrleb. n " O: JnulialU. » O: offeiibrleff. P 0: i.-o»t*.
'1 U: bellen. r O: ercstmarscbalKk und Chnrfurgt. " ü: fM'bnidi-r. 1 O: ianhrraffrii Inn
Düringen. u 0: mar^in-aß« n reu MI< »m uh v <>: öffentlich. w 0: ^«.•dvchtiita». * 0:
nachktm.eti. ' O: yden * <>: brleff. *» 0; M-ben. bb O: Nachdem. «* 0: besonder
da O; joiiigthrein. «"> '»: lehenmaiuien. " 0: KatlanieUter. Rath. 0: .Ht.-.tt Erffort.
,,h 0: um)) HieknUf. 11 0: dl« nxte. kk O : offtmalg, " <>: nützlich. rora 0: p tb»n
'"> O; hltifur. 0: ninbHII. li. v\> 0 : «ueb (stet*)- 'I i 0: unerro. rr Fehlt lu 0.
O: altem. u 0 : BtinUerliobein. 0 : grhirni. rv <> : damit. wwO:alleB> "O:
v.-i'.lri. gz >'v O: Iminvi n. « O: erouen O: nn.cbu.-uti. 1 hb O : lieyvitt-nt.
4CC (): erben, iinchkometin d'M O: Krffurt. ,,r O: e wittern. m 0; eliitrecbtipui gv-
mute ü: Wt,.m, »>''"• O: teKelirh beKgerinm' »' : «fetlc.il lieber erbest. Fehlt
In U. 111 11 : »olchem trlede. »>""" Fehlt in ti nun q. naehkoiueiiu. 000 0: Erffort
flieiouV'. PPI' O: nacbkouBi nn. «W'i <>: h henhalU-un rrT trerett.
Digitized by Googl
387. Stück.
511
willigen uns derselben aller unnd ydes besunderen, sollen unnd wollen
ouch dy alle unnd jglichen besundern in ewige czit stracks* unnd uff-
richtigk halden, da widder 8emptlicbenb adder in sunderheit unnd s»6
unser erben unnd nochkomen* nicht thun noch zu thun schaffen, be-
stellen , vorhengen adder j man des der unssern unnd in unssereii
furstenthum, d landen unnd gebieten do widder zu syn, zu handeln
adder vorzunemen in keinem« wegk zu gestaten.
Czum ersten' haben wir vor uns unnd* unser erben unnd noch-
komenh roth' rethe unnd bürgere* unnd gemeyne der stad erffort1 mit
irer stad," Blossen, dorffern, gutern unnd underthanen in unsern schütz,
schermn unnd vorteydingk zu ewigen gecziten0 genomen, wollen unnd
sollen sy, ire underthanep habe*» unnd gutere in unsserm furstethum,r
landen unnd sust usserhalb derselben glich unser eygen landen unnd
luten gegen eynen* yderman, wo wir ir zu gliche1 unnd recht mech-
tigk sin, truwelich" schutczen unnd vorteydigen, sy ouch in unserm
furstenthum* unnd landen mit vede adder ane vede wissentlich nicht
lassen beschedigen, ouch ire vindew wissentlich in unsern landen nicht
haldenx noch gestaten, sundern' allen unssern amptluthen unnd steten2
ernstlichen gebeten,** solchs ouch unser amptluthe unnd stete '''' ane
an brengen unnd ersuchen adder unssern sunderlichen befel" tondd
sollen, wo widder dy von erffort68 an griff adder beschedigunge fl ge-
schee, das ilend« mit nochfolgen hh unnd macht zu weren, unnd der
gut zu behalden unnd dy von eiffortu dar an noch jren Üben kk wissent-
lich adder vorhenglich» nicht beschedigen lossenDl,D, alles truwelichnn
unde ane geverde.
Wir wollen unnd sollen ouch dy von eiffort00 noch jre gutere in
unssern steten, w merckten, doiffern, gerichten adder gebieten, forsten-
thum« unnd landen selbest" nicht kommern, uff halten, noch ny-
roande8u | der unsern adder usslendische kommern adder uff halten v
lossen," unnd sunderlichen für den andern, danne was eyner schult
adder uu pflicht adder erbfalles halben mit eynem bürgere' v adder der
von erffort ww underthan zu schicken hat," kan unnd sal eyn jderman
zu erffort TT adder sunst" in iren gerichten noch"* der Sachen gestalt
rechtes wol bekomen, ummew* geltschult adder andere pflicht in gut-
lickeit vor deme rothe,001 unnd ob für dem«Wd dy schult vorneynt
wort,we vor unssers herren unnd frundes von mencz gericht. Wo aber
dy bekent, unnd der roth jrenffl burger nicht vermögen worde,«* der
• HS: Margit, O: stracka. b O: aemptllch. « O: naehkoBH-nn. d IIS falach: farthen-
tbom, O: niueru fuxstruthumben. e 0: keinen. r0 kUI hinzu: ao. * Fehlt in O.
* 0: nacbkomcnn. ' 0: rath. kO:bnrgcr. ' O: atatt Erffurt. » O: lUtt. »ü:
schirm. ° 0: «clton. P O: nudcrtban. 1 0: bat». » 0: fumeiitbumb. • 0: einem.
1 0: «lieh. ■ O: Unehlich. » 0: furatenthnmb. w O: vlheiid. * O: enthalten.
r O: »ander. « 0: •tetten. »* O: ermtllch jrebielen. bh O: atette. <* O: befehel.
dd HS falach: U-n, O: thun. O; Erffurt. " O: be*chedl,ra»jr. So 0, HS: llen.
O: nachvolgv. 11 O: Erffnrt. kk O: leiben. II HS: vorbciurulaae. rom O; loeaen.
na O: tmwllch. 00 O: Erfrort. V» O: «leiten. O: fntatenthumb. rr O: aelbat.
•* O: nymaiibj. 11 U: ufTbnlteu Inreeu. ou O falaeh: ander. rr *>: biirger. ww <»:
EriTurt. " 0: hett. 7T 0: Erffurt. »« 0: tun. •** 0: nach. HS falsch : unnd,
0: unb. «» 0: roth. ddd O: dem. «*• O: wardt. m 0: rath. O: ward.
Digitized by Google
R12
367. Stuck.
sluniglich ussrichtunge zu thune,* also danne" vorr unssers herren
unnd frundes von incncz gerichte, unnd wy der bürgere d vor gerichte
erfordert, gegeben worde,*' sal eyn rothf vor helffen noch louftt* des ge-
riehts unnd der stadh gewonheit, wy' her komen ist; unnd abymandesk
wedder jre underthon 1 uft' deine m lande suche, geltschult adder andere
pflichte halben hette,° dem0 sal vor den gerichten doheni»' gesessen
sin,« adder do dy suche' von rechts, wegen hingehört, forderlichen» vor-
holten werden. Wo adder dy an forderunge adder» sache erbgefelle" an-
treffe, unnd der fal* zu erflort* adder usserhalb jn jren merckten,
dorftern, gebieten unnd gerichten geseheen wurde,* sal jderman solche
forderunge1 an* dem rathe thun; doselbest" sal auch dy sache noch
rechte11' unnd gewonheit der stad ertTort,v entscheiden werden, unnd
jder desdd also vorgnuget1"* sin; unnd solche sache" sollen zu ende
geen« unnd vor holflen werden jn vier monden ane geverde. Unde
ab1'1' darüber jmandes" der unssern adder euch usslendeschkk andere
forderunge" thun wonle ,■■ des sollen unnd wollen wir nicht gestaten,
H9b' sundern dy von erffortnn do by zu bliben ™ hanthaben unnd, wo desw
nod thut, getruwelicoen^ vorschriben unnd vorteydingen. Welcher"
ouch hiruber dy von erflort adder jre habe unnd gut vorkommert,"
der sal atzunge, kost unnd czerunge sampt schaden uu abelegen und
beczahlen. Unnd vv ab*w ouch dy von erflort xx jre burger adder under-
than» forderunge adder sachcn kegen unssern underthan" betten, den
sal an den gerichten, do»** dy jnne ge sessen sind,,,bb reehtcec ouch forder-
lich unnd slunieklichenddd jn czit wy vor verhulffen eee werden.
Wir, unser erben unnd nochkomen ,,f sollen ouch dy Strossen,«* zu
unnd ab zu füren, den von erflort hhh nicht engen noch hindern, des ouch
nymandes1" gestaton, es geschee danne ummekkk thurunge willen der
fruchte unnd unser unnd der unssern kuntlicher"1 not.torfB""I,, halben.
Wirnnn wollen unnd sollen000 ouch dy von erflort by jren
keyserlichen, königlichen unde snnderlichen der gülden bullen gnade
unnd friheit unndrrr ouch jren alt herkomen unnd gewonheiten, was sy
des rechtlich herbrocht haben, bliben Jossen.1"
Unde als wir gemeynt haben, das sloss am celiax berge nestuuu
an erflort VV¥ ane unssern willen und uns zu widder gebuwet"*" syn
sohle, 111 haben wir solche»* meynunge, noch deme1" das sloss uns
• O: uM.rlrhtiuit' r.cu «liuu b 0: al*d;»nn. r HS fnlm-h: wir. d 0: b ano r • ö: wir*
1 «»: r.nii. K O: nach laufit. •* O : »t.iit. ' 0: wl>'. k <■: ymanta. 1 O: widder
jr. und. rthan. O: diin. " aml.r phl1)>hlhn1lH ii lutt. " IIS: den. •* HS: do jvtw,
«>: il.i Ii. im-. '< HS: «int. r <■ : •>)• r da dl.' »ach. im. • HS: miiid.rltchrn ; (>: forderlich.
' Hj>: mWt. " " Wo ali.T dl. ani..rd.nin^ ad.r ».ich . rl.iah. l r U: ftibol. " O: Krffurt
1 (»: wunl y 0: »dich ford. Tum:. * IIS: au. ■* O; da* Hut ''b <>: nttcb roebt.
« O: «tut Krffun. «••* O: d-r. •* b. -uum-t «In. fr HS: nach« «* O: in-hi-n. bu HS:
ab. " O: yin.-int». kk HS: umIi nd. «. u ; Os iifutl.udiwli. 11 O: aud.n tord.'nnw. m,° 0:
wur<l. n" Krlfurl. »>: darbiv rcuo bll. t,< un. M« (»: da*. <««J 0: tro« blich.
rr o: W. iltcü.i. " <>: Krffun. " O: tx k.mi.rt. uu O: sch.diiii *v IVhlr In
«w u: ..b. ** O: Krffnrt. HS: aiid.rlhan " Titd.r«h;uniiii. •*» <»: da. bbb 0:
»In eet- nchi«. <>; timi.rlhli vnd hIiiiiiI^IIcIi. O; \ . rliolH,-un •*"■<»: otiw ri-
. iI.mi vml iiachkonx'iiii. '•: »ipwim'iiii. h,,,< •»: Krffuri. (»: iivniant« k,tk »>: unib
111 tt b, in hlur.il : vnud pr *R. r. •",u"" O. iiotTorlT«. ""n K» hlt Iii O O : nullen.
H'f U: 1-j-lVuri. <*'i«. 0: ^nliliii. rrr l.lili iu •<, O: h. rliracli«. m O: bll.U u l»a«tiin.
»»» v : ucb*i. vvr <J: Krffun. www « » : K« bu. l.. t. "«u:BO|t. jyTO:goiich «» 0 : nachdem.
Digitized by Google
■
387. Stück. 513
nicht zu vor drissse, sundern" zu kuntlicher notturft, schirm unndnutz
der stad erffort gebuwetb ist, gnedicklichen fallen, unnd wir, unser
erben unnd nochkomenc sollen unnd wollen* den roth* unnd gemeyne
zu erffort' dar by geruhlichen* unnd fredelichenh zu ewigen tagen
ungehindert bliben lossen.1
Wir unnd1 unser erben unnd noehkomen,1 herezogen zu Sachsen,
lantgraven jn doringenm unnd margk|graffen zu missen» sollen deme v*
rothe unnd gemeyner stad, ouch burgern zu erftort0 unnd jren under-
sossen,»1 dy lehen von unsz unnd unszerm forstenthume herrurende, dy
eyn roth, jre bürgere unnd undersossen jn lehens wisse* von unssern
vor eidern herbrocht1 unnd enpfangen haben, lyhen dy jn zu haben,
wy her komen ist. Ab aber manlehen* in1 ungeborlicheru wisse uff
wibes bildeT zu komen vorlehen" weren, darinne mögen wir uns, wy
recht ist, halden.
Wir bewilligen ouch vor uns unnd alle unser* erben, erbnemen
unnd noehkomen ' alle vorschribuuge an slossen, dorffern, gerichten
unnd andern gutern unnd rechten, wy dy eyn roth unnd stad erffort,1
ouch jre bürgere unnd underthanen von unssern vor faren, alden eidern"
unnd regirenden forsten der forstethunil!h obgenant rechtlich " her-
bracht haben, wollen ouch dy nochdd jrem jnnehalt halden unnd zu
halden werden schaffen.
Ouch dy von erffort, oe jre bürgere unnd underthon" an czinssen,
renthen unnd gerechtikeiten, dy sye jn unsserm forstethum« by der
geistlickeit, prelaten, graffen, herren, steten,hh mannen unnd borschaflt"
haben, nicht hindern, sundern dy jnn unde den jren, geistlichen unnd
wertlichen kk, geruelich" volgen lossen mm unnd zu geben schaffen noch
lutheDn jrer breite00 adder sust redelicher konde,DD dy sye dar über"
haben.
Wir" wollen ouch den von erffort jreM gerichte nicht engenn,
sundern sy dar by" ungehindert bliben lossen.ua
Wörde" ouch uff den rechten lantstrasssen dorchww der von
erffort" gerichte gehend jmandes" tod adder wunt geslagen adder sust
dar uff also gefallen, | adder jn ander wisse" legen blebe,*** so mögen s»6
dy von erffortbbb adder jre underthan,eec dy selben toten, gewunten adder
sust an den Strassen gefunden, uff heben, be graben adder wo dy ge-
* US: ■underilchen. b 0: »tatt Erffurl gehuebet. c O: nachkotueun. d O: wollen
unnd sullenn. ° O: rat Ii. r 0: Erffurt. tr IIS: geruckllcbon ; 0: ruhlieh. b 0; fridlich.
' O: blieben Inanen. k Fehlt In Ü. ' O: tuchkoineii. m O: Durlngenn. u 0: Mar«
Kraffeuii reu Mlcssenn. " 0: mth unnd gvineyner «tau, auch biirifvrnu xru Erffurt. ■' In HS
fehlen die Worte dy leben .... undersoaseu; bei dienern Worte Ist Stolle abgeirrt; wir haben
sein« Orthographie oben hergestellt. 1 0: lchena«wie*e. r 0: herbracht. * HS falsch:
manheben. 1 0: Inn u HS faUch : uuirebornl icher; O: ungeburllcber v O: wiese off
wlbasbllde. w 0: verlibenu. » O: für un», alle unsere. J 0: uachkomeuii . » o: rath
unnd Statt Erffurt. «* 0: alteldom. bb 0: forsten der funU-nthumb. «« HS: rechlich.
** 0: nach « 0: Auch diu vonn Erffurt. if O: bürgere unnd untertbaun. « O: fursten
thumb. •* 0: «tuttou. '1 0 : batirachafft. « O: wem tl loben » O: gurnhellch .
«h» 0: laaaenn. nn '): Jniihalm. 00 O: hrieffe. PH O: künde. <JH (>: darumb. " Kebll
In 0. »• O: »nch den vonn Erffurt. " 0: dable. . «•«• 0: blieben lnaseun. T* 0: Wurde.
ww 0: durch. " O: Erffurt. >* 0; ymants. »« O: wiese ■** 0: ligenn bliebe.
»•»»> 0: Erffort. O: undertbanii.
Digitized by Google
514 387. Stück.
wunt weren, zum artczte brengen, uuverdechtigk unnd unvorhindert,
doch das sy solches» jn unser neestb ampt vor kundigen,0 dy noch4
ge8talter sache0 dar jnnen/ wy sich gebort,« richten unnd handeln*
sollen. Ess soll1 ouch uff solchen lantstrassen dorch der von erffort
gerichte geend,k jn keiner wisse1 von nymandes unnd wedder ny-
mandes,m ouch usslendissche, keyn koinraer gescheen,n unnd wo derge-
thon worde,0 sal ungeacht unnd vor nicht werden gehalden.
Wir sollen unnd wollen ouch dy von erffort p an wiltban, beissen
unnd weidewercken jn jren gerichten, holczern unnd felden, wo sy das
von aldem herkomen unnd von rechts wegen haben sollen, nicht
hindern". Sye ouch mit vihe unnd schoßtrißV jn jren gerichten unnd
holczern,» felden unnd widen* nicht belestigen noch beschedigen, un-
schedelich eynem0 yeden* an syner trifft,* dy herx von aldem her-
komen unnd von rechts wegen haben sal, doch das dy jn holczern,
wessen,' winbergen unnd sethen1, ouch jn czitlichen hegefelden ny-
mandes** zu schaden gebrucht werde.
Ess sollen ouch eyns yderraannesbb guterecc bethe, frone, sture,
berenn unnd dinst tragen jn den gerichten, do dy guteredd gelegen
sint,1* unnd her" sal syner person halben, ab*« er andern enden ge
sessen were, keynehb friheit noch vorteydingk haben.
t Wir unnd ouch" unser erben unnd nochkomen," ouch | unser
grafen, prelaten, hern" unnd manschafft sollen keinen von erffort"*
adder jre underthan, der adder dye jn czweytracht vonjn czeen worden,**
umrae00 schutcz adder scherm willen pp widder recht uff nemen, sunder
sollen unnd wollen dy selbigen, was der jn unserm forstethum'" unnd
landen von uns adder jmandes" anders uff genoraen wurden, wisen"
unnd vor mögen sich rechts zu erffort" adder sust noch uu ge stalt unnd
gelegenheit der sache" an geborlichen*w enden jm lande zudoringen"
begnügen lassen an alle ge verde.
Wo wir ouch der von erffort" unnd jrer underthan keyn jraandes"
zu recht mechtigk unnd sy des uff uns erbotig syn, sollen wir uns
beflisigen unnd vor suchen dy sache™* erst fruntlichen bbb zu vor eynen,
unnd ab dy gutlickeit nicht furgangk haben worde,ccc also danne<1,ld
sal dy sache schrifftlich kein*1*" eynander vorm uns gebracht werden,
dar uff wir erkentnisse «» unnd enscheithhh thon sullen,üi wo dy von
erffort kKk antwarter"' unnd beclagte syn noch gemeynen beschreben
* O; tollch«, b 0: nehat. « O: verkünden u. d O; auch. r 0: a&cbenn. r 0:
diurjuu. e 0: geburt. h 118 falech: baldein. 1 0: mI. k 0: nff sulicheun UntstraMeiui
durch der vou Erffurt »reriebt |rvh«nd; HS: gwn. 1 0: wleee. m 0; vom» nymantt unnd
wldder nynwiiu. » 0: bewsueeii. u O; «ithan wurde. v 0: Erffurt. <* In H8. Heben
einige Punkte. r 0: •ehafftrlefft. • HS: holcicrlu. 1 0: weldenn. u HS: einen. vO:ydenn.
"0: trloffi. » 0: er. Y O: weeen. » HS; •cbutten 0:eetben. "» O: nyxnanu. bb Ü:
jdennauns «* O: «titer. dd 0: da dl« guter. «" 0: «In. ff0: er. «*« 0: ob
bb 0: kein. 11 Beide Worte fehlen In 0. *k 0: naobkomeun. " 0: borrn. m 0:
Erffurt. nn 0: aclebenn wurdenu. 00 0: nmb. W O: schirm« willen: HS fadrob: wollen.
*ii O: furatenthumli. " 0: ynutnt«. " O: wiesen n. M O: Krflurt. uu 0: nach.
VT ü: aacbenn. ww 0: ^eburllcheu. " 0: I>urlniren. JY O: Erffurt. " O: ym-unu.
O: ukcheiiii. bbb 0: fruntllcb. «"* 0: wurde. 0: abxlAun. •»• 0: gen.
tn O: für 0: erkeutni«. o: entachelt. 0: thun rollen. kkk 0: Erffurt.
»« 0 : »ntwurter.
Digitized by Googl
3S7. Stuck.
515
rechten' unnd an wisunge der gelerten recht wissende unpartigisch
unnd unvordoehtb gehalden, unnd sust, wo sye anclager syn, ouch
also, addor nochc gemeynem lantrecht truwelichd unnd ane geverde.
Ess sollen ouch jn solchen sachen adder ouch andern geschehen uns
adder jmants anders betreffend6 der von erffort f usserhalb unsserm
furstethum« nicht vor bescheiden h adder tagk satzunge1 gethonk
werden.
Unnd dar mit1 sulcherm schutcz, scherm» unnd vorteydingk deste
stotlicher mit flisse unnd getruwelichen ° gehalden werde, so sullenp
unnd wollen roth, ratismeisterq, rethe unnd geraeyne der stad erflortr
uns, unsern erben unde nochkomen» funfczehenhundert rinsche1 gülden
jerlich uff unser lieben frowe" tagk lechteweev gnantw purificacionis |
jn solche unser dry furstethum1 zu erffort3' adder wy mar, an welchem1»»!
der cz weier ende uns, unssern erben unde nochkomen" das eben ist,
uff unser geborlichebb quitanczcc zu schütz gelt uss richten, reichen
unnd geben.
Es sollen ouch dy selben rathismeister, roth,dd rethe unnd ge-
meyne der stad erffort0* uns, unssern erben unnd nochkomen ff widder
unser viend*8 unnd widderwertige behulfilich svn unnd solche hulffehh
der mosse1' thun, ob jmandes" mit macht adder herskrafft" sich jn
unser furstethum mm unnd lande zu czeen BB understeen00 worde,**''
das sollen unnd wollen roth1" unnd gemeyne der stad erffort" mit
eyner redelichen" hulfte helfen weren, unde ab das not geschee", by
unnd mit unssern underthon,uu mannen unnd Iuthen solchem heress
czoge,TV ouch usserhalben des landes under ougen unnd entgegen
czeen,ww alles uft unser kost, doch so ferre der roth zu erffort" unser
gegen den selben zu recht mechtig ist. Ob danne solche" fynde nider
geleget, fluchtigk adder sust hinder sich czeen worden,11 unnd wir
adder unser boubt luthe"* den abe zu brechen jchts adder meerbbb zu
erobern gedechten, unnd jn jre land adder behusunge noch folgen0"
wolden, dar zu sollen dy von erffortddd nicht gebrucht werden, sundern e*e
sollen unnd mögen unvordaeht,"' fridelich*« unnd ungehindert heym
czeen, hhB unnd ab"1 uns solche kkk hulffe zu swach adder ouch dy von
erßort,u der er sucht zu swere adder zu vilsyn beducht, sollen czwene
von uns unnd czwene der von erfforte m,Dm wegen dar ummennn ge-
• O: uo«h Kern«)- neun tteechrlebenn rechtonu. b O: onverdacht. c »>: nach. A O:
trnobllch. « US' betreffen. r O: Erffort. * O: UDueer fursteuiithumb. h furboecbeldtmn.
1 O: LaffeMCKung- « q. kuii,^ l darmlt. m O: aollcbur. " O: wlilrni. * O:
•tatlichor mit lifo« troeblieh. I» 0: •olleiin. 9 <>: rallainetater, ratb. r 0: gemeyue Statt
Erffort. * 0: tutebkomciiii. 1 O: Mniache. " 0: frowen. v O: llechtmeeee. w O:
Ktiant. x O: jnn aoliche ununer dry funtenthntnb ; HS: fürtet hu in. V O: Erffurt. * HS:
Welchen . •* üz nacbkomeiiu. bb O: gvbnrlieb. *<••(>: qultancien. dd O : roth.
*• O: Kvmeyne Statt Erffurt « O: aachkomeiiii. « 0: untere vlhend. hU O: aoliche
balff. >l 0: derma«». kk O: ymaiita. » HS: herkrafft. mal O: fur«Uuthuwb. »° O:
»clehenn. «x» O: uuderatehon . M» 0: war Je. 'ii 0: rath. " 0: Kvmeyue Statt Krffurt.
" HS: redellcher; O: redlichem). " 0: geecheth. uu 0-. uiidertbuu. vv HS : beroes (c*ok
fehlt). ww 0: «clehenn. 11 O: ratb icu Erffurt. O: dann eollcbe. "* O: zcieheuu
Wurdenn. *** O: heubtlotb. bhb O: meher. «00 Ü: nach rob/emi. d,,J O: Krffurt.
O: »ander. '«0: un verdacht. K* <»• fridlleb. »nb 0: zeichen. 1,1 0: ob. kkk O:
totlebe. 1,1 O: Brffurt. ram™ 0: Erffurt. nnn O: darunib.
33*
Digitized by Google
516
387. Stück.
geben werden by eynander komen, unnd dar über erkennen, was
dann dy viere adder» ob sy sich des nicht vor eynen mochten, mit
zu fal eyns bischoffs von numburgk, so czu cziten syn wirt, wes dy
hulffe nochb gelegenheit gemehert adder gemynnert werden soltc er-
kennen, do byd 8ol es bliben.e |
▼ Begebe sich ouch jn solcher f hulffe, das dy von erffort* adder
jmandes'1 der jren nider lege, gefangen adder sust an habe, harnasch.
geczugk unnd pferden schaden neme, dar jnne1 sollen unnd wollen wir
unndk unser erben unnd nochkomen1 uns bey den von erffortm halden
unnd bewisen, als wir solchs" unssern eigen undertbanen, den steten0,
thun worden,p jn ouch glichen gewyn an buthe unnd teylunge un-
geverlich gestaten. Es soH ouch solch der von erffort hulffe stete,r
sloss adder ander festunge zu gewynnen, nicht gebrucht werden.
Ouch sollen» unnd wollen dy von erffort1 uns, uosern0 erben
unnd nochkomen v wedderw unser vynde,* uff dy' wir gedechten zu
suchen, unnd widder unser jnlendissehe widderwertigen,1 wo»* sy unser
kegen den vynden unnd widderwertigen zu rechte gantcz mechtigk
syn, unnd von den selbigen vor slagen, das sy dar jnne der von erfforf1*
erkentnissece unnd entscheit nicht an nemen noch lyden wolden, hulifo
noch czemelickeitdd unde gelegenheit thon,60 doch das solche hulffe1'
nicht syn sal über anderthalb hundert man, halb zu pferde unnd halb
zu fussse, uff unsser kost unnd des rathes ebenthure, doch also, das
wir do byr« unser mannebh unnd underthan haben, unnd das solch
der von erffort hulffe14 andern, wer dy weren, nicht vorlegen noch zu
geschickt werden, dy selbigen ouch frie willen kk unnd macht haben
sollen, unvordechtigk abe zu czeen,11 wanne andere adder der raerer
teyl unser luthe abeczeen.
Unnd1"1 so dy von erffort00 uns obgemelten fursten eynem adder
jn eynem unssern furstethum w hulffe thun worden, sollen sy als
danne" von den andern unnd jn eynem" andern der gemelten furste-
thum" mit hulffe adder zu helffen nicht werden gefordert
>8 Obun sy ouch jn hulffe weren unnd jn dem das lant | doringen"
uberczogen wurde, mögen unnd sollen sy unvordechtigk fredelich mw
unnd ungehindert heym czeen" unnd do selbest™ widder dy lant be-
schediger" getruwen*** rath unnd hulffe thun.
Begebe sich ouch czwisschen uns obgemelten forsten adder forste-
* HS uooh: wni sy, aber durchirwtrlchW b O: halff n»eh. ' HS: aollen. 4 0:
dablv. « (»: sal m blUbi-mi. r O : soHcher. * 0: Erffurt. h 0: ymanta. 1 0:
daijnne. k fehlt In U. 1 O: unsere erben n unnd uactikomenn. m 0: ble den v»nn
Krffurt. n 0: sollen«. ° *>: Stetten. P (>: wurden n. 4 O: m1. r O: sollen der Tonn
Erffurt hulff 8tette. • O; «nllen. 1 O: die vonn Erffort. » HS: nnser. T O: nach
konienn. w 0: widder. " x 0: filiende. 7 HS: wir dy (Urortellnug;). * O: wVMer
worHjre. ■* In HS fehlt wo wldderwertlgeu (bei dem gleichen Wort» Ut Stolle abRcbrtl;
oben int Stolleecbe Schreibung eiwefQhrt. *b 0: Erffurt. «* O: erkentniM. dd O: noefc
zcymllchkelt. ev 0: thun. 0: Mich hulff. «* O: duble. «•«« O: mann. »' O:
«.Heb der vonn Erffurt hulff. O. frywWM. » HS: creendo; O: «clebenn. ■»•» 0:
nbc wichen n. nn Kehlt In 0. 00 0: Erffurt. PP O: unnsenn fuistenthomb <N 0: bnlff.
" 0: »ludaim. " HS: eynen. tl O: fu raten thumb. un O: nb. O: Durfntsen.
»w <>: frldellch. « O: «clebenn. 77 o : daedbet. " HS: lant buacbedlgwn. ■•• O:
387. Stück.
517
thum» errethum, wy der ge syn raochte,b des mögen dy von erffort6 als
genieyne luthe bliben, stilie sitczen, unnd sollen zu keiner hnlfle* ge-
fordert noch vor docht werden.
Wir unnd* unser erben unnd nochkomen* sollen ouch mit
unssern vienden* unnd widderwertigen uss unnd jnlendisschen, do
widder uns dy von erfforth gehulffen netten, keinen frede,1 vor tragk
noch sune uff nemen, dy von erffortk danne ouch nemelich dar jn ge-
czogen unnd noch nottorft1 vorsehen. Ob aber dy von erffort"1 darüber
adder wo sy uss Vergessenheit jn solchen frede," eynunge unnd sune0
nicht geczogen, von solchen vienden,p widderwertigen adder jren helffern
bemühet adder zu beschedigen understanden, beschediget adder jres
handels unnd wandels vor hindert worden,4 dar umme unnd dar jnner
sollen unnd wollen wir unnd* unser erben unnd nochkomen1 den
von erffortu zu hanthabungv unnd zu gute uns also halden, also solches w
unser person selbest, unser eygen land, luthe unnd underthanx be-
treffe, truwelichen * unnd ane geverde.
In solchem vor tracht 4 unnd vor eynigunge" aller obgemelten stucke
unnd artikel haben wir obgemelten forsten hh vor uns unndcc unser
erben unnd nochkomen dd unsern heilgisten vater den babist«* unnd
unsern" aller« gnedigsten herrenhh den romisschen keyser unnd unssern
hern" unnd frundhk den erczbisschoff" unnd dasinm stiflt mentcz, wo
wy der von erffort"" kegen00 syner | liebe unnd synem stiffte zu rechte v
nicht mechtigk syn, uss geslossen unnd uss genomen, dy selben ouch
dy von erffortpp in besunderheit, unnd dar zu dy stete*»1» molhusen
unnd northusen kegen" uns unnd»» unsern erben unnd nochkomen"
uss genomen haben, doch das den beiden steten uu wedder" uns ouch
nicht gehulffen werde, so ferre dye von erffortww unser gegen den
selben steten" zu rechte mechtigk syn; sust sal dissser vor tracht ,y
alle unser lande unnd forstethum" jnnewoner,"* bissschoff, prelaten,
graffen unnd herren unnd eynen yderman, der uns zu stehet, unnd
des wir ungeverlich mechtigk syn, begriffen, bynden unnd von jn allen
unvorbrochlich gehalden werden.
Unnd ab,,bb sich zu kunfftigk czweytrechte, spenne adder errenisse ccc
uss was Sachen adder Ursachen gancz nichts ussgeschlossen,ddd es sy
gerichte,ew5 uberkeit/" herlichkeit,«« ander gerechtickeit ditshhh vor
trachts111 adder ander sachekkk halben, wy sich das magk begeben
• O: funtenn «der funtenthumb b 0: Irrtham, wie dor ffeeln mocht. ° 0: Erffurt.
* O: keyner hulff. «* Kehlt In O. < 0: niicbkomeun. * 0: fyhenden. h 0: dawldder
an» die von Erffurt. ' 0: frltle. * O: Erffurt. 1 0: unch nottorfft; OS: uottorf. m 0:
Erffurt. ■ O: friede. 0 O: saue. «' 0: solkshen fyheudenn. '« O: wurdenu. r O:
daruml» unnd dnrjtiu. ■ Fehlt in 0. 1 nftchkomenn. u O: Erffurt. r HS: hand-
habende. w 0: ;iU sollen». x HS: under scherm (vielleicht aus „nnderwiseen" verderbt).
7 O: truebllch. * ü: vertrag. a* O: vereynunj;. bb 0: hinten. ce Fehlt in 0.
d<1 O: naohkomettri. O: Ualiet. " Fehlt in 0. *B HS: allem. hh O: herrnn. H O:
unser hemm. kk O: tnmde. » HS: ertablsschoff. u,m O: den. nn O: Erffurt. "° O:
Keg*un. PI1 O; Krffurt. 0: «tette. " O: gegen u. ** Fehlt in O. "0: unsern
erben und nacbki iiieau. ,,u O: »tetUjn. vv 0: wlddor. ww O: Erffurt. « O: Stetten.
>r 0: vertrag. *• O: land und fursteuthutnb. O: Innevonor. bbb O: ob. TOC O:
JrrnuM. *M O: ussgescheldenn. <"* 0: bricht. O : oberkelt. «s« 0: herltakelt.
«•bb O: «lfau. '" O: vorti.ip». kkk O: «icn
Digitized by Google
M8
387. Stück.
dar zu, unnd dy selben henzuglegen* unnd zu entscheiden, sollen von
uns unndb unssern erben unnd nochkomen' uss unssern reihen, aropt-
luthen adder mannen czwene unnd von den von erflortd ouch czwene
jrer frunde geben werden jri vierczeene tagen ufl ersuchen der partien,
der solche sache' angelegen synt;8 dy selben vierh sollen angelegene
stete jn doringen,' dar nochk jnnen vierczeen1 tagen tage satczunge
thonm unnd sich beflissigen, dy irrunge fruntlich by zu legen, unnd
ab das nicht ge syn mochte, beyder parthien" vor brengen0 schrifitlich
zu sich nemen, unnd dar uss mit rechte, wy sy wissen, entscheiden.
Ob aber dy viore des entscheides* sich nicht vor eynten, sollen sy uff
alles schrifftlich *» unnd anders vor brengen, dy parthien r noch* gemeynen
beschriben rechten unnd noch ane wisunge1 der gelorten u recht wissenden,
dyT der Sachen nicht gewant noch vordechtigk syn, ufl der parthie
kost entscheiden ; darby w es blyben unnd folezogen werden sal, j ane
alle uss czoge adder zu flucht eynichs weges* unnd hulfle des rechten.
Der aller wir uns vor uns unde* unser erben unnd nochkomen,1 des
glichen dy von erffort** sich vorezogon haben unnd vor czeenl,h uns
beidersyt der aller, es sy appelacien, supplicacien, restitucionen, re-
ductiononcc, ander hulffedd unnd zu flucht des rechten eigentlich, öffent-
lich unnd wissentlich mit dissem breffe0*: —
Es sal ouch disse vortrachtff dorchw keine sache, wy adder wu
vonhh dy jmmer kome mochte," vorkk gancz noch en teyl" uff ge saget
noch abe geschreben mm werden, sundern m wir gereden unnd geloben
vor00 uns unndpp unser erben unnd nochkomen w obgemelter wisse
by unsern fürstlichen werden" unnd woren" worten, den jn allen"
stucken unvorbrochen, gantcz unnd unwedderrufflich,,u zu balden, alles
truwelich" ane arge list unnd ane alles ge verde. Des zu warer er-
kunde™ unnd bekentnisse," ouch steter fester unnd ewiger haldunge
haben wir unser grosse forstliche™ jnsegel" an dissen breflm
wissentlichen bbb hengen losssen.ccc Gescheen unnd gegeben zu wymar
nochddd cristi unsere herrenoeB gebort m vierezehn hundert unnd in
demc«e dryundeachezigisten jaren uff montagk nochhhh unser lieben
frowen tage purificacionis"' zu dutczkkk lichtmesse gnant111
Hir ufl bekennon wir obgomelton ratisraeister, rath unnd retbe
vormmm uns unnd1""1 unser nochkomen000 unnd gemeyne der stad
* O: hinxnletceu. »> Fehlt In O. ° 0: nachkonieun. d 0: Erffort. c O: vlencebco.
f O: aoltch aneben. K O: iln. h 0: vlore. 1 O: Durlngcnn. k (): darnach. 1 O:
vlerzcohenn. m 0: thun. " HS: p&rthio. ° O: furbrengeu. P O: entscheide«. •» O:
M'briefftMcba. r HS: parthle. " O: noch. 1 O; nach nncwijunft. u U: m-lrrt. x l>t«
Worte dy — on t*cheld«>n fohlen In HS, aua O i-rKänit , al«-r In Stulleaclter Orthographie. " 0:
darhio. x O: eynch» vtagM. * Fehlt in O. * O» nactikomeuii. ■* <>: ErtTurt. bb O:
vereefehen. M O: nppellaclon, auppltcacinn, resttiuclon, r<<tuction . Ai O: bulff. O.
Iirleff. " O: dieser vertrau. w O: durch. hh O: wor von. 11 O: komen moebt
kk O: für. 11 O: oynatell«. mm O: ob«e«chrtohen. ,,n O: «.undir. 00 0: für. Vf Fehlt
lu O. «I'I rt: nftchkomenu. rr 0: wlrdinn. *• O: w.trenn. u HS: unnd allen. Mn Oj
unwidderruffllch. T" 0: truehlich. ww <»: urkande. " O: hekentalai. *r 0: fu fit liehe
»■ 0: Innipelc. O: l.rlrff. "* O: wtwentllch. <">: henckon laaaen. 0: nach
O: b*rrn m (): ^cbtir». Im "hh «">: nnch. 111 0: purifleatlonl«
kkk O; .IntÄch. '» O: )i<<chtit>e«M> miaut. mmm 0: für. Fehlt In O. <*»• o:
nachkumen.
Digitized by Google
388. Stück.
MO
erffort," das wir uns mit czitlichem vor gehabten b rath mit gutem
wissen unnd willen aller funff rethe unnd unser eldestenc mit den
obgemelten unssern gnedigen hernd vor sich unnd jre erben unnd
nochkomen0 solcher vorschribungef unnd aller dar jnue vormelter stucke,
punckte unde artikel alles jnnehaldes* unnd lutesh vor | eynt, vor tragen v
unnd jn ewige czit stete unnd feste zu halden bewilliget, gereth unnd
ge lobet1 haben, vor eynen, vor tragen unnd bewilligen uns derselbigen
aller unnd iglicher semptlichk unnd jn besunderheit, so vele1 uns unnd
gemeyner* stadn jrs° inhaldes«1 betrefft'» unnd gebort/ Wollen unnd
sollen ouch dy also stracks* unnd uff richtigk halden, unnd1 dar widder
nicht thun adder zu thunu, schaffen adder bestellen adder jmandesT der
unssern dar widder zu synew jn eyniche wisse1 gestatten.
Es sal ouch disse vor tracht* durch keine Sache, wy adder wo von
dy jmraer körnen mochte/ vor gancz noch enteyl" uff gesaget noch
abe geschrebenbb werde," sundern dd wir gereden unnd geloben«* by
den pflichten unnd eyden, so wir der stad erffort" schuldigk sint«
unnd unssern waren worten unnd truwenhh vor uns unnd unser
nochkomen" den jn allen stucken unvorbrochon , unwedderufflich kk
zu halden, alles truwelich," ane argelist unnd ane alles geverde. Czu
warer orkiinden>in haben wir unser stadnu erffort00 gross jnsigilpp an
dissen breffqq thun hengen.rr Geben zu erffort** noch" cristi unsere
hern gebortuu vierczehenhundert unnd jn dem dry unnd achczigisten
jaren uff montagk nochVT unser lieben frowen tagkww purificacionis "
zu dutcz" lichtmesse genant."
Scriptum per me Conrad um stolle, vicarium sancti severi erffor-
densis.
388. Vou eynem tonieye1 zu Erfforte.
Anno domini M°CCCC°XCV10 an deme achten tage petri et pauli2 14»6
was eyn torney zu erfforte; dar vor wol X wochen lisssen dy von
erffort zubereiten eyne viereckichten czwefachen blancken | uff dem 300
anger von den lintwormen3 an biss schere zu der sperstangen 3 bereiten
• O: ffemeyne Statt Erffort. h H8: vorpohnhen; 0: tcittllrbom vorgehabtem. c 0:
eldltton. a 0: hemi. * 0; für «Ich, jre erb«n uixl nachkomeit. r 0: nollcbor verachrlbonK.
K 0: jimkalla. h 0: lanta. • 0: gi'rrtt und frlobct. k US: aeoipllch. 1 0: v!l.
m HS: geinryii«. n 0; atatt. " HS: jr jni. P 0: jmibnlta. 1 0; betrifft. r 0:
gebort. * HS: atnrck. 1 Fehlt in 0. » In HS fohlt: adder tu thun. T Os ymantü.
* O: iin. * 0: wb>». 7 O: dto.r vortra«. « O: mocht. " 0: eynaatella. bb 0:
abeirtwcbrleben. 0: werden. dd O: sonder. «"* O: nlob*n. 0 K : statt Erffort.
«r 0: «In. Mi 0: tro.Un. «' 0: nachkomeo. kk O: oowiddorroffltch. 11 0: Iroebllch.
"»» O: orkond.-. nn 0: «um. °" Kehlt in 0. PP 0 : Inaigrl. t«J (); diown brieff
™ 0: hengken " O: Erffort. « 0: nach «•» 0: irrhart. TT O: nach. ww 0: tj»jro.
" 0: portncatlonle. 77 0: dutacb. " <>: lb-chtmoaae wallt.
388. 1 Dieses Turnier (über ein solches s. die Anm. zu Stüek 46) samt dem
Fest»» im Rathause hat in seiner Weise bildlich dargestellt H. Kruspe, Erfurter
Bilderchronik, 1879, 8.76—80; s. auch Falekeustein , civil. Erf. bist. crit. S. 481
bis 433. 5 Mittwoch den 6. Juli 1496. 3 Jetzt das östliche Ende des Angers,
wo das Lutherdenkrnal steht. Das „Haus zum Lindwurm" (s. Hartunp, Häuser-
Digitized by Google
520
•m stück.
mit dicken starcken holczern, als eyn man dicke ist, unde mit vier
ingengen; do worn siege an gemacht von holcze, dy man uff czoch,
wann man uss unnd in rite solde. Der rath liss ouch eyn nuwe
huss1 uff howen. das stunt hart an den blancken an dem wasser kein
dem gülden hersse,5 unnd was gedecket mit delen unnd hatte vier
bodeme über eyn ander, unnd was XII klafftern langk, nicht feie wid;
uft deme husse stunden dye eldesten von dem rathe, uff dem andern
bodem etliche von den edeln, unnd der forsten marschalk, hofemeister.
kenczeler unnd solch folk. uff dem understen der stad gesinde
unnd geraeine folk von den forsten, ufl dem dritten unnd Vierden
bodem
Item an dem husse dy queren über worden gespannen dry lange
tuchere, als langk als das huss was; an dem mittelsten tuche worden
an gehangen der czweier forsten wopen gebrudere, herezoge frederich«
eyn korforste, by drisigk jaren alt. unnd herezoge bans*, dy quomen
in dissen torney mit feie grafen, ritteren; unde der wopen7 hingen
alle uff dy syten by der forsten wopen unnd wass XX. Item dy vod
erffort hatten ouch losssen grosse quadern fure umme dy blancken
unde innewendigk in den plan wol by funff hundert waine toi sande».
unnd in dem quinger* stunden eyn wepener an dem andern zo ringe
* umme her, an der | czal funff hundert, alle wol gewopent Do hatten
dy forsten eynen ekel* inne alle mit stritbarten 10 unnd spisse in den
henden. Item der houbtman 11 der von erffort mit svnen dvnern
unnd folke wol by LXXX man, ouch wol geharnest, dy hylden vor den
lintwormen, ouch worden alle thor wol bestalt unnd dy borgk sente
celiax unnd in allen klostern tagk unnd nacht, unde die kethen in
der stad worden alle an geleit unnd hutere da by. Item uff den
dinstagk dar vor,12 do reten dy czwene forsten zu erffort in mit
czweien hundert pferden mit schöner czirunge, unnd XV1I1 grafen
unnd feie rittere mit on. Item uft dy mitwochen zu achten gingen sy
zu der messe zu unser lieben frowen. Do es XI slugk, do czogen sy
uff den anger, alle wol geharnest, nemelichen XX person; do worn dy
chronik der Stadt Erfurt I, S. XXV No. 1523) ist jetzt Anger No. 3. Ebenfall*
am Anger lagen die Häuser zur .»Grossen und Kleinen Speerstange" ( Härtung:
a.a.O. S. XXV No. 1513 u. 1514 u. I, S. 43 ff.), jetzt Anger 12 u. 13. * Es
war also ein „Schauhaus", d. h. überbaute Tribünen, errichtet. Ein „goldener
Hirach" ist um« dort unbekannt; wohl aber lag am Anger das „Hau* zum Hirsch
und Rosenberge'' (Härtung a.a.O. No. 1532), das Stolle wohl meint. Das Hau*
existiert nicht mehr, es Tag in der (regend, wo das heutige Kaiserl. Oberpost-
diroktionsgebäude steht. * Kurfürst Friedrich der Weise (geb. 17. Jan. 1463.
reg. von 14-8*» — 1525) und «ein Bruder Johann der Beständige (geb. 30. Juni 1468,
reg. von 1525—1532). 7 Diese waren bemalte Holzschilde, von denen wahr-
scheinlich noch einige in den Sammlungen der Stadt Erfurt erhalten sind.
* Mundartliche Nebenform zu „zwinger" und „twinger", wie „quinc" und
„quiugen" — - „twinc" und „twingen" häufig vorkommt. ,J „eckel" u. „ekkel",
stn., — „Stahl". 10 „harte", *wf., bedeutet allein schon „Beil, Streitaxt", hier
aUo das KomiHjHituro = „Streitaxt". 11 Falckenstein a.a.O. S. 432 nennt iho
Krff (?). ,? Am 5. Juli
Digitized by Google
388. Stück. 521
forsten mete. Ummer dar ranten czwene unnd czwene kein einander
mit schärften glanczen,13 eyn par noch dem andern, unnd wanne sy zu
sammen geranten, als balde dar noch czogen sy ore swerte uss, dy sy
by sich hatten, unnd hiwen sich über dy kopphe, arme, Up unnd wo
sye hene wolden, eyn miserere14 adder czwey langk. Dar noch reten
X adder XII cz wisseben sy, dy hatten lange Stangen, unnd dy schiden
sy von eynauder; dar noch etliche, dy uff derao huse stunden, dy dar
zu geordent worden, dy hingen der czweier schilde, dy sich getorneiet
hatten, ufl an das uberste tuen; dy ersten waren dy foisten, adder
nicht zu sammen, sundern mit andern grafen. Do das eyn ende hatte,
do quomen andere czwene, in aller forme als dye ersten, biss so lange,
das dy X par alle torneiten | hatten. Do das umrae was, do czogen 901
X der obgnanten torneier kein den lintwormen unnd X by der sper-
stangen, unnd dy XX hüben alle glich an zu rinnen mit foller macht
ufl eyn mal unde stochen zu sammen iglicher uff synen gegaten15
mit scharfen glenen adder glevelingen. 18 Als balde noch deme rethe
czogen sy alle glich uss ore swerte unnd ranten under eynauder unnd
hiwen sich gliche als vor; dar noch worden sy gescheiden, dy dar zu
geschicket worn. Dar noch reten sie alle gliche ye czwene unnd
czwene zu den berbergen zu. Uff den selbigen tagk was es sere heiss
unnd warm, das sy schere ersticket waren; dy czwene forsten reten
zu forne unnd dy andern en noch mit trometen unnd packen, unnd
czogen dy helme abe unnd rethen heym in ore herberge. Do slugk das
seyer funffe. Ufi den abent noch esssen quomen dy forsten mit orer
herschafft uff das rothuss unnd tanezten zu den wolflen.17 Dy von
erflort hatten eine holczerne brücken adder gangk lossen machen von
dem rathuse zu den wolffen zu einem rathuse fenster uss über dy
strosse hen , das noch ny gehört noch gewest ist. Do sy uss ge
tanezten, do gingen s}' von den wolffen uff das rathuss, do hatten dy
forsten evne kostliche credencz losssen bereiten von silbere, unnd alle
getissse über guldet; do stunden uffe hundert unnd soben stocke1*
silbers, ane was uff den tisschen umme her stunt. Do was eyne
kostliche collacie bereitet mit mancherleige confeckt unnd kosthehen *
winen. Da sosssen dye eldesten von dem rothe unnd dy frowen unde
dy junckfrowen umme her, unnd dy torsten dy gingen umme her unnd
schenckten in unde denten zu tische, unnd hatten dar zu eyne grossse
ia Nebenform von „lanze" ist „glänz" (s. Dieffenbacli , novum glossarium
latino -germanicum, 1867, s. v.). 11 D. h. so lange man den Psalm miserere
mei, dominc (der 50. d. kath. Kirche) betete. 15 „gegate", swm., = „Genosse".
Grundform „glavie" oder „glevle", daraus entstand „gleve", kontrahiert „gle",
weiter gebildet „glen", stf., ^= „Lanze". Von „gleve" ist ,.gleveling" Deminutiv-
bildung, s. St. 2tf A. 1 u. St. 204 A.2. ,; Das Haus „zu grossen Wolfen"
(s. Härtung a. a. O. S.XXXXIIl No. 2551), jetzt Fischmarkt No. 17 , lag dem
Rathaus gegenüber; von ihm ward also eine hölzerne Galerie zum Rathause
hinüber, zum grossen Rathaussaale, über die Strasse hinweg gebaut. 18 „stocke'*,
mundartlich, — „Stücke, silberne Stücke"; damit ist das Tafelgeschirr gemeint,
besonders die Konfektträger, Kühlgefiwsse u.a.
Digitized by Google
522
389. Stück.
Inst unde froude. Item den andern tagk zu nacht aber also. Item
uff den donnerstagk, das wass der dritte dagk, zu czwolfen, do reten
dy czwene forsten uff den anger mit orer herschafft unnd stochen
mit krön11' unnd ouch scharff, als vor was in dem torney; adder dy
wepener umme her dy blancken worn nicht da, ouch wolden das dy
forsten nicht haben; sy meinten, es were nicht nod, sundern dy stad
dyner unnd ander bestaltnisse was follekomen wol bestalt al heimelichen.
Das werte ouch, das das seyer funfe slugk; dar noch noch esssen*0
hatten sy aber tancz, als vor, unnd das rathuss was an den wenden
alle umme her wol behenget mit feie gülden stucken unnd kostlichen
geczirden. Item uff den fritagk czogen dy forsten kein wimar, unnd
komen uff den nesten sonnabent widder keyn erffort unnd brochten
mit sich den bisschoff zu mcydeborgk,21 oren üblichen bruder, unnd
dnr zu ore swester dy konginge von dennemarcken," unnd dy
eptischen von quedelenborgk,28 ores vater swester; dy alle bieben zu
erffort biss uff den nesten suntagk. Dar noch czogen sy alle gliche
keyn ache, do danne dy fart hene was das selbige jar, ane herczoge
frederich der korforste, der bleib zu isenache.
Item do sy von ache komen, do komen sy wedder kein eiffort,
das wass uff sente lorenczen tagk,24 | unde logen do eynen tagk unnd
czwo nacht; unnd dy czwene abende tanczten sy zu den wolffen alle
vor; dar noch czogen sy kein wymar.
Item an dem nesten tage noch unser frowen tagk worcze*5 wee,
do komen dy czwene forsten gebruder wedder kein erffort unnd
hatten do eynen schutczen hofi26 biss an den Vierden tagk; do hatten
dy von erffort eyn wal27 losssen machen, das was eyn husschen mit
eynem dache unnd knouffe unnd driete sich umme, wy man wolde.
Finis.
389. Wye einer sinen vater er slugk.
Anno domini M° CCCC° XCVU0 an unser lieben frowen tagk letczen
adder nativilatis marie virginis1 in dem dorft witterde2 by Tiffental,
19 S. St. 204 A. 3. 10 Mundartlich für mhd „nachtenen" = „Abendessen".
51 Der oft erwähnte Ernat, s. zuletzt St. 385 A. 12. ?3r Christine, Gemahlin
den König» Johann von Däueinark, reg. von 1481 — 1512. " Hedwig, Äbtissin
von Quedlinburg, 1458-1511, s. St. 3-'3 A. 3. ** Mittwoch den 10. Aug. 1496.
Dienstag d«>n 16. August 1496. ?,i Schützenfest; näheres über ein solches
». St. 317 A. 1 fT. " Gemeint ist die Sehiessmauer (wal, stu., — Wall, Ring-
mauer) als Zielftätto, .»welche vielfach künstlerisch geschmückt war. ein Holzbau
n>it Türmen uud Stockwerken, mit Triumphbogen, 'iVmpel mit Kuppel türmchen,
mit Wappen und Figuren verziert, zu oberst ein künstliches Uhrwerk, darauf eine
bewegliche Figur" (Götzinger, Reallexikon der deutschen Altertümer s. v. Schützen-
f«*t), hier also ein zugedecktes Haus, das mit einer kleinen drehbaren Kuppel
versehen war.
38». 1 Freitag d.8 Septbr. 1497. » Witterda, ehemals eines der 4 Main-
ziachen Küchendörfrr, jetzt preussisches Dorf, im Landkreise Erfurt; ebenda das
Dorf Tiefthal.
Digitized by Google
389. Stück.
523
des morgens fru, do man zu der metten lutet,3 do stunt eynes
mannes hussfrawe uß unnd gingk zu der metten, unnd der man bleib
legene slofie. Der man hatte eynen son, der hatte eyn wip kume eyn
jar gehatt, der was ouch in des vaters hofe gesesssen. Do der horte,
das dye muter en wegk gingk, do stunt her uff unnd gingk zu synem
lieblichen vater unde fant mit synen fusssen under wegen eyne
heigen,4 dy nam her mit sich unnd fant synen vater sloffen unnd
slugk on eyns mit der heigen. Do anxte5 der vater sere unnd was
sere ersrocken unnd leyte sich wedder nidder. Do slugk her noch
eyns, do hatte hee es gnungk. Do warff der son synen vater uss
dem bette unnd dy treppen en nyder in das buss, als man solde
dencke, he hette sich selbest todt gefallen. | Do was jammer unnd nod, »
do dy muter quam. Her betten gerne in den keller brocht ussse
wege, hee konde nicht. In des komen dy nackebur zu deme handel,
man kondes uff nymandes gedoncke, man fantd das warezeichen an
synen henden blud unnd syne schuhe, he hatte ouch andere kleidere
an ge than, das man das blud nicht spore solde. Es halff nicht, man
murraeltos ufl on, wanne etliche siner nackebur hatten feie mol von
ome gehört, her hette gesprochen, her wölde synen vater er sloe, so
worde her herre über das gutd. Man hiss on flee on wegk; he wolde
nicht gehorche, he meynte, man soldes nicht uß on dencke. Do
quam der kuchemeister" uss unsers hern von meneze hoff* mit synem
gesynde, als das dorff menezisch ist, unde nam den vor sich unnd
fragete an in feie stucken; der erschragk unnd wart sere vorferbet an
syner gestalt. Do marckte der kuchemeister7 wol en by unnd Hess on
grife unnd fürte on keyn erffort unnd Hess on vor höre in der
tomlicze.8 Do bekannte he alle dingk; der vater were ome hart ge
west, dy muter were ome weich gewest, unnd hettes gethon umrae
des gutes willen. Item an dem donnerstage noch sente severs9 tage,
do furteman den selben obelteter von erftort kein witterde vor den
hofi synes vater, do wart her vor orteilt zu deme tode. Dar noch
» In IIS ausstrichen.
8 S. 8t. 384 A. 10. 4 Er Btiess in der Dunkelheit mit dem Fusse an eine
Hacke (mundartliche Nebenform: „beige"). * „anxten'* (mundartliche Neben-
form für ,,angesten'') — „in Angst sein oder geraten", in Thüringen noch heute:
„aufseufzen"; s. Hertel. Thüriug. Sprachschatz S. 60., der auch ähnliche Bil-
dungen nachweist wie ..krunken" u. „krunksen", auch „grunksen" (a. a. O. S. 149
u. 110). ,; In der HS hat Nicolaus Engelmann (seit 1494 Küchenmeister im
crzbischöfl. Mainzischen Hof zu Erfurt — über ihn u. s. Werk: „Sammlung der
Schriften, deren Kenntnis zur Beurteilung der Mainzer Gerechtsame in Erfurt
notwendig erscheinen", s. b. K. Herrmann, bibl. Erf. S. 194) das Wort „kuchen-
lneister" in „voidt" korrigiert und am Rand bemerkt: „uota myns gn. hern von
Menntcz voidt zu Erfforr. ist richter in den Sachen und nit ein kuchenmeister."
Staatsrechtlich richtig; auch musste es ja wohl Engelmann wissen, da er im
J. 1497 Küchenmeister war uud also selbst die Verhaftung des Vatermörders in
Witterda hätte vornehmen müssen. 7 Ebenfalls von Engelmann in „voidt"
verbessert. 8 Das Erfurter Stadtgefängnis, oft genannt (z.B. St. 209.349h
9 26. Oktbr. 1497.
Digitized by Google
I
524 390. Stück.
fürte on der heuger vor das dorff, do hatte er eyne sul in dy erden
•ms ge satczt , do baut her on an , biss so lange, | das czwene grosse secke
mit koln gluwene 10 worden in eyner gruben ; do lagen czangen in
dem ture; do dy glune worden, do czoch der henger den uss syno
kleider unnd ruphte den mit den glunen* czangen syne fusse oben
unnd unden, dy waden, an den beynen, den ars backen, dy arme,
syne syten, buch, rucke unnd allen enden. He was gancz geduldigk unnd
sprach, her hettes wol vordent, ho Woldes gerne liden, he wolde euch
sterbe als eyn recht fromer Christen mensche. Dar noch nam on der
henger von der sul unnd bant on uff evn bret adder boss tisch11 ufl
synen rucke unnd sneyt ome syn gemechte gancz uss unnd abe
unnd warff das in eyne gruben. Dar noch sneyt der henger czwisschen
synen brüsten in unde ummer nedder hen zu deme nabel, zu den
buch reine uff, das das goderme alles mittenander er uss fei, unnd
nam das unnd warff das ouch in dy gruben zu dem gemechte. Dar
noch hiw her om deu koph abe mit eyner harten und nagelte das uff
dy sul unnd hiw unnd sneid dar noch on an vier tirteil unnd dy vier
fertel12 an vier sule an vier orte des dorffes. Also hatte syn ende.
Got behüte alle fromen vor eyuem solchen smelichen tode ! b
390.
305 1502 Anno domini MVC secundo penultima die octobris, que fuit dies
dominica etc. circa terciam horam post prandium, do kam gereten eyn
kardinal, remundus1 genant, zcu sant johans thore in, eyn kardinal
" BH: grünen (k Ut corrijrfert, d. h. mit einem b-*rtijfcn Anstrich voraoben). b Die Selten
303 T, »04 und »04* *lnd Iii dor HS unbapcbriobeii.
10 Mhd „glüejen, glüewen, glfien" = md „gluwen" u. kontrahiert „glun =
„glühen" (intrans.i. 1 He Hinrichtung geschah also mit ausgesuchter Grausamkeit :
nach dem Zwicken mit glühenden Zangen folgte die Entmannung, dann das
Fleischschneiden aus der Brust , das Ausdärmen , endlich das Enthaupten und
Vierteilen. 11 „Bosstisch" ist sonst nicht nachweisbar. Eine analoge
Bildung haben wir nur in dem Erfurter Worte: „Bosse -Wage", Name der
griVsstcn Wage in der Erfurter „Wage" (d.h. Kaufwarenniederlage); auf dieser
Wage mussten die Waren über 10 Centner gewogen werden, b. Erfurter Stadt-
archiv, Kopialbüeher, No. 8 fol. 22lv; — A. Kirch hoff . Die ältesten Weistömer
der Stadt Erfurt, S. 82; hier hat also der Wortteil „boss" bloss die allgemeine
Bedeutung „gross, grob" (s. potschu 8t. 45 A. 4 u. bÖ3e St. 104 A. 3), und danach
wäre ein „Bosnisch" ein grosser, rohgezimmerter Tisch. Doch können wir „boss"
auch mit uihd „Iv^cu". „schlagen, klopfen" zusammenbringen (von demselben
Stamme findet sich auch „biu3en", stv., „schlagen, stossen,' und „bilden", swv„
„bauen, behauen"); danach wäre „Bosstisch" ein Tisch, auf welchem geschlagen
oder geklopft wurde, also hier eine Art Folter- oder Henkertisch. 11 Stolle
hat wohl vergeben zu schreilwu: „nagelte er".
390. 1 Die s»>hr nachlässige und kaum leserliche Schrift in der HS, sowie
die Uufertigkeit der sachlichen Behandlung und de« sprachlichen Ausdruckes
(Satzbau, Flexion der einzelnen Wörter, Orthographie) zeigen, dass Stolle diesen
Schills* seines Werkes hingesehrieben hat, ohne das Einzelne sorgsam zu erwägen
oder es noch einmal zu prüfen. Im übrigen s. H. Beyer, kurze Geschiente
Digitized by Google
390. Stück.
525
von dem bobiste allexander2 geschigk, eyn legate do latere pape mit
dem gülden jare zcu notcz unnd fromen den meynschen unnd seli-
keyt der sele. Zcu der czit schigkten sich dy geistlicheit mit den
wertlichen dem gnanten kardinal eir unnd lob zcu erczeyen, ora ent-
keyn gegangen unnd ön zcu entphaende. Zcum ersten rector uni-
versitatis3 raagister horbesteyn mit doctoribus, magistris, baculariis»
unnd studentibus mit grossser sammenunge in processione,4 darnach
religiösen, dy mergenknechte, dor noch dy augustiner, dor noch dy bar-
fussen, dor noch dy prediger, dor noch dy peterer, dor noch dy schuler,
dor noch dy czwey cappittel, canoniken, vicariien, dor noch der apt czun
schotten,5 der apt zcu sente peter6 unnd der wybisshoff er jobannes
lasfe7 in oren inflen en keyn gegangen denen gnanten kardinal vor
sente johans thor, alle in processionibus, unnd der rad zcu erffort
hatten ön geholt unnd geleyten ön zcu ersten thore yn biss uff mittel-
teyl czwosssen czweyn thorn, do steyg er von synen pferde uff eyn
bangk,b do worn dry kosssen uffe, von der bangkc uff dy erde, do
worn ouch vier kosssen geleyt. Do knitte der kardinal nedder uff den
kosssen mit blosssem lioitte;* do vor stunden der apt zcu den schotten,
der apt zcu sente peter, dy wiebisshof mit ören inflan unnd entplosten
sich ore inflan alle dry; unnd der bisshoff knitte vor den kardinal uff
dy kosssen unnd neygete sich keyn dem kardinal mit eynem silbern
grosssen cruce; do neygete sich der kardinal zcu dem cruce unnd koste
es unnd stunt widder uff, unnd syne dyner höhten | öm widder uff sy ▼
phert. Do gingk dy procession mit gesange vor öm in dy stad, unnd
er gab dy geben edigung 10 obber dasd volgk dy johanss11 gassse enufl,
obber den anger, by sente vit, obber dy langebrucke vor dy greten,
by deme fulloche en an biss vor unser lieben [frouwen]e kirchen. Do
• HS: bacnlaiia. b HS: bargk. * HS: barngk. «*• HS; ^ e PlAU to |I8
der Stiftskirche B. Maria« V., MOE VI, S. 154 u. 198. Et. ist derselbe Kardinal,
welcher achon i. J. 1488 in Erfurt war, s. St. 841 A. 1: .Kaymund, päpstlicher
Nuntius, Kardinal von Gurk. * Papst Alexander VI., 1492—1503. 3 Im
Wintersemester 1502 — 1503 war Rektor Johannes Gans , arcium liberalium
magister, ecclesiaadce literature licentiatu* , 8. Weissenborn, Akten der Uni-
versität Erfurt, II, 1884, S 226. 4 Die Erklärungen bei den 2 grossen
Prozessionen i. d. J. 1482 n. 1483 — St. 335 n. 384 — geben den nötigen Auf-
schlug auch hier. In tiner (im Privatbesitz, im Antiquariat von L. Rosen -
thal in München befindlichen) Urkunde vom 3. Juni 1499 heisst er: Nicolaus,
Abt des Schotten klostera, Konservator der Rechte und Güter der Universität
Erfurt n Johann Hottenbach von Siegen (1501-1525), s. Böckner, Petere-
kloster, MGE X, S. 65—67. 1 S. St. 365 A. 3. 8 „kossen", mundartlich,
— mhd „küssen", ntn., „Kiesen". " Eine der vielen mundartlichen Formeu
für mhd „houbet", „Haupt", s. Brandis a. a. O. II, S. 4. Mundartliches
Substantivum vom Vb. gebenedlen „segnen4*, also der priesterliche „Segen'4.
11 Der Kardinal ritt also durch da» Johannesthor ein, die Jobannesstrasse ent-
lang, dann über den Anger und die Regierungsatrasse an der St. Vitikirche (jetzt
Gasthof zum rheinischen Hof) vorüber, die Langebrücke vor die Domstufen,
dann am Faulloch (auch Fallloch genannt, jetzt Friedrich Wilhelm-Platz) vorüber
nach dem Dom.
Digitized by Google
1
526 390. Stück.
sas er abe unnd giogk in dy kirchen ; do sangk man tedeum. In der
procession unnd inholunge do war gebrant vel fass12 öm zeu ere,
nenilieb eyn fass vor sant gehanss thore, item IX fass in sente johanss
gasssen, item XIV fass obber den anger, item II fass by sente vit,
item in fass vor den greten, item II fass ober deme fulloche, item
II fass ufl sente petersberge, item III fass uff sente peterssberge post
quintam boram uff sente petersberge. Mit solchen solemniteten hat
man uffgenomen, ingefurt unnd zcu herberge brocht uff sente petersbergk.
Item uff allerheyligen tag kam* er gereten zcu unsser lieben
frouwen kirchen czwosssen achten unnd nun uuud gingk in dy kirchen
unnd vorbrachte daz [sie] sei best dasb amt der heyligen messse. Zcu der
messe ministriten öme der bisshoff, dy czwene apte, der thechant, schul-
meyster,c 13 als das* acht prelaten unnd thumhern öm ministriten zcu
der messe. Dar noch noch der messe gingk er zcu der thor uff dy
kaffeten,14, get an dy ecke der kaffeten; do worn tuchere geleyt uff dy
steine. Do gingen mit 5m dy epte, der bisshof mit andern prelaten.
Do trat er an dy ecken unnd gab dy gebenedigunge obber das* volg;
unnd dy kafleten was' vor slagen unnd vorneylt mit bretern, das*
nimant künde enuff kome; unnd h unde nidder kaffeten was' eyn
gross seyl geezogen mittene vor den greten biss obber den kolmargkt.15
Do wask der platcz vor den greten, dy stuffen uff unnd czwosssen
beyden kirchen gedranglichen gross vel volkess, das1 empfing dy geben-
digunge. Unnd das» nam ende zcu XI hören.
• HS: kon. •» HS: dat. * HS: achulmeUl«.. * H8: da«. • HS: dax. f HS: wai.
K HS: da«. * In der HS fehlt wohl: obber. > HS: wir k HS: wat. 1 HS: da«
■ H8. dat.
" Weihrauch in Räucherfässero. 13 Der Schulmeister fgcholaaticu«) gehörte
zu den Prälaten des Domes, er war Vorsteher der Domachule, ». St. 335 A. 5.
14 S. St. 3'20 A. ö. 16 Der Kohlenmarkt war der zwischen dem Karthäuserufer
und der Löberstraaae gelegene Teil der Karthäuseralrasse , 8. v. Tettau, Topo-
graphie, MOE XII, S. 51.
Digitized by Google
f
Nachtrage und Berichtigungen.
T. Nachträge.
• Während des vom Januar bis Mitte August 1900 währenden Druckes des
Texte« und der Anmerkungen sind einzelne wichtige Werke ungefangen oder
fortgesetzt worden, andere Abhandlungen neu erschienen, die nur zum
Teil benutzt werden konnten und daher an folgenden Stellen nachzu-
tragen sind:
1) C.Beyer, Geschichte der Stadt Erfurt: Zu St. 65 S. 95 ff ; von St. 188
S. 129ff.; St. 198 bis 215 S. 175 -181; zu den Jahren 1459 bis un-
gefähr 1500 (St. 198—201,204—215, 221-228. 226—258) für die
geschichtliche Entwicklung Erfurts S. 194 ff., für die kulturgeschicht-
lichen Teile S. 217 ff.
2) Bernhardt, Vom Tannhäuser und dem Sängerkrieg auf der Wart-
burg JAE N. F XXVI, 8. 105ff. zu St. 88 A. 7.
3) Liebe, Die Juden im Mittelalter, JAE, N. F. XXVI, S 115 bis 123
zu St. 130. 13Ü. 138 (zu St. 193 A. bereits citiert).
4) Max Georg Schmidt, Die Siedelungen nn der Hainleite, Schmücke-
Schrecke und Finne, Mitteilungen des Verein« für Erdkunde in
Hailea. 8. 1900, S. 22 ff. (erwähnt St. 209 A. 3); es finden sich Bemer-
kungen über folgende von Stolle erwähnten Orte: Sachsenburg, die
Sachsenburgen und die Sachsenburger Pforte (S. 23. 25. 26. 27. 43
44. 45. 46. 48 f.), das Geschling bei SondershauseD und die Frauen- wie
Jechaburg, auch das Dorf Bebra (S. 23. 24. 25. 26. 29. 43. 45), über
Harras (S. 29. 33 f. 36. 44. 45. 46 f.), .Heldrungen (Schlossheld rungen,
S. 34. 36. 38. 39. 40. 47), Eckartsberga und die Eckartsburg (S. 23.
44. 45. 46. 48 52), Wiehe (S. 27. 34. 36. 41. 49), Burg Rabiuswalde
(S. 31. 45. 46. 49), Hardisleben (S. 30. 37 . 44. 45) und Rastenberg
(S. 31. 87. 44. 45).
Ferner ist zu St. 9 A. 1 zur Sache noch die Überlieferung bei Sueton,
vita Tiberii cap. 42 und Plinius, Hist. natur. XIV, 22, 145 zu ver-
gleichen.
Zu St. 83 A. 1 sei bezüglich der Glaubwürdigkeit der vita Ludovici
noch einmal auf Werneburg MGE VIII S. 62-68 hingewiesen.
Digitized by Google
r,2s
Nachträge und Berichtigungen.
IL Berichtigungen und Druckfehler.
Es «iud nachzutragen die Zahlen der Stücke vor. Anmerkung 1
je auf S. 37 (1), S. 43 (2), 8. 44 (3), S. 45 (4u.S), S. 46 (6), S. 47 «7)
und S. 48 (8).
Verschoben haben sich die Anfangsbuchataben der Seiten: S. 53, ZI. 21
u. 22, S. 56, ZI. 23 u. 24, S. 407 ZI. 4 u. 5.
Druckfehler:
S. 47 letzte ZI. lies Ann.. 2 für 3.
S. 68 ZL 18 lies an '\
S. 89 ZI. 17 lies ingeaeger* und ZI. 24 houbte«
S. 90 ZI. 25 lies Kot.
S. 145 ZI. 2 v. u. (Text) he« wolde de.
S. 212 ZI. 5 v. u. (Anm.) lie« St. 154 A. 3.
S. 236 ZI. 9 lies steten
S. 277 ZI. 5 v. u. (Text) lies bichtvaler.
S. 825 ZI. 2 v n. lies St. 226 A. 9. a E.
S. 391 ZI. 5 v. ii. (Text) lies nomen die
Digitized by Googl
Register.
I. Orts- und Personenregister.
A.
appelstete (appfclstete) Apfelstädt (Dorf)
2&L
apotcz Apitz, Sohn des Landgrafen
Albrecht 125. L7JL LTL
apolde Apolda l£fL22fL
abraham Abraham 40.
apnlicn Apulien H5. 104.
ache (oche) Aachen IL 2üß. 2fi2. 21fL 315.
320.331.353.522.
aconensis civitas (ackon) Stadt Akkon
2S7. 290.
adarn Adam 44- 45.
attersleuben Attersleben 19fi
attrabatensis, apt Apt v. Ar ras 270. 291.
adelbertus. eptscopus maguntinu* Erz-
bischof Adalbert L v. Mainz 286.
atella Atella 48.
adolflf Adolf von Nassau, deutscher König
17JL122,
adolfus de nassau Adolf von Nassau,
Erzbischof v. Mainz S2L 353. 394.
395.
adrianus Hadrian IV., Papst Z&
afTrica Afrika 3JL 105.
avingona Avignon 478.
agnes Agnes, Schwester des Landgrafen
Ludwig IV. v. Thüringen 143.
agncs, marchionissa miscie Agnes, Mark-
grafiu v. Meissen 4 ZTL
aylsburg Ayls bürg 176.
aiapien Aleppo 28.
albanus Albanus 53.
albanus (sente, in Mainz) Albanus 122,
alherheym Albcrhoyro 104,
albrecbt Albrecht v. Osterreich (späterer
römischer Kaiser) 177.179. 181. 182.
albrecht Markgraf, Kurfürst Albrecbt
(Achilles) v. Brandenburg 2fiL 325. 335.
338. 340. 34L 34A 34L 350. 35L
albrecht Albrecht, Herzog v. Braun-
schweig 1Ü3. HLL 1£5.
albrecht von landisborg Markgraf Albrecht
v. Landsberg L2JL
X. StoUeaMetnorlale.
albrecht Albert, Markscraf v. Röthen-
Anhalt 1SL 188.
albrecht Albrecht der Unartige, Land-
graf v. Thüringen (Sohn Heinrich des
Erlauchten) 1B4 lf>8 175, 17fi 177 178
179. 180. 18fi. IBS.
albrecht, herezog von Sachsen, lantgraf
in doringen. maregrave zu missen (Al-
brecht der Beherzte) 340. 34iL 341.
350. 35L3_2ß 4S5.50JL üÜiLölü.
albrecht, herrzoge von missen, thumherro
czu mencz , Albrecht , Herzog von
Sachsen, Domherr zu Mainz, Provisor
auf dem Eichsfelde und im Mainzerhof
zu Erfurt, Administrator des Erzbis-
tums Mainz SÖJL 39JZ. 4ß2_. 4SI 482..
494 504.
alkersleuben Alkersleben 198.
aldenberge Altenbergen, Dorf bei Friedrich-
roda 85. 86. 117.118 472.
aldenborg Altenburg 182. 188. 232.
aldenborg Altenberg, Grafschaft Borg (in
Westdeutschland) 342, 343.
aldendorf Allendbrf 165.
aldenguttern Altengottern 213,
alemannia Deutschland 475 477. 480
alexander Alexander (Horodcs) 44. 45. 59.
alheit (albeid, alheyt, alheyd) Adelheid (Ge-
mahlin Ludwig des Springers) 193 124.
alheyd Adelheid (Tochter des Landgrafen
Ludwig I., Äbtissin des Nikolaiklosters
zu Eisenach) 127.
albeidt Adelheid (Gemahlin Kaiser Otto L
bzhsw. dessen Mutter) 7JL
alich Alach (Dorf bei Erfurt) 412. 41ß*
allenblnmen, johan Johann v. Alten-
bunnen 268. 271. 274.
allenblumen, wilhelm Wilhelm v. Alien-
blumen 271. 272. 399.453.
allcxander Alexander der Grosse 42. 312.
313 368.
allcxander Papst Aloxander VI. 525.
ainpirus (Epirus?) 4L
ameliensis (Cardinal) v. Araclia 427.
aminelborgk Ammeiburg 473.
34
Digitized by Google
Register.
ammorbach Ammerbach 2-11.
amorbach Amorbach 495.
ananensis (episcopus) (Bischof v.) Anagni
429.
anast&dus Anastasius II., oströmischer
Kaiser 112.
an darnach (andirnach) Andernach 345. 346.
antonor Antenor 4L
andessleul>en Andisleben, Dorf bei Erfurt
18:1
antiochien Antiochia 101.
antonius, monachus Antonius, (Gründer
der Mönchsklöster) 288.
andreas von butlar Andreas von Buteler 206.
andreas Andreas, König v. Ungarn 137.
andreas, sanetus der hl. Andreas 20 1 .
292. 854.
andreas, arebiepiscopus craynensis An-
dreas Zamomctie\ Erzbischof v. Krain
(423— )432.
anehalt, Graf Heinrich v. Anhalt 1*U.
angeli, saneti, pons ponte s. Angelo (in
Rom) 42Ü
angermunde Angermflnde 379.
aquitania Aquitanien 289.
aquilegensis (Cardinal v.) Aquileja 427.
aquyleycn Aquileja 104.
arberg, grave von Graf v. Arberg 345. H46.
archelaus Archelaus 45.48.
artem Artern 296.
arthus König Artus 5_L
arclatensis (Cardinal) v. Arelat 427.
aristobulu8 Aristobulus 44.
armeneyen Armonia HÜ
arnsberg, ulrich von Ulrich v. Arnsberg 277.
arnstete Arnstadt 121L 196. i;i7 2*i8
28iL aiL 32S. 47i ili
arnsshow Grafin Elisabeth von Arnshaugk
178, (Adelheid genannt) 180. 18*.
arnsshowo Gräfin Elisabeth (Else) die
jüngere von Arnshaugk 178.
arragon Arragonien: König Peter L von
Arra^onien 162.
asia Asien 32»
asschersleuben Ascherslelwn 237. 386.
assissii civitatis Assissi 290.
augustinus Augustin 105. 286.
augustus Augustus (Kaiser) 113.
auspurgk Augsburg 32 1 .
B, P.
babilonien (babilonia, babilonic) 40. 171.
287.428 431.
pactensis (Cardinal v.) Patti (?) 422.
paey (pacii, pecü, peezii, peezil Pazzi
Ü8Ü m 303.
jaeoff Jacopo dei Pazzi 389_ 390.
32L322.
jeronimus Hieronymus dei Pazzi 390.
892. m
franciscus Francesco dei Pazzi 391.
ratica Ratica dei Pazzi 393.
antonio (2] Antonio dei Pazzi 393
wilhelmus Guglielmo dei Pazzi 393.
pallHini Paderborn 101.
haltasar Balthasar, Landgraf v. Thüringen
191. 200. 204. 208. 210. 212. 21::. -'I I
21.*». 217. 21*. 22' >. 221. t7>.
I>al< lewin (Italdowinus) Balduin, Erzbischof
von Trier, Administrator des Erzbiv
tums Mainz Uli- LOA 10JL 424.
j)alla=pallai Kugel) VV appenruf der Mediri
in Florenz 3SL 392,
bamberg (babenberg, bobenberg) Batuberj*
OL 32. 94. 1ÜL HM. im LLL UhL 2ÜL
20JL 254. 2Üfi. 332. 318, 428.
panyas Panyas 98.
barbessen Kloster Barfüssorklostcr in
Weimar 278.
parisiensis parisisch 432.
bariss Baris» 38.
barowc, bans von Johann v. Barau 27A
basil (basilea) Basel 354. 3Ml ML HL
432.
paulus eremite Paulus, der Eremit j£\
paulus (Apostel) 280_
paulus Papst Paul II. 427.
bebara (bebra) Bebra (bei Sondershausen
121. 263.
hechstete Bechstedtwagt 134.
peter (sente) Peterskirche in Rom 111
peters monster Peterskirche in Rom Ii
bethlabem Bethlehem 44.
petrus <sente) Petrus (Apostel) 114. 28*
426.
petrus Petrus (Cardinal) 42L
pegow Pegau 265.
beheme, hans Hans Böhm ML 38L 382.
383.
liohemen (behmen, beemen, bemen, Bo-
hemi, Bohcmia) (Land und Volk) IL
7A, 125. 122. 164. ISL 202. 212, 212.
22J1 222. 232. 230. 218. 210. 2.~>ü. 25L
252. 253. 254. 252. 258. 262. 265. 2M.
2iiLm2I8^m28Ä20jl2^L31iL
329. 335. H39. 349. 425. 479. 48Q, SM.
beyern Bayern (auch Herzöge v. Bayern1!
65. 2Ü.24. 165. 18L. 1ÄL 205. 222. 3L1
503.
beyern (?) Bcarn, König v. Bayern, Gaston
(Vicgraf v. Bearn) 162.
bei Bei 4k
polla Pella 56.
l»emer wald Böhtnerwald 22L
bemesch (bemisch) böhmisch 56. 80. 123
120.210. 257.265. 268.
beonas Bcauvais (Stadt) 3C4.
xl by Google
I. Ort«- und Personenregister.
531
bondeleuben , Bondelcben: Egebolf v.
Bendeleben, Bertha v. Brmdelel>en 137.
benedictus Benedikt 124. 288. 282.
l)crcka Berka a. d. Ilm 249.
berkow, henning von Henning von Bcr-
kau 27_L
hertolt Berthold 38.
l>ertoldus von hennenbergk Berthold,
Graf v. Henneberg, Dechant zu Mainz,
dann Krzbischof 452. 453. 467. 48JL 424,
berg Grafschaft Berg 350.
borgkstrasse Bergstrasse 395.
beringen (grossenberingen, osterberingen,
wol ff beringen) Grossenberingen, Oster-
beringen, \Volfl>eringen 122.
herlestctte(Herr Ludolf von) Berlestcdt 15JL
berlinsch berlinisch 379.
Iiern Bern (i. d. Schweiz) 354. 355.
berne Verona 62.
berneborg Bernburg 25.
berneborg (bernbiu*gk) (Graf von) Ru-
precht III. von Virneburg 12L 122.
l>ernger de schidingen Beringer v. Schei-
dungen 473.
bernbart von kochelierjr Bernhard v. Koch-
l>erg (Kirchberg?) 232.
jKjrsien Persien 112.
perusina civitas Perugia 476.
peruss Perugia 101. 104. 1 53.
pfalcz Pfalz (kurfiirst v. d.) 313.334. 340.
pforten Schulpforta 128. 265, 26L 224.
Philippus Philippus 50,
pyppin (pippin) Pippin 71. 113. 1 14.
pickardien die Picarden (Bewohner der
Picardie) 3JlfL 345. MfL ML 3Ü5.
pickardie Picardie 338.
bichelingen (Grafen von) Beichlingen 6iL
108. 121 132, IM. 220. 235. 23L 232,
244. 474.
pyla Pyla 5L
pylatus Pilatus 43. 50. 5L 52, 5JL 54. 55,
bilerne Bilerne 104.
binterssleulwn Bindersleben, Dorf bei
Erfurt 503.
hingen Bingen 123.413,
pirna Pirna 217.
pisa Pisa 390. 391.
bisschofesleuben Bischleben, Dorf liei
Erfurt 455. 4fiL
pius II. papa — Papst Pius II. 22LJ24, 426,
blamunt Blumont 368.
blanckcnhain Blankenhain L Th. (auch
Herron v. Blankenhain) 108. 194.225.
230. 245. 262. 263. 204. 416. 424. &03.
504.505.
plawo Plaue (Stadt L Fürstentum Schwarz-
burg-Sondersh.) 420.
plawe Heinrich XII. Rcuss von Plauen 191
plawe : russe von plawe Keuss von Plauen 202.
Plettenberg, hunolt Hunold von Pletten-
berg 2TL
plyssen (terra plisnensis) Pleissenland 182.
187. 191.473.
bloeseleiben Biossieiben 472.
blumenberg Blomberg 251.
poppenhaym, acharius Acharius von
Pappenheim 277.
bottelstete Buttelstedt 108. 12L 124. 242,
200. 320.414.
bodenhusen, bode von Bodo v. Boden-
hausen 277.
bodensteyn Bodenstein 2!
boymenl)org (boyraelborgk) Boimeneburg
41. 476.
boleslaviensis. Adj. von Altbunzlau 281.
poln (polonia) Polen 80. 145.322. 330. 339.
379. 425. 430. 462.
bomberg, jorge von Georg von Bamberg
268.
poncien Pontien 5 1 . 52.
bonyt, grave von Bonyt (?) 356.
bomfacius Bonifatius, Apostel der Deut-
schen 7j, 77. III. 112. 113. 114. 115.
116.117.206.
bononiensis (Cardinal v.) Bologna 42L
bonow, heinrich von scolen Heinrich von
Bonow zu Schkölen 277.
portigallia Portugal 425
borgtunna Burgtonna 252.
borgow Burgau 24L 262,
bosse (Vorname) Busso 233.
bosslaus Boleslaw I., Herzog v. Böhmen 75.
braband (probant, brobant, brabancia)
Brabant 144. 163. 164. 445. 45L 428.
Eragensis (adj.) von Prag 28L 284.
rampach Brambach 263.
brandenberg Graf Borghart v. Branden-
berg 1 51 .
brandenborg (brandenberg) Markgrafen
v. Brandenburg 63. 123.236,243.244.
24L 249. 254, 255, 252. 26! 26L 32L
brandenborgk Brandenburg a. Werra 478.
brandenfelss Branden felö 1<>2. '^06. 213.
1 »reger Pragor (Einwohner von Prag) 257.
breytenherde Breitenheerda 196.
bremen Bremen 1ÜL 154. 350. 351. 353.
476.
bremsch Bremisch, Bremer 350.
brenser, peter Peter Brenser 278.
presburg Pressburg 132,
bressla Breslau 322, 322.
britanien Britannien 4L 204.
brysach Breisach 366.
protasius Protasius 79.
progc (präge, praga) 218.227.228 480.
brox Brüx (Stadt in Böhmen) 252.
brutena in k riehen Brutena in Griechen-
land (?) 12L
34*
äd by Google
532
Register.
prumheym, dammo von Dammo v. Prum-
heym 495.
brun, bans Hans Bmn (Bürger v.
Weimar, Küchenmeister) 278.
brun, hans Jobann Brun (Bürger v. NonI-
hausen) 278.
brunnenfelss Brunnenfels 8L
hrunsswig (auch Herzöge von Br.) Brann-
schweig 59. 76. 180. 243. S2L 342. 452.
4,r)8 475.
brunswigk Albreclit II. Herzog v. Braun-
schweig-Salza (Salzderhelden). 203. 204.
prusscn Preusson 42. 58. 168.
bruwerterode Brotterode 1 1*.
bucheler, hans Hans Bucheler (Rinw. v.
Florenz) 224.
buchen Buchonia 24. 25. 145, 203. 208.
210. 219.
budewitcz (bodissa) Bautzen 2ßiL 323.
butstete Büttstedt 263. 264.
bnlczingissleuben (Rudolf v.) BiJzings
leben 152.
bunne Bonn 107. 311.
bunnensis (praepositus) von Bonn (Propst)
473.
bimow, heinrich von, zu droczk Hein-
rieb von Bunow zu Droyssig 277.
burckart (borghart) Burchard (Thüringer
Herzog) 23. LL
burgundia (burgundien) Burgund 282.
22L 2j& 308. 302. 338. 340. 350.
burgundiger (burgundie, burgunriir, bur-
gunder, burgundisch) Burgundier 315.
310. 318. 312. 'ML 322. 323. 324. 325.
326. 330. 331 333. 334. 335. 330. 332.
340, 341. 342. 343. 345. 346. 347. 348.
349. 350. 35L 352. 355. 350. 305. 300,
367. 368. 370. 371. 313.
burgundien (borgundion) herezoge von
Burgund: Philipp der Gute 268. 269 :
Karl der Kühne 308. 302. 312. 313.
314. 315. 310. 317_ 31*. 312. 320.
322. 321 326. 321 330. 33_L
331
321.
332.
336. 83/.
34JL34JL345.mmm352.353.
354. 355. 350. 351. 35s. 359. 300. 30L
362. 302. 300. 308. 312. 312. 430.
C, K.
cappel Herr Gerhart v. Kappel (Ritter)
152.
cnppelndorff (capellendorff) Capellendorf
233. 234. 211 212.214. 215. 222. 504.
kaezenborn , comes de Graf v. Katzen-
elnbogen (?) 474.
karzenel bogen Katzenelnbogen 10s. 109.
kattirfelt Kattorfeld U8.
katenberyk Katenberg 472.
katherina de Sienis hl. Katharina von
Siena 42*3.
katherine von hennenberg, Katbarina,
Tochter des Grafen Heinrich VIII. v.
Henneberg 200.
kalbe Kalbe a. S. 213.
kaldensteyn Kaldenstein (falsch für Falken-
stein) 215.
kalenbergk Kahlenberg 102.
kam, gerhardus Gerhard Kam (Glocken-
giesser) 466. 467.
campanien Carapanien 40.48. 104. 288,
canonicorum et canonissarura ordo Orden
der Chorherren und Chorfrauen 288.
karl Karl d. Gr. IL 12. 113.282.
karl III. Kaiser Karl III. 23.
karl Kaiser Karl IV. (von Luxemburg)
m202.20fl.209.21L
karlstadt Karlstadt 23.
castellanus (Cardinal v.) Castellammare
(di Stabia?) 427.
cassinus mons Monte Cassino 288.
cecilia Cecilia 127.
cecilia Cecilien 425.
koffenbargk Kevernburg (auch Grafen
v. K.) 02. 108, 114. IIS. 128. 194 213.
221 472.474. 47S,
celle Altenzelle 200.210.212.
kemnitez Chemnitz 182. 263.
kerchberg, bastian von Sebastian Ritter
von Kirchberg 277.
kerchbergk kirchberg (auch Grafen o.
Burggrafen v. K.) 8L 120. 119. 200. 2M
232. 243. 200. 261. 212. 21& 282. 415.
kerchhoim Kirchheim 196. 259.
kerstan Christian v. Seebach 220.
kerstan Christian (Geistlicher aus Nord-
hausen, Doktor, Barfüsserordens) 272.
kesselinge --■ petrioli (Sachsen) 42. 58.
cham II am 3JL
chana Kana 50.
christus Christus (sehr oft) 43 u. a.
eipirsch cyprisch 354.
cyborea Cyborea 54.55.
Cyprus Cypern 428.
eiez (czitcz) Zeitz 59. 260. 261.262.
kitezingen Kitzingen 91. 14.r). l')3.
kylian Kilian (ein Knecht) 214.
cistercienses (grisei) ordo Cistercicnser-
orden 2S9_.
claren, sentc claren orden Klarissinnen
(Nonnenordcn) 191.
claus Klaus (G locken giessermeister aus
Mülhausen) 385. 3K6.
claus Klaus (ein Knecht) 278.
klein rcteltcch Klein-ltettbach 503.
clemens IV. Papst Clemens IV. 171.
cleinens VII. Papst Clemens VII. 478.
clivensis dux Herzog v. Cleve 220.
kJ by Google
I. Orte- und Personenregister.
■r>33
klingcsorc (klingisoro) Klingsor 1H7.
clotarius Clotarius 2£L
clodoviu« (clodius) Chlodwig 64 7 t 289.
knutb, hans Jobann Knauth 277. 278.
kobelencz Koblenz 816.
kobinsteto Kuhstedt 190
koborg (kuborg) Koburg 210.241 2fia 270.
271. 337.37*.
koch, bans Johann Koch 278.
koderitchcz Köderitzsch 23L
kola Kahla 198.210.
kolditz üolditz 21L
kolledc Kölleda 2£3.
kolleatote, herman Hermann Küllstedt
(Bürger v. Muhlhausen) 278.
colniar Kolmar 370
koln ( kollen , kolode ) Köln (colonia
Agrippina) ÜSLOLiSL IM. 24ü 24iL 2M.
290. 308 3JJL 3J_L 3J2. 3_ÜL 345. 34iL
31H am, 320. Ü2L 322. 324. 325. 332.
:m 339 340. 34 1 343 34 r, 341L 348.
352. 353. 305. 458. 4Tti. 1H0.
kolner die Kölner 33JL 338. 342. 343.
koinburg (koraborg) Kamburg 234. %2M>.
258.260.
comensis (Cardinal v.) Como 427
confusione (kuffohuson, kuffesse) Kyff-
hauser 41. 476.
kongesteyn Königstein 217.
konigissee Königssee 247.
courad Konrad L (deutsch. Kais.) 4L
conrad Konrad, Sohn Kaiser Friedrichs L
conrad Kaiser Konrad IV. 159. 161.477.
47K
conrad Konrad, Landgraf v. Thüringen,
Deutechordensmcister S3. 941 9JL 94. 9_6_
101. 1 35 IM. 153. KiL 155_ littL l->7.
leonradin) 476. 477.
conrad Konrad L Erzbischof v. Mainz
00.12a. 413.
conrad Konrad v. Marburg (Priester) 89.
9.x. 100, 101.
conrad Konrad, Bürgeresohn v. Wcisaon-
see (174. 175.) 178. 409.473
conrad us, duz lrancoruiu, Konrad, Herzog
dor Franken (Kaiser Konrad II.) 472.
423.
conradus, dux Suevie Konrad, Herzog v. .
Schwaben 472.
constanciense, concilium Kostnitzer Concil
478. 479.
constantinopel Constantinopel 112. 291.
coroebergk Korneborg 472
kornere Körner (Flecken) 120
kostenrode, tylo von Thilo von Kosten-
rode 277.
cosdras C hosras II. 112.
koain Kosen 267.
kouffnngen Kautfungcn IL.
kranthfolt Kranichfeld L01L 194. 2-13. 240.
474
kransswitz Cronswiz 59.
krechen (krichiscb) Griechen (griechisch)
41. 112.291.
kroyontorgk Kraienburg 170.
krigborgk (krigburg) Krabburg (?) 102.
crymehilt Kriemhilde 4L
cristianus Christian II. v. Boland, Erz-
bischof v. Mainz 100,
i ruezoburg Kreuzburg a. W. 143. 158. 176.
kumpfan, hans Johann Kumpfhahn (Kam-
merdiener) 278.
kunegunde Kunigunde, Gemahlin Kaiser
Heinrichs II. 111
kunemund Kühneraund 192.
knnna von isenberg Kunigunde von Eisen-
berg HÜL L74L HL L7JL lliL IM
kuHsbade, frederich Friedrich v. Kuss-
bad 27 s
czogenhayn Ziegenhain 275
czegenhayn 05 raten von Z 81. 210 212
czegerig Ziegenrück 202.
czesarea Ciisarea ML
czya Fluss i?) 5L
czimmern Niederzimmern 173.184.23H.416.
czottostete Zottelstedt (Dorf)24L
czorch Zürich 355.
czwikow Zwickau isa.25fi.3afi.
«zwirn Schwerin (Graf Günzel v. Schwerin)
164.
D. T.
tabar Talwr 227
tal»eriten Die Tabcriten 227. 22S, 229. 24fi.
252.
dacbebech Dachwig (Dorf) 506.
dacia Dacien 425.
tagebrechtstete (tal)erstete) Daberstedt
70.78_246. 489.
tagebreebt u. tagebertus Dagobert 70.
286 289.
talman, nickel — Nicolaus Talman 225.
tandorffer, heinrich Heinrich Tanndorfer
277.278.
daniel Daniel (Vogt L Gotha) 2IL
tannen Thomas von der, Thomas von der
Tannen 273.
tanrode (tanrade, tannenrode) Tannroda
241.242 243 246 247 265 294.296 418
tetezschen Totsihcn (Herr von^ 24L
deynstetc (tenstete) Tenn*tädt 26JL 377_
denemarcken; koningk von = König
(Christian 1) v. Dänemark 322. 32L
342. 345. 349. konginge von Königin
Christine, Gemahlin des Königs Jo-
hann 522.
534
Register.
tensborg (teneberg) Tenneberg, JSehloss
bei Waltershausen 12iL 120.
terracinensis (Cardinal v.)Tcriacina 427.
thanata Tbanata IT.
theanensis (Cardinal) y. Tbeano 427.
tbebaya Theben (in Ägypten) 288.
thcme, frederich Friedrich Tüema(Duno)
222.
theodericus, lantgravius. Landgraf Diek-
mann 287.
theotonicc domus ordo Orden der Deutsch-
bcrren 29iL
theodosius Theodosius d. Gr. (röm. Kaiser)
105.472,
theutonia Deutschland 288.
thylc Thüle (Island?) 4L
thircsia Theresia 427.
thomasbrucken (tungesbrucken , tungis-
brucken , tummesbrucken , tonimes-
brucken) Thamsbrück 10Ü. 120. 126. 124.
424.
thunfeit, conradus (donnefelt) Pfarrer
Konrad Thunfeit ML 383.
thunna (tonna, auch Grafen von) Tun na
212. 256.260.
thuringiae, comes Graf (Landgraf) v.
Thüringen 282.
dyana Diana 4L
tyberiadis Tiberias 50,
tyberis Tiber (Fluss) 423.
tyberius Tiberius 4& 40, 50. 52. 58. ^
tyburtinum Tivoli, das alte Tibur 28.
dytherich (ditterich von berne) Dietrich von
Bern £2.
ditterich Ditterich (Mcrowinger) 66. 67.
68. 20.
ditterich Dietrich, Dietzmann, Landgraf
v. Thüringen, Herr des Plcissenlandes
168. 170. 176. 181.
ditterich Dittrich, Sohn Heinrich des
Erlauchten v. Meissen 164.
dittrich von tenstete Dietrich v. Tenn-
stedt 122.
tytus Titus 5fL 52.
TiflFenthal Tiefthal (Dorf) 522.
dyfort Tiefurt 1S6.
dyonisius Dionysius ID.
dominicus hl. Dominikus 138. 290.
torgawe Torgau 456.
doringen u. doringe, Thüringen u. Thü-
ringer (sehr oft) 4L u. a.
doringer walt Thüringerwald LLi 244.374,
dorla Dorla 215.
dorneborg (dorneborgk) Doniburg 196.
234. 271.275.
dorotheentag Dorothoentag (J^ Febr.) 1 1 1.
tragkstorff Herr v. Trostdorf 505.
trebita (trebata) Trebata 40. 4L
treteburg Treteburg 115.
drefart (drefurt) Treffurt: Hermann v.
Treffurt, Friedrich u. Hermann liiL 1112.
triptis Triptis 5JL202.
dryborg Dryburg (Scbloss in Langensalza)
81. 02.
drvferte (Herr Friedrich von) Treffurt 152.
trvre (triere, trere) Trier 40. 4L 3JiL 215_
350. '664.
troya Troja 4L
tubar tal Tauberthal 329. 3m
tutenbergk, bans u. jorge, schenke zu
Johann u- Georg, Schenken zu Tauten-
burg 222. 228.
tuderstadt (tudirstad ) Duderstadt 210. 32L
tulstete Döllstädt lu* 102.474.
tuntorff Tonndorf 19.fi. 249. 254. 5Ü5.
Turcus (thurcus, turcke) Der Türke 2iiL
308. 316. 341L 368. 420. 42L 422^128.
429.431.
tuscia Tuscicn 427.
E.
ebeleyben, apel von Apel von Elxleben
277. 278.
ebeleuben Ebeleben 237. 275.
cbenheym Ebenbcim 63.
ebersberg(HerrHermannvon)Ebersbergl52.
ebersperg Ebersburg 121.
ephesus Ephesus 4iL
ebide (Herr Gcrhart x.) Elende 152.
ebirsteyn Everstein (Graf Johann v.)
Evcrstein 164.
eckerssperg (eckerssberge) Eckartsberga
121. 263. 271. 272. 418. 472
etezsch (etcz) Etsch (Herzog v. d. Etscli)
324. 340. 350
edisse Edessa 78.
egyptenland Egypten 44.
egi nstete Egstedt (Dorf) 197.
egra Eger 267, 268.
cybicke Ebbecker (b. Lipporg) 251.
eyttersbergk uff dem hareze Ettersberg
auf d. Harze 47 3.
eytterssporg (eytersberg , eytterssUerg)
Ettersburg, Burg, Scbloss u. Kloster 154-
184. 238. 264.
ey ermann Eier mann 264.
eilferssgebofen Ilversgehofen 437.
cvmbecke Eimbeck 249.
eistete Eichstadt 350.
eissfeld Eichsfcld 192. ?,<M. Wfi. 397. 402,
412.504.
oissfelder Eichsfelder 192. 210.219.
elbe Elbe 12. 45Ü.
eezil Etzel 6_L
elgerspurg Elgersburg 12L
clgerus, comes do houstein Graf Elgcr
von llunstein 477.
xJ by Google
I. Orts- und Personenregister.
535
clias Elias 144.
ellekort Hericourt 367.
elleuben, ebirhart von Eberhard v. El-
leben Wh 320.
Elsasse Elsass 204,
olsebeto bl. Elisalieth; aebr oft 82—103.
u. 135 154. 410. 4TJL 118.
olsebeto Elisabeth, Tochter tandgraf
Friedrichs L von Thüringen 187. 18S.
elxleuben Elxleben a. Gera 120.
emaselberg Ingelsberg 1 41.
engoland (cngelant, eugilland, anglia) Eng-
end L2L 204. 218. 33L 338. 343.425.
cngelland England: König Heinrich III.
v. England 167.
engilsch englisch 354.
eraclius Heraklius, oström. Kaiser,
König v. Persien HL 112.
erath (?) Akka 12L
erff Erf OL
erffa Erna 03, 220.
erftbrt, erffsfurt, Erfurt, 00. 6_L 7_& 80.
105 106, 107 108. 109. 12L 122. IM.
143, l;,.., IM. 102. 165. 112. 115. 128.
im lsa. im. im im im im im
im im im 2m 2m 2m 2m 2m
2_U. 212. 213. 2m 210. 222. 223. 221.
2m 2m 2m 2m 2m 2m m 2m
21ii 24JL 212. 2HL 2m 215. 246. 24L
2 18. 24% 250. 25L 253. 254. 2m 2m
257. 2m 252. 260. 203. 264. 200. 20L
970 971 979 97a 974 275.282.284.
-285 2m 229. 22L 224. 3m 215.
321. 325. am 31L 344. 340. 341. 34*
ma5A3JL3I5.m37L320.3Zii.
385. 3S6. 38L 321. 325. 320. 322. 323.
3112. 400. 10L 402. 403. 404. 405. UiL
4 (is. 410. 411. 412. 413. 414. 415. 416.
Iil41im4ii4^4^4jlii!ii
■136. 438. 439. 440. HL 443, 144. 445
44 r, 447. 449. 45o. 451. 452. 453. 454
455. 456. 457 4:>S 152. im im 1113.
4<u. im im 10L 4m hl 472. 473
474. 477. im im 4M. 485. 48L 488.
im 420. 11LL 422, 123. 124. 425. 4m
im 428. 122. 502. 503. 504. 505. 500.
507. 508 502. 510. 51L 513.514.515
510. 517. 510. 512. 520. 522. 523. 525
erffortisch erfurtisch 101. 400. 402. 418.
Die Stadt und ihre Teile.
Die Stadt.
l>ergk Petersberg 448.
brule (bruletum) Brühl OL 102. 144. 105.
12L 22L 3m. im im jm im 5ül
tamm Wall 252.
horsbrul Hirschbrühl im
nuwostad Neustadt 223. 445. 449.
beute mertinsbrul Sank tmartinsbrühl 448.
Die Thore.
andreasthor (andresthor) Andreasthor
416, 134.501.
bruler thor ürühlerthor 500. 50L 502.
kranipfentbor (porta spasmi) Kratnpfer-
thor 173. 280. 434. 436. HL 50L
juhanstbor (gehannstbor) Johannesthor
lso. 25Ü. i3L 13JL 50_L 525. 520.
loworthor Löberthor 222. 400. im 447.
50L
menezenthor Mainzerthor 448.
nuwen thor Neues Tbor 4flH. 502.
spelberger thor Spielherger oder August-
thor 447. 501.
stadpforto (pforte) Wasserthor 448.
sente moricies thor Moritzthor 434. 449.501
smedesteterthor Schmidt süidterthor 434.
430. 5m
Plätze.
kornmart Komroarkt 454.
fissthemart- (inter) pisces vendentes
Fisch markt '^95.
rossmart (forum equorum) Rossmarkt
223. 225. 432. 118. 412. 152.
rubenmart Hübenmarkt 12L 2SL 293 995
weniger raart Wenigemarkt 410. 463.
Strassen.
anger Anger 223. 244. 2M. 519. 520. 522.
525.520.
annulus = inter annulatores Fingerlings-
gasse 225.
passemm mons Sperlingsgasse 284.
permes gasso (jwrgemener, cartas radentes),
Pergamentergasse HL 22L 284. 295.
breite Strosse Breitestrasse (lata platoa.
jetzt Marktstrasse) 144 283.
campanas facientes (inter) unter den
Glockengiessern 225.
keyn sento gottart bei St. Gotthardt
(Strasse) 435.
ferrum eudentes (inter) unter den Schwert-
fegern 225.
fleischbencke (aide) (alte) Fleischbänke
224 284. 405.
vottergasse Futtergasse 284.
fullonum platea Walkmühlgasse '285.
in funjeulis laborantea Seilerbuden 295.
gemeyne gasse (peccatricum vicus) Frauen-
gasse 135. 295.
johanss gasse Johannosstrasso 525. 52«
lauwen gasse Löwengasse 223.
leymgrube Lehmgrube 375.
lower Lohgerbor Löbcrstrasse 448.
martbachengasse Marbachergasse 'i24
metergasse Mettergasse 223.
nuwen erbe Nencrbe 447.
Schilder dyo unter don Schilderen! 174.
224. 403, 4Q5.
536
Register.
(inter) suentos iii viminibus Unter den
Weiden, Weidengasse 295.
webergasse Weborgasso 224.
wlsso gasse Wcisscngasse 224.
Wasserläufc, Mühlen, Brücken.
kerslache Hirschlacho 4Q1L 468. 4üü
espich Esbach 447.
fnlloch (foramen fetidum) Faulloch 284.
295, 444. 525. 526.
gcra Gera 406. 437.
gerynne Das Gerinne (Kanal der Hirsch-
lacho) 436. 448. 469.
grisse, ungeheures Das ungeheure Gekröse
(ungeheure Kriesgassc, jetzt Luiseu-
strassc) 444.
hanebach Hanebach 5ol,
stadgraben Graben 5ul.
wilde gcra Wilde Gera 4M 44A 44L
wilder graben Wilder Graben 436. 447.
petorer mol Grosse Petersmuhle 440.
karthuscr mol Karthäuscr-Muhlc 502.
menezen mol Mainzerhof-Muhle 46',). 5ÜL
boryksteg Burgsteg (Vogelsbrücko) 436.
444.44s.4tf9.
borgkstegpforte Pforte am Burgstege
(spät. Vogelsbrüeke) 44s.
kreraerbrucke Kramorbrucko 144. 283.
284.29jL22a.29A
lange brücke (longus ponsj Langeln- ucko
langer steg Langersteg (SchlösnerbrUcke)
438. 468,
Ifi wer brücke I/überbrucke 4DjL 4JÜL 44L
468.
Pfarrkirchen, Kujx Ilm uiul ihr Zubehör.
Andrea» (s.) ecclesia Andreaskirche 284.
ans. 434 435
auguBtinensium ecclesia Augustinerkircbc
2ÜfL
bartbolomeus kerche Bartbolomäuskirche
17«. 284.
pauli, s., ecclesia Paulskircho 285. 4ZlL
pauli, s., Capelle hl. Paulskapelle 286.
benedictus, sanet St. Benediktuskirche 292.
heilige born (sacri fontis tempum)
UL Hrunnenkirche 22ä 22ä. 449.
cgidii, s., ecclesia (sant ilgen) Agidien-
kirebo 2&L.222.
viti, s., ecclesia = St. Veitskirche 284.
4S4. 525. 526.
unser lieben frowen korchc (auch monster)
Dom (Marienkirche) Iii. 134. 166. 1*8.
224. 283. 2S4 285, 280. 289. 290. 293.
295. 383. 3X.V ;{86. 433. 434. 438. 440.
4AL 15JL 45jL 4Ü8. 452. 4ÜL 466 467.
469. 499. 500. 502. 520 525 528.
adolarius episcopus Bischof Ado-
larius 290f 435.
ablas (unser lieben frowen ablas) 225
ablas, erfforten Erfurter Ablas» 4öH.
probistie unser lieben frowen Propstri
der Domkirche 222_43iL
katfato (kaftete) Gavato, gemauerter
Umgang um den Dom 384. . 526.
klufft Krypta des Domes 3S4.
kruminehuBM Ktummhaus 4ü4.
d Hat igel (dryangel) Triangel, nV
dreieckige Portal des Domes 3ü-ri
4Ü2.
eobanus hl. Eoban 290.
glocke gloriosa (grosse) Glocke
Gloriosa auf dem Dom türme 3S-ü.
4ÜlL4fiL
greton Domstufen 225_ 284. 293. *Jb.
4Ü5.44J1 m52Lü2fi.
wittes hus (auf dem Dorahügclj £L
Gangolfe, s. Gangloffskircbe 2b 4.
jobannis, s. ecclesia Johanniskirche 'HL
s. jorge kirche St. Georgski rohe 224.2*1
kouftman kerebe Kauffmannskirche Ha
222, 441. 457.
capella sanete Marie Magdalene Kapelle
der hl. Maria Magdalena 284.
mauricien, sante St. Moritzkirche 221
2*4. 449.
sente Mertins kerche St. Martinskirclic
165.293. 468. 501.502.
s. Laurcncius Lorcnzkircho 283. 234.
sonte lenharts kerche St. I.<eonhard*-
kirche (vor dem Petersberge) 174. 284.
ecclesia omnium sanetomm (alle heiligen ■
Allerheiligenkirche 283. 293. 489. 449.
sente wyperecht St. Wigberti kirche 4£4
s. Severus , Severikirche u. Scvcristift.
172 244. 282. 286. 289. 22Ü 2j& 295.
385. 386. 324. ÜLL 4ü£l 433.43A (aneb
kermesse) 4J& HÜL 141L 441 450.459
461. 4ü& 4£L 422 51)0.502,512.
osanna Grosse Glocke zu 8«. Sever 3S5.
sente severishof St. Severihof 500.
servacies kerche (salvacies) Servatius-
kirche. 224. 284. 293.
Klöster, Ordenshäuper und ihr Zubehör.
andres (nuwe klostcr zu sente andre?
das neue Kloster bei St. Andreas 4M
auguslini, s., fratres (cUustrum) Au-
gustinerkloster 284.49JL525.
der barfussen (barbossen) Kloster (minore*
fratres) Barlüsserkloster und Kirche
144. 173. 222. 2SL 2j&28iL A1L
42IL £112. 52Ü.
xl by Google
I. Orts- und Personenregister.
537
scnt« petcrs monstor Peturskloslor 7JL
112. 282. 2üfL 282. 434. Ü2fi.
sente peterskerche Kirche dos Potere-
klostcrs ß(L fkennes.se 1730 283, 28-1.
9Hfi 98Q 4:14! 441 471
abt von sente peter Abt desPeters-
klostere. 197. 289 (womerus). 422.
501.525. 52fi.
Benedicti, s. moniales Bencdiktinerroönche
'MM
predicalorum ordo Predigerorden (Kloster
u. Kirche) 286. 425. 44L 4JÜL 499. 525.
cruezegang (Kreuzgang (des l're-
digerklusters) 465
predigor torro Turm der Prediger-
kiosterkircho 4 Ii').
prediger kerchoff Kirchhof an d.
Predigorkirche 465.
kartLuser Karthäuserkloster 250. '284.
liifL 4ii£L äÜL 502.
karthuser thorm Kart hauser türm
436 447.
seilte Cyriakus (sente celiax) Kloster
(berg, borg) 211 2o2. 28iL 398. 402.
408. lüL 4M, 444. ML ihL 4ÜL 4iü
512. m
mertins, sant, closter (cetus devotarum
monacharutn) Martinskloster 293. 295.
43H. 438. 448.
servi Mariae fratres (Kloster) Marien-
knechte 2SiL 4(>8. (». mergenknechten-
klostor).
mergcnkneclitenklostcr Maricnknechts-
kloster u. Kirche (s. servi Mariae
fratres) HL 422. 525.
steynen hus das steinerne Haus (im
Marienknochtskloster) 468.
closter zu deine nuweu wercke Neu-
werkskloster 113. 222. 284. 2113. 426.
441.448.469. 470; mit Kirche.
dy regeler Reglerkloster und Roglcr-
kirche 122, 173. 284. 285. 4&L 434. 4tm.
dy schotten Schottcnkloster 122. 281L 433.
412.422.
abt zun schotten Abt des Schotten-
klostors 422. £25-
wissen frowen Wcisstrauenkloster 173.
284.
Öffentliche (Jebiiudc, Hospitäler.
pfronen bnckhus herrschaftliches Back-
haus (im Mainzerhof) 507.
kaleygem Collcgium raaius 499.
kaJeygcm (uff dem rossmarte) Collegium
laut d. Rnasmarkte) 448
tempnieze (temniteze. temlitcz) Temnitz
(Gefängnis 261 214. 422. 4M. 462. 469,
523
hoe schule Cui%or»iLüL 411.
hnnthuss Hundbaus (Gefängnis) 404^407.
41)2.
meueze hoff, Hof in Erfurt, (moiiczen
furwerck, aula maguntina) Mainzerbof
125. 222. 295. 1ÜL 4M. 486.4'Jl.
4i>2. 501.508.523.
spetal Hospital (Klendenherberge) im
Brühl 43ü 441.444.448.449. 465. 468.
sechhof Krankenhaus 501.
Privathäuscr.
zu demo bocke Haus zum (blauen) Bocke
222.
bruesse=bruwehus Braubaus 435.
zu der kemnaten Haus zur Kemenate
293.
zu den konniges stole Haus zum Königs-
stuhle 222.
herberge zum trachen Haus zum Drachen
264.
zu demc falkenor Haus zum Falkner
gülden herss Haus zum goldnen Hirsch
lintwormo, die Haus zum Lindwurm 519
520. 521.
zu dem roten hörne Haus zum roten
Hörne _225.
rote lawe Haus zum roten Löwen 223.
454.
sperstaugen, die Haus zu der grossen u.
kleineu Speerstange 519, 521.
zu dem schwanken arn Haus zum
schwarzen Adler 445.
inol zu dorne schwarezen raben Ral>en-
mühle 222.
zu dem swanringe Haus zum Schwan-
ring 222.
wainborgk Haus zur Wagenburg 502.
zu dorne walhsscbc Haus zum Walfisch
293.
wolfte, zu den Haus „zu grossen
Wölfen". &2L522.
Sonstige örtliehkciten innerhalb und
ausserhalb der Stadt.
borntal Bornthal, .Thaleinschnitt (bei
Erfurt) 501.
dryenbom Dreienbrunuen 447.
gehint tiebind 501.
hernberg Herrenberg 458. 461. 463.
rabenstein üalgenbcrg 226. 294.
»tolberg Stolberg (Bergrücken bei Erfurt;
462.
smedestete 8<hmidtstcdt (Wüstung bei
Erfurt) 186 2K5.
wuwit Wawit (Steiger bei Erfurt) 485.
weher (weer) Wehr (Papierwehr) 444. 447
jd by Google
*
.Register.
538
Die Ii e w o h n u r.
Krsliiwhüflirhc Beamte,
ad minist rator Verwalter (des Ei /bist ums
Mainz) 4S1.4S2.
provisor (allodii ecclesiae maguntinae)
Verwalter (im Mainzerhof) 105 401 .
AVA. 504
provisorat Statthalterci 504.
kemmcrer Kämmerer(Finanzlieamter)408.
kuchemeister Küchenmeister (Mainzischer
Beamter in Erfurt) 523.
viczthum Stellvertreter, Beamter des
Erzbischofs 401.404. 405
judices gcnerales, spirituales etseculares
(mainzischc) allgemeine, geistliche u.
weltliche Richter AOL
schultbeisse Schultheis» (orzbischöflicher
Beamter 413.487. 488. 489. 491.
stadfoyt Stadtvogt 408.
sigiler (segeler) Siegler (erzhischöf lieber
Beamter 413. 455.
hohenezen, bcrtoldus Berthuld Bobenzehn,
Kanzler 399. 400.
stänke, johan Johann Starke, Dom-
organist 384.
Geistliche und 1'nmTsiUit.sangehörige.
probist Propst (des Domes) 440.
collegiaten Mitglieder des collegium
maius 411.
techan (techant) Dechant (de« Dotnesj
IM. HL 52Ü.
gerwicus ein Weltgeistlicher 285.
gerpstot Heinrich v. Gerbstikit (Dom-
propst) 295.
horbesteyn, magister Magister Horbo-
stein 525
lasfec Wcibbischofl Johann Bonemiich
von Lasphe 467. 525.
locaten die Lokaten (junge Priester im
Dura) 'dUL
steinbergk, licrmanuus Herrmann von
Steinberg, Stadtschreibcr, Decliant v.
St. Sever zu Erfurt WL 399.
Hat, Vertreter der Bürgerschaft, Zünfte.
viermann (pl. vierhern) Vierherr 251.
gefrunt Mitglied eines (edlen) Go»
schlechtes iliü.
ungelder Ungeldeiimehraer (Finanz-
beamter der indirekten Steuernj 408.
n-inbote, Friedrich Rcinbot, Bürger-
meister 4.~>3 4:>l.
roseuezwig, frederich Friedrich Rosen-
zweig (Uatsmeister) 251.
lM)gk, hau* Hans od. Johann Bock
(Bürgermeister j 3JÜL 4DJ. HiL 50&.5JM.
MiL
brampach, ditterich Dietrich Brampach
(Vierherr in Erfurt) 399. 4 1«. 502.503.
kolraen, erhard von Gerhard v. Kolmena
(Vierbcrr) ÜM.
tenstete, symon Simon Tennstedt (Vier-
herr) 33Ü.
trancke, johan Johann Fraucke (Vier-
herr) 33ti.
gaberwitz, clattss Klaus Gaberwitz (Vier-
herr)
rabe, johan Johann Rabe (Vierherr) 336
wisse, heinrich Heinrich Weisse (Vior-
herr) 2hl 25JL
heringer Heringshändler 406.
huter Uutmachcr 405.
Bürger, IHencr.
pardes Dietrich Hartwig zu dem Para-
diese 2ÜL 5D2.
pardiss Heinrich zu dem Paradiese,
Bürger 2DJL
bogk, gunther Günther Bock (Bürger) 395.
bruckslegel , herman Hermann Bruck-
schlegel, Bürger 376.
constantinus (ein Ketzer) 284.
czvireler, rndolll' Rudolf Ziegeler, Bürger
27 K
froweschuch , doctor Frauenschuh, Arzt
416
gnvppestcyn (gnyppstein) Gnyppestein
(Diener) HL 418.
gutjar, heneze Heinrich Gutjahr (Dichter)
115
hottermann , hans Jobann Hottermann,
Bürger 2IS.
koning, herman Hermann König, Bürger
42XL
von der maritten, herbat Herbart von
der Maritten, Bürger 32fi
rndiger, Rüdiger, Bürger 225.
von der sachsa. gotschalck Gottachalk
von Sachsa, Bürger 5QQ.
zu der waitiborgk , henrze Heinrich v. d.
Wagenburg, Bürger 503
ermenfryd (ermefryd) Ermfried ßfL 6_L 68-
ernst Kurfürst Herzog Ernst v. Sachsen«
Sohn des Kurfürsten Friedrich II. 261-
321, » 3iüL 12JL 495. 5DJL 504-
509 510.
ernst , herzog von Sachsen , bischof v.
inagdeburg Emst, Sohn des Kurfürsten
Ernst v. Sachsen, Erzbischof v. Mag-
deburg 352 5^2.
jd by Go
I. Orte- und Personenregister.
539
eschenberc Eschenberg 177.
esschen woge Escbwege IL 162 1 65.
essefeld Eisfeld 212.
europa Europa
eusebius cesariensis Eusebius aus Cäsarea
289
exstete Egstedt (Dorf) 253.
F. V.
fammerku (fammerk) Vauxmarcus 357.
262.
vaner (Herr Heinrich v. Fahner) 152.
vargela (vargula) Vargula 1LL 12Q, 258,
(Walter von Vargula IKL 14L 142 149).
vargola Herr Rudolf v. Vargula 94. 152. 164.
vargula Gross- Vargula 507.
fedelnhusen Vippachedelhausen 196. 253.
254 (vi poch).
fell8l>org Folsburg 80.
Veneti Venetianer 428. 429. 430.
Venedig (veneciae) Venedig 1 48. 280.
venediger Venetianer 334.
fenix Uogcll Vogel Phönix 5JL
fernaudus König Ferdinand L (Ferrantc)
von Neapel 431.
veronica Voronika 53.
ferrere Ferrara 220.
vespasianus Vespasianus 5JL •'>".
vi pech Schloßvippach 19JL (253. 254?) ML
viclin (Wettin?) 164.
vitezthum (plur. a|>el u. bosse) 231 232
233 234. 235. 23fi. 232. 238. 239.240.
241 2JJi 244. 245. 248. 249. 250. 255.
25fi.25L2fia.27iL 21^ 375.
vitezthum. apel von (der jüngere) 230
2äL 232. 233, 234. 236. '237. 239. 240.
24L 242. 246. 242. 253. 254, üfiZ. 265.
266. 269, 27iL 27L 212. 29L 294. 296.
II-.
vitezthum, bosse v., der jüngere 230.
231. 232. 23JL 24L 2fi4 m 22L 273.
225.226.
vitezthum, bernhart v., 24L 258. 2fift. 271.
224.225.22fi.
vitezthum, von apolde, jorge = Georg,
V. von Apolda 222.
vitezthum, melchior Melchior Vitztum277.
vitezthum (vicedominus) Beamter des
Erzbisch, v. Mainz. 261.
viterbo Viterbo 171.
vyenne Vienna 54.
vinconcius, sanetus St. Vincenz 354.
iyneberg, hans Johann Feineberg 228.
virgilius Vorgil 4fi.
vispacb Fischbach 162.
viselbeche (viselboeh) Vieselbach 158. 476.
fladicheim Flarchheim 135.
flaudern Flandern 451.
tianss conrad Konrad Flanss 278.
de tiischo ital. Name 429
florentcz (Horencia) Florenz 382.388,390.
39L 392. 393. 422. (heilige crucis kirche
— Santa Croce daselbst 392).
tiorontincr (tlorentiuus) Florentiner 392.
422.428.
voitelant Vogtland 256.
voylsborg Vogolsl)erg 263.
volkolderodc (?) Walkenried (?) 289.
foliude Pöhlde od. Pölde 2iL
volusiauii8 Vulusianus 52.
forlinium Forli 428.
forstenste^n Fürstenstein 165.
foruntis Foruntis 46.
frankenland (francia) Fi ankenlandfifi.308.
426.
franken (franci) 7SL 23 24. 94. 145. LAß.
1 18 171 208. 210. 216. 23L 24 t. 251.
277 2*9_ 308. 33L 322. 328. 379. 381.
425, 43Ü. ±32. 445. 42iL
franckensteyn Frankenstein 1 62.
franefort (frangfort, franckenfort) Frank-
furt a/M. 159. 160. 170. 199. Hl 3. 31«
344^344,34113511.3511408.422. 478.
fraueiscus hl. Franciscu« 85. 138. 290.
franekow Frankenau 265.
franckrich Frankreich (auch Könige v.
Fr.) 5_L üü. 64. üL 10. IL 112. 119.2J1L
274. 278. 334, 337. 348. 349. 350. 363.
franezosen Franzosen 270.
franezosen Franzosenkrankheit 464.
frawcnborg(lrawenburg) Frauenburg 180.
frederich Friedrich I., deutscher Kaiser
28.79.122,282.423.
frederich Kaiser Friedrich II. 85. 10JL
105. 154. 159. 160.476. 477.
frederich (friderich, Iridericus) Kaiser
Friedrich III. 315.415,458.
frederich der freidige, Friedrich Land-
graf v. Thüringen lfiS. 1Ö2. HiL Uü.
178. 180. L8L 182, 183. IM. 1HL 188.
189 190. 101
frederich, Markgraf Friedrich II. von
Meissen 107.
frederich Friedrich IL, der Ernste, Land-
graf v. Thüringen L9LL ULL LiL 195.
198.200 212.
frederich der fruntholdiger(frunthouldiger)
Friedr. III., der Strenge, Landgraf v.
Thüringen, Markgral' v. Meissen 191
200. 202. 20JL 204. 20JL 208. 2KL2LL
212 474
frederich Friedr. IV., Landgr. v. Thür.,
Markgraf v. Meissen, Kurfürst von
Sachsen 215 219. 220.221.480.
frederich Friedrich V. (als Kurfürst
Friedr 11.) von Sachsen 223. 22ii 229.
230. 244. 25JL 25Ü 29_L
äd by Google
MO
Register.
frederich von Mi.sM.Mi, kurfurste Kurfürst
Friedr. (der Weise) von Sachsen 458.
462. 5.'0. h£L
frederich, Fricdr., Sohn Balthasars, Land-
graf v. Thüringen 212, 217. 9. IX 212,
frederich Friedrich Pfalzgraf zu Sachsen
122.121
frederich Fricdr. II. Kurfürst, Markgraf
v. Brandenburg 207, 2 fix.
frederich Friedrich, Herzog von Braun-
schweig 218.
frederichenrodo Friedrichroda 472.
frenckriebsse fränkisch 113.
fryborg (fryhurg) Freiburg a. d. Unstrut
L3L LLL 232. 21L 2fi2. 2ßA 2fiL 505,
fr) bürg im Üchtland Fribourg L d. Schweiz
371.
frinstete Frienstedt (Dorf) 259.
frisslant Friobland 167.364. 451.
frisslar (fresslar, iritczlar) Fritzlar 111
156. 157.395. 477.
frowiMiborg Frauenlierg (Residenz) in
Würzburg 38L 082,
fulhaher, ewalt Ewald FatUhalior 495.
fulda IL LQL LQiL LLL L1Q LLL L7JL IKL
202,21* 2XSL32L
(i.
gajus Kaiser C. Caligula 5JL
galilea tialilea 5Q,
gallia Gallion 475
gallicus gallisch 470.
gaugloff somuieringcn Gangloffsömmern
2^1123.
gans, herman Hermann Gans 27 H.
garanant Garanant HL
gobese ( genösse) G ebesee 1 15. 210 21 1.212.
gebiebensteyn (gehichesteyn) Giebichen-
stein (b. Halle) 122. 123.
geylnhnssen Geinhansen 200»
geissmar Geismar 1 1 4
gclren (herezoge von) (Jeldern (Herzog
von) 3iiL
georgii saneti vallis Georgen thal 289. 472.
georgins: cardinalis sanol i georgii Car-
dinal Rartacl Riario (s. Georgii ad
velum auteum) 4t>7.
geni Gera (Fluss) öiLSL
geraGera (Stadt, auch Herren von Gera)
2üÜ2ii2 26 1 . 202. 265. 2M. 207. 268.276.
«jerdrude Oertrud IL
gerdrnd Gertrud v. Österreich, Gernaldin
Heinrich Raspes 159.
gerdrnt von levmbach Gertrud v. Leim-
bach 98,
Gervasius 70.
gerhart, junrkar Herzog Gerhard v.
Berg 342. MlL
gerlach Gcrlach, Erzbach, v. Mainz h)u
germania Deutschland 475.
germar, conrad Konrad Germar 277.
gerisch (Adj.) Geraisch 262.
gerstungen Gerstungen 203. 218.
gewi litis, episcopus maguntinensis Ge-
wilius, Erzbisch, v. Mainz (V) 2ÖÜ.
gythen ? Beufhen 202.
gilebertus Giselbert (Abt v. Reinhards-
brunnen) 121.
gispersleuben Gispersloten (DorO 416 437
glichen Gleichen; auch Grafen v. Gl
6JL UlL l2iL 'UlL 212, 22JL 22£L 235.
Ü^L 2üi 239, 2_LL ÜLL liLL 245 '-'IT
256. 2iiü. JiiiL 2iÜL 2üL 2üJ_ 2üZu 266
•■m;s. i^t:. i*77 ins. 375 4ir, u*. 47».
glisshergk, walterus de Walther v. Gleiss-
berg 290.
göttingon Güttingen 62.
gotha (gote) Gotha Iii. 1Ü& 120- 122. 13ä.
17JL 1H2, HLL 22L 2IL 2&l 379. »;
417 474. 478. 505. 506.
gothart Gotthard 111.
goltbach Goldbach lüL
gorlitcz Görlitz 829.
gosprechte u gosprochsrodo Gospcnrode
ÖJL
goslar Goslar 76.
gransee Gransoc 3JiL 362. 36L 3Ü2.
grefetunna Gräfentonna 259.
gregorius der ander Papst Gregor II. LLi
gregorius Gregor IX., Papst 98. 101 105.
IM. 157, 159. 476. 477.
griffenberg Greifenberg (bei Jena) IIS.
47JL
gritfsteto Griefstedt 157.
grimme Grimma ? 193.
grymmetal Grimmenthal (?) 193.
grotezheym (Jricshcim 196.
grulienhayn (gnihcnhainl (herezog von*
Grubenhain (Herzog von) 249.
grumbech, comes Gral von Grumbach 473.
grumbeche K Himbach 129.
grussen Greussen 445.
gute Guda oder Jutta 9_8_,
gudenssberg Gudensberg 215.
guete, jakoff von Jakob von Guete 356
guiieh Jülich 466
gundersleuben Gunther*deben (gunder-
leuben) 63, 260.
gunderam Gtmderam 65,
iL
hatto II. Hatto IL, Erzbischof v. Mainz
109
hagk (hak) (Eigenname) Hagen 6JL
hagen Hagen LL
hagenaw, petor von. Peter v. Hagenau 35JL
xj by Gc
1. Orts- und Personenregister.
Ml
Halenbach (haginbach), petcr Peter v.
Hagenbach 466. 467.
bayn. kerstan von Christian von Hayn
213.
halberstat Halberstat 7JL UiL IM, 2QL
haÜKjrstadiensw , episcopus Bischof v.
Hall>erstadt 283.
halle Halle a,S. 231, 379. 39? 399.
ha Iis Herzog Jobann v. Österreich (Johann
Parricida) L32.
hans, berczog v. Sachsen Johann, Herzog
v. Sachsen (später: Kurfürst Johann
der Beständige) 462. 520
han« Johann (ein Koch) 27JL
hans (grisse hans) Hans, ein Deutscher (in
Florenz) 32L
hanbtcyn, werner von = Werner v. Han-
steiu 277. 278.
harcz Harzgebirge 50. 69. 115. 223. 419.
473.
hardonbcrg Gerhard (Erhard) v. Harden-
berg 215.
hartensteyn, Conrad Konrad Hartensteyn
2TL
hardessleuhen Hardisleben 196.
harras, diterich von Dietrich v. Harras
395. Hflfi.
harres, her man Hermann v. Harros.
Harras (232} 2H5.
harr es, ditterich Dietrich v. Harras 505.
hassenborgk, jnbannos de Johannes v.
Hessen bürg 281.
hassenhusen Hessenhausen 271.
ha&sia Hessen 47fi.
hassia *. oomes Graf (Landgraf) v. Hessen
282.
hebreus Jude 422.
heczele : hcczels rade Uesselrodc 63.
beddewig Hedwig 125»
hetsteto Hettstädt 379.
heidelberg Heidolberg 104.
heilgenstad Heiligenstadt 2HL S9L
heyligenlterg Heiligenberg 81.
heylingen (Herr Berthold v.) Heilingon,
Ritter L52.
heynieb Hainich (Höhenzug) 135.
heinrich Hminr.I., Deutscher Köni^" 4.75.76.
heinrichHeinr.II.,DeutscherKaiserllilllL
heinrich (heinricus sextus) Heinr. VI.,
Deutscher Kaiser 80. 290.
heinrich von lutczelnborg Heinr. VII. v.
Luxemburg, Deutscher Kaiser 182.
heinrich (Sohn des Kaisers Friedrich II.)
104
h' inrit h raspe Graf Heinr. Raspe 126.
heinrich, Heinrich Raspe, Landgraf v.
Thüringen u. Hessen, Deutscher König
8^9iLil^lRlii9JLÜL9A10X13i
151. 1 52 . 153. 154. 155.1 56. 1 58. 159.
160.161.163. 476. 477.478.
heinrich Heinrich v. Brabant (das Kind
v. Hessen) lfilL
heinrich Heinr. der Erlauchte, Markgraf
v. Meissen Dil. 162. 163. 164. 168.
heinrich Landgraf Heinr. HI. v. Hessen-
Marburg
heinrich (von verneborg) Heinr. (v. Virne-
burg) Erzbiscbof v. Mainz 1ÜL 1Ü2.413.
heinrich Heinrich (ein Koch) 278.
heinrich von aroldeshusen Heinr. v. Orlis-
hausen 197.
heinrich von kelbra H. v. Kelbra 206.
heinrich von lengefeld Heinr. v. Lenge-
feld 222.
heinrich sebriber Heinr. v.Ofterdingen 136.
Heinricus Kaiser Heinr. IV. 282.
helderstein Heldrastein 162. 132. 193.
helderunge (Herren v. Heldrungen) 152.
2^0. 222 223 475
helmestad Helmstedt 380.
hennenberg Henneberg fLL
hunning Helming (ein Caplan) 277.
henning, herman Hermann Henning 278.
herbeslcuben (herbeslouben) Herbsleben
(Dorf) 115 416.
herezberg Harzburg 72.
herdon, Ups von Lips v. Herden 25JL 264.
beringen Heringen (b. Nordhausen) 205.
herman Landgraf Hermann L v. Thüringen
135. 136. 137. 139. 140.
hermann Hermann. Sohn des Landgrafen
Hermann L 136, L32.
herman Hermann, Sohn Ludwigs IV. u.
der hl. Elisabeth v. Thüringen 143.
154.157.476
herman von wymar Graf Hennann v.
Weimar 195, 196.
herman Hermann, Graf zu Orlamünde
u. Weimar IM.
herodes Herodes 44. 45. 50. 52. 54.
berodes Agrippa Herodes Agrippa 5a
berodiades Herodias 50.
hersfelde Hersfeld IL 7JL 111 LLL LLL
156. 157. 170. 187.208.288.
hesselere Burghessler 196.
hessen Hessen (Land u. Volk) 41. n. a.
hessen Hessen (Landgrafen von) 185. 2<">2.
214. 2L1 23A 247. 255. 3Ü1L 'ALL 1125.
32S. 3J1L 335. 3_39_ 365. 37A 322.
hibernien Irland 47.
hiltberg Heldberg 212.
hiltporg Hildburg ßiL
hiltprechtshusen Hildburghausen öfi. 212.
hildebrecht Hildobrecht 65. 70.
hildenshevm Hildeshoira lüL LH1 LLL
219. 437. 457.
hylderich (hilderich) llylderich 65. IL
542
Register.
hindcnbnrg Hindenborg (?) 203.
hispanien (hispania) Spanten 278. 425.
hopfcarten Hopfgarten bei Weimar 178.
hochenstoyn Hohenstein (Toil de« Hel-
drasteines) 193.
hochen solniicz Hohensolms 81.
hochheira Hochheim bei Erfurt 185.
hoc burgundien Hoehhurgund 340. 348
holczappfel herman Hermann Holzapfel
(Bartüsserordens) 277.
hollant Holland 445. 4^1
homlwrg Homburg 71. 82.
honorius, papa Papst HonorinslII. 286.
m
honorius, papa V. Papst Honorius V. 289.
honsteyn (Grafen u. Herren v. Honstein)
205. 206. 201. 212. 220. 22k 2ÜL 244.
2ÜL 265. 277.278. 287. 3H7.475,
horborgk Horburg 473.
horsselberg Hörselberg 122. 12S. 217.
houfeldor, cristofel Christoph Haufelder
277.
hug (gen. bugis) Hugo (Bruder Ludwigs
mit d. Bart) 11*.
huma Auma 202.
hunefeld Hünefcld 203.
hunen Hunnen El.
hus, johannes Johannes Hus 479.
husen (Herr Ludwig u. Rudolf v.) Hausen,
Ritter 152,
hussitae Hussiten 280.
L J. Y.
jacobi, heinrich Heinrich Jakobi (Caplan)
'/77.
jacobus Jakobns 56.
jacobus der groeze Jakobus der Grosse 56.
jaeoff Jakob 50.
jaeoff, sente St Jago di C'orapostelladfiiL
jacofT Jakob (ein Knecht) 278.
jafeth Jateth ÜiL 40. (Stadt 40),
janun Genua (Janua Ligurum) 429.
januensis (archiepiscopus, cardinalis, Erz-
bischof, Canlinal) von Genua 427. 429.
yponnensis, episcopus Bischof von Hippo
280
Italia Italien 42S. 423. 47JL
jecheborg Jecheburg 12. Z5. 120.
jehene (jhene, jene, gena) Jena 160. 233.
241 270 449.505.
jeronimus Hieronymus (Sohn des Papstes
Sixtus IV) 42L 42ß_
jeronimus Hieronymus (von Prag) 479.
jerosoliraitanus Jerusalemisch lUl
jersick (^rsicus, <:ersico) Goorg (Georg
v. Podiebrad . König v. Böhmen) 205.
2iL2>0 2S 1.503.
jhcrnsalem (Jerusalem) Jerusalem 4L 4£L
5tL5ji 5A5A5A5JL&L89^10_L101
112. 167. 276. 308. 458.
ihesus cristus (als Zeitbestimmung nicht
erwähnt) 39. 44. 45. u. oft.
Hera, herre von — Bern 356.
ylmana (ilme) Ilm (Fluss) 120. 258.
ilmene (ilmena) Ilmenau 258. 259.
immolensis (Adj.) ans Imola 428.
ynehant Dinant (Stadt) ML
ingerssleubcn Ingerslelwn (Dorf) 259. 2M
innocentiiLs Innocenz IV. Papst 100 41L
47H.
innocencius Papst Innocenz VIII. 440.
jovis Jupiter 1 14.
johan borgraf v. nomberg — Johann
Burggraf v. Nürnberg 200 212
johan Johannes (ein Priester aus Boden-
hauseo) 217_
johannes (johans, johan) 45. 50. 124. 15L
190.
jonlan Jordan 45. 50.
jorgo (sente) hl. Georg (Kirche ihm ge-
weiht) LHL14A
jorgo, herezog v. Sachsen Herzog Geor»
v. Sachsen 462.
jorgental Georgenthal 12S.2L122L
josaphat Josaphat 51.
josephus Josopnns (Geschichtsschreilier) 57.
joseph Joseph 44. 45.
iring (yring) Iring fifi. 68.
ysaohar Isaschar 54,
lsh'iiben Eisleben 22£\ 313.
istrnt (isentrut) Isentmd 9_L.9_8_.
isenach (isenacum , civttas isenacenoisi
Kisenach IL 84. 85. 80. 88 90.91.93
12L 12H. 138. lila. 140. 143. 145.
147. 14* 149 153. 157. 163 17(1 ITT
lT'J ISO. 1S1. I.s2. 1SS. IV.'. 193.204.
215. 2JJL 217. 222. 23L 3ÜL 477. 47*.
412.50fi.522.
badestoben Badestube (Strasse) 00.
platea cerdonum Löbersgasse (wo
verschiedene Handwerker : Gerber,
Kürschner, Sattler u. Schuhmacher
wohnten) 479
porta, s. Nicolai Nicolaithor 479.
klemme die Klemme 176. 179
katharinenkloster IM 130. lfiLUL
190 220 478
karthäuserkloster (conventus karthu-
sianus) 479.
isenecherburg (isenecherborg) Eise-
nacher Burg ML IM.
lowergassc Löhersgasse (s. ob. platea
cerdonum) 216
messersmede gassc Messcrschmiede-
gasse 9Q.
nicolaus, sente Nikolausklostc-r 127.
3ö by Gc
I
I. Orts- ud<1 Personenregister.
543
sente petefsberg Petersberg 127. 128,
rolle auf der Holle (Strasse) 8JL 9IL
isenberg, dietber von, Dietrich II. , Graf
v. Isenburg, Erzbischof v. Mainz 853.
38L 324. aas. 32L 407. 412. 11 3. 119.
•123.4HL488. 50 1 .
isenbergk, johan, junkir Junker y. Isen-
burg 395.
isaerstete Isserstedt (Dorf) 234. 2ü
judas Judas 50. 54. 55. 56.
jutta Jutta, Gemahlin dos Landgrafen
Ludwig II. des Eisernen, Tochter Kaiser
Friedrichs L 131.
jutta Jutta (Gemahlin Ludwigs II. bez.
IV.), Tochter dos Herzogs v. Schwaben
412.
judea (jodea) Judea ü£L 407.
judei Juden 283. 422. 413. 412.
juliliorg (julborgk, ileborg) Eilenburg
4L2IL 115.
julich (juliacum) Jülich 41. 47f>.
julius (Caesar) Julius Casar 4L 17-'.,
, L.
latina, porta (Rom) Porta latina 308.
lamperten Lombardei 62. 14M. 206.
landesberg, otto, schencke von, herro zu
sydawe Otto , Schenk von Landsherg,
Herr zu Seida 222- 228.
landessberg (landesberg) Landslwrg (Graf-
schaft) l&L 12L
langenhayn Langenheira 17S.
laurenciuH hl. J Laurentius 107.
lechtensteyu (lichtenatevn), otto von Otto
v. Lichtenstein 277. 278.
legenitcz Liegnitz 322.
lengefelt Lengfcld (Dorf) 430.
longo witz Lengwitz (Gau) 458. 459.
leodicensis, episcopus Bischof v. Lüttich
4M.
lesthen (leysten) Lehesten 179. 473.
l&scmoister, heinrich Heinrich Lesse-
meister 222.
lybani Libanon 4L
Lyptcz (liptcz, lipcz, lipss) Leipzig 5JL
164. 2üL 2G2. 2ü7_ 348. 222. 453, 463.
507.
lippe, stad zur Lippstadt 251 .
lippe Lippe (Fluss) 251.
librata (saneta) Dom zu Florenz (f. Sancta
lleparata) 390.
iittenborgk Litten bürg 162.
lyle Lille 3fiL
lyna vlina) Leina (Fluss) 207.
linderbech, johann Johann Linderbach,
Canonicum z. St. Severi in Erfurt 374.
lingow Lemgo 251.
lynoniensis (recte: livonicnsis) episcopus
Bischof von Livonien (Riga in Livo-
nien) 283.
Iinss Linz a. R. S34. 344. S4S. 341L ML
livonia Livland 430.
lobeda Lobeda 241. 258.202.
lobestcyn Lobenstein 270.
lodewig, Ludwig der Fromme, Deutscher
Kaiser 72.
lodewig,Ludwig der Baier, Deutscher Kaiser
191. 122.
lodewig Ludwig (Herzog v. Thüringen) 23.
lodewig, sein Sohn desgl. 23.
lodewig Ludwig mit dem Barto, Land-
graf v. Thüringen Iii US. 121 V>*
422.
lodewig, der Springer Ludwig, tandgraf
v. Thüringen, der Springer 122. 123. 124.
lodewig Ludwig I., Landgraf v. Thüringen
120. 128.
lodewig Ludwig II., Landgraf v. Thüringen
ML 128. 122. 13Ö. 132. 412. 423.
lodewig Ludwig III., Landgrat v. Thüringen
(der Milde) 80. 124. 125 132 134 135
lodewig, Landgraf Ludwig (IV.) der
Heilige, oft, z. B. 83-96. (S. 135—143).
103.428.
lodewig, Ludwig (Sohn Ludwigs L} Graf
v. Thamsbrück 12fL
lodewig von guttern Ludwig v. Gottern
184.
lodewig von lora Graf Ludwig v. Lora
120.
lodringen (lotringen) Lothringen 66. 365.
368 :;7 1 372. 373.
lotringisch lothringisch 368.
lora Lohra I2iL
lorencz, kerstan Christian Lorenz 271.
losan Lausanne 3fii>. 37 1 .
loube (blosse) Loibe (Teil des Thüringer-
waldes) IIS.
buche, heinrich von Heinrich v. Laucha
hibenccke (Lebns?) 145.
Lupenitz Lupniz 59.
lubig (lubega) Lüheck 42.
lucka Lucka, Städtchen bei Altonbiirg
181.
lucern Lnzern 354.
luchtenhurg Die Leuchtenburg 215. 216.
•JtSl> 271. "274.
luchow Laucha 262.253,
lucifer Lucifer (Teufel) 312.
lutczelnborgk (lutczelnborg. lutczenlwrg,
lotczelnborg) Lützelburg , Luxemburg
268 270.271.
Iutdim Luifdunura Lyon 5iL
lutenberg Leutenberg 345.
ludewicus von franckrich Konig Ludwig IX.
v. Frankreich (u. s. Bruder u. s. Sohn ) 167.
jd by Google
Ml
Register.
ludigk (lutch, lutheh) Lüttich HL 3_L_.
MM
lullus Erzbischof Lullus v. Mainz 288.
Iiina Laun 2L9_,
luneborg (Iuneborgk) Lüneburg 41. 47 -r>.
luneburg, Herzog Otto v. Braunschweig-
Lttneburg (od. Göttingen) (a. d. Leine)
200.207. 210. 21 1.212. 214.
Iimergoii Lunergen (?) 350.
M.
maebomet (machometus) Muh am med 159.
477.
madela Magdcla 2JM. 2i2. 2j_8_
mathias Matthias (Apostel) 280.
matbias Mathias v. Bucheneck, Erzbischof
v. Mainz IQfi. 473.
matstete Mattstedt 241.
raanichey Manichäer 105.
mansfelt Mansfeld IUI 37JL
mansfelt (Grafen v. Mansfold) 244.
mansfelt, heinrich Heinrich Mansfeld (ein
Priester) 2i2_
mark (marg) Mark Brandenburg 191.
201.207.
mark Mark (Grafschaft) 253.
marckomedes, rex thuringorum Marbod (?),
König der Thüringer 2SJL
marci : cardinal tituli s. marci : San Marco
in Born ML
tuartpurgk (martpurg) Marburg in Hessen
89. 97. 9*. U)l. 103. L.3. 1;>7."
martinus Papst Martin Vr. 480.
raartvippach Markvippach 409.
margareta Margarethe', Tochter Kaiser
Friedrichs II., Gemahlin des Landgrafen
Albrecht des Unartigen v. Thüringen
168.
margrote Margarethe, Tochter des Burg-
grafen Jo!iann v. Nürnberg 212.
roaria, Jungfrau Maria 4 t. 4JL 57. 190.
CM 421 423.
raaria roagdalena Maria Magdalena 55.
50.
marianne Marianne 4A
marschalck, rudolff Rudolf Marschall 277.
marrobod Marbod 5_Q.
maximilianus, archidux Erzherzog Maxi-
milian (und späterer Kaiser) 430.
mcchilt Mechthilde v. Baiern, Gemahlin
Friedr. II., Landgraf v. Thüringen 191.
meilici (medicis) Medici 3ü8- 'ML ML -üiL
julianus (iiulio de Medici 388. 389.
3i_L
lauroncins Lorenz de Medici 389.
390. 391. 393. 428.
meydeborg Magdeburg (auch Krzbischöfe.
BiKcbOI..' u. s. wj __L 7(L LML. 132, Lüh-
1S9. 199. 213. 22fL 2M.23L2i4.34A
353. 376. SOi.
meydeburg (Herr Heinrich v. Magdeburg,
Ritter) 152.
raeylan (meyelan, mediolanum) Mailand
7s. 20B. 429.
mej Idingen Graf Härtung von Mellingen
8L12JL2Ü. 25fi.
meynhart Graf von molberg Meinhart
Graf v. Mühlberg 152.
melher Obermehler 296.
mencz Heinr. II. von Isny, Erzbischof v.
Mainz 113.
mencz Ludwig, Markgraf v. Meissen,
Erzbischof v. Mainz 191.209.210. 212.
213.
mencz Erzbischof Johann L (von Luxem-
burg-Ligny) 2m
mencz (Graf v. Nassau) Adolf, Erzbischof
v: Mainz 209. 210. 211.
menezen Mainzer (Beamte) 247.
menezschin , die Die Mainzischen , die
Mainzer 395.
mentsch (menezisch) Mainzisch 490. 528.
mertin (sento) hl. Martin 84. 13S. 401.
402. 404. 415. 483.
merern (meheren land) Mähren (marg-
graf von merern Markgraf Jobst v.
Mahren) 200 41 fi.
merseburg Merseburg (auch Bischöfe v.
Merseburg) 8Ä 10L 1 10. L2JL IM. 23A
2_i9_ 250. 2fi2. 20jl
raerwig Merwig 00. 70.286. 289. 472.
merwigisborg (mewirssburir, mewersborg)
Möbisburg (Dorf) fiü. TA
michel (sente) St. Michael 114.
michael, s., archaugelus Erzengel Michael
m
mittelhusen (metfelhusen) Mittelhausen
(Dorf) 1ÖL 119.120.121.183.184 194.474.
mila (Berthold v.) Mihla, Rittor 1 52.
missen Meissen (mysna); auch Mark-
grafen zu Meissen fi0_ LLQ. liQ. lfiL
103, 164. 108. 170. 181. 186. 187. 191.
190. 200. 202. 2J_L 212. 2_1L 218.219.
220_ 22L 222. 223. 22iL 22JL 23_L 232.
249. 257. 258. 200. 201. 2fi3. 2Ü5. 21fi_
sät aaLmmaiiLÄmiüi
iL141I.4_L9_.i23 AML 45JL 45JL 4ü
45.r> 450. 475 482. 483. 495 503. 504.
506. 507. 509. 510. 513.
raeissener Meissner 41. 103.201. 419. 47:>.
480. 481. (misscr. marchio missensis).
mochelc Mücheln 2J_2_
mogenhofer, hans Johann Mogenhofer
(Bürger v. Nürnberc) 27__L
Moguntia (mencz) Stift u. Stadt Mainz
_lL TL 2i_l 2>M. 313. 3_L_, 340. ÜIL 4i___
xj by Gc
t. Orte- und Personenregister.
4jH,407im412.44&4JA4i^42A
i;-L 452. 453. 45iL 46L 41 A. 4B8.4S4.
482.422.423.424.425.
Mogiintinus (mogiintinensis, archiepis-
copus, erzbiachoff, Bischoff v. Mainz)
Erzbisohoff v. Mainz 2^3.290.313. 316.
34 t. 345. 350. 352. üibL 32ä. 320. 311Ü.
4ÜÜ. 411L 112. 473, 414, 480.481. 482.
4S3. 503, 506, "OS. .Ml.; 512. 517.
mnygin Main iL
moyses Moses 45. 159. 477.
molliorg (mölborgk) Muhlberg 62, 2üü 2Ü4.
molborgk GrafMcynhart v. Mühl berg 152.
molhnsen (molhuscnses cives) Mühlhausen
L Th. 120. 180. 184. 194. 204. 207. 211,
242. 213. 236. 232. 238. 240. 243_ 244.
24L 248. 255. 225. 228. 335. 438. 473.
517.
molich, Heinrich Molich 278.
molstorft Molsdorf 252.
roortin M urteil 370.
mosser Mosel 40,
mnffel, niclaus Nicolaus Muffel (Bürger
v. Nürnberg) 228.
mulnbusen Mülhausen L E. 3*'.«;,
N.
nanse (nansee) Nancy 354. 371.372 373
nazareth Nazareth 5U.
nazarcth Noceroy 355.
nazarcnus Nazarencr 50.
neapolis Neapel 40. 390.
nebra Nohra 23L 263. 204. 2ÜZL
nedir roela Niedermssla 234.
nehascu Neuhauscn (b. Apolda) 263.
neylstote Nägelstedt 1 17.
nemroth Nimrotl 40,
nero Nero Sfi.
nesse Nesse (Flüssclicn) 63.
nickolsbuson Nikiashausen 322.38Q.38L
382.
nicensis (Kardinal) v. Nizza 427.
nicolaus, s., hl. Nicolaus 421.
niddcrlande (nedderlande) Niederlande
356. 450 451.
Nynive Ninive 40.
Ninus (Nynus) Ninus 40.
notteleyben Nottleben (Dorf) 252.
noc Noah 32. 38. 32,
norbe, pawel Paul Norbe (Schenk) 278.
nortpertus, archiepiscopus Magdcburgcnsis
Norbert, Erzbischof v. Magdeburg 289.
nortpertini canonici die Nortpertiner 289.
northusen (civitas northuBonsis) Nord-
haiisen 60, 76. 142. 180.205. 206. 207.
212. 213. 230. 237. 238. 240. 243, 244.
225. 228. 085. 386. 387. 412. 418. 412.
472. 479.507.517.
normandie Nonnandie 364.
nornberg (norenberg, nurenberg) Nürn-
berg 143. 185. 12L 212. 246. 254. 252.
22& 350. 382. 388.
nuenburg Neuenburg, bei Freyburg a. d.
Unstrut 131. 132. 144. 149. 155.
numburgisch naumburgisch 335.
nuss (nus8 , nuess) Neuss 309. .">10. Sil.
312. 313. 314. 315. M& 318. BJJL 32LL
321. 322. 323. 32 1. 325. 326. 330. 331
3Ji^ m Ä 335. 336, 337 338. 339.
340. 342. 343. 344. 345. 34fi.342.348.
342. 350. 35L 35^358^358.345.
nusesse Neuses 250. 285.
ntiwemart Neumarkt 108. 124 260. 414.
nuwenburg (nuenbtirg, nuweburg) Naum-
burg 1ÜL 110. 128. IM. 160 235. 232.
232. 243. 244. 245. 240. 24L 248. 260.
264. 265. 26L2Ö8. 27_L 294. 296. 322.
505. 507. 516. (numburgisch 418).
nnwen may (novimaginum) Neumagen?
4L 410.
0.
Opolch Oppurg 59_
(Marianus 42. 43. 48. 42. 476.
ochtland, Üchtland (Schweiz) 371
otto Otto I., Deutscher Kaiser 26. 22.
Otto Otto IT, Deutscher Kaiser TL HO.
otto von brunswig Kaiser Otto IV. 81. 82.
otto von merernheym Otto der Schwarze
v. Mähren 126.
otto, jorgo Georg Otto 278.
othgarius, archiepiscopus maguntinus Ot-
gar, Erzbisch, v. Mainz 286.
ottrand Otranto 22.
ovidius Ovid 49.
oldeslcuben (oldisleuben) Oldisleben 124.
126.
orbin Urbino 890.
ordorff Ohrdruf 114. 120. 259. 288. 447.
ortrand Otranto, Stadt in Apulien 152.
orlamunde (orlcraunde) Orlamünde 143.
197.
orlamunde (graf von) Graf von Orlamünde
143. 262.266. 267.
osterfelt Osterfeld 258.
osterich Österreich (auch Herzog v.) 65.
20.24.8JLmmiM.222.322.3fii
379.415.
osterichs österreichisch 366.
osterland Ostorland (terra orientalis) 6Ü
85. 122. L41I 145. L04. 108. 112. 180.
18L 191. 200. 21 1 . 220. 22 1 . 256. 473
(osterlender Osterländer 41).
ossmanstefe Ossmannstcdt (Dorf) 237.
ouwerstete Auerstedt 263.
K.HtolIeaMoroorUlo.
546
Register.
Qu.
quedelingeborg (quedelnborgk) Quedlin-
burg (Äbtissinnen v.) 76, 3>S6. 522.
quornfart Querfurt (auch Herren v.
Querfurt) 23L 241 5M
quintillinus Quintilius (Varus) 48.
quirinus (kurinus, karinus) sanetus bl.
Quirin 323. 321 325. 326. 321. 32Ü. 332.
333. 338. 341 S.F,2.
R.
ravenensis, episcopus Bischof v. Ravenna
{St. Severus) 2H6.
raniss Itanis 59.
raspenberg (rassenborgk, rusteberg, roste-
berg) Rastenberg 126 189. 263. 473
rcatinus (Cardinal) v. Reate 427
reynhart Reue' II. von Vaudemont, Her-
zog v. Ebringen 365. 370.371. 373.
reynbardesborn (reinhardisborn, reyn-
hardisborn) Reinhardsbrunu 86. 92. 93.
m US. 121 126. 132. m 146.152
153 155. 15*. 112. 114. 11*. 21iL 472.
reynstoin Rein- od. Regenstein a. IL 387.
reynstein, Graf v. Regonsteiu 1 97.
reynswig Roinswig 122,
rernde Itemda 264.
remigius (= romus») 4L
roinond (romond) grave von Graf Jakob
v. Komont 37U. 371.
remundus Raymund. Kardinal v. Gurk
524.
rcsenborg Riesenljerg , Dorf in Böhmen
217
richonbach Reichenbach (in Hessen) 146.
rin (rinstrom, rvn, rvnstrom, renus) Rbein
4L u. a. (ryn 4k 50. 51. 60. 118.219.
226. '249. 313. 3JIL 31Ü. 322. 324. 335.
339^34113^^3^311419.445.
458. 476. 4 7 8.
ryn (pfalczgravc am Pfalzgraf am Rhein)
(Friedrich der Siegreiche) 31Ü ML
3L4.3L5. 3LL 32Ü.321. 3Ü3.
rinckeleulien Ringlebcn (Dorf) 1*5
ringrave Rheingraf 3116.
rynlendur Rheinländer 210.
rynolt Reinhold von Dassel , Erzbischof
v. Köln I£L
rinsch rheinisch 273. 515.
mistete Rhoinitudte 349.
rlickencanus (rockencana, rockecana,
rockenconus ) Rokyzana 278. 2^0. 281.
rochlitz Rochlitz 257.
rodau Rhone 54.
rode, cristorl'el vom Christoph vom Rade
277.
rote. Rote, Siffart, Ritter 152.
rotenberg der Rote Berg (unweit Erfurti
250.
rotensteyn Rotbenstein 24L
rothonborg Rothenburg beim Kyffhäuser
(auch Grafen von) 194. 474.
rothomagen Krzbischof v. Kothomagon
(? — Erzbischof von Ronen) 167.
rodirstorft (rudoffisdorff) Rudersdorf 22L
263.
.rodiss (rodis) Rhodus 171.278. 420 421
422.
roma (rome) 4L 42. 43. 4L 4S. 311 38.$.
390. 426.
romere 42. 43. u. sehr oft.
(romani 475. 476.)
romulus Kumulus 41 44.
rostog 42 — rost6gk 5S Rostock,
ruhen Rüben 5L 5JL
rupertus, bisschoff zu koln Erzbischof
Ruprecht von Köln 3JO. 311. SLL^IL.
316.
rupertus, ahbas Abt Huppert 289.
rudelstadt Rudolstadt 113. 198.
rudeniez , nicolaus de Nikolaus v. Ru-
denitz 281.
ruthenorum magister Hochmeister dos
Deutschen Ritterordens inPreussen auc«
ruthoni) 130_.
rudestete (grocz) Gross-R Udestedt 2iü
292.
rudolf Rudolf v.Habsburg, Deutechor König
LZfi. 175. 176.
rodolfus Rudolf (Rat des Bischofs v.
Würzburg) 3ÜL
rula Ruhla 130.
runebergk Ronneberg 2<i2.
rusla Rossla (s, Niedorrossla) 258.
russe von groiez (greutcz, plawe) Reu*
v. Greiz (Plauen) 265. 21L 22K 29L
russen Russen 42. 5Ü.
ruxleben, heinrich von Heinrich v. Kux-
leben 2IZ
S. .
sachs, caspar Kaspar Sachs 505.
Sachsen Sachsen 41 u. oft (saxen 59,
Saxonia 476.480).
Sachsen (Herzog v. Sachsen) 199, 452.
482.483. 513.
Sachsen Pfalzgrafen zu Sachsen 1 59.
Sachsen Herzog Rudolf von Sachsen 212.
Sachsen, herezog von Herzog Lotbar von
Sachsen, Deutscher Kaiser 125. 126.
sachssenborg Sachsenburg 6JL
sal Saale 115. 12L 123. 160. 235. 253.
261.272.450.
salberg Saalberg (Saalbäuser b. Kosen)
265. 271.
xj by Gc
I. Orte- und Personenregister.
547
salcza Langensalza IL SL 82. üä. hiL
ipm 230, 249 ■>():>■ r>oc>.
salc/Jmrg Salzburg 104.
salcm [= jerusalera] 32.
salcn Salins (Stadt) SIÜ, 371.
salvelt Saalfeld 244,
saJomce Salome 4ü.
salomon Salonion 3JL
salza Salzderhelden 203.
samarien Samaria 47.
sangerhusen Sangerbausen 122, 123. 2ÖJL
218.
sardin Sardinien 42.
sarracenac Sarazenen 287.
Spangenberg Herren von (Treffurt -)
Spangenberg 191. 192.
sperling, berlt Berthold Sperling 278.
spinges Spytiehncw L Herzog v. Böhmen
25,
spyra Speier 182. 209.
spire Speier ELL
s|K)letanus (Cardinal) v. Spoleto 427.
spoluto Spoleto liL
spoletana vallis Thor ?. Spoleto (bei
Assissi) 2JÜL
spolctuin Spoleto 429.
spretten Spröttau 2<>3.
'scarparia Skarperia (Stadt) 393.
scarioth (?) (Judas Ischariotb) te*
sobalam Schalam (Jude) 2f>9.
schalam, heinrioh Heinrich Schalam 27Ö.
scharffenberg Scharfenberg 217. 218.
scharffonsteyn Scharffenstcin 170.
schonckeberg , dittrich von Dittrich von
Schenkenberg 277.
schyppelitcz (schippclitcz) Zschciplitz (bei
Freyburg a. d. Instrut) 122. L24. mL
schiding, bans Johann Schiding 27H.
sebidingen (Burg)schcidungen «7, iiü.
schildorode (schildenrode) Schilderode
P>() 414.
achinstete Schönstedt (Dorf) hOh.
schinstete, hartung Härtung Schönstedt
271.275.
schinstete, hans von Hans v. Schönstedt
278.
schonenberg , vith v., herre zu glucl\owe
Veit v. Schönberg, Herr zu Glauchau
277.
schowenberg, caspar von Kaspar von
Schowenlierg 277. 278.
schouwenborg Schaumburg 118. 119 472.
schowenforst Scbaumforst 143.
schuteze, caspar Kaspar Schütze 277.
scocia Schottland 42.>.
stafhlsteyn Staftelstein 337.
Stetten (stettvn) die von, die Edelherren
v. Stetten Ä 3*L
stetigen, herre von, Stetigen (?) 355.
Steffen Stephan us 5J1 167.
Steffen Stephan, König v. Ungarn III.
Steffen, sente KJostor bei der Kirche des
hl. Stephan in Zeitz 2Ö2.
«teften Stephano Bagogui (florentinischer
Priester) 3ÜL
steyn Wendelstein 234, 237.
steynforst Steinfurt 1S2.
steynhuse, apel Apel Steinbausen (Schrei-
ber) 218.
stenczel, Stenzel (Kuchenauftruger) 278.
stobar Stobra (Dorf bei Capellendorf) 505.
stotternheym Stotternheim 473.
»togkhusen Stockhausen (Dorf) 102.
stolbergk (stolberg) Grafen von 69. 120
U± U&m* ^ 'MA. 22L ü±
506.
Stolle, Andreas 435.
strossborg L Eis. Strassburg 1_H1 350, 370.
stusfart Stranssfurt 249.
seliech Katherina (Bertha) vou Seebach
158.
sel>erg Seeberg b. Gotha 122.
sechsehe landrecht Sachsenspiegel 5Ü.
setelstete Sättelstedt 127. (= satbanas
8 tote 128)
seestete Seestädte u. Hansastädte 349.
negel bache Sengelsbach bei Eisenach L8JL
sera Sem 39.
semerana Semiramis 40.
seno Seno 4L
senssheym, wolff von, bore zum scharezen-
bergk Wolf v. Sensheim, Herr zum
Schwarzenberg '277. 278
Sibilla Sihylla 42. 43.
sicilien Sicilicu (Karl v. Anjou, König v.
Neapel u. Sicilien) 187.
syder, hans Johann Sydcr 278.
sillart Siglried J_L
siffart (syffert) Sigfrid III. von Eppensteiu,
Erzbischof v. Mainz HKL L5JL 28JL
siffrid , Erzbischof Sigfrid II. von Mainz
140.
sygebrecht Siegebrecht 70.
sigclon, johann von Johann v. Sigelon 355.
Sigismund us Kaiser Sigismund 480.
Sigismund us Siegmund (Dekan v. Alten-
bunzlau und Prager Domherr) 27 1.
Sixtus, Papst Sixtus IV. 425. 42H. 427.
428.429. 430. 481. 432.
slatheitn (Hermann von) Schlotheim 152
sletatad Schlettau] t 370
slemichen Siblemichon (Jude) 275
slesier Schlesier 339.
sliniez. jorge von Georg v. Schleinitz
277. 27m.
slotheim, jorgo von Georg v. Schlotheim 277.
slotheim, kerstan von Christian v Schlot-
heim 277.
35*
xi by Google
548
kegister.
smalkalde Schmalkalden 151.
smirna Smyrna 42.
snabeiborg Schnabelburg bei Nonlbatisen
205.
sneberg Schneeberg (Stadt) 3Ü1L mi
sneberger groseben Schneeberger Groschen
456.
snelman , snelmanshuscn Schncllmanns-
hausen 03.
soben borgen Siebenbürgen 846.
sopbia (Sophie ?) Äbtissin von Kitzingen 91.
sophia von Bayern, Gemahlin des Land-
grafen Hermann L v. Thüringen 93,
101 185. 180 (152). 154.416.
sophia Sopbia von Brabant, Tochter d» r
hl. Elisabeth. Iii, 165. 47J1 41L
sophia (?) 2» Tochter der hl. Klisabeth
ds. Namens 11 5.
sophoien Savoyen 8<>s.
soerates Sokrates 46.
sotez Saaz 219.
soesscz (fcoesüt, soest, zost, civitas zuza-
tensis) Soest 24Ä. 24iL 25_L 2IQ.
290 311
sofoyer Savoyer 370.
sofoyssch savoyinch 371.
solczbich Sulzhach 222.
solmenicz, bans von Johann v. Solmenitz
27JL
solms, ruprecht, graf zu Graf Ruprecht
zu Solms 4'.i5.
somtra Sontra 215,
sommerile Sömmerda 505.
sommeringen (Sömmerda?) wohl Gang-
loff- oder Lützensömmern ls5.
sonnenborn Sonncborn 192.
sul Säule (Geschlecht Uolonna) !iL
sulcza Sulza 234.
sulczebrugkcn Sülzenbrücken (Dorf) 259.
Rundershnsen (auch comes de sunders-
husen) Sondershausen 385 178
Suselitcz Suusellitz 191.
swansee Schwansce 455.
swareza Schwarza (Kluss) \m Schwarz-
burg 257.
swarezen wald Schwarzwald (Dorf 204. 2Q5_
Hwarcz borg (tswarczburg) Schwarzburg {auch
Grafen von). 62. 142. lüL IM- IÜIl. IM.
19.s. 199. 204. 205. 214L 'AHL 22h. 255.
25JL 25L 25jl 25iL 260, 26fL 2TL 27JL
875 378. 396.418 474.506.
swarczj)urgixch 335.
swebisch schwäbisch 322.
swewia Schwalten 478.
awit« zen, landzu — Schweiz 358 854 855.
mL
switezer i^wirzon , switezon) Schweizer
322, 32dL SM. 34Ü. MiL 'dhSL 854. 355.
35iL 357. m 3JÜL .m 3ÜL 2£2. 869.
Bwobcn Schwaben 50. 65. 70. 74. 78. 80.
129. 161. 181.
ü.
uebtrisshusen (ichtrisshusen, ichtershusen)
Ichtershausen 122. 19JL 25_& 413.
utan, utanrode Utcnrode 63.
udestete Udestedt 188,
uff hofe Uffhofon 82.
utrlandc, jaeoff Jakob Uffland (Dolmetscher)
27g
nllen Ullen (ein Knecht) 278,
ulriche, sente hl. Ulrich 12Ü.
ulrich Ulrich v. Mahren 12a. 12fi.
ulsstn, bans von Johann v. Ulssin 278.
ungern (ungaria) Ungarn 61. 73. 74. 75.
ft8. 91. 9S 102. I ll). III. 115. 1 Hi. 1 17.
13L L4_L LAU HiL 232. 233. 2üL 31»;
829 889. 346. 379. 415 4Ifi.42i.42iL
43Q. 476.
ungari die Ungarn 291.
i ii)<;ersch (ungerisch) ungarisch 137.273.
885
unstrod (unstrot , nnstrut, onstrot) Un-
strut 62. fiL LÜL LLL 120. 21U. 2LL
212. 47A
urbanus Papst Urban VF. 4I&
de ursiuis (Kardinal) v. Orsini 427.
ussezig Aussig 2ASL
w.
waluurgi»(sancta)Die heilige \Yalpurgis472.
walkenryde (wolkenrede, wolkenrode)
Walkenried 126.289. 472.
waldeckc Graf Heinrich v. Waldeck 210.
212.
waldenterg Wallenburg lii2
walter Walther 9JL
Walter von der vogelweide 134L
waltersleuben Waltersleben (Dorf l>ei
Erfurt) 4m
walterus de glisbergk Walter von Glciss-
berg 422.
walthart, meister Meister Wra)tbart 398
waldichen Wäldchen 416. 417.
w all man Waldmann (Name) 88.
walen Gallier, Welsche 48.270. 271.
mm
walssleuben Walschleben 438. 506.
wangheym Wangenbeim (Herren von)
1Ü2. 192.217. 290. 277. 474.479.
wartperg Graf Burchard v. Wartberg. 8L
wartiiergk (wartlx'rg) Wartburg 8JL 84.
äL 12L 122, 1Ü2. Lii. 149. 150,
152. 15:1. 1 55 156. 1(>1 l«i8. 169. 170
UA illL IM 18L 188. 189. 190. 218.
177. 478. 479.
xj by Gc
I. Orte- und Personenregister
549
wassenborg Wachsenburg 28. 2LLL 205,
234. 271.272. 273. 274. 472.
weczel von steine Wenzel v. Stein 197.
wota Weida (Fluss) 235.
wcissenburg (kriechisch) Griechisch-
Weissenburg = Krusovaz 291 .
welsch welsch (italienisch) 387. 392.
welscholand Welschland 41 . 00. 61. 65.
welschnumburg Neufchätel 357.
weisen acht Wisnak 376.
wenczeslaus Wenzel, Herzog v. Böhmen 25.
wenczeslans Kaiser Wenzel , König v.
Böhmen 21L 212,
wendein Vandalen M.
Wendelstein Wendelstein 123.
wenden Wenden 59,
wenghusen Wendhausen IfL
werben Werben (Stadt) 322.
wertenberg Württemberg 350
wertern , ditterich von Ditterich v.
Werthern (Bürger v. Stolberg) 228.
wortheim Wertheim 3ÜL ML 382. 'd&L
112.
Wertirde, henricus de Heinrich v. Wit-
terda 473.
werichhnsen Werichhauscn 128.
wernerus Werner v. Eppenstein , Erz-
bisch, v. Mainz 172. 405.
wernyngorode Wernigerode 197.
werra Werra 115. Ifi2_ 192.217.
werronberg, hartmod von Hartrad IV.
v. Wörenberg Hü,
westfaln (westfoln) Westfalen (sehr oft)
z. B. 4L Iii u. a.
westfeling 192. 321.
westhusen Westhausen 196.
wyperecht Wigbert (hl.) 156.
wickerstete Wickerstedt 241.
wida Weida (Stadt) 2ÜL.
witczeleuben (Herren von) Witzlcbon
196. 205 221L 2SiL 232. 239- 277. 278.
122.
witezenhusen Witzonhausen 165.
witterde Witterda 5_22_ 523.
wigmann Wichmann, Erzbisch, v. Magde-
burg 132.
wyhe Wiehe l&L 123. 1__6_. 2_^ 22A 232.
2M.
willerstete Willerstedt (Dorf) IM. 128.
wildenborn, jorge von Johann v. Wilden-
born 278.
Wilhelm Wilhelm, Erzbischof v Mainz,
Sohn Kaiser Ottos L 22.
wilhelm, Wilb. v. Landshcrg, (Bruder des
Landgrafen Friedrich 11L v. Thüringen)
12L20JL 2LLL 212. 22iL 22L 222.
wilhelm, Wilhelm, Herzog v. Sachsen,
Bruder Friedrichs V. als Kurfürst
Friedrichs II. 22fL 222, 230. 24L 213.
25JL 25A m m m 2J^ 2l& 22k
22Ü.22L32L 324. 325 326. 336. 340.
325^32_L8_3L328.m416_,5i&5i_l.
wilhelmitarum ordo Ordon der Wil-
helmitcn 282.
wilholmus (dux in aquitania) W., Herzog
v. Aquitanien 289.
wintperg \\ intperg (b. Jena) 122. 413.
winthusen Windhausen 203,
winfridiiH Winfrid (Bonifatius) 288.
wimar (wymar) Weimar 108. 184 L9Ji
194. 122. 238_ 241. 212. 250. 253. 251.
26 2sil 22L 27_>L 37A 382. m ÜLL
iiiLiiiLiJAmmöiiLDiiüajA
518,022.
wvmar, ewald Ewald Weimar (Schreiber)
'395. 39JL
wirezburg (wirczpnrgk, werezburg, wercz-
purg) Würz bürg (besonders die liischöfe
v.) 118, 2Ö1. 21fi. 212. 23L 24Ü. 251.
321. 322.33fi.322.88_L 382.
wissenfels Weissenfel« 22fi 262. 265.271.
wissensee Weissensee (i. Thür.) 66. 1J1.
13_L 132. 1Ü2. III, 115, 128. 2-19. 25S.
2iliL lüJL 123. 5115.
woldemar Waldemar, Markgraf v. Bran-
denburg lfitL 187_ k58.
wolffkele, wiprecht Wiprecht Wolfkehlc
277.
wolfram v. eschen bach Wolfram von
Eschenbach 13_5.
wolfestorff , heinrieb von Heinrich v.
Wolfsdorf 222_
wormes (wormacia) Worms 101. 156. 288.
wuruchen Wuruchen 355.
z.
Zacharias, papa Papst Zacharias 114. 288.
zittau Zittau 2 ■S 1 .
II. Sach- und Wortregister.
A.
Ap|»oliaeie ApjH-llation , Berufung 407.
4m n:i
abbietcn, Verbot aussprechen 485.
ubbreviator literarum apostolicarum
päpstlicher Geheimschreiber 392.
abbrach (abebroch) Abbruch, Beein-
trächtigung, Schaden 4QS_ 4M, 48K.
494.
aptgott Abgott 41L 114.
abtgrunt (fem.) Abgrund 390.
abebreeben (in. Gen.) Abbruch thun 51 5.
abeezicht (thun) Abzug (abziehen) 331.
abetrage Austrag, Entscheidung 492.
abetragen abfuhren, ablaufen lassen
323 f; austragen, entscheiden 492.
abetrieben forttreiben 3Ü3.
abegang Abgang, Tod 483.
abegescheiden abgeschieden 97.
abegunst Abgunst. Abneigung 388.
abelegen hinterlegen, abtragen 496; ver-
güten 512.
abelosung Auslösung (aus der Pfand-
Bchafl 419.
abeslagen (abeslaen) ableiten 324. 401.
abgesatezt abgesetzt 504.
abir (aber) zum zweitenmal Ii 522.
acht Gerichtsbann, Bann 4 OS. 418. 484;
Gcrichtsverliandlung 490.
achte, geistliche — geistliches Gericht 3Ü2,
achtmanu Achtmann (octovir?) 409.
achtung Beobachtung 436.
atezung Nahrung 494. 4%, 512
ade = ad er, aber 401 f.
ave inaria Ave-Maria-Gehet 220 439.
agnua dei Agnusdeigebet (i. d. Messe)
390.
aide eidern Voreltern 513.
alterstein Altarstein, Altar 354.
allermelch jedermann 87 f-
allermelichein von, allmählich 119t-
als ferre insofern 492.
alzuhant sofort 397
ambasiatores Gesandte 3!>S,
amechtig ohnmächtig 337 3S4.
ammeebt Amt IIS. 2ÜÜ. 385 f ((Gottes-
dienst),
ammecht Amtleute 5L
ammecht man Amtmann 52.
amnieeht lute 6JL ÜL Lül 142.
ankommen Beginn 488.
anezeeu (sich, m.d.Gen.) sich annehmen,
l>eanspruchen 403.
anezchuug Inanspruchnahme 413.
audelogen überreichen öSf .(vorandelogen
134).
antifen W'echselgesang (kirchl.) 501. 502.
andirt weit zum zweitenmal 38*}\
andirtweit (andirtweilt) anders, anders-
artig 232.
antragen (mit) = antragen (bei) 232 1
an twart (anwart) Antwort 43 f. 115. 1 16.
22L4LL
antwarten antworten 232 ; fiberantworten
410.
antwarter (antwerter) einer, der sich vor
Gericht verantworten muss 496. 514.
antwerten ausantworten, überlassen 4Ü1.
ane ohne (sehr oft, z. B.) 402.
ane (adv.) ausgenommen 498 f.
anefange (anegefange) Anfang 363 :>t>7
anende (= ane ende) ohne Erfolg 266 f.
anewisunge Anweisung 229. 380 518.
angen Anfang 44.
anhaben anfangen 7 1 99
anheilen (anhebung) Anfang 13 f. 5jL
anbogen verhängen 54.
anlegen (frans.) in Brand stecken 266
anliegen dringend bitten 68 f.
anmacht Ohnmacht 326.
anqueinen antreffen 418 f.
ansproch Ersatzpflicht 490.
anslossen anstecken 104 f. 156 f.
anseteze Anträge 413.
an seen hinsehen, beachten, schauen 8iL
ansihe, werden — ansichtig werden 35S.
anxten aufseufzen 523.
arbitrator .Schiedsrichter 418.
archan (archen, arche) Arche 32. 38. 39.
areztige (areztie, erezdie) Arznei 150 f.
277.465.
arthalRig bepflügt 122 f.
ardmeu Arme 465 1-
arg erzürnt 358.
argelist Arglist 494 518. 519.
armar*t Armbrust 503 t.
armes huss Armenhaus 92 f-
arn (Praet. ir) ackern 13.L
xlby
II. Sach- und Wortregister.
551
astromygen Astronomie 137 f.
Augustinerordeu (fratres augustinensis)
478.
auwest August 511
B. P.
backen (praet. hoch) backen 445.
badebecher Badowanne 138 f.
patvn (pantofen) Pantoffeln 456. 470.
pallaciuin Zelt, Palast 337. 3s <i :-i'.H
pallas Palast 43.47.391 :',t>2.
palnien Wedel treiben OLL l&L Palm-
sonntag 245.
palmenwocbc Pahnenwoche 461.
bangbart Bankert (uneheliches Kind) 66.
bauner Schar 67 f. 74.
parchen Barchent 246.
f »archin Barchent 375
»arte Beil, Axt 524.
partie (parthie, pari ige) Partei 331. 388.
402.411. rm. 51 s.
partigisch parteiisch 489.
barfossen (barfosen, barfusscu) orden
(fratres minoren) Barfüsserorden Q1L
13Ö, UL 25JL 2IL 2ML älü. 4JJi 478.
503
barmlich (adv.) Erbarmeu erregend 385 f.
bastart uneheliches Kind JILL 230. 335.
310.35g.
beeke Backer 405. 445.
bekentnis Erkenntnis, Erkennen 401,
bekommern h. kommern, plündern 494.
bedackt, bedeckt, angekleidet 420.
bete (bethe) Abgabe Ö2+. 216. 412. 49!'>
497. 514; Bitte 4*7 498 510
bedechtenisse Bedenkzeit llfi.
bedenken (beducht) denken 515.
bedenckuug Üla*rlegung 327.
bethen (beten) bitten 498. 499.
bethwingen (betwingen) bezwingen 52.
397.
bedrawen bedrohen 244. 400.
betreten betreffen, fiberraschen 131 f.
betregnia Betrug 1113 f.
betregung Betrug 335.
betringen (betrang und bedringen) be-
drängen TJLSfL
betrüben schwarz machen (betrübet =
schwarz geworden) 449
betrubung Betrübnis 190.
boduten (praet. bedutte) bedeuten 384.
bedutenisse Bedeutung 292.
IxKlutunge Vorbedeutung 218.
befallen (praet. hefyl) gefallen 62 f.
befreden (etwas) Frieden verschaffen 220.
begeen ein Leichenbegängnis halten 92 f.
9A132.
begegnis Begräbnis 9JL
hegen (partic. begent) begegnen 510.
begiuae Beguiuen 431.
beginnen (praet. begunste) beginnen 233.
242f. 3m 32L ±hL 455. 5fM.
begnügen, sich sich begnügen 514.
begrebede Begräbnis 488.
behalden festnehmen 383; festhalten, in
die Gewalt bekommen 348.
behalten (intr. praet. behilt) stille stehen
aa,
beheiligen heilig sprechen 100.
beheltnis Behälter, Kasten 311.
beheltnisse, mit mit Vorbehalt 489.
behendickeit (auch plur., behendekeit |
Schnelligkeit 233. 310; List 318 f. £08.
bchcr (beer, byer) Bier 3Ü2, 4iüL
AHL iZL 443. 4Ü3. AML AULL ATL ML
508; Bär 365. 376.
beyten (beiten) warten 164.245.260. 334.
beissen Falkenjagd 497. 514.
beleyten geleiten, fuhren 389.
benedicite Tischgebet vor der Mahlzeit
31fi
bennisch Gebannter 488.
benotigen in Not bringen 346.
benuget sin zufrieden gestellt werden
1ÜJL
berechten vor Gericht verhandeln 48fi.
pergamynt Pergament 407.
l)erg fred (bergtret, bergefred) Bergfried,
rrurm 86 f. 222.
berichten (accus.) versöhnen 249: be-
zahlen, Lösegeld entrichten 42ü ; durch
Frieden beendigen 206.
berichten (berihten) versehen (mit den
Sterbesakramenten) 100 f. 135.
beringen umringen 94 f.
berynnen berenuen, belagern 271.
bermelich Erbarmen erregend 500 f.
bermelichen (adv.) zum Erbarmen 104.
bern Birne 448. 464.
bem (berenn) Abgal>en 497. 514.
beruren, sin berührt, betroffen seiu 323,
beruwen bereuen 390.
besagen, sich (lassen) mit sich reden
(lassen) 329 1-
bescermen beschirmen 32 G.
beschateyen brandschatzen 180.
beschawen beschauen 352.
bescherren verscharren 213 f.
beschidickeit Schlauheit 254.
beschotten besehütteu 319.
bestaten (syncop. praet. bestad) be-
statten 94 f.
bestaltnis Vorkehrung 522.
bestetegung (bestetingung) Bestätigung
4JKL48JL
bestelle. i Nachricht geben 312 f.
besten /-titrieren liljt.
552
Register.
jHÄtilciicze Pest 43JL 4M.
besitczlich besitzmäasig 411.
besiet beiseite 324.
besynuen zu Binnen führen, einreden
120.
besingen behauen 31f.
bewereu, sich sich beschäftigen 322 f.
pfaffheit (pfafheit, pfaffheid) Geistlich-
keit 2111 21 fi 484.508,
pferner Pfarrer 185. IIS. 222, 32L 383.
433. 488. 499.
pfingischeyligen tage Pfagstfeiertagc 204*
pflege Amtsbezirk, Verwaftung241 . Mit
418.492.
pflegelich gewöhnlich 118.
pflicht Abgalt 812f.
pfortencr Pförtner 403.
pfronde Einkommen 188 t-
Ehenning, wisser Silberpfennig 3.30.
iboss Beifuss (Pflanze) 4 33 f.
bibossenkrentzchen Beifusskranzchen
500.
picke Spitzhacke, Meissel A81
pitezen peitschen 201.
pitezscherer Versiegler 406 f.
bieten (uff m. Akk.) als Schiedsmann
einen aufstellen 412t-
bierevge (biereige, bereige) zum Bier-
bräuen Berechtigter 406. 411. 412.508.
biewessen Beisein 371. 401.
by grafft Begräbnis 93. 94. 193. 221.
pyne (pine, pene) Strafe (auch Fege-
feuer) im i2i m m 4111 4Ü8. 4iL
440. (pynlich adj. 409.)
biret (birret, berett) Barett 828. 456. 47P.
by stand ig gehorsam 52.
placken plündern, ausplündern 237. 339. +.
olancke Blankenzaun, Tribüne 519. 520.
blecken sichtbar werden 28t«
bly buchse Feuerrohr 203.
bilde Steinschleuder (blidenstad Ge-
schützhaus) 180. 198. 319.
blien Bleiröhren 21L
bliensteine mit Blei bekleidete Steine
324.
blienspaugen (blidenspangen ?) Schleier-
spangen 141 f.
blyg Blei lf&
bligks (blicks, blix) Blitz lfifi. m 452.
blosse bloss 362.
bludekeit Blödigkeit 150.
bluen blühen 44fL iQL 4S4.
bluning blühend 38 f.
(blute Blüte 446).
pobeu oben 88. 162. 241.
pobir oben 180.
pochen plündern 259 f. 503 f. 505.
bockschin Hukskin 375.
bottentreger Butten träger 459.
potterkasten Butterkasten 4'>->.
l>otestate PodestA 391 392.
potschu kurzer Stiefel 87 f.
Ixiffe (buffe, bufe) Bube, Knecht 381
383.384.329.
boyge Beuge (terra, techn. beim Wein-
bau) 438. 4fi3
boygen beugen (ebenso) 438 f.
boyger Beuger (Arbeiter im Weinberg)
4fi2.
boyme Bäume 416.
bon Bohle, Brett 44fif.
bon nayl Brettnagel 446 t-
borgermeister (burgermeister) Bürger-
meister 228. 222.
borglene Verteidigungsburg 132.
borgwal Ringwall einer Burg 12£L
bornen brennen 48 u. o.
borschafft Bauerechaft 513.
bösem Busen 242 f.
bosstisch rohgezimmerter Tisch (Folter-
tisch?) 524+.
bossc (busse) böse 105. 445. 460,
bosse (neutr.) Possen 388.
boese Stiefel 142 t.
bosserinne Bürgerin 1:>5.
practiceren ausklügeln , ausklügelnd
sagen 332.
praedicatorum ordo Predigerorden 220.
420.472.
predigate (prediate) Predigt 82. 326 t.
439. 441.
prediger (predicatorcs) Predigerorden
138. 181.426.
breff Brief 4*L 4*3.
brennen (bornen) verbrennen 225. 440,
privilegia Gerechtsame 453
prime Prime (prienterliche Tageszeit) 383.
bringen (1 »rocht) bringen 526.
prisne Einfransung 456. 470.
processie Prozession 349. 432. 440. 464.
498. 499. 500. 502.
brotbencke Brot verkaufe täude 109. 485.
Provisor Statthalter 324. 32fi. 32L 338.
400.
brantcheue Mieder (Leibchen) 456. 470.
brosttuch Brusttuch 380.
brostlisten Brustlitzen 456. 470.
bruhuss (bruwehuss) Brauhaus 406. 486.
brumeister Braumeister 486.
bruwen brauen 41 1. 486. 508.
buch Vertiefung 4 16 f.
buch Bauch 521.
puttern Butter machen 456.
buthe (bute) Beute 224 +• 345. 347. 5-lfi.
buten erbeuten 224.333.345.
buten zerschlagen 347 1-
bulle obrigkeitlicher Erlas» 3fü.
burgir Bürger 376.
Google
II. Such- und Wortregister.
553
burschafft Bauerschaft 406.
bussenpfeuning der böse (oder schlimme)
Pfennig (Steuer) 3ßJL
bnssfellig busspflichtig 401. 409.
busswiraig straffällig 486.
buwemeister Baumeister 403. III. 467.
buwen bauen, oft z. b. 3JL 451. 512. 5 Iii.
C. K.
Capolebim Kapelle 102t-
kateze Holzbrustwehr (bei der Be-
lagerung) 2Q3,
kagk Pranger 404 1-
kahle, das (ergänz, wö) das kalte Fieber
377.
kaleygem collegium maius (grosses
Colleg) mf.
kamerere Kämmerer 372.
kammenneister Kammermeister (Finanz -
Verwalter) 142 t-
kammirwain Kammerwagen 341 t-
canczelige Kanzlei 361.
kebesen Verstössen 141.
ketezerige (ketezerie) Ketzerei 380. 383.
504.
kegen (kegin) gegen 351. 376.
kegenwertigk gegenwärtig 311. 454.
kegenwertiekeit Uegenwärtigkeit 375.
kein (kevn) gegen , gegen zu 458. ällfL
5J4, 522,52^^24. (kern-, keine -wart
hin-wäit* 459. U\\ 500. 502,1.
keine wisse, in = in keiner Weise 377.
kein» (subst.) 37s. 3K3.
kemmenate kleine Burg 88 t- 122. (sonst
Zimmer in einer Burg 127. 156. 273).
kenczeler Kanzler 520.
keren (s. wenden) 86t-
kermesse Kirmess 147.
keuffen kaufen 452
christiani Christen 477 480.
kindere tnimpen Kindertrompeten IST.
kysen (kiesen, k essen) kiesen, wählen
iio. 9.M) aar 313.
clagecziddel Klagezettel 403.
kleinkornigk kleinkörnig 459.
knechtchen Knabe 102.
knoufT Knopf, plur. Schnurwerk mit
Knöpfen 470; Kuppel (an einein
Dachet 522.
koppfe Kufe, Trinkgeschirr 361.
koppfer Kupfer 405.
covent (dünnes oder) Nachbier 443.
kogel Kapuze, Frauenmütze 323 1- 379.
collacien Festmahl 388; Erfrischung 52L
collecte Kollekte (kirchl.) 50 1 .
koller Koller, Halsbek leid ung 470.
kollereeht kollerartig 456. 470.
tolligeren summe lu 388.
kolnmass Kohlenmass 406.
kolstoub Kohlenstaub 406.
complexie Körperbeschaffenheit 378.
kommer Beschlagnahme 497. 514.
kommern (bekommern) in Beschlag
nehmen 411. 494. 496. 511
konde Kunde, Auskunft 513.
koningk (konningk) König, oft, z. b. 70.
504. u. a.
korclichen (adv.) nächstens 348.
kort kurz 498.
körte Kürze 103.
körtewile Kurzweil 376.
cordiln das Herz ausschneiden 393.
korlich sichtbar, deutlich 402.
korschenwergk (kurschenwergk, korssen-
werg) Pelzwerk 355 f. 4ÜL 485.
korschuler (choralis) Cborschüler 383.
kost (collectio) kosten 146t- 3JfL 506. 515.
516.518.
kostlichen (adv ) mit grossem Aufwände
46fi.
kosen küssen 525.
kosssen Kissen 525.
kouffczeddel Kaufzettel (Erlaubniszettel
zum Kaufen) 450. 453.
kouffhuss Kaufhaus, Kaufhallo 405.
kouffmanschatcz (kouffsehatcz) Handels-
gut 146y. 148. 246. 310. 313. flfrJS,
koweinul (kümul) Kuhmaul 45JL47IL
krangkeit Krankheit 464.
krebis Krebs, Brustharnisch 35S
credencz Schanktisch 521.
credencz vass Kredenzglas 35-1.
credenserer Mundschenk 392.
kriegen (prnet. kreigk) erhalten, be-
kommen 454
cristener mensche Christ 312.
krotten, sich um etw. bekümmern 222 1-
krön Krönlein (an der Turnierlanze^
255 t. 522.
cruce (plur.) Kreuze 499.
cruezeger (cruczebruderjKreuzbruder 20 1 .
kruten Kraut holen 414t-
kramp krumm 49.
krumme thor gekrümmte Thordurch-
fahrten 2ML
kulde Kälte 341. 324. 444.
kume kaum 4til.
kummer Beschlagnahme, Verhaftung 402.
kummern mit Beschlag belegen 402 t-
kömuler s. kowemuler 470.
kuutlich offeubar 5_LI5JiL
kunst. (partic. praet.) gekonnt 340.
kusch lieh keusch 111t.
kuw (kow) Kuh 337. 378. 448. 450.
czayl (czagel) Schwanz 7JL 218.
czeptor Sceptei 354.
czechener Leineweber, Bettzeugweber 468
!
jd by Google
554 Register.
czeen ziehen 497. 514, 515.
czege Ziege 44 s. 45i.i,
czeiehenhaftig durch ein Wunderzeichen
8L
czeichtneister liettzeugwebermeister 409.
447.
czeldenpferd (czeldener) Zelter 88 t.
ezemelieh geziemend 485, 4S7.
czemelickeit Gebühr, Reclit 516.
czeruug Aufwand, Kosten 32!) t.
eziddel (eziddil, cziddele, czeddel) 874.
37JL 3_7JL 31)6 t. 4M. ÜL 452. 45iL biiiL
czitlich zu rechter Zeit, reif, erntereif
497. 514; zur Zeit im Amte 519.
czihen (praet. czoch, czogeh) ziehen 3ßJl
8«jL 3fi8. SilfL W8j sich czihen sich
zurückziehen 97_; cziehen in. d. Dat.
sich nehmen, sich zurechnen i 13.
czinn Zinn 405.
czinsewagen Zins wagen 498.
czolner knecht Zollknecht 408
czucht Gewahrsam 489.
czuhen, sich sich pflegen 99 t.
czweitracht (czweytracht, czwevt rechte)
Zwietracht 1ÜL 324. lüL 50JL 514. 511.
czweytrachtig (czweyl rechtig) zwie-
trächtig 80. 12a. 1ÜL
czweyfeildig zwiefältig, doppelt 82.
czwolffbotentag 12-Herrentag 174.
czwossen zwischen 5*2 C>.
D. T.
tabernakel Zelt, Hütte 32.
tae Unterhandlung 234 t- 238. 243. 244.
24A 24fi. 242. 24£L 2^5. 2ütf. 2fi7_ 2S&
2ülL 222. 32JL 335. 312. 371.
taferu Schenke 381t-
taffel Gemälde 3£L
david David 32.
tagksatzung (tagesatzung) Frist-,Termin-
festsetzung 515. 5 IN.
tage: ufl* tage kommen = vor Gericht
laden 212 t-
tagen unterhandeln 234 f. 2JJL 32JL 335.
330.389.310. 351.352. 353.
tagewurte Tagelöhner
tag geben Frist geben 20« t-
tagung l'uterhandlung 385.
talmetezseher Dolmetscher 978
tarn (praet. torte) wagen 507.
tarn (praet. torstc) dürfen 500. 504. 507.
tarresbuchsen Festungskanonen 343-
(344 vi.
tarschc itartsehe) Schild 82,
tepte Teppiche 122.
decken zudecken, deoken (v. Dach) 44*2
459.
teer Tier 413.
teydingen verhandeln 81 u. a.
tevffen taufen 12« t.
teylate Teilung 232 f. 232.
templariorum ordo Templerorden 287.
282.
denen (gedenen) dienen 181 52 1 .
dener Diener 124.
dessit (in. Dat) diesseits 31fL
thor Thür 3L
thorn (praet. thar) wagen 47. 67. 41 1
(sich unterstehen, dürfen).
Ihumtechant Domdechant 482.
thumher Domherr 526.
thun eine Absieht haben auf 887.
thure teuer 498.
thurunge Teurung 432. 12>L 5_LL
dicke sehr 8JL
diugstul Richteratuhl IIP. 120.
dinstfisch Dunstfisch , Fisch , der ge-
dünstet wird 40«
tischlachen Tischtuch 40«.
doben oben 180.
tockeman Tockemann (?) 399.
dohem daheim 512.
dorchhowen durchschlitzt 45«. 470.
torn (tonn) Turm 222.
dorneze Hadestube, geheizte Stube, Slube
442 v. HL 44S.451. AhL 4M.
torney Turnier 512. £2lL 522.
tomeien (getorneien) turnieren 52 1 .
torneier Turnierkümpfer 5:'l .
dorr dürr 354.
dorre dürr 498
torstickeit Kühnheit 123 t. 18fL
torstig (forstlich, trostlich) 183. 264 t . 22 1 .
309-
doselbest daselbst 512.
touben vernichten 238 t.
towen (intr.) tauen 444.
tradiment (neutr.) Verrat 322. 393.
drawewort Droh wort 806. 402,
dreckecht dreckig, schmutzig 459.
treten treten , zertreten , zerstampfen
(v. Wein) 4Ü2.
treter Treter (Arbeiter bei der Wein-
bereitung) 4^4
treyere Trierer 322.
trenckere (? Trinker) ^ trenthere =
drenthere — Bewohner der holl.
Provinz Drenthe 322.
drien, sich sich drehen 522.
dryfaldickcit Dreifaltigkeit , Dreieinig-
keit 422.
tri ticke gefis*e Trinkgefässc 148.
dringen drängen, zwingen 403.
dryrstunt dreimal 119. 120.
trottart tantz Trottarttanz 4M. Uli
troym Traum 52. 328.
II. Sach- und Wortregister.
555
troymen träumen 54. 328.
drowen drohen 505.
t rucken trocken 44a.
trugewetter unsichere»* Wetter liLL
truwo Treue l^Li&L 42^
truwelich (adv.) u. getruwelich treulich
■r,11 515. 517. MH hl!L
truwen sich getrauen 418.
duherie Dieberei 333 f.
duberige diebisch 169.
dutcz (dutsch, duczland, dutczelant,
dutczhelaut , dutscbland, dutezch,
dutezche land, dutezsch) deutsch 40.41.
48.70. 72. 73.74. 80. 89. 101.482. 483 u o.
duteze herren Deutschritterorden 1 ;>7.
turde Tetirung 122 f.
ture teuer 460.
durffen bedürfen 345.
tusscherie Täuschung Ü8X $&L 383.
tuseherige Täuschung 3.">5.
dusse (— usse) aussen 228.
twahen (praet. twug) waschen ü2.
tningeu zwingen ; t\v. von zurück-
drängen von 402. 403. 407.
E.
eptye Abtei 76.
eptisehe Äbtissin ALL 12L 153. 12L
eben passend ÜL
ebeuthure (ebentur) Abenteuer 140 238.
45Ü. Wagnis bUL
ebeuturer man Waghals 4GG.
eberluthe Richter 130 t.
eckel Stahl 520 f.
echter geächtet 192 1. 41& 4fi& 481L
echtigen Gericht halten 4 '.><>.
etezwau irgend einmal 1 3t»
etwan einmal, ehemals 133
ehel Aal 354.
ehir ehe, bevor 411.
eytbruder Eidgenosse 265 f.
eythaftig durch Kid verpflichtet 402. 40JL
eyfeldickeit Leutseligkeit 244 1.
eygentlich eigen 151 f.
eintrechtigehien einträehtiglich 327.
eynfeildig einfach, bescheiden 218.
einich (eynich) irgendweich, irgend einer
487.496. 497. M 9.
eynichs wegesladv. lirgend welcher Art518.
eynrosser alleiu reitender Knecht 419.
eir Ehre 525.
eliehen ehrliehmacheu, legitimieren 170.
enpfahiln empfehlen 342.
eupfelnisse Empfehlung 342.
enpobet oben 504.
en pur eniiMjr 450.
enezogen (ensageu; Absage, Fehde an
sagen 258.
enezwey filen entzweifeilen 454.
entphaen empfangen 486.
entnhahiln fibertragen 332 t-
entkeyn (enkeyu) entgegen 525
enttreten vertreten 484.
endelich ordentlich 45JL
enden (ant,geant) enden, vollführen 266 f.
eutflavn, (sich) (m. (Jen.) (sich ) entziehen
402.
entfuren entführen, hinterziehen, nicht
zahlen 4M.
enthaldeu behalten 4*<L49JL erhalten 123f.
enthoubten 50_j enthoyben 310, eut-
houbeu 4fi enthaupteu.
entreden , sich sich entraten , sieh ent-
halten toi.
en treten forttreten, -gehen, -reiten 361.
entrücken entfliehen 275 y.
entruchen, sich sich nicht kümmern 149.
entsagen Fehde ansagen tflSf. 207f.
entseninen erscheinen 3S0
eutschutezen beschützen 1S4.
entsetezen sich auseinandersetzen 410.
euteeigebriff Absagebrief, Fehdebrief 25A
entweichen nachgeben 55.
enelende Verbannuug 48. 42. 50. ene-
lende verbannt 9_5_.
cnelendiclieh elendiglich 364. N
envugen nicht passen 22* t-
engkern ankern 109.
engein (eukein) entgegen 358. 379.
engen einengen, sperren, verkleinern 512»
518.
engesten ängstigen 108.
ennyder hernieder, herunter 52JL
enscheit Entscheidung 514.
enuif hinauf 526.
euwec ( enweg, enwegk) hinweg 51 f. 377.
417 430. 45Ü. 454. 45a. 4Ü3. 4fiiL Ü1LL
enwenigk lenweningk) ein wenig 435.
438. 441. 442. 452. 461.
enzeben (enezeben) merken 45 t. 102 150.
16A1ÜÜ.
er (der geehrte Herr) 69 t- u. oft.
erabenemen herabnehmen 466.
erbarkeit Ehre 9_L
erlKJthen erbieten, erweisen 43_
erbetsam arbeitsam 3t>9.
erbeit Arbeit SM. 486.
erbeyten (erbeytten, erbeiten) erwarten
39 976. 323. 342.
erbeling Erbe 235 t.
erber, erbar ehrbar, tüchtig 74. 78. 107
117.118. 112. D. oft.
erbhuldunge Erbhuldigung 401.
erbieten (praet. erboud u. erbot) erbieten,
darbieten, enveisen üL
erbilden, sich nachdenken über 190.
556
Register.
erbnenic (f.) Erbiu 208. pl. Erben 513.
erbotig (uff) gyn jemand zu Willen sein,
erbötig sein zu verhandeln 514.
erkellen kalt machen (pass. erfriereu)
438. 442.
erkennen bekannt raachen, öffentlich be-
urteilen 308 f.
erklogen, sich an = sich beklagen bei
erkobern erobern 103 t- 367 f.
erkrigen bekommen, erhalten 9JL
erezeten erzeigen 498 t.
ertbebunge Erdbebeu 20if- 446.
ertraehten ersinnen 239.
eren bearbeiten 402.
erforsen erforschen 466.
erforeser Spion 262.
erfresen (intr.) erfrieren 436. 437. 1 16.
-IT)'». 4.'>S. 4<;i.
erfroren (schwach-trans.) erfrieren machen
452.
erfrowet erfreut 389.
ergehen„durch Gehen erreichen 348,
ergern Ärgernis geben 496.
eihalden festhalteu 377.
erheben heilig sprechen 101-
erherten ertragen 341.
erhitezigit erhitzt, erzürnt 402.
erholen sich schadlos halten 203.
erlich ansehnlich, trefflich 4i& 422, 501.
ermannen sich ermannen 32L 342. 347.
ermanin, sich sich ermannen 328.
ermord (ennort) ermordet 68.
ermut Armut 188. 123,
erne (ernne, kornernne) Ernte 192.450.
452
ernstlich ernstlich bemüht 485.
eroygen, sich sich ereignen 510.
errethum Verwirrung, Unfriede 850. 301.
397.504.517
erren (frans.) beirren 484.
erren, sich sich veruneinigen 252f. 331f.
erren (intrans.) in Verwirrung sein 311 f.
errenis Irrung, Uneinigkeit 517.
erschineu erschienen 327.
erxchregknis Abschreckung 383.
crslaen erschlagen 523.
crslechen erschleichen 335.
ersophezen (ersuffezigen) aufseufzen 55 f.
131.
erregen (praet. ersrag) erschrecken 54.
erubirgeu erübrigen 355.
erubirien erübrigen 376.
erwogen, sieh (Gen.) sich aufregen 322 t-
erwerben , an bei jemand etw. aus-
richten 222.
erwern beschützen 114 f.
erwinnen überführen 422 (gerichtl.
Ausdr.).
erwuschen erwischen, finden 376.
exs (ex) Axt 2221-245,
F. V.
vallen in gnode sich ergeben auf Gnade
263.
fan lehen Fahnenieheu 112.
varch Varch, Reinhart, Ritter 152.
vaste (subst. adv.) viel, sehr 263 t. 275
320. 332. 340. ML 342. 344. 345. 347.
35L 354. 350, 365. 376. 320. 322.
fasnacht Fastnacht 126.
fass Fasa voll Weib rauch 525.
vedc Fehde 511.
feden befehden 412.
fee Vieh 468. 5<A 502.
fehede (vehede) Fehde 212, 3UL 490.
vehen befehden 232 t.
feil Fehler 412.
veir vier 417.
fei viel 405 u. sehr oft.
feie (adv.) sehr 469 t.
felkener Falkner 404. 405.
felichte (fehelichte, vellichte) vielleicht
330.341.496,504.
femestad Richtstätte 132 t-
fenchen Fähnchen 400.
verblühen verblühen 484.
verkominern mit Beschlag belegen 512.
fertelen verteilen 310. 311.
ferlichkeit Gefahr 498
vermogeu vermögen, veranlassen 512.
fern (ferre) fern (beim Morgen: früh;
beim Abend: spät) 347 t- 416.
ferne alsogleich, insofern 85t ; alt 436 t-
ferre fern 341 1-
fernere (Adj.) 491.
vesperezit Vesper (priesterliche Tages-
zeit) 384.
vestenung Festung 189.
festicklichen (adv.) fest, mit Nachdruck
497.
vitezthum Vitzthum (vice dominus, Stell-
vertreter (in einer obrigkeitlichen
Stellung) 118. 112. 202. 21L 222. 274.
275. 396. 401.404. 405.
fyern festbauen 31t.
figure Symbol, Gleichnis 338.
vmemegd Viehmagd 413.
vilnach (s. volnach) (adv.) völlig 296 t.
finternis (masc.) Finsternis 435.
fingerlin Fingerring 151.
flebethe bitten 82 t-
flechten flechtenartig 465 v.
fleen fliehen 505 523.
fleischower Fleischhauer, Fleischer 174 1-
405.409. 459.
fleiss Fleisch 123. 344.
xJ by Goog
Ii. Such- und Wortregister.
fiesen (Hessen) fliesseu 344. 401.
rlitter Flitter, unechter Schmuck 470.
fliehen (flouch) Hiehen 57.211.
flucke flügge 465.
flusen fliessen 81 f.
flusa Flosa 237. 348.
voytding Vogtgericht 121.
volle omenheit .Gesamtzahl 350.
vollebort Zustimmuug 182 t-
volleborn Januar 44 f.
vollencziung Vollziehung 487.
volnach (s. vi I nach, folnach) (adv.) völlig
232.448,
vor vorher 464.
vor- (Vorsetzsilbe) = ver (meist).
vorachten (aller . . . ere) in die Acht
thun u. für ehrlos erklären 314. 403.
voralden alt werden 123 f.
voranderen verändern 401
vorandern, sich sich verheiraten 218 f.
vorbaunen L d. Bann thun 2QL 202. 504.
vorbethe Fürbitte 226.
Vorbescheiden Vorentscheidung 515.
vorpitezscheren, versiegeln, verlackeu 406.
vorbieten (vorlieten) entbieten , zu sich
entbieten, 211 i. HO. 112. lßä. 122. 326 f.
vorbluen verblühen, zu Ende blühen 468.
vorboygen biegen (den Stock im Wein-
berge) 462.
vorlwrnen verbrennen 441.
vorpostien (etw.) um etw. Basteien
bauen 402 1
vorbringen verleumden 52 "j\
vorbuntnisse Bündnis 6fi. 239.
vorbuasen büssen 4 HA
forchte Furcht 505.
vorkiesen entsagen 127.
vorkort umgewendet 62.
vorkuinmern in Beschlag nehmen 410.412.
vorkundigen öffentlich erklären als 131 f.
vorezeen, sich (mit Gen.) sich unter-
ziehen, eich veqjfliehten 518.
vorezehen aufgeben 165 t-
vorezehen (mit) aufscliieben 490.
vorezinsen (traus.) Zins bezahlen (für) 485.
von! fortan, fernerhin 203.
fort Furt fLL
vortammen verstopfen 273.
vordechtnisse, ane ohne dass man es
verdenkt 106 f.
vorteydingk Ausgleich, Ausrede, Ver-
teidigung 495. 407. 505, 510. 511. 514.
515.
vorteydingen verteidigen 512.
vorthammen verdammet! 189. 190.
vonlenken zumuten 517.
vordingen durch einen Betrag ver-
pflichten 251 ; verteidigen 507
vordinstnis Verdienst 241
fordir mehr vorn 351.
vordocht (vordacht) Verdacht IM^liiL
403.
vortommen dumpf werden, verderben 44:'. .
vortorben (intr.) verderben 442.
vortracht Vertrag 25Q f. 32iL 3S7.418.42H.
181. 197. 501).
vordriss Verdruss 402. 510 513.
Vordrucken unterdrücken 185. vordringen
242 f. 245. 246. 346. 25&
vortruckent vertrocknet 8L
vortruwen verloben 102 f.
vorechtigt verbannt 404.
voreynen vereinigen 5
vor cre früher 228 f.
vorerren verirren 212.
vorfesten verhaften 12L
vorfurt entführt , abgenommen , ab-
gepfändet 409
vorgäbe bevorrechtigte Stellung 401. 403.
vorgeben vergeben, vergiften 199 385.
vorgecn (intr.)vergehn, abgeschafft werden
470.
vorgnugen zufrieden stellen 512.
vorgebe Übervorteilung 269 f.
vorgraben mit Graben versehen 505. 5oG.
vorhaben verbergen 463 t.
vorhencknis Veranlassung 380 f,
vorhene vorher 488.
vorhenglich mit Erlaubnis 511.
vorhengnis Grund (dorch oder noch v.)
— auf Ciruud 4m 4H4. Zulassen, Er-
laubnis 4111 f. 446.
vorhoren anhören 414.
vorhouwen (praet. vorheuw) verhauen,
Verhaue anlegen 346.
Vorhuten behüten 487.
vorirrig verirrt, verkehrt 402.
vorlegunge Vorlage, Antrag 264.
vorleben verleihen 513. 516.
vorliegen 42& 44L 442, 445. 45S. 452. 460.
vorlygen auflauern 12B|.
vorlouckeu verleugnen ISf'
vormachen verhindern 205.
vormeden vermeiden 4S9.
vonnidimg Vermeiden, sparsame Rück-
sichtnahme auf 408.
vormoge (subst. fem ) Vermögen 375. 440.
vormogen vermögen, veranlassen 4',>7. 514.
vormolen abgrenzen 131.
vormutwillen dreist zurückbehalten 218
formund Landpfleger , Statthalter 43 ;
Vormund (in unserm Sinne) 93_j Auf-
seher, Vorsteher 409.
formundeschafft Vormundschaft 163.
forue zu voran 5*2 1 .
vorneylen vernageln 526.
vornemunge Vornehmen, Absicht 390.
vornichtigeu, sich sich erniedrigen 9JL
)d by Google
558
Register.
vornuwen erneuern 4JL 96.
Vorrechten vor Gericht büssen 4^9.
rechtlich entscheiden 494.
vorretcrie Verräterei 39_& 39_L 393.
vorryuncu berenuen, belagern 2LL
vorrynner Vorreiter, leichte (voran-
reitende) Truppen 2hl f.
vorronen verstopfen 2L3.
vormachen (vorsagen) entsagen 165 t, sich
v. =» >*ich versehen zu etw. 330 y.
vorspan eine vorn get ragene Spange 148 i*.
vor«i>eten erspähen, erkundschaften 91 1
vorspel Vorzeichen 338 y .
vorsproehe Fürsprecher, Verteidiger vor
Gericht 487.
vorsehribungc Vertrag 4*22.
vorst ricken verpflichten 232.
vorsehen überseht^ sich nicht versehn
275; (trans.) Fürsorge treffen (für),
Rücksicht nehmen (auf), berück-
sichtigen 517; vorgehen, sich sich
sorgen 243 1-
forscn forschen 322.
vorscssen aufsässig 1 16.
vorsolden besolden 41 1
vorsweren eidlich auf etw. verzichten 86 f.
vorungelden Ungeld (Zoll) geben 412 f.
vorunguaden ungnädig behandeln Uli f.
240 f.
vorunreehten lassen unrecht behandeln
lassen 484
vorwentenis Verwendung, gewohnte Art
(mit herkomcn vorwenteuisse) 483.
vorwerfen wegwerfen 5L
forwerg Vorwerk 1 18.
vorwergshoff Vorwerk, Gutshof 413.
vorwiesen ausweisen 404.
vorwunter Verwundeter 410
frawichen Frauchen (schonen frawichen
liederliche Dirnen) 403.
frede Frieden ■/.. b. 4JL 51Ü. 5TL o.
fredelichen (fredelich, fridelich) (adv.)
friedlieh 513. 515 510
freisslickeit (frislichkeit, frevsamkcit)
Bosheit 53. HL HL 1H5.
freiszlich wild, schrecklich 32 j\ 1UL KlL
321.
freuen (frischen) (intr ) frieren 488. 442.
461.462
fressen Fieber 152 f.
lritag. guter — Charfreitag .'IM
frydel Verlobter 138,
f riete Freien, Hochzeit 2M.2IÜ.
frie frawe liederliche Dirne 410.
frvon mit Freiheiten begaben 131.
frygete Heirat 137.
t'rygcn heiraten 137.
frysludt Freistadt 401
fryunge Befreiung (v. Abgaben) 411.
fromen, daz = der Nutzen 2JiL 200.
froude Freude 522.
froude Inte Dienstleute 381.
frone Frondienst 497 öl 4.
fronewagen offen tl. od. Stadtwageu 493.
fruchtig fruchtbar 502.
frundcn Freundin 100-
fruntlichen (adv.) freundschaftlich 514.
frusen gefrieren 4L
fudten (schwach, praet. von vienen)
feindlich behandeln 417 f.
futter (futterunge) Nahrung (auch
menschliche) 22fi f. 248 1 • 242, 258. 2ü3.
3411
futterer Händler mit Futtertuch 400.
fugen (m. Dat. intr.) sich passen , an-
stehen, sich schicken 320. 367.
fugen, sich sich gesellen zu 454.
fuglich passend 4S6.
füllen» und Fundainent,Gruudmaueni41 1.
fuudeling Findling 55.
furgangk Fortgang 514.
fhrsten fürsten.zum Fürsten machen 125.
furwerg (furwergk) Vorwerk 29JL 41iL
fussfent Fusssoldat 391.
fussfulg Fussvolk 339.
G. '
gardian Guardian (Klostervorstehcr) 393.
garna etwa, vielleicht 247.
gasthelder Wirt 225 üüft
gel>ettewant Bett?eug 342 !*.
gebethen gebieten 4(?3. 51 1.
gebenedigk gesegnet 3JL
gebenedigen segnen 391.
gebenedigung ttegen 525. 526.
gepofel Volk, Pöbel 156 f.
gebor Gebühr, Abgabe 411. 412. 485.
geboren, sich sieh gebühren 497.
geborlieh gebührend 497. 514. 5i:>.
geborn gebühren 487. 4R9_
gebornis Gebühr 484.
gebosen (gebü^en) stillen 45J".
gebrechen Not, Mangel 84. 91.
gebroch Mangel 93f .
gebroch, sin gebrechen 345.
gebrotte dyner ein (im, Brote d. Ii.) im
Dienste befindlicher Diener 492
gebruchech (bn<ch) Bruch, Sumpf 117
gebruchung Gebrauch 493
gebruderen , sich sich verbinden (wie
Brüder) 2Ü8.
gebutte Eingeweide 5JL
gebur Bauer 59 f. 1Ü3. 22L 225. 24A 25Ü.
2fiii ML 3Z5. 4Ü3.5DA 5DJL Ü0A
gebuwede Gebäude 403. 404. 41 1 . 485.
gekrut Kraut 467.
geczelt Zelt 354.
xf by Gc
II. Sach- und Wortregister.
550
geczcren Zehrung hnbeu 57.
geeziten Tageszeiten des kirchlichen Ge-
betes 122.
geczird, das = die Zierde, Verzierung 35-1.
geczuchtig züchtig 500.
geczug (kriegerische) Ausrüstung 334.
ÜAA. 360j Geschütz 86 f. 19JL 2üL ^iL
39J1 5JJ1
geczug, reysiges (resiges) = Reiterei
2üQf. 253. 254. 322. 324. 329. 341. «51.
354. 360. 387.402.
geczug Stofr 460.
goczuge Zeuge 5JL
geezugen ausrüsten 4iL 358.
getagete Unterhandlung 340.
gethummere (neutr.) Getümmel 389.
getreydieh (getreydigk) Getreide 451.455.
456. 464. 498.
gedrencknisse Bedräugnis 2(17.
getruwe treu 328. 3*9. 393. 496. 51 n. 516.
getruwelichen (getruwelich)(adv.) getreu-
lich m4^L4M42fi.iSL 512.
getruwen, sieh sieh getrauen 505.
getwaug Zwang, Befehl (ratis twang,
geriehtis twang) 409.
getwedig zahm, willfährig 130 f. 243 f.
getwcnknisse Bedrängnis U9_-!\
geechtigt gebannt, verurteilt 404.
geeinfeldigen Frieden suchen 225. -j\
geeniug (aclj,) jähliugserfolgend 498.
geern ackern (pflügen) 32if.
gefeile Gelingen ülf.
geverde (ane geverde) Beeinträchtigung,
Schaden (ungefähr, ungerechnet) 362.
4£L 4m 491. 194. 5JLL 512. 514
515. 517. Ms, 519.
geferliekeit (umme) (aus) Furcht vor
Gefabren (selten») 508.
geverliekeit strenge Leitung (nicht Hin-
terlist) 450.
geverlich zufallig 494.
gefiss (gefiess, auch collectiv) Gefass
' 354. 3^3, ML ÜL
gefrunt den Geschleehtern angehörend
^ 396. 500 -h 50-2 f.
gelrunden, sich sich befreunden 397.
gevuclieh nässend, nötig 3 IG f.
gffussseu uintreten, festaultreten 193.
gegatt: Genosse 521 f.
gehandelu behandeln 384.
geharnest geharnischt 520.
gehass gehässig 249.
gehin gehen 32:>
gehus Häuschen 375.
geirren verwirren, abändern 402.
gevsselere Geisseibrüder 201.
gel (geel) ^elb 435. 443.
geled Glied 439. 445. 455. 491.492.
geledemuss Gliediniiss<>n 4üf.
geleitsman (gleitstnann) Geleitsmann,
Führer des (sächsischen) Geleites 271
460.
gelobte Gelübde 312.
gelobede Gelöbnis 409.
gelouken leugnen, ableugnen 311
gelouffte Gelaufe 22Ä
gemaukorn geniengles Korn 445.
gemechte Schamteile 524.
geineyn (gemein) allgemein 103. 151.
gemeynelich gemeinsam 505.
gemeynt woenen Woche, iu der täglich
Messe für die Gestorbenen gelesen
wird (zwischen L u. 2. Sonntag nach
Miehaelis) 265.
gcmolt (das gemolte hus) mit Gemälden
versehen lßilf.
genedirn erniedrigen 231.
genenteyl (nf) auf jenen Teil 232 f.
genesid (genesit, gensit, geust) jenseits
68 272.346 371.376 379
geordint geordnet 404
ger (nicht) = (nicht) ganz.
gerochtickeit Gerechtsame 407. 513.
gereden geraten 443; ge reden u. reden
retten 315; (geretheu) versprechen
510.518.519.
gercit (gereyt) bereit, offenbar 9JL 116.
gereyte (gercite) gerade, bereits, schon
62f. 22JL25Ü. 329.
Berichte Geriehtssprengel 82t- 97.192.211.
212. 238. 447 511.51 3. 5 14 517.
gerichtsezwenge (plur.) Gerichtszwang,
Pflicht, Recht zu nehmen 4S'">.
geringlich ringsum 31 9v.
geruchte (neutr.) Gerücht, Lärm 27 1 . 389.
geruelich (geruhlichen ) (adv.) ruhig 5 1 3.
gerumpele Lärm, Gepolter 228 t.
gerumen aus dem Wege gehen 90^ Platz
machen 273 f.
geruwig ruhig 181
gescheen (geschegen = geschah) ge-
schehen
gescheffede Geschäft 125.
geschieht (— geschicket) : sich darezu
schicken sich dazu schicken 358.
geschutz Geschütz ßüIL 3Ü2.
gestalt gestaltet, beschaffen 497. 514.
gestan gestehen, über jemand Gerieht
abhalten 106 f; zu einem stehen IUI f.
gesewen säen 374 (ebenso: ungesewet).
gesynnen das Ansinnen stellen 485.
gesynuen werden gesinnt werden 488.
gesmide Geschmeide, Wertsachen 238
gessen (gaszi essen 1 93.
geswigen Schwägerin 97.
gewaldiger Beamter, Oberbeamter, Ge-
sandter üi 53. 299 f. 2ütL 2£L 32fL 3JiL
jd by Google
560
Register.
gewant (v. wenden, mit Dat.) in einem
Verhältnis stehend zu , zugeeignet,
untert hünig 402. 483; zugewandt,
freundlich, verwandt 3fi8- 4ü8; zu-
gewandt, untergeben 495 ; verwandt,
beteiligt (an) 518.
gewantsnider Tuch-, Schnittwarenhändler
485.
gewechste gewachst, mit Wachs dichf-
gemacht IM f.
gewette Kleidung 104.
gewelde Wald 34JL
geweude Wendung, Grenze 62.
gewere Besitzrecht 40'. J.
gewerren schaden 322.
gewiet (zu der episteln) geweiht (als
Lektor) 105 f.
gewopent gewappnet, bewaffnet 892. 520.
gewonde Gewohnheit 408.
gewunt verwundet 62 t- 42L51Ä.
git (von gitis wegen) Gott 328.
gisse vass Giess- u. Wasserbecken 354.
gissen (praet. gois) giessen gj&L 386.
gladisen (verb. imp.) glatteisen 438.
glancze Lanze ■ >'.: 1 ■'< .
gle Lanze 521 f.
gledig (ge ledig) frei '-'tiT.
glefe Lanze 52t.
gleveling Turnierlanze, Lanze u. Lanzen-
führer 255 f. 258. 52L
gleser Glaser 49.
glinsen glänzen 228 f.
glissen glcissen, glänzen 358.
glosiren auslegen 232 t-
glucke (glocke) Glück 130. l£L
glucksam glücklich 467.
glugseiig glücklich 49.
glune glühend 524 1-
glunyng glühend L33f.
gluwen werden glühend werden 524. f.
gnaden ( m. Gen.) sich erbarmen über 169.
gnediglichen(gnedicklichen) (adv.ignädig-
lich 497. 41)8.
genisspn gemessen 1 1 5.
genossen Mannen 82 f.
goch jach, rasch 366.
gotwalden (sbst.) Gottwaltcn 371.
gorgil Gurgel 303.
grabe Graf 503.
gratias Tischgel>et nacb der Mahlzeit
316.
grawer monch grauer Mönch (Oister-
zienser) 134.
grawer orden der graue Orden (Cistcr-
zienser) 125. 138
gryuhund (Windhund?) 6Ji,
grosschen (bemschr) (böhmische) Gro-
schen b&.
grün (z. b. lachs) frisch 4()K
grund, zu grundelbis auf den Grund 8_ß f.
gru8se Gruseln, Furcht SAB.
grusen (intrs.) sich fürchten 4M. 455.
grussei Gruseln, Schrecken 364.
grusslich furchtbar 449.
gubernator Statthalter, Stellvertreter
• 419j Verwalter 328.
gut Waren 418.
gutlich tac (g. steen, ansteen, zurichten)
Waffenstillstand 236. 282. 9«S
266. 349. 352.
gutlickeit Güte, gütliche Verhandlung
SIL r>14.
gülden bulle goldene Bulle 313- 316.512.
guunen (m. Gen., praet gunste) nach-
sehen , einverstanden sein , erlauben
156 f. 235. 310. 319. 504 f.
H.
hacke (fem.) das Behacken (der Wein-
- 1< "/kr 463.
hayl Hagel 123 f.
hall>crn zwei Farben haben Oöf-
halbern halbieren, der Hälfte nach teilen
halden festhalten, bestimmen 313 f.
halden (uff) = lauern auf 148.
handeln (handiln), gehandein l>ehandeln
lOKf.miüL
haut haben handhaben, vertreten 486;
schützen 32* f. 419; anhalten 512.
hanthabung Schutz, Verteidigung 512.
hantwerg (hantwerck) Handwerk 185.
397.40».
hantwergismeister (hantwergemeister)
Handwerksmeister 40L 402. 4M
hartelin hart, beschwerlich 324
harnasch (harnaas) Ringpanzer 88 f. 920.
273. :U8. 351. 3*9. 392. 516.
hasengorn Hasennetz 276.
hegefeld eingehegtes Feld 497. ,*» 1 4 .
heige Hacke 523 f.
heiligen heiligsprechen 153; die Heiligen-
bilder 486.
heymet Heimat 223f.451.
hevmelkeit Heimlichkeit 454.
heimelikeit Abort 436,
heimelich (heymelich) vertraut 52. 55 f.
14&25&
heymelichen vertraut, ergeben 141.
beir (hehir, her) Heer Iii LLL Lül IAIl.
322. 330. 33L 332. SM, 334. 335. 33JL
:j3L 339. 344. 345. 348. 342. 35Q, |5L
352. 353.350. SM. 373. 416.
heirezog Heerzug 370.
heirfelt Heerfeld, Heerbann 322.
heischen fordern, abfordern 328.
heisen heizen 451. 464.
II. Sach- und Wortregister.
561
heissen (praet. hisz: den u. der hiaz)
heisren 4üt-
heller Heller 147f.
hemischlich hämisch hL
henger Henker ADJL A&L ±]SL 524.
henzuglegen hinzulegen, vorzulegen 518.
herbarge Herberge 331.
herberg, der Das Lager 208 t-
herbergeu, mit Herberge nehmen
bei 5L
herbringen herbringen, überkommen 51:3.
herezogesten, dy Die herzoglichen Unter-
thanen 506.
herfarten Heerfahrt machen 361.
herlickeit Herrlichkeit, Oberherrlichkeit
412. 484.
hern verheeren, plündern 148 f.
hitzeu heiss werden 4f»5.
hinder heimlich vor äiL
hinderkomen hinterziehen 493.
hiuderhut Hinterlhit, hinterlistiger Plan
801.
hinder reden verläiunden LU.+-
liinder weh czeeu sich zurückziehen 515.
hinderwart hinter dem Rücken l^t>.
liinfur hinfort, fernerhin 48"» .
hirezug Herzog 322.
hirnoch malis hernaehmals, spater 21t-
hirschailt Herrschaft 232. 350.
ho Höhe 44tt.
hobisch (hubisch) höfisch , feingesittet
89f ■ 13Ü. MlLSafi, 3&L31&
h«»ke Hacke 468.
hockenbuchssen (hackenbuchsen) Haken-
büchsen 34iL(344t).5j5LllÜU
hoteze Wiege liiÖf.
hotte (hutte) Hütte 174t- 22fi.44fi.
hoemutigk hochmütig 849.
hofegesindeHofge?inde,Hofleute,Hof392.
hofestad Baustelle 132,
hofewert Hofverwalter 387.
hofewerg (hofewergk) berittene Krieger,
Reisige 2üÜ t- 22L 387.
hoitte Haupt Z2hf.
holden (hulden) huldigen 38f>. 397.
houlde thun huldigen 38f».
homuticklich hochmütig 125,
hornungk Februar 471.
houbt Haupt ÜitfL
houbtbuebse grobes Geschütz 3fi0.
houbther Schutzherr 354.
houbtman Hauptmann, oft z. B. 505.
honbtlute Hauptleute 40, 515.
houbeten (praet. houpte u. houbte) als
sein Haupt anerkennen 89 f.
how Heu 335. 374. 441.
howschrecken (houweschrecken) Heu-
schrecken 415. 416.
hübe Helm 361j Haube 457. 470.
K. Stollw Momorialo.
hufle (huffin) Haufen 377.
hulden huldigen TL 182.
humot (hoiuuth, hömut) Hochmut 235.
23iL2iiL 39iL
homutig 242. homuti glich 401.
homtiten (acc.) demütigen 249. t-
hun Hohn 317. 418.
hussrot Hausrat 43fi.
L J. Y.
jagehorn Jägerhorn XML
jarmart ijarmert) Jahrmarkt 147.
ykein kein 373.
icht etwas 9A 10ßi etwa 245.
ycheierley keinerlei 412.
itezundis (itezunt) jetzt Ü2 1 u. oft.
yder jeder 412, 4S1L
ydermann jedermann, oft, z. b. 375.
jeren (praet. jar) gähren 442
iglich jeder, oft, z. b. 500,
iglich jcglich 37A 37JL 27JL 382. 401.404.
4fm.4(»9 4U) \M 4 Stf. 44» 441 4*1 Ist;
iht irgend, etwa, auch = nicht 49 t- KL
ymand (ymant) jemand, oft, z. b. 484
485.4^ 4m
inezehin einziehen 404.
inthan v< ;rpfanden , Oberg« bcn2H9.270.272.
intrag (intragk, intraguug) Beeinträch-
tigung 409, 410_ 4j& 492. mL
indult Erlass (nach kauon. Rechte eine
vom Papste verliehene, vom gemeinen
Rechte abweichendeGnadcnbczeigung)
488.
ynehant (behaut , venthand, ionehant)
zeitlich : zuweilen* 260t- 332. 341L 442t
■t(>9; örtlich: jenseits 324.
infel Inful 1D2.
inflen Inful 525.
iu füren hineinführen , ins Gefängnis
bringen 4Ü2*
ingeber Ingwer 376.
ingesegel (ingesegil, ingesigil) Siegel 89_t-
253. 27JI ÜlL 342. ML 309. 401. 404.
413.49A49A
ingobe Beeinflussung 504.
in halten enthalten 148 t-
inheymmesch einheimisch 490.
inheissen einheizen 44v> 445. 4fi2.
inholung Einholung, Einzug 525.
inlendisch inländisch, innere 517,
iniessen lesen (v. Wein) 443. 4^2,
innewendigk innerhalb 454. 498. 504.
innewoner (ynwoner)Einwohner 490 tii(;,
inaagung Einspruch 492.
iuaegel (insigil) Siegel 518. 519.
inwart inwendig, nach innen 465.
yo je 119.
yoppe (j°Pl)e) Jacke 45&470.
2fi
jd by Google
ttegister.
jogunt Jugend 32Ü.
iomerig mitleidsvoll
irrethuni (errethum) Streit u. Zwistig-
keit 224 t- 322. 418. 453
irren Abbruch tbun (pass : leiden) -1Q&41L
irrung Streit 4ÜL 41L 4_ÜL hliL
L.
Latwerge Latwerge (Arznei) 150 f.
lantvogt Landvogt 366.
lantwere landesübliche Münze 98 f.
langewile lange Zeit SIL ÜiL
bissen Leibeigene 59_i hinterlassen hhf.
lauven gelt Löwengeld 463.
lawe Löwe 8ö+. 8L
lawenpheng Löwenpfennig 462. 4ti:v
lawengrosehen Löwengroschen 4<iH.
lebennig (lebennigk) lebendig 43 f. 4ti.
a^fi. .hk5.
lecker Schelm 384.
lecht Licht 4SL Hül 5Q£L 504.
lechtchen Lichtchen 5ü0.
lechtewe Lichtweihe, Liebt mens oft,
z. h. 24-i.fiir»- aift. 519.
letania Gebet 467 f-
letczen verletzen 133. 40-2.
leile Freiheit 275f.
ledeganex unverletzt 215 f.
leden leiden 128. 444. 4<R
lederer Lederhändler 48/» .
ledichen Kotier, Truhe 54 f.
lecn (lehen, legen) zu Lehen geben, be-
lehnen Ü1L
leenhalben (adv.) aus Lehnshcrrnptlicht
510.
leenscharl't Lehnsherrschaft 125
legel Fässchen Üläf.
leger Krankenlager 440.
leben als Lehen geben 78_l (praet. part.
gelegen) leiben 311.
leyd (plur. m.d Gen.) Ix;id (um etw.) 193.
leitte Leiter 890.
leide Leid Ü2A
leyte Ladung, Wagenladung 459 f.
leyeman Laie 381.
leygen Laien 501.
leyssou Leison (aus: kyrie eleison)
priestcrlichcr Volks- und Bittgesang.
2Ulf. 310. 381.433 t- 500.
lern (praet. lerte) lernen 395 f.
leste Last (ein Maass) 245f.
lestern verunebren, schunden 1
libezeieben Leibzeichen, Zeichen von dem
oder für den Körper eines Getöteten 490.
liberie Büchersainmlung 3üß+.
lipgediuge Witwenleibrente, Leibgedinge
93J&. 9JL153f.
lidcliu Liedlein, Liedeben 4JJL
lieb Leib 49_L
lien liegen 378.
liben liegen 3jQ9_ ; (praet. leich) leihen
382 1- 4-19 (part. gelegen).
lyhen zum Lehen geben. 513.
lilachen Retttuch HDf«
linde rullig 353 f.
list Litze 456. 470.
loycken leugnen 404.
losen lösen, bezahlen für jind. 93 f. 335.
lossriser Lesereiser, Leseholz 485.
lossung Öffnung 320; Lösung, Losungs-
wort 333.
loube Erlaubnis 312. S8L ^iL ALLL 404.
405. 406 412. 456.508.
louift Auflauf 3m
louffte Verlauf 402. 4J& 4S& 4JitL 512.
loucliten (praet. luchte = lucbtete) leuch-
ten 82.
lutter wenig 220 f.
luten läuten 523.
luthe Leute 508. 517.
lutbe (lut) Laut, Wortlaut, Ausweis
404. 482. 513. 519.
lun Lohn 403.
M.
mad (adj.) stinkend 4ü2+-
magistat Majestät 368.
mayt (meyd) Magd 100.
maiueh manch 4iif.
malder Malter 49J± 501.
maleczeddel Malilzettel 451. 4.r»3, 4~n>.
malegelt Mahlgeld 450. 471.
manchirhand mancherlei 35t>.
mand Monat 393.
mangiln handgemein werden 35Ö.
mannescho (mannesebu) Mannschub 45ti,
470.
maunes namen Männer 500f.
mart (plur. merte) Markt 412. 444.
452.4ifi.50L
luartmeister Marktmeister 405. 41 1.
margk Mark (Geld) 142. InU
marstallcr Beamter des Marstal les 322»
meeze Met /.e, verachtete Person lieh keit33 1 .
meteze (? metejer) Metze (Henker) lMf .
mette Frübgottesdienst 523.
niete mit 454.
metegifft Mitgift 90.208.
metcTidunge Mitleid SD f. 808.
meberu mehren 516.
mehir (ineher) Meer 151.213 u. a.; = mehr.
fernerhin 39j = früher schon 39. i
Hill 216; (meliere) mehr 332. 344- 34j.
360. SüL 380. 383. i&L 389. 392. 393.
400.412. 51 ö
nieydiehen Mädehen 102.
nieynen bebandeln 220.
xJ by Googl
II. Sach- und Wortregister.
563
meynsch Mensch 525.
meir mehr 240.
meister Magister 288. 494 ; = ratis-
raeister = Bürgermeister 366.
meiuoriale ( tuemorial) Denkbuch 308. 388.
merczenfeld Marsfeld 48,
tnerorteil (mererteyl) Mehrzahl 355 gjjQ,
400.516.
merglich bemerkenswert 451 +. 4*5. 403.
mcrmenge (meremenge, m<K)rmenge) Der
grossere Teil 438. 439. 450. 500. 503.
inessgerte Messgerte, Messrute 4fi9
mittenander miteinander 501 . 502. 524.
ministriren dienen (Iku der Messe) 526.
mynner weniger 406.
mynnern mindern 410. 516.
mischere (messire) Herr 39 1 •)•■ 392.
missebetunge Lästerung 1 59. 240.
missebethunge Missachtung 202.
missebieten verunglimpfen, lästern 159t.
missetetiger Mis>ethäter 489.
missefal Unglück 308.
missehagen (verbura) missbehagen 380
missereten in die Irre reiten 193.
miserere, da* Miserere-Gebet 521 f.
missewachs Misswachs 435.
mode (mude) müde 338. 341.
mog (mag, mogk, inngk) Verwandter
48. 71.93, 95. 119. 149. 153.
mogelich (adj.) billig 362.,
mogelichen (adv.) wie es recht u. billig
ist 352 |.3>;i.
molle (mulle) Mühle 251L 443. 485,
monch Mönch 451.
mond Monat 458.
monslcr Münster 329.
morderye Mord 180.
morne morgen 86.
morster Mörser (Geschütz) 319.
mudeckeit Müdigkeit 348.
muten verlangen 231 f.
muthermen, sich sieh abhärmen 01 f.
munteze Münze, Münzrecht 401.
m&sshuss Speisesaal 84 f. 122. 189.
musswergk Gemüse 40fi.
niuwe Mühe 240. 4SJL
muwen mühen, verdriessen 56j sich
in u wen sich bemühen 274. 343,
N.
na nahe, schmal 458 1.
nackebur Nachbar 354. 379. 503. 523.
nedderkleyt Unterkleid 39. 177.
nedderlegen verlegen, sperren, versperren
(die Strasse) 183 f. 205. 456.
nalde Nadel 142 f.
neyelen (neilen, praet. neilte oder neylte)
nagehi 242 f.
uemen (an synen arm) nehmen (in
seine Anne) 96+.
nergen (nergent) nirgends 81. 9JL 100.
121. 140. 239.
uest (neest,adj.) nächst 80. 446. 46L 4£L
502. 503. 512. 513. 522
nichtis nichts 3-15.
nyd Neid 50 k
nidderiegen fpart. praet. nidder gelacht)
töten 356 t-
nien, sich (sehwach.Vb.) .sich nahen 380.
nygen neigen, verehren Stil.
nyhit Neid 414.
nyndert durchaus nicht 485.
nirgen nirgends 379.
nochkoiiunen (nachkommen) .Nachfolger
483. 484. 4i45. 486. 400. 492. 404. 4Ü5.
40L 4M aülL 5ÜL 5_LL 512.513. 514.
515.5IA 517.518.519.
noch enande nacheinander 228.
notez, der = Nutzen 234.
noddorft nötige Hechtsmacht 402.
nottorft (uotorft, notturft) Notwendig-
keit 422. 502, 512, 513. 517.
noddorfftiglich notwendigerweise 4 9 1
nötigen bezwingen überwältigen 393
novt <novd) Not 234- 408. 440. 444. 498.
506,
noytdorfft (notorfft, noddorft), Notdurft,
nötige Dinge, Notwendigkeit 408. 409.
411.443.450.
nossel nösel 508.
nosser Zugvieh 217 f.
nut'htirn nüchtern 377.
mit (von nutwegeu) Not 196.
tiiunme (nymmc) nimmer, gar nicht 462.
nunne Nonne 45 1 .
nuwe neu ; oft, z. b. 502. 507. 508.
nuwengebu, der = Neubau 485
nuwenst, von = neustens 134.
nuwerung Neuerung 413.
0.
obber über 526.
opphern darbringen 44. 45.
obeltether Übeltbäter 26L523.
obende oben 32.
obess Obst 464.
obirlasten bedrängen 5_5_f.
okrut Unkraut 186.
oley Öl 406.
oley riss Ölzweig 38.
on (praepos.) ohne, von 243 f.
onendelich (one endelie , oneudilge, un-
endelich) untüchtig 21 +. 23S. 230. 450,
4M.
orkunde Urkunde, Zeugnis UJL U2. 120.
orteyl Gericht 133.
ordenern ordnen 484.
jd by Google
Register.
orfcde Urfehde (Vorzieht auf Rache) 412,
orloub Erlaubnis 141 f.
osse Ochse 335.
Q.
quad kot 90 f. 319.
quereh quer 448. 5*20.
quitancz Quittung 515.
quinger Zwinger 520f.
R.
rad Ordnung 395.
radebrechen radern 224.
radhem Ratsherrn 375.
rathgel>e Ratgeber 67 2fifi.
ratishuss Rathaus 454
ratitmieister(ratissineister) Bürgermeister
rasten liegen ":?(>.
rebenbrotcn Rippenbraten 471
rephun Rebhuhu 416.
rechte (zur) halden (Dat. =- gegenüber
jmd.) einen vor Gericht stellen 402.
rechten richten 422.
rechtfertigen ins rechte Gleis bringen
312; Recht verleihen 40JL 4U_i zur
Verantwortung ziehen 485.
reehtechuldigen rechtlich überführt 224 f.
recht wissend rechtskundig 515. 518
redelich tapfer 250_t; verständig, ordent-
lich 222 f. 5_18^5_15,
redelichen (adv.) ordentlich, richtig 346.
reden retten 325 ; versprechen 253.
reth der Riu 521 .
retheu reiten 521.
redunge Rettung 14£ ffi 24A 302. 334.
redunge Reiterei 274 f.
refal Reinfal (istrischer Wein) 244f.
reveiidarii Referondarii 322.
reformacien (kirchl.) Reformation 315.
reformeren reformieren 315.
regalia landesherrliche Rechte 402. 453.
regeruug Leitung 408.
regnen (praet. reinte) regieren 38. 459.
regueren regieren 11+.
reyn (regen) Regen 377
reynen (reinen) regnen 377.
reisen reizen , aufreizen 102 f ; reizen
läfif.
reisig beritten 3S2.3fiL
remesniter Riemer 425.
resaeu Riesen 4L
rick Gestell 84 f.
ricken sticken 456. 470. 471.
richten einrichten, Frieden sehliessen
18G ; (einem) jemd. zum Rechte ver-
helf«^ 130i\2iiG.aä2.
richten, sich sich vertragen, sich ver-
söhnen 194.
richtunge Frieden 197. 198. 204. 210.255.
2fi3. 22L 332. 353. 3fi£ 41S. 423. 488.
489. 490.
ryt (ryet) Ried (Flussthal) 117. 119.
ritterhuss (=- palas) Halle des Burg-
herrn L7JL
ringe, zo im Ringe, im Kreise 520.
ringen (praet. rangte) 5L
rynnen (rinnen) Kennen , Angriff (beim
Turnier u. Manöverieren) 250 f. 52L
rynner Trossbube 155 +.
risehlich rasch, eilig 2IL
rochunge Rache 25 f.
rosseblumcn Rosen 501.
muberige (rouberic, roberige) Räuberei
82 f. 122. HTi7.
rouchen räuchern 354.
rouffen (reuffen) raufen 383. 384.;
Schlägerei 4GJL
ruppe Raupe 4 i:),.
rucke Rücken 40r>. 524
rucken zucken 410.
ruch rauh, haarig (ruche kleyder Pclz-
kleider) 443 f.
ruter Reiter 308. 507.
rüge (adj.^ ruhig 88j r. (subst.) Ruhe
116. 121. 232. 356. 357.
rügen ruhen 19ö. 197.317. 838.
rüstig geübt 250 f.
ruwe Reue 5JL 12JL I2L L9JL 123. 22L
310. 328.890.
ruwen reuen 3t>l.
a
saerarium Sakristei 389.
«nennten (sacristie) Sakristei 389. »91 .46«.
safferan Safran 24 (i.
sag Sack 240 f.
salczcram Salzverkaufstelle 405.
salczgrave Salzgraf 405.
salickeit Seligkeit 2fi»
samytabutel Sammetbeutel 142.
sammen sammeln, versammeln (trans.)
12M. 130_ 499j sich s. = sich ver-
sammeln 500.
aammenung Versammlung 525.
sammunge (in die ^= für die) Gesamt-
heit 312.
spalten (praet. spin) in = spannen an L3L
spetal(spcttaliSpitAl, Hospital 27.142.153.
«penne Feindschaft 481 483 517.
spiteze Turmspitze 45& 452. 4SI ; keil-
förmige Sehlachtordnung 67f.
npilling Pflaume 44 3 +.
spise waine Sjieisewagen 2">9,
ftporen spüren 384. 523.
schatezen Geld abuehmen 210+. besteuern
314.
jd by Googl
II. Sach- und Wortregister.
565
schatczunge Uisegeld 320.
schafftrifft (schofftrifft) Schaftrift 422.
514.
schantcze — zu schantcze gehen den
Wechselfallen des Krieges unterliegen
187 f; die schantcze vorsagen (vorsehen)
sich zudem Wagestück versehen 330 f.
362.
schkleve Sklave 314f.
schcppfe Schöffe 409.
Scheden schaden, beschädigen 398 t-
sehetter schadhaft, schlecht Mfi t- 464.
schefferie Schäferei 374. 505.
schelchen kleine Schelle 406.
schelglich hinterlistig 323 f.
schemede Scham 31L 24. 25. 150.
schcmel schamhaft 136 139.
»chemelich schimpflich 95. 156.25;l2fi5
schere bald g£ f. 93. lflQ.
scherer Barbier, Wundarzt 3^4.
scherff Scherl (Müoze) 405.4.^;.
scherm Schirm, Beschirmung 510. 511.
514.515.
scherme Schutzdacher 265 f.
schermuscl Scharmützel 251 .
schicken ordnen, gestalten 85j beschicken,
besorgen 124; einrichten 170t; be-
wirken 31#t ; sich sch. sich an-
schicken, sich rüsten 39H ; zu schicken
haben zu thun haben 51 1.
schiffrich schiffbar 125 t-
schilder Schildmacher, Wappen maier 4Q5.
schiltfessele sch ild tragender Knappe
Schilling Schilling 142.4Ü3.
schyinpf (schimpf) Scherz 338 f.
schinden Gewalt an thun 14g f ; plündern
122.
schirmt nächstens 243.
schiss hus Abort 81.
schlissen, sich — reissen, zerreissen 415f.
scho (auch plur.) Schuh 344. 348. 355.
378. 380. 469. 470. 471.
schopissen fleisch Schöpsenfleisch 471.
schotsehenbof Schützenhof 37 fi.
schote Schutz, Scbutzwand 319 t-
scho ff Schaf 37A 448. 450.
sclion schön 358 373 :is7
schön sich scheuen 380.
schossball Schossbalg 428. f.
schosser Schosser (Steuer- u. Ver-
waltungsbcamter) 417.
schret Schritt 41 ft
sehret steync Schrittsteine 20 y.
schrien (praet. sch riete u. schrey)
(schreyen) 99t- 123. 156 f. 328. 4ML
schubcnckc Schuh verkntifsstand 485.
schuben Schaube. ÜlwrkUad 355.361.
schutezemeister Schützen Vorsteher 375.
schutezeuhof Schützenhof, Schützenfest
314. 325.522.
schliffe Schöpfeimer 436 t-
schuldigen anklagen , beschuldigen 248.
405. '
schuni|ien scherzen, spotten 51 1-
schumecher Schuhmacher 485.
schunc Scheune 446.
schunefeger (sente peters tac) Peterstag
in der Ernte 253 t-
schüren beschirmen 243 y.
sch uste Speerstechen 88 t«
stap Stab (v. Handwerker) 486.
stacie Station (b. d. Prozession) 434. 501.
stad Stelle 112.
statbuch Stadtbuch 497.
state (han) gestatten 504 1-
stadhüubtmau Stadthauptmann 3*>7.
stetikeit Stätigkeit, Treue fiL
steen, uff (in. Dat.) zustehen 352.
Steffel (fem.) Stiefel 223t-
stein In stehlen 333.
steynweg gepflasterte Strasse 319.
sten, an unterstehen, unterworfen sein 118.
sterner (plur.) Sternbrüder 2ÖL
Stessen stoßen, ausatosseu, herausstossen
467.
stigeleittere Stiegeleiter 322.
stiuren ausstatten 456.
stobenheiser Stubenheizer 316.
stobichen Stübchen (Gefäss, Maass) 471t-
stock (stogk) Gefängnis 252. 4QL 402.
403. 404. 410. 463.
stock Stück, silbernes Stück 521t-
stomph stumpf, breit 471.
ston anstehn, sich geziemen 23fit-
stouber Jagdhund 88 t
stracks sofort 511. 519.
straffung (st raffunge) Strafe 122. 1S3. 482.
sträng (pl. strenge u. strengke) Strang,
Strick 354.371.
stritbarte Streitast 520 f.
strowen streuen 331 416.
stuterer Stallmeister 322.
sture Steuer 4LL 450. 42L 5JA. Unter-
stützung 414 f.
sech siech 28. 11ML 142.
setezen aufsetzeu, aufschreiben 400 t-
seth Saat 497.514.
segneren anstecken 383.
seheg (segen, signum) Zeichen 31 2t-
sehen (praet. sog.) sehen 350. 408.
Beyer (neutr.) I hr 434.422. mLML bZL
selczamickcit seltene Liebenswürdigkeit
S6y.
Hcljjerete Werke zum Seelenheil 100 t. 190.
senckel Schnur 45<>. 470. 471.
benowellc rund, gewölbt
jd by Google
566
Register.
senffrautigkeyt Sanftmut 134.
isenig wehend 23 f.
seraph Seraph
sero (adv.) viel 379.
seweo säen 443.
sexte Hexte (priesterl. Tageszeit) 334.
sigil Siegel 495.
sint da, weil 115 t.
sintflut Sintflut 3S. 39. 4u.
»lag Versehlag .VJO.
slaen schlagen 507.
slangenbuehsen Feldschlangen 343.
(344 t ). 360.
siecht schlicht, ehen. grade,glattl42y. 310.
slcgescbrttcz Abgabe (von eingeführten
Waren) 401.405. 493.
slotfen schlafen 303.
sloyger Sehleier 379
slossel Schlüssel 454.
sinnig schleunig 4'.»>.
sluniglich (slunicklich, adv.) schleuuigst
512.
smaheit (smoheit) Schmach 10G. 313 ;
Schimpf 34JL
smed Schmidt 44K ; ysen »med Eisen-
schmidt l&L
smethen schniicdou 2^5
smelich schmählich 524.
snebel Schnahcl 456. 470.
sniden nach der Elle schneiden , ver-
kaufen 98t .
snyter Bcschneider (Arbeiter im Wein-
berge) 402.
snigen schneien 43S. 4H2 4flft
snoder schnöder, s<'hlimmer 79t. 95
soferre sofern, insofern 487 48S. 5 1 5. 517.
sommerlaten Sehössling aus demselben
Sommer 462.
suberlieh säuberlich, gut, viel, gross 12£L
suche Seuche 4fL f.
sul Säule 524.
sumigfoumigk) säumig.narhläs»ig4v!9.491.
sunderlich besonderer 51L
sunderlichen (adv.) im besonderen 511.
suue Sühne 517.
»unung Frieden 188 f.
sust sonst 311L ikiL 1ML 49JL 5LL 513.
514. 515. 51fV 517 (sunst 512).
sussiglieh süss, gnädig 1 < >u.
sweer Schwiegervater 125. 129.
awebir schwer 1 1 0.
Hweigen Das Inderdikt verhängen I06f.
swertgroschen Schwertgrosehen 471.
swinen Heisch Schweinefleisch 471.
u.
uberantwerten ausantworten 4^7,
nbergeen Urans.) heroinbrechen ül>erlßiL
nbcrspeln (im Spiele; besiegen 469 t-
ubersieg Überschlag 470.
ubiltat Übelthat ML
ubir darüber hinaus 118 1-
ubirkeit (uberkeit, uberkeyt, oberkevt)
obrigkeitliche Rechte 10JL 4Q_L 4ftL
4ilL iSÜL ML IM 1LL 1LL 4iL i*5
ubirdingen überfordern 211 r. 251.
ubirtreten sich eines Vergehens schuldig
machen 410.
ubirfaren (uberfaren) sich Übergriffe
erlauben (auch trans.) 410. 4Xfr 494;
uberfarnng Übertretung 485.
ubirlast Vergewaltigung, Bedrückung
154.210.
ubi missen zu viel (Nutzen) fordern,
ausnutzen 360
nbirschriben (trans.) schreiben über 397.
ubirschwenck übermässig 242 t.
nfftowen auftauen 442.
ufftrometen /.u blasen beginnen 376.
uffenbar schriber öffentl. Notar Uli t.
uffenbarunge Olfenbarung 82£L
uffenberlicneu (adv.) offenbar 375.
uftenbrcfT (uffenbrieff) offener Brief,
Vertragsdokument 509. 510.
uffenezeichen offenes Zeichen 508.
uffentlichen (adv.) öffentlich 5 1 '.».
ufferstendung Auferstehung 45.
uffgehalden aufhalten 351.
nffgeraekt aufgerichtet 41)4
ufflieben einnehmen, erhalten 137.
uffhowen aufbauen, aufschlagen 520.
ufflouffe (ufflnytft, uffloufft, ufflaufft)
Auflauf, Aufruhr 322. m 482,
uffnemen auf sich nehmen 350.
uffrichtig rechtmässig 486.
uffmekunge Aufblähung, Stolz, Eigen-
dünkel 2Mt
uffsetezer hinterlistiger Mensch 269 t-
uffsteigen teuer werden, mehr gelten
läßf. 41L lül
ufrucken erheben, in eine (hohe) Stellung
bringen 252 t-
umbencht ungeschliehtet, unentschieden
458.
umbesust umsonst älSt-
umfrede Unfrieden 6_L
umme sust umsonst 379. 382.
unpartigisch unparteiisch 515.
nnoefesteu nicht verhaften 121.
unczenielich nicht geziemend, unziemlich
123 131. 133.483.
unezucht Zuchtlosigkeit, Unrecht (Man-
gel an Zucht) ÜiL 48JL
uuezutraut ungetrennt, freundschaftlich
4m
underkouffer Zwischenhändler 269t-
undereziehen, sich sich unterziehen, sich
unterwerfen 402.
9d by Google
Ii. Saeh- und Wortregister.
undcrteynigk unterthänig 70.
undertolker Verläumder 2fi2+.
undergen vertreten, versperren 3'.il.
u uderrichten zurechtweisen ÖÖt-
undersagung Widerspruch, Entgegnung
190.
underscheit Zwischenraum 31 f.
understen zustande bringen 240 f.
undersessen (undersossen) Unterthauen
499. 507. 5 1H.
underwein unterwegs, auf dem Marsche
177 f.
underwinden (sich) sich entziehen 113 :
sich annehmen, sich bemächtigen 403.
underwisen zurecht weisen, bestimmen
Ü8.t-
untruwe Untreue 131 ; adj. untreu 390.
uneutricht unentschieden 482.
unerlich sein (in. Dat.) zur Unehre,
Schande gereichen 241.
unverdechtigk (unvordechtig,uuvordocht)
ohne dass man es (einem) verdenkt
497. M4. 515. iliL
uuflut Flut 32f.
unverbrüchlich unverbrüchlich 5 Ii). 5 1 7 .
unvon-zalt unerzühlt 108
unvorezoglich unverzüglich , sofort 4S5.
4X6 4*7. 48K. 494.
un vortreben unvertrieben, nicht ver-
trieben 465.
uuvorgrittlioh(adv.) ohne vorzugreifen486.
unvermindert ungelündert 497. 518
unvorsprochen unwidersprechlich 489.
ungeaeht missgeachtet 188; nicht recht-
mässig 514.
ungeborüch ungebührlich 513.
ungetruwekeit Untreue 251. tt12.
ungeverlieh ungefähr, ; zufällig 417 t-
51 7 ; ohne Gefahr , ohne Beeinträch-
tigung 5 1 fi.
ungelt (ungeldj indirekte Steuern 404t-
507. 508
ungelyinphf Verunglimpf tuig 507.
uuge roten pflichtvergessen 312.
ungescheideu ungeteilt 112.
ungesmidc roh iiiüt'
ungessen ungegessen, ohne gegessen zu
haben 377.
ungeweterde Unwetter 186.
ungewegen ungleich Lllt-
unhalden missachten 130.
unhobislich wider die gute Sitte Ü5.
unbobiwicheit unfeine Sitte 95. t-
unmildekeit Mangel an Freigebigkeit 9ü.
unmildicklich unbarmherzig 94 t-
uniuögelich was nur schwer geschehen
kann 402.
unmogelichen (adv.) wider Keebt u.
BUhgkeit Üäk 41L
unrad Not, Unordnung 895.
unrath Unfriede 489.
unsalde Unglück 177.
unschedelich ohne Schaden , ohne Ein-
busse 49.1 ; unbeschadet 497.
unwedderufflich unwiderruflich 518. 519.
ussezog Ausflucht 518.
usstrag Erledigung 408.
uastreger Verräter 2üiL
usse heraus 504.
usse b leben ausbleiben ,i mK r «ege fallen 1 03 .
uss ermessen unermesslich ÖL
nasse wendigk (usaweudig) ausserhalb
491.492.508.
ussgeben erkundigen 88. t-
usshecken ausbrüten, brüten 465.
usslendisch ausländisch 497. 512. 514. 517.
u&srichten (ussgericht = ussgerichtet)
bestrafen 108 1; herrichten, fertig-
m uc hen, fertig halten 515.
UHsiichlung Erfüllung einer Forderung
489; Entschädigung 512.
usswart auswärts 3iIiL
w.
wachtele Wachtel 4±tL
wagehuss Wagt*, Wagehaus 4 1 1.
wain vwayn) Wagen 187.250.253. 25*
2fii 6AL 352. Si± liTJi. 4TL AHL
505. 520.
waiuborg ( wai n borgk ,wagenbu i g) Wagen -
bürg 250.351
wal Wall (als Zielstätte) 522 t-
wald (pl. weide) Wald 403. 447
wallebruder Wallfahrer 308.
wamme Wams 355.
wann dann, als 31 1-
wart (s. keyn) -wärt» 459.
warnen (weheren) sich = sich wehren
3ü8t- HB.
wasserloutft Wasscrlauf 485.
wepeuer Gewappneter 215. 2JiL 23Ji 2üÜ.
8l8j Schildknappe 508 520. 522.
Wechsel (halden) Handel (treiben) 401.
wetac Schmerz lQüt-
wedder für 151 1,
wedderspenig (widderspenig) wider-
spenstig 48. 401.
wettewe (wettewan, wette frowe, wete-
wynne) 9jL 9A 96, liÜL LlfL UL 131.
153. 178.218.248.
weddirstendig abgefallen 1 82.
wederkeruuge Wiedergabe 145.
wee Weihe 45 1 .
weebisschofl" Weibbischoff 467.
wegk (in keinem) (in keinem) Fall 511.
wege: zu wege sin zur Stelle, anwesend
sein i<4_t-
jd by Google
568
Register.
wege Wiege 123 f.
wegen (gewegen) wiegen 115.
wegen ij>raet. wägete) wackeln 4üf.
weher (were) Brustwehr, Mauer, Wall
32jL34k
wehere Abwehr 27JL4DJ1
wehern abwehren 415.
weit Waid 37tf.41L
weydelich ansehnlich 142. 149.
weidewergk (weidewerck) Waidwerk,
.lagerei 497 514.
weidewergken Wraidwerk treiben,
weitgelt Waidgeld (Abgabe) III.
weitglocke Waidglockc 41 1.
wei Unart Waidmarkt 411.
wey&sen Waise 116.
wenden : keren und wenden, anders ver-
wenden ö(it.
werb Vertrag, Botschaft 332 f.
werben (intr.) sieh bemühen 395 f.
(trans.) ausrichten JüHif-
werd t werder, wehirt) Insel 317. 322-
324. 343. 344, 345. 2kL
wert Khemann 91 t- 102. Ul i
werde Würde 4£ß. 51S.
werden für wert halten 454 1-
wcrthschafll Fest, Hochzeit 178 f - 21&
232.
wertynne Khcfrau 123.
wertlich (werltlich; weltlich 8J1 lOfif.
308f- 352. 38ü. 4ÜL4Ü2. 404. 408. 4üiL
432. 444. 44JL 4541 IhL 452* 482.484.
4Hti. 487 4SS 489 191. 496. &ÜL 613.
525; wertvoll 98t-
weren Gewalt anthun 378; (auch bo-
weren) bezahlen 493; = werden 245
werg Belagcrungswerkzeug 20JL
werglutc (wergklutc) Bauhaudwerkor,
Bauleute 4M, 41L
wergmeister Baumeister 403.
werlt Welt 43 u. .u ; Volk, Uute 248t- 502.
wer ii kämpfen 322*
werechatl't Währung (v. Geld) 48fi.
werfe Wiese 447. 497. .M4
wessen Anwesen, Haus 448.
wibecheu Weibchen, Weiblein 460.
wibes bild Weib, Frau 513.
wybischotf (wicbischoff j Weihbischof
3X4 525.
wibissnauien Weiber 91 f. 128 t-
wichbild (wichpild) Weichbild 4JH 490
wichen weihen 385.
widderdris Verdruss 397.
widderwertig Widersacher 515. 51G. 517.
Wide Weide 49JL5Ü,
widerkar Ersatz 329 t-
wiltban Jagdbezirk 497 514.
wiltprodt Wildpret 4JLL
willenhaben beabsichtigen 273 t-
willigen (einen) bewilligen (einem etwas)
97.
wimbar Weinbeere 39,.
wimer Weinbeere 459t.
winderlich wunderlich 24t; 370. 37s
windrube Weintraube 4-12
wingort Weingarten, -berg 271.
wingorten Weingarten 211.
wynnunge Gewinn 147.
winschroter Weinküfer 400.
wiss weiss 4U I.
wis&agerynne (schwach. Subst.) Weis-
sagerin 43t-
wopen Wappen 4ÜL44Ü52H
wopenniff Wappenruf 3412,
woge Wage 404.
wölbe reytten gut abgerichtet 88 t-
wolverlumet wohl gerühmt 137.
wolgcczuget wohl ausgerüstet 339 34*.
3541
wolgewegen wohlgewogeu 312. 4'H>
wolgewopent wohlgewappnet 34 Ii.
wolrich wohlriechend 4fi7
wolstat Walstatt, Kampfplatz 88t.
won — wole = (sie) wollen 418t-
worcze Gewürze 148 t-
worcze wee Kräuterweihe (15. August)
104
wosten u nge W üste 45. 50. 221.
wossche (bossche) Büsche 48t.
wuschen abwischen, reinigen 98 t-
wüsten vernichten 38 t.
z.
zu zer- (oft) 51 t-
zubrechen zerbrechen 404.
zubringen veranlassen 231L
zueziehen antiehinen, an sich reissen 408.
zutreten zertreten 442.
zufall Anheimfall 487; Zuhilfenahme 5_lfL
zufam zerfahren, zerfallen 344.
zufellunge Zusendung, Schickung 4'>Q,
zugehorung Zubehör 411.
zugeu herbeischaffen 323 t«
zuhoiiwen geschlitzt 470.
zureiten ausreiten, auf Lebensmittel
ausziehen 185 t-
zusponden zuspunden 468.
zustessen zerstossen, zerstören 4f»5.
zustrowen zerstreuen 5JL
zuslagen ausbreiten 381; zerschlagen 344.
zuwiln zuweilen 376.
Digitized
bjÜooglc
Digitized by Google
RX 000 Ä7t M71
Digitized by Google